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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Pläne, Begreifen und ein Geständnis

von Alex2303

۩ ۞ ۩


Es waren warme Sonnenstrahlen, wie auch ein paar weiche Locken, die ihn in der Nase kitzelten und schließlich weckten. Als er die Augen etwas träge aufschlug, konnte er nicht anders als zu lächeln, als er das sah, was er mal wieder direkt vor der Nase hatte.
Es war gestern Abend dann doch noch passiert, dass Hermione beim Sterne kucken an seine Brust gekuschelt eingeschlafen war. Es war ein Schlaf gewesen, aus dem er sie nicht hatte wecken wollen, sodass er sich letztlich vom Raum nur noch eine leichte Decke herbei gewünscht hatte, die sich von selbst über sie beide gelegt hatte. Er selbst hatte die Hexe im Kommenden dann auch noch eine ganze Weile im Licht des weißen Mondes gemustert, was dafür gesorgt hatte, dass er letztlich der Versuchung nicht hatte widerstehen können und sich doch noch einen Kuss gestohlen hatte.
Zu seiner Überraschung war die Gryffindor ein wenig mitgegangen, allerdings, wofür er dann schon wieder dankbar war, nicht dadurch aufgewacht. Er hätte nicht gewusst, wie er sich hätte erklären sollen. Und er wusste es auch jetzt nicht, denn ihr Anblick im Licht der langsam aufgehenden Sonne, schürte erneut diesen verbotenen Reiz in ihm.
Er wusste, dass er das lieber nicht tun sollte. Nur war sein Wille in dieser Richtung, durch alles was in den vergangenen Wochen und Monaten war, inzwischen schon so geschwächt, dass er dem kaum mehr widerstehen konnte. Diesem süßen Gift, was sie für ihn war.
Du bist ein verdammter Idiot und Masochist, schallt er sich selbst für seine inzwischen so labile Schwäche. Dass er ihr überhaupt so lange hatte widerstehen können, lag am Ende einzig und allein an der Dunkelheit, die durch IHN über ihnen allen geschwebt hatte. Wäre es nur Lucius allein gewesen, so hätte er mit Blaise’ und Charlies Hilfe sicherlich eine Möglichkeit gefunden, sich dem Alten und seinen Fängen zu entziehen. Diesen falschen Idealen, wie auch dem kranken Blut- und Reinheitswahn. Der Gefahr, die von ihm ausging. So aber war es eine gänzlich andere, so viel dunklere Gefahr gewesen, die über ihnen allen geschwebt hatte. Eine, bei der er es nicht hatte riskieren wollen mit seinen Gedanken, Ansichten, Einstellungen und vor allem Empfindungen aufzufliegen. Nun aber, da all dies, Merlin sei Dank, nicht mehr war, hatte er kaum noch Kontrolle über diese Empfindungen. Sein so lange aufrecht erhaltener Widerstand schmolz mit jedem Tag, den er sie sah, jedem Moment, in dem er ihr so Nahe war, sie mit ihm lachte, für ihn lachte, wie Schokolade in der sommerlichen Mittagssonne. So auch jetzt, als er sie beim Schlafen beobachtete.
Ihre rosa Lippen waren ein Spalt weit geöffnet und entließen ihren süßen, warmen Atem, der seine Züge wiederum ein wenig kitzelte. Sie schlief, wie schon die letzten Tage, vollkommen ruhig, was auch auf ihn zu traf. Ihm war es hin und wieder zwar noch immer etwas seltsam, wie beruhigend ihre Gegenwart für ihn war und so offensichtlich auch umgekehrt.
Die Geborgenheit, Zuflucht, Wärme, wie auch den Halt, den er in ihrem Beisein fand, schien sie ihrerseits bei ihm zu erlangen. Verrückt, nahm er sich alles, was all die Jahre zuvor war. Aber auch wenn es verrückt war, er wollte nichts mehr, als diese Verrücktheit. Er wollte nichts mehr, als jeden Abend mit der kleinen Löwin im Arm einzuschlafen, um am nächsten Morgen genauso wieder aufzuwachen und sie etwas beim Schlafen zu beobachten, so wie jetzt.
Ihrer Mimik nach schien sie gerade auch zu träumen. Da war ein leichtes Zucken unter ihren Lidern, ebenso wie sich ihre Mundwinkel immer mal kurz kräuselten und dadurch zu einem kleinen Lächeln verformten. Es war eine Regung, die ihn selbst etwas lächeln ließ. Erleichtert darüber, dass ihr Geist doch noch dazu imstande war, sie in diesem Zustand tiefer Ruhe zufrieden zu lassen und ihr obendrein auch noch angenehme Träume zu bescheren, was in letzter Zeit eher Seltenheitswert hatte.
Er selbst konnte schon gar nicht mehr sagen, wann er das letzte Mal einen angenehmen Traum gehabt hatte. Er war ja schon überglücklich, wenn sich keine Bilder und Eindrücke weiter in seinen Kopf stahlen, die mit Lucius, IHM, den Todessern, dem Krieg, Askaban oder dem Horror vor zwei Wochen zu tun hatten. Nein, von so etwas wie schönen Träumen, war er wirklich meilenweit entfernt. Allerdings. . .
Wieder fiel sein Blick auf ihre Züge. Auf die verschlossenen Lider, die rosigen Wangen, allen voran aber diese sinnlichen, weichen Lippen, die ihn selbst in diesem Zustand verführten. Ihn neckten und schon irgendwo dazu einluden, sich erneut einen heimlichen Kuss zu stehlen. Eine süße Verführung, der er schließlich erlag und sich vorsichtig etwas zu ihr beugte.
Er tastete sich langsam mit seinen Lippen vor und begann die ihren behutsam mit seinen zu streicheln, was dafür sorgte, dass sie bereits auf die zarte Berührung hin leise seufzte und ihm, wie schon gestern Abend, im Unterbewusstsein ein kleines Stück entgegen kam. Mit dieser Regung überbrückte er die hauchdünne Distanz gänzlich und verschloss ihre Lippen behutsam mit seinen.
Es war ihm wie ein Rausch. Ein Rausch purer Glückseligkeit, als er sie schmeckte. Ein Rausch, der noch an Intensität zunahm, da sie seinen Kuss erneut wohlig seufzend erwiderte und sich über sein Hemd noch ein kleines Stück mehr zu ihm zog. Es war eine Regung, mit der er sich selbst jedoch dazu mahnte, ihre Lippen lieber wieder frei zu geben, bevor sie doch noch durch alles aufwachte. Was dann passieren könnte, passieren würde, wollte er sich lieber nicht näher ausmalen.
So begnügte er sich stattdessen mit dem was er hatte und musterte wieder mehr ihre Züge. Sie lag aber auch weiter verschmust an ihn gekuschelt, auf den Lippen ein sehr zufriedenes Lächeln. Ein Lächeln, bei dem er sich erneut fragte, was für einen Ursprung es hatte ? Was es für ein Traum war, in dem sie gerade verweilte ?
Zwar wäre es für ihn kein Problem, ihre mentalen Barrieren in diesem Zustand zu überwinden, um einen kurzen Blick zu riskieren. Allerdings hatte er erstens kein Recht dazu, sich einfach in ihren Geist und damit ihre Träume zu stehlen und zum anderen fürchtete er sich auch etwas davor. Er fürchtete sich davor etwas anderes zu sehen, jemand anderes vielleicht, als das, was er sich wünschte zu sehen.
Stattdessen stellte er sich vor, dass sie vielleicht doch von ihm träumte. Ganz so abwegig wäre es ja nicht, so stark wie sie sich an ihn kuschelte. Er war sich relativ sicher, dass sie das bei Harry, so gern wie sie ihn auch hatte, dennoch nicht machen würde, wobei er sich auch nicht näher vorstellen wollte, wie die Beiden kuschelnd in einem Bett lagen. Da verging ihm echt alles. Das war ein Privileg, was er für sich allein beanspruchen wollte. Nicht nur, weil er es brauchte. Ihre Nähe brauchte, um zur Ruhe zu kommen. Auch so. Er wollte einfach nicht, dass ihr irgendjemand anderes je so nahe kommen würde. Was das anging, da war und blieb er am Ende doch wieder Egoist. Er wollte sie nicht teilen. Nicht auf dieser Basis.
Dummerweise ging es, was das betraf, leider nicht alleine nach seinem Kopf und seinen Wunschvorstellungen, denn er konnte sie letztendlich zu nichts zwingen, was sie nicht wollte. Und das würde er auch nicht. Er konnte ihr lediglich auch weiter die Tür auf halten und hoffen, dass sie diese doch noch durchschritt. Dass sie ihren Weg von sich aus zu ihm fand, denn das war der einzig wahre Weg, der sie beide glücklich machen konnte.
