Was im Verborgenen liegt - Ballvorbereitungen
von Alex2303
Hallo ihr Lieben und guten Abend,
seit längerem hier das nächste Chap, frisch von meiner lieben Beta zurückgekommen. Ich hoffe ihr habt Spaß damit.
Danke an Elli für deine Mail und Mirja-Hailey für das liebe Kommi. :) Ich hoffe es sind noch noch ein paar Leutchen mehr da, die noch hier mitlesen.
Liebe Grüße,
*Nachteule* Alex
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In diesen Tagen war Draco jedoch nicht der Einzige, der von einem bestimmten Mitschüler nicht nur mit Blicken, sondern auch physisch verfolgt wurde. Hermione hatte ebenso einen unerwünschten Schatten vorzuweisen, der sich, im Gegensatz zu Ron, nicht in den Schatten versteckt hielt, sondern die Konfrontation mit der Löwin direkt suchte, sobald sich ihm die Möglichkeit dazu bot. So war es jetzt am Freitag nach dem Unterricht auch wieder, nachdem sich Draco erfolgreich abgeseilt hatte.
Hermione war später am Nachmittag auf dem Weg runter in die Bibliothek, da sie noch in einem Buch etwas für ihre Zaubertrankhausaufgaben nachschlagen wollte. Wirklich unten kam sie jedoch nicht an, da Stephen ihr über den Weg lief und ihr diesen im Kommenden versperrte.
„Hallo Hermione“, begann er freundlich. Hermione, die etwas aus ihren Gedanken über die verstärkende Wirkungsweise der Wolfswurz für den Wolfbanntrank gerissen wurde, entwich ein erschrockenes „Stephen!“, bevor sie abweisend hintenansetzte: „Was willst du?“ „Ich dachte, wir könnten nochmal in Ruhe reden und. . . Nun ja, ich wollte mich entschuldigen, wegen neulich“, erklärte er lächelnd. Hermione lief es dabei aber kalt den Rücken runter.
„Ach ja?“ „Ja. Ginny hatte Recht. Es geht mich nichts an, mit wem du auf die Feier gehst. Aber ich war halt neugierig und auch etwas eifersüchtig“, gab er halb entschuldigend zu und lächelte wie üblich sein Zahnpastalächeln. Hermione schnaubte.
„Du hast keinen Grund auf irgendwen eifersüchtig zu sein. Weder sind wir Freunde, noch stehen wir uns sonst irgendwie nahe. Wir. . .“ „Und das finde ich nach wie vor sehr Schade“, unterbrach er sie und meinte weiter: „Ich hab dir am Anfang des Schuljahres doch gesagt, dass ich dich gerne besser kennenlernen möchte. Eben damit wir vielleicht mehr sind, als nur Mitschüler und flüchtige Bekannte. Das ist doch kein Verbrechen, oder?“, hakte er nach und nahm ihr so etwas die Angriffsfläche, wie auch den dazugehörigen Wind.
„Eigentlich hast du mir auch versprochen, wenigstens mal einen Tee mit mir trinken zu gehen, nur kam ja dann leider immer etwas dazwischen. Aber wenn ich ehrlich sein soll, hoffe ich noch ein bisschen auf diesen Tee“, bohrte er lächelnd in der Richtung und zwang Hermione damit zu einer Antwort, die ihr inzwischen recht leicht fiel.
„Nein!“ „Darf ich fragen warum nicht?“, erkundigte sich Stephen scheinbar ruhig und trat einen Schritt auf Hermione zu, die diesen unwissentlich zurück machte. „Ich mag dich nicht. Es tut mir leid, aber es ist einfach so. Du bist mir unsympathisch. Ich fühle mich in deiner Nähe unwohl. Ich kann es leider an keinen bestimmten Punkten festmachen, da du im Grunde nichts weiter falsch gemacht hast, außer mich mittlerweile zu nerven“, erklärte sie ihm, in der Hoffnung, dass er sie dann endlich zufriedenließ und sich trollte. Leider erfolglos. Stephen blinzelte zwar kurz überrascht über diese klaren Worte, fand seine Fassung aber schnell wieder. Er legte den Kopf etwas schief und musterte Hermione eingehend, der es aufs Neue unheimlich wurde.
„Ich kann mich ja irren, aber traf das nicht alles auch auf Malfoy zu? Ich würde auch behaupten wollen, er war da um ein vielfaches schlimmer, als ich es in deinen Augen jetzt bin. Mit ihm bist du inzwischen aber mehr als gut befreundet. Warum dann nicht auch mit mir?“, lächelte er wieder, nur wirkte es auf Hermione mit einem Schlag kalt und irgendwie tückisch, schon fast berechnend, was noch etwas schlimmer wurde, als er die Distanz zwischen ihnen um einen Schritt verringerte. Kurz darauf griff er sich eine ihrer losen Haarsträhnen und zwirbelte diese kurz mit den Fingern. Hermione fing sich auf diese Geste und schlug ihm die Hand weg.
„Lass das!“, fauchte sie und strich sich die Haare komplett zurück. Stephen lächelte aber gewinnbringend. „Sag mir doch einfach, was ich tun muss, damit du mich auch etwas magst?“ „Mich in Ruhe lassen!“, fuhr sie ihn gereizt an und versuchte zu verschwinden. Stephen trat ihr aber sofort in den Weg. Und das nun so, dass sie plötzlich die Wand im Rücken hatte, als sie versuchte ihm auszuweichen.
„Aber das ist doch dann recht kontraproduktiv, oder?“ „Ansichtssache. Und jetzt lass mich endlich vorbei!“ „Komm schon. Ich hab dich eigentlich immer für einen aufgeschlossenen, freundlichen Menschen gehalten, der jedem eine Chance gibt. Selbst den Schlangen. Warum dann nicht auch mir?“, bohrte er, trat einen Schritt näher und legte recht dreist seine Hände rechts und links von Hermiones Kopf an der Steinmauer ab, der er so noch zusätzlich die Möglichkeit zu einer Flucht nahm. Im nächsten Moment schloss er noch etwas mehr zu ihr auf, sodass sie schon fast seinen Atem auf ihren Zügen spüren konnte. Seine Augen derweil taxierten sie genau und wanderten von ihren Zügen aus etwas stärker über ihre Erscheinung, bis er sich wieder auf ihr Gesicht konzentrierte.
„Ist dir eigentlich klar, dass du dich in den letzten Jahren immer mehr vom kleinen Mauerblümchen zu einer stattlichen Rose entwickelt hast? Da ist es schon nachvollziehbar, dass die Schlangen auch angefangen haben, sich nach dir umzusehen“, lächelte er leicht anzüglich. „Ach ja?“, zischelte Hermione wiederum bissig und funkelte Stephen warnend an. Allerdings nahm er es nicht weiter wahr, sondern lächelte auch weiter dieses schmalzige Lächeln.
„Ja, natürlich. Jeder, der etwas anderes behauptet, lügt“, säuselte er ein wenig süß und strich ihr plötzlich recht unverfroren mit den Fingerspitzen über die Wange, was Hermione endgültig zu viel war. Sie schlug ihm mit der Linken die aufdringliche Hand weg, bevor sie mit der Rechten ausholte und ihm eine mörderische Ohrfeige verpasste, dass es nur so auf dem Gang wiederhallte.
Stephen taumelte auf den Hieb etwas perplex zurück, sichtlich überrascht über Hermiones heftige Reaktion. Die Löwin hatte mittlerweile ihren Zauberstab bei der Hand und deutete mit diesem bedrohlich auf den Ravenclaw. In den Augen ein wütendes Funkeln, aber auch eine Spur von Furcht.
„Fass mich nochmal an, und du lernst mich richtig kennen!“, drohte sie ihm schwer atmend, mit rasendem Herzen. Stephen jedoch blinzelte nur noch kurz überrascht, bevor er sich die Hand auf die Wange legte und etwas über die schmerzende Stelle strich. Nur etwas später begann er völlig unvermittelt wieder dieses unechte Lächeln zu lächeln, was Hermione abermals kalte Schauer durch den Körper jagte.
