Erst Sekunden später, die wie Stunden schienen, mischte sich in die unbehagliche Stille teils verunsichertes, teils verwirrtes, teils entsetztes, wie auch fassungsloses Gemurmel und Getuschel.
„Ma-Ma-Malfoy?“, stammelte Neville, der wie seine Freunde bleich geworden war. Hermione schluckte hart und sah zu besagtem Slytherin, der nun auch seinen Leuten recht überfahren angesehen wurde. Allen voran von Blaise und Charlie.
Draco selbst rührte sich nicht. Weder sah er auf, noch zuckte er, noch reagierte er auf die vorsichtig, leise gemurmelten Worte von Blaise, der versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erregen. In der kommenden Sekunde knallte es.
„MALFOY!?!“, brüllte Ron durch die Halle und stand mit einem Satz, sodass sein Stuhl polternd nach hinten fiel. „SIND SIE WAHNSINNIG?“, keifte er Minerva an. „Nach allem, was das Frettchen getan hat, lassen Sie den wieder in die Schule und machen einen Death Eater zu allem Überfluss auch noch zum Schulsprecher?!“, keifte Ron unsäglich wütend und deutete anklagend auf den schweigsamen Blonden.
Sein Gesicht hatte sich von schlohweiß zu purpurrot verfärbt, und das innerhalb von 0,5 Sekunden. Auf seinen Ausbruch brach zudem noch angeregteres Getuschel los, als ohnehin schon, was dafür sorgte, dass gerade die Jüngeren recht verängstigt seinem Fingerzeig, zu den sieben Slytherins, folgten. Zu besagtem Death Eater.
„Haben Sie komplett den Verstand verloren?!“, schimpfte er weiter, womit sich die Direktorin fing und ihn ihrerseits anfuhr.
„Mr. Weasley, ich verbiete mir diese Äußerungen! Wir. . .“ „WIESO? Es ist die Wahrheit! Er gehört zu denen. Er hat das Dunkle Mal. Verdammt, ich versteh nicht, wie sie den tatsächlich aus Azkaban lassen konnten!? Er. . .“ „Es reicht!“, fuhr Minerva ihn nun wirklich lautstark an, ebenso Hermione.
„Oh Ron, halt die Klappe!“ Daraufhin drehte er sich unsagbar wütend zu ihr. „Hast du was davon gewusst?“, schnauzte er sie an, worauf sie kurz schluckte, sich dann allerdings fing und versuchte, das Thema zu wechseln.
„Was spielt das denn für eine Rolle?!“ „Hast du oder hast du nicht?“, blaffte Ron sie aber weiter an, sodass sein Kopf beinahe drohte zu platzen, so sehr glühte er inzwischen. In den blauen Augen loderte mittlerweile ein alles verzehrendes, dunkles Flammeninferno.
„JA! Seit vier Stunden, okay? Und ich hab euch nichts gesagt, weil ich genau das hier hab kommen sehen!“, fauchte sie zurück, worauf noch mehr Gemurmel losbrach. Rons Gesichtsfarbe wurde daraufhin so dunkel, dass man fürchten musste, er könnte jeden Moment vor Wut, Zorn ja schon Hass, ersticken oder explodieren.
Harry maß seine Freundin hingegen ein wenig wütend. Darunter mischte sich zunehmend eine dumpfe Enttäuschung, die ihn mit dem Kopf schütteln ließ, während die restlichen Anwesenden zwischen Malfoy und den Streitenden tuschelnd hin und her sahen.
„Du kapierst es einfach nicht. Der Krieg ist vorbei!“ „Einen, den er mit angezettelt und verschuldet hat!“, schrie er und deutete wieder auf den Slytherin, bevor er weiter keifte: „Hast du etwa vergessen, was er alles getan hat? Wie er uns alle die ganzen Jahre behandelt hat? Verdammt, er hat diese Psychopathen in die Schule gelassen!“ „ES REICHT!“, donnerte Minervas Stimme in einer ohrenbetäubenden Lautstärke durch die Große Halle, sodass sich alle Anwesenden unweigerlich die Hände an die Ohren pressten.
„Mr. Weasley. Ich VERBIETE Ihnen derartig haltlose Äußerungen!“, fuhr sie Ron erneut scharf an, der sich aber nicht beruhigte und auch weiter seiner alten Hauslehrerin die Stirn bot.
„Es war so! Verdammt, Sie waren dabei! WIR ALLE!“, schrie er sie an, was sie vor Zorn beben ließ. „Mr. Weasley. Ich kann Ihre Ansichten und Eindrücke verstehen, dennoch entsprechen sie nicht den tatsächlichen Begebenheiten.“ „Was soll denn daran nicht wahr sein?!“, keifte er, sodass es aus Hermione herausplatzte.
„Wie oft denn noch?! Er hat auf unserer Seite gekämpft! Er hat Harry gesagt, wo die letzten beiden Horcruxe versteckt sind, ohne die wir Voldemort nie hätten erledigen können. Er hat Crabbe und Goyle im Raum der Wünsche von uns abgelenkt und uns damit den Arsch gerettet. Auch deinen! Er hat Ginny und mich vor Lestrange und Greyback gerettet! Warum geht das nicht in deinen gottverdammten Schädel?! Verdammt, du warst schließlich auch dabei! Menschen ändern sich!“, schrie sie ihn an, sodass er zu ihr sah und seinerseits weiter schimpfte, während die restlichen Anwesenden noch stärker tuschelten und murmelten.
