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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Gedankenspiele

von Alex2303

۩ ۞ ۩


528’934 dicke Backsteine. Seine feuchtkalte, kleine 3x3 Meter messende Zelle bestand aus genau 528’934 schmierigen Backsteinen, die ihn, neben den tosenden Wassermassen der Gefängnisinsel, noch zusätzlich von der Außenwelt und damit der Freiheit abschnitten. Er hatte sie dutzende Male gezählt, um sich abzulenken und nicht dem Wahnsinn zu verfallen, worauf es die Wärter in ihrem Treiben zweifellos abgesehen hatten.
Zwar hatte die Regelmäßigkeit abgenommen, in der sie auftauchten, um etwas zu spielen. Dennoch machte es seine verfluchte Situation nicht besser. Er war im Begriff, bei lebendigem Leib zu verrotten. Seine früher so erhabene und ansehnliche Erscheinung, war inzwischen der eines verwahrlosten Mittvierzigers gewichen, der scheinbar schon seit Jahrzehnten in diesem Loch hockte und nicht erst seit einigen Monaten.
Wie viele es wohl waren?, fragte er sich. Vielmehr, wie viele es noch werden würden? Er wusste, was das Schicksal für ihn bereithielt. Eines, das bis jetzt noch nicht zugeschlagen hatte. Zuschlagen würde es aber, dessen war er sich sicher. Und das nur wegen ein paar dummer, aufmüpfiger Kinder, die ihm in den vergangenen Jahren immer wieder auf der Nase herumgetanzt waren.
Neben Potter selbst war das verfluchte Schlammblut das größte Ärger- und Hindernis gewesen. Von ihr war letztlich eine noch größere Gefahr ausgegangen, als von Potter. Es war eine vollkommen Unvorhergesehene, Heimtückische. Sie hatte ihn verdorben. Irgendwie.
Er war in ihren eigenen Reihen herangereift, in denen er wertvolles Wissen aufgenommen und Fähigkeiten gesammelt hatte, mit denen er letztlich zum Feind übergewechselt war und damit Hochverrat an allem begangen hatte, was Ihre Werte ausmachte.
Als Lucius daran dachte, kochte wie so oft die Wut in ihm unbändig aufs Neue hoch. Am Ende schlug er mit der knochigen Faust gegen eine der schmierig kalten Steinwände, sodass die Ketten rasselten, an denen er noch zusätzlich festgemacht war.
Es war ihm nach wie vor unbegreiflich, wie es dazu hatte kommen können? Er hatte alles, wirklich alles daran gesetzt, diesem Verräter jegliches Mitgefühl, Zuneigung oder gar so etwas dummes wie Liebe auszutreiben und dennoch. . .
Er war einfach nicht hart genug gewesen. Er hätte noch strenger durchgreifen müssen. Vermutlich hätte er ihm auch gänzlich den Umgang mit Zabini und Harper verbieten müssen. Die Beiden waren am Ende ein Paradebeispiel für blutigen Verrat.
Wahrscheinlich hatten sie seinen Verstand über die Jahre mit ihren dummen Gedanken und Ideen vergiftet. Ganz besonders Zabini. Genauso dieses verlogene Weibsstück, das sich jahrelang seine Frau geschimpft hatte.
Er hatte ihr viel zu viele Freiheiten und Einfluss in Bezug auf ihren Sohn gelassen. Vermutlich war dieses Gift der Verweichlichung durch sie auch noch auf eine andere Art und Weise in ihm zum Keimen gekommen. Mitgefühl. Bah!
So war ihm jetzt und hier der Gedanke daran, dass seiner verkommenen Brut sein Verrat auch nichts genutzt hatte, eine kleine Genugtuung. Die Tatsache, dass die Auroren ihn genauso mitgenommen und weggesperrt hatten, wie sie alle. Und so wie er das zu den Urteilsverkündungen mitbekommen hatte, würde er ebenfalls viele Jahre in Azkaban zubringen, wenngleich ihm der Kuss der Dementoren wohl leider erspart blieb. Allerdings war eine jahrelange Haft, unter derartigen Bedingungen, kaum das bessere Schicksal, wie der Kuss. Vermutlich würde er das auch nicht lange überleben, was ihm Recht geschähe.
Das hatte er am Ende von seinem Verrat. Er war ebenso ein Gefangener und Verurteilter. Egal wie sehr er sich am Ende dagegen gesträubt und gewehrt hatte, er war genauso Träger des Dunklen Mals und gehörte damit unwiderruflich zu ihnen. Er würde in diesen Mauern elendiglich zugrunde gehen, sodass sie am Ende dennoch das gleiche Schicksal teilen würden.
„Hallo Lucius“, vernahm er plötzlich eine etwas quiekende Stimme belustigt aus einer der dunklen vier Ecken. Seine vom Wahnsinn leicht zerfressenen grauen Augen huschten sofort auf diesen Punkt, den er fixierte. War da jemand oder verlor er bereits vor dem Kuss der Dementoren den Verstand?
„Wer ist da?!“, bellte er kratzig und begann schließlich Schatten in den Schatten seiner kleinen Zelle zu sehen, die sich schleichend umher bewegten. Er schrak daraufhin etwas zur Seite weg, worauf die Ketten an seinen Hand- und Fußgelenken rasselten.
„Angst?“, fragte die Gestalt in der Dunkelheit belustigt und regte sich erneut, sodass er meinte, einen gedrungenen Körper in den Schatten zu erkennen. Zweifellos ein untersetzter Mann.
„Was willst du?“, zitterte die Stimme des alten Malfoy, dessen Gedanken sich bereits überschlugen. War das etwa einer der Wärter, der sich seit längerem wieder einen Spaß daraus machte, ihn in seiner Zelle heimzusuchen? Aber woher? Die Tür war nicht geöffnet worden. Woher kam also der Andere?
„Wer bist du?“, fragte er getrieben, bevor er mit einem zitternden „Was willst du?“ nachsetzte. „Oh, das kränkt mich, dass du mich nicht erkennst. Und das, obwohl du immer so herablassend auf mich geblickt hast“, gab die Gestalt gespielt bedauernd von sich, während Lucius versuchte, mehr in den Schatten zu sehen. Doch es war einfach zu dunkel, um wirklich etwas erkennen zu können. Der Mond war verdeckt und die wenigen Sterne, die am Firmament schimmerten, trugen nicht genug Licht durch die schmale, vergitterte Öffnung, die sich ein Fenster schimpfte. Er sah nur einen dunkleren Schatten in den Schatten.
„Zeig dich!“, zischte er schließlich fordernd, was den Anderen hämisch gackern ließ. „Das würde ich gerne, allerdings lege ich keinen Wert darauf, irgendeine Aufmerksamkeit auf deine Zelle zu richten. Das wäre kontraproduktiv.“ „Was willst du dann?“ „Was ich will? Oh, ich will so vieles, Lucius. Allen voran Rache, für unsere Niederlage. Die des Lords.“ Auf die Aussage blitzte etwas in den Augen des alten Malfoy auf, als ihm langsam dämmerte, dass er einen seiner Gefolgsleute bei sich haben musste. Einen der Wenigen, die hatten fliehen können. Aber wie kam er hier rein? Ungesehen von den Wärtern? Unbemerkt vorbei an den Schutzzaubern?
„Wer bist du? Bist du . . . bist du ein Death Eater?“ „Das möchtest du wissen, was?“, gackerte sein Besucher erneut, was ihn rasend machte. „Gib dich zu erkennen!“, forderte Lucius in einem herrischen Ton.
