Als sich Hermione am nächsten Morgen fertig machen wollte, fiel ihr beim Zusammenpacken ihrer Bücher die weiße Rose verstärkt ins Auge, die neben Dracos Blumenstrauß ein wenig verloren wirkte. Dennoch fixierte sich ihr Blick wie gebannt darauf, denn sie stand plötzlich in voller Blüte.
„Nein!“, entwich es Hermione euphorisch, bevor sie ganz an ihren Schreibtisch trat und die verzauberte Blume mit einer stetig wachsenden Begeisterung betrachtete. Wenn der Zauber auch weiter das tat was er sollte, dann hieß das, dass er sie nicht nur nicht vergessen hatte, sondern jetzt gerade nur zu offensichtlich recht intensiv an sie dachte. Nach all der Zeit, was für sie nur bedeuten konnte, dass ihr Brief ihn letzte Nacht anscheinend erreicht hatte. Es hatte funktioniert! Merlin, das musste sie Ginny erzählen.
Beflügelt von dieser Tatsache schnappte sie sich ihre Tasche und stürzte aus ihrem Zimmer runter ins Wohnzimmer, wo sie um ein Haar mit Draco zusammengedonnert wäre, der gerade aus dem Kitchenette kam.
„So eilig heute?“, schmunzelte er, was sie ihm gleich tat. „Guten Morgen. Na du anscheinend auch, wenn du schon auf den Beinen bist.“ „Ich habe auf dich gewartet“, schmunzelte er. „Warum?“, wunderte sie sich. Draco grinste nur und verschwand noch mal ins Kitchenette. Keine 10 Sekunden später war er wieder bei ihr. Und zwar mit einem noch dickeren Blumenstrauß als am Sonntag, was sie blöd gucken ließ.
„Was. . .“, stammelte sie, als er mit den Blumen vor ihr stand, die erneut von ein paar üppigen weiß-rosa Lilien dominiert wurden, über die sie zu ihm auf sah. Fragend. Er schmunzelte aber auch weiter.
„Hast du wieder etwas ausgefressen?“, erkundigte sie sich skeptisch, worauf er diebisch grinste. „Sollte ich? Ich wüsste zumindest nicht was.“ „Was willst du dann mit den Blumen?“ Hermione war ehrlich verwirrt, was beinahe noch schlimmer wurde, als er amüsiert zu lachen begann.
„Du merkst dir jeden Passus aus allen möglichen Büchern, weißt aber nicht was heute für ein Tag ist?“ „Dienstag“, gab sie ihm zurück. „Dienstag. Richtig. Und welches Datum genau?“, bohrte Draco neckisch, worauf sich ihre Stirn nachdenklich in Falten legte. Als es ihr einfiel wich die Verwirrung einer peinlichen Verlegenheit, was er grinsend zur Kenntnis nahm und die Gryffindor zu sich zog. Dabei legte er die Lippen schmunzelnd an ihr Ohr.
„Man vergisst doch nicht seinen eigenen Geburtstag“, neckte er sie, sodass sie noch roter wurde. Am Ende glühte sie wie eine Tomate, als er ihr noch ein Küsschen auf die Wange hauchte. „Alles liebe zum Geburtstag, Hermione“, säuselte er und überreichte ihr die Blumen.
„Da. . . Danke“, stammelte sie und sah auch weiter überfordert, wie auch verlegen auf den riesigen Strauß, bevor ihr Blick zurück zu ihrer Schlange wanderte. Sie fragte sich unweigerlich woher er das nun schon wieder wusste? Hatte sie ihm gesagt wann sie Geburtstag hatte? Nicht wirklich. Blaise aber vielleicht. Ja, das konnte sein.
Draco trat während ihrer Überlegung an ihre Schreibtische, auf denen sich die Pergamente, bezüglich der Planungen für den neuen Gemeinschaftsraum, wie auch erste Notizen für den Halloweenball, stapelten. Zwischen all dem lag noch ein Päckchen, was eigentlich mehr ein Paket war, in Silberpapier eingeschlagen und mit einer goldenen Schleife verziert. Auf diesem saß ein Plüschtier, was Hermione als Biber identifizierte. Mit dem Paket, samt Kuscheltier, trat er wieder zu ihr, worauf sie aufs Neue rot wurde. Die Blumen alleine mussten doch schon wahnsinnig teuer gewesen sein.
„Du musst mir nichts zu schenken“, tadelte sie ihn sanft. Draco lächelte. „Ich möchte aber gerne“, und überreichte ihr das Paket, was sie etwas in die Knie zwang, kaum dass sie die Blumen beiseite gelegt hatte.
„Merlin, was hast du hier drin?“ „Mach’s auf, dann weißt du es“, neckte er sie und musterte sie gespannt, worauf sie ihm seinen indirekten Wunsch erfüllte. Sie ließ sich mit dem Geschenk auf dem Schoß auf der Couch nieder und nahm den Biber erstmal runter, wo ihr jetzt erst auffiel, dass da noch ein kleines, glänzendes, silbernes Döschen war. Das Stofftier verwunderte sie allerdings.
„Hat das eine bestimmte Bedeutung?“, deutete sie ihm auf den Biber, wo er auch schon grinste. „Na ja, ich finde der passt zu dir. Auch wegen deines Patronus.“ „Mein Patronus ist ein Otter. Ich glaube, ich muss mal mit dir in den Zoo gehen, um dir den Unterschied zwischen beiden Tieren zu zeigen.“ „Och, gerne“, grinste er, bevor er noch nachsetzte: „Biber ist trotzdem passender.“ Als Hermione wieder nach dem Warum fragen wollte, schob er den Oberkiefer über die Unterlippe und entblößte dadurch kurz seine Schneidezähne, bevor er sie mit „Kleiner Biber“ neckte. Hermione brauchte eine Sekunde, bis sie verstand worauf er aus war. Als das der Fall war, lief sie wieder knallrot an und warf eines der Couchkissen energisch nach ihm.
„Draco Malfoy, du kindisches Frettchen!“ „Hey! Das Frettchen ist Tabu! Das ist eine der sieben Todsünden!“ „So? Was sind die anderen sechs?“ „Das verrat ich dir doch nicht.“ „Tja, dann leb mit dem Frettchen!“, stänkerte sie zurück und steckte ihm kindisch die Zunge raus.
„Werd ja nicht frech“, grinste Draco und wedelte provokant mit seinem Zauberstab vor ihrer Nase herum. „Ich nehm mir so viele Frechheiten heraus wie ich will. Immerhin hab ich Geburtstag. Nicht?“ „Stimmt. Dann bekommst du von mir zusätzlich eben noch einen Freibrief für diese Verunglimpfung. Allerdings hoffe ich doch, dass du gnädig mit mir bist?“ „Schauen wir mal“, schmunzelte sie und konzentrierte sich wieder auf das große Paket, was sie vorsichtig öffnete. Den Biber und das Döschen stellte sie erst einmal auf den Tisch.
Als sie das Papier beiseite schlug, nahm es ihr beinahe den Atem beim Anblick dieser Rarität. Es war ein Buch. Natürlich. Aber was für eines! So weit sie wusste, gab es von dem Exemplar weltweit nur 100 Stück. Und von den 100 Stück dürften durch die Zeit hinweg nicht mehr als eine Handvoll übrig geblieben sein, denn dieser Schatz alter Magie stammte zeitlich noch aus der Epoche der Gründung Hogwarts.
