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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Ausgeträumt

von Alex2303

۩ ۞ ۩


Es war bereits spät am Morgen, fast schon Mittag, als Draco das erste Mal müde blinzelte. Für einen kurzen Moment schielte er verwirrt unter dem traumhaft weichen Kissen hervor und wunderte sich, über die grünen Samtvorhänge eines großen, schrecklich gemütlichen Himmelbettes.
Er musste eindeutig noch schlafen, denn so etwas gab es in Azkaban nicht, womit er den leicht hämmernden Kopf wieder richtig unter dem flauschigen Kissen vergrub und sich mit der kuschligen Decke, in dem bequemen Bett, erneut mehr zusammenrollte.
Komischer Traum, dachte er sich müde und wünschte sich immer mehr in diesen zurück. In eine Illusion, in der Hermione ihn aus Azkaban geholt hatte und letztlich mit ihm nach Hogwarts gegangen war. McGonagall hatte ihm gesagt, er solle seinen Abschluss nachholen. Darüber hinaus hatte sie ihm und der Löwin das Amt der Schulsprecher zugewiesen.
Witzig, ging es ihm grinsend durch den Kopf. Mehr noch, als er an den Rest dachte. Er hatte mit Hermione später am Abend noch einen Firewhiskey nach dem anderen getrunken und angefangen herumzublödeln, als sie beide immer betrunkener wurden. Am Ende hatten sie sich geküsst.
Merlin, sie hatten sich nicht einfach nur geküsst, sondern gegenseitig beinahe in ihrer Begierde und der Sehnsucht verschlungen und verloren. Er hatte zudem auch irgendwie wieder im Kopf, dass sie nach ihm gefragt hatte. Ob sie ihn haben könnte, worauf er traurig lächelte.
Ein schöner Traum. Aber leider nur ein Traum, womit er die Augen stärker zusammenkniff, in der schwachen Hoffnung da vielleicht erneut anknüpfen zu können. Ein nerviges Poken hinderte ihn allerdings daran und ließ ihn viel zu schnell munter werden.
Diese blöden Wärter!, murrte er im Stillen. Konnten diese Arschlöcher ihm nicht wenigstens seine Träume lassen? Zumindest diesen einen Warmen? Irgendwann resignierte er und zog sich entnervt das Kissen vom Kopf, bevor er sich der Geräuschquelle zuneigte. Als er aufblickte, blieb der Eindruck eines gemütlich eingerichteten Schlafzimmers, ganz im Slytherin Stil, jedoch bestehen. Er lag nach wie vor in dem weichen Bett, dass von den dunkelgrünen Samtvorhängen halb verhüllt war.
„Was zum Teufel. . .“, murmelte er irritiert und schob die Vorhänge schließlich auf. Er sah aber auch weiter diesen Raum, und entdeckte damit den Grund für den Krach. Vor dem verschlossenen Fenster hockte sein Uhu und pickte, so finster wie er guckte, schon länger an die Scheibe.
„Ethon?“, entwich es ihm nach wie vor verwirrt. Letztlich kroch er ganz aus dem weichen Bett, um den Vogel hereinzulassen. Dabei kam er nicht umhin, sich erneut in dem Zimmer umzusehen. Genauso aus dem Fenster, welches ihm tatsächlich die Ländereien von Hogwarts zeigte. Da war ein Teil des Schlosses und des Sees, den er sah.
„Das ist . . . kein Traum?“, murmelte er mit langsam wachsendem Begreifen, was schlagartig mehr wurde, als sein Uhu ihn in den Finger zwickte, da Draco noch immer keine Anstalten machte, ihm den Brief abzunehmen.
„Ja doch!“, murrte er den Vogel an, der ihm gelangweilt das Bein darbot. Kaum dass er die Nachricht gelöst hatte, verzog sich der Uhu in Richtung Eulerei, dem Draco etwas ungläubig hinterher sah, bevor seine Konzentration auf den Umschlag fiel. Dieser war von seiner Mutter, die sich nach ihm erkundigte, sodass er allmählich begriff, dass das, was er für einen Traum gehalten hatte, offensichtlich gar keiner war. Er war wirklich wieder in Hogwarts. Hermione und McGonagall hatten ihn tatsächlich aus Azkaban geholt. Es war echt. Alles. So auch das kleine große Saufgelage gestern Abend.
Damit war er richtig wach und in Windeseile im Wohnzimmer. Auf dem Boden lagen noch immer ihre Klamotten verstreut, genauso wie die Flaschen auf dem Couchtisch standen. Von der Hexe fehlte aber jede Spur.
War sie etwa schon gegangen? Nein, sie hätte ihn bestimmt geweckt. Oder? War sie vielleicht sauer wegen gestern? Wegen des Kusses?
Als er daran dachte, wurde ihm ohnehin ganz anders. Er begann sich unweigerlich zu fragen, wie sie das jetzt im Nachhinein auffasste? Am Ende stahl er an ihre Zimmertür und klopfte sacht. Als keine Reaktion erfolgte, rief er leise nach ihr und öffnete letztlich die Tür. In ihrem Zimmer war es ähnlich dunkel wie bei ihm. Warum fiel ihm dann auch wieder ein. Er selbst hatte die Vorhänge ja noch verschlossen.
Schließlich schlich er an ihr Bett, in dem sie lag und noch immer recht fest schlief. Das Kissen hatte sie mit den Armen umschlungen und ihr Gesicht halb darin vergraben. Ihre Haare standen ihr einmal mehr sonst wo, was ihn schmunzeln ließ. Er beugte sich zu ihr, um das Chaos ein klein wenig zu richten. Dabei strich er ihr etwas über die Wange.
„Hermione? Hey“, sprach er ihr ruhig zu und versuchte, sie zu wecken. Allerdings knurrte sie nur und ließ das Gesicht noch stärker im Kissen verschwinden. Sie wollte nicht. Und da hatte er immer gedacht, er wäre ein notorischer Morgenmuffel.
Nichtsdestotrotz probierte er es weiter, denn da das ja nun doch kein Traum war, hieß es für sie beide, dass sie sich in einer halben Stunde bei der Direktorin einfinden mussten. Die hatte ja nochmal mit ihnen irgendetwas bereden wollen, weshalb er aufs Neue versuchte, die Gryffindor zu wecken.
„Hermione, komm schon. McGonagall geht sonst die Wände hoch“, rüttelte er sie etwas mehr, was sie erneut murmeln ließ: „Will nich aufstehn“, bevor sie ihn mit kleinen Augen anblinzelte.
„Was’ los?“, nuschelte sie völlig vertrant, worauf er sich in die Hocke sinken ließ, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein. Er erkannte da erst, dass sie reichlich verkatert aussah. Blass, mit dicken Ringen unter den Augen.
Offensichtlich war ihr der ganze Whisky nicht so gut bekommen wie ihm. Bei der Menge, die sie hinter gekippt hatte, war das allerdings kein Wunder. Er hatte ja schon gestaunt, was sie weggesteckt hatte und dann trotzdem noch halbwegs vernünftig reden konnte.
„Ich störe dich nur ungern in deinem Schönheitsschlaf, aber McGonagall wollte etwas mit uns besprechen. Es ist fast halb 12.“ Auf seine Erklärung sah sie ihn kurz träge, um nicht zu sagen recht dümmlich an, bis ihr Kopf sein Denken schlagartig wieder aufnahm und ihr die Bitte der Direktorin ebenso in den Sinn kam. Allen voran die Uhrzeit, die er ihr gerade genannt hatte, womit sie verschreckt hoch fuhr „Halb 12?!“ und zur Strafe mit einem dröhnenden Schädel belohnt wurde, der sie postum zurück in ihr Kissen plumpsen ließ, in das sie schmerzlich stöhnte.
„Au.“ „Kater?“, vermutete Draco, als sie sich auf die Seite rollte und die Hände an den hämmernden Kopf presste. „Oh scheiße“, ächzte sie und versuchte den Schwindel so ein wenig einzudämmen. Mit eher mäßigem Erfolg, sodass sie leise murmelte: „Was’ passiert?“ „Nichts. Wir haben gestern Abend nur noch etwas getrunken.“ „Getrunken?“, schielte sie gequält zu ihm, worauf er nickte und sich auf den Rand des Bettes setzte.