So schwelgte er jetzt auch weiter in seiner Wunschvorstellung, seinen Träumen, bis Hermione sich etwas mehr zu regen begann und schließlich, noch immer schläfrig, vor sich hin blinzelte. Als ihre müden, kleinen Augen die seinen trafen, konnte er nicht anders als zu lächeln. Sie war nur zu offensichtlich noch nicht ganz bei sich, denn sie blinzelte mehrmals, bevor sie den Kopf einfach wieder sinken ließ und, wie schon den Großteil der Nacht, seine Brust verstärkt als Kissen missbrauchte, worauf er leise lachte. Hermione kommentierte es mit einem schläfrigen Brummeln und erreichte dadurch, dass er ihr mit den Fingerspitzen ein wenig über den teils nackten Rücken strich.
„Das kitzelt“, murmelte sie noch immer leicht im Halbschlaf und kicherte schließlich leise. Kurz darauf sah sie ihn wieder an. Ihre Augen waren aber auch weiter recht klein. „‘Morgen.“ „Guten Morgen“, erwiderte er, worauf sich die Hexe ein wenig aus seiner seichten Umarmung löste, gänzlich auf den Rücken drehte und erst einmal genüsslich streckte, bevor sie ihn wieder ansah.
„Wie kommt es, dass du schon wach bist ? Du schläfst doch sonst länger als ich“, erkundigte sie sich und rieb sich den Rest Schlaf aus den Augenwinkeln. Draco derweil drehte sich zur Seite und stützte sich mit dem Ellenbogen etwas ab, um seine Löwin besser im Blick zu haben.
„Ich hatte meinen Schönheitsschlaf diesmal schon.“ „Ah ja“, grinste sie und ließ ihren Blick kurz schweifen, um leicht verwundert festzustellen, dass sie nicht im Turm waren, sondern irgendwo anders in der freien Natur. Dann aber fiel ihr wieder ein, wo sie tatsächlich waren. Genauso, womit er sie gestern überrascht hatte, worauf sie zu ihm zurück blickte.
„Warum hast du mich gestern nicht geweckt ?“ „Ich hab keinen Grund dazu gesehen. Ob wir jetzt hier oder oben im Turm schlafen, spielt doch keine Rolle. Zumal du auch schon recht fest geschlafen hast, da wollte ich dich nicht unnötig wecken“, erklärte er sich und gewann ihr damit ein weiteres Lächeln ab.
„Du bist ein Schatz.“ „Ich weiß“, meinte er grinsend, wie auch selbstgefällig, was sie selbst grinsen ließ. Schließlich aber rappelte sie sich auf und küsste ihn auf die Wange. „Nochmal Danke für gestern. Es war . . . traumhaft“, schwärmte sie erneut und sah noch einmal kurz auf die Bucht. Und das nun mit leichter Wehmut.
„Eigentlich hab ich gar keine Lust, wieder ins Schloss zurückzugehen.“ „Dann lass uns hier bleiben und noch ein bisschen Urlaub machen“, schlug er ihr schmunzelnd vor, worauf sie leicht ergeben die Lider nieder schlug, aufgrund der Vorstellung. Schließlich aber sah sie ihn wieder an.
„Das ist äußerst reizvoll und verführerisch, aber wir haben erstens beide Verpflichtungen und zweitens wird man uns sicher auch bald vermissen.“ „Und ?“, meinte Draco gleichgültig, worauf sie kurz seufzte, bevor sie weiter sprach. „Blaise, Charlie, Tonks. Muss ich noch mehr sagen ? Sie werden sich Gedanken machen, wenn wir unauffindbar bleiben. Davon mal abgesehen, hast du heute Nachmittag Training, wenn ich Blaise gestern richtig verstanden habe und. . .“ „Lass ich das eben ausfallen“, unterbrach er sie gelassen, auf den Lippen noch immer dieses einladende, leicht verführerische Schmunzeln, was sie kurz wieder lächeln ließ.
„Blaise reißt dir den Kopf ab, wenn du schwänzt.“ „Damit komm ich klar“, grinste er auch weiter, in was sie etwas einstimmte. „Ich kann es mit meinem Gewissen aber nicht vereinbaren, wenn meine Lieblingsschlange in Schwierigkeiten kommt.“ „Lieblingsschlange ? Jetzt sag mir noch ich hab Blaise den Rang abgelaufen ?“, grinste er noch etwas breiter. „Darauf darfst du dir etwas einbilden“, schmunzelte sie leicht und schlug ihm sacht auf die Wange, bevor sie doch wieder etwas wehmütig wurde.
„Ich will wirklich nicht zurück. Früher oder später müssen wir aber. Und ich denke, es ist besser wir sind wieder da, bevor uns ernsthaft jemand vermisst. Nach allem was passiert ist, dürfte das schneller gehen als wir denken. Außerdem will ich es nicht riskieren, dass man dir aufgrund dessen vielleicht wieder irgendetwas Dummes unterstellt. Auch wenn Harry jetzt so deutlich Farbe bekannt und sich zu dir gestellt hat, spinnt sich trotzdem noch der Großteil der Schule seinen eigenen Mist zusammen und. . .“ „Weißt du wie egal mir diese Idioten sind ?“, unterbrach er sie. „Ich lege keinen Wert darauf was die denken“, murrte er etwas. „Weiß ich doch“, meinte sie beschwichtigend und strich ihm beruhigend über die Wange.
„Für dich ist es jetzt, aber auch auf lange Sicht schlecht, wenn die Leute auch weiterhin das Falsche von dir denken. Wenn sie auch weiter und länger ein so falsches Bild von dir haben. Das ist ohnehin schon alles nicht gerecht, wie sie dich behandeln und ich. . . Ich will einfach nicht, dass dieser Zustand noch länger als nötig anhält. Ich würde mir für dich wünschen, dass dich die anderen endlich so anfangen zu sehen, wie du wirklich bist. So wie ich, Ginny, Luna und die anderen dich sehen. Es wäre für dich und deine Zukunft so viel besser und. . .“
Der Rest ihrer Worte verlor sich im Nichts, als Draco ihr Gesicht in die Hände nahm, sie zu sich zog und zärtlich auf die Stirn küsste. Den Reflex ihre Lippen in Beschlag zu nehmen, hatte er geradeso noch ersticken können, denn das war sein erster Gedanke gewesen, der sein Hirn begonnen hatte zu vernebeln. Es war ein Nebel, der sich nur schwer wieder zu legen begann und stattdessen seine Nerven noch zusätzlich kitzelte, da er ihr so verführerisch nahe war. Er hätte den Kopf nur etwas senken und zur Seite neigen müssen, um ihre Lippen, wie zuvor schon, gefangen zu nehmen. Allerdings kämpfte er diesen Reiz nieder, was auch ganz gut war, denn Hermione sah ihn doch ein wenig überrascht an, sodass er sich versuchte zu erklären.
„Danke“, war jedoch alles, was er in der ersten Sekunde zustande brachte, als er sich wieder von ihr löste. „Wofür ?“, erkundigte sie sich noch immer etwas verwirrt. „Für alles. Alles, was du bis jetzt für mich getan hast, noch immer tust und dass du dir zudem noch so viele Gedanken um meine Zukunft machst“, erklärte er sich, womit ihre leichte Verwirrung wich und wieder diesem sanftmütigen, warmen Lächeln den Platz überließ, dass sich zudem auch in ihren Augen wiederspiegelte. Am Ende legte sie ihm die Hand auf die Wange und strich sanft mit dem Daumen darüber.
„Ich hab dir doch gesagt, dass du mir wichtig bist. Auf meine Freunde lass ich nichts kommen. Sie sind das Wertvollste, was ich besitze. Nach diesem Krieg ohnehin noch mehr als davor.“ „Sicher. Ich wollte es aber gerne gesagt haben, weil es für mich trotz allem etwas Besonderes ist und bleibt“, erklärte er sich, was ihr Lächeln sogar noch etwas mehrte, und sie ihn mit einem sanften „Komm her“ in die Arme schloss.
Ich liebe dich. Er wollte es ihr sagen. Diese magischen drei Worte lagen ihm auf der Zunge und lasteten dort ungemein schwer. Sie quälten ihn. Seine Angst quälte ihn. Die Angst vor Zurückweisung. Abweisung. Enttäuschung. Er hatte wahnsinnige Angst davor, dass sein sehnlichster Wunsch, sein bestgehütetes Geheimnis, wie eine Seifenblase zerplatzte.
