Was im Verborgenen liegt - Herbststürme
von Alex2303
Hallo ihr lieben,
ich sehe, ich hab euch ähnlich überrascht wie meine liebe Beta. Und ja, ich weiß ich bin ganz böse. Ihr dürft mir bei Gelegenheit auf die Finger hauen. Oder mich mit Kuchen und Eis bestechen. :p
Vielen Dank an KatyWakewood, Fabienne, Krissi, Elli, dramaqueen1997 und pulsar fürs Kommi und Mail schreiben.
@KatyWakewood: *blümchenreich* Und ich hab dich zwischendrin nicht mal kurz unsicher machen können? Hm. Na ja, nächstes Mal vielleicht. Und es freut mich natürlich, dass die Sache im Wald schön rübergekommen ist. :)
@Krissi: War am Ende keine sooo große Überraschung, obwohl ich mir Mühe gegeben hab, euch immer mal auf eine andere Fährte zu locken. :) Warum Draco nicht sofort mit der Sprache rausgerückt ist, wird noch geklärt. Genauso, wie es mit ihm weitergeht.
@dramaqueen1997: Miones Reaktion ist heftig, sicher. Aber es ist ja nicht so, dass sie nicht versucht hat die Geschichte zu verstehen. Und da unsere Löwin ja auch recht temperamentvoll sein kann und mit den ganzen Infos die da noch waren, keinen Kopf für ruhige Erklärungen hatte, kann man ihr den Ausraster, denke ich, nachsehen. Dass sie am Ende so kopflos in den Wald ist, war weniger Draco und seinem kleinen Geheimnis geschuldet, als mehr dem Chaos, was Ron, Lavender und letztlich Stephen noch zusätzlich in ihrem Innern angerichtet haben.
Stephens Zudringlichkeit war der Tropfen, der das Fass am Ende zum überlaufen gebracht und der Löwin diese blinde Panikattacke beschert hat. Wenn du jemanden lynchen eillst, dann ihn. ;) Ohne ihn hätte sie Draco später am Abend im Turm vielleicht noch irgendwie zu Wort kommen lassen, wenn der erste Schreck vorüber ist. So aber...
Was mit unserer Lieblingsschlange wird, erfährst du im nächsten Chap.
@pulsar: Vielen, vielen Dank. Freut mich, dass dir die FF bis jetzt gefallen hat. Ich hab auch noch diverse Sachen in Petto, sodass ich hoffe, dass es nicht so bald langweilig wird.
Sooo, dann wünsche ich euch viel Spaß mit dem nächsten Chap.
Liebe Grüße,
*Nachteule* Alex
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Auf dem Weg ins Direktorenbüro sah Tonks immer wieder bitter auf ihren Cousin, der stumm neben ihnen her lief und ganz offensichtlich bereits mit seinem bevorstehenden Schicksal abgeschlossen hatte. Weder sprach er, noch wehrte er sich in irgendeiner Art gegen das Kommende. Er schien es kampflos akzeptiert zu haben, womit sie Recht hatte.
Draco hatte schon im Verbotenen Wald mit allem abgeschlossen, als er sich der Ausweglosigkeit bewusst geworden war. Er hatte nichts mehr tun können, außer vielleicht seine Freunde irgendwie noch aus der Sache rauszubekommen. Für ihn war der Zug aber abgefahren. So oder so. Sollte Hermione diesen Angriff überlebt haben, würde sie ihn für den Rest ihres Lebens für alles hassen. Schließlich hatte sie es ihm auch noch gesagt. Dass sie ihn hasste. Es hatte für ihn etwas Endgültiges gehabt, denn es war eine andere, so viel bittere und schmerzlichere Form des Hasses, als der, den er sich in den vorangegangenen Jahren zugezogen hatte.
Nur wer liebte, war gleichzeitig auch dazu fähig zu hassen. Hieß es nicht auch immer, dass man manchmal den Menschen hasst, denn man am meisten liebt, weil er der einzige ist, der einen wirklich verletzen kann? Genau das hatte er in ihren Augen gesehen, als sie es ihm an den Kopf geworfen hatte. Purer Schmerz und blanke Enttäuschung. Bitterkeit. Ein zutiefst verletztes Herz.
Er hatte das nicht gewollt und dennoch hatte er es hinbekommen. Er hatte ein letztes Mal alles auf eine Karte gesetzt und schlussendlich alles verloren. Wärme. Zuneigung. Sicherheit. Freunde. Freiheit. Sein Leben. Es war ihm egal, was jetzt noch kam oder man mit ihm tat. Alles war egal.
„Was ist los?“, bohrte Snape sofort misstrauisch, als er die kleine Traube um Minerva, Tonks und vor allem Draco in seinen Fesseln sah, der obendrein blutig zerschrammt war. Dieser Anblick scheuchte auch Albus verstärkt auf. „Was ist passiert?“, richtete er sich an Minerva, die jedoch nicht dazu kam, ihm zu antworten, da sich mit ihrer Ankunft im Büro sofort etwas in ihrem Kamin regte.
In den grünen Flammen tauchte ein dauergewellter, rundlicher Kopf auf, in den Minerva am liebsten den Schürhaken gejagt hätte. Leider musste sie sich mit der reinen Vorstellung dessen begnügen, als die rosa Pest fordernd meinte: „Öffnen sie auf der Stelle den Kamin!“
Resigniert gab Minerva nach, während Tonks Draco etwas hinter sich dirigierte und fieberhaft überlegte, wie sie ihm den Hals aus der Schlinge ziehen konnte, die sich bereits bedrohlich fest um diesen gezogen hatte.
Anders als er, war sie nicht gewillt kampflos aufzugeben, was auch Umbridge sah, denn die Aurorin funkelte sie unheilvoll an. Wie eine Löwin, die sich auf die kleinste, falsche Bewegung auf ihren Gegner stürzen würde, nur um ihr Junges zu schützen. Dolores nahm es amüsiert auf und sah beinahe gierig auf die blonde Gestalt hinter Tonks, während hinter ihr auch noch ihre beiden Bullies aus dem Kamin stiegen.
„So so“, flötete sie süßlich und genoss den siegreichen Moment. Endlich. Endlich würde sie den Bengel in die Finger bekommen. Und das ganz von selbst. Wer hätte das gedacht? Sie nicht. Sie hatte in keinster Weise mehr damit gerechnet. Allen voran nicht damit, dass er tatsächlich so blöd sein würde, sich ausgerechnet mit schwarz- magischen Flüchen selbst abzuschießen. Es geschahen doch noch Zeichen und Wunder. Merlin liebte sie wieder.
Und nun, da es so war, würde sie diese Chance nicht mehr aus den Händen geben. Sobald sie den Bengel in Askaban hatte, würde sie eigenhändig Nägel mit Köpfen machen und ihm das Genick brechen. Wie sie sein plötzlich so überraschendes Ableben erklärte, wusste sie auch schon. Sie würde es einfach wie einen Selbstmord aussehen lassen. Dass er sich, aus seiner Verzweiflung heraus, aus seinem Hemd einen Strick geknüpft hatte. Fertig.
„Gehen Sie beiseite“, forderte sie Tonks auf, die aber nicht von der Stelle wich. Zudem schob sich Minerva ebenfalls vor Draco und versuchte in irgendeiner Art, an das nicht vorhandene Herz der rosa Kröte zu appellieren.
„Lassen Sie uns die Sache bitte erklären.“ „Ich wüsste nicht, was es da zu erklären gibt? Der Tatsachenbestand ist eindeutig. Eindeutiger geht es nicht mehr. Mr. Malfoy hat vor nicht ganz einer halben Stunde über ein Dutzend tief schwarzmagischer Flüche abgesetzt und damit gegen seine Auflagen verstoßen.. Also gehen Sie zur Seite! Wenn nicht, sehe ich es als Behinderung einer Amtshandlung an. In dem Fall dürfen Sie Mr. Malfoy gern nach Askaban begleiten“, lächelte sie süßlich, triumphierend als Minerva die Lippen zu einem dünnen Strich zusammenpresste. Ihren Platz verließ die Direktorin dennoch nicht, sondern versuchte es trotz allem mit einer Erklärung. Albus und Severus kamen ihr jedoch zuvor.
„Askaban?“, japste Snape, während Dumbledore mit dem Kopf schüttelte und doch ein wenig entsetzt auf seine Kollegin sah. „Was ist passiert?“ „Miss Granger hat sich, aus noch ungeklärten Gründen, im Verbotenen Wald verirrt, wo sie von Acromantulas angegriffen wurde. Ihre Freunde sind ihr gefolgt, um sie zu suchen und dann wohl auf eine größere Kolonie dieser Kreaturen gestoßen“, gab Minerva das wieder, was sie durch Ginny und Harrys Patronus wusste, bevor Tonks noch halb flehend meinte: „Die Jungs haben sich gegen die Viecher nicht anders zu helfen gewusst, als sie mit Flüchen abzuwehren. Es war Notwehr!“, warf Tonks Umbridge zu, die es herzlich wenig kümmerte und desinteressiert mit den Schultern zuckte.