„Ja. War doch deine Idee“, erinnerte er sie, wo sie etwas brauchte, bis es ihr wieder einfiel und sie die Augen leicht verdrehte.
„Merlin, wie viel hab ich getrunken?“ „So wie du guckst, zu viel. Wir haben fast zwei Flaschen Firewhiskey leer gemacht.“ „Nein“, stöhnte sie erneut. „Doch“, grinste er, was sie aufs Neue stöhnen und schmerzlich die Lider schließen ließ.
„Mir ist, als tobt eine Horde Bergtrolle in meinem Kopf rum“, jammerte sie leise, sodass er ihr beruhigend die Hand auf die Stirn legte und behutsam mit den Fingern darüber strich. Kurz darauf schielte sie zu ihm.
„Dann bleib liegen und schlaf noch etwas. Ich kann auch alleine zu McGonagall gehen. Wenn ich Charlie sehe, frag ich ihn, ob er ein paar Spezialtränke mit hat“, schlug er ihr vor und grinste, als sich auf die Erwähnung der Tränke ein dickes Fragezeichen auf ihre Züge stahl.
„Was für Tränke?“ „Och, nur was gegen ‘nen Kater. Was glaubst du, wie Blaise sonst manchmal rumgelaufen wäre, hätte Charlie seinen halben Koffer nicht mit dem Zeug vollgestopft?“ „Sag mir jetzt nicht, ihr habt öfters solche Saufgelage gehabt?“ „Na doch“, grinste er. „Hab ich dir gestern Abend doch erzählt. Weißt du nicht mehr?“ „Nein“, seufzte sie und presste kurz die Augen zusammen, als sie eine neue Schmerzwelle überrollte.
Ihr tat der Kopf viel zu sehr weh, als das sie ihn mit so etwas Banalem, wie nachdenken, noch stärker beanspruchen wollte, geschweige denn konnte. Draco wurde auf ihre Aussage ein wenig unsicher.
„Woran erinnerst du dich denn noch?“, bohrte er vorsichtig. Daraufhin zog sie die Augenbrauen kraus und legte die Stirn in Falten. In ihrem Geist huschten dabei zusammenhanglose Bildfetzen und Worte umher, mit denen sie jedoch nichts anzufangen wusste und so wieder stöhnte.
„Ich. . . Nichts eigentlich. Ich. . . Gott, ich hab den totalen Filmriss“, jammerte sie und rieb sie sich mit den Fingern massierend über die Schläfen, während in Draco ein kleines Stimmchen schier verzweifelt Nein! schrie.
Das durfte doch nicht wahr sein! Sie konnte doch nicht vergessen haben, dass sie sich geküsst hatten? Sie konnte doch nicht wirklich vergessen haben, was er ihr gesagt hatte? Dass er sie wollte. Sie ihn haben konnte!
„Du erinnerst dich . . . an nichts?“ „Nein. Merlin, ich. . . Ich weiß nicht einmal mehr, wie ich mich ins Bett geschleppt hab.“ „Hast du ja nicht“, lächelte er nun müde, wie auch tief bedrückt, was sie verwirrte.
„Was meinst du?“ „Hm? Ach nichts. Du bist auf der Couch eingepennt. Ich ja auch fast und. . . Na ja, ich dachte mir, die Couch ist nicht so bequem zum Rausch ausschlafen und da hab ich mir die Freiheit genommen, Mademoiselle ins Bett zu bringen.“ „Oh!“, entwich es ihr angenehm überrascht, bevor sich etwas Farbe auf ihre blassen Wangen stahl.
„Dann, danke dafür“, meinte sie peinlich berührt, wie auch verlegen. Er schüttelte aber nur mit dem Kopf, ehe sein Blick wieder leicht deprimiert auf sie fiel, was ihr absolut nicht behagte.
„Was ist? Hab . . . hab ich noch irgendetwas Blödes gemacht?“, fragte sie unsicher, worauf er am liebsten angefangen hätte zu heulen.
„Kommt darauf an, was du unter blöd verstehst?“ „Ohhh!“, stöhnte sie und schlug sich die Hände vors Gesicht, ehe sie noch mehr in ihrem Kissen versank, während ihr alle möglichen Dinge durch den Kopf schossen, die sie in ihrem Zustand fabriziert haben könnte. Draco besah es sich auch weiter gequält.
„Was hab ich gemacht?“ „Willst das wirklich wissen?“ „Eigentlich . . . nicht.“ Er seufzte, worauf sie ihn ansah. „Hab . . . hab ich was Blödes zu dir gesagt oder so?“ „Nein. Das einzig blöde, waren unsere Witze.“ „Oh.“ „Ja.“ „Und sonst?“ „Hm. . .“ Daraufhin schwieg er kurz.
Wenn sie sich tatsächlich nicht mehr an den Abend erinnerte, war das richtig scheiße. Allerdings konnte er so vielleicht doch noch herauskriegen, was sie im nüchternen Zustand über den Kuss dachte?
„Wir haben rumgealbert, uns Witze erzählt, die irgendwann ziemlich dämlich waren. Du hast dein nicht vorhandenes gesangliches Talent unter Beweis.“ „Nein! Ich hab nicht wirklich gesungen?“, sah sie ihn beschämt an. Er grinste müde, da sich ihre Karaokeeinlage noch ein gutes Stück früher ereignet hatte. Doch wenn sie selbst das nicht mehr wusste. . .
„Doch. Viva Forever oder wie das hieß.“ Daraufhin stöhnte sie, denn das glaubte sie ihm sofort. Der Song war von einer Muggleband und auch erst diesen Sommer rausgekommen. Davon konnte er nichts wissen, außer von ihr.
„Ich hatte zeitweise wirklich die Befürchtung, die Fenster würden zerspringen“, stänkerte er ein wenig, um sich seine Unruhe und die langsam wachsende Verbitterung nicht anmerken zu lassen. Die Angst, wie sie reagieren könnte. Bitterkeit und Enttäuschung, da sie sich nicht erinnern konnte.
Auf seine kleine Spitze schnappte sich Hermione eines ihrer Kissen und schlug es ihm schließlich mit einem nicht ernst gemeintem „Blödmann“ in die Seite. „Hey, hey. Keine Gewaltübergriffe, Miss Granger.“ „Arsch.“ „Sie Arsch“, bestand er darauf, womit sie wieder zum Thema zurückkam.
„Mit was hab ich mich noch vor dir blamiert?“ „Lass mich mal überlegen. Du hast versucht mich für eine komische Hauselfenbewegung zu begeistern.“ „Nein“, stöhnte sie erneut und rutschte in ihrem Kissen immer tiefer. Das mittlerweile vor Scham rot glühenden Gesicht, hielt sie hinter ihren Händen verborgen.
„Dann hast du mir erzählt, wie du dich im Zweiten unfreiwillig in etwas Katzenähnliches verwandelt hast.“ Daraufhin schoss ihr das Blut noch mehr in den Kopf, ehe sie ihn panisch ansah. Draco zog spitz eine Augenbraue nach oben.
„Ich hab gemerkt, dass was an Crabbe und Goyle faul war. Allerspätestens als Crabbe rote Haare gekriegt hat.“ Während er sprach, blitzte etwas in seinen Augen, worauf sie sich wünschte, im Boden zu versinken.
„Ich . . . wir wollten . . . wir dachten. . .“ „Dass ich etwas über den Erben Slytherins weiß, oder wo sich die Kammer verbirgt“, half er ihr, worauf sie sich auf die Zunge biss. Sie war sich sicher, dass er deswegen sauer war, auch wenn die Geschichte bereits ein paar Jahre zurücklag.
„Potter und das Wiesel haben miserabel geschauspielert. Das kannst du ihnen gerne nochmal sagen. Allerdings muss ich zugegeben, ich war schon beeindruckt, dass du es in der zweiten Klasse hingekriegt hast, einen funktionierenden Vielsafttrank zu brauen. War nur Pech für dich, dass du Haare von Bulstrodes Katze erwischt hast. Hätt ich ehrlich gesagt gerne gesehen, wie du Haarknäule hustest“, lachte er wieder, um die Stimmung aufzulockern. Dass es funktionierte, merkte er nur einen Augenblick später daran, dass sie ihn erneut versuchte, mit dem weichen Kissen zu erschlagen. Das nahm er ihr kurzerhand ab und drückte es sich selbst vor den Oberkörper, um etwas in der Hand zu haben.
