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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Wahre Freunde

von Alex2303

Oha,

gar keiner weiter da?
:(

Ich wünsche euch trotzdem viel Spaß mit dem nächsten Chap.

Gruß,

*Nachteule* Alex


۩ ۞ ۩


Am Donnerstag, dem zweiten November, lief der allgemeine Schultrott und damit auch der Unterricht wieder an. Von den dunklen Ereignissen der Halloweennacht, hatte niemand weiter etwas mitbekommen. Stattdessen schwärmten die Schüler von der gelungenen Feier und freuten sich bereits auf die nächste, den Winterball, der für den 20.12. angesetzt. Die Schülerinnen hinderte es jedoch nicht daran, es sich bereits jetzt in allen Einzelheiten auszumalen.
Von all dem vollkommen unbeeindruckt, war der kleine Haufen Siebtklässler, aus Gryffindor und Slytherin, bei denen als einzige gedrückte Stimmung herrschte. Hinzu kam, dass die Hälfte fehlte. Während sich Theo und Tracey seit einer Weile ohnehin einen Tisch mit Sally, Dean, Seamus und Parvati teilten, blieb Harry mit den Greengras Schwestern, Neville, Luna und Ginny allein an ihrem Tisch. Letztere sah ziemlich fertig aus, da sie kaum geschlafen hatte. Das machte sie zudem recht übellaunig, was die Sorgen um Hermione minimal kaschierte, denn ihre Freundin lag auch weiter mit Fieber, Schmerzen und einer tiefen Apathie, die Madam Pomfrey auf die lähmende Wirkung der Gifte schob, im Krankenflügel.
Ginny hatte nicht wirklich etwas aus ihr herausbekommen, nachdem sie in Tränen ausgebrochen war. Dank Rons erneuter Schimpfkanonade am vergangenen Abend, rotierte der Gedanke aber immer stärker in ihrem Kopf umher, dass Draco doch mehr Schuld an der Sache hatte, als sie anfangs bereit war zu glauben. Nicht zuletzt auch, weil der Blödmann noch keine Minute Zeit gefunden hatte, nach Hermione zu sehen, was ihr vielleicht helfen würde.
Zwar hatte Harry ihr von dem Ärger mit dem Ministerium erzählt, was sie ja noch halb miterlebt hatte, als diese Briefe gekommen waren. Allerdings schien die Sache glimpflich ausgegangen zu sein, denn Draco war ja noch im Schloss, was das Unverständnis in Ginny zusätzlich schürte, da er sich nicht bei Hermione blicken ließ. Das wurde im Laufe des Tages auch nicht besser, denn nebst Draco, blieben auch Blaise und Charlie dem Unterricht fern, was Harry ein wenig zu denken gab.
Zwar wusste er durch Tonks, die ihm am vergangenen Abend noch seine Karte zurückgegeben hatte, dass Draco in den Kerkern aufgetaucht war und Blaise und Charlie ein Auge auf ihn hatten. Nur wo blieben die Beiden jetzt? Die Schwestern hatten ihm darauf auch keine Antwort geben können oder geben wollen, denn er hatte den Eindruck, dass sie mit etwas hinter dem Berg hielten.
Keiner der Löwen ahnte zu dem Zeitpunkt im Geringsten, dass nicht nur Hermione unter den Folgen der Halloweennacht litt. Auch in den Kerkern herrschte gedrückte Stimmung. Seit der vergangenen Nacht hatte es bereits an die 100-mal gescherbelt. Blaise und Charlie bekamen ihren Freund jedoch nicht gebändigt. Inzwischen hatten sie auch aufgegeben, Charlies Zimmer nach den Explosionen instand zu setzen. Nach einer halben Stunde herrschte ohnehin neues Chaos.
Draco selbst bekam von alldem nur am Rande etwas mit. So kam es dann auch, dass Astoria und Daphne nach dem Unterricht nach den Dreien sehen und mit ihnen reden wollten. Mit dabei hatten sie noch ein paar Sandwiches, da die Jungs weder beim Frühstück, noch Mittagessen waren. Gestern Abend waren sie auch nicht mehr aus Charlies Zimmer rausgekommen, nachdem sie mit Draco in diesem verschwunden waren. Auf Daphnes erschrockene Frage, was denn passiert sei, hatten die Schwestern auch keine Antwort bekommen. Seither war Charlies Tür verschlossen, an die Daphne nun vorsichtig klopfen wollte. Sie kam nicht dazu, da es im Innern krachte, worauf sich die Schwestern verunsichert ansahen.
„Was treiben die Drei?“, murmelte Astoria. „Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich das wissen will“, entgegnete Daphne ihr mit einem mulmigen Gefühl und klopfte kurz. Allerdings rührte sich nichts, sodass sie es nochmal versuchte und nach ihrem Freund rief. Keine Reaktion, weshalb sie nach dem Knauf griff und diesen drehte. Zu ihrer Überraschung hörte sie ein leises Klick, mit dem sich die Tür öffnete, die sie einen Spaltbreit auf schob.
„Charlie? Alles okay bei euch? Dürfen wir reinkommen?“ Leises, undeutliches Gemurmel war alles, was Daphne zu hören bekam, worauf sie schluckte und die Tür behutsam ganz öffnete. Als sie jedoch das zerstörerische Ausmaß dahinter erblickte, glitt ihr der Teller aus der Hand, sodass die eine Hälfte der Sandwiches auf dem Boden landete.
„Was bei Merlin. . .“, murmelte sie fassungslos. Auch Astorias Augen wurden riesengroß, als sie in das Zimmer schaute, denn dort sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Lediglich das Bett war noch halbwegs intakt, auf dem Blaise halb hockte und beruhigend auf Draco einredete, der zittrig, keuchend unter ihm lag.
„Was macht ihr hier?!“, hörten die Mädchen Charlie teils fertig, teils aufgebracht. „Was ist hier los? Was. . .“, wusste Daphne nicht, was sie sagen sollte, zumal ihr Freund auch recht erschöpft aussah. Abgekämpft. Zeitgleich ließ Blaise ein wenig von Draco ab, der sich noch immer zitternd auf die Seite drehte und schmerzlich zusammenkrampfte. Ihm war es, als würde Lava durch seine Adern fließen, die drohte, ihn zu verbrennen und zu zerreißen.
