„Draco ! Komm, jetzt mach endlich auf !“, versuchte Blaise am nächsten Tag erneut sein Glück, da der Blonde auch am Abend nicht aus dem Schlafsaal gekommen war. Und jetzt auch nicht, obwohl sie schon recht spät dran waren. Mit frühstücken würde das nichts mehr werden.
„Draco ! Verdammt, mach auf oder ich helf mit dem Bombada nach !“, drohte Blaise und fing sich dafür wieder einen wütenden Blick von Charlie ein, der obendrein auch noch sarkastisch frotzelte: „Sehr einfühlsam“, was Blaise gekonnt ignorierte. „Ich zähl bis drei. Wenn du bis dahin die Tür nicht offen hast. . .“ „Musst du immer so ein Drama machen ?“, zischelte Charlie, den Blaise bloß sauer anfunkelte, bevor er einen Schritt zurück trat.
„Eins. . .“ Keine Reaktion. „Zwei. . .“ Wieder nichts. „Zweieinhalb. . .“ „Wahnsinnig erwachsen“, kommentierte Charlie erneut und wurde wieder Opfer des bösen Blickes, als es dann aber doch klackte und die Tür aufging. Als die Beiden im Kommenden zu Draco sahen, war er aber auch schon halb auf dem Gang verschwunden, wo Blaise ihm schon nach wollte, während Charlie noch kurz einen Blick in den Schlafsaal warf. Als er das tat, weiteten sich seine Augen in purem Schrecken. In der nächsten Sekunde hielt er Blaise am Kragen fest und würgte ihn dadurch kurz.
„Ey !“, beschwerte sich dieser. Charlie deutete ihm dann aber nur in den vollkommen zerstörten Schlafsaal. Das Einzige, was dort nicht dem puren Kleinholz glich, war das Bett, in dem Draco offensichtlich geschlafen hatte. Oder zumindest versucht hatte zu schlafen, so zerwühlt wie das aussah. Alles andere aber. . .
„Merlin, hat der randaliert ?“, murmelte Blaise fassungslos vor sich hin. Charlie wiederum schluckte und äußerte seine Vermutung. „Ich schätze eher, dass er wieder so einen Anfall hatte.“ „Merlin nochmal“, flüsterte Blaise auch weiter geschockt, während Charlie die Tür nun doch noch schloss und den Dunkelhaarigen eilig hinter sich her zog, damit sie Draco einholten. Der war schon halb auf dem Weg zu Verwandlung, als sie ihn erreichten.
„Draco, jetzt warte kurz“, hielt Charlie ihn fest und bekam ihn so nun auch richtig zu Gesicht. Und dieses sah noch verkaterter aus, als Tags zuvor. Noch blasser, mit noch mehr dunklen Schatten um die Augen, während die grauen Augen selbst, stumpf und leicht trüb wirkten. Aber auch total übermüdet.
„Scheiße. Sag mal, hast du überhaupt geschlafen ?“, erkundigte sich Charlie mit wachsender Sorge, denn das war weder vorletzte Nacht, bis auf ein, zwei Stunden der Fall, wie auch die davor. Draco wirkte zudem nicht nur übermüdet, sondern auch total ausgelaugt. Erschöpft, was Charlie nicht wirklich wunderte, wenn er im Schlaf, oder wie auch immer man diesen Zustand nennen mochte, diese Ausbrüche hatte.
„Keine Ahnung“, brachte der Blonde dünn hervor. „Etwas.“ „Ganz ehrlich ? Du solltest dich lieber gleich wieder bei Madam Pomfrey hinlegen“, mahnte er. Der Blonde schüttelte aber mit dem Kopf. „Kann ich drauf verzichten“, zischelte er und setzte sich wieder in Bewegung, um nicht zu spät zu Verwandlung zu kommen, denn Professor Quent war ähnlich bissig, wie früher McGonagall.
So nahm der Unterricht ähnlich stumpfsinnig seinen Lauf, wie schon am Vortag, wo er erneut nur das Nötigste von seiner Umgebung aufnahm, wobei die Tendenz der Aufnahmefähigkeit durch seine Müdigkeit ohnehin immer mehr gen Null ging. Merlin sei Dank, musste er sich heute weder mit dieser Zicke von Monroe rumärgern, noch mit Dippet, wobei der ihn ja eigentlich in Ruhe ließ. Dennoch. Draco hatte keine Lust, sich in der Nähe dieses Mannes aufzuhalten.
So hangelte er sich mehr schlecht als recht von einer Stunde zur nächsten, wobei Zaubertränke eine kleine Herausforderung darstellte, denn ihm stiegen die Dämpfe ordentlich zu Kopf. Ihm wurde leicht schwindlig, und er hätte zweifellos sein Mittagessen in dem Kessel entsorgt, wäre er essen gewesen. So aber blieb nur ein stark flaues Gefühl zurück, was er mit aller Gewalt nieder rang. Blaise und Charlie besahen es sich mit wachsender Verunsicherung und Sorge, wo Charlie ihn im Anschluss, als sie zu Arithmantik verschwanden, wieder etwas mehr ran nahm.
„Leg dich bei der Pomfrey hin. Du siehst noch käsiger aus, als am Morgen.“ „Mir fehlt nichts. Das ist bloß wegen der scheiß Dämpfe“, wiegelte Draco ab. Charlie wiederum knurrte, als er hinter ihm im Klassenzimmer verschwand. Direkt hinter den Beiden war Hermione, die dem kurzen Wortwechsel mit wachsender Sorge gelauscht hatte und so erneut einen kurzen Blick auf den Blonden warf. Ein Blick, der Draco heute, wie auch schon gestern, bereits mehrfach getroffen hatte, in der schwachen Hoffnung, dass er vielleicht doch mal kurz zu ihr sah. Doch es passierte auch weiterhin nicht. Hermione kam dennoch nicht umhin, Charlie vollkommen Recht zu geben, denn der Blonde sah schlecht aus. Sehr schlecht. Blass und zudem völlig übermüdet. Erschöpft eben. Warum das so war, konnte sich die Hexe denken. Zumindest hatte sie eine ziemlich bittere Vermutung.
So kam es auch, dass sie sich am Ende weniger auf ihren Unterricht konzentrierte, sondern stattdessen immer mal einen besorgten Blick auf Draco warf, der sich mit Charlie einen Platz in der hintersten Reihe gesucht hatte. Kleinigkeit, denn ihre Arithmantikkurs war, trotz der zusätzlichen Leute aus dem eigentlichen siebten Jahr, eher dünn besetzt.
Sie konnte so von ihrem Platz aus deutlich sehen, wie sich Dracos Blick immer mal in der Leere des Raumes verlor. Genauso, dass er beim schreiben leicht zitterte. Etwas, was auch Charlie bemerkte, denn er legte seine Hand auf Dracos und nahm ihm letztlich auch die Feder weg, bevor Hermione ihn sehr leise, aber dennoch mit Nachdruck flüstern hörte: „Du gehst dann zur Pomfrey !“ „. . . brauch bloß Ruhe !“, zischelte Draco ebenso leise zurück, worauf Charlie etwas angesäuert das Gesicht verzog und sich noch etwas mehr zu ihm beugte, sodass Hermione nun doch nicht mehr hören konnte, was der Brünette sagte. Draco gab auf die Worte seines Freundes dann aber nur ein schnaubendes Geräusch von sich, bevor er sich geschlagen zurücklehnte, etwas in seinem Stuhl zusammen sank und letztlich den Blick zur Seite aus dem Fenster legte. Hermione konnte dadurch in der Spieglung seine Mimik und Züge erkennen, die nur zu deutlich Kummer, Frustration und einen tiefen Schmerz wiederspiegelten. Und auch hier konnte sie sich mit beinahe absoluter Sicherheit das Warum denken. Es war ein Warum, was ihr aufs Neue selbst weh tat, da sie sah, wie sehr ihn das alles wirklich verletzte. Wie sehr sie ihn verletzte, wo sie ihm doch nicht hatte weh tun wollen.
