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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Was im Verborgenen liegt

von Alex2303

Grüße,

etwas später heute, aber ich hatte einen Haufen zu tun. Bin immer noch halb mit renovieren beschäftigt.
:/

Vielen lieben Dank an KatyWakewood, pulsar und dramaqueen1997 für's Kommi schreiben. :)

Dann mal viel Spaß mit dem nächsten Teil. Ich muss nämlich schon wieder weg. Physiotherapie.


Gruß,

*Nachteule* Alex



۩ ۞ ۩


Wie schon am vergangenen Abend, wirbelten die bunten Farbnebel kurz wild umher, bis sie sich zu der ersten Szene zusammenzogen, die auf dem Bahnhof Kings Cross spielte. Es herrschte wie immer geschäftiges Treiben, während aus der Lok des Hogwarts' Express dicker Dampf zischte. Irgendwo hörte Hermione Percy, der sich wichtigtuerisch den Erstklässlern annahm. Das hieß, es war der erste September. Stellte sich nur die Frage, [i]Wann
? Sie schaute fragend zu Draco, der selbst etwas in der Menge versuchte auszumachen, und schließlich auch gefunden hatte, denn er begann zu schmunzeln.
„Wann ist das?“, erkundigte sich Hermione. „91.“ „Unser Einschulungsjahr?“ Draco nickte und deutete auf das, was für ihn wichtig war. Als sie seinem Fingerzeig folgte, sah sie in der wuselnden Menge ein paar bekannte Gestalten. Und zwar sich selbst mit ihren Eltern.
„Warum?“, sah sie fragend zu ihm. „Na ja. Damit hat ja quasi alles angefangen“, meinte er, dem sie noch immer nicht ganz folgen konnte, als sie die kalte, herrische Stimme des alten Malfoy hörte. „Draco! Hier lang“, raunte er ungehalten, dem der 11-jährige folgte und dabei recht blasiert und überheblich seine Umgebung betrachtete. Allerdings meinte Hermione in den Kinderaugen, gut versteckt, eine gewisse Faszination und Aufregung zu erkennen, die noch stärker hervorblitzte, als der alte Malfoy mit einem der Einweiser sprach. In der Zwischenzeit ließ der kleine Draco seinen Blick neugierig über den Bahnsteig schweifen, wo er letztlich irgendetwas Interessantes entdeckte und neugierig zu fixieren begann.
„Was hast du gesehen?“, richtete sich Hermione an ihren Draco, der für den Moment noch damit beschäftigt war, die Erinnerungsgestalt von Lucius mit Blicken zu lynchen, bevor er sich ganz auf Hermione konzentrierte und schmunzelnd meinte: „Was werd ich in der Menge wohl gesehen haben?“ „Ich weiß nicht“, meinte sie ehrlich ahnungslos, sodass er sie so drehte, dass sie in die gleiche Richtung sah, wie der kleine Draco. Als das der Fall war, zuckte ein Blitz durch ihren Geist, der ihre eigenen Erinnerungen von damals wach rief, sodass sie wusste was passierte, noch bevor es passierte.
„Du . . . du hast mir zugelächelt!“, entwich es ihr verblüfft, während der kleine Draco mit unverhohlener Neugier zu ihr schaute, wie sie da bei ihren Eltern stand und begeistert das bunte, magische Treiben mit strahlenden Augen beobachtete. Dabei entdeckte sie irgendwann den blonden Schopf in der Menge, der zu ihr sah. Als das der Fall war, machte sich auf den Zügen des kleinen Jungen ein freundliches Lächeln breit, was sie erwiderte.
„Warum?“, sah sie baff zu Draco, der ihr die Arme um die Mitte schlang und schmunzelnd meinte: „Ich fand deinen Wuschelkopf ganz niedlich“, und das Gesicht schließlich halb in ihren Locken vergrub. Hermione glaubte jedoch, sich verhört zu haben.
„Du. . . Was? Du hast meine Haare doch ständig als Rattennest bezeichnet!“, erinnerte sie ihn. „Das hat sich Parkinson ausgedacht und ich. . .“, brach er ab, als Lucius den Blick des Kleinen bemerkte „Draco!“, sodass Hermiones Blick ebenfalls auf diesen fürchterlichen Mann fiel. Dieser funkelte den kleinen Draco kalt an, dem damit schlagartig das Lachen verging.
Muggel!“, war das Einzige, was er ihm sagte. Das aber mit solcher Abscheu, Kälte und Verachtung, dass die Hölle hätte zufrieren können. Mit diesem Wort verschwand das neugierige Funkeln aus Dracos Augen, die stattdessen wieder so starr, ausdruckslos und fahl wurden, wie sie es stets von ihm gekannt hatte. Sein Lächeln verschwand und machte einer angewiderten Miene Platz, was sie damals verwirrt hatte, denn sie hatte ihm zuwinken wollen. Allerdings hatte sie nicht weiter über diese Sache nachgedacht und den kleinen Jungen auch recht schnell wieder vergessen, da es so viel Neues und Interessantes zu sehen und entdecken gab. Jetzt verstand sie es und es verbitterte sie umso mehr, denn damit hatte der alte Malfoy binnen einer Sekunde alles zerstört, was vielleicht hätte sein können.
„Ich hab bis zu unserer Einschulung nichts anderes gekannt und es nicht besser gewusst. Ich habe den Dingen geglaubt, die er mich gelehrt hat und bin diesen Richtlinien gefolgt. Er hat mir immer wieder gesagt, dass ein richtiger Zauberer sich nicht mit Halbblütern, Blutsverrätern oder gar Muggelgeborenen abgibt. Dass jemand wie du, gar nicht das Recht haben dürfte, zu zaubern. Das Zauberer und Hexen aus Muggelfamilien, Missgeburten wären. Unfälle des Schicksals und. . . Ich habe lange Zeit versucht, ihm alles recht zu machen. Ich dachte es wäre richtig, und dass ich mit meiner Denkweise im Recht bin, weil. . . Ich hatte es von den Erwachsenen in meinem Umfeld nur so gekannt. Bevor ich nach Hogwarts gekommen bin, bin ich zu Hause unterrichtet worden, sodass ich gar keine anderen Eindrücke aufschnappen konnte. Ich hatte ausschließlich mit den elitären, reinblütigen Familien zu tun, denen Blaise und Charlie auch angehörten, allerdings war Blaise früher schon recht eigensinnig und Charlies Dad kein Rassist. Lucius konnte die Beiden noch nie leiden. Er meinte immer, sie hätten einen schlechten Einfluss auf mich. Besonders Blaise. Zum Glück, muss man sagen“, schmunzelte Draco, worin Hermione einstimmte, als er noch meinte: „Durch das alles aber. . . Diese Dinge waren der Grund, warum ich dich das ganze erste Jahr schikaniert habe. Hinzu kam deine manchmal schon nerv tötende Besserwisserei, mit der du einen in den Wahnsinn treiben konntest. Allerdings hätte ich mich ohne das andere sicher damit arrangieren können, weil. . . Das vorhin war nicht gelogen. Ich fand deinen Wuschelkopf wirklich süߓ, lächelte er ein wenig, worauf sie zu ihm aufsah und das kleine Lächeln erwiderte.
Zeitgleich zogen sich die bunten Farbnebel zusammen und verschmolzen in der nächsten zu einem dunklen, düsteren Grau, was auch weiter in einem Nebel zu liegen schien, denn die Umgebung war seltsam verschwommen. Gleich so, als wäre die Erinnerung verschwommen. Dennoch waren die groben Eindrücke genug, um ihr einen kalten Schauer durch den Körper zu jagen.