„Das war ein Kompliment, meine Liebe. Der Trank ist Oberstufenniveau. Das weißt du.“ Daraufhin brummte sie kurz, nickte im Anschluss aber und ließ sein Kompliment sacken.
„Und sonst?“, sah sie ihn wieder unsicher an. Er konnte daran deutlich erkennen, dass es ihr nicht behagte, nicht zu wissen, was war. Was sie getan oder auch erzählt hatte.
„Eigentlich nichts weiter. Nur. . .“ „Was?“, saß sie wie auf Kohlen und durchbohrte ihn schon halb mit ihren Augen. Draco schluckte auf den Anblick kaum merklich, ehe er sich ein Herz fasste und in gelangweiltem, versucht beiläufigen Tonfall meinte: „Du hast mich geküsst.“ Daraufhin passierte eine quälende Sekunde lang nichts, bevor Hermione aschfahl wurde und ihr plötzlich drohten die Augen aus den Höhlen zu kriechen, ehe sie ihn lauthals anschrie.
„WAS?“ Draco klingelten die Ohren. Zeitgleich zog sich sein Innerstes fürchterlich zusammen, denn in ihren Augen lag nicht die kleinste Spur von Überraschung, Scham oder etwas peinlich Berührtes so wie zuvor. Nein, es war das blanke Entsetzen, Panik, Ungläubigkeit und auch irgendwie ein Hauch von Angst. Da war nichts Warmes oder Liebevolles. Keine Sehnsucht oder sonst etwas von all dem, was er die vergangene Nacht hatte sehen und spüren können, was ihn innerlich beinahe drohte umzubringen.
Verdammt, was war er? Ein Monster mit zwei Köpfen, dass sie diese Vorstellung dermaßen aus der Bahn warf? Es tat weh. Es tat richtig weh, erst recht, wenn er an all das zurückdachte, was sich die letzten Wochen zwischen ihnen entwickelt hatte. Nach allem, was sie für ihn getan und der Zeit, die sie mit ihm verbracht hatte.
Sie hatte ihm Halt und Hoffnung in Azkaban gegeben. Sie hatte ihm doch auch gesagt, dass sie Freunde waren. Was war an einem Kuss unter Freunden dann so schrecklich?
Sah sie ihn am Ende vielleicht doch nicht so sehr als einen Freund, wie er dachte und hoffte? Sah sie trotz allem, tief in sich, auch weiter etwas anderes? Sah sie in Wahrheit noch immer dieses Scheusal, was er ihr die Jahre über vorgespielt hatte? Konnte es sein? War das alles womöglich nur ein schöner Schein gewesen? Hatte er sich selbst betrogen und diverse Dinge einfach nur eingeredet und anders ausgelegt? Hatte er sich bestimmte Dinge eventuell auch nur eingebildet, weil er es sich so sehr wünschte?
Ihre noch immer vor Panik und Ungläubigkeit weit aufgerissenen Augen schienen ihm zusätzlich Recht zu geben, weshalb er sich innerlich straffte und unauffällig seine alte Maske aus Überheblich- wie auch Gleichgültigkeit auf seine Züge legte, um wenigstens etwas die Notbremse zu ziehen, ehe er haltlos eine Klippe hinunterstürzte.
„Das . . . das hab ich nicht!“, stammelte Hermione in einer wachsenden Panik und leisen Verzweiflung, was es für ihn nicht gerade besser machte. Letztlich versuchte er seinen Schmerz, wie auch die Bitterkeit gänzlich zu verdrängen und zu verstecken, bevor er ihr und sich den Gefallen tat und diese Wahrheit in der Versenkung verschwinden ließ.
Er setzte eine gespielt enttäuschte Miene auf, als er meinte: „Du weißt ja doch noch was! Schade. Und ich dachte, ich kann dich noch ein bisschen mehr Foppen. Du hättest mal dein Gesicht sehen sollen“, grinste er dämlich, obwohl er am liebsten geheult hätte.
Hermione blinzelte jedoch total perplex über seine Aussage und versuchte daraus einen sinnvollen Inhalt, wie auch richtige Schlüsse zu ziehen. Unter normalen Umständen wäre ihr klar gewesen, dass er log, denn für gewöhnlich gab er nie so schnell klein bei, wenn er derartig Oberwasser hatte.
Im Augenblick lief ihr Hirn aber nur auf Sparflamme und tapste damit in die ausgelegte Falle. Sie rekonstruierte alles für sich als dummen Scherz, was ihr kurz die Zornesröte ins Gesicht trieb und sie schließlich lauthals auf ihn schimpfte.
„Du blöder Idiot! Manchmal frag ich mich echt, was in deinem Schädel drin ist!“ Noch als sie sprach, versuchte sie ihn aufs Neue mit einem der weichen Kissen zu erschlagen, was er gekonnt, noch immer grinsend, abwehrte.
„Mehr als in deinem, kleine Kratzbürste.“ „Ich geb dir gleich was von wegen Kratzbürste, du Strohschädel. Mich so zu verarschen!“, meckerte sie. Nun aber langsam erleichtert, bis sich ihr Kater verstärkt zurückmeldete und es ihr erneut schwindelte.
Im nächsten Moment lag sie wieder. Sie vergrub das Gesicht stöhnend im Kissen, bevor sie sich gänzlich auf den Bauch drehte und wehleidig jammernd, „Ich trink nie wieder was mit dir“ eines der verbliebenen Kissen über den Kopf zog, der ihr zeitweise zu platzen drohte. In dem Augenblick wünschte sie sich einen stillen Tod herbei.
Sie konnte dadurch nicht sehen, dass der Blonde sie bitter, wie auch tieftraurig musterte, ehe er ihr die Decke bis über die Taille zog. Erst als das Bett federte, linste sie zwischen dem Kissen und ihrem explodierten Haarschopf hervor. Da war er bereits an der Tür, sodass sie ihn noch immer halb erschlagen rief.
„Draco.“ Daraufhin blieb er stehen und seufzte. Hermione betrachtete ihn kurz verwirrt, wie auch nachdenklich, ehe sie unsicher fragte: „Bist du böse?“, da ihr sein Verhalten trotz allem nicht geheuer war. Kurz darauf drehte er sich gelassen zu ihr.
„Sollte ich?“, erkundigte er sich ruhig, obwohl in ihm ein brennender Schmerz tobte. „Das eben war nicht so gemeint. Du bist kein blöder Idiot und Strohschädel. Wobei. . . Ein Idiot bist du schon. Aber ein Lieber.“ Daraufhin zog er skeptisch eine Augenbraue hoch.
„Du brabbelst wirr“, entgegnete er ihr, worauf sie fertig grinste und sich wieder mehr in ihr Kissen kuschelte. „Könnte an dem Matschzustand meines Hirns liegen.“ „Möglich“, gab er ihr auch weiter ruhig, allerdings auch distanziert zurück. Hermione seufzte. Sie kannte ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, wenn ihm irgendetwas nicht schmeckte. Ein bisschen unheimlich, dennoch war es so.
„Hör zu, es tut mir leid, wenn ich etwas Blödes gesagt oder gemacht habe. Ich kann mich aber wirklich nicht mehr an gestern Abend erinnern. Aber es war furchtbar lieb von dir, mich ins Bett zu bringen“, lächelte sie aufmunternd, fragte sich zeitgleich jedoch, wie er das bewerkstelligt hatte? Er musste doch annähernd so viel getrunken haben, wie sie. Eher noch mehr. Umso mehr war es ihr ein Rätsel, wie er jetzt so eklig munter sein konnte?
„Ich will mich nicht mehr mit dir streiten. Das haben wir in den vergangenen Jahren genug getan.“ „Hm“, murmelte er matt. Das wollte er ja auch nicht, nur war es ihm gerade unerträglich, in ihrer Nähe zu sein, mit dem bitteren Wissen, dass die letzte Nacht zu einem einseitigen Traum geworden war. Nochmal bewusst auf die Sache eingehen wollte er jedoch nicht. Ihre Reaktion vorhin hatte ihm gereicht, denn die war mehr als deutlich gewesen.
„Sei nicht sauer, okay?“ „Bin ich nicht.“ „Du hast doch aber was“, gab sie ihm zurück, worauf er aufblickte und so erneut in ihr verunsichertes Gesicht schaute. Kurz darauf hätte er sich am liebsten in den Hintern getreten.
