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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Gespräche am See

von Alex2303

۩ ۞ ۩


Der Donnerstag kam, wie der Mittwoch geendet hatte. Nass, kalt und grau. Und für Draco mit höllischen Kopfschmerzen, die gleich noch mehr wurden, als er das Desaster sah, was sich in seinem Zimmer wiederspiegelte.
„Nein“, stöhnte er fertig und ließ sich gleich wieder nach hinten in sein Kissen fallen, bevor er sich auf den Bauch drehte und den Kopf frustriert unter beiden Kissen vergrub. In der nächsten Sekunde schrie er seinen Frust raus. So viel zu Daniels Mittelchen. Wirkten genauso, wie die von der Pomfrey. Nämlich gar nicht. Seine Albträume waren für ihn so real wie eh und je und förderten damit auch weiter sein kleines, magisches Problem.
„Dobby !“, rief er durch die Kissen hindurch nach dem Elf, der nur den Bruchteil einer Sekunde später bei ihm erschien. „Master haben gerufen ? Was kann . . . oh !“, stieß der Elf erschrocken aus, als er das Chaos sah. Kurz darauf tapste er unsicher zu Draco, der noch immer unter den Kissen versteckt da lag.
„Geht es dem jungen Herr gut ?“ „Nein. Kümmer dich um den Mist hier, ich brauch ‘ne Dusche“, murmelte Draco geschlagen, während Dobby nickte „Gewiss doch“ und sich gleich ans Aufräumen und Reparieren machte. Draco folgte dem nur kurz träge mit einem Auge, bevor er sein Vorhaben in die Tat umsetzte und im Bad unter der Dusche verschwand, unter der er dann auch fast eine halbe Stunde blieb. Zeit hatte er schließlich genug, immerhin war es gerade mal 4:30 Uhr ! Viel besser ging es ihm hinterher aber auch nicht. Er fühlte sich noch immer, oder schon wieder, wie erschlagen und hatte zudem auch weiter diesen scheiß Druck auf dem Schädel lasten. Irgendwo war doch auch noch was gegen Kopfschmerzen.
Nachdem er zwei der Tränke intus hatte, verschwand er zurück in sein Zimmer, was inzwischen auch wieder vollkommen intakt war, gleich so, als wäre nie etwas gewesen. Dobby war wie immer gründlich. Vielleicht sollte er ihm auch mal ein paar Socken als kleines Danke schenken. Am besten noch zwei Paar unterschiedliche. Da stand er ja so drauf, hatte Hermione mal gemeint.
Als er da aber wieder an die Hexe dachte, machte sich sofort noch stärker eine erschlagende Frustration und Bitterkeit in ihm breit. Charlie mochte zwar Recht haben, dass das kein Zustand war und vor allem nicht so weitergehen konnte. Nur sah er sich nach wie vor außerstande, in irgendeiner Art und Weise wieder normal mit der Hexe umzugehen. Er schaffte es im Augenblick ja nicht einmal, ihrem Blick länger als ein paar Sekunden standzuhalten, ohne, dass ihn eine Welle der Bitterkeit und des Schmerzes überrollte. Es war zum Kotzen.
Zwar stimmte es, was er ihr am Samstag gesagt hatte. Dass er ihr auch weiter ein Freund sein wollte. Ihr Nahe sein wollte. Nur erschien ihm das im Moment gerade unmöglich. Er wollte, aber es ging im Augenblick einfach nicht. Wenn er sie ansah, sah er noch immer viel zu stark seine Hoffnungen, Wünsche und Träume in Scherben liegen. Und das tat einfach nur weh. Deswegen sah er sie nicht an und würde ihr für den Moment auch weiter aus dem Weg gehen. Angefangen damit, dass er runter in die Küche verschwand frühstücken, auch wenn er keinen Appetit hatte. Allerdings hatte er keine Lust, schon wieder im Krankenflügel zu landen. Warum auch immer. Und da Madam Pomfrey ihm gestern damit auch noch auf die Nerven gegangen war, dass er leichte Mangelerscheinungen aufwies, würde er jetzt eben so eine blöde Schüssel Müsli und ein Butterbrötchen essen.

۩ ۞ ۩


Hermione nahm es recht gedrückt zur Kenntnis, dass Draco bereits verschwunden war. Und das offensichtlich schon recht früh. Er musste den Turm bereits verlassen haben, als sie noch geschlafen und sich mit ihren Albträumen herumgequält hatte. Und das sollte etwas heißen, denn er schlief sonst so lange wie möglich. Zumindest hatte er das immer wenn sie zusammen. . .
Hermione schluckte unweigerlich, als sie an ihr bisheriges Schlafarrangement dachte. Dass sie es sich bei ihm gemütlich gemacht und an ihn gekuschelt hatte. Dass sie sich von ihm hatte in die Arme nehmen und damit behüten lassen. Beruhigen lassen. Ihr fehlte das. Diese besondere Ruhe. Diese besondere Wärme. Nähe. Alles. Er fehlte ihr. Doch so, wie es im Augenblick schien, würde sie ihn so nicht mehr zurückbekommen, was sie aufs Neue unsäglich schmerzte.
Schließlich aber machte sie sich für den Tag fertig und verschwand runter in die Große Halle, in der sich bis jetzt nur eine Handvoll Schüler befanden. Vorzugsweise Ravenclaws. Den Blonden aber sah sie nirgends, was sie nicht daran hinderte, auf Harrys Karte nach ihm zu suchen. Wirklich weit kam sie damit allerdings nicht, da sich jemand zu ihr begab und ungefragt an dem noch leeren Tisch neben Hermione Platz nahm.
„Guten Morgen“, hörte sie, reagierte aber nicht, sondern besah sich weiter die Gänge um die Kerker. Kein Draco. „Was ist das denn ?“, erkundigte sich ihr ungebetener Besuch interessiert, sodass sie nun doch mal aufblickte und einem leicht kühlem Paar blauen Augen begegnete, die zu Stephen gehörten.
„Was willst du ?“, fragte Hermione müde und das auch alles andere als freundlich, damit er wieder die Fliege machte. Die Karte faltete sie derweil zusammen. Es musste schließlich nicht sein, dass noch mehr Leute von dieser erfuhren. Erst recht nicht solche, die sie nicht zu ihren Freunden zählte.
„Nun ja, ich wollte fragen wie es dir geht ? Ob bei dir alles in Ordnung ist ?“ „Siehst du doch“, gab sie ihm leicht bissig zurück. Sie hatte keine Lust mit ihm zu reden. Besonders nicht über ihre Verfassung. Stephen aber spielte mal wieder Klette.
