Was im Verborgenen liegt - Bittersüße Erkenntnis
von Alex2303
Moinsen,
heute nur kurz. Ich hab nämlich Programm. Vorrichten. *würg*
Danke an Mirja-Hailey, Maria, KatyWakewood, Krissi und maggie321 fürs Kommi und Mail schreiben. Versüßt mir auch nach langer Zeit immer wieder aufs Neue den Tag. :)
Dann wünsche ich euch viel Spaß mit dem nächsten Chap.
Liebe Grüße,
*Nachteule* Alex
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Hermione war auf alles noch immer total perplex. Nur kam sie nicht dazu, näher darüber nachzudenken, da sich die Nebel bereits wieder zusammenzogen und erneut den Gemeinschaftsraum der Slytherins zeigte. In diesem saßen Blaise und Charlie und unterhielten sich angeregt über Quidditch, als sich der Zugang öffnete, in dem Draco auftauchte. Diese Erinnerung musste um einiges später spielen, denn Draco war wieder richtig bei Kräften.
„Draco, hey. Was. . .“ „Mitkommen“, murrte Draco nur und zog Blaise im Vorbeigehen mit in Richtung der Schlafsäle. Charlie folgte ihnen verdutzt. Kurz darauf waren sie in diesem, verschlossen die Türen, ebenso wie Charlie, wohl aus Gewohnheit, den Muffliato über den Raum legte.
„Was ist denn los?“, wunderte sich Blaise und sah verwirrt auf Draco, der wie ein Tiger im Käfig auf und ab lief. „Ich weiß es!“ „Was?“, sahen sich Blaise und Charlie fragend an, bevor sie ihre Konzentration wieder auf Draco legten.
„Was weißt du?“ Damit blieb er stehen und funkelte Blaise sauer an. „Wer der Typ ist, der mir die Tour vermasselt!“ „Ihr Freund?“, stutzte Blaise, in dessen Blick sich etwas Durchtriebenes schlich. „Na dann raus mit der Sprache. Charlie und ich kümmern uns um das Problem“, erklärte er. „Dürfte etwas kompliziert werden.“ „Warum?“, verstand Blaise nicht. „Jag mal einen Schatten.“ „Hä?“ Wieder sahen sich die beiden Jungs kurz verwirrt an.
„Was meinst du?“ „Mich!“ „Wie jetzt?“, runzelte Charlie die Stirn, während Draco Blaise gefährlich taxierte. „Deine blöde Idee von damals wird mir jetzt zum Verhängnis!“ „Wie . . . wie jetzt? Welche? Doch nicht etwa die Sache zum Halloweenball?“ „Doch. Genau das!“, zischte Draco und ließ sich letztlich in einen der schwarzen Ledersessel fallen, als Blaise der Kiefer runterklappte.
„Nach der Geschichte mit Smith, hab ich zufällig eine weiße Rose in ihrem Zimmer gesehen, mir aber nichts weiter dabei gedacht“, begann er matt zu erklären, womit sich Charlie und Blaise auf das Bett ihm gegenüber fallenließen, als Blaise fragte: „Hast du's mal getestet?“, wofür er sich zur Strafe einen tödlichen Blick einhandelte.
„Für wie blöd hältst du mich? Natürlich hab ich versucht, die Rose zu testen.“ „Und?“ „Was und? Es ist meine!“ „Das muss doch jetzt aber nichts bedeuten. Ein Andenken.“ „Das hat sie mir später auch gesagt, als ich mal in der Richtung gebohrt hab. Tja, nur dass das am Ende doch nicht der Fall war. Ich hab sie gerade nochmal gefragt, ob ihr ominöser Freund sie schon eingeladen hat. Jetzt ratet mal, was sie dazu gesagt hat?“, knirschte er mit den Zähnen und versank noch mehr in dem Polster. Seine beiden Freunde, allen voran Blaise, guckten dann auch schon leicht schuldig.
„Das ist etwas . . . ungünstig“, gab Charlie zu bedenken, worauf Draco schnaubte: „Ungünstig ist noch geschmeichelt.“ „Was willst du jetzt machen?“ „Wenn ich das wüsste, wär ich nicht hergekommen!“, zischte er Blaise wieder an und fuhr sich gestresst durch die Haare.
„Hm. . . Na ja, vielleicht . . . vielleicht versuchst du ihr die Sache irgendwie zu erklären?“, schlug Charlie vor. „Erklären? Nachdem ich mich vor drei Wochen schon zum Idioten gemacht hab? Ach übrigens Hermione, ich weiß, als Draco willst du mich nicht haben, allerdings wollte ich dir noch sagen, dass der Typ, in den du dich vor zwei Jahren auf der Feier verliebt hast, ich gewesen bin? Das glaubt sie mir doch nie!“ „So musst du es ihr ja nicht unter die Nase reiben.“ „Und wie dann?“, warf Draco ein, bekam aber keine Antwort.
„Denkst du wirklich, dass sie es nicht irgendwie verstehen würde?“, brachte Blaise vorsichtig an und fing sich dafür den üblich genervten, eiskalten Malfoy-Blick ein. „Wir reden hier von Hermione-Sturkopf-Gryffindor-Granger! Wenn ich etwas hätte, womit ich es ihr Beweisen könnte, wäre es noch etwas anderes. Aber ich hab nichts.“ „Und ihre Briefe?“, warf Charlie ein, worauf seine Mimik etwas furchtbar Gedrücktes annahm.
„Weg. Die zweite Rose auch.“ „Wo hast du das Zeug vor eurer Flucht gebunkert?“, fragte Charlie vorsichtig und bekam tonlos Antwort. „Raum der Wünsche. Dort, wo ich das Verschwinde-Kabinett gefunden hab. Der Raum, der durch Crabbe ausgebrannt ist. Es ist weg. Alles“, wurde er immer leiser und deprimierter. Als Hermione näher nach ihm sah, glaubte sie einen feuchten Schimmer in den grauen Augen zu erkennen, in denen sich Trauer und Schmerz abzuwechseln schienen.
„Da hab ich einmal etwas richtig gemacht und trotzdem geht alles völlig schief“, murmelte Draco bitter und versank noch stärker in seinem Sessel. „Es hat doch keiner ahnen können, dass sie tatsächlich so lange an der Sache festhält“, warf Blaise ein, wo Charlie noch matt meinte: „Da hast du wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“ „Nach allem, was sie mit dem Schwachkopf Weasley durch hat, wundert mich das nicht einmal. Meine ganzen Gemeinheiten haben sicher auch noch dazu beigetragen“, fistelte Draco dünn.
Schließlich kehrte eine beinahe erschlagende Stille unter den Dreien ein, die sichtlich mit ihren Gedanken beschäftigt waren. Hermiones Blick lag in der Zeit auf Draco, dessen Augen sich zunehmend in einer dumpfen Leere drohten zu verlieren. Es war eine Leere, aus der er nicht einmal auftauchte, als Blaise wieder zu sprechen begann.
