Was im Verborgenen liegt - Eine besondere Art der Magie
von Alex2303
Hallo ihr lieben,
hier kommt das nächste, bevor ich langsam in meinen Urlaub verschwinde. Ich weiß noch nicht, ob ich bis nächste Woche noch etwas schaffe, mal sehen. Dann bin ich erstmal für ca. 4 Wochen off. Wird also voraussichtlich erst Ende Oktober weitergehen.
Ein herzliches Danke an Rose-trix, Kirara, Krissi, Maria und Daria, für eure lieben Mails und Kommis. Ich freu mich, dass es euch gefallen hat. :)
Wie gesagt, vielleicht schaff ich für nächste Woche noch was. Lasst euch überraschen.
Liebe Grüße,
*Nachteule* Alex
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Nach ihrer letzten Stunde verschwanden Hermione und Draco nochmal zu Dippet, der sie bereits erwartete und Platz nehmen ließ. Für einen kurzen Moment schwieg ihr Professor und musterte die Beiden tadelnd, allen voran Hermione, an die er sich enttäuscht richtete.
„Ich muss sagen, ich hätte ein reiferes Verhalten von Ihnen erwartet, Miss Granger. Von dem Aspekt abgesehen, dass Sie ihre Mitschüler abgelenkt und bei ihren Duellen gestört haben, tut es wirklich nicht Not, dass Sie mit Ihrer Handlungsweise noch zusätzlich Ärger schüren. Ihnen war doch mit Sicherheit bewusst, dass Sie Mr. Weasley damit provozieren?“ „Keiner hat den hohlen Troll gezwungen zuzusehen“, entgegnete Draco Allan süffisant, der mit den Augen rollte, bevor er die Beiden nochmal ermahnte.
„Ich verstehe ja, dass Sie ihre Differenzen haben und nach der Eskalation vom Montag wohl auch noch eine Rechnung offen hatten. Dennoch erwarte ich gerade von Ihnen beiden ein reiferes Verhalten.“ „Es war doch bloß ein Kuss“, nuschelte Hermione missmutig. Sie hatten damit niemanden verletzt oder geschadet.
„Ich werd bestimmt nicht auf etwas verzichten oder mich verstellen, nur weil der Penner ein Problem damit hat!“, giftete Draco, was Allan ruhig abnickte. „Das hab ich auch gar nicht von Ihnen verlangt. Wenn Sie so zueinander stehen und füreinander empfinden, ist das vollkommen in Ordnung. Ich bin der Letzte, der eine derartige Verbindung verbieten würde. Nur gehört es nicht in den Unterricht. Mir reicht es schon, dass sich der Rest Ihrer Freunde nicht beherrschen kann. Sie Beide müssen da nicht auch noch mit einstimmen und zusätzlich Öl ins Feuer gießen. Sie haben eine Vorbildfunktion für alle, der Sie bis jetzt mehr als gerecht geworden sind. Lassen Sie das nicht einreißen! So etwas wie heute, möchte ich nicht noch einmal in meinem Unterricht erleben. Haben wir uns verstanden?“ „Jaah!“, stöhnte Draco genervt und wollte bereits mit seiner Löwin das Weite suchen, als Allan die Beiden nochmal zurückpfiff.
„Einen Moment noch.“ „Wollen Sie uns jetzt noch Nachsitzen aufbrummen?“, murrte Draco und taxierte den Auror giftig. Allan schüttelte jedoch mit dem Kopf. „Nein. Das Thema ist damit für mich erledigt. Worüber ich noch mit Ihnen sprechen wollte, ist die Sache mit den Spontanzaubern. Ich würde Ihnen wirklich gern behilflich sein, was dieses Problem betrifft“, lächelte Allan nun freundlich. Draco blieb allerdings grantig. Die Sache schmeckte ihm nach wie vor nicht, nur hörte der Mist leider auch nicht von allein wieder auf, was auch Hermione wusste.
„Lass dir helfen. Diese Sache belastet dich körperlich doch auch extrem“, hauchte sie ihm zu. „Wenn du da bist, passiert nichts“, hielt er ihr ruhig entgegen und nahm ihre Hand, was sie schwach lächeln ließ. Schließlich legte sie ihre andere Hand auf ihre beiden und gab ihm einen sanften Kuss auf die Wange, bevor sie leise meinte: „Ich bin da und werd es immer sein, nur beschränken sich diese blöden Ausbrüche ja nicht nur auf die Nacht. Das hab ich in Blaise' Erinnerungen auch wieder recht deutlich gesehen. Dir schadet das und. . . Na ja, ich hab ja auch ein wenig meine Probleme. Wir können das zusammen machen. Wenn es dir lieber ist, können wir Tonks fragen, ob sie uns Gesellschaft leistet? Nur lass dir endlich helfen“, bat sie inständig, worauf er eine Zeit lang schwieg und schließlich zu Allan sah, der auch weiter freundlich lächelte, bevor sich Dracos Blick wieder auf Hermione verlor.
„Du würdest hier sein und . . . mitmachen?“ „Natürlich“, lächelte sie liebevoll und strich ihm sanft über die Wange bevor sie schmunzelnd meinte: „Davon abgesehen hat es doch was, wenn wir das mit dem stablosen Zaubern hinbekommen. Das kann kaum ein Magier von sich behaupten.“ „Hm“, gab sich Draco geschlagen und sah schließlich wieder zu Dippet.
„Und wie denken Sie sich das jetzt?“
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Später am Abend schlugen Draco und Hermione wieder in ihrem Turm auf. Das Abendessen hatten sie glatt weg vergessen, da sie etwas vertiefter in Allans Aufgabe waren.
Da der gute Mann diese Art der Magie selbst leider nicht beherrschte, konnte er sich nur langsam mit den Beiden an diese Sache herantasten. Angefangen damit, dass sie sich bewusst auf die Magie in ihrem Innern konzentrierten und das Gefühl ins Gedächtnis riefen, welches es kurz vor den wilden Ausbrüchen in ihnen zurückgelassen hatte.
Anfangs hatten sie es noch mit Zauberstab versucht, der die Magie im Normalfall konzentrierte und bündelte, damit sie gezielt eingesetzt werden konnte. Er war das Medium, was sie dann weglassen sollten und sich stattdessen darauf konzentrierten, diesen Magiestrom anhand ihrer Gedanken und des Willens in ihre Hände zu lenken.
Wirklich Erfolg hatten sie damit nicht, allerdings hatte Allan nach der ersten Stunde nichts anderes erwartet. Die Tatsache, dass es seine Schüler, vor allem Draco, aber mächtig geschlaucht hatte, zeigte wiederum, dass bestimmte Mechanismen in ihren Körpern abgelaufen waren, die den natürlichen Fluss der Magie beeinflusst hatten.
Letztendlich hatte er die Zwei entlassen, für Freitag aber die nächste Trainingseinheit angesetzt, die sie für den Anfang auf zwei Stunden begrenzen würden, damit es sie nicht wieder gar so erschöpfte. Jetzt lagen die Beiden in friedlicher Zweisamkeit auf der Couch. Hermione halb auf Draco, an den sie sich kuschelte und seine Streicheleinheiten genoss. Diese wurden irgendwann von einem Gähnen durchzogen, sodass sie zu ihm aufsah.
„Müde?“ „Etwas. Ich hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend sein kann, sich auf seine Magie zu konzentrieren.“ „Ich schon. Ich mein. . . Bei den Reaktionen, die es immer nach sich gezogen hat.“ Besonders zu Anfang, fügte sie in Gedanken an, während Draco nachdenklich auf seine Hand sah.
