„. . . So ein eingebildeter Fatzke“, meckerte Ginny auch weiter, als sie und Hermione bereits im Schulsprecherturm angelangt waren und auf der Couch Platz genommen hatten.
„Was bildet der sich eigentlich ein wer er ist, dich blöd anzumachen, nur weil du nicht an ihm interessiert bist? So was kann ich leiden. Aber dem wirst du zur Feier schön das Maul stopfen!“, beschwor Ginny ihre Freundin mit erhobenem Zeigefinger.
„Wie soll ich das denn machen?“, verstand Hermione nicht. Auf Ginnys Zügen machte sich auf die Frage ein teuflisches Grinsen breit, was Hermione nicht so ganz behagte. Schließlich fiel der Blick der Rothaarigen zurück auf ihre Freundin.
„Nichts leichter als das. Ich werde aus dir einfach das attraktivste, begehrenswerteste Wesen machen, was jede Veela in den Schatten stellt und nach dem sich alle Typen auf dem Ball die Finger lecken werden. Am Samstag gehen wir Kleider kaufen!“, ordnete Ginny an. „Blaise braucht auch noch einen neuen Anzug und Festumhang und die Anderen sicherlich auch.“ „Muss das sein? Ich mein. . . Ich hab zum Einen gar keine richtige Lust auf die Feier und zum Anderen auch gar keinen Begleiter“, brachte Hermione etwas bedrückt hervor und versank ein wenig in ihren Gedanken, denn das war ja nur die halbe Wahrheit.
Zwar setzte sie selbst kaum Hoffnungen darauf, aber wenn sich Ben bis dahin doch noch irgendwie bei ihr melden sollte und sie dann vielleicht wieder mit ihm auf der Feier zusammen sein könnte, wäre sie dennoch nicht glücklich damit. Sie wusste, sie würde Draco gewaltig vor den Kopf stoßen, wenn sie den Abend mit ihrem Prinzen verbrachte. Es würde ihm weh tun, ganz gleich, was er vielleicht dazu sagte, dessen war sie sich sicher. Und das war das Letzte, was sie nach allem wollte. Ihm schon wieder wehzutun.
„Klar hast du den“, meinte Ginny vollkommen überzeugt und riss Hermione damit aus ihren Gedanken. „Was?“ „Draco. Er würde den Abend sicher liebend gern mit dir zusammen verbringen. Ihr müsst doch ohnehin den Ball mit dem Eröffnungstanz freigeben. Du kannst den ganzen Abend mit ihm verbringen. Als Freunde oder auch mehr“, lächelte Ginny aufmunternd, die sich nun auch wieder gänzlich beruhigt hatte. Hermione verzog allerdings etwas verbittert das Gesicht auf die Aussage, sodass Ginny nochmal versuchte, ihr gut zuzureden.
„Hör mal. Draco hat dich gern. Mehr als gern. Er hat dir gesagt, dass er dich liebt. Und nach allem was war, denke ich, steht es gänzlich außer Frage, dass er das ehrlich meint. Du weißt damit doch, woran du bei ihm bist. Er kümmert sich um dich und ist auch so die ganze Zeit für dich da gewesen. Und das gefällt dir doch auch. Wenn er in deiner Nähe ist. Das seh ich. Gerade nach der etwas unschönen Eskapade letzte Woche. Du warst richtig fertig, weil du ihn nicht mehr um dich hattest und. . . Er bedeutet dir etwas. Nicht nur etwas, sondern sehr viel mehr. Du hast ganz besondere Gefühle für ihn.“ „Du hast ja Recht“, seufzte Hermione etwas schwermütig. Ginny wiederum kam nicht umhin, ihre Freundin verdattert anzublinzeln. Hatte sie sich gerade verhört, oder hatte Hermione es eben zugegeben?
„Aber es ist halt nicht genug“, führte Hermione dann noch an, sodass der aufsteigende Freudenjubel in Ginny wieder einen kleinen Knick bekam, und etwas in sich zusammensackte.
„Warum? Also. . . Was brauchst du denn noch?“, verstand Ginny nicht, sodass Hermione versuchte sich ihr zu erklären. „Das hab ich dir schon mal gesagt. Ich kann und will ihm nicht mit halbherzigen Gefühlen begegnen. Das wäre nicht fair ihm gegenüber. Du hast Recht, dass ich . . . ich. . . Ich habe Gefühle für ihn und ich bin gerne in seiner Nähe. Sehr gerne“, lächelte sie, als sie wieder verstärkt an gestern Abend dachte, als sie zusammen auf der Couch gelegen und etwas gekuschelt hatten. Es war einfach bloß schön gewesen. Warm und beruhigend. Friedlich.
„Aber das ändert leider nichts an der Tatsache, dass ich . . . ich. . .“, brach Hermione seufzend ab und setzte schließlich neu an, um Ginny ihre Gedanken und Empfindungen mehr in bildlicher Form zu schildern, da sie wirklich nicht wusste, wie sie das richtig in Worte fassen sollte.
„Es ist, als wäre mein Herz in zwei Teile geteilt. Die eine Hälfte hat sich Draco nach und nach irgendwie erobert und die andere ist noch immer bei . . . bei Ben. Ich kann ihm nicht alles geben, weil ich nicht alles habe. Verstehst du was ich meine?“, sah sie Ginny ein wenig hilflos an. Ihre Freundin aber hatte verstanden und nickte, wies Hermione dann aber auf den kleinen Fehler in ihrer Rechnung hin.
„Das gilt im Umkehrschluss aber auch für Ben. Wenn er doch noch irgendwie wieder auftauchen sollte, kannst du ihm dann ja auch nicht alles geben.“ „Merlin, ich weiß“, stöhnte Hermione fertig auf und ließ sich nach hinten fallen. Ginny besah sie sich ein wenig mitleidig. Ja, das war in der Tat keine schöne Situation, wenn man zwischen den Stühlen saß und sich für eine Sache entscheiden musste, obwohl man im Grunde gerne beide hätte.
„So leid es mir tut das zu sagen, Süße, aber du wirst dich besser früher als später entscheiden müssen. Du kannst nicht beide Jungs haben.“ „Ich weiß“, seufzte Hermione erneut, wo ihre Gedanken nun auch wieder etwas zu Draco glitten, den sie bereits so heftig vor den Kopf gestoßen hatte.
Sie wusste nicht, ob sie ihn nach der Sache tatsächlich noch so haben konnte, ohne, dass er sich am Ende vielleicht wie ein Ersatznagel fühlte. Als eine Art Notlösung. Das wollte sie nicht, denn das war, wie sie selbst wusste, ein ziemlich hässliches Gefühl und würde zudem immer einen bitteren Beigeschmack zurücklassen. Ginny sah es. Den inneren Konflikt, der in ihrer Freundin tobte.
„Ich kann ja verstehen, dass du an Ben festhältst. Wirklich. Aber sieh mal. . . Es war nur ein Abend und ist zudem fast zwei Jahre her. Du weißt doch auch nach wie vor nicht, wer er tatsächlich ist und. . . Das ist jetzt meine Meinung, aber ich finde aufgrund all der Dinge, die im letzten halben, dreiviertel Jahr noch waren, spricht doch einiges mehr für Draco. Allen voran die Tatsache, dass er auch wirklich echt ist. Er ist und war schon immer real und lebendig. Das mag Ben zwar auch sein, aber hat er dir nicht selbst gesagt, dass er für uns alle mehr einem Schatten ähnelt? Dass er nicht so existiert wie wir, was auch immer das heißen mag? Draco aber ist echt und war anscheinend auch nie so richtig der Arsch, als den wir ihn immer gesehen haben. Er ist für dich da. Jetzt, aber auch während des Krieges, wo es wirklich darauf ankam. Und Ben, das. . . Irgendwie hat das für mich alles immer mehr von einer Märchenromanze. Versteh mich nicht falsch! . . .“, setzte Ginny rasch nach, da sich ein Ausdruck stillen Schmerzes und Bitterkeit auf Hermiones Zügen breitmachte.
