Was im Verborgenen liegt - Der rote Faden
von Alex2303
Hallo ihr lieben! :)
Überraschenderweise war das Chap nun doch schon da. Hatte es Mittwoch Abend erst meiner lieben Beta geschickt. Vorhin nochmal kurz in mein Postfach geschaut und da war es doch schon korrigiert zurück.
Ein ganz dickes Danke an Lady Jany für den flinken Support. :D Ich hatte erst am Wochenende damit gerechnet. :)
Vielen lieben Dank an Dunkelwicht, dramaqueen1997 und Mirja-Hailey für eure Kommis.
@Mirja-Hailey: Lucius und seine Truppe sollten sie in jedem Fall nicht vom Radar verlieren. Auch wenn die im Moment ruhig sind, wissen wir ja, dass das nicht so bleiben wird. :o
Warum genau Umbridge hinter den Beiden her ist, wurde noch nicht genannt. Nur das sie fürchtet, dass Draco ein schmutziges Geheimnis ausplaudern könnte. Hermione ist ihr ja ohnehin ein Dorn im Auge von der sie auch weiß, dass ihr die Hexe gefährlich werden kann.
Ron ist eine Sache für sich. In jedem Fall ist es nicht normal Stimmen zu hören und irgendwelche Bilder zu sehen, die nicht wirklich da sind. Sollte ihm eigentlich auch irgendwo klar sein, nur merkt man selbst ja meistens nicht, wenn man nicht mehr "normal" läuft. Was oder wer hinter dieser Sache steckt, bleibt aber noch eine Weile mein schmutziges Geheimnis. :p
In jedem Fall zieht Harry endlich Konsequenzen. Lavender .... Mal sehen, ob ich dir den Wunsch erfüllen kann :D
Euch schon mal ein schönes Wochenende. Ich hoffe ihr habt eure Freude mit dem neuen Chap.
Liebe Grüße,
*Nachteule* Alex
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„. . . Ich kann nicht sagen, was ich im Moment mehr bin, enttäuscht oder wütend, aufgrund Ihres Verhaltens!“, herrschte McGonagall Ron an, der angepisst schnaubte. Er konnte nicht fassen, dass Harry, HARRY!, bei McGonagall war und ihn verpfiffen hatte, bloß weil er der dreckigen Schlange berechtigterweise ein paar aufs Maul gehauen hatte.
„Ich habe Ihnen bereits zu Anfang des Jahres gesagt, dass ich ein derartiges Verhalten nicht dulden werde! Von niemandem!“, setzte sie sofort nach, als Ron Anstalten machte, den Mund zu öffnen, diesen dann aber gleich wieder eingeschnappt schloss. Minerva atmete daraufhin kurz tief durch, bevor sie etwas ruhiger weiter sprach.
„Mir ist bewusst, dass Sie nach wie vor Ihre persönlichen Probleme mit den Herren Malfoy und Zabini haben und wohl auch in Sorge um Ihre Schwester sind. Deswegen verlangt auch niemand von Ihnen, dass Sie Freundschaft schließen, auch wenn es wünschenswert wäre. Was ich aber von Ihnen erwarte und vor allem verlange, ist, dass Sie ein zivilisiertes Verhalten an den Tag legen. Merlin, Sie sind erwachsen, benehmen Sie sich gefälligst auch so!“, brauste McGonagall kurz auf, bevor sie wieder runter tourte und ruhig, aber dennoch kühl hinten ansetzte: „Ich denke Ihnen ist klar, dass diese Sache Konsequenzen nach sich zieht? Zwar hätte ich nie gedacht, dass ich Ihnen gegenüber einmal solche Schritte gehen muss, allerdings scheinen Sie in dieser Sache anders wohl nicht lernfähig, wenn Mr. Potter sich bereits dazu genötigt sieht, mit mir über Ihre Verhaltensweise zu sprechen.“ Und das gab Minerva erneut zu denken, denn früher hätte Harry nichts dergleichen getan, sondern wenn, dann eher noch versucht, derartiges zu verstecken und Ärger von seinen Freunden fernzuhalten. Erst Recht, wenn es mit den Slytherins zu tun hatte.
„Sie werden in den kommenden Wochen bei Professor Quent nachsitzen und diverse Strafarbeiten erledigen. Zudem sehe ich mich gezwungen, Ihnen einen Verweis auszusprechen, worüber ich auch Arthur und Molly unterrichten werde und. . .“ „Das können Sie nicht machen!“, fuhr Ron ihr nun doch noch fassungslos dazwischen, da sie ihn wie einen kleinen, dummen Schüler abkanzeln wollte. Minervas Blick sagte aber eindeutig, dass sie es konnte und auch tun würde, was ihn wieder aufbrausen ließ.
„Das ist doch ein schlechter Witz!? Merlin, ich hab zusammen mit Harry gegen dieses Monster gekämpft. Wir haben die Welt gerettet! Haben Sie das vergessen?!“ „Nein. Allerdings hat das rein gar nichts mit Ihrem jetzigen Fehlverhalten zu tun, wenngleich ich Ihr Verhalten aufgrund dessen sogar noch unangebrachter finde, als die Entgleisungen einiger anderer. Davon abgesehen, haben Sie keinen Einzelkampf mit Mr. Potter bestritten!“, fuhr Minerva ihn wieder scharf an.
„Viele andere haben diesen Kampf mit uns gekämpft und darüber hinaus ihr Leben für den Frieden gelassen. Gerade Ihnen sollte das bewusst sein!“, erinnerte sie ihn an Fred, worauf er sich gehörig auf die Zunge biss und wie ein geschlagener Hund den Blick senkte, sodass McGonagall auch wieder ruhiger wurde und sich selbst zur Sachlichkeit mahnte, mit der sie nochmal versuchte, Ron die Vergangenheit deutlich zu machen.
„Es ist ein noch sehr junger und vor allem sehr empfindlicher Frieden, von dem wir nicht wollen, dass er aufgrund irgendwelcher persönlichen Probleme Einzelner gestört wird. Gerade Sie, Mr. Potter und Miss Granger sollten aufgrund ihrer Leistungen während des Krieges mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Mitschülern ein Vorbild sein. Miss Granger hat einen grandiosen Anfang dafür gemacht, und den ersten Stein zu einem gemeinsamen Miteinander gelegt. Und das ganz offensichtlich schon vor Jahren. Genauso wie sich Ihre Schwester, Miss Lovegood und die Herren Malfoy, Zabini und Harper nun rege darum bemühen, ihren Mitschülern dieses Miteinander zu vermitteln, damit die alten Barrieren endlich weichen. Und das nicht nur in den Köpfen, sondern vor allem in den Herzen ihrer Mitschüler und Mitmenschen. Inzwischen machen sich ja auch Mr. Potter und Longbottom für diesen Zusammenhalt stark. Nur Sie schießen vollkommen quer! Und das auf eine Art und Weise, die mich zutiefst erschreckt“, wurde Minerva wieder etwas aufgebrachter, dem Ron versuchte zu trotzen.
„Das tue ich nicht! Verdammt, das Frettchen pl-“ „Nicht in diesem TON!“, fuhr Minerva ihm scharf dazwischen und funkelte ihn erneut zornig an. „Dass Sie und Mr. Malfoy jahrelang ihre Streitigkeiten hatten, ist allseits bekannt. Allerdings traf das auch auf Miss Granger und Mr. Potter zu. Meiner Meinung nach sogar noch bedeutend mehr, als auf Sie! Und dennoch haben Ihre Freunde diese Dinge vollkommen hinter sich gelassen, woran Sie sich verdammt nochmal ein Beispiel nehmen sollten!“, herrschte die Direktorin ihn an, wo sich nun auch Albus ruhig in das Gespräch miteinklinkte.