Scheinbar funktionierte seine Maske ihr gegenüber nicht mehr gut genug, was er prompt versuchte zu ändern, worauf sie missbilligend das Gesicht verzog.
„Lass das! Das hab ich dir gestern schon gesagt. Wenn wir den Anderen beweisen wollen, dass sie ein völlig falsches Bild von dir haben, solltest du dieses Bild auch nicht wieder schüren, indem du einen auf Eisklotz machst.“ „Tu ich doch gar nicht.“ „Tust du!“, warf sie ihm entschieden entgegen und quälte sich letztlich aus dem Bett, was im Nachhinein keine gute Idee war. Sie stand noch gar nicht richtig, als sich das Zimmer unangenehm zu drehen begann und ihr die wackligen Beine nachgaben.
„Whuo“, entwich es ihr unkontrolliert, als sie versuchte, sich an irgendetwas festzuhalten. Nur war nichts da. Mal wieder. Nichts außer ihrem Slytherin, der ihren Sturz kommen sah und diesen schnell abfing, sodass sie etwas plump in seinen Armen landete. Als das der Fall war, rauschten kurz ein paar Bilder und Eindrücke durch ihren noch immer leicht vernebelten Geist. Ein blöder Witz, Gelächter, ein Sturz und schließlich warme Arme, die sie auffingen, sicher hielten und. . .
„Ich glaube, dass mit dem Laufen lässt du heute noch“, murmelte Draco, sodass die Bildfetzen abrissen und sie gleichermaßen verlegen, wie auch irritiert zu ihm aufblickte. In der nächsten Sekunde hatte er sie richtig angesackt, sodass sie nun auf seinen Armen lag, mit denen er sie auf dem Bett ablegte.
„Kuschel du mal mit deinem Kater, ich red allein mit McGonagall“, meinte er, worauf sie peinlich rot anlief. Das Gespräch mit der Direktorin hatte sie schon wieder vergessen, wie auch so den halben Abend.
„Draco, ich. . .“ „Du bleibst liegen und schläfst! Ich frag Charlie dann noch, ob er ein paar Tränke mit hat.“ „Aber. . .“ „Nix aber! Bis später“, würgte er sie ab und war aus ihrem Zimmer raus, was sie völlig verdutzt in sich aufnahm. Wer zum Teufel war der Kerl und was glaubte er sich einzubilden, ihr Vorschriften zu machen?
Am Ende ignorierte sie seine Anweisung und stand erneut auf. Diesmal um einiges langsamer, bevor sie sich ins Bad kämpfte, um sich zu waschen und vielleicht auch kalt zu duschen. So würde sie eher halbwegs klar im Kopf werden, und bekam damit unter Umständen auch ihren Kreislauf ein bisschen in die Gänge.
Das fehlte ihr gerade noch, gleich am ersten Tag auszufallen und bei einer Besprechung mit der Direktorin zu fehlen! Das duldete ihr Pflichtbewusstsein einfach nicht. Minerva würde sonst was von ihr denken und wäre sicherlich auch enttäuscht. Davon abgesehen behagte ihr der Gedanke nicht, Draco alleine im Schloss herumlaufen zu lassen. Nach dem Zirkus am vergangenen Abend mit Kevin und Justin erst recht nicht. Ihre Mitschüler waren nur zu offensichtlich noch immer schlecht auf ihn zu sprechen. Sehr schlecht. Und nach Rons idiotischem Ausbruch sicher noch schlechter.
Er hatte damit die Schüler aufs Neue richtig gegen den Blondschopf aufgewiegelt und zudem den allerkleinsten massiv Angst vor ihm gemacht. Sie hatte es gesehen. Die vier Erstklässler, die Slytherin zugeteilt worden waren, hatten sich nicht zu Charlie und Astoria getraut, weil Draco bei ihnen saß. Genauso wie die Übrigen ängstlich geschaut hatten, als sie mit ihm zu Minerva gegangen war.
Letztlich seufzte sie aufgrund der Dinge in sich hinein und begab sich fürs Erste unter die eiskalte Dusche.

۩ ۞ ۩


Kaum dass Draco mit sich und seiner Morgendusche fertig war, verschwand er im Wohnzimmer und beseitigte ihr kleines, großes Chaos.
Er ließ die ganzen Flaschen auf die Anrichte schweben, während er ihre Klamotten über die Lehne des Sessels legte. Im Anschluss ließ er noch die Butterbierpfütze magisch verschwinden, die Hermione bei ihrem Sturz zurückgelassen hatte.
Als er wieder mehr an das dachte, was dem kleinen Sturz gefolgt war, kam die erschlagende Frustration zurück. Es war alles so furchtbar nah gewesen. So greifbar nah. Nun schien es erneut in eine unendlich weite Ferne gerückt zu sein.
Auch war er trotz des Kusses und ihrer knappen Worte dennoch nicht wirklich schlauer. So betrunken wie sie war, konnte er darauf absolut nichts geben, was ihre nüchterne Reaktion umso mehr bewiesen hatte. Vielleicht wollte sie mehr von ihm, vielleicht auch nicht. Vielleicht war es tatsächlich nur der Alkohol, der Menschen bekanntermaßen Dinge tun und sagen ließ, die sie bei klarem Verstand nie machen würden. Zum Beispiel den erklärten Todfeind aus Kindertagen küssen und. . .
ARGH! „Scheiße“, seufzte er und ließ sich fertig in einen der Sessel fallen. Er hatte gewusst, dass es kein Zuckerschlecken werden würde. Alles. Dass er und seine Persönlichkeit durch den Krieg, und all die vorangegangenen Dinge, unangenehm und zudem zum Negativen gebrandmarkt war. Der Zirkus jetzt mit dem Schulsprecher kam ihm auch nicht wirklich gelegen. Dass das von niemandem mit Wohlwollen oder auch nur entfernt einem neutralen Gefühl aufgefasst werden würde, hatte er geahnt, um nicht zu sagen gewusst. Was sich McGonagall dabei gedacht hatte, war ihm noch immer ein Rätsel.
Warum hatte sie nicht ihren heißgeliebten Potter zum Schulsprecher gemacht? Er selbst wollte nach allem eigentlich nur seine Ruhe. Er wollte sich in die Kerker zurückziehen, wo er zur Not Blaise und Charlie hatte, mit denen er über fast alles reden konnte. So auch über die Hexe.
Dass er diese ungeahnte Nähe nun zu Hermione hatte, freute ihn natürlich. Nach der Sache von gestern Abend und ihrer jetzigen Reaktion darauf, war die Freude darüber jedoch stark getrübt.
Er müsste in ihrer Gegenwart ständig aufpassen, was er tat oder sagte, um nicht vielleicht einen falschen Eindruck zu wecken, der ihm unter Umständen das, was er mit ihr hatte, wieder kaputt machte. Das wollte er nicht. Sie hatte es vorhin ja auch gesagt. Sie hatten sich in den ganzen Jahren mehr als genug gestritten, da brauchten sie keine neuen Streitigkeiten und Differenzen.
Wahrscheinlich war es dahingehend wirklich besser, wenn er sein Amt gleich wieder abgab. Sie waren ja noch gänzlich am Anfang des Schuljahres. Da hatte McGonagall noch die Möglichkeit, irgendwie jemand anderen nachzubesetzen. Es wäre für alle sicher das Beste und. . .
„Du bist noch hier?“, vernahm er eine matte Stimme, sodass er kurz irritiert zum Treppenaufgang sah. Dort stand eine, zwar noch immer recht blasse nun aber wieder etwas frischere Hermione in Alltagsklamotten, was ihn verwundert eine Augenbraue nach oben ziehen ließ.
„Und du liegst nicht im Bett“, stellte er fest, während sie sich mit bedacht vorwärts bewegte. „Ich bin vorhin bloß gestolpert.“ „Natürlich“, schnalzte er sarkastisch, worauf sie ihn sauer ansah.
„Ja! Davon abgesehen geht es mich genauso an, was McGonagall uns zu sagen hat. Ich werd mich bestimmt nicht vor meinen Pflichten drücken, nur weil ich einen leichten Kater hab.“ „Du hast nicht nur einen leichten Kater, du hast ein ganzes Katzenasyl, meine Liebe“, stänkerte er und handelte sich dafür einen wütenden Blick ein. Nur einen Moment später, hatte er ihren Zauberstab vor der Nase.
