Was im Verborgenen liegt - Verschwunden
von Alex2303
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„Da haben wir ihn ja“, hörte Draco, nach einer scheinbaren Unendlichkeit, in der vollkommenen Stille plötzlich eine tiefe, dunkle Stimme, die irgendwie verwaschen und auch seltsam blechern klang. Es war ein Geräusch, ein Satz, der ihn wie unter einem gewaltigen Donnergrollen zusammenzucken ließ, bevor er den schweren Kopf etwas in Richtung der fremden Stimme neigte, die schlagartig wieder verstummt schien. Stattdessen hörte er das Zuschlagen einer Tür, dem dumpfe Schritte auf kaltem Stein folgten. Es war ein, nein, zwei paar Füße. Mindestens. Aufgrund des Echos, was sie erzeugten, war er sich da aber nicht wirklich sicher.
„Wer ist da?“, entwich es ihm keuchend, wie auch etwas aufgebracht. Nur eine Sekunde später bohrte sich eine geballte Faust schmerzhaft in seine Nieren, sodass es ihm die Luft aus den Lungen trieb. Zeitgleich schürte diese Handlung das Brennen in seinem Innern noch weiter und ließ ihn gefährlich keuchen. Verdammt, was sollte das?
„Dreckiger Death Eater“, knurrte man ihm leicht schnaufend zu. Und das so dicht an seinem Ohr, dass er den Atemzug des vermeintlichen Schlägers auf der kalten Wange spürte. Diese war leicht Firewhiskey geschwängert.
„Diesmal wirst du der Gerechtigkeit und deiner Strafe nicht entgehen“, gab ihm die erste, blecherne Stimme leicht höhnisch zu verstehen, was ihm das Herz noch verstörter hämmern ließ. Gerechtigkeit? Strafe? Was sollte das? Wo war er? Wer war hier bei ihm? Was ging hier vor sich? Was. . .
„Crucio.“ Die Folgen des Unverzeihlichen trafen ihn vollkommen unvorbereitet. Er hatte keine Chance seinen Geist noch rechtzeitig abzuschotten und zu versiegeln, wie in Azkaban oder unter den Death Eatern, womit die geballte Kraft des Fluches auf ihn einschlug und ihn wie wahnsinnig schreien ließ.
„So gefällt mir das“, lachte eine der beiden Gestalten über seinen Schrei hinweg, der nach Minuten erst wieder abbrach, als sich die Wirkung des Fluchs schlagartig verflüchtigte.
Sein Körper schmerzte nach dieser Behandlung noch mehr als zuvor. Er hing schlaff, wie auch zitternd in den Ketten und rang sichtlich nach Atem.
„Scheiße“, keuchte Draco schwach, als sich eine grobschlächtige Hand in seinen Schopf grub und ihm den Kopf recht brutal nach hinten riss. Kurz darauf hatte er eine Zauberstabspitze an der Kehle liegen, die sich ein wenig in diese bohrte.
„Niemand wird dir diesmal den Kopf aus der Schlinge ziehen, all deine Taten schön reden oder sonst wie rechtfertigen. Die Taten eines Death Eaters lassen sich durch NICHTS rechtfertigen!“, fauchte die Gestalt vor ihm den letzten Satz schon fast und nahm den Zauberstab letztlich weg. Im nächsten Augenblick hörte er Stoff zerreißen, der zu seinem Hemdärmel gehörte, worunter er zusammenzuckte. Nur einen Moment später schnaubte eine der Gestalten verächtlich.
„Du kannst nicht verstecken, was du bist!“, ereiferte sich die Gestalt weiter. Kurz darauf ging Draco ein stechender Schmerz durch den Arm, der nur eine Sekunde später aus einer frischen Schnittwunde, die sich quer über das Dunkle Mal zog, blutete.
„Eindeutig! DAS. . .“, umschloss die Gestalt grob seinen Arm. Deren Hand war jedoch bedeutend kleiner, als die andere. Kleiner und Feingliedriger.
„. . . ist der unwiderlegbare Beweis für deine Schandtaten.“ Damit ließ man ihn wieder los, aber nicht von ihm ab. Die beiden Gestalten traktierten ihn auch weiter und ließen sich dabei hauptsächlich an dem Dunklen Mal aus, was ihn zischen ließ, je mehr Schnitte hinzukamen.
Merlin, das war niemals Entwhistle oder sonst einer dieser Idioten. So weit würden es diese Hohlbirnen trotz allem nicht treiben.
Wer auch immer hier bei ihm war, daran hatte Draco immer weniger Zweifel, war auf etwas ganz anderes aus, als ihn einfach nur zu schikanieren oder zu demütigen. Jemand, der einen Unverzeihlichen so kaltschnäuzig anwandte, hatte auch vor anderen Dingen keine Skrupel. Vor anderen Flüchen, was ihm das Herz bis sonst wohin schlagen ließ.
„Was wollt ihr?“, brachte er keuchend hervor, obwohl er es ahnte, um nicht zu sagen wusste. „Gerechtigkeit!“, fauchte die Stimme vor ihm, bevor sie erneut den Cruciatus sprach, worin die zweite Gestalt lachend einstimmte.
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Hermione kam am Morgen nur schwer aus dem Bett. Als sie mit einem Auge durch das Fenster blinzelte, war ihr auch klar warum. Es goss in Strömen und auch so war der Himmel katzegrau. Eigentlich ein perfekter Tag, um im Bett liegen zu bleiben, oder es sich auf der Couch, mit einer flauschigen Decke, einer heißen Schokolade und einem schönen Buch bequem zu machen. Leider Gottes trieb sie ihr knurrender Magen nach einer Weile doch noch aus dem Bett, womit sie ins Bad schlurfte, um zu duschen und sich anzuziehen. Jeans, Longshirt und ein kuschliger, jedoch etwas zu groß geratener Pullover.