„Warum ist das so duster?“ „Ich denke, weil ich selbst nicht ganz bei Bewusstsein war.“ „Was?“, stutzte sie und sah unsicher zu ihm auf. Unfähig zu verstehen was er meinte, als die dunkle Umgebung des Malfoyschen Salons von einem schmerzlichen Schrei zerrissen wurde, der Hermione durch Mark und Bein ging und sie erbleichen ließ. Sie schrak zusammen und wand sich rasch Draco zu, an dessen Brust sie das Gesicht barg.
„Sorry“, murmelte er ihr zu, umschlang sie und rieb ihr beruhigend über den Rücken. „Aber das ist eine der hässlichen Seiten, die du sehen wolltest“, erklärte er dünn, als der Kinderschrei in sich zusammenbrach. Stattdessen meldete sich panisch eine weibliche Stimme zu Wort. Seine Mutter.
„Hör auf! Du bringst ihn um!“, hallte ihre Ruf verwaschen durch den Salon, in den Hermione nun auch wieder sah, denn sie hatte es ja so gewollt. Inzwischen hatte sich das Bild auch geklärt. Sie sah die drei Malfoys deutlich. Draco, der zusammengekrümmt, wimmernd auf dem Boden lag, vor den sich seine Mutter hastig stellte, da Lucius noch immer bedrohlich seinen Zauberstab auf den Kleinen gerichtet hatte. Als sie ihm in die Quere kam, holte er aus und verpasste ihr eine schallende Ohrfeige, mit der sie gegen einen der Beistelltische stolperte. Dabei riss sie eine der hohen Kristallvasen um, die klirrend auf dem Marmorboden zersprang und ihr diverse Schnittverletzungen zufügte.
„Schweig! Ich dulde keine Widerworte“, donnerte Lucius in ihre Richtung, bevor er kalt auf Draco blickte und schon regelrecht spuckte: „Oder gar Versagen!“ Im nächsten Moment richtete er den Stab erneut auf ihn, sodass Hermione wieder wegsah. Draco wusste sie aber zu beruhigen „Es passiert nichts mehr“, sodass sie zwischen seinen Armen doch wieder auf die Szene schielte. Dort kämpfte sich Narcissa zu ihrem Sohn vor, vor den sie sich kniete, sodass er Lucius keine Angriffsfläche mehr bot.
„Hör auf. Bitte. Es ist genug“, flehte sie mit Tränen in den Augen und auf den blutigen Wangen. Lucius hatte jedoch nur einen verächtlichen Blick für sie übrig, bevor die kalten Augen erneut seinen Sohn erfassten, der halb bewusstlos, mit Nasenbluten und aufgeplatzter Unterlippe auf dem kalten Stein lag. Am Ende steckte der alte Malfoy seinen Zauberstab weg, meinte aber noch unheilvoll: „Das war das erste und einzige Mal, dass du mit deinen Leistungen hinter diesem dreckigen Schlammblut Granger liegst. Haben wir uns verstanden?“, maß Lucius ihn mit einem tödlichen Funkeln in den Augen, während Hermione die Augen fast rauskamen und sie entsetzt zu ihrem Draco sah. Dieser lächelte matt. Kurz darauf sah sie wieder nach vorn, wo der Kleine noch immer total benommen nickte, sodass Lucius weiter sprach.
„Morgen früh fangen deine Studien an. Genauso wirst du Flug- und Trainingsstunden im Quidditch bekommen. Du wirst Potter diesen Rang nehmen. Der Hauspokal gebührt allein dem Haus Slytherin. Ich dulde kein weiteres Versagen. Hast du mich verstanden?“, donnerte er und maß ihn erneut mit diesem eiskalten Blick. „J. . . Ja, Sir“, gab ihm der kleine Draco zittrig Antwort. Mit diesen Worten wand sich Lucius ab und verließ den Salon.
Kaum dass er weg war, brach Narcissa unbändig in Tränen aus und nahm sich ihren Jungen, den sie verzweifelt in den Armen hielt. Der Kleine sah noch kurz, mit verängstigten Augen, auf die Tür, aus der der alte Malfoy verschwunden war, bevor ihm die Lider zufielen und das Bild schlagartig im Nichts verschwand. Eine Szene, die Hermione viel zu viel war.
„Was . . . was hat dieser Irre. . . Nur weil ich. . . Aber wir waren doch beide Jahrgangsbeste! Du hattest doch auch überall ein Ohnegleichen! Das . . . du. . .“ „Der Alte war Mitglied im Schulbeirat und hatte damit Einsicht auf die Noten und Beurteilungen der Profs. Und bei den Beurteilungen hast du im Ganzen, bis auf Zaubertränke, einfach überall mehr geglänzt, als ich.“ „Deshalb tut er dir sowas an? Wegen so einer Kleinigkeit?!“, brauste sie auf.
„Willkommen in meiner kranken Welt.“ „Das. . .“, mehr fiel Hermione dazu nicht ein, während Draco noch meinte: „Diese Geschichte und der darauffolgende Sommer waren der Auslöser, warum ich dich im zweiten Jahr noch mehr versucht habe, fertigzumachen. Ich hatte meine ganze Wut auf dich und Harry konzentriert und. . . Ich bin nicht stolz darauf, aber ich hab mir zeitweise wirklich nichts sehnlicher gewünscht, als dass dich das Monster aus der Kammer umbringt. Einfach nur, damit der Alte mich in Ruhe lässt. Ich hab vermehrt angefangen, die Schuld für meine Probleme bei euch zu suchen. Ich hab dich dafür verantwortlich gemacht, was er mir angetan hat. Ich hatte in dem Jahr auch wahnsinnige Angst ins Manor zurückzufahren. Deswegen bin ich über Weihnachten im Schloss geblieben“, gestand er ihr, worauf sie leicht abwesend nickte. Verständig, denn das erklärte in der Tat einiges.
„Ich weiß, dass ich es mir mit meinem Verhalten einfach gemacht habe. Es ging mir etwas besser, wenn ich dich irgendwie verletzen und fertigmachen konnte. Deswegen hab ich auch angefangen, dich als Schlammblut zu bezeichnen. Ich wusste, dass es dich treffen und verletzen würde, wenn du erst verstanden hast, was es bedeutet. Du weißt sicher noch, wann ich dich das erste Mal so genannt habe?“, hauchte er vorsichtig, worauf sie nickte.
„Wir sind uns auf dem Hof begegnet. Ihr wolltet zum Quidditchfeld runter. Ich hab dir meine Meinung gesagt. Dass andere wegen ihres Könnens aufgenommen werden und sich nicht einkaufen müssen.“ Daraufhin nickte er und kuschelte sich wieder mehr in ihren Schopf.
„Es hat mich wahnsinnig geärgert, dass du die Frechheit hattest, mir die Stirn zu bieten. Was mich aber am meisten getroffen hat, war die Tatsache, dass du Recht hattest. Mir ist durch deinen Hinweis vermehrt klar geworden, dass Lucius' Schatten selbst in Hogwarts über mir schwebte. Dass er selbst hier eine gewisse Kontrolle über mich hatte. Dadurch bin ich nach und nach aber dahinter gestiegen, was wirklich falsch lief.“ Damit zogen sich die Nebelschleier auch wieder zu einem hellen, scharfen Bild zusammen.
Hermione brauchte allerdings etwas, um sich der Umgebung der Quidditchumkleiden bewusst zu werden. Als das der Fall war, knallte es auch schon blechern, als irgendjemand ziemlich gewaltsam gegen einen der Umkleidespinde gestoßen wurde. Hermione musste nicht hinsehen, um zu wissen, wer derjenige mit den bald auftretenden blauen Flecken war. Dennoch wunderte sie sich, wie ihn seine Teamkameraden behandelten.