„Reiz mich nicht, Malfoy. Mit dem Katzenasyl könnte das gefährlich für dich werden.“ Daraufhin hob er ergeben die Hände „Wie Madam meinen“, stand auf, trat zum Porträt und verschwand durch dieses hinaus auf den Gang.
„Nicht so schnell!“, rief Hermione prompt. Kurz darauf blieb er stehen und drehte sich neckisch zu ihr, als sie sich gerade durch die Öffnung des Gemäldes kämpfte.
„Soll ich Mademoiselle tragen?“, bot er ihr an und handelte sich erneut einen stinkigen Blick ein. „Danke, ich kann sehr gut alleine gehen!“ Wie, um es ihm zu beweisen, stolzierte sie ein paar Schritte hoch erhobenen Hauptes an ihm vorbei. Allerdings kam sie zeitnah ins Straucheln und stützte sich letzten Endes an einer der Wände ab. Draco direkt hinter hier, der ihr neckisch ins Ohr hauchte: „Jaah, das seh ich, wie gut du laufen kannst. Auf allen vieren kämst du vermutlich schneller vorwärts.“ Für den Spruch stieß sie ihm den Ellenbogen energisch gegen die Brust, worauf er für einen Moment schmerzlich das Gesicht verzog. In der Sekunde fiel ihm wieder ein, dass er Daniels Trank vergessen hatte. Aber so lange würde das bei McGonagall sicher nicht dauern. Es sei denn, seine Löwin mutierte zu einer Schnecke.
„Leg dich wieder hin.“ „Nein!“, blieb sie bockig, sodass er die Augen verdrehte. Stures Weib, dachte er und zog sie schließlich fest an sich, um sie zu stützen. Kurz darauf blickte sie ihn unsicher an, bevor sich dieser Ausdruck in einen, verlegener Dankbarkeit verwandelte und die Beiden so relativ ungesehen am Büro der Schulleiterin ankamen. Diese hatte bereits auf die Zwei gewartet.
„Ah, Sie sind da. Sehr schön. Nehmen Sie bitte Platz.“ Nur zu gern, dachte Hermione und ließ sich ergeben in einen der bequemen Sessel sinken, wo sie ein leises Stöhnen nicht unterdrücken konnte. Minerva sah daraufhin fragend zu ihr.
„Geht es Ihnen nicht gut, Hermione? Sie sehen etwas blass aus.“ „Alles in Ordnung, Professor“, versuchte sie ihre Direktorin abzulenken und kam ihrerseits gleich auf den Punkt.
„Was wollten Sie denn mit uns besprechen?“ „Bitte? Ach ja. Nun, ich hoffe doch, Sie haben gestern Abend noch etwas Zeit gefunden, Ihre Unterlagen durchzusehen?“ „Ja.“ „Sehr schön. Haben Sie diesbezüglich irgendwelche Fragen?“ „Eigentlich nicht, oder?“, sah die Gryffindor zu Draco, der knapp mit dem Kopf schüttelte. Er hatte sich das ganze Zeug nicht einmal angesehen und nach seinem Entschluss war es auch nicht weiter nötig.
„Uhm. . . Professor. Wegen dieser Schulsprechersache. . . Ich denke, es hat sich gestern recht deutlich gezeigt, was die Übrigen davon halten und. . . Ich glaube, es ist besser, Sie vertrauen dieses Amt einem anderen an.“ „Sie wollen nicht?“, überraschte es Minerva. „Nein.“ „Aber. . .“, setzte Hermione an und sah nun wieder zu ihm. Sie schaute ihm in die Augen, in denen tief versteckt etwas Deprimiertes lag.
„Ich kann Sie natürlich nicht zwingen, wenn Sie das nicht möchten. Allerdings würde ich Ihnen zuvor gerne die Beweggründe des Kollegiums nennen wollen. Wie gesagt, wir waren uns darüber alle einig. Ich denke, Ihnen ist soweit auch bekannt, dass dieses Amt meist von sehr leistungsstarken Schülern bekleidet wird.“ „Da hätten Sie doch auch Charlie oder irgendwen aus Ravenclaw nehmen können“, unterbrach Draco die Direktorin, die zwar nickte, mit ihren Ausführungen jedoch noch nicht am Ende war.
„Das ist richtig. Wir haben uns allerdings bewusst für Sie beide entschieden. Ihrer beider Leistungen waren Jahr für Jahr stets ausgezeichnet und lagen weit über dem der übrigen Schüler, auch wenn es zeitweise ein paar, . . . nun ja, Probleme gab.“ Mit ihren letzten Worten sah sie zu Draco, der ahnte, dass sie auf seinen doch sehr auffälligen Leistungsabfall im Sechsten anspielte. Aber er hatte zu dieser Zeit, Merlin wusste, andere Sorgen gehabt, als seine Noten.
„Der Grund, warum wir uns im Endeffekt gerade für Sie beide als Schulsprecherpaar entschieden haben, sollte eigentlich auf der Hand liegen. Nach der etwas unschönen Eskalation am vergangenen Abend sogar noch mehr.“ „Ich versteh nicht“, gab Draco ehrlich zu und auch Hermione schaute verwirrt. Minerva lächelte.
„Sie haben meine gestrige Ansprache doch gehört, oder?“ „Ähm, ja. Schon.“ „Demzufolge sollten Sie auch verinnerlicht haben, dass uns sehr viel daran liegt, die einzelnen Häuser mehr zusammenzuschweißen und zu Einen. Das dies möglich ist, gerade was Ihre beiden Häuser betrifft, dafür sind Sie beide der lebende Beweis.“ Daraufhin sahen sich die Zwei stutzig an, während Minerva weiter erklärte.
„Die komplette Schule weiß, dass Sie beide all die Jahre wie Hund und Katz waren. Mehr noch als Sie und Mr. Potter“, sah Minerva zu Draco, der sich ein Nicht ganz, verkneifen musste.
„Dass sich diese Einstellungen ändern können, Vorurteile und alte Eindrücke verschwinden können, haben Sie ebenso bewiesen. Sie haben sich in der Zeit des Krieges und danach gegenseitig geholfen und unterstützt. Sie haben gestern, nach der Verkündung Ihrer Ämter, zudem nochmal deutlich Ihre Stellung, Meinung, wie auch Ansicht zum Ausdruck gebracht“, blickte Minerva nun zu Hermione, die ein wenig peinlich berührt auf die Hände in ihrem Schoß sah.
„Ich möchte damit auch die Vermutung in den Raum stellen, dass Sie inzwischen zweifelsfrei eine aufrichtige Freundschaft, anstatt der alten Feindschaft verbindet. Ist es nicht so?“, lächelte die Direktorin, worauf sich bei beiden ein zarter Hauch rosa in die Wangen stahl, bevor Hermione mit einem unsicheren Lächeln zu Draco schielte. Als er es sah, tat er es ihr gleich und nickte der Professorin schließlich zu.
„Das ist es, was wir gerne Ihren Mitschülern zeigen möchten. Dass ein Miteinander durchaus möglich ist. Selbst unter zwei so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Ihnen. Sie beide haben mit Ihrem Amt eine Vorbildfunktion. Und das in diesem Sinne sogar noch um einiges mehr, als all Ihre Vorgänger. Dass Sie Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung haben und nach allem vermutlich lieber Ihre Ruhe haben wollen, kann ich nachempfinden“, sah Minerva zurück zu Draco, der überrascht eine Augenbraue hob, da ihn die alte Hexe mit einem ungewöhnlich, milden Lächeln bedachte.
„Die Dinge gestern Abend sind leider etwas unschön verlaufen. Mr. Weasley habe ich bezüglich seiner Äußerungen bereits zurechtgewiesen, die sich bedauerlicherweise nicht rückgängig machen lassen. Wie gesagt, ich kann Sie verstehen, Draco. Dass Sie das alles nicht wollen, dennoch möchte ich Sie bitten, Hermione mit diesen Aufgaben nicht allein zu lassen. Zumal. . . Es würde für Mr. Weasleys Ansichten sprechen, wenn Sie das Amt im Nachhinein ablehnen. Es wäre ein Fehler, glauben Sie mir. Mir ist bewusst, dass es am Anfang vielleicht nicht einfach werden wird, aber seien Sie versichert, das Kollegium steht hinter Ihnen beiden und wird Sie, soweit es uns möglich ist, bei Ihren Aufgaben unterstützen. Nun, was sagen Sie?“, wartete Minerva ruhig auf seine Antwort. Draco schwieg allerdings und starrte etwas ins Leere.