„Aber nicht der! Der wollte doch nur wieder seinen Hals retten!“ „WAS?“ „Du glaubst doch nicht ernsthaft, er hat das gemacht, ohne irgendwelche Hintergedanken zu haben? Die hatte er schon immer! Der hilft niemandem, außer sich selbst, oder wenn er irgendeinen Vorteil davon hat. Und du bist auch noch so blöd und fällst auf dieses scheinheilige Getue rein!“ Daraufhin hakte irgendetwas bei Hermione aus.
Noch bevor sie wirklich darüber nachdenken konnte, hatte sie weit ausgeholt und Ron dermaßen heftig eine Ohrfeige verpasst, dass es nur so in der Großen Halle widerhallte. Keine fünf Sekunden später machte sich auf seiner linken Wange ein feuerroter Abdruck ihrer Hand breit.
Blaise besah es sich rege amüsiert und lehnte sich unauffällig zu Draco, dem er leise aber dennoch grinsend zuflüsterte: „Hab ich’s dir nicht gesagt? Weasley katapultiert sich selber ins Aus.“ Sein Freund schielte auf den Hinweis jedoch nur kurz mit einem Auge zu ihm, bevor er vorsichtig zu der Gryffindor linste, die mal wieder ihr Temperament herausgelassen hatte. Und das zu seinen Gunsten.
Er konnte deutlich sehen, dass sie vor Wut zitterte. Allerdings war er sich sicher, dass sie gerade ordentlich mit den Tränen zu kämpfen hatte, was auch an dem war. Hermione funkelte ihren Freund unsagbar wütend, aber auch furchtbar verletzt an, was in ihrer Wut, über sein Unverständnis, wie auch seiner Ansichten und Gedanken über sie, restlos unter ging.
„Das ist echt das Letzte, Ron“, begann sie leise, die Stimme leicht zittrig, sodass nur er es hörte. „Was für einen Vorteil soll er haben, wenn er mir das Leben rettet und dabei riskiert, seins zu verlieren?“, funkelte sie ihn verachtend an, ehe sie weiter meinte: „Gar keinen! Wenn du das alles aber weiter so siehst, wäre es wohl richtig gewesen, er hätte mich im Manor sterben lassen.“ Daraufhin schluckte Ron, als er allmählich realisierte, was genau er ihr da gerade entgegengeschleudert hatte. Die Löwin hatte jedoch genug. Mehr als genug. Sie drehte sich um, um zu Draco und den Anderen zu gehen, als Ron sie am Arm festhielt „Hermione“, aus dem sie sich ruppig befreite.
„Lass mich!“, zischte sie ihn noch immer aufgebracht an. In ihren Augen begann es allerdings vermehrt feucht zu schimmern, sodass sich Rons Wut gänzlich auflöste und stattdessen einem unsagbar schlechten Gewissen Platz machte.
„Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht. . . Ich. . . Natürlich will ich nicht, dass du . . . das. . . Ich . . . ich. . .“, fing er an zu stammeln, doch sie schüttelte nur angewidert, mehr noch tief verletzt, mit dem Kopf und trat, erhobenen Hauptes, zu den Slytherins, wo Blaise noch immer grinste. Zwischenzeitlich rief Minerva die Anwesenden zur Ruhe auf. Angefangen bei Ron.
„Mr. Weasley, Sie finden sich umgehend in meinem Büro ein! Alle anderen begeben sich in ihre Gemeinschaftsräume. Das Essen ist beendet!“, bebte Minervas Stimme, ehe ihre Konzentration auf Hermione fiel, die inzwischen bei den Schlangen war, wo sie von vier der Sieben verblüfft, wie auch leicht verwirrt gemustert wurde.
„Schöner Schlag, Süße. Ich sehe, du hast es noch drauf“, grinste Blaise keck, erntete dafür aber nicht nur von der Löwin einen wütenden Blick. Draco spießte ihn ähnlich auf. Dabei trat er ihm unter dem Tisch noch gewaltig gegen das Schienbein, sodass sich Blaise’ Grinsen kurz in etwas Schmerzliches wandelte, bevor er zu dem Blonden schaute.
„Noch ein Wort, Zabini“, zischte Draco warnend. Blaise griente nur. „Was? Stimmt doch.“ Daraufhin stöhnte die Gryffindor genervt und sah schließlich zu Draco.
„Kommst du?“ „Hm“, murrte er, schielte allerdings nochmal in die Runde. Sie glotzten alle zu ihnen. Wirklich alle. Es waren Blicke, die selbst Hermione auf unerträgliche Art und Weise im Rücken spürte, womit auch in ihr ein seltsamer Fluchtreflex erwachte.
„Sagt mal. . . Da habt ihr doch jetzt auch einen eigenen Turm?“, mischte sich Charlie kurz interessiert, mit einem Schmunzeln dazwischen, um die leicht angespannte Atmosphäre aufzulockern. Für den Moment gelang ihm das auch, denn Hermione sah fragend zu ihm, ehe sie nickte.
„Wie praktisch“, grinste Blaise dreckig und handelte sich dafür den nächsten Tritt ein. Diesmal ging der aber zurück. „Das Spiel kann man auch zu zweit spielen, mein Lieber“, gab er Draco zuckersüß zu verstehen, der daraufhin noch mehr knurrte.
