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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Zwielicht

von Alex2303

۩ ۞ ۩


Die Ankunft, wie auch der Zug des Portschlüssels, trafen Draco unverhofft. Der dumpfe Schwindel in seinem Kopf tat dann noch sein übriges und sorgte dafür, dass er zwischen den beiden Männern haltlos zusammensackte. Dass er nicht ganz auf dem Boden aufschlug, lag nur daran, dass sie ihn recht rabiat an den Armen festhielten und knurrend versuchten, auf die Beine zu zerren.
„Los, aufstehen!“, zischte einer, als sie ihn erbarmungslos hinter sich her schliffen, da er nicht gleich hoch kam. Erst als sie in einem Büro ankamen, ließen sie ihn los, sodass er der Länge nach auf den polierten Holzboden knallte. Dort blieb er benommen liegen, versuchte allerdings, so gut es ging, die Barrieren in seinem Kopf hochzufahren, um sich wenigstens in einem Punkt vor dem Wahnsinn zu schützen, der hier schon bald wieder auf ihn lauern würde.
„Sieh mal einer an, wen wir hier wieder haben?“, hörte er die giftig, triefende Stimme des Gefängnisdirektors Forge, zu dem er matt schielte und so kurz die dunklen, tückisch funkelnden Augen des untersetzten Mannes streifte.
„Ich hoffe, du hast deinen Freiluftausflug genossen, Malfoy. Es war nämlich dein letzter, dafür werde ich sorgen“, raunte er ihm dunkel zu, bevor er zu seinen Leuten sah, die inzwischen aufgetaucht waren. Diese raunzte er stinkig an.
„Schmeißt ihn in eine Zelle in Trakt drei!“ „Nicht wieder in die Eins?“, wunderte sich einer der Beiden, worauf der Direktor schnaubte.
„Vorerst. Im Moment schnüffelt mir der Herr Minister . . .“, zischte er. „. . . zu sehr hier rum.“ Mit diesen Worten sah er nochmal auf Draco, der trotz allem nicht anders konnte, als ein wenig zu grinsen. Mehr noch als der Direktor unheilvoll zu ihm meinte: „Ich habe keine Ahnung, wie du räudige Kakerlake es geschafft hast, den Minister, Harry Potter und seine kleine Freundin für dich einzunehmen. Allerdings wird dir das jetzt auch nichts mehr nützen.“ Damit sah er zurück zu den Wärtern.
„Schafft mir diesen Abschaum endlich aus den Augen. Ich kann seine hässliche Visage nicht mehr sehen!“ Er hatte es noch gar nicht ganz ausgesprochen, da packten ihn die beiden bulligen Männer auch schon an den Oberarmen und zerrten ihn zurück in die tiefen, dunklen Katakomben der Gefängnisinsel. Als sie in den Gängen waren, hörte Draco das Gejammer, die Schreie und das verzweifelte Gewinsel der übrigen Gefangenen.
Ihm war klar, dass er nicht der Einzige war, mit dem diese Typen ihre kranken Spielchen trieben. Azkaban war immerhin so etwas wie Niemandsland. Niemanden kümmerte es, was hinter diesen mächtigen Mauern vor sich ging. Hier herrschten andere Gesetze. Wer hier weggesperrt war, war Freiwild für die Dementoren gewesen und jetzt eben für die Wärter. Und was die wollten, war, Merlin wusste, kein Geheimnis. Rache, sowie eine blutige Vergeltung. In ihren Augen Gerechtigkeit.
Er wusste durch Lucius’ Gefangenschaft, damals nach seinem fünften Jahr, dass nicht selten Inhaftierte aus ihren Zellen gezerrt worden und nie wieder aufgetaucht waren. Niemanden hatte es interessiert.
Bedauerlicherweise hatte der Alte nicht dazugehört, was vermutlich Voldemorts Machenschaften zugrunde lag. Ein schneller Tod wäre ja auch zu gnädig gewesen. Ein Wort, das weder in Voldemorts, noch Bellatrix’ sowie Greybacks Wortschatz existiert hatte.