So wie McGonagall es sagte, hatte sie sicher nicht ganz unrecht, dennoch fühlte er sich mit ihrer Erklärung schon wieder wie eine Marionette. Eine, die mehr den Zwecken anderer diente, womit sein Blick unauffällig hinter die Professorin zu zwei Porträts wanderte. Diese waren leer. Snape und Dumbledore waren nicht in dort, was ihn verwunderte. Offensichtlich sollten sie nicht noch einmal das Gespräch der Direktorin stören.
„Draco?“, hauchte Hermione und ergriff vorsichtig seine Hand, da er noch immer nichts gesagt hatte. „Bitte. Ich würde mich wirklich freuen, dich als Partner zu haben“, gab sie ihm mit einem Lächeln zu verstehen, woran er gehörig seine Zweifel hatte.
„Nicht lieber Potter oder das Wiesel?“ Daraufhin schüttelte sie entschieden mit dem Kopf. „Da bleibt ja alles an mir hängen.“ Toll!, dachte er zynisch. Wenn es ihr nur darum ging, dann. . .
„Außerdem kann ich dann ungestört ein bisschen mehr Zeit mit dir verbringen.“ „Huh?“ Nun horchte er auf und sah mehr als verdutzt zu ihr.
Wie jetzt? Zeit mit ihm verbringen? Meinte sie das gerade ernst? Dachte sie vielleicht doch irgendwie ein ganz klein wenig in eine spezielle Richtung? Wollte sie tief im Unterbewusstsein versteckt doch noch etwas anderes? Er verstand gerade gar nichts mehr, was man ihm auch recht deutlich ansah.
„Oder magst du mich nicht als Partnerin haben?“, vermutete sie auf sein Gesicht und Schweigen, worauf es ihn kurz schüttelte. Als er ihr antworten wollte, kam ihm jedoch jemand mit überheblicher Stimme zuvor.
„Ich könnte verstehen wenn nicht“, hörten die Drei abfällig, wie auch arrogant aus einem der Porträts. Es war eine Stimme, die Hermione kannte und dessen Besitzer sie auch gerne in den Hintern getreten hätte. Nur ging das leider nicht mehr.
Draco sah sich indes verwirrt nach dem Dummschwätzer um, und entdeckte ihn letztlich zu seiner Rechten. Es war das Gemälde von Phineas Nigellus Black, der mit gerümpfter Nase auf die junge Hexe sah.
„Dass ein verzweigter Spross der Blacks nichts mit einem dreckigen Schlammblut zu tun haben will.“ „PHINEAS!“, donnerte Minerva wütend, während bei Draco etwas aussetzte, als sein Ur-Ur-Ur-Großonkel, Großvater oder was auch immer, seine Hermione beleidigte.
Er hatte seinen Zauberstab damit schneller bei der Hand, als Minerva auch nur bis drei zählen konnte, und warf ein „Incendio!“ auf das Abbild von Phineas, der verschreckt aufschrie, als das Ölgemälde Feuer fing, ehe er sich rasch in ein anderes flüchtete. Kurz darauf löschte Minerva geistesgegenwärtig den Brand, nur sah das Porträt hinterher dementsprechend aus. Eine Restauration war da unumgänglich.
„Draco!“, mahnte die Direktorin ihn teils erbost, teils amüsiert, wie auch angenehm überrascht, während Hermione den Blonden aus großen Augen ansah. In diese hatten sich bereits ein ganz klein wenig die Tränen geschlichen, da sie so sehr gehofft hatte, dieses eine so verhasste Wort nach allem nie mehr hören zu müssen. Dass ausgerechnet Draco nun so rabiat auf diese verächtliche Beschimpfung reagierte, konnte sie kaum fassen. Und damit war sie nicht alleine, denn die verbliebenen Schulleiter begannen leise zu tuscheln und warfen dem Slytherin überraschte, verwirrte aber auch anerkennende Blicke zu. Der Blonde schnaubte allerdings noch immer sauer und erweiterte seine Liste um noch ein Porträt.
„Entschuldigen Sie, Hermione“, richtete sich Minerva an die Gryffindor, die ihren Blick nur schwer von Draco lösen konnte, am Ende aber dennoch zu ihrer Direktorin sah.
„Phineas ist meist unausstehlich.“ „Ich weiß. Er hat uns im Grimmauld Place auch ständig beschimpft“, erklärte sie Minerva ein wenig gedrückt, bevor sie zurück zu Draco sah.
„Danke.“ „Huh?“ Der bemerkte ihre Gegenwart jetzt erst wieder. Mehr noch den schwachen Hauch von ein paar Tränen, die in ihren Augen glitzerten, worauf er sie am liebsten in die Arme gezogen und ihr diese weggeküsst hätte. Stattdessen nahm er einfach nur wieder neben ihr Platz und griff sich ihre Hand. Minerva sah es.
„Ich werde mal großzügig über diesen kleinen Fauxpas hinwegsehen“, gab sie ihm versucht ernst, aber dennoch irgendwie milde schmunzelnd zu verstehen, und kam so zu ihrem eigentlichen Anliegen zurück.
„Aber gerade diese Seite und Einstellung ist etwas, was ich mir wünschen würde, dass Sie es den Anderen deutlich vermitteln. Dass Sie Ihren Mitschülern zeigen, wie Sie inzwischen zueinanderstehen. Es würde allen helfen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Und ich denke, Ihnen würde es mit der Zeit auch eine große Hilfe sein“, richtete sich Minerva erneut an Draco.
„Wenn Ihre Mitschüler Ihre so aufrichtige Haltung erkennen, werden sie Ihnen irgendwann offener gegenübertreten und alte Zeiten ruhen lassen.“ „Sie hat Recht“, mischte sich Hermione noch einmal dazwischen, zu der er wieder sah und sich in ihren warmen, aufmunternden Augen verlor. Und das sehr lange.
„Bitte“, setzte sie noch hinten an, sodass sein Wille zerbrach und er seufzte. „Na gut. Ich mach’s.“ Daraufhin stahl sich ein Strahlen auf ihre Züge, welches es ihm dann schon wieder mehr wert war. Erst recht, als sie ihn im Anschluss in die Arme schloss und „Du wirst es nicht bereuen“ zuhauchte. Minerva war zufrieden.
„Sehr schön. Da diese Sache geklärt ist, möchte ich meine eigentliche Bitte an Sie richten, die mir aufgrund des gestrigen Abends in den Sinn kam. Wir hatten ursprünglich gehofft, dass sich die Schüler mit der Aufhebung der Tischordnung vielleicht schon etwas stärker vermischen. Teils waren bereits vereinzelt neue Zusammenschlüsse zu erkennen. Leider ist mir bei Ihrem Haus. . .“, sah sie zu Draco. „. . . aufgefallen, dass die Schüler auch weiter ganz unter sich blieben.“ War das jetzt seine Schuld, dass sich die Übrigen so blöd hatten?, dachte sich Draco. Zumal sich gerade zu ihnen ohnehin keiner setzen würde, weil er da war.
„Nach Weasleys Gequatsche, wird sich daran so schnell auch nichts ändern“, brummte er, worauf Minerva nickte, dann aber ein bisschen enttäuscht zu Hermione sah.
„Nun, ich hatte nach allem auch etwas gehofft, dass Sie und Miss Weasley den Herren ein wenig entgegenkommen.“ Daraufhin stutzte Hermione, während Minerva wissend lächelte.
„Mir ist durchaus bekannt, dass Sie und Miss Weasley sich in den vergangenen Jahren schon immer mal recht friedlich mit Mr. Zabini und Harper getroffen haben.“ „Woher. . .“, klappte Hermione der Kiefer runter. Draco grinste auf den Wink leicht, zu dem die Gryffindor ebenfalls verwundert sah.
„Sagen wir mal so. Es ist nicht weiter auffällig oder verwunderlich, wenn Sie sich zu einem späten Samstagnachmittag in der Bibliothek einfinden. Wenn sich dann aber noch Miss Weasley, wie auch die Herren Zabini und Harper für Stunden dazu schleichen und sie sich recht harmonisch, in der hintersten Ecke, zwischen den Geschichtsbücher und dem Lehrmaterial für Mugglekunde aufhalten, ist das doch etwas ungewöhnlich“, schmunzelte die alte Hexe.