„Ist es wegen Malfoy ? Hattet ihr Streit ? Hat er dir irgendwas. . .“ „Hör auf, okay ? Weder hatte ich Streit mit Draco, noch hat er mir etwas getan. Ich. . . Lass mich einfach in Ruhe !“, fauchte sie, stand auf und stürzte aus der Großen Halle, ohne weiter etwas gegessen zu haben. Keine Minute später fand sie sich im Innenhof wieder, der noch im düsteren Zwielicht des grauen, kühlen Morgens da lag. Kein Wunder Mitte Oktober.
So schlang sie sich ihren Umhang fester um den Körper und ging ein paar Schritte. Bis zu ihrer ersten Stunde hatte sie noch fast 45 Minuten Zeit. Da konnte sie sich auch noch ein wenig die Beine vertreten. Vielleicht bekam sie den Kopf so ja auch etwas frei.
Sie schlich runter zum See, wo sie in den frühmorgendlichen Nebelschleiern nach und nach eine Gestalt erkannte, die am Ufer des Sees stand und der Akustik nach, Steine in das Gewässer warf. Als sie etwas näher trat, konnte sie bereits nach wenigen Schritten mit Sicherheit sagen, wer da im Nebel stand. Der helle Schopf leuchtete schon förmlich in dem Matschgrau ihrer Umgebung, und sorgte dafür, dass ihr das Herz etwas schneller schlug.
Ob sie zu ihm gehen sollte ? Sie wollte. Sie wollte mit ihm reden. Ihn sehen. Nur wollte er sie sehen ? Mit ihr reden ? Er hatte sich immerhin nicht umsonst so früh aus ihrem Turm gestohlen. Und wenn er hier unten am See war, da. . . Ganz offensichtlich wollte er allein sein. Nur wollte sie ihn nicht allein lassen. Nicht zuletzt auch war sie der Ansicht, dass er nicht allein bleiben sollte. Und das aus den unterschiedlichsten Gründen.
Da war einmal die Gefahr, dass er hier, so vollkommen ungeschützt und allein, wieder von jemanden angegriffen werden könnte. Er bot eine nur zu leichte Beute. Es wäre ein Kinderspiel, ihn jetzt hier mit einem Zauber auszuknocken. Es war ein Gedanke, der sie schauern ließ. Nein, schon allein deswegen sollte er nicht allein bleiben. Aber auch, da es seinem Seelenleben nicht gut tun würde, bliebe er allein, sodass sie sich ein Herz fasste und die letzten Schritte runter zum See ganz in Angriff nahm. Dabei knirschte der erste Raureif unter ihren Füßen, der sich in der Nacht über die Grünfläche gelegt hatte. Etwas, was auch Draco bemerkte, der den Kopf leicht nach hinten neigte. Als er sah, wer da kam, verlor sich sein Blick allerdings wieder auf dem See, in den er einen weiteren Stein pfefferte, sodass es dumpf plumps „Hey“, hauchte Hermione, als sie direkt neben ihm stand. Draco gab ihr allerdings keine Antwort, sondern warf den nächsten Stein, der in einem ähnlichen Geräusch in der Tiefe des Sees versank. Auf die Reaktion, spürte Hermione wieder einen Stich in der Brust, neigte den Kopf dann aber dennoch zu ihm, um ihn ansehen zu können. Seine ganze Mimik aber war mal wieder eine einzige, emotionslose, kalte Maske, genauso wie all die Jahre zuvor.
Wie geht’s dir ?, wollte sie fragen, verkniff es sich dann aber, da es einfach nur dämlich war. Schließlich hatte sie Augen im Kopf. So suchte sie stattdessen nach einem anderen Ansatz, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Draco kam ihr dann allerdings entgegen. Jedoch nicht wie sie sich das erhoffte.
„Was willst du ?“, fragte er tonlos und versenkte einen weiteren Stein im See. Hermione schluckte daraufhin und rang nach den richtigen Worten. „Du solltest nicht allein bleiben“, meinte sie dann aber nur leicht zusammenhanglos und brachte damit ihre Gedanken von zuvor an. Draco wiederum grinste kurz zynisch, bevor sich seine Züge erneut verhärteten und damit wieder diese undurchdringliche, kalte Maske erschufen.
„Vielleicht will ich das aber“, meinte er kalt und rammte Hermione damit emotional ein Messer ins Kreuz. Sie schloss bitter die Augen und kämpfte die aufwallenden Tränen mit aller Macht nieder, bevor sie ihn fertig ansah. Sie konnte allmählich nicht mehr.
„Das kannst du nicht wollen. Das kannst du nach allem nicht wirklich wollen ? Draco, bitte. Sieh mich an. Sie mich an und sag mir, dass ich gehen soll. Dass du mich wirklich nicht mehr sehen willst“, forderte sie, eine Reaktion blieb aber aus. Stattdessen pfefferte Draco nur noch umso aufgebrachter den nächsten Stein in den See, während Hermione etwas stockend ausatmete und über ihre nächsten Worte nachdachte, die sie ruhig, wie auch bittend anbrachte.
„Rede mit mir. Sag mir was ich tun soll. Wie ich dir vielleicht helfen kann. Draco, bitte. Ich ertrag das so nicht mehr. Ich will dich nicht wieder verlieren. Besonders nicht so. Und du. . . Du hast doch selbst auch noch gesagt, . . . mich irgendwo gefragt, gebeten, dass wir auch weiter Freunde bleiben. Dass jetzt aber. . . Du. . .“ „Ich weiß was ich gesagt habe !“, brauste er auf ihre Worte, den stummen Vorwurf, den sie ihm damit machte, jedoch ungewollt auf, worauf Hermione wie geschlagen zusammenzuckte. Draco wiederum seufzte, aufgrund seines Ausbruches „Sorry“ und sah frustriert zurück nach vorn auf den See. Die Augen damit aufs Neue leer, wie auch leicht getrübt, schob er die Hände tief in die Hosentaschen.
„Ich dachte es wäre leichter“, begann er nach ein paar Minuten gedrückt und zog damit Hermiones Aufmerksamkeit wieder gänzlich auf sich. „Ich dachte, dass es schon irgendwie gehen würde. Dass ich einfach wieder da weitermache, wo. . .“, brach er dann aber ab und schluckte, bevor er bitter die Augen schloss.
„Ich kann das nicht. Ich wollte, aber es geht im Moment einfach nicht. Es. . .“, brach er erneut ab. Hermione aber glaubte zu verstehen, worauf er aus war. Was er ihr sagen wollte. Es war der logischste, aber auch bitterste Schluss, der ihr ja leider auch schon in den Sinn gekommen war. Dass es eben einfach nicht mehr ging. Dass der Schaden, der Scherbenhaufen zwischen ihnen, irreparabel war. Und das tat weh. Verdammt weh.