„Rein da!“, knurrte einer der beiden Männer, als sie ihn in eine ca. 3x3 Meter messende Zelle stießen, die nicht viel anders aussah, als seine Erste. Der einzige Unterschied bestand in dem schmalen, vergitterten Fenster, was an der obersten Stelle der Wand eingelassen war. Durch dieses drang zumindest etwas Frischluft, wie auch Licht. Draco konnte so sehen, ob Tag oder Nacht war.
Ob er es als Trost oder Grausamkeit erachten sollte, zu wissen, wie viele Tage er von jetzt an hier verbringen musste, wusste er noch nicht. Wenn er Glück hatte, oder auch nicht, je nachdem wie man es sehen wollte, würde es nicht lange sein, denn die beiden Wärter standen noch immer in der Zelle. Und das mit gezückten Zauberstäben, die gefährlich auf ihn gerichtet waren.
Aufgrund der Tatsache, dass sie ihm seine Fesseln noch nicht abgenommen hatten, und so wie sie guckten, so schnell auch nicht abnehmen würden, begann er alles an Kraft, was er derzeit aufbrachte, darauf zu konzentrieren, sich mental hinter eine dicke Stahlwand zu flüchten, die ihm den nötigen Schutz vor dem Kommenden bot.
Zwar konnte er dem ungeheuren Schmerz der beiden Cruciatus Flüche so nicht entgehen, allerdings konnte er seinen Geist vor den Folgen dieser Folter schützen, damit er nicht daran zerbrach. Es war ein Ergebnis, auf das die Männer zweifellos aus waren, für den Anfang damit aber keinen Erfolg hatten.
Es war nicht mal eine Sache von Sekunden, nachdem sie mit ihrem kranken Treiben begonnen hatten, bis in Dracos Brust der gleiche Schmerz explodierte, wie erst vor zwei Tagen. Dieser riss ihn erneut in eine dunkle Bewusstlosigkeit, der er sich diesmal bereitwillig hingab. So war die Dunkelheit einer Ohnmacht, die einzige Chance die ihm blieb, um diesen höllischen Schmerzen für den Moment zu entgehen.
Doch bevor er die Schatten willkommen hieß, versuchte er sich krampfhaft ein schönes Bild in den Geist zu rufen, welches er mit in die Bewusstlosigkeit nehmen konnte.
Es brauchte nur den Bruchteil einer Sekunde, bis er gefunden hatte, was er tief in seinem Geist versteckt hielt. Es war ein kurzer Moment des Glücks, der Wärme und Hoffnung. Ein Licht im Dunkel, das sich seiner schließlich bemächtigte und ihn in kalte Untiefen riss.

۩ ۞ ۩


Schmerz. Das war der erste und scheinbar einzige Reiz, der durch seinen Kopf, sowie den Rest seines Körpers jagte. Grund genug, sich wieder in die kalten Schatten zurückzuwünschen. Doch sie kamen nicht zurück. Sie ließen ihm nicht die Gnade, ihn erneut in eine kalte Taubheit zu hüllen.
Stattdessen suchte sich sein Bewusstsein, um den Geist, verstärkt einen Weg aus der Dunkelheit zurück in die Realität. In eine andere Dunkelheit, in der er mit der Zeit zugrunde gehen würde, wenn das so weiter ging. So extrem hatten sie ihn nicht einmal während seines ersten Aufenthaltes traktiert.
Er konnte bereits jetzt, durch die Wirkung des Cruciatus, jeden einzelnen, verdammten Knochen spüren, die sie ihm scheinbar gebrochen hatten. Zumindest fühlte es sich so an. Jede Faser seines Körpers schmerzte wahnsinnig. Selbst das Atmen war eine Qual.