„Na na, wer wird denn gleich aus der Haut fahren? So kenne ich dich ja gar nicht. Zumal dir so ein Ton in deiner jetzigen Lage in keiner Weise zusteht, nicht?“ „Merlin, was willst du? Mich verspotten? Wenn du einer von uns bist, dann hilf mir lieber!“ „Oh, das muss ich mir noch überlegen. Zumal ich das Schauspiel der Dementoren morgen Abend auch gerne sehen würde.“ „Dementoren?“, zitterte Lucius’ Stimme mit einem Schlag, während der Andere wieder in sein primitives Gelächter verfiel.
„Dementoren, ja. Ich denke, du weißt, was für eine letzte Aufgabe man ihnen zugewiesen hat? Morgen bist du dran“, höhnte die Stimme, worauf dem alten Malfoy der kalte Schweiß ausbrach.
Er hatte es gewusst. Die ganze Zeit. Nun aber einen genauen Tag, eine genaue Zeit zu kennen, machte es nur noch schrecklicher, womit er sich auf die fremde Gestalt stürzte.
„Hilf mir!“, kroch er zu den Füßen des Schattens und meinte, aus der Nähe ein rundliches Gesicht in der Dunkelheit zu erkennen. Kurz darauf spürte er eine schmale Spitze unter dem Kinn, von der er vermutete, dass sie zu einem Zauberstab gehörte.
„Wie sehr willst du Rache, Lucius? Rache für unseren Fall? Unsere Niederlage?“ „Ich würde alles tun.“ „Alles? Wirklich? Würdest du auch so weit gehen, deine verräterische Brut hinzurichten?“ „Merlin allein weiß, wie gerne ich das tun würde“, grollte er.
„Aber ich denke, er ist mit einem Leben in diesem Loch mehr gestraft, als mit jeglicher Art der Folter“, resümierte Lucius. „Nur dass er seit einer Weile nicht mehr hier ist“, schnarrte der Andere, was ihn aufhorchen ließ.
„Was soll das heißen?“ „Der Orden des Phönix, insbesondere das kleine Schlammblut Granger, haben sich unnachgiebig für seine Freilassung eingesetzt. Er ist wieder in Hogwarts.“ „WAS?“
Lucius war fassungslos. Die einzige Sache, die ihm dieses Elend, sein bevorstehendes Schicksal, minimal erträglich gemacht hatte, war der Gedanke daran, dass der Verräter sein Dasein ebenso in diesem Loch zu fristen hatte. Mit all dem, was hier dazu gehörte. Jeglicher Grausamkeit. Das jetzt aber. . . Merlin, gab es denn überhaupt keine Gerechtigkeit?
„Ich habe ihn neulich in Hogsmeade mit dem Schlammblut gesehen. Sie schienen sehr vertraut miteinander. Wobei vertraut mehr als untertrieben ist. Sie hat ihn geküsst und seiner Mimik nach, hat es ihm gefallen. Vermutlich wird er schon sehr bald mit dieser unwürdigen Kreatur kleine Halbblüter in die Welt setzen und damit deine alte, ach so tadellos reine Blutlinie besudeln. Vorbei der alte Glanz deines Geschlechts. Und das auf ewig“, gab die Gestalt gespielt theatralisch von sich, während in Lucius ein Zorn und Hass aufloderte, der nicht mit Worten zu beschreiben war.
„Hol mich hier raus!“, forderte er barsch und wollte noch näher auf den Schatten zustürzen, als sich ihm wieder verstärkt die Zauberstabspitze in die hagere Kehle bohrte.
„Nicht so hastig, mein Lieber. Ich werde doch nicht die Katze im Sack kaufen. Wenn ich dir helfen soll, wirst du mir vorher einen Unbrechbaren Schwur auf deine Treue und Ergebenheit leisten.“ „Was?“ „Du hast mich schon verstanden. Ein Unbrechbarer Schwur, immerhin ist mir deine verräterische und illoyale Natur bekannt“, schnaubte der Schatten.
„Entweder das, oder du lässt es bleiben und dich morgen von den Dementoren küssen. Es ist deine Entscheidung“, legte der Fremde ihm die Möglichkeiten offen.
„Also, was willst du? Seelenlos weiter vor dich hinvegetieren, bis sich das Schicksal deiner erbarmt, dein Lebenslicht löscht und du damit endgültig im Nichts verschwindest? Oder willst du die Chance, dein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen? Rache zu nehmen für unseren Fall? Den des Lords? Rache an deiner verräterischen Brut? Ein Unbrechbarer Schwur ist meiner Ansicht nach das kleinere Übel. Aber wenn du nicht willst. . .“ Damit wollte sich der Fremde abwenden, Lucius bekam ihn jedoch an den Kleidern zu packen „Warte!“ und bemerkte da erst, dass diese alles andere als gepflegt schienen.
Der Stoff war rau und kratzig. Nichts, was ein großer Zauberer tragen würde. Vielleicht war ihm die Gestalt sogar unterlegen und verriet sich deshalb nicht? Hatte sein Gegenüber so etwas zu Anfang nicht erwähnt? Er, Lucius, hätte auf ihn herabgeblickt? Merlin, das traf auf so viele Zauberer zu, dennoch war die Gestalt hier und bot ihm eine Möglichkeit zur Freiheit. Flucht vor den Dementoren.
„Ich werde den Schwur leisten, nur bring mich hier raus!“ „Deine linke Hand!“, forderte sein Besucher herrisch, die der hager gewordene Blonde ihm sofort reichte. Sein Gegenüber ergriff sie ebenfalls mit der Linken, worauf Lucius versuchte, das Dunkle Mal zu erkennen, jedoch war es zu finster. Das Einzige, was er wahrnahm, waren die knubbelige Wurstfinger seines vielleicht Retters.
„Schwörst du, Lucius Abraxas Malfoy, mir deine bedingungslose Treue, Gehorsam, Loyalität bis in den Tod? Mein Leben über deines zu stellen?“ „Ich schwöre“, gab der alte Malfoy leicht zittrig von sich und spürte schließlich, wie sich der Zauber über seinen linken Arm in sein Innerstes fraß und dort für einen kurzen Moment ein Ziehen hinterließ, bevor es abebbte. Sein Gegenüber gackerte zufrieden.
„So gefällt mir das. Hier“, warf er dem alten Malfoy etwas entgegen, das kurz klapperte und schließlich ein wenig über den Zellenboden rollte. Lucius konnte nur grob sagen wohin und tastete danach, als der Fremde noch meinte: „Den wirst du bei deiner Überführung morgen brauchen. Für einen geeigneten Fluchtmoment werde ich euch ein Zeitfenster schaffen.“ „Euch?“, stutzte Lucius und fand, was man ihm in die Zelle geworfen hatte. Es war ein Zauberstab! Nicht nur irgendeiner, nein. Den aufwendigen Verzierungen nach sein Eigener.
„Euch. Du wirst morgen nicht allein sein. Die Anderen sind ebenfalls instruiert. Erwarte mein Zeichen.“ „Was für ein Zeichen?“, murmelte Lucius und strich beinahe andächtig über seinen geheiligten Zauberstab.
„Unser aller Zeichen. Und bis dahin. . . Komm nicht auf die Idee, vorher einen Zauber abzusetzen“, warnte der Schatten und schien plötzlich noch mehr in der Dunkelheit zu verschwinden, gleich so, als würde er sich auflösen.
„Hallo? Bist du noch da?“, rief Lucius und versuchte, etwas zu erkennen. Er tastete sich zu der Stelle vor, wo der Mann gestanden hatte, doch da war nichts. Lediglich aus den Augenwinkeln heraus sah er noch, wie etwas Kleines, Knubbeliges zwischen den Gitterstäben der schmalen Fensteröffnung hinaus in die dunkle, kühle Septembernacht huschte.
„Merlin, das war doch nicht etwa. . .“

