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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Zwischen Löwen ...

von Alex2303

۩ ۞ ۩


„. . . Ich denke, das sollte Ihrem Problem Abhilfe schaffen, Miss Granger“, meinte Madam Pomfrey und reichte ihr einen Trank, den sie sofort schluckte. Kurz darauf verschwand der Schwindel in ihrem Kopf, ebenso das mulmig, flaue Gefühl in ihrem Magen.
„Besser?“, fragte Ginny, worauf sie nickte. „Ja.“ „Dann lass uns ein bisschen raus gehen, solange die Sonne noch scheint“, griente ihre Freundin. Allerdings kamen sie nicht sonderlich weit. Gelinde gesprochen schafften sie es nur aus dem Krankenflügel, als Ron Hermione schnaubend zu sich zog.
„Was läuft da zwischen dir und Malfoy?“ „RON!“, zischte Ginny wütend, während Hermione kurz perplex guckte, ehe sie sich ruppig von Ron löste und ihrerseits sauer fauchte: „Spinnst du jetzt völlig?!“ Rons kalter Blick blieb.
„Verarsch mich nicht! Ich hab Augen im Kopf. Also was war das gestern?“ „Ich hab keine Ahnung, was du meinst! Ehrlich gesagt könnte ich dich das genauso fragen! Hast du eigentlich komplett den Verstand verloren, so in der Halle herumzubrüllen und Draco an den Pranger zu stellen?!“ „Ich hab nur die verdammte Wahrheit gesagt! Und lenk jetzt gefälligst nicht ab! Ich hab euch ganz genau gesehen!“ „Und was hat der werte Herr bitteschön gesehen?!“, zischte Hermione zurück und verschränkte wütend die Arme vor er Brust, während Ron weiter schnaubte, sodass man beinahe damit hätte rechnen können, dass es ihm aus den Ohren zu rauchen begann.
„Du hast dich dem an den Hals geworfen!“ Daraufhin blinzelte Hermione kurz überfahren, während Ginny und Harry sie total perplex ansahen. Ihre Freundin fing sich aber gleich wieder „WAS?“ und sah Ron nun wie einen komplett Geistesgestörten an.
„Wann und wie habe ich mich ihm bitteschön an den Hals geworfen?“ „Als ihr aus der Halle raus seid! Du hast seine Hand genommen und ihn schon regelrecht angehimmelt!“, warf er ihr vor, worauf es sie schüttelte.
Während ihren Besuchen in Azkaban war es für sie irgendwann, irgendwie zur Gewohnheit und auch Selbstverständlichkeit geworden, dass sie ihn bei der Hand nahm. Sie hatte so für sich und ihn eine tiefere Verbundenheit schaffen können. Eine, die ihm geholfen hatte, ihr aber nicht weniger. Ihr hatte diese Nähe gutgetan. Richtig gut, denn, auch wenn die Situation alles andere als angenehm war, so hatte sie sich trotz allem wohl bei ihm gefühlt. Ein Wohlgefühl, was Ron jetzt nur zu offensichtlich noch mehr in die Nase gestiegen war, als ohnehin ihr bisheriges Verhältnis zu Draco. Ginny und Harry schenkten sich einen zweifelnden Blick, bevor sie ihre Konzentration zurück auf die Streitenden legten.
„Merlin nochmal, geht’s jetzt vielleicht noch kindischer? Ja, ich habe ihn bei der Hand genommen und aufmunternd angelächelt, weil er wegen deinem bescheuerten Auftritt schon wieder eine scheiß Laune hatte!“ „Und da musstest du gleich Seelentröster spielen? Weil es dem räudigen Frettchen ja so schlecht geht“, äffte er theatralisch herum, was Hermione zur Weißglut trieb.
„Du bist ein gottverdammter Idiot, weißt du das?! Es ... geht ... ihm ... schlecht!“, betonte sie jedes Wort deutlich und lehnte sich gefährlich zu Ron, bevor sie weiter meinte: „Was denkst du eigentlich, was sie in Azkaban mit ihm gemacht haben? Tee getrunken?!“ „Es ist mir scheißegal, was sie mit dem Penner gemacht haben! Ich will verdammt nochmal wissen, was DU gestern Abend mit dem getrieben hast!?“, brüllte er schon halb. Sein Kopf war inzwischen purpurrot, und unterstrich so noch zusätzlich die pochende Ader an seiner Stirn. Hermione schnaubte.
„Wir haben nur etwas getrunken!“ „ETWAS?“, donnerte Ron. Hermione schrie allerdings zurück. „JA!“ „Du warst doch sturzbesoffen, so wie du vorhin rumgetorkelt bist!“ „Na und?“ „Du gibst es also zu?“ „Ja! Und? Wir haben nichts gemacht. Wir haben nur geredet und hatten auch so ein bisschen unseren Spaß!“ „Spaß? Ja, klar!“, schnaubte Ron verächtlich und funkelte sie unheilvoll an.
„Ich kann mir schon vorstellen, was für SPASS du mit dem Frettchen hattest, so dicht wie du warst!“ „Sag mal, für was hältst du mich eigentlich?“, empörte sich Hermione immer aufgebrachter und wurde zunehmend zur Furie.
„Denkst du ernsthaft, ich knutsch wild mit ihm rum und reiß ihm die Klamotten vom Leib? Verdammt, da war nichts. Wir haben nichts gemacht und er hat mir auch nichts getan! Er hat mich am Ende nur ins Bett gebracht, als ich auf der Couch weggenickt bin!“ Auf den Kommentar wollte Ron bereits neu ansetzen, Hermione fuhr ihm aber gleich böse über die Zunge.
„Wage es ja nicht, das auch nur zu denken, Ronald Weasley! Ich lag alleine in meinem Bett, und zwar noch mit meinen Klamotten von gestern Abend! Er war einfach nur nett und zuvorkommend. Ansonsten war da nichts! Rein gar nichts, also hör endlich auf dich so aufzuspielen! Ich habe meinen Frieden mit ihm gemacht. Wir sind Freunde und es ist mir egal, was du davon hältst! Ich vertraue ihm, okay? Akzeptier es oder lass es bleiben. Ich werde das aber nicht wieder aufgeben, nur weil du Gespenster siehst und der Meinung bist, ihn auch weiter hassen zu müssen! Werd erwachsen! Der Krieg ist vorbei. Und das für mich in jedweder Beziehung, hast du mich verstanden!? Ich habe einen Schlussstrich unter alles gezogen und das solltest du verdammt nochmal auch endlich tun, bevor du an deinem krankhaften Hass erstickst!“, schrie sie ihn an und verschwand schließlich wütend in den Gängen. Sein donnerndes „HERMIONE!“ ignorierend.