„. . . Ich fand das alles damals super süß und romantisch und alles. Und es war dir zu der Zeit ja auch ein Segen. Aber das ist zwei Jahre her. Und zwei Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Ich bin der Meinung, du solltest nicht noch mehr Zeit verlieren. Sieh mal, so ein schöner Traum ist ja eine Sache, das Leben aber eine ganz andere. Das heißt nicht zwangsläufig, dass du gar nicht mehr träumen musst. Ich Gegenteil. Ich denke, du könntest das auch sehr gut mit Draco zusammen. Immerhin. . .“, grinste Ginny ein wenig. „. . . er ist sehr kreativ. Du hattest während der Party in den Kerkern mehr als genug Spaß mit ihm. Vor allem, als ihr miteinander getanzt habt. Genauso das supersüße Date, was ihr im Raum der Wünsche hattet. Das kann ihm so schnell keiner nachmachen“, lächelte Ginny zufrieden, was Hermione schwach erwiderte.
„Vermutlich nicht. Nein. Aber sag mal. . .“, richtete sich Hermione wieder etwas auf und nahm nun ihrerseits Ginny genauer in Augenschein. „Kann es sein, dass Blaise dich ein bisschen angespitzt hat, dass du mir wegen Draco in den Hintern treten sollst?“, mutmaßte Hermione, denn so wie Ginny gerade eben philosophiert hatte, würde es sie doch arg wundern, wenn Blaise da nicht auch irgendwie seine Pfoten im Spiel hatte.
„Ich muss dich enttäuschen, nein. Er hat, zugegeben, versucht mich mit allen Mitteln für seine Pläne einzuspannen. Und die Versprechungen, die er mir gemacht hat, waren durchaus reizvoll, glaub mir“, grinste Ginny keck und wackelte provokativ mit den Augenbrauen, sodass Hermione zwangsläufig wieder etwas lachen musste. Ginny indes fuhr fort.
„Allerdings hab ich ihm gleich gesagt, dass ich da nicht mitspiele. Wir hatten uns, ehrlich gesagt, deswegen auch schon etwas in den Haaren. Aber du bist nun mal meine Freundin, und ich will nur das Beste für dich. Ich werde dich und deine Interessen nicht für die Interessen meines Freundes übergehen“, erklärte sie, was Hermione ein klein wenig ein schlechtes Gewissen bescherte.
„Deswegen sollst du dich aber nicht mit Blaise streiten. Das will ich nicht.“ „Da mach dir mal keine Gedanken“, winkte Ginny ab und grinste kurz wieder breit. „So kleine Machtkämpfe geben einer Beziehung den nötigen Pfeffer. Und ich mag es, mich mit Blaise zu kabbeln. Wir streiten in dem Sinne ja nicht einmal. Das ist mehr nur zanken. Machst du mit Draco doch auch“, zwinkerte sie Hermione keck zu, die diesem Punkt nichts entgegensetzen konnte, da es stimmte. Es machte ihr in der Tat Spaß, etwas mit ihm zu zanken. Diese kleinen Wortgefechte oder auch Kabbeleien, so wie gestern seine Drohung sie ans Bett zu fesseln. Er hatte sich über sie gebeugt und ihre Handgelenke in seiner Gewalt, die er ihr rechts und links von ihrem Kopf in die Kissen gedrückt hatte, sodass sie bereits gegen ihn verloren hatte, noch bevor der Kampf richtig angefangen hatte.
„Aber um auf das Eigentliche zurückzukommen. . .“, holte Ginny sie wieder aus ihren Gedanken. „Ich will nur das Beste für dich und vor allem, dass du glücklich bist. Mir ist es da vollkommen egal, wer dich am Ende glücklich macht, solange du es bist. Und auch wenn ich Blaise und seine Pläne jetzt nicht so unterstütze, wie er das gerne hätte, bin ich dennoch der gleichen Ansicht wie er. Du und Draco, ihr würdet so ein hübsches Paar abgeben. Genauso denke ich, dass er dich wirklich glücklich machen kann, wenn du ihm die Chance dazu gibst“, lächelte Ginny warm und strich ihrer Freundin etwas über die Wange.
„Lass die Liebe in dein Herz, Süße. Wir haben alle so lange auf diese normalen Dinge verzichten müssen, weil wir dafür keine Zeit hatten oder weil es um uns herum zu gefährlich war, diese Gefühle zu haben. Harry hat im letzten Jahr darauf verzichtet. Ich, du, Blaise und Draco sicher auch. Lass es zu. Lass es auf dich zukommen und verschließ dein Herz nicht weiter. Es gibt keinen Grund mehr, etwas zu verstecken oder zu verzichten. Nimm dir was du dir wünschst und was man dir gerne geben möchte“, appellierte Ginny an sie, worauf Hermione nickte. Auf den Wangen nun ein wenig die Tränen.
„Vermutlich hast du Recht“, gab sie der Rothaarigen leise zurück. „Es ist wohl wirklich das Beste, loszulassen“, murmelte sie und begann sich etwas stärker mit dem Gedanken auseinanderzusetzen.
Im Grunde da. . . Es war ja nicht so, dass sie irgendwie etwas verlor. Sie gab gewissermaßen einen Traum auf, wie Ginny meinte. Aber Träume, mochten sie eben noch so schön sein, waren leider nicht das wirkliche Leben. In diesem Leben gab es aber einen Menschen, der ein echter Schatz war. Der real war, wie Ginny meinte. Draco war für sie da, was eigentlich das Wichtigste war. So gesehen würde sie nun sogar etwas bekommen. Nämlich die Liebe, von der Ginny sprach. Ein etwas bitterer Beigeschmack blieb dennoch.
„Es ist nur. . . Es ist nicht so leicht das alles zu vergessen, weil es für mich schon etwas Besonderes war“, sah sie Ginny schon fast entschuldigend an. Diese nickte verstehend.
„Sicher. Und es sagt doch auch keiner, dass du diese Geschichte vergessen sollst. Du kannst sie dir ja auch weiter im Herzen bewahren und vielleicht redest du später auch mal mit Draco über diese Geschichte. Über deine Gefühle. Ich will jetzt nur nicht, dass diese Sache dir und deinem Leben, dem Glück und der Liebe, am Ende im Weg steht. Dass du zu viel Zeit verlierst und. . . Wo ich gerade dabei bin, vielleicht denkst du nochmal über deinen Stichtag nach? Das Schuljahr ist noch verdammt lang und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es gut für dich ist, wenn du tatsächlich bis dahin warten willst“, warf Ginny fürsorglich ein, worauf Hermione nickte und auch über diesen Punkt nachdachte.
Als sie das erste Mal diese Thematik besprochen hatten, war Ginnys Vorschlag Neujahr gewesen. Wenn Hermione nun aber ehrlich mit sich selbst war, dann war ihr dieser Zeitpunkt sogar zu lange, denn sie wollte Weihnachten nicht allein sein.
Sie würden die Ferien und Feiertage vermutlich wieder bei den Weasleys verbringen, aber die hatten ja alle irgendwo jemanden. Ginny hatte Blaise und bis dahin war die Verbindung, die sich zwischen Harry und Astoria aufbaute, sicher zu einer Form der festen Beziehung gereift. Sie hätten alle einander und das wollte sie auch gern. Sie wollte jemanden, mit dem sie es sich auf der Couch vor dem Kamin gemütlich machen konnte. Ein gutes Buch in der Hand, den Weihnachtsbaum im Blick und vielleicht etwas Schnee, den man hinter einer mit Schneeblumen vereisten Fensterscheibe fallen sah. Und irgendwie, als sie sich das so vorstellte, da sah sie sich mit Draco kuscheln, was ihr, ohne dass sie es merkte, ein sehr verträumtes Lächeln auf die Lippen zauberte. Ginny sah es. Und sie wunderte sich.
„Mione?“ „Hm?“ „Woran denkst du?“ „Dass ich zu Weihnachten nicht allein sein möchte.“ „Wirst du nicht. Wir werden wieder bei uns feiern und. . .“ „Das mein ich nicht“, unterbrach sie Ginny, die dann auch verstand. „Oh. Okay und was heißt das nun konkret für das Wann?“ „Ich weiß nicht. Ich . . . uhm. . . Vielleicht Halloween? Vermutlich ist es das Beste für mich, wenn ich unter alles einen Schlussstrich ziehen kann. An dem Zeitpunkt, an dem es für mich seinen Höhepunkt hatte. Sollte Ben sich bis dahin auch weiter nicht melden, ich denke ich kann mit der ganzen Geschichte dann besser abschließen.“ „Und die Feier?“, lamentierte Ginny ein wenig, da sie nicht wollte, dass Hermione an dem Abend allein war.