„Du hast ganz schön viel Temperament, weißt du das?“ „Und du hast gleich ein höllisches Problem, wenn du mich nicht endlich in Ruhe lässt!“, fauchte sie. Stephen grinste auf die Ansage nur. „Das Risiko geh ich ein. Anscheinend muss man dich erst ein wenig reizen, um deine Aufmerksamkeit zu wecken“, grinste er schief und machte wieder einen Schritt auf sie zu.
„Bleib mir vom Hals!“, zischte sie, doch er überging ihre Drohung und meinte weiter: „Das ist es doch, was Malfoy die ganzen Jahre über getan hat. Und jetzt? Jetzt nimmst du seine Hand, lässt zu, dass er dir die Arme umlegt und obendrein küsst du ihn völlig ungeniert in der Öffentlichkeit“, gab Stephen die Eindrücke wieder, die er und auch ein Großteil der übrigen Schüler, in den letzten Wochen wahrgenommen hatten. Hermione indes kochte.
„Er ist mein Freund!“, fauchte sie wütend und bereute ihren hitzigen Ausbruch in der nächsten Sekunde bereits, da sie meinte, kurz ein tief bedrohliches Blitzen in den blauen Augen von Stephen gesehen zu haben. Zeitgleich löste sich dieses scheinheilige Lächeln auf seinen Lippen im Nichts auf. Stattdessen zuckten seine Mundwinkel kurz missgünstig, und hinterließen auf seinen Zügen für eine Millisekunde einen Eindruck von Wut. Hass. Dieser verschwand allerdings so schnell, wie er gekommen war und machte stattdessen etwas Platz, was Enttäuschung ähnelte. So richtig aber. . .
„Also doch“, schloss er auf ihren Ausbruch, sodass sich Hermione bereits geneigt sah, ihre Worte genauer zu erklären. Dass sie das nicht so gemeint hatte. Irgendwie sträubte sich aber alles in ihr dagegen. Denn auch, wenn es nur wörtlich war und diese Worte nicht einmal an Draco gerichtet waren, hätte sie dennoch das Gefühl, ihn wieder von sich zu stoßen. Und gerade vor Stephen wollte sie das nicht. Mitunter half diese Aussage nun vielleicht auch, damit er sie endlich in Ruhe ließ.
„Ja! Und es geht dich einen Scheißdreck an. Und jetzt lass mich endlich zufrieden!“, zischte sie, drehte sich um und versuchte erneut in den Gängen zu verschwinden. Stephen war diesmal aber nicht gewillt, sie so leicht flüchten zu lassen. Mit zwei Schritten war er erneut ganz bei ihr und bekam sie noch am Arm zu greifen.
„Jetzt lauf doch nicht schon wieder weg!“, bat er, was nicht wirklich etwas von einer Bitte hatte, und zog sie darüber hinaus energisch zu sich. „Lass mich!“, fauchte die Löwin und wand sich augenblicklich aus seinem Griff. Nur einen Moment später hatte Stephen den Zauberstab der Hexe direkt vor der Nase, weshalb er letztlich ergeben die Hände hob.
„Du bist heute ganz schön angriffslustig“, stellte er noch immer leicht lächelnd fest. „Erst, seitdem du mir über den Weg gelaufen bist!“, knurrte sie und rückte mit ihrem Zauberstab noch etwas mehr auf, sodass er nun wirklich einen Schritt zurück machen musste, wollte er nicht Gefahr laufen, dass sich das Stück Holz richtig in seine Nase bohrte.
„Ein für allemal. Lass … mich … in Ruhe!“, zischte sie. „Komm schon. Ich. . .“ „Gibt’s Probleme?“, mischte sich plötzlich eine dritte Stimme ein, die zu Harry gehörte, der sich über das etwas fragwürdige Bild vor sich wunderte. Hermione, die doch recht aggressiv, einen ihrer Mitschüler bedrohte. Das passte nicht zu ihr. Wenn, dann verteidigte sie sich im Allgemeinen, was Harry zu dem Schluss kommen ließ, dass der Ravenclaw ihr offensichtlich alles andere, als nett begegnet war.
„Nein“, meinte Hermione schließlich und nahm den Zauberstab wieder runter, während Harry zu ihr trat und ihr leise ins Ohr flüsterte: „Sicher?“ Sie nickte lediglich, funkelte Stephen aber dennoch kurz böse an, der ein recht belangloses Gesicht machte, gleich so, als wäre gar nichts weiter passiert.
„Wir reden später weiter, ja? Man sieht sich“, meinte er dann wieder mit einem scheinbar netten Lächeln, räumte fürs Erste aber das Feld. Hermione sah ihm allerdings auch weiter bedrohlich nach, was Harry nicht wirklich schmeckte.
„Sicher, dass alles in Ordnung ist?“, hakte er nochmal nach, worauf die Löwin diesmal seufzte und ihren Zauberstab in ihrem Umhang verschwinden ließ. „Ja.“ „Was hat er gemacht?“, bohrte Harry dennoch ein wenig misstrauisch.
„Nichts, eigentlich. Das ist ja das Schlimme! Er nervt mich einfach. Jedes Mal, wen er mir über den Weg läuft, versucht er mir ein Gespräch aufzudrängen und mich nach Hogsmeade einzuladen.“ „Du meinst auf ein Date?“, vermutete Harry, worauf sie wehleidig nickte.
„In mir sträubt sich mittlerweile alles gegen ihn. Ich weiß nicht einmal warum, aber mir läuft es immer öfters kalt den Rücken runter, wenn er in meiner Nähe ist. Er. . . Ach, ich weiß auch nicht“, brach Hermione ab und hob geschlagen die Hände. „Manche Typen sind einem einfach unsympathisch“, half Harry ihr, worauf sie nickte.
„Irgendwie so was, ja.“ „Wo wolltest du denn hin?“ „Ich? Eigentlich in die Bibliothek, noch etwas für meinen Aufsatz nachschlagen. Inzwischen ist mir die Lust dazu aber vergangen“, grummelte Hermione, bevor sie fragte: „Warum fragst du?“ „Weil ich dich begleiten würde, um dir die aufdringlichen Verehrer vom Hals zu halten“, schmunzelte Harry, während Hermione ein wenig in sich hinein seufzte.
Sie hatte es ja schon mitbekommen, dass ihre Freunde sie seit dem Vorfall am Sonntag weitestgehend nicht mehr alleine im Schloss umherwandern ließen. Irgendjemand war in 90% der Fälle immer bei ihr. Nicht zuletzt, setzte Draco Ginny auch schnell mal auf sie an, wenn er runter zu Blaise und Charlie oder zum Training verschwand.
Sie selbst war wiederum ja auch ganz froh darüber, dass ständig jemand in Dracos Nähe war, denn er war es schließlich, dem jemand an die Kehle wollte. Nicht sie. Das mit Smith war, zugegeben, ziemlich unschön für sie verlaufen und die kommenden Tage Ruhe, hatten ihr auch gut getan. Genauso die Nähe, die ihr Draco und die anderen gegeben hatten. Mittlerweile fand sie es aber schon ein wenig übertrieben. Nur ließen sich ihre Freunde für den Moment nicht von dieser Idee abbringen, weswegen sie Harry auf Tee und Gebäck in den Schulsprecherturm einlud.
„Lieb von dir. Darf ich meinem Leibwächter denn dann oben einen Tee anbieten?“ „Gerne. Ich hab dich ja auch schon lange nicht mehr für mich allein gehabt“, schmunzelte Harry und wackelte etwas mit den Augenbrauen.
„Wenn du versuchst Blaise nachzumachen, da musst du noch üben“, lachte sie und verschwand schließlich mit dem Helden in den Südturm. Sie machte für sie beide etwas Tee fertig und kam im Anschluss mit einer Schale Knabberzeug zurück.