„Ich. . .“, brachte er etwas kratzig, wie auch leise hervor, schluckte den Rest dann aber wieder runter. Stattdessen verstärkte er seinerseits ihre Umarmung und vergrub die Nase in ihrem Nacken, in den leicht zerzausten Haaren. Er inhalierte ihren Duft so noch etwas mehr ein und gab sich damit für einen Moment der süßen Illusion hin, dass er das für immer haben würde. Dem Wunschgedanken, jeden Morgen neben ihr aufzuwachen und noch etwas mit ihr zu kuscheln. Sie ganz fest im Arm zu halten, und ihren Nacken mit kleinen Küssen zu kitzeln und zu liebkosen, bevor er sich ihre Lippen vornahm. Genauso den Rest ihres Körpers, den er mit Zärtlichkeiten jeglicher Art verwöhnen und ein wenig reizen wollte. Allein auf den Gedanken, die Vorstellung, durchzuckte es ihn gefährlich, weswegen er sie lieber wieder losließ und sich zur Ordnung rief. Stattdessen sah er sie erneut an und kam auf das Wesentliche zurück, was ihm dennoch nicht so ganz schmeckte. Nämlich die Rückkehr ins Schloss, die er noch etwas versuchte hinauszuzögern.
„Was hältst du von einem schönen Frühstück, bevor wir zurückgehen ?“ „Hab ich nichts dagegen, nur. . .“ „Was ?“ „Ich würde mich vorher gerne irgendwie frisch machen, wenn das geht ?“ „Sollte“, murmelte Draco, bevor er die Augen schloss und sich auf etwas in der Richtung konzentrierte. Kurz darauf verformten sich ein paar der Palmen und Felsen, die stattdessen zu einem kleinen Bungalow im Südseeflair wurden, auf den er Hermione deutete.
„Ich denke, da solltest du alles finden was du brauchst.“ „Danke“, hauchte sie und gab ihm noch einen kleinen Kuss auf die Wange, was ihn lächeln ließ. Kurz darauf huschte sie in den Bungalow um zu duschen. Zeit, die Draco nutzte, um Dobby kurz Anweisungen zu geben, bevor er selbst in der künstlich erschaffenen Lagune verschwand und abtauchte, um sich richtig abzukühlen. Um den Kopf wieder etwas mehr frei zu kriegen und seine Gedanken neu zu ordnen.
Nach gut zehn Minuten fand er sich wieder am Strand ein, trocknete sich ab und schlüpfte in seine Klamotten, die er schnell etwas sauber hexte. Als er zurück nach oben schlich, stand der Pavillon vom Abend wieder an der gleichen Stelle, unter dem der reichlich gedeckte Frühstückstisch auf ihn und Hermione wartete. Die Hexe tauchte nur etwas später auf und ließ sich, wieder etwas verlegen lächelnd, erneut von Draco den Stuhl zurechtrücken, bevor er selbst Platz nahm und ihr Tee einschenkte.
„Danke.“

۩ ۞ ۩


Es war früher Nachmittag, als sich Dolores in dem neuen Café Zum tänzelnden Einhorn, in Hogsmeade einfand, und einen Platz in einer ruhigen, nicht so leicht einsehbaren Ecke geben ließ. Sie ließ sich auf der weich gepolsterten Bank nieder und bestellte einen Rosenblütentee, in den sie drei Löffel Zucker gab, bevor sie genüsslich lächelnd in ihrer Tasse rührte.
Sie hatte sich alles genauestens zurechtgelegt und durchdacht, wenngleich sie in ihren ersten Gedanken leider eine Sache etwas fehlinterpretiert hatte, aber man konnte ja nicht ständig an alles denken. Und so viel hatte sie damals ja auch nicht mit ihm zu tun gehabt, sodass sie ein wenig durcheinander gekommen war. Im Endeffekt spielte dieses kleine Detail aber keine Rolle weiter. Zwar hätte sie dieses Treffen lieber nach Bristol verlegt, um wirklich gänzlich ungestört zu sein. Hogsmeade tat es zur Not aber auch. Zugesagt hatte er ihr ja, nachdem sie den richtigen Köder ausgeworfen hatte. Und da er trotz allem nicht der einzige Schüler in Hogsmeade war, fiel es nicht einmal auf.
So ging sie in Gedanken jetzt nochmal alles richtig durch, um ihn möglichst schnell und effektiv von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Dass er mitspielen würde, daran hatte sie kaum einen Zweifel. Und wenn nicht, dann gab es immer noch diverse Zauber, mit denen sie ihn von einer Zusammenarbeit überzeugen konnte. Ihren Zauberstab legte sie sich deshalb auch noch etwas auf der Sitzbank zurecht, damit sie möglichst unauffällig von diesem Gebrauch machen konnte, sollte es wirklich nötig sein. Ein spezieller Vergessenszauber war es auf alle Fälle, denn sie wollte im Zweifelsfall nicht wirklich mit allem in Verbindung gebracht werden.
So musste sie noch etwa zehn Minuten warten, bis sich ein hochgewachsener, junger Mann zu ihr gesellte, den sie süßlich lächelnd ansah.
„Sie haben es geschafft. Sehr schön“, flötete sie und wies ihn auf den Platz gegenüber, auf den er sich dennoch leicht unschlüssig sinken ließ. Dass er hier war bereitete ihm wohl doch ein ganz klein wenig Unbehagen, allerdings war sein innerer Drang trotz allem größer gewesen, sonst wäre er jetzt nicht hier. Und um diesen noch weiter zu schüren, schob sie ihm eine braune Mappe hin.
„Ich denke das ist es, was Sie so sehr interessiert. Worüber wir uns kurz ausgetauscht haben. Ich konnte noch ein paar Details in Erfahrung bringen“, erklärte sie und beobachtete zufrieden, wie er sich die Akte nahm und seine blauen Augen über die Zeilen huschten, bevor sie sich entsetzt, wie auch fassungslos weiteten.
„WAS ?“, entwich es ihm zudem recht laut, sodass er kurz die Blicke der anderen Gäste auf sich lenkte, was Dolores hatte vermeiden wollen. Aufmerksamkeit. In Bristol wären sie gänzlich ungestört gewesen, aber nun ja.
„Mäßigen Sie sich“, zischte sie ihn kurz an, ihr Gegenüber starrte sie aber nur fassungslos an, sodass sie wieder etwas lächelte. Und das gespielt bedauernd.
„Da lag ich mit meiner Vermutung offensichtlich richtig, dass Sie über diese Tatsache in keinster Weise im Bilde oder sonst wie unterrichtet waren ?“ „Ich. . . Nein. Wieso ?“, fragte er noch immer fassungslos und sah zurück auf den Bericht in seinen Händen.
„Was diese Frage angeht, da sollten Sie sich lieber an den Todesser wenden, der sich ungestraft unter ihnen allen bewegt.“ „Malfoy ? Was hat dieser Bastard getan ?“, knurrte er wütend und war damit gleich auf 180, was sich Dolores zufrieden besah. Das war genau die Reaktion, die sie vorhergesehen hatte und auch brauchte, um ihn von sich und ihrem Unterfangen zu überzeugen.
„Was es genau war, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Allerdings ist er allein für diesen Zustand. . .“, tippte sie mit dem rosa lackierten Speckfinger auf die Akte. „. . . verantwortlich.“ „Dieses dreckige Aas“, zischte ihr Gegenüber wütend und wurde so bereits leicht fleckig rot im Gesicht, was Dolores noch mehr in sich hinein grinsen ließ. Zufrieden.
„Ich kann Ihre Wut verstehen.“ „Wieso ? Ich meine. . .“ „Ich kann es Ihnen nicht sagen“, unterbrach sie ihn leicht theatralisch. „Vermutlich aber war sie dabei etwas ans Licht zu bringen, was ihm nicht sonderlich genehm war und da hat er offensichtlich nachgeholfen, um sie aus dem Verkehr und zum Schweigen zu bringen“, erklärte sie weiter, während ihr Gegenüber immer mehr kochte und ihm so die Wut die Sinne zu vernebeln begann.
„Dann müssen wir das melden !“, warf er Dolores schließlich zu, die erneut theatralisch seufzte und bedauernd mit dem Kopf schüttelte. „Ich habe es bereits versucht, glauben Sie mir. Der hohe Rat aber hat mein Gesuch jedoch abgelehnt, da sie meine Befürchtungen als unberechtigt und unbegründet ansehen.“ „Das ist doch. . .“, knurrte er und ballte wütend die Hände zu Fäusten.
„Ich weiß, ich weiß. Dass es so ist und man meinen Worten keinen Glauben schenkt, daran trägt Granger wiederum Schuld. Sie und ihre spitze Zunge. Wie sie diese und ihre anderen Talente. . .“, schnarrte Dolores leicht angesäuert. „. . . zu nutzen weiß, wissen Sie ja selbst gut genug.“ Daraufhin nickte er stoisch und knurrte abermals.
„Gerechtigkeit ist nicht mehr das, was sie einmal war. Unsere Justiz verweichlicht unter dem neuen Minister. Wären die Dementoren zum Beispiel noch in Askaban, so wäre es auch nie zu diesem Ausbruch gekommen, wo ich zudem die Vermutung habe, dass auch da der kleine Malfoy seine Finger im Spiel hatte. Aber auf mich hört man im Ministerium nicht“, seufzte sie, während ihr Gegenüber mit den Zähnen mahlte aufgrund dieser Geschichte.