Dann aber tat sich ihr kurz eine kleine Chance auf, ihn zu erreichen, denn er hatte ihren Blick nun auch in der Spiegelung des Fensters erfasst. Die Tatsache, dass sie zu ihm sah, sodass sich ihre Blicke seit Samstag indirekt das erste Mal wieder begegneten. Als das der Fall war, versuchte sie ihm ein warmes, aufmunterndes, zwar etwas scheues, aber dennoch liebevolles Lächeln zukommen zu lassen. In ihren Augen wiederum konnte man auch weiter nur zu deutlich die Sorge und Traurigkeit lesen.
Es waren nur zwei, vielleicht drei Sekunden, bevor er den Blick jedoch wieder senkte und stattdessen stur, mit leicht ausdrucksloser Miene, zurück nach vorn zu Professor Vektor blickte. Gleich so, als hätte es diese Verbindung nie gegeben, was ihr einen kleinen Stich ins Herz versetzte. Dieser wurde noch etwas schlimmer, als Charlie auf einmal direkt in ihre Richtung sah und sie nachdenklich, mit leicht unergründlicher Miene betrachtete, bevor er sich wieder zu Draco wandte und ihm erneut etwas zuflüsterte. So auch auf eine Antwort des Blonden wartete, doch dieser reagierte in keinster Weise. Stattdessen taxierte er weiter einen Punkt direkt hinter der Professorin, was Charlie nach einem kurzen Moment resigniert seufzen ließ, bevor er sich wieder seinen Unterlagen widmete. Ein Beispiel, dem auch Hermione schweren Herzens folgte, bis die Stunde ihr Ende nahm und damit auch der Unterricht für heute.
Draco war einer der ersten, der aus dem Zimmer in den Gängen verschwand, kaum dass Professor Vektor die Stunde beendet hatte. Allerdings kam er nicht sonderlich weit, denn er rannte unglücklicherweise direkt in Ron rein. Als Draco den Rotschopf sah, tauchte er unweigerlich etwas auf. Zeitgleich verdunkelte sich sein Blick gefährlich.
„Weasley !“, zischte er. „Duuu“, knurrte Ron wiederum gefährlich, der auf Dracos Anblick von 0 auf 180 war. In der nächsten Sekunde baute er sich dann auch schon bedrohlich vor dem Slytherin auf, den er mit Blicken zu lynchen wusste. „Was hast du dreckiger Bastard mit Hermione gemacht ?!“, verlangte der Rotschopf zu wissen, worauf es kurz verräterisch in Dracos Augen blitzte, was Ron nicht verborgen blieb und er sich damit seine Ahnung bestätigt sah.
Von der einen Sekunde auf die andere flammte ein dunkler Zorn, abgrundtiefer Hass, in ihm auf, mit dem er den Blonden rücksichtslos am Kragen packte und mit aller Kraft gegen die Wand donnerte, sodass Draco mit dem Hinterkopf hart gegen den Stein stieß.
„Du mieses Aas“, zischte Ron giftig und durchbohrte Draco mit Blicken, der noch immer etwas Sterne sah. Zeit, die Ron nutzte und ihn noch mehr gegen die kalte Wand presste. Dabei drückten sich seine Fäuste noch stärker gegen Dracos Kehle und schnürten ihm so etwas die Luft ab.
„Verdammt, lass LOS !“, rief der Blonde, verschluckte sich dabei aber halb an seinen Worten und begann zu husten. Ron aber dachte nicht daran, sondern verstärkte seinen Griff nur noch mehr, dem Draco irgendwie versuchte beizukommen. Nur bekam er die Hände des Gryffindors nicht wirklich von sich gedrückt.
„Was hast du ihr angetan ?“, knurrte Ron bedrohlich und rückte noch etwas mehr auf. „Gar nichts !“ „Gar nichts ? Das ist nicht lache ! Du lügst doch, sobald du das Maul aufmachst !“, knurrte der Rotschopf weiter und drückte noch mehr zu. „Ich weiß, dass du irgendwas im Schilde führst, Malfoy. Dass du Hermione nur benutzt und mit ihr spielst. Dass du. . .“ Da aber wurde Ron unverhofft bei der Schulter gepackt und mit aller Kraft zurückgerissen. Draco ließ er dadurch vor Schreck los, der dann auch schon keuchend an der Wand zusammensackte und sich leicht röchelnd, wie auch hustend an die Kehle fasste.
„Hast du sie noch alle !?“, donnerte Charlie wütend und deutete gefährlich mit dem Zauberstab auf Ron, um ihn auf Abstand zu halten, während sich Hermione eiligst neben Draco auf den Boden sinken ließ und besorgt näher nach ihm sah.
„Alles okay ? Bist du verletzt ?“, erkundigte sie sich, worauf er den Blick, noch immer hustend, etwas hob und damit, neben Charlie und Hermione, auch noch eine Handvoll Leute aus seinem Arithmantikkurs auf dem Gang entdeckte, die unsicher tuschelnd um Charlie und Ron herum standen. Ihre Blicke fielen so aber auch immer wieder verwirrt auf ihn, bevor sie sich ziemlich skeptisch, teils sogar leicht argwöhnisch, bei Ron einfanden.
„Misch dich nicht ein, Harper“, zischelte der Rotschopf giftig. Inzwischen hatte auch er seinen Zauberstab bei der Hand, den er gegen Charlie richtete. Dessen Blick verfinsterte sich gefährlich. „Ich misch mich grundsätzlich ein, wenn jemand meine Freunde angreift. Und jetzt verpiss dich, Weasley.“ „Den Teufel werd ich. Ihr steckt doch alle unter einer Decke !“ „Und du hast einen Dachschaden !“, warf Charlie ihm zurück, wo sich nun auch noch Hermione wütend an den Rotschopf wandte.
„Was für ein durchgeknallter Hippogreif hat dich jetzt wieder geritten, dass du Draco erneut grundlos angreifst ?!“, schimpfte sie und funkelte Ron zornig an, dessen Blick sich damit bei der Hexe einfand, die noch immer neben dem Blonden hockte. Es war ein Bild, was Ron nur noch mehr zur Weißglut trieb.
„Grundlos ? Wieso verteidigst du den Penner überhaupt schon wieder, nachdem was er dir angetan hat ?!“, ereiferte sich Ron. „Nachdem er . . . WAS ? Spinnst du jetzt völlig ? Wir kommst du überhaupt auf den Mist ? Er hat mir nichts getan ! Rein gar nichts !“ „Natürlich nicht“, schnalzte Ron abfällig und machte einen Schritt auf die Beiden zu, wo sich Charlie ihm aber rasch in den Weg stellte. Und das auch weiter mit erhobenem Zauberstab, sollte er ihn tatsächlich brauchen. Seinen Blick hatte er auch weiter warnend auf Ron gerichtet, der wie ein Walross schnaubte. Kurz darauf aber sah er auf Hermione herab, die ihn ihrerseits furchtbar wütend anfunkelte.
„Für wie blind und blöd hältst du mich ?“ „Willst du darauf wirklich eine Antwort ?“, frotzelte Draco ihm dazwischen, der die grobe Behandlung allmählich verdaut hatte und sich damit auch wieder an der Wand aufrichtete, dem Hermione besorgt, Ron zornig, mit Blicken folgten. Charlie wiederum musterte ihn aus dem Augenwinkel heraus unsicher.
„Alles klar ?“, fragte er, als Draco neben ihn trat. Der Blonde aber nickte nur und konzentrierte sich letztlich ganz auf Ron. „Ich hab keine Ahnung, was dein scheiß Problem ist, Weasley. Was in deinem hohlen Schädel vor sich geht. Aber anscheinend bist du nicht glücklich, wenn du niemanden als Feindbild hast und irgendwelchen Phantomen nachjagen kannst.“ Daraufhin schnaubte Ron.
