Was im Verborgenen liegt - Dinner for Two
von Alex2303
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Auch am Freitag sah man Hermione ihren Kummer nur zu deutlich an, dem Draco versuchen wollte etwas entgegenzuwirken. Und er wusste auch schon wie, weshalb er direkt nach dem Unterricht in den Gängen des Schlosses verschwand.
Hermione verkrümelte sich missmutig in ihren Turm in ihr Zimmer. Dort starrte sie die Rose beinahe unentwegt an, die sich zudem ein wenig seltsam verhielt. Die Blüte schloss und öffnete sich immer wieder, was wohl so viel heißen musste, dass Bens Gedanken gerade recht sprunghaft waren. Hermione vermutete, dass er mit irgendetwas beschäftigt war, seine Gedanken aber nicht zu 100% darauf verwenden konnte, sondern mit diesen immer mal zu ihr glitt.
Suchte er vielleicht gerade nach einer Möglichkeit sich ihr wieder zu zeigen oder sonst wie bemerkbar zu machen? Oder war er in Schwierigkeiten? Merlin, es machte sie wahnsinnig, nicht zu wissen was mit ihm war! Die Rose wieder zu haben, sie jeden Tag zu sehen, erschien ihr in dem Augenblick wie Fluch und Segen zugleich.
„Hermione?“, drang Dracos Stimme nach einer gefühlten Ewigkeit unverhofft zu ihr durch, worauf sich ihre Gedanken wieder im Hier und Jetzt einfanden. Sie neigte den Kopf zu ihrer Tür, an der es dann auch klopfte.
„Komm rein“, rief sie und hatte den Blonden im Kommenden in ihrem Zimmer. „Seit wann so förmlich?“, schmunzelte sie leicht neckisch. „Auch wenn man mir das in manchen Bereichen nicht unbedingt zuschreibt, aber ich habe durchaus Anstand und Manieren. Man platzt nicht ungebeten in das Zimmer einer jungen Frau, außer es brennt“, grinste er, was sie schmunzelnd quittierte.
„Und was führt dich in mein kleines Gryffindorreich?“ „Eine Überraschung“, grinste er auch weiter. Hermione guckte irritiert. „Überraschung?“ „Ja. Und zu dieser möchte ich dich bitten etwas Hübsches anzuziehen. Vielleicht dein Geburtstagskleid?“ „Kleid?“ Hermiones Verwirrung stieg immer mehr. Draco nickte.
„Kleid. Ja. Ich bin mir sicher es gefällt dir. Also?“, sah er sie ein wenig ungeduldig an. Hermione erkannte aber noch etwas anderes. Nämlich ein nur zu deutliches Leuchten in seinen Augen. Seine Überraschung schien ihm wirklich wichtig zu sein und die wollte sie ihm auch nicht verderben. Vielleicht lenkte sie diese ja auch etwas von ihren Gedanken und dem Kummer ab.
„Na schön. Ich zieh mich um.“ „So gefällt mir das. Ich warte im Wohnzimmer.“ Damit war er wieder weg und Hermione noch immer etwas ratlos. Am Ende suchte sie sich das Kleid raus, was sie von Blaise zum Geburtstag bekommen hatte, und machte sich auch so noch ein wenig zurecht. Wenn er sagte, sie solle sich etwas Hübsches anziehen, dann beinhaltete das auch ein wenig Kosmetik. Um ihre Haare irgendwie zu bändigen, dafür hatte sie am Ende aber keinen Nerv und flocht sie stattdessen zu einem Zopf, der locker über ihrer Schulter zum liegen kam.
Als sie mit sich zufrieden war, was dann schon über eine halbe Stunde gedauert hatte, wie sie erschrocken feststellte, beeilte sie sich ins Wohnzimmer zu kommen. Sie staunte ja, dass Draco noch nicht nach ihr gesehen hatte, wann sie denn endlich so weit war? Als sie ihn dann aber in einem der Sessel entdeckte, die Beine lässig übereinander geschlagen, wunderte sie seine scheinbare Geduld nicht mehr wirklich.
Er war ebenfalls frisch geduscht und rasiert. Und wie schon zu ihrem Geburtstag, hatte er sich auch jetzt farblich auf ihr Kleid abgestimmt, sodass sie schon allein von der Optik her sehr schön miteinander harmonierten. Überflüssig zu erwähnen, dass er in seinem etwas formellen Outfit mal wieder verboten gut aussah.
Als er sie entdeckte schenkte er ihr ein umwerfendes Lächeln, was ihr unweigerlich ein zartes rot in die Wangen trieb. Sie spürte nur zu deutlich dieses verräterische Kribbeln. Es war ein Rothauch, der Dracos Lächeln nur noch weiter mehrte, mit dem er sich schließlich erhob und zu ihr trat.
„Umwerfend wie immer“, meinte er und eroberte sich keck ihre rechte Hand, auf die er ihr kaum spürbar einen kleinen Kuss hauchte, was sie fast explodieren ließ, so sehr feuerten ihre Wangen bereits. Draco nahm es neckisch grinsend zur Kenntnis.
„Dann darf ich Mademoiselle Granger bitten?“, bot er ihr seinen Arm galant an, bei dem sie sich, noch immer etwas rot, unterhakte. „Na jetzt bin ich ja mal gespannt, was du dir ausgedacht hast“, gab sie ihm zu verstehen, als sie ihren Turm verließen und er sie durch die Gänge geleitete. Auf diesen trafen sie noch eine Handvoll Schüler, die auf dem Weg in die Große Halle zum Essen waren. Die verwunderten Blicke, die sich Hermione und Draco von ihnen einfingen, ließen Hermione am Ende doch ein wenig unruhig werden.
„Was hast du vor?“ „Überraschung. Wobei. . . Ich geb dir einen Tipp.“ „Der da wäre?“ „Es hat mit einem Versprechen zu tun.“ „Aha“, gab Hermione trocken von sich, denn sie war so schlau wie vorher. Draco amüsierte es. Es machte ihm einen heidenspaß, sie im Ungewissen zu lassen, denn das war ja etwas, was sie verrückt machen konnte, wenn sie etwas nicht wusste. Und da er sie noch etwas mehr kirre machen wollte, blieb er in einem leeren Gang stehen und zog ein schwarzes Tuch aus seiner Tasche, auf welches sie skeptisch sah.
„Was willst du denn damit?“ „Sicher gehen, dass meine Überraschung den richtigen Effekt hat und dass du nicht schummelst. Umdrehen.“ „Oh nein“, wehrte sie ab, als ihr klar wurde, dass er ihr die Augen verbinden wollte. „Jetzt sei nicht so. Oder vertraust du mir nicht?“, warf er gespielt enttäuscht ein, was Hermione aber für echt empfand und dem sofort widersprach.
„Natürlich vertrau ich dir!“ „Auch blind?“, bohrte er, worauf sie kurz zögerte und auf das Tuch in seinen Händen sah. Am Ende seufzte sie und drehte sich mit einem leicht gemurrten „Na dann mach schon, wenn es dich glücklich macht“ um. Kurz darauf war sie erblindet, spürte im Gegensatz nun aber eine warme Hand, die ihre hielt und sie sicher durch den Gang führte. Ein Genuss für Draco. Die Tatsache, dass sie das mit sich machen ließ. Dass sie ihm inzwischen wirklich blindes Vertrauen entgegenbrachte. Und damit dieses nicht verloren ging, führte er sie auch weiter mit größter Um- wie auch Vorsicht durchs Schloss, bis er sein Ziel erreicht hatte.
„Warte kurz“, meinte er und ließ sie für einen Moment los. „Was? Wieso? Draco!“, rief sie und war schon dabei, sich die Augenbinde abzunehmen. „Die Finger weg!“, warnte er, als er es sah. Hermione grummelte und verschränkte stattdessen die Arme stinkig vor der Brust, was ihn lachen ließ.
