Was im Verborgenen liegt - Das größte Geschenk
von Alex2303
Sodale, ihr Lieben, ich bin wieder da. Allerdings mit weniger erfreulichen Nachrichten.
Mit dem nachfolgenden Kapitel ziehe ich mich vorerst zurück, da ich Privat, primär beruflich, gerade ziemliche Probleme habe und nicht den Nerv und die nötige Muse besitze, in gewohnter Form an der FF weiter zu arbeiten. Heißt im Klartext, ich kann nicht sagen, wann ich wieder dazu komme, regelmäßig zu updaten.
Sobald sich bei mir wieder alles etwas normalisiert hat, sieht die Sache auch wieder anders aus. Im Moment ist mir aber einfach nur danach, den Kopf in den Sand zu stecken. Ich hoffe, ihr habt dafür Verständnis.
Trotz allem ein herzliches Danke an Daria, Krissi, Fairytale4, dramaqueen1997 und Mirja-Hailey fürs mailen und Kommi schreiben. Ich hoffe, das nachfolgende Chap macht euch meine Mitteilung etwas leichter.
Liebe Grüße,
*Nachteule* Alex
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Der Freitag verlief ereignislos, sah man davon ab, dass Blaise maulte, da Draco keine Zeit für das Quidditchtraining hatte, denn er war mit Hermione bei Professor Dippet zugegen, um weiter an der Kontrolle seiner Magie zu arbeiten. Nach wie vor ohne nennenswerte Ergebnisse. Hinterher waren die Beiden ähnlich kaputt gespielt, wie schon am Mittwoch, schafften es diesmal jedoch zum Abendessen, bevor sie frühzeitig ins Bett verschwanden, mit dem festen Vorsatz, am nächsten Tag lange zu schlafen. Dummerweise machten ihre Freunde ihnen einen Strich durch die Rechnung, denn Blaise und Ginny tauchten unverhofft in ihrem Turm auf. Allerdings blieben die Beiden nicht geduldig im Wohnzimmer, sondern stahlen sich frecher Weise zu ihren Schlafräumen.
Wie Blaise vermutet und gehofft hatte, fanden sie ihre Freunde in seligem Einklang in Dracos Zimmer. Und zwar kuschelnd. Die Beiden grinsten bei dem Anblick bis über beide Ohren, wobei Ginny es vorzog, lieber das Feld zu räumen, da sie nicht dabei sein wollte, wenn Draco wach wurde und sie störend in seinem Zimmer vorfand. Zwar riet sie Blaise zu warten, bis die Beiden von sich aus aufwachten, nur schien es in nächster Zeit nichts zu werden, denn immerhin war es schon nach 9:00 Uhr.
„Er wird dich umbringen“, warnte sie Blaise, als er mit einer langen Feder näher an das Bett trat und Draco in der Nase kitzelte. „Und Hermione“, fügte sie leise an, doch ihr Freund hörte nicht. „Mione würde mir nie etwas antun.“ „Unterschätz sie nicht. Beide zusammen will ich nicht gegen mich haben“, flüsterte sie zurück und ließ nochmal den Blick über die Schlafenden gleiten, bevor sie Dracos Zimmer mit einem Lächeln verließ, um Tee aufzusetzen. Im Geiste zählte sie die Sekunden, bis Blaise filetiert werden würde.
Der Slytherin war noch immer grinsend damit beschäftigt, Draco zu ärgern, der schließlich das Gesicht ins Kissen drehte, sodass Blaise ihn nicht mehr piesacken konnte. Allerdings fand er schnell einen neuen Punkt zum kitzeln. Nämlich Dracos Ohr. Vom Fußende des Bettes beobachtete Krummbein das Spiel mit der Feder argwöhnisch und stakste schließlich auf Blaise zu, den er anknurrte.
„Was denn?“, fragte er den Kater gewitzt, der sich dann tatsächlich auf Dracos Kopf legte und damit den Rest seines Gesichtes, und das Ohr, verdeckte. Dummerweise so, dass der Blonde dadurch nur noch schwerlich Luft bekam und aufwachte.
Als er das Fellmonster bemerkte, knurrte er: „Boah, Krummbein! Runter“, bevor er den Kater von sich schubste. Er blinzelte kurz träge im Halbschlaf und wollte sich schon wieder ungestört bei seiner Hexe einkuscheln, als er noch eine Gestalt in seinem Zimmer gewahrte, die nicht hier sein sollte. Der Verwunderung folgte ein ohrenbetäubender Schrei.
Unten im Kitchenette nahm Ginny das Gebrüll und folgende Gepolter grinsend zur Kenntnis. 2 Minuten, 27 Sekunden. Ob sie Blaise retten sollte? Aber er war ein großer Junge und Slytherin. Er würde schon klarkommen. Stattdessen schnappte sie sich die beiden Tassen und wollte zur Couch gehen, als Blaise kreischend aus dem Zimmer seines Freundes stürmte. Und zwar mit einem riesigen Afro, der in allen Regenbogenfarben schimmerte. Hinter ihm knallte es, als Draco wutschnaubend aus der Tür schlitterte und gegen die von Hermione prallte. In der Rechten hatte er seinen Zauberstab, mit dem er Blaise teeren und federn wollte.
„ZABINI! Du bist TOT!!!“ „HILF MIR!“, kreischte Blaise und ging in einem Hechtsprung hinter der Couch in Deckung. Leider war der Afro zu groß und zu bunt, denn den sah man dennoch. Kurz darauf flogen die nächsten Zauber in Blaise' Richtung, dem noch ein paar feuerrote Kanarienvögel folgten, die von Hermione stammten, die nicht weniger geschockt und vor allem sauer über die dreiste, frühmorgendliche Störung war. Das Ginny noch im Wohnzimmer war und kicherte, bemerkte keiner der Beiden.
„WAS FÄLLT DIR EIN DICH IN UNSER SCHLAFZIMMER ZU SCHLEICHEN?!“, keifte Draco auf 180, während Ginny aufhorchte. Unser? Schließlich fing sie an, verschmitzt zu grinsen und beobachtete vergnügt das Katz und Maus Spiel. Immerhin hatte sie Blaise gewarnt, der schließlich in der Luft hing und von den Vögeln das Gesicht zerkratzt bekam.
„Es tut mir leid! Es tut mir leid! ES TUT MIR LEID!!!“, brüllte er zum Schluss weinerlich und versuchte sein Gesicht vor den bösen Raubvögeln zu schützen. Ginny entschied sich daraufhin ihm zu helfen, bevor ihre Freunde etwas taten, was sie am Ende bereuten. Besonders Draco.
„Chrm“, räusperte sie sich, was für den Moment nur Hermione bemerkte und sich, die Augen noch immer funkelnd, dem Geräusch zuwandte. Auf den Anblick war sich Ginny kurz nicht sicher, ob die Gryffindor ihr nicht auch eine Lektion erteilen wollte. Allerdings verschwand der wütende Ausdruck und machte der Verwirrung Platz.
„Ich hab ihn gewarnt, aber er wollte nicht hören. Tee?“, fragte Ginny unschuldig und hielt Hermione lächelnd eine der Tassen hin. Damit ließ die Schulsprecherin mit einem Schlenker ihres Zauberstabes die Vögel verschwinden, während Draco noch damit beschäftigt war, Blaise Flugstunden ohne Besen zu erteilen. Und zwar von der Sorte, dass ihm dabei schlecht wurde.
„Mein Frühstück … Couch … Teppich …“, jammerte Blaise zusammenhanglos, sodass Draco ihn recht unsanft auf die Couch krachen ließ, die gefährlich unter dem Aufprall ächzte. Blaise ähnlich. „Ich … bin tot.“ „Und wie du das bist!“, keifte Draco noch immer und stand, die Nasenflügel bebend, vor dem Häufchen Elend, was sich sein bester Freund schimpfte.
„Was, bei Merlin, treibt ihr hier? Wie kommt ihr überhaupt rein?“, wollte Hermione wissen. Ginny schmunzelte. „Zu zweitens: Du hast mir gestern Abend das Passwort gesagt. Zu erstens: Wir wollten nach Hogsmeade runter und euch abholen. Wir haben nicht damit gerechnet, dass ihr noch schlaft“, entschuldigte sich Ginny in einem unschuldigen Ton, wenngleich in ihren Augen der Schalk blitzte. Hermione sah es, sagte dazu aber nichts, sondern drehte sich zu Draco, dessen rechte Hand ihr ins Auge stach.