„Professor McGonagall hat Recht, Ron. Auch wenn es neu und ungewohnt und sicher auch etwas schwer für dich ist, so solltest du dennoch versuchen, über das, was war, hinwegzusehen. Draco hat sicherlich einige Fehler gemacht und sich hin und wieder falsch verhalten. Allerdings sollte man auch die näheren Umstände berücksichtigen, die dieses Verhalten in ihm geschürt haben. Er. . .“ „Der hat versucht Sie kaltschnäuzig zu ermorden!“, fiel Ron seinem alten Direktor aufgebracht ins Wort.
„Das hat er nicht“, wiedersprach Dumbledore ihm in seiner gewohnt ruhigen Art, mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen, was Ron fast in den Wahnsinn trieb. „Aber nur, weil Snape. . .“ „Professor!“, schimpfte McGonagall erneut. „. . . dazu gekommen ist und Sie dann. . .“ „Es war alles mit Severus abgesprochen“, unterbrach Dumbledore ihn auch weiter ruhig.
„Ich denke, Harry hat dies bereits mit dir und Hermione besprochen. Und was Draco betrifft. . . Ich habe den Jungen damals von der Treppe her kommen sehen. Ich hätte seinen Angriff, der mehr als halbherzig war, trotz allem abwenden können. Jedoch war es für alles Folgende von größter Wichtigkeit, dass das Besitztum meines Zauberstabes auf einen anderen überging, den Voldemort nicht vermuten würde. Aber um auf deinen Vorwurf zurückzukommen. . . Draco wollte es nicht. Das habe ich ihm in dieser Nacht überdeutlich angesehen. Seine Verzweiflung und den inneren Kampf, den er ausgefochten hat. Er ist kein Mörder und ich wollte auch nicht, dass er aufgrund meiner Pläne zu einem Mörder wird. Jedoch ließ sich nicht alles einkalkulieren, zumal Draco, wohl zu unser aller Überraschung, noch seine ganz eigenen Pläne verfolgt hat, wie ich im späteren Verlauf erfahren habe“, sah Dumbledore schmunzelnd zu Snape, der wie immer griesgrämig das Gesicht verzog, dann aber nickte, sodass sich Dumbledore wieder auf Ron konzentrierte, der auch weiter wütend vor sich hin starrte.
„Ich verstehe, dass es dir nach all den Jahren des Hasses schwer fällt, etwas anderes in ihm zu sehen, als das, was du, Harry und Hermione immer gesehen habt. Aber wie Professor McGonagall schon sagte, haben Harry und Hermione diesen Hass hinter sich gelassen. Und so wie es scheint, verstehen sie sich nun recht gut mit Draco und seinen Freunden, was eine doch sehr schöne Entwicklung ist, wie ich finde“, lächelte Dumbledore verschmitzt in Snapes Richtung, der einfach nur schnaubte und sauer den Blick abwand, was den alten Mann in seinem Portrait belustigt kichern ließ. Ron jedoch, war kurz vorm Platzen.
„Der wird ihnen schaden, Professor! Bitte. Sie können das alles doch nicht wirklich glauben!“ „Mr. Weasley. . .“, begann Minerva erneut scharf, doch Ron hörte nicht. „Malfoy hat irgendwas vor. Ich hab gesehen, wie er sich in der Verbotenen Abteilung herumgetrieben hat und. . .“ „Das ist Madam Pince bekannt. Er wollte für einen Zauber recherchieren.“ „Und das glauben Sie?“, schnaubte Ron abfällig, dem noch was ganz anderes auf der Zunge lag. Minerva wurde es mittlerweile aber zu bunt.
„Ich werde diese unsinnige Diskussion nicht länger mit Ihnen führen, Mr. Weasley“, begann sie, als Ron zu einem weiteren Argument ansetzte. „Entweder Sie verhalten sich entsprechend und befolgen die geltenden Regeln der Schule, die für Sie genauso gelten, wie für alle anderen auch. Oder Sie tun es nicht. Dann werde ich die nötigen Konsequenzen ziehen und Sie der Schule verweisen. Ich werde keine Querulanten dulden, egal wen. Habe ich mich deutlich ausgedrückt? Sollte mir noch einmal etwas Derartiges zu Ohren kommen, wie die Dinge, von denen mir Mr. Potter und Longbottom berichtet haben, werden Sie die Schule umgehend verlassen! Und jetzt gehen Sie!“, warf sie ihn sauer aus ihrem Büro, was Ron ganz Recht war, der nur noch wütend schnaubte und die Tür donnernd hinter sich ins Schloss warf. Drinnen ließ sich Minerva gleichermaßen gestresst, wie auch fertig in ihren Stuhl fallen, wo sie sich die hämmernden Schläfen massierte.
„Und ich dachte immer, Potter wäre der größere Dummkopf“, resümierte Snape süffisant, den Albus sanft tadelte. „Na na, mein Lieber. Sei doch nicht schon wieder so angriffslustig.“ „Bei so viel Dummheit fällt mir leider nichts anderes ein.“ „Nun, ich vermute, unserem guten Ron schlägt etwas ganz anderes auf den Magen, als der Gedanke, dass in Draco wohl sehr viel mehr steckt.“ „Und was soll das sein?“, fragte Minerva fertig, die Albus über seine Halbmondgläser hinweg gewitzt zuschmunzelte. In den blauen Augen funkelte eine kindliche Begeisterung und Freude.
„Ich denke ihm missfällt, dass sich unsere liebe Hermione offensichtlich auf einer noch sehr viel tieferen Ebene so gut mit Draco versteht.“
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„Dein Vater?“ „Erzeuger!“, knurrte Draco sauer, bevor er weiter meinte: „Er wird mich definitiv tot sehen wollen. Mehr als die rosa Kröte. Genauso Hermione. Er könnte Madam Rosmerta genauso manipuliert haben.“ „Wäre auch möglich“, gestand Remus sich ein, als Draco noch fragte: „Habt ihr inzwischen irgendeine Spur von ihnen?“ „Nicht die geringste. Sie scheinen wie vom Erdboden verschluckt zu sein.“ „Sie planen was“, murmelte Draco ernst. „Denkst du wirklich? Vielleicht haben sie sich auch abgesetzt. Das hätte ich gemacht“, meinte Tonks. Draco schüttelte mit dem Kopf.
„Einer allein hätte das vermutlich gemacht. Oder zwei. Aber sie sind 12. Zudem hat ihnen doch jemand zur Flucht verholfen. Und das mit Sicherheit nicht ohne Grund. Da steckt mehr dahinter.“ „Möglich. Nur kommen wir in der Richtung im Augenblick nicht weiter. Wir sollten uns auf das konzentrieren, was wir im Moment haben.“ „Und was haben wir? Nichts!“, moserte Draco zynisch. „Nichts stimmt nicht ganz. Wir haben, wie gesagt, einige Indizien und Hinweise, die eben vermehrt in Umbridges Richtung gehen“, widersprach Tonks ihm ruhig und kam so auch wieder auf die Frau zurück.
„Zwar könntest du Recht haben, dass die Aktion gestern auch auf Lucius und die anderen Todesser zurückzuführen ist, aber dann hätten sie sicherlich auch vor Harry nicht halt gemacht. Wir sollten uns in jedem Fall erstmal mit den Dingen befassen, die wir haben, damit euch am Ende nicht doch noch Schlimmeres passiert.“ „Und was denkt ihr?“, hakte Hermione nach. „Warum seid ihr euch bei Umbridge so sicher?“ „Sicher nicht, nur ist ihr ganzes Verhalten, gerade dir gegenüber. . .“, sah sie zu Draco. „. . . mehr als fragwürdig. Die Hartnäckigkeit, mit der sie gegen dich vorgegangen ist und auch noch immer vorgeht.“ „Was meinst du?“, erkundigte sich Hermione weiter.