Es war, als würden Messer seine Lungen zerschneiden, sobald er die kalte Luft ein sog. Zudem schmeckte er Blut. Seine Unterlippe war aufgeplatzt. Ebenso, wie er eine dicke Platzwunde an der linken Stirnseite hatte. Sein Kopf selbst fühlte sich an wie Mus. Er war furchtbar schwer und hinterließ ein dumpfes Schwindelgefühl, wenn er ihn auch nur etwas drehte. Noch schlimmer wurde es, als er versuchte, etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Am Ende ließ er es bleiben, drehte den Kopf dann aber so, dass er mit der hämmernden Stirn den kalten Boden berührte. Die Kühle war angenehm, jedoch nur an dieser einen Stelle. Der Rest seines Körpers schrie beinahe verzweifelt nach Wärme.
Er zitterte. Hatte Schüttelfrost. Warum war ihm klar. Dieses scheiß Fieber war wieder gestiegen und zehrte noch zusätzlich an seinen Kräften. Zudem konnte er sich nicht einmal richtig zusammenrollen, da diese verfluchten Bastarde ihn nicht von seinen Fesseln befreit hatten.
Den Versuch, sich daraus zu winden, stellte er beinahe augenblicklich wieder ein, da ihm jede noch so kleine Regung nur mehr Schmerzen bereitete. Er zog lediglich die Beine an, um seine Angriffsfläche so klein wie möglich zu halten, ehe er lauschte. Auf seinen schweren Atem und die übrigen Geräusche.
Er konnte die Wellen wild und ungestüm gegen die Felslandschaft Azkabans schlagen und brechen hören. Durch das schmale Fenster fiel trotz allem schwach das fahle Licht des Mondes, was ihm verriet, dass tiefste Nacht war.
Scheiße, wie lange war ich weg?, fragte er sich, bevor er ein nüchternes Resümee zog. Spielt doch ohnehin keine Rolle. Ich werd hier drin krepieren. Nur eben etwas später.
Es war eine verdammte Galgenfrist, die er bekommen hatte. Nicht mehr als eine abartige Grausamkeit des Schicksals. Ihm Hoffnungen zu machen, um ihm dann die Tür mit aller Gewalt vor der Nase zuzuschlagen. Eigentlich sollte er ja schon daran gewöhnt sein.
Nichts war in seinem Leben je so gelaufen, wie er wollte. Das Schicksal hatte ihm immer wieder ein Bein gestellt und ihn recht hart auf die Schnauze fliegen lassen. Warum sollte es ausgerechnet jetzt anders sein? Die Welt hasste ihn. Und er hasste die Welt für dieses Leben, sofern man überhaupt von einem Leben sprechen konnte.
War er wirklich so ein Arsch, dass man ihn mit all dem strafte? Verdammt, er hatte es anfangs doch nicht besser gewusst und anders gekannt. Er war ein Kind! Er hatte seiner Familie geglaubt. Ihrer ideologischen Einstellung vom reinen Blut. Diesem Fanatismus. Wenn er seiner Familie schon nicht hatte glauben können, wem denn dann? Was hätte er denn sonst glauben sollen? Es waren zwei Welten gewesen, von der jede der Ansicht war, die Bessere zu sein. Die Richtige. Welche für ihn die Richtige war, hatte er mit der Zeit herausgefunden.
Er hatte von da an versucht, alles irgendwie richtig zu machen, und trotzdem war alles falsch gelaufen. Alles, was er anfasste, ging daneben. Als würde ein Fluch auf ihm lasten. Einer, der verhinderte, dass er Glück im Leben fand. Richtiges Glück und kein vorgespiegeltes. Das hatte er mehr oder weniger sein bisheriges Leben gehabt. Eine Vorspieglung falscher Tatsachen. Ein falsches Familienbild, falsche Ideale, falsche Freunde, falsche Zuwendung.