„Ich weiß vielleicht was.“ „Was?“, sah Charlie zu ihm. Blaise sagte jedoch nichts, sondern verschwand an seinem Schrank, in dem auch der Anzug für die Feier hing. Er nahm sich aus diesem die weiße Maske, die er kurz mit einem Zauber besprach, bevor er sie Draco zuwarf.
„Was soll ich damit?“ „Ihr zwei Hübschen wart euch doch einig, wieder einen Maskenball zu veranstalten.“ „Ja. Und?“ Damit trat Blaise zu ihm, nahm ihm die Maske aus der Hand und setzte sie ihm stattdessen auf. Noch in der gleichen Sekunde begann der Verschleierungszauber zu wirken. Dracos Haare wurden braun und seine Augen blau.
„Du schlüpfst einfach nochmal in Bens Rolle. Damit hätten wir einen Beweis. Am besten konfrontierst du sie mit irgendetwas, was nur ihr beide wisst. Du hast auf der Feier doch mit ihr gesprochen?“ „Sicher“, meinte er, womit Hermione ein heißer Schauer durch den Körper ging, als sie diese sanfte Stimme erneut in den Ohren hatte. Überhaupt alles, was sie hier gerade sah.
„Versuch auf etwas zu sprechen zu kommen, an das sie sich erinnert. Etwas, was sie bewusst nur mit dir . . . also mit Ben, verbindet. Vielleicht kannst du es ihr so nach und nach erklären.“ Draco schnaubte allerdings und schob sich die Maske hoch in die Haare, womit aus braun blond und aus blau wieder hellgrau wurde.
„Hast du keine andere Idee?“ „Sei froh, dass ich überhaupt eine hab!“, meckerte Blaise. „Die Idee ist bescheuert! Sie wird mir nicht zuhören!“ „Das weißt du erst, wenn du es versucht hast. Du weißt doch jetzt, dass sie dich liebt.“ „Nein. Sie liebt nicht mich, sondern das!“, spie er sauer und warf Blaise die Maske zu, der sich genervt die Schläfen massierte.
„Er hat Recht, Blaise. Das wird nicht klappen“, klinkte sich nun auch Charlie dazwischen, zu dem Blaise beleidigt guckte. „Dann mach du doch einen anderen Vorschlag!“, motzte er, sodass Charlie mit den Zähnen knirschte, da ihm selbst nichts einfiel.
Schließlich trat erneut eine erschlagende Stille zwischen den Dreien ein, die ihren Gedanken nachhingen und nach einer Lösung für dieses verzwickte Problem suchten. Nur fiel keinem der Drei etwas ein. Und auch Hermione selbst, wusste sich auf alles keinen Rat.
„Wahrscheinlich ist es das Beste, ich lass es“, hörte sie Draco nach einer Weile leise murmeln, worauf die Drei ihn ansahen. „Was lassen?“ „Hermione. Ich sollte einfach dankbar für das sein, was ich jetzt habe. Es ist ja schon mehr, als ich überhaupt erwartet hab. Dass sie mir tatsächlich noch eine Chance gegeben hat. Ich sollte damit zufrieden sein und gut. Sie verdient ohnehin etwas Besseres“, murmelte er leise, worauf sie schuldig auf ihn blickte. Seine Augen waren bereits seltsam leer, als Blaise sauer schnaubte: „Weasley oder was?“
Kaum, dass er Rons Namen ausgesprochen hatte, zuckte Draco auch schon wie unter einem elektrischem Schlag zusammen. Im gleichen Augenblick gab es einen lauten Knall, als der Beistelltisch hinter Blaise auseinanderflog, während die Vorhänge eines der Himmelbetten Feuer fingen.
„Scheiße!“, spie Charlie und löschte geistesgegenwärtig den Brand, was sich Blaise und Hermione entsetzt ansahen, bevor sich Blaise beunruhigt Draco zuneigte. Der war inzwischen noch mehr in dem Sessel zusammengerutscht und murmelte wirsch ein paar Flüche vor sich hin. Die Augen hielt er geschlossen und atmete zudem schwerer, während er sich mit der rechten Hand die Schläfe massierte.
„Alter, das wird langsam echt zum Problem.“ „Halt die Schnauze“, knurrte Draco gepresst. „Nein. Blaise hat Recht. Das ist nicht mehr normal. Du solltest deswegen wirklich mit Professor Dippet reden.“ „Mir geht's gut“, murmelte er wirsch. „Tut es nicht. Und die Sache mit Hermione macht es auch nicht besser!“, brachte Blaise die Geschichte wieder auf den eigentlichen Punkt.
„Man, was soll ich denn machen? Sie will mich so nicht! Davon abgesehen hab ich keine Lust, mir das was ich jetzt mit ihr hab irgendwie wieder kaputt zu machen. Der Zirkus nach ihrer ersten Abfuhr hat mir gereicht.“ „Soll das heißen, du willst jetzt alles hinschmeißen und aufgeben?“, funkelte Blaise ihn wütend an, worauf er kaum merklich nickte. Zeitgleich glaubte Hermione, in seinen Augen etwas gänzlich in sich zusammenbrechen zu sehen. Genauer darauf achten konnte sie jedoch nicht, da Blaise ihn am Kragen packte und zu sich zerrte.
„Ich hoffe für dich, das war ein Witz, da ich dir sonst jeden einzelnen, verdammten Knochen brechen werde, bis du wieder zur Vernunft kommst. Ich werde nicht dulden, dass du kurz vor dem Ziel aufgibst. Du hast die ganzen letzten Jahre immer wieder zurückgesteckt, verzichtet und dich mehrmals fast selber ins Grab befördert. Du hast genauso deinen Teil dazu beigetragen, dass wir diesen Frieden jetzt hier haben. Mehr als Weasley oder sonst einer dieser Idioten, die der Meinung sind, dich fertig machen zu müssen, nur weil die keine Ahnung haben. Hermione will dich. Sie weiß nur noch nicht, dass du es bist, den sie eigentlich will. Du und nicht das!“, hielt er ihm die Maske vor die Nase.
„Also lass dich nicht so hängen, verdammt. Das bist nicht du. Du gibst sonst auch nicht auf, bevor du hast was du willst. Warum jetzt? Warum willst du jetzt allen Ernstes aufgeben? Nach allem?“, verstand Blaise ehrlich nicht, als sich Dracos Blick in der Leere verlor.
„Ich kann einfach nicht mehr. Ich fühl mich, als würde ich gegen ein Dämonsfeuer ankämpfen. Ich weiß, dass es sinnlos ist. Schon immer sinnlos gewesen ist“, murmelte er leise und schloss schließlich müde die Augen. Er wirkte in dem Moment unendlich erschöpft, alt und ausgelaugt. Kraftlos.