Er war ein Idiot! Ein gottverdammter Idiot. Das war doch echt krankhaft, völlig bescheuert und obendrein auch langsam paranoid. Zudem kam nun wohl auch noch die Tatsache, dass er offensichtlich eifersüchtig war. Auf Draco! So viel zum Thema Vertrauen. Pah!
Als ob sie bei der erstbesten Gelegenheit mit Draco rummachen würde. Sie hieß weder Brown noch Parkinson. Davon abgesehen passte sie doch überhaupt nicht in Dracos Beuteschema, wenn sie sich mal vor Augen hielt, mit wem er bereits alles was gehabt hatte, glaubte man den Gerüchten der vorangegangenen Jahre. An seinem Geschmack, was Frauen betraf, dürfte sich trotz allem nichts geändert haben.
Es waren stets ausnahmslos attraktive, hübsche Mädchen gewesen, die er um sich geschart hatte. Vielleicht nicht immer die Hellsten, aber das sich die Kerle im Allgemeinen nichts aus dieser Tatsache machten, hatte sie ja auch schon recht bitter erfahren.
So huschte jetzt trotz allem der etwas deprimierende Gedanke durch ihren Kopf, dass sie, selbst wenn sie es wollte, den Ansprüchen des Blonden doch ohnehin nie genügen würde. Diese Vorstellung war eigentlich völlig absurd, da sie einfach nur einem lächerlichen Witz des Schicksals gleich käme. Dennoch tat es ihr irgendwo weh, da sie sich mittlerweile auf verschiedenen Ebenen so gut mit ihm verstand. Sie hatte ihn nach allem inzwischen richtig lieb gewonnen, wie vor Jahren schon Blaise und Charlie.
Er konnte ein wirklich liebevoller Freund sein. Einer, der sie eben auch ins Bett brachte, weil sie auf der Couch eingeschlafen war. Es war nicht mehr und nicht weniger, als eine nette Geste, die sie von Ron garantiert nicht zu erwarten hatte. Er hätte sie maximal zugedeckt, wenn überhaupt, da war sie sich leider ziemlich sicher. Noch ein Punkt mehr für Draco. Er kümmerte sich verstärkt um sie, oder. . . Kam ihr das jetzt vielleicht nur so vor, weil die Jahre zuvor das genaue Gegenteil der Fall gewesen war? Dass sie ihm solche Dinge nicht einmal im Traum zugeschrieben hätte und es sie nun eben mehr beeindruckte, da er doch so etwas an und für sich Freundschaftliches tat, wie sie ins Bett zu bringen? Genauso die Aktion mit Black in McGonagalls Büro. Oder als er zum Ende der Schlacht für sie da war und sie einfach nur warm gehalten hatte? Oder. . .
Oh Hermione, was denkst du dir hier eigentlich? Das ist einfach nur absurd. Du bist mit ihm befreundet, nicht mehr und nicht weniger. Punkt. Alles, was darüber hinausging, kam ohnehin nicht in Betracht. Sie spielte absolut nicht in seiner Liga und für irgendwen verbiegen würde sie sich auch nicht. Entweder jemand mochte sie so, wie sie war, mit der Katastrophe auf ihrem Kopf, die sich Haare schimpften, ihrem Intellekt und der manchmal sicherlich besserwisserischen Art, oder er mochte sie nicht.
Als sie sich diese Dinge vermehrt durch den Kopf gehen ließ, wurde sie noch deprimierter als ohnehin schon und blieb letztlich irgendwo im Gang stehen. Ihre Hand fand von selbst ihr Ziel an dem Anhänger, der auf ihrer Brust ruhte, den sie sich traurig vor Augen hielt.
Sie hatte keine Ahnung, warum sie sich im letzten Jahr während ihrer Suche etwas mehr mit Ron zusammengerauft hatte. Vermutlich war es der simple Wunsch nach ein wenig Wärme und dieser besonderen Zuwendung in der dunklen Zeit gewesen, dass sie seinem Werben, sofern man seine Mühe überhaupt als solche bezeichnen konnte, nachgegeben hatte. Immerhin war er der Einzige, der da gewesen war.
Harry hatte sich zwar auch um sie gekümmert, allen voran nachdem Ron abgehauen war. Aber er hatte nun mal Ginny im Kopf und war zudem für Hermione schon immer mehr so etwas wie ein Bruder, den sie nie hatte. Da war nichts Romantisches, was ab und an schwach bei Ron aufgeflackert war. Das aber. . .
Sie war sich zunehmend unsicherer, ob da wirklich etwas war, das es wert war, es als Liebe zu bezeichnen? Dieses spezielle Gefühl hatte sie bis jetzt nur ein einziges Mal geglaubt zu empfinden. Und das war inzwischen fast zwei Jahre her. Und dennoch. . .
Wenn sie an diesen einen Abend zurückdachte, an den Kuss, den sie ihm gestohlen hatte und dann im Gegenzug doppelt so intensiv zurückbekommen hatte, machte sich schlagartig ein Kribbeln in ihr breit.
Sie hatte sich in der Nacht ein bisschen wie Cinderella gefühlt, die ihren Prinzen gefunden hatte. Nur das nicht sie in den Schatten der Nacht im Nichts verschwunden war, sondern ihr Prinz. Und jetzt?
Er hatte noch immer einen besonderen Platz in ihrem Herzen. Auch so. . . Merlin, was würde sie nicht alles darum geben, wenn er hier wäre. Wenn Hyperion vielleicht am Frühstückstisch vollkommen unverhofft auftauchen würde. Und das mit einem Brief von ihm, in dem er sie zu einem Treffen einlud und das diesmal ohne Versteckspiel. Das hatte er ihr ja versprochen. Dass er ihr alles sagen und erklären würde, wenn die Dunkelheit vorüber war. Und das war sie ja seit fast vier Monaten, doch es war nichts passiert. Kein Hyperion, keine Briefe, kein Ben, was sie seufzen ließ.