„Was sind wir heute wieder bockig.“ „Ich bin nicht. . .“ „Doch bist du“, meinte er neckisch und griff nun wieder nach ihrer Hand, über die er sie erneut an seiner Seite zu ihrem Ziel führte. Hermione hörte eine Tür gehen, hinter der ihr plötzlich angenehm warme Luft entgegen schlug, die eine leicht salzige Note beinhaltete. Dazu noch rauschen. Meeresrauschen?
„Wo . . . wo sind wir?“, fragte sie, als er sie nun an beiden Händen behutsam über den Parkettboden führte, denn sie hörte das Holz unter ihren Schuhen klappern. „Ich könnte ja sagen rate, aber. . .“, brach er ab und drehte sie noch etwas zur Seite. Hermione vermutete, damit sie das was-auch-immer richtig ins Auge fassen konnte.
„Fertig?“ „Was, wenn ich Nein sage?“ „Dann bleibst du blind, was aber nicht passieren wird, da deine Neugier immer größer ist. Nicht wahr?“, neckte er sie und stellte ein weiteres Mal zufrieden fest, dass sie rot wurde.
„Dann mach sie mal ab“, meinte Draco, der nun direkt hinter ihr stand und seine Hände auf ihre nackten Schultern legte, während Hermione ihre Neugier, wie er sagte, befriedigte. Kaum dass die Augenbinde weg war, blinzelte sie mehrmals auf den Anblick, der sich ihr bot. Dabei klappte ihr etwas undamenhaft der Kiefer runter, was Draco breit grinsen ließ. Kurz darauf drückte er ihr einen kleinen Kuss auf die Schläfe.
„Deiner Reaktion nach zu schließen, ist mir der erste Teil meiner Überraschung schon mal gelungen“, meinte er, während Hermione noch immer vollkommen verblüfft auf das vor sich blickte. Auf das Etwas, was er, wie schon Blaise zu ihrem Geburtstag, aus dem Raum der Wünsche herausgeholt hatte, denn in dem waren sie offensichtlich. Nur dass es mal wieder kein Raum war, sondern ein Ort. Und zwar eine idyllische kleine Bucht, in der sich tropische Palmen sanft im Wind wiegten, während sich das türkisfarbene Meer in sanften Wellen an einem weißen Puderzuckersandstrand brach. Am Horizont dessen, näherte sich die Sonne in einem kräftigen Orangerot dem Meer an, um in diesem zu versinken. Genau in Blickrichtung dessen, stand ein kleiner Pavillon am Strand, über den ein schneeweißer Baldachin gespannt war. Unter diesem befand sich ein gedeckter Tisch mit Kerzen und Blumen. Strelitzien, wie Hermione feststellte und schließlich, noch immer etwas überwältigt von dem Anblick, zu Draco sah.
„Ich bin dir noch ein Dinner schuldig“, schmunzelte er, was sie abermals zart erröten ließ. „Das. . . Wow“, mehr bekam sie für den Anfang nicht raus, womit Draco auch ganz zufrieden war. „Eigentlich wollte ich dich ja richtig ausführen, nur dürfte das in der nächsten Zeit leider nicht so ganz klappen. Mal ganz davon zu schweigen, dass ich Tonks da auf keinen Fall dabei haben will“, erklärte er weiter. In Hermiones Ohren klang es schon fast wie eine Entschuldigung, die sie mit dem Kopf schütteln ließ.
„Das hier ist toll! Ich mein. . . Restaurant kann ja jeder“, schmunzelte sie ihn an, sodass er wieder etwas lächeln konnte. Mehr noch, als sie weiter meinte: „Und du bist nicht jeder.“ „Merci, Mademoiselle“, gab Draco ihr zurück und deutete eine kleine Verbeugung an, bevor er ihr die Hand reichte.
„Würden Miss Granger mir die Ehre erweisen mit mir zu dinieren?“ „Liebend gern, Mr. Malfoy“, kokettierte sie schmunzelnd zurück und ließ sich von ihm über den kleinen Holzsteg, auf dem sie standen und der von Partyfackeln umsäumt war, zu ihrem Platz geleiten. Dort rückte er ihr, ganz Gentleman, den mit weißen Stoffen ausgekleideten Stuhl zurecht, auf dem sie sich niederließ. Kurz darauf nahm er selbst Platz. Das wiederum schien ein Signal auszulösen, denn damit ploppte es neben ihnen.
„Dobby!“, stieß Hermione überrascht aus, als sie den Elf sah. Dieser steckte in einem schneeweißen Handtuch und hatte eine schwarze Fliege um den Hals, was Hermione überrascht zu Draco schauen ließ, während sich der Elf kurz verbeugte und die Beiden schließlich voller Tatendrang anstrahlte.
„Dobby wird Miss Hermione und Master Draco heute Abend durch das Menü führen. Was möchte Miss Hermione trinken?“, richtete sich der Elf formell an die Hexe, die nicht gleich wusste, was sie sagen sollte.
„Oh! Ich. . . Ähm. . . Was gibt es denn zu essen?“, fragte sie zuerst, damit sie wusste, was sie trinken konnte. Draco schmunzelte. „Du hast 3 Fünf-Gang-Menüs zur Auswahl. Sie stehen in der Karte auf dem Teller. Dazu die empfohlenen Weine“, erklärte er ihr. Hermione entdeckte da auch erst die gefaltete Einlage in der Serviette, die sie sich nahm und studierte. Als sie die ganzen Leckereien las, schwindelte es ihr etwas.
„Ich wusste gar nicht, dass Hogwarts so etwas Exklusives in der Küche hat.“ „Haben sie auch nicht. Ich habe Dobby mit einer Liste nochmal in die Spur geschickt. Wenn du willst, kannst du dir auch etwas aus allen drei Menüs zusammenstellen“, schlug er ihr auch weiter schmunzelnd vor, da sie sich tatsächlich nicht entscheiden konnte und auch ein wenig mit allem überfordert war. Einmal was die Wahl der ganzen Leckereien anging, aber auch die Sache mit den Weinen, sodass sie ihn letztlich hilflos ansah.
„Bekomme ich wirklich zu jedem Gang einen anderen Wein?“ „Es wäre empfehlenswert, um den Geschmack am besten zum Tragen zu bringen. Du kannst natürlich auch bei einem bleiben, der dir am besten schmeckt. Was dir aber, denke ich, gerade die meisten Sorgen bereitet, ist die Menge. Die Gläser werden aber lediglich zu einem Drittel gefüllt. Du musst auch nicht austrinken vor dem nächsten Gang, wenn es dir zu viel ist. Der Wein soll das Essen, wie gesagt, nur etwas besser unterstreichen und den Gaumen zusätzlich ein wenig kitzeln“, erklärte er ihr ruhig, wie auch noch immer leicht schmunzelnd, sodass sie ihre Nase zurück in die Karte steckte und diese erneut studierte. Dabei bildeten sich hin und wieder kleine Denkfältchen in ihrer Stirn, was sein Schmunzeln noch etwas mehrte. Schließlich entschied sie sich für Menü 3:
Jakobsmuscheln auf Rucolasalat mit gerösteten Pinienkernen
‘94er Valmur Grand Cru Chablis, Burgund
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Toskanische Tomatencremesuppe mit Käsecroûtons
‘92er Sauvignon Blanc, Robertson
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Fruchtige Hähnchenspieße an Mango-Ingwer-Püree in Zwiebelsauce
‘90er Estate Bateluer Chardonnay, Robertson
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Kleine, zarte Kalbssteaks, in Zitronen-Pfeffersauce auf Bandnudeln
‘86er Hilltops Semillion, New South Wales
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Desservariation „Verführerisches Quartett“
‘75 Ultra Brut, Champagne
Kurz darauf hatte die Hexe ihren ersten Weißwein des Abends im Glas, wie auch etwas Wasser in einem zweiten.