„Was war los?“, richtete sie sich an Draco, der Urquhart wütend fixierte, dem er offensichtlich gern nachträglich die Nase gebrochen hätte. „Hm? Was soll gewesen sein? Harry hat mir den Schnatz vor der Nase weggeschnappt.“ „Das ist doch kein Grund, dir eine zu donnern“, empörte sie sich ein wenig, worauf Draco sie müde ansah.
„Du vergisst etwas.“ „Und was?“ „Wir sind hier nicht in eurem Haus, sondern in meinem. Da liefen die Dinge etwas anders. Außerdem hast du den Alten doch gehört“, erinnerte er sie, worauf sie schluckte. „Wie ich ins Quidditchteam gekommen bin, hatten wir ja gerade.“ Sie nickte. „Ich weiß nicht, ob ich dir das schon mal gesagt habe, aber früher wurden zu den Auswahlspielen nur Jungen ab dem vierten Jahr zugelassen. Warum, kannst du dir denken, wenn du dir die Hohlbirnen alle mal ansiehst“, deutete er mit dem Kopf auf die beiden bulligen Typen und Urquhart.
Es waren alles hochgewachsene, kräftige Kerle, die, wie sie sich nun wieder entsann, ihre Punkte meist durch miese Fouls und unsportliches Verhalten gemacht hatten. Viel Muskelmasse, aber nichts im Kopf. Urquhart war sogar so blöd, dass er sein siebtes Jahr wiederholen musste, weil er durch die UTZs durchgefallen war.
„. . . Ja. Hat schon einen besseren Rennbesen, als Potter und kriegt es trotzdem nicht hin“, hörte sie einen der älteren Slytherins motzen und sah zurück auf die Szene, wo sich Urquhart erneut vorschob, Draco am Kragen packte, hochzog und ihn mit dem Rücken energisch gegen den Spind donnerte. Dabei bohrte sich der Knauf in seinen Rücken. Allerdings kam ihm kein Ton über die Lippen. Stattdessen funkelte er den Älteren seinerseits düster von unten an, was Urquhart kurz verwirrte, bevor er giftig auf den Zweitklässler sah.
„Du taugst nicht zum Sucher, Malfoy. Du bist ohnehin nur hier, weil dein Alter die Rennbesen hat springen lassen. So einen Versager können wir aber selbst damit nicht gebrauchen“, raunte er düster und kam ihm gefährlich nahe.
„Ich rate dir, beim nächsten Spiel gegen Ravenclaw schneller und besser zu sein, sonst. . .“, ließ Urquhart die Drohung offen und Draco los. Dieser behielt ihn auch weiter im Auge, als der sich zum Gehen umdrehte. Hermione wollte sich schon fragend an ihren Draco wenden, als sich der Ältere plötzlich ohne Vorwarnung nochmal umdrehte und dem Jüngeren mit aller Gewalt die Faust in die Magengegend schlug.
„Nur so als Vorgeschmack“, raunte Urquhart mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht, während Draco nach Luft schnappte. Genauso Hermione, die nicht glauben konnte, was sie gerade gesehen hatte. Damit wandten sich die Anderen lachend von alldem ab und verschwanden aus den Umkleiden.
Draco hockte allerdings noch eine ganze Weile auf dem Boden und rieb sich mit der Hand über die schmerzende Stelle. In seinen Augen schimmerte zeitweise eine dunkle Wut, unter die sich nach und nach eine dumpfe Verzweiflung mischte. Am Ende lehnte er sich zurück und fuhr sich fertig durch die Haare, sodass diese sonst wo standen. Er zog die Knie zu sich heran, schlang die Arme darum und ließ den Kopf auf der damit entstandenen Stütze sinken, wo er mehr und mehr aus leeren Augen vor sich hin starrte.
„Mir ist an dem Nachmittag, allmählich immer stärker bewusst geworden, dass ich eigentlich niemanden weiter hatte. Dass meine angeblichen Freunde nur Aasgeier und Mitläufer waren. Gefolge“, begann er zu erklären, während sie auch weiter mitleidig auf den 12-jährigen sah.
„Dass der Alte mich ins Team gekauft hatte, wusste ich. Ich hatte zu der Zeit auch noch keine wirklichen Ambitionen, beim Quidditch mitzumachen. Später vielleicht, aber da der große Harry Potter, entgegen der Schulregeln, bereits im ersten Jahr zum Sucher gekürt wurde und Gryffindor zu allem Überfluss auch noch den Hauspokal gewonnen hat, da. . . Sowas konnte Lucius natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Hast du vorhin ja gehört“, meinte er etwas leise, worauf sie kaum merklich nickte und sich mit dem Rücken wieder mehr an seine warme Brust lehnte. Den Blick auch weiter auf das verletzte Kind gerichtet.
„Ich verbinde mit dem Quidditch nicht unbedingt viele angenehme Erinnerungen.“ „Hast du deswegen so rumgemault, als Blaise dich damit genervt hat, wieder mitzuspielen?“, sah sie ihn an, da sich gerade der Nebel aufbaute.
„Hm. Ich wollte mir das nicht schon wieder aufhalsen. Aber du musstest mir ja in den Rücken fallen“, sah er sie strafend an. Hermione machte ein unschuldiges Gesicht. „Ein bisschen Abwechslung und vor allem Bewegung, hatten dir aber gutgetan. Außerdem ist doch jetzt kein Druck mehr dahinter. Oder?“, lächelte sie versöhnlich, was ihn etwas brummeln ließ. Am Ende musste er ihr aber Recht geben. Blaise war als Kapitän manchmal recht giftig, allerdings kein Vergleich zu seinen Vorgängern.
„Ich hab in dem Jahr nach und nach erkannt, dass ich alleine war. Dass ich nicht wirklich jemanden hatte. Dass sie entweder nur Angst vor Lucius hatten, oder, wie Parkinson, wegen meines Namens ständig in meiner Nähe waren, um davon zu profitieren. Ich hab mit der Zeit auch angefangen, euch ein wenig darum zu beneiden, was ihr miteinander hattet“, sah er auf Hermione, die stutzte.
„Um unsere Freundschaft?“ „Ja. Als gegen Ende des Jahres rauskam, was Harry und Weasley auf sich genommen hatten, um Ginny zu retten, ist mir restlos klar geworden, dass derartiges für mich keiner machen würde.“ „Was ist mit Blaise und Charlie?“, erkundigte sie sich. Seit sie die Beiden näher kannte, hatten sie Draco immer in Schutz genommen. Dieser begann zu erklären, als sich der Nebel langsam zu einem neuen Bild zusammenzog.
„Das fing ganz langsam an. Ich war mir zu der Zeit allerdings nicht sicher, ob die Beiden nicht auch so waren, wie die Anderen. Falsch. Dass es nicht so war, hab ich im Laufe des Jahres erst gemerkt. Ich habe nach und nach angefangen verstärkt auf Blaise und Charlie zu bauen, und ihnen mehr zu vertrauen. Allerdings denke ich, wären sie zu dem Zeitpunkt nicht so ein Risiko eingegangen, wie ihr. Und dann war da auch noch die Sache mit dir.“ „Mit mir?“, stutzte sie. Er nickte. „Du warst versteinert. Schon vergessen?“ „Nein. Aber was hat das jetzt. . .“ „Erklär ich dir“, meinte er mit einem kleinen Lächeln und drehte sich nun dem neuen Bild zu, was sich endlich ganz materialisiert hatte. Es war die Szene, mit der Blaise angefangen, und die sie nicht richtig verstanden hatte.