„Und? Hast du es inzwischen geschafft, Astoria zu der Feier einzuladen?“, erkundigte sich Hermione, da sich Harry, wie schon damals im Vierten, ziemlich doof dabei anstellte. Sein unschlüssiges Gesicht, verbunden mit der Tatsache, dass er begann seine Hände zu kneten, sagte bereits alles.
„Och Harry!“, schimpfte Hermione leicht. „Ich weiß ja. Aber ich hab keinen Plan wie ich . . . also. . .“ „Wie du sie fragen sollst?“ „Hm.“ „Merlin, du bist doch sonst nicht auf den Kopf und Mund gefallen. Zudem seid ihr doch schon so gut wie zusammen.“ „Findest du?“, sah er sie unsicher an. Hermione lächelte.
„Ja, natürlich. Astoria mag dich. Sie wartet sicher nur darauf, dass du sie fragst. Und ein Mädchen, das man mag, lässt man bei so einer Frage nicht bis zur letzten Sekunde warten. Mach nicht den gleichen Fehler, wie damals im Vierten. Geh zu ihr, frag sie, ob sie den Abend mit dir verbringen möchte, und sag ihr, dass es dich sehr glücklich machen würde“, gab Hermione ihm die passenden Worte vor. Harry sah es allerdings als nicht genug an.
„Findest du nicht, dass ich vielleicht noch etwas anderes, irgendwie . . . also. . . Na ja. Sie kommt doch aus einer ziemlich vornehmen und traditionellen Familie. Von dieser ganzen Etikette hab ich doch gar keine Ahnung. Vielleicht erwartet sie ja was Bestimmtes von mir und. . .“ „Glaub ich nicht. Aber was das Formelle angeht, da könntest du ein bisschen Nachhilfe bei Draco, Blaise und Charlie nehmen, wenn du das willst. Die Jungs würden dir da sicher unter die Arme greifen. Und wo wir gerade dabei sind, du hast dir doch bestimmt noch keinen Festumhang und Anzug besorgt, oder?“ „Nein“, gestand er ihr und kratzte sich etwas verlegen am Hinterkopf.
„Dann machst du das morgen. Ginny und ich wollen morgen wegen ein paar Kleidern schauen und Ginny meinte, Blaise hätte auch noch keinen Anzug. Draco sicher auch nicht. Da kannst du mit den Jungs gleich einkaufen gehen. Dann wird es wenigstens richtig“, grinste sie, während Harry einen beleidigten Flunsch zog.
„Denkst du, ich kann mich allein nicht ordentlich einkleiden?“ „Doch, natürlich. Aber wie gesagt, die Jungs haben da einen ganz anderen Blick für alles. Gerade Draco ist ein kleiner Pedant in solchen Sachen. Frag nicht, wie oft er unsere Pläne für die Feier nachgebessert hat, weil er immer noch etwas gefunden hat, von dem er fand, dass es noch nicht perfekt war, wo ich schon lange alles perfekt fand“, lachte sie, während Harry grinste.
„Kann ich mir lebhaft vorstellen.“ „In manchen Angelegenheiten kannst du wirklich etwas von ihm lernen“, zwinkerte Hermione. „Du auch?“, grinste Harry feist, da Hermione ebenfalls einen Hang zur Perfektion hatte und es ganz und gar nicht mochte, wenn jemand irgendwo besser war, als sie. Da konnte sie richtig zickig werden. Erlebt hatte er das zur Genüge im Sechsten, als er dank des Halbblutprinzen besser in Zaubertränke war, als sie.
Zugegeben, es war auch etwas unfair, denn es waren im Endeffekt nicht seine eigenen Leistungen und Fähigkeiten, die ihn so positiv hervorgehoben hatten, sondern die Randnotizen von Snape, ohne die er weit hinter Hermione abgeschlagen geblieben wäre.
Mit diesen kleinen Hilfsmitteln war er aber besser und das hatte sie tierisch gefuchst und geärgert. Und so, wie sie jetzt gerade guckte, gab es da wohl in der Tat ein, zwei Sachen, die ihr Draco zurzeit vormachte, wenngleich sie meinte: „Wir halten uns die Waage“, worauf er schmunzelnd mit dem Kopf schüttelte. „Die zwei Monsterhirne der Schule. Ihr stachelt euch gegenseitig an, oder?“ „Hin und wieder“, gab sie zu und schmunzelte nun auch wieder.
„Aber sag mal, was mir gerade noch einfällt. Wie sieht es inzwischen mit deinen Tanzfähigkeiten aus? Sah letzten Samstag noch ziemlich . . . wacklig aus.“ „Schrecklich passt wohl eher, oder?“ „Das hast du gesagt, aber. . . Ja“, gab Hermione zu und sah ihn entschuldigend an. Sie wusste ja, dass er so ziemlich zwei linke Füße hatte, und dass ihn das stellenweise ärgerte. Jetzt vermutlich auch, denn er würde sicher gerne richtig mit Astoria auf der Feier tanzen, weswegen sie sich erhob und den Couchtisch schließlich beiseite schob. Harry beobachtete es verwundert.
„Was hast du vor?“ „Wir üben jetzt ein paar Grundschritte“, meinte Hermione und hielt ihm die Hand hin, auf die er blinzelnd sah, bevor er etwas unschlüssig über seine Brille hinweg zu seiner Freundin schaute.
„Hältst du das für eine gute Idee? Du weißt, ich kann nicht tanzen. Ich bin Parvati damals beim Eröffnungstanz bestimmt 100-mal auf die Füße getreten. Genauso Ginny auf meiner Geburtstagsfeier.“ „Ja, das weiß ich. Aber das ändern wir jetzt. Immerhin. . . Du willst Astoria doch ein bisschen beeindrucken, oder?“ „Schon.“ „Also. Das schaffst du am besten, wenn du auf der Feier deine neuerlangten Fähigkeiten unter Beweis stellst. Sie wird es sicher sehr zu schätzen wissen, wenn du für sie ein paar Schritte lernst. Und Tanzen ist auf alle Fälle etwas, was du können solltest. Also los.“
Mit diesen Worten hatte sie Harry auf den Füßen und trat mit ihm in die Mitte des Raumes, wo sie seine Hände entsprechend an ihrem Körper platzierte, bevor sie ihm noch kurz erklärte: „Ein klassischer Walzer ist so ziemlich das Einfachste für den Anfang. Es sind im Grunde nur sechs kleine Schritte, die du dir merken musst. Wenn du das drauf hast, lässt sich das alles noch etwas erweitern“, meinte Hermione und versuchte mit Harry diese einfache Schrittfolge zu üben. Ihr Freund war aber viel zu nervös und schaute die ganze Zeit auf seine Füße, weshalb er immer wieder vergaß, welcher Schritt gerade an der Reihe war und Hermione dadurch des Öfteren auf die Zehen trat.
„‘tschuldige“, entwich es ihm nach knapp einer Viertelstunde zum gefühlt hundertsten Mal. Hermione biss lediglich die Zähne zusammen, schüttelte mit dem Kopf und dirigierte Harry weiter. Mittlerweile war es auch so, dass nicht er sie, sondern sie ihn führte, damit er überhaupt erstmal einen Takt fand. Zwecklos.
Harry war inzwischen bereits versucht die Sache abzubrechen, doch Hermione wollte das durchziehen. Sie wollte ihm wenigstens diesen einfachen Tanz beibringen, damit er in 1 ½ Wochen auch die Möglichkeit hatte, angemessen mit Astoria zu tanzen. Zu ihrer Rettung ging das Portrait auf. In der Öffnung Draco, der sich das Bild verwundert besah.
„Was macht ihr denn?“ „Tanzen üben“, erklärte Hermione und ließ Harry los, was keine so gute Idee war, denn ihr schoss ein neuer Schmerz von den Zehen bis zu den Haarspitzen, als Harry einen Schritt zur Seite machte und dadurch ein weiteres Mal, auf die falsche Stelle trat.