„Ich nehm die Zwei“, gab Draco Dobby noch zu verstehen, der dem Blonden damit den entsprechenden Chardonnay reichte, bevor er in einer Verbeugung verschwand. Hermione konnte daraufhin nicht anders, als zu schmunzeln.
„Dobby als Oberkellner?“ „Er wollte mir gerne dabei helfen dir eine Freude zu machen.“ „Ist euch gelungen. Das hier ist wirklich sehr speziell.“ „Eine Schlange ist eben immer für eine Überraschung gut.“ „Besonders du“, neckte sie ihn. „Dem kann ich nichts hinzu fügen“, erwiderte er grinsend und nahm sich seinen Wein, während Hermione lachte und nochmal verträumt den Blick über die Bucht wandern ließ, in der sie sich befanden. Schließlich sah sie zurück zu Draco.
„Wie macht ihr das? Ich meine. . . Sich einen Raum zu wünschen ist ja noch verständlich, aber einen Ort in all seinen Details zu erschaffen, ist doch sicher kompliziert?“ „Es erfordert schon ein gewisses Maß an Konzentration und Vorstellungskraft. Für mich ist es auch das erste Mal, dass ich mir so etwas herbei gewünscht habe. Aber ich denke es hilft, wenn man schon einmal an dem Ort war, den der Raum annehmen soll.“ „Und was ist das hier für ein Ort?“, erkundigte sich Hermione neugierig.
„Die Karibik?“ „Warst du schon mal da?“ „Nein. Aber so würde ich sie mir vorstellen. Wir sind früher zwar sehr viel verreist, aber das hatte nie etwas mit Urlaub zu tun. Meistens waren die Geschäfte meines Alten der Hintergrund. Meine Mutter hat sich in der Zeit dann mit mir die Landeskultur angesehen.“ „Wie alt warst du da?“ „Es war noch vor Hogwarts. Ich bin lediglich im Sommer vor dem Dritten nochmal für zwei Wochen mit meiner Mutter in Frankreich gewesen, da sie auf eine Vernissage eingeladen war. Von den zwei Wochen abgesehen, waren meine Ferien meist . . . nervig“, gestand er ihr, was Hermione hellhörig stimmte, denn er hatte bei dem Wort nervig gezögert. Anscheinend hatte ihm zuerst etwas anderes auf der Zunge gelegen, was er aber nicht sagen wollte.
Hermione kam dadurch unweigerlich Dobbys Erzählung wieder in den Sinn, dass der alte Malfoy recht herrisch war. Aufgrund von Dracos Zögern vermutete sie, dass die Ferien für ihn nicht unbedingt immer Ferien waren. Ein plopp riss sie allerdings wieder aus diesen etwas dunklen Gedanken und Vorstellungen, womit sie zu Dobby sah, der den ersten Gang schwebend auf den Platztellern der beiden Magier arrangierte.
„Danke, Dobby.“ „Bitte Miss. Dobby wünscht einen Guten Appetit.“ Damit war der Elf auch schon wieder weg und Hermiones Blick auf den Teller gerichtet, dessen Inhalt viel zu stilvoll angerichtet war, als dass man es wagen wollte diese Kunst zu zerstören. Ein kleines Kunstwerk beschrieb ihren ersten Gang wirklich perfekt.
„Was ist?“, fragte Draco, als sie keine Anstalten machte zu essen. Als Hermione zu ihm sah, erkannte sie, dass er sich bereits etwas auf die Gabel gespickt hatte. „Ich trau mich nicht. Es sieht zu gut aus, um es einfach zu essen“, erklärte sie, worauf er lachte.
„Du findest das blöd, richtig?“, meinte sie verschämt. „Amüsant trifft es eher. Da wird sich Dobby freuen zu hören, dass du seine Arbeit so schätzt.“ „Dobby hat gekocht?“, staunte Hermione. Draco nickte. „Die anderen Hauselfen dürften ja mit dem normalen Abendessen beschäftigt sein. Und da Dobby frei ist, kann er sich auch um andere Dinge kümmern“, erklärte Draco. „Und jetzt iss deine Jakobsmuscheln, ansonsten wird Dobby enttäuscht sein. Und das willst du sicher nicht, oder?“, bohrte er wissend, worauf Hermione ihre Gabel nahm, und das kleine Kunstwerk zu verspeisen begann.
So umwerfend wie es aussah, so schmeckte es auch. Wie würde Ginny sagen? Es war wie ein Orgasmus auf der Zunge. Nicht das Hermione schon mal einen solchen gehabt hätte, so in etwa stellte sie sich diesen aber vor. Der Wein rundete das Ganze, wie Draco gesagt hatte, dann auch noch perfekt ab. Kaum dass sie fertig waren, da tauchte Dobby auch schon mit dem zweiten Gang auf und tauschte die Teller in einem fliegenden Wechsel.
„Wow“, entwich es Hermione wieder nur beim Anblick dessen. Draco freute es. Dass es der Hexe erneut die Sprache verschlug, aufgrund ihrer Faszination, denn es sollte schon etwas Besonderes sein. So gestaltete es sich auch mit dem dritten Gang, dem Hauptgericht und letztlich dem Dessert, welches, in Hermiones Fall, aus kleinen, raffinierten Törtchen, auf einem Erdbeer-Vanille-Spiegel bestand.
„Meinst du wir könnten die Elfen überreden, so etwas zu Halloween oder Weihnachten als Dessert zu zaubern?“, deutete Hermione auf ihren Teller mit den vier Frucht- und Sorbettörtchen. „Wir können ja mal anfragen, aber ich denke, das sollte kein Problem sein.“ Damit wurde auch der letzte Teller leer und lies eine rundum zufriedene Hermione zurück.
„Hast du noch Hunger?“, neckte Draco sie, als sie sich geschlagen in ihrem Stuhl zurücklehnte. „Nein. Noch ein Teller und ich platze“, scherzte sie. „Das wollen wir ja nicht. Noch etwas Champagner?“, deutete Draco auf ihr fast leeres Glas, worauf sie nickte. „Gerne.“ Kurz darauf hatte der Blonde den Ultra Brut bei der Hand und schenkte Hermione nach.
„Das mit dem Abendessen ist dir und Dobby wirklich gelungen“, brachte sie nochmal an und nippte an ihrem Sekt. „Freut mich zu hören. Allerdings bin ich noch nicht fertig.“ „Nicht?“, stutzte Hermione. Draco schüttelte mit dem Kopf und schloss kurz die Augen. Im nächsten Moment erklang aus dem Nichts ein ruhiges Musikstück, mit dem sich aus dem Sand eine reichlich 3x3 Meter große Parkettfläche erhob.
„Würdest du mit mir tanzen?“, fragte er höflich, mit einem Lächeln auf den Lippen, dem sie nichts abschlagen konnte und ebenso lächelnd die ihr dargebotene Hand ergriff. „Sehr gerne.“ Kurz darauf hatte er sie auf dem Parkett, welches ebenfalls von Partyfackeln umsäumt war, die ihnen warmes Licht spendeten, während die Sonne allmählich zur Gänze im Meer versank. Damit verschwand auch ihr Essbereich. Stattdessen tauchte dort eine gemütliche Sitzecke aus Korbmöbeln mit schneeweißen, weichen Bezügen und einem dazugehörigen Kaffeetischchen auf, auf dem ihre Gläser und ein paar Teelichter standen.