„Man kann Gefühle nicht so einfach abstellen. Das weißt du“, gab ihm Charlie ruhig zu verstehen, worauf er ebenso leise murmelte: „Genau das ist das Problem. Hätte sie mich auch weiter so gehasst wie früher, da, . . . Es wäre so viel leichter für mich zu ertragen, als dieses Zwischending. Ich darf ihr nah sein, dann aber trotzdem nicht. Sie hat mich auf eine Stufe mit Harry gestellt. Sie hat mir gesagt, dass sie mich auf die gleiche Art und Weise mag, liebt, wie ihn. Wie einen Bruder. Habt ihr `ne Ahnung, wie sich das anfühlt?“, sah er die Beiden gequält an. „Da hätte sie mir auch gleich ein Messer in die Brust jagen können, das wäre angenehmer. Verdammt, sie. . . Sie quält mich damit. Foltert mich jede Sekunde in der sie mich ansieht. In der sie mich anlächelt. Wenn sie mir richtig nah ist, hab ich das Gefühl, sie würde mich verbrennen. Sie ist Gift! Pures Gift. Und das Schlimmste daran ist, dass ich dieses Gift brauche! Ich will sie in meiner Nähe haben, damit sie mich noch weiter verstümmeln kann. Und dass. . . Gott, das ist erbärmlich. Das ist. . .“ „Liebe“, warf Charlie bitter in den Raum, zu dem die Drei kurz sahen. Hermione mit neuen Tränen, die ihr die Wangen hinunter kullerten. Dracos Anblick war kaum besser. Er sah so aus, als ob er stundenlang den Cruciatus durch Voldemort hätte ertragen müssen. Unsäglich gequält.
„Ich ertrag das einfach nicht mehr. Und jetzt noch das! Die Tatsache, dass sie . . . dass sie dieses andere Ich selbst nach zwei Jahren noch will und. . . Ach verdammt!“, fluchte er fertig. Er schloss die Augen und legte die rechte Hand darüber, während sein Körper von seichten Zuckungen durchzogen wurde, die von einem kleinen Schluchzer herrührten.
Er versuchte es zu unterdrücken, dennoch zwängte sich eine einzelne Träne zwischen seinen verschlossenen Lidern hervor, was Hermione das Herz zerriss. Wie hatte sie ihm allen Ernstes nach allem so etwas Gefühloses, Bösartiges unterstellen können? Hier in diesem Akt, war sie das gefühllose Monster mit dem Herz aus Eis.
„Draco?“, richtete sich Blaise schließlich ruhig an seinen Freund und hockte sich vor ihn, worauf der Blonde gequält aufsah. „Hör zu, ich versteh dich. Dass das alles frustrierend ist. Du solltest trotzdem noch nicht aufgeben. Sie will dich. Sie will das, was du eigentlich bist, nur dass sie das durch unseren kleinen Trick dummerweise nicht sieht oder nicht sehen kann. Sieh mal. . . Sie hat dir noch eine Chance gegeben und sich für dich in einem Maß eingesetzt, was weit über einen freundschaftlichen Aspekt hinausgeht. Sie hat sich deinetwegen nervlich richtig fertig gemacht. Zur Verhandlung, aber auch nach der Sache letzten Monat im . . . im Raum der Wünsche“, erinnerte Blaise ihn vorsichtig an diese Folter, worauf er wieder zusammenzuckte und es erneut hinter Charlie scherbelte. Diesmal war es allerdings nur ein Spiegel, dem keiner der Drei Beachtung schenkte.
„Lad sie ein, mit dir den Abend zu verbringen und versuch ihr noch einen Tanz abzugewinnen. Dass die Musik passt, dafür sorg ich“, grinste Blaise erneut und hielt ihm schließlich die verzauberte Maske hin.
„Rede mit ihr. Erklär es ihr. Wenn sie dir nicht glaubt, versuch es ihr auf dem Weg zu erklären. Zeig ihr was sie damals gesehen hat. Erinner sie an etwas, was sie dir gesagt oder geschrieben hat.“ Damit legte er ihm das weiße Etwas in die Hände, mit dem alles irgendwo seinen Anfang genommen hatte.
„Das wird nicht funktionieren“, murmelte Draco erneut, dem Blaise wie immer etwas entgegen zu setzen hatte. Einen scheinbar unerschöpflichen Optimismus.
„Werden wir sehen. Versuch es wenigstens. Wenn's schief geht, lassen wir uns etwas anderes einfallen. Hermione kann uns schließlich nicht weglaufen. Irgendwann wird sie einsehen, dass du der Richtige für sie bist.“ „Das bin ich nicht.“ „Das bist du. Hör auf, dein Licht so unter den Scheffel zu stellen. Oder wer wäre deiner Meinung nach sonst der Richtige für sie?“, erkundigte sich Blaise, bekam aber keine Antwort.
„Siehst du? Du kommst ihren Wünschen am nächsten, oder was denkst du, warum sie an einer einzigen Begegnung von vor zwei Jahren noch so sehr festhält? Unsere Prinzessin wartet noch immer auf ihren Prinzen. Nur wird sie nicht ewig warten. Du willst doch sicher nicht, dass sie sich aus Frust am Ende doch noch dem erstbesten Bauerntölpel á la Weasley hingibt?“ „DER!“, keifte Draco nun wieder sauer. In den Augen ein gefährliches Feuer, was dann auch noch die Vorhänge entflammte.
„EY!“, schrie Charlie und übte sich erneut als Feuerwehrmann. Blaise besah es sich beunruhigt. „Und wegen der Sache redest du endlich mit Dippet oder Tonks! Wenn das so weiter geht, fackelst du uns irgendwann noch das Schloss versehentlich ab“, versuchte er zu scherzen.
Damit verschwanden die Drei und Hermione hoffte aufzutauchen. Sie hoffte, dass Blaise ihr genug gezeigt hatte, schließlich hatte sie beinahe zum jetzigen Zeitpunkt aufgeschlossen. Doch sie sollte sich bitterlich täuschen, denn Blaise hatte tatsächlich noch etwas in Petto, was sie nicht sehen wollte. Sie hatte genug. Mehr als genug, doch ihr Freund ließ sie auch weiter leiden und hielt ihr Dinge vor Augen, die sie versucht hatte, zu verschließen.
Sie sah Blaise, der unruhig durch die dunklen Gänge der Schule hastete und nach dem Blonden rief, während draußen einer der bisher unheilvollsten Herbststürme des Jahres tobte. Die Fackeln an den Wänden flackerten und auch so wirkte die Atmosphäre kalt und düster. Schließlich kam er am Haupteingang raus, wo Charlie wieder zu ihm stieß.
„Nichts“, gab ihm der Brünette atemlos zu verstehen, was Blaise fluchen ließ. „Verdammt nochmal, irgendwo muss er doch sein.“ „Glaubst du, dass wieder was passiert ist?“, fragte Charlie unsicher, worauf Blaise hart schluckte. „Ich hoffe nicht“, murmelte er düster und sah schließlich auf die schwere Eichenholztür, die hinaus in den Vorhof führte. Und das recht lange, bevor er diese aufstieß.
„Blaise?“, rief Charlie, doch sein Freund trat in den Regen hinaus. Kurz darauf folgte Charlie ihm. „Denkst du, er treibt sich bei dem Wetter draußen rum?“, meinte Charlie zweifelnd und beschwor rasch zwei Regenmäntel für sie herauf, da sie sonst nach wenigen Minuten bis auf die Haut durchnässt wären. Blaise ging vorn weg und murmelte leise „Würde zu seiner Stimmung passen“, was Hermione schlucken ließ.