„Es tut mir so leid. Ich. . .“ „Nicht. Hör auf dich zu entschuldigen. Du hast keinen Grund dazu.“ „Aber. . .“ „Nein“, unterbrach er sie wieder. Er wollte das nicht hören. Konnte es nicht mehr hören, dass sie sich für ihre Gefühle entschuldigte. Dafür, dass sie seine Gefühle nicht erwidern konnte, weshalb erneut eisiges Schweigen unter ihnen einkehrte, welches Hermione in einem leisen, traurigen Flüstern durchbrach. Den Blick auf den See gerichtet, wo ihr nun doch noch zwei einsame Tränen aus den Augen kullerten.
„Du fehlst mir.“ Auf ihre Worte hin huschte ihm ein kurzes, trauriges, wie auch bitteres Lächeln über die Lippen. „Du mir auch“, gab er ihr leise zurück, worauf sie ihn wieder ansah. Sein Blick war aber auch weiter starr auf den See fixiert, in dem sich der Kraken kurz ein wenig regte und schließlich wieder in den tieferen Regionen verschwand.
„Glaub mir, ich hasse es, wie es jetzt ist. Ich hasse es, dass ich nicht normal und ungezwungen mit dir reden kann. Nicht mehr mit dir lachen kann. Ich hasse es, dass ich dich keine fünf Sekunden ansehen kann, ohne dass. . .“, brach er erneut ab und schluckte. Hermione wiederum schwieg und musterte bedrückt seine Züge, die etwas unsäglich gequältes zum Ausdruck hatten.
„Ich will diese Distanz und Kälte zwischen uns nicht. Es kotz mich an, aber. . . Ich ertrag es noch weniger in deiner Nähe zu sein, weil du gleichzeitig Meilen entfernt scheinst“, erklärte er weiter, worauf sie bitter nickte. Sie verstand, was er ihr damit sagen wollte. Wie er sich fühlte. Wie das alles gerade für ihn war.
„Es tut mir leid“, murmelte sie leise, worauf er mit dem Kopf schüttelte, aber nichts mehr dazu sagte. Hermione wiederum sah ihn bedrückt an. „Wirst du dann wieder in die Kerker runter gehen ?“, fragte sie mit einer bitteren Gewissheit. Draco aber schwieg für einen Moment, eh er meinte: „Nein.“ „Nicht ?“, horchte sie überrascht auf. „Nein“, wiederholte er. Blaise und Charlie würden ihm in den Arsch treten, wenn er sich wieder bei ihnen verkroch. Aber davon einmal abgesehen, hatten sie Recht. Das ging so nicht weiter. Er musste lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Irgendwie. Auch wenn es scheiße war.  
„Hör zu, ich will. . .“, begann er, wusste aber auch nicht wirklich was er ihr sagen sollte. „Lass mir einfach ein bisschen Zeit. Ich. . .“, brach er abermals ab. Hermione aber nickte und schlang sich letztlich die Arme Halt suchend etwas um den Oberkörper.
Zeit. Das war es auch, was Ginny ihr dazu gesagt hatte. Dass sie ihm Zeit lassen und geben sollte, damit er sich neu ordnen konnte. Alles verarbeiten konnte. Sich auf die neue Situation und deren Begebenheiten einstellen konnte. Ihr würde es an seiner Stelle sicher ähnlich gehen und dennoch. . . Ihr gefiel das alles nicht. Sie wollte nicht, dass er sich wieder von ihr entfernte. Sie wollte nicht, dass es ihm schlecht ging. Was sie wollte, war etwas für ihn zu tun. Sie wollte für ihn da sein, doch war sie gerade der allerletzte Mensch auf Erden, der ihm auch nur irgendwie helfen konnte. Und das war umso bitterer.
Sie war es sonst immer gewohnt, ihren Freunden zu helfen. Sie zu unterstützen und aus misslichen Situationen zu retten. Sie war sonst immer diejenige, die zuhörte und mit Rat und Tat zur Seite stand. Die Trost spendete. Sie war diejenige, die die Probleme löste. Dieses Problem aber konnte sie nicht lösen, denn sie selbst war das Problem, wie auch die Verursacherin dieses Problems.
„Lass uns hoch gehen, du frierst“, merkte Draco nach einer Weile des Schweigens an, da er ihr unterdrücktes Zittern bemerkt hatte. Hermione nickte darauf nur stumpf, obwohl es nicht stimmte. Sir fror nicht. Zumindest nicht so, wie er dachte. Es war nicht die frühmorgendliche Herbstkälte, die ihr so schwer in die Knochen und das Innerste kroch, und ihr damit dieses Zittern bescherte, sondern der verzweifelte Versuch, die neuen Tränen zurückzuhalten. Sie wollte nicht, dass er sie weinen sah, aufgrund der Kälte, die noch immer zwischen ihnen herrschte und wohl auch noch weiter vorherrschen würde.
So lief sie im Kommenden schweigend hinter ihm her, zurück zum Schloss, wo sie sich zu ihrer ersten Stunde begaben, die allmählich näher rückte. Wirklich bei der Sache war aber keiner der Beiden, was im Folgenden auch dem Rest der Slythfindorschen Meute erneut verstärkt auffiel. Dass es zwischen Draco und Hermione nach wie vor alles andere, als gut war. Draco war so verschlossen und distanziert wie eh und je, während Hermione ein gebrochenes Häufchen Elend darstellte, welches jeden Moment drohte in Tränen auszubrechen. Es war ein Anblick, den Harry nicht mehr einfach so hinnehmen konnte und sich Ginny schließlich nach dem Mittagessen, auf dem Weg zu Wahrsagen, ran zog. Immerhin wusste die Rothaarige was hier faul war, wie mit Sicherheit auch Blaise und Charlie.
„Was ist denn ?“, fragte Ginny verwundert, als er sie vom Pulk ihrer Mitschüler wegzog und in eine Seitennische dirigierte. „Wir müssen reden.“ „Jetzt ? Harry, wir haben in nicht ganz zehn Minuten Unterricht“, erinnerte sie ihn. „Trelawney wird uns schon nicht vermissen.“ „Mich vielleicht nicht, dich aber. Immerhin prophezeit sie dir noch immer, dass du eines entsetzlichen Todes sterben würdest.“ „Ich bin schon einmal gestorben. So entsetzlich war das nicht.“ „Sehr witzig“, frotzelte Ginny. Harry aber grinste kurz schief, bevor er wieder ernst wurde.
„Hör zu, ich kann mir das nicht mehr mit ansehen.“ „Was ?“ „Was wohl ? Hermione. Sie wirkt auf mich so, als ob sie jeden Moment zusammenbrechen könnte. Das ist nicht normal und es hat mit Draco zu tun, auch wenn sie es abstreitet.“ „Sie hat es nie abgestritten, Harry. Es hat mit Draco zu tun, ja. Aber ihn trifft keine Schuld. Wirklich nicht.“ „Sondern ?“ „Nein“, meinte Ginny aber nur resolut, worauf Harry stutzte.