Hermione bemerkte es lediglich aus den Augenwinkeln, da ihre übrige Konzentration auf Draco lag, der wieder ein leicht verträumtes Lächeln auf den Lippen, aber auch in den Augen hatte. Eines, was sie mit ihm teilte, denn sie fühlte sich in der Tat gerade etwas wie in einem Traum. Fernab all der Dinge die waren, in einer scheinbar anderen Realität. Sie ließ sich von ihm zu den sanften Klängen führen und tauchte so mehr und mehr in seine grauen Augen ein, die ihr einmal mehr wie flüssiges Silber erschienen. Glänzend und strahlend.
„Gefällt es dir?“, fragte er nach einer Weile. Auf den Lippen noch immer dieses liebevolle Lächeln. „Die Frage ist überflüssig.“ „So?“ „Du kennst mich inzwischen gut genug, um zu wissen, dass du hiermit voll ins Schwarze getroffen hast. Es ist traumhaft“, gab sie ihm die gewünschte Bestätigung, was ihn noch breiter lächeln ließ, wenngleich sich Hermione einmal mehr fragte, wie er sie so gut einschätzen konnte, was ihre Vorstellungen anbelangte? Wie konnte er wissen, was sie sich tief versteckt wünschte? Ja, was ihr eben gefiel. Wirklich gefiel. Wenn sie da an Harry und Ron dachte, wobei. . . Ron konnte sie ohnehin gleich außen vorlassen, da er nie weiter auf ihre Bedürfnisse und Wünsche geachtet hatte. Was das anging, da waren ihre drei Schlangen um so vieles aufmerksamer und kreativer, was die Umsetzung ihre Pläne anbelangte.
„Danke für den wundervollen Abend.“ „Willst du schon zurück?“, fragte er etwas enttäuscht. Hermione schüttelte mit dem Kopf. „Nein.“ „Dann sag noch nicht Danke und lass uns den Abend noch länger leben und genießen“, hauchte er und schickte sie in eine sanfte 180° Drehung, sodass sie mit dem Rücken an seiner warmen Brust zum liegen kam. Kurz darauf glitten seine Hände über ihre schlanken Arme zu ihren Händen, die er mit seinen verflocht und ihr diese um den Bauch schlang, über den er sie noch fester zu sich zog. Die Lippen an ihrem Ohr.
„Gibt es denn irgendetwas, was du dir noch wünschst?“, flüsterte er und strich mit seinen Lippen hauchzart über ihr Ohr. „Im Moment nicht wirklich“, gab sie ihm ehrlich zurück und legte den Kopf etwas an seine Schulter. Sie fühlte sich im Augenblick in seinen Armen unglaublich wohl und geborgen. Ähnlich wie in den vergangenen Nächten schon, in denen sie sich an ihn hatte kuscheln können. Es hatte ihr mehr als gut getan, nicht allein zu sein. Genauso Draco. Er schlief vollkommen ruhig, wenn sie bei ihm war, was sie schon irgendwo faszinierte. Wie sehr es die Seele beruhigen konnte, wenn man einfach nur einen lieben Menschen in der Nähe wusste. Sie halfen sich gegenseitig mit dieser Nähe. Stützten einander und gaben dem anderen Kraft, wenn dieser keine mehr hatte. Zuversicht.
„Sicher?“, flüsterte er, worauf ihr ein kurzer, angenehmer Schauer durch den Körper ging, allein aufgrund seiner Stimme, die sie die Augen für einen Moment schließen ließ. „Sicher. Das hier ist wie ein Traum“, murmelte sie dann auch verträumt und sah ihn über ihre Schulter hinweg lächelnd an.
„Ich hätte es früher wirklich nie für möglich gehalten, dass in dir so ein wundervoller Mensch steckt.“ „Vielen Dank“, schmunzelte er und drehte sie wieder zurück, sodass sie sich erneut ungehindert ansehen konnten.
„Es bedeutet mir unheimlich viel, dass du mich inzwischen so sehr mit anderen Augen siehst“, gestand er ihr, worauf sie lächelte und den Kopf auf seine Schulter bettete. Auf den Lippen nach wie vor ein verträumtes, glückliches Lächeln.
„Ich bin wirklich glücklich, dass ich in dir letztlich auch so einen liebevollen und besonderen Freund gefunden habe, wie in Harry.“ Auf die Aussage durchzuckte es Draco kurz gefährlich, dem zudem seine Züge für einen Herzschlag entglitten. Hermione blieb dieses Zucken jedoch verborgen, da sie mit dem Kopf auch weiter verträumt an seiner Schulter lehnte und, unwissend seiner momentan inneren Pein, weiter sprach.
„Du weißt ja, dass ich ein Einzelkind bin und auch früher, vor Hogwarts, nie weiter jemanden hatte. Ich habe erst in Hogwarts erfahren, was es heißt Freunde zu haben. Wie das ist. Und Harry. . . Mit Harry verbindet mich irgendwie noch etwas mehr. Ich würde ihm blind mein Leben anvertrauen. Ich habe es in dem Sinne ja auch bereits mehr als einmal getan. Er ist für mich wie ein Bruder. Wie ein bestimmter Teil von mir. Und als dieser war er immer irgendwie an meiner Seite, wenn ich ihn gebraucht habe, so wie du jetzt.“ Daraufhin sah sie ihn wieder glücklich lächelnd an, während Draco erheblich mit sich zu tun hatte, seinen Unmut und den Frust über diese Aussage zu verbergen, denn es war nicht das, was er gerne von ihr hören wollte.
Dass sie seiner Person nach allem genauso viel Bedeutung, und damit sicher auch einen ganz speziellen Platz in ihrem Herzen beimaß, wie Harry, war ganz sicher nicht zu verachten. Immerhin war sie bereit für Harry durch die Hölle zu gehen, wie sie eben auch gesagt hatte. Dennoch war es nicht die Bedeutung, die er seiner Person beigemessen haben wollte. Er wollte diesen einen, speziellen Platz in ihrem Herzen haben. Nur sank sein Mut, wie auch die Hoffnungen darauf, diesen Platz je zu bekommen, mit dieser Aussage wieder bis tief in den Keller und noch weiter.
„Was ist?“, hakte Hermione schließlich nach, da er es letztlich doch nicht zu 100% hin bekam, seine wachsende Depression hinter einer gekünstelten, glücklichen Fassade zu verbergen. Als er sich dessen bewusst wurde, setzte er wieder sein charmantestes Lächeln auf und schüttelte mit dem Kopf.
„Nichts“, meinte er und führte sie weiter elegant zu den ruhigen Klängen. Hermione blieb skeptisch. „Glaubst du mir nicht?“, vermutete sie. „Was?“ „Was ich dir gerade gesagt habe? Ich hab das wirklich so gemeint.“ Leider, dachte er bitter. „Du bist mir wirklich wichtig und ich will dich nicht mehr missen müssen.“ „Das ist. . .“ Nett? Schön? Gut zu wissen? Frustrierend? Er wusste nicht, was er ihr darauf antworten sollte. Nur war sein Schweigen leider auch nicht gerade förderlich für ihre Skepsis.
„Draco? Was ist denn?“, wurde sie allmählich besorgt, worauf er kurz geschlagen die Lider niederschlug und sich nochmal versuchte, etwas zu sammeln, bevor er sie wieder warm lächelnd ansah. „Ich bin einfach bloß sprachlos.“ Und das war sogar die Wahrheit. Nur aus anderen Gründen als die, die Hermione vermutete. Seine Erklärung begann sie aber wieder zu beruhigen, denn ihre Lippen zierte erneut ein kleines, glückliches Lächeln.