„Einmal die Sache bei der Anhörung, aber auch die Flucht der Todesser. Sie war da sogar so dreist, bei Minerva im Büro aufzutauchen, um Draco zu einem Verhör zu holen. Sie hat ihm direkt unterstellt, dass er für ihre Flucht verantwortlich ist. Merlin sei Dank, hatte sie damals keine Vorladung dabei und im Nachhinein wohl auch keine bekommen. Wer weiß, was sie tatsächlich vorhatte. Dann die Sache mit Smith, den sie damals ja auch zu einer Falschaussage überredet hat. Das alles hat meiner Meinung nach nichts mehr mit reiner Schikane zu tun. Da steckt definitiv mehr dahinter. Darüber hinaus vermuten wir, dass sie auch sehr viel engeren Kontakt zu Gibson hatte, als normal wäre.“ „DER!“, keifte Draco schlagartig wütend und sorgte ungewollt dafür, dass die Wasserkaraffe auf dem Beistelltisch auseinander flog. Wirklich bemerkt hatte er selbst es nicht, da er Tonks sauer anfunkelte.
„Der Typ ist ein Psychopath! Den hättet ihr schon lange schnappen sollen!“ „Wir haben nach dem Überfall in Hogsmeade gegen ihn ermittelt und ihn observieren lassen. Nur war er plötzlich untergetaucht, nachdem unser Kollege mit der Observation aufgeflogen ist.“ „Wie geht’s Nate? Ist er aufgewacht?“, fragte Hermione besorgt, als sie sich wieder an die Sache erinnerte. Tonks hatte es damals ja nur kurz angerissen, als sie Draco so verzweifelt gesucht hatten und Harry noch etwas andere Gedanken hatte.
„Er liegt noch immer im Koma“, erklärte Tonks bedauernd. „Andernfalls wären wir vielleicht schon ein, zwei Schritte weiter. Aber um auf Gibson und Umbridge zurückzukommen. Wir vermuten, dass sie ihn auf euch angesetzt hat. Dass dieser Mann ähnlich linkisch ist, wie Umbridge, hat sich dank deiner Recherchen ja auch noch gezeigt“, sah Tonks mit einem kleinen Lächeln zu Hermione.
„Wobei man ja nicht nur bei ihm von so etwas sprechen kann. Die ganze Besetzung Askabans, die sich Umbridge da zusammengestellt hat, ist äußerst fragwürdig. Nach der Flucht der Todesser haben wir eine umfangreiche Befragung und Überprüfung der Angestellten vorgenommen, denn von irgendwem müssen sie ja die Zauberstäbe und die Information für den Überführungstermin gehabt haben. Dabei hat sich nach und nach gezeigt, dass Gibson nicht das einzige schwarze Schaf in dieser Truppe war. Einige von ihnen waren früher schon Umbridge unterstellt. Unter anderem auch während des Todesserregimes. Mittlerweile sind wir aber dran, die ganzen Positionen um- oder ganz neu zu besetzen.“ „Fällt euch ja früh ein“, muffelte Draco Remus zerknirscht dazwischen. Sein alter Professor sah ihn daraufhin entschuldigend an.
„Wir hatten nach der Schlacht Unmengen von Baustellen in und um das Ministerium und viel zu wenig brauchbare Leute in der Aurorenzentrale, um alles richtig abdecken und abfangen zu können. Es ist ja selbst jetzt noch so. Inzwischen konnte Kingsley sich aber vermehrt Hilfe vom irischen, französischen, dänischen und deutschen Zauberministerium sichern, die uns vorerst personell aushelfen und unterstützen. Direkt nach der Schlacht hatten sie allerdings mit ihren eigenen Problemen und Ausfällen zu kämpfen, da Voldemort seine Finger bereits über England hinaus ausgestreckt hatte. Inzwischen sind wir aber mit allem so weit ran, dass wir solche Termitenbauten, wie den von Umbridge, nach und nach ausheben können.“ „Nur, dass euch dieses Arschloch bereits durch die Lappen gegangen ist“, moserte Draco, dessen Blick sich unheilvoll verfinsterte, als er wieder an diesen Typen, und alles, was mit ihm zusammenhing, dachte.
„Na nicht ganz“, meinte Tonks auf seine Worte, zu der die beiden Schüler verwundert sahen. „Was meinst du?“, hakte Hermione nach. „Er ist vor knapp drei Wochen wieder aufgetaucht. Allerdings tot.“ „Wie bedauerlich“, frohlockte Draco. Tonks sagte jedoch nichts weiter dazu. Dass ihm das eine unwahrscheinliche Genugtuung sein musste, konnte sie sich denken.
„Könnte man sagen, denn tot bekommen wir leider nichts mehr aus ihm raus. Wobei uns dennoch ein Punkt hilfreich war.“ „Der da wäre?“, bohrte Draco wieder. „Wir wissen durch einen Passanten, dass er sich wohl kurz vor seinem Tod in der Knockturn mit einer Frau getroffen und gestritten hat.“ „Und ihr denkt jetzt, dass das Umbridge war?“, mutmaßte Hermione. Tonks nickte.
„Möglicherweise hat sie ihn an dem Abend im Streit getötet, weil. . . Wir haben zudem auch einen berechtigten Verdacht, dass Gibson an den Anschlägen im Schloss auf euch beteiligt war.“ „Der? Wie. . . Wie kommt ihr denn jetzt gerade auf den? Und wie soll der Penner überhaupt ins Schloss gekommen sein?“ „Was den Zugang zum Schloss angeht, darüber sind wir uns nicht wirklich im Klaren. Allerdings ist es gut möglich, dass jemand von innen nachgeholfen hat.“ „Und wer soll das gewesen sein? Ein Schüler?“, hakte Draco skeptisch nach, worauf Tonks mit den Schultern zuckte, dann aber nickte. Draco schüttelte allerdings mit dem Kopf.
„Wenn ich eines weiß, dann dass es so gut wie unmöglich ist, die ganzen Schutzbarrieren des Schlosses zu umgehen.“ „Trotzdem ist es möglich. Es gab immer wieder Schwachstellen, an die keiner gedacht hat. Du selbst hast trotz der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen einen Verbindungsweg nach draußen gefunden. Die Schutzzauber des Schlosses weisen zudem an einigen Stellen noch immer Mängel auf, die es einem sehr viel leichter machen, als dir vor zwei Jahren. Vor allem im Westflügel sind die Banne stellenweise etwas schwach, auch wenn wir dort bei unseren Untersuchungen keine Lücken gefunden haben. Wenn aber jemand von innen nachhilft, kann es durchaus sein, dass kurzzeitig ein Durchgang entsteht.“ „Aber wer sollte so etwas Dummes tun?“, fragte Hermione verständnislos nach, worauf Draco unterschwellig vor sich hin brummelte, da er selbst eine solche Dummheit gemacht hatte, was auch Hermione dann wieder in den Sinn kam, denn sie sah ihn entschuldigend an, bevor sie sich zurück an Tonks richtete.
„Wer sollte ein Interesse daran haben, Umbridge oder diesem Typen zu helfen?“ „Das Warum scheint mir im Augenblick eher zweitrangig zu sein, wenn noch Magie im Spiel ist. Von Smith wissen wir ja, dass Umbridge ihn mit einem Zauber manipuliert hat. Das kann genauso auf andere zutreffen. Wir wollen ihn uns die Tage auch nochmal rannehmen. Unter Umständen hat er mehr, als nur eine Gedächtnislücke. Und um auf Gibson zurückzukommen. . . Es gibt diverse Übereinstimmung mit euren Angreifern.“ Auf die Aussage stutzten die Beiden überrascht.