Das alles. . . Es waren Lügen. Ein verzerrtes Spiegelbild einer scheinbar heilen Welt. Er war nichts und er hatte nichts. Da waren nur Blaise und Charlie. Sie waren die einzigen beiden Menschen, auf die er sich wirklich die ganze Zeit hatte verlassen und stützen können. Die in allen Situationen zu ihm gestanden hatten. Bis zum Schluss. Und was war passiert? Sie waren seinetwegen zu Schaden gekommen. Genauso Hermione. Es war seine Schuld, dass die rosa Kröte die Drei verletzt hatte. Er hätte gar nicht erst zulassen dürfen, dass seine Freunde sich vor ihn stellten.
Es war ihm in dem Moment ein süßer, wie auch bitterer Trost gewesen, dass sie ihm hatten helfen und das Unvermeidbare etwas hinauszögern wollen. Gebracht hatte es dennoch nichts. Er war wieder in Azkaban und er würde diesmal hier drin verrecken, dessen war er sich sicher.
Wahrscheinlich war es so sogar das Beste. Was wartete denn schon für eine Welt auf ihn, wenn sie ihn nach Jahren vielleicht frei ließen? Es war eine Welt, die ihn nicht haben wollte. Die ihn verachtete. Er hatte in dieser keinen Platz. Jetzt noch weniger als Früher. Das Beste wäre wirklich, wenn er die Augen schloss und sie nie mehr öffnete. Wen kümmerte es denn schon?
„Blaise, Charlie, deine Mutter und auch Hermione, sonst hätte sie sich nie so den Arsch für dich aufgerissen“, flüsterte ihm in der Stille der Nacht ein leises, helles Stimmchen zu, worauf er die fiebrigen Augen ein Stückchen öffnete und mit leerem Blick in die Dunkelheit blinzelte. Jedoch war niemand hier. Er war allein. Einbildung, dachte er sich. Wer sollte schon hier sein? Schließlich schloss er die Augen wieder, um sich der Kälte und Finsternis zu ergeben.
„HEY!“, hörte er das Kinderstimmchen erneut protestieren, sodass er die Augen nochmal mühselig aufschob und in der Schwärze der Nacht nun doch noch glaubte eine kleine, weiße Figur zu sehen. Diese ließ sich vor ihm in die Hocke sinken und schlug ihm letztlich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
Daraufhin blinzelte er mehr, wodurch sich seine müden Augen ein wenig scharf stellten und er die kleine Gestalt zunehmend erkannte. Was er dann aber glaubte zu sehen, ließ ihn gehörig an seinem Verstand zweifeln, den er offensichtlich doch schneller verloren hatte, als er dachte.
„Ich muss dich leider enttäuschen“, gab ihm das kleine Kerlchen, was verdammt nochmal so aussah, wie eine 5-jährige Version seiner selbst, schnippisch zu verstehen. Im nächsten Moment setzte er sich im Schneidersitz auf den kalten Boden und sah ihn vorwurfsvoll mit diesen grauen Augen an. Seinen Augen.
Okay, Draco, du hast eindeutig den Verstand verloren oder fängst an zu halluzinieren, dachte er sich, was die Miniversion seiner selbst mit den Augen rollen ließ, bevor der Zwerg ihn süffisant ansah.
„Du hast nicht den Verstand verloren und bist auch sonst soweit klar im Kopf. Na ja, sofern man das in deinem Zustand als klar bezeichnen kann.“ Du halluzinierst. „Nenn es, wie du willst“, schnarrte der Kleine und schlug ihm erneut vor die Stirn, als er die Augen schloss, um dieses geisterhafte Etwas verschwinden zu lassen.
„Nix da.“ „Verschwinde“, krächzte er heiser, was den Mini Draco schnauben ließ. „Den Teufel werd ich! Immerhin geht es hier auch um mich!“, empörte sich der 5-Jährige, worauf sich Draco von der Halluzination abwenden wollte. Der kleine Satansbraten spielte jedoch nicht mit und verweigerte ihm diese vollendete Ruhe. Stattdessen fand sich seine Hand erneut an seinem Kopf ein. Diesmal allerdings ohne Schlag. Die kleinen Kinderfinger verschwanden im Gegenteil beruhigend in seinen verstrubbelten Haaren.