„Wie, Nein ?“ „Nein, ich werde nicht mit dir darüber reden. Ich hab. . .“ „Verdammt, Ginny !“, fiel ihr Harry da aber aufgebracht ins Wort. Diese Geheimniskrämerei war schon immer etwas, was er nicht ab konnte. Das brachte nur Probleme mit sich und schürte nicht selten auch Missverständnisse, und vor allem Misstrauen.
„Ich mach mir Sorgen um Hermione, okay ? Sie ist meine beste Freundin. Sie ist wie eine Schwester für mich. Sie ist ein Teil meiner Familie. Und ich ertrag es nicht mehr, sie so rumlaufen zu sehen. Verdammt, ich will ihr doch nur helfen !“ „Das kannst du hierbei aber nicht !“ „Und das weißt du woher ?“, fauchte Harry noch immer etwas aufgebracht.
„Vielleicht hätte ich ja eine Idee, um ihr zu helfen.“ „Unwahrscheinlich.“ „Aber dennoch möglich. Also sag mir endlich was hier gespielt wird. Was hier faul ist. Ich werde dieses Geheimnis mit ins Grab nehmen, wenn es sein muss, aber sag mir verdammt nochmal was hier los ist !“, ließ Harry nicht locker, worauf Ginny ergeben seufzte.
„Na schön. Lass uns nach dem Unterricht in mein Zimmer gehen. Ich will das nicht irgendwo zwischen Tür und Angel besprechen, wo uns jeder belauschen kann“, setzte Ginny noch nach, womit Harry fürs Erste zufrieden war und sie sich beeilten, Trelawneys Turmzimmer zu erreichen. Nach der letzten Stunde verschwand Ginny dann auch, wie versprochen, mit ihm im Turm der Löwen in ihrem Zimmer, welches sie gleich lauschsicher machte. Harry derweil nahm auf einem der beiden Sessel Platz, während sich Ginny in den anderen fallen ließ.
„Also ?“, fragte Harry ruhig. „Was ist so schlimmes passiert ?“ „Nichts, eigentlich. Das ist es ja“, begann Ginny etwas bedrückt und überlegte, wie sie Harry diese verzwickte Geschichte am besten erklären konnte, damit er es richtig verstand, denn für den Moment sah er sie ein wenig irritiert an.
„Du weißt doch noch, dass wir uns im März, als wir Hermione wieder hatten, über Dracos ganze Handlungsweise gewundert haben und alles.“ „Ja sicher. Aber was hat das jetzt mit. . .“ „Sag ich dir“, unterbrach Ginny ihn und sah ihn letztlich an. „Draco liebt sie.“ „Er. . . WAS ?“, stieß Harry ein wenig überrumpelt aus, der auch so glaubte sich gewaltig verhört zu haben, weswegen sich Ginny wiederholte.
„Ich sagte: Draco liebt Hermione.“ „Er. . . er hat sich in sie verliebt ?“, wiederholte Harry, der noch immer leichte Probleme damit hatte, dass eben gehörte richtig zu verinnerlichen und so auch dementsprechend fassungslos kuckte. Ginny derweil schüttelte ruhig mit dem Kopf.
„Nein. Ich habe gesagt er liebt sie. Da besteht ein ziemlich großer Unterschied zwischen verliebt sein und lieben. Und um nochmal auf die Sache im März zurückzukommen, da. . . Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass das damals schon der Fall war.“ „Wa. . . Wie. . . Das . . . das ist doch absurd. Ich meine. . . Wie. . .“ „Du hast ihn damals doch gesehen. Wir alle haben gesehen, wie er sich um Hermione gekümmert und versucht hat, ihr zu helfen. Als sie diesen Anfall hatte, hat er die Tür irgendwie aufgebrochen, um zu ihr zu kommen. Du hast dann doch auch gesehen, wie er sie im Anschluss gehalten hat. Das er wirklich tief erleichtert war, dass es wieder aufgehört hatte. Draco ist sonst ja nicht wirklich dafür bekannt gewesen, dass er irgendeine Art von Emotionen gezeigt hat. Erst recht nicht so etwas wie Fürsorge und Mitgefühl. Aber genau das war es, was wir damals von ihm gesehen haben. Du, ich, Tonks, meine Familie. Wir alle. Aber wir haben uns nichts dabei gedacht, weil wir einfach nur erleichtert waren, dass dieser Fluch aufgehört hat auf Hermione zu wirken. Deswegen, und weil wir Draco nie so etwas zugetraut hätten. Aber. . . Ich hab es in Arizona dann sogar noch deutlicher erlebt. Er hat wie Besessen nach diesem Fluch gesucht und ist letztlich sogar das Risiko eingegangen, bei der Aufhebung des Fluches umzukommen. Wie das am Ende abgelaufen ist, hab ich dir ja schon mal gesagt“, erinnerte sie ihn, worauf er nickte und den kratzigen Kloß, der sich daraufhin in seiner Kehle breit zumachen begann, wieder runterschluckte. Am Ende schüttelte er dennoch, noch immer etwas fassungslos mit dem Kopf.
„Das ist. . . das. . .“, mehr aber brachte Harry nicht heraus und versuchte so auch, seine Gedanken irgendwie zu ordnen, mit denen er dann erstmal zurück im Hier und Jetzt einkehrte und Ginny erneut ratlos, aber auch verwundert ansah.
„Aber . . . uhm. . . Wenn es tatsächlich so ist, dass er . . . uhm . . . also. . . Was ist dann das Problem ? Also, wenn er wirklich. . . Merlin, ich kann das gar nicht richtig glauben“, murmelte er und fuhr sich wirr mit der Hand durch die zerzausten Haare, während Ginny traurig seufzte.
„Glaub es. Du hast die Beiden in den letzten Wochen doch selbst gesehen und erlebt. Wie sie miteinander umgehen und alles. Eben auch zu Hermiones Geburtstag. Draco hat sie beschützt, wie zuvor schon in Hogsmeade, als ihr dieser komische Typ etwas antun wollte.“ „Okay, aber. . . Wieso sind sie dann so . . . so . . . niedergeschlagen ?“ Damit waren sie am eigentlichen Knackpunkt und auch Problem angelangt, was Ginny wieder seufzen ließ, bevor sie Harry traurig ansah.