„Ja klar. Stell dich hier nur wieder als Unschuldslamm hin. Aber das kauf ich dir nicht ab ! Ich weiß, dass du meine Freunde nur manipulierst und benutzt. Allen voran Hermione !“, warf er ihm verhasst entgegen und deutete mit dem Zauberstab nun wieder auf Draco, vor den sich die Hexe dann aber stellte und Ron giftig taxierte.
„Wage es ja nicht ihn nochmal anzugreifen, ansonsten schwöre ich, fluch ich dich ins nächste Jahrtausend !“, drohte sie ihm offen. „Wieso ?“, knurrte Ron aber nur und verlagerte seinen Blick nun ganz auf die Hexe. „Wieso stellst du dich noch immer vor den ? Merlin, Hermione. Mach die Augen auf. Der spielt doch nur mit dir und das weißt du auch !“ „Du spinnst doch !“ „Ach ja ? Dann erklär mir mal, warum du seit Tagen so verheult und fertig aussiehst ?“
Auf die Aussage, hatten sich weder Hermione noch Draco richtig im Griff, denn beide zuckten leicht ertappt, was Ron nur noch mehr Zündfeuer gab. Er taxierte Draco erneut bedrohlich und deutete nun mit seinem Zauberstab auf das Gesicht des Blonden, als er ihn auch weiter beschimpfte und beschuldigte.
„Ja, dafür bist du verantwortlich, nicht wahr ? Du und dein mieses Spielchen, was du schon die ganze Zeit mit ihr treibst. Mimst ihr den ach so lieben, treuen Freund und nutzt damit ihre Gutmütigkeit bis zum letzten Tropfen kaltschnäuzig aus. Und das so sehr, dass sie sich selbst dann auch noch die Schuld für deine Scheiße gibt !“, blaffte er lauthals und regte dadurch das Getuschel rings um sie herum immer mehr an, während sich in Draco mit jedem weiteren Wort, eine gefährliche innere Anspannung aufbaute.
„Aber das Eine sag ich dir. Ich werde nicht zulassen, dass so ein gefühlloses, herzloses Arschloch wie du, sie bricht und. . .“ „Oh verdammt, halt deinen dreckigen Mund, Ronald !“, keifte Hermione, die mit einem Schritt bei dem Rotschopf war und wütend auf ihn einzuschlagen begann. „Du hohler Troll hast überhaupt keine Ahnung, wovon du hier eigentlich redest ! Was für einen Stuss du ablässt ! Du. . . AU !“, zischte Hermione, als er sie grob am Oberarm packte, von sich weg riss, wie auch halb hinter sich stieß. Dort wurde sie etwas unglücklich von Sally Roper und Anthony Goldstein aufgefangen, die sich das Spektakel zwischen den Löwen und Schlangen immer verwirrter, immer verunsicherter besahen.
„Du wirst dich nie ändern, Malfoy. Du bist und bleibst ein mieser, verlogener, hinterhältiger, herzloser Todesser, der einzig und allein auf ewig nach Askaban gehört !“, keifte Ron verhasst, den Zauberstab auch weiter auf Draco gerichtet, den Charlie, so gut er konnte, hinter sich verborgen hielt. Doch nützte auch das am Ende nichts, denn der sich androhende Schlag kam von gänzlich unerwarteter Seite. Nämlich von Draco.
Weder sah er selbst es kommen, noch konnte er es halten, geschweige denn kontrollieren. So stürmte mit Rons verhassten Worten eine ungeahnte Welle von vergangenen Bildern und Emotionen auf ihn ein, die ihn regelrecht erschlug. Alles was war, was er durchlebt hatte, was er getan hatte, aber nicht tun wollte. Was er gezwungen war zu sehen, zu fühlen, zu ertragen. Immer die Dunkelheit im Nacken. Den Tod. Ein Gefühl vollkommener Hilflosigkeit. Hoffnungslosigkeit. Einsamkeit. Verzweiflung. Schmerz. Dunkelheit, in der er gelebt hatte. Leben musste und so auch weiterhin irgendwo leben würde. Es war zu viel. Viel zu viel.
Der ganze Druck, der sich binnen weniger Sekunden in ihm aufgebaut hatte, suchte sich in einem einzigen gewaltigen Impuls einen Weg ins Freie. Dieser riss die umstehenden Personen von den Füßen, die nur verschreckt aufschrien, bevor die magische Druckwelle die Wände traf und zum einen die Fenster zersprengte, und zum anderen die Fackeln erstickte.
„Scheiße“, keuchte Charlie, noch leicht benommen, der sich als erster fing und etwas aufrappelte. Als er den Blick dann aber neben sich legte, weiteten sich seine Augen in purem Schrecken, denn sein Freund lag regungslos, bleich, mit verschlossenen Lidern, ebenfalls am Boden.
„NEIN !“, entwich es ihm panisch, bevor er sich ganz zu dem Blonden neigte und hastig über ihn beugte, um richtig nach ihm zu sehen. Auf seinen Aufschrei hin blickte dann auch Hermione und Rest der Anwesenden zu ihm. Und das zunehmend geschockt.
„Nein. DRACO !“, rief nun auch Hermione, die sich mühte, zwischen den Armen und Beinen von Anthony und Sally, auf alle Viere zu kommen, bevor sie die zwei, drei Schritte zu Charlie stürzte, um gleich wieder auf die Knie zu fallen.
„Draco ? Draco !“, rief sie und rüttelte ihn so auch kurz bei den Schultern, bevor ihr Blick verängstigt den Charlies suchte, der noch immer Dracos Pulsschläge zählte. „Charlie ?“, zitterte ihr Stimmchen, worauf der Brünette schluckte und sie nun auch unsicher ansah.
„Sein Puls geht wahnsinnig schwach. Kaum 30 Schläge.“ „Was ?“ Auf die Aussage geriet Hermiones Herz kurz ins Stolpern, bevor sich ihr dicke Tränen in die Augen stahlen, mit denen sie wieder auf ihren bleichen Freund blickte. Charlie wiederum begann die ersten Zauber auf ihn zu wirken, die seinen Kreislauf stabilisierten und wieder mehr in die Gänge brachten.
Es war ein Anblick, der bei den Übrigen stellenweise ein doch recht mulmiges Gefühl zurückließ, welches bei Anthony zu einer dumpfen Wut wurde, mit der er sich zu Ron drehte. Der schaute selbst etwas perplex und verwirrt drein, da er, wie die Anderen auch, zunehmend davon ausging, dass er in seiner Wut und Rage irgendwie einen Zauber freigesetzt und Draco damit umgehauen hatte.
„Bist du bescheuert !?“, keifte Anthony und packte Ron ruppig am Kragen. Zeitgleich hörte man, wie sich hastig Schritte immer tiefer im Gang verloren, bis sie gänzlich verhallten. Von den verbliebenen sechs Personen hatte es keiner weiter mitbekommen, da die beiden Ravenclaw Mädchen Miranda und Theresa, abwechselnd zwischen Hermione und Charlie hin und her blickten, die versuchten, sich um Draco zu kümmern, bevor sie wieder zu Anthony sahen, der Ron noch immer am Wickel hatte.
„Wolltest du ihn umbringen ?!“ „Ich . . . ich. . .“, stammelte Ron kurz etwas ratlos, wie auch überfordert. Dann aber fing er sich. Er befreite sich aus Anthonys Griff und verteidigte sich sauer. „Ich hab nichts gemacht !“, blaffte Ron, obwohl er sich da dennoch nicht wirklich zu 100% sicher war, denn er hatte bereits einen unheilvollen Fluch auf den Lippen, wie auch im Kopf gehabt, sodass sich ihm die Frage auftat, ob er den tatsächlich stumm ausgeführt hatte ? Aber das musste Anthony ja nicht wissen, zumal sich Ron allmählich zu wundern begann, warum sich der Ravenclaw auf einmal so aufregte ? Dieser ergriff dann aber auch schon wieder wütend das Wort.