„Hör auf“, bat der Kleine ruhig und musterte die verletzte Seele traurig. „Tu das nicht. Tu ihnen das nicht an. Wenn du jetzt so leicht aufgibst, wäre das so, als würdest du ihnen mit aller Gewalt ins Gesicht schlagen. Willst du das?“, flüsterte er ihm bitter zu, bevor er noch ein wenig sauer anfügte: „Sei nicht so feige! Du weißt doch noch, was Hermione gesagt hat: ,Es gibt immer Schwierigkeiten im Leben zu überwinden. Für so etwas hat man dann aber Freunde.‘ Genauso hat sie dir versprochen, dich aus der Scheiße rauszuholen. Du weißt, wie stur sie ist. Sie gibt nicht auf, bis sie hat, was sie will.“
Wie wahr, dachte er sich und schob die Augen wieder etwas auf, was den Kleinen kurz zufrieden grinsen ließ. Dieses Grinsen verschwand jedoch, als sich Dracos Gedanken in einer anderen Richtung verloren, denn auch Hermiones Mittel waren begrenzt. Sie konnte seine dunkle Vergangenheit nicht auslöschen, die ihn erst in diese gottverdammte Situation gebracht hatte. Keiner konnte das. Und die Welt selbst schien nicht gewillt zu sein, ihm die Möglichkeit zu geben, seine Fehler so gut er konnte zu bereinigen. Einzig und allein der seiner Existenz ließ sich aufheben, wenn er. . .
„Denk nicht mal dran!“, zischte ihn der Kleine da aber wütend an, in dessen Augen ein gefährliches Feuer aufflackerte. „Du hast dir schon so oft eingeredet, es geht nicht mehr weiter und trotzdem kam am Ende immer alles anders. Oder was war mit Voldemort?“, bohrte der Kleine, dem er nicht widersprechen konnte.
Er hatte es in der Tat nicht für möglich gehalten, dass diese glatzköpfige, weiße Schlange je verschwinden würde. Dennoch war er ihm und diesem ganzen Wahnsinn entkommen. In seiner Mutter hatte er zudem überraschend eine ungeahnte Verbündete gefunden. Am Ende hatte Potter sogar dieses Monster erledigt. Es herrschte Frieden.
„Genau“, meinte der Kleine nun wieder ruhig und strich ihm erneut durch die Haare. „Die Welt ist nicht so kalt, wie du denkst. Du hast trotz allem Freunde, die dir beistehen und versuchen zu helfen. Blaise, Charlie, Mom. . . Du hast dir das alles aufgelastet, um sie zu schützen. Willst du sie wirklich mit diesem Wissen zurücklassen? Besonders Mom? Sie weiß, dass du die Death Eater nur ins Schloss geschleust hast, um ihr Leid zu ersparen. Willst du ihr diesen Kummer wirklich zumuten?“
Nein, dass wollte er ganz sicher nicht, womit der Kleine zufrieden nickte und auch weiter beruhigend meinte: „Die Welt ist durchaus dazu fähig, zu verzeihen. Denk an Bell. Hermione hat dir gesagt, dass sie dich letztlich sogar in Schutz genommen und entlastet hat.“ Stimmt. „Genauso Hermione selbst. Sie war dazu bereit, dir noch eine Chance zu geben. Nach allem! Sie hat sich mit dir sogar noch eine Schlange zum Freund geschaffen. Sie wird dich nicht im Stich lassen. Du kennst sie. Du weißt, wie sie ist. Hab ein bisschen mehr Vertrauen. Dass all das nicht leicht werden würde, hast du von Anfang an gewusst. Das Leben ist nie leicht. Vieles muss man sich erst verdienen und erkämpfen. Auch wenn es schwer ist, es lohnt sich. Potter hat irgendwo ja auch das scheinbar Unmögliche geschafft.“
Das hatte er in der Tat. Im Grunde war es der pure Wahnsinn, was sie da getan hatten. Diese Seelenstücke zu suchen und zu zerstören. Aber sie hatten es trotz allen Widrigkeiten geschafft. Sie hatten nicht aufgegeben. Hermione hatte nicht aufgegeben, als sie selbst eine Gefangene im Manor war.