Ginny meckerte zwar immer, dass sie darin wie ein unförmiger Klotz daher kam und sie doch etwas Figurbetontes tragen könnte. Hermione mochte ihre weiten Pullover allerdings. Die waren bequem und kuschlig. Mehr brauchte sie nicht. Erst recht, wenn sie sich vornahm, bei dem Wetter in ihrem Turm zu bleiben, um ein bisschen zu lesen. Vorher kam aber etwas anderes, nämlich Frühstück.
Wieder im Flur, blieb sie an Dracos Zimmertür stehen und klopfte. Doch hörte sie auch jetzt nichts, weshalb sie die Tür leise, mit einem etwas unsicheren „Draco?“ öffnete. Immerhin wollte sie ihn nicht gerade beim Anziehen oder irgendetwas anderem ertappen.
Als sie nur einen Moment später das ganze Zimmer im Blick hatte, zeigte sich ihr das gleiche Bild, wie schon in der Nacht. Ein unberührtes Bett, keine Tasche, kein Draco.
„Also doch in den Kerkern versackt“, murrte sie. Der konnte was erleben! Sich mit Blaise und Charlie einen lustigen Abend machen, während sie alleine an seinem blöden Aufsatz saß. Solche Marotten, wie Harry und Ron sie hatten, brauchte er gar nicht erst anfangen, von wegen, dass sie seine Hausaufgaben machte. Sie würde ihm hierbei helfen, ja. Von dieser Sache abgesehen, benötigte er aber keine Hilfe, da er seinen Kopf im Allgemeinen ganz gut selbst zu nutzen wusste.
Schließlich machte sie sich auf den Weg runter in die Große Halle, wo ihr Stephen über den Weg lief. Und das nicht rein zufällig, denn er trat zielstrebig, mit einem erwartungsvollen Zahnpastalächeln auf sie zu.
„Guten Morgen, Hermione.“ „Guten Morgen“, brachte sie etwas unsicher hervor und musterte den Ravenclaw skeptisch. Dieser fiel gleich mit der Tür ins Haus.
„Wann und wo wollen wir uns nach dem Frühstück treffen?“ „Treffen?“, stutzte sie, als es ihr schlagartig wieder einfiel. Verdammt, sie hatte ihm vor einer Weile ja zugesagt, mit ihm einen Tee trinken zu gehen. Das hatte sie über dem Chaos der vergangenen Tage total vergessen und nicht zuletzt auch verdrängt. Stephen nickte.
„Ja. Das Wetter ist heute leider nicht so toll, aber für so etwas gibt es ja Schirme und Zauber. Wollen wir uns nach dem Frühstück dann gleich auf den Weg runter nach Hogsmeade machen? Oder lieber woanders hin? Offensichtlich scheint es nicht das Problem zu sein, mal für ein paar Stunden nach London zu verschwinden. Hat Malfoy letztens ja auch gemacht“, lächelte er wieder freundlich.
„Er hatte Besorgungen zu machen“, meinte Hermione. „Sagt man.“ „Sagt man nicht nur, es war so. Er hat für mich etwas aus Mugglelondon geholt.“ „Für dich?“, stutzte Stephen. „Für mich, ja.“ „Okay“, meinte Stephen leicht gedehnt, offensichtlich nicht ganz schlüssig, was er davon halten sollte.
„Hör mal. Bei dem Wetter hab ich keine Lust, draußen rumzulaufen. Wir können uns hier im Schloss aber auch ein wenig zusammensetzen. Ähm. . . Ich hab dir doch gesagt, dass ich mit Draco noch an einem Projekt arbeite. Dabei handelt es sich um einen weiteren Gemeinschaftsraum, oben im dritten Stock. Zentral für alle. Es ist der Raum gegenüber vom großen Greifen. Wir können uns heute Nachmittag dort dann gerne etwas zusammensetzen. Draco und ich haben dort auch eine kleine Teeecke integriert. Der Raum ist wirklich gemütlich geworden, finde ich. Was hältst du von 14:00 Uhr? Ich hab vorher nämlich noch was zu erledigen und auszuarbeiten. Mit Draco muss ich dann auch noch was klären, was etwas dauern könnte. Aber ab Zwei bin ich frei. Ist das okay?“, quatschte sie Stephen in Grund und Boden, damit er nicht noch anderweitig auf exklusive Ideen kam, bei denen sie mit ihm alleine wäre, denn darauf hatte sie keine Lust.
Er war zwar nett, aber sein Engagement ging nur zu offensichtlich in eine Richtung, mit der sich Hermione momentan nicht auseinandersetzen wollte. Da konnte Stephen ihr sagen, was er wollte. Da reichte ihr voll und ganz die Problematik mit Draco, in die sie sich selbst geritten hatte, aufgrund ihrer Dummheit.
„Dann bis um Zwei“, fügte Hermione nach ein paar Sekunden schnell an, als Stephen nicht gleich etwas zu allem sagte, bevor sie sich von ihm losriss und eilig in der Halle verschwand. Dort entdeckte sie Blaise und Charlie, die mit den Greengrass Schwestern bereits an ihrem Tisch saßen. Von dem Blondschopf fehlte jede Spur, worauf sie verwundert die Stirn runzelte. Der schlief doch nicht etwa noch?
„Hey, Prinzessin. Guten Morgen“, lachte Blaise ihr entgegen, was ihr vermehrt die Röte in die Wangen trieb. Merlin allein wusste, wie sehr sie diesen Spitznamen manchmal hasste. Erst recht, wenn er den durch die halbe Halle rief. Kurz darauf war sie bei den Vieren am Slytherin Tisch und ließ sich dort auf ihrem Platz nieder.
„Wo hast du denn unser Murmeltier gelassen?“ „Wie?“ „Draco?“, wurde Blaise deutlich und das Fragezeichen in Hermiones Gesicht damit noch größer.