„Ach nein ? Und was ist das ?!“, deutete er aufgebracht auf den Bewusstlosen, zu dem Ron kurz sah und nicht wirklich verhindern konnte, dass sich seine Mundwinkel zu einem zufriedenen Grinsen kräuselten, was Anthony nur noch wütender machte, denn er stieß Ron hart vor die Brust, sodass der Rotschopf etwas nach hinten stolperte.
„Merlin, was ist eigentlich in dich gefahren ? Wieso kannst du alte Zeiten nicht ruhen lassen ? Denkst du nicht, dass das alles langsam echt genug ist ? Mehr als genug ? Und überhaupt. Du warst im Mai doch dabei ! Du hast doch das Gleiche mitbekommen wie Harry und Hermione. Dass er sich letztlich für unsere Seite eingesetzt und gegen die Todesser gekämpft hat. Man, selbst Harry hat sich inzwischen mit ihm vertragen, wieso kannst du das ums Verrecken nicht ? Wieso. . .“ „Was ist passiert ?“, unterbrach dann aber eine neue Stimme Anthonys Schimpfkanonade, zu der sich die Anwesenden schließlich wandten.
Bei ihnen war plötzlich wieder eine ziemlich gehetzte Sally, die Professor Dippet im Schlepptau hatte, der die Szenerie mit einem Blick erfasste. Ein zerstörter Korridor, mittendrin eine Handvoll Schüler, von denen einer am Boden lag. Dass es ich bei diesem Schüler um Draco handelte, erkannte er jetzt erst, da Sally ihn ohne große Erklärungen einfach hinter sich hergezerrt hatte, von wegen, er musste helfen, es wäre etwas schlimmes passiert.
„Verdammt“, stieß Allan dann nur noch aus, als er den Blonden sah und trat prompt zu Hermione und Charlie, bei denen er sich niederließ. „Ansprechbar ?“, wandte er sich ohne Umschweife ernst an Charlie, der mit dem Kopf schüttelte. „Sein Kreislauf ist total im Keller“, erklärte er knapp, worauf Allan nickte und hastig eine Trage heraufbeschwor, auf die sie Draco vorsichtig legten. Kurz darauf schwebte diese, und zwar in Richtung Krankenflügel, dem auch Charlie und Hermione folgten. Oder in Hermiones Fall, folgen wollten, nur bekam Ron sie grob am Oberarm zu fassen. „Hermione !“ Die Hexe riss sich allerdings los und verpasste ihm keine Sekunde später eine schallende Ohrfeige, mit der es seinen Kopf etwas zur Seite warf.
„Das ist bloß deine Schuld !“, schrie sie ihn an, bevor sie sich umdrehte und eiligst Charlie und Dippet folgte. Zwar wusste sie, wie auch Charlie, dass sich Draco durch sein anhaltendes, kleines Magieproblem anscheinend gerade selbst ausgeknockt hatte. Der Grund für diesen Knock Out war und blieb aber Ron allein. Er und sein dummes Gerede, mit dem er einen derzeit nur zu empfindlichen Nerv bei Draco getroffen hatte, auf den sie dann auch schon wieder furchtbar besorgt sah.
„Würden Sie beide mir nun endlich erklären, was vorgefallen ist ?“, forderte Dippet streng, worauf sich Charlie und Hermione kurz unsicher ansahen, da sie nicht wussten, wie der Professor Dracos neuerlichen Magieausbruch auffassen würde. Allan aber ahnte so etwas bereits.
„Hatte er wieder so einen Anfall ?“, erkundigte er sich ernst, aber dennoch ruhig, worauf Hermione schluckte, dann aber nickte. „Ron ist grundlos auf ihn losgegangen. Erst . . . erst körperlich, dann verbal und dann hat er . . . hat er ihn noch mit vorgehaltenem Zauberstab bedroht. Und. . . Was er da gesagt hat, da . . . da ist es irgendwie passiert und. . .“ „Also diesmal keine Flüche und magischer Einfluss von außen ?“, hakte Dippet nach und klang dabei etwas erleichtert, was Charlie und Hermione ein wenig irritierte.
„Nein. Also. . . Ich. . . Draco ist einfach umgekippt und. . .“ „Ich vermute, es war einfach zu viel für ihn. Sie haben in der Winkelgasse doch auch gesehen, dass ihn diese Ausbrüche körperlich sehr stark belasten“, erinnerte er Hermione, die bitter nickte. „Er hat die letzten Tage auch kaum geschlafen und nicht wirklich was gegessen“, fügte Charlie dann noch leise murmelnd an, worauf Hermione zu ihm blickte. Unsicher.
„Hat er nicht ?“ „Nein“, gab Charlie ihr knapp zurück, was sie schlucken ließ. Kurz darauf sah sie wieder auf Draco, der seit der Sache von Samstag wirklich kontinuierlich schlechter aussah. Erschöpfter. Sie fühlte sich durch alles ja selber scheiße. Dass es ihm da nicht wirklich besser ging, sondern eher noch schlechter, nicht zuletzt auch wegen der Albträume, die ihm nun aller Wahrscheinlichkeit nach vermehrt den Schlaf nahmen, war da nur logisch.
Schließlich erreichten die Drei den Krankenflügel, wo Dippet Draco bereits auf einem der vielen Betten ablegen wollte. Als Madam Pomfrey dann aber sah, wen der Professor ihr gebracht hatte, schüttelte sie mit dem Kopf.
„Nicht hier. Kommen Sie“, wies sie die Drei an, und verschwand mit ihnen in dem kleinen versteckten Hinterzimmer, in dem Hermione letztens gelegen hatte. Fernab der Blicke anderer. Fernab einer möglichen Gefahr durch Dritte.
„Was ist mit ihm passiert ? Hat ihn wieder jemand angegriffen ?“ „Wie man es nimmt“, murrte Charlie leicht wütend, während Professor Dippet mit dem Kopf schüttelte. „Nicht, was du denkst. Es gab Reibereien, aber so wie ich Miss Granger verstanden habe, wurden keine Zauber gewirkt. Zumindest nicht direkt. Er scheint einen Schwächeanfall gehabt zu haben. Sie sagten, er hätte die letzten Tage kaum geschlafen ?“, sah Dippet nochmal zu Charlie, der ernst nickte.
„Wenn doch, hat es in einer mittleren Katastrophe geendet. Er hat einen unserer Schlafsäle im Unterbewusstsein vollkommen zerlegt.“ „Die Spontanzauber ?“, hakte Poppy nach, worauf Charlie nickte. „Es ist vorhin wieder passiert“, murmelte Hermione leise, wie auch schuldig, die Rons böse Worte erneut in den Ohren hatte. Von wegen, dass Draco gefühllos und herzlos wäre. Dass er sie, Hermione, nur ausnutzen würde. Dabei war sie es doch, die hier gerade die Rolle der Herzlosen inne hatte.
„Ich verstehe. Warten Sie bitte im Vorraum. Ich will erstmal näher nach ihm sehen“, wies Madam Pomfrey an, sodass die Drei aus dem kleinen Separee zurück in den großen, hohen Krankenflügel verschwanden, wo sie sich etwas voneinander getrennt in verschiedenen Ecken verteilten.
Hermione ließ sich auf einem der frisch bezogenen Betten nieder und sah bitterlich schuldig auf ihre Hände, während Professor Dippet an der Tür zu Poppys Büro lehnte. Charlie wiederum lief etwas in sich gekehrt auf und ab. Sie mussten allerdings nicht sonderlich lange warten, bis die Schulschwester wieder bei ihnen erschien.