„Merlin, wo . . . wo um alles in der Welt hast du das her?“, sah sie ihn fassungslos an. Draco schmunzelte. „Bibliothek.“ „Häh?“ „Es ist eines der Bücher aus der Bibliothek des Manors.“ „Nicht dein Ernst?“ Hermione war noch immer wie vor den Kopf geschlagen und sah zurück auf den Schatz, über dessen altes Leder sie ehrfürchtig ihre Finger gleiten ließ. Es war noch geschmeidig und damit offensichtlich gut gepflegt worden.
„Weißt du wie wertvoll das ist?“, sah sie wieder auf den Blonden, der zustimmend nickte. „Weiß ich, ja.“ „Das kann ich nicht annehmen. Das . . . das ist viel zu viel und. . .“ „Und es ist ein Geschenk von dem ich weiß, dass es bei dir in den allerbesten Händen ist und vor allem auch seinen Zweck erfüllt. Ich habe es selbst mehrmals gelesen und mir das Wissen daraus angeeignet. Seitdem staubt es aber in der Bibliothek ein. Und das ist ein noch größerer Frevel an seinem Wert, oder denkst du nicht?“ Ausgetrickst, dachte sich Hermione, denn so gesehen hatte er Recht. Sie würde es selbst als ungeheuren Frevel ansehen, diesem Schatz nicht die nötige Beachtung zu schenken und das Wissen, wie er sagte, brach liegen zu lassen.
„Trotzdem, dass. . .“ „Nimm es, Hermione. Nimm es, lies es und nutze das Wissen.“ „Das werde ich. Vielen, vielen Dank“, lächelte sie ihn an und sah nochmal auf das alte Buch, in dem unvorstellbare Zauber niedergeschrieben waren. Weiße, Schwarze aber auch Zauber um die kaum bekannte und unerforschte Elementarmagie. Sie konnte ihren Blick nur schwer davon lösen und hätte jetzt am liebsten angefangen zu lesen, allerdings war da ja noch etwas. Nämlich das Döschen. Sie hoffte inständig, dass er ihr nicht auch noch Schmuck oder so etwas gekauft hatte. Das Buch war ja schon unbezahlbar. Am Ende nahm sie sich das letzte Geschenk, den Blick wieder auf ihn gerichtet.
„Ein Schmuckkästchen?“, fragte sie vorsichtig, wo er sie zu korrigieren wusste. „Nein. Nichts dergleichen. Mach es auf, dann weißt du was es ist“, schmunzelte er und schien noch gespannter auf ihre Reaktion zu sein, als eben auf das Buch. Hermione sah dann auch gleich zurück auf das verzierte Döschen, was wirklich sehr elegant und edel geschnitten, wie auch verarbeitet war, mit den Mustern und Verzierungen. Auch waren winzige, kleine grüne Steine eingelassen, von denen sie hoffte, dass es keine teuren Steine, weniger noch Edelsteine, waren. Allerdings hatte sie hier Draco Malfoy vor sich. Irgendwelcher Ramsch kam ihm sicher nicht unter die Nase. Nicht darüber nachdenken, mahnte sie sich und öffnete letztlich den verzierten Deckel.
Kaum, dass dieser offen stand, drang aus dem Innern, des nicht einmal faustgroßen Döschens, ein melodisches Harfenspiel, welches sich schließlich mit einem sanften, hellen Klavierspiel vermischte, dass ein wenig etwas von einem beruhigenden Schlaflied hatte. Doch damit nicht genug, stiegen winzig kleine Feenlichter aus der Öffnung empor, die den Raum in ein beruhigendes Leuchten tauchten und ihm so etwas Magisches verliehen. Einen Zauber, der sich im Wohnzimmer zu verbreiten begann, je länger das Spiel andauerte.
Hermione war fasziniert davon und betrachtete abwechselnd das Lichtspiel, wie auch das Döschen, welches auch weiter diese verträumten Klänge frei gab, bevor sie zurück zu Draco blickte. In den Augen ein ähnliches Leuchten wie das des kleinen Mädchens in der Winkelgasse, die ihm diese Idee beschert hatte.
„Gefällt es dir?“ „Ja. Das ist wundervoll“, hauchte sie verzaubert und beobachtete kurz wieder das Lichtspiel, bevor sie ihre Konzentration versuchte auf Draco zu fixieren.
„Wo um alles in der Welt hast du das her? So etwas hab ich noch nie irgendwo gesehen.“ „Kannst du auch schlecht. Das Lichtspiel ist ein alter Zauber, den ich auf das Döschen gesprochen habe. Das Döschen selbst hab ich in einem Geschäft der Winkelgasse gefunden und die Musik, die . . . die ist von mir“, erklärte er den letzten Teil vorsichtig, worauf sie große Augen bekam.
„Wie, von dir? Jetzt sag mir nicht, du kannst Klavier spielen?“ „Ein bisschen.“ „Ein bisschen? Draco, das ist kein bisschen, das ist . . . ist. . .“ Sie wusste nicht was sie dazu sagen sollte und sah wieder gebannt auf die selbsterschaffene Spieluhr, bevor ihr Blick zurück zu ihm glitt.
„Das ist wundervoll. Wie bei Merlin bist du auf so etwas Originelles gekommen? Ich mein. . . Das Buch ist ja schon atemberaubend.“ „Na ja, ich dachte mir ein bisschen ruhige Musik und warmes Licht am Abend beruhigen dich etwas, damit du vernünftig schlafen kannst. Und da. . .“ Der Rest seines Satzes erstickte, als Hermione ihm ohne Vorwarnung um den Hals fiel und fest in die Arme schloss. Dabei gab sie ihm noch einen Kuss auf die Wange, bevor sie ihm abermals „Danke“, ins Ohr hauchte. Zeitgleich stahlen sich einzelne Tränen in ihre Augen, die sie leise schniefen ließen, während sie sich auch weiter an ihm fest hielt und ankuschelte.
„Ich habe noch nie etwas so Schönes, Persönliches bekommen. Ein Klavierstück nur für mich und . . . und. . . Oh, Draco!“, schniefte sie ihm wieder in die Schulter. Glücklich. „Du bist wundervoll, weißt du das?“, schwärmte sie, in Anbetracht der Tatsache, was er mit diesem Geschenk letztlich bezweckte. Nämlich ihr zu helfen ihre unruhigen Nächte loszuwerden. Eine derartige Geste war mit keinem Gold der Welt aufzuwiegen.
„Freut mich, dass es dir gefällt.“ „Ich liebe es“, hauchte sie und sah ihn schließlich wieder an, wo ihr nun doch noch ein paar Tränchen aus den Augenwinkeln rannen, die er ihr zufrieden beiseite strich.
„Dann hab ich ja alles richtig gemacht. Und jetzt lass uns frühstücken gehen. Blaise will dich sicher auch noch überfallen“, lachte er. Hermione nickte, schnappte sich seine Geschenke und brachte sie rasch in ihr Zimmer, wo sie die Blumen mit frischem Wasser versorgte und zu den anderen stellte. Ihr Blick fiel dabei nochmal auf die Rose, die auch weiter in voller Blüte stand, was sie glücklich lächeln ließ. Irgendetwas würde sicher bald passieren. Dessen war sie sich sicher.
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„HERMIONE!“, donnerte Blaise wie befürchtet quer durch die Halle, als sie mit Draco in dieser eintraf. Letzterer neigte sich neckisch zu ihr, um ihr ins Ohr zu flüstern.