۩ ۞ ۩


Als am nächsten Morgen zum Frühstück die Eulen kamen, erlebte Hermione eine Überraschung, als die neue Eule der Weasleys vor ihr landete. Und zwar mit einem kleinen, braunen Päckchen, was dafür sorgte, dass sie große Augen bekam. Ebenso Ginny, die halb über den Tisch stürzte.
„Oh Merlin, ist sie das?“, hakte sie aufgeregt nach, als Hermione hastig das Papier entfernte, unter dem tatsächlich ihre Perlenhandtasche auftauchte, die sich die Jungs verwundert besahen.
„Was willst du denn mit der?“, erkundigte sich Harry verwirrt, worauf sie gar nicht weiter reagierte, während Ginny sie zu gängeln begann.
„Sieh nach. Los, sieh nach!“, drängte sie und schien noch aufgeregter, als Hermione, die sich schließlich erhob. „Nicht hier. Merlin, weißt du, was ich alles hier drin hab?“, lachte sie. Kurz darauf verschwanden die Mädchen aus der Halle, was sich nicht nur die Löwen fragend besahen, sondern auch die Schlangen.
„Weiß einer von euch, was die Beiden gestochen hat?“, erkundigte sich Blaise. Seine Freunde konnten aber nur verwirrt mit dem Kopf schütteln. Am Ende griffen sie ihr derzeitiges Thema wieder auf.