„Wo-Woher. . .“, konnte Hermione nur stammeln. Sie hatte irgendwann extra noch den Muffliato und andere Zauber über den Bereich gelegt, damit sie nicht gefunden wurden.
„Madam Pince muss Sie das eine oder andere Mal gesehen haben und war so nett, mir und Albus ihre Beobachtungen mitzuteilen“, erklärte Minerva noch immer schmunzelnd, während Hermione ein geschlagenes „Oh!“ entwich. Draco neben ihr grinste nach wie vor und beugte sich neckisch zu ihr.
„Hättet ihr eben doch in den Raum der Wünsche gehen müssen.“ „Den hat uns Dobby doch erst im Fünften gezeigt.“ „Schön und gut. Blaise und Charlie wussten aber, wo er ist.“ „Wie jetzt?“, stutzte Hermione.
„Ich hatte eigentlich gedacht, sie hätten euch das irgendwann mal gesteckt?“ „Nein. Sie. . . Warte. . . Woher. . . Woher sollen sie das denn gewusst haben?“ „Was denkst du wohl?“, grinste er sie frech an, womit nach und nach die Galleone bei ihr fiel.
„Jetzt erzähl mir nicht, du wusstest wo der Raum ist?“ „Doch. Schon seit dem ersten Jahr“, grinste er zufrieden, aufgrund ihres bedepperten Gesichts. Kurz darauf fing sie sich und suchte nach der fehlenden Logik.
„Wusstest du nicht.“ „Äh, doch. Meine Mutter hatte mir gesagt, was er ist und wo und wie man ihn bewusst heraufbeschwören kann.“ Mittlerweile war ihm auch klar, woher sie es wusste und für was sie den Raum wohl hin und wieder gebraucht hatte.
„Aber. . . Nein, das glaub ich dir nicht. Immerhin. . . Ihr habt uns im Fünften gesucht!“, argumentierte sie, bekam daraufhin allerdings eine recht simple Antwort.
„Suchen und finden sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Vor allem wenn man etwas nicht finden will. Erst recht diesen Raum.“ „Warte, Sekunde. Willst du mir jetzt allen Ernstes weismachen, dass du die ganze Zeit wusstest, wo wir sind, uns aber nicht finden wolltest?“, sah sie ihn fassungslos an. Dracos Grinsen wurde auf den Anblick noch breiter und amüsierter.
„Huh, nun guck. Dein hübsches Köpfchen kommt langsam richtig in fahrt“, stichelte er ein wenig, was sie dennoch kaum begreifen konnte. Und das sah man ihr auch an. Dass es angestrengt in ihrem Kopf ratterte, sodass er wieder ernst wurde.
„Ich hab dir inzwischen mehr als einmal gesagt, dass ich mit der ganzen Scheiße nichts zu tun haben wollte“, erklärte er, womit ihr seine Worte vom Vortag auch wieder einfielen, die er Snape so wütend entgegengeworfen hatte. Nämlich, dass er ihm seit Voldemorts Auferstehung nach dem Vierten nicht mehr vertraut hatte. Demzufolge auch nicht über das fünfte Jahr hinaus, womit sie ihn noch entgeisterter anstarrte.
„Ich hab gewusst, dass Lucius etwas für IHN aus dem Ministerium holen sollte, aber nicht was und wie. Ich hatte gehofft, irgendetwas aus der rosa Kröte herauszubekommen. Dummerweise war sie meistens viel zu sehr mit euch beschäftigt. Der Alten hinterrücks eins reinzuwürgen, war aber auch ganz amüsant.“ Daraufhin klappte Hermione der Kiefer runter, was ihn zufrieden grinsen ließ, bevor er weiter meinte: „Davon abgesehen. . . Hältst du mich wirklich für so dämlich, dass ich mich von Weasley mit ‘nem kleinen Schockzauber so einfach übertölpeln lasse? Was denkst du, wie der Idiot an seinen Zauberstab gekommen ist?“
Auf seine Frage kam die Erinnerung wie ein Schlag zurück. Sie hatten ihre Freunde überwältigt, bewegungsunfähig gemacht und ihnen die Stäbe abgenommen. Sie hätten gar keine Flüche oder sonst wie Zauber sprechen können.
Damit fiel ihr nun auch wieder ein, dass Ron im Nachhinein recht selbstzufrieden erklärt hatte, wie blöd Malfoy doch gewesen wäre, die Zauberstäbe unbeaufsichtigt zu lassen. Nur. . . So dumm war er absolut nicht. Crabbe und Goyle, ohne Zweifel, aber er doch nicht! Trotzdem war es am Ende so gewesen, womit sie ihn noch immer ungläubig ansah.
„Uh, nun guck. Der blöde Slytherin hat ein Geheimnis“, höhnte er ein wenig zufrieden mit sich. Hermione sah sich allerdings weiter außerstande zu glauben, was er ihr gerade auf die Nase gebunden hatte.
„Das. . .“ Mehr kam nicht, weshalb sich Minerva schmunzelnd dazwischen schaltete. „So wie es mir scheint, haben wohl nicht nur Mr. Zabini und Harper ihre eigentlichen Interessen lange versteckt. Würden Sie mir verraten, wann Sie Ihre Einstellung so sehr geändert haben?“, richtete sich die Professorin neugierig an ihn. Draco sah sie jedoch nur müde an.
„Spielt das jetzt noch irgendeine Rolle wann?“ „Vielleicht“, meinte Minerva lächelnd und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, während Hermione noch immer perplex auf den Blonden sah. Die leise Vermutung, die sie schon eine ganze Weile hatte, wurde mit den neuen Fakten noch greifbarer. Nämlich, dass er wohl zusammen mit Blaise und Charlie diese Wandlung vollzogen hatte.
„Wie dem auch sei. Um was ich Sie bitten möchte, ist, sich etwas zu überlegen, wie wir die einzelnen Häuser in ihrer Freizeit vielleicht noch etwas mehr zusammenbekommen, damit das häuserübergreifende Miteinander stärker wird. Diesbezüglich habe ich mich gestern auch noch mit Ihren Professoren zusammengesetzt. Zwar haben die Häuser seit jeher gemischt Unterricht, nur bleiben die Schüler während diesem für gewöhnlich auch gespalten. Allen voran Ihre beiden Häuser. Um dem ein wenig entgegenzuwirken, werden die Professoren Sie in Gruppen einteilen. Es wäre schön, wenn Sie diese Information den entsprechenden Vertrauensschülern der einzelnen Häuser noch dieses Wochenende mit auf den Weg geben würden, damit es am Montag nicht zu Diskussionen kommt.“ Daraufhin sahen sich die Zwei skeptisch an, nickten aber.
„Gut. Das wäre soweit erst einmal alles. Sollten Sie Fragen oder anderweitig Probleme haben, Sie können jederzeit zu mir kommen.“ Wieder nickten die Beiden und erhoben sich, wo es Hermione erneut kurz leicht drehte und sie ganz schnell nach Draco griff, was sich Minerva verwundert besah.
„Ist alles in Ordnung?“ „Ja. Ja, sicher. Nur. . . Mein . . . mein Kreislauf spinnt ein bisschen“, flunkerte Hermione, da sie der Direktorin nicht auf die Nase binden wollte, dass sie sich mit Draco hemmungslos besoffen hatte. Diese musterte sie fragend, bevor ihr Blick auf den Slytherin fiel.
„Nun, dann würde ich vorschlagen, bringen Sie Hermione in den Krankenflügel. Madam Pomfrey hat sicherlich etwas da. Und Sie sollten sich vielleicht auch noch einmal kurz untersuchen lassen“, mahnte sie den Blonden, der knapp nickte und sich seine verkaterte Gryffindor mehr ran zog. „Na komm.“
Wenig später waren sie in den Gängen auf dem Weg in Richtung Krankenflügel. Hermione hielt sich dabei auch weiter eng an Draco gelehnt, da es ihr immer mal aufs Neue schwindelte. Draco konnte auf die Regung der Versuchung auch nicht sonderlich lange widerstehen und schlang ihr einen Arm um Rücken und Taille, um sie stärker bei sich zu haben, was sie ihm mit einem schüchternen Lächeln dankte.