„Weil Hermione ihn nicht liebt. Zumindest nicht so.“ Wieder blinzelte Harry perplex, weshalb Ginny etwas ausholte. „Draco war letzten Freitagabend mit ihr im Raum der Wünsche und hat sie gewissermaßen zu einem Candle-Light-Dinner ausgeführt.“ „Und Hermione war nicht begeistert ?“ „Doch. Sie hat mir am Samstag total davon vorgeschwärmt, bis ich ihr verklickert habe, dass das kein einfaches Abendessen unter Freunden war, sondern ein 1A Date. Sie wollte es erst als nichtig abtun, hat es dann aber einsehen müssen, dass ich Recht damit hatte. Dass Draco ganz offensichtlich ein spezielles Interesse an ihr hat, was mir damals auf der Party in den Kerkern schon verstärkt aufgefallen ist. Jedenfalls hat er es ihr dann Samstagabend wohl gestanden und. . . Na ja, Hermione hat ihm nicht die gewünschte Bestätigung gegeben, weil sie immer noch in . . . in Ben verliebt ist.“ „Was ? Dieser komische Kerl von vor zwei Jahren ?“ „Genau der. Sie hat von ihm damals nicht nur die Kette, sondern nach dem Ball auch noch eine verzauberte Rose bekommen, die auf seine Gefühlsregung abgestimmt ist. Sie blüht, wenn er an sie denkt und das tut sie auch noch immer. Das ist Hermione ein Zeichen dafür, dass er erstens noch lebt und sie zweitens nicht vergessen hat, wie auch nach wie vor zu lieben scheint. Sie hat mit der Rose dann auch versucht einen Trank zu brauen, um ihn irgendwie per Eule zu erreichen, nur funktioniert das nicht. Sie klammert sich aber daran, was ich irgendwo sogar verstehe. Ben war . . . anders.“ „Anders ?“, stutzte Harry und maß Ginny dann auch ein wenig zweifelnd.
„Hermione weiß doch gar nichts näheres über ihn. Ich mein. . . Er hat sich nur auf dem Ball einmal gezeigt und dann ja auch nicht vollkommen unverhüllt. Sie hat doch nach wie vor keine Ahnung, mit wem genau sie es damals tatsächlich zu tun hatte.“ „Auf alle Fälle nicht mit einem schlechten Menschen“, wandte Ginny rasch ein, da Harrys Aussage eine starke Tendenz in diese Richtung aufwies.
„Denk doch nur mal an die Magie der Kette. Würde ihr jemand so etwas schenken, der ihr Schaden will oder sonst wie etwas Böses mit ihr im Sinn hat ?“ Daraufhin brummelte er, nickte letztlich aber zustimmend, bevor er wieder auf das Eigentliche zurückkam.
„Das erklärt wieso Draco so drauf ist, nicht aber Hermione.“ „Für wie gefühllos hältst du sie ?“, schimpfte Ginny leicht. „Ihr tut es weh, weil sie ihm so weh tun musste. Und ich denke, dass sie sich selbst so sehr quält, weil sie tief in sich eben doch etwas mehr für Draco empfindet, als wirklich nur Freundschaft, wie sie sich selbst einredet. Sie hat ihn geküsst !“ „Sie. . . WAS ? Wann ?“, fiel Harry aus allen Wolken.
„Nach ihrer Geburtstagsfeier. Sie hat sich um seine Verletzung gekümmert, und da ist es irgendwie passiert. So wie sie mir die Sache beschrieben hat, da sind die sexuellen Spannungen wohl einfach zu groß geworden, sodass sich ihr Hirn mal verstärkt ausgeklinkt hat. Sie hat sich dann zwar mit Entschuldigungen rausgeredet und rausgewunden, aber na ja. . .“ „Das ist. . .“ „Das ist das Problem und der Grund für die miese Stimmung. Draco ist nur zu offensichtlich total niedergeschlagen und Hermione quält sich mit ihrem schlechten Gewissen, wie auch der Tatsache, dass Draco ihr verständlicherweise gerade etwas aus dem Weg geht. Deswegen hat er sich jetzt die Tage vermutlich auch in den Kerkern verkrochen.“ „Nachvollziehbar“, murmelte Harry noch immer etwas erschlagen, aufgrund der neuen Informationen.
„Und jetzt ?“, sah Harry nach einer Weile schließlich ratlos zu Ginny. „Das ist die Frage. Wir können hier leider nicht wirklich etwas machen, so gern ich den Beiden bei der Sache auch helfen würde, aber das ist ein Problem, was sie unter sich ausmachen und lösen müssen.“ „Klasse“, stöhnte Harry. „Du wolltest es unbedingt wissen“, erinnerte Ginny ihn, worauf er brummelte und für einen Moment betretenes Schweigen unter ihnen einkehrte.
So hatte Harry auch noch immer verstärkt damit zu tun, den Aspekt zu verarbeiten, wirklich zu begreifen, dass ausgerechnet Draco Malfoy, sich in ihre Hermione verliebt haben sollte. Sie lieben sollte, wie Ginny ihn zu korrigieren wusste. Das wollte ihm dennoch nicht so richtig in den Schädel. Allen voran die Tatsache, dass es wohl schon etwas länger so war, wie Ginny vermutete.
„Seit wann ?“, murmelte Harry schließlich leise vor sich hin, sodass Ginny ihn fragend ansah. „Was ?“ „Was denkst du, seit wann ? Also. . . Du hast gesagt, dass du glaubst, dass das schon . . . dass Draco Mione wohl schon vor der Schlacht. Also. . .“ „Ich weiß es nicht. Es würde aber erklären, warum er sich so um sie bemüht hat und diese ganzen Risiken eingegangen ist. Ihre Flucht aus dem Manor und vor den Todessern, die Sache mit dem Fluch und dann auch die Schlacht in Hogwarts. Er wollte sie damals nicht nach Hogwarts lassen und hat sie im Nachhinein, denke ich, auch bewusst gesucht, um sie zu schützen.“ „Das kommt doch nicht alles von heute auf morgen“, nuschelte Harry wieder etwas nachdenklich vor sich hin, bevor er Ginny verstärkt in Augenschein nahm.
„Haben Blaise und Charlie in der Richtung früher mal etwas angedeutet ?“ „Nicht das ich wüsste. Sie haben ihn vor mir und Mione nur immer in Schutz genommen, von wegen, er wäre nicht so ein Arsch, wie wir ihn sehen. Offensichtlich war das am Ende doch nicht nur so dahingesagt“, lächelte Ginny matt. Harry wiederum schüttelte für sich mit dem Kopf.
„Wenn das stimmt, warum dann das alles ? Ich mein. . . Warum hat er es Blaise und Charlie dann nicht schon früher gleich getan ? Er hätte sich doch auch mit euch. . . Warum hat er uns dann trotzdem so viele Steine in den Weg gelegt ? Wieso der Scheiß mit den Todessern ?“ „Ich weiß es nicht. Aber was die Todesser Geschichte angeht, da. . . Er hat doch gesagt, dass er das nicht wollte. Dass man ihn bedroht hat. Dass man ihm mit dem Tod seiner Eltern und Blaise’ und Charlies, gedroht hat. Wenn ich ehrlich bin, ich weiß nicht, was ich an seiner Stelle getan hätte. Seine Mutter war sicher von Anfang an in deren Gewalt, sodass sie ein Druckmittel hatten, um ihn gefügig zu machen. Wenn ich mir vorstelle, dass die meine Mom. . .“, brach Ginny ab. Zeitgleich lief es ihr eiskalt den Rücken runter. Harry wiederum nickte für sich.