Am Ende kuschelte sie sich mit dem Kopf wieder zufrieden an seine Brust und ließ sich auch weiter von ihm, wie auch den sanften Klängen führen und tragen. Sie genoss einfach nur den Augenblick. Die Ruhe, die Nähe, die Wärme, diese kleine Idylle, in der sie mit ihm weilte. Eine Idylle, in der sie am liebsten ewig verharren würde, denn in diesem kleinen Paradies konnte sie alles was war vergessen.
Es war wie ein Urlaub fernab der teils noch immer so deprimierenden und vor allem bitteren Realität. Eine kleine Seifenblase. Eine, die dafür sorgte, dass sie mit der Zeit noch etwas mehr aufrückte und sich verschmust, wie auch zufrieden noch stärker an ihn kuschelte, was Dracos Gedanken und Empfindungen gehörig in Wallung brachte. Zeitgleich reagierte er instinktiv auf ihre veränderte Haltung und schloss sie noch etwas mehr in seine Arme.
Er hatte keine Ahnung was er denken, geschweige denn tun sollte, denn diese intime Nähe begann ihm mal wieder das Hirn zu vernebeln. Am liebsten würde er sich jetzt mit kleinen Küssen von ihrem Nacken aus zu ihren Lippen vorarbeiten, um sie im Anschluss besinnungslos zu küssen, wäre da nicht ihre blöde Ansage. Dass sie für ihn nur das Gleiche empfand, wie für Harry. Wie für einen Bruder. Wenn er sie nach dieser Erklärung jetzt küssen würde, sie würde dann sicher genauso verschreckt und panisch reagieren, wie letztens nach ihrem Geburtstag. Sie würde wieder auf Abstand gehen und das war das Allerletzte, was er wollte.
Er saß in einer verdammten Zwickmühle, aus der er jetzt noch weniger einen Weg sah, als zuvor schon. Zwar hatte Charlie gemeint, er solle Hermione die Geschwindigkeit bestimmen lassen. Dass sie irgendwann schon merken würde, dass sie selbst etwas anderes wollte als nur eine Freundschaft. Immerhin hatte sie ihn letztens geküsst. Und da war sie nüchtern gewesen, von daher konnte er sich da schon etwas darauf einbilden. Nur warum zeigte sie ihm dann mit dieser blöden Erklärung auf einmal die Grenzen auf? Sollte sie am Ende wirklich so große Angst vor seiner Zurückweisung haben, wie er aus ihrer Reaktion und versoffenen Erklärung am ersten Abend herausgefiltert hatte? Es wäre zumindest eine Erklärung auf ihre Panik nach dem letzten Kuss, und zudem eine Angst, die er ebenso teilte.
Ihre Reaktion bezüglich des ersten Kusses hatte ihm ja schon einen mörderischen Schlag ins Innerste versetzt. Ähnlich nach dem Zweiten, dem dann noch diese kühle Distanz zwischen ihnen gefolgt war. Sie hatte versucht ihn zu meiden, um nicht über diese Sache reden zu müssen. Wenn er jetzt voll auf Angriff ging und seine Karten auf den Tisch legte, standen die Chancen 50/50. Sieg oder Niederlage. Über Letzteres wollte er nicht nachdenken und schob den Angriff damit wieder auf die lange Bank. Er war eben kein Löwe.
Stattdessen genoss er das Hier und Jetzt, hielt Hermione noch fester und verdrängte damit seinen sehnlichsten Wunsch mal wieder in die hinterste Ecke seines Geistes. Er hatte schließlich so lange gewartet, da musste er jetzt auch nicht alles auf Biegen und Brechen erzwingen. Nach ihrer Erklärung ohnehin nicht. Das würde jetzt hier, zweifellos nach hinten losgehen. Und nach allem was war. . . Er wusste nicht, ob er das noch ertragen würde oder könnte, denn er wollte nicht verlieren was er jetzt mit ihr hatte.
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Es war leichter gewesen, als er erwartet hatte. Die einstigen Sicherheitsvorkehrungen und Schutzzauber, die über dem alten Herrenhaus lagen, waren nur noch ein schlechter Witz. Das waren sie zwar früher schon, verglich man sie mit denen seines Manors. Das jetzt aber war nicht einfach nur leichtsinnig, sondern schlichtweg dumm. Dieses Mädchen war in der Tat zu nichts anderem imstande, außer, die Beine bereitwillig für andere breit zu machen. Nicht immer ein so schlechter Aspekt, nur hatte sie nie begriffen, dass man damit allein in bestimmten Kreisen auch nicht wirklich weiter kam, als bis zum Fußabstreicher.
Gewisse Nettigkeiten, die mit Geld verbunden waren, konnte man sich damit zweifellos noch sichern, dann hörte es aber auch schon auf. Sie sicherte sich damit nur den Platz einer billigen Mätresse der Großen, nicht aber den Platz an der Seite einer führenden Persönlichkeit. Dazu gehörte so vieles mehr, was sie nie verstanden hatte und auch nie begreifen würde. Ein Aspekt, der ihm nun sehr dienlich sein würde. Ihre Leichtgläubigkeit und vor allem Dummheit.
So näherte er sich dem schwach beleuchteten Haus, in dem sie, neben einer Handvoll Hauselfen, nur zu offensichtlich allein war. Die Hausherren hatten es wie erwartet vorgezogen, England zeitweise zu verlassen, bis eine gewisse Ruhe eingekehrt und Gras über die Geschehnisse gewachsen war. Eine weise Entscheidung, die ihr Töchterchen nicht zu teilen schien. Noch etwas, was ihm zugute kam.
Er würde mit ihr allein sein. Niemand würde ihm in sein Vorhaben pfuschen. Eines, mit dem er an die hohe Ebenholztür trat und mit dem massiven Messingtürring gegen diese schlug, was ein dumpfes hallen dahinter verursachte. Kurz darauf wurde ihm zögerlich von einer Hauselfe geöffnet.
„Sie wünschen ?“, piepste die Elfe verschüchtert und erntete zur Belohnung einen eiskalten Blick. „Du weißt wohl nicht wer hier vor dir steht ?!“, herrschte Lucius die kleine Elfe überheblich an, die unter seiner Stimme wie geschlagen zusammenzuckte.
„Tinki ist untröstlich. Natürlich erkennt Tinki Mr. Malfoy.“ „Was stehst du dann noch hier rum ? Deine junge Herrin erwartet mich !“, herrschte er sie weiter an, wissend, dass die Elfe es nicht wagen würde, ihm zu widersprechen.
Sie trat hastig beiseite und gewährte Lucius den geforderten Einlass. Dieser stolzierte, so überheblich wie es ihm möglich war, dann auch schon an dem sich noch immer tief verbeugendem Geschöpf vorbei, bevor die Elfe hastig wieder vor ihn rannte, um ihn ins Kaminzimmer zu führen. Sie verschwand in diesem zu einer mitternachtsblauen Couch, um Lucius entsprechend anzukündigen.
„Miss ?“, piepste sie vorsichtig. „WAS ?!“, fauchte ihre Herrin gereizt, worauf die Elfe abermals zusammenzuckte. „Tinki wollte nicht stören, aber der werte Mr. Malfoy ist hier und. . .“ „Wie bitte ?!“, kreischte die Hexe daraufhin jedoch schrill, wie auch zornig und schmiss ihr Glas Rotwein wütend gegen die schneeweiße Wand, die damit ein hässlicher Fleck zierte.
„Diese widerliche kleine Ratte wagt es nach allem hierherzukommen ? Wo ist dieser elende Blutsverräter ? Ich werde. . .“, zischte sie, stand auf und drehte sich wie eine Furie mit dem Zauberstab in der Hand um, um ihren Gast aus dem Haus zu fluchen. Als sie die hochgewachsene, weißblonde Gestalt dann aber vor Augen hatte, klappte ihr der Kiefer runter, während sich ihre Augen weiteten, zweifelnd an der Echtheit des Bildes, was sich ihr bot.