„Deine Ruhe möcht ich haben!“ „Was? Ist doch alles gesagt worden.“ „Na schönen Dank auch!“, zischte er. „Jetzt komm“, unterbrach Hermione die kleine Diskussion zwischen den beiden Jungs, worauf Draco erneut unsicher in die Halle blickte. Man beobachtete sie nach wie vor. Allen voran die Jüngeren. Ganz besonders die Vier, die ihrem Haus zugewiesen worden waren, denn sie trauten sich nicht zu Charlie und Astoria.
„Hier beißt keiner“, gab Charlie den Kindern freundlich, mit einem Lächeln zu verstehen, die dennoch na ihrem Tisch stehenblieben und auch ein wenig untereinander tuschelten, sodass Draco wieder die Augen verdrehte. Blaise tätschelte ihm dann noch den Kopf, worauf er seine Hand stinkig beiseite schlug. Blaise’ Aufmerksamkeit galt im Kommenden aber mehr den Kleinen, denen er ein ebenso sympathisches Schmunzeln zukommen ließ, wie zuvor Charlie.
„Der hier ist handzahm.“ Auf den Spruch fing sich Blaise erneut einen schmerzlichen Tritt ein, bei dem er diesmal Mühe hatte, seine Gesichtsmuskulatur unter Kontrolle zu halten.
„Meistens. Und auf das dumme Gequatsche, von dem rothaarigen Troll, solltet ihr gar nicht hören. Nur immer auf unsere hübsche, intelligente Schulsprecherin hören. Nicht wahr, Süße?“ „Alter Schleimbolzen“, gab sie ihm trocken zurück. Dankbar jedoch, dass er genauso versuchte, die Situation zu retten, damit nicht alles wieder so weiter ging, wie die Jahre zuvor. Dracos Laune wurde davon allerdings auch nicht besser, sodass er nun Hermione ein wenig voll nölte.
„Konntest du Weasley keinen Maulkorb oder so etwas umlegen?“ Auf den Wink kamen Blaise sofort die albernsten Gedanken. „Oder noch besser! Eine Ledervollkombi. Maulkorb, Brusthalfter und Leine“, lachte er, während sich Charlie schüttelte.
„Blaise, das ist . . . eklig. Oh man, danke. Jetzt hab ich Bilder im Kopf“, wurde Charlie schlecht und auch Hermione rügte ihn. „Du bist manchmal echt unmöglich.“ „Kennst mich doch“, griente Blaise keck. Hermione sah dann aber kurz zu den Kindern, bevor sie sich an Charlie richtete.
„Vielleicht zeigt ihr den Kleinen erst einmal die Kerker und Schlafsäle.“ „Sicher“, murmelte Charlie und erhob sich, dem Astoria folgte. Blaise neigte sich indes nochmal zu Draco und Hermione.
„Darf man euch zwei Hübschen morgen denn besuchen kommen?“ „Ähm. . . Ja, klar. Von mir aus“, sah sie zu Draco, der nur mit den Schultern zuckte, am Ende aber nickte.
„Weißt du wo?“ „War doch einer der Südtürme? Find ich schon“, grinste Blaise und stand auf. Dabei zog er sich Draco noch einmal etwas ran und schlug ihm aufmunternd auf die Schultern.
„Lass dich nicht alle machen. Die kriegen sich irgendwann auch alle wieder ein.“ „Er hat Recht“, stimmte Hermione ihm zu und ließ dem Blonden ein warmes Lächeln zukommen, was die anderen Vier, besonders Theo und Tracey, noch immer stutzig zur Kenntnis nahmen.
„Warum nur hab ich daran meine Zweifel?“, murmelte Draco müde und schielte in die teils noch sehr volle Halle, auf die ganzen Schüler, die auch weiter spitz in ihre Richtungen sahen. Hermione bemerkte es.
„Sie werden es mit der Zeit alle verstehen. Genauso Harry und Ron.“ „‘tschuldige, aber auf deren Meinung kann ich echt verzichten!“, zischte Draco, was sie seufzen ließ. Es würde wohl ein Wunschgedanke bleiben, dass die fünf Jungs sich jemals vertrugen.
„Miss Granger, Mr. Malfoy?“, hörten die Beiden schließlich Minerva, die nach wie vor auf sie wartete. „Wir sehen uns später.“ „Klar doch“, grinste Blaise und lümmelte sich stattdessen bei Charlie auf die Schulter.
„Dann wollen wir mal gucken, wer noch alles da ist.“ „Nicht viele. Ich hab bis jetzt kaum jemanden entdeckt“, meinte Daphne, die ja schon gestaunt hatte, die Drei, allen voran Draco, tatsächlich hier anzutreffen.
„War klar“, murmelte Charlie und deutete den vier Erstklässlern, ihnen zu folgen. Die bewegten sich allerdings nicht gleich, sondern hatten, wie fast alle Anderen, ihre Blicke starr auf Hermione, insbesondere Draco, liegen. Es waren Blicke wie Messerstiche, was beide überdeutlich spürten.
„Kannst du mich bitte verfluchen?“, flüsterte der Blonde ihr leise im Gehen zu, sodass sie unweigerlich den Blick schweifen ließ und mehrere verhasste, wütende Augenpaare entdeckte, die an ihm hafteten. Aber auch verängstigte Blicke konnte sie ausmachen, die von den Jüngeren kamen. Hauptsächlich von den Erst- und Zweitklässler, die ihn noch nie zuvor zu Gesicht bekommen hatten.