„Was Blaise mit der Erinnerung bezweckt hat, kann ich nur vermuten. Allerdings denke ich, dass er ähnliche Gedanken hatte, wie ich. Mit seinem Gequatsche hat er mich nämlich erst auf eine kleine, feine Tatsache aufmerksam gemacht, die ich nicht mehr aus dem Kopf bekam und bis dahin auch immer falsch gesehen hatte.“ „Was?“, fragte Hermione und musterte ihn aufmerksam.
„Es war die Sache mit dem Blut.“ „Wie meinst du das?“ „Na ganz einfach. Du warst doch diejenige, die rausbekommen hat, dass das Monster aus der Kammer ein Basilisk war, der sich durch die Rohrleitungen bewegte. Du. Eine Muggel Hexe“, rieb er ihr nochmal deutlich unter die Nase.
„Keiner der Profs, nicht mal Dumbledore, ist auf so eine Idee gekommen. Du aber. Eine Zweitklässlerin. Noch dazu eine, die die Magie und alles was damit zu tun hat, erst seit knapp zwei Jahren kannte“, lächelte er verschmitzt, als sie zart rot wurde.
„Mir ist damit mehr und mehr klar geworden, dass es nicht wirklich vom Blutstatus abhing, wie gut oder schlecht jemand die Magie beherrschte und verstand. Zugegeben, du bist schon eine kleine Streberin. Das ändert aber nichts an deinen natürlichen Talenten und Begabungen. Du förderst sie nur nachhaltig. Auf alle Fälle hab ich von da an angefangen, alles infrage zu stellen. Ob es wirklich einen Unterschied macht, welchen Blutstatus man hat. Es ist jetzt vielleicht ein blödes Beispiel, aber das Wiesel, oder noch besser, Crabbe und Goyle, sind als Reinblüter in all diesen Dingen nicht mal annähernd so geschickt wie du.“ „Danke, dass du mich mit diesen Hohlkörpern vergleichst“, muffelte sie. Er wusste sie aber gleich zu beschwichtigen.
„Ich hab doch gesagt, es ist ein blödes Beispiel. Ähm. . . Blaise, Charlie und auch ich. Uns willst du doch nicht als Hohlkörper bezeichnen, oder?“, sah er sie lauernd an, wofür er sich einen kleinen Rüffel einfing, bevor sie seine Frage verneinte.
„Ich kann echt machen, was ich will, aber du stichst mich trotzdem immer aus. Außer vielleicht beim Fliegen. Da bin ich besser.“ „Ich glaube, da ist jeder besser als ich“, scherzte sie und sah wieder auf das Bild vor sich, wo Blaise Draco gerade anstieß.
„. . . WAS?“ „Die Kammer der Geheimnisse. Kannte dein Alter die?“ „Keine Ahnung. Ist mir auch egal“, murrte der junge Draco und sank wieder in seinem Kissen in sich zusammen, worauf der Ältere weiter sprach.
„Ich hab von da an angefangen mich zu fragen, was noch alles hinter und in unserer neunmalklugen Hexe steckt“, schmunzelte er. Kurz darauf kamen die nächsten Bilder. Und zwar die von der Koppel, wo ihr anderes Ich gerade im Bild auftauchte und die Schlangen entnervt voll nölte, die sie auslachten. Und was Draco und Blaise anging, ihr auch weiter hinterher starrten, was sie mit einem süffisanten Blick quittierte.
„Hatte es einen bestimmten Grund, dass ihr eure Augen nicht von mir lassen konntet?“, maß sie Draco spitz. Er zuckte nur mit den Schultern und schmunzelte. „Du kannst dich halt immer so schön aufregen.“ „Aha. Und was war dämlich?“, wollte sie von ihm wissen, da es gerade auf diesen Moment hinauslief.
„Dafür wirst du mich jetzt wahrscheinlich schlagen, aber, . . . Ich fand dich und dein Verhalten dämlich. Ich hab an deinem sonst so brillanten Verstand gezweifelt, weil du. . . Weasley! Muss ich echt mehr sagen? Ich mein. . . Wie konntest du ernsthaft glauben, dass der hohle Troll dich beschützen könnte oder würde? Ich fand's einfach nur abartig. Ich hab bis jetzt nicht verstanden, was du je an dem gefunden hast? Weder ist er besonders attraktiv, noch der Hellste, er hat keine Manieren, keinen Anstand, kein Feingefühl, er ist streitsüchtig, rechthaberisch, eingebildet. . . Er ist ein dämlicher Troll!“, redete sich Draco in Rage. Hermione brachte es allerdings zum Schmunzeln, denn wenn sie das alles gerade richtig interpretierte, war er eifersüchtig. Und das offensichtlich damals schon ein ganz kleines bisschen. Sei es nun auf das Vertrauen, was sie Ron zu der Zeit noch entgegen gebracht hatte, oder einfach nur auf die Freundschaft, die sie verbunden hatte.
„Er war anfangs nicht so. Aber es stimmt leider. Er hat sich immer stärker zum Negativen entwickelt“, seufzte Hermione und sah zurück auf die Szene, wo Seidenschnabel gerade ausschlug und Draco verletzte. Kurz darauf trat ihr jüngeres Ich in Erscheinung.
„Hagrid! Er muss sofort in den Krankenflügel!“ „Das hat mir den nächsten Anstoß gegeben“, hauchte er ihr zu und lenkte damit das Gespräch wieder auf das eigentliche Thema. So erkannte Hermione nun auch, anders als aus Blaise' Perspektive, dass Dracos Blick noch eine Weile erschöpft auf ihr gelegen hatte, bevor Hagrid mit ihm außer Sicht war. Damit kam der Nebel, der Draco Zeit ließ sich näher zu erklären.
„Es hat mich verwirrt und mir zu denken gegeben, dass die, die mich am meisten hasst, von Harry vielleicht abgesehen, die Erste und auch Einzige gewesen ist, die auch nur irgendwie gehandelt hatte und. . . Wahrscheinlich hab ich mir das damals nur eingebildet, oder es lag an dem Schreck, aber. . . Ich fand, du hast irgendwie . . . besorgt geklungen.“ Damit sah er wieder zu ihr, doch Hermione schwieg und dachte selbst über die damalige Situation nach.
Es stimmte. Sie hatte sich kurzzeitig wirklich Gedanken um ihn gemacht, was Ron recht schnell zu ersticken gewusst hatte. Wirklich losgeworden war sie diese Gedanken erst, als sie ihn so überheblich wie eh und je, wieder vor der Nase hatte.
„Danke“, hörte sie Draco schließlich. „Wofür?“ „Für dein kühles Köpfchen“, gab er ihr schmunzelnd zurück, was sie kurz lächeln ließ, bevor sie ihn doch etwas böse ansah. „Das mit Schnäbelchen war trotzdem fies.“ „War nicht meine Absicht. Wirklich. Ich wollte Harry nur eins reinwürgen und ihn bloßstellen. Ich hab echt nicht damit gerechnet, dass der Vogel tatsächlich versteht, was ich sage. Die Sache hat sich dann irgendwie verselbstständigt, und. . . Zu meiner Verteidigung: Ich hab Lucius nichts von der Sache gesagt. Auf seine Anwesenheit im Schloss konnte ich verzichten. Parkinson hat es ihm gesteckt. Nachdem er aus dem Schulbeirat geflogen war, war die Sache für ihn auch ein gefundenes Fressen, um Dumbledore als unfähig und senil hinzustellen. Der Rest war ein Selbstläufer. Dass sie den Vogel. . . Na ja. Das hatte ich nicht gewollt.“ „Wirklich? Nun, dann freut es dich sicher zu hören, dass sich Schnäbelchen bester Gesundheit erfreut.“ „Hä? Aber ich dachte. . .“ „Harry und ich konnten ihn retten.“ „Aber. . . Wie?“ „Zeitumkehrer. Ich hatte in dem Jahr einen, um alle Kurse belegen zu können.“ „Oh man“, stöhnte Draco und schlug sich die Hand ins Gesicht.