„Hab ich’s nicht gesagt?“ Daraufhin sah sie ihn schmunzelnd an, als auch schon Blaise bei ihr war und sie in eine feste, herzliche Umarmung zog, bei der sie etwas den Boden unter den Füßen verlor.
„Alles, alles Gute zum Geburtstag, Prinzessin“, überschlug er sich halb und küsste sie stürmisch auf die Wange. „Danke, Blaise“, meinte sie lachend, als im Kommenden Charlie zu ihr trat und sie ebenfalls fest in die Arme schloss „Alles Gute zum Geburtstag. Mögen all deine Wünsche in Erfüllung gehen.“ Dem Ginny folgte „Von mir auch alles Gute“, wie auch Harry, Neville sowie Luna, die die Gryffindor herzten, während Ron etwas verloren und recht argwöhnisch abseits der Traube stand. Kurz darauf schlug er sich mit der flachen Hand ins Gesicht, denn er hatte ihren Geburtstag total vergessen. Eigentlich die Gelegenheit sich ihr wieder etwas anzunähern, womit er es jetzt erst einmal vorzog, zwischen seinen Mitschülern, im morgendlichen Gewusel der Halle, zu verschwinden. Hermione und die Anderen hatten ihn auch so nicht weiter bemerkt. Nicht zuletzt auch, da Blaise die Aufmerksamkeit aller verschwörerisch auf sich zog.
„Dein Geschenk bekommst du heute Abend“, versprach er mit einem hellen Funkeln in den Augen, den Hermione genauso sanft mahnte wie Draco. „Ihr sollt mir nichts schenken. Das hab ich Draco schon gesagt.“ „Tja, du kriegst trotzdem ein Geschenk. Etwas ganz Spezielles.“ „Muss ich mir Sorgen machen?“, sah Hermione skeptisch zu Charlie, der kurz grinsend zu Blaise blickte.
„Ansichtssache. Du kennst ihn doch. Aber es gibt schlimmeres.“ „EY!“, meckerte Blaise, während Ginny lachte und sich ihre Freundin ran zog. „Es wird dir gefallen. Glaub mir. Er hat sich wirklich sehr viel Mühe gemacht“, pries sie Blaise an, der Stolz die Brust reckte. „Du wirst diesen Tag nie vergessen und immer in Ehren halten“, versprach er dann noch, worauf die Gryffindor nickte.
„Okay. Ich lass das jetzt mal so im Raum stehen“, resümierte Hermione schmunzelnd, während Ginny auch weiter wissend grinste. Offensichtlich war sie nur zu gut im Bilde über Blaise’ Überraschung. Momentan interessierte sich die Rothaarige aber für etwas anderes, als sie sich bei Hermione unter hakte und die Mädchen heute wieder den Tisch der Schlangen zum Frühstück ansteuerten.
„Was hast du denn von Mr. Malfoy bekommen?“, erkundigte sie sich neckisch grinsend und sah neugierig auf den Blonden. „Geheimnis“, meinte der, während Hermione „Ich zeig’s dir später“ in Ginnys Ohr flüsterte, die sich innerlich die Hände rieb.
„Schokolade?“ „Diesmal nicht“, lachte Hermione und nahm Platz, um sich ihr Frühstück schmecken zu lassen. Als sie mitten drin waren, rauschten nach und nach auch die Eulen an, die ihnen unter anderem die Zeitung brachten.
So gefiel Hermione das. Frisches Rührei, Tee, Saft, warme Brötchen und die Morgenzeitung. Ein beständiges Ritual, was nur wenige pflegten. Von den Löwen sah außer ihr so gut wie keiner in die Zeitung. Bei den Schlangen sah das schon etwas anders aus. Da waren Draco, Charlie, Astoria und Daphne. Aber auch Theo steckte seine Nase morgens bei einem Tee meistens in den Tagespropheten. So auch heute.
Als sie den Propheten aufrollte und einen Blick auf die Tagesschlagzeile warf, wurde sie schlagartig bleich aufgrund des riesigen Aufhängers.
*Massenausbruch aus Askaban*
Keine Sekunde später scherbelte es, als Draco die Tasse aus der Hand glitt. Theo prustete seinen Tee wieder aus und damit auf seine Zeitung als er den Titel las, während Charlie Blaise blind am Ohr zog damit er, statt Ginny anzuglotzen, seine Nase lieber in die Zeitung steckte. Kurz darauf gab der Dunkelhäutige ein erstickendes Geräusch von sich, als ein großes Stück seines halb zerkauten Brötchens nicht in der Speise-, sondern Luftröhre landete.
„Nein. Nein, nein, nein, nein“, stammelte Draco und blätterte hastig zu dem Großartikel wo er las, was er nicht lesen wollte. Er war mit dabei. Merlin, er war mit unter den Flüchtigen, genauso wie Yaxley, Travers, Jugson, Crabbe und Goyle Sr., die Carrows und noch einige andere.
Inzwischen war auch Hermione an der Seite angelangt, während Ginny ihr, mit offen stehendem Mund, ähnlich bleich über die Schulter linste. Sie war genauso sprachlos wie die Anderen, als noch eine Eule angeflattert kam und etwas flapsig einen Brief zwischen Hermione und Draco fallen ließ. Zeitgleich brachen laute Streitgespräche vorne am Lehrertisch los, denen Ginny als Einzige kurz Beachtung schenkte.
Dort stand die Muggelkundeprofessorin gefährlich vor Tonks aufgebaut und keifte die Aurorin wütend an, wo Ginny nur etwas heraus hörte von wegen „. . . haben wir nun alle davon, dass Sie DEM freies Geleit lassen!“, deutete sie gefährlich anklagend in die Richtung ihres Tisches, wo Ginny nur zu klar war wen sie meinte.
„Wahrscheinlich hat er in der Knockturn alles für diesen Ausbruch in die Wege geleitet!“, klagte sie weiter an, wo Tonks nun ihrerseits wütend widersprach. „Wir waren nie in der Knockturn! Wie kommen Sie überhaupt darauf?“ „Er hat es doch quasi freizügig zugegeben!“, blaffte Monroe zurück, wo sich Minerva nun auch noch erbost dazwischen schaltete „Es reicht!“, was dennoch zu spät schien, denn in der Halle begann sich ein gefährlicher Druck aufzubauen, je mehr ihre Köpfe in die wenigen Zeitungen steckten und so ihre eigenen Schlüsse zogen, die noch zusätzlich Nahrung durch die Worte der Professorin bekamen.
Ginny dann mal unsicher zu Harry und den Anderen rüber, bei denen Seamus inzwischen war und ihnen die Zeitung auf den Tisch knallte. Sein Blick lag stechend auf Draco, der seinerseits den Tagespropheten wütend zusammenknüllte, auf den Tisch warf und aus der Halle stürmte.
Hermiones Kopf flog in seine Richtung, wie auch der von Blaise und Charlie, bevor sie ebenfalls auf den Beinen war, um ihm zu folgen. Den kleinen Brief ramschte sie nur schnell an, der achtlos, halb zerknittert in ihrem Umhang verschwand. Keine fünf Sekunden später war sie weg, dicht gefolgt von Blaise und Charlie.
Die übrigen vier Schlangen sahen sich wiederum verunsichert an, bevor sie ihre Blicke durch die Halle wandern ließen. Die Anderen funkelten sie inzwischen auf eine Art und Weise an, als wollten sie sie auf dem Scheiterhaufen brennen sehen, wo es dann nur noch eine Sache von wenigen Augenblicken war, bis erste verbale Verwünschungen durch die Halle flogen.