„Das ändert nichts daran, dass er aufs Gröbste gegen seine Auflagen verstoßen hat. Zum wiederholten Mal.“ „Dolores. . .“, begann Albus freundlich, zu dem sie mit stechendem Blick sah. „Mrs. Umbridge!“, forderte sie, worauf der alte Mann nickte, dann aber doch seine Worte anbrachte.
„Ich verstehe natürlich, dass gewisse Gesetzgebungen gebrochen wurden, aber was wären denn die Alternativen gewesen? So, wie ich unsere gute Tonks gerade verstanden habe, hätte es Draco und seine Freunde wohl das Leben gekostet, hätte er nicht auf diese Magie zurückgegriffen. Acromantulas sind äußerst aggressiv. Noch schlimmer ist es, wenn sie Jungtiere haben. Zudem gibt es kaum Zauber, mit denen man diesen Geschöpfen erfolgreich beikommt. Erst Recht, wenn sie wohl in so großen Horden über einen herfallen, wie es jetzt anscheinend der Fall war. Zeigen Sie Größe und lassen Sie Gnade vor Recht ergehen. In einer solchen Notsituation, sollte das Leben und die Sicherheit anderer mehr Priorität haben, als irgendwelche Gesetze. Erst Recht, wenn derartige Flüche zum Schutz anderer ausschließlich gegen diese gefährlichen Kreaturen gerichtet wurden.“ „Das ist ihre senile Meinung. Und auf die Meinung eines Portraits gebe ich ohnehin nichts“, warf sie ihm schnippisch zu, worauf sich Minerva empörte: „Also, das ist doch. . .“ Umbridge sprach aber desinteressiert weiter.
„Gesetz ist Gesetz. Wer gegen diese verstößt, muss auch die Konsequenzen tragen. Duncan, Jasper“, deutete sie ihren Gorillas auf Draco, den die beiden Frauen auch weiter hinter sich hielten, was Umbridge doch etwas reizte. Zumal ihre beiden Bullies mal wieder zögerten, die Störenfriede einfach beiseite zu schieben.
„Heute noch!“, fauchte sie die beiden Männer an, die Tonks und Minerva letztlich doch noch recht grob zur Seite drängten und Draco ruppig an den Oberarmen packten. Der ließ es auch weiter vollkommen reglos über sich ergehen, was Minerva jetzt erst erkannte. Dass er mit dem Bewusstsein offensichtlich nicht mehr richtig hier war. Sie vermutete einen Schock oder dergleichen.
„Mrs. Umbridge, ich bitte Sie. Dass ist doch vollkommen überspitzt!“, warf Albus erneut ein, während Tonks' Hand auf ihrem Zauberstab lag, um die Rosa Kröte kaltzustellen. Minerva hatte den Apparierschutz schließlich noch nicht wieder hochgefahren. Sie könnte sich Draco schnappen und erstmal mit ihm verschwinden, bis sie die Möglichkeit hatten, die Situation vor vernünftig denkenden Menschen, die obendrein kein Interesse daran hatten, Draco tot zu sehen, zu erklären.
„Sie machen einen fürchterlichen Fehler!“, erdreistete sich auch Snape, der dem Anblick nach am liebsten aus seinem Portrait gesprungen wäre. „Der einzige Fehler, der bis jetzt begangen wurde, war diesen ruchlosen Todesser aus Askaban zu entlassen. Duncan, Jasper. Wir. . .“ RUMS
Noch bevor Tonks einen Fluch in Umbridges Richtung schleudern konnte, flog die Tür zum Direktorenbüro scheppernd auf und krachte lautstark an die dahinterliegende Wand, sodass die Anwesenden zusammenzuckten und auf die Öffnung sahen. In dieser stand keuchend Allan. Allerdings war er nicht allein.
„Moment. Einen Moment noch. . .“, bat er noch immer etwas außer Atem, was Umbridge schnaubend kommentierte. „Ich werde mir keinen weiteren Unfug anhören. Wir gehen!“, wies sie ihre Gardisten erneut an, als die Person hinter Allan sich zu Wort meldete und den Kamin kurzerhand versiegelte, bevor sie scharf meinte: „Sie bleiben!“ Auf die leicht erboste Stimme der Frau, zuckte Umbridge zusammen, während sich Minerva und Tonks verwirrt ansahen, bevor sie die Frau hinter ihrem Kollegen wieder mehr in Augenschein nahmen.
Sie musste Anfang vierzig sein, hatte dunkle Haare und ein schmales, strenges Gesicht, was dem Minervas nicht unähnlich war, nur um ein vielfaches jünger. Ihre Augen funkelten bernsteinfarben und lagen hinter einer schmalen Brille, über die sie gerade warnend zu Umbridge sah.
Mit diesem Blick hätte sie im Normalfall Diamanten spalten können, wäre der Rest ihrer Erscheinung anmutender gewesen. Allerdings waren ihre Haare zu einem unordentlichen Dutt zusammengedreht, ihr Gesicht zierte keinerlei Make-up und obendrein trug sie nicht mehr, als einen rasch übergeworfenen Morgenmantel über ihrer Schlafkleidung und den Pantoffeln. Dennoch erkannten Tonks und Minerva die Frau, denn es war eine Rätin des Gamots. Und zwar eine ziemlich strenge. Margret Hobbs.
Sie hatte bei Dracos Anhörung nach der Sache in Hogsmeade mit im Raum gesessen und ihn letztlich allein sprechen wollen. Minerva und Tonks fragten sich unweigerlich, wo Allan die Frau auf einmal hergezaubert hatte? Sie bekamen die Frage recht schnell beantwortet, als sich Umbridge, ein säuerliches Lächeln auf den Lippen, zu der Rätin umdrehte.
„Mrs. Hobbs. Was tun Sie denn hier?“ „Ich wurde entführt“, gab sie Umbridge gereizt zurück und warf Allan einen halb zerfleischenden Blick zu, der sie entschuldigend ansah und letztlich kaum merklich in Dracos Richtung deutete, der noch immer von den beiden Bullies recht brutal im Zaum gehalten wurde, obwohl er sich keinen Millimeter rührte. Diesen fixierte die Frau unweigerlich und versuchte in seinem Blick zu lesen. Wie aber schon Minerva und Tonks zuvor, gelang es ihr nicht, da sie nichts weiter in den fahlen, grauen Augen fand, als eine tiefe Leere.
„Dürfte ich erfahren, warum ich hier bin?“, warf Margret in den Raum und sah Allan schließlich wieder sauer an, dem Umbridge jedoch ins Wort fiel. „Mr. Malfoy hat gegen seine Auflagen verstoßen. Ich wollte ihn gerade nach Askaban bringen.“ „Gegen welche?“, forderte Margret unbeeindruckt zu wissen. „Er hat über ein Dutzend tief schwarzmagische Flüche gewirkt, die selbst ohne seine Auflagen durch das Ministerium streng verboten sind und unter anderem auch mit Haftstrafen geahndet werden. Sie sehen, es geht alles seinen rechten Gang.“ „Tut es nicht!“, mischte sich Tonks wütend dazwischen, zu der Margret stattdessen sah.
„Weil?“ „Es war eine absolute Notsituation. Draco und seine Freunde, sie . . . sie wurden von einer Kolonie Acromantulas angegriffen.“ „Acromantulas?“, wiederholte Margret verdutzt, deren Brille etwas auf die Nasenspitze rutschte. „Hier im Schloss?“ „Nein. Ähm. . . Im Verbotenen Wald.“ „Und was hatte Mr. Malfoy dort zu suchen?“, erkundigte sich Margret lauernd, sodass sich Tonks etwas in Erklärungsnot sah.
„Das ist ein bisschen kompliziert. Sie . . . sie sind einer Freundin gefolgt, die sich dort verirrt hat und dabei auf die Kolonie gestoßen. Sie wussten sich nicht anders zu helfen, weil ihre einfachen Zauber keine Wirkung gezeigt haben. Sie haben uns eine Hilfsnachricht geschickt, sodass Minerva den Apparierschutz vom Schloss und dem Gelände aufgehoben hat. Allan und ich sind dann zu der Stelle appariert, wo sie zu dritt gegen, ich weiß nicht, wie viele von den Viechern es waren. Hundert?“, warf Tonks ein klein wenig großzügig ein und sah hilflos zu Allan, der schließlich nickte, sodass sie weiter sprach.
„. . . gekämpft haben. Wir haben uns mit ihnen dann noch etwas Luft erkämpft, sodass sie zurück ins Schloss apparieren konnten. Draco hat damit aber niemandem geschadet. Er hat die Flüche ausschließlich gegen die Acromantulas gerichtet, weil die Viecher sie sonst überrannt hätten, bevor wir ihnen hätten helfen können. Dafür können Sie ihn nicht verurteilen und einsperren. Ich mein. . . Es kann doch nicht gerecht sein, ihn dafür zu bestrafen, dass er versucht hat sich und seine Freunde vor diesen Kreaturen zu schützen. Bitte“, setzte Tonks leicht flehend nach, auf der Margrets Blick auch weiter lag, bevor dieser zu Minerva glitt, die zustimmend nickte. Am Ende sah sie zu Allan, der ebenfalls ein knappes Nicken zustande brachte, sodass sie zurück zu den beiden Frauen schaute.