„Und ?“, fragte Charlie als erster, kaum dass sie alle beisammen standen. Madam Pomfrey aber lächelte beruhigend. „Ein akuter Schwächeanfall, wie Professor Dippet bereits richtig vermutet hat. Aber nichts Ernstes, keine Sorge. Ich habe ihm etwas zur Kreislaufstärkung, aber auch Beruhigung gegeben, damit er zu einem ruhigen, erholsamen Schlaf kommt. Ich werde ihn über Nacht dann auch zur Beobachtung hierbehalten“, erklärte die Medihexe.
„Dürfen wir zu ihm ?“, erkundigte sich Hermione dann noch, worauf die Schwester nickte und ihr und Charlie auf das Hinterzimmer wies, in dem sie dann auch gleich verschwanden. Allan wiederum richtete sich noch einmal an die Schwester.
„War sonst wirklich nichts weiter ?“ „Nein. Wobei. . . Ein derartiger Erschöpfungsgrad ist dennoch etwas bedenklich. Aber wenn er kaum geschlafen hat und dann wohl auch noch immer mit diesen Ausbrüchen kämpft. . . Ich hatte eigentlich gedacht, dass es sich wieder etwas gegeben hat. Immerhin schien ihm zuletzt nichts weiter gefehlt zu haben. Mir ist es auch etwas rätselhaft, warum es plötzlich wieder schlimmer geworden zu sein scheint“, grübelte Poppy. Allans Blick wiederum fiel auf ihr Büro, an das er dann auch trat und kurz darauf im Durchbruch des Separees auftauchte. Dort sah er seine beiden Schüler, einen rechts einen links, vor dem Bett sitzen. Auf den Zügen stand ihnen nur zu deutlich die Sorge geschrieben, sodass sein Blick schließlich auf den Blonden fiel, der, soweit Allan das beurteilen konnte, ruhig schlief.
Schließlich sah er wieder zu Poppy, zu der er leise meinte: „Sollte dir doch noch etwas Ungewöhnliches auffallen oder sonst wie etwas mit dem Jungen sein, gib mir bitte Bescheid.“ „Natürlich.“ „Und versiegel das Zimmer sicherheitshalber. Nur für alle Fälle.“ „Werde ich. Keine Sorge.“ „Gut, sann geh ich erstmal.“ Damit war er weg und die Schwester bei Hermione und Charlie.
„Machen Sie sich keine Sorgen. Es ist wirklich nichts Ernstes. Etwas Ruhe, und er ist morgen wieder auf den Beinen“, meinte Poppy zuversichtlich, woran Charlie und Hermione aber gehörig ihre Zweifel hatte. Mit denen aber, ließ die Schwester sie dann auch schon wieder allein, sodass eine erschlagende Stille Einkehr hielt. Eine, die Charlie nach einer Weile mit nur einem Wort, einer Frage, durchbrach.
„Warum ?“ „Was ?“, sah Hermione verwirrt auf, da sie keine Ahnung hatte, was er gerade meinte. Charlies Blick wiederum lag noch kurz auf Draco, bevor er die Hexe ansah. Und das mit einem durchdringenden, ernsten Blick, der Hermione ein leichtes Unwohlsein bereitete.
„Warum hast du dich gegen Draco entschieden ?“, setzte Charlie ihr ohne jegliche Vorwarnung das Messer auf die Brust. Wobei die Frage nicht unbedingt fair war, denn Draco hatte ihnen ja den angeblichen Grund genannt. Dass sie jemand Anderen liebte. Nur glaubte Charlie das nicht so recht. Oder wollte es nicht glauben. Hermione wiederum schluckte bitter und sah Charlie leicht gequält an.
„Das habe ich nicht. Ich. . .“, brach sie jedoch wieder ab, senkte den Blick und begann auf ihrer Unterlippe herumzukauen. Charlie besah es sich ruhig, als er leise weiter sprach. „Draco ist es damit wirklich Ernst, falls du daran zweifelst.“ „Tu ich nicht.“ „Warum dann ? Er würde alles für dich tun, Hermione. Wirklich alles. Und das sage ich jetzt nicht nur, weil er mein Freund ist, sondern weil es tatsächlich so ist. Er liebt dich aufrichtig, und das auch nicht erst seit Ende des Krieges“, erklärte Charlie weiter, was sie aber nicht hören wollte. Sie fühlte sich so schon mies genug wegen dieser Geschichte.
„Er. . .“ „Hör auf damit. Bitte. Ich will das nicht hören“, schluchzte sie leise und sah ihn im Kommenden mit frischen Tränen auf den Wangen an. „Ich weiß, dass ich ihm furchtbar weh getan habe und du kannst mir glauben, dafür hasse ich mich selbst abgrundtief, und. . . Merlin weiß, ich habe ihn nicht verletzen wollen. Am allerwenigsten so !“ „Ich weiß. Du hast es aber“, gab Charlie ihr ruhig zurück und stocherte damit bewusst noch etwas mehr in der Wunde, worauf sie wieder schniefte und ihn gequält ansah, sodass er erneut das Wort ergriff.
„Hör zu, ich will dich jetzt hier nicht irgendwie quälen, an den Pranger stellen oder dir sonst wie Vorwürfe machen, zumal du das selbst bereits zur Genüge tust. Aber gerade deswegen da. . . Ich versteh es nicht. Und Blaise und die Mädels auch nicht.“ „Die Mädels ?“, stutzte Hermione. Charlie wiederum nickte.
„Daphne und Astoria. Sie haben ins Blaue vermutet und ins Schwarze getroffen, dass Draco. . . Ja, Liebeskummer hat. Deinetwegen. Die Beiden sind, seit unserer Party unten in den Kerkern, davon ausgegangen, dass ihr richtig zusammengefunden habt. Umso verwirrter waren sie, dass das nicht der Fall ist. Und. . . Worauf ich jetzt eigentlich hinaus will ist, dass diese Entwicklung alles andere, als nachvollziehbar ist, weil. . . Sei ehrlich. Du empfindest etwas für Draco. Etwas Spezielles. Etwas, was über eine Freundschaft hinausgeht. Wenn nicht, hättest du ihn nicht geküsst“, offenbarte Charlie ihr diese Sache nochmal, worauf sie schluckte und schuldig den Blick zur Seite neigte, da sie ihm nicht mehr in die Augen sehen konnte, die scheinbar in ihr Innerstes blickten. Sie war so auch weniger überrascht, dass Draco den beiden von dem Kuss erzählt hatte.
„Also, was ist es ? Wovor scheust du dich ? Als wir Draco gefragt haben, hat er nur gemurmelt, dass du ihn nicht willst“, was zwar nicht stimmte, aber das musste Hermione nicht wissen, denn so konnte Charlie auch weiter bewusst tiefer bohren.
„Warum, Hermione ? Was hindert dich daran, ihm die Hand zu reichen ? Noch mehr zu reichen, als du es ohnehin schon getan hast ? Die Meinung der anderen kann es nicht sein. Daran hast du dich bis jetzt ja auch nicht gestört“, lächelte Charlie kurz ein wenig, bevor er weiter sprach. Hermione wiederum schloss bitter die Augen, aus denen ihr immer mehr die Tränen kullerten.
„Er würde dich auf Händen tragen, wenn du ihn lässt. Er würde dir jeden Wunsch von den Augen ablesen. Er würde dich vor jeglicher Gefahr schützen. Merlin, er hat es, so gut er konnte !“, brauste Charlie kurz ein wenig auf, als er an alles dachte, was war. Was sein Freund für diese Hexe auf sich genommen hatte. Durchgemacht hatte. Hermione derweil schluckte und sah Charlie erneut gequält an.