„Alles okay, Hermione?“, hörte sie plötzlich eine besorgte Stimme und blickte von ihrem Anhänger auf, zu einem brünetten Jungen, der vor ihr aufgetaucht war und sie mit leichter Sorge in den blauen Augen musterte. Hermiones Hirn begann daraufhin akribisch nach einem Namen zu dem charismatischen Gesicht zu suchen, nur kam nichts, sodass sie sich in ein kleines Lächeln rettete.
„Ja.“ Ihr Gegenüber zog jedoch skeptisch die Augenbrauen kraus. „Sicher? Du hast doch etwas“, beharrte der Junge darauf, wo sie versuchte, ihn mit Nichtigkeiten abzuwiegeln.
„Es ist alles in Ordnung. Und ich. . . Entschuldige, aber ich habe noch etwas zu tun.“ Damit wollte sie an ihm vorbei, doch der junge Mann hatte sie recht schnell am Handgelenk ergriffen, sodass sie sich wieder zu ihm drehte.
„Warte mal, ich . . . uhm. . . Darf ich dich etwas fragen?“ „Was?“ „Ähm. . . Also. . . Nicht falsch verstehen, aber. . . Du und Ron. Seid ihr eigentlich . . . zusammen?“ „Bitte was?“, fragte Hermione total perplex und sah den Jungen dementsprechend an. Dieser lächelte unsicher, schon fast schüchtern.
„So sagen die Meisten, aber nach eurem Streit gestern Abend in der Halle. . .“ „Warum fragst du?“, wurde sie lauernd, bekam allerdings nur ein Achselzucken als vorläufige Antwort.
„Es interessiert mich.“ „Warum?“, bohrte sie und taxierte ihn durchdringend. Zeitgleich wühlte sie erneut in ihrem Hirn nach einem Namen, nur konnte sie den Jungen nicht einmal einem Haus zuweisen. Dadurch, dass Wochenende war, trug er persönliche Kleidung und damit auch keinen Umhang, wo ihr das Wappen wenigstens etwas weitergeholfen hätte. So aber. . .
Sie vermutete Hufflepuff oder Ravenclaw. Gryffindor war er definitiv nicht, denn die kannte sie alle. Auch die unteren Jahrgänge. Slytherin fiel genauso flach, da von denen kaum jemand zurückgekommen war. Von den Älteren gar keiner, außer ihrer Leute. Mal ganz davon zu schweigen, dass von den wenigen niemand auf die Idee kommen würde, sie so etwas zu fragen. Der Junge zuckte ein weiteres Mal scheinbar desinteressiert mit den Schultern, bevor er sie wieder direkt ansah.
„Na ja, das ist meine Meinung aber. . . Ich finde, ihr passt überhaupt nicht zusammen. Wenn ich ehrlich sein soll, hab ich nie verstanden, was du an ihm findest? Ich mein. . . Er ist jetzt nicht gerade der Attraktivste und du hast doch auch viel mehr drauf als er. Auch so seid ihr total unterschiedlich in allem und . . . uhm. . . Na ja, ich finde einfach, du solltest dich nicht mit so wenig zufriedengeben. Du hast jemanden verdient, der dir . . . na ja . . . einiges mehr bieten kann.“ Auf die Worte des ihr Fremden blinzelte sie kurz perplex, als ungeahnt noch ein Satz durch ihren Kopf rauschte, mit einer ähnlichen, wenn nicht gar gleichen Bedeutung.
„Warum gibst du dich mit so wenig zufrieden? Du könntest so viel mehr haben.“ Es war ein Satz, der einen dumpfen Schmerz mit sich brachte, da sie erneut verstärkt daran zweifelte, dass das mit Ron wirklich das war, was sie wollte. Dass es das im Grunde nicht war, wusste sie, denn sie wollte jemand anderen, der aber nicht da war und vielleicht nie wieder auftauchen würde. Am Ende hatte er den Krieg gar nicht überlebt und das . . . das. . .
„Hermione?“ „Was?“, entwich es ihr plötzlich schwach, wie auch zittrig. Auch merkte sie jetzt erst, dass ihr unverhofft zwei kleine Tränen gekommen waren, aufgrund des bloßen Gedankens, dass er tot sein könnte. Es ließ ihr Herz unwahrscheinlich schmerzen. Ihr Gegenüber versuchte auf den Anblick, die Situation zu retten.
„Tut mir leid, wenn ich dir damit jetzt irgendwie wehgetan habe, aber. . . Das gestern Abend, da. . . Du solltest dich wegen Ron echt nicht so fertigmachen. Wirklich. Es gibt genug andere Jungs, die dich mögen und besser zu dir passen.“ „Ich . . . ich. . .“, stammelte sie schwach, da ihr noch immer recht düstere Bilder durch den Kopf huschten.
Es waren Eindrücke von der Schlacht, mit all ihren Trümmern und dem Blut, das von reglosen, gesichtslosen Körpern herrührte, von denen einer plötzlich doch stärker Gestalt annahm. Da waren blaue Augen, die leblos starr ins Nichts blickten.
„Hey, ist doch alles gut“, sprach ihr der Junge ruhig zu, als Hermione erneut ein, zwei Tränen über die blassen Wangen kullerten. Auf den Anblick trat er ganz zu ihr und versuchte, sie in die Arme zu nehmen. Auf die kleinste Berührung schrak sie jedoch wie geschlagen vor ihm zurück.
Sie prallte mit dem Rücken an die kalte Steinmauer und verlor so den Blick der toten Augen, wie auch des zerschrammten Gesichtes, in welches sie sich vor fast zwei Jahren verliebt hatte. Stattdessen sah sie ihren Mitschüler wieder vor sich, der sie immer verwunderter musterte, aufgrund ihrer verschreckten, schmerzlichen Züge.
„Was ist denn?“, fragte er, doch sie sah sich außerstande ihm zu antworten. Stattdessen sah sie ihn auch weiter bleich, fertig, schmerzzerfressen, wie auch leicht gebrochen an, worauf er erneut die Hand nach ihr ausstreckte. In dem Moment donnerte eine aufgebrachte Stimme durch den Gang „CORNFOOT!“, der sich die Beiden prompt erschrocken zuwandten. Hermione erleichtert, als sie ihre Jungs entdeckte. Diese bekannten, lebendigen Gesichter, die sie wieder richtig ins Hier und Jetzt zurückholten, wobei eines davon recht wütend schnaubte und nur eine Sekunde später ganz bei ihr war. Dabei stieß Blaise den Jungen vor ihr grob beiseite und funkelte ihn mörderisch an.