۩ ۞ ۩


„Merlin, jetzt mach es nicht so spannend!“, trat Ginny von einem Fuß auf den anderen, kaum dass sich die Zwei in ein ruhiges Eckchen zurückgezogen hatten. Hermione öffnete dann auch gleich ihre Tasche und ließ mit dem Accio eine längliche Holzschatulle aus den Untiefen derer auftauchen, die sich Ginny verwundert besah. Hermione lächelte jedoch und strich beinahe andächtig über das edle Kirschholz.
„Ist sie da drin?“, bohrte Ginny, worauf ihre Freundin nickte. „Bei dem Chaos in der Tasche, wäre sie unter den Büchern und allem anderen nur zerdrückt worden.“ „Mach auf. Oh Merlin, mach auf. Los, los, los!“, forderte Ginny und sah gebannt auf die Schachtel, nach deren Deckel die Hexe zwar griff, diesen aber nicht öffnete. Stattdessen fing sie an zu zittern.
„Was ist?“, erkundigte sich der Rotfuchs verwundert, was mehr wurde, als sie Hermione ansah. Ihrer Freundin stand inzwischen nämlich vermehrt die Unsicherheit und eine dumpfe Angst ins Gesicht geschrieben.
„Mione?“ „Ich . . . ich kann nicht“, zitterte ihre Stimme leicht. „Warum nicht? Merlin, das ist die Chance! Dann wissen wir mehr und. . .“ „Eben. Wenn ich sie aufmache und die Rose ist . . . ist vertrocknet, dann. . .“, brach sie ab und schluckte heftig. Ginny verstand und nickte.
„Das wäre tragisch, aber so hättest du trotz allem Gewissheit.“ „Ich weiß. Merlin, ich weiß. Aber. . .“ Wieder brach sie ab und sah zu Ginny, der sie die Schatulle plötzlich reichte.
„Kannst du?“ „Uhm. . . Sicher“, murmelte die Rothaarige, womit auch ihr Feuereifer schlagartig im Keim erstickte, denn so wäre sie es, die ihrer Freundin eine vielleicht furchtbar bittere Wahrheit sagen müsste. Aber dennoch eine Wahrheit, worauf sie vorsichtig, als könnte sie etwas kaputtmachen, den kleinen Verschluss löste und tief Luft holte. Schließlich hob sie den Deckel ein Stück und linste mit einem Auge ins Innere. Kurz darauf klappte sie den Deckel ganz nach oben. Das Gesicht unergründlich, was Hermione kaum ertrug.
„Und? Und?“, drängte die Brünette. In Ginnys Mimik regte sich allerdings auch weiter nichts, als sie in die Schatulle griff.
„Weißt du Mione. . .“, begann sie recht teilnahmslos, was die Gryffindor bereits das Schlimmste fürchten ließ, als die Rothaarige plötzlich dreckig grinste und ihr offenbarte, was sie vorgefunden hatte.
„. . . wir sollten Slughorn dann ganz dringend einen Besuch abstatten“, grinste sie noch mehr, als Hermione große Augen bekam. In der nächsten Sekunde stürzte sie sich regelrecht auf ihr Geschenk, was noch genauso lebendig und frisch war, wie an dem Morgen, als Hyperion ihr das kleine Päckchen übermittelt hatte.
„Er lebt!“, stieß sie überglücklich aus, als sie die weiße Rose, zwar verschlossen, aber dennoch lebendig, wieder in den Händen hatte.
„Yep“, bestätigte Ginny ihr keck und nahm ihre Freundin kurz glücklich in die Arme, die ihren Blick nicht von der Blume lösen konnte, als Ginny noch meinte: „Und er hat dich nicht vergessen, richtig?“ „Offensichtlich.“ „Was denkst du? Wie lange wird der Trank brauchen?“ „Ein paar Stunden muss der schon ziehen. Aber wenn ich nach dem Unterricht gleich anfange zu brauen, könnte er heute Abend fertig sein.“ „Dann lass uns Slughorn mal ein bisschen Honig ums Maul schmieren, damit er die Zutaten rausrückt.“ „Oh, ich denke, das wird er sicher gerne, wenn ich ihm sage, wen ich finden will.“ „Stimmt. Er war ja auch recht scharf darauf, herauszufinden wer Ben ist“, grinste Ginny, während Hermione die Rose behutsam zurück in die Schatulle legte, die sie diesmal in ihrer Schultasche verstaute. Sie konnte gar nicht erwarten, dass der Unterricht ein Ende nahm.

۩ ۞ ۩


Die kommenden acht Stunden war Hermione nicht wirklich zu gebrauchen. Sie hörte nur mäßig zu und war auch so extrem hibbelig. Sie konnte es einfach nicht abwarten den Trank anzusetzen.
Die Jungs bemerkten es zwar, bekamen auf ihre Fragen aber keine plausible Antwort. Genauso wenig hatte Hermione den nötigen Nerv, mit Draco weiter an seinem Patronus zu arbeiten, was ihn schmollen ließ. Schließlich endete auch die letzte Stunde, nach der Hermione und Ginny, ohne ein Wort der Erklärung, auf und davon stürzten.
„Seltsam. Wirklich seltsam“, murmelte Blaise und schnappte sich seinen Freund, um mit ihm ein paar Manöver zu fliegen. Vorher erkundigte er sich allerdings nach dem Befinden des Malfoy Erben. Dem ging es inzwischen wieder vollkommen gut. Mehr noch, denn er hatte sogar richtig Lust ein paar Runden auf dem Besen zu drehen, sodass sie auf dem Quidditchfeld verschwanden.
Unterdessen war Hermione eifrig damit beschäftigt, Slughorn von einer Kooperation zu überzeugen. Sie spielte im Kerker dann noch recht theatralisch mit ihrer Kette und klärte ihren Professor über ihr Vorhaben auf.
Wie erwartet erinnerte er sich und war damit selbst Feuer und Flamme für ihre Idee. Ja, er bot ihr sogar an, den Trank selbst anzusetzen, was Hermione lächelnd ablehnte. Den bekam sie auch alleine hin, sodass es zeitnah in ihrem Zimmer im Schulsprecherturm rauchte und dampfte. Und das stellenweise nicht unbedingt angenehm, weswegen Ginny irgendwann die Fenster aufriss, damit sie nicht erstickten. Dabei fiel ihr der überdimensionierte Blumenstrauß auf Hermiones Schreibtisch ins Auge.
„Wow“, entwich es ihr nur, bevor sie wieder zu ihrer Freundin trat und auf das üppige Gebinde deutete. „Wo hast du den denn her?“ „Was? Ach so. Die hat mir Draco gestern mitgebracht. Als Entschuldigung.“ „Was? Wegen eures kleinen Streits am Samstag?“ „Genau den. Er war deshalb sogar in Mugglelondon und hat mir dort meine Lieblingsschokolade besorgt.“ „Echt? Dieses Dschitardellie Zeug?“ „Ghirardelli. Ja“, schmunzelte Hermione, da ihrer Freundin die auch schmeckte, denn sie hielt bereits Ausschau nach der Nascherei, sodass Hermione lachte.
„Im Sekretär.“ Daraufhin stürzte sich die Rothaarige auf diesen und leckte sich genüsslich über die Lippen, als sie die große Geschenkbox fand und aus ihrem Versteck holte.
„Darf ich?“, fragte sie dennoch, worauf Hermione nickte „Klar“ und sich Ginny in verspielter Manie eines der kleinen Täfelchen heraussuchte, was sie genießerisch auf der Zunge zergehen ließ.
„Also wenn Draco dir immer die Schokolade als Entschuldigung mitbringt, darfst du öfters mit ihm streiten.“ „Dann platze ich vermutlich!“, lachte Hermione und rührte dreimal gegen den Uhrzeigersinn in ihrem Kessel herum, während Ginny wieder zu ihr trat.
„Ich find das echt beachtlich.“ „Was?“ „Na ja, dass er das weiß. Oder sich gemerkt hat. Mit der Schokolade. Wenn ich da an unsere zwei Experten und ihr löchriges Gedächtnis denke“, resümierte sie süffisant und schob das schmelzende Stück Schokolade von der rechten Wangenseite in die Linke.
„Wann hast du ihm das erzählt?“, bohrte Ginny, worauf Hermione ernsthaft überlegte. „Gute Frage. Keine Ahnung. Wahrscheinlich hab ich es im Mungos mal erwähnt oder bei meinen Besuchen“, erklärte sie, war sich allerdings nicht wirklich sicher, denn sie hatten meist mehr über ihn gesprochen. Sie hatte ihm über alles mögliche Fragen gestellt. Er selbst hatte sich eigentlich gar nicht weiter bei ihr über irgendetwas erkundigt. Vermutlich hatte sie es mehr nur nebenbei erwähnt, als sie ihn nach seinem Geschmack gefragt hatte.
„Umso erstaunlicher“, monierte Ginny und steckte sich noch ein Stückchen in den Mund, was sie genießerisch die Augen schließen ließ.
„Merlin, das ist wie ein Orgasmus auf der Zunge“, stöhnte sie, worauf Hermione lachte. „Tja, auch Muggle haben exquisite Leckereien.“ „Wohl wahr. Und dann noch die Blumen“, sah Ginny nochmal auf diese.
„Waren garantiert so teuer, wie die Schokolade“, murmelte sie und betrachtete das Gebinde aus weiß-roten Lilien, cremefarbenen schon fast weißen Rosen, wie auch rosa Gerbera und noch anderen kleineren Blümchen, die die drei größeren noch mehr betonten und hervorhoben.
Hermione nickte auf Ginnys Anmerkung und sah ebenfalls auf den dicken Strauß. Das aber zunehmend nachdenklicher, denn die Lilien zählten zu ihren Lieblingsblumen und machten hier jetzt tatsächlich einen Großteil des Straußes aus. Danach kamen die Rosen, gefolgt von den Gerberas.
„Was ist?“, fragte Ginny auf ihren Blick, worauf Hermione mit dem Kopf schüttelte. Sicher nur ein dummer Zufall durch den Floristen, denn bei dem Thema war sie sich sicher. Über Blumen hatte sie nie mit Draco gesprochen. Am allerwenigsten darüber, was ihre Lieblingsblumen waren.