Letztlich drehte sie sich wieder zu Draco und legte ihm beruhigend die Hand auf den Rücken. Wissend, dass diese einfache Geste gerade den Kleinsten zeigte, dass er kein Monster war, so wie Ron herumposaunt hatte. Nur konnte sie mit dieser Regung leider all die Worte nicht ungeschehen machen, die der Rotschopf ihm entgegengeschleudert hatte. Sie konnte es nicht zurücknehmen oder gar leugnen, dass Draco das Dunkle Mal trug und damit, ob nun freiwillig oder nicht, den Death Eatern angehört hatte. Es würde sie nicht wundern, wenn deswegen in den nächsten Tagen jede Menge Briefe von besorgten Eltern bei Minerva eintrudelten.
„Da sind Sie ja. Hatten Sie noch so viel zu besprechen?“, erkundigte sich die alte Hexe, deren Zorn inzwischen etwas verflogen schien. Allerdings hatte sie auch keinen Grund sauer auf die Beiden zu sein.
„Ein paar Sachen“, entschuldigte sich Hermione, worauf die Direktorin nickte. „Nun, dafür haben Sie in den kommenden Tagen ja noch ausreichend Zeit. Für heute ist, denke ich, mehr als genug gesagt worden“, entwich sie ihr nun ein wenig erschöpft.
„Was wollten Sie uns eigentlich noch sagen, Professor?“ „Das, was ich heute Nachmittag schon mit Ihnen besprechen wollte. Durch die kleine, nun ja . . . Unruhe, denke ich, ist es besser, wenn Sie sich vielleicht auch erstmal in Ihren Turm zurückziehen. Der Tag war in gewisser Hinsicht doch recht lang. Ich würde Sie dennoch bitten, dass Sie Ihre Unterlagen noch einmal durchsehen. Dann können wir morgen Mittag die genauen Einzelheiten in Ruhe durchsprechen. Genauso ein paar obligatorische Dinge klären, zu denen wir leider nicht gekommen sind.“ „Natürlich, Professor.“ „Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend. Ruhen Sie sich aus“, meinte sie an Draco gerichtet, während Hermione ihrer Direktorin ebenfalls einen ruhigen Abend wünschte. Diese drehte sich dann aber zur Seite, wo in ein paar Metern Entfernung noch immer ein hochroter Ron stand und auf seine Standpauke wartete.
Er konnte wirklich von Glück reden, dass noch keine Punkte verteilt worden waren, sonst wäre Gryffindor bereits mehrere los gewesen. Tatsächlich bewusst, war er sich all dessen nicht, da sein Blick noch immer wütend auf der verhassten Schlange lag. Nach dessen schmieriger Hand griff Hermione auch gleich aufmunternd, kaum dass sie durch eine Seitennische aus dem Blickfeld der Großen Halle verschwunden waren.
Ron konnte trotz der Entfernung dennoch recht deutlich erkennen, wie sich ihre Finger miteinander verflochten und der Blonde dankbar zu Hermione sah. Die ließ ihm auch weiter dieses so vertraute, liebevolle Lächeln zukommen, bevor beide im Dunkel des Ganges verschwanden.
„Nun zu Ihnen“, hörte er McGonagall. Und das nun wieder furchtbar ungehalten, die ihm in die andere Richtung deutete.
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Auf dem Weg die Treppen hoch zu ihrem Turm, begegneten die Beiden immer wieder Schülern, vor allem Älteren aus ihrem Jahrgang, die ihnen mit dunklen Blicken folgten, die wie Messerstiche im Rücken waren. Von diesen hätte Draco beizeiten sicher ein gutes Dutzend im Kreuz gehabt.
Am Ende spitzte sich die Situation noch weiter zu, als ihnen Kevin Entwhistle und Justin Finch-Fletchley, zwei Jungen aus ihrem eigentlichen Jahrgang, wie auch Mugglegeborene, über den Weg liefen. Und so wie sie aussahen, wollten sie offensichtlich gerne da ansetzen, wozu Ron nicht gekommen war.
„Du bist richtig dreist, Malfoy. Dass du nach allem wirklich noch den Nerv hast, dich hier blicken zu lassen?“, zischte Justin. „Das die dich wieder rausgelassen haben, ist überhaupt recht fraglich. Wie viel hat deine schrullige Alte dafür hingeblättert? Für deinen verkommenen Vater hat es da wohl nicht mehr gereicht. Dafür sitzt er zu tief in der Scheiße“, giftete Kevin weiter, wo Hermione, trotz leicht aufkeimender Wut, dennoch mit einem versucht ruhigen „Jungs. . .“ bemüht war, Ruhe reinzubringen und aufkommenden Ärger gleich im Keim zu ersticken. Doch die Beiden ignorierten sie gänzlich und drängte sie zudem von Draco ab, sodass sie beizeiten die Rückansicht der zwei kräftigen, jungen Männer vor der Nase hatte, die sich verstärkt auf den Blonden konzentrierten.
„Jetzt hast du nicht mehr so die große Schnauze, ohne deine hirnlosen Gorillas“, stieß Justin ihn grob vor die Brust, was ihm noch immer ein dumpfes Brennen durch diese jagte.
