Gut gelaunt und äußerst befriedigt, kehrte Lucius in ihr neues Versteck in South Wales zurück. Wie er seinen Komplizen mitgeteilt hatte, war das kleine Landhaus weiter nichts Besonderes. Es war nicht mehr als unteres Mittelmaß, nahm er sich seine gehobenen Standards. Die Anderen aber schienen recht zufrieden damit zu sein. Vermutlich, da es ihrem früher gelebten Stil recht gleich kam. Und nach Askaban gab man sich auch mal mit Drittklassigem zufrieden.
„Ach. Auch wieder da ?“, schnarrte Alecto ihm entgegen, die für ihre Verhältnisse wieder vorzeigbar war, wie auch die anderen. Dennoch war und blieb sie in Lucius’ Augen die so ziemlich unattraktivste Frau, die er je zu Gesicht bekommen hatte.
„Gewisse Geschäftspraktiken erfordern nun mal ihren Einsatz. Andernfalls wären wir jetzt nicht hier“, deutete er ihr auf den kleinen Salon, worauf sie schnaubte und sich von ihm abwandte. Lucius nahm es zufrieden zur Kenntnis, dass er sich durch die Sache mit dem Unterschlupf wieder etwas mehr Raum erspielt hatte. Die Anderen waren zwar auch weiterhin alles andere, als gut auf ihn zu sprechen, allerdings begannen sie sich, auf abfällige Blicke und hin und wieder ein böses Wort zu beschränken. Sie hatten eingesehen, wenn auch ungern, dass er für ihre Unternehmung, die ihres Retters, von Wert war und ihm die Schattengestalt in der Tat nicht grundlos ebenfalls zur Flucht verholfen hatte.
Wer dieser Mann war, darüber zerbrach sich Lucius jedoch noch immer den Kopf. Aber solange sie nichts mehr von ihm hörten, konnte er auch keine weiteren Vermutungen anstellen, was sich überraschend änderte, als Dolohow mit Crabbe und Goyle das Zimmer betrat. Und das mit einem interessierten Blitzen in den Augen.
„Du bist auch wieder da ? Trifft sich gut. Vorhin kam eine Eule“, begann Antonin. „Eine Eule ?“, stutzte Lucius. Sein Gegenüber nickte und ließ sich plump in einen der Ledersessel am Kamin fallen. „War an dich adressiert. Allerdings dachten wir uns, wir schauen lieber mal rein.“ „Natürlich“, schnalzte Lucius leicht sarkastisch und trat ebenfalls näher.
„Darf ich denn erfahren, was in meinem Brief stand ? Und von wem er kam ?“ „Das war auch die Frage, die wir uns gestellt haben. Offensichtlich wollte sich unser Retter mit dir in Verbindung setzen. Merlin allein weiß warum gerade mit dir, aber egal“, schnarrte Dolohow abwertend, während Lucius sich damit begnügte, minimal etwas tiefer durchzuatmen.
Auch wenn es ihm schwer fiel, er musste die Füße still halten und sich ihre Abfälligkeiten auch weiter bieten lassen. Was er wiederum davon halten sollte, dass sich ihr ominöser Retter gerade an ihn richtete, wusste er noch nicht. Ob es ihm hilfreich war gegen die Anderen, die ihm so vielleicht wieder mehr Achtung entgegen brachten, oder ob er beunruhigt sein sollte, denn sie könnten ihm aufgrund dessen auch wieder stärker misstrauen.
Für den Moment würde er die Sache mit Vorsicht und dem nötigen Abstand angehen, denn die Blicke, die ihm seine Mitkumpane zuwarfen, gefielen ihm nicht wirklich. Sie waren misstrauisch.
„Was schreibt er ?“, verlangte Travers schließlich zu wissen, da Dolohow keine Anstalten machte, Lucius den Brief zu geben. Stattdessen nahm er sich diesen selbst wieder mehr und überflog nochmal die Zeilen, bevor er sich an die Anderen richtete, um ihnen zu erklären.
„Offensichtlich hat er Pläne. Er schreibt von einem Relikt, was sich wohl im Ministerium in der Mysteriumsabteilung unter Verschluss befindet. Das will er haben.“ „Im Ministerium ? Jetzt sag mir noch, wir sollen dort einbrechen ? Das ist doch Selbstmord !“, ereiferte sich Yaxley, dem der Rest nickend beipflichtete. Dolohow indes erklärte weiter.
„Deswegen sollen wir wohl für etwas Unruhe und Ablenkung sorgen“, grinste er teuflisch. „Im Ministerium ?“, zeterten Alecto dennoch. Dolohow aber schüttelte mit dem Kopf. „Nicht direkt. Wobei. . .“, wieder sah er in den Brief.