Die Beiden bewegten sich wie zwei Schatten schwerfällig über die düsteren Ländereien und riefen immer wieder nach ihm. Dabei peitschte ihnen der eisige Wind ins Gesicht und riss ihnen mehr als einmal die Kapuzen runter. Hermione versuchte auf den Anblick zu rekonstruieren, wann das gewesen sein könnte? Wann hatte es so heftig gestürmt? Kurz darauf fiel es ihr wieder ein.
Es war direkt der Tag nach der verkappten Feier gewesen. Sie hatte zu dem Zeitpunkt im Krankenflügel gelegen, wo ihre Stimmung das Herbstunwetter perfekt widergespiegelt hatte. Offensichtlich war es nicht nur ihr so ergangen, denn in der beinahe undurchdringlichen Dunkelheit des frühabendlichen Gewitters, konnte Blaise zwischen den Blitzen irgendwann eine schmale Figur am See ausmachen.
„Oh man“, flüsterte Charlie, während Blaise mit ausgreifenden Schritten auf den Blonden zuging und nach ihm rief. Der Schatten rührte sich jedoch nicht. Auch stand er nicht am Ufer des Sees, sondern schon bis zu den Knien in dem eiskalten Wasser, was nicht mehr wirklich zweistellige Bereiche erreichte.
„Draco!“, rief Blaise erneut. Der Blonde reagierte jedoch nicht. Er stand auch weiter regungslos in dem kalten Wasser. Die Klamotten, die lediglich aus der Anzughose und dem weißen Hemd bestanden, waren bis auf die Haut durchnässt und klebten ihm am Körper. Die Hände hatte er tief in den Hosentaschen vergraben und starrte ausdruckslos auf den dunklen, unheimlich wirkenden See.
„Verdammt, Draco! Wir haben dich schon überall gesucht. Was machst du bei dem Scheißwetter hier?“, schimpfte Charlie und musste schon etwas lauter sprechen, da das Tosen des Windes seine Worte halb verschluckte. Draco schien ihn nicht gehört zu haben. Oder nicht hören zu wollen.
„Draco!“, rief nun auch Blaise und machte ein paar Schritte in das kalte Wasser, was ihn durch die Zähne zischen ließ, bevor er zu seinem Freund sah, der sich nicht im Geringsten rührte.
„Lass uns rein gehen, okay? Wir . . . wir hauen uns vor den Kamin und reden nochmal in Ruhe. Uns fällt schon noch `ne Lösung ein. Versprochen“, redete Blaise auf ihn an und kämpfte sich schließlich ganz zu ihm vor, wo er nun einen direkten Blick auf Dracos bleiche Züge erhaschen konnte.
Zwar war das Licht nicht sonderlich gut, dennoch konnte man recht deutlich erkennen, dass er nicht nur weiß war. Seine Lippen hatten bereits einen blass bläulichen Ton angenommen, während sich unter seinen Augen einmal mehr tiefdunkle Schatten angesiedelt hatten. Seine Haare hingen ihm klatschnass in die Stirn, von wo aus ihm der kalte Regen über die porzellanartigen Züge rann. Seine Augen waren leer und wirkten zudem vollkommen leblos. Darin lag kein Schimmern oder Leuchten mehr. Da nicht der Hauch eines Leuchten oder Schimmerns.
„Es war ein Fehler“, begann Draco leise. Seine Stimme war tonlos, schon fast leblos, als wäre endgültig etwas in ihm zerbrochen, was Hermione schlucken ließ, die gequält auf ihn sah, während Blaise versuchte, beruhigend auf seinen Freund einzureden.
„Hey, das wird schon wieder. Glaub mir. Es. . . Es ist nur ein bisschen unglücklich gelaufen und. . .“ „Ich hab alles kaputt gemacht“, unterbrach Draco ihn leise, was Blaise mit dem Kopf schütteln ließ. „Nein. Nein, hast du nicht. Unsere Idee war nur Mist und. . .“ „Sie hasst mich“, murmelte er ihm erneut dazwischen. Und das diesmal mit einer erschlagenden Gewissheit, die Blaise schlucken ließ, während der Blonde bitter die Augen schloss, aus denen ihm ein paar einsame Tränen rannen. Durch den Regen kaum zu erkennen, dennoch sah Blaise das hauchzarte Glitzern, genauso wie Hermione, der selbst schon die ganze Zeit die dicken Tränen über die Wangen kullerten.
Sie konnte nicht sagen, wie sehr sie sich in dem Moment gerade für alles hasste und verabscheute. Es war kein Wunder, dass Blaise ihr am Sonntag dieses Gespräch aufgezwungen hatte. Mit allem, was sie gesehen hatte, grenzte es für sie schon an ein kleines Wunder, dass er nicht komplett die Beherrschung verloren und sie angeschrien und zur Schnecke gemacht hatte.
All die Jahre hatte er Draco versucht zu helfen, ihn zu beschützen und aufzumuntern. Er hatte versucht, ihm in dem ganzen Dunkel, was sich sein Leben schimpfte, Halt, etwas Licht und auch Hoffnung zu geben und dann zertrümmerte sie das alles, wegen einer groben Ungereimtheit und verletztem Vertrauen.
„Hör auf. Das stimmt nicht. Sie ist vielleicht sauer und verletzt, aber sie hasst dich nicht. Dass kann sie nicht. Glaub mir. Sie. . .“ „Ich kann nicht mehr“, flüsterte er nur noch dünn gegen den tosenden Wind, der die stillen Worte zerriss und beinahe ungehört davon getragen hätte. Blaise hatte es aber gehört, und damit auch Hermione, die in der Sekunde nichts mehr wollte, als ihn in die Arme zu nehmen und sich zu entschuldigen. Sie wollte ihm das gleiche sagen wie Blaise. Nämlich, dass es nicht stimmte. Dass sie es zwar gesagt hatte aber nicht so meinte. Dass sie ihn nicht hasste. Noch während ihres Gedankens machte ihr Herz plötzlich einen verschreckten Schlag, als Draco mit den letzten, dünnen Worten ohne Vorwarnung kraftlos in sich zusammenbrach.
„DRACO!“, schrie Blaise geschockt, und versuchte ihn zu halten, ebenso wie Hermione nach ihm griff, nur stolperte sie durch die Erscheinung der Beiden hindurch. Blaise hatte ihn zwar noch am Arm zu fassen bekommen, allerdings das Gleichgewicht verloren, sodass er kurz mit seinem Freund in dem Eiswasser landete und für eine Millisekunde auf Tauchstation ging. Als er prustend wieder hoch kam, war Charlie ebenfalls im Wasser und zog Draco noch vor Blaise wieder an die Oberfläche.
„Draco? Scheiße, man. SAG WAS!“, schrie Charlie ihn an, während Blaise sich aufrappelte und um die erschlaffte Gestalt seines Freundes griff, die er panisch zu rütteln begann. „Draco? Lass den Mist. Was ist los?“, schrie er, doch der Blonde zeigte keinerlei Reaktion. Die zuvor noch so leeren Augen blieben verschlossen, womit Charlie näher nach ihm sah. Es war ein Anblick, der Hermione das Herz in Brand steckte. Verdammt, was hatte sie ihm angetan? Sie hätte nie, nie gedacht, dass ihn das alles so fertig machen könnte. Dass sie ihn verstümmelte, wie er selbst gesagt hatte. Dass sie ihn quälte.