„RUHE!“, donnerte Minerva daraufhin mit magisch verstärkter Stimme, um dem aufkommenden Tumult Einhalt zu gebieten. „Herrschaften, Bitte! Beruhigen Sie sich wieder. Mir ist bewusst, dass Sie dieser Artikel äußerst erregt. Diese Sache hat aber nichts mit ihren Mitschülern zu tun!“ „Und woher wollen Sie das wissen?!“, keifte Megan verhasst, der viele nickend beipflichteten.
„Der alte Malfoy ist laut der Liste auch mit dabei! Das Frettchen hat da doch garantiert seine Pfoten im Spiel!“, meinte sie weiter und bekam massenweise zustimmende Rufe „Ja, genau!“ „Malfoy steckt dahinter!“ „Wer weiß, was er jetzt wieder plant!“, was Ginny platzen ließ. Mehr noch als sie sah, wie Harry zu grübeln begann.
„Ihr habt doch alle einen Vollschaden, wenn ihr das wirklich glaubt!“, schrie sie ihre Mitschüler an und lenkte so die Aufmerksamkeit aller auf sich. „Draco hat seinen Vater damals im Mai selbst aufs Kreuz gelegt. Harry hat es gesehen, nicht wahr?!“, sah sie böse zu ihm rüber, worauf er schluckte, dann aber nickte da es stimmte, womit sich Ginny weiter Luft machte.
„Genauso mindestens noch fünf andere auf dieser scheiß Liste. Schaltet zum Teufel nochmal euer Hirn ein! Was für ein Interesse sollte er daran haben denen zur Flucht zu verhelfen, wo sie ihm alle sicherlich äußerst Dankbar dafür sind, dass er sie verraten und bekämpft hat?!“, sprach sie eine Tatsache an, die sie in der nächsten Sekunde bleich werden ließ, als sie diesen Gedanken weiter spann.
Draco hatte sie verraten. Richtig verraten und hintergangen und auch während der Schlacht akribisch bekämpft. Etwas, was sie mit Sicherheit nicht so ohne weiteres auf sich sitzen ließen. Am allerwenigsten sein Vater.
„Miss Weasley hat Recht. Es gibt keinerlei Beweise für derartig haltlose Unterstellungen!“, sah Minerva kurz böse durch die Halle, bevor ihr Blick ähnlich aufgebracht bei Diana Monroe hängen blieb, die verächtlich schnaubte, als Kevin noch motzte: „Klar gibt es die! Der Arsch hat uns vor ein paar Tagen selber noch großkotzig erzählt, dass er irgendwas vorhat. Er will sich irgendwas Wertvolles unter den Nagel reißen. Vielleicht irgendwas Altes, Magisches, mit dem er uns allen schaden will!“, platzte Kevin dann auch noch weiter mit Rons Vermutung heraus, wo sich Ginny erneut wütend dazwischen klinkte.
„Wie blöd bist du? Erstens, was soll das sein? Und zweitens, wenn es an dem wäre, wäre Draco sicher nicht so dämlich irgendwem was zu sagen. Am allerwenigsten dir!“, fauchte sie, worauf Kevin sauer das Gesicht verzog und zurück ätzte: „War ja klar, dass du den verteidigst. So viel ich weiß, hast du ja offensichtlich auch eine Schwäche für dieses widerwärtige Schlangenpack“, sah er abwertend auf die übrigen vier Schlangen an ihrem Tisch, bevor er noch dreckig anfügte: „Den Gerüchten zufolge hast du dich bei denen ja auch schon durch sämtliche Betten gevögelt“, was Theo zu viel wurde.
Noch bevor Ginny darauf reagieren konnte oder gar Harry, hatte der Slytherin bereits seinen Zauberstab gezogen und Entwhistle einen Fluch entgegen geschleudert, der dem des Flederwicht ähnelte. Allerdings war dieser noch gemeiner, mit seinen scharfen Krallen und spitzen Zähnen, mit denen die Erscheinung Kevin begann heimzusuchen, der nun schreiend durch die Halle stürzte, bis Professor Dippet sich erbarmte und den Fluch auslöschte, sich seinen Kommentar aber sparte.
Ginny sah auf den Angriff recht perplex zu dem dunkelhaarigen Slytherin, in dessen Augen es wütend funkelte. Sie konnte auf den Anblick nicht anders als zu lächeln, womit Minerva erneut das Wort ergriff. Und das nach wie vor wütend.
„Wenn Sie nichts Konstruktives vorzubringen haben, Mr. Entwhistle, würde ich Ihnen empfehlen in Zukunft Ihren Mund zu halten! Mr. Nott, Sie möchte ich dann noch kurz sprechen. Und alle anderen benehmen sich entsprechend! Wir sind eine Schule und kein Tollhaus. Die meisten von Ihnen sind alt genug, um dies zu wissen. Ich will nichts mehr hören, bezüglich irgendeiner Anschuldigung, irgendwelcher Gerüchte, Spekulationen oder sonstige wilde Vermutungen. Haben wir uns verstanden?!“, donnerte Minerva und sah abermals böse in die Runde, was mit widerwilligen Murren zur Kenntnis genommen wurde. Schließlich fiel ihr Blick auf Theo, der bereits schluckte.
„Mr. Nott“, rief sie ihn, dem sich Ginny noch zuwandte. „Du hättest das nicht tun müssen. Mit dem Idioten wär ich alleine klargekommen.“ „Ich weiß. Für deinen Flederwicht bist du schließlich berüchtigt. Aber das war einfach nur mies und. . . Ich glaube, wenn Blaise da gewesen wäre, der hätte Entwhistle noch was ganz anderes angehext“, grinste er schwach, was Ginny matt lächeln ließ.
„Wenn McGonagall dir irgendwas an Strafarbeiten aufgeben sollte, sag’s mir, dann helf ich dir. Immerhin ist es meine Schuld.“ „Ah, schon gut. Wer wie ein Löwe brüllt muss halt auch wie einer einstecken“, meinte er leicht grinsend und kratzte sich etwas verlegen am Hinterkopf, während Ginny lachte und sich die Schlange unverhofft ran zog, die sich daraufhin ein wenig versteifte. Allerdings war es nur eine kurze Umarmung bis sie ihn wieder los ließ, ansah und meinte: „Ich freu mich schon auf die nächste Kerkerparty.“ Kurz darauf trat sie zu Harry und den anderen beiden, um denen Notfalls noch etwas den Kopf zu waschen. Rons missachtenden Blick verstärkt im Rücken.
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Weg. Mal wieder. Aber nach dem Theater und allem, was dieser Bericht mit sich brachte, bedeutete. . . Für ihn, sie, aber auch die anderen Slytherins, da war es kein Wunder, dass ihm scheinbar etwas die Sicherungen durchgebrannt waren. Hermione hoffte nur inständig, dass diese Sache jetzt nicht zu sehr zum Keimen kam. Einmal in Draco selbst, hauptsächlich aber in den Köpfen der Anderen, die sich sicher bereits zur Genüge ihren Teil dachten.
„Lass uns draußen nachsehen“, schlug Blaise vor, der gehörig seine Zweifel daran hatte, dass sich der Blonde irgendwo im Schloss verkrochen hatte, wo ihm jetzt sicher einige gerne was husten würden. Hermione nickte dann auch schon, sodass sie auf den Ländereien verschwanden und nach ihm suchten. Letztlich kamen sie am See heraus, an dem sie ihn auch fanden. Er stand am Ufer und pfefferte ziemlich sauer Stein um Stein in das tiefe Gewässer.