„Was ist mit Draco?“, fragte Daphne auf seinen desolaten Anblick geschockt. „Kollaps“, war alles, was Charlie dazu sagte, bevor er die Mädchen mit diesem Wort stehen ließ, die so viel verstanden wie vorher. Daphne beseitigte dann allerdings ihr kleines Malheur, während Astoria eine Abstellmöglichkeit für ihren Teller suchte, die nicht auf den kleinsten Wink zusammenkrachte. In der Zwischenzeit war Charlie bei Draco, der noch immer etwas nach der Bettdecke krampfte und schwer keuchte.
„Komm, ganz ruhig“, sprach er ihm gut zu. Sein Freund schloss daraufhin aber nur schmerzlich die Augen und drehte das bleiche, leicht verschwitzte Gesicht ins Kissen: „Lasst mich in Ruhe“ murmelte er gequält. Charlie sagte dazu nichts. Ihm und Blaise war nur zu bitter bewusst, dass Draco einfach nicht mehr konnte und mittlerweile auch nicht mehr wollte. Letzterem versuchten sie trotz allem entgegenzuwirken und ihn nicht allein zu lassen. Das wäre Gift in seinem Zustand, auch wenn er in den letzten Stunden wieder etwas klarer im Kopf und damit halbwegs ansprechbar war. Es änderte nichts an den eigentlichen Problemen.
Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass die Sache mit Hermione so katastrophal verlaufen war. Nein, das Ministerium musste auch noch mitspielen und sie piesacken. Was hätten sie aber anderes tun sollen, außer auf Flüche zurückzugreifen? Sich fressen lassen, nur damit die blöden Gesetze gewahrt blieben? Na vielen Dank auch.
Es war nicht fair und vor allem grausam, wenn sie Draco am Ende tatsächlich einen Strick daraus drehten, dass er sein Leben und das seiner Freunde versucht hatte, vor diesen Viechern zu schützen. Zumal er nicht der Einzige war, der Flüche gewirkt hatte. Nur war Draco der Einzige, der zum einen strenge Auflagen hatte und dem man zum anderen jeden einzelnen Fluch richtig nachweisen konnte, die zudem auch mehr als pikant waren. Dagegen waren die Flüche, die Charlie selbst, Blaise und Harry gewirkt hatten, noch verhältnismäßig harmlos. Dennoch. Es war nicht fair!
„Charlie?“, gewahrte der Brünette seine Freundin wieder, die er bereits vergessen hatte. Sie und Astoria standen aber noch immer verunsichert in seinem Zimmer und sahen immer wieder zu Draco, was Blaise knurren ließ. Er funkelte Charlie kurz sauer an, der daraufhin die beiden Mädchen recht ruppig aus seinem Zimmer dirigierte.
„Kein Wort zu irgendwem! Ihr habt nichts gesehen. Verstanden?“, knurrte er die Beiden draußen kurz warnend an, bevor er wieder in seinem Zimmer verschwinden wollte. Daphne hielt ihn allerdings am Arm fest. „Verdammt Charlie!“, zischte sie, weniger aus Wut, als mehr aus Sorge, denn was auch immer in dem Zimmer vor sich ging, es tat keinem der Drei gut.
„Was ist hier los?“, verlangte sie mit Nachdruck zu wissen, wo Astoria dann noch zaghaft fragte: „Können wir euch irgendwie helfen?“ „Nein. Lasst Blaise und mich einfach machen“, murrte Charlie „Ihr solltet Draco in den Krankenflügel bringen!“, appellierte Daphne. „So wie er aussieht, da. . .“ „Auf gar keinen Fall!“, unterbrach Charlie sie entschieden mit funkelnden Augen.
„McGonagall würde ihn nur irgendwo einweisen lassen, wenn sie mitbekommt, dass seine Magie wieder so wild ausschlägt. Es würde ihm dann nur noch dreckiger gehen.“ „Und du denkst, du und Blaise kriegt das alleine geregelt? Glaub ich dir sofort, so wie es da drin aussieht!“, zischte Daphne und deutete aufgebracht auf Charlies Tür, der mit den Zähnen mahlte, sodass sie wieder ruhiger meinte: „Wie wollt ihr das überhaupt machen? Ihr seid doch beide total erledigt, so fertig, wie ihr ausseht. Habt ihr letzte Nacht überhaupt geschlafen?“ Darauf gab er ihr keine Antwort, was Daphne Antwort genug war. Sie trat ganz zu ihm und strich ihm beruhigend durch die Haare, was er erschöpft hinnahm.
„Bei dem ganzen Mist, da. . . Du und Blaise, ihr könnt das nicht allein stemmen. Draco seid ihr am Ende auch keine Hilfe mehr, wenn ihr euch noch mehr zumutet und übernehmt, also lasst uns helfen. Ihr steht jetzt doch nicht mehr allein mit allem da, so wie früher. Draco ist schließlich auch unser Freund“, bat sie, was er nach und nach einzusehen begann.
„Vermutlich hast du Recht“, murmelte er müde und sank mit dem Kopf erschöpft gegen Daphnes Schulter, die ihn am Hinterkopf zu kraulen begann und ein kleines Küsschen auf die Schläfe hauchte. „Leg dich hin. Astoria und ich, wir können auch ein Auge auf Draco werfen, wenn euch das lieber ist. Wenn was ist, holen wir dich und Blaise“, schlug sie vor, was er jedoch kopfschüttelnd ablehnte und sie schließlich wieder ansah.
„Nein. Draco reagiert ja schon kaum auf Blaise und mich. Wenn ihr uns helfen wollt, dann. . .“, brach er kurz ab und sah zu Astoria. „Kannst du nochmal was aus der Küche holen? Für Blaise sind die Sandwiches doch nur was für den hohlen Zahn“, scherzte er schwach. „Sicher“, lächelte Astoria ein wenig und machte sich gleich auf den Weg, sodass er zu Daphne sah, mit der er in seinen alten Schlafsaal verschwand. Dort kramte er ein Pergament hervor und begann diverse Sachen zu notieren und zu einem Brief zusammenzufassen, den er ihr reichte.
„Kannst du den in die Eulerei bringen? Ich brauch Zeug von meinem Vater und. . .“, der Rest seiner Worte erstickte an ihren Lippen, mit denen sie ihn sanft küsste. Kurz darauf sah sie ihn wieder an und las nun noch deutlicher die Erschöpfung in seinen Augen.
„Leg dich dann trotzdem hin. Wenigstens zwei Stunden. Solange kommt Blaise sicher alleine klar. Danach kann er sich ja für ein paar Stunden aufs Ohr hauen, wenn ihr Draco nicht komplett aus den Augen lassen wollt“, schlug sie ihm vor, worauf er nickte. „Danke.“