„Er ist eiskalt“, murmelte Charlie beunruhigt und sah schließlich zu Blaise. „Kriegst du ihn bis in die Kerker? Er muss schleunigst ins Warme.“ „Sicher“, grummelte Blaise und zog die bewusstlose Gestalt seines Freundes zu sich, bevor er sich mit ihm auf den Armen etwas schwerfällig aus dem Wasser kämpfte.
Kurz darauf verschwanden die Beiden in der Dunkelheit der Ländereien in Richtung Schloss, wo sie der schwarze Nebel verschluckte. Doch anders, als die Male zuvor, zeigte sich nun keine neue Szene mehr. Stattdessen tauchte Hermione endlich auf. Und das noch immer ungläubig, verwirrt, mit einem furchtbar schmerzvollen Stechen in der Brust und nicht versiegen wollenden Tränen, die ihr weiter über die blassen Wangen kullerten.
Auf den Anblick war Minerva sofort um ihren Tisch herum bei Hermione, die erschlagen von all den Eindrücken auf zitternden Beinen stand. Besonders die letzten der vergangenen Tage, begannen ihr verstärkt die Luft abzuschnüren.
„Fehlt Ihnen etwas?“, erkundigte sich die Direktorin sofort, die Hermione anfangs gar nicht zur Kenntnis nahm, da ihr noch immer dieses bittere Bild vom See nachhing. Dem, was sie ihm angetan hatte, ohne es zu wollen, geschweige denn zu wissen.
„Hermione!“, echote ihr McGonagalls Stimme schließlich stärker in den Ohren nach, zu der sie verweint sah. „Was bei Merlin haben Sie sich angesehen?“ Der Schock in ihrer Stimme war nicht zu überhören, sodass Hermione versuchte, sich zusammenzunehmen. Sie strich sich die Tränen wirsch mit dem Handrücken beiseite, bevor sie versuchte, sich auf das Eigentliche zu konzentrieren.
„Es war nichts . . . nichts Schlimmes, nur sehr . . . emotional und. . .“, brach sie ab und sah zurück auf das Denkarium, in dem noch immer die Erinnerungen schwammen, die sie letztlich herausfischte und wieder in der kleinen Phiole verschwinden ließ, denn diese Dinge waren definitiv nichts für fremde Augen.
„Entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss. . . Ich. . .“, stammelte sie noch immer etwas überfordert und war schließlich weg, noch bevor Minerva etwas dazu sagen konnte. Auf ihrem Rückweg in den Schulsprecherturm begegnete ihr niemand, worüber sie heilfroh war. Sie schleppte sich mit zittrigen Beinen bis zur Couch, an der sie sich mit einer Hand abstützte. In der anderen hielt sie fest umklammert die kleine Phiole, die ihr einen völlig anderen Blickwinkel gewährt hatte.
Sie hatte gesehen, wie Blaise und Charlie Draco die ganzen Jahre gesehen hatten. Die Wandlung, die er durchgemacht hatte. Die Geheimnisse, die er mit Blaise und Charlie vor allen verborgen hatte. Die Dunkelheit, die ihn bereits vor Ausbruch des Kriegs beinahe zerbrochen hatte. Die Hoffnung und Kraft, die er während des Sechsten durch ihre Briefe geschöpft hatte. Die Liebe, die er so tief in sich versteckt hatte. Mit all dem war es kein Wunder, dass sich Blaise und Charlie so für ihn eingesetzt und gekämpft hatten. Dafür, dass er echtes Glück fand und das bekam, was er sich wünschte und auch verdiente.
Ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen, als von oben irgendetwas krachte. Kurz darauf kam Krummbein angerannt. Als er sie sah, schrie er sie dermaßen laut an, als wäre der Teufel selbst hinter ihm her. Nur einen Moment später war der Kater auf der Treppe zu ihren Schlafräumen verschwunden, von wo es erneut scherbelte.
„Draco“, flüsterte sie geschockt und eilte in sein Zimmer, in dem bereits ein kleiner Magietornado zu entstehen begann. Sie duckte sich rasch unter diversen Kleinutensilien weg und kroch schließlich zu ihm aufs Bett, in dem er wühlte und nach dem Laken krampfte.
„Draco? Hörst du mich? Es ist alles gut“, rief sie ihn, allerdings wachte er nicht auf, sondern zerrte nur noch mehr an dem Laken. „Sch“, hauchte und legte sich zu ihm. Sie umschlang ihn von hinten und griff mit ihrer Rechten nach seiner. Kurz darauf, drohte er ihr die Finger zu zerquetschen, was sie zischen ließ. Ihre Hand zog sie dennoch nicht weg, sondern schmiegte sich nur noch stärker an seine Gestalt, sodass sie die Nase in seinem Nacken hatte und damit seinen besonderen Duft einatmete.
Sie küsste ihn hauchzart, bevor sie den Kopf hob und sich ein wenig über ihn beugte, um ihm ins Ohr zu flüstern: „Es ist alles gut. Ich pass auf dich auf. Ich werd dich nicht mehr alleine lassen“, versprach sie und hauchte ihm einen federleichten Kuss auf die Wange, bevor sie mit frischen Tränen meinte: „Es tut mir so leid“, und sich wieder verstärkt in seinen Schopf kuschelte. Nach und nach zeigte ihre Anwesenheit und Nähe die erhoffte Wirkung.
Sie spürte, dass sich seine hektische Atmung beruhigte und der schraubstockartige Griff lockerte. Darüber hinaus kam auch seine Magie zur Ruhe, was sie sah und zusätzlich zu spüren glaubte, da diese leicht knisternde Spannung, die auch noch im Raum lag, gänzlich verschwand. Sein Herz kam zur Ruhe und damit hoffentlich auch sein Geist.
„Es ist alles gut“, hauchte sie ihm wieder zu und küsste ihn nochmal im Nacken, bevor sie sich ebenfalls der Wärme und Ruhe, die inzwischen herrschte, hingab.
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„NEIN!“, stieß Hermione panisch aus und fuhr hoch, wo sie sich mit rasendem Herzen umsah. Allerdings war niemand bei ihr, außer Draco, auf den sie sofort sah. Angst machte sich für eine unendliche Sekunde in ihr breit, bis sie registrierte, dass er vollkommen ruhig atmete und fest schlief, denn ihr Aufschrei hatte ihn nicht geweckt.
„Gott“, stöhnte sie und rieb sich mit dem Handrücken über Stirn und Schläfe, die leicht verschwitzt waren. Sie hatte wieder Albträume gehabt. Und zwar von der gleichen Sorte, wie schon vergangene Nacht. Sie hatte wieder davon geträumt, was gewesen wäre, hätten die falschen Leute von Dracos eigentlichen Intentionen erfahren. Nur erschien ihr der Schrecken diesmal noch greifbarer, aufgrund der nur allzu lebendigen Bilder, die sie gestern Abend gesehen hatte. Dinge, die so real waren, wie der Krieg.