„Warum, also ? Warum belügst du dich selbst ? Warum. . .“ „Weil ich bereits jemand anderen liebe !“, warf sie ihm halb verzweifelt, unter Tränen entgegen, da sie all das nicht mehr ertrug. Seine Worte, mit ihrer so schweren Bedeutung und Traglast. Charlies Blick wiederum verdunkelte sich etwas, da sie nun am Problempunkt angelangt waren. Und diesen würde er jetzt ums Verrecken versuchen auszuhebeln.
„Wer ?“, fragte er von daher erst einmal. Hermione schüttelte aber mit dem Kopf. „Niemand, den du kennst“, flüsterte sie schon beinahe. Was sollte sie ihm dazu auch konkret sagen ? Erstens hatte sie Blaise und Charlie damals mit keiner Silbe etwas von Ben erzählt und zweitens kannte sie ihn selbst nicht mal wirklich. Sie hatte nur den Namen, den er ihr damals genannt hatte. Ein Name, der vermutlich nicht einmal sein wahrer war. Hinzu kam auch noch, dass er damals, wie sie alle, maskiert war und sie ihn nicht wirklich in vollem Umfang hatte in Augenschein nehmen können.
„Aha“, gab Charlie auf ihre Aussage aber nur trocken von sich und taxierte sie weiter etwas dunkel, sodass sich Hermione noch unwohler unter seinem Blick fühlte, als ohnehin schon. „Man sucht sich nicht aus, in wen man sich verliebt“, meinte Hermione dann noch ausweichend. Teils auch, um sich irgendwie zu rechtfertigen.
„Wohl wahr. Das ist eine Tatsache, die auch Draco auf ziemlich bitterem Weg lernen musste“, sinnierte Charlie, worauf sie ihn wieder etwas unsicher ansah. „Er hat sich lange dafür verflucht. Sich und dich, dafür, dass er diese Gefühle hat, die er nicht haben wollte. Dafür, dass du diese Gefühle in ihm geweckt hast. Er hat versucht es zu ignorieren. Diese Gefühle irgendwie wieder loszuwerden. Sie wegzuschließen. Aber wie du gerade selbst sagtest, man sucht sich nicht aus, in wen man sich verliebt. Es passiert einfach. Liebe hat keine Logik. Keinen Verstand. Und was das angeht, da. . . Ich denke, du redest dir nur ein, dass du verliebt bist.“ „Wie meinst du das ?“, entwich es ihr ein klein wenig empört. Charlie wiederum schmunzelte leichthin.
„Genauso, wie ich es gesagt habe. Ich will damit jetzt nicht andeuten, dass du gar keine Gefühle für wen auch immer hast. Allerdings zweifle ich ernsthaft daran, dass sie wirklich so stark sind. Dass du diesen Typen wirklich so sehr liebst, wie du wohl glaubst. Wie du dir das vielleicht wünschst und vorstellst. Denn wenn es so wäre. . . Warum quält es dich selbst so sehr, wenn es Draco schlecht geht ? Warum suchst du seine Nähe ? Warum küsst du ihn ?“, betonte Charlie seine letzte Frage extra deutlich, da sie bereits den Mund zu einer Antwort halb offen hatte. Eine, die als Begründung und Rechtfertigung ihr freundschaftliches Verhältnis zu Draco innehatte. Eine, die sie aber nicht auf die letzte Frage anwenden konnte, denn darauf hatte sie keine Antwort. Diese blöde Frage konnte sie sich dennoch nicht beantworten, außer eben damit, dass Draco sie in der Tat reizte. Und zwar in allen Bereichen. Dennoch. . .
„Der Kuss war ein Ausrutscher“, murmelte sie schließlich. Das aber ein wenig abwesend, wie Charlie zufrieden zur Kenntnis nahm und diese Stelle nun stärker zu bearbeiten begann, denn es war nur zu offensichtlich, dass die Gryffindor dafür keine plausible Erklärung hatte, außer der einen, die er ihr nochmal deutlich darlegte.
„Ein Ausrutscher ? Komm schon, Hermione. Würdest du Harry einfach so küssen ? Oder Blaise und mich ?“ Daraufhin schwieg sie betreten und presste die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen, der Charlie eine nur zu deutliche Antwort war. Nämlich ein Nein.
„Würdest du nicht“, meinte er ruhig. „Und dieser Kuss war auch kein Ausrutscher, sondern meiner Meinung nach eher ein Zeichen. Eines, vor dem du dich versuchst zu verschließen und damit selbst belügst.“ „Das tu ich nicht !“, widersprach sie ihm. Das jedoch schwach, mit leicht gebrochener Stimme. Sie wollte das alles nicht mehr hören und ganz besonders nicht so ein Gespräch mit Charlie führen. Denn er war und blieb trotz allem eine Schlange. Und als diese, wählte er seine Worte mit Bedacht, wie auch vorausschauend. Berechnend. Er trieb sie mit diesem ruhigen, an und für sich normalen Gespräch, immer mehr in die Enge. Er nahm ihr die Möglichkeit einer sinnvollen Argumentation und damit auch den letzten vernünftigen Ausweg aus dieser Misere.
„Oh doch, das tust du. Und damit machst du letzten Endes nicht nur Draco unglücklich, sondern auch dich selbst. Du machst denselben Fehler erneut.“ „Was meinst du ? Was für einen Fehler ?“, sah sie ihn auch weiter verweint an. „Den Fehler, dich ausschließlich von deinem Verstand leiten zu lassen, anstatt mehr auf dein Herz zu achten. Du hast Jahrelang Weasley nachgeschmachtet, obwohl er dich immer wieder verletzt hat. Du hast ihm ständig aufs Neue verziehen und damit zugelassen, dass er dich wieder verletzen und quälen kann.“ „Ich hatte Gefühle für Ron !“, versuchte sie sich zu rechtfertigen, da es tatsächlich so war. Und das wirklich sehr lange. Bis. . . Ja, bis zu der Sache mit Lavender im Sechsten. Bis zu dem ersten Brief, den sie damals bekommen hatte.
„Das streite ich gar nicht ab. Worauf ich aber hinaus will ist, dass du dich noch so lange an diese ungesunde Beziehung zu ihm geklammert hast, obwohl es nur zu offensichtlich war, dass es dich unglücklich gemacht hat. Und das hast du getan, weil du dich ausschließlich von deinem Verstand hast leiten lassen, anstatt auf deine Gefühle zu hören. Du hast dir doch immer wieder eingeredet: ,Es wird schon wieder. Es ist nur eine Phase wie früher auch, wenn wir uns gestritten haben‘, hab ich Recht ?“, fragte Charlie der reinen Form halber, denn es war eine Tatsache. Hermione wiederum schwieg.
„Genau das Gleiche machst du jetzt wieder. Du verleugnest dich und deine Gefühle für Draco, die nur zu offensichtlich da sind.“ „Das kannst du nicht alles einfach so aus einem Kuss schließen“, brachte sie ihm schwach, in einem kleinen Anflug der Gegenwehr entgegen. Charlie lächelte daraufhin jedoch leicht und auch irgendwie wissend.
„Nein. Aus einem einzigen Kuss kann man sicher nicht so vieles schließen. Allerdings aus deinem ganzen Verhalten Draco gegenüber. Und dieses Verhalten ist auffällig genug, dass sich die unterschiedlichsten Personen bereits ihren Teil dazu denken. Astoria und Daphne sind, was diese kleinen, feinen Dinge anbelangt, sicher etwas aufmerksamer als andere. Aber ich denke, es ist nicht nur unseren Mädels aufgefallen“, rieb er ihr nochmal etwas unter die Nase, bevor er ruhig weiter meinte: „Da ist etwas, und das weißt du auch. Also mach dich nicht selbst unglücklich, nur weil du dich vielleicht etwas in eine Sache verrannt hast, von der du denkst, dass es richtig ist.“ Damit endete Charlie und stand unvermittelt auf, was Hermione verwirrte.