„Hätte ich doch etwas gesagt. . .“, warf sich der junge Mann vor, worauf es bereits jetzt siegessicher in Dolores Augen blitzte. Schuldgefühle. Das war genau das, was sie brauchte. Ein Gefühl, was sie noch etwas mehr zu schüren wusste.
„Das hätten Sie in der Tat ! Dann wäre einiges mit Sicherheit gänzlich anders gekommen. Aber dafür ist es nun ja zu spät. Auf dem Weg der Gerechtigkeit lässt sich nun nur noch schlecht etwas erreichen. Wir müssen die Dinge offensichtlich selbst in die Hand nehmen, damit die Gerechtigkeit siegt. Wenn es dann an dem ist, könnte ich auch etwas für Sie tun. Für sie beide“, lächelte sie nun wieder süßlich, wie auch leicht verschwörerisch, worauf er den Blick hob und auch so etwas aufhorchte.
„Wirklich ?“ „Ich habe trotz allem auch weiterhin den einen oder anderen sehr guten Kontakt. Diese Sache. . .“, deutete sie ihm wieder auf die Mappe. „. . . ließe sich dann auch wieder in Ordnung bringen“, versprach sie, worauf sich seine Augen ein wenig erhellten, wie sie zufrieden feststellte. Merlin, dieser Junge war wirklich leicht zu manipulieren.
„Es ließe sich mit der Zeit alles entsprechend arrangieren und regeln. Vorher aber müssen wir uns des Todesser Problems annehmen. Er ist auch weiter ein recht großes, potenzielles Gefahrenrisiko, was eigentlich nach Askaban gehört und nicht in die Schule, wo er auch weiter seinen Machenschaften ungehindert nachgehen kann. Allerdings gibt es dennoch Möglichkeiten ihm das Handwerk zu legen.“ „Und wie ?“, hakte ihr Opfer nach. „Nun. . .“, begann sie etwas ruhiger, wie auch leiser. „Es kommt doch immer mal zu Unfällen“, brachte sie ruhig, schon beinahe gelangweilt an, als würde sie übers Wetter sprechen. Ihr Gegenüber allerdings kniff nach einigen Sekunden die Augen zu Schlitze zusammen, als ihm klar wurde, was genau sie mit Unfällen meinte.
„Sie sprechen von Mord ?“ „Nicht doch, mein Lieber. Unfälle“, flötete Dolores süß, wie auch vollkommen unbescholten, bevor sie ihm ein paar Beispiele für solche nannte. „Ein Sturz im Treppenhaus am Abend vielleicht. Ein verunglückter Zaubertrank. Oder auch ein Sturz vom Besen“, erläuterte sie, ihr Gegenüber aber musterte sie auch weiter mit einer wachsenden Vorsicht und leisem Misstrauen, von dem sie sich nicht weiter stören ließ, sondern weiter erörterte.
„Malfoy hat früher doch Quidditch gespielt. Ist es wieder an dem ?“ „Ja“, knurrte ihr Gegenüber nun wieder und mahlte erneut mit den Zähnen. Dolores wiederum nickte träge.
„Nun. . . Gerade beim Quidditch passieren immer wieder Unfälle. Nicht selten auch recht tragische. Soweit ich mich erinnere, haben Sie doch auch gespielt, nicht wahr ?“ „Ähm. Ja.“ „Spielen Sie in diesem Jahr wieder ?“ „Ja.“ Perfekt ! „Nun, ein fehlgeleiteter Klatscher ist keine Seltenheit“, rieb sie ihm noch etwas deutlicher unter die Nase.
„Und wenn ein Spieler da gerade recht hoch fliegt, das kann äußerst unschön enden“, meinte sie weiter, sah allerdings, dass er sich innerlich ein wenig zu sträuben begann, ihrer indirekten Aufforderung vielleicht in irgendeiner Art und Weise nachzukommen.
„Es würde uns allen wirklich unwahrscheinlich helfen. Allen voran auch bei dieser Sache“, tippte sie erneut auf die Akte, auf die er mit einem dicken Kloß im Hals sah. Sie konnte sehen, dass er innerlich wankte. Dass sie ihn fast soweit hatte, dass er ein wenig nachhelfen würde, um Malfoy zu Fall zu bringen.
„Sie wollen doch sicher, dass sich diese unschöne Angelegenheit in Luft auflöst ?“ „Schon. Nur. . .“ „Malfoy wird auch weiter ungehindert seine Schandtaten treiben. Wollen Sie ein weiteres Mal verantworten, dass er Unschuldigen derartigen Schaden zufügt ?“ „Natürlich nicht !“, platzte es wieder etwas aufgebrachter aus ihm heraus. In seinen blauen Augen wiederum loderte ein dunkles Feuer. Sie hatte ihn also wieder mehr an der Leine, an der sie versuchte ihn gänzlich zu sich zu ziehen. Angefangen damit, dass sie ihn etwas zu beruhigen versuchte, was seine Bedenken und vielleicht auch Ängste anging.
„Für einen Unfall kann niemand etwas. Deswegen heißt es ja auch Unfall. Dafür kann niemand zur Rechenschaft gezogen werden“, redete sie es weiter schön und griff nun doch noch zu ihrem Zauberstab, um dem Floh, den sie ihm ins Ohr gesetzt hatte, mehr Kraft zu verleihen, sodass der letzte Rest Widerstand, wie auch die Hemmungen und Zweifel in ihm zerbrachen und er stoisch nickte.
„Sehr schön, mein Lieber. Sobald das Problem Malfoy aus der Welt ist, werde ich mich unverzüglich um diese Sache kümmern“, legte sie ihre Hand auf die Akte, die sie so auch wieder ganz zu sich zog und in ihrer süßen, kleinen, pinken Handtasche verschwinden ließ.
„Versprochen ?“, hakte ihr neuer Gefolgsmann dennoch nach, worauf sie nickte. „Sie haben mein Wort. Ich verspreche alles zu tun, dass die Dinge ihren Lauf nehmen. Machen Sie sich darüber keine Gedanken. Es wird alles wieder gut werden“, versicherte sie ihm süßlich lächelnd, worauf er nickte.
„Sie sollten jetzt auch besser wieder gehen“, wies sie ihn dann noch darauf hin, womit er sich mit einem gemurmelten „Danke“ erhob und das kleine Café verließ. Als er dann aber aus der Tür trat, wusste er nicht mehr, was er eigentlich in Hogsmeade wollte ? Nur eines, das wusste er nur zu gut. Und zwar, dass er Malfoy für seine miesen Schandtaten das Genick brechen würde.

۩ ۞ ۩


Fast eine Stunde später fanden sich Hermione und Draco wieder in ihrem Turm ein, wo sich Draco nur schnell seine Trainingssachen und den Besen zusammensuchte. Auf den Lippen trotz allem ein zufriedenes Lächeln, wie auch Summen. Er überlegte so schon, ob er nicht öfters so einen kleinen Ausflug mit Hermione unternehmen sollte ? Zum Einen waren sie vollkommen ungestört und konnten beide richtig abschalten. Und zum Anderen half ihr ein bisschen mehr Romantik Flair vielleicht doch noch etwas auf die Sprünge. Er würde sehen.
Soweit war der Abend ja eigentlich auch ganz gut verlaufen, bis auf diese blöde Sache. Aber mit kleinen Schritten kam man irgendwann schließlich auch ans Ziel. Immerhin. . . Wie lange hatte Hermione der Vorstellung nachgejagt, die Freundin des Wiesels zu sein, um am Ende feststellen zu müssen, dass er eben doch ein Trottel war und immer bleiben würde ? Gut vier Jahre !
Draco hatte den Streit aus dem Vierten auch noch ganz gut in den Ohren, als sie Weasley auf dem Weihnachtsball wegen seiner Eifersucht auf Krum zur Sau gemacht hatte. Von wegen, sie hätte sich mit dem Feind verbrüdert und dass sie Krum gegen Harry helfen würde, was die Prüfungen anging. Draco konnte auf das alles nur mit dem Kopf schütteln. Merlin sei Dank, war das Wiesel abgeschrieben. Und dass sich daran noch einmal etwas änderte, würde er mit Händen und Füßen zu verhindern wissen. Er würde Hermione für sich gewinnen. Egal wie lange es dauerte.
„Bis später !“, rief er so nur noch durch ihre verschlossene Tür und machte sich gut gelaunt auf den Weg nach unten zum Quidditch Stadion. Hermione wiederum hatte sich nach ihrer Ankunft etwas Alltagstaugliches angezogen und wollte sich nun etwas verspätet an ihre Hausaufgaben setzen, als ihr etwas ins Auge fiel, was sie in ihrer Bewegung und dem Denken innehalten ließ.