„Was ist? Spannt es?“, erkundigte sich Hermione, worauf er den Kopf schüttelte, lächelnd zu ihr sah und ihr stattdessen mit den Fingerspitzen über die Wange strich, was sie selbst lächeln ließ. „Nein. Es ist nur der Gedanke, dass ich irgendwann vielleicht wirklich nur noch meine Hände zum Zaubern brauche.“ „Ich weiß was du meinst. Als ich damals den Brief bekommen habe, hätte ich mir nie träumen lassen, dass sich das alles Mal so entwickelt und mir die Magie so gut gelingt. Und jetzt noch die Sache mit dem stablosen Wirken“, verfiel sie kurz in eine leichte Euphorie, bevor ihre Züge eine etwas bedrückte Nuance annahmen, was ihm nicht verborgen blieb.
„Was ist?“ „Hm? Nichts. Ich hab nur gerade darüber nachgedacht, ob meine Eltern stolz auf mich wären?“ „Mit Sicherheit. Wer wäre nicht stolz auf die klügste Hexe ihrer Zeit, die sich auch noch so mutig und selbstlos einem verrückten Schwarzmagier entgegenstellt und ihm in den Arsch tritt?“ „Oh man, hör auf damit“, buffte sie ihn peinlich berührt in die Seite, was ihn grinsen ließ. Kurz darauf begann er, sie an den Seiten zu kitzeln, worauf sie kurz prustete, bevor sie brüllend zu lachen begann und sich unter seinem Griff wand.
„Nicht kitzeln! Das ist unfair!“ „Erzähl mir nichts von fair. Ich bin eine Schlange, schon vergessen? Ich spiel nach meinen Regeln!“, hielt er ihr vor Augen, packte sie und warf sich schließlich mit ihr rum, sodass sie plötzlich unter ihm lag. Hermione hatte es noch gar nicht richtig realisiert, da eroberte er sich flink ihre Hände, dessen Finger er mit seinen verflocht und sie rechts und links von ihrem Wuschelkopf in die Polster drückte, bevor er sie diabolisch angrinste. Hermione schmollte.
„Das ist fies!“ „Ich bin fies.“ „Jaah! Ein fieses, kleines, wuscheliges Frettchen!“, gab sie ihm provokant zurück und beobachtete zufrieden, wie sein rechtes Augenlid ein wenig zuckte. „Du spielst mit dem Feuer, Madam. Vergiss nicht, in was für einer Position du dich befindest“, warnte er und beugte sich gefährlich zu ihr, sodass sie die dunklen Sprenkel in seiner Iris erkennen konnte.
„Frettchen“, warf sie ihm dennoch spitz zu und reckte herausfordernd das Kinn. „Ich glaube, ich muss dir mal Manieren beibringen“, raunte Draco unheilvoll und kam ihr noch etwas näher. „So?“ „Hm. Angefangen damit, dass ich dir dein freches Mundwerk stopfe.“ „Frett-“ Der Rest des Frettchens blieb ihr in der Kehle stecken, als Draco seine Drohung wahr machte und ihre Lippen heißhungrig in Beschlag nahm.
Nur einen Moment später, begann er an ihrer Unterlippe zu knabbern und zwickte diese, bevor er sie mit seiner Zunge neckte. Im nächsten Augenblick verschwand diese in ihrer Mundhöhle und forderte die spitze Zunge der Hexe zum Kampf heraus, den sie bereitwillig annahm, während sich ihr Körper unter seinem Fesselgriff wand und aufbäumte, denn sie wollte aktiver mitspielen. Draco spürte ihr Verlangen deutlich, denn er grinste kurz in ihren Kuss hinein.
Schließlich ließ er sie los und hatte damit nur einen Augenblick später ihre Händen in seinem Schopf, den sie ungestüm zerwühlte, während seine Rechte an ihrer Seite entlang strich und etwas über ihren Bauch wanderte, bevor er sie am Rücken umschlang und noch fester an sich drückte. Hermione keuchte auf die Regung kurz auf und sah ihn schließlich außer Atem an. In seinen Augen funkelte es verlangend.
„Ich denk, du bist müde?“ „Es gibt Dinge, für die ist man nie zu müde“, gab er ihr zurück und eroberte sich keck ihre Lippen. Diesmal allerdings um ein vielfaches sanfter und liebevoller. Hermione konnte regelrecht spüren, dass er diese zarte Art der Liebkosung genoss, was ihr nicht viel anders ging. Wenn sie daran dachte, dass sie das schon so viel früher hätte haben können, könnte sie sich wieder und wieder selbst in den Hintern treten. Allerdings schob sie ihre eigene Dummheit von sich und widmete sich lieber dem Hier und Jetzt, indem sie seine Züge sanft mit den Fingerspitzen nachzeichnete.
Als sie sich wieder voneinander lösten, sah sie ein warmes Schimmern in seinen Augen. Eine tiefe Zufriedenheit. Verbundenheit. Liebe. Sie konnte nicht anders, als ihm noch einen liebevollen Kuss zu geben, bevor sie schmunzelnd meinte: „Schmusekater.“ „Ey!“, beschwerte er sich. Hermione griente.
„Entschuldige. Die Katze war ja Blaise. Schmusewölfchen.“ „Biber“, warf er ihr zu, was sie neckisch stimmte, denn sie machte die Blödelei nach, die sie von Blaise gesehen hatte. Sie schob die Vorderzähne über die Unterlippe und versuchte mit der Nase zu wackeln. Nur einen Moment später bekam sie einen süßen Kuss von ihrer Schlange, was sie lächeln ließ.
Am Ende ließ Draco den Kopf dann doch sinken und bettete diesen halb auf Hermiones Schulter, sodass sie ihren Kopf nur etwas zur Seite neigen musste, um ihm einen kleinen Kuss auf die Stirn zu hauchen, was sie dann auch tat, bevor sie den Kopf an seinen legte und ihm durch die Haare strich. Wenig später spürte sie, dass seine Atmung ruhiger und flacher ging, was ihr sagte, dass er doch noch eingeschlafen war.
Sie nahm es lächelnd in sich auf und ließ ihm auch weiter kleine Streicheleinheiten zukommen, denn. . . Auch wenn er es ums Verrecken nicht zugeben würde, war es genau das, was er am meisten brauchte. Wärme und Nähe. Diese spezielle Zuwendung und Liebe, die man sonst immer kleinen Kindern gab, wenn man mit ihnen kuschelte. Ein Gefühl von Geborgenheit und Schutz. Das fehlte ihm, wo sie ihm nun so viel sie konnte davon geben wollte und noch mehr, damit die Wunden in seinem Innern endlich heilen konnten.
Ihre friedliche Ruhe wurde jedoch durch ein Klopfen am Portrait unterbrochen, dem schließlich noch ein dumpfer Ruf folgte, den Hermione Tonks zuzuordnen glaubte. Die Hexe verdrehte daraufhin etwas die Augen, machte sich letztlich aber behutsam von Draco los, um der Aurorin zu öffnen. Sicherlich hatte sie ihre Gründe für die späte Störung. Bevor sie am Portrait verschwand, legte sie Draco noch die Decke über, der sich im Unterbewusstsein bereits das Kissen gekrallt hatte, auf dem Hermione bis eben noch gelegen hatte, und nun mit diesem kuschelte.
„Was denn?“, richtete sich Hermione leise an Tonks, als sie die Ältere vor der Nase hatte. „Ist bei euch alles in Ordnung?“, erkundigte sich diese, was Hermione verwirrte, als sie beiseite trat, um Tonks reinzulassen. „Sicher. Warum?“ „Weil ihr nicht beim Essen wart. Ich dachte, ich schau lieber mal nach euch.“ „Wir haben's vergessen.“ „Verstehe. Wo ist Draco?“, sah sich Tonks suchend nach ihm um. Hermione deutete ihr nur auf die Couch.