„Welche?“ „Ihr habt mir beide gesagt, dass euer Täter zum einen stark nach Whiskey gestunken und zum anderen schwer geatmet hat. Gibson war starker Alkoholiker. Er war selbst sturzbetrunken, als er den Tod gefunden hat. Das ist das eine. Das andere ist, dass er nach deinem Angriff in Hogsmeade. . .“, sah sie zu Draco. „. . . wohl Probleme mit den Atemwegen hatte. Das hat sich bei der Obduktion dann auch noch bestätigt. Allerdings lag das wohl weniger an deinem Angriff, sondern mehr daran, dass er sich den scharfen Whiskey wie Wasser zu Gemüte geführt hat. Du weißt sicher noch, dass Umbridge während deiner Anhörung diese Sache noch extra unterstrichen hat, um dich als skrupellosen Gewalttäter hinzustellen, was eher auf Gibson zutraf. In jedem Fall sind das sehr prägnante Übereinstimmungen. Für mich zu deutliche.“ „Sadistisch genug war er auf alle Fälle“, murmelte Draco düster, in Erinnerung an seine Tortur in Askaban, aber auch, was die Flüche im Raum der Wünsche anging. Gewisse Übereinstimmung gab es da schon, nur. . .
„Dann war er das damals also?“, fragte Hermione, mit einem Schauern und starkem Unwohlsein. Bei dem Gedanken, dass dieser Typ sie derartig begrabscht hatte und zudem auf wesentlich mehr aus war, schien ihr das Blut in den Adern zu Eis zu gefrieren, was sie letztlich zittern ließ. Tonks nickte.
„Das ist es, was wir vermuten.“ „Aber warum haben sie mich dann nicht gleich getötet, sondern diese . . . diese ganzen. . .“, brach Draco ab und presste die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen, als die Erinnerungen an alles erneut stärker durch seinen Kopf schossen und sein Blut gefährlich in Wallung brachten, denn er spürte schon wieder diese Spannungen in seinen Adern. Und damit war er nicht allein.
Hermione registrierte ebenfalls, dass er tiefer durchzuatmen begann und die Hände immer mal zu Fäusten ballte, nach denen sie letztlich griff und sie etwas umständlich, aber dennoch beruhigend, in ihren noch leicht ramponierten hielt. Tonks erklärte unterdessen.
„Du hast gerade selbst gesagt, dass der Typ ein Sadist war. Und das trifft auch auf Umbridge zu. So wie sie dich zugerichtet haben, ging es den Tätern nicht einfach nur ums töten. Davon abgesehen, wärst du tot, hätten wir dich nur etwas später gefunden. Darauf sollte es nur zu offensichtlich hinauslaufen, wie auch schon in Askaban. Für mich steht außer Frage, dass Umbridge dich aus dem Weg räumen will, auch wenn mir das Warum noch Rätsel aufgibt. Umso wichtiger wäre es auch die Frage zu klären, wer die zweite Person war? Unsere Vermutung geht zwar zu Umbridge, nur haben wir, anders als bei Gibson, da gar keinen Hinweis. Oder kannst du dich an etwas Markantes erinnern?“, sah sie zu Draco, der allerdings nicht reagierte. Und das auch Sekunden später nicht, sodass Hermione zögerlich seine Hand drückte. Auf die sanfte Berührung zuckte er jedoch etwas zusammen.
„Was?“ „Die Sache aus dem Raum der Wünsche. Kannst du dich vielleicht doch noch an etwas Bestimmtes erinnern? Haben die Täter irgendetwas Spezifisches gesagt oder getan? Etwas, was dir bekannt vorkam?“, bohrte Tonks mit Bedacht, da er gestern auf die Geschichte ziemlich heftig reagiert hatte und vorhin auch schon wieder recht angespannt war. Eine Antwort auf ihre Frage bekam sie auch nicht gleich, da Draco etwas in sich ging, am Ende allerdings mit dem Kopf schüttelte.
„Nicht wirklich. Es war nur. . . Das eine war definitiv ein Kerl. Er hat mir am Anfang die Luft abgedrückt. Die andere Gestalt, die. . . Sie haben mir den Ärmel aufgerissen und das Dunkle Mal zerschnitten, bevor sie nach meinem Arm gegriffen hat. Ich würd mich nicht darauf festlegen, aber die zweite Hand war kleiner und nicht so kräftig.“ „Umbridge vielleicht?“, brachte Tonks wieder ihren Verdacht an. Draco schüttelte allerdings mit dem Kopf.
„Dann müsste die Schreckschraube 100 Pfund verloren haben. Das waren keine kleinen Speckfinger, sondern lange schlanke.“ „Aber es war die Hand einer Frau?“, hakte Tonks nach. „Ich weiß es nicht. Es wäre möglich.“ „Hm. Und sonst?“ „Sie haben am Anfang kurz gesprochen. Das sie Gerechtigkeit üben werden und ich meine Strafe jetzt bekomme. Dass mir diesmal keiner den Kopf aus der Schlinge zieht und alles . . . schön redet“, wurde er zunehmend leiser und auch wieder ein wenig abwesend, dem Hermione versuchte entgegenzuwirken, indem sie ihm beruhigend durch die Haare strich, worauf er zu ihr sah. Sie lächelte aufmunternd und meinte letztlich ruhig: „Da gab es nichts schön zu reden. Es war die Wahrheit. Alles“, hielt sie ihm nochmal vor Augen, da sie aus ihrer letzten Unterhaltung unten in den Kerkern wusste, dass er sich dennoch alles annahm, was die Todesser verbrochen hatten. Er machte sich Vorwürfe wegen allem und. . .
„Oh Merlin!“, stieß sie plötzlich erschrocken aus, als ihr siedend heiß etwas einfiel, was Draco ihr an dem Abend gesagt hatte. Etwas, was alles andere als eine Kleinigkeit war und wo es zudem eine prägnante Verbindung zum Ministerium gab. Und zwar zu einer ganz bestimmten Abteilung, zu einer ganz bestimmten Person.
„Was ist?“, fragte Tonks, aber auch der Rest sah verwundert zu der Hexe, die sich direkt an Draco richtete. „Die Listen, von denen du mir erzählt hast!“, meinte sie aufgeregt. Der Blonde konnte ihren Gedankensprüngen jedoch nicht so ganz folgen und musterte sie verwirrt. „Letztens auf der Party in den Kerkern“, wurde sie deutlicher und Dracos Gedanken damit ein wenig lichter, während sich der Rest zunehmend über Hermiones Aussage wunderte.
„Was für Listen?“, stutzte Tonks neugierig und bekam prompt türkise Haare, während Hermione zu Draco meinte: „Sie könnten die von Umbridge gehabt haben. Immerhin war sie die Leiterin der Muggelgeborenenregistrierung“, erklärte sie weiter, womit nun auch Draco den Faden gefunden hatte und tief durchatmete, als diese Geschichte erneut in seinem Kopf empor stieg.
„Oder denkst du nicht?“, hakte Hermione nach. „Ich weiß es nicht.“ „Hallo? Was für Listen? Was ist euch eingefallen?“, drängte Tonks sich wieder ins Gespräch, zu der die Beiden schließlich sahen. Draco ein wenig erschlagen.
„Es gab Listen von Muggelfamilien, mit magisch begabten Kindern unter elf Jahre“, erklärte er matt. Tonks’ Augen wurden daraufhin größer und größer, je mehr Draco im Folgenden preis gab. „Die Todesser hatten Listen von solchen Familien, die sie eigentlich nur aus dem Ministerium haben konnten, da dort die magischen Aktivitäten Minderjähriger registriert werden. Sie haben die Familien überfallen und . . . getötet.“ „Wer?“, hakte Tonks aufgekratzt nach, denn dann könnten sie die entsprechenden Todesser dazu vernehmen.
„Meistens waren es Bellatrix, Rabastan, Rodolphus, Rockwood und Greyback.“ „Und die sind bis auf Rockwood alle tot“, meinte Remus geschlagen, zu dem Tonks dennoch gehetzt sah. „Und Rockwood? Ihn könnt ihr doch noch. . .“ „Er hat vor zwei Wochen den Dementorenkuss bekommen. Wir können ihn nicht mehr verhören.“ „So eine Scheiße!“, fluchte Tonks und bekam nun knallrote Haare, die kurz darauf pechschwarz wurden, als sie über andere Möglichkeiten nachdachte, denn das war mal ein Hinweis, der in der Tat recht pikant war. Am Ende kam ihr die einzig noch mögliche Idee.