۩ ۞ ۩


Am Freitag und Samstag blieben die beiden Schlangen den Anderen auch weiter komplett fern, denen Daphne und Astoria stets etwas zu Essen in die Kerker brachten. Draco sah von Mal zu Mal aber schlechter aus, sodass sie nochmal anmerkten, dass er in den Krankenflügel gehörte. Charlie und Blaise wiegelten den Vorschlag jedoch aufs Neue ab. Sie wussten eher noch, als die Schwestern, was gut für ihn war. Darüber hinaus blieb das Problem mit den Spontanzaubern, was die Mädchen am Freitagnachmittag dann auch das erste Mal richtig miterlebt hatten.
Aber auch bei den Löwen köchelte es immer stärker. Ron wurde einfach nicht müde herumzukrakeelen, dass Draco an allem Schuld hätte, wie er seinen Freunden schon die ganze Zeit prophezeit hatte. Und je öfter er das sagte, desto mehr begann er Ginny mit diesen giftigen Gedanken zu infizieren, deren Laune ohnehin immer stärker nach unten in wütende Gefilde driftete.
Sie verstand das alles einfach nicht, denn immer wenn sie Draco vorsichtig erwähnte, oder fragte, was denn passiert sei, brach Hermione aufs Neue in Tränen aus. Für Ginny ein immer deutlicheres Indiz, dass Draco etwas ziemlich Mieses mit ihr gemacht haben musste, andernfalls würde sie kaum so heftig reagieren. Die Tatsache, dass der Blonde, aber auch Blaise und Charlie, ihnen allen, allen voran Hermione, nach wie vor so konsequent fern blieben, machte es nicht gerade besser.
Warum? Merlin, sie hatten doch gesehen, wie schlimm es ihre Freundin erwischt hatte. War Draco vielleicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt, aufgrund der Sache mit dem Ministerium? Hatte er das Interesse an Hermione verloren, oder sollte Ron am Ende mit seiner krankhaften Vorstellung tatsächlich Recht behalten? Hatte der Blonde ihre Freundin wirklich nur ausgenutzt und mit ihr gespielt? Durch sein Fernbleiben, kratzte selbst dieser Gedanke gemeingefährlich an der Rothaarigen.
Sie hatte deshalb Donnerstagnachmittag versucht, Blaise wegen der Geschichte zur Rede zu stellen, da Hermione auf ihre Fragen erneut in Tränen ausgebrochen war. Bis zu Blaise war sie aber gar nicht gekommen, da sich die Mauer zu den Kerkern nicht hatte öffnen wollen. Das Passwort stimmte nicht mehr. Zwar war dann Daphne aus dem Gemeinschaftsraum gekommen, nur hatte die sie etwas zusammenhanglos abgewimmelt, dass es gerade ziemlich schlecht wäre und Blaise auch gar keine Zeit hätte, sie ihm aber ausrichten würde, dass sie ihn hatte sprechen wollen. Damit war die Blonde eilig nach oben verschwunden, der Ginny fassungslos hinterher gesehen hatte.
Nicht viel weniger Gedanken machte sich Harry deswegen. Dass Ginny mittlerweile stinksauer war, konnte er zu einem gewissen Punkt sogar noch nachvollziehen. Allerdings hatte sie die gleiche, dumme Angewohnheit, wie Ron, sich in ihrem Trotzkopf zu verlieren, wenn sie der Meinung war, im Recht zu sein.
Dennoch teilte er ihre Gedanken nicht, wenngleich er sich über die Abwesenheit der Drei genauso wunderte, was durch das etwas seltsame Verhalten von Daphne und Astoria auch nicht besser wurde, denn sie redeten nicht weiter mit ihnen, was sich Samstag nach dem Mittagessen jedoch ändern sollte. Ginny hatte sich bereits in den Krankenflügel verdrückt und Daphne war mit drei Lunchpaketen auf dem Weg runter in die Kerker, als Astoria zu Harry trat.
„Kann ich dich mal sprechen?“, hauchte sie vorsichtig, nicht sicher, ob Harry überhaupt gewillt war, mit ihr zu reden, denn auch Harry verhielt sich, in Astorias Augen, ein wenig distanziert. Auf ihre, fast schon scheue Frage, nickte er allerdings und ging schließlich ein Stück mit ihr.
„Wie geht es Hermione jetzt eigentlich? Etwas besser?“, erkundigte sie sich nach einer kleinen Weile nach der Gryffindor, um irgendwie einen Einstieg zu finden. „Teils. Die Wunde ist ausgeheilt. Sie hat auch nur noch leichtes Fieber, aber sie redet nicht mit uns. Ich hab den Eindruck, dass sie gar nicht richtig da ist.“ „Kommt mir bekannt vor“, murmelte Astoria, was Harry fragend schauen ließ. „Was meinst du?“ „Hm? Na ja, es. . . Ich . . . uhm. . . Draco. Er. . .“ „Wo steckt der überhaupt die ganze Zeit?“, unterbrach Harry sie ein wenig scharf.
„Er ist bei uns unten. Blaise und Charlie kümmern sich um ihn.“ „Warum?“ „Weil es ihm ziemlich schlecht geht.“ Auf die Aussage sah Harry sie zweifelnd an. „Er war doch gar nicht weiter verletzt.“ „Nein, das nicht. Aber so wie er aussieht, müsste er eigentlich in den Krankenflügel. Die Jungs denken aber, dass es dort noch schlimmer werden würde. Charlie hat sich deshalb auch schon diverse Tränke von seinem Vater schicken lassen“, erklärte sie weiter, was Harrys Augenbraue immer skeptischer nach oben in seine struppigen Haare wandern ließ.
„Du glaubst mir nicht.“ „Ich sag mal so, es fällt mir schwer das zu glauben.“ „Es geht ihm aber wirklich dreckig. Ich hab ihn die vergangenen Tage immer wieder beobachtet, wenn wir bei den Jungs waren. Er ist total apathisch, hat seit Tagen nichts gegessen und scheint obendrein auch Schmerzen zu haben. Keine Ahnung weshalb. Blaise und Charlie erzählen auch nichts weiter, aber es macht mir echt Angst“, erklärte sie und sah ihn bitter an, worauf er kurz schwieg und in sich ging. Irgendwie wollten sich die ganzen Informationen in seinem Kopf zu keinem wirklichen Bild zusammensetzen, egal von welchem Punkt er es anging.
„Ich schätze mal, Draco hat euch nicht erzählt, was passiert ist, bevor Hermione in den Wald gestürzt ist?“ „Nein. Also. . . Daphne und mir zumindest nicht. Wie gesagt, er redet ja auch nicht. Und ob Blaise und Charlie etwas wissen. . . Keine Ahnung“, zuckte sie ratlos mit den Schultern, was Harry brummeln ließ. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn mal etwas Licht ins Dunkel käme.
„Ich kann ja versuchen, sie zu fragen“, schlug Astoria vor, worauf er nickte. „Ich werd mal nach Hermione sehen“, murmelte er und blickte nochmal kurz auf die kleine Slytherin herab, deren Augen auch weiter unsicher auf ihm lagen, sodass er sich zu einem Lächeln zwang, bevor er in den Gängen verschwand, dem Astoria traurig nach sah.