„Wer war noch alles in diese Sache verwickelt?“ „Blaise, Charlie und Harry.“ „Mr. Potter?“, stutzte Margret erneut. Tonks nickte. „Wo ist er? Ich will mich mit ihm über diesen Vorfall unterhalten.“ „Wahrscheinlich im Krankenflügel.“ „Wurde er verletzt?“ „Nein. Das nicht.“ „Gut. Ich werde mit ihm sprechen. Solange warten Sie mit dem Jungen hier, Dolores!“, fuhr Margret Umbridge an, der perplex der Kiefer runter klappte.
„Ja, aber. . .“ „Kein aber! Sie warten. Ich will mir ein Gesamtbild von allem machen. Wenn ich zurückkomme und Sie haben sich in der Zeit irgendwie von Ihrer Stelle bewegt, können Sie sich frisch machen!“, herrschte Margret sie erneut an und begab sich letztlich mit Allan auf den Weg zum Krankenflügel, der von Schweigen begleitet wurde, was Allan auf halbem Weg versuchte zu durchbrechen.
„Danke, dass du. . .“ „Du bist ruhig!“, fauchte sie wütend und sah ihn kurz böse an. „Ich will kein Wort von dir hören!“ Damit hielt er die Klappe und verschwand mit ihr im Krankenflügel. Dort suchten sie kurz etwas hilflos nach Madam Pomfrey, fanden die Schwester dann allerdings in dem kleinen Hinterzimmer, in das sie Hermione gelegt hatte. Bei ihr waren noch immer Harry und Ginny, die beide recht fertig auf ihre Freundin sahen, die leichenblass vor ihnen lag. Etwas, was auch Margret sehr genau in sich aufnahm, die von den beiden Schülern, Ginny noch immer total verheult, verwirrt angesehen wurde.
„Mr. Potter? Wir müssten kurz etwas mit Ihnen besprechen. Es ist wichtig“, bat Allan mit einem wirklich drängenden Blick, worauf Harry knapp nickte, sich erhob und zu den beiden Älteren trat. Margrets Blick lag allerdings noch kurz nachdenklich auf Hermione, bevor sie sich auf Harry konzentrierte.
„Was ist mit Miss Granger?“ „Sie . . . sie wurde schwer verletzt von . . . von. . .“ „Acromantulas?“, warf Margret ein, was Harry stutzen ließ. „Ja. Ähm. . . Woher. . . Wer . . . wer sind Sie eigentlich?“, erkundigte er sich, womit sich Allan zu Wort meldete und die Rätin vorstellte.
„Das ist Mrs. Hobbs. Sie ist eine Rätin des Gamots und. . .“ „Ich will allein mit Mr. Potter sprechen“, unterbrach Margret Allan böse, damit er ihr nicht mit irgendetwas vorgriff. Dieser nickte geschlagen und folgte ihr schließlich mit Blicken, als sie mit Harry zurück in den hohen Saal trat, wo sie auf einem der Betten Platz nahm und die Beine übereinander schlug. Harry deutete sie auf einen der Stühle, der neben dem Bett stand.
„Man hat mich, aufgrund der Vorkommnisse, die sich hier wohl abgespielt haben, äußerst kurzfristig ins Schloss beordert. Wären Sie so freundlich mir zu erklären, was nun genau im Einzelnen passiert ist? Wie kam es, dass Sie und Mr. Malfoy auf die gefährlichen Acromantulas gestoßen sind? Ich möchte alles präzise von Ihnen hören Mr. Potter“, forderte sie, sodass Harry ihr von allem zu berichten begann, was und wie, auch wenn er nur bruchstückhaft verstand warum. Nur am äußersten Rand seines Geistes kratzte im Augenblick die Tatsache, dass es mit Dracos Auflagen und deren Bruch zu tun hatte. Als Harry die Geschichte komplett wiedergegeben hatte, nickte Margret.
„Ich verstehe. Sie können sich aber nicht erklären, warum Miss Granger in den Verbotenen Wald verschwunden ist?“ „Nein. Absolut nicht. Es gab vorher wohl einen Streit oder so. Was genau und wie, weiß ich aber nicht.“ „Hat Mr. Malfoy diesen Streit provoziert?“, hakte die Dame nach und taxierte Harry eindringlich mit ihren Bernsteinaugen. Dieser grübelte kurz und entsann sich Rons Anschuldigungen, dass Hermione wohl schon total aufgelöst war, als sie ihm begegnet war, und dass es Dracos Schuld wäre. Nur mochte Harry das nicht glauben. Einmal, da Ron ohnehin keine Möglichkeit ausließ, um Draco alles erdenklich Schlechte zu unterstellen und zum anderen wegen Hermione.
Seine Freundin hatte eine sehr gute Menschenkenntnis, die sie eigentlich so gut wie nie im Stich gelassen hatte. Auch hatte Blaise von einem Missverständnis gesprochen. Darüber hinaus glaubte er auch nicht, dass Draco seine eigene Sicherheit so leichtfertig aufs Spiel gesetzt hätte. Im Wald ging es ihm einzig und allein darum, Hermione da irgendwie wieder heil herauszubekommen. Er hätte selbst nicht fluchen müssen, sondern es ihm, Blaise und Charlie überlassen können, nur hätten sie dann noch weniger eine Chance gehabt, als ohnehin schon, was er der Rätin dann auch sagte, die ihn weiterhin aufmerksam musterte und tief in die grünen Augen sah.
„Ich weiß es nicht. Ich hab keine Ahnung, was vorher los war, aber ich bin mir sehr, sehr sicher, dass Draco keine Schuld daran hat. Als wir gesehen haben, dass Hermione in den Wald gerannt ist, ist er ihr als erster völlig panisch hinterher, um sie dort wieder rauszuholen. Und mit den Flüchen, da. . . Er hätte es nicht machen müssen, nur hätten Blaise und ich allein keine Chance gehabt. Er mag sicher viele verbotene Flüche kennen, aber das hat uns in dem Moment genug Zeit verschafft, bis Tonks und Professor Dippet kamen. Andernfalls wären wir jetzt alle Spinnenfutter.“ „Ich verstehe. Nun, Mr. Potter. . .“, begann sie und beschwor eine kleine Phiole herauf, die sie entkorkte.
„. . . wären Sie so freundlich, mir Ihre Erinnerungen an all das zu geben? Angefangen mit der Suche nach Ihrer Freundin, bis hin zu Ihrer Rückkehr in den Krankenflügel?“ „Sicher“, murmelte Harry und ließ sich seine Erinnerungen von der Frau extrahieren, wie er es schon von Dracos Verhandlung kannte. Damit erhob sich die Dame, hielt dann aber noch kurz inne und richtete sich nochmal, nun etwas wärmer und damit menschlicher an Harry.
„Darf ich fragen, wie Miss Grangers Zustand ist?“ „Sie hat jede Menge Blut verloren und eine ziemlich starke Vergiftung. Madam Pomfrey meinte, dass sie eine Weile schlafen wird und im Krankenflügel bleiben muss, falls Sie mit ihr reden wollten.“ „Ich denke, das wird nicht nötig sein. Ich wünsche ihr gute Besserung“, lächelte sie leicht und trat wieder zu Allan, der an der Tür zu Madam Pomfreys Büro gewartet hatte. Margret lief allerdings ohne ein Wort an ihm vorbei, dem er ebenso stillschweigend folgte, wie auf ihrem Weg nach unten. Harry sah den Beiden noch kurz nachdenklich hinterher, bevor er wieder zu Ginny verschwand.
„Was wollte die Frau?“, fragte sie mit brüchiger Stimme, worauf er nur mit dem Kopf schüttelte „Nicht so wichtig“ und sich wieder ganz auf Hermione konzentrierte.
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Im Direktorenbüro belauerten sich die Parteien auch weiter gefährlich. Tonks hatte nach wie vor die Hand griffbereit auf ihrem Zauberstab liegen, sollte Umbridge auch nur minimal Anstalten machen, Draco zu verfluchen oder sonst wie zu verschwinden. Sie würde nichts dergleichen zulassen. Sie würde ihn nicht dieser Kröte und damit dem vermeintlichen Tod überlassen. Vorher wurde sie selbst zur Straftäterin.
Ein Blick auf Minerva zeigte ein ähnlich entschlossenes Funkeln, während Umbridge dermaßen heftig mit den Zähnen mahlte, dass sie die eigentlich schon lange pulverisiert haben müsste. Es nagte an ihr, dass Margret hier aufgetaucht war und nun auch noch mit Potter über diese Sache sprach.
Neben Tiberius, der von einigen zwar bereits als etwas senil angesehen wurde, dessen Meinung aber dennoch hoch geschätzt war, zählten gerade Margret und auch ihr Bruder Marvin, als gewisse Koryphäen im Hohen Rat, nach denen sich die übrigen Mitglieder im Zweifelsfall verstärkt richteten.