۩ ۞ ۩


Nach dem Training, in Dracos Augen diesmal mehr nur ein Spaßfliegen, denn es war nicht einmal ansatzweise die übliche Schärfe dahinter, die er von Blaise kannte, verdünnisierte er sich in einen der wenig genutzten Hinterräume, nachdem er Flitwick über sein Vorhaben in Kenntnis gesetzt hatte. Sicher war sicher, wobei es den Professor gefreut hatte, als Draco ihm sein Anliegen geschilderte hatte.
So sah er sich nun andächtig in dem doch etwas größeren Raum um, der verhältnismäßig leer war und dadurch eine Wahnsinns Akustik schaffen konnte. Die Stühle standen wie immer ineinander gestapelt an den Wänden, während sich in den Schränken die vielen kleinen Kostbarkeiten versteckten. Die beiden größten Dinge ließen sich hingegen nur magisch anderweitig aufbewahren, was dem guten Flitwick stets widerstrebt hatte.
Draco konnte es verstehen warum und trat letztlich an den schwarzen Flügel, der verschlossen, und mit einem riesigen, weißen Laken abgedeckt war, um das wundervolle Instrument vor Schaden und Staub zu schützen. Die Harfe das gleiche.
Beide befreite er dann aber von ihrer schützenden Ummantelung, bevor er die Finger behutsam über die Saiten der Harfe gleiten ließ. Das Instrument gab dadurch die ersten sanften Klänge von sich, was ihn schmunzeln ließ. In seinem Kopf setzten sich damit Melodien, Laute, wie auch ein beständiger Rhythmus zusammen, die er begleitend als Hintergrund im Sinn hatte.
Als er den Rhythmus, mit allen Komponenten zusammen hatte und sich dieser in einer Schleife verlor, legte er einen entsprechenden Zauber auf die Harfe, die schließlich von selbst spielte. Und zwar genau so, wie er wollte und damit den Raum in sanfte Klänge tauchte, die er genüsslich in sich aufnahm. Am Ende trat er an den Flügel und öffnete das Verdeck.
Der schwarze Lack glänzte wie neu, ebenso die schneeweißen Tasten, die gerade dazu einluden, sie sanft nach unten zu drücken, um dem Flügel seine Klänge zu entlocken. Es war eine Versuchung, der er nicht mehr lange widerstehen konnte und so mit der rechten Hand eine einfache, klare, langsame, wie auch helle Melodie anspielte, die sich harmonisch mit dem Spiel der Harfe vermischte.