„Hey“, hauchte Hermione, kaum dass sie bei ihm war und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Ich hätte ihn töten sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte“, knurrte der Blonde wütend und warf einen weiteren Stein in den See. Den Blick nach wie vor auf einen Punkt, weit hinter dem See fixiert. Mehr noch aber wohl in der Vergangenheit, worauf sich die Drei kurz unschlüssig ansahen, bevor Hermione sich wieder an ihn richtete.
„Deswegen hätte dieser Ausbruch sicherlich auch stattgefunden und. . .“ „Er ist gefährlich. Genauso die Anderen.“ „Die Auroren werden den Sauhaufen sicher bald finden“, meinte Charlie, dem Blaise nickend beipflichtete. „Genau. Sie haben doch nichts und können auch nirgends hin.“ „Ach nein?“, sah Draco unheilvoll zu seinem Freund.
„Wenn sie nichts hätten, hätten sie nicht fliehen können. Darüber hinaus müssen sie Hilfe gehabt haben. Und diese Hilfe werden sie garantiert auch weiter haben. Davon abgesehen weißt du genau wie viele Landhäuser meine Familie besitzt. Vor allem nicht registrierte, unortbare. Und alle sind durch den gleichen Blutbann geschützt wie das Manor, sodass sie dem Alten zugänglich sind und all jenen, denen er es gestattet.“ Daraufhin schluckten die Drei, bis Hermione einwandte: „Aber du und deine Mutter seid auch Malfoys. Ihr könntet doch die Auroren dort Willkommen heißen“, argumentierte sie. Draco schnaubte.
„Wenn es so einfach wäre, denkst du nicht, ich hätte dann mal eher jemandem Zutritt zum Manor verschafft, damit dieser ganze Wahnsinn ein Ende nimmt? Lucius ist, so lange er lebt, trotz allem auch weiter das Familienoberhaupt und damit führende Person unseres Clans. Er kann meiner Mutter, weniger noch mir, den Zutritt zum Manor zwar nicht verweigern, allerdings hat sein Wille die ausschlaggebende Kraft. Er müsste diese Position magisch an mich abtreten, damit ich ungehindert über alles verfügen kann. Meine Mutter hat in jedem Fall aber nur einen begrenzten Spielrahmen, da sie eine geborene Black ist. Der Blutbann des Manors ist direkt mit unserem Blut verwoben. Mit meinem oder dem von Lucius. Und da ich leider so dumm war und ihn lieber in Askaban schmoren lassen wollte, als ihn zu töten, hat er auch weiter unbegrenzten Zugriff auf alles. Und jetzt, wo er sicherlich wieder seine Magie spielen lassen kann, wird er daraus auch seinen Nutzen ziehen“, knurrte er, womit der nächste Stein flog und in einem dumpfen Plumps im See verschwand.
„Denkst du wirklich, dass sie sich bei euch verkrochen haben?“, warf Blaise skeptisch ein. „Keine Ahnung. Aber es bietet sich leider an“, seufzte Draco und fuhr sich fertig durch die Haare.
„Vielleicht redest du mal mit Tonks über alles?“, schlug Charlie vor. „Es bringt schließlich nichts, wenn wir uns jetzt hier die Köpfe über irgendwelche Eventualitäten zerbrechen. Sollte sich Lucius tatsächlich Zutritt zum Manor verschafft haben, oder sonst einem eurer Landhäuser, dann wäre das Scheiße, aber erstmal kein Weltuntergang. Es sind doch auch nur zwölf.“ „Zwölf von denen wir wissen“, resümierte Draco, was Charlie zwar benickte, dann aber weiter meinte: „Die Auroren sind trotzdem besser gestellt. Sie werden denen sicher zeitnah das Handwerk legen. Rede mit Tonks. Sie wird durch Lupin sicher auch Informationen aus erster Hand haben. Dann wissen wir mehr. Das Ganze ist sicherlich nur ein kurzer Spuk. Ein letztes Aufflackern, immerhin ist das eigentliche Problem im Mai endgültig vernichtet worden“, brachte Charlie die Sache nochmal auf den Punkt.
„Grübeln bringt nichts.“ „Er hat Recht“, meinte Hermione auch nochmal und nahm den Blonden schließlich bei der Hand. „Lass uns mit Tonks reden und dann können wir noch immer weiter sehen.“
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Als die Vier ein wenig später wieder im Schloss waren, liefen sie auch schon in die nächste Katastrophe hinein, denn einige, nicht gerade wenige, kreisten auf dem Gang die drei Schlangen mit ihrer Löwin vermehrt ein. Unter den führenden Angreifern war erneut Kevin mit Justin, die gefährlich mit ihren Zauberstäben auf Draco deuteten.
„War es das, was du die ganze Zeit vorhattest, Malfoy? Diesen Abschaum aus Askaban zu befreien?“, schnaubte Kevin. „Du hast doch einen Schaden, Entwhistle“, zischte Draco und funkelte den Ravenclaw gefährlich an. Dieser schnaubte abermals und sah in die Runde, die gespickt war mit verachtenden Blicken, wie auch gezückten Zauberstäben, bevor er wieder auf Draco schaute. Im Gesicht ein schiefes Grinsen.
„Was denkt ihr, Leute? Sollten wir diesem wertlosen Todesser mal zeigen, was wir von ihm und seinen Taten halten?“, fragte er in die Runde, worauf ein zustimmendes Brummen durch die Reihen der knapp zwei Dutzend Schüler ging, die den Kreis um die Vier sofort enger zogen, was auch auf die Freunde zu traf. Die drei Jungs standen in einem minimalen Kreis schon fast Rücken an Rücken und hatten dabei die zierliche Gryffindor abgeschirmt in ihrer Mitte, der diese Position allerdings alles andere als Recht war. Dass die Jungs sie schützen wollten, war ihr klar, nur brauchte sie keinen Schutz! Sie konnte ganz gut auf sich selber aufpassen. Davon abgesehen stand weniger sie im Schussfeld, sondern Draco.
Er, wie auch Blaise, Charlie und Hermione selbst hatten bereits ihre Zauberstäbe gezogen, als die ersten Flüche in ihre Richtung donnerten, die die Jungs problemlos abwehrten.
„Du spielst mit dem Feuer, Entwhistle, wenn du nicht sofort mit dem Scheiß aufhörst und deine Affen zurück pfeifst!“, knurrte Draco und fixierte den Jungen giftig, als Justin einen neuen Fluch in seine Richtung schleuderte, den der Blonde aus dem Handgelenk heraus abwehrte, ohne den Blick wirklich von Kevin zu lassen. Auf den Angriff sah er aber mal dunkel zu Justin, der stinkig das Gesicht verzog, da er keinen Treffer gelandet hatte.
„Das Gleiche gilt für dich, Fletchley. Ich kann auch anders“, raunte er tief. Kevin lachte daraufhin dreckig. „Wie anders wissen wir ja“, höhnte er und zog Dracos Aufmerksamkeit abermals auf sich. „Du weißt nichts von mir, geschweige denn über mich. Du bist für mich nicht mehr als ein Made, Entwhistle. Eine, die ich problemlos zerquetschen könnte, wenn ich wollte.“ „Draco!“, flüsterte Hermione ihm mahnend zu, da seine Worte nur missverstanden werden würden, wenngleich sie ganz genau wusste was er meinte, mehr noch, dass er damit vollkommen Recht hatte. Diese Dummköpfe hatten in der Tat keine Ahnung auf was sie sich einließen, wenn sie ihn provozierten. Unglücklicherweise würde es nur negativ auf Draco zurückfallen, wenn er seine Fähigkeiten richtig zur Geltung brachte und sich damit den nötigen Respekt verschaffte.