„Nimm dir ein Beispiel daran! Im Gegensatz zu ihr damals weißt du, dass dir jemand versucht zu helfen. Sie hat dich schon einmal aus diesem Loch herausbekommen. Sie wird es wieder schaffen. Sie lässt einen Freund nicht im Stich. Genauso wenig Blaise und Charlie. Also sieh verdammt nochmal zu, dass du am Leben bleibst! Das bist du ihnen schuldig. Das hast du ihnen irgendwo versprochen!“
Ja, das hatte er. Blaise, Charlie, seiner Mutter und Hermione ja auch irgendwie. Sie hatte alles Mögliche versucht, um ihn aus dieser Scheiße rauszuholen. Es wäre in der Tat ein Frevel, ihr all diese Mühe damit zu danken, dass er sich so einfach der Dunkelheit ergab. Das war unverschämt und allen voran undankbar. Und er war ihr dankbar. Für so vieles. Und das wollte er ihr sagen und vor allem zeigen.
Auf diesen letzten Gedanken nickte der Kleine mehr als zufrieden und stand schließlich grinsend auf, wobei er eine Zahnlücke entblößte. Am Ende verschwand die unwirkliche Erscheinung wieder im Nichts, als Draco versuchte, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nämlich auf seinen mentalen Schutz, der ihm hoffentlich lange genug die Möglichkeit ließ, sich vor diesem neuen Wahnsinn zu behaupten bis. . . Nun, so lange wie er eben konnte und wie es nötig wäre. Immerhin hatte er unter Voldemort und diesen anderen Psychos teils bereits Schlimmeres durch als das. Er hatte die Hölle gesehen und lange Zeit in ihr leben müssen. Da würde er mit dieser Vorhölle hier schon irgendwie zurechtkommen. Hoffentlich.
Es war eine verzweifelte Hoffnung, die mit jedem Tag mehr, stückchenweise aufs Neue in sich zusammenbrach, denn es geschah nichts, was ihn hätte hoffen lassen. Das Gegenteil war der Fall.
Jeden Tag tauchten ein paar der Wärter, mit einem breiten Grinsen in den Gesichtern, bei ihm auf, um ihm Gesellschaft zu leisten. Sie beschäftigten sich so intensiv, wie eh und je mit ihm, sodass es ihm am Ende so vorkam, als wäre er nie weg gewesen. Neben dem Unverzeihlichen, waren es auch noch andere Flüche, die er bereits durch Bellatrix, Lucius und vor allem Voldemort kannte.
Hin und wieder, meistens nachts, zerrten sie ihn auch aus seiner Zelle, und schleppten ihn in tiefere Katakomben. Es waren feuchte, kalte Kellerräume, wo sie ihn in Ketten legten und seinen Körper auf Muggle Art noch zusätzlich malträtierten.
Dass die Typen Gefallen an dieser stupiden, blutigen Art der Gewalt fanden, konnte er immer mal in ihren dunklen Augen aufblitzen sehen, wenn er nicht gerade die Wut darin las, da er sich soweit im Griff hatte, ihnen nicht auch noch das Vergnügen zu lassen, ihn schreien zu hören.
Diesen Reflex hatte er sich unter Voldemort und den anderen Death Eatern beinahe vollständig abtrainiert, denn es brachte nichts, diesem Laut der Qual Ausdruck zu verleihen. Weder hörten seine Peiniger auf, noch linderte es seinen Schmerz.
Im Gegenteil, denn es schien diese Folter eher in die Länge zu ziehen und nahm ihm selbst auch mehr seiner Kraft, sowie Konzentration, die er so dringend brauchte, um seinen Geist, so gut er konnte, von alldem fernzuhalten.