„Shit!“, stieß sie aus und stützte sich rasch an der Lehne des Sessels ab, bevor sie ihre Zehen massierte. Draco besah es sich mit hochgezogener Augenbraue, während Harry erneut „Tut mir leid“ murmelte. Kurz darauf war der Blonde ganz drin und verfrachtete Hermione auf die Couch, wo er ihr kurzerhand die Schuhe auszog und sich das blaugetrampelte Ergebnis besah. Harrys Ohren glühten auf den Anblick regelrecht, was noch schlimmer wurde, als Draco ihm einen bösen Blick zuwarf, bevor er sich wieder auf Hermione konzentrierte und ihre Matschzehen behandelte.
„Seit wann übt ihr? Zehn Tage oder hast du Blei in den Schuhen?“, sah er strafend zu Harry, während bei der Hexe der Heilungsprozess einsetzte, was ihr ein wohliges Seufzen entlockte. „Ich kann das halt nicht. Hab ich Hermione schon gesagt“, lamentierte Harry. „Jeder kann Tanzen! Es ist nur eine Übungssache“, wiedersprach die Hexe ihm, dem Draco zustimmte. „Ja. Allerdings sollte die Rollenverteilung stimmen. So wie das aussah, hast du ihn doch geführt!“, richtete er sich wieder an Hermione.
„Ich wollte, dass er erstmal die Schrittfolge drin hat. Da macht es sich besser, wenn ich ihn. . .“ „Nein. So lernt er es doch schon von Grund auf völlig falsch!“, unterbrach Draco sie und rief völlig unvermittelt nach Dobby.
„Master Draco haben gerufen?“, erschien der Elf in einer Verbeugung, woran sich Harry nach wie vor nicht gewöhnt hatte. Genauso wenig konnte er sich einen Reim darauf machen, warum Dobby dem Blonden trotz seiner langjährigen Freiheit noch so treu war und ihn zudem als Master titulierte.
„Ja. Hol das Grammophon aus den Kerkern.“ „Sehr wohl.“ Damit war Dobby wieder weg. Die beiden Löwen wunderten sich, was Draco damit wollte.
„Für was brauchst du das Ding?“ „Na wozu wohl? Wie willst du ohne Musik einen entsprechenden Rhythmus finden? Daran hättest du auch denken können, wenn du ihm schon ein paar Grundschritte beibringen willst“, sah er im Anschluss zu Hermione, die ergeben nickte. Das hätte Harry in der Tat vielleicht etwas geholfen.
Schließlich kam Dobby mit dem Grammophon zurück, an dem sich Draco auch gleich zu schaffen machte, bevor er Hermione wieder auf die Füße zog, die mittlerweile heil waren. Seine Schuhe zog er sich dann auch noch aus, bevor er sich zu Harry drehte.
„Guck zu und lerne!“, forderte er ernst, als ein einfaches, langsames Stück im ¾ Takt anlief, was es einem wirklich leicht machte, den Schritten zu folgen, mit denen Draco Hermione ganz elegant, als würde er mit ihr einfach nur spazieren gehen, durch den kleinen Freiraum im Wohnzimmer führte. Und das bald fünf Minuten, bevor er stoppte und sich wieder zu dem Helden drehte, der sichtlich schluckte, denn nun war es offenbar an ihm.
„Wenn du ihr auf die Füße trittst, kannst du was erleben“, drohte er ihm offen. „Draco“, mahnte Hermione ihn sanft, als er sie an Harry übergab und auch gleich begann, Harrys fehlerhafte Haltung zu korrigieren, bevor er die Musik anlaufen ließ. Bereits nach dem dritten Akkord vertat sich Harry allerdings und entlockte Hermione damit ein leises Zischen.
„Potter!“, fauchte Draco sauer und trennte die Beiden. „Schuhe aus!“, meckerte er weiter und zeigte ihm nochmal, wie er es richtig zu machen hatte, bevor Harry wieder dran war, an dem Draco erneut zuppelte, bis er die richtige Position hatte.
„Wenn’s sein muss, zähl die Schrittfolge im Kopf. 1-2-3, 1-2-3. Ganz einfach. Den rechten Fuß vor, dann den Linken zur Seite und dann den Rechten wieder zum Linken ran. Kleine Schritte. Dann den Linken nach hinten, den Rechten zur Seite und den Linken wieder schließend zum Rechten heranziehen. Kann ja wohl nicht so schwer sein!“ „Jetzt mecker nicht“, mischte sich Hermione dazwischen und warf Draco über Harrys Schulter einen etwas strafenden Blick zu. Draco funkelte sie aber etwas unheilvoll an.
„Ich hab zwei gute Gründe zu meckern! Der eine bist du, der andere Astoria.“ Damit richtete er sich wieder an Harry. „Wenn du sie zu der Feier ausführst, wirst du gefälligst auch mit ihr Tanzen und sie nicht den ganzen Abend in einer Ecke sitzen lassen, wie damals Patil. Wenn ihr das mit euren Gryffindor Mädels so handhabt, eure Sache. Aber nicht mit unseren! Verstanden?“ Harry nickte. Und das schon ein wenig eingeschüchtert. Merlin, worauf hatte er sich hier eingelassen? Draco derweil beäugte ihn kritisch.
„Hast du einen Anzug?“, fragte auch er, bekam dann aber von Hermione Antwort. „Nein, aber ich dachte mir, ihr könnt morgen mit Harry einen Anzug und Umhang kaufen gehen. Blaise braucht auch noch einen, meinte Ginny. Du doch sicher auch, oder?“ „Hm? Nein. Meine Mutter hat mir vor ein paar Tagen alles geschickt. Aber das ist eine gute Idee“, stimmte er ihr zu und sah wieder warnend zu Harry.
„Nicht, dass du dir so einen Fehlgriff erlaubst, wie damals Weasley. Davon ist man ja fast blind geworden!“ „Jaah“, gab Harry gedehnt von sich und kickte einen imaginären Krümel vom Teppich. „Dann weiter“, meinte Draco streng und ließ das Grammophon wieder anlaufen, was die kommende Stunde mehrmals der Fall war. Harry rauchte von allem mittlerweile der Kopf. Zudem begann er immer mehr vor sich hin zu brummeln, jedes Mal, wenn Draco ihn aufs Neue korrigierte.
Irgendwann reichte es aber auch Draco, da Harry keine sichtbaren Fortschritte machte, Hermiones Füße im Gegenzug aber weiter malträtierte. Ohne Schuhe zwar wesentlich gefahrloser und schmerzfreier, dennoch.
„Merlin, das hält doch der stärkste Ochse nicht aus!“, rief Draco genervt und verschwand an seinem Schreibtisch, wo er etwas auf ein Pergament kritzelte, das er zusammenrollte und Harry schließlich reichte.
„Hier! Wenn du in deinem Schlafsaal bist, vergrößer das Pergament und leg es auf den Boden. Darauf ist die Schrittfolge abgebildet. Welcher Fuß wohin gehört. Üb das!“, meckerte Draco und schob Harry schließlich aus ihrem Turm. Der Gryffindor war aber auch ganz froh, Dracos Fängen entkommen zu sein und verschwand eiligst zu seinem Turm. In dem der Schulsprecher, sah Hermione ihren Freund und Kollegen ein wenig tadelnd an.
„Du hättest nicht so streng mit ihm sein sollen. Er versucht es doch.“ „Dann hätte er die Schrittfolge nach einer Stunde drauf gehabt, oder zumindest deine Füße nicht mehr so oft getroffen!“, schimpfte Draco und dirigierte die Hexe auf die Couch, wo er nochmal ihre Zehen versorgte.
„Vielleicht hätte Professor McGonagall nochmal für alle einen Tanzkurs anbieten sollen?“, überlegte Hermione etwas für sich. „Lässt sich für Weihnachten nachholen. Was ist denn ein Ball, auf dem nicht richtig getanzt wird?“, murmelte Draco, dessen Blick dann auch nochmal auf das Grammophon fiel, bevor dieser zurück zu Hermione wanderte. Nur einen Moment später stahl sich ein diebisches Funkeln in seine Augen, was sich die Hexe ein wenig unsicher besah.