„Willst du die nicht lieber schon mit Draco verbringen?“ „Das kann ich doch. Als Freunde und. . . Wenn Ben wirklich nicht kommt, werd ich nochmal mit Draco wegen allem reden und es ihm erklären. Warum mir das so wichtig war. Was mir das bedeutet hat. Warum ich nicht zu ihm konnte. Ich hoffe er versteht das und . . . und gibt mir dann noch eine Chance“, wurde sie etwas leiser und auch bedrückt.
Sie könnte verstehen, wenn nicht. Wenn er sich durch ihr Verhalten gekränkt fühlte oder den Eindruck hatte, nur die zweite Geige für sie zu spielen, auch wenn es im Grunde nicht so richtig an dem war. Dieser Eindruck blieb dennoch.
„Das wird er“, versicherte Ginny ihr überzeugt und tätschelte ihr tröstend den Arm. „Ich mein. . . Umsonst versucht Blaise mich doch nicht für seine Pläne einzuspannen. Draco hat bestimmt noch nicht aufgegeben. Wenn man jemanden liebt, dann hört das nicht von heute auf morgen wieder auf. Und wenn du ihm die ganze Geschichte in Ruhe erklärst, hat er dafür ganz bestimmt auch Verständnis. Er erinnert sich sicher auch noch gut an die Feier, und dass du dort nicht allein warst“, meinte Ginny aufmunternd, worauf Hermione dennoch etwas unsicher nickte. Ginny zog sie dann aber zu sich und schloss sie ganz fest in die Arme.
„Das wird schon alles. Du bekommst deinen Prinzen. Entweder den Geheimnisvollen, oder unseren Eisprinzen“, griente Ginny, worin Hermione zwangsläufig einstimmte. Nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass sie sich vor zwei Jahren so sehr gegen die Vorstellung gesträubt hatte, irgendwie die Nähe von Slytherins Eisprinzen ertragen zu müssen. Jetzt genoss sie diese in vollen Zügen.
„Das wäre wirklich sehr schön, wenn ich. . .“, da öffnete sich das Portrait, in dem besagter Eisprinz auftauchte, was Ginny noch mehr zum Grinsen brachte. Kurz darauf beugte sie sich etwas zu Hermione, um ihr ins Ohr zu flüstern.
„Wenn man vom Teufel spricht.“ Hermione nahm es mit einem Schmunzeln auf und sah zu Draco. „Schon wieder da? Wolltest du nicht mit Blaise trainieren?“, musste sie dennoch fragen. Draco blinzelte dann auch kurz etwas ertappt.
„Ähm . . . ja. Ist was dazwischen gekommen“, erklärte er knapp und trat auf die beiden Mädchen zu, die jetzt auf den zweiten Blick erst bemerkten, dass der Blonde ein kleines Sträußchen Sonnenblumen dabei hatte. Auf den Anblick der Blumen wurde Ginnys Grinsen nochmal etwas breiter. Schließlich zog sie sich Hermione etwas heran und hauchte ihr einen kleinen Kuss auf den Schopf. Nur etwas später lagen ihre Lippen erneut am Ohr der Brünetten.
„Schnapp dir deine Schlange und halt ihn fest“, flüsterte sie und war kurz darauf verschwunden. Nicht aber, ohne Draco einen mehr als zufriedenen Blick zuzuwerfen. Der sah der jüngsten Weasley noch kurz nach, bevor er ganz zu Hermione an das Rückteil der Couch trat und ihr die Blümchen reichte, die sie sich lächelnd nahm. Ihr Herz freute sich noch auf ganz andere Art und Weise über die nette kleine Geste, was es Hermione mit ein paar aufgeregteren Schlägen vermittelte. Im Anschluss sah sie wieder zu ihm und nahm vornehmlich seine Augen etwas mehr in Beschlag, in denen es ein wenig funkelte.
„Darf ich fragen, warum ich Blumen von dir bekomme, oder möchtest du mir etwas beichten?“ „Hm? Nein, ich dachte mir lediglich für mehr Sonne im Gemüt. Da machen sich Sonnenblumen doch eigentlich ganz gut, oder?“, lächelte er keck, was das Lächeln Hermiones sogar noch etwas mehrte, bevor sie wieder auf die Blumen sah und kurz ein wenig an diesen schnupperte.
„Wo hast du die her?“ „Von Sprout. Sie hat in ihren privaten Gewächshäusern ja auch noch diverse andere Sachen. Ich hab sie gefragt, ob sie ein paar der Blumen entbehren kann“, erklärte er, worauf sie nickte und kurz etwas in ihren Gedanken versank.
Draco war bis jetzt der einzige Junge, der ihr einfach so mal Blumen geschenkt hatte, um sie etwas aufzumuntern. Von Harry oder gar Ron, hatte sie nie etwas dergleichen bekommen. Weder zum Geburtstag, noch wenn sie im Krankenflügel gelegen hatte. Ganz anders die Schlangen.
Als sie nach der Schlacht im Mungos gelegen hatte, hatten Blaise und Charlie fast immer ein paar Blumen mit dabei gehabt. Zum Geburtstag waren es auch wieder die Drei gewesen, die ihr Blumen geschenkt hatten. Und in Dracos Fall, hatte sie nun schon zum zweiten Mal einfach so welche bekommen. Der erste Strauß diente zwar der Entschuldigung, nur hatte sie an dem Streit damals genauso Schuld gehabt. Trotzdem hatte sie einen richtig schönen, dicken Strauß zur Versöhnung bekommen, der noch genauso kraftvoll blühte, wie der zu ihrem Geburtstag. Und jetzt das.
Im Grunde war es nur eine winzig kleine Geste, aus der sie sich für gewöhnlich auch nichts weiter machte. Aber manchmal waren es diese kleinen Dinge, die man sich tief unbewusst dennoch wünschte. Ein warmes Lächeln, eine kleine Umarmung oder einfach nur eine Hand, die die eigene hielt. Diese Dinge konnten sehr viel mehr bewegen, als 1000 Worte. Es waren und blieben kleine Gesten der Zuneigung und Freundschaft, die nun dafür sorgten, dass es ihr ein wenig die Tränen in die Augen trieb, was Draco verwunderte.
„Was ist?“ „Nichts. Sie sind wirklich schön. Danke“, lächelte sie ihn wieder an und stand schließlich auf, um den Blumen die nötige Pflege, in Form von einer mit Wasser gefüllten Vase zu verschaffen. Draco irritierte es ein wenig, weswegen er ihr in ihr Zimmer folgte.
Dort stellte sie die Blumen zu den anderen, die ihren Schreibtisch immer mehr dominierten, und betrachtete die bunte Pracht nochmal mit einem warmen Gefühl im Herzen. Zeitgleich wurde ihr beim Anblick der Sonnenblumen klar, dass Ginny offensichtlich Recht behielt. Draco schien in der Tat noch nicht aufgegeben zu haben. Sie hoffte wirklich, dass er es am Ende alles verstand und dass sie ihm nicht noch einmal so wehtun musste. In jedem Fall würde es an ihr sein, auf ihn zuzugehen, wenn sich die Dinge so entwickelten und Ben tatsächlich nicht mehr auftauchte.
„Sag mal. . .“, begann Draco vorsichtig, der noch immer hinter ihr stand und erneut die einzelne, kleine Vase mit der Rose in Augenschein nahm. Diese zeigte mittlerweile kaum noch welke Ansätze und blühte zudem auch wieder etwas stärker.
„Hm?“, machte Hermione, den Blick noch immer ein wenig verträumt auf den Sonnenblumen liegend, während sie mit den Fingern sehr behutsam über die kräftigen, gelben Blütenblätter strich. Draco derweil legte seine Konzentration wieder ganz auf Hermione, die er im Kommenden sehr genau betrachtete, um aus ihren Regungen lesen zu können.