Er hielt seinen Zauberstab noch immer fest umklammert, sodass er fast drohte, ihn zu zerbrechen. Um das schmale Stück Holz herum, konnte sie kleine blaue und grüne Blitze ausmachen, die nicht dort sein sollten. „Der Zauberstab ist das Medium“, echote ihr Dippets einleitende Erklärung von Mittwoch wieder in den Ohren nach. Und diesen schien Draco gerade mit seiner Magie gewaltig zu überladen.
„Draco?“, rief sie ihn sanft, um seine Konzentration auf sich zu ziehen. Sie wusste, dass er ihr nicht wehtun würde und sich deshalb auch schnell wieder beruhigen konnte. Sie trat zu ihm und nahm behutsam seine linke Hand. Bei der Berührung bekam sie einen kleinen Schlag, den sie ignorierte und ihm in die noch immer tosenden, dunklen Augen sah. Der Sturm darin verschwand allerdings ähnlich schnell, wie er aufgezogen war.
„Lass ihn leben. Wir brauchen ihn schließlich noch.“ „Wofür?“, schnaubte der Blonde. „Par - ty … vor - berei - ten“, ächzte Blaise, dem höllisch die Rippen schmerzten. Als er sich zusammenkrümmte und auf die Seite drehte, fiel er von der Couch.
„`bin … tot“, jammerte er weiter. „Memme.“ „Baby“, ärgerten ihn die Mädchen. „Schwachkopf!“, warf Draco ihm zu, bevor er sich mit Hermione daran machte, ihn zu versorgen. Sie hievten ihn zurück auf die Couch und heilten seinen Blessuren, sodass er nach ein paar Minuten, von der noch herrschenden Übelkeit abgesehen, wieder putzmunter war.
„Ihr hättet nicht gleich so überreagieren müssen“, moserte Blaise und rieb sich die Rippen. Draco schnaubte noch immer. „Du kannst froh sein, dass ich vor Schreck nicht noch was anderes gemacht hab! Schalt das nächste Mal dein hohles Hirn ein!“ „Wie soll er das denn machen, wenn es hohl ist?“, witzelte Ginny und befühlte den noch vorhandenen Afro interessiert.
„Draco hat aber Recht. Ihr wisst doch, dass es seine Gründe hat, warum ich jeden Abend das Passwort ändere“, rügte Hermione die Beiden. „Wir haben letztens erst wieder mit Tonks darüber gesprochen. Wir wissen noch immer nicht, wer hinter dem Attentat auf Draco gesteckt hat und ob sie es erneut ins Schloss schaffen könnten. Wenn dann, wie aus dem Nichts, jemand bei uns auftaucht, da. . .“ „Ja, schon gut. Ihr habt ja Recht“, murmelte Blaise geschlagen. „War `ne blöde Idee. Ich werd euch nicht mehr beim kuscheln stören“, grinste er nun wieder. Und das recht feist.
„Das will ich dir auch geraten haben, ansonsten rennst du für den Rest deines Lebens als Clown rum!“, zischte Draco. Blaise schmollte und zog kurz an einer der gekrausten Locken, die in neonpink strahlte. „Erlöst du mich jetzt hiervon?“ „Nein.“ „Draco!“, jammerte er und sah verzweifelt zu Hermione, die frech schmunzelnd mit dem Kopf schüttelte. Schließlich fiel sein Blick weinerlich auf Ginny, die ihn entschuldigend ansah.
„Ich kenn den Gegenzauber leider nicht. Sorry.“ „Tja, dann wirst du wohl durch das ganze Treppenhaus bis zu Madam Pomfrey gehen müssen“, säuselte Draco gehässig, mit einem fiesen Grinsen auf den Lippen. „Dafür lass ich dich bluten, Malfoy!“, zischte Blaise und stülpte sich seine Jacke über den Kopf. Dummerweise gab der Afro nicht so recht nach, sodass man trotzdem stellenweise den bunten Regenbogen sah.
„In einer halben Stunde unten am Haupteingang? Ihr könnt ja dann bei Aberforth was Kleines frühstücken“, schlug Ginny lächelnd vor, worauf Hermione ergeben nickte. Kurz darauf war die Gryffindor kichernd mit ihrem Afro-Man verschwunden, der noch leise vor sich hin blubberte. Kaum dass sie weg waren, sah Draco pikiert zu Hermione.
„Nie wieder verrätst du denen unser Passwort!“ „Ich war gestern beim Essen einfach zu müde. Ich hab nicht mal mitbekommen, dass Ginny danach gefragt hat“, entschuldigte sie sich und schlang ihm die Arme um die nackte Taille. Dass er prinzipiell oberkörperfrei schlief, fand sie immer wieder aufs Neue prickelnd. So konnte sie sich richtig an seinen warmen Körper kuscheln.
„Krieg ich einen Kuss?“, sah sie ihn kleinmädchenhaft von unten an, was den Rest seines Ärgers komplett vertrieb und er wieder zufrieden grinste. „Kriegst alles was du willst“, säuselte er und beugte sich zu seiner kleinen Löwin, um ihr ihren Guten-Morgen Kuss zu geben. Als er sie wieder ansah, funkelte es amüsiert in seinen Augen.
„Wollen wir wirklich mitgehen? Wir könnten auch so viele, schöne Sachen hier oben machen.“ „Wir haben Ginny jetzt doch schon zugesagt und. . .“ „Du kannst ihr doch deinen Biber schicken und. . .“ „Otter.“ „. . . sagen, dass wir es uns anders überlegt haben. Das Passwort ändern wir jetzt noch schnell, dann können sie uns nicht holen kommen“, überging er rigoros ihre Korrektur, wofür sie ihn in die Seite zwickte.
„Frecher Kerl.“ „Slytherin!“, lachte er. „Was erwartest du da?“ „Nicht viel.“ „Ey!“, empörte er sich. Hermione nahm es schmunzelnd auf und zog ihn für einen weiteren Kuss zu sich, bevor sie ihn in sein Zimmer scheuchte.
„Los! Anziehen. Oder ich verpass dir einen Afro!“, lachte sie, während Draco die Beine in die Hand nahm, um seine Haare zu retten. Knapp 20 Minuten später trafen sie unten ein und entdeckten Blaise in der hintersten Ecke, mit einer dunklen Mütze, die er sich seeehr tief übergezogen hatte. Draco grinste fies, während sein Freund sauer schnaubte.
„Mach es weg!“ „Was denn?“, tat er unschuldig, sodass das Funkeln in Blaise' Augen gefährlich anschwoll. „Du kannst etwas Farbe vertragen.“ „Draco. . .“, knurrte er, doch sein Freund ließ sich davon nicht stören und ging feixend zu Charlie und den Anderen, die die Szene skeptisch beäugten. Stattdessen trat Hermione zu Blaise und zog die Mütze an der Seite etwas hoch, sodass ihr ein schillerndes Gelb entgegen strahlte. Als Blaise es bemerkte, zerrte er sich die Mütze wieder bis tief über die Ohren.
„Mach es weg. Bitte. Ich werd auch dein Sklave sein“, jammerte er. „Ich glaube, da hätte Ginny was dagegen. Aber. . . hat Madam Pomfrey den Zauber nicht lösen können? Der Afro ist doch weg.“ „Aber nur der. Keine Ahnung, was Draco mir da noch reingehext hat“, knurrte er und funkelte todbringend zu dem Blonden, der ihm einen gehässigen Blick schenkte.
„Ich werd ihn umbringen.“ „Das lässt du schön bleiben. Genauso hältst du dich in Zukunft von unseren Schlafräumen fern. Verstanden?“, funkelte Hermione ihn böse an. „Was du willst, aber mach, dass es verschwindet. So kann ich doch nicht rumlaufen!“, quengelte er und bekam zum Trost sanft die Wange getätschelt.
„Ich red mit ihm.“ „Erpress ihn mit irgendwas. Dir frisst er doch aus der Hand“, grinste Blaise nun wieder leicht, während Hermione mit den Augen rollte, jedoch nicht umhinkam, darüber zu schmunzeln. Schließlich trat sie zu ihrem Freund, der sie unschuldig, beinahe engelsgleich anlächelte.
„Wollen wir gehen?“ „Gleich. Vorher erlöst du Blaise, bitte. Es tut ihm leid, und er hat versprochen, es nie wieder zu tun.“ „Was?“, horchte Harry auf. „Nichts für kleine Helden“, lachte Ginny, die es trotz allem noch immer lustig fand. Genauso, dass Blaise eine kleine Strafe verdient hatte.