„Verdammt, hört auf!“, versuchte Hermione es erneut. Nun lauter wie auch fordernd, doch wurde sie weiter rigoros ignoriert.
„Ron hat Recht. Dir gehört mal so richtig eine Abreibung verpasst, damit du weißt, wo du hingehörst“, raunte Kevin düster und begann sich bereits die Fäuste durchzukneten. Inzwischen hatte Draco die Wand im Rücken, funkelte seine Kontrahenten aber dennoch dunkel an. War ja klar, dass so was kommen musste. Und dank Weasley, dem Schwachkopf, kam es schneller als erwartet. Nur würden die beiden Vollidioten hier vor ihm ihr blaues Wunder erleben, wenn sie sich tatsächlich mit ihm prügeln wollten. Wenn er eines durch diesen ganzen Horror der letzten Jahre gelernt hatte, dann sich zu verstellen und zu schauspielern.
Crabbe und Goyle hatte zwar immer seine Bodyguards gemimt, das hieß aber noch lange nicht, dass er sich nicht selbst zu verteidigen wusste, wenn es wirklich nötig war. Dass er auch ordentlich austeilen konnte, was ihn zwangsläufig an Weasley denken ließ. Er hätte damals gerne noch einmal mehr zugeschlagen, als ihm nur seinen blöden Zinken zu brechen.
„Na was ist, Malfoy? Hast du schon die Hosen voll?“ „Es war ein Fehler hierherzukommen“, raunte Kevin bedrohlich, während Justin Draco grob am rechten Arm packte, sich jedoch etwas verschätzte und so nur den Stoff seines Umhanges erwischte, sodass er keinen richtigen Halt hatte. Als er erneut zufassen wollte, war Draco einen Tick schneller.
Er wand sich aus dem Griff und schlüpfte zeitgleich aus seiner Robe, als Justin noch versuchte, ihn gänzlich zu packen. Draco huschte allerdings unter dem Griff weg, sodass Justin selbst unter dem Umhang verschwand und unsanft gegen die Wand stolperte.
„Du blödes Arschloch!“, keifte Kevin und wollte ihn schnappen, bekam aber nur seinen linken Arm zu fassen. Das jedoch an der denkbar ungünstigsten Stelle.
Als sich Kevins Finger in das Mal bohrten, durchfuhr Draco ein heißes Stechen, was ihm kurz die Luft und somit die Konzentration nahm. Justin hatte sich in der Zwischenzeit aus der Robe gekämpft und setzte seinerseits nach, wo er Draco nun richtig am Arm erwischte. Er umfasste ihn erst am linken und schließlich am rechten Handgelenk, die er ihm gewaltsam auf den Rücken zwang, damit er nicht mehr ausholen konnte.
„HÖRT AUF!“, schrie Hermione die Beiden an, doch sie war für die zwei Jungs gänzlich zu Luft geworden, die förmlich darauf brannten, Draco zusammenzuschlagen.
„Na, was ist jetzt, du kleiner Wichser?“, höhnte Justin hinter ihm dreckig, während Kevin düster „Jetzt bist du fällig“ knurrte und ausholte, um Draco die Faust in die Nieren zu schlagen.
„FLIPENDO!“, rief die Hexe, die mit dem Zauber Kevin zurückwarf, sodass Draco Luft hatte, um sich aus Justins Griff zu winden, der kurz ein wenig den Überblick verloren hatte. Durch Dracos Regungen und den damit verbundenen Schwung, stolperte der Hufflepuff nun selbst schmerzlich mit dem Rücken gegen die Wand.
Der Blonde sah sich gleich nach ihm um, als aufs Neue eine Hand nach ihm griff. Diesmal war es aber eine kleine, Zierliche, die ihn erst zu sich und schließlich hinter sich zog. In der anderen Hand hielt Hermione noch immer ihren Zauberstab, der warnend auf die beiden jungen Männer deutete, die sich verdutzt zu ihr drehten.
„Merkt ihr’s noch?!“, fauchte Hermione die Jungs aufgebracht an. Die zweifelten allerdings an ihrer Optik, wie auch den Ohren, denn die Löwin stand doch tatsächlich vor Malfoy. Nein, sie stand nicht nur vor ihm, sondern verteidigte ihn auch noch! Ausgerechnet Hermione, die in all den Jahren am meisten unter ihm und seinen Gemeinheiten hatte leiden müssen, schützte ihn. Schon wieder!
„Sag mal, was wird das?“, fragte Justin verdutzt, dem jetzt erst wieder klar wurde, dass die Gryffindor die ganze Zeit mit ihnen im Gang gestanden hatte.
„Das fragst du mich? Ihr wolltet ihn doch grundlos verprügeln. Was sollte das?“ „Wa. . .“, glaubte Kevin, sich erneut verhört zu haben.
„Weißt du eigentlich, was du da redest? Das da ist Malfoy!“, spie Justin mit ausgestrecktem Arm, der anklagend auf Draco deutete. In seinem Blick loderte es dabei unheilvoll, was auch auf den des Blonden zutraf.
„Ich bin weder blind noch blöd. Ich weiß, wer er ist.“ „Wie kannst du den dann verteidigen? Ausgerechnet du! Er hat dich doch immer wie den letzten Dreck behandelt und beleidigt und alles.“ „Dinge ändern sich“, zischte sie kühl.