„Er schläft, also sei ein bisschen leiser.“ „Sorry. Aber wo ich einmal da bin, ich müsste noch kurz mit dir reden. Minerva hat mir erzählt, dass dich an dem Halloweenabend wohl noch jemand angegriffen hat?“ „Ja. Nein. Ich weiß es nicht“, murmelte Hermione, in deren Innern sich schlagartig eine mulmige Kälte breit machte, die sie glauben ließ, dass diese Hände sie wieder packten. Tonks bemerkte es, denn die Hexe rieb sich sichtlich unwohl über die Oberarme.
„Ich kann mich nicht mehr wirklich daran erinnern. Es ist wie ein Filmriss. Ich weiß nur noch mit Sicherheit, dass ich vor Ron und Lavender weg bin und nach oben wollte, als in dem Gang etwas war. Jemand. Das nächste, woran ich mich wieder dunkel erinnern kann ist, dass ich im Wald gelegen hab und dann diese . . . dieses Spinnenvieh kam. Alles andere. . .“ „Herms'?“, gewahrte sie Draco plötzlich brummelig, der sich noch halb schlafend aufrappelte und suchend nach der Gryffindor umsah. Hermione trat dann aber gleich zu ihm und ließ sich auf dem Rand der Couch nieder. Dracos Blick glitt allerdings fragend zu Tonks.
„Was machst du denn hier?“ „Ich wollte eigentlich nur kurz nach euch sehen. Aber wenn du jetzt ohnehin wach bist, kann ich auch noch etwas mit euch besprechen. Unter anderem auch wegen deines Angreifers“, sah sie wieder zu Hermione. Draco horchte daraufhin auf, sodass Tonks ihn kurz in Kenntnis setzte, was ihn gefährlich knurren ließ.
„Es scheint hier noch immer jemand sein Unwesen zu treiben, der dir. . .“, sah sie zu Hermione, „. . . oder sogar euch beiden Schaden will. Wer das vor ein paar Wochen bei dir war, wissen wir auch nicht mit Sicherheit. Gibson könnte es gewesen sein, nur ist der seit einer Weile tot, sodass wir jetzt gar keinen Ansatzpunkt haben“, seufzte Tonks und verfiel mit beiden in angestrengtes Schweigen, was Hermione letztlich durchbrach.
„Was ist mit Umbridge? Habt ihr da inzwischen was, um die Alte wegzusperren?“ „Leider nein“, seufzte Tonks erneut, der selbst nichts mehr unter den Nägeln brannte, als diese Frau ihrer gerechten Strafe zuzuführen. „Es ist, wie Draco schon vermutet hat. Wir können ihr das mit den Listen nicht nachweisen. Die Punkte, die wir haben, um sie greifen zu können, sind zu schwammig. Es sind nur Indizien, aus denen sie sich herauswinden wird. Du weißt ja selber, wie sie die Fakten verdrehen kann“, sah sie zu Hermione, die düster nickte, als sie an Dracos Verhandlung zurückdachte.
„Wir haben uns zwar schon mit einigen Mitgliedern das Gamots unterhalten, die es zur Kenntnis genommen haben, aber auch meinten, dass sie nur aufgrund unserer Indizien und Vermutungen keine Anklage erheben oder gar ein rechtskräftiges Urteil fällen könnten.“ „Drachenmist“, fluchte Hermione und begann einmal mehr in ihrem Hirn nach etwas zu suchen, um die Alte zu überführen.
„Ist dir inzwischen vielleicht noch etwas eingefallen, weshalb die Frau dich aus dem Weg haben will?“, richtete sich Tonks an Draco, der resigniert mit dem Kopf schüttelte. „Was ist mit der Sache mit Madam Rosmerta? Habt ihr da nicht irgendwas gefunden?“, erkundigte sich Hermione. „Nichts. Aberforth hat leider nichts Genaues erkennen können. Eine kleine, verhüllte, pummelige Gestalt. Mehr nicht. Es könnte sonst wer gewesen sein, auch wenn es von der Silhouette zu Umbridge passen würde, ist es wieder nur ein Indiz“, resignierte Tonks. Hermione war allerdings nicht gewillt, locker zu lassen.
Nach allem, was Minerva ihr vor ein paar Tagen gesagt hatte, brannte sie noch mehr, als ohnehin schon darauf, Umbridge hinter Schloss und Riegel zu bringen. Sie würde nicht zulassen, dass diese Pestbeule Draco doch noch in die Finger bekam, um ihm etwas anzutun. Sie würde sich ihr Frettchen nicht mehr wegnehmen lassen. Von niemandem!
„Habt ihr seine Erinnerungen extrahiert?“ „Nein. Wie gesagt, er hat nur eine dunkle, kleine Silhouette erkannt.“ „Mag sein. Das Unterbewusstsein speichert allerdings sehr viel mehr Informationen ab, als der Geist im ersten Moment erfasst. Wenn man eine Szene im Ganzen sieht, erkennt man wesentlich mehr Details, als man meint. Unter Umständen hat er doch etwas Kleines erkannt, dass aber nicht bewusst aufgenommen. Ihr solltet euch seine Erinnerungen auf alle Fälle ansehen und. . . Ich weiß nicht, aber könntest du sie uns vielleicht auch nochmal zeigen? Wir hatten beide im Fünften viel mit der Alten zu tun. Wenn sie es war, erkennen wir unter Umständen eher noch etwas, als Aberforth.“ „Da könntest du Recht haben. Ich werd das mal mit Remus und Allan besprechen. Ich denke, ich kann euch die Erinnerung morgen Abend vorbeibringen. Dann sehen wir weiter. Und du überlegst nochmal, ob dir nicht doch noch etwas einfällt“, mahnte sie Draco an, dem es schon zu den Ohren rauskam. Schließlich verabschiedete sich Tonks von den Beiden. Kaum, dass sie weg war, zog Draco Hermione zu sich auf den Schoß und vergrub die Nase in ihrem Nacken.
„Ich werd dich nicht mehr aus den Augen lassen, solange dir noch einer nachstellt“, flüsterte er ernst und hauchte ihr einen kleinen Kuss aufs Schlüsselbein. „Du weißt, dass ich mich ganz gut verteidigen kann“, erinnerte sie ihn. „Ja!“, schnaubte er jedoch und sah sie mit funkelnden Augen an. „Deswegen hat man dich auch schon drei-, viermal angegriffen und verletzt!“, hielt er ihr vor Augen, sodass sie das Gesicht missmutig verzog und den Blick schwermütig von ihm abwand.
„Entschuldige“, murmelte er wieder ruhig und zog sie richtig zu sich. Er drückte ihren Kopf behutsam auf seine Schulter, dem sie schnell nachgab, sich an ihn kuschelte und die Arme um seinen Nacken schlang.
„Ich will nicht, dass dir was passiert und ich dich vielleicht doch noch verliere. Ich weiß, dass du dich gegen andere behaupten kannst, aber so ein Hinterhalt. . .“ „Schon gut. Und wenn du auf mich aufpasst, hab ich dich ja auch im Blick“, sah sie ihn wieder mit einem kleinen Lächeln an, was er erwiderte und seine Stirn gegen ihre sinken ließ. Hermiones Blick huschte dann auch gleich wieder zu seinen Lippen, die sie in einem kurzen, sanften Kuss berührte, bevor sie sich wieder richtig an ihn schmiegte.
„Kuscheln ist toll.“ „Ja“, summte Draco zufrieden und kuschelte noch ein wenig mit seiner Löwin, bevor sie die Räumlichkeiten wechselten und in Dracos Zimmer verschwanden.
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Einige 100 Meilen entfernt, lag ebenfalls eine junge Hexe in den Armen eines Malfoys. Das allerdings bitterlich schluchzend, was mehr und mehr an den Nerven von Lucius zehrte, der zu tun hatte, den Schein zu wahren.