„Was?“ „Hm? Och ich dachte mir nur, nach so viel Ärger hast du vielleicht Lust auf etwas Spaß?“ „Spaß?“, hakte Hermione, nach wie vor unsicher, nach. Ihr behagte Dracos Blick nicht, der dann auch schon nickte und durchtrieben zu grinsen begann. Nur etwas später hatte er sie auf den Beinen, womit das Grammophon zu neuem Leben erwachte. Diesmal spielte es allerdings etwas ganz anderes, als den langsamen Walzer.
„Darf ich Mademoiselle Granger bitten?“, fragte er zwar, hatte sie aber schon fest in den Armen und auch in der entsprechenden Position für einen Cha-Cha-Cha.
„Tja, ich schätze ein Nein akzeptierst du nicht?“ „Würdest du mir denn Absagen?“, entwich es ihm gespielt enttäuscht, wobei sich Hermione nicht ganz sicher war, ob es wirklich nur gespielt war.
„Nicht wirklich“, lächelte sie jedoch, worauf er wieder grinste, in den Augen ein Leuchten. Nur einen Moment später, machte er den ersten Schritt, in den sie lachend einstimmte und so seit langem wieder in den Genuss seiner Tanzkünste kam, mit denen höchstens Blaise konkurrieren konnte.
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Am nächsten Tag verschwanden die Freunde mit einem Großteil der übrigen Schüler nach Hogsmeade. Da es ein offizielles Wochenende und so auch für die meisten die letzte Möglichkeit vor der Feier war, noch etwas Passendes zum Anziehen zu besorgen, war das kleine Dorf, trotz des grauen nass-kalten Wetters, recht belebt.
Die meisten Jungs verschwanden allerdings direkt in Georges Laden oder zu Honey Dukes. Etwas, was Harry nur zu offensichtlich auch lieber tun würde, als mit den drei Slytherin einzukaufen. Die schleppten ihn jedoch mit zum Herrenausstatter, der sein Sortiment, aufgrund der geplanten Feierlichkeiten oben im Schloss, großzügig erweitert hatte und so auch diverse Sonderanfertigungen annahm. Ähnlich die sonst eher übersichtliche, kleine Zweigfiliale von Madam Malkins.
Auch die Schneiderin hatte ordentlich aufgefahren und ihr Angebot um diverse Abendgarderoben für die jungen Hexen erweitert. Unter anderem war sie heute auch selbst im Geschäft anwesend, um den jungen Frauen bei ihrer Ausstattung behilflich zu sein und hier und da noch ein paar kleine Änderungen vornehmen zu können.
In den vorderen Räumlichkeiten hingen, neben den Umhängen, die eher einfachen und zudem preiswerteren Kleider, wo sich auch die meisten Mädchen kichernd und tratschend tummelten. Hermione hatte im Grunde auch keine Lust, großes Aufsehen um ein Kleid zu machen, was sie nur an einem, vielleicht zwei Abenden tragen würde. Ginny war da aber anderer Ansicht und schleifte sie in den hinteren Bereich zu den exklusiveren Sachen.
„Das ist doch viel zu teuer für einen Abend.“ „Es ist nicht nur ein Abend, Süße. Es ist einer der letzten großen Abende in Hogwarts und obendrein ein für dich sehr entscheidender!“, gebot Ginny ihr mit erhobenem Zeigefinger.
„Da willst du doch mit keinem Kleid von der Stange auftauchen, oder? Was soll denn dein Prinz von dir denken, hm?“ „Na schön“, gab sich Hermione geschlagen, da diskutieren mit Ginny in manchen Belangen so effektiv war, wie eine Betonwand anzuschreien. Sie kam letztendlich doch nicht dagegen an.
Ihre Freundin nahm es grinsend zur Kenntnis und stürzte sich auch gleich enthusiastisch auf all die schönen Stoffe, wo sie einige Kleider durchsah. Hermione begnügte sich damit, die ganzen Auslagen erstmal mit den Augen zu scannen, auf der Suche nach etwas Schönem.
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Etwa zur gleichen Zeit traf sich Daphne, wie verabredet mit Pansy vor dem Tänzelnden Einhorn. Als Daphne ihre Freundin seit langem wiedersah, machte sich ein fröhliches Lächeln auf ihren Lippen breit, was Pansy gezwungenermaßen erwiderte.
Sie verstand nach wie vor nicht, wie sich Daphne in eine derartig grässliche Richtung entwickeln konnte, dass sie das Schlammblut und die Wieselbrut tatsächlich begonnen hatte, als Freunde anzusehen? Wie gerne würde sie ihr jetzt und hier ihre Meinung zu allem sagen. Sagen, was sie von Daphne hielt. Doch sie schluckte ihre Worte runter und machte gute Miene zum bösen Spiel. Sie schloss Daphne herzlich in die Arme, obwohl ihr eher zum Kotzen zumute war.
„Schön, dass du gekommen bist“, freute sich Daphne und lächelte ihre alte Freundin an. „Ich kann dich doch nicht hängen lassen, wenn es um das ideale Ballkleid geht“, erwiderte Pansy, bevor sie den Blick etwas schweifen ließ, auf der Suche nach bekannten Gesichtern.
„Bist du allein ins Dorf gekommen?“ „Was? Nein, die Jungs sind beim Herrenausstatter. Astoria wollte noch etwas holen und der Rest ist vermutlich schon bei Madam Malkins. Wenn’s dir nichts ausmacht, würde ich die Sache mit dem Kleid auch erstmal erledigen. Nicht, dass ich nachher nur noch den letzten Ramsch bekomme. Immerhin will ich, dass es Charlie aus den Latschen haut“, grinste Daphne breit, während Pansy sich damit begnügte, zustimmend zu nicken.
Was keine der Beiden wusste oder gar ahnte, war, dass sie noch einen unsichtbaren Lauscher hatten, der das Gespräch und auch sonst alle Eindrücke, ebenfalls in sich aufnahm.
Lucius hatte es sich in ihrem Versteck, in einem der kleineren Räume am Kamin, mit einem Glas Whiskey gemütlich gemacht, um mit Pansys Augen zu sehen und mit ihren Ohren zu hören. Er war selbst angenehm überrascht, dass sein Mentalzauber so gut über eine derart weite Entfernung funktionierte.
Allerdings begnügte er sich für den Moment ja auch nur mit dem Lauschen und Sehen, in der Hoffnung, dass dieses dumme Gör ihrer Freundin, wie besprochen, ein paar vernünftige Aussagen entlockte. Notfalls würde er da nachhelfen. Er hoffte, dass die Gedankenkontrolle über diese Entfernung auch so gut funktionierte, wie der Rest.
Schließlich verschwanden die beiden Mädchen in dem Bekleidungsgeschäft, wo Pansy etwas die Nase rümpfte, als sie die vielen gackernden und kichernden Mädchen im Vorraum sah, die die Auslagen durchstöberten und sich gegenseitig die Kleider anhielten, um zu schauen, wie es wirkte, bevor sie wieder albern kicherten.
Daphne verschwand, wie zuvor Ginny mit Hermione, ebenfalls in den hinteren Teil des Geschäftes, wo es wesentlich ruhiger zuging. Zwar waren auch hier einige Mädchen, die nach etwas Passendem suchten, das aber auf eine gesittete Art und darüber hinaus noch so etwas wie Geschmack besaßen.
„Was genau schwebt dir denn vor?“, erkundigte sich Pansy, als Daphne begann, in den ersten Reihen nach etwas Schönem zu schauen. „Ganz ehrlich? Ich hab keine Ahnung. Du weißt ja, dass es mich meistens ganz spontan anlacht. Aber auf alle Fälle etwas, was schon ein bisschen Sexappeal hat. Ich will später am Abend schließlich noch meinen Spaß mit Charlie haben, wenn du verstehst was ich meine?“, schmunzelte Daphne ihr zu, worauf Pansy mit den Augen rollte. „Was?“, lachte Daphne. „Du bist schließlich auch keine Lustverächterin. Und Charlie ist echt gut in Form“, grinste Daphne nun ein wenig dreckig. Pansy indes spitzte die Ohren.