„. . .stiftet Unruhe. Im Ministerium und unter der Bevölkerung. Sorgt dafür, dass absolutes Chaos im Ministerium herrscht und sie ihre Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigen. Sorgt für einen Großeinsatz der Auroren, der sie so lange wie möglich beschäftigt und der Bevölkerung das Vertrauen in das Ministerium nimmt. Überfordert sie. . .“, las Dolohow und blickte wieder auf. Grinsend.
„Sollte nicht weiter schwer sein. Die sind doch bereits total überfordert. War ja auch letztens im Tagespropheten zu lesen. Unsere Flucht scheint nicht gut angekommen zu sein“, grinste er noch mehr, worin die übrigen einstimmten. Schließlich sah er zurück auf den Brief, in dem er nochmal kurz las.
„Wir sollen einfach ein bisschen Ärger machen, wenn ich das richtig versteh. Um das Ding will er sich wohl selbst kümmern, wenn genug Chaos im Ministerium herrscht.“ „Hat er geschrieben, um was es sich dabei handelt ?“, erkundigte sich Lucius nun auch etwas neugierig geworden.
Einige wenige Dinge, die im Ministerium unter Verschluss waren, waren ihm bekannt. Nicht zuletzt auch aufgrund seiner unschönen Auseinandersetzung mit Potter und seinen verfluchten Freunden vor gut zwei Jahren. Und diese Objekte waren in der Tat recht machtvoll, aber auch gefährlich. Zu gefährlich, weswegen auch der Dunkle Lord nicht von diesen Gebrauch gemacht hatte. Teils sicher auch, weil er nicht damit gerechnet hatte, zu Fall gebracht zu werden, aufgrund dieser Siegel, die er erschaffen hatte. Dieser Horkruxe. Er war sich seinerzeit zu sicher gewesen. Seiner Macht, was ein Fehler war. Das und die Tatsache, dass sie zwei gefährliche Verräter in den eigenen Reihen gehabt hatten.
„Nicht wirklich“, grunzte Dolohow und sah Lucius schließlich mit schräg gehaltenem Kopf an. „Weißt du was ?“ „Worüber ?“, fragte Lucius, der sich etwas unbehaglich unter den Augen der anderen zu fühlen begann, die ihn zunehmend mit bohrenden Blicken taxierten. Dolohow derweil, wedelte etwas mit dem Brief hin und her.
„Über dieses komische Relikt, oder unseren Retter selbst ?“ „Nein. Weder das eine, noch das andere. Ich bin genauso schlau wie ihr“, erklärte er, was den Rest nur minder befriedigte. Dolohow verzog dann auch schon etwas das Gesicht, bevor er sich den Brief wieder nahm. Kurz darauf blickte er in die Runde.
„Also. Vorschläge ? Was denkt ihr, wie können wir am ehesten aus dem Ministerium einen aufgescheuchten Hühnerstall machen ?“ „Wir könnten die Winkelgasse ein bisschen auf Vordermann bringen“, grinste Amycus. „Oder Hogsmeade“, warf Goyle dazwischen, in dessen Augen es boshaft glitzerte.
„Vielleicht erwischen wir dann ja jemand Spezielles“, meinte er weiter und warf einen unheilvollen Blick auf Lucius, der ganz genau wusste, worauf der alte Goyle anspielte, was ihm gerade weniger in den Kram passte, denn er hatte seine ganz eigenen Rachepläne für Draco. Am Ende meldete sich dann aber auch Dolohow wieder zu Wort.
„Hogsmeade sollten wir erstmal außenvorlassen.“ „Und warum ?“, grunzte Goyle ungehalten. „Genau ! Dort hätten wir gute Chancen Malfoy und Potter zu erwischen !“, argumentierte Crabbe, der sich bereits ein wenig die Fäuste knetete, die gefährlich knackten. Dolohow aber schüttelte mit dem Kopf.
„Wir sollen das Ministerium aufscheuchen. Das Dorf ist zu klein und unbedeutend, als dass es genug ins Gewicht fallen würde.“ „Wenn wir Potter erwischen sicher nicht mehr“, warf Travers ein. „Und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir ihn erwischen ? Eher gering. Wenn wir an ihn rankommen wollen, müssen wir uns vorher einen vernünftigen Plan machen. Der Bengel hat doch mehr Glück als Verstand ! Zudem wären das Ministerium und die Auroren gewarnt, wenn wir uns speziell das Dorf vornehmen. Die Winkelgasse macht sich da besser. Sie ist neutraler und neben dem Ministerium einer der zentralsten Plätze. Das Mungos und die Redaktion des Tagespropheten wären auch noch eine gute Option“ sinnierte Dolohow ein wenig und lehnte sich letztlich etwas in seinem Sessel vor. Seinen Zügen war abzulesen, dass er sich gerade etwas zusammenspann. Schließlich grinste er diabolisch und sah zu Lucius, dem dieser Blick alles andere als behaglich war.