„Hat das mit der weißen Rose irgendeine spezielle Bewandtnis? Die steht so verloren da“, deutete er auf das Blümchen, nichts ahnend, dass Hermione auf die Frage ein kleiner Stich durchs Herz ging, bevor sie etwas wehmütig auf dieses sah. Was sie dann aber sah, sorgte dafür, dass sich ihre Augen ein wenig weiteten, als sie erkannte, dass die Rose zum einen wieder stärker blühte und zum anderen, was wesentlich interessanter war, nicht mehr in diesem extrem welken Zustand war. Sie sah noch immer ein klein wenig angegriffen aus, aber bei weitem nicht mehr so schlimm, wie noch die Tage zuvor.
Merlin, das konnte doch nicht sein? Die Rose war zuletzt doch fast vertrocknet gewesen und hatte zudem bereits einiges an Blütenblättern verloren. Jetzt aber. . . Es schien so, als hätten sich unter den kranken und welken, wieder gesunde, neue Blütenblätter gebildet, die nun stärker zum Vorschein kamen.
Was bedeutete das? Konnte es sein? War er vielleicht nun doch hier im Schloss? Ging es ihm gut? War es möglich? Könnte sie ihn vielleicht doch in nächster Zeit wiedersehen? Sollte sie in der Tat noch etwas Geduld haben, oder hatte Ginny Recht und sie hatte lange genug auf ein Lebenszeichen von ihm gewartet?
„Hermione?“, drang Dracos Stimme unverhofft in ihren Geist vor und zerriss all ihre Gedanken. Stattdessen begann sich ein kleiner Knoten in ihrem Innern zu bilden, als sich das Bild des Blonden nun wieder verstärkt in ihr Bewusstsein drängte.
Hatte sie sich vor nicht einmal zehn Minuten noch eine Frist zu Halloween gesetzt, nach der sie Draco diese ersehnte Chance einräumen wollte, geriet dieser Entschluss beim Anblick der Rose bereits wieder ins Wanken. Was also sollte sie tun? Konnte sie tun? Sie wollte Draco nicht noch einmal verletzen. Andererseits wollte sie Ben gerne wiedersehen, nur ging beides nun mal nicht. Sie musste sich entscheiden, wie Ginny gemeint hatte. Sie. . .
„Mione?“, hörte sie Draco erneut. Und das nun wirklich mit einem Anflug von Sorge. „Alles in Ordnung?“, bohrte er weiter, worauf sie mit dem Kopf schüttelte, um ihre wirren Gedanken erstmal loszuwerden. Kurz darauf drehte sie sich zu ihm und lächelte ihn ein wenig verkrampft an.
„Ja. Alles bestens.“ „Sicher?“ „Ja.“ „Hm. Verrätst du mir da noch, was es mit der Blume auf sich hat, oder ist es ein Geheimnis?“, kam er dann doch wieder auf seine Frage zurück, die ein unangenehmes Kribbeln in ihrem Innern zurückließ. Schließlich sah sie wieder etwas bitter auf die Rose, als sie meinte: „Nein. Also. Es ist kein Geheimnis. Es ist . . . nichts Besonderes. Nur ein kleines Andenken. Mehr nicht“, sah sie wieder zu ihm und versuchte sich nochmal in einem kleinen Lächeln, was sie Lügen strafte.
Sie spürte es und sah es auch in Dracos Mimik, denn er blieb etwas skeptisch. Manchmal war sie wirklich eine lausige Lügnerin. Besonders jetzt. Aber sie konnte ihm unmöglich sagen, was es tatsächlich mit der Rose auf sich hatte. Was sie mit der Blume verband. Welche Hoffnungen sie auf diese setzte. Damit würde sie ihn mit Sicherheit verletzen und das hatte er nicht verdient. Halloween, sagte sie sich nochmal. Sie würde den Abend abwarten. Entweder Ben kam an dem Abend zurück und nahm sie in die Arme, oder er kam nicht. In dem Fall würde sie sich Draco zuwenden und ihm geben, was er sich wünschte, wie ja auch der eine Teil ihres Herzens, denn in einem Punkt hatte Ginny ganz Recht. Er war ein echter Schatz, den sie nicht nochmal loslassen oder verlieren wollte.
Sie würde die Feier und damit den Abend am Ende entweder mit Ben verlassen oder mit Draco. Bis dahin würde sie über diese Angelegenheit noch Stillschweigen bewahren. Und so lange würde Draco auch noch etwas im Ungewissen bleiben müssen, denn sie wollte im dümmsten Fall keine falschen Hoffnungen schüren, die sie letztlich wieder zerstören musste. Da war einmal bereits einmal zu viel.
„Lass uns runter gehen. Wir müssen noch Hausaufgaben machen“, lotste sie das Thema und damit auch das Gespräch wieder zurück auf einen neutralen Punkt und schnappte sich schließlich die Hand des Blonden, den sie hinter sich her, runter ins Wohnzimmer führte. Sie spürte, dass sie ihn ein wenig ziehen musste und erkannte dann auch, dass sich sein Blick trotzdem nochmal kurz auf dem Blümchen verlor, bevor er ihr doch noch folgte. 13 Tage, mahnte sie sich selbst an. 13 Tage waren es noch bis zu der Feier. Dann würde sie die Sache ein für allemal klären. Für sich und für Draco. Und dann. . . Dann war sie hoffentlich auch nicht mehr länger allein.
۩ ۞ ۩
Mit dem Anbrechen der Nacht tauchte Lucius, wie schon die Tage zuvor, im Schutz des Dickichts auf. Zwar hätte er problemlos via Kamin zu ihr flohen können, doch dann wäre die Gefahr zu groß, dass einer der Anderen etwas in der Richtung spitz kriegte. Das konnte er nicht gebrauchen. Es war besser, diese Sache blieb sein kleines Geheimnis. Und mit den Bannen, die er bei seinem letzten Besuch über das Haus gelegt hatte, würde es auch so bleiben.
Er trat wie selbstverständlich ein und warf der heraneilenden Elfe den schweren Umhang achtlos hin, unter dem das kleine Geschöpf zur Gänze verschwand. „Whiskey“, warf er ihr dann nur noch barsch zu, und suchte sich ungehindert seinen Weg ins Kaminzimmer. Dort lümmelte sein kleines Spielzeug auf der Couch und ließ es sich mit einem Glas Rotwein und Pralinen gut gehen.
Wenn sie so weiter machte, würde sie allerdings bald aufgehen, wie ein Ballon. Nicht gerade anregend. Am besten wies er sie mal etwas subtil darauf hin. Ein Kleid, was zwei Nummern zu klein war, würde sie dann sicher zum Abnehmen animieren, sollte sie noch mehr Süßkram in sich reinstopfen.
„Hallo meine Liebe. Wie ich sehe, lässt du es dir bereits gut gehen?“, warf er ihr ohne weiteres zu, sodass ihr Kopf herum ruckte und sie ihn aus großen Augen ansah, die freudig zu funkeln begannen.
„Luci Schatz!“, rief sie nicht nur, sondern quietschte schon fast. Merlin, ging das schon wieder los? Er würde ihr vielleicht doch mal etwas nachhaltiger eintrichtern müssen, dass sie diese Bezeichnung zu unterlassen hatte. Für den Moment übte er sich jedoch in Ruhe und Geduld und wartete darauf, dass sie sich erhob und zu ihm trat. Kurz darauf drückte sie ihm einen drängenden, fast besitzergreifenden Kuss auf die Lippen, bevor sie ihm verschmust die Arme um den Nacken legte. Blieb ihm heute denn gar nichts erspart?
„Du hast mir gefehlt“, säuselte sie und drängte sich etwas mehr an ihn, sodass er ihre Rundungen vermehrt spürte. Denen würde er sich später in der Nacht noch ausgiebig widmen. Vorher aber galt es etwas zu besprechen.
„Du mir auch, Liebes. Leider gibt es noch ein paar Kleinigkeiten zu regeln, bevor wir uns den angenehmen Dingen widmen können.“ „Was denn für Kleinigkeiten?“, schnappte sie ein wenig beleidigt und zog einen Schmollmund. Bei dem Anblick zuckte es kurz in seinem Lendenbereich, denn mit dem Schmollmund konnte sie in der Tat nützliche Dinge tun. Nützlichere, als zu sprechen.