„Was hast du mit ihr gemacht?!“, begann er drohend, die Stimme gefährlich tief, während Charlie Hermione zu sich zog.
Blaise’ Gegenüber blinzelte ihn kurz perplex an, bevor er sich leicht aufgebracht verteidigte. „Gar nichts!“ „Ach ja?“ „JA!“, wurde Cornfoot laut und damit auch wütend.
„Was mischst du dich überhaupt ein, Zabini?“ „Ich misch mich generell ein, wenn jemand meine Freundin belästigt!“ Daraufhin blinzelte der Brünette erneut verdutzt „Freundin?“ und sah schließlich zu Hermione, die ein wenig mitgenommen an Charlies Schulter lehnte. Im Folgenden sah er wieder zu Blaise, der noch immer sauer schnaubte.
„Fass sie noch einmal an und du kannst was erleben. Dann kannst du dir deine Knochen. . .“ „Blaise, hör auf“, unterbrach Hermione ihren hitzigen Freund dann allerdings, der prompt zu ihr sah. Sie wischte sich da gerade die Tränen weg.
„Er hat nichts gemacht. Wir haben nur geredet“, erklärte sie matt. „Aber du. . .“ „Es war nichts“, beruhigte sie ihn und sah entschuldigend zu dem Jungen. Cornfoot. Ravenclaw, entsann sie sich allmählich. Er war in ihrem Jahrgang und soweit sie wusste Reinblütig. Deswegen schien Blaise ihn trotz allem wenigsten mit dem Nachnamen zu kennen. Er war ihr selbst allerdings nie aufgefallen, da er so ruhig war. Stanley, Stefan, . . . Stephen! Genau. Stephen hieß er.
„Tut mir leid, Stephen. Er meint es nicht böse. Er hat nur eine etwas. . .“, sah sie spitz zu Blaise. „. . . aufbrausende Art seine Sorge zum Ausdruck zu bringen.“ „Der?“, deutete Stephen noch immer recht verwirrt und zudem leicht geschockt auf Blaise. Hermione nickte und sah beruhigend zu ihrem Freund.
„Ich hatte ein bisschen so was wie ein Déjà-vu und da irgendwie Bilder von . . . von der Schlacht vor Augen“, erklärte sie ihm immer leiser werdend, sodass ihm nur ein geschlagenes „Ohhh“ über die Lippen kam. Stephen war jedoch irritiert.
„Wir haben doch gar nicht von der Schlacht gesprochen?“ „Nein. Du hast aber etwas gesagt, was mich . . . ich. . .“, wurde sie wieder leiser, als die blutigen Bilder drohten zurückzukommen. Charlie wusste diese allerdings zu ersticken, indem er Hermione warm in die Arme schloss, denen sie sich dankbar hingab, denn es war etwas Vertrautes. Es waren die tröstenden und beruhigenden Arme eines Freundes, was sich Stephen mit ausdrucksloser Miene besah, zu dem sich Blaise nochmal drehte.
„Lass sie in Ruhe. Sie hat genug durch.“ „Ich hab nur mit ihr geredet!“, verteidigte sich Stephen erneut empört, der absolut nicht verstand, was hier auf einmal los war? Blaise sagte auch nichts mehr dazu, sondern richtete sich ruhig an Hermione.
„Vielleicht legst du dich lieber etwas hin. Charlie und ich kommen mit. Wir wollten ohnehin zu euch und. . . Wo steckt eigentlich Draco?“, versuchte er sie abzulenken, was so weit auch funktionierte.
„Wahrscheinlich oben im Turm.“ „Ah!“, gab Blaise grinsend zum Besten und flankierte seine Freundin auf der anderen Seite. Stephen guckte kurz recht blöd, fing sich dann aber und lief den Dreien nach.
„Hermione, warte mal!“, rief er, worauf Blaise mit den Augen rollte, während sich seine Freundin zu Stephen drehte. „Was denn?“ „Also was ich vorhin gesagt hab, das war mein Ernst. Du und Ron, ihr passt nicht zusammen.“ „Du wirst mir gerade sympathisch, Cornfoot“, warf Blaise amüsiert dazwischen und handelte sich dafür Hermiones Ellenbogen ein, bevor sie zurück zu Stephen sah.
„Ich denke, das ist meine Sache, mit wem ich zusammen bin und mit wem nicht.“ „Aber er hat Recht!“, stimmte Blaise nochmal an und handelte sich dafür nun einen bösen Blick ein. Stephen schien daraufhin allerdings ermutigt.
„Sicher ist es deine Sache nur, . . . uhm. . . Ich dachte, vielleicht könnten wir uns mal auf einen Tee treffen oder so?“ „Und damit hasse ich dich wieder“, bemerkte Blaise süffisant und kriegte erneut den Ellenbogen in die Seite, während Stephen ihn grimmig ansah.
„Bist ihr Zuhälter?“, motzte er, worauf sich Blaise’ Blick bedrohlich verdunkelte. „Du vergreifst dich im Ton, ist dir das klar?“ „Und du in deiner Kompetenz! Hermione kann ja wohl selbst entscheiden!“ „Natürlich“, gab Blaise kalt zurück, in dessen dunklen Augen es gefährlich blitzte, was sich Hermione skeptisch besah, Stephen dann allerdings gänzlich in Augenschein nahm und mit einem entschuldigenden Lächeln ablehnte.
„Tut mir leid. Aber ehrlich gesagt, hab ich dahingehend kein Interesse. Und. . .“ „Kein Date oder so!“, warf der Brünette rasch ein und versuchte es mehr auf neutraler Basis.