۩ ۞ ۩


Im Separee der Medihexe herrschte gedrücktes Schweigen. Ginny hatte erneut versucht, mit Hermione zu reden und über sich selbst gescherzt, dass sie gestern in Zaubertränke den Kessel in die Luft gejagt hatte. Slughorn war davon allerdings weniger begeistert gewesen.
Doch ganz gleich was sie sagte, Hermione reagierte in keinster Weise auf ihre Erzählungen. Sie reagierte auf gar nichts. Lediglich die Erwähnung Dracos, vermochte ihr eine Reaktion zu entlocken, auch wenn die von Verzweiflung und Schmerz geprägt war. Ginny hatte sich deshalb fest vorgenommen, kein Wort mehr über den Blonden zu verlieren, als Harry auftauchte.
„Hey“, hauchte er leise und schloss beinahe lautlos die Tür hinter sich, bevor er auf dem zweiten Stuhl Platz nahm und seine langjährige Freundin aufmunternd anlächelte. „Wie fühlst du dich?“, erkundigte er sich in der Hoffnung, diesmal Antwort zu bekommen, erntete jedoch nur tiefes Schweigen. Ein kurzer Blick zu Ginny, die bedrückt mit dem Kopf schüttelte, machte ihm deutlich, dass sie ebenfalls vergeblich versucht hatte, ihrer Freundin eine Regung zu entlocken.
„Mione, hör mal“, begann er ernst und nahm ihre Hand, die kalt und schlaff in seiner lag. „Ich weiß, dir geht's nicht gut und das irgendetwas Schlimmes passiert ist, worüber du im Moment nicht reden willst. Das versteh ich. Wirklich. Aber wir machen uns echt Sorgen um dich und wollen dir helfen, nur können wir das nicht, wenn du uns nichts sagst.“ „Harry. . .“, begann Ginny leise zischend und warf ihm einen warnenden Blick zu, was er allerdings ignorierte.
„Ich weiß nicht was zwischen dir und Draco passiert ist. . .“, kam er auf den Blonden zu sprechen und nahm beinahe zeitgleich ein Zucken in Hermiones Augen war, die nur einen Moment später leicht zu schwimmen begannen.
„. . . die Jungs haben aber irgendwas von einem Missverständnis gesagt und. . .“ „Man, hör auf!“, schimpfte Ginny, als Hermione der erste, kleine Schluchzer aus der Kehle drang und sie gequält die Augen schloss. „Musst du mit dem Idioten anfangen?“, fauchte Ginny und baute sich bedrohlich vor Harry auf, der Hermiones Hand losließ. Nur einen Moment später rollte sich die Hexe noch stärker unter ihrer Decke zusammen und vergrub das bereits tränennasse Gesicht in ihrem Kissen.
„Du weißt doch, dass ihr das wehtut!“, schimpfte Ginny weiter und scheuchte ihn letztlich aus dem kleinen Zimmer, bevor sie draußen weiter meckerte. „Merlin allein weiß, was er ihr angetan hat und. . .“ „Genau!“, unterbrach Harry sie rasch. „Wir wissen gar nichts. Weder was genau passiert ist, noch was in Hermione oder Draco vor sich geht. Wir. . .“ „Ich kann dir sagen, was in dem Blödmann vor sich geht. Er ist ein verdammter Egoist und Arsch, wenn er sich nicht mal fünf Minuten Zeit für Mione nimmt und. . .“ „Er liegt flach.“ „Was?“, stutzte Ginny, sodass Harry gleich nachsetzte.
„Er liegt selber flach. Astoria hat es mir vorhin gesagt.“ „Ich seh ihn aber nirgends im Krankenflügel!“, warf sie ihm schnippisch zu, worauf er kurz die Augen verdrehte, bevor er weiter meinte: „Weil sich Blaise und Charlie in den Kerkern um ihn kümmern.“ „Und da hat Charlie es noch nicht geschafft, ihn wieder zusammenzuflicken? Überhaupt. Was soll ihm bitte fehlen? Er hat doch gar nichts weiter abbekommen.“ „Ich weiß es nicht. Mensch Ginny, denk doch mal vernünftig. Selbst wenn sich die Beiden gestritten haben, würde Hermione trotzdem nicht so sehr in Tränen ausbrechen, wenn wir von ihm sprechen. So, wie sie sich benimmt, kommt es mir eher so vor, als wäre jemand gestorben. Du warst du doch dabei, als Hermione in den Wald gerannt ist. Draco ist auf den Anblick richtig panisch geworden. Er hatte Angst um sie. Er. . .“ „Warum ist er dann nicht hier!?“, wurde sie laut, worauf sich Harry die Haare raufte.
„Du fängst schon genauso an wie Ron!“, stöhnte er, was sie richtig fuchtig machte. „Vergleich mich nicht mit Ron! Ich mach mir nur Sorgen um Hermione!“ „Ja! Und genau so fing es bei ihm auch an. Du beschuldigst Draco völlig blind, ohne den kleinsten Anhaltspunkt. Und selbst wenn du einen hast. . .“, setzte er sofort nach, als sie Luft holte, um ihm irgendwas an den Kopf zu werfen.
„. . . kennst du noch lange nicht die Hintergründe! Und so lange Hermione nicht redet und uns sagt, was wirklich passiert ist, werde ich Draco auch nicht die Schuld dafür geben. Am Ende ist alles vollkommen anders, als wir denken oder vermuten und wenn nicht, kann ich ihm immer noch eine reinhauen. Bis dahin halte ich mich mit irgendwelchen Verdächtigungen und Anschuldigungen zurück und das solltest du verdammt nochmal auch tun. Schließlich waren du und Hermione es, die ihre Vorurteile runtergeschluckt und sich mit Blaise und Charlie angefreundet haben. Ihr habt mir doch immer wieder auf die Füße getreten, dass ich die Dinge nicht so stur sehen soll. Daran solltest du dich jetzt vielleicht auch mal halten!“ Damit rauschte Harry sauer ab, dem Ginny ihrerseits mit vor Wut funkelnden Augen nachsah, bevor sie sich wieder zu Hermione begab, die noch immer so bitterlich weinte. Für Ginny war ihre Freundin im Augenblick der einzige Mensch, der ihr Mitgefühl und Verständnis verdiente.

۩ ۞ ۩


Später am Nachmittag ließ ein heftiges Pocken an der Fensterscheibe Tonks von ihrer Arbeit auf sehen. Auf dem steinernen Sims entdeckte sie eine Eule, die dermaßen aggressiv mit dem Schnabel gegen das Glas schlug, dass die Aurorin bereits Angst hatte, die Eule würde die Scheibe zertrümmern.
Als sie ihr öffnete, flog der durchgeweichte Vogel ungeniert in ihr Wohnzimmer, setzte sich auf die Lehne ihres Stuhles und schüttelte erstmal kräftig sein Gefieder aus, wobei er Tonks' Akten reichlich mit dem Regenwasser besudelte, worauf sie wütend auf die dreiste Eule sah.
„Na vielen Dank auch!“, meckerte sie. Der Vogel schenkte ihr aber nur einen desinteressierten Blick und hielt gelangweilt sein Bein mit dem halb aufgeweichten Brief hoch. Auf diesen sah Tonks für geschlagene zehn Sekunden mit klopfenden Herzen, denn auf dem Umschlag prangte das Siegel des Gamots. Sie hatten getagt und entschieden. Nur was?
Das Krächzen des Vogels riss sie allerdings sofort aus ihren Gedanken, noch bevor sie richtig in diesen versinken konnte. Offensichtlich wollte das Vieh seinen Keks, nur bekam die Eule keinen, da Tonks stattdessen hastig den Brief aufriss und den Inhalt gierig verschlang. Den letzten Absatz musste sie dreimal lesen.

„. . . In Anbetracht der lebensbedrohlichen Umstände, in denen sich die Schüler befunden haben, sind wir zu dem Schluss gekommen, den Verstoß des Bewährungspunktes 2, Anwendung schwarzmagischer Flüche, nicht weiter zu ahnden. Wir weisen Sie dennoch scharf darauf hin, dass derartige Handlungen kein zweites Mal vorkommen sollten! Anbei senden wir Ihnen den Zauberstab von Draco Lucius Malfoy.