Beiden, besonders Margret, wurde nicht selten nachgesagt, dass sie mit ihren Bernsteinaugen dazu fähig waren, den Menschen tief in die Seele zu blicken und damit in der Lage waren, selbst tief versteckte Wahrheiten zu ergründen. Diese konnte man mit anderen magischen Mitteln, unter anderem mit Mentalmagie, zwar etwas verschleiern, jedoch nie komplett verändern oder gar verstecken. Das war einer der Gründe, warum Dolores es tunlichst vermied, den Beiden direkt in die Augen zu sehen, was ihr bis jetzt auch immer ganz gut gelungen war.
Ob das Geschwisterpaar tatsächlich dazu in der Lage war und diese äußerst seltene magische Anomalie, denn etwas anderes war es nicht, wie auch die Anomalie der Metamorphmagus, ihr eigen nannten, konnte niemand mit absoluter Gewissheit sagen. Ihre Blicken waren und blieben aber stets etwas unheimlich und ließen Menschen großes Unbehagen fühlen, die etwas zu verbergen hatten, wenn sie ihnen in die Augen sahen.
In dem Moment ging die Tür auf und Margret trat, den Blick wie immer unergründlich, wieder mit Allan ein, den Tonks mit einer beinahe verzweifelten Hoffnung ansah. Allan konnte im Moment aber auch nur mit den Schultern zucken, da er nicht wusste, wie Margret nun entscheiden würde. Deren Blick fiel dann auch wieder auf Draco, dessen Züge sie peinlichst genau fixierte, als sie meinte: „In Anbetracht der Dinge, die mir Mr. Potter berichtet hat, steht es außer Frage, dass es zu einer groben Verletzung der Bewährungsauflagen kam. . .“ „Wie ich schon sagte. Wir. . .“ „Allerdings. . .“, wurde Margret laut und sah kurz böse zu Umbridge, da sie sie unterbrochen hatte. Dolores presste dann auch gleich die Lippen zu einem blutleeren Strich zusammen und wich Margrets Blick minimal aus, bevor dieser sich wieder ganz auf Draco verlor.
„. . . sehe ich auch die dringende Notwendigkeit, die zu dieser Handlung geführt hat. Dass es sich hierbei in der Tat um eine extreme Ausnahmesituation handelt, die ich vorerst, auf meine Verantwortung, auf Eis lege. Ich werde diese Geschichte in den kommenden Tagen mit dem Rest des Rates genau besprechen. Bis wir zu einer Einigung kommen, bleibt Mr. Malfoys Bewährung bestehen und er hier im Schloss.“ „WIE BITTE?!“, kreischte Umbridge auf die Aussage zwei Oktaven höher, bevor ihr Kinn fassungslos beinahe auf dem Boden aufschlug, während Tonks geschätzte 1 Millionen Steine von der Seele und dem Herz fielen.
„Ich sagte, er bleibt vorerst hier!“, wiederholte Margret. Draco behielt sie dabei noch kurz im Blick, der auf ihre Erklärung in keinster Weise zuckte. Weder körperlich, noch schien sich in seinen Augen die Erleichterung einzustellen, was Margret doch etwas verwirrte, immerhin sollte er froh sein, dass sie die drohende Strafe vorerst aussetzte. Doch da war nichts. Sein Blick blieb so leer wie schon zu ihrer Ankunft. Sie konnte nichts in diesen Augen lesen, die ihr verstärkt wie die eines Toten erschienen. Es verwirrte sie maßlos. Allerdings konzentrierte sie sich dann erstmal wieder auf das Eigentliche und sah zurück zu Umbridge, die zunehmend einem Kessel vor dem explodieren glich.
„Sie können doch nicht einfach über diesen riesengroßen, nur zu offensichtlichen Verstoß so einfach hinwegsehen? Es gibt Gesetze und Regeln, die ein jeder von uns zu befolgen hat und. . .“ „Das ist etwas, was Sie MIR nicht erklären müssen, Dolores!“, fuhr Margret sie erbost an und versuchte schließlich Umbridges Blick zu erhaschen, die diesen knapp senkte, sodass Margret stattdessen weiter mit Worten schoss.
„Ich bin sehr wohl mit den Gesetzgebungen und Urteilen der magischen Welt vertraut. Erst Recht mit denen, die ich selbst beschlossen habe! Dennoch können wir nicht vollkommen blind nach unseren Gesetzen urteilen, ohne die Hintergründe zu beleuchten. Das hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bereits zu verheerenden Fehlentscheidungen geführt. Wir sprechen und urteilen hier schließlich nicht über einen leblosen Gegenstand, sondern das Leben eines Menschen, der Gefühle und Emotionen hat. Wir, als Rat, tragen eine große Verantwortung, der wir nach bestem Wissen und Gewissen nachgehen müssen, auch wenn es uns manchmal schwer fällt, uns nicht von anderen Dingen leiten oder gar verleiten zu lassen. Es wurden Fehler gemacht. Mehrfach, aus denen wir versuchen zu lernen, damit sich diese nicht wiederholen. Deswegen werde ich auch mit dem restlichen Ausschuss über diesen Verstoß tagen. Bis wir zu einem endgültigen Ergebnis gekommen sind, wird Mr. Malfoy hier bleiben. Das ist mein letztes Wort!“, zischte sie Umbridge an, bevor ihr Blick warnend auf die beiden Gorillas fiel, die Draco prompt losließen. Mit einem Schwenk ihres Zauberstabes befreite Margret ihn dann auch erstmal von den magischen Schellen. Auf den Anblick meldete sich Umbridge nochmal in einem letzten Versuch zu Wort.
„Er wird versuchen zu fliehen. Es wäre besser, wenn wir ihn wenigsten im Ministerium unter Verschluss halten und. . .“ „Er bleibt hier! Unter Arrest und ohne Zauberstab versteht sich. . .“, sah sie warnend zu Tonks und Minerva, die beide nickten und der Rätin rasch Dracos Zauberstab übergaben, die letztlich noch sein Bannarmband magisch veränderte und damit auch verstärkte. Es würde verhindern, dass er mit einem anderen Zauberstab Magie wirkte oder disapparierte. Sollte jemand anderes ihn fortbringen, würden sie ihn über das Armband wieder aufspüren können. Eine Flucht vor dem Ministerium war damit so gut wie unmöglich. Dennoch richtete sie sich nochmal warnend an Tonks.
„Sollte er das Schulgelände bis zu unserem Urteil verlassen oder es anderweitig zu Schwierigkeiten kommen, werde ich sie Drei. . .“, sah sie Minerva, Tonks und Allan warnend an. „. . . dafür zur Rechenschaft ziehen. Sie bürgen mir dafür, dass nichts passiert.“ „Natürlich. Es wird keine Probleme geben“, versicherte Minerva ihr, während Tonks Draco bei der Hand nahm und ihn rasch zu sich und Minerva zog. Weg von den Gorillas und Umbridge, die drohte ihren Zauberstab zu zerbrechen.
Margret nickte daraufhin streng und versuchte ein letztes Mal etwas in Dracos Augen zu lesen, den Tonks inzwischen recht erleichtert in die Arme geschlossen hatte. Doch da war nichts. Kein Funke. Kein Schimmern. Kein Leuchten. Seine Augen wirkten schlicht und ergreifend tot, was ihr gehörig zu denken gab. Am Ende richtete sie sich allerdings an Umbridge und löste die ministeriale Blockade von Minervas Kamin.
„Dolores. . .“, wies sie Umbridge lediglich auf diesen, die ernsthaft mit dem Gedanken spielte, das ganze Büro in die Luft zu jagen, um Draco doch noch zum Schweigen zu bringen. Nur war das letztlich vollkommen kontraproduktiv, weswegen sie in den sauren Apfel biss und mit ihren beiden Begleitern verschwand. Kaum dass sie weg war, begann Minerva sofort sämtliche Sicherheitsvorkehrungen, so auch den Apparierschutz, wieder über das Schloss und die Gebietsgrenzen der Schule zu legen.
„Danke“, murmelte Tonks der Rätin erleichtert zu, die nichts darauf erwiderte, sondern nur wieder streng meinte: „Diese Sache ist noch nicht vom Tisch. Sobald alles mit dem Rest des Gremiums besprochen ist, werden wir uns wieder bei Ihnen melden und Ihnen unsere Entscheidung mitteilen.“ „Natürlich. Trotzdem Danke. Ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn sie ihn jetzt . . . wenn er dort. . .“ „Schon gut. Gute Nacht.“ Mit diesen Worten trat auch Margret an den Kamin, warf etwas Flohpulver hinein und verschwand mit den grünen Flammen zurück in ihre eigenen vier Wände. Mit dem Verlöschen des Feuers, versiegelte Minerva auch diesen, bevor sie sich fertig auf ihrem Schreibtisch abstützte.
„Ich bin zu alt für diesen Stress“, murmelte sie erschöpft und sah schließlich wieder auf Draco, der auch weiter schlaff und vollkommen reglos in Tonks Armen lag, die drohte ihn in einer Molly-Umarmung zu erdrücken. Als die Aurorin ihn mit frischen Tränen in den Augen ansah und beruhigend sein Gesicht in die Hände nahm, sah auch sie erneut diese völlige Leere in seinem Blick.