„Wa. . .“, stutzte Kevin erneut. Er und Justin konnten nicht glauben, was sie hier gerade von ihr hörten. Hermione funkelte die beiden Jungs aber nur noch kurz warnend an, bevor ihre Konzentration auf den Umhang fiel, der auf dem Boden lag.
„Accio Umhang“, deutete sie auf das Kleidungsstück, das prompt zu ihr flog. In der nächsten Sekunde drückte sie die Robe Draco, ohne ihn anzusehen, recht energisch vor die Brust.
„Ich hab es Ron vorhin schon einmal gesagt und ich sage es euch jetzt auch noch einmal. Der Krieg ist vorbei. Vergangenheit. Wenn ihr darunter keinen Schlussstrich ziehen wollt, dann beseht euch gefälligst auch alle Fakten und pickt euch nicht bloß das heraus, was euch in den Kram passt!“, zischte sie, drehte sich um und rauschte ab. Draco ergriff sie dabei fest am Handgelenk und zog ihn kurz, wie einen kleinen, dummen Jungen, hinter sich her, bis er sich fing und sie anfauchte.
„Verdammt, lass los!“ „Wir haben noch etwas durchzuarbeiten!“, fauchte sie jedoch zurück und stampfte schließlich ohne ihn davon. Draco kam so nicht umhin, ihr knurrend hinterherzusehen, bevor er noch einmal zu den beiden Anderen schaute und sie mit einem eiskalten Blick lynchte. Das konnte ja heiter werden. Die nächsten Wochen würden garantiert zu einem einzigen Spießrutenlauf.
Damit streifte er sich seinen Umhang wieder über und verschwand hinter Hermione in dem halbdunklen Gang. Das Ganze noch immer fassungslos von Justin und Kevin beobachtet.
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Nur ein paar Minuten später kam Hermione stinksauer in ihrem Turm an und knallte das Gemälde energisch hinter sich zu. Die mussten doch spinnen!, giftete sie aufgebracht in sich hinein. Einfach so auf ihn loszugehen, obwohl er gar nichts gemacht hatte. Schön, sie waren noch immer wütend, wegen allem, was war. Genauso der große Rest der Schule. Dabei übersahen sie aber einmal mehr die Dinge, die noch waren. Dinge, die sie in der Halle erneut recht laut herausgeschrien hatte. Etwas, was eigentlich jeder gehört hatte, da sie alle zu ihr und Ron geglotzt hatten.
„Sag mal, geht’s noch?!“, donnerte Draco hinter ihr sauer, der keine Minute nach ihr im Turm ankam und das Portrait seinerseits recht energisch zuschlug, weswegen sich die junge Dame in dem Gemälde selbst lauthals im Ton vergriff.
„Was fällt dir ein, dich einzumischen?“ „Einmischen?“, drehte sich Hermione fuchtig zu ihm um. Mittlerweile standen ihr die Haare bereits zu allen Seiten ab, sodass sie zunehmend wie eine Furie wirkte.
„Entschuldige bitte vielmals, dass ich dich vor Prügel bewahrt habe!“, fauchte sie wütend, was ihn noch stinkiger stimmte.
„Oh ja. Recht vielen Dank!“, knurrte er sarkastisch, bevor er weiter keifte: „Jetzt muss ich mich also schon von dir beschützen lassen oder was? Ich kann auf mich selbst aufpassen! Mit den zwei Idioten wäre ich alleine klargekommen!“ „Ja, ganz toll, Malfoy! Die Strafaufsicht freut sich sicherlich, zu hören, dass du, kaum 24 Stunden nach deiner Entlassung, bereits in eine Schlägerei verwickelt worden bist!“, zischte sie, worauf er ihr noch etwas an den Kopf werfen wollte, sich dann aber ordentlich auf die Zunge biss. An die scheiß Auflagen hatte er in der Sekunde überhaupt nicht gedacht. Und das sah man ihm auch an.
„Vergessen, oder was?“, giftete sie noch immer und fauchte ihn aufs Neue an. „Jetzt hör mir mal gut zu, Malfoy“, begann sie und pikte ihm bei jedem zweiten Wort energisch mit dem Finger auf die Brust.
„Ich hab mir nicht den Arsch aufgerissen und so viel Zeit in die Sache investiert, damit sie dieses bescheuerte Urteil revidieren, nur damit du dich bei der erstbesten Gelegenheit gleich wieder ins Abseits katapultierst. Wenn du das willst, dann sag’s mir vorher. Ron und die Anderen würden sich sicherlich gerne mit dir prügeln. Ich werd sie dann nicht mehr zurückhalten. Ich werde. . .“ „Ich hab’s kapiert. Krieg dich wieder ein“, murrte er kleinlaut und hielt dabei ihre Hand fest, da sie ihm schon so sehr auf die Brust drückte, dass er davon garantiert neue blaue Flecke kriegte.
„Na hoffentlich!“, zischte sie noch kurz und ließ damit endlich von ihm ab. Allerdings tigerte sie auch weiter giftig knurrend im Wohnzimmer auf und ab, was er sich skeptisch besah.
„Was denn noch?“, stöhnte er. „Die zwei Idioten regen mich einfach auf. Genauso Ron!“, knurrte sie das letzte etwas leiser. Draco hatte es dennoch vernommen und trat richtig in den Raum, wo er sich angefressen auf die weiße Ledercouch fallen ließ.