„Wie sieht es eigentlich mit deinen Fähigkeiten in Sachen Vielsafttrank brauen aus ?“ „Ich beherrsche die Rezeptur. Warum fragst du ?“ „Weil mir eben noch ein Gedanke kam, wie wir wirklich das ultimative Chaos anrichten können. Und dabei, mein lieber Lucius, wirst du eine zentrale Rolle übernehmen“, offenbarte er ihm, worauf er schluckte.
„Was hast du vor ?“, fragte er, obwohl er es eigentlich nicht wirklich wissen wollte. Dolohow erklärte seinen Plan dann allerdings, der allen, bis auf Lucius, ein ziemlich durchtriebenes Grinsen auf die Züge zauberte.
„Und wann ?“, fragte Travers enthusiastisch. Dolohow zuckte mit den Schultern. „Den Trank zu brauen dauert gut einen Monat.“ „Eher länger. Du vergisst, dass der Stand des Mondes ebenfalls eine Rolle spielt. Genauso müssen wir sehen, dass wir die Zutaten irgendwo herbekommen. Vor allem die Baumschlangenhaut und das Horn eines Zweihorns“, erinnerte Lucius ihn, worauf er nickte.
„Jaah, da war ja noch was. Die Zutaten für den Trank könnte uns allerdings deine Bekannte beschaffen. Es sollte nicht das Problem sein, die in der Knockturn Alley zu besorgen. Der alte Borgin hat doch immer sowas auf Lager“, grinste Dolohow nun wieder, bevor er auf das Wann zurückkam.
„Vor Dezember wird das dann aber vermutlich nichts mehr werden“, resümierte Dolohow ein wenig zerknirscht. „Wir können vorher ja trotzdem schon ein bisschen Präsenz zeigen“, warf Amycus grinsend ein, dem es bereits gewaltig unter den Fingern juckte, ein wenig aktiv zu werden. Dolohow schüttelte aber mit dem Kopf.
„Nein. Ich denke es ist besser, wir holen zu einem richtig großen Schlag aus. Wenn wir uns jetzt schon verstärkt zeigen, lässt ihnen das trotz allem Zeit, Maßnahmen zu ergreifen und Vorkehrungen zu treffen. Wir sollten sie noch etwas in dem Glauben ihres Friedens lassen, um sie dann umso stärker zu treffen.“ „Denkst du ER will so lange warten ?“, warf Lucius ein, dem der Plan, oder besser, sein Part in diesem Plan, nicht schmeckte, denn er sah sich gewissermaßen als Bauernopfer und Löwenfutter. Dolohow ließ sich davon aber nicht beirren.
„Hey, er hat nicht geschrieben wann und wie. Und da er nicht hier ist und wir bis jetzt keine Möglichkeit haben, mit ihm Kontakt aufzunehmen, gehen wir das so an, wie ich gesagt habe. Wenn es ihm zu lange dauert oder sonst was, wird er uns sicher wieder eine Eule schicken. So aber bleibt uns mehr als genug Zeit, um uns richtig zu organisieren und alles durchzuplanen, damit diesmal nichts schief geht.“
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„MALFOY !“, donnerte Ron fassungslos durch den Gemeinschaftsraum, den Draco jedoch insoweit ignorierte, dass er dem Rotschopf lediglich über den Mittelfinger zeigte, was er von seinem Gebrüll hielt. Ron trieb es allerdings nur noch mehr zur Weißglut. „Er betritt euer Terrain ! Eure Schutzzone !“, donnerte die Stimme in Rons Kopf seit langem wieder, die allein auf den Anblick des Blonden an Kraft gewann. Diese wurde noch zusätzlich durch die Wut des Rotschopfes genährt, der dann auch schon seinen Zauberstab bei der Hand hatte. Ginny sah es allerdings und entwaffnete ihren Bruder schneller als er auch nur denken konnte.
„Spinnst du ? Gib den sofort wieder her !“, fauchte Ron aufgebracht. Ginny funkelte ihn aber nur wütend an und schnappte sich stattdessen Dracos Hand, den sie hinter sich her zog. „Komm dann zu mir rüber“, meinte sie nur noch zu Harry, der nickte und seinerseits in seinem Schlafsaal verschwand, um die Karte zu holen. Ron ignorierte er, der nicht wusste, wem er zuerst hinterher rennen sollte ? Seiner Schwester, die mit dieser dämonischen, weißen Schlange in ihrem Schlafzimmer verschwunden war, oder Harry, den dieser Aspekt nicht im Geringsten zu kümmern schien. Überhaupt. Ron fragte sich ernsthaft, was die Beiden geritten hatte, diese miese Schlange in ihren Turm zu schleppen ?! „Es ist Malfoy ! Er manipuliert sie. Sie sind ihm bereits zu Diensten. Merlin allein weiß, was sie gerade vorhaben. Was Malfoy vorhat !“, warnte ihn die Stimme, sodass er Harry in den Schlafsaal folgte, da Ginny ihn achtkantig aus ihrem Zimmer fluchen würde. Kaum in den hohen Räumlichkeiten, entdeckte er Harry in seinem Schrankkoffer, in dem der Schwarzhaarige halb verschwand.