„Draco?“, rief sie ihn leise und strich mit den Daumen über seine zerkratzten, blass-kalten Wangen. „Wahrscheinlich steht er unter Schock“, warf Allan nachdenklich ein, als Tonks ihn mit wachsender Sorge musterte und kurz durch die zerzausten Haare strich.
„Ich denke, es ist besser du nimmst ihn erstmal mit zu dir und siehst zu, dass er sich hinlegt. Behalt ihn aber im Auge. Vor allem wegen seiner Magie. Nach dem ganzen Stress, würde es mich nicht wundern, wenn ihm das wieder verstärkt Probleme macht“, mahnte Allan, worauf sie nickte und ihren apathischen Cousin behutsam mit sich nahm.
In ihrem Wohnzimmer drückte sie ihn sacht auf die Couch, in der er etwas versank und auch weiter vollkommen teilnahmslos ins Leere blickte. Und das machte ihr zunehmend Sorgen. Dass er in keinster Weise reagierte. Sie hätte ja zumindest gedacht, dass die Worte der Rätin ihn etwas aus seiner Katatonie holten. Doch dem war nicht so. Vielmehr beschlich sie das ungute Gefühl, dass er immer tiefer in diesem Zustand versank. Letztlich machte sie ihm und sich einen Tee, den sie erstmal auf ihrem Couchtisch abstellte und sich wieder vor ihn hockte.
„Draco?“, rief sie ihn leise und strich ihm erneut beruhigend über die Wange. „Komm, es wird schon alles wieder“, meinte sie aufmunternd und griff nach seinen Händen die kalt und schlaff in ihren lagen. Sie bemerkte da erst, dass seine Handgelenke, da wo die magischen Schellen lagen, teils verbrannt waren.
„Merlin!“, zischte sie erschrocken und besah sich die Verletzungen näher. Das musste ihn doch höllisch schmerzen, doch er zuckte nicht mal mit der Wimper. Weder, als sie es erfolglos mit dem Episkey probierte, noch mit der Murtlap Essenz, von der sie prophylaktisch ein Döschen im Bad stehen hatte. Mit dieser begann sie die Wunden vorsichtig dick einzureiben, bevor sie die Stellen mit einem sauberen Verband verschloss. Dabei suchte sie immer wieder Dracos Blick, in dem kein Leben mehr auftauchen wollte.
Als sie mit allem fertig war, nahm sie wieder neben ihm Platz, schloss ihn in die Arme und zog ihn beruhigend ganz zu sich, bevor sie tröstend meinte: „Es wird alles wieder gut. Mach dir keine Gedanken. Wir kriegen das wieder hin. Und Hermione geht es bestimmt auch bald wieder besser“, flüsterte sie, da sie die Vermutung beschlich, dass er Angst um die Hexe hatte und ihm das gerade so sehr den Boden unter den Füßen weggerissen hatte. Dass sie der Sache mit ihren Gedanken sehr nahe kam, spürte sie nur etwas später, als Draco zwei einsame Tränen aus den leeren Augen über die blassen Wangen kullerten, die sie sanft beiseite strich und aufmunternd zu lächeln versuchte.
„Es wird alles wieder gut. Ruh dich aus“, gab sie ihm auch weiter tröstend, und auch ein wenig mütterlich zu verstehen, bevor sie etwas nachhalf und ihn richtig auf die Couch drückte. Dabei hatte sie erneut das beklemmende Gefühle, dass er nicht mehr war, als eine seelenlose, leblose Puppe, der sie dann noch die warme Wolldecke über legte und ihm erneut etwas durch die Haare strich. Irgendwann fielen ihm die Augen zu und er schlief ein, was sie sich bitter lächelnd besah. Sie blieb aber auch dann noch bei ihm sitzen und ließ ihm weiter diese beruhigende Geste zukommen, bis es einige Zeit später leise an ihrer Tür klopfte.
„Ja?“, rief sie knapp, verließ ihren Platz an Dracos Seite aber nicht. Das musste sie auch nicht, denn in der Tür tauchten Allan und Minerva auf, die leise näher traten und einen kurzen Blick auf den Blonden warfen, bevor sie sich ganz auf Tonks konzentrierten, die nun doch aufstand und zu den Beiden trat.
„Hat er noch etwas gesagt?“, begann Minerva leise. Tonks schüttelte aber mit dem Kopf. „Nichts. Irgendwie. . . Er ist komplett weggetreten.“ „Sicherlich eine Schockreaktion auf alles. Wahrscheinlich legt sich das, sobald er etwas zur Ruhe kommt“, mutmaßte Allan. „Hoffentlich“, murmelte Tonks und sah nochmal kurz zu ihm, bevor sie nach Hermione fragte.
„Wart ihr nochmal bei Poppy?“ „Wir kommen gerade von unten.“ „Und? Was ist mit Hermione?“ „Es hat sie ziemlich schlimm erwischt.“ „Aber sie wird wieder?“, bohrte Tonks unsicher. „Soweit ja. Allerdings wird sie die nächsten Tage strenge Bettruhe halten müssen. Die Gifte haben stellenweise wohl recht stark ihre Nieren und die Leber angegriffen, was durch den Blutverlust noch begünstigt wurde.“ „Das klingt nicht gut“, murmelte Tonks. „Ist es auch nicht. Poppy hat sich deswegen schon mit dem Mungos auseinandergesetzt. Es war vorhin noch ein Speziallist da, der nach Hermione gesehen hat. Er wollte morgen nochmal vorbeikommen und sehen, wie die Tränke angeschlagen haben. Alles Weitere müssen wir abwarten. In jedem Fall ist die Giftmenge, die sie abbekommen hat, alles andere als unbedenklich.“ „Großartig“, stöhnte Tonks und rieb sich fertig über die Schläfe, bevor ihr Blick etwas gequält auf Draco fiel. Es war besser, wenn er davon erstmal nichts weiter erfuhr, immerhin hatte er durch den Mist genug eigene Sorgen. Als sie daran dachte, fiel ihr auch wieder etwas nicht ganz Unwichtiges an.
„Sag mal. . .“, begann sie und fixierte dabei Allan. „. . . wie hast du es eigentlich geschafft, so schnell einen der Ratsmitglieder herzuholen? Die Frau war ja auch nicht gerade begeistert darüber.“ „Wer ist das schon um die Uhrzeit?“, lächelte Allan matt, bevor er knapp erklärte.
„Nein, also. . . Ich hab durch meine Aurorenzeit noch ein paar Kontakte und. . . Margret war, vor ihrer Zeit als Rätin, auch in der Aurorenabteilung in der Verwaltung tätig. Ich hab sie angefloht und gedrängt zu kommen. Natürlich war sie von meinem Überfall alles andere als begeistert, aber in Anbetracht der Tatsachen, erschien es mir die einzige Chance zu verhindern, dass Umbridge ihn mitnimmt. Wenn wir mit unserer Vermutung Recht behalten, und sie ihn tatsächlich aus dem Weg räumen will, hätte sie heute die perfekte Chance dazu gehabt. Vermutlich wird sie versuchen, beim Gamot nochmal nachzutreten. Aber da Margret dem bereits so halb einen Riegel vorgeschoben hat, denke ich, wird sie damit kaum Erfolg haben.“ „Was macht dich da so sicher?“, hakte Tonks nach, die noch immer gehörig Bauchschmerzen bei dem Gedanken hatte, dass Draco Umbridge am Ende doch noch in die Hände fallen könnte.
„Margret. Sie ist eine große Skeptikerin und war, soweit ich weiß, auch eine derjenigen, die nach der Hauptverhandlung noch Zweifel an allem hatte. Nach der Geschichte in Hogsmeade scheint sie die aber allmählich beigelegt zu haben. Sie kann den sturen Rest eher noch davon überzeugen, dass die Sache heute Nacht eine absolute Notsituation war.“ „Hoffen wir es“, murmelte Tonks und sah nochmal betreten zu Draco, bevor ihr Blick zurück auf Allan fiel, dem sie ein kleines, tiefdankbares Lächeln entgegen brachte.
„Danke.“ „Kein Problem.“
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Wütend flog ein Teller nach dem anderen an die Wand und zersprang in 100 Einzelteile. Dummerweise fühlte sie sich danach auch nicht besser, sodass noch einer der Sammelteller, mit den süßen Kätzchen, dran glauben musste.
Dolores konnte es nicht fassen. Da hatte sie die kleine Kröte bereits in den Händen und dann so etwas! Das ging nicht. Es ging einfach nicht! Es konnte doch nicht sein, dass der Rat diesen groben Verstoß nicht bestrafen wollte?!
Zwar war die Entscheidung noch nicht endgültig durch, aber wenn Hobbs sich bereits so geäußert hatte, war es bald nur noch eine Formsache. Ihr Bruder würde ihre Entscheidung genauso absegnen, wie der Rest des Gamots und sie konnte nichts dagegen machen. Gar nichts! Das Gamot hatte das letzte Wort. Einzig und allein der Minister könnte dort noch ein Veto einlegen und Merlin wusste, Shacklebolt war der Letzte, der in dem Fall widersprechen würde. So etwas hätte es bei Fudge nicht gegeben!