Es war die Rose, die sie gerade so sehr aus der Fassung brachte. Auf diese starrte sie mit großen Augen, wie auch leicht offen stehendem Mund, bis sie Dracos Ruf wieder ins Hier und Jetzt zurückholte. In der nächsten Sekunde stürzte sie sich auch schon auf ihr Geschenk von damals. Und das noch immer etwas ungläubig. Doch was sie sah, blieb auch aus der näheren Perspektive bestehen. Die Rose blühte nicht nur. Nein. Die weißen Blüten schienen noch weißer als sonst, was von einem hellen Schimmern rührte, welches aus ihrem Innern kam. Die Blüte leuchtete von innen heraus. Etwas, was sie noch nie getan hatte ! Zumindest hatte Hermione ein derartiges Schauspiel bis jetzt noch nie zuvor gesehen.
Sie begann sich augenblicklich zu fragen, was das zu bedeuten hatte ? Es konnte doch nur etwas positives sein. Es musste, weswegen sie ohne weiter nachzudenken ihren Patroni zu Ginny schickte. Und das mit einer kurzen, aber sehr prägnanten Nachricht.

Komm so schnell du kannst zu mir in den Turm.
ALLEIN !


Nachdem ihr Otter weg war, legte sich ihre gesamte Konzentration auch schon wieder auf die Blume und die Frage, was passiert war oder aber was gerade passierte ? Merlin, konnte es sein. . . Durfte sie hoffen, dass er ganz in der Nähe war ? Dass er einen Weg ins Schloss gefunden hatte ? Dass er versuchte, zu ihr Kontakt aufzunehmen ? Irgendwie so etwas ? Es konnte doch nur so etwas sein. Es musste !
„Was ist passiert ?“, unterbrach Ginnys keuchende Stimme dann aber ihre Gedanken, in die sie so vertieft war, dass ihr die letzte Viertelstunde wie Sekunden vorgekommen war. Umso erschrockener war sie, als sie Ginny auf einmal hinter sich hörte, die noch halb in ihrer Tür hing, sich die Seite ein wenig hielt und nach Atem rang.
Als die Rothaarige Hermione dann aber bis über beide Ohren strahlen sah, war sie soweit erstmal beruhigt, dass es kein akuter Notfall zu sein schien, weswegen ihre Freundin sie gerufen hatte. Sie hatte sich auf dem Weg in den Schulsprecherturm ja schon sonst was für schreckliche Dinge ausgemalt, die wieder passiert sein könnten. Zumal Hermione und Draco gestern Abend und heute über den Morgen und zum Mittagessen wie vom Erdboden verschluckt waren. Harry hatte vorhin, als sie alle im neuen Gemeinschaftsraum beisammen saßen, auch schon den Gedanken eingeworfen, dass sie dann vielleicht doch mal die Karte zur Hand nehmen sollten, nur um sicher zu sein. Da aber war Hermiones Patroni erschienen. Ginny hatte Harry mit Mühe davon abhalten können, trotz Hermiones Verbot mit ihr in den Schulsprecherturm zu kommen. Dem hatte es nicht wirklich geschmeckt, genauso wenig Blaise, der sich ja auch schon wieder Gedanken um Draco gemacht hatte, und so sicherlich auch noch machte.
„Ist Draco bei dir ?“, fragte sie von daher, worauf Hermione kurz verwundert blinzelte. „Was ? Ach so. Ja. Er ist gerade runter zum Stadion. Training.“ „Dann sag das Blaise. Ich glaub, er sucht ihn schon wieder“, empfahl sie ihr, worauf Hermione nickte und nochmal einen Patroni losschickte, um ihn zu beruhigen, während Ginny näher trat und sich auf Hermiones Bett fallen ließ.
„Wo wart ihr beiden eigentlich schon wieder die ganze Zeit ?“ „Was ?“ „Du und Draco. Wir haben uns schon Sorgen gemacht !“, schimpfte Ginny leicht, als sich ihre Lunge wieder zu akklimatisieren begann. „Abendessen“, grinste Hermione und wollte Ginny schließlich von ihrer Beobachtung berichten, allerdings unterbrach die Jüngere sie.
„Abendessen ? Ihr wart gar nicht in der Großen Halle. Weder gestern Abend noch heute.“ „Ja. Nein. Also. . . Wir waren gewissermaßen in der Karibik.“ Daraufhin kuckte Ginny blöd. „Karibik ?“ „Ja. Irgendwie. Draco hat den Raum der Wünsche in eine Karibische Bucht umgewandelt.“ „Echt ?!“, entwich es Ginny baff. „Ja. Weil. . . Er meinte, er wäre mir noch ein Dinner schuldig. Und weil wir zurzeit nicht so richtig aus Hogwarts raus kommen, hat er es dahin verlegt.“ „Details !“, forderte Ginny augenblicklich und klopfte auf den Platz neben sich, damit sich Hermione zu ihr setzte. Die Brünette seufzte etwas in Anbetracht der Tatsache, dass sie um diese Erzählung jetzt vermutlich nicht wirklich drum herum kam und nahm Platz.
„Wie gesagt, er meinte er wäre mir noch ein Dinner schuldig. Als Dankeschön für meine Hilfe.“ „Welche Hilfe ?“ „Seine Verhandlung und alles.“ „Oh ! Okay und. . . Was genau darf ich jetzt unter diesem Dinner verstehen ? Ihr wart seit gestern Abend verschwunden“, meinte Ginny provokant und ließ kurz, wie sonst Blaise, ein wenig die Augenbrauen hüpfen.
„Merlin, nicht was du denkst“, tadelte Hermione sie leicht, bevor sie ihr von dem Abend zu berichten begann. Davon, dass er meinte eine Überraschung für sie zu haben, und sie dann eben in diese Bucht entführt hatte, die Hermione dann auch wieder ein wenig verträumt zu beschreiben begann, sodass Ginny zunehmend mit einem breiten Lächeln an ihren Lippen hing. Schließlich ging Hermione zu dem Wahnsinnsdinner über, was er mit Dobbys Hilfe gezaubert hatte, denn da steckte Planung dahinter, immerhin hatte er ihr gesagt, dass er Dobby wohl extra noch bestimmte Dinge hatte besorgen lassen, damit alles zueinander passte. Sie berichtete von ihren Gesprächen, dem Tanzen und letztlich eben auch dem Sterne kucken, wo sie am Ende beide einfach im Raum eingeschlafen waren und vorhin erstmal ausgiebig ihr Frühstück dort nachgeholt hatten. Als Hermione geendet hatte, musterte Ginny sie mit einem etwas unergründlichen Blick.
„Ähm. . . Hermione.“ „Hm ?“, lächelte diese noch immer leicht verträumt. „So wie du mir das gerade alles erklärt und beschrieben hast, da. . . Das war kein einfaches Abendessen mehr, das war in meinen Augen eher ein super romantisches 5 Sterne Deluxe Date“, sprach Ginny ihren ersten Gedanken aus, worauf Hermione blinzelte und ihre Freundin kurz zweifelnd ansah.
„Wie kommst du denn darauf ?“ „Wie ich darauf komme ? Erstens: Er entführt dich in die Karibik. . .“ „Es war nur der Raum der Wünsche, der so ausgesehen hat und. . .“ „Er entführt dich in die Karibik“, unterbrach Ginny sie gebieterisch mit erhobenem Zeigefinger, während sie Hermione mit der anderen Hand den Mund zu hielt, damit sie nicht wieder zu argumentieren begann.
„Wir wissen beiden, dass er dazu in der Lage wäre das Ganze auch richtig in die Karibik zu verlegen, wenn er es jetzt so problemlos gekonnt hätte. Das Argument zählt nicht. Zweitens: Das Candle-Light-Dinner an sich allein, war ja wohl schon der Hammer. Drittens: Er hat den ganzen Abend mit dir getanzt, hast du gesagt. In der Karibik, unter dem freien Sternenhimmel, mit Partyfackeln und allem Drum und Dran. Den ganzen Abend, möchte ich nochmal betonen. Und Viertens: Was den Rahmen für ein einfaches, gemütliches Abendessen unter einfachen Freunden wohl gänzlich sprengt. . . Sterne kucken und kuscheln in einem Himmelbett unter den Sternen ? Hermione, mal ganz ehrlich. Welcher von unseren Freunden würde so etwas mit dir machen ?“, setzte ihr Ginny etwas das Messer auf die Brust, sodass sie unweigerlich begann Vergleiche zu ziehen, mit dem recht ernüchternden Ergebnis, dass sie so etwas nicht einmal Blaise zutraute. Sie konnte sich nicht vorstellen, einen Abend so mit dem Schwarzhaarigen zu verbringen. Und der war sonst für jeden Spaß zu haben. Mit Draco wiederum. . .