۩ ۞ ۩


Sie wusste nicht wirklich wie, irgendwie hatte sich Diana die Sache mit dem Unterrichten aber anders vorgestellt. Weniger stressig und aufwendig in Sachen Arbeit. Gut. Schön, daran war sie teils selbst schuld, da sie ihrer Klasse, insbesondere der Siebten, immer recht viele Hausaufgaben gab. Eigentlich unfair den Schülern gegenüber, da sie im Grunde nur einen damit überfordern wollte.
Dummerweise bewältigte ausgerechnet er den ganzen Berg stets am besten und zu allem Überfluss auch noch richtig, was ihr überhaupt nicht in den Kopf gehen wollte. Vermutlich half ihm die kleine Mugglestämmige Hexe regelmäßig dabei, sodass er mit seinem Wissen protzen konnte.
Arroganter Reinblüter! Die waren doch alle gleich, in ihrer Überheblich- und Selbstgefälligkeit. Aber das würde sie ihm noch austreiben. Irgendwie.
Sie schritt durch die Gänge, auf dem Weg in ihre Privaträume, als sie leise eine verträumte, leicht melancholische, aber dennoch harmonisch liebliche, wie auch beruhigende Melodie hörte, der sie gebannt lauschte und letztlich fasziniert folgte.
Sie konnte sich nicht daran erinnern, jemals etwas so Anmutig, Reines und Schönes gehört zu haben, was tief in ihr etwas berührte und gefangen hielt.
Leise, wie auch mit Bedacht, schlich sie durch den Gang, auf der Suche nach dem Ursprung dieses melodischen Zaubers. Sie war letztlich weniger überrascht, als sie an dem Zimmer mit den Musikinstrumenten heraus kam, wo die Tür lediglich angelehnt war und damit die Klänge nach draußen trug, die sie auch weiter auf sich wirken ließ.
Sie war neugierig obgleich des Ursprungs dieses Spiels, wagte es aber nicht, die Tür weiter zu öffnen, aus Angst, die Klänge würden dann verstummen. Irgendwann war ihre Neugier doch größer, sodass sie die Tür behutsam aufschob und in den schwach erhellten Raum blickte.
Im hinteren Bereich stand eine Harfe, die von selbst spielte, wie auch der schwarze Flügel. Diesen konnte sie allerdings nicht komplett einsehen. Sie konnte nicht erkennen, ob jemand an diesem saß oder ob das Instrument, wie die Harfe, verzaubert war und von alleine spielte.
Da beides aber noch spielte, schien ihre Anwesenheit nicht bemerkt worden zu sein, worauf sie sich den Instrumenten leise näherte. Zuvor legte sie einen Zauber auf ihre Pumps, damit diese auf dem Steinboden kein klackendes Geräusch verursachten, die den Zauber der Musik unnötig zerstört hätten.
Langsam, Stück für Stück, schlich sie seitwärts und erkannte aus den Augenwinkeln, wie eine Hand kurz über die äußerste Seite des Flügels huschte und diesem neue Klänge entlockte.
Es spielte tatsächlich jemand. Und dieses Spiel war atemberaubend. Es harmonierte wunderbar mit den sanften Harfenklängen und hinterließ eine beruhigende Atmosphäre.
Ihr Interesse und die Neugier auf den Spieler wurden so immer größer, sodass sie noch etwas näher trat, um einen Blick auf die Gestalt zu erhaschen. Was, mehr noch wen, sie dann aber entdeckte, damit hatte sie nicht gerechnet.
Die Faszination verschwand auf seinen Anblick schlagartig aus ihren Augen und machte stattdessen der Missgunst Platz. In ihrem Innern wuchs damit mit einem Schlag das Verlangen, ihn zurechtzuweisen und ihm eins reinzuwürgen, was er hier tat. Dass er hier keinerlei Zutritt und dergleichen hatte. Doch sie blieb still und beobachtete ihn, wie er die Finger recht anmutig über die vielen Tasten des Flügels schweben ließ und diesen damit zum Klingen brachte.
Er hatte sie noch nicht bemerkt, wo ihr bei näherer Betrachtung auch klar wurde warum. Er hatte die Augen geschlossen. Offensichtlich spielte er nicht nach Noten, sondern mehr nach Gehör. Nach Gefühl, was ihr immer unbegreiflicher wurde. Diese Szene, dieser Anblick. Es passte so gar nicht zu dem Bild, was sie sich von diesem Reinblüter gemacht hatte. Dieses gefühlvolle Spiel passte nicht ins Bild. Eines, was sie trotz allem nicht wagte zu stören oder sonst wie zu unterbrechen. Stattdessen beobachtete sie ihn auch weiter still und leise aus ihrer Ecke heraus.
Wie lange sie dort stand, ihm zusah und lauschte, konnte sie nicht mehr sagen. Irgendwann neigte sich sein Spiel aber einem Ende zu. Die Töne wurden ruhiger und verhallten schließlich in einem abschließenden Echo, womit sie sich straffte.
Draco reagierte aber auch dann nicht gleich, sondern ließ die Finger noch etwas über die Tasten des Flügels gleiten, mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Erst, als er den Tastendeckel behutsam schloss, bemerkte er seinen Gast.
Damit verschwand die Leichtigkeit aus seinem Blick, der stattdessen etwas Kühles, äußerst Distanziertes, wie auch leicht Überhebliches annahm. Diana schnaubte, als sie die gewohnte Arroganz in seinen Augen las, die er immer in ihrem Unterricht zur Schau trug.