„Ich trau ihm nicht.“ „Er ist dein Freund.“ „Er ist eine Nervensäge“, hielt Draco ihr spitz entgegen, sodass sie seufzte, ihn am Kragen zu sich zog und ins Ohr flüsterte: „Ja. Und er hat dafür gesorgt, dass ich die ganze Wahrheit erfahre, also erlös ihn endlich.“ Auf den Wink nahm Draco kommentarlos seinen Zauberstab zur Hand und schwenkte kurz in Blaise' Richtung, bevor er ihn wieder wegsteckte und seiner Löwin einen kleinen Kuss gab.
„Lasst uns gehen“, meinte er zu den Anderen, während Hermione Blaise aufmunternd zulächelte, der unsicher näher trat, sich aber nicht traute, die Mütze zu heben. Erst nachdem Ginny kurz darunter gelinst und ihm ein beruhigendes Okay gegeben hatte, atmete er auf.
Sie kamen knapp eine halbe Stunde später in Hogsmeade an, in dem bereits einige Schüler umher wuselten. Nicht wenige von ihnen verharrten vor dem Drei Besen, neben dessen Tür noch ein kleiner Altar mit einem Bild der Wirtin stand. Auf diesem brannten vereinzelte Teelichter, die teils von frischen Blumen umsäumt waren.
Der Vorfall lag nun schon drei Wochen zurück, dennoch nahmen die Schüler auch weiter Anteil am Tod der Wirtin, wie auch die Freunde. Die gemischte Gruppe trat an den kleinen Altar, wo jeder noch zusätzlich eine Kerze entzündete und mit einem Zauber versah, sodass Wind und Wetter sie nicht vorzeitig erlöschen ließen. Blumen hatte sie keine dabei, was gerade an Hermione etwas mehr nagte, die sich gegen Draco lehnte. Er legte ihr beruhigend den Arm um und hauchte ihr einen kleinen Kuss auf die Stirn.
„Wir kriegen die Alte dafür dran“, versprach er, worauf sie nickte und schließlich mit den Anderen die Straße hinunter ging. „Frühstück?“, fragte Ginny die Beiden zaghaft, als sie bei Aberforth vorbeikamen. Hermione schüttelte mit dem Kopf. „Später, Mittagessen vielleicht. Ich hab grad keinen Appetit.“.
Die Freunde schlenderten dann auch weiter durch die belebte Straße, womit sich die kurzzeitig getrübte Stimmung wieder im Nichts verlor. Allen voran, als die Jungs am Geschäft für Quidditch Zubehör vorbeikamen. Neben Blaise, Harry und Ginny, verschwand auch Daphne, mit Charlie im Schlepptau, in dem kleinen Laden. Astoria blieb etwas verloren zurück, der Draco den anderen Arm anbot.
„Wird wohl eine Weile dauern, bis die sich hier losreißen können.“ „Warum bist du nicht mit rein?“, wunderte sich Luna, aber auch Hermione und Astoria, die zu ihm trat. „Ich brauch nichts. Außerdem wäre es unhöflich, wenn man in Begleitung ist. Das müssen wir Harry noch beibringen“, grinste er zu Astoria. „So schlimm ist es auch nicht.“ „Trotzdem gibt es Sachen, die er noch lernen muss.“
Schließlich spazierte die halbierte Gruppe weiter durch die Straße. Sie holten sich Süßigkeiten aus dem Honeydukes und gingen in den Buchladen, wo es auch Federkiele und andere Schreibutensilien gab, mit denen sie sich eindeckten.
Hermione musste sich dort besonders zusammennehmen, um nicht in den Regalreihen zu verschwinden. Draco bemerkte es und trat zu ihr. Er umschlang sie warm von hinten und säuselte ihr ins Ohr: „Sobald Lupin Lucius und die Anderen dingfest gemacht hat, zeig ich dir so viele Bücher, die du in deinem ganzen Leben nicht lesen können wirst.“ Hermione war klar, dass er von der Bibliothek des Manors sprach. Zwar war sie nicht sonderlich erpicht darauf, dieses Haus noch ein einziges Mal zu betreten. Die Bibliothek würde sie dennoch gerne einmal in Augenschein nehmen. Das Buch, was sie von Draco bekommen hatte, sprach bereits für sich, was die Vielfalt und den Wert anging, mit dem dieser Raum gefüllt sein würde.
„Wie groß ist eure Bibliothek?“ „Nicht so groß wie die in Hogwarts, allerdings verläuft sie über zwei Etagen und die Regale sind bis an die Decke mit allen nur erdenklichen Büchern gefüllt. Zaubereigeschichte, Kultur, Zaubertränkebücher, die in Hogwarts höchstens in der Verbotenen Abteilung zu finden sind. Von vielen Exemplaren gibt es weltweit nur an die 100 Stück, die zum Teil ähnlich alt sind, wie das, was du jetzt besitzt. Eine Menge schwarzmagisches ist auch darunter, das geb ich zu, aber nicht nur“, schloss er beruhigend und hauchte ihr einen kleinen Kuss auf die Schläfe.
„Ich würde sie dir später gerne zeigen, sofern du das willst“, setzte er behutsam an, da er sie damit nicht belasten oder bedrängen wollte. Hermione lächelte auf den Vorschlag leicht. „Irgendwann. Sicher. Gerne“, ließ sie diese Möglichkeit offen und bekam dafür noch einen kleinen Kuss.
Am Ende verließen sie auch dieses Geschäft und trafen auf der Hauptstraße wieder auf den Rest der Gruppe, der ebenfalls gut bepackt war. Geschlossen traten sie ihren Weg zu Aberforth an, dessen Mittagsangebot recht spärlich war. Aber sein Pub war im Allgemeinen auch nicht auf Mahlzeiten ausgelegt. Und in seinem Alter wollte er sein Angebot nicht mehr zusätzlich erweitern. Für die Gruppe der zehn Jugendlichen machte er allerdings eine Ausnahme, da sie im Augenblick seine einzigen Gäste waren. Die übrigen Schüler aus Hogwarts verlagerten sich nun stärker auf Madam Puddifoots oder das Café Zum tänzelnden Einhorn, aus dem Draco, Anfang des Schuljahres, mit Katie rausgeworfen worden war.
Nachdem Aberforth alle mit einer einfachen, aber deftigen Mahlzeit versorgt hatte, ließ er sich bei den Schülern nieder und tauschte sich noch etwas mit ihnen aus. Allen voran, was die Suche nach Madam Rosmertas Täter anbelangte.
Nach gut zwei Stunden verabschiedeten sie sich von dem alten Mann und steuerten nochmal Honeydukes an, da sich Blaise, Ginny und Harry auch noch etwas aus dem Geschäft holen wollten, bevor sie einen kurzen Abstecher zu George machten, der allerdings in der Hauptfiliale in London war. Blaise und Harry, Blaise mit einem diebischen Grinsen, ließen noch etwas mehr Geld in dem Shop, während sich der Rest interessiert die neusten Artikel besah, bevor sie sich geschlossen auf den Rückweg machten. Auf diesem wurden sie von den ersten Schneeflocken des Jahres überrascht, die in Galleonen großen Stücken vom Himmel schwebten und sich in den Mützen, Haaren und Kleidern der Freunde verfingen.
Hermione verweilte bei dem Anblick kurz und schaute in den Himmel. In gut einem Monat stand bereits Weihnachten vor der Tür, von dem sie nicht wusste, wie es sein würde? Letztes Jahr war sie mit Harry allein und hatte zu der Zeit Godrics Hollow besucht. Das Jahr zuvor war auch nicht viel besser verlaufen.
„Hermione!“, rief Ginny und riss sie damit aus ihren Gedanken. „Schlägst du Wurzeln?“, lachte ihre Freundin. „War nur in Gedanken.“ „Darf man fragen worüber?“, schmunzelte Draco, der still an ihrer Seite verharrt und ihren verträumten Blick in sich aufgenommen hatte. „Weihnachten“, meinte sie nur und hakte sich bei ihm unter.
Beim Gedanken an dieses Fest, verfiel sie unweigerlich in neue Grübeleien, was die Geschenke für ihre Freunde anging. Für Harry, Ginny, Neville und Luna hatte sie sich schon etwas Nettes überlegt. Blaise war auch nicht allzu schwer. Bei Charlie hing sie noch ein wenig in der Luft, genauso die Schwestern, denen sie ebenfalls gerne etwas Kleines zukommen lassen wollte. Was ihr wirkliches Kopfzerbrechen bereitete, war die Frage, was sie Draco schenken könnte? Davon abgesehen, dass er sich alles, was er wollte, selbst kaufen könnte, wollte sie ihm schon etwas Besonderes schenken. Ähnlich wie seine Geburtstagsgeschenke.