Mit freundlichen Grüßen

Linna Rogers,
Beauftragte des Hohen Rates“


Wieder krächzte der blöde Vogel, den Tonks nun knuddeln wollte. Die Eule fand die Schmuseattacke der Aurorin allerdings weniger erfreulich und hackte und kratzte, was das Zeug hielt, sodass Tonks zischend von dem Federvieh abließ.
Der Vogel kreischte noch kurz und zog es vor, ohne seinen Keks zu verschwinden. Auf seinem Weg nach draußen, riss er allerdings recht dreist noch eine der Stehlampen um. Tonks kümmerte sich nicht weiter darum, sondern grinste noch immer breit über das ganze Gesicht, bevor sie sich eilig in Richtung Kerker begab. Das würde Dracos Laune und die von Blaise und Charlie sicherlich heben.
Vor der Steinmauer hatte sie dann aber wieder Pech, denn das Passwort, was ihr Blaise vor ein paar Tagen gegeben hatte, stimmte plötzlich nicht mehr, sodass sie grummelnd leicht mit dem Fuß gegen die Wand trat. Kurz darauf zückte sie ihren Stab und schickte ihren Patronus zu Blaise. Sie musste keine zwei Minuten warten, bis der Slytherin vor ihr stand. Und zwar mit dicken Ringen unter den Augen und schlechter Laune, was bei ihm etwas ganz ungewöhnliches war.
„Was?“, brummte er, bevor seine rechte Augenbraue skeptisch nach oben wanderte. „Bist du in einen Dornenbusch gestolpert, oder wo hast du dich rumgetrieben?“ „Was?“, verstand Tonks nicht und fasste sich kurz ins Gesicht, wo der Schmerz jetzt erst zu pochen begann und sie etwas Blut an den Fingerspitzen hatte.
„Oh“, war alles, was ihr auf den Anblick einfiel. Blaise schüttelte mit dem Kopf und nahm die tollpatschige Aurorin mit sich, damit Charlie nach ihr sehen konnte. Als Tonks das Zimmer des Slytherin betrat, fiel ihr Blick als erstes auf Draco, der in Charlies Bett ein wenig zusammengerollt auf der Seite lag. Er hatte die Augen zwar offen, diese wirkten jedoch noch immer leer. Zudem hatte er weitaus mehr Ringe und dunkle Schatten um diese, als Blaise und Charlie zusammen. Und die Beiden sahen schon recht fertig aus.
„Habt ihr nicht geschlafen?“, warf sie mit einem Anflug von Sorge in den Raum, was die beiden Jungs überhörten. Stattdessen kam Blaise auf den Grund ihres Besuches zurück, während sich Charlie um ihre Schrammen kümmerte.
„Hast du nicht was von Neuigkeiten gesagt?“ „Was? Ach so, ja“, fand sie den Faden wieder und begann erneut zu grinsen, bevor sie sich den Brief nahm und Dracos Zauberstab aus diesem fischte, was sich Blaise mit größer werdenden Augen besah. Als sie ihm schmunzelnd den Brief reichte, riss er ihr den halb aus der Hand und begann eifrig mit Charlie zu lesen, während sich Tonks zu Draco auf den Rand des Bettes setzte und ihm kurz durch die Haare strich.
„Ich hab gute Nachrichten für dich“, begann sie lächelnd, allerdings rührte er sich nicht. Blaise stieß indes einen freudigen Jauchzer aus und knutschte, in seiner Euphorie, Charlie ab, da er dummerweise gerade neben ihm stand.
„EY!“, schimpfte dieser und wischte sich angeekelt mit dem Handrücken über die Wange. „Mach das mit Tonks, aber nicht mit mir!“ „Jetzt mecker nicht!“, grinste Blaise und sah freudig zu Draco, dem Tonks noch immer durch die Haare strich als sie ihm erklärte: „Das Ministerium hat sich gemeldet. Sie werden die Sache mit den Flüchen nicht weiter verfolgen. Dir wird nichts passieren. Das ist doch toll!“, strahlte Tonks, nur kam von Draco auch weiter keine Reaktion.
„Freust du dich nicht?“, erkundigte sie sich und strich ihm über die blass-kalte Wange. „Draco?“, rief sie ihn, da sein Blick so leer blieb, wie Dienstagnacht. Kurz darauf sah sie fragend zu Blaise und Charlie. Blaise überlegte dann auch kurz, bevor er kaum hörbar hauchte: „Ich glaube das . . . uhm . . . Hermione.“ Damit fiel bei Tonks die Galleone, die sich wieder auf Draco konzentrierte.
„Ich hab heute Morgen mal mit Poppy gesprochen. Hermione geht es soweit wieder gut. Sie ist wohl nur noch etwas benommen und schlapp, könnte den Krankenflügel morgen aber wieder verlassen. Wenn du willst, da. . . Ich kann ja mal mit ihr reden, hm?“, schlug sie ihm aufmunternd vor, worauf etwas in seinen Augen blitzte, die damit wieder die erste Form von Leben zeigten. Jedoch gänzlich anders, als sich das Blaise, Charlie und Tonks dachten, denn Draco schnappte sich nur rasch seinen Zauberstab und verschwand schneller aus Charlies Zimmer, als die Drei gucken konnten.
„Draco!“, rief Blaise noch und wollte ihm nach, rannte allerdings mit voller Wucht gegen die massive Kiefernholztür, die nicht mehr aufgehen wollte. „Scheiße“, murmelte er und rieb sich die Nase. „Hat er. . .“, begann Charlie, in einer dumpfen Ahnung, die ihm Blaise grummelnd bestätigte. „Ja!“ „Was?“, wunderte sich Tonks und trat selbst an die Tür, die auch auf ihren Versuch nicht nachgab. Auch der Alohomora wollte nicht.
„Was hat er. . .“ „Geblockt. Ein einfacher Zauber zum Schutz der Privatsphäre. Verliert auf öffentlichen oder fremden Räumen nach fünf bis zehn Minuten aber seine Wirkung.“ „Solange kommen wir nicht raus?“, fragte Tonks leicht fassungslos. „Nein. Es sei denn, du ziehst den Bombarda vor und jagst uns alle in die Luft“, gab Charlie ihr genüsslich zu verstehen, bevor er sich erschöpft auf sein Bett fallen ließ.