„Was ist mit dir?“, sah sie Draco gespannt an, der ein wenig ertappt zusammenzuckte. „Mir?“ „Hast du Umbridge vielleicht mal im Manor gesehen? In Verbindung mit diesen Listen und ihrer damaligen Position, könnten wir ihr vielleicht einen Strick aus allem drehen. Du könntest gegen sie aussagen!“, meinte Tonks mit einem Anflug von Euphorie, worauf Draco ordentlich schluckte, denn dann würde seine anfängliche Anwesenheit bei diesen Mordtouren sicherlich auch irgendwie rauskommen. Zu seinem Glück und auch großen Überraschung, mischte sich nun auch Allan in das Gespräch mit ein, indem er diesen Vorschlag kategorisch ablehnte.
„Das halte ich für keine gute Idee. Ich fürchte, man würde seinem Wort keinen Glauben schenken. Im ungünstigsten Fall, würde man Mr. Malfoys Aussage am Ende sogar gegen ihn verwenden. Zumal. . .“, sah er nun direkt zu Draco, der seinen Professor vorsichtig von unten her taxierte. „. . . haben Sie die Frau gesehen? Haben Sie gesehen oder gehört, wie sie sich mit den Todessern vielleicht darüber unterhalten oder ihnen derartige Papiere persönlich ausgehändigt hat?“ „Nein. Ich hab mich, soweit es ging, in meinen Räumen aufgehalten, damit sie mich in Ruhe lassen. Davon abgesehen, hätte die Kröte auch keinen Grund gehabt, direkt zu uns zu kommen, immerhin liefen genug Todesser im Ministerium rum. Sie haben dort doch teils gearbeitet. Sie hätten sich die Unterlagen auch dort holen oder über ein Memo schicken lassen können. Umbridge selbst, hab ich in der ganzen Zeit aber nie gesehen“, erklärte er, was Tonks ein unterschwelliges Knurren entlockte.
„Das ist doch. . .“, brummelte sie den Rest in sich hinein, während sich Allan an Remus richtete. „Das ist dennoch ein Punkt, dem ihr nachgehen solltet. Die vielen Ermordungen in Verbindung mit der Registrierung der Zauberei Minderjähriger. Es sollte da nicht lange dauern, bis es diverse Übereinstimmungen gibt. Als Leiterin der Muggelstämmigenregistrierung muss sie von diesen Familien gewusst haben. Über diesen Knotenpunkt könntet ihr euch ihr nähern.“ „Das ist gut!“, war Tonks sofort Feuer und Flamme, bevor sie wieder zu Draco und Hermione sah.
„Das wäre auch eine Erklärung dafür, warum Umbridge dich loswerden will. Dadurch, dass du so viel über die Todesser und ihre Machenschaften weißt, eben diese Geschichte, kannst du ihr gefährlich werden. Würde mich nicht wundern, wenn sie noch anderweitig Dreck am Stecken hat“, murmelte Tonks für sich und versank etwas in ihren Überlegungen.
„In jedem Fall ist es ein Hinweis, dem wir richtig nachgehen können. Vielleicht finden sich auch noch konkretere Beweise“, meinte Remus, zu dem Draco müde sah. „Denkst du nicht, dass die Alte schon sämtliche Beweise vernichtet hat, die sie irgendwie in der Richtung belasten?“ „Vielleicht hat sie das, vielleicht nicht. Allerdings wäre es töricht, diese Sache nicht weiter zu verfolgen. Interessant ist es in jedem Fall. Daran hättest du auch gleich denken können“, mahnte Remus Draco etwas an, der ihn im Gegenzug sauer anpampte.
„‘tschuldige, dass ich nicht über jede ihrer Schandtaten Buch geführt habe. Man, ich war froh, dass sie mich nicht weiter beachtet haben!“ „So hab ich das jetzt auch nicht gemeint. Aber selbst kleine Sachen können uns helfen“, beschwichtigte Remus ihn, bevor er noch weiter meinte: „Ihr solltet in jedem Fall verstärkt die Augen offen halten und vorsichtig sein. Dass ihr diesen Giftanschlag überlebt habt, wird nicht mehr lange unbemerkt bleiben. Ich denke auch, es ist besser, wenn du hier bleibst“, sah Remus zu Tonks, die wiederum zu Daniel schielte.
„Wenn ich nicht wieder rausgeschmissen werde?“ „Solange du den Beiden die Ruhe lässt, die sie brauchen, seh ich keinen Grund dich rauszuschmeißen. Anders als gestern“, meinte Daniel mit einem leicht warnenden Unterton. Tonks nickte einfach nur, während sich Remus nochmal an die beiden Schüler richtete.
„Bewegt euch nach Möglichkeit vorerst nicht mehr allein im Schloss und der Umgebung der Ländereien, sondern wenigstens zu zweit, bis wir diese Sache vollständig geklärt haben. Zweimal haben sie euch dort ja bereits erwischt.“ „Drei. Du vergisst die Sache mit Blaise im Quidditch Stadion“, erinnerte Tonks Remus. „Ihr denkt, es könnte uns wieder jemand im Schloss angreifen?“, warf Hermione ein wenig unsicher ein. Remus nickte.
„Die Gefahr besteht nach wie vor.“ „Aber warum dann das mit Madam Rosmerta? Ich mein, . . . Wenn sie wissen, wie sie ins Schloss kommen, warum haben sie es jetzt über Madam Rosmerta versucht, anstatt uns wieder im Schloss anzugreifen?“ „Die Sicherheitsvorkehrungen des Schlosses wurden nochmal geprüft und verstärkt. Filius hat sich nochmal näher damit beschäftigt. Vielleicht ist der Weg, den sie die Male zuvor gegangen sind, jetzt richtig dicht. Oder du hast mit deiner Vermutung Recht. . .“, sah Tonks zu Draco. „. . . und es war doch Lucius oder einer der anderen Todesser. Allerdings halte ich Umbridge dennoch für wahrscheinlicher. An der Sache sind wir auch noch dran und befragen zurzeit die Bewohner in Hogsmeade, ob ihnen in den vergangenen Tagen etwas aufgefallen ist. Vielleicht haben wir da ja endlich mal etwas Glück“, lächelte Tonks schwach.
„Ruht euch jetzt erstmal aus und überlegt später nochmal in Ruhe. Vielleicht fällt euch doch noch eine Kleinigkeit ein“, hielt Remus die Beiden erneut an, bevor er sich mit einem Kuss von Tonks verabschiedete.
„Du solltest dir Smith dann auch nochmal rannehmen“, richtete sich Tonks an Allan. „Vielleicht steckt er doch tiefer in der Sache mit drin, als er selbst glaubt oder weiß.“ „Du denkst, dass er einen Weg ins Schloss gefunden hat?“, hakte Allan skeptisch nach und nahm schließlich Draco und Hermione kurz in Augenschein. Den beiden stand die Skepsis ebenso ins Gesicht geschrieben.
„Im Moment halte ich alles für möglich“, antwortete Tonks, die er schließlich wieder ansah. „Nimm es mir nicht übel, aber da würde ich eher noch Miss Jones in Betracht ziehen. Sie haben ja auch gesagt, . . .“, sah er wieder mehr zu Draco. „. . . dass die zweite Hand eher zu einer Frau gehört hat, als zu einem Mann. Mr. Smith dürfte als Treiber alles andere, als kleine Hände haben. Bei Miss Jones sieht das schon wieder anders aus. Zumal sie im Krankenflügel ja auch tätlich geworden ist.“ „Mag sein, nur hab ich sie danach indirekt auf die Sache im Raum der Wünsche angesprochen. Sie hat nicht wirklich den Eindruck auf mich gemacht, als ob sie wüsste, wovon ich rede.“ „Und wenn sie es nicht mehr wissen sollte?“ „Dann sind wir so schlau wie vorher“, seufzte Tonks und ließ sich schließlich auf einen der Stühle fallen.