Es ließ sie schaudern, weshalb sie sich wieder zu ihm legte und erneut an ihn kuschelte. Sie lag eine kleine Ewigkeit so da und lauschte den gleichmäßigen Atemzügen des Blonden, der hoffentlich einen ruhigeren Schlaf hatte, als sie selbst. Seinem Antlitz nach schien es so zu sein, denn die dunklen Ringe um und unter seinen Augen waren deutlich weniger geworden. Der lange Schlaf schien ihm gut getan zu haben, weshalb sie ihn auch schlafen ließ.
Erst gegen 6:15 Uhr rappelte sie sich behutsam auf, um sich für den Tag fertig zu machen. Zuvor beugte sie sich aber nochmal zu ihrer Schlange und hauchte ihm einen kleinen Kuss auf die Schläfe, bevor sie ins Bad verschwand, um zu duschen. Als sie eine Viertelstunde später wieder in ihr Zimmer trat, fiel ihr Blick auf Nevilles Königsgranadilla, die üppig blühte. Von dieser knapste sie sich ein paar Blüten ab, deren Kern sie ausdrückte und den dicken Saft in eine kleine Phiole gab, als es im Nebenzimmer laut polterte.
Auf den Laut zuckte Hermione zusammen, riss den Kopf herum und zischte: „Scheiße“, da Dracos Magie offensichtlich wieder ausschlug. Ohne über irgendetwas nachzudenken, stürzte sie in den Nebenraum und rannte direkt in Draco rein, sodass es nochmal polterte, als beide auf dem Boden aufschlugen. Draco rieb sich brummend den Hinterkopf, während sich Hermione etwas von seiner nackten Brust hochstemmte und ihn mit immer roter werdendem Kopf ansah.
„Tut . . . tut mir leid. Ich dachte du . . . du schläfst noch und . . . deine Magie“, stammelte sie hilflos. Draco hielt ihr allerdings nur die Dose mit der Salbe hin. „Ich hab den Stuhl beim Einreiben versehentlich umgehauen“, meinte er ergänzend, was die Röte in ihren Wangen noch weiter wachsen ließ, als sie ganz von ihm runter kroch. Dabei huschte ihr Blick über seinen Oberkörper, auf dem sich ganz fein seine Muskeln abzeichneten, dem sie folgte, als er aufstand. Er reichte ihr die freie Hand, nach der sie unsicher griff und sich auf die plötzlich wackligen Beine ziehen ließ, bevor ihr Blick nochmal über seine Gestalt huschte.
„Gibst du mir mal die Salbe?“, fragte sie etwas ungelenk, dem er verwundert nachkam. Hermione begab sich damit an seinen Schreibtisch und mischte den Saft der Königsgranadilla darunter, was Draco noch skeptischer stimmte.
„Was ist das für `n Zeug?“ „Es verstärkt die Wirkung von Heiltinkturen und Salben. Du weißt noch die Blume, die mir Neville zum Geburtstag geschenkt hat? Aus dem Blütenkern lässt sich der Saft gewinnen.“ „Okay“, meinte er etwas gedehnt, nicht sicher, was er davon halten sollte. Allerdings würde die Hexe ihn kaum vergiften. Hoffte er zumindest.
„Setz dich, ich . . . ich helf dir mit der Salbe. Du kommst allein doch schlecht überall hin“, meinte sie und versuchte sich an einem Lächeln. Es war verrückt, aber jetzt, wo sie ihm wieder gegenüberstand, wusste sie nicht, was sie sagen sollte und benahm sich wie eine schüchterne Erstklässlerin, was sie auf ihren peinlichen Überfall schob. Draco sagte auch nichts dazu, sondern musterte sie nur kurz nachdenklich, bevor er ihrer Aufforderung nachkam und sich im Schneidersitz auf sein Bett setzte. Damit hatte Hermione seinen Rücken vor der Nase, der sämtliche Unsicherheit und Nervosität vertrieb. Stattdessen schluckte sie heftig auf den sich ihr bietenden Anblick, denn neben den fiesen Rötungen, sah sie nur zu deutlich die ganzen alten Verletzungen, die sich in feinen, fast weißen Linien, kreuz und quer über seinen Rücken zogen.
Jede dieser Narben hatte eine eigene Geschichte und dank Blaise' Erinnerungen, wie auch ihren eigenen und Dobbys kleiner Erzählung, blühte ihre Phantasie in den dunkelsten Formen, was deren Ursprung anging. Voldemort, Lucius, Bellatrix und Merlin wusste wer noch, waren hierfür verantwortlich, was ihr die Augen feucht werden ließ, als sie die Entzündungen behutsam einrieb. Dabei blieb ihr Blick unter anderem etwas länger an seiner linken Schulter und dem sternförmigen, weißen Fleck hängen, den er sich eingehandelt hatte, als er sie vor Bellatrix abgeschirmt hatte. Sie strich gedankenverloren behutsam mit den Fingerspitzen darüber, sodass er nach einer Weile fragend den Kopf zu ihr neigte.
„Hermione?“, rief er sie unsicher. Kurz darauf hob sie den Blick und sah ihn mit feuchten Augen an, als sie dünn meinte: „Es tut mir so schrecklich leid“, was ihn verwirrte, sodass Hermione gleich nachsetzte. „Es tut mir leid, dass ich so eine sture, egoistische Ziege bin. Dass ich nicht zugehört und dir unterstellt habe, dass du Legilimentik an mir angewandt hast. Es tut mir leid, dass ich mich wieder in meinen dummen Vorurteilen verloren und dich aufs Neue verletzt habe. Es tut mir leid, dass ich so dumm war, meine Gefühle für dich zu ignorieren. Es tut mir leid, dass. . .“ Der Rest ihrer noch folgenden Entschuldigung erstickte an seiner warmen Brust, als er sie in die Arme nahm. Nur einen Moment später spürte er ihre heißen Tränen, die ihm über den Oberkörper rannen, während sich ihre Arme um seine Mitte legten.
„Es tut mir alles so furchtbar leid“, murmelte sie leise und kuschelte sich noch ein wenig stärker an ihn, sodass ihr wieder vermehrt sein wilder Duft in die Nase stieg und sich noch stärker in ihren Geist einbrannte. Sie brauchte das. Sie brauchte ihn. Wollte ihn, nur. . . Konnte er ihr nach allem wirklich noch verzeihen?
„Ich hab so viel falsch gemacht“, begann sie flüsternd, mit einer tiefen Angst. „Ich hätte dir mehr vertrauen sollen und . . . und. . .“ „Wir haben beide Fehler gemacht“, unterbrach er sie ruhig und hielt sie noch etwas fester, während sich in seinem Geist zunehmend das Begreifen einstellte, was hier gerade passierte. Was sie gerade versuchte, ihm zu sagen. Und das ließ sein Herz immer schneller schlagen, was sie deutlich spürte und hörte.