„Professor“, meinte er einfach nur und griff nach einem kleinen, silbernen Etwas, das er ohne Umschweife in seinem Umhang verschwinden ließ. Diana hatte es dennoch gesehen und raunzte ihn an.
„Was tun Sie hier? Der Raum ist für Unbefugte gesperrt! Und was war das, was Sie eingesteckt haben?“, zischte sie, worauf er ihr recht reserviert antwortete.
„Was ich hier tue haben Sie, denke ich, gesehen und gehört. Darüber hinaus hat Professor Flitwick mir den Raum zugänglich gemacht. Er ist in Kenntnis über das, was ich hier tue und Letzteres geht Sie nichts an, da es mein Eigentum war.“ „Und das soll ich Ihnen glauben?“ „Tun Sie es oder lassen Sie es bleiben. Ich habe allerdings keinerlei Ambitionen mich vor Ihnen für mein Spiel zu rechtfertigen. Wenn Sie mich also entschuldigen? Ich habe noch Hausaufgaben zu machen.“ Damit wollte er gehen, Diana fuhr ihn jedoch herrisch an.
„Sie denken auch, Sie können sich alles erlauben? Man sollte meinen, die vergangenen Monate hätten Sie Demut und Zurückhaltung gelehrt! Stattdessen stolzieren Sie auch weiterhin so arrogant und herablassend umher. Mir ist es wirklich ein Rätsel, wie Miss Granger es mit Ihnen aushält!“ Daraufhin blieb er stehen und funkelte sie dunkel an.
„Hören Sie, ich habe keine Ahnung, was genau Ihr Problem ist. Sie können mich aber nur zu offensichtlich nicht leiden, worauf ich offen gestanden auch keinerlei Wert lege. Allerdings kennen Sie mich nicht. Sie wissen nichts über mich und mein Leben außer das, was Ihnen die Presse vorgeplappert hat“, resümierte er, was sie schnauben ließ, während Draco weiter meinte: „Ich kann nicht ändern was oder wer ich bin. Ich weiß selbst nur zu gut, was ich getan habe, mehr noch, was ich nicht getan habe. Genauso das Warum“, funkelte er sie noch etwas mehr an.
„Sie halten mich für arrogant und herablassend? Meiner Meinung nach sind das eher Sie.“ „Unverschämtheit!“ „Ach ja? Ist es nicht unverschämt, sich ein Urteil über einen Menschen zu bilden, den man nicht kennt? Über den man persönlich gar nichts weiß? Wie gesagt, es ist mir egal, ob Sie mich leiden können oder nicht. Sie müssen nicht mit mir leben, sondern mich lediglich zweimal die Woche in Ihrem Unterricht dulden, den ich mir im Übrigen nicht ausgesucht habe. Dahingehend dürfen Sie sich gerne beim Ministerium bedanken. Aber so lange ich in diesem Ihre Anforderungen erfülle, denke ich, haben Sie keinerlei Recht mich in irgendeiner Art und Weise zu behelligen oder sonst wie zu diskreditieren. Wenn Sie mich also entschuldigen?“ Damit wollte er sich umdrehen, doch sie fauchte ihn abermals an.
„Sie sind an Dreistigkeit wirklich nicht zu übertreffen! Wie können Sie. . .“ „Gibt es Probleme?“, unterbrach plötzlich eine dritte Stimme das anschwellende Streitgespräch, welche zu Filius gehörte. Der kleine Professor für Zauberkunst trat näher und sah fragend zwischen Draco und seiner Kollegin hin und her.
„Allerdings! Mr. Malfoy hat sich unberechtigt Zutritt verschafft und. . .“ „Oh. Nein, nein, nein“, unterbrach Professor Flitwick die junge Frau in ihrer Anschuldigung und meinte: „Ich habe ihm den Raum geöffnet“, ehe er zu dem Slytherin sah.
„Klingt der Flügel noch so, wie er soll?“ „Wie neu“, grinste Draco zufrieden und warf Diana einen triumphierenden Blick zu, die es säuerlich schluckte, dass er doch die Wahrheit gesagt hatte, bevor ihr noch etwas einfiel.
„Er hat irgendetwas mitgehen lassen, Filius. Ich habe gesehen, wie er etwas in seinen Umhang gesteckt hat!“, deutete sie anklagend auf ihn, worauf der Professor wissend nickte. „Es hat alles seine Richtigkeit, Diana. Keine Sorge.“ Damit sah der kleine Mann zu Draco.
„Konnten Sie Ihr Vorhaben in die Tat umsetzen?“ „Ich habe alles, was ich brauche. Nochmal vielen Dank, Professor.“ „Oh, nicht der Rede wert. Ich weiß doch, dass unsere Schätze bei Ihnen in den besten Händen sind. Und dem Flügel tat es sicherlich auch gut, mal wieder benutzt zu werden. Wenn Sie erneut den Wunsch verspüren sollten, zu spielen, können Sie den Raum jederzeit benutzen.“ „Danke Professor. Ich komme gerne darauf zurück“, nickte Draco dem Kleinwüchsigen zu und verschwand letztlich, dem Diana sauer, Filius lächelnd, nachsahen.
„Haben Sie ihn gehört?“, erkundigte sich der Zauberkunst Professor und sah neugierig zu seiner Kollegin auf. „Ja“, knurrte diese noch immer, in Anbetracht der Tatsache, dass es ihr bis zu der Sekunde, als sie ihn entdeckt hatte, gefallen hatte. Dass sie sich von seinem Spiel hatte in den Bann ziehen lassen, was sie nun furchtbar ärgerte.
„Der Junge ist ausgesprochen talentiert am Flügel. Leider hat seine Familie das nie gefördert“, seufzte Filius. Diana nahm es pikiert zur Kenntnis und verschwand in die entgegengesetzte Richtung.