„Oh, nur zu. Tu dir keinen Zwang an. Verfluch mich“, breitete Kevin einladend die Arme vor ihm aus und grinste triumphierend. „Tu der Gemeinschaft einen Gefallen und verfluch mich“, meinte er weiter, was Hermione zu irritieren begann, bevor ihr ein fürchterlicher Gedanke kam. Diese Idioten wussten doch nicht etwa von seinen Auflagen? Das wäre äußerst fatal.
„Du willst nicht? Hast eben doch nur die große Klappe“, gab Kevin ätzend von sich und schleuderte ihm einen neuen Fluch entgegen, worin auch Justin und noch drei andere einstimmten. Die Salven flogen alle auf Draco, die sie zu viert aber problemlos abgewehrten, bevor sich Hermione versuchte zwischen den Jungs hervorzuschieben, um diesem Irrsinn ein Ende zu setzen.
„HÖRT ENDLICH AUF!“, schrie sie, doch die Drei, vornehmlich Draco, drängten sie erneut hinter sich, was sie langsam verzweifeln ließ. Das Ganze würde noch so weit gehen, dass irgendwer, und sie hatte kaum Zweifel daran, dass es ihre Jungs waren, im Krankenflügel landete, sodass sie sich kurz sammelte und ihren Patronus frei setzte, der in den Gängen verschwand.
„Wollen doch mal sehen, wie lange du dich diesmal hältst, Malfoy“, grinste Kevin dreckig und nickte den Anderen etwas zu, worauf Hermione den Jungs „Expelliarmus“ zuflüsterte. So bekamen sie zwar nicht alle außer Gefecht gesetzt, allerdings würde es vielleicht genügen, Kevin und Justin lahmzulegen, damit die Anderen auch aufhörten. Hoffentlich.
Die Vier führten den Zauber schließlich gezielt und zudem stumm aus, während ihre Kontrahenten noch damit beschäftigt waren, ihre Flüche zu murmeln, aber nicht mehr zu einem Ende kamen. Es gab einen Hieb, auf den vier Zauberstäbe zu den Freunden flogen.
„Scheiße“, zischte Kevin und hielt sich etwas die rechte Hand, die ihm durch den plötzlichen Ruck leicht schmerzte, bevor er die Anderen anbrüllte: „Macht den fertig!“, worauf abermals vereinzelt Flüche in die Richtung der Schlangen flogen, die sie auch weiter abwehrten oder zurückprallen ließen. Schließlich schlug vollkommen unverhofft aus einer anderen Richtung ein Fluch zwischen den Pulk der Schüler ein, die erschrocken zurückwichen.
„HABT IHR SIE NOCH ALLE!?“, donnerte Tonks wütend, die Haarpracht purpurrot. Mit bei ihr war Professor Dippet, dessen Blick dunkel über die Schar an Schülern glitt, die er kaum alle mit den Augen erfassen konnte. Die stürzten auf den Anblick der Beiden sofort kopflos davon, um sich dem Ärger zu entziehen, was auch auf Kevin und Justin zutraf. Keine Minute später war der Gang wieder leer. Inzwischen war Tonks bei den Freunden und erkundigte sich besorgt. Die Haare nun weiß.
„Seid ihr verletzt?“ „Nein, alles in Ordnung.“ „Merlin, haben die jetzt alle den Verstand verloren?“, muffelte Tonks und sah zu ihrem Cousin. „Wo warst du eigentlich? Ich hab dich gesucht. Wir müssen reden!“, meinte sie ernst, was Draco schnauben ließ.
„Ich hab nichts mit dem Scheiß zu tun!“, fuhr er sie sauer an, worauf sie nickte und wieder etwas ruhiger meinte: „Das weiß ich doch. Trotzdem müssen wir reden, da dein Vater. . .“ „ERZEUGER!“, schrie er sie an, was sie blinzeln ließ, bevor sie weiter meinte: „. . . was auch immer, mit unter den Flüchtigen ist.“ „Und das ist jetzt meine Schuld?!“, motzte er aufs Neue, da es ihm einfach zu viel war.
„Nein. Jetzt hör mir doch mal zu. Wir wissen beide wie gefährlich die sind und da dein Va. . . da Lucius mit unter ihnen ist, da. . . Hast du eine Idee wie sie vorgehen könnten? Überhaupt was sie vorhaben könnten? Oder wer ihnen geholfen hat?“ „Nein“, stöhnte er matt und rieb sich über die Schläfe. Diese Sache bereitete ihm zunehmend Kopfschmerzen.
„Ich denke, Sie sollten erst einmal mit Minerva reden, um Eventualitäten zu klären. Selbst kleine Hinweise können nützlich sein“, mischte sich Dippet dazwischen und sah schließlich zu Draco, der ihn düster taxierte.
„Vorher aber. . . Können Sie uns sagen, wer Sie alles angegriffen hat? Ich denke, es steht außer Frage, dass wir ein derartiges Treiben zu unterbinden haben“, meinte er und nahm sich schließlich die erbeuteten Zauberstäbe der Vier.
„Auf alle Fälle Entwhistle und Fletchley“, begann Draco. „Baldwin, Garmin und Weber“, ergänzte Blaise, da er die Drei direkt vor der Nase hatte. „Simmons, Donavan, Stone“, meinte dann noch Charlie. „Murray, glaube ich auch“, vervollständigte Hermione die Liste. „Die Anderen haben, so weit ich das gesehen habe, nicht gezaubert.“ „Schlimm genug, dass sie nicht eingegriffen haben“, meckerte Tonks, dem Dippet nickend beipflichtete.
„Ich werde Sie erst einmal in Ihre Klasse begleiten und dann reden wir vielleicht nochmal wegen der Störenfriede“, richtete er sich an Hermione, Blaise und Charlie, während sich Tonks Draco schnappte. „Und du kommst mit zu Minerva, damit wir in Ruhe alles durchgehen können. Unter Umständen kann uns Snape auch irgendwie weiterhelfen.“ „Wenn’s sein muss“, murrte Draco und fügte sich vorerst dem Willen seiner Cousine, während Dippet die anderen Drei bei Professor Quent ablieferte. Dracos Fehlen warf in der Klasse dann aber sofort wieder die ersten, unheilvollen Fragen auf.
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„Weißt du was mit Mom ist?“, erkundigte sich Draco matt auf dem Weg ins Schulleiterbüro. „So weit ich weiß, hat Remus sie kurz nach dem Ausbruch informiert. Sie ist derzeit bei meiner Mutter. Ihr fehlt nichts, keine Sorge“, beruhigte sie ihn.
„Das Manor müssen sie dann auch versucht haben zu versiegeln, aber die Zauber haben alle nach kurzer Zeit wieder ihre Wirkung verloren.“ „Wundert dich das?“, resümierte Draco geschlagen, als sie an Minervas Tür waren, an die Tonks klopfte. Kurz darauf waren sie drin.
„Da sind Sie ja endlich. Nehmen Sie bitte Platz“, wies Minerva die Beiden an, bevor sie selbst hinter ihrem Tisch Platz nahm und ernst auf Draco blickte. „Ich denke, es steht außer Frage, dass dieses Ereignis alles andere als günstig für Sie verläuft. In der letzten Stunde sind bereits sehr erregte Briefe bei mir eingegangen.“ „Jaah, weil ich der große, böse Todesser bin, der mal wieder seine Finger im Spiel hat“, knurrte Draco sarkastisch und rutschte angefressen in seinem Sessel zusammen.