„Was. . . Wo willst du hin ?“, fragte sie völlig verdattert, als er an die Tür trat. Merlin, der Kerl konnte doch nicht so eine Rede schwingen und dann einfach verschwinden ?! Doch genau das tat Charlie. Und das mit dem Hintergedanken, dass Hermione so mehr oder weniger gezwungen war, allein über all das nachzudenken und sich damit auseinanderzusetzen. Dass sie es tun würde, daran hatte Charlie keine Zweifel. Ausweichend meinte er dann aber auf ihre Frage: „Eulerei. Ich werd Paps schreiben, dass er für Draco noch ein paar Tränke schickt.“ Zwar hatte er das bereits am Vortag getan, aber das musste Hermione nicht wissen, die auf die knappe Aussage ohnehin wieder etwas schluckte. Ihr kam so auch wieder in den Sinn, dass Charlie zuvor, als sie in den Krankenflügel gegangen waren, gesagt hatte, dass Draco kaum geschlafen und zudem ihren Schlafsaal aufgrund dieser Ausbrüche zerlegt hatte.
Charlie hatte zuvor zwar noch gemeint, dass er ihr keine Vorwürfe und dergleichen machte, dennoch hatte er es jetzt mit allem hinbekommen, dass sie sich noch mieser fühlte, als ohnehin schon. Die Tatsache, dass Dracos Ausbrüche nun wohl auch wieder schlimmer wurden, setzte dem Ganzen nur noch mehr die Krone auf, denn diese Sache war der deutlichste Beweis dafür, dass es ihm schlecht ging. Psychisch. Seelisch. Und das war für sie mit das Schlimmste. Dass sie nun ebenfalls ihren Teil zu seinem zerstörten Seelenleben beitrug.
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Ron konnte noch immer nicht fassen, was da vorhin abgegangen war. Also nicht, dass es ihm anscheinend geglückt war, Malfoy stumm zu verfluchen. Nein, das fand er im Gegenteil sogar äußerst interessant. Zudem verlieh diese Tatsache seinem Ego einen erheblichen Auftrieb. Anthony und die Weiber, allen voran Sally, waren es, die ihn knurren und mit den Zähnen knirschen ließen. Die hatten ihn dann doch tatsächlich noch mehr zur Sau gemacht, dafür, dass er Malfoy ausgeknockt hatte. Pah !
„Es fängt an, immer stärker seine Kreise zu ziehen“, meldete sich die dunkle Stimme mal wieder leise flüsternd. „Durch Harrys Zuspruch fangen die anderen auch allmählich an, dem Irrglauben zu erliegen, Malfoy hätte sich geändert. Aber das hat er nie. Wird er nie. Es dient seinem Plan, sie alle mit Hermiones und Harrys Hilfe zu verblenden. Er manipuliert sie und macht sich unscheinbar. Er versucht sich als Opfer darzustellen, was er nicht ist, wie du weißt.“ Daraufhin nickte Ron träge für sich und schlich weiter durchs Schloss in Richtung Gryffindor Turm, wo ihn unverhofft die nächste Klatsche in Form seiner Schwester traf, die, kaum dass sie ihn entdeckte, wie eine Furie angerauscht kam und ihn anschrie.
„Bist du noch ganz dicht ?!“ Auf diese Frage hin blinzelte Ron etwas perplex, bevor er auch noch den Rest der Anwesenden erfasste. Unter anderem eben auch Sally, die neben Harry stand und ihn böse ansah, sodass er kapierte, was Ginny gestochen hatte, zu der er dann auch wieder blickte.
„Krieg dich mal wieder ein, ich hab nichts gemacht !“, blaffte er sie an und wollte ganz eintreten. Ginny stellte sich ihm allerdings vehement in den Weg und funkelte ihn zudem gefährlich giftig an. „Ach nein ? Draco ist also von ganz alleine zusammengebrochen, nachdem du ihm mit dem Zauberstab vor seiner Nase herumgefuchtelt und ihn bedroht hast ? Wieso kannst du ihn nicht einfach in Ruhe lassen ? Ihm geht’s so schon Scheiße !“, fauchte Ginny und stieß Ron letztlich vor die Brust, der dadurch aus dem Gemeinschaftsraum taumelte, den seine Schwester im Kommenden verließ, um in den Krankenflügel zu verschwinden. Ron nahm es schnaubend, wie auch wütend zur Kenntnis, bevor er einen zweiten Versuch startete, durch das Portraitloch zu klettern. Inzwischen aber stand Harry vor ihm, dessen grüne Augen Ron zum einen vollkommen verständnislos, zum anderen recht wütend anfunkelten.
„Was ?“, knurrte Ron auf den Anblick angefressen. „Du glaubst Roper den Stuss doch nicht etwa ?“ „Ich denke nicht, dass Sally sich das nur ausgedacht hat. Zumal es nicht das erste Mal wäre, dass du Draco grundlos mit einem Fluch angreifst.“ „Er wollte Hermione damals verfluchen !“, brauste Ron auf und versuchte sich so zu rechtfertigen. „Ich hab sie nur beschützt !“ „Beschützt ? Du hättest sie um ein Haar getroffen, wenn Draco nicht so schnell reagiert und sie aus der Schusszone geschubst hätte !“, blaffte Harry ihn nun doch noch lautstark an. „Harry hat es damals nicht gesehen. Nicht sehen können, wie die anderen auch, aufgrund von Malfoys dunkler Magie“, flüsterte die Stimme wieder und gab Ron in seiner Sicht auf die Dinge damit abermals Auftrieb. „Er schadet ihr ! Genauso wie dir, Ginny und den anderen !“ „Und womit ?“ „Keine Ahnung. Aber grundlos rennt Hermione nicht so verheult rum. Das ist ganz allein seine Schuld ! Er hat irgendwas mit ihr gemacht. Er hat es vorhin sogar zugegeben !“, ereiferte sich Ron.
„Und was ? Was will er dir gesagt haben ?“, verlangte Harry noch immer wütend zu wissen, während Ron etwas vor sich hin brummelte, da ja keine Worte weiter gefallen waren, sondern er lediglich in der Mimik der Beiden hatte lesen können, was er Harry dann auch versuchte zu erklären.
„Er hat ertappt gekuckt !“ „Oh, na das erklärt natürlich alles“, schnarrte Harry sarkastisch, bevor ihn die Wut auf den Rotschopf wieder packte, auf den er noch einen Schritt zu trat. So trennte ihn nicht einmal mehr eine Handbreite von Rons Gesicht, den er mehr als warnend anfunkelte, als er leise meinte: „Ich sag dir das nur noch ein einziges, verdammtes Mal. Hör auf weiter Krieg zu spielen. Keiner von uns will das. Hör auf Draco weiter als Feind anzusehen. Das ist er nicht. Kapier endlich, dass sich Dinge ändern und manche Dinge offensichtlich nie so waren, wie wir angenommen haben. Hast … du … mich … verstanden ?“, betonte Harry seine letzten Worte extra deutlich, bekam von Ron aber nur ein abfälliges Schnauben als Antwort.
„Werd erwachsen“, knurrte Harry nur noch und verschwand nun ebenfalls aus dem Gemeinschaftsraum in Richtung Krankenflügel, um zu sehen, was Ron da wieder angerichtet hatte. Aber auch um Hermione etwas zu stützen, da sie höchstwahrscheinlich bei dem Blonden war.
Ron wiederum sah Harry noch kurz wütend nach, bevor er es nun doch noch schaffte einzutreten. Sein Blick fiel dann aber auch nochmal auf Sally, die er mit seinen Augen fast erdolchte, was sie ihm jedoch gleicht tat, bevor sie sich empört umdrehte und hoch erhobenen Hauptes die Treppen zu ihrem Schlafsaal in Angriff nahm.