„Typisch Hermione Granger. Der wohl einzige Mensch, der einen Zeitumkehrer dazu benutzt, um noch mehr zu lernen.“ „Er war am Ende ja noch für etwas anderes gut“, schmunzelte sie und schlug ihm sanft auf die Wange. Inzwischen hatten sich auch die Farbschleier wieder verfestigt und zeigten ihr Hogsmeade am Abreisetag.
„Was ging dir durch den Kopf?“, erkundigte sie sich. „Dass Lupin dich hätte verletzen können. Genauso die Sache mit den Dementoren. Immerhin hätten sie euch im Wald fast erwischt.“ „Woher wusstet ihr das eigentlich schon wieder?“, wunderte sie sich. Schließlich war nie weiter etwas von dem Abend nach außen gedrungen. Draco grinste.
„Oberste Regel eines Slytherins. Immer informiert sein.“ „Zum Beispiel über kleine Gryffindorschülerinnen?“, maß sie ihn lauernd, worauf er müde lächelte. „Nein, aber. . . Snape hat manchmal Bröckchen fallen lassen und. . . Ich hatte mir mit der Zeit angewöhnt, Augen und Ohren verstärkt offen zu halten, um besser auf Eventualitäten reagieren zu können. Ich gebe zu, ich hab Snape auch öfters belauscht. Genauso Dumbledore. Wobei ich mir bei dem nicht sicher bin, ob er es nicht doch ab und zu mitbekommen hat.“ „Vermutlich“, murmelte Hermione und sah zurück zu den Jungs, deren Blicke noch immer auf ihrem Grüppchen lagen, womit die Bilder verblassten und im Nebel verschwanden. Kurz darauf lichtete sich dieser erneut.
Sie sah Draco in seinem feinen Festumhang, der mürrisch durch die Gänge des Schlosses schlich. Irgendwann hörte man in den Gängen ein bitteres Schluchzen, was ihn innehalten ließ, bevor er dem folgte. Was, oder besser, wer diese Geräusche verursachte, erkannte Hermione nur einen Augenblick später, denn es war ihre jüngere Version, die auf den Steintreppen saß.
Sie hatte die Knie angezogen und das verweinte Gesicht halb in diesen vergraben, wodurch sie sich das schöne Kleid mit dem verschmierten Make-up ruiniert hatte. Ihre Haare hatten sich inzwischen auch schon teils aus dem feinen Knoten gelöst und standen ihr etwas wirr vom Kopf ab.
Draco sah es missmutig aus einer Seitennische heraus und rang, dem Blick nach, mit sich, zu ihr zu gehen. Am Ende machte er zögerlich einen Schritt aus den Schatten heraus, stieß dabei jedoch ein kleines Steinchen an, was auf dem Boden deutlich wiederhallte. Daraufhin wich er ganz schnell in die Schatten zurück, denn auch sie hatte es damals schwach unter ihren Schluchzern gehört und den Blick kurz gehoben. Doch es war niemand zu sehen gewesen, sodass sie sich wieder bitter ihren Tränen hingegeben hatte.
Nur etwas später linste Draco hinter seine Deckung hervor und sah verbissen zu ihr. Seine Hände ballte er immer wieder zu Fäusten, die er offensichtlich gerne gegen etwas geschlagen hätte, aber er beherrschte sich. Er blieb, wo er war und wartete so lange in seiner Ecke, bis sie sich etwas beruhigt hatte und noch immer schniefend den Weg in ihren Turm antrat. Erst dann machte er sich auf den Weg runter in die Kerker, womit auch diese Szene verschwand, die Hermione traurig zurückließ.
„Wolltest du zu mir?“ „Hm.“ „Warum bist du nicht gekommen?“, sah sie ihn traurig an, obwohl sie sich ihre Frage selbst beantworten konnte. Draco erklärte ihr dennoch: „Weil ich Angst hatte.“ „Dass dich jemand mit mir sieht?“ „Nein. Das war mir in dem Moment seltsamerweise egal. Ich hatte mehr Angst, dass ich etwas Falsches sage oder tue. Dass ich am Ende in mein gewohntes Muster falle und dir noch mehr wehtue. Zumal ich mir sicher war, dass ich, nach Weasley vielleicht, so ziemlich der letzte Mensch gewesen sein dürfte, den du in dem Moment um dich haben wolltest. Oder was hättest du gesagt, wenn ich mich zu dir gesetzt, dir ein Taschentuch gereicht und etwas Aufmunterndes gesagt hätte?“ „Ich weiß es nicht. Vermutlich hätte ich es für Hohn gehalten“, murmelte sie, lehnte sich noch etwas stärker an ihn und ließ sich halten, womit die nächste Szene kam. Die der zweiten Prüfung.
„Du wolltest nach mir sehen“, murmelte Hermione. Draco nickte. „Ja. Dieser Tag, diese blöde Prüfung, hat den alles entscheidenden Ausschlag gegeben. Blaise hatte mich ja schon in den Wochen und Monaten davor genervt und aufgezogen, dass ich mich in dich verliebt hätte. Ich hab es immer wieder abgestritten und mir selbst gesagt, dass es der absolute Blödsinn und vielleicht nur eine dumme Phase wäre, die mit der Zeit verschwinden würde. Nur wollte diese Phase nicht gehen, egal was ich getan oder mit wem ich mich eingelassen habe. Ich hab dich nie aus dem Kopf bekommen. An dem Tag ist mir bewusst geworden, dass es sehr viel mehr war, als eine oberflächliche Verliebtheit. Nachdem Diggory mit Chang aufgetaucht ist, und mir wieder Dumbledores Erklärung in den Sinn kam, hatte sich der Gedanke in meinem Kopf breitgemacht, dass Chang nicht das einzige Opfer war. Immerhin warst du mit Krum auf dem Ball. Dass ich dich auf den Rängen und beim Frühstück nicht gesehen hatte, hat meine Befürchtung nur noch verstärkt. Ich hatte den verstörenden Gedanken im Kopf, dass du ertrunken sein könntest, denn diese Frist von einer Stunde war schon lange um. Bis zu dem Moment hatte ich nicht gedacht, dass mir etwas je eine solche Angst machen könnte, dass ich das Gefühl habe, nicht mehr atmen zu können und mir das Herz zerreißt. Die bloße Vorstellung, dich nicht mehr jeden Tag zu sehen, nicht mehr mit dir streiten zu können, um das Funkeln in deinen Augen zu schüren, hat mich fast aufgefressen und mir einen Schmerz beschert, den ich bis dahin nicht gekannt habe“, gestand er ihr und sah sie verloren an. Hilflos, was sie stumm in sich aufnahm und ihm schließlich beruhigend die Hand auf die Wange legte, über die sie behutsam strich.
Ihre Augen versanken in seinen, in denen sie nichts als die Wahrheit las und beruhigend meinte: „Mir ist aber nichts passiert.“ „Nein. Das war das andere Extrem. Auf der einen Seite war meine Angst, die sich mit eurem Auftauchen in einer unbeschreiblichen Erleichterung verlor, dass ich kurzzeitig das Gefühl hatte, zu schweben. Hätte Blaise mich in dem Moment nicht ermahnt, weiß ich nicht, was ich getan hätte. Vielleicht wäre sich sogar so leichtsinnig gewesen, runter zu euch zu gehen und dich kurzerhand an mich zu reißen. Vollkommen lebensmüde, aber der Gedanke war zeitweise tatsächlich da, bevor mich die Wut auf Dumbledore und die anderen Verantwortlichen gepackt hat, da sie dich so einer Gefahr ausgesetzt hatten.“ „Wir waren nie wirklich in Gefahr“, beruhigte sie ihn nachträglich und strich weiter über seine Wange, während sich die Bilder der Prüfung im Nebel verloren.