„Was . . . wie. . .“, stammelte sie, was ihn zufrieden grinsen ließ. „Lange nicht gesehen, meine Liebe“, flötete Lucius gespielt charmant und ließ seinen Blick ein wenig anzüglich über ihre spärlich bekleidete Erscheinung wandern. Sie trug lediglich ein tiefrotes, knapp geschnittenes Negligee mit schwarzer Spitze, welches ihr kaum bis über den Hintern reichte. Darüber hatte sie sich nur noch einen schwarzen Seidenmorgenmantel gestreift. Zweifellos hatte sie vorgehabt in nächster Zeit zu Bett zu gehen. Daraus würde nun allerdings nicht so schnell etwas werden.
„Aber . . . aber. . .“, brachte sie auch weiter nur unkontrolliert heraus. Lucius derweil trat näher und klopfte sich imaginären Schmutz von der Schulter. Er hatte es vorgezogen, sich vor seinem Kommen noch etwas herzurichten. So hatte er unter anderem auch einem exklusiveren Bekleidungsgeschäft in Muggellondon einen kurzen Besuch abgestattet, und dieses um ein paar entsprechende Spenden erleichtert. Viel länger hätte er es in diesem verwanzten Zeug aus Askaban auch wirklich nicht mehr ausgehalten. Und ein paar minderwertige Muggel zu verhexen, war ja nun nicht das Problem. Zwar entsprachen die Stoffe und Schnitte nicht wirklich seinen Ansprüchen und Stil, aber in der Not. . .
So achtete er jetzt auch nicht weiter auf die Verwirrung der jungen Hexe, sondern trat wie selbstverständlich näher und nahm in einem der bequemen Sessel Platz. Den Blick der Hexe auch weiter fassungslos auf sich gerichtet.
„So schweigsam habe ich dich gar nicht in Erinnerung“, begann er schließlich leicht amüsiert und riss sie damit aus ihrer Schockstarre. Sie machte den Mund endlich zu, schüttelte für sich mit dem Kopf und deutete letztlich mit dem Zauberstab auf ihren Gast.
„Was wollen Sie ?“, zischte sie und funkelte ihn wütend an. Lucius besah es sich amüsiert. „Na na, wer wird denn ? Setz dich doch“, bot er ihr höflich einen Platz in ihrem eigenen Heim, bevor er sich die Hauselfe harsch heran zitierte.
„Was stehst du hier so unnütz rum ? Willst du uns nicht endlich etwas vernünftiges zu trinken bringen ?!“ „Sehr wohl !“ Damit war die Elfe weg und die Hexe mit dem Todesser allein.
„Ich dachte, wir unterhalten uns ein wenig ?“ „Warum sollte ich ? Wieso sind Sie überhaupt hier ? Das Ministerium sucht Sie und die anderen.“ „Du erzählst mir nichts Neues“, gab Lucius gelangweilt von sich, als die Elfe auch schon mit einem kleinen Tablett zurückkam. Auf diesem ein Glas teurer Cognac, wie auch ein neues Glas Rotwein für ihre Herrin.
Lucius nahm sich den Cognac und schwenkte ihn kurz, bevor er das exklusive Getränk an seine Lippen führte. Die Sorte war zwar nur drittklassig, aber nach den entbehrungsreichen Monaten in Askaban durchaus annehmbar und genießbar. Mehr gaben die Getränkekeller dieses Hauses ohnehin nicht her, wie er wusste. Was die Elfe ihm gebracht hatte, war schon das Beste, was sie zu bieten hatten.
„Deiner Reaktion zuvor zu schließen, gehe ich doch Recht in der Annahme, dass du auf Draco zurzeit so gut zu sprechen bist wie ich“, meinte er, worauf sie schnaubte und sich ruppig das Weinglas vom Tablett griff, dessen Inhalt sie in einem Zug hinter kippte, bevor sie das Glas energisch wieder auf dem Tablett abstellte, sodass die arme Elfe unter dem Druck etwas in die Knie ging.
„Wissen Sie, was er getan hat ?!“, keifte sie wütend und überging damit die eben noch vorhandene Unsicherheit aufgrund der Tatsache, dass sie einen flüchtigen Todesser vor der Nase hatte. Lucius wiederum nickte träge.
„Durchaus. Ich habe die damaligen Berichte gelesen“, meinte er ölig, was sie schnauben ließ. „Ich kann noch immer nicht glauben, dass er tatsächlich gemeinsame Sache mit diesem dreckigen Schlammblut gemacht hat !“, keifte sie außer sich und schmiss sich wütend zurück auf die Couch. Lucius besah es sich süffisant. Temperament hatte dieses Mädchen ja schon immer gehabt. Und so wild, wie sie aussah und sich gab, hatte sie anscheinend auch schon mehr als zwei, drei Gläser Wein intus.
„Es war für uns alle ein Schock, glaub mir. Mehr noch, als sich nach und nach gezeigt hat, dass er uns nur zu offensichtlich systematisch infiltriert hat.“ „Dann war das also kein blöder Scherz“, murmelte sie leise vor sich hin. „Was ?“ „Zabini. Er hat im Mai so etwas angedeutet. Draco hat es mir kürzlich selbst ja noch höhnisch unter die Nase gerieben“, knurrte sie sauer, bevor sie nach der Hauselfe brüllte.
„Tinki !“ „Miss haben gerufen ?“, erschien die Elfe verängstigt in einem plopp, sowie der obligatorischen Verbeugung neben der Hexe. „Wein !“, war jedoch alles, was sie zu hören bekam. Mehr musste sie aber auch nicht hören, um zu wissen, was sie zu tun hatte. „Sofort.“ Damit war sie erneut verschwunden.
„Die ganze Zeit über hat er mich nur verarscht und benutzt“, zischte sie vor sich hin und ballte die Hände wütend zu Fäusten. „Uns alle“, meinte Lucius zustimmend, worauf sie gefährlich mit den Zähnen mahlte. In dem Augenblick tauchte die Elfe mit einem neuen Weinglas auf, welches dann aber auch gleich wieder leer war.
„Und dann auch noch mit dem Schlammblut“, knurrte sie weiter vor sich hin und steigerte sich so zunehmend in ihre Wut, wie Lucius zufrieden feststellte. Je mehr sie sich darauf fixierte, umso besser konnte er sie kontrollieren. Der Imperius würde zwar auch sein übriges tun, aber warum sich die Mühe machen, wenn es auch so einfach ging ? Zumal er so noch ein paar Möglichkeiten mehr hatte, wenn sie von sich aus mitspielte und klar im Kopf war. Der beste Weg dahin schien, sie mit dem Schlammblut zu reizen. Mit der Tatsache, dass Draco nur zu offensichtlich spezielles Interesse an dieser Hexe hatte. Das würde sie rasend machen. Und eine eifersüchtige und sich vor allem verarscht und betrogen fühlende junge Hexe, konnte eine Furie sein, die direkt der Hölle entsprungen war.
„Er scheint dieses etwas vermutlich schon sehr, sehr, seeehr lange mit ihr gehabt zu haben. Zumindest deutet einiges darauf hin. Und so wie sich Granger wohl zu seiner Verhandlung gegeben hat. . . Wer weiß“, stocherte Lucius noch mehr in der Wunde, während sein Gegenüber fleckig rot vor Wut im Gesicht wurde, und damit das zweite Glas gegen die Wand flog.