Merlin, er hätte nicht gedacht, dass sie so empfindlich reagierte. Eigentlich hatte er sie für abgebrühter gehalten. Er hoffte, dass sie sich schnell wieder einkriegte und die Sache abhakte, andernfalls würde er da nachhelfen müssen. Für den Moment bot er ihr aber seine Schulter an und ließ sie weinen. Dass sie ihm mit ihrem Make-up den guten Anzug versaute, nahm er missmutig hin, versuchte dann aber, sie von sich zu lösen und ihr gut zuzureden.
„Ich weiß, das ist schrecklich für dich Liebes, aber du bist doch nicht allein“, meinte er tröstend und rollte kurz mit den Augen, als sie sich schniefend halb den Rotz an seinem Jackett abwischte, bevor sie ihn mit knallroten Augen ansah.
„Ich kann das noch immer nicht glauben, dass sie . . . dass sie tot sind“, schluchzte Pansy, die zum frühen Nachmittag erneut Aurorenbesuch hatte, der sie diesmal jedoch von der vermeintlichen Ermordung ihrer Eltern in Kenntnis gesetzt hatten. Die Hauselfe Lalie hatte das Paar am Morgen gefunden und letztlich die französischen Auroren bestürzt benachrichtigt.
„Wer tut so etwas?“, konnte Pansy nicht verstehen und sah Lucius gequält an. „Sie haben doch niemandem was getan. Sie waren nicht mal unter . . . unter den Todessern“, schniefte sie und vergrub erneut in einem lauten Schluchzen das Gesicht in seiner Schulter, worauf er ihr tröstend den Kopf tätschelte.
„Nun, es gibt sicher auch den einen oder anderen Feind, den sich dein Vater über die Jahre gemacht hat. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn es einer dieser Gutmenschen war, die uns nun unseren gebührenden Stand streitig machen und unterdrücken“, raunte Lucius, um ihr diesen Gedanken einzupflanzen. Wenn sie es selbst glaubte und von ihren Gedanken vernebelt war, konnte er sie noch etwas besser beherrschen und kontrollieren. Dass die Blutmagie nun auf ihr allein ruhte, verschaffte ihm noch weitaus mehr Möglichkeiten, als zuvor.
Das war ein Grund, warum Adele und Geoffrey weg mussten. Der andere war so simpel wie gefährlich für seine Pläne, denn wenn die Beiden nach England, und damit zu ihrer Tochter, zurückgekehrt wären, hätte er seinen Einfluss auf sie eingebüßt und wäre im schlimmsten Fall zusammen mit den Anderen aufgeflogen. Denn in einem hatte Pansy Recht. Ihre Familie hatte genauso wenig zu den Todesserkreisen gehört, wie die Greengras Sippe. Doch anders als die Greengras', hatten sie durchaus versucht, ein Stück vom glorreichen Kuchen abzubekommen, ohne etwas dafür zu tun.
„Ich verspreche dir, wir finden heraus, wer dafür verantwortlich ist. Sobald wir diesen blutsverräterischen Abschaum gestürzt haben, wird es ein Leichtes sein, die Täter zu überführen.“ „Versprochen?“, sah sie ihn verheult an, worauf er nickte.
„Natürlich. Und jetzt ruh dich etwas aus, mein Schatz. Morgen sieht die Welt schon wieder ein wenig anders aus.“ Daraufhin nickte sie, kuschelte sich aber erneut an ihn, was er resigniert hinnahm und ihr weiter den Rücken tätschelte.
Frauen!
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Als Hermione und Draco am nächsten Morgen in der Großen Halle ankamen, saß der Rest ihrer Freunde bereits am Tisch und beschäftigte sich mit dem Frühstück. Ginny nahm es grinsend zu Kenntnis, dass Dracos Langschläfer-Gen auf Hermione abzufärben begann, denn für gewöhnlich war die Hexe ein außerordentlicher Frühaufsteher. Allerdings gab es ja auch recht spezifische Sachen, die man im Bett machen konnte, die durchaus reizvoller waren, als mit den Vögelchen aufzustehen. Was das anging, da brannten der Rothaarigen ohnehin ein paar pikante Fragen auf der Zunge, inwieweit die Beiden ihre Zusammenkunft gefeiert hatten? Apropos Feier.
Sie linste Blaise über die Schulter, der schon den ganzen Morgen eifrig in sein kleines, schwarzes Büchlein schrieb und sich Notizen machte. Dabei vergaß er erstaunlicherweise sein Frühstück, denn sie konnte sich ungehindert etwas von seinen Karamell Pancakes stibitzen. Als sich ihre Gabel jedoch ein zweites Mal gefährlich seinem Teller näherte, hatte er plötzlich seine Gabel bei der Hand und drückte ihre damit energisch nach unten.
„Vorsicht. Niemand klaut mir ungestraft meine Lieblingspancakes“, warnte er sie mit einem Funkeln in den dunklen Augen. „Dann solltest du deine Augen auf deinen Teller richten“, neckte sie ihn und eroberte sich mit der anderen Hand und ihrem Messer noch ein Stück der fluffig süßen Masse.
„Was schreibst du da eigentlich die ganze Zeit?“, erkundigte sich Luna interessiert, sodass Blaise jetzt doch mal sein Büchlein wegsteckte. „Notizen für unsere kleine Feier. Sowas organisiert sich schließlich nicht von allein. Auch nicht im Raum der Wünsche. Gerade was das Essen und die Getränke angeht.“ „Was willst du denn Feiern?“, stutzte Hermione, die, wie der große Rest, noch nichts von Blaise' Plänen wusste.
„Oh, ich dachte das wäre klar? Wir schmeißen eine kleine Party darauf, dass unser liebstes Schulsprecherpaar endlich zusammengefunden hat“, schmunzelte er keck und trieb Hermione damit die Schamesröte in die Wangen. Draco rollte einfach nur mit den Augen und lud sich etwas auf seinen Teller.
„Ich denke nicht, dass das nötig ist“, räusperte sich Hermione verlegen und goss sich ihren Tee auf. „Da bin ich anderer Meinung. Aber wenn dir der Grund nicht gefällt, ich hätte noch einen anderen.“ „Welchen?“, bohrte Harry, der, wie die Anderen, doch auf eine kleine Feier spitzelte, da sich Blaise zu Hermiones Geburtstag bereits etwas Spezielles hatte einfallen lassen.
„Der hier. . .“, schlug er Draco auf den Rücken, der sich gleich an seinem Tee verschluckte. „. . . hat noch seinen Geburtstag nachzufeiern.“ „Du Idiot! Der ist fast ein halbes Jahr her!“, meckerte Draco, während sich Hermione bei der Erinnerung doch etwas die Brust zuschnürte und sie betreten den Blick auf ihren Teller richtete. Harry bemerkte es, dem schließlich ein bestimmtes Gespräch zwischen Hermione und Ginny während Nevilles Geburtstagsfeier einfiel. In diesem waren die Worte: Draco, Geburtstag, Askaban und Umbridge in einem mehr als bösen Satz aufgetaucht, weshalb er Blaise gleich solidarisch unterstützte.
„Find ich eine gute Idee.“ „HAH!“, lachte Blaise zufrieden, den Draco wieder anknurrte. „Du spinnst doch!“ „Tut er nicht. Wir sollten feiern“, stimmte Ginny auch noch mit ein, die sich ebenfalls an diese hässliche Sache erinnerte. Aber auch Luna gab ihre Meinung kund.