Das Buch, was er ihr überlassen hatte, war unglaublich wertvoll und sie liebte es, darin zu schmökern und das Wissen in sich aufzunehmen. Viel wertvoller war für sie aber die Spieluhr, die er für sie gemacht hatte. Die Gedanken, die er sich dazu gemacht hatte. Es war etwas sehr Persönliches, was sie ihm zurückgeben wollte. Nur fiel ihr nichts ein, was dem in irgendeiner Form gleichkommen könnte.
Sie seufzte und schob diesen Gedanken erst einmal von sich, da auch noch etwas Zeit war. Nicht zuletzt hatten sie noch ganz andere Probleme, die endlich gelöst werden wollten. Nur würden sie heute nicht dazu kommen, daran zu arbeiten, denn als sie an der Haupttreppe ankamen, verkündete Blaise: „Wir treffen uns um 18:00 Uhr am Raum der Wünsche. Abendessen lasst ihr ausfallen, es wird ein schönes Buffet geben. Und was euch zwei angeht“, sah er eindringlich zu Harry und Neville. „Ordentliche Klamotten. Da bin ich pingelig. Sorgst du dafür, dass sie sich richtig anziehen?“, sah er zu Ginny, die zustimmend nickte.
„Tut das echt Not?“, maulte Draco. „Was? Die Klamotten?“ „Nein. Die Tatsache, dass du schon wieder Party machen willst.“ „Ich hab dir gesagt warum. Wir feiern deinen Geburtstag nach. Basta.“ „Hab ich da nicht noch ein Wörtchen mitzureden?“ „Nein. Und jetzt sieh zu, dass du hoch kommst, oder ich versuch den Regenbogenzauber an dir!“, drohte Blaise, dem Draco als Antwort nur den Mittelfinger entgegenhielt, bevor er mit Hermione auf der Treppe verschwand.
In ihrem Turm ließ sich der Blonde bäuchlings auf die Couch fallen und zog sich zwei der kleinen Kissen über den Kopf. Hermione wunderte es, die neben ihm Platz nahm und ihm kurz über den Rücken strich, bevor sie ihn im Nacken kraulte, sodass er seufzte.
„Nun sei nicht so. Es wird sicher lustig.“ „Wir wollten doch aber wegen der rosa Kröte weiterarbeiten“, muffelte er und kam unter den Kissen wieder zum Vorschein. „Ist das dein Ernst? Du willst freiwillig lieber etwas ausarbeiten, als zu feiern?“ Er nickte. „Warum?“ „Keine Lust.“ „Warum?“, wiederholte Hermione, bekam aber keine Antwort. Dann kam ihr allerdings ein Gedanke.
„Ist es der Grund? Weil Blaise darauf besteht, dass es eine Geburtstagparty werden soll?“ Wieder bekam sie keine Antwort, was doch irgendwo eine Antwort war. „Was ist denn so schlimm daran, wenn er nachfeiern möchte? Auch wenn es jetzt schon etwas länger her ist. Ich mein. . . Wir sind ja nicht dazu gekommen“, murmelte sie schuldig, bevor sie zaghaft anfügte: „Oder ist es genau deswegen? Weil Umbridge. . .“ „Nein“, unterbrach er sie nun doch mal ruhig, starrte aber weiter sinnlos an die weiße Stuckdecke.
„Ich mag es einfach nicht.“ „Geburtstag feiern oder spezifisch deinen?“, hakte sie nach. „Es gibt mir nichts. Ich kann dem nichts abgewinnen“, murmelte er, während Hermione über das Warum nachdachte. Schließlich feierte eigentlich jeder gern seinen Geburtstag. Man stand im Mittelpunkt, hatte Freunde und Familie um sich. Aß, trank, lachte, hatte Spaß. Eigentlich.
Schließlich führte sie sich vor Augen, was Draco mit seinem Geburtstag verband. Sein 18ter war eine Katastrophe und der das Jahr zuvor sicher auch, denn zu der Zeit war er bereits nicht mehr in Hogwarts. Was an dem Tag im Manor abgelaufen war, wollte sie sich lieber nicht vorstellen. Genauso, das Jahr davor. Zu der Zeit lag der Kampf im Ministerium bereits hinter ihnen und Draco hatte sich mit den Folgen dessen, was auf ihn zukommen würde, beschäftigen müssen. Darüber hinaus war da auch noch Dobbys Erzählung, wie Dracos Fünfter Geburtstag ausgefallen war. Auch alles andere, als angenehm und glücklich. Nicht zuletzt hatte Draco Dippet ja auch angeschnauzt, dass er damit nichts Angenehmes verband, als sie an ihren Patronusgestalten gearbeitet hatten.
„Hast du überhaupt jemals richtig Geburtstag gefeiert? Mit Freunden oder deiner Mutter?“, erkundigte sie sich behutsam. „Hier in Hogwarts vielleicht?“, warf sie noch zusätzlich ein, da er schwieg, was sich auch nicht änderte, sodass sie Blaise' Beharrlichkeit zu verstehen begann. Schließlich nahm sie Dracos Hand, um ihn von der Couch zu ziehen.
„Dann wird es Zeit. Wir feiern!“ „Hermione. . .“ „Nein! Blaise hat Recht. Jeder Geburtstag verdient es, gefeiert zu werden. Und sei es ein halbes Jahr später. Wir werden mit unseren Freunden deinen Geburtstag nachfeiern und du wirst Spaß haben.“ „Hermione. . .“, versuchte er es nochmal, doch sie ließ nicht mit sich reden.
„Ich wünsche mir für dich, dass du mit diesem Tag etwas Schönes verbindest. Das Zusammensein mit Freunden und den Menschen, die dich lieben. Das hat Luna vorgestern auch schon gesagt. Also nimm es an und schaff dir damit eine schöne Erinnerung.“ Als die letzten Worte Hermiones Mund verließen, kam ihr schlagartig ein Gedanke, was sie ihm zu Weihnachten schenken könnte. Etwas sehr Persönliches, Besonderes und vor allem etwas, was ihm, so hoffte sie, viel Freude bereiten würde. Schließlich beugte sie sich zu ihm und gab ihm einen süßen Kuss.
„Du hast bei mir einen Wunsch frei.“ „Einen Wunsch?“, stutzte Draco. Sie nickte. „Da Blaise' Idee nun etwas kurzfristig kam, bekommst du von mir einen Wunsch geschenkt. Egal was es ist, ich werd ihn dir erfüllen.“ „Ich hab schon alles, was ich mir immer gewünscht habe“, entgegnete er ihr nun wieder lächelnd, in was sie einstimmte und sich nochmal zu ihm beugte, um ihm einen weiteren Kuss zu schenken.
„Dann bewahr ihn dir auf. Irgendwann gibt es sicher etwas, was du dir wünschen wirst. Jetzt gehst du aber erstmal brav duschen und ziehst dich um. Du hast Blaise schließlich gehört.“ „Ziehst du ein Kleid an?“, spitzte Draco. „Wenn du willst?“ „Oh ja“, grinste er und strahlte sie in freudiger Erwartung an. Hermione nahm es lachend auf und verschwand in ihrem Zimmer, um sich für ihn hübsch zu machen.
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„Was haltet ihr davon?“, sah Minerva zu den beiden Männern in den Portraits, denen sie gerade den Brief vorgelesen hatte. „Nicht viel“, resümierte Snape säuerlich, was Minerva und Albus doch etwas überraschte.
„Weil?“, hakte Minerva nach. „Denkst du nicht, dass es der Wahrheit entspricht?“ „Ich weiß es nicht. Ich trau der Sache nicht so recht.“ „Weil?“ „Nennen wir es ein Gefühl.“ „Du bist tot, Severus. Wie willst du da etwas fühlen?“, resümierte Minerva nüchtern. „Dann eben Intuition!“, bellte er zurück. „Es erscheint mir nicht gerade logisch.“ „Ich denke, Logik wird in diesem Fall nicht der ausschlaggebende Punkt sein, sondern eher etwas Emotionales und Angst“, merkte Albus an, zu dem Snape nur kurz sah.
„Von diesem Punkt abgesehen, könnte es durchaus sein, dass eine gewisse Erkenntnis hier vielleicht auch noch eine Rolle spielt“, meinte Dumbledore mit einem kleinen Lächeln, dem Severus vehement widersprach.
„Das halte ich für ausgeschlossen!“ „Warum? Es wäre nicht der erste Fall. Darüber hinaus, haben uns Mr. Malfoy, Zabini und Harper auch schon eines besseren belehrt.“ „Das kannst du nicht vergleichen!“, schnappte Snape. „Weil?“, hakte Minerva nach. „Niemandem von ihnen hat man etwas angemerkt. Erst recht nicht Draco.“ „Wie ich schon sagte, das kann man absolut nicht vergleichen. Die Drei sind äußerst intelligent und wussten genau, was sie taten. Sie haben ja sogar mich an der Nase herumgeführt.“ „Und das scheint dich zu ärgern“, merkte Minerva spitz an und schenkte Severus ein amüsiertes Lächeln.