„Ansichtssache“, gab er ihr zurück. „In jedem Fall wurde mir bewusst, dass ich nicht wollte, dass dir etwas zustößt. Dass da richtige Gefühle für dich waren. Und das hat mir zunehmend Angst gemacht. Ich hatte wahnsinnige Angst, dass es jemand bemerken könnte. Wenn Lucius etwas in der Richtung spitz bekommen hätte, hätte er mich in Stücke geflucht. Darüber hinaus war ich mir sicher, dass er in seiner Rage und dem Hass noch sehr viel weiter gegangen wäre. Ich hatte Angst, dass er dich in die Finger bekommen und dir etwas antun könnte, weshalb ich mich im Kommenden noch mieser benommen habe, damit keinerlei Verdacht aufkam. Mir ist das mit der Zeit immer unerträglicher geworden. Diese Spielchen. Allerdings war es mir 1000-mal lieber, als die Konsequenzen, wenn die Sache aufgeflogen wäre. Für dich klingt das jetzt vielleicht etwas theatralisch und übertrieben, aber ich bin letztlich nicht mehr von dir losgekommen. Ich hab es lange versucht. Aber sobald ich wieder mit dir angeeckt bin, du mir Kontra gegeben hast und ich das Funkeln in deinen Augen gesehen habe, war ich wieder bei null, was meinen Willen anging. Ich hatte in den ganzen Jahren zwar nie näher mit dir zu tun, nur. . . Blaise hat eine sehr gute Menschenkenntnis und Geschmack was Frauen angeht.“ „So so“, flötete sie ihm dazwischen, was ihn kurz grinsen ließ.
„Ja, er war scharf auf dich. Bedeutend mehr, als ich zu Anfang. Allerdings fand ich dich mit der Zeit auch immer faszinierender. Blaise' Gequatsche hat dann noch sein übriges getan, dass ich noch mehr Interesse an dir entwickelte und etwas Besonderes in dir gesehen habe“, gestand er ihr erneut, wie schon damals in den Briefen. Inzwischen schimmerte es feucht in Hermiones Augen, die erneut die ganze Tragweite seines Verhaltens vor sich hatte.
Dass er sich selbst so sehr ins schlechte Licht gerückt und geschadet hatte, nur damit sie halbwegs sicher war. Vor seinem Vater und diesen anderen Verrückten. Als sie an die dachte, wurde ihr ohnehin anders, denn damit geisterte ihr erneut die Szene aus dem Manor im Kopf herum. Hinzu kam Charlies Aussage, die sie aus Blaise' Erinnerungen mitgenommen hatte. „Man, das geht so nicht weiter! Irgendwann kann ich dich nicht mehr zusammenflicken.“
Hermione hatte kaum Zweifel daran, dass sich das Szenario, was Draco ihr zu Anfang gezeigt hatte, auch in den übrigen Sommerferien in einer ähnlichen Form abgespielt hatte. Immerhin waren die Schlangen auch in den Folgejahren stets hinter Gryffindor zurückgeblieben und Draco damit leistungstechnisch hinter ihr. Im Sommer nach dem Vierten war es vermutlich noch schlimmer. Der Gedanke, was sich in dieser Zeit in diesem Haus zugetragen haben könnte, begann an ihr zu nagen und sie zu quälen, weshalb sie sich vorsichtig an ihn richtete.
„Wie schlimm war es wirklich?“, begann sie leise. „Was?“ „Die vergangenen Sommer? Hat Lucius dich da. . . Ich mein. . . Ihr habt ja jedes Jahr hinter uns zurückgestanden und dann der Sommer 95. Voldemort und Bellatrix und. . .“, kamen ihr allmählich die Tränen. „Die ganzen alten Verletzungen, die du schon vor der Schlacht hattest. Waren sie das?“, fragte sie bitter, bekam aber keine Antwort. In seinen Augen konnte sie diese dennoch lesen, sodass ihr noch stärker die Tränen kamen, die sie letztlich an seinem Hemd trocknete, als sie das Gesicht an seiner Brust barg. Draco umschlang sie daraufhin fest und rieb ihr beruhigend über den Rücken, als er noch meinte: „Ich hab mit der Zeit gelernt abzuschalten“, was es für Hermione nicht besser machte, denn sie schüttelte bitter mit dem Kopf.
„Er hat die ganzen Jahre nicht wirklich in einem goldenen Käfig gesteckt.“ „Eher in einem modrigen Kerker“, echoten ihr die Worte von Blaise und Charlie aus dem Mungos wieder in den Ohren nach, als sie sich auf die Verhandlung vorbereitet hatte. Wie tief die Bedeutung dieser Worte tatsächlich reichte, hatte sie zum damaligen Zeitpunkt nur dunkel erahnen können.
„Du . . . du hättest was sagen sollen. Wir hätten dir helfen können. Wir. . .“ „Das hättet ihr nicht“, unterbrach er sie ruhig. „Ich habe in einem sehr kleinen, elitären Kreis gelebt, aus dem man nicht ausbrechen konnte. Ich hatte Angst und meine Mutter auch. Der Alte hatte seinerzeit viel zu viel Macht und Einfluss, mit dem er uns aufgespürt hätte. Er hätte einen Blutsverrat nicht so einfach hingenommen. Was dann gewesen wäre, will ich mir nicht vorstellen. Als im Laufe des Vierten die Todesser stärker wurden und ER letztlich zurückkam, war es für alles zu spät. Ich wäre dann vermutlich nicht mal hier in der Schule sicher gewesen. Crabbe und Goyle. Mehr muss ich doch nicht sagen? Genauso die anderen Familien, die da noch mit drinhingen. Urquhart und Montague zum Beispiel. Wer hätte mir und meiner Mutter zu der Zeit geholfen und uns absoluten Schutz bieten können? Das hätte nicht einmal euer Orden geschafft. Wir hätten komplett untertauchen, das Land verlassen und uns neue Identitäten zulegen müssen. Spuren verwischen und was weiß ich noch. Und selbst dann wäre noch ein unkalkulierbares Risiko übrig geblieben, denn eine Sache kann ganz besonders ich nicht ablegen. Nämlich mein Blut. Über das bin ich mit dem Alten verbunden, ob ich jetzt will oder nicht. Es gibt schwarzmagische Rituale, die über das Blut gebunden sind, von deren Wirkungsweise machst du dir keine Vorstellung. Der Alte hätte mich über diesen Aspekt überall gefunden und damit auch jeden, der versucht hätte, mir zu helfen. Deswegen hab ich auch immer wieder sämtliche Angebote von Blaise und Charlie ausgeschlagen und nach außen versucht, eine gewisse Distanz zu ihnen zu wahren, denn sie wären die Ersten, die in den Fokus geraten wären. Es ging einfach nicht.“ „Das ist. . .“ „Vorbei“, unterbrach er sie ruhig und hielt sie noch etwas fester.
„Mach dir deswegen keine Gedanken mehr. Es geht mir gut. Ich bin frei und lebe, was ich dir zu verdanken habe. Alles andere ist nicht mehr wichtig.“ Das sah sie zwar anders, sagte aber nichts mehr dazu, sondern schmiegte sich noch stärker an ihn, sodass sie drei Szenen verpasste, die sich mit Blaise und Charlie abspielten. Erst die hohe Kleinmädchenstimme, mit der Umbridge immer sprach, ließ sie zwischen seinen Armen wieder auf die Bilder der Vergangenheit blicken.