„Das wollte ich dich eigentlich fragen.“ „Warum?“, wunderte sich nun Blaise und biss von seinem Schinkenbrötchen ab.
„Na er wollte doch gestern Abend nochmal zu euch in die Kerker runter. Irgendwas wegen eures Trainings besprechen“, erklärte sie zunehmend verwirrt.
„Ähm. . . Schon. Er kam aber nicht. Ich dachte, ihr arbeitet noch an etwas. Er hat gestern ja auch ganz schön rumgemeckert, wegen seines Aufsatzes in Mugglekunde“, meinte Blaise und legte sein Brötchen beiseite. Charlie musterte Hermione irritiert.
„War er denn nicht bei dir?“ „Nein. Ich. . . Ich war gestern Abend gegen Acht nochmal bei Professor McGonagall. Draco meinte da noch zu mir, dass er zu euch wollte. Als ich wieder in unseren Turm bin, war er nicht da. Er kam auch nicht. Sein Bett war unberührt. Ich dachte, er ist bei euch. Dass er bei euch, warum auch immer, versackt ist“, sah sie zu Charlie, der mit dem Kopf schüttelte, dann aber zu den Schwestern blickte.
„Habt ihr ihn gesehen?“ „Nicht wirklich“, murmelte Astoria. „Hat er dir sonst noch irgendwas gesagt?“, richtete sich Blaise mit wachsender Verunsicherung an die Löwin. Diese schüttelte mit dem Kopf und ließ den Blick durch die Große Halle schweifen.
Der Großteil der Schüler war Essen, nur entdeckte sie ihn auch unter den Anderen nirgends, weshalb sie sich erhob und an den Gryffindor Tisch trat, wo der Rest ihrer Freunde saß.
„Hey, Mione“, begrüßte Ginny sie und auch die Übrigen sahen freundlich zu ihr auf. Hermione ließ die Drei soweit links liegen und konzentrierte sich ganz auf Ginny.
„Sag mal. . . Du hast Draco nicht zufällig gesehen? Gestern Abend auf den Gängen oder heute?“ „Sollte ich?“, zog Ginny fragend eine Augenbraue nach oben, worauf Hermione mit dem Kopf schüttelte „Offensichtlich nicht“ und sich wieder zu Blaise und Charlie begeben wollte. Allerdings standen die Zwei inzwischen hinter ihr.
„Ich glaube, es ist besser, wir reden mal mit Tonks. Nicht, dass irgendwas passiert ist“, flüsterte er leise, was Ginny jedoch gehört hatte und sich fragend an die Drei richtete.
„Was ist denn los?“ „Draco ist weg“, meinte Hermione und erntete dafür reichlich fragende Gesichter. „Wie weg?“, erkundigte sich nun auch Harry. Und das ein klein wenig hellhörig.
„Weg. Er ist gestern Abend nicht in unseren Turm gekommen. Ich dachte, er wäre in den Kerkern aber. . .“, sah sie zu Blaise, der mit dem Kopf schüttelte.
„Vielleicht hat sich das Frettchen nun ja doch aus dem Staub gemacht. Zurück zu seinen Death Eater Freunden. Oder er arbeitet erfolgreich daran, sie wieder ins Schloss zu holen“, warf Ron genüsslich ein, der im Vorbeigehen die knappe Unterhaltung mitbekommen hatte. Für seine Worte erntete er einen vernichtenden Blick von Hermione. Genauso wie Blaise gefährlich zischte.
„Hat dich jemand nach deiner Meinung gefragt, du Hohlbirne?“ „Wie hast du mich genannt?“, brauste Ron auf. „Schwachkopf, Primat, Hohlbirne, dämliches Wiesel. . . Hab ich was vergessen?“, sah Blaise zu Charlie, der die Aufzählung ungeniert fortsetzte.
„Erbsenhirn, Strohschädel, Karottenkopf, Troll. . .“ „Halt’s Maul, Harper!“, keifte Ron, mit nun hochrotem Kopf und deutete bereits mit dem Zauberstab auf Charlie, wo sich nun Harry dazwischen klinkte und die Hand des Rotschopfs mit einem unheilvollen Blick recht energisch nach unten drückte.
„Wag es ja nicht!“, zischte er Ron warnend an, bevor er auch den Slytherins einen etwas ungehaltenen Blick zu warf. „Wenn ihr Streit wollt. . .“ „Krieg dich mal wieder ein, Potter. Wer hat denn angefangen?“, zischte Blaise, an den sich Ginny richtete, da er sich doch etwas bedrohlich in Harrys Richtung lehnte.
„Komm, lass“, bat sie ihn ruhig und legte schließlich ihre Hände behutsam auf seine Brust, wo sie ihn zusätzlich sanft noch etwas zurückdrängte und damit ein wenig Abstand zwischen die vier Kontrahenten brachte. Zwar knurrte Blaise noch kurz, sah dann aber zurück zu Hermione.
„Lass uns mal mit Tonks reden. Vielleicht hat sie ihn gesehen.“ Daraufhin verschwanden die Drei in Richtung Lehrertisch. Das Ganze neugierig von den übrigen Gryffindors verfolgt, wo Ron es nicht lassen konnte, wieder auf Harry einzureden.
„Hab ich es dir nicht die ganze Zeit gesagt? Er führt etwas im Schilde! Und jetzt hat er wahrscheinlich erreicht, was er wollte!“ „Du hast einen Vollschaden!“, fauchte Ginny ihn auf sein Gekeife an und sah schließlich zurück zu ihren Freunden, die mittlerweile bei Tonks waren. Diese musterte die Drei aufmerksam, wurde dann aber blass und sprang regelrecht von ihrem Stuhl auf, wodurch sie ihre Tasse umwarf, die klirrend zu Boden fiel. Kurz darauf war sie mit Hermione, Blaise und Charlie verschwunden.