„Darum geht es nicht!“ „Sicher. Es geht um die Frage, was wir jetzt machen?“, seufzte Minerva. Dumbledore schmunzelte. „Nicht wir, meine Liebe. Du.“ „Vielen Dank!“, warf sie ihm bissig zu und sah zurück auf den Brief, bevor sie sich wieder an die beiden Männer richtete. Angefangen bei Snape.
„Du würdest dem nicht nachgeben?“ „Nein. Und das sage ich, da ich mit gewissen Dingen um einiges besser vertraut bin, als ihr. Ich hatte in diesem Bereich ganz andere Einblicke. Darüber hinaus finde ich diese plötzliche Wende äußerst fraglich, nach allem, was zuvor war.“ „Albus?“, sah Minerva zu ihrem ehemaligen Vorgesetzten, dessen Rat sie auch weiter sehr schätzte.
„Die Bitte ist äußerst ungewöhnlich. Allerdings denke ich, dass die vorherrschenden Umstände keine unbedeutende Rolle spielen. Eine etwas späte Erkenntnis scheint mir auch nicht ausgeschlossen, der wir uns nicht verweigern sollten. Ich würde dem nachgeben“, lächelte er freundlich, was Minerva nicht half, denn so stand sie wieder mit der Entscheidung allein da. Ja oder Nein?
Severus hatte mit seinen Bedenken sicher nicht ganz unrecht und ihr selbst gefiel dieser Gedanke auch nicht so richtig. Andererseits hatte auch Albus Recht, dass sie sich einer möglichen Wende nicht verschließen, sondern diese unterstützen und fördern sollten.
„Vielleicht würde ein persönliches Gespräch in dem Fall mehr helfen. So können wir uns ein genaueres Bild machen. Wenn du dich dafür entscheiden solltest, obliegt es dir ja auch, die Regeln festzulegen. Sollte es Probleme geben. . .“ „Die es geben wird, verlass dich drauf!“, fiel Snape Dumbledore ins Wort.
„Draco wird Zeter und Mordio brüllen, das kann ich euch jetzt schon versichern. Genauso die anderen Beiden.“ „Wenn es, aus was für Gründen auch immer, nicht funktionieren sollte, kannst du diese Vereinbarung auch wieder lösen. Aber ich sehe es in unserer Pflicht als Schule, dennoch einen Versuch zu wagen. Dass es nicht einfach werden wird, dürfte klar sein. Aber das war es für Draco anfangs auch nicht. Inzwischen hat sich die Lage aber mehr, als nur etwas, zum Positiven gewandelt. Horace solltest du zu dem Gespräch vielleicht auch mit hinzuziehen. Und du. . .“, linste Albus zu Severus, der noch immer schnaubte.
„Du kannst ja dann deine Fragen stellen. Vielleicht verflüchtigen sich deine Bedenken damit bereits im Nichts.“ „Unwahrscheinlich“, blieb Snape stur, gab sich aber erstmal geschlagen, während Minerva ihrerseits einen Brief für ein persönliches Gespräch aufsetzte.
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Punkt 18:00 Uhr, fanden sich die Freunde geschlossen vor der Steinwand im siebten Stock wieder ein.
Auf dem Weg dorthin, wurde der gemischte Haufen aus Gryffindors und Slytherins erneut interessiert gemustert. Allerdings nicht mehr aufgrund der Tatsache, dass sie vollkommen harmonisch miteinander umgingen, sondern eher wegen der formellen Kleidung. Anthony hielt den kleinen Trupp dann auch irritiert an und erkundigte sich, ob Slughorn seine Feier vorverlegt hatte? Die Freunde verneinten und verwiesen ihn auf den nächsten Samstag.
Vor der Tür wartete Blaise und rieb sich freudig die Hände. Seinen weißen Hut war er zeitnah auch wieder los, kaum dass Ginny bei ihm war. Er nahm es grinsend zur Kenntnis.
„Ich werd dir wohl mal einen eigenen besorgen müssen.“ „Nö. Dann macht es keinen Spaß mehr. Teilen heißt das Zauberwort!“, lachte Ginny, während sich Blaise der Wand zuneigte und schließlich dreimal auf und ab lief. Nur etwas später erschien eine mit Schnörkeln verzierte Eisentür, nach deren Klinke Blaise griff und das Geheimnis dahinter für seine Freunde preisgab. Im ersten Moment verschwanden sie aber in völliger Dunkelheit.
„Blaise?“, rief Ginny skeptisch, die nicht einmal die Hand vor Augen sehen konnte. Was sie allerdings spürte, war ein sommerlich warmer Luftzug, der mit dem Saum ihres Kleides spielte, während ihre Zehen, in den halboffenen Stilettos, weiches Gras erfühlten.
„Kannst du bitte Licht machen?“, murmelte Hermione, der die Dunkelheit nicht behagte, denn sie schmiegte sich noch mehr an Draco, der ihr beruhigend die Arme um den Oberkörper schlang. Allerdings beunruhigte auch ihn die Schwärze. Und das mehr denn je.
„Dein Wunsch, sei mir Befehl, Prinzessin!“, lachte der Slytherin in der Dunkelheit. Nur einen Moment später erschienen über den Köpfen der Freunde immer mehr kleine Lichter, die sich schließlich als Firmament mit seinen Abermillionen Sternen entpuppte. Von diesen Sternen begannen sich vereinzelte Lichter abzuspalten, die letztlich herabregneten und sich auf die teils noch verdunkelten Gegenstände legten, denen sie dadurch eine Struktur und Kontur gaben.
Eines dieser Gebilde war ein aus Eisen gefertigter großer Pavillon, dessen schwarze Verstrebungen ähnlich verschnörkelt waren, wie bereits die auf der Tür zum Raum. An diesen rankten wilde Rosen empor, deren weiße Blütenköpfe kaum größer waren, als eine Galleone. Dazwischen schimmerten hunderte der Lichter, während andere Partyfackeln entflammten, die den Weg von der Tür des Raumes zum Pavillon säumten.
Im Pavillon stand, wie in der Großen Halle, ein runder Tisch, der in ein lindgrünes Tuch eingeschlagen war. Der Tisch selbst war mit ähnlich viel Besteck eingedeckt, wie auch zu Halloween. Von den Platztellern abgesehen, befanden sich auf dem restlichen Tisch verteilt, diverse Schüsseln, Schalen und noch mehr Teller, die aber noch leer waren. Den Tisch säumten zehn Korbstühle, die mit grünen Sitzpolstern ausgestattet waren.
Links vom Pavillon ging ein kleiner Weg ab und führte zu einer gemütlichen Sitzecke, die direkt auf der Wiese, unter einer üppigen Weide, aufgestellt war. Sie bestand aus einem kleinen Glastisch und ähnlichen Korbmöbeln, die aber mehr zum Lümmeln einluden und von der Sitzhöhe niedrig gehalten waren. Neben den Sesseln und zwei Dreisitzern, hingen an den Ästen der Weide, deren Blattwerk die Sitzecke wie ein Vorhang einschloss, noch drei Korbsessel, in die man sich gemütlich zu zweit kuscheln konnte.
Ein paar Schritte vor der Sitzecke entfernt, wurde aus dem Holzsteg ein edler Parkettboden, der zum Tanzen einlud. An der Kopfseite dessen stand, ganz wichtig, eine schöne Cocktailbar, zusammen mit einem Grammophon. Umrandet wurde dieses kleine, nächtliche Paradies von weißen und violetten Fliederbüschen, deren Duft sich dezent über den Garten legte. Auch hier waren die kleinen Lichter zu hunderten hängen geblieben und leuchteten den Garten zusätzlich zum Mond, den Sternen und den Partyfackeln in einem warmen Schein aus.
„Wahhhnsinn“, konnte Ginny nur murmeln und auch der Rest der Mädchen betrachtete den magischen Garten, in dem sich noch eine Vielzahl von bunten Blumen befand, mit leuchtenden Augen. Noch als sie staunten, klickte es zwei-, dreimal, sodass sie zurück zu Blaise sahen, der gewitzt eine Kamera in den Händen hielt, wie schon zu Hermiones Geburtstag. Diese reichte er letztlich Ginny.