Er begann das alles erst jetzt wirklich richtig zu 100% für sich zu verinnerlichen. Zeitgleich hörte er Dracos Worte von damals wieder, als er ihm den Überfall der Todesser zum Vorwurf gemacht hatte, kurz bevor sie mit Mione nach Arizona aufgebrochen waren.
„. . . Wieso dann das alles ? Warum hast du bei dieser ganzen Scheiße mitgemacht, wenn du das wirklich nicht wolltest ? Wieso hast du sie in die Schule gelassen ?“ „Ich hatte meine Gründe.“ „Gründe ? Was für kranke Gründe kann man für so etwas haben ?“ „Gründe die du nie verstehen wirst, Potter“, hatte Draco ihn damals wütend angezischt. In den Augen des Blonden wiederum hatte ein dunkles, unheilvolles Funkeln gelegen, weswegen Harry ihn dann auch hatte gehen lassen.
Jetzt hier, nach allem was war, begann Harry zu verstehen, was Draco damals vermutlich gemeint hatte. Und er hatte Recht. Wie sollte Harry verstehen, was damals in ihm vorgegangen war ? Seine eigenen Eltern waren zu dem Zeitpunkt immerhin schon seit Jahren Tod. Er hatte dieses Gefühl der Familie so nie kennengelernt und konnte es dahingehend auch nicht im vollen Umfang nachvollziehen, wie zum Beispiel Hermione, die ihre Eltern ja hatte bewusst alles vergessen lassen. Zudem hatte sie sie auch ans andere Ende der Welt geschickt, damit sie sicher waren. Das nächste war, dass er selbst nie allein gewesen war. Er hatte immer seine Freunde um sich gehabt. Den Orden, die Weasleys, Sirius und nicht zuletzt auch Dumbledore, die ihn immer unterstützt hatten. Ihm geholfen hatten. Die ihn auf seinem Weg geführt hatten und für ihn da waren. Er hatte immer irgendwie jemanden gehabt, an den er sich wenden konnte. Er hatte jedem dieser Menschen blindes Vertrauen entgegen bringen können. Sein Leben anvertrauen können. Und er hatte letztlich auch nie so sehr um seine Freunde fürchten müssen. Zumindest nicht zu dem Zeitpunkt, an dem Draco bereits seit über einem Jahr, der Tod und die dunkle Gefahr, direkt im Nacken saß.
Er war nie wirklich auf sich allein gestellt gewesen, ganz anders Draco. Der Blonde hatte absolut niemanden gehabt, an den er sich hätte wenden können. Dem er hätte vertrauen können. Richtig vertrauen. Da war niemand gewesen. Nicht einmal Snape, da der ja so Gefahr gelaufen wäre, seine Tarnung als Doppelspion zu verlieren. Draco hatte in der Tat niemanden an seiner Seite gehabt, der ihm hätte helfen können, sich aus diesem Dunkel zu befreien. Ein Dunkel, welches durch seine Familie bereits so stark präsent und seit seinem ersten Atemzug scheinbar hoffnungslos mit seinem Leben verwoben war.
Zwar hätte er versuchen können beim Orden Schutz zu erbitten. Aber hätten sie ihm so ohne weiteres geglaubt ? Harry wusste von sich selbst, dass er ihm nicht vertraut hätte. Und davon musste auch Draco zwangsläufig ausgegangen sein. Dass man ihm nicht helfen würde. Nicht ohne Vorbehalt. Genauso stellte sich die Frage, ob er damit nicht vielleicht schon das Leben und die Sicherheit seiner Mutter und seiner Freunde gefährdet hätte ?
Was also hätte er anderes tun sollen ? Tun können ? Wie reagierte man, wenn man mit Anfang 16 so sehr unter Druck gesetzt wird ? Wenn man so einer dunklen Bedrohung ausgesetzt ist ? Ihr von Angesicht zu Angesicht gegenüber steht ? Wenn man den eigenen Tod vor Augen hat, wie auch den anderer, die man liebt ? Wenn man ganz allein war ?
„Scheiße“, murmelte Harry schließlich, als sich diese Gedanken immer mehr drehten und ihn so stetig tiefer rissen. Ginny wiederum sah nachdenklich zu ihm. Sie hatte bereits mitbekommen, dass er mit seinen Gedanken immer mehr weggedriftet war und konnte so jetzt auch nicht wirklich deuten, was ihm im Kopf umher ging, von daher fragte sie ihn.
„Woran denkst du ?“ „Was ?“, schrak Harry leicht auf und sah fragend zu ihr. „Woran denkst du ?“, wiederholte sie sich ruhig. „Du siehst nicht so aus, als ob du dir gerade etwas überlegst, wie wir Draco und Hermione wieder ein bisschen mehr zusammen bekommen.“ „Ja. Nein. Nicht wirklich. Ich. . . Ich hab nochmal über alles nachgedacht was war. Diese Todesser Scheiße und . . . ähm. . .“, versuchte Harry sich wieder zu ordnen und beugte sich in seinem Sessel etwas vor.
„Wegen der Sache jetzt, da. . . Keine Ahnung. Ich kann ja vielleicht mal mit Draco reden.“ „Und was willst du ihm sagen ? Ich glaube kaum, dass er sich Ratschläge in gescheiterten Liebesangelegenheiten und dergleichen von dir geben lässt. Wenn überhaupt, dann würde er sich im Moment höchstens an Blaise und Charlie wenden.“ „Sicher. Es ist nur. . .“ „Was ?“, hakte Ginny nach, als Harry nicht weiter sprach. Dieser zuckte dann auch etwas hilflos mit den Schultern.
Er wusste nicht was er zu dieser Angelegenheit noch sagen sollte. Weniger noch, wie er hätte helfen können ? Nur wollte er das. Er wollte Draco nach allem helfen. Er wollte ihm ein richtiger Freund sein, wie er Hermione gegenüber einer war. Bei der Sache jetzt mit seiner Freundin konnte er ihm zwar leider nicht helfen. Zumindest wusste er nicht wie. Anders aber vielleicht.