„Hier stimmt doch was nicht“, murmelte Harry auf den Anblick skeptisch, dem Ginny nur beipflichten konnte. Schließlich verschwand der Schwarzhaarige ebenfalls aus der Halle in Richtung Gryffindor Turm. Ginny direkt hinter ihm, da sie diesen Blick von Harry kannte. Er hatte irgendetwas vor.
Wenig später stellte sich auch schon heraus was, als sie hinter ihm in seinen Schlafsaal trat und er die Karte des Rumtreibers zur Gänze vor sich ausbreitete. Als Ginny ihm über die Schulter lugte, fragte er: „Siehst du ihn irgendwo?“
Damit glitt ihr Blick, wie auch der Harrys, über die unzähligen kleinen Punkte und Namen, die zum Großteil alle gerade in der Großen Halle waren, was eine Suche leichter machte. Doch auch nachdem sie alle Gänge, Räume und Zimmer mit Blicken kontrolliert hatten, einen Namen fanden sie partout nicht. Und zwar Draco Malfoy.
„Er ist nicht im Schloss“, sah Harry zu Ginny, die ihn zunehmend verunsichert musterte. „Aber. . . Wo dann?“ „Keine Ahnung. Aber ich hoffe für ihn, dass er tatsächlich nichts von dem veranstaltet, was Ron die ganze Zeit schon sagt“, murrte Harry ein wenig unheilvoll, während sich in seinen Blick schlagartig das alte Misstrauen gegen den Blonden schlich, was über die vergangenen Jahre immer mehr gewachsen war. Ganz besonders im Sechsten.
Schließlich nahm er seinen Zauberstab und schickte seinen Patronus zu Hermione.
Er ist nicht im Schloss.
Komm an die Freitreppe
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„Was soll das heißen, Er ist nicht im Schloss?“, hakte Hermione unverzüglich nach, kaum dass sie bei Harry und Ginny an der Treppe waren. Ihr alter Freund wedelte ihr zur Antwort nur mit der Karte des Rumtreibers vor der Nase herum.
„Wenn er wieder irgendwelchen Mist vorhat. . .“ „Er hat nichts vor!“, fuhr Blaise Harry sofort wütend dazwischen, der es seinerseits sauer kommentierte.
„Und wo steckt er dann?“ „Ich hab keine Ahnung!“ „Jungs. . .“, klinkte sich Tonks ernst dazwischen, die ihre eigenen Sorgen hatte.
Erst der brutale Angriff auf Nate und nun war Draco auch noch verschwunden. Genauso wie Gibson wie vom Erdboden verschluckt schien. Zwar konnte es ein dummer Zufall sein, nur glaubte sie nicht daran. Remus hatte sie deswegen bereits informiert, der ihre Sorgen teilte. Nur war es vielleicht noch ein wenig zu früh, um von der schlimmst möglichen Konstellation auszugehen.
„Lasst uns nochmal alles in Ruhe durchgehen“, begann sie und sah zu Hermione. „Du hast ihn gegen Viertel vor Acht gestern runter in die Kerker gehen sehen?“ „Ja.“ „Und ihr sagt, ihr wart nach dem Essen, ab halb Acht bei euch im Gemeinschaftsraum?“, sah sie im Kommenden zu Blaise und Charlie, die nickten.
„Draco kam aber nicht?“ „Nein.“ „Von der Bibliothek bis in die Kerker runter braucht man ungefähr zehn, fünfzehn Minuten. Fünf Stockwerke. Viele Möglichkeiten gibt es da nicht, wo er abhandengekommen sein könnte.“ „Vorausgesetzt er ist wirklich in die Kerker runter“, warf Harry ein, den Blaise fast mit Blicken zerfetzt hätte.
„Wo soll er deiner Meinung nach sonst hin sein?!“, keifte er, was Harry mit einem unheilvollen Blick quittierte. „Was weiß denn ich? Vielleicht hat er sich auch bloß irgendwo verkrochen und. . .“ „Und plant irgendwelche Schandtaten, ja?“, fiel Blaise ihm wütend ins Wort.
„Ist ja nicht ganz abwegig!“, fauchte Harry zurück, womit bei Blaise etwas aussetzte und er den Schwarzhaarigen am Kragen zu sich zerrte.
„Du mieses. . .“ „Blaise!“, griff Tonks hastig dazwischen, bevor es eskalierte. Harry richtete sich dann auch gleich seinen Kragen wieder.
„Du kotzt mich an, Potter! Merlin, ich kann das gar nicht oft genug sagen. Draco … hat … nichts … vor! Er will nach allem einfach bloß seine Ruhe haben, wieso geht das nicht in deinen Schädel?! Oder hat dich Weasley mit seinen Psychosen inzwischen angesteckt, dass Draco das Ur-Böse ist?“ „Ich find manche Dinge halt fragwürdig!“ „Und was?“, knurrte Blaise noch immer sauer.
„Was passt dem Herrn Weltenretter nicht in die Nase? Dass er nett zu den Mädels ist? Dass er diesem Psychopathenpack während der Schlacht in den Arsch getreten hat? WAS PASST DIR NICHT?!“, schrie Blaise.
„Was war das für ein komisches Paket, was du ihm letztens gegeben hast?“, verlangte Harry von Charlie zu wissen, bekam dann aber erbost von Hermione Antwort.
„Tränke! Und zwar von Charlies Vater, weil ich nachts schlecht schlafe. Ich habe Charlie gefragt, ob er ein paar Traumlostränke für mich hat, weil ich immer noch von diesem scheiß Krieg träume! Draco genauso!“ Daraufhin blinzelte Harry verdutzt, obgleich dieser Harmlosigkeit.
„Oh.“ „Ja, OH!“, fauchte Hermione, sodass sich Harry recht verlegen sah. „Warum hast du uns nichts gesagt?“ „Erstens geht es keinen was an und zweitens hättet ihr mir dabei ohnehin nicht helfen können! Oder hast du wieder eins von Snapes alten Büchern, wo ein passender Trank für mich drin wäre? Du bist kein Heiler!“, meckerte die Hexe und brachte Harry damit noch mehr in Verlegenheit, als ohnehin schon.