۩ ۞ ۩


Noch immer etwas sauer auf Ginny und ihren störrischen Dickkopf, machte sich Harry auf den Weg in den siebten Stock zu seinem Gemeinschaftsraum. Als er im Dritten war, fiel sein Blick mehr zufällig aus einem der hohen Fenster, hinter denen es mal wieder Bindfäden goss. Er staunte, dass es bei den Temperaturen noch kein Schnee oder zumindest Schneeregen war. Allerdings erregte hinter den grauen Regenschleiern dann noch etwas anderes seine Aufmerksamkeit, was ihn doch verwunderte. Hatte Astoria nicht gesagt, er wäre krank oder so?
Neugierig, und weil er endlich von irgendwem eine klare Antwort haben wollte, machte er kehrt und stieg die vielen Treppen wieder runter bis ins Erdgeschoss, wo er über das Große Portal in den Innenhof gelangte. Am Zugang zu diesem organisierte er sich nur noch einen Schirm und verschwand schließlich ganz auf dem Gelände. Zu seinem Glück wehte kein Wind, andernfalls hätte ihm sein Schirm auch nichts genutzt und er wäre binnen weniger Minuten klatschnass geworden.
So suchte er sich seinen Weg über das Gelände, wo er die schmale Gestalt schließlich am Ufer des Großen Sees entdeckte. Der Blonde saß auf der Lehne einer der Steinbänke und blickte ausdruckslos auf den See. Außer dem Schulhemd und der Stoffhose, hatte er nichts weiter bei sich. Da war kein Mantel, noch weniger ein Schirm, sodass Harry ihn letztlich mit unter seinen nahm und dadurch den Eisregen von seinem Körper fernhielt. Draco bemerkte es nur am Rande, dessen Augen sich minimal in Harrys Richtung bewegten, bevor er wieder ausdruckslos auf den See sah, der verheißungsvoll ein Lied für ihn zu singen schien.
„Du holst dir `ne Lungenentzündung, wenn du hier bleibst“, rieb Harry ihm ein wenig unter die Nase, bekam aber keine Antwort darauf, weshalb der Gryffindor ihn eingehender zu mustern begann und dabei verstand, was Astoria ihm hatte sagen wollen. Er erkannte, dass es keine äußeren Verletzungen oder dergleichen waren, sondern etwas Mentales. Er hatte hier nur zu offensichtlich einen Menschen neben sich, der in seinem Kummer zu versinken drohte, weshalb er versuchte, mit ihm über alles zu reden.
„Was ist los?“, begann Harry ein wenig ungelenk und erntete Schweigen. „Draco, komm schon. Was ist passiert?“ „Lass mich in Ruhe. Verschwinde“, murmelte er Harry tonlos entgegen, der kurz tief durchatmete und sich zur Ruhe mahnte, bevor er es anders versuchte.
„Nein. Hör zu, es ist für uns alle nur zu offensichtlich, dass irgendwas faul ist. Dass hier etwas ganz anderes im Vordergrund steht, als Hermiones Verletzungen oder deine Probleme mit dem Ministerium. Sie redet nicht mit uns und bricht jedes Mal in Tränen aus, wenn wir dich erwähnen und du siehst auch alles andere als glücklich aus. Also, was ist passiert? Wir können euch nicht helfen, wenn ihr nicht mit uns redet“, mahnte Harry auch ihn, erntete aber wieder nur Schweigen, was zunehmend an ihm nagte.
Er wollte Antworten! Er wollte diese Spannungen, die in den letzten Tagen zwischen Löwen und Schlangen aufs Neue gewachsen waren, nicht noch länger um sie alle herum wissen. Es war Gift. Gift, was er beinahe ausgemerzt geglaubt hatte. Nun war es wieder da und schien aufs Neue an Stärke zu gewinnen und das, glaubte man Blaise, wegen eines Missverständnisses zwischen den beiden Schulsprechern, die für alle ein gewisses Vorbild geworden waren. Auch für Harry selbst. Darüber hinaus war da ja auch noch mehr, was er zögerlich ansprach.
„Ich weiß, dass du . . . also . . . dass Hermione dir mehr bedeutet. Dass du. . .“ „Sie hasst mich“, unterbrach Draco Harry in einem tonlosen Murmeln, sodass der Held kurz stutzte, bevor er ihm ruhig widersprach. „Das tut sie nicht. Ganz sicher nicht. Hermione kann nicht hassen. Sie wird höchstens wütend und macht einen zur Schnecke, aber sie hasst nicht. Glaub mir. Wenn es bloß ein blödes Missverständnis ist, kann ich versuchen, mal mit Mione zu reden“, schlug er Draco vor. „Du glaubst mir eh nicht. Hermione wollte mir nicht mal zuhören“, murmelte er immer leiser und senkte schließlich betrübt das Haupt. Als Harry ihm etwas in die teils leeren Augen sah, schienen diese ein wenig feucht zu schimmern.
„Versuch es. Ich mein. . . Ich weiß, wie verbohrt und stur Hermione sein kann, wenn etwas nicht so läuft, wie sie sich das gedacht hat. Ist wahrscheinlich eine Frauenkrankheit. Ginny ist da noch schlimmer, glaub mir. Da geht man lieber in Deckung“, versuchte Harry zu scherzen und nahm erleichtert das schwache Zucken um Dracos Mundwinkel zur Kenntnis.
Der Blonde schwieg dann auch noch einen Moment, bevor er etwas zusammenhanglos meinte: „Du erinnerst dich an Hermiones Ballbegleitung vor zwei Jahren?“ „Sicher. Aber was hat der Typ jetzt damit zu tun?“, wunderte sich Harry, zu dem sich Draco etwas neigte und ihm richtig in die grünen Augen sah.
„Ich war der Typ.“ „Du. . .WAS?“, stutzte Harry und sah den Blonden vollkommen überfordert an, als er versuchte diese Aussage zu verarbeiten. Und wie schon Hermione, schaffte auch er es nicht, sodass das Misstrauen in seinen Augen aufblitzte, was Draco sah und den Blick geschlagen fallen ließ, bevor sich seine Konzentration erneut auf der Oberfläche des Sees einfand.
„Du glaubst mir auch nicht“, stellte er mit einer resignierten Gewissheit fest, was Harry aus seinen Gedanken riss. Er schüttelte kurz mit dem Kopf und mahnte sich dazu, Draco erklären zu lassen, wie er es sich vorgenommen hatte.
„Nein. Ja. Das ist. . . Also. . . Erklär's mir. Ich werd dir zuhören“, bot Harry ihm erneut das offene Ohr an, sodass Draco nach einer Weile die ganze Geschichte von damals zu erzählen begann. Harry nahm in der Zeit neben ihm auf der Bank Platz und lauschte allem ruhig. Hin und wieder fragte er etwas, ließ Draco im Allgemeinen aber bis zum Schluss erklären. Als der Blonde geendet hatte, starrte auch Harry recht ausdruckslos auf den See, denn er hatte noch immer gehörig zu tun, diese Dinge richtig zu verarbeiten.
„Was willst du jetzt machen?“, fragte er den Blonden nach einer kleinen Ewigkeit ruhig, den er dann auch wieder ansah. Dracos Blick blieb allerdings auf den See gerichtet. „Keine Ahnung. Sag du es mir. Hermione glaubt mir nicht und will mich vermutlich ins nächste Jahrtausend fluchen.“ „Glaub ich nicht“, dementierte Harry überzeugt, was Draco überraschte.
„Du glaubst mir?“ „Ja. Es klingt zwar ziemlich verrückt, allerdings macht es Sinn. Davon abgesehen, hab ich schon verrückteres erlebt. Allen voran, dass sich Mione und Ginny mit Blaise und Charlie angefreundet haben und du doch tatsächlich weißt, was ein Telefon ist und wie es funktioniert“, grinste Harry, als er sich wieder an den Abend im Hauptquartier erinnerte. Draco war bei der Erinnerung allerdings weniger zum Lachen zumute, was Harry dann auch erkannte, der ihm aufmunternd auf die Schulter schlug.
„Das wird schon. Ich werd mal mit ihr reden“, versprach Harry, zu dem Draco kurz sah. In den Augen eine Spur von Hoffnung, die Harry mit einem aufmunternden Lächeln bestärkte: „Lass uns wieder hoch ins Schloss gehen“, dem Draco aber entsagte und zurück auf den See blickte.
„Später“, murmelte er nur, was Harry nicht so ganz schmeckte. „Na schön“, murmelte er, zog sich dann aber seine Jacke aus, die er noch rasch imprägniert hexte und dem Blonden etwas lapidar auf den Kopf warf, der mit dieser Geste erneut fragend zu Harry sah. Der Gryffindor lächelte.
„Nicht, dass du dir den Tod holst. Das würde Hermione mir nie verzeihen“, grinste er schief und machte sich letztlich ohne Jacke, aber mit Schirm, auf den Rückweg ins Schloss, dem Draco kurz mehr als verwundert nachsah, bevor über seine Lippen ein kurzes Lächeln zuckte und er sich die Jacke anzog.
Diese kleine Geste von Harry war in seinen Augen um einiges verrückter, als die Tatsache, dass er über ein paar Muggelerfindungen Bescheid wusste.