Er könnte mit seinem Wort dafür sorgen, dass endlich richtig Ruhe einkehrte. Nicht nur in Hogwarts, sondern generell in der Zauberergesellschaft. Er war hier schließlich der Held in dieser Geschichte. Auf ihn und sein Wort, seine Meinung, seine Ansicht, gaben die Menschen etwas. Und mit diesem Einfluss, den er dadurch hatte, konnte er nachwirkend dafür sorgen, dass Draco fair behandelt wurde. Und zwar auf jedweder Ebene. So auch nach ihrem Abschluss, denn Harry war sich leider ziemlich sicher, dass man ihm das Leben auch weiter sehr schwer machen würde. Wegen der Todesser Geschichte. Aufgrund seiner Familie und deren Geschichte. Aufgrund seines Vaters. Ja allein schon aufgrund des Aspektes, dass er dem Haus Slytherin angehörte. Diese Dinge mussten aufhören. Ein für allemal.

۩ ۞ ۩


Später am Nachmittag, nach dem Unterricht, schlugen Hermione und Draco gleichermaßen gefrustet wieder in ihrem Turm auf. Und das mit noch schlechterer Laune als ohnehin schon, denn McGonagall hatte die Beiden nach dem Unterricht kurz zu sich gebeten und sich nach den Fortschritten, bezüglich der Planung des Halloweenballes erkundigt. Immerhin rückte der immer näher, sodass sich die Schulleitung allmählich um diverse Bestellungen kümmern musste. Dekorationen mussten her, entsprechende Musik, Getränke, Speisen und was nicht noch alles zu so einer ausgefallenen Feierlichkeit gehörte.
So hatte die Direktorin Draco und Hermione das Versprechen abgenommen, dass sie am Samstag eine Liste und einen entsprechenden Plan, für alles fertiggestellt hatten, sodass man sich an die nähere Umsetzung machen konnte, damit dann alles reibungslos ablief. Wirklich begeistert von der Tatsache, sich wegen der Feierlichkeit am Abend noch hinsetzen zu müssen, war keiner der Beiden. Ja sie hätten sich am liebsten um die Planung und Feier an sich gedrückt. Nun aber saß McGonagall ihnen im Nacken, sodass sie in den sauren Apfel beißen mussten. Merlin sei Dank, gab es nicht mehr sehr viel abzustimmen. Dennoch lagen in ihren Fächern noch diverse Anregungen und Wünsche der Schüler, die sie nochmal aufarbeiteten.
„Kostüme“, murmelte Hermione, als sie die Bitte eines Viertklässlers zur Hand hatte. Draco blockte den Wunsch aber gleich ab. „Vergiss es. Wir sind hier nicht im Kindergarten. Ein Kostümball kommt nicht in Frage !“, entschied er stur, was sie einfach nur abnickte. Sie wollte nicht mit ihm darüber diskutieren, zumal sie es auch unpassend fand. Allerdings kam ihr dann ein anderer Gedanke.
„Wir könnten es auch auf Masken beschränken. Das hätte dennoch ein wenig den Effekt.“ „Wenn’s sein muss“, knurrte Draco über seine Notizen der Buffetzusammenstellung. „Dann würden die ganzen Idioten vielleicht auch mal etwas unbefangener an alles rangehen, wenn sie nicht gleich auf den ersten Blick wissen, mit wem sie es zu tun haben“, murrte er angefressen, da die Schüler seines Hauses nach wie vor vom Großteil der Anderen getreten wurden. Gerade die Unterstufen, die sich deshalb nach dem Unterricht schon regelrecht in ihren Gemeinschaftsraum flüchteten.
Hermione wiederum wurde ein wenig melancholisch, als sie zwangsläufig an die Veranstaltung von vor zwei Jahren zurück dachte. So verlor sich ihr Blick ein wenig in der Vergangenheit und sorgte dafür, dass sie im Geiste diesen Abend erneut ein wenig durchlebte. Das aber mit einem ziemlich bitteren Beigeschmack, denn die Rose war nach wie vor welk. Sie war nicht wirklich verblüht oder vertrocknet, sondern nur welk. Kränklich, beschrieb es am besten, was vermutlich irgendwie auch auf Ben zu traf. Und das bereitete ihr, neben den Problemen und dem Kummer, den sie mit Draco hatte, noch zusätzlich Bauchschmerzen. Etwas, was im nächsten Moment sogar noch ein wenig schlimmer wurde, denn Draco war ihre plötzlich abwesende, leicht verträumte Mimik aufgefallen. Und der Schluss, den er daraufhin für sich zog, ließ ihn ziemlich sauer aufstoßen. Es war für ihn nur zu offensichtlich, dass Hermione gedanklich gerade bei wem-auch-immer war. Dass sie sich wohl vorstellte, wie sie mit ihrem Date auf der Feier tanzte und alles. Merlin, er hätte daraufhin am liebsten gekotzt. Stattdessen ramschte er seine Unterlagen recht schlampig zusammen, wodurch Hermione aus ihrem Tagtraum erwachte und ihn verwundert ansah.
„Was ist ?“, fragte sie irritiert. „Ich leg mich hin, ich hab Kopfschmerzen. Den Rest mach ich morgen“, murrte Draco ausweichend und verschwand in sein Zimmer. Nicht aber ohne die Tür doch etwas lauter hinter sich zuschlagen zu lassen, sodass Hermione unten zusammenzuckte. Kurz darauf wurde ihr klar, was ihn gerade gestochen hatte. Er hatte ihr ihre Gedanken an Ben nur zu offensichtlich an der Nasenspitze ablesen können. In der nächsten Sekunde stöhnte sie aufgrund dessen und ließ den Kopf frustriert auf ihren Tisch sinken.
„Ganz toll gemacht, Hermione“, schimpfte sie auf sich selbst, bevor sie sich zur Strafe die Haare raufte. Kurz darauf schob sie bekümmert die Arme vor sich zusammen und bettete ihren Kopf darauf. Ihr Blick derweil verlor sich ein wenig in der Leere des Raumes, als ihre ganzen Emotionen in ihr wieder verstärkt hochkochten.
Der ganze Stress mit Draco, aber auch die Sorge um Ben. Das alles trieb ihr nach und nach die Tränen aus den Augen und schürte zudem eine stille Verzweiflung in ihrem Innern. Warum musste das alles gerade so scheiße laufen ?

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Kaum in seinem Zimmer, belegte Draco seine Tür auch schon gleich mit allen nur erdenklichen Zaubern, um diese gänzlich zu versiegeln, bevor er sich bäuchlings auf sein Bett warf und seine Wut, wie auch den Frust in eines seiner Kissen hinein schrie. Als der erste stumpfsinnige Anflug von Wut abebbte, drehte er den Kopf verbittert zur Seite und sah ausdruckslos aus seinem Fenster, hinter dem es bereits wieder Dunkel geworden war. Es war eine schwarze Dunkelheit, die er scheinbar auch in seinem Innersten für sich gepachtet hatte.