Er war im Zwiespalt gewesen. Einerseits hatte ihn das mit dem Päckchen verwundert, über das er sich dann wirklich angefangen hatte, Gedanken zu machen. Andererseits hatte er es aber auch als abwegig angesehen, dass es tatsächlich etwas Illegales sein könnte, dessen fester Meinung Ron nach wie vor war. Was ihn wieder vermehrt skeptisch gestimmt hatte, war die Tatsache, dass Dobby zum Einen so verschwiegen gewesen war, wie auch jetzt das Verschwinden des Blonden. Diese Dinge hatten sein Misstrauen erneut zum Blühen gebracht.
„Tut mir leid“, richtete er sich dann dennoch leicht schuldig an Blaise, der noch immer schnaubte. Kurz darauf blickte Harry zu Tonks.
„Aber wenn . . . wenn du nicht sowas denkst, warum macht ihr dann jetzt so eine Welle?“, erkundigte sich Harry, da er es nicht so richtig verstand. Ginny auch nicht. Nur weil Draco gestern Abend nicht im Turm und halt auch nicht bei Blaise und Charlie war, musste nicht gleich etwas sein. Eine Tatsache, die Harry dann auch ansprach.
„Vielleicht ist er ja bloß was besorgen und. . .“ „Wie blöd bist du?!“, fauchte Blaise ihm wieder dazwischen. „Denkst du ernsthaft, er würde nach allem irgendwelchen Ärger oder sonstige Probleme riskieren oder provozieren, indem er die ganze Nacht wegbleibt? Zumal wir gestern verabredet waren. Draco hält sich an so etwas!“ „Blaise hat Recht, Harry. Draco kann keinen Ärger gebrauchen. Das Ministerium hat ihn akribisch im Auge. Draco musste vor knapp zwei Wochen erst zu einer Anhörung erscheinen, weil es in Hogsmeade Ärger gab. Und wegen dieses Ärgers mach ich mir jetzt auch wirklich Sorgen.“ „Was meinst du?“, hakte der Schwarzhaarige nach, sodass Tonks ihm, aber auch Ginny, Blaise und Charlie die Geschichte erzählte.
Den Angriff auf Hermione, dass Draco sie vor Gibson beschützt und verteidigt hatte und deswegen zu einer Anhörung musste. Dass sie Gibson durch Nate hatten observieren lassen, und gestern Abend erst den verletzten Auror gefunden hatten, der durch einen Fluch im Koma lag. Dass die Vermutung nahe lag, dass Gibson ihn angegriffen hatte, da dieser nun auch nicht auffindbar war. Eine Person, die Draco in Azkaban bereits massiv geschadet und letztlich auch Hermione dort angegriffen hatte. Hinzu kam jetzt auch noch Dracos unverhofftes Verschwinden und damit die ungute Ahnung, dass dieser Kerl etwas damit zu tun haben könnte. Irgendwie.
Als Tonks geendet hatte, schluckte Harry abermals und sah recht blass zu Hermione, die die ganze Zeit über geschwiegen und unruhig von einem Bein auf das andere getreten hatte.
„Wieso. . . Warum hast du uns nichts deswegen gesagt?“ „Denkst du, ich setz mich gerne mit so etwas auseinander?“, brachte Hermione bitter an und richtete sich letztlich wieder an Tonks, während in Harrys Innern ein Knoten aus Stacheldraht heranwuchs, der sich immer mehr zusammenzog und ihm zunehmend ein schlechteres Gewissen, obgleich seiner leichtfertigen Gedanken, bescherte. Denn so wie er Tonks gerade verstanden hatte, hatte der Blonde, trotz des für ihn so großen Risikos erneut in diesem Loch zu landen, Hermione beschützt.
„Lass uns endlich weitersuchen. Bitte. Ich hab ein mieses Gefühl“, drängte Hermione die Aurorin, die nickte und auf den Rest der Freunde sah.
„Ich würde vorschlagen, ihr klappert erstmal die Ländereien ab. Unter Umständen findet sich da ein Hinweis. Vielleicht ist am Ende doch alles nur ganz harmlos und Draco taucht die nächste Zeit wieder auf. Ich rede dann auch gleich nochmal mit Minerva. Möglicherweise hat sie eine Idee. Ansonsten. . . Wenn er bis heute Abend tatsächlich nicht auftaucht, hol ich Remus dazu. Okay?“, sah sie zu Hermione, der es nicht genügte, allerdings blieb ihnen im Augenblick vermutlich wirklich nichts anderes übrig, als vorerst näher in Hogwarts nach ihm zu suchen. Ein Ort von abertausend Möglichkeiten.
So verschwand Tonks mit Harry, Ginny mit Blaise und Hermione mit Charlie. Nach einer Stunde wollten sie sich bei Hagrid wieder treffen. Es war eine Stunde, die schnell verging und die Vier letztlich nur noch auf Blaise und Ginny warteten, die eine knappe Viertelstunde überfällig waren.
Als die Vier dann auch noch die Beiden suchen wollten, kamen sie endlich aus Richtung Verbotener Wald. Ihre Mienen ließen allerdings nichts Gutes erahnen. Ginny wirkte recht blass und verunsichert, während Blaise die Unruhe, mehr noch Angst, deutlich ins Gesicht geschrieben stand.
„Was ist los?“, fragte Hermione nervös, worauf Blaise sich eine schwarze Ledertasche von der Schulter zog, diese öffnete und Hermione ein Buch vor die Nase hielt, was sie nur zu gut kannte. Und damit auch die Schultasche, denn sie gehörte Draco.
„Wo . . . wo hast du die gefunden?“, stotterte sie, als Blaise das zweite Buch, was Daniel ihnen für den Aufsatz geschickt hatte, wieder im Innern verschwinden ließ.