„Du hast nichts falsch gemacht“, widersprach sie ihm. „Du hast so viel für mich getan. Du hast gesagt, dass du mich liebst, und das nach einem Abend, den ich mir nicht hätte schöner vorstellen oder wünschen können. Was hättest du denn noch tun oder sagen sollen?“, sah sie verweint zu ihm auf. „Du warst so lange der letzte Mensch auf Erden, von dem ich je etwas Nettes erwartet hätte. Dann bist aber gerade du es, der mir als Erster und Einziger in dieser Form sagt, dass er mich liebt. Und was mache ich dumme Kuh?“, geißelte sie sich und schloss bitter die Augen, aus denen ihr frische Tränen rannen. „Ich werfe es weg, weil ich mich lieber an eine Illusion klammere, anstatt die Augen aufzumachen und dich zu sehen. Und nach allem, was mir Blaise gesagt und von dir gezeigt hat, da. . .“ „Gezeigt?“, stutzte Draco. Sie nickte.
„Er und Ginny waren am Sonntag bei mir. Er hat mir alles von damals erklärt, was ich dich nicht hab erklären lassen. Weil es für mich trotzdem so unglaublich war, dass du mich über diese Distanz überhaupt mögen könntest, hat er mir seine Erinnerungen gegeben. Er meinte, dass es sich schlecht mit Worten beschreiben lässt und damit hatte er Recht. Was ich durch seine Augen gesehen habe, hätte er mir beschreiben können, wie er wollte, es wäre nicht einmal ansatzweise das Gleiche gewesen“, sah sie ihn wieder an.
„Was . . . was hat er dir gezeigt?“, fragte Draco unsicher. So wie er Blaise kannte, hatte der doch mit Sicherheit verdammt tief gegraben. „Viel. Teils war es verwirrend und auch überraschend für mich. Und. . .“, brach sie ab und begann auf ihrer Unterlippe herum zu kauen.
Sie hatte eine Menge gesehen und Neues erfahren, allerdings hatte Blaise damit auch Platz für Spekulationen geschaffen. Und zwar über Dinge, über die Draco bisher auch nicht mit ihr gesprochen hatte. Nämlich seine Familie und was da tatsächlich alles hinter den Mauern von Malfoy Manor abgelaufen war.
„Was?“, hakte Draco nach, da sie nicht weitersprach. „Blaise weiß auch nicht alles über dich, oder?“ „Nein.“ Daraufhin nickte sie und begann etwas an der Bettdecke zu nesteln, als sie nach den richtigen Worten suchte. „Es ist nur so, dass. . . Manche Sachen hat er nur oberflächlich angekratzt. Was er da aber erwähnt hat, dass . . . uhm. . . Ich weiß, dass ich absolut nicht das Recht habe, dich überhaupt danach zu fragen oder darum zu bitten, aber. . .“, brach sie ab und sah ihn unsicher an. „Würdest du mir gewisse Dinge näher erklären? Ich möchte es einfach richtig verstehen. Ich will die Dinge klar sehen und nicht wieder irgendwelche dummen Missverständnisse und . . . ich. . .“, brach sie ab und senkte schuldbewusst das Haupt, denn im Endeffekt hatte sie ja alles verbockt, da sie vehement die Augen vor allem verschlossen hatte. Vor all den kleinen und großen Hinweisen.
„Tut mir leid“, entschuldigte sie sich leise für ihre dumme Bitte, als er die Hand unter ihr Kinn legte und sie damit zwang, ihn wieder anzusehen. Er lächelte. Zwar etwas schwermütig, aber er lächelte. „Ich werd dir erklären, was du wissen willst, nur. . . Die wenigsten meiner Erinnerungen sind schön, also. . .“, brach er ab und strich ihr eine wirre Strähne aus den Augen.
„Wenn dir das unangenehm ist, musst du nicht. Wirklich. Ich dachte nur. . .“ „Nein. Du hast Recht. Keine Missverständnisse mehr. Nach dem ganzen Ärger bin ich es dir . . . uns“, korrigierte er sich. „. . . schuldig, dir zu erklären, warum ich bestimmte Dinge getan habe. Wobei. . .“ „Was?“ „Ich denke, es ist das Beste, wenn ich es dir wie Blaise zeige. Einverstanden?“ „Hm. Nur. . . Ich weiß nicht, ob McGonagall mich nach gestern nochmal an das Denkarium lässt“, sah sie ihn unsicher an. Draco überlegte dann auch kurz, bevor er mit dem Kopf schüttelte.
„Müssen wir nicht. Ich denke, da gibt es noch eine andere Möglichkeit.“ „Welche?“ „Lass dich überraschen“, schmunzelte er, was sie kurz verunsicherte. Allerdings mahnte sie sich, ihm zu vertrauen. Sie nickte und legte ihm nur noch einen Verband um, damit die Salbe richtig einziehen konnte.
Als sie zum Frühstück in der Großen Halle auftauchten, wurden sie bereits von ihren Freunden erwartet. Diese guckten äußerst neugierig und nahmen ein wenig spitz grinsend in sich auf, dass die Beiden so erschienen, wie sie gestern verschwunden waren. Nämlich Hand in Hand. Und das fiel auch anderen Personen in der Halle auf, die ihre Konzentration ebenfalls auf dem Schulsprecherpaar liegen hatten. Jedoch missfiel die neu erwachte Harmonie einigen.
So musste sich Stephen mürrisch eingestehen, dass er Malfoy falsch eingeschätzt hatte. Er hatte gedacht, dass er sich von der Gryffindor abwenden würde, wenn die Gerüchte erst einmal bis zu ihm vorgedrungen waren, dass sein Liebchen sich auch anderweitig amüsierte. Aber was nicht war, konnte ja noch werden, weshalb er bereits in neuen Überlegungen versank, wie er die Beiden auseinanderreißen konnte.
Nicht viel weniger Gedanken machte sich Ron, der zudem kaum noch Handlungsmöglichkeiten hatte. Mit seiner übereilten Aktion gestern, hatte er sich nur wieder ins eigene Fleisch geschnitten. Und da konnte er noch froh sein, dass er einen verhältnismäßig harmlosen Fluch abgefeuert hatte. Ziemlich schmerzhaft für das Frettchen, keine Frage, aber nichts, was ihn nachhaltig schädigte oder gar ganz aus dem Verkehr zog. Das würde ihm aber selbst blühen, wenn er noch einen Fehler machte. Sie würden ihn von der Schule schmeißen und dann würde niemand mehr dem Frettchen und seinen Lakaien im Weg stehen. Er brauchte Verbündete, nur hatte er niemanden mehr. Mollys Heuler gestern Abend hatte das auch nicht besser gemacht. Er war sich sicher, dass er das Ginny zu verdanken hatte, zu der er wütend sah, als sie gerade herzhaft über irgendetwas lachte und sich von der Drecksschlange Zabini abknutschen ließ.
Schließlich erhob sich der gemischte Haufen und verschwand zur ersten Stunde. Später am Nachmittag hatten sie auch noch Zaubertränke, wo Draco nach dem Unterricht kurz bei Slughorn verweilte, nachdem der Großteil bereits verschwunden war. Hermione wunderte es, sodass sie zu ihm trat.