„Das ist Blödsinn, Ginny“, wehrte sie dennoch ab und schüttelte so auch mit dem Kopf. „Ach ? Und was ?“ „Draco hat das ganz sicher nicht so gesehen.“ „Nochmal. Ihr habt in einem Bett unter dem Sternenhimmel miteinander gekuschelt.“ „Ja schon. Aber das ist jetzt nicht so . . . so seltsam.“ „Ach ?“, spitzte Ginny die Ohren, während sich Hermione rege in Erklärungsnot sah.
„Ich . . . also . . . ähm. . . Du weißt doch, dass ihm das alles extrem zugesetzt hat. Erst Askaban und dann die Sache im Raum der Wünsche. Er kommt kaum noch zur Ruhe, weswegen ich. . . Also, wir. . . Wir schlafen schon seit einer Weile zusammen.“ „Ihr macht WAS ?“, stieß Ginny völlig perplex aus und starrte Hermione mit riesengroßen Augen und offenem Mund an.
„Merlin, Ginny. Es ist nie etwas passiert ! Es ist einfach nur. . . Ihn beruhigt es, wenn er nicht alleine ist, . . .“ Und mich auch, fügte sie in Gedanken an. „. . . was ich nach allem nur zu gut verstehen kann. An dem Abend gestern ist wirklich nichts besonders gewesen. Ich hab . . . hab nur mit einem Freund zu Abend gegessen. Und ja, wir haben miteinander getanzt, aber das haben wir in den Kerkern auch, wenn ich dich erinnern darf ?“ „Darfst du, ja. Und wenn ich dich daran erinnern darf, was ich dir diesbezüglich gesagt habe ?“ „Nein“, knurrte Hermione nun ein wenig sauer und verschränkte bockig die Arme vor der Brust. Ginny aber ließ nicht mit sich reden.
„Ich hab dir gesagt, dass er scharf auf dich ist. Und dieses Date. . .“ „Es war nur ein Abendessen !“, pochte Hermione erneut auf ihre Ansicht, Ginny aber blieb bei ihrer eigenen. „Dieses Date beweist das für mich nur noch mehr.“ „Es war aber kein Date ! Wenn doch, hätte er sicher versucht mich zu küssen oder so. Hat er aber nicht.“ „Scheinst du wohl zu bedauern ?“, stänkerte Ginny dreckig grinsend, worauf Hermione kurz schrie.
„Das … ist … lächerlich !“ „Ist es nicht ! Und das er es nicht gemacht hat, heißt nicht, dass er es nicht vielleicht versucht hat.“ „Das hätte ich dann ja wohl gemerkt !“, zischte Hermione. Ginny aber blieb auch weiter ruhig und analysierte die Sache nun wieder recht kühl, wie auch rational.
„Daran, meine Liebe, habe ich gehörig meine Zweifel, da du nicht einmal mitbekommst, wenn ein Kerl mit dir flirtet.“ Auf den Kommentar hin, entwich Hermione ein eingeschnapptes „Hmpf“, während Ginny weiter sprach.
„Davon mal abgesehen, hat er sich, nach deiner Entschuldigung, nach eurem letzten Kuss, vielleicht auch einfach nicht getraut ?“ „Das hat damit rein gar nichts zu tun. Er hat das Thema ja auch von sich aus nicht mehr angesprochen.“ „Wie will er das auch ansprechen, wenn du dich für einen, ich zitiere dich; absolut berauschenden Kuss entschuldigst und dann auch noch auf Abstand gehst ?“, schimpfte Ginny leicht, worauf sie nun schwieg und leicht betreten den Blick senkte, sodass die Rothaarige seufzte.
„Siehst du es jetzt ?“, fragte Ginny nun wieder ruhig, da Hermione sichtlich in sich gekehrt war und sich zudem ihre Augen leicht zu verwässern begannen. „Mione ?“ „Ich. . . Das kann doch nicht. . . Ich kann das nicht. Verdammt, was . . . was soll ich denn jetzt machen ?“, sah sie Ginny ein wenig verzweifelt an, je mehr sich ihre eigenen Argumente in Luft aufzulösen begannen, wenn sie versuchte nach diesen zu greifen. Ginny aber hatte als Außenstehende einen etwas anderen Blick auf die Dinge und konnte das alles durchaus neutraler beurteilen, als sie selbst. Und das hatte sie. Und das Ergebnis dessen schmeckte Hermione nicht. Absolut nicht.
„Wenn du wirklich Recht behältst, wie soll ich denn dann jetzt mit ihm umgehen ? Wie soll ich ihm gegenübertreten ? Ich will ihm nicht weh tun und ich . . . ich will nicht, dass unser Verhältnis irgendwie darunter leidet. Verdammt, Ginny. Ich hab ihn lieb, ja. Aber doch nicht so !“ „Bist du dir da wirklich sicher ?“, bohrte Ginny, worauf Hermione bitter die Augen schloss, aus denen sich nun zwei Tränen lösten und auf ihre verkrampften Hände tropften.
„Oh, Süße“, seufzte Ginny und schloss sie in die Arme. „Warum quälst du dich selber so ? Du hast ihn doch gern. Mehr als gern, das sehe ich. Gib der Sache doch eine Chance“, flehte Ginny schon leicht, doch Hermione schüttelte mit dem Kopf und machte sich wieder etwas los.
„Ich kann das nicht. Außerdem. . .“, sah sie auf und blickte nun wieder zu der Rose. Zu dem Grund, weswegen sie Ginny ursprünglich herbestellt hatte. Diese folgte ihrem Blick, womit auch ihr der Mund offen stehen blieb, während Hermione aufstand, zu ihrem Tisch trat und die kleine Glasvase mit der Rose nahm, bevor sie sich mit dieser wieder zu Ginny setzte.
„Das hat sie noch nie gemacht. Ich glaube er . . . er ist ganz in der Nähe.“ „Das ist. . .“, wusste Ginny nicht was sie sagen sollte. Auf der einen Seite würde sie sich wahnsinnig für Hermione freuen, wenn sie Recht behielt und Ben in nächster Zeit tatsächlich wieder auftauchte. Auf der anderen Seite war da Draco, der ihr mit den neuen Erkenntnissen Leid zu tun begann.
Ginny glaubte nicht, dass dieses Gefühl, was er ganz offensichtlich für Hermione hatte, nur vorübergehend war. Dass er sich, wie Hermione sich versuchte einzureden, nur in etwas verrannt hatte, weil sie ihm geholfen und zur Seite gestanden hatte. Immerhin hatte er sich zuvor ja auch recht liebevoll um Hermione gekümmert, was damals keiner von ihnen tatsächlich so hatte sehen wollen. Im Nachhinein aber, wenn sie sich das alles nochmal vor Augen hielt. . . Den Eindruck, den sie damals in Arizona immer mal hatte. . .
Nein, sie war sich recht sicher, dass Draco tatsächlich diese Gefühle für Hermione hatte. Auch wenn es noch immer etwas verrückt und seltsam war, schien es dennoch so zu sein. Hatte Hermione selbst nicht gesagt, dass Draco zu ihr gemeint hätte, er hätte nie etwas gegen sie gehabt ? Dass er aber den Schein wahren musste ? Blaise und Charlie hatten so etwas in all den Jahren ja auch immer wieder angedeutet.
„Was mach ich denn jetzt ?“, sah Hermione bitter zu Ginny. Ihre gute Laune vom Morgen, die sie aus dem Raum der Wünsche mitgenommen hatte, und die durch den Anblick der Rose ins schier unermessliche gewachsen war, war zerplatzt wie eine Seifenblase.
„Was soll ich Draco denn sagen, wenn er . . . wenn er wirklich. . .“ „Ich weiß es nicht“, murmelte Ginny entschuldigend und zog sich Hermione wieder ran, die ihr schließlich ein wenig verzweifelt in die Schulter zu schluchzen begann.

۩ ۞ ۩


„Hier steckst du“, entwich es Blaise erleichtert, als er seinen Freund, wie von Hermiones Patroni beschrieben, im Stadion vorfand. Und das recht zufrieden grinsend, was den Dunkelhaarigen zwar freute, dass Draco guter Laune war, und dass er nach allem was passiert war auch wieder so ausgelassen grinsen konnte. Wundern tat es ihn dennoch, denn dieses Grinsen war sehr viel anders als üblich.
„Hat es einen bestimmten Grund, dass du so grinst ?“ „Nein, eigentlich nicht.“ „Warum nur glaub ich dir das nicht ? Und was hast du gestern mit Hermione getrieben ?“, fiel Blaise gleich mit der Tür ins Haus. „Wir haben euch beim Essen vermisst. Heute im Übrigen auch.“ „Könnte daran liegen, dass ich anderweitig mit ihr Essen war“, erklärte Draco gönnerhaft, worauf Blaise die Ohren spitzte.