۩ ۞ ۩


Mit einem mulmigen Gefühl stapfte Blaise durch die Gänge des Schlosses auf der Suche nach Draco, denn der war mal wieder wie vom Erdboden verschluckt, was Blaise' Gedanken in den dunkelsten Formen zum blühen brachte. Tief in diese versunken, bog er um die nächste Ecke und rasselte voll in einen anderen Schüler rein, der es ebenfalls eilig zu haben schien. Es knallte, bevor beide mit dem Hintern auf dem Steinboden landeten.
„Kannst du nicht aufpassen!“, fauchte die Hexe aggressiv, deren Stimme ihm nur zu bekannt in den Ohren nachhallte. Als er aufschaute, hatte er ein rotes Gesicht samt roten Haaren vor sich, deren braune Augen ihn zu zerfetzen drohten.
„Ginny!“, entwich es ihm perplex, als er seine Freundin sah, die richtig miese Laune hatte, worauf er gar nicht weiter achtete und damit einen folgeschweren Fehler beging, als er hastig fragte: „Hast du Draco irgendwo gesehen?“ Auf diese einfache Frage, brach der Vulkan in der Rothaarigen aus.
„Draco? Du fragst mich ernsthaft nach dem Blödmann?“ „Was?“, stutzte Blaise, der ihre Laune nicht nachvollziehen konnte „Das eine sag ich dir. . .“, begann sie, nachdem sie sich aufgerappelt hatte. „. . . wenn ich den Idioten in die Finger bekomme. . .“, piekte sie Blaise wieder und wieder hart mit dem Finger auf die Brust. „. . . dann kann er sich frisch machen! Was fällt euch eigentlich ein?!“, ereiferte sie sich. Blaise verstand aber nur Bahnhof.
„Ich dachte wir wären Freunde, aber ihr haltet es echt nicht für nötig, euch wenigstens kurz im Krankenflügel bei Mione blicken zu lassen! Vor allem Draco. Ich dachte er liebt sie, aber scheinbar hab ich mich da getäuscht. Überhaupt, was hat er mit ihr gemacht, dass sie noch immer so fertig ist und ständig in Tränen ausbricht!?“, schwadronierte sie ihn voll, sodass er nicht zu Wort kam.
„Wie mies muss man eigentlich sein? Oder war er zu sehr damit beschäftigt, seine Wunden zu lecken? Dabei musstet ihr ihm sicher helfen, nicht wahr?“, ätzte sie weiter, was Blaise allmählich wütend stimmte. Dass Ginny manchmal eine richtige Kratzbürste sein konnte, wusste er und für gewöhnlich störte er sich nicht weiter daran, aber hier ging sie zu weit, was er ihr auch sagen wollte, doch sie fiel ihm bereits im Ansatz ins Wort.
„Da war dann natürlich auch keine Zeit, um mal fünf Minuten mit mir zu reden. Ich versteh nicht mal was das soll, immerhin lassen ihn die Fritzen aus dem Ministerium in Ruhe! Aber er hat ja schon immer auf Drama gestanden. Er. . .“ „Bist du jetzt mal ruhig?!“, schnauzte Blaise die Gryffindor an, die ihn auch weiter trotzig mit den blutunterlaufenen Augen ansah, denen Blaise jedoch in kaum etwas nachstand.
„Du redest absoluten Schwachsinn! Draco hat ihr nichts getan. Gar nichts!“ „Nein, natürlich nicht“, ätzte Ginny zynisch, bevor sie Blaise wieder wütend anfunkelte. „Mione ist also wegen nichts in den Wald gerannt?!“ „Schon mal daran gedacht, dass dein gehirnamputierte Bruder daran schuld sein könnte? Draco hätte nie etwas getan, was ihr schadet! Das einzige, was er gemacht hat, war ihr die Wahrheit zu sagen.“ „Worüber? Dass er sie bloß verarscht hat?“ „Boah, Ginny!“, stöhnte Blaise und verdrehte genervt die Augen, da das Gespräch ins Absurde ging. Schließlich sah er sie wieder an und meinte: „Er hat versucht ihr zu erklären, dass er damals Ben war.“ „WAS?“, quietschte Ginny, die glaubte, sich verhört zu haben, bevor auch sie sich wieder daran erinnerte, dass Draco damals in der Halle war, was sie Blaise patzig zu verstehen gab.
„Ja, na klar. Dann war das sein böser Zwilling, den wir damals gesehen haben? Du spinnst doch!“, fauchte sie, zeigte ihm den Vogel und wollte gehen. Blaise packte sie allerdings ruppig am Oberarm und zog sie fauchend wieder zu sich.
„Hier geblieben!“ „Lass mich los!“, fauchte sie zurück und war tatsächlich drauf und dran, ihren Zauberstab zu ziehen. Blaise war aber schneller und keilte sie zwischen sich und der Wand ein. Er packte ihre Handgelenke und nagelte sie mit seinen Händen an der Wand fest, bevor er sich mit seinem Körper genau zwischen ihren Beinen positionierte, damit sie ihn nicht treten oder ihr Knie in seinem Heiligsten versenken konnte. Ihrem Blick nach, war sie nämlich kurz davor.
„Lass mich LOS!“, brüllte sie, dass es nur so auf dem Gang hallte. Blaise ignorierte es und funkelte sie stattdessen dunkel an. „Nein. Du hältst jetzt endlich mal deine verdammte Klappe und hörst MIR zu!“ „Und wenn nicht?“, reckte sie ihm trotzig das Kinn entgegen, was das dunkle Funkeln in seinen Augen nur noch mehr schürte.
„Dann werd ich dir deinen verfluchten Gryffindor Arsch so lange versohlen, dass du die nächsten 10 Jahre nicht mehr schmerzfrei sitzen kannst!“ Auf die Androhung blitzte kurz etwas in Ginnys Augen. Es war keine Angst oder gar Trotz, sondern eine Spur von Lust, die sie allerdings sofort verdrängte und ihn erneut wütend anfunkelte. Blaise hatte es jedoch bemerkt und grinste sadistisch.
„Ach nee. Wir haben versteckte Gelüste?“ „Halt's Maul!“, fauchte sie gereizt und wand sich vergeblich in seinem Griff. „Hör zu. . .“, begann Blaise versucht ruhig. „. . . ich hab echt keinen Bock, unnötig mit dir zu streiten, aber ich kann auch andere Saiten aufziehen, wenn du unbedingt Krieg willst“, sah er sie warnend an, was sie schnauben ließ.
„Ich werd dir jetzt eine kleine Geschichte erzählen und du wirst den Mund halten und mir schön brav zuhören. Wenn du hinterher immer noch das drängende Verlangen hast, mich zu kastrieren, halt ich mich bereit. Allerdings würdest du dir damit ins eigene Fleisch schneiden“, grinste er dreckig, was sie wieder schnauben ließ.
Am Ende mahnte sich Blaise erneut zum Ernst und begann ihr in allen Einzelheiten von dieser kleinen Geschichte zu berichten, die Harry in der Form bereits von Draco gehört hatte.