„Verdammt!“, keuchte sie auf, als ihr kurzzeitig die Luft weg blieb und ein spitzer Stich durch ihre Brust schoss. „Ganz ruhig, Dolores“, mahnte sie sich selbst gepresst und drückte die rechte Hand energisch auf ihre Brust, in der Hoffnung, das plötzliche Stechen und Ziehen darin etwas zu betäuben. Kurz darauf ließ sie sich in ihren Stuhl sinken und atmete mehrmals tief durch.
Sie hatte eindeutig bereits zu viele Nerven an diesen Dreckskröten gelassen. Erst die Sache vor gut drei Jahren mit Granger, Potter und seiner Armee und jetzt der Ärger mit dem kleinen Malfoy. Sie wusste schon, warum sie Kinder immer verabscheut hatte. Die Drei waren mit Abstand aber das Schlimmste, was ihr in ihrem Leben bisher untergekommen war. Doch davon würde sie sich nicht in die Knie zwingen lassen. Niemals! Sie würde sich ihr Lebenswerk nicht von diesen verfluchten Gören zerstören lassen.
Als sich der stechende Schmerz in ihrer Brust gelegt und sie sich wieder verstärkt beruhigt hatte, setzte sie sich an ihren Schreibtisch und begann sich durch bestehende Anträge und Formulare zu arbeiten, mit denen sie den Rat konfrontieren konnte, um doch noch irgendwie an den kleinen Malfoy und vielleicht auch Granger ranzukommen.
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Mit höllischen Rücken- und beginnenden Kopfschmerzen, wurde Tonks zum späten Morgen wach und streckte sich erstmal ausgiebig, was im Nachhinein keine so gute Idee war, denn ihre Muskeln ächzten. Der Sessel taugte echt nicht für ein Schläfchen. Warum sie auf diesem eingeschlafen war, war ihr für den Moment auch ein einziges Rätsel, bis ihre müden Augen etwas ihr Wohnzimmer abtasteten. Diese blieben dann recht träge an der Couch hängen, auf der reichlich zerwühlt die Wolldecke lag. Mehr nicht.
Tonks starrte für geschlagene zehn Sekunden ahnungslos auf das Möbelstück, während ihr Kopf ein wenig schwerfällig das Denken wieder aufnahm und sie daran erinnerte, warum sie auf dem Sessel eingenickt war und was da eigentlich auf der Couch liegen sollte. Als das der Fall war, traf sie fast der Schlag.
„Scheiße!“, zischte sie panisch, fuhr hoch und stolperte prompt über ihre eigenen Füße. Sie schlug der Länge nach hin, rappelte sich aber gleich wieder auf und stürzte stattdessen ins Bad. „Draco?“, rief sie verschreckt, doch der Raum war leer. „Merlin, nein“, stöhnte sie auf. Das konnte sie jetzt echt nicht gebrauchen! Verdammt, wo war er?
Panisch, aufgrund seines Verschwindens, stürzte sie in die Gänge des Schlosses, die immer mal durch grelle Blitze erhellt wurden, bevor das dunkle Grollen des Sturmes dumpf durch die hohen Flure hallte. Tonks nahm den bedrohlichen Herbststurm allerdings nur am Rande war, sondern verschwand, einer Eingebung folgend, in den ersten Stock in den Krankenflügel.
Sie war sich sicher, hoffte es zumindest, Draco dort zu finden. Die hohen Räumlichkeiten waren soweit allerdings leer, sodass sie in Madam Pomfreys Büro verschwand. Als die Medihexe die noch immer zerknitterte und zerwühlte Gestalt Tonks' sah, zog sie fragend die Augenbrauen kraus.
„Hast du auf dem Boden geschlafen?“ „Was? Ich. . . Nein. Sessel. Ist Draco hier aufgetaucht?“, fragte sie noch leicht außer Atem. Poppy musste sie allerdings enttäuschen. „Nein. Warum?“, erkundigte sich Madam Pomfrey, doch da war Tonks bereits wieder weg.
Sie war sich so sicher, dass er bei Hermione sein und nach ihr sehen würde. Pustekuchen. Was für Bereiche des Schlosses kämen sonst noch infrage? Die Kerker! Vielleicht war er auch zu Blaise und Charlie verschwunden. Diesen Gedanken vor Augen und mit neuen Hoffnungen bestückt, rannte sie zu diesen, um letztlich hilflos vor der verschlossenen Steinwand zu stehen, denn sie kannte das Passwort nicht. Mist.
Sie überlegte kurz dagegen zu klopfen, nur würde das bei einer Steinwand nichts bringen. Allerdings hatte sie nur ein paar Minuten später Glück, denn die Mauer öffnete sich von selbst. Vor ihr Channing und Preston, die in die Bibliothek wollten. Als sie Tonks sahen, warfen sie ihr allerdings ähnlich zweifelhafte Blicke zu, wie schon Madam Pomfrey. Die Aurorin kümmerte sich aber nicht weiter darum, sondern schob sich an den Beiden vorbei ins Innere.
Blaise und Charlie entdeckte sie mit den Greengras Schwestern in einer der Sitzecken. Und das sichtlich niedergeschlagen. Von Draco fehlte aber auch hier jede Spur, sodass sie bereits wieder verschwinden wollte, als Astoria sie gewahrte und leise ihren Namen murmelte. Daraufhin schossen die Köpfe von Blaise und Charlie hoch, die sich prompt auf die Aurorin stürzten.
„Tonks!“, rief Blaise und sprang schon halb über den Sessel, um sie zu erreichen. „Was haben sie mit ihm gemacht? Haben sie ihn wirklich wieder nach . . . nach Askaban gebracht?“, überschlug sich Blaise halb, dem sich zum Schluss die Kehle ein wenig zuschnürte, während er und Charlie die Aurorin bange ansahen. Diese wusste die Beiden erstmal zu beruhigen.
„Nein. Umbridge hat es versucht, ist damit vorerst aber nicht durchgekommen.“ „Was meinst du?“, hakte Charlie nach, sodass sie den Beiden erklärte, was letzte Nacht noch passiert war, wie Draco auf sie gewirkt hatte und das er jetzt zu allem Überfluss verschwunden war.
„Er ist weg?“ „Ja. Und ich hab keine Ahnung wo er sein könnte. Ich hatte erst gedacht im Krankenflügel, oder bei euch, aber. . .“, ließ sie den Satz hilflos offen. „Habt ihr eine Idee?“ „Nein. Und wenn er nicht bei Hermione ist, kann er sonst wo sein“, resümierte Charlie. „Wir müssen ihn finden, bevor er irgendetwas Dummes macht.“ „Kann er ohne Zauberstab ja nicht“, murmelte Charlie. „Nein. Ohne ist er aber leicht angreifbar. Vor allem, wenn er noch so drauf sein sollte, wie letzte Nacht“, schloss Blaise, der sich letztlich mit Charlie und Tonks auf die Suche nach dem Blonden machte. Tonks verschwand allerdings zeitnah in den Gryffindor Turm zu Harry, da ihr wieder eingefallen war, dass Harry ja diese Karte hatte. Mit der mussten sie Draco doch schnell finden.
Im Turm der Löwen wurde sie etwas verwundert von den Unterstufen gemustert, aber auch von Harry und Neville, die gedankenverloren am Kamin saßen. Zu den Beiden trat sie sofort und zog sich Harry ran.
„Ich brauch deine Karte.“ „Meine . . . meine Karte?“ Tonks nickte und meinte weiter: „Draco ist weg.“ „Wie weg? Was . . . was ist gestern eigentlich noch passiert?“ „Später. Lass uns bitte erstmal nachschauen, wo Draco ist“, bat sie, sodass sich Harry erhob und mit der Aurorin in seinen Schlafsaal verschwand. Dort brüteten die Beiden bald fünf Minuten über der Karte, entdeckten Dracos Namen allerdings nirgends.
„Verdammt“, fluchte Tonks und weckte damit Harrys Neugier wieder mehr. „Was ist jetzt gewesen? Warum suchst du ihn? Ich dachte, sie wollten ihn wegbringen?“ „Ja. Nein. Es. . .“, begann Tonks alles zu erklären, was noch war. Eben auch, dass Draco das Gelände nicht verlassen durfte, nun aber weg war.
„Vielleicht ist er im Raum der Wünsche“, murmelte Harry, dem sonst nichts mehr einfiel und begab sich mit Tonks zu dem eigentlichen Zugang. Doch so sehr sich die Aurorin auch den Ort herbeiwünschte, an dem Draco war, es passierte nichts. Es erschien schlicht und ergreifend keine Tür, was eigentlich nichts anderes hieß, als dass er auch nicht in diesem Raum war, was sie an den Rand der Verzweiflung trieb.
„Verdammt, er muss doch irgendwo sein!“ „Vielleicht ist er anderweitig auf dem Gelände. Die Karte zeigt schließlich nur Personen, die sich im Schloss aufhalten. Irgendwo hier muss er ja noch sein. Andernfalls hätte sich das Ministerium bestimmt schon wieder gemeldet.“ „Hoffentlich“, murmelte Tonks und sah schließlich auf die Karte, die Harry noch in den Händen hatte.