„Du bist und bleibst ein Meister der Organisation und Illusion“, meinte Hermione anerkennend zu Blaise. Sie fragte sich einmal mehr, wo er die Ideen dazu hernahm? „Das hört man gern. Und ich bin noch nicht fertig.“ Er schnipste einmal mit den Fingern, worauf Dobby in einem Plopp erschien. Das aber nicht mit leeren Händen, denn in diesen hielt er tatsächlich eine große Geburtstagstorte.
Diese war in Grün und Silber gehalten. Ganz, wie sich das für Slytherin gehörte. An der Vorderseite prangte, in allen Einzelheiten, aus Marzipan das Wappen der Schlangen, während oben in der Mitte ein goldener Schnatz und Feuerblitz, ebenfalls aus Marzipan, ruhte. Hinter diesem stand ein kleiner grüner Drache, der einen rot-goldenen Schal trug, und schließlich ein Schild hoch hielt, auf dem stand: „Nachträglich alles liebe zum Geburtstag, Draco!“ Als alle den Gruß gelesen hatten, fauchte der kleine Drache einmal um sich herum, und entzündete so die 18 Kerzen, die in einem Kreis auf der Torte verteilt waren, bevor er sich wieder hinter dem Schnatz postierte und in Marzipan zurückverwandelte.
„Oh Gott, das ist so süß!“, quietschte Ginny und auch Hermione lächelte selig, während Dobby näher trat und die Torte schließlich auf Brusthöhe seines jungen Herrn schweben ließ. Dieser war vollkommen verstummt und starrte mit zugeschnürter Kehle auf das, was er da direkt vor sich hatte. Er schluckte kurz, war aber nicht dazu fähig, etwas zu sagen, geschweige denn zu denken. Stattdessen breitete sich in seinem Innern ein Gefühl aus, was er in der Form noch nicht kennengelernt hatte.
Es war wie eine kleine Flamme, die sein Innerstes auf eine neue, ihm unbekannte Art und Weise wärmte, während seine Augen ein klein wenig zu brennen begannen. Hermione sah das langsam wachsende, feuchte Schimmern, gegen das er noch versuchte anzukämpfen. Es ließ sie lächeln, während sie seine Hand nahm, die er ganz gewaltig drückte.
„Master Draco muss die Kerzen auspusten und sich etwas wünschen“, piepste Dobby mit einem breiten Lächeln. Draco sah allerdings total überfordert zu Hermione, die sich lang machte und ihm ins Ohr flüsterte: „Das bedeutet Geburtstag mit Freunden und lieben Menschen zu feiern. Und jetzt puste deine Kerzen aus und wünsch dir im Stillen etwas“, hauchte sie und küsste ihn auf die Wange. Kurz darauf fiel sein Blick wieder auf die Torte, bevor er reihum die Züge seiner Freunde in Augenschein nahm, die ruhig lächelnd auf diese Geste warteten, sodass er dem nachkam.
„Oh! Alle mit einmal“, freute sich Dobby hopsend, während der Rest klatschte, und Draco damit noch mehr die Röte in die Wangen trieb. In der Zwischenzeit nahm sich Blaise die Torte, als Luna interessiert fragte: „Wer hat sie gebacken?“ „Er“, deutete Blaise schmunzelnd mit dem Kopf auf den Elfen.
„Ich hab ihn gefragt, ob er etwas in der Richtung fertigmachen kann.“ „Gefällt sie Master Draco?“ „Sie ist toll!“, brachte Draco noch immer etwas belegt heraus. „Vielen Dank, Dobby.“ „Oh nicht danken! Bitte nicht danken!“, wurde der Elf rot und zog peinlich berührt eines seiner Ohren vors Gesicht, bevor er Draco bei der Hand nahm und zum Tisch führte, wo er den Blonden Platz nehmen ließ.
„Bitte alle Misters und Misses müssen sich jetzt setzen. Abendessen“, verkündete Dobby, sodass die Freunde nach und nach in ihrer gewohnten Ordnung Platz nahmen. Als alle saßen, sorgte Dobby mit einem Fingerschnippen dafür, dass sich als erstes die Gläser mit Elfenwein füllten, bevor in den Schüsseln und Tellern allerlei Leckereien erschienen.
„Wie sieht es mit einem kleinen Toast aus?“, richtete sich Blaise grinsend an Draco, dem die Berührt- und Verlegenheit noch immer deutlich ins Gesicht geschrieben stand. Er sah erneut ein wenig hilflos zu Hermione, die sich zu ihm beugte und flüsterte: „Sag einfach Danke“, bevor sie ihm noch einen Kuss auf die rosa Wange hauchte. Damit stand er auf und räusperte sich kurz.
„Also ich . . . ich wollte. . . Uhm. . . Danke. Euch allen, für alles was . . . was. . . Danke“, quetschte er peinlich berührt hervor und nahm schnell wieder Platz. Blaise und Charlie grinsten. „Haben wir es endlich mal geschafft, dir die Sprache zu verschlagen?“, gluckste Blaise. „Klappe“, murrte Draco noch immer verlegen und leerte hastig sein Wasserglas. Nur einen Augenblick später deutete Hermiones Weinglas in seine Richtung.
„Wir müssen noch anstoßen. Und das besser schnell, ich konnte schon die ersten Mägen knurren hören“, lachte Hermione und sah zu Harry, der sich fahrig die Brille wieder höher schob. Der hungrige Held und der Rest wurden dann aber erlöst, nachdem das Kristall seinen Klang verbreitet hatte. Während des Essens fand Draco wieder zu seiner normalen Gemütsverfassung zurück, die für einen kurzen Moment, als er von seinen Freunden genötigt wurde, die schöne Torte anzuschneiden, nochmal der Verlegenheit wich.
Nach dem süßen Dessert verkrümelten sie sich geschlossen in die Sitzecke, während Blaise einmal mehr Barkeeper spielte und bunte Cocktails für die Mädchen zauberte, während sich die Jungs, für den Anfang, noch ihr Butterbier schmecken ließen. Allerdings hatte Blaise bereits alles für den Whiskey zur Hand, der dann auch nicht mehr lange unberührt blieb.
Nach der ersten Getränkerunde ließ er etwas rockigere Musik anlaufen, was Ginny nicht lange aushielt, bevor sie sich ihre Schlange schnappte, um mit ihm zu tanzen. Charlie und Daphne ließen sich davon recht schnell anstecken und auch Draco schmunzelte seiner Hexe zu, die die Einladung dankend annahm und letztlich mit ihm über das Parkett wirbelte.
„Sie macht ihn wirklich glücklich“, murmelte Astoria, zu der Harry fragend sah. „Hermione. Sie lässt Draco förmlich von innen heraus strahlen. Da ist so viel Wärme, die die Beiden umgibt“, murmelte Astoria verträumt und auch ein ganz klein wenig neidisch, bevor ihr Blick auf Blaise und Ginny fiel, die einen ähnlichen Eindruck hinterließen, der im Augenblick von beinahe grenzenlosem Spaß noch übertroffen wurde. Am Ende sah sie zurück zu Hermione und Draco.
„Sie scheinen mir das perfekte Paar“, murmelte sie, sodass Harry ebenfalls zu ihnen schaute, bevor er Astoria wieder in Augenschein nahm. „Wie siehst du das alles? Also. . . Sie sehen schon sehr zufrieden und glücklich aus, und. . .“ „Körpersprache. Blicke. Ein kleines Lächeln. Ein flüchtiger Kuss. Man kann es an so vielen Dingen erkennen. Am stärksten an den Augen, wenn sie leuchten und strahlen. Ich hab das bei Draco früher nie auch nur ansatzweise gesehen. Jetzt aber. . . Jetzt scheint es von Tag zu Tag mehr zu werden.“ „Hm“, machte Harry und beobachtete seine Freunde kurz, bevor er sich ganz auf seine Freundin konzentrierte und ihr die Hand darbot, auf die sie verwundert sah.
„Möchtest du auch tanzen? Ich kann das zwar nicht so gut wie die Anderen, aber ich verspreche, mich zu bemühen und aufzupassen und. . .“ „Sehr gern“, unterbrach Astoria ihn lächelnd und ließ sich aufhelfen. Zum Glück der Beiden, änderte sich wie aufs Stichwort der Rhythmus der Musik und es wurde ein ruhiges Stück angespielt, dem Harry problemlos folgen konnte.