۩ ۞ ۩


Vollkommen durchgefroren und bis aufs Äußerste erschöpft, tauchte Draco zum späten Abend wieder in den Kerkern auf, wo die Blicke von Charlie und Blaise sofort auf ihn fielen. Letzterer hatte Glück gehabt und besaß noch seine volle Manneskraft.
„Draco!“, rief er ihn sofort, doch sein Freund reagierte nicht weiter darauf, sondern schleppte sich in Richtung der Schlafsäle, wo er in einem Leeren verschwand und diesen mit diversen Zaubern von innen verbarrikadierte, damit Blaise und Charlie blieben wo sie waren. Draußen.
Im Anschluss schlich er ins Bad unter die Dusche und ließ sich eine gefühlte Ewigkeit von dem heißen Wasser berieseln, was ihn selbst nach einer halben Stunde nicht so richtig wärmen wollte. Seine Haut glühte zwar und schimmerte rot, in seinem Innern war die Kälte aber seit Dienstag wie festgefressen und bahnte sich nach einer Weile erneut einen Weg nach außen.
Zu der Zeit lag er bereits in zwei dicke Decken gemummelt in einem der Betten und versuchte vergeblich, seinen Kopf leer zu räumen, um seinem Geist die Nahrung zu entziehen. Doch egal was er anstellte, es funktionierte einfach nicht und erschöpfte ihn noch zusätzlich, sodass er nach kürzester Zeit wegnickte. Jedoch nur so lange, bis das Reißen in seinen Venen so unerträglich wurde, dass es ihn aus dem Schlaf und damit seinen wirren, dunklen Träumen riss.
„Scheiße“, fluchte er keuchend und kniff die Augen fest zusammen. Er versuchte sich verzweifelt zur Ruhe zu zwingen, doch die ersehnte Ruhe wollte nicht kommen. Dafür etwas anderes, denn als er die brennenden Augen wieder ein Stück weit öffnete, war er nicht mehr allein.
„Nein“, stöhnte Draco auf den Anblick der kleinen Gestalt und steckte sofort den Kopf unters Kissen, bevor er dem Geist zuzischte: „Hau ab! Ich will nichts von dir hören. Lass mich zufrieden.“ Doch die Gestalt des Fünfjährigen blieb und sah traurig auf den Slytherin, der sich unter der Decke verkrampfte und vergeblich versuchte, seiner Kräfte Herr zu werden. Schließlich trat der Kleine ganz an das Bett und kroch auf dieses.
„Ganz ruhig. Das wird alles wieder“, hauchte ihm der kleine Draco beruhigend zu und versuchte, seine Hand nach ihm auszustrecken. Draco waren aber bereits diese beiden Sätze zu viel, denn er schrie: „VERSCHWINDE!“, was einen magischen Impuls zur Folge hatte. Es krachte und scherbelte mehrfach, was sich nicht nur auf das kleine Zimmer beschränkte.
Unten im Gemeinschaftsraum zuckten Blaise, Charlie, Astoria und Daphne unter den Geräuschen zusammen, genauso wie Channing und Preston verschreckt guckten, als ihr Schachspiel auf einmal Flügel bekam. Neben dem Schachbrett waren es aber auch noch andere Sachen, die sich verselbstständigten. Die Couchkissen waren da noch das harmloseste, denn es flogen Vasen und Gläser durch den Raum, die an den Wänden zerschellten und als Splittergeschosse weiter durch den Raum rotierten.
„Fuck!“, stieß Blaise geschockt aus und stürzte mit Charlie in Richtung ihrer Schlafsäle, um Draco zu wecken, während die Mädchen mit den beiden Treibern mittels Schildzauber versuchten, das Chaos zu stoppen.
„Draco!“, schrie Blaise durch die Tür und hämmerte wie ein Irrer dagegen, obwohl er es besser wusste. Wenn Draco richtig weg war, bekam man ihn schon unter normalen Umständen schlecht wach. Und unter diesen, die gerade nur zu offensichtlich herrschten, war es noch schwerer.
„Verdammt, DRACO!“, rief er wieder, während Charlie es mit diversen Zaubern versuchte, die nichts brachten. Hinter der Tür tobte das Chaos weiter, von dem Draco nichts mehr mitbekam, da ihn das Reißen in seinen Venen drohte, in den Wahnsinn zu treiben. Er hatte das Gefühl jede Sekunde zu krepieren, doch das verfluchte Ding in seinem Innern jagte weiter und trieb das Reißen und Brennen dadurch in ungeahnte Höhen.
„Sch“, hörte er weit weg, wie durch Wasser, eine sanfte Stimme beruhigend, während er nach dem Laken griff und verzweifelt daran herum riss. Zeitgleich legte sich eine kleine, warme Hand an seinen hämmernden Schädel, der ihm zu explodieren drohte. Mit der Berührung begann sich dann jedoch die Wärme der Hand auf seine Schläfe zu übertragen und drang letztlich tief in seinen Kopf ein, wo sie sich beruhigend über den alles verzehrenden Schmerz legte und diesen nach und nach gänzlich erstickte.
Der Schmerz in seinem Kopf und den Venen ließ nach, bis nichts mehr übrig war, außer einer beruhigenden Wärme, die sich über sein Bewusstsein legte und ihn immer schläfriger stimmte. Was seltsam war, war, dass die kleine Hand auf einmal nicht mehr klein war, sondern sich eher wie die eines erwachsenen Menschen anfühlte. Wie die eines Mannes, was nur noch dumpf in Dracos Kopf ankam, als die Hand auch weiter beruhigend durch seine Haare strich.
„Ganz ruhig“, hörte er wieder eine Stimme, die aber auch nichts Kindliches mehr an sich hatte. Blaise oder Charlie?, ging es ihm kurz matt durch den Kopf, was er jedoch verwarf. Zum einen hatte er die Tür verrammelt und zum anderen war ihm die Stimme fremd. Er kannte sie nicht, weshalb er sich dazu zwang, die Augen zu öffnen. Was er sah, war aber nur ein verwaschenes Bild.
Er erkannte, dass jemand hier war und ihm diese beruhigende Geste entgegenbrachte. Es war wirklich ein Mann, der nicht viel älter sein konnte, als Draco selbst. Er hatte dunkle Haare, warme Augen und ein sanftes, beruhigendes Lächeln auf den Lippen, dem man ohne weiteres sein Vertrauen schenkte.
„Es wird alles wieder gut. Ruh dich aus. Schlaf ein bisschen“, sprach ihm die fremde Gestalt ruhig zu und strich auch weiter beruhigend durch seine Haare, was etwas Tröstliches an sich hatte. Etwas Behütendes. Mit diesem Gedanken verlor er gegen die warme Schwere in seinem Kopf.

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Mit einem Schlag war Ruhe. Blaise und Charlie hörten aus dem Gemeinschaftsraum nichts mehr krachen und scherbeln, genauso wenig aus dem Schlafsaal, in dem sich Draco weggeschlossen hatte, was nicht zwangsläufig etwas Gutes bedeutete.
Blaise überlegte erneut, die Tür kurzerhand mit dem Bombarda zu sprengen. Nur hielt ihn der gleiche Gedanke davon ab, wie schon zuvor. Nämlich, dass er Draco am Ende damit mehr verletzte, als es jetzt vielleicht der Fall war. Ein leises Klick ließ ihn dann allerdings stutzen. Doch bei diesem Klick blieb es nicht, denn die Tür des Schlafsaales öffnete sich einen Spaltbreit, was er und Charlie sich verunsichert besahen. Kurz darauf schoben sie die Tür ein Stück auf, hinter der alles dunkel da lag.
„Lumos“, flüsterte Charlie. „Draco?“, rief Blaise unsicher und trat an das noch einzig halbwegs heile Bett heran, in dem der Blonde quer auf dem Bauch lag und das aschfahle Gesicht halb im Kissen vergraben hatte. Die dunkle Decke lag vollkommen zerwühlt auf seiner Erscheinung, die sich zudem nicht weiter rührte, sodass Charlie rasch nach ihm sah, um festzustellen, dass er ruhig atmete.
„Er schläft“, gab er Blaise zu verstehen, den es nur noch mehr verwirrte. „Wie hat er die Tür. . .“, murmelte er verwundert und sah wieder auf diese, bevor sein Blick zurück auf Draco fiel, der, so wie er aussah, die Banne nie und nimmer gelöst hatte.
„Ich hab keine Ahnung. Offen gestanden ist mir das im Moment auch ziemlich egal“, entgegnete Charlie Blaise leise und legte Draco die Decke richtig über, bevor er sich daran machte, das Chaos zu beseitigen, dem Blaise ebenfalls nachkam. Im Hinterkopf trotz allem die Frage, was hier drin passiert war?

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Meike Bruhns, Berliner Zeitung