„Nur Tee trinken und ein bisschen reden. Ich mein. . . Sieh mal, wir sind zusammen eingeschult worden, hatten allerdings nie weiter miteinander zu tun gehabt, was ich echt schade finde. Auch so, dass du bei den Löwen warst, weil. . . Bei deinem Intellekt wärst du bei uns viel besser aufgehoben gewesen und. . .“ „Stephen. . .“ „Ich würde dich einfach nur gerne etwas besser kennenlernen. Immerhin. . . Das ist unser letztes Jahr und nach allem was war, finde ich, sollte man die Zeit nutzen, die man hat. Und da. . . Du bist eine erstklassige Hexe und auch so ein furchtbar netter Mensch. Ich würde mich wirklich gerne nur mal näher mit dir unterhalten und. . .“ „Sie hat kein Interesse, Cornfoot. Geht das nicht in deinen Schädel?“, unterbrach Blaise ihn warnend, zu dem Stephen sauer sah. Hermione seufzte.
Wo war sie hier gerade hineingeraten? Am Ende schaute sie zu Stephen, der sich noch immer ein stilles Starrduell mit Blaise lieferte. Bei einer Schlange, erst recht bei Blaise, würde er da allerdings zeitnah den Kürzeren ziehen.
„Stephen, hör zu. Ich hab derzeit wirklich keinen Kopf für so etwas. Wir können später ja nochmal darüber reden. Im Moment bin ich aber ganz froh, wenn ich ein bisschen meine Ruhe habe. Die letzten Monate waren mir einfach zu viel“, sah sie ihn entschuldigend an, worauf er nickte.
„Ja, klar. Versteh ich doch. Ich mein, was du da mit Harry und Ron geleistet hast, war einfach nur Wahnsinn. Dafür hättet ihr den Orden des Merlin erster Klasse verdient“, grinste Stephen, worauf Hermione sich erschöpft wiederholte.
„Darauf kann ich verzichten. Ich will einfach nur meine Ruhe nach allem. Ein Jahr ohne Katastrophen, in dem ich meinen Abschluss machen kann.“ „Sicher. Aber gegen einen guten Tee zwischen dem Lernen spricht doch nichts?“, lächelte der Ravenclaw.
„Wir haben von McGonagall ja auch freien Ausgang, was Hogsmeade angeht. Meld dich einfach, wenn du Lust hast“, lächelte er auch weiter und entblößte so eine Reihe strahlend weißer Zähne. Die Gryffindor nickte ergeben „Mach ich“, bevor sie sich wieder ihren beiden Schlangen widmete.
„Ihr wolltet zu uns?“ „Huh? Ja. Ich. . . Ich hab noch was Wichtiges mit unserem Kleinen zu klären.“ „Muss ich mir Sorgen um ihn machen?“ „Du nicht, er aber, wenn mir seine Antwort nicht gefällt“, raunte Blaise düster, womit sich etwas Durchtriebenes in seine Augen stahl, was Hermione skeptisch stimmte. Am Ende schüttelte sie mit dem Kopf und setzte sich in Bewegung.
„Wir sehen uns die Tage, ja?“, rief Stephen ihr nochmal freudig nach, worauf Blaise die Augen verdrehte und „Schmeißfliege“ murrte, während Hermione zur Antwort den Arm hob, damit Stephen wusste, dass sie ihn verstanden hatte. Kurz darauf waren die Drei um die nächste Biegung und damit aus dem Sichtfeld des Ravenclaws verschwunden.

۩ ۞ ۩


„. . . Jetzt hör endlich auf, dich so aufzuspielen!“, fuhr Ginny Ron erneut an. Und das immer wütender, während sie auf dem Weg runter zu Hagrid waren.
Seit Hermiones Verschwinden waren kaum 15 Minuten vergangen. 15 scheinbar endlose Minuten jedoch, in denen Ron pausenlos schimpfte und Gift und Galle spuckte.
„Ich hab ja wohl ein Recht mich aufzuregen, wenn sie mit dem Arschloch rum macht!“, fauchte Ron, sodass Ginny der Kragen platzte.
„Hast du was an den Ohren? Hermione hat gesagt, da war nichts! Was soll da auch gewesen sein? Bist du jetzt wirklich schon so krankhaft eifersüchtig und paranoid, ihr so etwas zuzutrauen?“ „Ich trau MALFOY nicht!“, brüllte er, worauf sie die Augen verdrehte und sich kurz die Haare raufte.
„Merlin, lass Hirn regnen“, murmelte sie, bevor sie ihren Bruder erneut ansah und weiter schimpfen wollte, als Hagrid aus dem Verbotenen Wald zu den Dreien trat.
„Was’n bei euch los?“, fragte er verwundert und musterte allen voran Ron skeptisch, der noch immer wie ein Walross schnaubte und dem Halbriesen schließlich wütend antwortete.
„Malfoy! Das ist los!“ „Was hat’ern jetzt wieder gemacht?“, fragte Hagrid ungehalten, bekam allerdings von Ginny Antwort, noch bevor Ron dazu kam ihm seine psychotische Sicht zu schildern.
„Gar nichts. Ron hat einfach bloß ein krankhaftes Problem damit, dass Hermione sich mit ihm versteht. Und zwar auf freundschaftlicher Basis!“, unterstrich sie Hermiones Aussage gleich nochmal und sah warnend zu Ron, der auch weiter sauer schnaubte, während Hagrid in seinen Bart brummte: „Is Mione ihre Sache. Wo is unsre Kleine denn? Gar nich bei euch?“ „Nicht mehr. Sie ist weg, nachdem Ron ihr vorgeworfen hat, sie hätte was mit Malfoy.“ „Unsre Mione und Malfoy?“, fragte Hagrid sichtlich überrascht, worauf Ginny und Harry nickten. In der nächsten Sekunde brach der Halbriese in herzhaftes Gelächter aus.
„Ich find das nicht witzig!“, brüllte Ron gleich wieder drauf los und handelte sich erneut einen vernichtenden Blick von Ginny ein, während sich Hagrid die Lachtränchen wegwischte und Ron beruhigend auf die Schulter schlug. Dabei ging der Rotschopf beinahe in die Knie. Hagrid sah im Kommenden allerdings mehr zu Ginny und Harry.
„Wollt’ern Tee?“ Daraufhin nickten die Beiden „Gerne“ und verschwanden mit Hagrid in seiner Hütte, wo Fang sie überschwänglich schlabbernd begrüßte.
„Na, na. Aus. Lasse erstma reinkommen“, zog Hagrid den Rüden etwas zurück, sodass die Drei Platz nehmen konnten. In der Zwischenzeit setzte Hagrid Wasser an, bevor er sich auf seinem Stuhl niederließ, der ein wenig ächzte.