„Ein Stück weit im Verbotenen Wald.“ „Was?“, zitterte Hermiones Stimme nun wirklich, worauf er ernst nickte, bevor er sich zu Tonks drehte, der er die Tasche an einer bestimmten Stelle hinhielt und ihr auf einen seltsamen dunklen Fleck deutete.
„Sag mir bitte, dass das nicht seins ist“, bat er nicht einfach nur, sondern flehte schon halb. Die übrigen Vier brauchten einen Moment, bis sie erkannten, was es mit dem angetrockneten Fleck auf sich hatte. Als es bei Hermione durch kam, wurde ihr sofort schlecht, denn es war verkrustetes Blut.
So warteten die Fünf im Kommenden angespannt, bis Tonks ihren Diagnosezauber gesprochen hatte, was damit endete, dass sich über dem Blutfleck ein kleiner, weißer Nebel erhob und Dracos Erscheinung zeigte.
„Nein. Ich glaub das jetzt nicht. Verdammt, was ist hier los?!“, keifte Blaise aufgebracht, den Ginny versuchte, zur Ruhe zu bewegen.
„Das muss doch nichts heißen.“ „Ach nein? Verflucht nochmal, was macht seine Tasche im Verbotenen Wald, noch dazu mit seinem Blut? Kannst du mir das mal erklären?“, schnauzte er.
„Ich . . . ich weiß es nicht“, murmelte Ginny unsicher und sah schließlich zu Hermione, deren Augen sich in einer gefährlichen Leere drohten zu verlieren.
„Wer weiß, wie die dort hingekommen ist. Vielleicht . . . vielleicht war er noch spazieren, bevor er zu euch in die Kerker ist. Vielleicht hat er sich durch irgendwas erschreckt, gekratzt und so auch seine Tasche verloren“, versuchte Harry sich eine harmlose Story aus den Fingern zu ziehen, was damit endete, dass Blaise gänzlich explodierte.
„Sag mal, für wie blöd hältst du ihn? Er rennt garantiert nicht nachts alleine im Verbotenen Wald rum! Mal ganz davon zu schweigen, was er dort sollte?“ „Es war doch nur eine Idee“, hob Harry besänftigend die Hände.
„Vermutlich ist wirklich nichts und ihr steigert euch da nur in etwas rein“, warf er noch weiter in die Runde, um die beiden Schlangen, aber auch seine Freundin zu beruhigen. Der Schuss ging jedoch gehörig nach hinten los, denn nun war es Hermione, die ihn aufgebracht, mit Tränen in den Augen und auf den Wangen anschrie.
„Kannst du das nicht verstehen oder willst du das nicht verstehen? Allein hier im Schloss und der Umgebung gibt es noch immer mehr als genug Leute, die ihm Schaden wollen! Durch den scheiß Artikel im Daily Prophet und Rons dämliches Gequatsche, ist es ohnehin wieder schlimmer geworden! Verdammt, Kevin und seine Freunde haben ihn jetzt schon ein paar Mal brutal zusammengeschlagen! Dass er letztens zusammengebrochen ist, war ihre Schuld!“, keifte sie, worauf Harry selbst wie geschlagen zusammenzuckte. Tonks nickte ernst.
„Ich werd mich mit Hagrid und Dippet im Verbotenen Wald umsehen. Ihr guckt, ob ihr ihn nicht vielleicht doch irgendwo hier in der Umgebung findet. Im Schloss, die Ländereien, Hogsmeade, die heulende Hütte oder sonst was, wo ihr denkt, wo er sein könnte. Wenn ihr was habt, lasst es mich wissen. Andernfalls treffen wir uns 18:00 Uhr wieder an der Freitreppe und sehen weiter.“
Daraufhin zerstreuten sich die Sechs erneut. Tonks ließ Dippet eine kurze Nachricht zukommen, bevor sie zu Hagrid verschwand und den Halbriesen informierte. Ginny und Harry nahmen sich in der Zeit die heulende Hütte vor, während Hermione mit Blaise und Charlie Hogsmeade auseinandernahm, obwohl sich alle drei ziemlich sicher waren, dass er nicht in dem Zaubererdorf war.
Stattdessen hatte Blaise die ganze Zeit eigentlich nur einen Gedanken im Kopf. Nämlich, dass sein Freund verletzt irgendwo im Verbotenen Wald lag. Es war eine Befürchtung, die auch Hermione teilte und die immer mehr dafür sorgte, dass sie sich abermals verfluchte, da sie gestern Abend nicht nach ihm gesucht hatte. Merlin allein wusste, wo er war, warum er weg war und allen voran, was mit ihm war?
„Ich hätte ihn suchen sollen“, warf sie sich auf dem Rückweg erneut vor, dem Blaise und Charlie sofort einen Riegel vorschoben.
„Woher hättest du denn wissen sollen, dass etwas passiert ist? Ich mein. . .“, sah Charlie unsicher zu Blaise. „Im Moment wissen wir ja wirklich nichts Genaues. Vielleicht ist die Sache tatsächlich . . . harmlos.“ „HARMLOS?“, keifte Blaise da aber gleich wieder.
„Was ist an der Tatsache harmlos, dass sein Zeug, mit seinem Blut beschmiert, im Verbotenen Wald rum liegt? Und das alles andere als am Rand?!“ „Man, jetzt schrei mich nicht so an! Denkst du, ich mach mir keine Sorgen? Verdammt, ich will mir einfach nicht vorstellen, dass ihm etwas passiert ist!“ Daraufhin schnaubte Blaise kurz, sah es dann aber ein und nickte.
„Wir finden ihn. Irgendwo muss er ja sein“, murmelte er und nahm schließlich Hermiones Hand, da sie auf seinen kleinen Wutausbruch noch blasser geworden war und damit unweigerlich ihren eigenen Gedanken nachhing. Letztlich trafen sie wieder am Schloss ein, wo Harry mit Ginny bereits wartete. Den Gesichtern nach zu urteilen, ebenfalls ohne Erfolg.