„Wir wissen, dass dem nicht so ist“, mischte sich Albus beruhigend dazwischen, dem Draco einen kurzen, stinkigen Blick zukommen ließ. „Was es ja auch sooo viel besser macht!“, zischte er, worauf Tonks neben ihm die Augen verdrehte. Allerdings sagte sie nichts, sodass sich Minerva wieder zu Wort meldete.
„Ich habe bereits mit Severus gesprochen, über eine mögliche Vorgehensweise, nach der die Flüchtigen handeln könnten. Davon ausgehend, dass sie sicher erst einmal einen sicheren Unterschlupf suchen werden. Fällt Ihnen dahingehend vielleicht etwas ein, Draco?“ „Da gibt es dutzende Möglichkeiten. Angefangen beim Manor über unsere ganzen Landhäuser. Und alle sind durch den Blutbann für einen Außenstehenden unzugänglich. Zumindest unsere Familiengrundstücke.“ „Könnten Sie uns diese nennen? Es wäre zumindest ein Ansatz wo die Auroren suchen können“, erbat Minerva, worauf Draco seufzte.
„Haben Sie etwas zum schreiben?“ „Natürlich“, nickte die Direktorin und reichte ihm Pergament und Tinte. Kurz darauf begann er sämtliche Grundstücke mit ihren Ortsangaben zu notieren, als sich etwas in Minervas Kamin regte, in dem völlig unverhofft Umbridges Kopf auftauchte.
„Öffnen Sie den Zugang zu Ihrem Büro!“, forderte sie ohne Begrüßung oder sonstige Erklärungen, worauf Draco die Spitze des Federkiels zerdrückte. Kurz darauf flog sein Kopf in die Richtung der rosa Kröte, die ihn mit gerümpfter Nase betrachtete.
„Ah! Da haben wir ja den Verantwortlichen für dieses Desaster. Öffnen Sie augenblicklich den Kamin, Professor McGonagall!“, forderte sie mit noch mehr Nachdruck, dem sich Tonks trotzig entgegen stellte. „Mit welcher Begründung?“ „Ich habe nicht mit Ihnen gesprochen, Mrs. Lupin“, blickte sie abfällig zu Tonks, bevor die Dauerwelle ihre Konzentration wieder auf Minerva legte.
„Öffnen Sie den Zugang, andernfalls sehe ich es als Widersetzung einer Amtshandlung an. Damit machen Sie sich strafbar!“ „Merlin nochmal“, stöhnte Minerva, kam der aufdringlichen Aufforderung dann aber nach, womit neben Umbridge selbst noch zwei kräftige Männer im Büro der Direktorin erschienen. Draco erkannte sie wieder. Es waren die gleichen wie letztens, als sie ihn zu dieser dämlichen Anhörung ins Ministerium geschleppt hatten.
„Was wollen Sie?“, begann Tonks von vorn und baute sich schützend vor Draco auf. „Ich denke, das liegt auf der Hand! Wir haben mit Mr. Malfoy zu reden, bezüglich des Ausbruches, wie auch seiner Mittäterschaft. Dahingehend werden wir ihn zu einem Verhör mitnehmen und. . .“ „Gar nichts werden Sie!“, fuhr Minerva ihr erbost dazwischen, zu der Draco dankbar sah.
„Welcher Hippogreif hat Sie bitte geritten anzunehmen, er hätte etwas mit dem Ausbruch zu tun?“ „Ist das nicht offensichtlich?“, flötete Umbridge und sah beinahe triumphierend auf den Blonden. „Allein von dem Fakt ausgehend, dass sein Herr Vater unter den Flüchtigen ist. . .“ Daraufhin begann es gefährlich in Draco zu brodeln. Tonks sah es. Sie sah, dass er die Hände zu Fäusten ballte und das so sehr, dass die Sehnen überdeutlich hervortraten. Genauso funkelte es unheilvoll in seinen Augen, die ihr dunkler erschienen als sie es sollten, was noch schlimmer wurde, je mehr Umbridge von sich gab.
„. . . wurde er vor ein paar Tagen auch in der Winkelgasse gesehen. Und zwar den Zeugenaussagen nach in eine heftige Streitigkeit verwickelt. Die Vermutung liegt da berechtigterweise äußerst Nahe, dass er seine unrechtmäßige Freiheit dazu genutzt hat, die Flucht verbliebener Todesser in die Wege zu leiten.“ „Ja, genauso wie er auf einen angeblich wehrlosen, unbescholtenen Mann grundlos eingeschlagen hat?“, schnarrte Tonks und funkelte Umbridge sauer an. Diese zuckte nur mit den Schultern und gab ein kieksiges Geräusch von sich, bevor sie zurück auf Draco sah.
„Sie werden uns zu einem Verhör ins Ministerium begleiten.“ „Das wird er nicht!“, pfuschte ihr Tonks wieder dazwischen. „Erstens, kann ich bezeugen wo er am Sonntag in der Winkelgasse was, wann, wie und warum getan hat und zweitens sehe ich keinerlei genehmigte Vorladung! Ich werde nicht zulassen, dass Sie ihn aufgrund irgendwelcher haltloser, beweisloser Anschuldigungen mitnehmen und am Ende vielleicht verschleppen!“, funkelte die Aurorin das rosa Knallbonbon gefährlich an und baute sich noch weiter schützend, wie eine Löwin vor ihrem Jungen, vor ihrem Cousin auf. Minerva tat es ihr gleich.
„Mrs. Lupin hat ganz Recht. Ich sehe keinerlei Anlass für eine derart übertriebene Handlungsweise. Zumal sich Mr. Malfoy zum Zeitpunkt der Flucht im Schloss aufgehalten hat. Das kann ICH bezeugen“, schob sich Minerva vor, was Umbridge die Nase rümpfen ließ, als sich erneut etwas im Kamin regte.
„Minerva? Kannst du den Kamin öffnen? Ich muss dringend mit euch sprechen“, echote die Stimme von Remus durch den Raum, dessen Kopf die Direktorin schließlich in den grünen Flammen entdeckte.
„Er ist offen, Remus. Wir haben bereits Besuch aus dem Ministerium hier“, zischelte sie, worauf er stöhnte. Kurz darauf verschwand sein Kopf. Stattdessen stiegen keine zwei Sekunden später die Flammen verstärkt auf und offenbarten seine Erscheinung im Kamin, womit er augenblicklich erkannte wen Minerva meinte.
„Mrs. Umbridge“, raunte er alles andere als freundlich und trat schließlich zu seiner Frau, wo ihm nun auch Draco ins Auge fiel.
„Du bist auch hier. Das ist gut. Wir müssen reden. Einmal wegen deines Besuchs in der Winkelgasse.“ Damit sah er zu Tonks. „Ich brauche einen genauen Bericht wann er wo war und. . .“ „Ich war bei ihm, Remus. Die ganze Zeit. Auch als wir in Muggellondon waren.“ „Was wolltet ihr denn da?“, stutzte Remus und sah überrascht auf Draco, während Umbridge skeptisch eine Augenbraue hoch zog.