„So, un jetzt nochma von vorn. Wie kommst ‘n darauf, dass Hermione und Malfoy . . . na ja“, wusste Hagrid nicht, wie er sagen sollte. Brauchte er auch nicht, da das Thema ohnehin offen im Raum stand, den Ron gleich wieder auszufüllen wusste.
„Weil ich die Beiden gestern Abend gesehen hab!“ Daraufhin rollte Ginny erneut mit den Augen. „Und was? Was hast du noch gesehen, außer, dass sie seine Hand genommen hat, was ja ein furchtbar schändliches Verbrechen ist?“, ätzte Ginny sarkastisch und setzte gleich noch nach.
„Vielleicht, dass Malfoy sie irgendwo in eine Nische gezerrt und besinnungslos geküsst hat?“, giftete Ginny ihn sauer an, was er mit einem stechenden Blick quittierte, ihre Frage aber nicht beantwortete, sodass sie weiter sprach.
„Warum steigerst du dich so in die Vorstellung rein? Hermione hat gesagt, da war nichts und das solltest du ihr verdammt nochmal glauben, immerhin ist sie ein aufrichtiger Mensch. Sie würde dich nie hinterrücks betrügen, am allerwenigsten mit Malfoy!“ „Da hatse Recht, Ron. Mione liebt dich doch. Wieso sollt sie da auf einmal zu Malfoy gehn?“, gab Hagrid zu bedenken, was Ron vor sich hin blubbern ließ, da er auf diese simple Frage keine Antwort hatte. Stattdessen murrte er leise: „Ich will nicht, dass sie mit dem Frettchen alleine in einem Turm ist. Ich will nicht, dass dieses Arschloch sich ihr nähert, geschweige denn sie mit seinen Drecksgriffeln anfasst!“, wurde er zum Schluss wieder lauter und aufgebrachter, als er das Bild vom Abend erneut vor Augen hatte. Wie die Beiden da so in friedlicher Zweisamkeit, Händchenhalten, lächelnd in den dunklen Gängen verschwunden waren. Es war ein Bild, was einen unbeschreiblichen Würgreiz in ihm weckte.
„Haste Angst, dass er ihr was tut?“, vermutete Hagrid, worauf der Rotschopf aufgebracht zu dem Halbriesen blickte. „Der hat sie immer verletzt. IMMER!“, schnauzte er, sodass sich Ginny nochmal dazwischen klinkte und ein paar Sachen richtigstellte.
„Er hat sie beleidigt aber nie körperlich verletzt! Im Gegenteil. Er hat ihr das Leben gerettet! Wann geht das endlich in deinen hohlen Schädel rein?“, blaffte sie ihren Bruder aufs Neue an, der sauer zu ihr sah.
„Er braucht sie garantiert für irgendwas! Deswegen das alles.“ „Und wofür? Man, Ron. Lass deinen Kopf mal von Madam Pomfrey untersuchen“, stöhnte sie entnervt, bevor sie ihn wieder wütend anfunkelte.
„Für was soll er Hermione nach allem brauchen? Was soll er für Pläne mit ihr haben? Was?“ „Was weiß ich, was in Malfoys krankem Hirn vor sich geht? Der hat doch immer irgendeinen krummen Hintergedanken.“ „Denkste wirklich?“, mischte sich Hagrid mit ein, zu dem Ron mit funkelnden Augen sah.
„Ja! Man, du müsstest es doch am besten wissen. Wie oft hat er dir versucht, hinterrücks eins reinzuwürgen?“ Daraufhin schwieg Hagrid und drehte sich dem Wasserkessel zu, der zu pfeifen begann. Er suchte sich Tassen, wie auch das dazugehörige Teezeug zusammen und bereitete den Aufguss für sich und seine Gäste zu.
„Hast ja Recht. Hat sich schon ‘n paar Dinger geleistet.“ „Sag ich doch!“, sah Ron endlich mal eine Zustimmung für sich, worauf Ginny murrte, während Harry nachdenklich schwieg.
Hagrid meinte dann allerdings noch: „Du solltest die Vergangenheit trotzdem nich so verbissen sehn, Ron.“ „WAS? Aber. . . aber du. . .“ „Sicher hat er viel Mist gemacht, ihr wart aber alles noch Kinder. Malfoy hat’s irgendwo ja auch nich anders gekannt.“ „Und das entschuldigt alles oder was?“, motzte Ron.
„Hab ich nich gesagt, aber man kann’s irgendwo auch nich so leichtfertig abtun. In ‘ner andern Familie hätt er sich vielleicht auch anders entwickelt. Weiß man nich, kann’s mir aber vorstelln.“ Daraufhin klappte Ron der Kiefer runter, was sich Ginny mit einer leisen Genugtuung besah. Mehr noch als Hagrid weiter meinte: „Ich mag den Bengel ja auch nich unbedingt, aber nach allm was Professor McGonagall erzählt hat. . . Hat euch letztlich ja auch gewaltig geholfen un sich bemüht, nich?“, sah Hagrid zu Harry, der stumm nickte, sodass sich der Halbriese wieder dem Aufguss widmete.
„Kann verstehn, dass du ihn nich magst, Ron. Aber unsre Mione is ‘n großes Mädchen. Die weiß schon was sie tut. Un Malfoy wird ihr bestimmt nix tun. So blöd isser nich. Hat ihr doch auch vorher geholfen. Vor dem ganzen Kampf un alles. Hätt er gar nich tun müssen. Scheint da wohl wirklich nich so viel für alles gekonnt zu habn. Das mit ‘n Death Eatern. Sieht Professor Dumbledore ja auch so. Meinte, dass er wohl nich so verdorben wär, wie wir dachten. Dass wir ihm noch ‘ne Chance geben solln. Nichts andres macht Hermione. Dass mit ‘m Schulsprecher is so ‘ne Sache für sich. Aber Professor Dumbledore hat sich schon was bei gedacht.“ „Dumbledore?“, fuhren alle drei auf die Erwähnung ihres alten Direktors auf und sahen Hagrid verwirrt an, der sich gerade mit dem Teetablett zu ihnen drehte.