„Tolle Aussichten“, muffelte Draco, zu dem sie entschuldigend sah. „Wir finden schon noch heraus, wer hinter den ganzen Anschlägen auf euch steckt“, meinte sie aufmunternd, bevor sie Daniel Platz machte, der nochmal kurz näher nach den Beiden sah und Tonks im Anschluss vor das Zimmer verwies, damit seine Patienten auch wirklich Ruhe hatten. Nur wollte sich nach dieser Unterhaltung keine Ruhe bei den Beiden einstellen.
„Da denkt man die ganze Scheiße ist endlich vorbei, und dann sowas. . .“, murmelte Draco zerknirscht und ballte die Hände zu Fäusten. Hermione besah es sich bedrückt, bevor sie erneut etwas umständlich nach seinen Fäusten griff und seine Rechte so in ihren Händen verborgen hielt. Als er zu ihr sah, lächelte sie ihn aufmunternd an.
„Tonks hat Recht. Früher oder später kriegen sie die, und dann ist Ruhe.“ Ja, dachte er sich bitter, je länger er sie ansah. Nur stellte sich ihm vermehrt die Frage, ob sie diesen Tag noch miterlebten oder am Ende doch schon unter der Erde lagen?
Er schauerte bei dem Gedanken, aber das gestern, war mehr als knapp gewesen. Wer auch immer hinter dieser Sache steckte, er arbeitete sauber und gewieft, nahm er sich zudem den Mord an Madam Rosmerta. Der Täter ging kein Risiko ein, was Dracos Meinung nach mehr auf Lucius hinwies.
Bei den ersten beiden Sachen mochte Tonks mit ihrer Vermutung vielleicht eher noch Recht haben, was dieses Arschloch Gibson anging. Der Vorfall gestern war seiner Meinung nach aber minutiös geplant. Das traute er auch nicht unbedingt der alten Schrulle zu. Die war damals in Hogwarts ja schon heillos überfordert gewesen. Andererseits hatte sie da ja so gut wie die ganze Schule gegen sich gehabt und sogar noch ein paar Leute mehr, von denen sie es nicht wusste. Jetzt wiederum. . .
Er seufzte. Er konnte sich auch weiter den Kopf über alles zerbrechen, viel weiter, als sie gerade mit allem waren, kam er dennoch nicht. Und warum das alles? Nur wegen dieses blöden Blutstatus und einer Handvoll Verrückter, die meinten, sich über alle stellen zu können. Er hatte eigentlich gedacht, gehofft, dass mit dem Fall dieses Monsters seine ganzen Probleme aufhörten. Scheiße war’s. Irgendwie ging der ganze Mist für ihn weiter und zog dabei Bahnen, die erneut die Wege anderer kreuzten, dachte er an die jüngsten Ereignisse zurück. Der Angriff auf Hermione im Schloss, dann der auf Blaise im Stadion und nun war es wieder die Hexe, die seinetwegen ins Schussfeld geriet. Etwas, was er sonst mit allen Mittel zu verhindern versucht hatte, indem er sie gemieden hatte und ihr mit Hass begegnet war. Jetzt aber. . . Er seufzte.
„Was ist?“, fragte Hermione auf seinen erschöpften Laut und blickte schließlich in ein paar schuldige, graue Augen. „Das alles hier tut mir so leid.“ „Das ist doch nicht deine Schuld“, wollte sie ihn beruhigen. Draco schüttelte aber mit dem Kopf.
„Wenn Tonks Recht hat und dieses Arschloch und die rosa Kröte für die ersten Vorfälle verantwortlich sind, da. . . Gibson hat dich in Askaban doch schon bedroht, weil du mich immer besucht hast. Und Umbridge war doch sicher auch furchtbar angepisst, dass du mir geholfen hast. Du kommst bloß meinetwegen in Schwierigkeiten. Wenn ich nicht wäre, dann. . .“ „Dann wäre ich schon lange tot!“, unterbrach sie ihn ein wenig böse, bevor sie etwas umständlich nach dem Kragen seines Shirts griff und ihn über diesen zu sich zog.
„Du bist ein blöder Troll, wenn du das alles wirklich glaubst, was du gerade gesagt hast. Freunde sind füreinander da. Punkt. Und ich will jetzt auch nichts anderes mehr von dir hören. Was hier gerade alles passiert, ist weder deine, noch meine Schuld, verstanden? Also hör auf, dir deswegen Gedanken zu machen“, hielt sie ihn zunehmend ruhiger an und strich ihm letztlich mit den Fingerspitzen etwas über die Wange. Auf den Lippen ein aufmunterndes Lächeln, was er recht gequält erwiderte. Hermione genügte es für den Moment, die sich dann auch wieder nach hinten gleiten ließ und etwas in ihr Kissen kuschelte.
„Bleibst du bei mir?“, fragte sie ihn etwas scheu, sich der Doppeldeutigkeit ihrer Frage nicht bewusst. Immer, dachte sich der Blonde, meinte dann aber nur: „Sicher“, und legte sich, wie schon in der vergangenen Nacht, als er durch ihr Wimmern aus seinem ebenfalls unruhigen Schlaf gerissen wurde, neben seine Hexe, die dankbar lächelte für diese Nähe. Sie ließ sich von ihm in die Arme nehmen, in die sie sich selbst noch etwas kuschelte. Das beruhigte ungemein, was sie nach wie vor brauchte. Nach dem hässlichen Vorfall in Hogsmeade sogar wieder mehr.
Sie würde es nicht zugegeben, aber diese Geschichte ängstigte sie doch etwas mehr, als ihr lieb war. Die Tatsache, dass ihnen jemand nach dem Leben trachtete. Das war während des Kriegsjahres zwar auch der Fall gewesen, aber doch irgendwie anders.
Sie waren auf der Flucht gewesen. Hatten immer damit rechnen müssen, erwischt zu werden und dabei auch das Leben zu verlieren. Sie hatte sich darauf eingestellt und alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Für sich, ihre Freunde und ihre Familie. Sie hatte dem Tod ins Auge geblickt. Mehrmals. Diese Sache sollte sie nicht weiter ängstigen, da sie zuvor ja auch schon so viel mit Harry durch hatte. Und dennoch tat sie es, denn jetzt hatte der Feind kein wirkliches Gesicht. Jetzt herrschte Frieden und dennoch führte noch immer jemand Krieg gegen sie. Und dieser Jemand, war es denn eine Person, wurde immer skrupelloser in seinem Handeln. Zu ihrem Glück hatte Neville die Getränke umgestoßen, bevor sie oder Draco hatten daraus trinken können.
Glück. Bei dem Gedanken daran, fasste sie sich etwas geistesabwesend an den kleinen Anhänger, der seit nunmehr zwei Jahren über ihrem Herzen ruhte und dieses beschützte. So vielleicht auch gestern wieder. Zwar war Neville dafür bekannt, hin und wieder noch immer etwas tollpatschig zu sein, dennoch war es wirklich schon fast unverschämtes Glück gewesen, das ihr und Draco das Leben gerettet hatte.
Als sie sich das vor Augen hielt, drifteten ihre Gedanken noch etwas mehr ab und sorgten für einen neuen Zwiespalt in ihrem Innern, denn dieses Glück hatte sie wiederum nur dank Ben. Sie erinnerte sich wieder an seinen zweiten Brief, indem er auf die Wirkung seines Geschenkes zu sprechen kam.
Er hatte gewusst, dass sie durch Harry und alles ständig in Schwierigkeiten war, weswegen er sie mit dem Zauber über die Ferne wohl etwas beschützen wollte. Slughorn hatte damals ja auch gesagt, dass der Zauber sehr stark war.
Sie fühlte sich, aufgrund der gestrigen Ereignisse, mies bei dem Gedanken daran, dass sie nicht mehr länger gewillt war, auf ein Lebenszeichen von Ben zu warten, wo er ihr doch versprochen, schon halb geschworen hatte, zu ihr zurückzukommen, selbst wenn es hundert Jahre dauern würde. Dagegen waren ein paar Wochen, ein Jahr, im Grunde nichts, nur. . . Sie seufzte schwer und vergrub das Gesicht schließlich gänzlich an Dracos Brust, der sie fragend musterte.