„Das ist ein netter Gedanke. Es ist doch schön, mit Freunden Geburtstag zu feiern“, lächelte sie dem Blonden warm zu, der mürrisch blieb und schwieg, was Hermione etwas zu denken gab. Irgendwie wurde sie das dumpfe Gefühl nicht los, dass ihm weniger der verblichene Gedanke an seinen unschönen 18ten zusetzte, als etwas anderes. Denn, wie Luna gerade gesagt hatte, es war schön, mit Freunden diesen speziellen Tag zu verbringen.
„Dann Geburtstag!“, legte Blaise fest und kritzelte nun doch noch etwas in sein Büchlein, bevor er sich über sein verbliebenes Frühstück hermachte. Nur wenig später kamen die Eulen mit der Post und dem Tagespropheten. Blaise schnappte sich von Charlie gleich den Sportteil, während Hermione, und vor allem Daphne, an einem nicht gerade kleinen Artikel auf der Titelseite kleben blieben und etwas blass wurden.
Mord an den Eheleuten Parkinson
„Was ist?“, wunderte sich Draco und linste seiner Freundin über die Schulter. Doch anders, als die beiden Mädchen, sahen er und Charlie in diesem Artikel nichts Aufregendes und wollten sich wieder ihren eigenen Dingen widmen, als Hermione ihn ansah.
„Interessiert dich das nicht?“ „Nö. Warum?“ „Na ja, weil. . .“, brach Hermione ab und sah zu Charlie, der bereits drei Seiten weiter war und ruhig den Wirtschaftsteil las, während Daphne noch immer an der Titelseite klebte. Vom Rest der Löwen las niemand den Tagesprophet, wobei Harry Anstalten machte, sich wie Blaise, den Sportteil von Hermione zu klauen, und dadurch auch den Aufhänger las.
„Parkinson?“, stutzte er. „Etwa die von Pansy Parkinson?“, hakte Harry nach, sodass Draco nochmal kurz auf die Vornamen sah, nickte und sich sein Butterbrötchen schmecken ließ. Hermione nahm es stirnrunzelnd auf.
„Kanntest du diese Leute?“ „Mehr oder weniger. Wie man sich in unseren Kreisen halt kannte. Ich hatte nichts weiter mit ihnen zu tun.“ „Arme Pansy“, murmelte Daphne kaum hörbar, die eine ungeahnte Welle des Mitleides überkam. Charlie nahm es mit einer hochgezogenen Augenbraue zur Kenntnis, entschied sich aber dazu, die Sache auch weiter zu ignorieren, was Hermione etwas an ihren Freunden zweifeln ließ.
„Lässt euch das wirklich so kalt?“ Daraufhin seufzte Charlie und schloss seine Zeitung, bevor er Hermione mit leicht schräg gehaltenem Kopf ansah. „Was sollen wir deiner Meinung nach denn dazu sagen? Wir hatten nichts mit diesen Leuten zu tun. Wie Draco schon sagte, man kannte sich oberflächlich, mehr aber auch nicht. Darüber hinaus, waren sie von der Gesinnung Reinblutfanatiker.“ „Mag ja sein. Ich finde es trotzdem schlimm, wenn die Eltern von jemandem, den man kennt, ermordet werden.“ „Wer wurde ermordet?“, horchten die Anderen nun auf, sodass Draco seinen Tagesprophet, über Blaise' Teller, an Ginny reichte, bevor er sich wieder ruhig seinem Frühstück widmete.
„Parkinsons Eltern. Und um auf deine Aussage zurückzukommen. . . Im Normalfall würde ich dir zustimmen, allerdings reden wir hier von Parkinson. Sie würde einen hämischen Freudentanz aufführen, wenn eines unserer Elternteile umkommen würde. Es würde sie einen Scheißdreck interessieren, also warum sollen wir uns darüber Gedanken machen?“ „Jetzt sei nicht so kalt!“, schimpfte Daphne, bevor auch Hermione tadelnd meinte: „Was sie machen würde spielt doch keine Rolle. Allerdings wundere ich mich gerade über eure Gleichgültigkeit. Immerhin war sie unsere Mitschülerin und. . .“ „Ein verzogenes, snobistisches, selbstverliebtes, geldgeiles, reinblutfanatisches, kaltherziges Biest, was dich letztens in Hogsmeade erst wieder beleidigt hat“, fiel ihr Draco ins Wort, sodass Hermione die Lippen zu einem dünnen Strich zusammenpresste und schwieg.
„Sie hat das doch auch nie anders gekannt, wie wir alle“, murmelte Daphne nach einer Weile dünn, den Blick auch weiter gesenkt. „Sie hatte ihre Chance! Mehr als eine. Sie hat sie zuletzt in Hogsmeade erst wieder weggeschmissen, also entschuldige bitte, dass sich mein Mitleid in Grenzen hält!“, motzte Draco, worunter Daphne zusammenzuckte und schwach nickte.
„Du hast ja Recht. Es ist trotzdem. . .“, brach Daphne ab, da sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Pansy hatte sie zum Schluss ja auch verbal angegriffen, nachdem sie sich in Rage geredet hatte. Dennoch tat ihr ihre ehemalige Freundin nun leid.
„Sie hat doch jetzt niemanden mehr. Vielleicht . . . vielleicht erkennt sie jetzt ja, dass es falsch war. Ich mein. . .“, sah Daphne unsicher zu Draco, der sie bereits gefährlich dunkel taxierte, sodass sie stattdessen zu Hermione schielte, in deren Blick sie eher noch so etwas wie Verständnis fand.
„Wir haben doch alle die ganzen Jahre nach den Regeln und Vorstellungen unserer Eltern gelebt.“ „Nein.“ „Nope“, gaben ihr Draco und Blaise zurück, sodass sie noch mehr in ihrem Stuhl versank, bis ihr Theo in den Sinn kam, der jetzt erst richtig begann, aufzuleben.
„Was ist mit Theo? Würde sein Vater noch leben, wäre er jetzt sicher nicht hier, sondern würde vermutlich auch weiter mit diesen Gedanken vergiftet werden.“ Daraufhin schweigen die Drei, wenngleich Draco und Charlie murrten, da das nicht ganz von der Hand zu weisen war, während Blaise bereits aufs Neue tiefer in dem Quidditch Artikel versank.
„Schreib ihr doch einfach“, schlug Hermione Daphne aufmunternd vor, zu der Draco kurz zweifelnd sah. „Das ist jetzt nicht dein Ernst?“ „Doch. Sie hat jetzt niemanden mehr. Ich denke, es könnte ihr helfen, wenn ihr in einer solchen Situation jemand die Hand reicht und für sie da ist. Und wenn das dann von einer Seite kommt, die sie nicht erwartet, könnte das ihre Sicht auf die Dinge durchaus ändern. Es könnte sie aufrütteln.“ „Da hat sie nicht ganz unrecht“, mischte sich Harry dazwischen, was Draco stöhnen und mit den Augen rollen ließ.
„Ihr Gryffindors und euer penetrantes Helfersyndrom.“ „Ich halte das für vergebliche Liebesmüh“, merkte Charlie an. „Parkinson hat nie, auch nur entfernt durchblitzen lassen, dass ihr etwas anderes im Kopf herumschwirrt, als dieser Fanatismus.“ „Draco hat man auch nie etwas angemerkt.“ „EY!“, schimpfte er und funkelte Hermione sauer an.
„Du willst mich jetzt doch nicht ernsthaft mit diesem hohlen Sumpfhuhn in einen Topf stecken?!“ „Natürlich nicht. Aber ich hab gerade durch euch. . .“, sah sie zu den drei Jungs. „. . . gesehen, dass bestimmte Dinge auch anders sein können.“ „Aber nicht bei ihr!“, blieb Charlie stur dabei, dem Draco eifrig nickend zustimmte, sodass Hermione seufzte.