„Ja. Hamse euch das nich gesagt? Dachte, ihr wisst Bescheid?“ „Worüber?“, bohrte Ginny, als Hagrid ihnen die großen Teetassen, die schon halbe Eimer waren, hinschob.
„Die Professoren war’n sich einig, dass Mione das mit Malfoy machen soll. Professor Dumbledore war der Ansicht, dass es gut wär, wenn die andren sehn, dass sich Gryffindor und Slytherin auch vertragen. ‘ne Mugglegeborene un ‘n alter Reinblutspross. So als Zeichen für ‘nen Neuanfang.“ „Find ich gut“, bestätigte Ginny die Idee, während bei Ron kurz etwas aussetzte.
Seine Schwester sinnierte dann noch ein wenig gedankenverloren: „Da passen die Zwei auch richtig gut zusammen, wenn man ihre Vergangenheit bedenkt.“ „War auch Professor Dumbledores Gedanke. Alte Zeiten ruhen lassn, damit mal richtig Ruhe in die Schule un Häuser kommt. Die andern beiden, Zabini und Harper, sin ja auch nich so mies, wah?“, sah er grinsend zu Ginny, die lächelnd nickte.
„Sie sind furchtbar nett. Sie waren es schon immer, nur konnten sie es nie wirklich zeigen.“ „Hm“, brummte Hagrid nickend, bevor er zurück zu Ron sah, der noch immer, sichtlich geschockt, weggetreten war.
„Wie gesagt. Kann dich verstehn, Ron. Dass du ihn nich magst. Ich denk aber auch, man sollte nich so auf alte Zeiten beharrn, sondern nach vorn gehn. Der Krieg war schlimm genug für jeden von uns. Muss nich sein, dass wir uns jetzt noch zusätzlich gegenseitig das Leben schwer machen. Un wenn Mione ihm verzeihn kann un alles. . .“, zuckte Hagrid mit den Schultern. „Vielleicht sprecht ihr euch auch mal alle richtig aus oder so? ‘s is sicher viel gesagt worden in den letztn Jahrn. Aber ihr wart ja auch noch Kinder. Da sagt un macht man schnell was Dummes. Seid ihr jetzt nich mehr. Nich mehr so. Solltet euch jetzt auch so verhaltn. Du bist ihm ja auch nich mehr so böse, oder Harry?“, sah Hagrid zu dem Schwarzhaarigen, dessen grüne Augen in die dunklen Hagrids blickten, als er mit dem Kopf schüttelte, was Ron erneut aus der Fassung brachte.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst?!“ Harry seufzte jedoch und griff sich mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel, die er etwas drückte, um den Knoten in seinem Kopf wieder zu entwirren, der sich im Laufe des Gespräches gebildet hatte. Als er das tat murmelte er Ron matt „Sieh es alles doch mal unter einem neutralen Aspekt“ zu. Sein Freund sah ihn auf die Aussage allerdings wie einen Gestörten an.
„Komm schon, Harry. Das kann nicht dein Ernst sein? Du . . . du warst doch auch noch der Meinung, dass man Malfoy nicht trauen kann!“ „Das hab ich nicht gesagt!“, fuhr er den Rothaarigen ein wenig erbost an, da Ron ihn vor ein paar Wochen offensichtlich gehörig missverstanden hatte. Oder, was Harry zunehmend mehr glaubte, er hatte einfach nur das gehört, was er hören wollte.
„Ich kann ihn nach wie vor nicht leiden. Ich verdräng darüber hinaus aber nicht alle Tatsachen. Er war ein Arsch und er hat uns terrorisiert, streite ich gar nicht ab. Bis auf die Sache im Sechsten, waren das alles irgendwo aber noch Kinderstreitereien. Anfeindungen, die unsere Häuser schon immer hatten. Mein Vater hat während seiner Schulzeit mit Sirius Snape tyrannisiert und drangsaliert und Malfoy die Jahre zuvor uns. Es gibt immer irgendeinen Idioten, der glaubt andere runtermachen zu müssen. Snape hat damals mit den Death Eatern einen Fehler gemacht, als er ihnen freiwillig beigetreten ist. Dumbledore hat ihm allerdings noch eine Chance gegeben, die er genutzt hat, auch wenn wir lange Zeit etwas völlig Falsches gedacht haben. Malfoy hatte diese Wahl nicht, sich aber genauso wie Snape gegen die Death Eater gestellt und. . . Mensch Ron, alleine die Geschichte mit Hermione wiegt für mich das Meiste, eigentlich alles was vorher war, irgendwo auf, weil das wirklich entscheidende Dinge sind. Hermione, seine Hinweise, die Sache im Raum der Wünsche, allgemein sein Handeln während der Schlacht. . .“, zählte Harry diese Dinge an den Fingern ab und deutete letztlich auf Ginny.
„Dass Ginny und Hermione nicht von Lestrange und Greyback getötet wurden, ist sein Verdienst und dafür bin ich ihm tief dankbar. Mir schmeckt es zwar auch nicht, dass Hermione so ein enges Verhältnis zu ihm aufgebaut hat, allerdings war das nach allem absehbar. Wenn man bestimmte Dinge gemeinsam durchlebt, bleibt das nun mal nicht ohne Folgen. Das war bei uns damals im Ersten auch so. Die Sache mit dem Troll. Es ist da ganz logisch, dass sie nach sowas nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergeht. Sie hat anderen schon immer verziehen, wenn man es ehrlich gemeint hat.“ „Wie oft hat sie dir bereits verziehen, nachdem du sie verletzt hast?!“, feuerte Ginny sofort nach, noch bevor Harry nachsetzen konnte und wurde prompt lautstark von Ron angemotzt.
„Willst du mich jetzt mit dem Frettchen vergleichen?“ „Nein. Du hast ihr Jahr für Jahr aber auch immer irgendwie wehgetan. Im Dritten hast du sie ständig rund gemacht, wegen Crookshanks, weil der ein nur zu gutes Näschen hatte, was miese Typen anging. Du hast wochenlang nicht mit ihr geredet. Im Vierten hast du in einer Tour deine scheiß Eifersucht raushängen lassen und den Beleidigten gespielt. Du hast Hermione damals zum Ball nur als Notnagel gesehen. Weißt du, wie verletzend so etwas für ein Mädchen sein kann? Du siehst sie aber generell als selbstverständlich an, was sie nicht ist! Sie ist etwas Besonderes. Und das hat vor zwei Jahren schon einmal jemand erkannt, als sie für dich zu Luft geworden ist, weil du lieber mit Lavender rumgemacht hast! . . .“ „Geht’s hier eigentlich noch um Malfoy?“, flüsterte Hagrid Harry leise zu, während Ginny Ron zusammenfaltete. Es war eine Frage, auf die Harry nur mit den Schultern zucken konnte und zurück zu den hitzigen Geschwistern sah.