„War doch klar, dass sowas kommt. Nach McGonagalls Ansage ohnehin“, murrte er, sodass Hermione zu ihm sah. Er hatte die rechte Hand auf dem linken Arm liegen und massierte sich diesen leicht. Dabei konnte sie teils den Verband sehen, den er sich umgebunden hatte, damit niemand vielleicht zufällig einen Blick auf dieses hässliche Etwas erhaschen konnte. Etwas Hässliches, was sie auf die gleiche Art und Weise versteckte. Vor allen Anderen, aber auch sich selbst, womit sie sich zu ihm setzte.
„Das hört mit der Zeit auch wieder auf“, gab sie ihm nun wieder ruhig zu verstehen. „Klar!“, zischte er jedoch sarkastisch, was sie seufzen ließ, bevor sie aufmunternd meinte: „Früher oder später werden die Anderen auch kapieren, dass sie dir in der Richtung Unrecht tun. Ich mein. . . Ich hab irgendwann ja auch gemerkt, dass ich mit meiner Meinung über dich nicht richtig gelegen habe. Ich hab gesehen, dass du auch anders kannst, wenn du das willst. Und. . . Auch wenn’s am Anfang scheiße läuft, da. . . Blaise hat Recht. Lass dich davon nicht alle machen. Und wenn dir irgendeiner blöd kommt, ignorier es einfach. Fang keinen Streit an.“ „Hab ich den jetzt angefangen?“, sah er sie noch immer leicht stinkig an. Hermione lächelte entschuldigend.
„Nein aber. . . Wenn so etwas ist, dann lass dich nicht provozieren. Lass die Leute einfach stehen. Zur Not kann ich dir da ja noch ein bisschen helfen.“ Daraufhin sah er sie erneut knurrig an.
„Du mir helfen?“ „Was? Jetzt sag noch, ich bin dem feinen Herrn Malfoy nicht gut genug?“, wurde sie wieder sauer, worauf er etwas erwidern wollte, nur war Hermione schneller.
„Weißt du was, deine überhebliche Art kannst du dir sonst wo hinschieben. Ich hab es satt, mich von dir so minderbemittelt behandeln zu lassen. Wenn du unbedingt aufs Maul haben willst, dann. . .“ „Hältst du jetzt mal die Klappe?“, fauchte er und ergriff sie am Handgelenk, an dem er sie zu sich zog und wütend anfunkelte.
„Erstens, versteck ich mich nicht hinter einer Frau, vor allem nicht hinter dir und zweitens. . . Darf ich dich vielleicht an deine eigenen Worte erinnern? Du hast mir heute Mittag doch noch gesagt, dass du dich meinetwegen nicht mit deinen ach so tollen Freunden streiten willst“, zischte er.
„Ich frag dich jetzt aber mal, wie Sankt Potter es finden würde, dich zwischen einer Horde Testosteron gesteuerter Idioten zu sehen, weil du offensichtlich der Ansicht bist, ich könnte mich nicht vor solchen hirnlosen Schwachköpfen behaupten? Ich brauch kein Kindermädchen und ganz bestimmt keine Frau als Bodyguard! Ich werd mich benehmen, okay? Aber komm ja nicht auf die Idee, dich nochmal in so etwas einzumischen. Der Schuss kann schnell mal nach hinten losgehen. Hast du in der Großen Halle ja gesehen. Genauso vorhin auf dem Gang. Wenn du dich zu sehr mit mir abgibst, wird dir das ziemlich schlecht bekommen. Es würde mich noch nicht mal wundern, wenn dich deine tollen Freunde deshalb auf einmal wie eine Aussätzige behandeln und als Verräterin abstempeln. Deswegen hast du ihnen ja auch unser kleines Date heute verschwiegen, oder hab ich da was falsch verstanden?“, maß er sie durchdringend. In den grauen Augen tobte mittlerweile ein kleiner Sturm, der sie schlucken, wie auch leicht zittern ließ, denn er hatte Recht. Und zwar mit allem.
Sie hatte Angst vor den Reaktionen ihrer Freunde. Angst davor, dass sie nach wie vor nicht gewillt waren, Draco noch eine Chance zu geben, was sich an ihren Reaktionen bereits recht deutlich gezeigt hatte.
Auch wenn es nur Ron war, der explodiert war, so hatte sie trotz allem eine gewisse Fassungslosigkeit in den Zügen der Übrigen gelesen. Insbesondere bei Harry, in dessen Augen eine seltsame Wut gelegen hatte, als sie Draco verteidigt und noch einmal alle Tatsachen angesprochen hatte, die sich keiner wirklich vor Augen halten wollte. Dass er eben doch auf ihrer Seite gekämpft und ihr und Ginny damit das Leben gerettet hatte, wie auch anderen. Er hätte sich selbst dadurch den Rest geben können. Aber das sah niemand. Nur die ganzen Fehler. Viele Fehler und dennoch. . .
„Ja oder nein?“, bohrte er, worauf sie wieder zu ihm blickte und knapp mit dem Kopf schüttelte, sodass er sie losließ, womit sie noch ein wenig in ihren Gedanken trieb. Gedanken über ihn und damit die Dinge, die waren. Die vergangenen Jahre, aber eben auch das letzte Halbe. Allen voran das Halbe, ging ihr nicht aus dem Kopf. Was sie da von ihm gesehen und über ihn erfahren hatte. Sie hatten näher zueinander gefunden, sich angefreundet und einander Wärme und Halt gegeben. Teils bewusst aber auch unbewusst.