Er hätte sich für seine Handlungsweise jetzt am liebsten zwar selbst in den Hintern getreten, ihr verträumter Blick gerade eben, hatte das Fass jedoch binnen Sekunden einfach überlaufen lassen. Er hatte schlagartig wieder die bittere Tatsache glasklar vor Augen gehabt, dass er die Löwin nie an seiner Seite wissen würde. Er hatte erneut überdeutlich gesehen, dass er sie an einen namenlosen Niemand verloren hatte. Ein Niemand, der zu der Feier mit Sicherheit aber einen Namen und ein Gesicht bekommen würde, und Merlin wusste, es war besser Draco würde diesen Jemand nie zu Gesicht bekommen. Er würde sonst nur etwas Dummes machen, ob er wollte oder nicht. Dafür war er zu sehr Schlange, als das er seine Handlungen und kleinen Intrigen gänzlich abstellen konnte. Er würde Hermiones Beziehung aus dem Unterbewusstsein heraus irgendwie torpedieren, dessen war er sich sicher.
So graute es ihm jetzt nur noch mehr vor diesem scheiß Abend, denn als Schulsprecherpaar hatte er die nun leidige Pflicht, den Ball mit seiner Partnerin zu eröffnen. Vergangene Woche hätte er sich noch nichts Schöneres vorstellen können, als mit der Löwin zu tanzen, die mit Sicherheit wieder umwerfend aussehen würde. Jetzt empfand er diese Pflicht irgendwo, wie den Gang zum Henker. Ätzend.
Zwar waren es noch knapp drei Wochen, 19 Tage um ganz genau zu sein, bis der Hammer fiel. Dieser aber würde fallen, ganz gleich, was die nächsten Tage noch passieren würde. Und wenn er fiel, würde Draco ganz sicher nicht anwesend sein und sich das Schauspiel mit ansehen. Er würde diesen blöden Eröffnungstanz hinter sich bringen und dann wieder in ihren Turm verschwinden, in der Hoffnung, dass Hermione die Güte besaß, wen-auch-immer nach der Feier nicht mit hoch zubringen. Vielleicht waren die Kerker da doch die sicherere Option. Er würde sehen.
Für den Anfang aber verschwand er im Bad und machte sich bettfertig. Kopfschmerzen bekam er nämlich wirklich langsam. Und darauf konnte er verzichten, wie auch auf diese scheiß Albträume. So kippte er sich am Ende nicht nur einen Trank gegen Kopfschmerzen hinter, sondern auch zwei von Daniels Traumlostränken, in der schwachen Hoffnung, dass die doppelte Dosis zumindest etwas ihre Wirkung tat.

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Als Hermione später am Abend ins Bett wollte, fand sie Krummbein vor Dracos Tür sitzend. Dieser miaute erbärmlich und kratzte zudem am Holz der Tür. Als er Hermione bemerkte, klagte er noch mehr und bearbeitete ein weiteres Mal die Tür, sodass sich die Hexe zu dem Fellknäuel in die Hocke sinken ließ und den Kater etwas wehmütig streichelte.
„Er fehlt dir, hm ? Mir auch“, gab sie dem Kniesel bedrückt zu verstehen und hob ihn schließlich hoch, wo sie das Gesicht kurz in dessen Fell vergrub. Krummbein miaute aber auch weiter lautstark und blickte zurück auf die verschlossene Tür, auf die auch Hermione traurig sah.
Sie wollte, wie ihr Kater, wieder zu ihrer Schlange, nur war das im Moment alles andere als fair Draco gegenüber. Immerhin hatte er ihr am Morgen recht deutlich gesagt, wie es in ihm aussah. Wie er sich in ihrer Nähe fühlte, allen voran, dass er diese nicht wollte. Nicht ertrug, wenngleich sie selbst sich irgendwo schon nach seiner verzehrte. Nach dieser beruhigenden Wärme, die sie in seinen Armen fand. Tiefe Ruhe und Sicherheit.
Sie war egoistisch. Das wusste sie. Es war total egoistisch von ihr, das von ihm haben zu wollen und ihm im Gegenzug scheinbar so gefühllos zu begegnen. Zwar wusste sie, dass ihm ihre Nähe bis Dato auch irgendwie geholfen hatte, und offensichtlich auch noch immer half, wie sie im Krankenflügel gesehen hatte. Sie glaubte nicht, dass es an Madam Pomfreys Tränken gelegen hatte, dass er dann ruhiger geworden war. Wenn doch, hätte er die Tage, die er in den Kerkern geschlafen hatte, ja auch besser schlafen müssen, was nicht der Fall war.
Aufgrund dieser Gedanken streckte sie etwas zögerlich die Hand nach der Türklinke aus und legte diese schließlich auch darauf. Sie würde ihn nicht belästigen, sondern wollte einfach nur kurz nach ihm sehen. Sehen, ob alles in Ordnung war. Sehen, ob er ruhig schlief, womit sie all ihren Gryffindor Mut zusammen nahm und die Klinke behutsam nach unten drückte. Die Tür aber gab nicht nach, sodass ihr nur einen Moment später bitter bewusst wurde, dass er abgeschlossen hatte. Sich ein- und sie damit ausgeschlossen hatte, was ihr erneut einen Stich ins Innerste versetzte.
Sie ließ den Kopf sinken, sodass ihre Stirn letztlich an dem kühlen Holz ruhte, welches sie von ihm trennte. Krummbein besah es sich kurz ruhig, bevor er wieder fordernd miaute und sich etwas im Griff der Löwin wand. Diese blickte daraufhin entschuldigend zu ihrem dicken Kater, dessen gelbgrüne Augen sie auffordernd ansahen. Schon irgendwie drängend. Hermione aber lächelte matt und strich sich mit der freien Hand die neuen Tränen von den Wangen.
„Ich weiß was du willst, aber es geht nicht. Draco will mich im Moment nicht sehen“, erklärte sie dem Kater und kuschelte sich schließlich wieder mehr in dessen Fell, bevor sie noch einmal einen kurzen Blick auf die verschlossene Tür warf. Im Anschluss daran, verschwand sie mit ihrem Knieselkater in ihrem Zimmer, wobei Krummbein den Kopf nochmal nach hinten drehte und ein letztes Mal protestierend miaute.
„Vielleicht haben wir Zwei morgen ja etwas mehr Glück“, meinte Hermione zu ihm, obwohl sie selbst keine wirkliche Hoffnung darauf legte.

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Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ


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Daniel musste nicht nur schwimmen, spielen, Dialoge sprechen und auf Monster reagieren, die später per Computer hinzugefügt wurden, sondern er trug dabei auch Schwimmflossen an Händen und Füßen. All das absolvierte er sieben Meter tief unter Wasser in völliger Dunkelheit – bis ihm die Luft ausging und er das Zeichen gab: Einer der Stuntleute schwamm dann zu ihm hin und gab ihm seine Sauerstoffmaske zurück. Eine wirklich unglaubliche Leistung.
Greg Powell über Unterwasser-Dreharbeiten