„Leihst du sie mir aus? Ich verschwind nochmal zu Professor Dippet. Vielleicht hat er noch eine Idee.“ „Sicher.“ „Danke.“ Damit war Tonks weg und Harry auch weiter ratlos mit sich allein vor der hohen Steinmauer, bei der er seinerseits sein Glück versuchte. Nichts regte sich, sodass er sich geschlagen in den ersten Stock zum Krankenflügel begab, um nach Hermione zu sehen, bei der Ginny die ganze Nacht verweilt hatte. Vielleicht war sie inzwischen wach.
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Mit wahnsinnigen Schmerzen im gesamten Körper, und einem Kopf, der zu explodieren drohte, suchte sich Hermiones Bewusstsein zum späten Nachmittag langsam, aber unaufhörlich, einen Weg zurück in die dunkle Welt, die seit langem mal wieder die Apokalypse probte. Sie murmelte dünn und stöhnte schließlich schmerzlich unter den massiven Spannungen ihres Körpers auf, der zudem unter einer tonnenschweren Bleidecke begraben schien, denn sie bekam nicht den kleinsten Muskel gerührt.
„. . .mionchen?“, echote es ihr unendlich besorgt in einem dumpfen Wiederhall nach, sodass sie sich etwas stärker mit ihren Augen abmühte. Als sie diese minimal auf bekam, lag alles in einem schummrigen Grau da, sodass sie etwas blinzelte, um ihre Augen scharf zu stellen. Mit eher geringfügigem Erfolg. Stattdessen begann es ihr wieder stärker im Schädel zu hämmern, sodass sie erneut stöhnte.
„Sch. Ganz ruhig. Es ist alles gut“, hörte sie beruhigend eine helle Stimme, die sie dumpf Ginny zuzuordnen wusste, deren Name ihr brüchig matt in einem halben Flüstern über die Lippen kam. Als sie ein weiteres Mal blinzelte, erkannte sie die Rothaarige recht blass neben sich, die sie erleichtert, mit Tränen in den Augen ansah.
„Hey“, hauchte sie ihr zu und zwang sich zu einem Lächeln, während sie Hermiones Hand tätschelte, was die Brünette nur am Rand bemerkte. Stattdessen glitt ihr Blick schwerfällig durch den kleinen Raum, den sie nicht zuzuordnen wusste und auch so noch immer vollkommen desorientiert war.
„. . . wo . . .“, brachte sie nur brüchig eine Silbe über die Lippen, was beinahe ihre ganze Kraft beanspruchte, denn es zog ihr die Lider zu, während durch ihre Adern ein siedend heißes Feuer zuckte, was sie abermals schwach stöhnen ließ.
„Schschsch. Ganz ruhig, Süße. Du bist im Schloss, in einem separaten Zimmer im Krankenflügel“, beruhigte Ginny sie rasch und strich ihr kurz liebevoll durch die Haare, bevor sie die kalte Kompresse zurück auf die fiebrige Stirn ihrer Freundin legte. Minuten vergingen so, bis Hermione erneut die Kraft fand, die Augen zu öffnen, die dann ein wenig besser funktionierten und sie etwas mehr der Umgebung erfasste.
„Was' passiert?“, murmelte sie noch immer dünn und versuchte sich etwas aufzurappeln mit dem lausigen Ergebnis, dass ihr Körper sofort wieder stärker zu schmerzen begann, und ein unangenehmes Schwindelgefühl in ihren Schädel jagte, was sie stöhnen ließ.
„Ruhig, Mionchen. Bleib schön liegen. Der Heiler hat gesagt, du sollst dich auf gar keinen Fall überanstrengen.“ „Heiler?“, verstand Hermione jedoch nicht und sah fertig zu Ginny. Diese nickte. „Madam Pomfrey hat jemanden aus dem Mungos kommen lassen, wegen der Vergiftung.“ „Gift?“ „Ja. Das der Acromantulas.“ „Was?“ „Erinnerst du dich nicht?“, hakte Ginny vorsichtig nach, worauf Hermione knapp den Kopf schüttelte, sodass Ginny ihr grob erklärte, was mit ihr passiert war und sie dann auch fragte: „Warum, bei Merlin, bist du den in den Verbotenen Wald gerannt?“ „Ich . . . ich weiß nicht. Ich erinner mich nicht“, murmelte sie dünn und schloss erschöpft die Augen, als eine neue Welle dunkler Schatten drohte, sie zu überrennen, was sich Ginny mitleidig besah und ihr beruhigend durch den Schopf strich.
„Was weißt du denn noch?“, erkundigte sie sich behutsam, bekam lange Zeit aber keine Antwort, da Hermione aufs Neue darum bemüht war, nicht wieder das Bewusstsein zu verlieren, obwohl ihr das irgendwie angenehmer erschien, als dieser grässliche Zustand, in dem sie gerade verweilte. Der Gedanke daran, warum sie sich in diesem befand, ließ sie schaudern. Acromantulas. Noch schlimmer wurde es, als sich ihre Gedanken etwas verselbstständigten und sie sich nach und nach doch wieder an ein paar Dinge erinnerte.
Da waren unter anderem Ron und Lavender, die in ihrem Geist herumspukten. Lavenders böse Worte, wo sich ganz besonders die Aussage in ihr eingebrannt hatte, dass Ron wohl bereits seit dem Sommer ein Verhältnis mit der dummen Kuh hatte. Doch das allein lastete nicht so quälend auf ihrer Seele und dem schmerzenden Herzen, sondern das, was zuvor passiert war.
Draco. Sie hatte es wieder deutlich vor Augen und in den Ohren. Alles. Damit verbunden das bittere Warum? Warum hatte er das getan? Warum hatte er alles zwischen ihnen kaputt gemacht? Diese Tatsache begann sie aufs Neue zu quälen und trieb ihr unaufhörlich die Tränen aus den Augen, was Ginny aufscheuchte.
„Was ist los? Tut dir was weh? Soll ich Madam Pomfrey holen?“, überschlug sie sich halb, bekam aber keine Antwort. Stattdessen wurden die Schluchzer ihrer Freundin lauter und verzweifelter, als sie wieder dieser fürchterliche, tiefe Schmerz in ihrem Herzen überrollte, und es zu zerreißen drohte.
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Zum späten Abend hatte Tonks endlich Glück und fand Draco, mit Hilfe der Karte, in den Kerkern bei Charlie im Zimmer. Was sie dann aber sah und vor allem von den beiden Jungs zu hören bekam, schnürte ihr die Brust schmerzhaft zusammen. Inzwischen saß sie auf dem Rand des Bettes, nachdem sie die komplette Geschichte gehört hatte und sah bitter auf Draco, der regungslos, blass und vor allem eiskalt in diesem lag und schlief. Warum, wunderte sie nach allem nicht mehr.
„Und er hat nichts gesagt?“, erkundigte sie sich noch einmal dünn. „Nein. Er war noch immer total weggetreten.“ „Die Sache scheint ihm endgültig den Boden unter den Füßen weggerissen zu haben. Er ist am Ende“, sprach Charlie diese bittere Tatsache aus, was Tonks schlucken ließ, bevor sie zustimmend nickte. In Anbetracht all der Dinge, war das, Merlin wusste, kein Wunder.
„Ihr und eure Versteck- und Schauspielkünste“, warf sie den beiden Schlangen matt zu, die kurz betreten schwiegen, bevor Blaise schuldig murmelte: „Hat doch keiner ahnen können, dass das so endet.“ „Davon abgesehen, was hätten wir anderes tun sollen?“, warf Charlie ein und sah zu Tonks, die ihm darauf keine Antwort zu geben wusste, da sie die Antwort leider kannte.
„Wenn wir es nicht die ganze Zeit so vehement versteckt hätten, wären wir jetzt alle tot. Wir konnten es nicht riskieren, dass irgendetwas auch nur minimal nach außen dringt. Vor allem Draco nicht. Sein Vater hätte ihn in Stücke gerissen, wenn er herausgefunden hätte, was Draco wirklich will und denkt.“ „Ja“, knurrte Blaise und ballte furchtbar wütend die Hände zu Fäusten, als er an den alten Malfoy dachte. Dabei verdunkelte sich sein Blick mordlüstern.
„Aber erst, nachdem er ihn über Wochen gefoltert hätte.“ Auf die Aussage nickte Charlie düster und meinte dann noch: „Vor Hermione hätte er dann sicherlich auch nicht halt gemacht“, was Tonks noch schweigsamer stimmte, die auf all das nur stumm nickte. Dass Bild, was sie bisher von Draco hatte, wurde mit den neuen Information von Blaise und Charlie noch um ein vielfaches komplexer, aber allen voran trauriger.
Am Ende sah sie mit feuchten Augen auf die verletzte, gequälte Seele, die sich selbst immer wieder so unsagbar tief ins eigene Fleisch geschnitten, verstümmelt und ins schlechte Licht gerückt hatte, damit Blaise, Charlie, Narcissa, aber vor allem auch Hermione ihres Lebens halbwegs sicher waren. So sicher, wie man vor dieser weißen Schlange und den vom Rassenwahn zerfressenen Mitgliedern ihrer Familie sein konnte. Schließlich stand sie auf.