„Spielt er wieder den Sucher?“ „Charlie? Nein. Blaise hat auf Draco bestanden, auch wenn er am Anfang nicht wollte und gemault hat.“ „Jetzt sag mir noch, Draco wollte nicht Quidditch spielen?“ Das überraschte Pansy doch ein wenig. „Nein“, meinte Daphne zwischen den Kleiderreihen und nahm sich eines vom Haken, um es Pansy zu zeigen.
„Ich schätze, es war ihm am Anfang einfach alles zu viel. Er wollte seine Ruhe haben und war auch so die erste Zeit nicht wirklich auf der Höhe... Was hältst du von dem?“, meinte Daphne und präsentierte ihr ein tiefrotes, schulterfreies Kleid mit Bustier, welches seitlich sehr hoch geschlitzt war und luftig locker fiel. Pansy zog aber nur skeptisch eine Augenbraue hoch, aufgrund der Farbe.
„Rot?“, war alles was sie dazu sagte. Daphne verstand allerdings nicht, was ihr Problem war. „Ja. Warum nicht?“ „Na weil. . .“, es Gryffindor Farben sind, wollte Pansy heftig argumentieren, schluckte den Rest ihres Satzes aber schnell wieder runter. Das wäre eher kontraproduktiv. Stattdessen setzte sie rasch nach, als Daphne sie ein wenig verwundert zu mustern begann.
„. . . das werden doch sicher viele tragen. Wenn du auffallen willst, solltest du dir eine andere Farbe suchen.“ „Ich will gar nicht weiter auffallen oder irgendwelche Blicke auf mich ziehen. Nur einen“, erklärte Daphne verträumt und sah ihre Freundin lächelnd an, die innerlich schnaubte.
Daphne war definitiv bis über beide Ohren in Harper verliebt. Die Verbundenheit und die Gefühle für Harper, die sie in den vergangenen Jahren immer nur sporadisch gezeigt hatte, aufgrund der Verlobung mit Goyle, schienen nun regelrecht aus ihr herauszuquellen. Pansy fragte sich wirklich, was Daphnes Vater von dieser Verbindung hielt? Auch wenn Harper reinblütig war, so zählten er und sein Vater, nach den jüngsten Ereignissen ohnehin, nicht zum elitären inneren Kreis der Reinblüter. Soweit Pansy wusste, tauchte das Geschlecht der Harpers, anders als das ihre, das der Malfoys, Goyles, Blacks und noch einigen anderen, nicht auf der Liste der Unantastbaren Achtundzwanzig auf. Es war eine anonyme Liste von 28 Familien, die reinblütig waren und mit Hilfe dieser Liste ihre Reinblütigkeit auch weiter aufrechterhielten.
„Was hält eigentlich dein Vater von Harper?“, fragte Pansy am Ende dennoch, da es sie zu sehr interessierte. Daphne zuckte allerdings mit den Schultern. „Nach allem was war, ist es ihm ziemlich egal, mit wem ich oder Astoria zusammen sind. Die Ehebündnisse, die er vor Jahren für uns abgeschlossen hat, existieren, Merlin sei Dank, ja nicht mehr. Und so eine schlechte Partie ist Charlie doch gar nicht“, erklärte Daphne, während sie sich erneut in den Reihen nach einem anderen Kleid umsah.
„Er ist intelligent, sieht gut aus, hat Manieren, ist reinblütig, auch wenn das eher nebensächlich ist und… Wie ist das?“, präsentierte Daphne ihr nun ein Blaues, mit extravagantem Schnitt, der so ziemlich den ganzen Rücken und auch ein Stück der Taille freigab, sah man von den beiden mit Strass besetzten Bändern ab, die das Kleid in der entsprechenden Form hielten. Wie das Rote, war auch dieses eng anliegend und hoch geschlitzt, mit Strassapplikationen, die sich in einer Route unterhalb der Brust sammelten.
„Nett“, brachte Pansy lediglich hervor und erreichte damit, dass Daphne einen Flunsch zog. Schließlich sah sie wieder auf das Kleid und fragte: „Zu billig?“ „Eher zu aufreizend für einen Ball“, entgegnete Pansy ihr, worauf Daphne wieder auf das Kleid sah, nickte und es zurückhing. „Weniger ist mehr“, murmelte sie für sich und sah sich nach anderen, formelleren Schnitten um. Zuviel, sollte das Kleid vor der Nacht ja schließlich auch nicht preisgeben. Pansy folgte ihr gelangweilt, vernahm dann aber eine Stimme, die sie innehalten ließ.
„. . . versuch das mal!“, schallte die Stimme von der Wieselbrut begeistert durch den Raum und sorgte letztlich dafür, dass Pansy über die Kleiderreihen hinweg, in die entsprechende Richtung sah. Wen sie dann aber neben der Blutsverräterin sah, sorgte dafür, dass ihr eigenes erhabenes, reines Blut gehörig in Wallung geriet.
„Granger“, knurrte sie leise und betrachtete ihre verhasste Mitschülerin, die gerade ein tiefrotes Ballkleid von der Wieselin in die Hand gedrückt bekam.
„Probier mal. Ich finde das perfekt!“, quietschte die Rothaarige begeistert, während sie ihre Freundin vor einen der großen Spiegel schob, damit sie sich mit dem vorgehaltenen Kleid selbst etwas betrachten konnte. Was Pansy bei dem Anblick recht sauer aufstieß, war die Tatsache, dass das Wiesel Recht hatte. In dem Kleid würde das Schlammblut mit Sicherheit, wie schon vor zwei Jahren, aber auch zum Weihnachtsball im Vierten, sämtliche Blicke auf sich ziehen. Der langweilige Bücherwurm würde sich erneut in einen strahlenden Schmetterling verwandeln und dabei vermutlich allen Typen den Kopf verdrehen. Eine Tatsache, die auch Ginny anmerkte, während sie Hermione noch etwas die Haare nach oben hielt, um eine entsprechende Frisur anzudeuten.
„Na, was sagst du?“, fragte Ginny begeistert, während Hermione doch ein wenig verträumt auf ihr Spiegelbild sah und gedanklich bereits zu tanzen begann. „Es ist wirklich sehr schön.“ „Sehr schön? Mionchen, das Kleid ist wie für dich gemacht!“, quietschte Ginny erneut und ließ erstmal von Hermiones Schopf ab.
„Du wirst auf dem Ball alle Blicke auf dich ziehen. Jeder Typ wird mit dir tanzen wollen, während die anderen Mädchen grün vor Neid sind“, freute sich Ginny weiter. Hermione allerdings, fühlte sich unwohl dabei. „Ich mag so eine Aufmerksamkeit nicht.“ „Die hast du dir aber verdient und die bekommst du auch. Aber davon mal abgesehen, geht es hier ja auch nicht um die Anderen, sondern um dich und deinen Prinzen. Das ist euer Abend. So oder so. Und der soll doch schön werden“, beruhigte Ginny sie und zog sie letztlich in eine Ecke mit ein paar Sitzpolstern, wo Hermione ihre Finger dennoch nicht still halten konnte und etwas am Stoff des Kleides zu nesteln begann, bis Ginny ihre Hand auf die Hermiones legte.
„Hey, das wird schon alles. Aber vielleicht, . . . Ich weiß nicht, vielleicht redest du vorher doch lieber mal mit Draco?“, empfahl Ginny, doch Hermione schüttelte mit dem Kopf. „Nach der Feier. Alles andere das. . .“ „Na schön. Aber ich kann dir jetzt schon versichern, dass dich Draco dann nicht mehr gehen lässt“, schmunzelte Ginny, worin Hermione etwas schüchtern einstimmte.