Einige Songs später fanden sich die fünf Paare, mit frischen Getränken, wieder geschlossen in der Sitzecke ein, wo sie sich unterhielten, scherzten und lachten. Hermione lehnte zufrieden an Draco, bei dem sie sich eingekuschelt hatte, während Daphne den Schoß von Charlie in Anspruch nahm. Harry hockte artig neben Astoria, warf ihr aber immer wieder verliebte Blicke zu, ganz besonders, wenn sie hell auflachte. Neville und Luna kuschelten ähnlich wie Hermione und Draco, während Blaise und Ginny den meisten Platz beanspruchten. Blaise lag halb auf der Couch, die Beine über die Lehne geworfen, während sein Kopf in Ginnys Schoß ruhte. Die Rothaarige kraulte ihn nebenbei ein wenig am Kopf, als sie angeregt mit Daphne über Quidditch Angriffsmanöver diskutierte. Und das so lange, bis Blaise und Harry sich meckernd zu Wort meldeten, sie sollten ihre jeweilige Strategie nicht verraten. Beide Mädchen reagierten gleich. Daphne steckte Blaise die Zunge raus, Ginny Harry, bevor sie weiter diskutierten.
Dem Slytherin wurde es dann etwas zu doof. Er rappelte sich auf und trat zu Hermione, der er zuflüsterte: „Hilf mir mal kurz, Ginnys Aufmerksamkeit zu wecken.“ „Und wie?“ „Ein Tänzchen gefällig?“, grinste er und hörte Draco neben sich gefährlich knurren, den er beruhigte. „Du kriegst sie gleich wieder“, versprach er und verschwand mit Hermione auf dem Parkett, wo erst etwas Poppiges lief, was dann zu einer ruhigen Melodie verklang, sodass die Beiden etwas näher aufrückten.
„Danke, dass du auf die Party bestanden hast“, begann Hermione nach einem kurzen Moment. „Ich schätzte, das war mitunter etwas, was Draco gebraucht hat.“ „Eine Party?“ „Nein. Richtige Momente des Glücks mit Freunden und Menschen, die ihn schätzen und lieben.“ Daraufhin schmunzelte Blaise und schaute rüber zu den Anderen, die auch weiter quatschten und lachten. Es ließ ihn schmunzeln.
„Weißt du, was mir gerade auffällt?“ „Was?“ „Das sich dein Geburtstagswunsch inzwischen erfüllt hat. Wir sitzen alle in Einklang zusammen. Als Freunde.“ „Du hast Recht“, strahlte Hermione und sah selbst glücklich zu der gemischten Truppe.
„Manchmal brauchen die Dinge einfach nur etwas Zeit“, murmelte Blaise. „Und ich bin echt heilfroh, dass das mit dir und Draco jetzt endlich geklappt hat. Er liebt dich und er braucht dich.“ „Ich weiß“, murmelte Hermione, die dieser Sache einmal mehr nachhing. Aber auch dem simplen Aspekt, was aus einer Freundschaft zu einem Slytherin alles wachsen und entstehen konnte. Darüber hinaus fiel ihr wieder etwas ein, was sie seit der Erinnerungsexkursion doch noch etwas beschäftigte.
„Darf ich dich etwas fragen?“ „Sicher.“ „Deine Ambitionen damals. Was genau hat dich wirklich dazu bewegt, dich mit mir zu treffen und das so hartnäckig zu verfolgen?“ „Neugierig sind wir gar nicht?“, neckte er sie, bevor er ruhig meinte: „Ich fand dich interessant. Deine Person. Dein Temperament und alles.“ „Nur das?“, hakte Hermione nach, da sie in seinen und Dracos Erinnerungen noch etwas anderes geglaubt hatte zu sehen. Das kurze Blitzen in Blaise' Augen verriet ihr, dass ihr Eindruck sie nicht getäuscht hatte.
„Deine Erinnerung aus dem Dritten, als wir noch in London am Bahnhof waren, war schon etwas spitzfindig. Darüber hinaus meinte Draco auch noch, dass du wohl . . . scharf auf mich gewesen wärst. Stimmt es? Und sei bitte ehrlich.“ „Würde es etwas ändern, wenn ich dir ja oder nein sage?“, wich Blaise ihr aus und wartete selbst gespannt auf eine Antwort.
„Nein. Ich liebe Draco und ich will ihn nicht mehr hergeben. Ich will ihn beschützen und dabei helfen, dass er all diese kalten Dinge gänzlich hinter sich lassen kann. Da ist noch immer viel zu viel, was er mit sich herumschleppt, was ich ihm abnehmen will, damit er endlich richtig leben und glücklich sein kann.“ Daraufhin lächelte Blaise zufrieden und gab der Gryffindor einen sanften Kuss auf die Stirn. „Das wollte ich hören.“ „Sagst du's mir nun?“ „Kleiner Dickkopf“, seufzte Blaise und sah kurz zu den Anderen, allen voran zu Draco, bevor er sich wieder auf Hermione konzentrierte.
„Das bleibt aber unter uns. Kein Wort zu Draco. Verstanden?“, mahnte er. Sie nickte. „Okay, also. . . Wie gesagt, ich fand dich damals interessant. Hinzu kam dein Engagement und die Hilfsbereitschaft, als der Hippogreif Draco verletzt hatte. Ein gewisser sexueller Reiz hat auch noch mit hineingespielt, immerhin hast du dich in dem Jahr körperlich recht stark entwickelt. Die Hormone haben dann sicher noch ihr Übriges getan“, scherzte er leicht. Hermione lauschte ihm aber aufmerksam, bevor sie vorsichtig fragte: „Dann stimmt es? Du . . . du warst an mir interessiert?“ „Zeitweise, ja. Nennen wir es eine frühjugendliche Verliebtheit.“ „Warum hast du nie etwas gesagt?“, fragte sie mit belegter Stimme und sah ihn etwas traurig an.
„Weil es nie wirklich zum Vorschein gekommen ist. Das Verlangen mit dir zu knutschen und zu kuscheln war zwar da, aber wie gesagt. . . Es kam nie richtig zum Vorschein, weil es am Ende tatsächlich nur eine oberflächliche Verliebtheit war.“ „Warum glaubst du das?“ „Die Weltmeisterschaften. Mir ist in dieser Nacht klar geworden, dass es nicht das war, wofür ich es gehalten habe. Genauso hab ich erkannt, dass Draco trotz der Distanzen begonnen hatte, etwas anderes in dir zu sehen und auch für dich zu empfinden. Und zwar mehr als ich.“ „Ich versteh nicht. Ich mein. . . Ihr habt mich doch vor den Todessern gerettet.“ „Stimmt. Du musst dir die Frage allerdings nach dem Wie stellen. Wie habe ich reagiert, als du geschrien hast, und wie hat Draco damals reagiert?“ Er ließ ihr einen kurzen Moment Zeit, um sich die Szene wieder ins Gedächtnis zu rufen.
„Anders als ich, hatte Draco nicht erst darüber nachgedacht, was los war, wer da bei dir war, oder dass uns einer der Todesser sehen könnte. Stattdessen ist er kopflos zurück, um dir zu helfen. Hätte einer von denen es erkannt, es hätte ihm das Genick gebrochen. Das hatte er aber keine Sekunde lang bedacht. Stattdessen hatte ihn die Angst um dich getrieben, auch wenn er sich zu der Zeit das Warum selbst nicht erklären konnte. Meine folgenden Sticheleien, dass er dich gern hat, hat er immer wieder als Unfug abgetan. Er hat nach dieser Nacht sehr lange gebraucht, um zu begreifen, dass ich doch Recht hatte, und noch länger, um seine Gefühle für dich tatsächlich zuzulassen. Die Chance, dass er irgendwann diese Gefühle tatsächlich ausleben könnte, war zwar verschwindend gering, aber ich wollte ihm diese Möglichkeit wegen einer kleinen Liebelei nicht wegnehmen. Ich weiß zwar nicht, was zwischen uns hätte sein können, hätte ich mich richtig darum bemüht. Allerdings denke ich, dass es so, wie es jetzt ist, vollkommen richtig ist. Ich hab dich unwahrscheinlich lieb, Süße, und ich hoffe, du bist mir jetzt nicht böse, aber Ginny passt letztlich besser zu mir. Und du zu Draco. Unser sogenannter Eisprinz braucht schließlich seine feurige Gryffindor Prinzessin, die ihm das Herz wärmt“, schmunzelte er. „Deswegen geleite ich Mylady jetzt auch lieber zu ihrem Prinzen zurück, bevor ich den Rest des Abends mit einem neuen Afro verbringen muss!“, lachte er, worauf Hermione ihm die Arme um den Nacken schlang und sich kurz ganz fest an ihn drückte.