„Lassen wir das. Wir müssen auch langsam zum Unterricht“, zerriss Harry die hitzige Debatte vorerst, bevor sie sich auf den Weg zu Zaubertränke machten. Im weiteren Verlauf des Tages wurde das Thema Parkinson auch nicht mehr angeschnitten und besonders von den drei Slytherin Jungs komplett verdrängt. An Daphne nagte diese Sache, sowie Hermiones Worte, jedoch weiter, sodass sie dem Rat der Gryffindor nachkam, in der Hoffnung, dass es kein Fehler war und sie Pansy so tatsächlich auf den richtigen Weg bringen konnten.
Zum späten Nachmittag trudelte Tonks, wie versprochen, im Schulsprecherturm ein, als Draco und Hermione noch mit ihren Hausaufgaben beschäftigt waren. Draco mürrisch, aufgrund seines Muggelkundeaufsatzes, bei dem ihm Hermione mit Rat und Tat zur Seite stand, bevor sie Tonks einließ.
„Hey, ihr Zwei“, begrüßte sie ihre Schützlinge mit einem Lächeln, die sofort ihre Aufgaben beiseite schoben. „Hast du Aberforths Erinnerungen?“, fragte Hermione hastig. „Ja. Aber wie er schon gesagt hat, lässt sich nichts erkennen. Ich hab es mir mehrmals mit Remus und Allan angesehen, aber. . .“ „Gib her“, unterbrach Hermione sie und nahm ihr kurzerhand die Phiole aus den Händen, was Tonks wunderte. Vor allem, als Hermione an den Couchtisch trat, auf dem eine große, silberne Schale stand, in die sie die Erinnerungen fließen ließ.
„Was machst du denn?!“, rief Tonks erschrocken. „Was wohl? Ich will es mir selbst ansehen.“ „Dafür brauchen wir ein Denkarium. Das weißt du doch. Minerva hat oben eins stehen und. . .“ „Draco und ich haben selbst eins“, platzte Hermione raus, sodass Tonks der Kiefer runter klappte.
„Wie, ihr habt selbst eins? Wo. . . Woher?“ „Selbstgemacht. Und jetzt frag nicht weiter“, murrte Draco und zog seine Cousine hinter sich her um die Couch herum, sodass Tonks einen genaueren Blick auf die Schale werfen konnte. Noch immer verblüfft.
„Und das funktioniert auch?“ „Sehr gut“, strahlte Hermione und sah lächelnd zu Draco, bevor sie wieder ernst wurde. „Willst du mit schauen?“ „Ähm. . . Ja, sicher. Schadet ja nicht“, murmelte Tonks, sodass schließlich alle drei in den dunklen Farbstrudeln versanken, die sich rasch zusammenzogen und den etwas dusteren Gastraum des Pubs zeigten.
Aberforth verabschiedete gerade die letzten beiden Gäste, mit denen auch seine Katze nach draußen huschte. An der Tür verweilte der alte Zauberer eine ganze Weile und betrachtete die halbdunkle Umgebung der verlassenen Straße, die schwach durch den wolkenverhangenen Mond beschienen wurde.
Unter anderem sah man auch das Wirtshaus von Madam Rosmerta, in dem bereits kein Licht mehr brannte. In den Schatten dessen, konnte man zudem eine kleine, gedrungene Gestalt ausmachen, die an die dunkle Küchentür trat. Hinter den milchigen Scheiben flammte dann allerdings ein Licht auf, was sich Hermione genauer ansehen wollte und ein paar Schritte in die Richtung machte.
„Du wirst kein Gesicht sehen“, meinte Tonks missmutig zu ihr. „Weiß ich. Aber vielleicht was anderes“, murmelte Hermione und hatte schließlich Draco neben sich, der sehr aufmerksam dem Szenario folgte.
Mit dem Aufflammen des Lichtes zuckte die Gestalt zusammen, was noch stärker wurde, als sich die Tür öffnete. Aus dieser huschte eine schwarze Katze und streifte die Gestalt, die den Kopf hoch riss und damit Madam Rosmertas Blick begegnete. Der Blick der Wirtin zeigte Verwirrung, als sie kurz sprach.
Was sie sagte, konnten die Freunde leider nicht hören, da Aberforth es nie gehört hatte. Was sie aber noch sehen konnten war, dass der Zauberstab der verhüllten Gestalt vorzuckte. Nur einen Moment später verschwand jegliche Emotion aus den Zügen der Wirtin, die stattdessen leer auf die Gestalt blickte. Diese steckte ihren Zauberstab weg und trat ungehindert an der Wirtin vorbei ein, die hinter sich die Tür schloss. Damit endete die Szene und die Drei tauchten wieder auf.
„Seht ihr. Nichts zu erkennen“, seufzte Tonks. Draco mahlte daraufhin mit den Zähnen, während Hermione etwas ausdruckslos vor sich hin starrte. Schließlich beugte sie sich erneut vor, um sich die Szene nochmal anzusehen. Dabei konzentrierte sie sich verstärkt auf die Regungen der Gestalt, sah aber auch weiterhin nichts, was ihnen helfen konnte, sodass sie nur etwas später wieder unter Draco und Tonks weilte.
„Glaubst du mir jetzt?“ „Nein. Können wir die Erinnerung eine Weile behalten oder braucht ihr sie?“, erkundigte sich Hermione. Tonks schüttelte den Kopf. „Wir können aus ihr keine verwertbaren Informationen gewinnen.“ „Noch nicht“, meinte Hermione, stand auf und verschwand in ihrem Zimmer. Draco und Tonks folgten ihr mit verwunderten Blicken.
„Was hat sie vor?“ „Ich hab keine Ahnung“, murmelte Draco und zog verwirrt eine Augenbraue nach oben, als Hermione mit dem dicken Buch zurückkam, was er ihr geschenkt hatte. In diesem blätterte sie bereits, während sie zeitgleich meinte: „Ich hab hier irgendwo was von einem Trank gelesen, der die Sinne und das Gedächtnis schärfen soll. Es soll wohl bewirken, dass man sich an Vergangenes wieder besser erinnert. Wo war es denn. . . Hier!“, deutete sie auf den Trank und reichte Tonks das Buch, die aber nicht ganz verstand.
„Und wie soll uns das helfen?“ „Na ganz einfach. Lass den Trank von Slughorn brauen und gib ihn Aberforth. Danach lass dir nochmal diese Erinnerung von ihm geben. Unter Umständen sehen wir dann mehr Details von der Gestalt. Einen Versuch ist es wert, oder?“ „Vermutlich“, murmelte Tonks und sah auf die Rezeptur, bevor Hermione ihr das Buch wieder abnahm und den Inhalt der Seite auf ein leeres Blatt Pergament übertrug, was sie der Aurorin reichte.
„Geh am besten gleich zu ihm. Den Trank zu brauen, sollte nicht so lange dauern. Je eher wir eine schärfere Version davon haben, umso besser“, deutete sie auf das Denkarium mit der Erinnerung, dem sich Tonks ergab und schließlich verschwand. Als sie weg war, schmunzelte Draco seine Hexe an.
„Was?“ „Nichts“, lächelte er und zog sie zu sich auf den Schoß, wo er die Lippen an ihr Ohr legte. „Ich find es nur heiß, wenn du dich so in eine Sache reinsteigerst. Dann funkeln deine Augen immer so schön dunkel“, säuselte er und begann sie im Nacken zu küssen, was ihr heiße Schauer und kleine Blitze durch den Körper jagte, die ihr die ersten Seufzer entlockten.
„Ich will die blöde Kröte endlich aufs Kreuz legen“, erwiderte sie in einem tiefen Atemzug, bevor sie den Hals etwas streckte und den Kopf zur Seite legte, um Draco mehr Fläche zu bieten, die er sofort in Beschlag nahm. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, ihr einen kleinen Liebesbiss zu verpassen. Hermione realisierte es erst, als es schon zu spät war.