„Miststück.“ Wer von beiden ?, dachte sich Lucius leicht amüsiert, tippte am Ende aber auf das Schlammblut. „Die Verbindung, die sie zu Zabini und Harper hatte, hat offensichtlich nicht nur deren Geist vergiftet, sondern nach und nach auch Dracos.“ „Wieso die ?“, spuckte sein Gegenüber abfällig, die Lucius’ Worten nur am Rande lauschte und sich stattdessen mehr in die Vorstellung hineinsteigerte, dass Draco eine Affäre und mehr mit der Gryffindor Hexe hatte. Und das eben schon während der Jahre vor Ausbruch des Krieges.
„Was findet er an dieser hässlichen, nervigen, dummen Kuh ?“, knurrte sie gepresst. „Ich kann es dir nicht sagen, Liebes“, säuselte Lucius, stand auf und trat hinter die junge Hexe, der er die Hände auf die angespannten Schultern legte und diese ein wenig knetete. Noch etwas mehr und er hatte sie so weit, dass sie ihm aus der Hand fressen und tun würde was er sagte, wie auch verlangte.
„Fakt ist, dass er uns alle getäuscht und verraten hat. Unsere Werte und Ideale. Hätte er getan, was er gelehrt bekommen hat und wofür er ausgebildet worden ist, dann wäre diese ganze Geschichte anders ausgegangen. Stattdessen hat er sich auf das Niveau der Weasleys begeben“, schnarrte Lucius abfällig, während die Hexe angewidert grunzte.
„Er hätte großes vor sich gehabt. Eine der höchsten Stellungen unter dem dunklen Lord. Er hätte dessen rechte Hand werden können. Wir alle hätten eine wahrlich wundervolle, glänzende Zukunft vor uns gehabt. Jetzt aber. . . Sieh uns an. Wir, die hohe und geschätzte Gesellschaft der magischen Welt, liegen am Boden, werden verfolgt und verachtet. Deine Familie hat es doch auch nur deswegen vorgezogen England zu verlassen, nicht wahr ?“, sprach er seine Vermutung aus, worauf sie grimmig nickte und ein neues Weinglas in einem zug leerte, welches Tinki bereits ohne Aufforderung bereitgestellt hatte, um ihre Herrin nicht noch weiter zu verärgern.
„Allerdings haben wir vor, das wieder zu ändern“, säuselte er ihr verführerisch ins Ohr, während er ihre leicht verspannte Nackenmuskulatur durchknetete, was sie wohlig seufzen ließ. „Wir sind noch nicht am Ende, meine Liebe. Uns stehen trotz allem noch Möglichkeiten zur Verfügung, unseren rechtmäßigen Stand zurückzuerlangen. Dafür aber brauchen wir für den Anfang etwas Hilfe“, säuselte er weiter und ließ seine Lippen dabei hauchzart über ihren Nacken wandern, auf den er dann auch die ersten Küsse zu platzieren begann. Dass er bereits damit Erfolg hatte, zeigte ihm die leichte Gänsehaut, die sich in ihrem Nacken abzeichnete. Ebenso das seichte Zittern, was ihren Körper durchfuhr.
„Wir brauchen deine Hilfe, meine Teure“, säuselte er weiter und platzierte seine Lippen schließlich erneut hauchzart, mit ein wenig mehr Druck, auf ihrem Nacken. „Mit deiner Hilfe können wir unseren alten Werten wieder zu neuem Glanz verhelfen. Wir können den ganzen Schlammblütern und Blutsverrätern noch immer ihren Platz zeigen. Es gibt einen Weg, um unser aller Ansehen wiederzuerlangen. Der Krieg ist noch nicht entschieden, auch wenn diese Dummköpfe davon ausgehen gesiegt zu haben. Uns kann es jetzt nur zum Vorteil gereichen, da sie sich in vollkommener Sicherheit wiegen“, flüsterte er und arbeitete sich zeitgleich immer mehr mit seinen Lippen vor. Lippen, an denen die Hexe inzwischen mit leicht verklärtem Blick hing und seinen Worten lauschte.
„Und wie ? Wie soll das gehen ?“, fragte sie, worauf sich Lucius mehr zu ihr neigte und sich schließlich neben ihr niederließ. Seine stahlgrauen Augen wiederum nahmen die Ihren gefangen, und begannen sie schon leicht zu hypnotisieren.
„Wir haben einen Plan, Liebes. Dieser aber muss richtig ausgearbeitet werden. Und dafür brauchen wir Hilfe“, brachte er nochmal an und strich ihr dabei zärtlich über die Wange. „Wir brauchen deine Hilfe, um die richtige Struktur wiederherzustellen. Die alten Gesetze. Und wenn es so weit ist, nun. . .“, säuselte Lucius und näherte sich ihr immer mehr, bis sich seine Lippen schließlich mit den ihren trafen und er sie in einen feurigen Kuss entführte, der noch ein zusätzliches Verlangen in ihm weckte. Sexuelle Gelüste, die er gestillt haben wollte. Zu entbehrungsreich waren die vergangenen zwei Jahre gewesen. Da war nur die eine Nacht im März gewesen, als er den ganzen Druck und Frust in einem harten, energischen Fick an dem Schlammblut hatte auslassen können. Aber selbst dabei war er gestört worden, bevor er sich ausreichend hatte befriedigen können. Dass Draco damals so reagiert hatte, wie er reagiert hatte, wunderte ihn inzwischen nicht mehr.
Hatte Lucius ursprünglich noch gedacht, dass es ihm um den verbliebenen, letzten Rest Stolz ihrer Familie gegangen war, den Lucius mit seinem Handeln besudelt hatte, so wusste er es nun besser. Er hatte das bedrohliche, schon fast mordlüsterne Funkeln in Dracos Augen damals völlig falsch gedeutet. Als er nun daran dachte, amüsierte es ihn etwas, denn er hatte seine Brut damals ganz offensichtlich an einem besonders schmerzhaften Punkt getroffen. Er hatte etwas zerstört, was Draco gehörte. Etwas recht spezielles. Es war ein Wissen, was ihm noch recht dienlich sein würde. Das Wissen um Dracos größten Schwachpunkt, den er bis dahin perfekt zu verstecken gewusst hatte. Nun aber war es ein recht offenes Geheimnis, womit er zurück auf das frühere Spielzeug, und damit anscheinend auch die Tarnung seiner verhassten Brut blickte.
Sie sah ihn auch weiter mit den leicht vernebelten braunen Augen an, die bereits ein wenig lustverhangen waren. Ihr deutlich gesteigerter Alkoholpegel spielte ihm so noch zusätzlich in die Hände. Sie war in einem nur zu willigen Zustand, den er jetzt und hier nutzen würde. Zu sehr schrie und pochte sein Schwanz bereits in freudiger Erwartung. Das sie mitspielen würde, daran hatte er keine Zweifel, auch wenn er sich selbst dafür leider etwas anstrengen musste, um auch ihr Befriedigung zu verschaffen. Allerdings konnte es ihm am Ende nur dienlich sein, wenn sie ihm richtig verfallen war und glaubte zu bekommen, was sie wollte.
„Sie werden fallen. Alle. Und wenn es so weit ist, wirst du an der Seite der Großen stehen und das bekommen, was dir schon immer zugestanden hat“, säuselte er und nahm erneut ihre Lippen gefangen, während seine Hand in ihren Nacken wanderte, über den er ihren Kopf stärker zu sich zog und den Kuss dadurch intensivierte, bevor er sie richtig auf den Rücken zwang und sich selbst über ihr positionierte. Die Hexe jedoch unterbrach den Kuss, was ihn bereits etwas in sich hinein knurren ließ. Er hatte keine Lust sich jetzt noch weiter mit dem Imperius abzumühen, um sie gefügig zu machen.