„Was ist?“ „Hm? Nichts“, meinte Draco ausweichend, als Slughorn aus seiner Vorratskammer zurückkam und ihm eine kleine Schatulle reichte. „Vielen Dank.“ „Nichts zu danken. Wenn es Ihnen bei ihrem Projekt behilflich ist“, schmunzelte der Dicke und sah Hermione freundlich an, die nur Bahnhof verstand. „Projekt?“ „Unser kleines Projekt“, erinnerte Draco sie mit einem eindringlichen Blick, als sich Horace nochmal einmischte.
„Wo wir gerade bei Projekten sind, hatten Sie inzwischen denn bei Ihrem Briefprojekt Erfolg, meine Liebe?“, richtete er sich interessiert an Hermione, die kurz brauchte, bis sie verstand, worauf ihr Professor aus war. „Das! Ähm. . . Nein. Ja. So halb.“ „Oh, das wäre ja höchst erfreulich, wenn es nun geklappt hat. Ich plane für den 18.11. wieder eine kleine Feierlichkeit. Ich wäre sehr erfreut, wenn Sie dem jungen Mann dies vielleicht ausrichten könnten?“, zwinkerte er ihr zu, während Draco misstrauisch guckte, was noch mehr wurde, als Hermione kurz zu ihm sah, bevor sie sich schmunzelnd an ihren Professor richtete.
„Ich denke, das lässt sich einrichten, Professor.“ „Schön, schön. Nun denn, beeilen Sie sich. Nicht, dass Sie mir zu spät zu ihrem nächsten Unterricht kommen“, scheuchte Slughorn die Beiden aus seinen Räumen. Draußen bohrte Draco: „Was meinte der Dicke? Was für ein Briefprojekt?“ „Ein Ben-Projekt.“ „Hä?“ „Du weißt doch noch, dass ich mich an einem Aufspürzauber versucht habe?“ „Ja. Und?“, fragte er, als ihm auch schon der passende Gedanke kam. „Warte. Du wolltest mich aufspüren? Also Ben?“ „Ja.“ „Aber es hat nicht geklappt?“ „Doch. Nur hab ich es nicht erkannt. Ich dachte, dass die Briefe zu mir zurückgekommen wären. Waren sie aber nicht. Die Eulen wollten dir die Briefe geben.“ „Okay, und was wollte Slughorn jetzt wegen seiner Party?“ „Na ja, er will meinen heimlichen Verehrer gerne kennenlernen, weil er großes, magisches Potenzial in ihm sieht“, erklärte sie ihm schmunzelnd. „Die Kette“, murmelte er verstehend, was Hermione bitter lächeln ließ, die sich nun betrübt an den nackten Hals fasste.
„Du hast mein Gespräch damals belauscht, richtig?“, murmelte sie. „Ja. Ich hatte ja schon geahnt, dass du. . .“ „Dass ich dem misstrauisch gegenüberstehen würde.“ „War ja auch richtig“, murmelte er noch, worauf sie ein wenig lächelte und schließlich seine Hand nahm, als sie im Zimmer für Zauberkunst verschwanden.
Als auch die letzten zwei Stunden vorbei waren, verschwanden die Beiden ohne Umwege in ihren Turm. Dort kramte der Blonde die Schachtel von Slughorn aus seiner Tasche, die er Hermione reichte, während er sich daran machte, aus der Obstschale eine sehr viel größere zu formen. Diese befüllte er mit etwas Wasser.
„Was hast du vor?“, erkundigte sich Hermione. „Wir wollten doch Erinnerungen gucken?“ „Ja, schon. Aber. . .“ In dem Moment nahm er ihr die Schatulle ab und zeigte der Hexe den Inhalt. Es waren Zaubertrankzutaten. Und zwar recht Spezielle. Unter anderem das Pulver vom Horn eines Einhorns, Passionsblumenpollen, Drachenblut, Graphornpulver, das Sekret einer Kalmuswurzel und ein Mondstein.
„Wie hast du Slughorn dazu bekommen, dass er dir freiwillig Einhornpulver und Drachenblut gibt?“ „Geheimnis.“ „Wollten wir die Geheimnisse nicht einstellen?“, maß sie ihn leicht argwöhnisch. „Ein paar kleine Geheimnisse werden doch noch erlaubt sein?“ „Draco. . .“, zog sie seinen Namen mahnend in die Länge. „Willst du nun deine Fragen beantwortet haben, oder nicht?“, bohrte er, sodass sie sich geschlagen gab.
„Na schön. Und jetzt?“ „Jetzt machen wir daraus. . .“, deutete er auf die Schale. „. . . unser eigenes Denkarium.“ „Geht das so einfach?“ „Mit den richtigen Zutaten. Also pass auf. . .“, meinte er, zeigte und erklärte ihr, wie sie den Spiegel richtig präparierten.
„Wo hast du die Herstellungsformel her?“, erkundigte sie sich überrascht. Er schmunzelte. „Aus dem dicken Buch, was seit einer Weile deine Regale ziert.“ „Oh! Okay und jetzt?“, fragte sie unsicher. „Jetzt verrätst du mir, was Blaise dir schon gezeigt hat, was noch unklar war, und was du sonst wissen willst.“ „Na ja, also. . .“, begann sie und schilderte ihm Punkt eins und zwei, wobei sie ihm die jüngsten Eindrücke der letzten Wochen verschwieg, die Blaise ihr noch zusätzlich unter die Nase gerieben hatte. Dafür bedankte sie sich aber noch mit einem kleinen Kuss auf die Wange, für seine Rettung während der Weltmeisterschaften, was ihm ein Lächeln auf die Lippen zauberte.
„. . . und. . . Wenn es für dich in Ordnung ist, dann. . . Ich möchte gern richtig hinter den Schleier sehen. Ich möchte dich so sehen, wie Blaise und Charlie dich immer gesehen haben. Ich will die ungeschönte Wahrheit mit ihren hässlichen Seiten.“ „Sicher?“ „Sicher.“ „Okay, nur. . . Versprich mir vorher eins. Was ich dir zeigen und erklären werde, bleibt unter uns, weil. . . Es sind Dinge dabei, die ich im Grunde gerne vergessen würde, nur dass ich das nicht kann, weil ich dann auch andere Dinge vergessen würde.“ „Ich verspreche es.“ „Gut, dann. . .“, murmelte er nur noch und zog sich einen dicken Faden aus dem Kopf, den er schließlich in die Schale gleiten ließ.
„Fertig?“, sah er nochmal kurz zu ihr, worauf sie tief Luft holte und nickte, bevor sie nach seiner Hand griff, die sie doch etwas mehr drückte. „Es sind nur Bilder“, beruhigte er sie. Ja, dachte sie sich. Bilder, die irgendwann Realität waren. Mit diesem Gedanken im Kopf, tauchte sie mit Draco in die Vergangenheit ein.
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Schon als mir zum ersten Mal klar wurde, dass Bücher von Menschen geschrieben werden und nicht einfach so auf Bäumen wachsen, stand für mich fest, dass ich genau das machen wollte.
Joanne K. Rowling