„Blöde Zicke“, zischte Ron und warf sich letztlich sauer in einen der Sessel am Kamin, wo er von den übrigen Anwesenden teils skeptisch, teils doch schon etwas argwöhnisch gemustert wurde, was seine Laune nur noch mehr in den Keller rauschen ließ. Merlin, das war doch zum kotzen ! Und alles nur wegen des Frettchens. Diese Ausgeburt der Hölle trieb auch weiterhin sein Unwesen und er selbst war der Buhmann, weil er versuchte, die anderen zu schützen und ihnen die Augen wieder zu öffnen. „Die Guten haben es leider nie leicht gegen die Bösen und bleiben nur zu oft lange Zeit unverstanden. Ungehört, bis es häufig zu spät ist“, säuselte die Stimme tröstend, wie auch bedauernd. „Vor allem gegen solche, die es verstehen anderen einen schönen Schein vorzugaukeln. Malfoy ist da wie sein Alter. Der hat sich doch all die Jahre auch immer als Unbescholten und Gutmensch versucht hinzustellen. Nach Voldemorts erstem Fall ist er damit ja auch durchgekommen. Zudem hat er sich nicht selten auch Positionen und Sympathien von Menschen erkauft, die ihm einen Vorteil verschaffen konnten. Genau die gleiche Methode wendet seine Brut nun an, indem er sich Hermione und Harry zum Freund macht.“ „Hm“, brummte Ron zerknirscht und rutschte noch mehr in seinem Sessel zusammen, während er sich vorstellte, wie er Malfoy aus dem Verkehr zog. Wie er ihn überwältigte und dafür sorgte, dass er zurück nach Askaban verfrachtet wurde. Und das mit einem Dutzend von Dementoren um seine Zelle herum verteilt, die dafür sorgten, dass er endlich seine gerechte Strafe bekam.
„. . .nie“, gewahrte er nach einer gefühlten Ewigkeit dann aber mal eine hohe Stimme, die leicht penetrant in seine Wunschgedanken vordrang und diese vorerst auflöste. Als er grimmig aufblickte, hatte er Lavender vor sich, die ihn mit schräg gehaltenem Kopf fragend musterte.
„Du kuckst, als wolltest du jemanden erdolchen. Was ist denn los ? Ich hab dich mehrmals angesprochen“, erklärte sie und nahm schließlich auf der Lehne des Sessels Platz. Ron wiederum schnaubte sauer „Malfoy“, worauf sie bereits genervt die Augen verdrehte, was er allerdings nicht sah, da er den Blonden in Gedanken erdolchte, wie ihm Lavender so schön vorgeschlagen hatte. Diese beugte sich dann aber etwas mehr zu ihm und begann ihm die Schultern zu kneten.
„Ach Ronie. Du solltest dich wirklich nicht so wegen dem ärgern. Der kriegt schon noch was er verdient“, versuchte sie ihn zu beschwichtigen und vor allem abzulenken. Ron aber brauste auf ihre Worte nur wieder mehr auf.
„Ach ja ? Hast du nicht mitbekommen, dass die sich alle immer mehr auf seine Seite stellen, seit Harry das getan hat ? Er nimmt immer mehr Einfluss und macht sich immer unscheinbarer, sodass keiner mehr die Gefahr sieht, die er ist. Er hat etwas vor und dafür benutzt er meine Freunde ! Er benutzt Hermione !“, pochte Ron auf seine Ansicht und ballte wütend die Hände zu Fäusten, während Lavender innerlich bis zehn zählte.
Allmählich ging ihr dieser Zirkus mit Malfoy, die Vorstellung, in die sich Ron da stürzte, gehörig auf die Nerven. Sie traute dem Frettchen zwar auch nur so weit, wie sie ihn werfen konnte, sah ihn aber dennoch nicht als solche Gefahr an, wie Ron es nach wie vor tat. Wobei die Gefahr, die er in Malfoy sah, Lavenders Meinung nach eher darauf beruhte, dass sich das Frettchen gänzlich an Granger ranmachte, um sie vielleicht flachzulegen. Das war es, dessen war sie sich sicher, was Ron wirklich störte und was dafür sorgte, dass er sich in ominösen Verschwörungstheorien verlor.
Es nervte sie tierisch, dass er noch immer etwas für diese besserwisserische, dumme Zicke übrig hatte und sie anscheinend auch noch immer mehr wollte, als sie, Lavender. Sie konnte einfach nicht verstehen warum ? Immerhin war sie für ihn da und gab ihm, was er wollte. Trotzdem wollte er offensichtlich auch weiter diese hässliche Kuh mit ihrem Rattennest aus Haaren, was gerade die letzten Tage wieder sehr schön zum Vorschein gekommen war. Genauso ihre restliche Erscheinung, mit der sie aussah, als wäre sie aus der Gosse gekommen.
Anfangs hatte Lavender es freudig, wie auch schadenfroh zur Kenntnis genommen, dass sie sich mit dem Frettchen anscheinend gekracht hatte, so zerstört, wie die Hexe aussah. Ihr war es bis dahin ja auch ein Rätsel gewesen, was die Schlange plötzlich an dem Bücherwurm fand ? Dahingehend hatte Ron vielleicht doch in einem Punkt Recht, nämlich, dass Malfoy Granger nur ausnutzte, was ihr ganz Recht geschähe. Dummerweise stürzte sich Ron jetzt, wo es dieser Ziege dank Malfoy schlecht ging, nur wieder mehr auf seine blöden Theorien, von wegen Malfoy plante die Weltherrschaft an sich zu reißen. Das allein wäre ja jetzt nicht ganz so schlimm, nur fixierte er sich nun auch wieder mehr auf Granger, da sie eben von Malfoy fertiggemacht wurde und deshalb Trost brauchte. Pah !
So weit würde sie es aber nicht kommen lassen. Sie würde sich Ron nicht nochmal von dieser dummen Pute wegnehmen lassen, die ihn in keinster Weise verdiente. Sie verdiente es alleine, als frustrierte, runzlige Jungfrau mit 15 Katzen zu leben und zu sterben. Genau das verdiente sie für ihre Arroganz und Überheblichkeit und Dummheit und was sie nicht noch alles war.
„Ich weiß, Schatz“, flötete Lavender schließlich tröstend, um ihn wieder etwas zur Ruhe zu bewegen und abzulenken, denn seine Energien waren in anderen Bereichen so viel mehr von Nutzen, als das er sie jetzt hier in seiner blinden Wut sinnlos verbrauchte.
„Aber es bringt jetzt doch nichts, wenn du dich hier in Rage redest. Was auch immer passiert ist, ist jetzt nun einmal passiert. Du solltest das abhaken und dich auf Kommendes konzentrieren. Für den Moment würde dir vielleicht auch etwas Ablenkung ganz gut tun“, säuselte sie ihm den Rest ins Ohr und knabberte so auch etwas an seinem Ohrläppchen.
„Was hältst du davon ? Dann kannst du wieder mit neuer Energie an alles herangehen ?“, flüsterte sie weiter und ließ ihre Hand nebenher über seine Brust gleiten, während sie ihm noch einen kleinen Kuss auf die Wange hauchte, sodass sich Ron nicht sonderlich lange Bitten ließ.
„Raum der Wünsche ?“, stieß er bereits leicht heiser aus, worauf sie diebisch grinste. Was das anging, da war er so leicht zu überzeugen und zu lenken. Schon allein deshalb hatte Lavender keine Zweifel daran, dass sie ihn letztlich doch noch ganz an sich binden konnte. Denn was sie ihm gab, würde er von dem prüden, hässlichen Bücherwurm nie bekommen.
„Na los“, hauchte sie nur noch und zog ihn freudig aus dem Sessel, hinaus aus dem Gemeinschaftsraum.
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