„Kein Knutschfleck!“, sah sie ihn panisch an und drückte die Hand auf die bereits bläuliche Stelle. Draco grinste dreckig. „Warum nicht?“ „Wie sieht das denn aus?“ „Danach, dass ich dich zum fressen gern hab“, neckte er sie und eroberte sich ihre, zum Protest leicht geöffneten Lippen. Im nächsten Moment ließ er sich, mit ihr in den Armen, zur Seite auf die Couch gleiten, sodass Hermione halb auf ihm lag, während sie sich auch weiter küssten. Irgendwann löste sie sich ein wenig außer Atem von ihm und betrachtete sein belustigtes Gesicht, während er ihr schmunzelnd mit dem Zeigefinger über die geschwollene Unterlippe strich.
„Vielleicht sollten wir langsam. . .“ „Ja?“, unterbrach er ihr leicht zittriges Stimmchen, während seine Finger behutsam über ihre Züge strichen. „Uhm. . . Hausaufgaben?“, warf sie in den Raum. Kurz darauf zog Draco sie grinsend zu sich, um ihr diese Idee mit Küssen auszutreiben. Hermione ließ es sich gefallen und gab sich sofort bereitwillig seinen Liebkosungen hin, bevor sie in einem Anflug angenehmer Erschöpfung den Kopf auf seine Brust sinken ließ. Draco nahm es lächelnd hin und malte kleine Kreise auf ihren Rücken.
Hermiones befriedigende, geistige Erschöpfung hielt allerdings nicht lange vor, als sich ihre Gedanken über Umbridge und die Tatsache, dass die Schreckschraube Draco nach wie vor etwas antun konnte, erneut in den Vordergrund schoben. Schließlich sah sie ihn wieder an. Verunsichert.
„Meinst du, wir kriegen sie dran?“ „Wen?“ „Umbridge.“ „Wo ist denn dein Optimismus von gerade eben hin?“ „Hat der nüchternen Realität Platz gemacht.“ „Gefällt mir gar nicht.“ „Mir auch nicht, nur hat Tonks Recht. Die Alte weiß sich raus zu winden. Und ich bin mir echt nicht sicher, wie gut dieser Trank wirkt. Das, was wir bis jetzt gesehen haben, ist ja wirklich nicht brauchbar“, seufzte sie und ließ den Kopf wieder auf seine Brust sinken, an die sie sich schmiegte und sein wildes Aroma beruhigend einatmete.
„Ich hab einfach Angst, dass sie dich doch noch in die Finger bekommt. Wir scheinen ja nicht einmal im Schloss wirklich 100%ig sicher zu sein.“ „Deswegen bleibst du auch immer schön in meiner Nähe oder bei den Anderen.“ „Du aber auch.“ „Dürfte nicht schwer werden. Blaise klebt mir im Normalfall ständig an der Backe. Wobei. . . Seit er mit Ginny zusammen ist, hat er, glaube ich, weitaus interessantere Prioritäten und Vorstellungen von seiner Freizeitgestaltung“, feixte Draco dreckig, worin Hermione schmunzelnd einstimmte, dann aber wieder zum Thema zurückkam.
„Und du kannst dir wirklich nicht erklären, warum die Alte dir an die Kehle will?“ „Ich hab keinen Dunst. Wie du schon sagtest, hab ich ja brav ihr Spielchen mitgespielt. Ich würde auch behaupten wollen, dass ich mir nie etwas hab anmerken lassen, wie ich wirklich denke.“ „Das vielleicht nicht, nur. . .“, verfiel Hermione schlagartig in Gedanken, die ihren Blick ins Nirgendwo driften ließen, während es hinter ihrer Stirn angestrengt arbeitete. Dabei bildete sich mal wieder eine kleine Steilfalte auf ihrer Stirn.
„Woran denkst du?“ „Dass du mir gesagt hast, dass es gut möglich wäre, dass sich Umbridge mit Bellatrix im letzten Jahr zum Kaffeeplausch getroffen hat.“ „Die Alte war nie im Manor und Bellatrix meistens anderweitig beschäftigt. Ich meinte das nur metaphorisch.“ „Eben.“ „Hä?“, verstand er nicht. Hermione rappelte sich da aber auf, sodass sie nun auf seinem Schoß saß und ihn eindringlich anfunkelte.
„Über was hat sie im Fünften mit dir gesprochen? Du hast doch viel Zeit bei ihr verbracht?“ „Viel zu viel“, stöhnte er bei dem Gedanken. „Worüber habt ihr dann im Allgemeinen gesprochen?“ „Du kannst fragen. Keine Ahnung. Ich hab nicht selten auf Durchzug geschaltet, weil es. . .“ „Rassistisch war?“, nahm sie ihm das Wort aus dem Mund, sodass Draco kurz blinzelte, dann aber nickte. Hermione begann bei dieser Erkenntnis durchtrieben zu grinsen.
„Ich glaube, wir nähern uns gerade einem möglichen Gefahrenpunkt für Umbridge.“ „Was? Weil sie mich mit ihren kranken Vorstellungen vollschwadroniert hat?“ „Genau das. Für ihr Gedankengut können wir sie zwar nicht anschwärzen, wobei es unterstreichen würde, dass sie schon vor dem Todesserregime diese Einstellung hatte und nicht nur den Anweisungen des Ministeriums gefolgt ist. Vielleicht war aber auch noch etwas dabei, was du nicht hättest hören sollen“, rieb sie ihm unter die Nase. „Genauso wie bei Voldemort und den Horkurxen.“ „Möglich.“ „Dann sollten wir deinem Gedächtnis auch auf die Sprünge helfen. Wobei das vielleicht gar nicht nötig sein wird. Wenn wir uns die Gespräche, die du mit der Alten geführt hast, nochmal ansehen und anhören, finden wir unter Umständen den Grund. Ich mein. . . Streng genommen kann es nur etwas aus dem Fünften oder dem Kriegsjahr sein. Sonst hattest du ja nichts mit ihr zu tun. Und wenn du sagst, dass du sie im letzten Jahr nie gesehen hast, bleibt nur das Fünfte übrig.“ „Gut kombiniert, Sherlock.“ „Du kennst Sherlock Holmes?“, stutzte sie. Draco grinste.
„Sir Arthur Conan Doyle. Es wird dich überraschen, aber er war ein Zauberer.“ „Das wusste ich gar nicht.“ „Muggelstämmig, soweit ich weiß. Durch seine Bücher hat er in der magischen Welt wohl unangenehm für Furore gesorgt, aufgrund der detektivischen Methoden seines Titelhelden.“ „Stimmt. Die waren seinerzeit denen der Polizei weit voraus und auch recht skurril“, schmunzelte Hermione, da sie sich nun auch wieder daran erinnerte, dass Draco ihr das vor zwei Jahren bereits geschrieben hatte. Schließlich kam sie auf ihr eigentliches Thema zurück und beschwor einiges an Phiolen herauf, worauf er stutzte.
„Füll sie mit jeder Unterhaltung, die du im Fünften mit Umbridge hattest.“ „Jede?“, wiederholte er geschockt. Hermione nickte. „Nur so können wir sicher gehen, alles zu erwischen.“ „Dann wirst du einiges mehr an Phiolen brauchen“, seufzte er. „Du kannst ja ein paar Erinnerungen zu einer zusammenpacken. Wenn wir etwas Pikantes gefunden haben, können wir das nochmal extra legen, sodass Tonks und Remus dem nachgehen können.“ „Na schön“, seufzte er und begann, Phiole um Phiole zu füllen, wobei Hermione ihn noch dazu anhielt, ihr den groben Zeitraum zu nennen, damit die Unterhaltungen einer Linie folgten.