Sie entdeckte Draco, wie er an der Tür zu Umbridges Büro lauschte. In diesem verriet Marietta Edgecombe Umbridge gerade, wann und wo das nächste Treffen der DA stattfinden würde. Kurz darauf traf sie der Fluch der Petze. Umbridge kümmerte sich jedoch nicht darum, sondern gab den anwesenden Mitgliedern des Inquisitionskommandos Anweisungen.
„Scheiße“, fluchte Draco leise vor der Tür und stürzte schließlich raus auf die Gänge, in eines der leeren Klassenzimmer, was er hastig verriegelte. Hermione sah jedoch fragend zu ihrem Draco, der sich etwas verlegen räusperte.
„Das. Also. . . Ja. Nur für's Protokoll.“ „Protokoll?“ „Du wolltest mir ja nicht glauben, dass ich von euren Treffen wusste“, erklärte er, während sein Erinnerungs-Ich noch den Muffliato über den Raum legte.
„Dobby! Verdammt Dobby, komm her!“, zischte er nach dem Elfen, der nach ein paar Sekunden tatsächlich auftauchte, was Hermione verblüffte. Dass Dobby Draco noch sehr treu war, hatte sie dieses Jahr bereits mehr als einmal mitbekommen. Allerdings war sie angenehm überrascht, dass es damals auch schon so war.
„Master haben gerufen?“, richtete sich der Elf in einer Verbeugung an den jungen Malfoy. „Du weißt, wo der Raum der Wünsche ist?“ „Ja.“ „Apparier sofort zu Potter und sag ihm, dass Umbridge auf dem Weg ist. Sie sollen zusehen, dass sie dort wegkommen, sonst gibt es eine Katastrophe. Sag ihnen, dass du die rosa Kröte belauscht hast! Ich werd versuchen, sie hinzuhalten. Kein Wort über mich. Verstanden?“ Daraufhin nickte der Elf, was Draco ihm gleich tat. „Los, verschwinde!“, zischte er und Dobby verschwand.
„Du hast ihn zu uns geschickt?“, entwich es Hermione überrascht. Er nickte. „Warum hast du Harry dann trotzdem noch ein Bein gestellt?“ „Du weißt, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht gut auf ihn zu sprechen war. Aber davon abgesehen, waren sie schon zu nahe. Ich hatte Crabbe und Goyle direkt hinter mir. Sie hätten gesehen, wenn ich Harry hätte entkommen lassen“, erklärte er ruhig, worauf sie nickte. Eigentlich logisch. Er wäre dann vielleicht selber aufgeflogen und hätte ihnen nicht mehr aus dem Verborgenen helfen können. Damit kamen die nächsten Bilder, die ihn, mit dem Rest des Inquisitionskommandos, in Umbridges Büro zeigten. Mit bei ihnen war der Rest der DA, den sie festgesetzt hatten.
„Auch nur fürs Protokoll. Ich hab mich nicht von dem Schwachkopf Weasley aufs Kreuz legen lassen!“, deutete er auf Ron. Hermione schmunzelte, denn hierbei ging es ihm zweifellos um seinen Stolz, sodass sie ihm den Gefallen tat, und der Szene aufmerksam folgte.
Ihre Freunde hockten mit magischen Fesseln am Boden, wo sie noch zusätzlich von Theo in Schach gehalten wurden. Wirklich zufrieden schien er mit seiner Aufgabe jedoch nicht zu sein, was den Verdacht in Hermione weckte, dass er auch nur halbherzig diesen Dingen gefolgt war, da man es von ihm verlangt hatte. Für gewöhnlich war er in all den Jahren immer ruhig und zurückhaltend gewesen. Er schien erst jetzt in diesem Jahr richtig aus sich herauszukommen.
„. . . Oh man, wie lange braucht die Alte noch? Ich hab Hunger“, lamentierte Crabbe, worauf Draco die Augen verdrehte und sich auf den Tisch setzte, auf dem die erbeuteten Zauberstäbe ihrer Freunde lagen. Diese verdeckte er nun mit seinem Rücken vor den Anderen. Mit seinen Händen stützte er sich hinterrücks etwas ab, als er Crabbe vollmaulte: „Hast du nichts anderes als fressen im Kopf? Du wirst immer fetter.“ „Ja!“, lachte Theo und drehte sich kurz zu Crabbe, um ihn noch mehr aufzuziehen.
„Wenn du so weiter machst, platzt du. Die Sauerei will hier keiner wegmachen.“ Noch während Theo sprach, lehnte sich Draco etwas mehr nach hinten und hatte damit die Finger an einem der Zauberstäbe. Als sie auf ihn sah, konnte sie erkennen, dass er leise, fast tonlos, etwas vor sich hin murmelte, was ihr wie ein Finite Incantatem erschien. Kurz darauf sah sie zu ihren Freunden und konnte recht deutlich erkennen, wie sich ihre Fesseln auflösten, sodass Ron begann, sich von hinten heranzupirschen.
Zeitgleich lag Dracos Blick resigniert auf einem der Fenster, wo man Rons Bewegungen nur zu deutlich in der Spiegelung sah. Schließlich sprang der Blonde vom Tisch und stieß, wie zufällig, die Zauberstäbe noch etwas mehr in die Richtung ihrer Freunde, sodass Ron sich gar nicht mehr groß abmühen musste.
Draco trat danach zu Theo und verdeckte damit gänzlich die Sicht auf ihre Leute. Just in dem Moment sprang Ron vor, schnappte sich einen der Zauberstäbe und donnerte Draco ein Stupor in den Rücken, der bei seinem Sturz Theo noch mit umriss. Kurz darauf brach das blanke Chaos aus, welches schlagartig im Dunkel verschwand, da Draco das Bewusstsein verloren hatte.
„Sehr geschickt“, lobte sie ihn und streichelte damit sein Ego. Allerdings brummelte er. „Was denn? Ron hat dich doch nicht besiegt.“ „Nein, aber wenn ich mich zurückgehalten hätte, hättet ihr keine Möglichkeit gehabt, ins Ministerium zu verschwinden. Nur. . . Ich hatte ein mieses Gefühl bei Umbridge. Ihr konntet euch nicht gegen sie wehren und sie hat auch keinen Hehl daraus gemacht, euch zu foltern, damit sie kriegt, was sie will. Die Alte ist kein Stück besser als Lucius. Was die manchmal abgelassen hat, mir kam nicht selten das Kotzen. Es würde mich nicht wundern, wenn sie später öfters bei Bellatrix zum Kaffeeplausch war“, ätzte er. Hermione nickte stumm, bevor sie auf die Nebel sah, die zu einem neuen Bild wurden.
Es war mitten in der Nacht, als sie ihn durch die dunklen Gänge des Schlosses wandeln sah, bis er letztlich vor der hohen Tür des Krankenflügels stehenblieb und lautlos in diesen schlüpfte. Im Blick eine erschlagende Gewissheit und Hoffnungslosigkeit, als er an die hinteren Betten trat, in denen sie und ihre Freunde lagen. Er begab sich zu ihrem Bett und zog sich lautlos einen Stuhl heran, auf dem er sich niederließ. Auf seinen Zügen schimmerte eine stetig wachsende Schuldigkeit, als er die Hand hob und seine Finger in ihrem zerwühlten Schopf verschwanden.
„Du wolltest mir was sagen“, murmelte sie leise, als ihr die Szene aus den Kerkern, die Blaise ihr gezeigt hatte, wieder in den Sinn kam. „Wollte ich.“ „Hast du aber nicht.“ „Nein.“ „Warum nicht?“, fragte sie leise, den Blick unentwegt auf das Bild vor sich gerichtet, wo er ihr auch weiter behutsam durch die Haare und letztlich über die blasse, zerschrammte Wange strich.