„Blumen holen und. . . Wie hieß dieser Feinkostladen? Dschita. . .“ „Ghirardelli Chocolate“, murrte Draco genervt, worauf Tonks nickte und wieder zu Remus sah. „Genau. Die Verkäuferin erinnert sich sicher an uns.“ „Ja. Weil du deine blöde Haarfarbe nicht richtig im Griff hattest“, moserte Draco, worauf sie ein wenig rot wurde. „Ich war halt überrascht über den Geschmack von den Probetäfelchen“, redete sie sich verlegen raus, was Remus kurz zum Schmunzeln brachte, bevor er wieder ernst wurde und auf seine Frau sah.
„Mach einen Bericht fertig. Füg am besten noch deine Erinnerungen dazu.“ „Ist so gut wie erledigt.“ Daraufhin nickte er und sah zu Umbridge. „Was wollen Sie überhaupt hier? Man sollte meinen, Sie hätten besseres zu tun, in Anbetracht der Unfähigkeit Ihrer Leute, die nicht einmal ein paar geschwächte Todesser im Zaum halten können.“ „Sie waren bewaffnet!“, mokierte Umbridge. „Jemand hat ihnen zur Flucht verholfen und es steht für mich gänzlich außer Frage wer das war!“, fauchte sie und sah direkt zu Draco.
„Sie haben keine Beweise dafür. KEINE!“, warf ihr Tonks abermals an den Kopf, dem Remus nickend zustimmte, wie auch Minerva. „Dahingehend möchte ich Sie auffordern, umgehend mein Büro zu verlassen. Und unterstehen Sie sich Mr. Malfoy weiter zu behelligen, so lange Sie nicht einmal die Winzigkeit eines Beweises vorbringen können. Immerhin hat er sich um seine schulischen Aufgaben zu kümmern.“ „Natürlich“, schnalzte Umbridge und sah nochmal wütend zu Draco. Die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengepresst, fiel ihr Blick am Ende kurz auf Minerva.
„Erwarten Sie meinen Brief! Diese Sache hier ist noch nicht vom Tisch. Duncan, Jasper. Wir gehen!“, wies sie ihre beiden Gardisten an und verschwand in dem flackernden Kamin. Kaum das sie weg war, stöhnte Draco auf und rutschte wieder mehr in seinem Sessel zusammen.
„Das ist ein Albtraum. Das Ganze ist ein einziger Albtraum“, murmelte er fertig vor sich hin, sodass Tonks wieder ganz zu ihm trat und ihm tröstend, wie auch aufmunternd durch die Haare strich.
„Das beruhigt sich alles schon wieder.“ „Und das hoffentlich bald. Offen gestanden sitzt mir die Presse wegen der Flucht im Nacken“, entwich es Remus nun auch etwas erschöpft, als er sich in den anderen Sessel fallen ließ. Er hatte seit der Flucht, am vergangenen Abend, durchgearbeitet und war dementsprechend erschöpft.
„Sagtest du nicht, dass es Umbridges Leute waren, die es vermasselt haben?“ „Ja, sicher. Der Fokus liegt nun aber auf meiner Abteilung, da wir ihrer wieder habhaft werden müssen. Davon abgesehen stimmt es leider, dass sie bewaffnet waren. Irgendjemand hat ihnen irgendwie Zauberstäbe beschafft. Es stand, Merlin sei Dank, zwar nicht in der Zeitung, aber so weit wir inzwischen wissen, wurde kurz vor Ausbruch des Tumultes das Dunkle Mal über Askaban projiziert. Das muss die Wachleute abgelenkt haben. Zeit genug für die Todesser sich zu befreien und zu flüchten.“ „Bei den Hohlbirnen, die dort eingesetzt waren, nicht weiter schwer“, murrte Draco, was Remus benickte.
„Die Meisten von denen entsprachen nicht einmal ansatzweise unseren alten Standards. Aber in der Not. . .“, ließ Remus den Satz offen, während Minerva ihnen allen etwas Tee heraufbeschwor.
„Danke dir“, nahm Remus gleich eine Tasse und nippte daran, bevor er seinen Fokus auf Draco legte. „Hast du eine Idee, wie sie nach allem jetzt vorgehen könnten?“, erkundigte auch er sich, was den Blonden an den Rand der Verzweiflung trieb.
Merlin, woher sollte er denn wissen was jetzt gerade in den Köpfen dieser Psychopathen vor sich ging? Er hatte unter ihnen leben müssen, ja. Das hieß aber noch lange nicht, dass er sie und ihre Handlungen bis ins kleinste Detail kannte oder auch nur irgendwie erahnen konnte, wie sie sich nun verhalten würden!
„Wir haben schon etwas darüber gesprochen bevor Umbridge uns gestört hat. Hier ist eine Liste mit potenziellen Aufenthaltsmöglichkeiten“, schob Minerva ihm das Pergament hin, was er sich eilig nahm und überflog, so aber gleich am Manor hängen blieb und fragend zu Draco sah.
„Das Manor? Du denkst, dass sie sich ausgerechnet wieder dort verstecken könnten?“ Der Blonde zuckte mit den Schultern. „Es ist durch die ganzen Zauber gut geschützt, wie auch die anderen Grundstücke. Außer mir und meiner Mutter kommt niemand rein. Selbst wenn ich euch Willkommen heißen würde, könnte ich keinen von euch als Gäste laden, wenn der Alte es nicht will. Er steht im Verhältnis des Blutbannes über mir, solange er lebt. Und damit hat er die eigentliche Entscheidungsgewalt über jedes dieser Grundstücke, also ja. Ich halte es leider für möglich, dass sie sich da irgendwo verkrochen haben.“ „Merlin, das ist nicht gut“, stöhnte Remus, ließ das Pergament sinken und rieb sich die Schläfe, bevor er nochmal zu Draco sah.
„Hast du sonst irgendeine Idee oder Vermutung? Jeder kleine Hinweis wäre uns eine Hilfe, egal wie unbedeutend er dir erscheint. Wir müssen diese Sache so schnell wie möglich in den Griff bekommen, bevor es zu sehr ausartet. Die Öffentlichkeit ist alleine durch den umfangreichen Bericht heute bereits extrem aufgescheucht. Wir haben jetzt schon einen Wahnsinnsansturm auf das Ministerium. Nach diesem Krieg sind die Leute extrem anfällig und überempfindlich. Und die Presse weiß das auch noch zu schüren.“ „Da können wir ja froh sein, dass Kimmkorn nicht mehr da ist. Die hätte das Ganze vermutlich noch mehr ausgeschlachtet“, resümierte Tonks, worauf Draco die Ohren spitzte.
„Hat das Käferchen etwa jemand zertreten?“, grinste er schadenfroh, was Tonks zum schmunzeln brachte. „Ja. Und zwar Hermione, als Kimmkorn vor deiner Verhandlung Stimmung gegen dich gemacht hat. Ist ihr nicht wirklich bekommen.“ Auf die Erklärung wurde sein Grinsen noch breiter. Ja, mit der kleinen Löwin legte man sich lieber nicht an.
„Wie dem auch sei, diese Sache muss so schnell es geht aus der Welt geschafft werden“, brachte Remus das Gespräch auf den eigentlichen Punkt zurück und taxierte Draco erneut, dem er schließlich noch dutzende Fragen stellte, wie auch Snape, was unter anderem die Fähigkeiten der Flüchtigen betraf.
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Wie genau ich auf das Denkarium, eine Verbindung von "denken" und "Aquarium" gekommen bin, lässt sich schwer rekonstruieren, das geschieht nur zum Teil bewusst, manchmal muss man drüber schlafen. Aber in diesem Fall bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.