Als sie um die nächste Ecke bogen, wären sie um ein Haar mit ein paar Leuten zusammengestoßen, die sich angeregt unterhielten und diskutierten. Als sich die beiden Parteien sahen, verfinsterten sich auch schon die Mienen zweier Gestalten.
„Du. . .“, knurrte Ron mörderisch, als er Draco so unverhofft vor der Nase hatte. Hinzu kam die Tatsache, dass der Blonde Hermione fest umschlungen hielt, der es zu allem Überfluss schlecht zu gehen schien.
„Nimm deine schmierigen Pfoten von ihr!“, keifte er und zog die Hexe ruppig von ihm weg, noch bevor sie dazu kam, zu protestieren oder sonst wie zu reagieren. Sie landete dadurch erst bei ihm, ehe Harry sie schließlich nahm, als sie leise stöhnte.
„Was hast du mit ihr gemacht, du Bastard? Was fällt dir ein, meine Freundin anzufassen?“, fauchte Ron und baute sich gefährlich vor Draco auf, der bis eben besorgt zu Hermione gesehen hatte. Nun nahm er den Rotschopf in Augenschein, dessen Gesichtsfarbe seinen Haaren einmal mehr alle Ehre.
„Krieg dich wieder ein, Weasley. Ich hab ihr nichts getan.“ „Ach nein?“ „Ron. . .“, flüsterte Hermione schwach dazwischen, doch hörten es nur Ginny und Harry, die sich ihre Freundin besorgt besahen, während Ron weiter seiner Wut freien Lauf ließ.
„Ich warne dich. Wenn du sie noch mal anfasst, oder auch nur schief ansiehst, schlag ich dir deinen verfluchten Schädel ein!“, keifte Ron, packte Draco am Kragen und funkelte ihn schier tödlich an. Der Blonde wand sich allerdings recht schnell aus dem Griff, indem er dem Rotschopf die Hände wegschlug.
„Fass mich nicht an und mach hier nicht so einen Aufriss, du Primat! Sie hat bloß einen Kater.“ „Kater?“, stutzte Ginny und sah auf ihre blasse Freundin.
„Sie hat zu viel Firewhiskey getrunken. Und. . .“ „Hast du sie abgefüllt?!“, keifte Ron Draco erneut dazwischen, der nur süffisant grinste.
„Als ob ich solche Methoden nötig hätte.“ „Du. . .“, zischte Ron daraufhin und packte ihn wieder am Kragen, aus dem sich Draco ein weiteres Mal zu winden wusste.
„Ich hab gesagt, fass mich nicht an, du Spatzenhirn! Brauchst du Hohlbirne das schriftlich?“, giftete Draco. Inzwischen hatte Ron seinen Zauberstab bei der Hand und deutete damit gefährlich auf das Gesicht des Slytherins. Dieser besah es sich recht ruhig.
Weasley würde schon nicht so dämlich sein, ihn unter Zeugen zu verfluchen. Falls doch, würde ihm das selber nicht bekommen und vielleicht schneller eine Rückfahrkarte nach London bescheren, als ihm lieb war. Etwas, was Draco sehr genehm wäre, sodass er es nicht lassen konnte ihn noch weiter zu reizen.
„Das ist mal wieder typisch. Sonst fällt dir nichts anderes ein, als jemanden zu verfluchen? Es ist mir echt ein Rätsel, wie so ein Erbsenhirn wie du, bis ins siebte Jahr hat kommen können. Liegt wahrscheinlich daran, dass Hermione die ganze Zeit für dich das Denken übernommen hat.“ „Halt dein Maul!“, zischte Ron, wo sich nun endlich Hermione mit etwas kräftigerer Stimme meldete. „Jetzt hör endlich auf! Verdammt, ich hab Kopfschmerzen“, nuschelte sie das Letzte gequält, womit Ginny mitleidig zu ihr sah.
„Was ist denn gewesen? Wir haben uns schon gewundert, dass du nicht beim Frühstück warst.“ „Nichts. Ich hab . . . hab wirklich bloß zu viel Firewhiskey getrunken“, murmelte sie fertig und drückte sich die Hand an die Schläfe.
„Ich wollte sie nur zu Pomfrey begleiten, weil sie kaum geradeaus laufen kann“, richtete sich Draco hauptsächlich an Ginny, da Potter und allen voran Weasley ihm ohnehin nicht glauben würden. Die Rothaarige nickte allerdings verstehend.
„Du lügst doch!“, keifte Ron, zu dem Draco nüchtern sah. „Sieh es wie du willst, du Schwachkopf. An deiner Stelle würde ich sie aber endlich zu Pomfrey schaffen, anstatt mich hier wie ein Psychopath aufzuspielen.“ „Ich geb dir gleich was von wegen. . .“ „Ron!“, rief Harry ihn nun auch zur Ordnung, dem Draco mit seinen Worten nochmal deutlich gemacht hatte, dass andere Dinge für sie mehr Priorität haben sollten, als sich mit ihm zu streiten. Damit richtete er sich an seine Freundin.
„Kannst du laufen?“ „Es geht schon. Mir ist bloß ein bisschen schwindlig.“ „Madam Pomfrey hat bestimmt was“, meinte Ginny aufmunternd und zog sie zu sich, während Harry Ron mit einem verärgerten Blick einkassierte, bevor er nochmal warnend zu Draco sah. Es war ein Blick, der überdeutlich sagte: „Treib’s ja nicht zu weit.“
Damit verschwanden die Drei mit ihrer Freundin in der Mitte, was sich Draco kurz wütend besah, ehe diese Wut einer erschlagenden Frustration wich, kaum dass sie um die Ecke rum und somit verschwunden waren.
Am Ende schlurfte er deprimiert in seinen Turm zurück. Auf dem Weg dorthin, stellte sich allerdings vermehrt die schlechte Laune bei ihm ein, da die wenigen Schüler, die er an diesem sonnigen Tag in den Gängen entdeckte, ihm verstört hinterher sahen, tuschelten oder teils tödliche Blicke zuwarfen.
Ganz toll, knurrte er in sich hinein und schlug, kaum im Turm angekommen, das Porträt wütend hinter sich zu, sodass die Bewohnerin erneut Gift und Galle auf ihn schimpfte. Draco ignorierte es.
Zwar hätte er sich gerne draußen am See in die Sonne gelegt und diese besondere Wärme damit wieder stärker gespürt. Nur hatte er keine Lust auf die Blicke, Sprüche und was nicht noch alles kommen würde, wenn man ihn sah.
Stattdessen schob er einen der Sessel ans Fenster, machte es auf und ließ sich ergeben in das Sitzmöbel fallen. Er nahm die Füße hoch und legte sie auf die Fensterbank, wo sich plötzlich noch ein Besucher zu ihm gesellte. Nämlich Hermiones dicker Kater, auf den er stutzig sah. Seine Verwunderung stieg dann sogar noch etwas, als das rote Fellmonster ungefragt auf die Lehne des Sessels sprang und ihn neugierig beschnupperte.
„Na du“, begann Draco und fing an, ihn zu streicheln. „Hättest du Weasleys Ratte damals mal gefressen. Hätte uns eine Menge Ärger erspart“, sprach er dem Kater zu, dessen Ohren kurz wackelten, ehe er auf den Schoß des Blonden kroch, sich dort zusammenrollte und einfach schlief. Draco konnte auf den Anblick nicht anders, als zu grinsen.
„Verstehe.“ Im nächsten Moment begann er das Fusselmonster zu kraulen, bevor er sich selbst mehr zurücklehnte und es dem Kater gleich tat. Er schloss die Augen und ließ genießerisch die warme Spätsommersonne auf sich scheinen, die noch eine ganze Weile vor ihrem Wohnzimmerfenster verweilte. Irgendwann nickte auch er weg.

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Ich will mehr wie jeder andere, dass Joanne K. Rowling mit meiner Luna zufrieden ist, denn es ist ihr Charakter. Ich hatte schon einen Albtraum davon, auf der After-Show-Party zu sein, Jo zu treffen und sie schüttelt nur ihren Kopf und schaut traurig. Das ist mein Irrwicht. Aber bis jetzt hat sie sich mir gegenüber positiv verhalten, also bin ich optimistisch.
Evanna Lynch