Mit am stärksten war ihr seltsamerweise das Gespräch im Cottage im Gedächtnis geblieben. Die Tatsache, wie sehr er sich dort um sie gekümmert und bemüht hatte. Dass er sie ohne weiteres hätte gehen lassen und damit alleine, wie auch schutzlos zurückgeblieben wäre. Freiwillig.
Sie hatte seinen Blick von damals erneut deutlich vor Augen. Er hatte in dem Moment auf sie gänzlich verloren gewirkt. Allein und gebrochen. Sie hatte ihn so nicht zurücklassen wollen. Selbst wenn sie in einer besseren Verfassung gewesen wäre, sie wäre dennoch nicht gegangen, dessen war sie sich inzwischen restlos sicher. Sie hätte ihn nicht zurückgelassen. Sie hätte keine Ruhe gehabt und wäre zurückgekommen.
Nur warum? Wie konnte es sein, dass diese Ereignisse ihren Blick auf ihn so sehr geändert hatten, dass sie ihn nicht mehr hasste und sich am Ende sogar für ihn eingesetzt hatte? Ihr war der Gedanke einfach unerträglich, dass er in der Dunkelheit Azkabans ums Leben kommen könnte, aufgrund von Dingen, die er, wie er ihr gesagt hatte, gar nicht gewollt hatte. Gegen die er sich mehr schlecht als recht, um nicht zu sagen gar nicht hatte wehren können.
Sie hatte seine Verletzungen damals ja gesehen. Sie hatte gesehen, was seine Familie, sein eigener Vater, ihm angetan hatte. Sie hatte miterlebt, dass er Draco letztlich sogar getötet hätte, weil er versucht hatte, sie vor diesen Grausamkeiten zu schützen.
Er war in den Kerkern der Schatten gewesen, der ihr in ihrer Verzweiflung Ruhe, Geborgenheit und allen voran Wärme gegeben hatte. Er war für sie da gewesen. Ausgerechnet er, wo sie sonst immer gedacht hatte, es wäre die größte Genugtuung, wie auch Freude für ihn, sie derartig verletzt am Boden zu sehen. Am Ende war das genaue Gegenteil der Fall.
Er hatte nicht noch nachgetreten, sondern versucht, es zu beenden und damit Schlimmeres zu verhindern. Und das hatte er letztlich auch. Er hatte ihr ein weiteres Mal das Leben gerettet, als er Voldemorts Fluch von ihr genommen hatte. Es war für ihn ein lebensgefährliches Unterfangen gewesen, dessen Risiko er dennoch eingegangen war. Für sie. Eine Tatsache, die ihr noch immer völlig unwirklich war. Völlig unbegreiflich. Trotzdem war es so, denn sie lebte. Er lebte. Es ging ihr soweit gut und ihm hoffentlich auch bald wieder, womit sie sich erhob und in das kleine Kitchenette trat, wo sie kurz in den Schränken wühlte. Draco besah es sich verwirrt.
„Was ist?“ Doch anstatt ihm eine Antwort zu geben, kam sie mit zwei Whisky Gläsern zurück. In der anderen Hand hielt sie eine Flasche von Ogdens Old Firewhiskey, was seine rechte Augenbraue verwirrt in ungeahnte Höhen wandern ließ.
„Willst du dich betrinken?“ „Nein“, gab sie ihm ruhig zurück und schenkte ein. Im nächsten Moment hielt sie ihm eines der Gläser hin.
„Ich dachte mir nur, dass es vielleicht Zeit wird, unter alles einen richtigen Schlussstrich zu ziehen. Der Krieg und alles was damit zu tun hatte, ist vorbei. Vergangen. Es gehört einer Vergangenheit an, von der ich nur zu gern vieles vergessen will. Und ich kann mir denken, dass es dir da genauso geht.“ „Hm“, machte er nur und nahm sich das Glas mit der goldgelben Flüssigkeit, sah sie am Ende aber noch immer etwas unschlüssig an. Hermione begann allerdings zu schmunzeln und hielt ihm plötzlich die Hand hin, nach der er verdutzt griff. Diese hielt sie warm, wie auch fest umschlossen.
„Darf ich mich vorstellen? Hermione Jean Granger. Ich bin neu in Hogwarts, Gryffindor und Schulsprecherin“, schmunzelte sie keck, worauf er sie kurz verwirrt ansah, bis die Erkenntnis in ihm langsam durchrieselte, was sie ihm damit sagen wollte und er selbst etwas dämlich zu grinsen begann.
„Schulsprecherin?“ „Ja.“ „Was für ein Zufall. Bin ich auch. Draco Malfoy. Slytherin. Ich hatte heute meinen ersten Tag.“ „Tatsächlich? Darauf sollten wir vielleicht anstoßen.“ „Na aber sowas von“, grinste er noch mehr, womit der Firewhiskey unter ihnen einen völligen Neuanfang einläutete. Ein weißes Blatt Pergament, das mit neuen Erinnerungen, Eindrücken und Erkenntnissen gefüllt werden wollte.
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Emma ist eine natürliche Schönheit – wenn sie also die ,normale‘ Hermine in ihrer Schuluniform spielt, müssen wir ihr Aussehen unter dem Make-up eher herunterspielen. Aber der Weihnachtsball erfordert natürlich das genaue Gegenteil – da konnten wir uns mit dem Make-up richtig austoben.