„Unser Befreier hat sich bei uns gemeldet und ein paar Forderungen gestellt. Für diese brauchen wir allerdings nochmal ein paar spezielle Trankzutaten. Die Liste“, reichte Lucius ihr diese, die sie ihm etwas ruppig abnahm und vor sich hin knurrte: „Bin ich euer Laufbursche oder was?“ bevor sie die Zutaten überflog, allerdings den entsprechenden Trank nicht aus diesen ableiten konnte. Lucius verdrehte auf ihr Verhalten innerlich die Augen, bevor er versuchte sie zu beschwichtigen und ihr diese Thematik nochmal darlegte.
„Natürlich nicht. Ich würde doch auch lieber selbst gehen, als dir Borgins Gesellschaft zuzumuten. Leider sind mir im Augenblick die Hände gebunden. Es ist für mich selbst in der Knockturn zu riskant aufzutauchen.“ „Ja, schon gut“, maulte sie. Immerhin, dachte er sich und trat hinter sie, um ihr ein wenig die Schultern zu massieren, bevor er dazu überging, sie im Nacken zu küssen, was ihr wohlige Schauer durch den Körper jagte.
„Gibt es denn sonst ein paar Neuigkeiten? Hat sich deine liebe Freundin mal aus Hogwarts gemeldet?“ „Vor ein paar Tagen. Willst du den Brief lesen?“, seufzte sie schon ein wenig wohlig. „Nur zu gern.“ Damit ließ er von ihr ab und machte es sich stattdessen auf der Couch bequem. Auf dem Beistelltisch entdeckte er nun auch den von ihm geforderten Whiskey, den er kurz etwas schwenkte und schließlich an dem Getränk nippte. Am Ende konnte er nicht ganz verhindern, dass ihm seine Züge ein wenig angewidert entglitten.
Dieses drittklassige Zeug war mehr und mehr eine Beleidigung für seinen feinen Gaumen, je öfter er das Gesöff zu sich nahm. Was das anging, da würde er sie auch noch einmal darauf aufmerksam machen müssen, was sie ihm in Zukunft anzubieten hatte. Für den Moment stellte er den Fusel weg und konzentrierte sich wieder ganz auf die Hausherrin, die ihm den Brief reichte.
Hallo Pansy,
schön, dass du dich mal wieder meldest. Ich hab schon gedacht, du hast dich ganz nach Frankreich verdrückt, so wie Milli und Kate. Ich mein, ich hätte verstanden warum, aber ich finde nach wie vor, dass es ein Fehler ist, dass du das Schuljahr nicht wiederholst.
Das bedauerte Lucius in der Tat auch etwas, denn dann hätte er sie direkt als Spitzel in Hogwarts gehabt. So musste er sich mit dem begnügen, was ihnen das Fräulein Greengras unwissentlich preisgab.
Es hat sich wirklich einiges verändert, wobei sich manche Dinge offensichtlich nie ändern. Charlie ist noch immer so verbohrt und starrsinnig! Ich hab mich heute erst wieder mit ihm gestritten, weil er dir nur Schlechtes unterstellt, von wegen hinterhältig, macht- und geldgeil. Manchmal könnte ich ihn echt auf den Mond fluchen. Kerle! Aber du weißt ja, wie das ist. In der einen Sekunde will man ihnen noch den Hals umdrehen, in der anderen. . . Na ja.
Du weißt, ich liebe ihn und ich bin echt froh und glücklich, dass ich ihn jetzt auch haben kann und nicht Goyle. Den Tod hätte ich ihm zwar nicht gewünscht, aber so, wie ich die Jungs verstanden habe, haben er und Crabbe wohl ein Dämonsfeuer heraufbeschworen, was sie nicht beherrschen konnten. Dumm gelaufen.
So war das also. Nun, da hatte das Fräulein Greengras in der Tat Recht. Dumm gelaufen.
Okay, du hast gefragt wer alles da ist. Ich selbstredend. Blaise, Charlie, Draco, Theo und Tracey. Ansonsten sieht es bei uns im Haus eher dünn aus. Astoria ist in ihrem Jahrgang die Einzige und auch so, sind wir alle insgesamt mit den neuen Erstklässlern nur 33. Ziemlich armselig, was? In den Kerkern ist es verdammt ruhig geworden. Vor allem die ersten Wochen waren ziemlich schlimm, wie du dir vielleicht denken kannst. Wir haben uns, vom Unterricht abgesehen, kaum auf die Gänge getraut. Zumindest nicht allein.
Nach den ersten ein, zwei Wochen, hat sich das aber bereits angefangen zu legen. Zumindest zu einem Teil, weil. . . Du wirst jetzt vermutlich die Augen verdrehen und mich für verrückt erklären, aber wir haben recht heldenhafte Unterstützung durch die Löwen bekommen. Angefangen bei Hermione und Ginny. Ja, du liest richtig.
Charlie und Blaise scheinen sich schon sehr lange ziemlich gut mit den Beiden verstanden zu haben, und ich muss ehrlich sagen, wenn man sie näher kennt, sind sie wirklich in Ordnung. Auch einige vom Rest der Löwen. Draco hat sogar Frieden mit Harry geschlossen. Unfassbar oder? Nein, im Ernst. Ich finde das wirklich richtig gut, so wie es jetzt gerade alles ist. Einige der Anderen nerven zwar noch und gucken uns ziemlich blöd von der Seite an. Das war es dann aber auch.
Es hat sich wirklich sehr, sehr viel zum Positiven verändert. Blaise hat mich zum Beispiel auch als Jägerin ins Quidditch Team geholt. Ich wär fast geplatzt vor Freude, als er mir das gesagt hat. Du weißt ja, dass das einer meiner sehnlichsten Wünsche war, dass sie mich ins Team aufnehmen. Aber unter der alten Struktur wäre da nie ein Weg reingegangen. Noch ein Grund mehr, warum ich heilfroh über diesen Wandel bin. Ich hab Charlie und ich darf Quidditch spielen. Wir haben im Übrigen das erste Spiel gegen Hufflepuff 300:0 gewonnen! Ja, ich weiß. Interessiert dich jetzt nicht wirklich, aber das musste ich sagen.
So, was gibt’s noch? Ach ja, was ganz Besonderes! Die Schulleitung wird drei Bälle veranstalten. Der erste jetzt zu Halloween, wie schon vor zwei Jahren. Dann noch einen Weihnachts- und Frühlingsball. Bereust du es jetzt ein wenig, nicht hier zu sein? Ich bin echt schon richtig aufgeregt deswegen. Diesmal hat mich Charlie auch eingeladen, sodass ich ihn den ganzen Abend für mich habe.
Und sonst, was könnte dich noch interessieren? Ah, ich weiß. Charlie und Astoria sind Vertrauensschüler und Draco, halt dich fest, hat den Posten des Schulsprechers bekommen! Den würdest du auch so nicht wiedererkennen. Er hat sich total verändert. Also nicht äußerlich oder so, wobei, doch ein bisschen schon. Astoria hatte es schon ein wenig bedauert, dass der Ehevertrag nicht mehr greift. Inzwischen hat sie aber auch jemand anderen und ich denke, mit dem fährt sie sehr gut. Aber zurück zu Draco.
Wie gesagt, er hat sich sehr verändert. Du weißt sicher, dass sie ihn über den Sommer in Askaban festgehalten haben. Er sah die erste Zeit danach auch ziemlich schlecht aus. Ich will wirklich nicht wissen, was er dort durchlebt hat. Inzwischen geht es ihm aber auch wieder gut. Sehr gut. Wie gesagt, du würdest ihn nicht wiedererkennen. Er ist richtig wie ausgewechselt. Ich weiß nicht, wie ich das am besten beschreiben soll, aber er wirkt irgendwie viel offener und lebendiger. Wärmer. Wenn ich ehrlich sein soll, dann hab ich ihn in den ganzen sechs Jahren nicht mal ansatzweise so viel lachen sehen, wie jetzt in den letzten Wochen. Man hat echt den Eindruck, als wäre eine tonnenschwere Last von ihm abgefallen, ohne die er jetzt richtig leben kann.