„Weil mir wieder Zweifel kamen. Je länger ich bei dir geblieben bin und dich angesehen hab, desto mehr hab ich mich gefragt, ob ich nicht doch mehr Schaden anrichte, wenn ich mit allem herausplatze. Voldemort war durch die verpatzte Sache im Ministerium schon wütend genug und. . . Mir war klar, dass er seine Wut an irgendwem auslassen würde. Ich wollte nicht, dass meine Mutter dieser jemand ist. Und. . . Wenn ich euch etwas gesagt hätte, hätte ich auf seiner Abschussliste ganz oben gestanden. Nur hätte er sich nicht damit begnügt, mich einfach zu töten. Er hätte in erster Linie meiner Mutter und meinen Freunden geschadet und sie getötet. Und das. . . Das hätte ich mir nie verziehen. Mir kam dann der Gedanke, dass ich, wenn ich mich ruhig verhalte, sie vielleicht von innen sabotieren könnte. Auf alle Fälle hatte ich auf diesem Weg meine Mutter, Blaise und Charlie vorerst aus der Gefahrenzone raus und. . .“, brach er ab, worauf sie fragend zu ihm sah.
„Was?“ „Nun, es war ja kein Geheimnis, dass er es auf Harry abgesehen hatte. Genauso, dass du und Weasley ihm am nächsten stehen. Um an Harry ranzukommen, hätte er alles getan und. . . Ich hatte damals bereits die Befürchtung, dass er sich einen Weg über dich suchen könnte. Dass du zu einem seiner Opfer werden könntest. Einem Köder. Die Vorstellung, dass sie dir irgendetwas antun und ich nichts dagegen unternehmen könnte, dass. . .“, brach er wieder ab, während Hermione aufs Neue Tränen kamen, während sie sich fragte, was gewesen wäre, hätte er sie ins Vertrauen gezogen?
Dumbledore wäre so oder so durch den Fluch umgekommen. Die Todesser wären nicht in die Schule gekommen oder aber doch, das allerdings auf einem anderen Weg. Fakt war, dass sie sich dennoch mit Harry und Ron auf die Suche nach den Horkruxen gemacht hätte. Dabei wäre sie vermutlich genauso geschnappt worden. Dann wäre aber niemand da gewesen, der ihr geholfen hätte. Lestrange hätte sie umgebracht. Harry hätte die letzten beiden Horkruxe nie gefunden und Voldemort nicht besiegen können. So, oder so ähnlich, wäre es vermutlich gekommen, womit sie den Kopf wieder mehr an seine Schulter bettete und still das Bild vor sich betrachtete, wie sein anderes Ich ihres völlig gedankenverloren musterte und damit den entsprechenden Entschluss fasste. Er wählte sich diesen Weg, der ihm selbst größtes Leid bescherte, um es denen, die er liebte, zu ersparen.
„Ich hatte keine Ahnung was werden würde, allerdings die leise Hoffnung im Hinterkopf, dass dieser Weg der des kleineren Übels ist. Ich hab mir gesagt: ,Wenn er dich in seiner Wut umbringt, wird er Blaise, Charlie und Mom vielleicht nichts antun. Wenn du lebend aus der Sache rauskommst, hast du die Möglichkeit, von innen Schaden anzurichten`“, erklärte er leise, was sie schlucken ließ. Zeitgleich löste sich das Bild vor ihr auf, womit sie sich zu ihm drehte.
„Du hättest trotzdem mit Dumbledore reden sollen. Es zumindest versuchen, anstatt dir all das aufzuladen“, sprach sie ihm ruhig zu, worauf sein rechter Mundwinkel kurz schwermütig nach oben zuckte. „Vielleicht hätte ich das tun sollen, nur. . . Ich hab dir schon mal gesagt, dass ich nie Vertrauen in Dumbledore hatte. Du siehst das sicher anders, aber er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er unter den ganzen Schülern und Häusern seine eigenen Lieblinge hatte. Das hat er gleich im ersten Jahr überdeutlich raushängen lassen.“ „Was meinst du?“ „Was wohl? Wir hatten die meisten Hauspunkte. Dumbledore musste allerdings noch ein paar Punkte verteilen. Und das komischerweise in einer Menge, dass ihr, siehe da, plötzlich 10 Punkte mehr hattet, als wir.“ Daraufhin wollte sie ihm erklären, warum sie die bekommen hatten, doch er schnitt ihr bereits im Ansatz das Wort ab.
„Kann ja sein, dass ihr noch irgendwas Spezielles gemacht habt, aber 160? Komm schon, das war echt auffällig. Genauso fand ich es schon ziemlich dreist und ungerecht, dass Harry, entgegen der Schulregeln, im ersten Jahr seinen eigenen Besen haben durfte und im Quidditchteam gespielt hat. Ich denke, das ging auch vielen Dachsen und Adlern gegen den Strich. Aber die haben natürlich nichts gesagt, weil die Aussichten damit ja mal richtig gut waren, unserem Haus eins reinzuwürgen. Hufflepuff, Ravenclaw und Gryffindor waren sich schon immer in einem einig und das war die Tatsache, dass sie gegen uns zusammengehalten haben. Weißt du, wenn man in der ersten Klasse schon unentwegt mit einer derartigen Abneigung Anderer konfrontiert wird und gesagt bekommt, dass man in dem bösen Haus ist, was man dann teils auch noch durch die Profs zu spüren bekommt, ist das echt frustrierend und nicht gerade förderlich für ein Wir, was Dumbledore immer so schön gepredigt hat“, ätzte er. Und jetzt im Nachhinein. . . Ganz unrecht hatte er damit tatsächlich nicht.
Dumbledore hatte ihnen gerne und oft etwas durchgehen lassen. McGonagall ähnlich. Da war es auch kein Wunder, dass Snape seine Schäfchen immer beschützt und bevorteilt hatte. Aber was war einer gegen den Rest? Nichts. Und dass es für ein Kind in dem Alter deprimierend war, ständig der Abneigung und dem Hass anderer ausgesetzt zu sein, war auch normal.
Vermutlich waren die Schlangen deshalb auch so leicht zu verleiten, wenn sie schon während so einer frühen Lebensphase immer wieder zu spüren bekamen, dass sie zu nichts anderem gut sind. So ähnlich hatte sich Blaise auch geäußert, von dem sie bis dahin rein gar nichts Persönliches gewusst hatte. Er war eine Schlange und damit war das Thema für sie abgehakt.
„Aber um wieder auf Dumbledore zurückzukommen. . . Ich hatte kein Vertrauen zu ihm. Er hat mir nie Anlass gegeben, welches zu entwickeln. Und Snape. . . Nachdem ich ihn und meinen Alten ein paar Mal belauscht hatte, was Todessersachen anging, hatte ich auch keines mehr zu ihm. Ich dachte, er gehört zu denen. Wenn ich gewusst hätte, dass er in Wahrheit gegen sie gearbeitet hat, dann hätte ich mir von ihm helfen lassen. Ich bin aber davon ausgegangen, dass er mich kontrolliert und Voldemort ständig Bericht erstattet. Dass er auf einen Fehler meinerseits wartet. Er hat ja oft genug versucht, in meinem Kopf rumzuschnüffeln, was alles andere, als vertrauenerweckend war. Da hätte er mir sonst was erzählen können, ich hätte dem nicht geglaubt.“ „Hm“, murmelte Hermione und kuschelte sich verstärkt an ihn, als neue Bilder kamen.

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Ich sollte nur lesen, aber ich habe die Damen im Hörverlag davon überzeugt, dass es viel schöner ist die Figuren zu spielen, als nur zu zitieren.
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