„Lass hören.“ „Vergiss es“, wiegelte Draco ihn jedoch ab und schwang sich letztlich auf seinen Besen, mit dem er recht schnell nach oben stieg und von dort aus Blaise zurief: „Was ist jetzt ? Du wolltest zum Training blasen“, was sich Blaise nicht zweimal sagen ließ und so seine Leute entsprechend durch das Stadion jagte, wo er nochmal ihre Formationen für das Spiel nächsten Samstag durchging. Das wollten und mussten sie unbedingt gewinnen.
Nach reichlich drei Stunden waren sie soweit dann auch mit allem durch und Blaise zufrieden. Wenn sie am Samstag auch so aufliefen, hatten sie wirklich mehr als gute Chancen, das Auftaktspiel zu gewinnen.
„DRACO !“, brüllte er dann allerdings nach seinem Freund, der noch keine Anstalten machte, runter zu kommen. Irgendetwas war definitiv passiert und Blaise wäre nicht Blaise, wenn er nicht herauskriegte was. Schließlich aber landete der Blonde ebenfalls und trat zu ihm, wo Blaise ihn auch gleich mehr zu sich ran zog.
„Du hast die Wahl. Entweder du sagst mir was gestern passiert ist, denn das etwas passiert ist steht außer Frage. Oder du tust es nicht und ich frage Hermione. Sie wird mich sicher gern darüber aufklären, was sie gestern mit dir gemacht hat, wenn ihr, wie du sagst, Essen wart. Also ?“ „Merlin, du kannst einen auch echt nerven“, stöhnte Draco und setzte seinen Freund kurz und knapp über das in Kenntnis, was er gestern mit Hermione gemacht hatte. Zur Belohnung bekam er dafür einen deftigen Klaps von Blaise auf den Hinterkopf.
„Du Troll !“, schimpfte dieser. „Das wäre die Gelegenheit gewesen, Hermione reinen Wein einzuschenken.“ Daraufhin grummelte Draco, denn er hatte bereits befürchtet, dass Blaise damit anfangen würde, sodass er ihn nun auch noch über Hermiones Ansichten, bezüglich ihres Verhältnisses zueinander aufklärte. Eben, dass sie in ihm nur so einen Freund sah, wie in Harry. Als Blaise das hörte blinzelte er perplex.
„Das hat sie nicht ?“ „Doch, hat sie. Du verstehst also meine Zurückhaltung ?“, monierte der Blonde nun ein wenig genervt, während Blaise leicht vor sich hin blubberte, dann aber ernsthaft meinte: „Du solltest es ihr trotzdem sagen.“ „Hast du mir eben nicht zugehört ? Sie sagte, sie sieht mich nur als Freund. Wie einen Bruder !“ „Ja, das sagt sie dir. Nur hab ich gehörig meine Zweifel, dass es tatsächlich an dem ist. Immerhin. . .“, begann Blaise grinsend und ließ die Augenbrauen kurz hüpfen. „Sie hat dich geküsst. Nüchtern und aus freien Stücken. Nicht wahr ?“ „Ja. Und es hat in einem mittleren Desaster geendet“, knurrte Draco wieder leicht, als sie sich auf den Rückweg zum Schloss machten.
„Deswegen bleibt dennoch die Tatsache bestehen, dass sie es getan hat. Hermione ist niemand, der sich wahllos und unbedacht durch die Gegend knutscht. Von daher lässt das meiner Meinung nach schon sehr tief blicken. Sie mag dich. Und das mehr als sie zugeben will. Merlin allein weiß, warum sie sich selbst so sehr im Weg steht. Vielleicht hat sie ja auch einfach nur Angst, dass du nicht so für sie fühlen könntest wie du fühlst. Also. . . Dass sie denkt, dass du sie nicht willst. Unter Umständen geht sie deshalb so auf Abstand. Hast du so was in der Richtung letztens nicht auch gesagt ? Dass sie ihre Zweifel daran hat, dass du sie lieben könntest ?“ „Schon“, murmelte er nun wieder etwas in sich gekehrt, als er an den ersten Abend hier im Schloss zurückdachte.
„Ich finde, du solltest auf Angriff übergehen und es ihr sagen.“ „Charlie meinte aber, es ist besser sie die Geschwindigkeit bestimmen zu lassen und. . .“ „Wenn du weiter so verfährst, dann tanzt ihr in drei Jahren immer noch so platonisch umeinander herum. Willst du das ?“ „Natürlich nicht !“ „Dann sei ein Mann und nimm die Zügel in die Hand. Sag es ihr, damit sie diese Tatsache verinnerlichen kann.“ „Und wenn sie nicht will ? Sie hat gesagt. . .“ „Humbug !“, unterbrach Blaise ihn gleich wieder und zog ihn so auch etwas mehr zu sich ran.
„Sie will dich. Was anderes steht gar nicht zur Debatte. Sie muss es nur erkennen und verinnerlichen. Sie liebt dich, so wie du jetzt bist. Sie liebt den Menschen, der du jetzt bist. Das weißt du“, beschwor Blaise ihn nochmal, worauf er allerdings schwieg und mehr und mehr in sich ging.
„Hin und wieder muss man eben ein bisschen was für sein Glück riskieren und auf Risiko setzen. Hermione kommt hier anscheinend nicht von alleine auf die richtige Lösung, also hilf ihr dabei.“ „Aber wenn. . .“ „Merlin, Draco. Hör auf damit. Wenn du dir selber ständig einredest, dass es schief gehen wird, dann wird es auch schief gehen“, stöhnte Blaise, worauf er noch mehr in sich versank, was seinen Freund seufzen ließ, bevor er wieder ruhig meinte: „Hör zu, ich versteh dich ja. Dass du trotz allem, wegen allem so deine Bedenken hast. Aber seien wir mal ehrlich. Du hast keinen wirklichen Rivalen. Das Wiesel hat Hermione selbst in den Wind geschossen und auch sonst wüsste ich niemanden, für den sie in irgendeiner Art und Weise Interesse hat. Mir fällt niemand ein, den sie bereit wäre zu küssen. Richtig zu küssen. Merlin, ich kann mir ja nicht einmal vorstellen, dass sie mich küssen würde, obwohl ich so unwiderstehlich bin“, meinte er selbstsicher und strich sich theatralisch durch die kurzen, schwarzen Haare, was Draco wieder ein schwaches Grinsen entlockte.
„Du bist in dieser Sache unangefochtene Nr. 1, also sag ihr was du für sie empfindest. Und das eben nicht erst seit gestern. Mit Warten kommen wir hier anscheinend nicht mehr weiter, da sich Hermione ganz offensichtlich kontinuierlich selbst belügt oder versucht, vor einer Enttäuschung zu schützen. Du hast nichts zu verlieren, nur zu gewinnen, glaub mir. Sie will dich, also hol sie dir endlich !“ Mit diesen Worten schubste Blaise ihn in Richtung Treppe und reckte nochmal beide Daumen nach oben, bevor er sich auf den Weg in die Kerker runter machte. Draco wiederum stand auch weiter unschlüssig auf der Haupttreppe, die er hinauf blickte.
Er wusste nach wie vor nicht was er machen sollte. Ob er wirklich, wie Blaise gesagt hatte, zum Angriff übergehen sollte. Er scheute sich nach wie vor davor. Zum einen, aufgrund von Hermiones Ansage, vergangenen Abend und zum anderen, da er selbst nach wie vor wahnsinnige Angst vor einer endgültigen Zurückweisung hatte, die sie ihm geben konnte. Und nach dieser hätte er dann keine Ausrede mehr. Es wäre endgültig.
Andererseits hatte Blaise jetzt auch eine Sache angesprochen, die er genauso wenig wollte. Nämlich auf ewig mit Hermione diesen Freundschaftstanz aufführen. Er wollte sie für sich. Er wollte, dass sie an seiner Seite stand. Für immer. Er wollte es mehr denn je, was ihm gestern Abend, aber auch heute Morgen wieder verstärkt bewusst geworden war. Er konnte ihr nicht widerstehen. Nicht mehr.
War es ihm früher noch relativ leicht gefallen, seine Gefühle unter Verschluss zu halten, aufgrund der dunklen Bedrohung die über ihren Köpfen geschwebt hatte, so fiel es ihm jetzt von Tag zu Tag immer schwerer. Er wusste, dass er irgendwann komplett unter ihrem stummen sirenenartigen Ruf zusammenbrechen würde. Vielleicht war es dahingehend wirklich besser, er spielte seine Karten aus. Dann wusste er zumindest, woran er wirklich war. Er hatte die absolute Gewissheit. Ob diese ihm dann gefiel oder nicht, stand auf einem ganz anderen Pergament.
So nahm er all seinen Mut zusammen und stieg die vielen Treppen empor, die ihn letztlich zu dem Portrait von Yvaine führten, die ihm freundlich zulächelte. „Schon fertig mit dem Training ?“ „Könnte man sagen. Sternenstaub“, murmelte er das derzeitige Passwort. Damit schwang das Portrait der jungen, blonden Hexe beiseite und offenbarte ihm das Wohnzimmer, wo er Hermione in einem der Sessel, ein Buch vor der Nase, entdeckte. Diese zuckte allerdings deutlich sichtbar zusammen, als sie das Portrait hörte und verkrampfte sich gefährlich. Was waren Unwissenheit und Naivität doch manchmal für ein Segen ?, dachte sie mit Wehmut.