„Behaltet ihr ihn im Auge? Vermutlich ist es für Draco das Beste, wenn er bei euch bleibt.“ „Sicher“, murmelte Charlie, während Blaise Tonks noch kurz am Arm festhielt. „Wenn wir noch irgendwas wegen der Sache mit den Flüchen tun können, dann sag es.“ „Ich fürchte, da gibt es nichts mehr zu machen. Harry scheint der Rätin allerdings alles gut genug geschildert zu haben, andernfalls wäre Draco bereits nicht mehr hier. Wir müssen jetzt erst einmal abwarten und sehen was wird, auch wenn mir das selbst nicht passt, glaub mir“, entgegnete sie Blaise, lächelte noch kurz matt und tätschelte ihm aufmunternd die Schulter, bevor sie selbst die Kerker mit leicht hängenden Schultern verließ.
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Es waren zwei recht monotone Sägegeräusche, die irgendwann eine Schneise in die Dunkelheit seines Bewusstseins schlugen und diese soweit zerrissen, dass er erschlagen die Augen öffnete und ausdruckslos auf den tiefgrünen, dunklen Betthimmel über sich blickte. Minutenlang, ohne das kleinste Gefühl in seinem Innern. Da war anfangs nur eine kalte, alles umfassende Leere, in die sich, mit der Monotonie der Schnarchlaute, nach und nach wieder dieser bittere, alles verzehrende Schmerz mischte.
Es war wie ein Feuer aus Eis, das ihn gleichzeitig verbrannte und erfrieren ließ. Mit diesem Feuer zog sich quälend langsam spitzes Dornengeflecht durch seine Eingeweide, bevor es sich Stück für Stück um das kraftlose Herz legte. Dabei zogen sich die Ranken immer enger und ließen ihn innerlich verbluten. Jedoch nicht genug, damit sich seine verfluchte Existenz im Nichts verlor, in das er sich wünschte, übergehen zu können. Stattdessen schlug das verkümmerte Etwas in seiner Brust schmerzhaft weiter und ließ ihn mit jedem Schlag aufs Neue sterben.
Irgendwann richtete er sich auf und ließ die fahlen Augen durch den Raum gleiten, die zuerst die Geräuschquellen erfassten, die da waren Blaise und Charlie, die in ihren Sesseln eingeschlafen waren und mal wieder um die Wette sägten. Da in dem Raum nur dieses eine Bett stand, musste es Charlies Zimmer sein. Wie er in dieses gekommen war, wusste er nicht. Überhaupt, konnte er sich an nichts mehr erinnern, was nach ihrem Auftauchen im Krankenflügel passiert war. Es hatte sich alles nach und nach immer stärker in einem dunklen Nebel verloren, in dem er sich noch immer etwas wähnte, wenngleich sein Geist, leider, wieder stärker zu arbeiten begann, denn dieser ließ ihn denken und fühlen. Letzteres wollte er nicht. Er wollte nichts mehr fühlen. Gar nichts. Doch der Schmerz blieb.
Schließlich stand er auf und verschwand lautlos im angrenzenden Bad unter die Dusche, die er auf eiskalt regelte, um die Schmerzen zu betäuben. Doch selbst nach einer halben Stunde wollte es nicht besser werden. Lediglich die Leere in seinem Innern nahm eine noch tiefere Nuance an, die eine maßlose Erschöpfung mit sich brachte. Mit dieser verließ er die Dusche, wickelte sich ein Handtuch um die Hüften und trat an den Spiegel. Als er in diesen blickte, schaute ihm ein Toter entgegen.
Seine Züge waren bleich, die Lippen leicht bläulich und die grauen Augen vollkommen fahl. Leer. Es waren die Augen eines Toten, die nichts mehr erfassten, sondern sich stattdessen im Nichts verloren.
Je länger er in den Spiegel blickte, desto mehr begann er sich zu fragen, ob er wirklich noch lebte, oder ob die quälenden Schläge in seinem Innern, die den Schmerz im Sekundentakt neu aufflammen ließen, nicht mehr waren, als ein dumpfes Echo der Dunkelheit, das sich Leben genannt hatte?
Ohne sein willentliches Zutun fand seine rechte Hand ihr Ziel am Spiegel, über dessen kalte Oberfläche er strich, was ihm die tote Spiegelgestalt gleich tat, die er, je länger er sie ansah, immer weniger ertragen konnte und schließlich die Rechte zur Faust ballte. Nur einen Herzschlag später krachte diese Faust in das ihm fremde und doch so vertraute Gesicht.
Der Spiegel zersplitterte lautstark und zerschnitt ihm die Fingerknöchel und den Handrücken, aus dem sofort rotes Blut ran. Den beginnenden, pochenden Schmerz in seiner Hand spürte er nicht, sondern sah mit einer stummen Faszination auf das Rot, was immer stärker auf das weiße Porzellan des Waschbeckens tropfte. Immer mehr, was doch eigentlich ein Zeichen dafür sein sollte, dass er lebte. Oder? Doch er fühlte sich nicht so. Warum?
Die Frage darauf, glaubte er sich mit einem Blick auf das schwarze Etwas auf seinem linken Arm beantwortet zu wissen. Es war ein Symbol des Todes, was ihn bereits seine ganze Existenz über wie ein Schatten verfolgte. Im Tod wollte er es nicht auch noch mit sich herumschleppen, weshalb er geistesabwesend mit der blutverschmierten Rechten eine der größeren Spiegelscherben nahm und versuchte, dieses schwarze Etwas herauszuschneiden.
Dabei quoll noch mehr von dem warmen, roten Blut aus den frischen Schnitten, was das schmerzende Ding in seiner Brust schneller pulsieren ließ. Dieser kleine Rausch weckte den Drang nach mehr in ihm. Dem Wunsch nach einem Gefühl, was weder Schmerz, noch Kälte war, sodass er neu ansetzte und sich mit der Scherbe noch tiefer ins Fleisch schnitt. Mit diesem Schnitt quoll sehr viel mehr Blut aus der frischen Wunde, dem er gleich noch nachsetzen wollte, als die Tür aufging. Nur den Bruchteil einer Sekunde später hallte ein panischer Schrei durch das Bad.
„Merlin, SPINNST DU?!“, keifte Blaise entsetzt, der auf den Anblick sofort bei ihm war und ihm die Scherbe halb aus der Hand schlug. Mit dem Geschrei riss allerdings etwas in Dracos Geist ab, den plötzlich eine ungeheure Schwäche überspülte, die dafür sorgte, dass ihm die Beine nachgaben.
„Draco!“, fluchte Blaise erschrocken, der ihn geradeso noch halten konnte und nur eine Sekunde später mit dem Blonden auf dem bereits blutbesudelten Fliesenboden saß, auf den sich Charlie ebenfalls sinken ließ und rasch Dracos Arm nahm, den er sofort behandelte. Keine zehn Sekunden später war die gefährliche Wunde sauber verschlossen, um die der Brünette noch zusätzlich einen Verband legte, damit das Mal, wie sonst auch, darunter verschwand. So, wie Hermione einen psychischen Knacks wegen ihrer Vernarbung hatte, hatte auch Draco an dieser Stelle eine tiefe, mentale Wunde, was schon einmal dazu geführt hatte, dass er in einem Anfall völliger Verzweiflung versucht hatte, sich das Ding herauszuschneiden.
„Draco? Draco!“, rief Blaise ihn energisch und schlug ihm letztlich etwas auf die Wange, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. „Hörst du nicht? Verdammt, was machst du für eine Scheiße?“, schimpfte er mit ihm. Der Blick seines Freundes war aber genauso leer und erschöpft, wie schon gestern Abend, als sie ihn nach längerer Suche am See aufgespürt hatten. Und wie schon gestern, reagierte er auch jetzt nicht weiter, sondern versank aufs Neue in den kalten Untiefen seines Geistes.
„Er muss wieder ins Bett. Er ist noch immer eiskalt“, mahnte Charlie, kaum dass er auch Dracos rechte Hand versorgt hatte. Keine fünf Minuten später lag der Blonde warm eingepackt wieder in diesem, wo Charlie die Daunendecke erneut etwas verzauberte, damit sie kontinuierlich Wärme abgab.
„Was machen wir jetzt?“, sah Blaise ratlos zu Charlie, der seinem Freund noch zwei Tränke reichte, die ihn in einen hoffentlich traumfreien Schlaf schickten, denn tiefe Ruhe war im Augenblick wohl das Einzige, was ihm in irgendeiner Form helfen könnte.
„Nicht mehr einschlafen. Zumindest nicht mehr gleichzeitig. Stell dir mal vor, wir hätten den Krach nicht gehört.“ „Ich will's mir nicht vorstellen“, murrte Blaise, bevor er zurück auf Draco sah, der bereits gegen Charlies Tränke verloren hatte und aufs Neue schlief.
Blaise hoffte inständig, dass er, sobald er wieder wach war, dann auch endlich etwas ansprechbar war, damit sie ihm richtig helfen konnten.
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Brauch jemand Taschentücher? *kuschelkissenverteil*
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Mittwoch, 24.05.
Schauspielern ist schwerer, als die Leute denken, aber es ist fantastisch. Ich liebe jede Sekunde davon.
Daniel Radcliffe