„Blaise?“ „Blaise“, bestätigte Ginny ihr. „Er ist nach wie vor seeehr an dieser Verbindung interessiert. Und wenn ich ehrlich bin, ich auch. Ich bin mir sicher, dass du einen unvergesslichen Abend haben wirst. Ihr beide“, lächelte Ginny. „Nach allem was war, da. . . Ihr wärt wirklich das ideale Paar. Sicherlich das Ungewöhnlichste, was Hogwarts bis jetzt gesehen hat, aber gerade das macht euch zu etwas ganz Besonderem. Ihr habt euch über den alten Hass der Häuser, die Traditionen und den Blutstatus hinweg gefunden. Ein großes Bündnis zwischen Slytherin und Gryffindor!“, meinte Ginny bewegend mit erhobenem Zeigefinger, worauf Hermione lachte.
„Das könnte man doch eher bei dir und Blaise sagen.“ „Finde ich nicht. Erstens waren wir nie wirklich so verfeindet, wie du und Draco.“ „Er hat das doch auch nicht so gemeint.“ „Mag sein, wir waren bis vor kurzem aber noch felsenfest davon überzeugt. Davon mal abgesehen, hat Draco für dich ja gewissermaßen mit allem gebrochen, was ihn sonst immer repräsentiert und ausgemacht hat. Von diesem alten Reinblutfanatiker scheint inzwischen nichts mehr übrig zu sein.“ „Wenn er das denn je wirklich war“, warf Hermione noch ein und versank etwas in ihren Gedanken darüber, während Ginny zustimmend nickte.
„Sehr richtig. Fakt ist, wie er jetzt ist. Und so ist er nur deinetwegen“, lächelte Ginny und legte ihrer Freundin schließlich knuddelnd die Arme um, als sie noch meinte: „Er liebt dich“, was zwei Lauschern mehr als sauer aufstieß. Pansy noch mehr als Lucius, da er diese Gewissheit ja schon länger hatte. Dennoch verzog auch er missbilligend die Lippen, als das Wieselmädchen diese Tatsache so deutlich nannte. Pansy wiederum war kurz vorm Platzen, aufgrund dieses Aspektes.
Sie hatte ihre eigene Regung selbst nicht wirklich bemerkt, mittlerweile aber ihren Zauberstab bei der Hand. In sich den brennenden Wunsch, das Schlammblut hier auf der Stelle qualvoll zu töten, was auch Lucius spürte und diesen Drang der Hexe mit Mühe und Not niederrang.
Zwar war das auch Teil seines Planes, jedoch nur ein Teil von vielen. Er brauchte das Schlammblut vorerst lebend für seine Zwecke, was dieses dumme Gör offensichtlich noch immer nicht verstanden hatte. Genauso etwas anderes, denn mittlerweile stand Daphne wieder hinter Pansy und beobachtete mit Sorge, das wutverzerrte Gesicht ihrer Freundin. Ginnys letzten Satz hatte sie noch mitbekommen und konnte sich an einem Finger abzählen, was Pansy so sehr erzürnte.
„Pansy?“, rief sie die Schwarzhaarige vorsichtig, die sich wie eine Furie zu der Blonden umdrehte und sie scheinbar mit Blicken erdolchte. „Wie kann er allen Ernstes so etwas für dieses wertlose, dreckige Schlammblut empfinden!?“, fauchte sie, was auch Ginny und Hermione hörten, die sich sogleich erhoben und damit sahen, wer ebenfalls im Geschäft war und Hermione auf diesem Weg beleidigt hatte. Daphne war die Situation sichtlich unangenehm, denn sie warf Hermione einen entschuldigenden Blick zu.
„Tut mir leid, Hermione. Das hat sie nicht so gemeint“, versuchte sie die Situation zur retten, worauf Pansy etwas erwidern wollte. Lucius konnte ihre nächsten Worte aber geradeso noch ersticken, denn die wären alles andere als hilfreich für seine Pläne. Ginny wiederum bedachte Pansy mit einem eiskalten Blick.
„Du solltest das Maul besser nicht nochmal so weit aufreißen, Parkinson. Könnte dir schlecht bekommen“, warnte sie die Hexe und steckte ihren Zauberstab demonstrativ in eine andere Innentasche, wo sie schnell Zugriff darauf hatte, bevor sie sich zu Hermione drehte und meinte: „Lass uns das mit dem Kleid fertig machen. Die Anderen warten sicher schon auf uns.“ Kurz darauf waren die beiden Löwinnen bei der Schneiderin, die Hermione bei der Anprobe half und hier und da noch ein paar kleine Änderungen vornahm.
„Was sollte das?“, fragte Daphne, kaum dass sie mit Pansy wieder allein war, die sich auch weiter bebend vor Zorn zu ihr drehte. „Hast du das gerade nicht gehört?!“, fauchte sie wütend und deutete in die Richtung, in die Hermione und Ginny verschwunden waren. Daphne wusste dann auch nicht gleich, was sie dazu sagen sollte.
Sie konnte den Zorn und sicher auch Frust ihrer Freundin verstehen, denn sie war seit jeher in Draco vernarrt gewesen. Pansy hatte immer alles für ihn getan und seine Launen ertragen, was Draco nicht selten für sich ausgenutzt hatte. Das war schon immer etwas, was Daphne an dem Blonden nicht gemocht hatte. Inzwischen musste sie sich aber eingestehen, nicht zuletzt auch aufgrund des letzten Streites mit Charlie, dass dieser mit seinen Worten auch nicht ganz unrecht hatte.
Draco hatte Pansy nie falsche Hoffnungen gemacht und ihr zudem mehrmals gesagt, dass sie ihre Finger von ihm lassen sollte. Und das nicht selten auf unmissverständliche Weise vor dem halben Gemeinschaftsraum. Allerdings hatten diese harschen Ansagen bei Pansy nie lange Wirkung gehabt. Daphne selbst hatte ihr früher ja auch mehr als einmal nahe gelegt, dass sie Draco die kalte Schulter zeigen sollte, immerhin waren Männer nicht grundlos Jäger. Eine Jagd jedoch, die keine war, machte einfach keinen Spaß. Aber das war etwas, was Pansy nie verstanden hatte. Stattdessen hatte sie sich nach kürzester Zeit immer wieder zu Draco begeben, um sich ihm anzubieten. Dass er sich dann quasi genommen hatte, was sie ihm regelrecht vor die Füße geschmissen hatte, konnte sie ihm letztendlich nicht einmal übel nehmen. So gesehen hatte Pansy ihn die ganze Zeit eher sexuell belästigt. Darüber hinaus, hatte sie ihrer Freundin damals auch schon mehr als einmal versucht klarzumachen, dass es ohnehin nie ein wir für sie und Draco gegeben hätte, denn Astoria war ihm nun mal versprochen gewesen, was sie ihr jetzt auch noch einmal versuchte zu erklären.
„Doch. Aber ich finde das nicht schlimm. Im Gegenteil“, brachte Daphne vorsichtig an. Pansy klappte auf den Kommentar aber der Kiefer runter. „WAS?“ „Ich weiß, dass du in Draco verliebt warst. Und ich kann verstehen, dass dich das gerade verletzt und wütend macht, aber sie passen wirklich gut zusammen. Draco scheint glücklich damit zu sein und. . .“ „Glücklich mit diesem dreckigen Schlammblut?!“, keifte Pansy ihr jedoch dazwischen, worauf Daphne ein wenig missbilligend das Gesicht verzog, aber dennoch soweit ruhig blieb.