„Sieh nochmal auf der Karte nach“, drängte Hermione, doch Harry schüttelte mit dem Kopf. „Haben wir vor fünf Minuten erst. Er ist nicht im Schloss.“ Daraufhin ließ sich Hermione fertig auf die Treppenstufen fallen. Ginny saß kurz darauf neben ihr, da sie ihrer Freundin die innere Unruhe und Aufgewühltheit nur zu deutlich ansah.
„Er taucht schon wieder auf“, versuchte sie Hermione aufzumuntern und zu beruhigen, der sich still und leise eine kleine Träne aus den Augenwinkeln stahl.
„Hey“, hauchte Ginny und nahm sie sofort zu sich, bevor sie aufmunternd meinte: „Es wird bestimmt nichts weiter sein. Wirst sehen.“ „Ich hab ein ganz mieses Gefühl“, murmelte Hermione gegen Ginnys Schulter, worauf Harry erneut die Karte des Rumtreibers aufschlug, auf der er nun mit Blaise und Charlie, die doch etwas neugierig waren, ein weiteres Mal die Gänge überprüfte. Kein Draco.
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Sie würden ihn umbringen. Dessen war sich Draco mit jeder Minute, jedem Fluch, jedem Schlag, jedem Tritt, jedem Hieb, immer klarer geworden. Sie würden ihn zu Tode foltern, genauso wie sie es angekündigt hatten. Sie wollten ihn seine eigene Medizin, die der Death Eater, schlucken lassen. Und dabei stellten sie sich leider alles andere als ungeschickt an, denn er konnte nicht mehr.
Er konnte nicht mehr sagen, wie lange sie ihn bereits malträtierten. Seit wie vielen Stunden oder vielleicht auch schon Tagen, denn er hatte mehrmals das Bewusstsein zwischen ihren Attacken verloren. Diese waren gezielt und präzise.
Diesen Gestalten ging es nicht einfach nur darum, ihn umzubringen, nein. Er sollte leiden, was sie mit den unterschiedlichsten Mitteln stets aufs Neue gewährleisteten. Dass er nicht zu schnell den Tod fand.
So hatten sie ihm immer mal diverse Tränke in den Rachen gekippt. Unter anderem Blutbildende, wie er am Geschmack festgestellt hatte. Warum war nicht weiter schwer zu erahnen, denn der starke Blutverlust, gründend aus den aberdutzend Wunden, die seine mittlerweile nackte Brust und den Rücken zierten. Diese Tatsache hatte ihm schon mehr als einmal die Sinne geraubt.
Es waren dunkle Schatten, die ihn vermutlich nie länger als ein paar Minuten umhüllt hatten, da sie ihn ständig aufs Neue zurück in diese Grausamkeit holten, um ihn auch weiter an ihrem Treiben teilhaben und ihn alles spüren zu lassen.
Er war am Ende. Vollkommen am Ende. Sein Körper kannte nur noch ein Gefühl. Und zwar bedingungslosen Schmerz. Dieser wurde durch die stechende Kälte im Raum noch mehr geschürt. Zwar konnte er es nicht sehen, aber schon fast spüren, wie sein zittrig keuchender Atem Kondenswölkchen erschuf.
„. . . aufhören . . . bitte. . .“, brachte er in einer kleinen Pause, die sie ihm ließen, um dem Schmerz neue Kraft zu verleihen, ein weiteres Mal zitternd über die leicht blutigen Lippen, obwohl er es besser wusste. Sie würden weder aufhören, noch ihn am Leben lassen.
„Hast du schon genug, dreckiger Death Eater?“, schnaufte die Stimme neben ihm und brannte ihm einen weiteren Fluch auf den Rücken, der inzwischen nur noch eine einzige offene Wunde zu sein schien und ihn abermals schmerzlich stöhnen ließ. Zum Schreien hatte er keine Kraft mehr.
„Ihr Death Eater kennt selbst keine Gnade, warum sollten wir sie dir zukommen lassen?“, höhnte die andere Stimme verächtlich.
„. . . bitte. . . Ich . . . ich habe nie. . .“, versuchte er sich nochmal schwer keuchend zu erklären. Seine brüchigen Worte erstickten jedoch in einem schmerzvollen Stöhnen und Wimmern, als er einen weiteren scharfen, schneidenden Hieb auf dem Rücken verspürte, der ihm tief ins Fleisch riss.
„Nun, im Grunde könnten wir es allmählich auch beenden. Ich denke, es macht inzwischen kaum mehr einen Unterschied“, monierte die etwas schärfere Stimme, worauf er verstört zuckte. Kurz darauf spürte er die Spitze eines Zauberstabes im Nacken, die sich bedrohlich in sein Genick bohrte und sein Blut damit noch mehr durch die Venen rauschen ließ.
„Noch einen letzten Wunsch, du kleine Ratte?“, schnaufte die andere Gestalt neben ihm höhnisch, worauf er zusammenzuckte und noch stärker zitterte, als ohnehin schon.
Verdammt, er wollte nicht sterben. Nicht jetzt, nicht hier, nicht so! Er wollte. . .
„Avada Kedavra.“
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Schließlich wurde es später und damit Abend, wie auch langsam dunkel, weshalb Tonks zusammen mit Dippet zurück ins Schloss kam. Und so wie sie aussahen, hatten sie auch keine positiven Neuigkeiten.
„Habt ihr ihn gefunden?“, sprudelte es sofort aus Hermione heraus, als sie die beiden Gestalten entdeckte. Tonks konnte daraufhin nur mit dem Kopf schütteln.
„Nichts. Rein gar nichts. Fang hat nicht einmal ansatzweise eine Witterung von Draco aufnehmen können.“ „Und was heißt das jetzt?“, fragte Blaise unsicher, dem Dippet die bittere Antwort gab.