Am Ende standen auf dem Couchtisch dutzende von silbern schimmernden Fläschchen, die fein säuberlich mit Nummern, dem Monat und der ungefähren Woche versehen waren. Hermione brannte dann auch schon darauf, sich die ersten Gespräche anzusehen, nur wirkte Draco inzwischen recht schlapp.
„Was ist?“ „Weiß nicht. Müde und. . . Irgendwie brummt mir leicht der Schädel“, murmelte er matt. Hermione musterte ihn mitleidig. Vermutlich war das Extrahieren in dieser Menge recht anstrengend, da er doch irgendwo seinen Geist dadurch belastete.
„Dann mach ein Nickerchen. Die Erinnerungen kann ich mir auch alleine ansehen. Wenn was ist, frag ich dich oder wir schauen später zusammen nochmal.“ „Klingt gut“, murmelte er und rollte sich bereits auf der Seite zusammen. Sie legte ihm dann nur noch die Decke bis zur Taille über, bevor sie sich der ersten Phiole widmete, in der fünf kurze Gespräche eingefasst waren.
Bereits nach dem Zweiten kam Umbridges radikale Art deutlich durch. Vermutlich nahm sie an, dass Draco durch seine Familie ihre kranken Gedanken teilte. Tatsächlich sah sie dem Blonden aber an, wenn Umbridge ihn gerade nicht beachtete, dass es gefährlich in ihm brodelte, je mehr sie gegen die Muggelgeborenen aber auch die nicht magische Bevölkerung schwadronierte, und was man doch mit denen machen sollte.
Dieses Gerede und Gehetzte merkte sich Hermione vor, wenngleich sie versuchte, speziellere Dinge aus den Gesprächen herauszufiltern. Mehr als ihren Hass gegen Muggelstämmige und alles, was nicht 100%ig menschlich war, wie z.B. Hagrid, Remus oder auch Firenze, erfuhr sie aber nicht. Allerdings verstand sie jetzt, was Draco damit meinte, sie hätte sich gut mit Bellatrix verstanden und mit ihr einen Kaffeeplausch halten können.
Von der Tatsache abgesehen, dass Umbridge im Ministerium tätig war, schien sie mit ihrer Gesinnung und dem Rassenwahn Bellatrix ebenbürtig. Dass sie gerne quälte und unterdrückte, hatte sich während des Fünften bereits überdeutlich gezeigt.
Hermione arbeite noch drei der Phiolen durch, fand aber nichts und ließ es für den Abend gut sein, da sie sich mit Draco zum Abendessen aufmachte. Ihre Hausaufgaben musste sie später auch noch machen, sodass sie die Durchsicht der nächsten Phiolen auf Samstag schob.
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Schniefend, und in eine kuschlige Decke zusammengerollt, lag Pansy in ihrem Zimmer auf dem Bett. Dieses säumten Unmengen von weichen Kosmetiktüchern. In dem, durch schwere Vorhänge komplett abgedunkelten Raum, brannten lediglich zwei Kerzen, auf deren flackerndes Licht sie mit leeren Augen starrte.
Inzwischen hatte sie einen Punkt totaler Erschöpfung und Abstumpfung erreicht, von dem sie nicht gedacht hätte, dass es möglich war. Mittlerweile hatte sie gänzlich begriffen, dass ihre Mutter und ihr Vater nie zurückkommen würden. Dass es sie so dermaßen treffen würde, hatte sie selbst nicht erwartet, da die Vorstellung so grotesk war, dass sie von heute auf morgen einfach verschwinden könnten.
Zwar war das Verhältnis zu ihren Eltern nicht gerade mustergültig, und so, wie sie es sich gewünscht hätte. Es hatte oft Streit und Geschrei gegeben. Ihr Vater hatte oft herumgebrüllt und sich mit ihrer Mutter gestritten. In solchen Momenten hatte sie es zumeist vorgezogen, einfach in ihrem Zimmer zu bleiben, bis sich die Wogen geglättet hatten. Von diesen Zeiten abgesehen, hatten sie aber funktioniert.
Ihre Mutter hatte es geliebt, mit ihr einkaufen zu gehen oder sie zu diversen Veranstaltungen mitzunehmen. Ihren Vater hatte sie mit ihrem Liebe-Mädchen-Blick auch fast immer weich gekriegt. Sie hatte es gemocht, als sie kleiner war, wenn ihre Mutter ihr die Haare gemacht oder Teaparty mit ihr gespielt hatte. Oder wenn ihr Vater mit ihr in einem Sessel vor dem Kamin gekuschelt hatte. Aber das lag bereits lange zurück. Dennoch waren das Dinge, die ihr gezeigt hatten, dass ihre Eltern sie lieb hatten. Und sie hatte sie lieb gehabt, auch wenn sie es nur selten erwähnt oder gar gezeigt hatte, wofür sie sich nun geißelte.
Jetzt war sie allein. Ganz allein, denn Lucius war wieder zu den anderen Todessern verschwunden. Er wollte mit ihnen darüber sprechen und sehen, ob sie etwas über die Täter herausfanden. Pansy bezweifelte es. Wie sollten sie das auch aus ihrer jetzigen Situation heraus tun? Sie waren doch auch nur Gejagte. Darüber hinaus hatte sie Angst davor, dass man auch ihr etwas antun könnte.
Was, wenn der Mörder ihrer Eltern alle zur Strecke bringen wollte, die reinblütig und keine Schlammblutfreunde waren? So etwas in der Richtung hatte Lucius ja angedeutet. Dass es diesen Bastarden nicht reichen würde, sie gestürzt zu haben, sondern sie nun alle vernichten wollten.
Der Brief von Daphne erschien ihr da noch wie zusätzlicher Hohn und Spott, da sie in diesem Mitleid heuchelte. Genauso, dass sie ihr helfen würde, wie wohl auch das Gryffindor Pack. Sie solle einfach in Ruhe darüber nachdenken, was sie wirklich wollte und brauchte, genauso über ihre Einstellung. Dass die Löwen wohl gute Freunde wären, vor allem das Schlammblut. Wer's glaubte!
Die hatten Daphne doch komplett das Hirn verdreht. Angefangen mit Harper. Aber Liebe machte ja bekanntlich blind und wohl auch dumm, wenn Daphne das Gryffindor Gesocks, das Schlammblut voran, als Freunde betrachtete.
Merlin allein wusste, wie gern sie diesen Verrätern den Hals umdrehen und das Schlammblut und Draco ausbluten lassen wollte. Nur war sie hier ähnlich handlungseingeschränkt, wie Lucius und die Anderen. Wenn sie in Hogwarts wäre, würde die Sache ganz anders aussehen. So aber dämmerte sie weiter vor sich hin und hing ihren Gedanken nach. Angefangen mit den Erinnerungen an ihre Eltern, wie auch den Vorstellungen, diesem Pack den Garaus zu machen.
Irgendwann kam ihr eine Idee, mit der sie an ihren Schreibtisch trat, auf dem zerknüllt Daphnes Brief lag. Diesen entknitterte sie und las ihn nochmal, worauf sich ein durchtriebenes Funkeln in ihre Augen stahl.
Sie würde ihre Rache bekommen und dabei eine Schneise der Verwüstung unter den Löwen und Schlangen ziehen. Sie wusste auch schon, wie sie es anstellen könnte, nur müsste sie das vorher mit Lucius besprechen, dem sie schließlich einen kurzen Brief schrieb, um nähere Einzelheiten abzuklären.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Jo Rowling verlangte nicht von mir, den Roman buchstabengetreu umzusetzen, sondern eher dem Geist der Bücher gerecht zu werden.
Alfonso Cuarón