„Hermione ist nett, also nenn sie bitte nicht mehr so. Diese ganze Sache von wegen Reinblut oder Muggelstämmig, ist einfach nur dämlich. Ich hatte gedacht, du würdest das inzwischen auch verstehen. Darüber hinaus hab ich dir früher bereits mehr als einmal gesagt, dass du aufhören sollst, dich auf Draco zu versteifen. Du wusstest, dass ihm meine Schwester versprochen war. Außerdem hat Draco dir auch nie falsche Hoffnungen gemacht. Er hat dir, keine Ahnung wie oft, gesagt, dass er kein Interesse an einer Beziehung mit dir hat. Auch wenn das jetzt hart klingt, aber er wollte nie etwas von dir.“ „Aber zum vögeln war ich dem Arsch trotzdem gut genug!“, fauchte sie und schaukelte sich dadurch immer mehr hoch, was es Lucius noch schwerer machte, die Kontrolle über den Zauber und damit über die Hexe zu behalten. Die minimale Verbindung, die er noch zu ihr hatte, zerriss nur einen Augenblick später gänzlich, als Travers ohne Vorwarnung die Tür öffnete und ihn anschnauzte, von wegen sie wollten etwas besprechen. Als er sich, nach Travers verschwinden, nochmal auf seinen Zauber versuchte zu konzentrieren, gelang ihm kein Kontakt mehr zu der Hexe, deren Emotionen inzwischen einem einzigen Hochdruckkessel glichen.
„Dummes Gör!“, zischte Lucius wütend, bevor er sich erhob, den Whiskey leerte und sich schließlich nach unten begab, um zu hören, was sich die Anderen mal wieder ausgedacht hatten. Um diese dämliche Hexe würde er sich später am Abend noch kümmern. Er würde in ihrem Geist ja dann sehen können, wie diese verfluchte Diskussion ausgegangen war. Es war ein Ausgang, der ihm nicht gefallen würde, denn Daphne ließ sich nicht auf dieses Spielchen ein, als Pansy begann, Draco Vorwürfe zu machen.
„Sorry, Pansy. Aber das war ja dann deine eigene Schuld.“ „WAS?“ „Wie oft hab ich dir gesagt, du sollst dich ihm nicht ständig an den Hals schmeißen? Wie oft hab ich dir gesagt, dass er es ausnutzt, wenn du dich ihm so sehr anbiederst?“ „Ich hab mich ihm nicht. . .“ „Oh doch, das hast du. Draco hat dich mehr als einmal vor versammelter Mannschaft zur Sau gemacht, dass du ihn in Ruhe lassen sollst. Du hast dich deswegen dann immer bei mir ausgeheult und ich fand es zu der Zeit auch unmöglich von ihm. Aber mal ehrlich, wie deutlich hätte er denn noch werden müssen? Hätte er dich wirklich erst aus dem siebten Stock werfen müssen, damit du es kapierst? Oder wolltest du das gar nicht?“, mutmaßte Daphne, der wieder eine von Charlies Erklärungen in den Sinn kam. Dass Pansy gar kein Interesse an Draco selbst hatte, sondern mehr an dem interessiert war, was hinter ihm stand. Was mit seinem Namen verbunden war. Dass sie Draco nur hatte nah sein wollen, weil sie auf Geld und Macht aus war? Konnte es sein? Sollte Charlie am Ende damit tatsächlich Recht behalten?
„Was soll das heißen?“, zischte Pansy wütend, die Daphne im Anschluss sehr genau ansah. „Hast du wirklich Draco selbst geliebt, oder warst du eher in die Vorstellung verliebt, wie es sein könnte, die Frau an seiner Seite zu sein?“ Auf die Mutmaßung blitzte es etwas in Pansys Augen, sodass sich Daphne diese Ahnung, und damit auch Charlies Worte, seine Mahnung, bestätigt sah. Und das verletzte sie. Dass sie sich all die Zeit so sehr in ihrer Freundin getäuscht hatte.
„Du warst die ganze Zeit also wirklich nur hinter seinem Geld her? Hinter dem Ansehen, was er früher hatte?“, sprach Daphne es aus. Und als sie das tat, sah sie sich ihre Worte selbst plötzlich glasklar bestätigt. Wenn Pansy wirklich in Draco verliebt gewesen wäre, wie sie ihr immer gesagt hatte, dann wäre sie nach der Schlacht für ihn da gewesen. Sie hätte ihm geholfen. Es zumindest versucht. Nichts dergleichen war aber der Fall gewesen. Ganz anders Hermione. Sie hatte wahrhaftig wie eine Löwin dafür gekämpft, dass er aus diesem Loch herauskam und in Sicherheit war. Sie hatte es zu der Zeit vielleicht nicht aus Liebe getan. Aber aus Freundschaft. Und das war bereits so viel mehr, als Pansy in irgendeiner Art vorweisen konnte.
„Das ist das Letzte, Pansy. Wirklich. Ich hab eigentlich immer gedacht, du bist nicht so eine“, meinte Daphne traurig. Pansy aber schnaubte verächtlich.
„Ach. Was für eine bin ich denn? Jemand, der versucht etwas zu erreichen? Der nicht nur unteres Mittelmaß sein will, sondern ganz oben mitspielen? Der auch was dafür riskiert, anstatt zu kuschen und sich diesem blutsverräterischen Pack anzuschließen oder einen auf Schlammblutfreundin zu machen? Ich bin nicht so erbärmlich und kriecherisch wie du!“, zischte sie noch immer wütend, während Daphne die Lippen zu einem dünnen Strich zusammenpresste.
„Wenn das so ist, dann werde ich dich nicht länger mit meiner kriecherischen Anwesenheit belästigen. Ehrlich, Pansy. Ich hab eigentlich immer mehr von dir gehalten. Ich hab gedacht, dass sehr viel mehr in dir steckt, als nur so eine oberflächliche, selbstgefällige, eingebildete Kuh. Ich hab dich immer vor Charlie verteidigt, wenn er wieder angefangen hat, über dich herzuziehen. Ich war immer vorbehaltlos da, wenn du mich gebraucht hast. Und ich wäre auch jetzt für dich da gewesen. Weißt du, ich versteh ja, dass es nicht leicht ist, wenn sich auf einen Schlag alles verändert, was man sein ganzes Leben lang geglaubt und für richtig gehalten hat. Wenn diese Dinge auf einmal keinen Wert mehr haben und auch nicht mehr richtig sind. Genauso weiß ich aber auch, dass es jetzt noch sehr viel schwerer und unangenehmer für uns alle wäre, wenn sich Hermione und Ginny nicht so deutlich zu den Jungs gestellt und uns alle damit geschützt hätten. Genauso Harry und Neville und noch einige andere, über die wir uns früher immer lustig gemacht oder sie verhöhnt und fertiggemacht haben. Sie haben uns die Hand gereicht. In Freundschaft. Und ich bin echt nicht gewillt, diese Hand wieder loszulassen“, funkelte sie Pansy nun böse an, die es ihr gleich tat und erneut geräuschvoll schnaubte, um Daphne zu zeigen, was sie von ihr und ihren Worten hielt.
„Ich hab bis jetzt wirklich gehofft, dass du genauso dazu fähig bist, dich neu zu orientieren und vor allem zu integrieren. Aber anscheinend hab ich mich da gewaltig getäuscht. Charlie hatte wirklich die ganze Zeit Recht mit dir.“ „Harper ist ein widerlicher Heuchler, genauso wie du! Du wirst schon noch sehen, was du von deinem dreckigen Verrat hast!“, fauchte Pansy, bevor sie kehrt machte und damit nicht nur das Geschäft, sondern auch Hogsmeade verließ. Daphne sah ihr nur noch einen Moment wütend nach, bevor sich ein Ausdruck der Verbitterung auf ihren Zügen breitmachte und sie sich fertig auf einen der gepolsterten Stühle sinken ließ. So hatte sie sich den Tag echt nicht vorgestellt.
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Daniel musste nicht nur schwimmen, spielen, Dialoge sprechen und auf Monster reagieren, die später per Computer hinzugefügt wurden, sondern er trug dabei auch Schwimmflossen an Händen und Füßen. All das absolvierte er sieben Meter tief unter Wasser in völliger Dunkelheit – bis ihm die Luft ausging und er das Zeichen gab: Einer der Stuntleute schwamm dann zu ihm hin und gab ihm seine Sauerstoffmaske zurück. Eine wirklich unglaubliche Leistung.
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