Da fällt mir ein, Blaise hatte gleich am ersten Wochenende zu einer Party geblasen. Wir haben uns am Anfang aber nicht so richtig dazu gewagt, weil sie Hermione, Ginny und Luna zu uns eingeladen hatten, um mit ihnen eben etwas zu feiern.
Auf den letzten Satz blinzelte Lucius. Luna? Lovegood? Das wurde ja immer schlimmer! Schlammblüter, Blutsverräter und Geistesgestörte. Die Drei schafften es in der Tat, binnen weniger Wochen das altehrwürdige und noble Haus Slytherin gänzlich zu Grunde zu richten. Das einzige, was Lucius in dem ganzen Brief bis jetzt erheitert hatte, war die Tatsache, dass Draco Askaban genauso schlecht bekommen war, wie ihm.
Du machst dir keine Vorstellung, wie geil das am Ende dann noch geworden ist. Draco und Blaise haben sich die beiden Löwinnen geschnappt und um die Wette getanzt. So viel Spaß hatte ich echt schon lange nicht mehr. Es war alles wirklich richtig entspannt und befreiend. Wir konnten uns richtig ausleben und unseren Spaß haben, wenngleich ich es begrüßt hätte, Charlie hätte an dem Abend mal richtig mit mir getanzt. Aber er war halt Gentlemen und hat sich vorwiegend um Luna gekümmert. Sie ist eigentlich auch ganz nett. Vielleicht ein bisschen verschroben, aber trotzdem irgendwie lieb.
Und wenn ich jetzt mal über alles nachdenke, finde ich es schon schade, dass wir so viel Zeit damit verschwendet haben, uns gegenseitig fertigzumachen und anzufeinden. Ich mein. . . Wofür? Wir hatten im letzten Jahr zwar unsere Ruhe und alles, aber die Atmosphäre, die überall geherrscht hat, war doch echt furchtbar. Ich hab mich da wirklich nicht wohl damit gefühlt. Der Vergleich, den ich jetzt habe, macht das sogar noch richtig deutlich. Ein Leben, so wie es das ganze letzte Jahr war, hätte ich nicht haben wollen.
Ich hoffe, du bist mir jetzt nicht böse, dass ich das so sehe. Dass es mich freut, dass es am Ende so gekommen ist, wie es gekommen ist. Es ist wirklich sehr viel angenehmer und schöner. Wenn du hier wärst, würdest du das sicher auch so sehen und verstehen. Hoffe ich zumindest. Das war’s dann auch erstmal von mir.
Wie gesagt, es wäre schön gewesen, wenn du auch wieder zurückgekommen wärst, aber das ist ja jetzt nicht mehr zu ändern. Vielleicht können wir uns stattdessen mal am Wochenende auf ein Stück Kuchen und Tee treffen? Weißt du, wir dürfen von der Schulleitung aus, eigentlich täglich nach Hogsmeade runter. Also wenn du Lust und Zeit hast, können wir uns ja treffen und richtig reden. Ich brauch schließlich auch noch ein passendes Kleid für die Feier. Da kannst du mir gleich mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Die liebsten Grüße,
Daphne
Merlin, das Mädchen war vielleicht gesprächig. Nur hatte sie leider nichts weiter geschrieben, was für ihn und seine Pläne interessant wäre. Da war lediglich die Tatsache, dass sie sich offensichtlich bereits stärker mit den Löwen, allen voran mit Potter, zusammengeschlossen hatten. War nach allem aber irgendwo zu erwarten. Auch, dass die ganze Meute geschlossen wieder im Schloss eingekehrt war.
Was für ihn etwas mehr von Interesse war, war die Tatsache, dass die Schüler offensichtlich etwas freies Geleit hatten. Daraus ließ sich doch sicherlich etwas machen. Wie hatte das Fräulein Greengras noch geschrieben? Sie wollte sich gerne mit ihrer Freundin in Hogsmeade treffen. Das käme ihm doch recht gelegen, was er Pansy dann gleich mitteilte.
„Hast du ihr schon geantwortet?“ „Nein“, entgegnete sie ihm verbissen, da sie, nach allem was Daphne ihr geschrieben hatte, nicht einmal mehr vorgehabt hatte, ihr zu antworten. Aus dem Brief war nur zu deutlich hervorgegangen, dass sich ihre ehemals beste Freundin zu einer ebenso dreckigen Blutsverräterin entwickelt hatte, wie es die Weasleys waren.
Was Daphne da alles geschrieben hatte, Pansy konnte das noch immer nicht fassen. Vor allem, was da offensichtlich in den Kerkern abgegangen war. Dass Schlammblut Granger und dann noch das Dreckswiesel in ihrem Gemeinschaftsraum! Das war widerlich.
Was sie aber noch wütender machte, war die Tatsache, dass Draco mit dem Schlammblut getanzt hatte und dann wohl wirklich noch mit der seinen Spaß hatte! Bis jetzt hatten sie ja nur vermutet, dass da etwas zwischen den Beiden war. Diese Vermutungen allein waren ja schon abartig. Es nun durch Daphne bestätigt zu haben, war gleich nochmal etwas anderes. Vor allem wenn sie bedachte, dass Draco ununterbrochen Kontakt mit Granger hatte, denn wenn er Schulsprecher war, konnte man sich an einem Finger abzählen, dass Granger seine Partnerin war.
Das mit der Gryffindor, war ihr ein unermesslicher Dorn im Auge. Hinzu kam noch Daphnes Hinweis, von wegen Draco hätte sich verändert. Als sie ihm in der Winkelgasse begegnet war, hatte sie nichts von einer solchen Veränderung bemerkt, denn er war so herablassend wie eh und je. Dass er das am Ende offensichtlich nur zu ihr war und im Gegenzug seinen Spaß mit dem räudigen Schlammblut hatte, machte sie nun jedoch rasend.
All die Jahre. . . Die ganze Zeit hatte sie sich ihm hingegeben und seine Launen ertragen. Doch ganz egal, was sie getan oder gesagt hatte, nie hatte er ein echtes Lächeln oder ein aufrichtiges, nettes Wort für sie übrig. Und nun schien das alles wohl nur so aus ihm herauszusprudeln? Warum? Wie konnte das sein? Wie konnte er sich plötzlich so anders verhalten? Wie konnte er sich so sehr verändert haben? „Er verabscheut dich“, echoten ihr Zabinis Worte vom zweiten Mai dann aber mal wieder in den Ohren nach, als man das Schloss evakuiert hatte. „Du warst bloß Mittel zum Zweck. Draco hat nie etwas für dich übrig gehabt. Er hat dich bloß gebraucht, um seine eigenen Interessen zu wahren.“ Sollte es tatsächlich an dem sein? Hatte er ihnen allen die ganze Zeit wirklich nur etwas vorgespielt? Sie wollte das nicht wahrhaben, wenngleich Zabinis Worte von damals es bewiesen. Genauso Dracos folgendes Engagement während der Schlacht. Genauso Granger, wie sie ihn im Anschluss aus Askaban rausgeboxt hatte. Merlin, das war doch. . .
„Dann solltest du das umgehend nachholen“, riss Lucius’ Stimme sie jedoch aus ihren von Hass geprägten Gedanken. Schließlich sah sie mit einem noch immer etwas funkelnden Blick zu ihm auf, wusste in der ersten Sekunde aber nicht, was er meinte.
„Was?“, fragte sie, sodass er deutlicher wurde, was ihr nicht wirklich schmeckte. „Triff dich mit Daphne in Hogsmeade, wie sie dir vorgeschlagen hat. Unterhalte dich mit ihr. Deine Freundin scheint mir ja sehr gesprächig zu sein. Lass sie einfach ein wenig erzählen. Schließ dich ihrer Meinung an, von wegen, dass du die jetzigen Entwicklungen auch begrüßt. Versuche dich nach Möglichkeit wieder stärker in deine alte Gruppe zu integrieren. Sei ihnen wieder eine Freundin und. . .“ „So blöd, wie Draco mir gekommen ist? Gerade er, Zabini und Harper werden mir gar nichts glauben!“, motzte sie und verschränkte bockig die Arme vor der Brust. Lucius rollte auf den Anblick dann auch gleich innerlich mit den Augen. Schlimmer, als ein verzogenes Kleinkind.