„Ich bekomme was ich will ?“, fragte sie dann aber, worauf er nickte. „Alles, Liebes. Alles“, versicherte ihr Lucius, worauf sich ihr Blick unheilvoll verdunkelte, als sie ihre Forderung stellte. „Ich will ihn ! Ich will ihn dafür bluten lassen, dass er mich die ganze Zeit benutzt und verarscht und vorgeführt hat“, funkelte sie Lucius zornig an, der auf ihre Worte hin wieder grinsen konnte. Und das recht bösartig.
„Das liegt nicht nur in deinem Interesse, Liebes. Mir schwebt da auch schon etwas ganz spezielles vor, was ihm mehr Qualen bereiten wird, als der schmerzvollste Fluch. Sei dir sicher, du bekommst was immer du willst von mir.“ Mit diesen Worten senkte er sein Haupt wieder und verschloss ein weiteres Mal seine Lippen mit den ihren, nach denen sie nun auch zu gieren begann, wie Lucius mit Freuden feststellte. Kurz darauf wanderten seine Hände auch schon forsch unter ihr Negligee.
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Mittlerweile war es später und später geworden und somit auch Nacht. Allerdings hatten weder Hermione noch Draco Ambitionen diese Idylle, und somit auch den Traum, in dem sie sich gewissermaßen befanden, zu verlassen, um sich wieder der Realität zu stellen. Stattdessen hatte sich Draco ein Himmelbett herbei gewünscht, dessen schneeweißer, durchscheinender Baldachin jedoch nur an den Seitenverstrebungen befestigt war und ihnen dadurch einen unverdeckten Blick in den klaren Sternenhimmel ließ.
Sie lagen nebeneinander, Hermione mit dem Kopf halb auf seine rechte Schulter gebettet, während Draco ihr den Arm um Rücken und Taille geschlungen hatte und sie geistesabwesend etwas mit den Fingerspitzen streichelte. So blickten beide in den Himmel und suchten diesen nach entsprechenden Sternbildern ab, die sie kannten. Hermione zumindest. Draco hing auch weiter mehr seinen Gedanken und der so schwerwiegenden Frage nach, was er nun machen sollte ? Machen konnte ? Was konnte er noch tun, um die Gryffindor von sich zu überzeugen ? Wie konnte er am geschicktesten diese blöde Freundschaftsgrenze, die Hermione ihnen dummerweise auferlegt hatte, überwinden ?
In der letzten Stunde waren ihm bereits dutzende Gedanken gekommen, die allesamt aber nicht wirklich praxistauglich waren, zumal er auch eine erneute Zurückweisung fürchtete. Nach den Vorkommnissen der letzten beiden Wochen, würde er es kaum mehr ertragen, sollte es nicht so laufen, wie er sich das erhoffte und. . .
„Da !“, unterbrach Hermiones leise Stimme dann aber seine Gedanken, worauf er zu ihr sah und sie fragend musterte. „Was ?“ „Da“, meinte sie aber wieder nur und deutete ihm letztlich auf eine Sternenkonstellation, die sie ausfindig gemacht hatte. Noch als sie ihn darauf hin wies, sah sie ihn lächelnd an und meinte erklärend: „Der Drache. Dein Namenspatron“, schmunzelte sie ihn an, sodass er ihrem Fingerzeig nun doch mal noch oben folgte und die Stirn kurz in Falten legte, als er versuchte den besagten Drachen in der Konstellation zu erkennen.
„Ich seh da keinen Drachen.“ „Na doch. Du musst da nur die beiden Sterne rechts mit dazu nehmen. Dann kriegt er Flügel“, deutete sie ihm noch immer lächelnd gen Himmel. Dracos Blick allerdings haftete bereits wieder mehr auf ihrer Erscheinung. Auf ihren Zügen, denen gerade etwas sehr verträumtes anhaftete, wie sonst Luna. Auf ihren Lippen, die sich zu einem umwerfenden Lächeln formten, während es in ihren Augen ähnlich hell leuchtete, wie die Sterne über ihnen.
Schließlich aber drehte sie sich mehr zur Seite und kuschelte sich etwas stärker an seine Brust, wo sie ihm nun auch noch den Arm um die Taille schlang. Den Blick noch immer leicht gen Himmel gerichtet.
„Müde ?“, erkundigte er sich vorsichtig. Hermione aber schüttelte knapp mit dem Kopf. „Nein“, meinte sie glücklich und genoss auch weiter den Augenblick. Diese traumhafte Umgebung, die Ruhe, Sicherheit, Wärme, wie auch die Nähe zu ihrem lieben Freund. Diese ganz besonders. Sie fühlte sich gerade unglaublich wohl. So wohl, wie schon ewig nicht mehr. Wie in einem Traum, in den sie mit betreten des Raumes eingetaucht war.
Dass es nur das war, ein Raum, hatte sie schon vor einer ganzen Weile vergessen. Zu sehr nahm sie all das ein, was seither war. Es war eben wie ein Traum, der kaum schöner sein konnte und aus dem sie auch nicht wirklich aufwachen wollte. Dafür war alles gerade einfach zu perfekt. Etwas, was sie sich mit einem kurzen Blick zu Draco nochmal bestätigte, den sie selig, wie auch glücklich anlächelte. Als sie es tat, zierte auch seine Lippen wieder mehr ein kleines Lächeln.
„Nochmal danke für all das hier. Das Dinner und auch so den ganzen Abend. Das ist einfach nur wie in einem Traum“, gestand sie ihm, worauf sein rechter Mundwinkel kurz etwas zuckte, da der Abend für ihn nicht ganz so traumhaft verlaufen war, nach ihrer Ansage. Allerdings verdrängte er die Bitterkeit aufgrund dieser Tatsache ganz schnell wieder in die hinterste Ecke seines Geistes und meinte: „Freut mich, dass es dir gefallen hat.“ „Das tut es noch immer“, lächelte sie glücklich und bettete ihren Kopf schließlich wieder ergeben auf seine Brust, wo sie auch weiter etwas verträumt in den Sternenhimmel blickte, während Draco erneut dazu überging, ihr ein paar Streicheleinheiten zukommen zu lassen.
Zwar bedrückte es ihn nach wie vor, dass er nur dazu kam, letzten Endes aber hatte er sie in den Raum der Wünsche entführt, um sie von ihrem Kummer etwas abzulenken. Um ihr eine Freude zu machen und um eines seiner Versprechen einzulösen. Das waren seine eigentlichen Gedanken und Pläne gewesen und nicht, wie er ihr vielleicht einen Kuss abgewinnen konnte. Von einem tieferen Platz in ihrem Herzen ganz zu schweigen. Diese Gedanken und Wünsche hatten sich erst im Laufe des Abends entwickelt und waren jäh in sich zusammengebrochen, als sie erklärt hatte, wie und wo sie ihn für sich sah. Wie sie für ihn fühlte.
Es war auf der einen Seite schon ziemlich frustrierend, auf der anderen musste er sich wiederum zugestehen, dass das dennoch ein gewaltiger Sprung in ihrer zwischenmenschlichen Entwicklung war. Vor einem halben Jahr hatte sie ihn schließlich noch als ihren jahrelangen Todfeind angesehen, zu dem sie letztlich aber Vertrauen gefasst und ihm die Hand zu einer Freundschaft gereicht hatte, die für sie, seit sie wieder in Hogwarts waren, immer wichtiger und tiefer geworden war. So besonders, wie eben auch ihr Verhältnis, was sie seit Klein auf zu Harry hatte. Und das sollte schon etwas heißen.
Auch wenn es mühselig und teils auch frustrierend war, so kam er ihrem Herzen dennoch mit kleinen Schritten, Stück für Stück näher.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Jo Rowling verlangte nicht von mir, den Roman buchstabengetreu umzusetzen, sondern eher dem Geist der Bücher gerecht zu werden.
Alfonso Cuarón