„Alles okay?“, erkundigte er sich besorgt und begann mit dem Daumen kleine Kreise auf ihren Rücken zu malen, was den Gefühlsorkan in Hermiones Kopf nur noch mehr toben ließ. „Ja. Mir brummt bloß etwas der Schädel wegen allem“, murmelte sie in sein Shirt und kuschelte sich erneut verstärkt an ihn.
Blöde Hormone, dachte sie sich ein wenig verbissen. Was musste sie sich auch in zwei Typen verlieben? Warum musste sich Draco so tief in ihr Herz schleichen? Jetzt hatte sie den Salat und wusste wirklich nicht mehr weiter. War es vor ein paar Wochen noch relativ klar für sie gewesen, was sie wollte, wen sie wollte, so unschlüssig war sie jetzt.
Ihre Gefühle für Ben waren nach wie vor da. Zeitgleich wurden die für Draco mit jedem Tag, jeder Geste, jedem Lächeln, jedem Wort, was er ihr entgegenbrachte, Stück für Stück mehr. Die kleine Eiszeit vor zwei Wochen hatte diese Tatsache sogar noch verstärkt.
Sie wusste nicht wann es passiert war, sondern nur, dass es so war. Sie wollte Draco nicht mehr missen. Sie wollte ihn nicht mehr hergeben. Aber auch Ben wollte sie zurück, was sie an den Rand der Verzweiflung trieb. Sie konnte nicht beide haben, wie Ginny ihr letztens erst deutlich gesagt hatte und das wusste sie auch, nur. . . Wieder seufzte sie und hätte sich am liebsten selbst in den Hintern gebissen.
„Soll ich Daniel holen?“, hörte sie Draco wieder, mit einem Anflug von Sorge in der Stimme, zu dem sie fragend aufsah. „Warum?“ „Na wegen deiner Kopfschmerzen.“ „Nein“, gab sie ihm ruhig zurück und kuschelte sich erneut an ihn. „Da kann er mir auch nicht helfen“, murmelte sie leise und ließ sich erneut verstärkt von Draco in die Arme schließen, wobei er es aber nicht beließ. Sie spürte recht deutlich, dass er ihr noch einen kleinen Kuss auf den Haaransatz hauchte, bevor seine Hand ihr Ziel an ihrem Kopf fand, den er beruhigend kraulte.
„Versuch ein bisschen zu schlafen. Vielleicht gehen die Kopfschmerzen dann weg. Wenn was ist, weck ich dich, okay?“ „Hm“, machte sie nur und gab sich seiner Fürsorge hin, die sie auch weiter etwas nachdenklich stimmte. Sie begann sich nach und nach zu fragen, ob Ben es verstehen würde, so wie Draco es verstand, dass da noch ein anderer war, der ihr wichtig war? Dass es noch jemanden gab, der für sie da war, sie beschützte und liebte?
Halloween, dachte sie sich mit einem innerlichen Seufzen. Sie würde den Abend abwarten und dann entscheiden ohne zurückzublicken.
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Zerfressen von seiner Wut und dem Hass, stiefelte Ron über die Ländereien von Hogwarts, über die allmählich der Abend hereinbrach. Alle, wirklich alle schienen sich gegen ihn gerichtet zu haben. Erst Hermione, dann Ginny, Harry, McGonagall drehte auch total frei und selbst Dumbledore nahm die falsche Schlange in Schutz! Merlin, sie konnten doch nicht alle so blind sein? So blauäugig und dumm?
„Er hat sie alle in seinen Bann gezogen. Alle die, auf die es ankommt. Die ihm noch gefährlich werden könnten. Alle die, auf die die Anderen vertrauen und ihrem Urteil glauben. McGonagall hat es auch noch gesagt. Alle sehen auf das, was Hermione, Harry und du tut. Genauso Neville, Ginny und Luna. Sie vertrauen auf euer Urteil. Ganz besonders auf das Harrys. Doch bis auf dich haben sie sich alle von Malfoy und seiner Magie einnehmen lassen. Sie sehen es nicht mehr. Sie sehen die Dunkelheit nicht, die unaufhaltsam auf euch zurast“, raunte die dunkle Stimme unheilvoll in Rons Kopf, dessen Blick sich immer stärker verklärte, und damit auch die Umgebung des Verbotenen Waldes in einem dunklen Nebel verschluckte. Stattdessen taten sich ihm erneut so viel dunklere, unheilvollere Bilder auf.
Diesmal war es jedoch nicht das zerstörte, in Flammen stehende Hogwarts, was er sah, sondern die Winkelgasse zu ihrer schlimmsten Zeit und darüber hinaus. Die Gebäude waren nicht mehr als Ruinen, die dem Anblick nach erst wenige Stunden zuvor, der Zerstörungswut eines mächtigen Feuers zum Opfer gefallen waren. Stellenweise glommen und rauchten ein paar der dickeren Holzbalken sogar noch.
Doch war der Anblick der zerstörten Einkaufsstraße weniger das, was Ron an diesem blutroten Morgen ins Auge fiel, sondern vielmehr die geballte Prozession verletzter Hexen und Zauberer, die sich schleppend durch die Straße bewegte. Es waren Menschen jeden Alters, die an Händen und Füßen in Ketten gelegt waren und von anderen, dunkel vermummten Gestalten, die sich rechts und links der Prozession postiert hatten, anhand von Flüchen durch die Gasse in Richtung Gringotts getrieben wurden.
Dabei nahmen die Dunklen auf niemanden Rücksicht, denn neben denen, die noch laufen konnten, sah Ron dutzende Gestalten bereits auf dem gepflasterten Boden liegen, durch den sich schmutzige Rinnsale aus Blut zogen, die letztlich in den schwarzen Abwasserlöchern verschwanden. Der blutige Fluss rührte von teils zerfetzten Leibern, die zum Großteil bereits am Rand der Gasse lagen.
Es war ein Bild, das Ron das Blut in den Adern gefrieren ließ, weshalb er sich rasch von dieser spezifischen Szenerie abwand und voller Schrecken auch weiter dem Pulk der Gefangenen folgte, in dem er irgendwie mittendrin steckte, der letztlich auf dem Platz vor der Zaubererbank zum Stillstand kam.
Die Bank selbst glich wie alles andere einer einzigen Ruine, der er auch keine Beachtung weiter schenkte, sondern mehr der Tribüne, die davor aufgebaut war. Auf dieser stand triumphierend das Höllentrio der Schlangen, denen Ron im ersten Moment weniger Beachtung schenkte, da ihn die Konstruktion hinter den Dreien gerade etwas mehr verstörte.
Es war eine Guillotine, deren Fallbeil mindestens 3 Meter in die Höhe ragte und silbern glänzte. Beinahe einladend. Ron erschauerte auf den Anblick dieses Exekutionsinstrumentes nur noch mehr und sah schließlich kalkweiß zurück auf die drei Dämonen. Inzwischen standen sie aber nicht mehr allein auf dem Schafott, sondern hatten sich zwei Opfer herbei geholt. Als Ron das ältere Ehepaar sah, stockte ihm abermals das Herz, denn es waren seine Eltern. Zabini hatte Molly in seinen Fängen, Harper Arthur, während Malfoy amüsiert grinste.
„Nein“, murmelte Ron in stillem Schock, auf den Anblick seiner verletzten Eltern. Ihre Kleider waren zerrissen und blutdurchtränkt. Zum Großteil konnte man die üblen Wunden sehen, die man ihnen nur zu offensichtlich während stundenlanger Folter zugefügt hatte. Doch war das noch nicht einmal das Schlimmste an ihrer Erscheinung.