„Du sollst für den Anfang ja auch nur deine Freundin davon überzeugen. So wie sie schreibt, scheint sie doch sehr vernarrt in Harper. Sie wird ihn beknien, dass er dir zuhört. Früher oder später wird er ihr in dem Punkt sicher auch nachgeben und sich dann damit an Zabini und Draco wenden. So kommen wir nicht nur an Informationen, sondern auch an Draco. Und das ist es doch, was du genauso wolltest? Rache. Also verbring den Nachmittag mit ihr und hilf ihr bei der Kleiderauswahl. Der Rest ergibt sich dann schon.“ Und dass es so käme, dafür würde er sorgen. Er würde der kleinen Greengras schon ein paar brauchbare Informationen entlocken, dessen war er sich sicher.
„Aber lassen wir das. Dafür ist morgen noch mehr als genug Zeit. Was hältst du davon, wenn wir uns ein wenig den angenehmeren Dingen des Lebens widmen?“, säuselte er und zog sie zu sich. Kurz darauf begann er sie im Nacken zu küssen, während seine Hände an ihren Seiten hinab glitten und über ihre Taille hinweg auf ihrem Hintern landeten. Dort packte er einmal kräftig zu und drückte sie an sich. „Du willst es. Jetzt und hier. Hart und animalisch“, suggerierte er ihr ein, dem sie sich, wie erwartet, ohne den Hauch einer Gegenwehr bereitwillig hingab.
۩ ۞ ۩
Die kommenden Tage bis zum Wochenende verliefen relativ ruhig, sah man von der Tatsache ab, dass sich Draco immer wieder eine Ausrede einfallen lassen musste, um Hermione nach dem Unterricht zeitweise etwas auf Abstand zu halten, denn er wollte nicht, dass sie etwas von seinen Plänen spitz kriegte. Das wäre ziemlich kontraproduktiv.
So holte er sich mal wieder Blaise und Charlie ins Boot und erfand diverse Ausreden, zum Beispiel, dass er Training hatte oder etwas mit den beiden besprechen musste usw.. Fakt war aber ein ganz anderer, nämlich der, dass er sein Vorhaben von neulich doch noch versuchte, in die Tat umzusetzen, indem er sich etwas in der Verbotenen Abteilung über diverse Zauber schlau machte.
Hermione bekam er so zwar von seinem eigentlichen Vorhaben abgelenkt, nicht aber einen anderen Gryffindor, der ihm ständig mit dunklen Augen folgte und all seine Bewegungen und Handlungen peinlichst genau in sich aufnahm. Und gerade der Besuch in der Verbotenen Abteilung, regte Rons kühnste Phantasien an. Er fragte sich unweigerlich, was die Schlange dort trieb und versuchte ihm schließlich zu folgen. Irgendwie musste Madam Pince ihn aber bemerkt haben, denn er hatte noch keine drei Schritte ins Innere der Abteilung gemacht, da kam sie auch schon wütend angerauscht. Sie schimpfte, zwar leise, aber dennoch wie ein Rohrspatz, dass er nichts in der Verbotenen Abteilung zu suchen hatte.
Auf Rons Hinweis, dass sich Malfoy in dieser herumtrieb, korrigierte die Bibliothekarin ihn, dass er eine Erlaubnis als Schulsprecher hatte, im Gegensatz zu ihm. Mit diesen Worten hatte sie ihn aus der Bibliothek verwiesen, sollte er nicht etwas anderes aus den genehmigten Abteilungen brauchen. Ron verschwand allerdings eiligst in den Gängen, hoch in den Gryffindorturm.
Merlin allein wusste, was Malfoy dort trieb. Was er suchte oder vorhatte. Und da er, anders als sonst, endlich mal die Chance hatte, das Frettchen allein, ungesehen aller Blicke, abzugreifen, wollte er diese nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Kaum im Turm angelangt, verschwand er auch schon in seinem Schlafsaal. Das Glück schien ihm dann auch endlich mal hold zu sein, denn er war allein in diesem. So verschwendete er auch keine weitere Minute, sondern verschwand an Harrys Bett, genauer an seinem Koffer, in dem er gleich wühlte, auf der Suche nach dem Tarnumhang und am besten vielleicht auch noch der Karte des Rumtreibers. Die Karte hatte er in einem Seitenfach recht schnell gefunden, nur der Umhang wollte nicht auftauchen.
„Scheiße!“ Den brauchte er am Dringendsten, um sich ungesehen an Madam Pince vorbei- und letztlich an Malfoy heranzuschleichen. Nur wo war das blöde Ding? Harry hatte den jetzt doch garantiert nicht in Verwendung.
„Accio Tarnumhang!“, rief er schließlich mit gezücktem Zauberstab, in der Hoffnung, dass ihm das Stück Stoff dann in die Hände glitt. Mit dem Zauber hatte er Glück. Zwar waren es nicht seine Hände, sondern sein Gesicht, in welches ihm der Umhang klatschte, aber er hatte ihn.
Nur eine Sekunde später knüllte er ihn hastig zusammen und ließ ihn unter seinen Sachen verschwinden, wie auch die Karte, bevor er sich beeilte, wieder runter in die Bibliothek zu kommen. Erst als er vor dieser war, kramte er beide Utensilien wieder hervor, von denen er auch gleich Gebrauch machte. Er hatte Glück. Malfoy schien noch immer in der Verbotenen Abteilung mit seinen Schandtaten beschäftigt zu sein.
So begab er sich versucht leise in die hohen Räumlichkeiten, wo er, wie erhofft, weder von Madam Pince, noch sonst wem bemerkt wurde. Auch schaffte er es mit dem Umhang problemlos bis in die Verbotene Abteilung. Dort suchte er kurz etwas ahnungslos, bis er die Schlange an einem Tisch entdeckte, wo sie über zwei Büchern brütete und sich eifrig kritzelnd Notizen machte. Das war seine Chance. „Greif ihn an. Niemand ist hier. Niemand hat dich hineingehen sehen. Und niemand wird dich hinausgehen sehen“, meldete sich die Stimme in Rons Kopf einmal mehr und wurde mit jedem Satz lauter und fordernder. Herrischer. „So eine Chance wirst du so schnell nicht wieder bekommen. Greif ihn an. Er rechnet nicht damit. Schalte ihn aus. Ein für allemal. Schalte ihn aus. Töte ihn!“, befahl die Stimme lauthals und erreichte damit, dass sich Rons Blick noch etwas mehr verdunkelte. Seine Hand legte sich derweil gefährlich um seinen Zauberstab, den er so fest umschloss, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten. „Es sind nur zwei kleine Worte. Niemand wird es herausfinden. Niemand wird irgendwelche Spuren finden. Tu es, bevor dieses Monster die Gelegenheit dazu bekommt, seine dunklen Pläne in die Tat umzusetzen. Du weißt was dann passieren wird! Er wird morden. Er wird. . .“ „Mist!“, fluchte Draco da aber und warf angefressen die Feder vor sich auf das Pergament. Ron wiederum wachte auf den leisen Ausruf des Blonden aus seiner dunklen Trance auf und sah wieder mehr auf die Schlange, die sich scheinbar wütend die Haare raufte und schließlich geschlagen zurücklehnte, sodass sein Kopf träge auf der Stuhlkante lastete. Die grauen Augen wiederum blickten frustriert an die Decke.
„So funktioniert das doch nie!“, schimpfte er etwas auf sich selbst. Ron derweil wurde neugierig, was genau die Schlange hier trieb. War ja auch nicht ganz uninteressant. „Es spielt keine Rolle, was er hier tut. Es wird euer Schaden sein, wenn du ihm nicht Einhalt gebietest. Töte ihn!“, forderte die Stimme erneut. Ron ignorierte sie. Stattdessen näherte er sich versucht leise Draco, der noch kurz geschlagen an die Decke starrte, bevor er sich mit einem Ruck wieder richtig hinsetzte und nochmal auf seine Notizen sah. Schließlich verzog er verbissen das Gesicht und schlug die beiden Bücher, die ihm nicht bei seinem Problem helfen wollten, lautstark zu.