„Das er offensichtlich nicht im Verbotenen Wald ist. Entweder, er hat seine Tasche dort verloren. . .“ „Er wollte zu den Jungs in die Kerker!“, erklärte Hermione zum gefühlt hundertsten Mal, worauf Dippet verständig nickte und schließlich die andere Vermutung äußerte, über die keiner der Freunde näher nachdenken wollte.
„. . . oder jemand hat die Tasche im Verbotenen Wald entsorgen wollen.“ Daraufhin schluckte Hermione hart und auch Blaise schüttelte beinahe verzweifelt mit dem Kopf.
„Ich denke, es ist besser, ich hol Remus dazu. Oder habt ihr noch eine Idee, wo er sein könnte?“ „Nicht wirklich. Wir haben das Schloss mehrmals mit der Karte des Rumtreibers nach ihm abgesucht. Er taucht nirgends auf“, erklärte Harry, zu dem sich Blaise gereizt drehte.
„Vielleicht funktioniert deine blöde Karte auch nicht richtig!“ „Die Karte funktioniert einwandfrei!“, schnaubte Harry beleidigt.
„Sie zeigt selbst die Namen von Animagus Personen. Ich hab im Dritten Pettigrew auf ihr entdeckt, obwohl er als Ratte durchs Schloss gerannt ist. Im Vierten hab ich Barty Crouch Jr. gesehen, als er Vorräte für den Vielsafttrank bei Snape geklaut hat. Die Karte kennt jeden Winkel im Schloss. Jeden Raum. Sogar eure blöden Kerker! Den einzigen Raum, den sie nicht findet, ist der. . .“, stockte Harry plötzlich, als es ihm wie Schuppen von den Augen fiel. Hermione ähnlich, die schlagartig weiß im Gesicht wurde. Nur eine Sekunde später stieß sie die Jungs grob beiseite und stürzte durch die Gänge des Schlosses. Verwundert von den Anderen beobachtet, wo ihr Blaise noch hinterher rief: „Hermione!“
„Was hat sie denn jetzt auf einmal?“, wunderte sich auch Charlie und sah zu Harry, der irgendwie irgendwo mit seinen Gedanken festhing.
„Man, Potter. Was ist los? Was habt ihr auf einmal?“ Damit sah Harry wieder zu den beiden Slytherins.
„Der Raum der Wünsche. Das ist der einzige Raum, den die Karte nicht zeigt, weil er immer anders ist. Ich hab Malfoy im Sechsten ständig im Auge behalten, ihn aber nur selten auf der Karte gefunden, weil er fast nur dort war.“ „Und Hermione denkt jetzt. . .“, fing Tonks an, die zu verstehen begann, während Harry nickte.
„Es ist der einzige Raum, wo wir nicht waren und. . .“ Zu mehr kam er nicht, da sich Blaise und Charlie bereits auf den Weg in den siebten Stock zu besagtem Raum machten. Kurz darauf folgte ihnen der Rest, der nach wenigen Minuten ebenfalls im siebten Stock ankam, wo Hermione nachdenklich vor der entsprechenden Steinwand stand und die flache Hand auf dem kalten Gemäuer ruhen hatte.
„Und jetzt?“, fragte Ginny unsicher, während Blaise zu Hermione trat. „Wenn er wirklich dort ist, wie sollen wir ihn dann finden? Wir wissen nicht, welchen Raum er sich gewünscht hat“, gab er zu bedenken, worauf Hermione nickte, dann aber etwas in sich ging.
„Ich muss mir ja nicht direkt den Raum wünschen. Vielleicht reicht es auch, wenn ich mir wünsche, Draco zu finden“, sah sie zu Blaise, der kurz schwieg, dann aber meinte: „Einen Versuch ist es wert. Immerhin haben wir sonst keinen Anhaltspunkt mehr.“ Daraufhin nickte Hermione, trat von der Wand zurück und versuchte sich auf ihren Wunsch zu konzentrieren. Darauf, den Blonden zu finden, bevor sie vor der Wand dreimal auf und ab ging, womit nicht wie üblich die hohe Tür erschien, sondern eine nur halb so große. Es war eine Tür, die zu einem Raum oder Ort führte.
Bitte lass alles in Ordnung sein, flüsterte sie in sich hinein und schob vorsichtig die Tür auf, hinter der schwarze Dunkelheit herrschte, die ihr ein fürchterliches Unbehagen bereitete. Hinzu kam eine seltsame Kälte, die den Raum ausfüllte und schließlich aus der Tür drang, wo sie den Gang in leichten Nebel hüllte. Die aufkommende Kälte sorgte letztlich dafür, dass ihr aller Atem Kondenswölkchen zauberte.
„Was ist das hier?“, gruselte sich Ginny und rieb sich über den Oberarm, um die aufsteigende Gänsehaut zu verdrängen. Hermione hob unterdessen ihren Stab und murmelte leise „Lumos“, sodass ein kaltes, weißes Licht einen Teil der Räumlichkeiten ausleuchtete.
So erkannte sie jetzt erst, ein paar Meter vor sich, eine kniende Gestalt auf dem Boden. Es war eine Gestalt, von der ihr Hirn sich weigerte, sie zu erkennen, es irgendwie aber dennoch tat, sodass ihr der Zauberstab aus der Hand glitt und dumpf auf den Boden fiel.
Damit verlosch das Licht für einen kurzen Moment und der Schrecken, der ihr das Herz bis sonst wo hin schlagen ließ, verschwand im Dunkel. Jedoch nicht lange, bis sie hinter sich Tonks und Dippet „Lumos“ murmeln hörte, wodurch sich der Raum aufs Neue, diesmal stärker, erhellte. In der nächsten Sekunde wünschte sich Hermione, die Beiden hätten es nicht getan.
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