„Ich hab dich auch lieb“, fistelte sie und trocknete die aufsteigenden Tränen schnell an seinem Kragen, bevor sie wieder kraftvoller meinte: „Und du bist ein Idiot.“ „Na, na“, mahnte er grinsend und hielt sie kurz fest, wobei sie ihm noch einen Kuss auf die Wange gab und schließlich wieder lächelte. Sie verschwanden zurück zu den Anderen, wo Draco Hermione prompt zu sich auf den Schoß zog und sie fest umschlungen hielt.
„Nicht wieder weglaufen“, brummte er. „Nein“, meinte sie beruhigend und hielt ihn ihrerseits fest. Blaise hatte allerdings auch weiter den schwarzen Peter, denn Ginny plauderte noch immer angeregt mit Daphne, wovon sich Charlie auch nicht stören ließ, da er mit Neville in eine angeregte Unterhaltung über Heilpflanzen vertieft war. Stattdessen gesellte sich Luna zu Blaise, der noch irgendwie versuchte, Ginnys Aufmerksamkeit zu erregen. Erfolglos.
„Ich bin unsichtbar“, murmelte er deprimiert und ließ den Kopf hängen. Luna tätschelte ihm die Schulter. „Also ich kann dich gut sehen. Vielleicht ist Ginny ja ein Flipsie in die Ohren gekrochen?“, überlegte Luna, während Blaise sie skeptisch musterte, allerdings schlau genug war, nichts zu ihrer Vermutung zu sagen. Stattdessen lächelte er wieder.
„Wollen wir dann eine Runde tanzen? Dein Neville scheint ja auch gerade beschäftigt zu sein“, merkte Blaise an. Zur Antwort knickste Luna und nahm lächelnd seine Hand. Ihrem Beispiel folgten dann auch Harry und Astoria. Hermione nahm es schmunzelnd auf, dass Harry offensichtlich sein kleines Tanzproblem in den Griff bekommen, und nun auch Freude an dieser Art des Zusammenseins hatte. Am Ende bekam sie Draco mit einem kurzen Blick auch wieder dazu, zu tanzen.
So vergingen die Stunden wie im Flug, in denen Blaise' Kamera reihum ging. Irgendwann zündete der Partyplaner auch noch ein kleines Feuerwerk, was sich die Freunde begeistert ansahen, bevor sich die ersten, nach Mitternacht, auf den Weg machten. Angefangen bei Neville und Luna, denen Charlie und Daphne folgten. Ein wenig später brach auch Harry auf, der sich als Gentleman versuchte und Astoria in die Kerker hinunter begleitete. Zum Schluss waren nur noch Hermione, Draco, Blaise und Ginny im Raum der Wünsche. Beide Paare hatten es sich in den Korbsesseln, die im Baum hingen, gemütlich gemacht. Sie lauschten den ruhigen Klängen, die noch aus dem Grammophon drangen und betrachteten den klaren, sternenbedeckten Himmel. Irgendwann zwickte Ginny Blaise in die Seite.
„Vielleicht machen wir auch langsam los?“, flüsterte sie und deutete mit dem Kopf zu ihren Freunden. Hermione schien bereits in Dracos Armen eingeschlafen zu sein, denn sie lag ganz ruhig an seine Brust gekuschelt, während der Blonde ihr kleine Streicheleinheiten zukommen ließ. Blaise nahm es schmunzelnd zur Kenntnis und nickte.
„Kommst du mit zu mir runter?“ „Nein. Ich würd eher sagen, wir gehen in meinen Turm. Der ist näher“, säuselte Ginny und sah ihre Schlange verrucht an, die dreckig zu grinsen begann. „Na das dürfte morgen früh spaßig werden.“ „Ich wär erstmal für anderen Spaß zu haben.“ „Kannst du kriegen!“ Damit rappelten sich die Beiden auf und winkten Draco kurz zum Abschied, der aber nicht weiter reagierte.
Doch anders, als Ginny vermutet hatte, schlief Hermione nicht, sondern genoss einfach nur die Nähe und Wärme zu ihrem Freund. Es war wie ein kleiner Kokon, der sie und Draco umhüllte, aus dem sie nicht ausbrechen wollte. Mit dem leisen Klack der Tür sah sie dann aber doch mal in den Raum, um festzustellen, dass alle gegangen waren. Schließlich sah sie zu Draco zurück und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange, während sie sanft mit den Fingern über die andere strich. Er lächelte glücklich.
„Siehst du. War doch eine gute Idee von Blaise, deinen Geburtstag nachzufeiern.“ „Hm“, summte Draco nur und zog seine Hexe wieder fest in die Arme, bevor er sich ein wenig in ihren Schopf kuschelte. Hermione nahm damit wieder ihre ursprüngliche Kuschelposition ein, in der ihr nach und nach drohten, die Augen zuzufallen, als Draco völlig zusammenhanglos meinte: „Es ist Lucius“, sodass sie ihn fragend ansah.
„Der Grund, warum ich meinen Geburtstag nie gemocht habe. Ich hab diesem Tag immer nur mit Unbehagen entgegen geblickt, weil danach irgendwie alles schlimmer wurde.“ „Was hat er getan?“, fragte sie behutsam und strich ihm sanft mit den Fingerspitzen über die Wange.
„Es hat angefangen, als ich Fünf war. Meine Mutter hat sich bis dahin ausschließlich um mich gekümmert, wobei er ihr da schon immer mehr Sachen verboten hat. Unter anderem auch, dass sie mir etwas auf dem Flügel vorspielt. Er sah es als vollkommen unnütz an und meinte immer, sie würde mich damit verweichlichen. Wenn er nicht da war, hat sie mir dennoch vorgespielt, wenn ich sie darum gebeten habe. Ein paar Wochen nach meinem Geburtstag hat er es mitbekommen und sie dafür abgestraft. Ab da hat er sich ausschließlich um meine Erziehung gekümmert und. . . Mit jedem Jahr, das ich älter wurde, hat er mehr von mir verlangt. Er hat mich nach seinen Vorstellungen gedrillt und immer stärker abgestraft, wenn ich seine geforderten Maßstäbe nicht zu seiner vollen Zufriedenheit erfüllt habe.“ „Und er war nie zufrieden, oder?“, erkundigte sie sich vorsichtig, wenngleich sie es wusste. Draco schüttelte mit dem Kopf.
„Nie. Es war egal, was und wie ich es gemacht habe. Irgendetwas war immer. Entweder, ich hab zu lange gebraucht, es nicht perfekt hinbekommen, oder sonst was. Zu meinem Geburtstag musste ich mir jedes Jahr dann noch solche Floskeln anhören, wie: ,Du bist jetzt älter, sowas lasse ich nicht mehr durchgehen` oder: ,Du bist alt genug, um die Konsequenzen deines Handels zu tragen`. Der einzige Geburtstag, auf den ich mich etwas gefreut habe, war mein Elfter, weil ich dann endlich nach Hogwarts konnte. Ich hatte gedacht, dann meine Ruhe zu haben. Aber sein Schatten war auch hier immer präsent, bevor er in den Sommerferien wieder richtig Gestalt angenommen hatte. Ich hab hier auch nie wirklich mit Blaise oder Charlie gefeiert, da es zeitlich immer in die Abschlussprüfungen fiel und ich lernen musste, damit ich die Prüfungen mit einem O abschließen konnte. So etwas wie heute hatte ich, soweit ich mich zurückerinnern kann, nie. Charlies, und vor allem Blaise' Geburtstag, haben wir immer recht ausgiebig gefeiert, aber es war etwas ganz anderes, als das jetzt und. . .“, brach er ab und schwieg. Dabei verlor sich sein Blick ein wenig in der Leere.
„Draco?“, hauchte Hermione, die sich nicht sicher war, ob es gut oder schlecht war, sodass sie sein Gesicht in die Hände nahm und ihm einen liebevollen Kuss gab, worauf er zu ihr zurückfand. „Er wird dir nichts mehr tun“, versicherte sie ihm, sodass er wieder lächelte.
„Weißt du, was ich mir wünsche?“ „Was?“ „Meinen nächsten richtigen Geburtstag so wie heute zu verbringen. Mit dir, meiner Mutter und meinen Freunden.“ „Das musst du dir nicht wünschen. Das bekommst du auch so. Dafür werd ich Sorgen.“ „Versprochen?“ „Versprochen“, lächelte sie, küsste ihn zärtlich und kuschelte sich erneut bei ihm ein, wo sie die Magie des Raumes noch ein wenig auf sich wirken ließen, über dessen Firmament eine helle Sternschnuppe zog.
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Ich glaube, man hätte mich für geisteskrank erklärt, wenn ich mit all dem gerechnet hätte. Wer konnte das vorausahnen? Niemand. Ich jedenfalls nicht...
Joanne K. Rowling