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Als Draco später am Abend in seinen Turm ging, wäre er um ein Haar mit Ginny zusammengeknallt, die es sehr eilig hatte und zudem selten dämlich grinste, was ihn verwundert eine Augenbraue hoch ziehen ließ. Kurz darauf verschwand er im Innern des Turms, in dem es verdammt streng roch.
„Boah, Merlin. Hermione!“, rief er die Hexe und machte erstmal das große Flügelfenster auf, um zu lüften. Kurz darauf tauchte die Gryffindor frisch geduscht vor ihm auf.
„Was denn?“, fragte sie ahnungslos und handelte sich dafür einen zweifelnden Blick ein. „Was denn? Sag mal, was um alles in der Welt habt ihr getrieben? Hier stinkt’s, als ob wir einen Bergtroll als Haustier hätten.“ „Wirklich?“, wunderte sie sich und schnupperte selbst, konnte aber nichts definieren. Vermutlich war ihre Nase noch immer zu.
„Tut mir leid. Ich hab mit Ginny vorhin einen Aufspürtrank gebraut.“ „Das erklärt alles“, nuschelte Draco, bevor er sie neugierig ansah.
„Was willst du denn wiederfinden?“ „Etwas verschwundenes“, griente sie, was ihm klarmachte, dass sie sich nicht näher erklären würde.
„Vielleicht machst du das das nächste Mal bei Slughorn unten. Der Gestank vertreibt ja selbst Tote.“ „Ja, tut mir leid“, entschuldigte sie sich nochmal, bevor sie ganz zu ihm trat.
„Wie war das Training? Blaise hat doch hoffentlich nicht so lange gemacht?“ „Nein, ich hab noch was ausgearbeitet.“ „Ah. Apropos. . . Wie sieht’s aus? Hast du noch genug Energie übrig, damit wir weiter an deinem Patronus arbeiten können?“ „Ich denk, du hast keine Lust mehr mit mir zu üben?“ „Sagt wer?“ „Du. Oder was war das heute Nachmittag im Unterricht?“, erinnerte er sie, worauf sie abwinkte.
„Ich war einfach zu sehr in Gedanken wegen meines kleinen Projekts.“ „Aha“, erwiderte er trocken. Hermione schmunzelte.
„Also?“ „Na ja, irgendwie muss ich da ja zu meinem O kommen“, murrte er ein wenig, worauf sie ihm die Hand hin hielt und etwas in die Mitte des Raumes zog.
„Du schaffst das. Das weiß ich“, lächelte sie zuversichtlich und nahm schließlich auf einem der beiden Sessel Platz, während sich Draco vor ihr positionierte, sie allerdings fragend ansah.
„Was nimmst du eigentlich für deinen Biber?“ „Otter!“ „Meinetwegen. Aber mit was für Erinnerungen beschwörst du ihn herauf?“ „Oh, das . . . das ist unterschiedlich“, meinte sie leicht verlegen.
„Ich glaube auch nicht, dass dir meine Glücksmomente eine wirkliche Hilfe sind.“ „Aber vielleicht ein Anstoß? Also? Oder willst du sie mir nicht verraten?“, zog er gespielt einen Flunsch, was sie lachen ließ.
„Wenn es dir eine Hilfe ist. . . Also meinen ersten Patronus habe ich mit dem Gedanken an meinen Hogwartsbrief heraufbeschworen, nachdem ich diese Umstand richtig als Echt verinnerlicht hatte. Die Tatsache, dass mir das Geschenk der Magie zuteil wurde. Eine andere geht auf die Geschichte damals im Ersten mit dem Troll zurück.“ „Was war denn daran glücklich?“ Draco war verwirrt. Hermione lächelte und sah ihn Milde an.
„Für mich die Tatsache, dass dieser Moment der Anfangsstein für meine Freundschaft zu Harry und Ron war. Die Beiden waren mir nach langer Zeit die ersten wirklichen Freunde, vor allem hier in Hogwarts“, erklärte sie, wurde dann aber etwas bedrückt, als sie daran dachte, wie ihr Verhältnis jetzt war. Mit Harry lief zwar nach wie vor alles gut. Ron hingegen. . .
„Die sind dir sicherlich keine richtige Hilfe“, sah sie ihn wieder an, und das leicht gedrückt, aber dennoch lächelnd. „Für Harry war das Fliegen auch immer etwas Besonderes. Freiheit, meinte er mal zu mir. Und im Fünften. . .“, begann sie zu grinsen, was Draco die Ohren spitzen ließ.
„Zu den Prüfungen im Fünften, hat er seinen Patronus mit der Vorstellung heraufbeschworen, wie Umbridge mit einem saftigen Tritt in den Hintern aus der Schule fliegt.“ Daraufhin musste auch Draco grinsen.
„Da kommen wir der Sache schon näher.“ „Hm. Ahm. . . Was noch?“, grübelte Hermione, während er sich zu ihr gesellte und auf dem Rand der Lehne niederließ.
„Das ist jetzt vielleicht ein bisschen Mädchenkram aber. . .“, druckste sie ein wenig drum herum, worauf er sich zu ihr lehnte.
„Ich lach nicht“, versprach er und grinste schief, sodass sie etwas Luft holte und letztlich meinte: „Mein erster richtiger Kuss. Darin lag für mich etwas ganz Besonderes“, lächelte sie verlegen, während Draco ein unergründliches Gesicht machte.
„Das sind vermutlich nicht unbedingt Dinge, die dir helfen.“ „Nein“, resümierte er matt. Im Gegenteil. Ihre schönen Erinnerungen machten es für ihn eher noch schwerer, etwas Vergleichbares zu finden. Zu allem Überfluss hatte er damit auch wieder verstärkt vor Augen, wie sehr sie seine anfänglichen Kränkungen tatsächlich verletzt hatten.
Klar war die Magie für sie etwas Besonderes, deren Potenzial sie sicher auch voll ausschöpfen wollte, während er sie von Geburt an kannte und als normal ansah. Als etwas Selbstverständliches. Der Gedanke daran, wie sie mit Krum knutschte, war auch nicht gerade erbauend. Genauso wenig ihre Freundschaft zu Potter und dem Wiesel, was ihm Jahr für Jahr aufs Neue gezeigt hatte, was er lange Zeit nie wirklich besessen hatte, bis er erkannt hatte, dass Blaise und Charlie nicht auch solche Arschkriecher waren, wie die Anderen. Dass sie ihm echte Freunde waren, die er dann auch nicht mehr hatte missen wollen, auch wenn Blaise ihn manchmal drohte in den Wahnsinn zu treiben. Vielleicht. . .
„Ich hab vielleicht etwas.“ „Na dann leg los“, ermunterte sie ihn und lehnte sich zurück, während Draco versuchte, diese Erkenntnis, diesen Gedanken zu bündeln und festzuhalten. Kurz darauf schwang er den Zauberstab und sprach den Patronus, wo sich nun doch ganz schwach ein weißer Nebel zeigte. Nicht sehr lange und auch nicht sehr stark, aber dennoch zu erkennen, worauf er breit grinste, was noch mehr wurde, als Hermione von ihrem Sessel aufsprang und ihm um den Hals fiel.
„Ich hab doch gesagt, du kannst das auch!“ „War ja jetzt nicht wirklich viel“, räusperte er sich ein wenig verlegen, machte allerdings keine Anstalten, die kleine Hexe so schnell wieder freizugeben. Die Gryffindor blickte dann auch gleich zu ihm auf.
„Sicher, aber es ist ein Anfang. Und wenn der Anfang einmal da ist. . . So weißt du, nach was du ungefähr suchen musst. Wie es sich anfühlen muss. Der Gedanke muss natürlich noch stärker sein und sich wenn möglich richtig in deinem Kopf und Innern festigen, aber das kommt mit der Zeit“, lächelte sie, bevor sie neugierig wurde.
„Woran hast du gedacht?“ „Uhm. . . Blaise und Charlie. Wie es war, als ich erkannt habe, dass sie mir echte Freunde sind.“ „Na da haben wir ja doch einen gemeinsamen Schlüsselgedanken.“ „Nur das deiner effektiver ist.“ „Wird schon. Setz dich einfach nicht so unter Druck. Denk mal in Ruhe darüber nach. Über Dinge, bei denen du dich emotional ähnlich gefühlt hast. Mehr noch besser. Ich bin mir sicher, da ist etwas“, tippte sie ihm auf die Brust, worauf er nickte.
„Werd ich.“ „Vorher gehen wir aber essen“, lächelte sie und verschwand mit ihrer Schlange runter in die Große Halle zum Abendessen.

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