„. . . Wenn sie dir wirklich etwas bedeutet, dann hör auf, sie permanent fertigzumachen. Irgendwann macht das auch Hermione nicht mehr mit. Und wenn es soweit ist und sie mich um Rat bitten sollte, werde ich ihr nahe legen, dass sie dich in den Wind schießen soll!“ „Ginny!“, entwich es Harry erschrocken, während Ron schnaubte, dann aber von seinem Stuhl aufsprang und mit einem lauten Donnern der Tür aus Hagrids Hütte verschwand.
„Idiot“, knurrte Ginny nur noch und widmete sich, als wäre nichts gewesen, ihrem Tee. Harry und Hagrid tauschten daraufhin nur etwas ratlose Blicke miteinander aus, bevor sich Harry an die Rothaarige richtete.
„War das nötig? Ich mein. . .“ Es klirrte, als Ginny ruppig ihre Tasse abstellte und Harry einen vernichtenden Blick zuwarf, unter dem er sofort kleiner wurde.
„Findest du es richtig, wie Ron sie behandelt?“ „Nein, aber. . .“ „Willst du, dass es Hermione gut geht? Dass sie glücklich ist?“ „Sicher, nur. . .“ „Denkst du, dass sie wirklich glücklich mit Ron ist?“ „Im Moment vermutlich nicht, aber die Zwei haben sich immer gestritten und wieder vertragen.“ „Ja, ganz genau. Du vergisst darüber hinaus nur eine Kleinigkeit.“ „Und die wäre?“ „Bis zu eurer Suche waren sie nicht zusammen. Sie haben sich als Freunde gestritten und wieder vertragen. Und selbst das war manchmal echt grenzwertig. Während eurer Suche nach den Horcruxen hat er dich und Hermione ja auch wegen seiner krankhaften Eifersucht und Paranoia im Stich gelassen.“ „Das kam durch das Medaillon“, versuchte Harry seinen Freund in Schutz zu nehmen. Ginny schüttelte daraufhin nur mit dem Kopf.
„Mag ja sein, dass es durch das Ding noch verstärkt wurde. So wie ich dich aber verstanden habe, habt ihr das Teil abwechselnd getragen. Weder dir noch Hermione ist es aber so in den Kopf gestiegen. Ron hatte früher schon immer ein wahnsinniges Eifersuchtsproblem und Geltungsbedürfnis.“ „Ja sicher, nur. . . Würdest du Hermione wirklich die Beziehung mit Ron ausreden?“, sah Harry sie zweifelnd an.
„Er ist dein Bruder!“ „Und Hermione ist meine Freundin, die eine Menge Scheiße durch hat. Einmal mit Ron und dann noch zusätzlich durch den Krieg und ihre Gefangenschaft. Ich will, dass es ihr gut geht und sie glücklich ist. Ich wünsche ihr einen Menschen, der sie versteht und zu schätzen weiß. Der ihr gibt, was sie braucht und sich wünscht. Jemanden, der sie verwöhnt und auch auf Händen tragen würde. Das sind alles Kriterien, die Ron im Moment in keiner Weise erfüllt. Darüber hinaus macht er sich noch nicht einmal die Mühe, Hermione wenigstens zu verstehen, was die Geschichte mit Malfoy angeht und da. . .“, brach sie ab und schloss kurz die Augen, bevor sie Harry wieder ruhig ansah.
„Nenn mich verrückt, aber im Augenblick halte ich selbst Malfoy für eine bessere Partie für Hermione.“ „Malfoy? Du . . . du würdest Malfoy Ron für Hermione vorziehen?!“ Harry fiel auf die Aussage förmlich aus allen Wolken, was auch auf Hagrid zutraf, der sich gewaltig an seinem Tee verschluckte. Mehr noch als Ginny nickte.
„Im Moment, ja. Du weißt bestimmt noch, was ich dir über die Sache in Arizona erzählt habe?“ „Hm“, wurde Harry schlagartig ruhiger und auch leicht in sich gekehrt, was Ginny zum weitersprechen animierte.
„Er hat sich dort regelrecht beide Beine ausgerissen, damit sie wieder gesund wird. Damit hat er sich bei mir eine Menge Pluspunkte verdient, wie ja auch bei dir, nicht wahr?“ „Hm“, brummte Harry.
„Die hat er im Kommenden sogar noch weiter aufgestockt, mit allem, was er während der Schlacht getan hat. Mit jedem Leben, das er geschützt hat. Angefangen bei dir, Hermione, Ron, Luna, Tonks, mir und all den Anderen. Und jetzt. . . Weißt du noch, was Hermione vorhin so sauer erklärt hat, in Bezug auf Malfoy?“, sah Ginny den Schwarzhaarigen lauernd an, der kurz in seinem Hirn kramte, was seine Freundin in ihrer Wut alles gesagt hatte? Nur fiel ihm nicht ein, was Ginny meinen könnte, von daher schüttelte er mit dem Kopf.
„Sie hat gesagt, er hätte sie ins Bett gebracht, nachdem sie auf der Couch eingeschlafen ist. Noch ein Punkt auf meiner Wunschliste und damit für die Schlange die, nebenbei bemerkt, von mir nach allem auch noch eine Chance bekommt sich zu beweisen. Ich hab nämlich genauso wenig Lust wie Hermione, diese alten Feindschaften noch länger aufrechtzuerhalten. Ich denke, wir sind alt genug, um über den Dingen und der Vergangenheit zu stehen. Oder steht dir der Sinn nach etwas anderem?“, sah sie Harry ruhig an, der erneut mit dem Kopf schüttelte.
„Nein.“ Das Einzige, wonach ihm nach allem der Sinn stand, war ein stinknormaler, langweiliger, stress- und vor allem problemfreier Alltag.

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