Irgendwann war sein Körper schließlich nichts mehr weiter, als eine leere Hülle, die die Grausamkeit der Welt abfing, während sich sein Bewusstsein in tiefe, von dicken Mauern umringte Gefilde flüchtete. Körper und Geist waren so nicht länger eins, sondern gingen getrennte Wege. Nur war sein Körper durch all diese Strapazen bereits so viel schwächer, als sein Geist, denn sein Herz begann immer wieder gegen all das zu protestieren und zu rebellieren. Es kündigte in getriebenen, unregelmäßigen Schlägen seinen Streik an. Doch kam es nie so weit.
Die Typen mussten ein Gespür dafür haben, wenn sie ihn immer wieder auf diese bodenlose Klippe zutrieben, denn sie unterbrachen ihr Spiel stets rechtzeitig genug, um ihn nicht vielleicht doch von der Klippe zu stoßen. Wieder und wieder und immer wieder.
Er hatte so bereits nach kürzester Zeit keine Ahnung mehr, wie lange das jetzt schon so ging? Ein paar Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre? Er hatte kein Zeitgefühl mehr. Er konnte nicht einmal mehr sagen, ob Tag oder Nacht war? Ob er wach war oder ihn die Dunkelheit seiner Träume verzehrte? Es war irgendwann, irgendwie alles eins geworden. Eine Dunkelheit. Eine Kälte. Eine Verzweiflung. Ein Schmerz. Nichts anderes schien mehr zu existieren. Er war verloren. Hatte gegen dieses Dunkel verloren.
Warum? Immer wieder ging ihm diese eine, quälende Frage durch den Kopf. Warum hatte sein Leben diesen Lauf nehmen müssen? Warum strafte man ihn so sehr? Warum ließen sie ihn nicht einfach sterben?
„Denk an dein Versprechen“, flüsterte ihm da aufs Neue die Stimme des Kindes tief in seinem Kopf leise zu. Ich kann nicht mehr, gab er dem Kind im Stillen zurück, was es lauter, wie auch aufbrausender werden ließ.
„Du kannst und du wirst! Verdammt nochmal, reiß dich zusammen Malfoy!“ Dabei klang der Kleine irgendwie ein bisschen wie Hermione.
Auf die Vorstellung machte sich ein kleines Grinsen in ihm breit, als er eine der vielen Szenen vor Augen hatte, in denen sie das Wiesel und Potter zur Schnecke machte. Dieses Mädchen konnte, wenn sie wollte, richtig furchterregend sein. Eine Furie war nichts dagegen. Manchmal hatte ihm Potter schon fast etwas leid getan. Weasley hingegen. . . Nein. Der nicht. Nie! Der Trottel verdiente es einfach nicht anders. Er. . .
Plötzlich klackte es irgendwo in der Dunkelheit und riss ihn damit aus dieser bittersüßen Erinnerung. Es war die Tür zu seiner Zelle, die mal wieder geöffnet wurde. Kurz darauf gewahrte er zwei paar schwere Füße auf dem kalten Steinboden, die in einem dumpfen Echo näher traten. Direkt neben ihm blieben sie stehen, wo er einen Fuß an der Schulter spürte, doch er rührte sich nicht.
Er hielt die Augen geschlossen und verwendete all seine Kraft und Konzentration darauf, sich erneut gänzlich in sich selbst zurückzuziehen, um nur eine leere Hülle zurückzulassen, denn er wusste, was kommen würde. Er hörte die beiden Typen dann nur noch kurz abfällig irgendetwas schnauben, bevor sie ihn grob an den Oberarmen packten und mit sich zerrten.
Es war also wieder Nacht geworden. Eine Nacht, die dafür sorgte, dass seinen geschundenen Körper bald noch mehr blutende Wunden zierten. Was, wie, wo und wie lange, bekam er jedoch nicht mehr mit. Stattdessen sank sein Bewusstsein immer tiefer und gelangte schließlich an einen Punkt, eine Weiche, von wo es kein Zurück mehr gab.

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