Ron zuckte auf das Geräusch unweigerlich zusammen und wich einen Schritt zurück. Seinen Zauberstab hielt er nun wieder fester, bereit der Schlange doch noch einen Fluch ins Gesicht zu brennen. Draco packte jedoch seine Notizen zusammen und räumte die Bücher zurück, bevor er sich auf den Rückweg machte. „Er entkommt! Tu etwas. So schnell wirst du ihn nicht mehr allein und ungeschützt antreffen. Tu es. Schnell! Töte ihn!“, donnerte die dunkle Stimme im Kopf des Rotschopfs erneut, der besagte Chance aber vergehen ließ. Stattdessen sah er Draco unheilvoll nach, bevor er an das Regal trat und sich seinerseits die beiden Bücher nahm, die die Schlange gerade gelesen hatte.
Er wollte herausfinden, was hier los war. Was Malfoy vorhatte. Nach was für einem Zauber er offensichtlich suchte. Er wollte Harry und allen voran Hermione beweisen, dass das Frettchen Dreck am Stecken hatte. Sie sollten sehen, dass er Recht hatte. Schon die ganze Zeit. Er wollte, dass sie sich bei ihm entschuldigten und Hermione reumütig zu ihm zurückkam. Insofern brachte es ihm am Ende mehr, Malfoy ans Messer zu liefern, als wenn er ihn jetzt mit ein paar Flüchen ausknockte. Dann war er wieder der Buhmann, und darauf hatte er echt keine Lust.
So warf er stattdessen einen Blick auf die Bücher, runzelte dann aber etwas die Stirn, bevor er in diesen zu blättern begann. Leider hatte er nicht gesehen, auf welcher Seite das Frettchen gelesen hatte, die Buchtitel sprachen aber schon irgendwo für sich. *Die hohe Kunst des Illusionierens und Verschleierns* wie auch *Zauber zur Auslöschung*. Das war für Rons Geschmack mehr als deutlich. Das Frettchen versuchte etwas zu verstecken oder auch für andere anders sichtbar zu machen. Vielleicht wollte er ein gefährliches Artefakt ungefährlich und harmlos erscheinen lassen? Oder er wollte etwas Wichtiges vernichten.
So verschwand er, mit den beiden Büchern unter dem Arm, ebenfalls aus der Verbotenen Abteilung zurück in den Gryffindor Gemeinschaftsraum. Auf dem Weg dorthin, zog er sich den Tarnumhang wieder runter und stopfte diesen, zusammen mit der Karte, in seinen Umhang. Als er den Gemeinschaftsraum betrat, hatte er erneut Glück, denn er entdeckte Harry. Leider war Ginny auch gerade präsent, die, kaum dass sie ihn erblickte, auch schon einen bösen Blick für ihren Bruder übrig hatte. Ron ignorierte sie und trat stattdessen zu Harry.
„Harry?“, begann er. Sein ehemals bester Freund sah ihn jedoch recht distanziert an. „Was?“ „Können wir reden? Es ist wirklich wichtig. Ich . . . ich muss dir was zeigen“, drängte Ron. Ginny, neben Harry, schnaubte auf die Bitte ihres Bruders recht geräuschvoll, widmete sich dann aber wieder mehr ihren Hausaufgaben, durch die sie sich mit Harry quälte. Dieser überlegte noch kurz, sah dann allerdings die beiden Bücher, die Ron dabei hatte und vermutete, dass der Rotschopf vielleicht bei etwas Hilfe brauchte. Und da Harry trotz allem noch immer etwas Hoffnung hatte, dass sich Ron endlich besann, wollte er sich die Bücher nehmen. Ron aber trat einen Schritt zurück.
„Können wir in unseren Schlafsaal gehen?“, bat er, da Ginny sofort wieder zur Furie werden würde, wenn sie hörte, was er beobachtet hatte. Seine Schwester guckte dann auch gleich recht ungehalten und ließ erneut ein schnaubendes Geräusch von sich hören, während Harry mit den Augen rollte.
„Von mir aus“, entwich es ihm etwas genervt, als er sich erhob und Ron hinterher schlurfte. Kaum in ihrem Schlafsaal, verschloss Ron diesen auch gleich, damit sie unter sich blieben. Harry beobachtete es argwöhnisch.
„Was ist jetzt? Über was willst du reden?“ „Was hältst du von denen?“, hielt Ron ihm dann die beiden Bücher hin, die sich Harry verwundert nahm und kurz studierte. Am Ende zuckte er ahnungslos mit den Schultern. „Steht doch gar nicht im Lehrplan. Wenn ich dir bei einem der Zauber helfen soll, muss ich passen. Die sehen kompliziert aus“, murmelte Harry, als er ein paar der Sprüche überflog.
„Ich will sie nicht lernen, Malfoy hat aber in den Büchern gelesen und. . .“ „Stopp! Ich will kein Wort mehr hören“, fiel Harry ihm sofort ins Wort, kaum dass Ron Draco erwähnt hatte. Er klappte die Bücher zu und funkelte den Rotschopf böse an.
„Hör auf ihm nachzuspionieren und in allem etwas Schlechtes zu sehen, was er tut. Vor allem, wenn er in einem Buch liest!“, schimpfte Harry. Ron wusste sich aber gleich zu rechtfertigen. „Die sind aus der Verbotenen Abteilung! Und dort werden sie nicht grundlos stehen. Malfoy scheint irgendwas verstecken zu wollen und. . .“ „Man, hör endlich auf damit.“ „Findest du es nicht seltsam, dass er sich in der Verbotenen Abteilung rumtreibt?“ „Nein. Er wird was recherchiert haben. Davon mal abgesehen, wie oft hat sich Hermione schon in die Verbotene Abteilung geschlichen?“, argumentierte Harry, wunderte sich dann aber mal etwas.
„Wie bist du eigentlich dort reingekommen? Madam Pince ist da doch wie eine blutige Bulldogge, wenn sich jemand unberechtigt Zutritt verschafft“, wurde Harry hellhörig. Ron wiederum zuckte ertappt. „Ich . . . also. . . Ich hab mir . . . äh . . . was ausgeborgt“, stammelte er ein wenig hilflos und holte schließlich die Karte und den Umhang hervor, worauf Harry fast die Augen rauskamen, als er das sah.
„Du beklaust mich?!“, rief Harry gleichermaßen empört, wie auch wütend. „Ich hab’s mir nur ausgeliehen!“, verteidigte Ron sich schnell, als sich Harry sein Eigentum ruppig nahm und sauer in seinen Koffer warf, den er dann auch gleich magisch versiegelte, damit NIEMAND mehr da rein kam, außer er selbst. Ron derweil redete weiter und versuchte sich zu rechtfertigen.
„Merlin, es ging nicht anders. Ich musste mich beeilen, sonst wär das Frettchen schon wieder weg gewesen und. . .“ „Ich fass es nicht. RON!“, schrie Harry auch weiter wütend. „Es tut mir leid, aber findest du das nicht seltsam?“, kam Ron wieder auf seine Entdeckung zurück und deutete Harry auf eines der Bücher.
„Ich mein, du hast vorhin selbst gesagt, dass diese Zauber nicht im Lehrplan stehen. Was denkst du also, wieso er sowas liest? Bestimmt nicht aus Langerweile. Merlin allein weiß, nach was für einem Spruch er gesucht hat!“ „In einem Buch über Illusionszauber? Du hast Recht, Ron. Da stehen wirklich wahnsinnig potente und gefährliche Zauber drin, die einen umbringen würden“, schnarrte Harry sarkastisch und warf Ron noch kurz einen bösen Blick zu, bevor er sich die Bücher nahm, um sie Madam Pince zurückzubringen.
„Harry!“, rief Ron ihm noch verzweifelt nach, doch der Held schenkte ihm keine Beachtung mehr, sondern machte sich auf den Weg runter in die Bibliothek. Er hoffte, dass er Madam Pince eine halbwegs vernünftige Erklärung für alles auftischen konnte.
۩ ۞ ۩
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Weil ich ein riesiger Fan von Gary Oldman bin, war ich bei unserem ersten Treffen völlig eingeschüchtert. Dabei ist er echt ein cooler Typ und ich habe mich in seiner Gegenwart sofort sehr wohl gefühlt.