Was Ron am meisten das Herz in Brand setzte, war ein Blick in die bleichen, blutverschmierten Gesichter, denn dort fehlte etwas Entscheidendes. Nämlich die Augen seiner Eltern. Dort wo sie sein sollten, klafften jeweils zwei blutige, halbverschlossene Löcher. Man hatte sie ihnen ausgestochen oder ausgebrannt, was Ron endgültig die Tränen aus den bereits feucht glänzenden blauen Augen trieb.
„Nein“, flüsterte er, als Malfoy Zabini mit dem Kopf auf die Guillotine deutete, der der stummen Aufforderung grinsend nachkam und Mollys Kopf in der dafür vorgesehenen Halterung festmachte. Zeitgleich trat Malfoy an den Auslösemechanismus des Fallbeils.
„Eure Zukunft. Euer Untergang“, raunte die dunkle Stimme tief und beschwörerisch in Rons Kopf, der noch immer wie paralysiert war, aufgrund des Bildes, von dem er sich dennoch nicht lösen konnte. Erst das grün aufflammende Dunkle Mal am Himmel, welches Zabini heraufbeschworen hatte, holte ihn aus seiner Starre.
Sein Blick flog mit einer Mischung aus blanker Panik, Todesangst und abgrundtiefem Hass zu Malfoy, der die Hand am Hebel zum lösen des Fallbeils hatte, welches seiner Mutter das Leben nehmen würde. Auf den Lippen der weißen Schlange formte sich ein sadistisches Grinsen, bevor sein Blick den Rons fand.
„TÖTE IHN!“, donnerte die Stimme in Rons Kopf, als sich dessen blaue Augen in den seelenlosen, pechschwarzen Augen der Schlange verloren, die ihn nun direkt ansah. Doch selbst wenn die Stimme nicht geschrien hätte, so hätte Ron seinen Zauberstab gezogen, den er mit abgrundtiefem Hass auf den Blonden richtete und „AVADA KEDAVRA!“, donnerte.
Der grüne Lichtblitz schoss vollkommen unkontrolliert aus seinem Zauberstab und krachte geräuschvoll in eine der vielen Kiefern am Rand des Verbotenen Waldes, deren mächtiger Stamm dadurch halb zerrissen wurde. Als sich der Rauch legte, klaffte in dem alten Holz ein klatschergroßes, zersplittertes Loch, dessen helles Holz eine kranke, schwarze Färbung annahm, die sich binnen weniger Augenblicke durch den ganzen Baum zog.
Davor stand Ron schwer keuchend und zitternd, mit verklärtem Blick. Vor Augen hatte er noch immer diese grauenvolle Szene aus der Winkelgasse, die sich immer mehr drohte, in seinem Geist einzubrennen.
„Tod und Verderben wird mit Malfoy über euch hereinbrechen“, raunte die Stimme prophetisch, was sich zusammen mit dem Bild seiner halbtoten Eltern tief in sein Bewusstsein grub. Auf dem Weg dorthin, nahm es auch das Bild von Ginny mit sich, was ihn erst am Vortag überrannt hatte.
„Töte ihn. Töte die Schlange. Töte Malfoy“, flüsterte die Stimme verlangend und nahm Rons Geist damit gänzlich ein. In die blauen Augen trat ein Ausdruck dunkler Mordlust, mit der er erneut den Zauberstab hob und auf einen der anderen Bäume richtete. Vor Augen hatte er jedoch etwas ganz anderes. Jemand anderes, als er noch einmal den Todesfluch sprach, der sich ähnlich gewaltvoll in der zweiten Kiefer versenkte.
Rons Lippen kräuselten sich auf den Anblick zu einem genussvollen Grinsen, während seine Augen von der Dunkelheit seiner Mordgedanken verschlungen wurden.
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Es war bereits spät am Abend, als Daniel nochmal seine Runde drehte. In einer halben Stunde hatte er dann auch endlich Feierabend, auf den er sich schon freute, denn Heather hatte vor, per Flohnetzwerk vorbeizukommen. Eine nicht gerade angenehme Reise über diese Entfernung, weswegen sie auch ein paar Tage länger bleiben würde. Immerhin hatten sie auch noch eine Hochzeit zu planen, was aufgrund all der Ereignisse im vergangenen Jahr, aber auch Daniels vorübergehender Tätigkeit im Mungos, zunehmend auf der Strecke blieb.
Für die nächste halbe Stunde hatte er allerdings noch andere Dinge im Kopf. Dazu gehörte auch nochmal ein kurzer Blick in das Zimmer von Draco und Hermione, vor dem es sich Tonks mit etwas Lektüre bequem gemacht hatte, was ihn doch überraschte.
„So ernst hab ich das heute Nachmittag auch nicht gemeint, dass du die ganze Nacht hier vor der Tür hockst. Der Sessel drin ist doch bequemer.“ „Ja, sicher. Allerdings wollte ich die Beiden nicht irgendwie mit meiner näheren Anwesenheit . . . belästigen.“ „Belästigen?“, wiederholte Daniel skeptisch. Tonks grinste nur vielsagend und steckte ihre Nase zurück in ihre Akte. Als Daniel die Tür öffnete und nochmal kurz in dem Zimmer verschwand, schmunzelte Tonks.
Drinnen trat Daniel an das hinterste Bett, in dem sie Hermione nach ihrer Einlieferung untergebracht hatten. Wie aber schon letzte Nacht, wurde es auch in dieser zusätzlich von Draco genutzt. Die Beiden lagen eng aneinander gekuschelt da und schliefen vollkommen ruhig, was Daniel dennoch nicht daran hinderte, bei beiden kurz die Pulsschläge zu zählen, bevor er ihnen behutsam, um sie nicht zu wecken, die Hand auf die Stirn legte.
Zufrieden, dass das Fieber auch weiter auf dem Rückzug war, verschwand er mit einem Lächeln aus dem Zimmer. Als er die Tür leise schloss, sah Tonks grinsend zu ihm auf.
„Kuscheln sie noch brav?“ „Ja“, schmunzelte Daniel, als plötzlich Abigail Miller, eine Heilerin in Ausbildung, etwas gehetzt in ihre Richtung kam. „Hier sind Sie“, keuchte sie ein wenig außer Atem, was Daniel leicht alarmiert stimmte. „Ist was passiert?“, fragte er sofort ernst. „Die Patientin auf Station 12 ist wach. Sie hat nach ihren Kindern gemurmelt und dann angefangen zu weinen. Wir haben versucht sie zu beruhigen, aber. . .“ „Haben Sie sie allein gelassen?“, fuhr Daniel etwas hoch. Abigail schüttelte hastig mit dem Kopf.
„Nein. Daisy ist bei ihr. Sie hat mich aber gebeten, Sie dazu zu holen, weil Sie in dem Fall wohl selbst nach ihr sehen wollten und. . .“ „Danke, Miss Miller. Du entschuldigst mich?“, sah er kurz zu Tonks, wartete aber keine Reaktion seitens der Aurorin ab, sondern verschwand zügig auf die Station für Fluch- und deren Folgeschäden.
Wenn die Frau tatsächlich ganz aus ihrer Katatonie aufgewacht war, hieß es nun mit äußerster Behutsamkeit vorzugehen, um keinen weiteren Schock auszulösen. Er hoffte inständig, dass Daisy den dünnen Faden, den sie sich in den letzten Wochen und Monaten erarbeitet hatten, solange festhalten konnte, denn davon würden mit etwas Glück, so hoffte er, nicht nur Mutter und Tochter profitieren.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Solche Menschen gibt es viele: Äußerlich sind sie ausgesprochen charmant, aber unter der Oberfläche brodelt es. Für mich als Schauspielerin eine schöne Herausforderung. Ich bin überzeugt, dass Dolores ihr Vorgehen für absolut korrekt hält. Sie tut, was sein muss, und das sind die Schlimmsten, denn sie haben kein Verständnis für die andere Seite. Kompromisse gibt es nicht.
Imelda Staunton über Umbridge