So hatte sie Ginny am Ende doch recht bitter Recht geben müssen, auch wenn ihr diese Tatsache absolut nicht gefiel, denn sie hatte keine Ahnung, wie sie Draco nun begegnen sollte ? Sie schielte deswegen jetzt auch nur kurz über den Rand ihres Buches hinweg zu ihm, bevor sie ihren Blick wieder auf die ganzen Buchstaben herab senkte, auf die sie bereits seit einer Stunde starrte und dennoch nichts las. Nichts von alledem verstand, was niedergeschrieben war. Zu sehr tobte das Chaos und eine stetig wachsende Unruhe, wie auch dumpfe Verzweiflung in ihrem Kopf. Etwas, was mit seinem Erscheinen nur noch schlimmer wurde.
„Alles okay ?“, fragte er dann auch schon verwundert, aufgrund ihres doch etwas seltsamen Verhaltens. Auf ihr brüchiges „Hm“, bei dem sie auch weiter stur in ihr Buch blickte, stiegen in ihm verstärkt Zweifel diesbezüglich auf, sodass er näher trat. Er blickte erst von oben herab über ihr Buch auf sie, bevor er es ihr kurzerhand weg nahm. Diese kleine Regung aber gestaltete sich bereits schwierig, denn sie war nicht gewillt ihr Buch, ihren Schutzwall, wegzugeben. Dennoch verlor sie am Ende gegen ihre Schlange.
Als Draco ihre Züge so nun unverdeckt sehen konnte, stieg die Unruhe in ihm, denn sie war blass und hatte zudem noch leicht verquollene Augen, durch die sich auch noch ein paar feine rote Äderchen zogen.
„Du hast geweint“, stellte er fest, worauf sie schluckte und die Lippen zu einem Strich zusammenpresste, bevor sie den Blick zur Seite drehte. Es war eine Regung, die Draco nur noch mehr verunsicherte, sodass er sich vor sie hockte, um sie besser ansehen zu können.
„Ist irgendetwas passiert ? Geht’s dir nicht gut ?“, erkundigte er sich besorgt, worauf sie mit dem Kopf schüttelte und dann doch tatsächlich meinte: „Es ist alles in Ordnung.“ Dabei aber konnte sie ihn kaum ansehen, da sie so zwangsläufig den vergangenen Abend wieder vor Augen hatte. Und das nun in Verbindung mit den Dingen, die wohl noch dahinter gesteckt hatten. Mit den Dingen, die ihr Ginny vor Augen geführt und ihr damit, leider, die Augen für diese Dinge geöffnet hatte.
„So siehst du nicht aus. Mal wieder“, bemerkte Draco, doch sie schüttelte mit dem Kopf und zwang sich zu einem Lächeln, damit er nicht weiter bohrte und sich vor allem nicht noch mehr Gedanken machte, als ohnehin schon. „Es ist nichts. Wirklich.“ „Sicher ?“ „Ganz sicher“, bestätigte sie ihm, sah aber nur zu deutlich seine Skepsis. Er glaubte ihr nicht, was kein Wunder war. Sie würde sich selbst nicht einmal glauben. Dennoch tat er ihr den Gefallen und bohrte nicht weiter, meinte dann aber: „Du weißt, dass du mit mir reden kannst.“ „Weiß ich, ja. Aber es ist nichts, und. . . Wie war euer Training ?“, erkundigte sie sich, was ihm nur zu deutlich machte, dass sie ganz schnell das Thema wechseln wollte.
„Lief ganz gut. Blaise ist zuversichtlich, dass wir am Samstag gewinnen“, schmunzelte er keck und nahm seinerseits auf der Couch Platz, während Hermione schwach lächelte. „Na da bin ich mal gespannt, wie ihr spielt.“ „Du willst zusehen ?“, stutzte er, worauf sie mit den Schultern zuckte. „Warum nicht ?“ „Weil dich Quidditch nicht im geringsten interessiert ?“, warf er ein, doch sie zuckte erneut mit den Schultern. „Deswegen kann ich meine Freunde trotzdem anfeuern“, meinte sie weiter, worauf er zu strahlen begann, da sie sich, etwas für sie so langweiliges und uninteressantes dennoch anschauen wollte.
„. . . Sie macht sich nichts aus Quidditch, du Hohlbirne. Sie wird sich das Spiel nicht einmal ansehen, immerhin spielt ihr Haus nicht.“ „Nein, aber ihr Freund. . .“, echote ihm unverhofft diese kurze Unterhaltung mit Blaise wieder in den Ohren nach, bezüglich Hermiones nicht vorhandener Quidditch Begeisterung. Konnte es sein, . . . Durfte er sich darauf vielleicht doch etwas mehr einbilden ?
„Du bist echt einmalig, weißt du das ?“, strahlte er sie auch weiter an, was sie schwach belächelte. Draco wiederum begann ernsthaft zu grübeln, wie er sein Anliegen am besten anbrachte. Einfach aus dem Gespräch heraus mit der Tür ins Haus fallen, oder sich mit kleinen Andeutungen an diese Sache herantasten ? Er überlegte nicht lange, bis die Entscheidung auf letzteres fiel.
„Ist ja nichts weiter dabei sich ein Quidditchspiel anzusehen“, nuschelte sie. „Für jemanden, der kein Interesse daran hat schon“, gab er ihr schmunzelnd zurück und beugte sich schließlich etwas vor, wo er sich dann auch Hermiones Hand eroberte und ihr mit dem Daumen zärtlich über den Handrücken zu streicheln begann. Auf den Lippen ein sanftes Lächeln, wie auch in den Augen, was sie ein wenig gequält erwiderte, da ihr diese einfache Berührung, die sie vor gut drei Stunden noch genossen hätte, nun Unbehagen bereitete und sie ein wenig quälte.
„Ich hab dir das, glaube ich, schon einmal gesagt, aber ich kann es eigentlich gar nicht oft genug sagen, was für ein besonderer Mensch du bist.“ NEIN ! „Bin ich nicht. Ich bin eine blöde Kuh“, brachte sie bitter murmelnd hervor und handelte sich dafür einen strafenden Blick von Draco ein.
„Also ich kenne jede Menge hohle Hühner und dergleichen, Parkinson ganz vorne weg, aber du gehörst da ganz sicher nicht dazu, auch wenn ich früher immer so etwas in der Richtung gesagt habe, ab einem gewissen Zeitpunkt habe ich es nie mehr so gemeint. Es war irgendwann einfach nur noch. . .“ „Tarnung“, nahm sie ihm das Wort aus dem Mund, da sie diese Sache vor ein paar Monaten ja erst recht deutlich durchgesprochen hatten. Warum er so war, wie er war. Draco wiederum nickte.
„Und . . . über diesen Punkt hinaus da. . . Ich wollte dir heute Morgen eigentlich auch noch etwas sagen“, meinte er weiter und wurde so auch ein wenig nervös, da er nach den richtigen Worten suchte. Hermione wiederum bekam Herzrasen aufgrund einer dumpfen Panik, die immer stärker in ihr hochkochte und dafür sorgte, dass ihre Hände eiskalt und zudem leicht schwitzig wurden.
Sag es nicht. Bitte, bitte sag es nicht. Mach nicht alles kaputt, schoss es ihr verzweifelt durch den Kopf, während sie zeitgleich krampfhaft überlegte, wie sie dieses scheiß Thema im Keim ersticken konnte. Nur kam nichts. Der Anflug einer Panikattacke vernebelte ihr zu sehr das Hirn, als dass sie noch vernünftig denken konnte.
„Im Grunde will ich das auch schon lange. Sehr lange. Es hat sich nur nie so richtig eine Möglichkeit ergeben, wobei. . . Das stimmt so eigentlich auch nicht, aber ich hab. . . Ich hatte immer wieder meine Bedenken und. . .“ Angst, fügte er im Geiste an. Angst, die er noch immer hatte und ihre plötzlich kalte Hand nun mit beiden umfasste. Dabei strich er ihr auch weiter, nun ein wenig zittrig, über den Handrücken. Es war ein Zittern, was auch Hermione spürte, während ihr zunehmend kalte Schauer durch den Körper jagten, der sich immer mehr versteifte, je mehr Draco sagte. Je näher er sie beide auf diese Klippe zutrieb.
„Du weißt, dass ich dich gern habe. Mehr als gern. Und das nicht erst seit gestern. Ich hab. . .“, er schluckte und blickte schließlich wieder von ihren Händen auf, in die bereits leicht panisch, feucht schimmernden Augen der Gryffindor, als er die Bombe platzen ließ.
„Ich liebe dich.“

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