„Habt ihr jetzt komplett den Verstand verloren DEN in unseren Gemeinschaftsraum zu lassen ?“, donnerte Ron. Harry ignorierte ihn aber, ähnlich wie Draco zuvor und suchte weiter nach der Karte, die er schließlich in einem Nebenfach entdeckte und sich zu Ginny ins Zimmer schleichen wollte. Als Ron sah, was Harry gesucht hatte und nun wohl nur zu offensichtlich dem Frettchen zeigen oder gar geben wollte, stellte er sich ihm prompt in den Weg und blockierte die Tür.
„Geh rüber“, murrte Harry leicht angesäuert und sah den Rotschopf warnend an. „Was willst du mit der Karte ?“ „Etwas nachsehen.“ „Du oder Malfoy ?“, schoss Ron, was Harry überging und sich stattdessen versuchte, an seinem ehemals besten Freund vorbeizuschieben. Nur hielt Ron ihn nun am Arm fest.
„Du kannst dem die Karte nicht zeigen !“ „Er weiß von der Karte. Ich. . .“ „Wie, er weiß von der Karte ? Woher ? Hast du ihm die etwa schon mal gezeigt ?“, fiel Ron aus allen Wolken, denn die Karte war, neben Harrys Umhang, das so ziemlich Wertvollste, was ihnen in all den Jahren nicht selten den Hals gerettet hatte. Und jetzt. . . Jetzt verriet er das an den Feind ?
„Jetzt krieg dich mal wieder ein“, schnaubte Harry. „Es ist nichts dabei. Wir. . .“ „Nichts dabei ?“, brauste Ron sofort wieder auf und fuchtelte wild mit den Armen. „Man Harry ! Ist dir eigentlich klar, was der alles machen kann, wenn er die Karte hat oder auch nur irgendwelche Geheimgänge auf ihr sieht ? Er. . .“ „Hör auf !“, fuhr ihm Harry da aber gleich erbost dazwischen und funkelte Ron immer wütender an.
„Ich will diesen Scheiß nicht mehr hören ! Wenn du dich nicht endlich zusammenreißt und aufhörst gegen Draco und die anderen Slytherins zu schießen, waren wir die längste Zeit Freunde !“, blaffte Harry, worauf Ron die Züge gänzlich entglitten.
„Das glaub ich jetzt nicht“, murmelte Ron geschockt, bevor ihn die Wut wieder packte und er Harry anschrie. „Soll das heißen du tauschst mich gegen DEN aus !?“ Harry schüttelte auf diesen dummen Gedanken jedoch mit dem Kopf und sah den Rothaarigen auch weiter warnend an.
„Ich tausche meine Freunde nicht aus. Allerdings hab ich es satt, mir deine Hasstiraden anzuhören. Weißt du warum ich Dracos Hand damals ausgeschlagen hab ? Weil ich ihm ein paar Tage zuvor bei Madam Malkins schon begegnet war und ihn dort von seiner miesen Seite erlebt hatte. Genauso, weil er später im Hogwarts Express so herablassend und abwertend zu dir war. Mit solchen Leuten wollte ich nichts zu tun haben. Mittlerweile führst du dich aber so auf. Meiner Meinung sogar noch schlimmer“, piekte Harry Ron mit dem Finger gegen die Brust, dem auf Harrys Worte fassungslos der Kiefer runter klappte.
Harry verglich ihn jetzt nicht wirklich mit dem Frettchen, oder ? Das konnte er nicht. Er war hier doch der Gute ! Er hatte von Anfang an auf der guten Seite gestanden und Harry so auch Jahr für Jahr beigestanden. Sie waren durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Durch Dick und Dünn. Er war immer für Harry da gewesen. Er war ein guter Freund, verdammt ! Er war nicht wie Malfoy. Er war nicht so ein mieser, verlogener, heuchlerischer Arsch.
„Das meinst du nicht wirklich ernst ?“, murmelte Ron noch immer fassungslos. Harrys brennender Blick bewies ihm jedoch das Gegenteil. „Verhalt dich weiter so und du siehst wie ernst mir das ist ! Und jetzt geh mir endlich aus dem Weg“, zischte Harry warnend. Ron machte aber auch weiter keine Anstalten ihn vorbei zu lassen.
„Komm schon Harry. Ich. . . Wir haben doch immer zusammen alles. . . ARGH !“, schrie Ron plötzlich erschrocken auf, als sich von hinten etwas geflügeltes mit Krallen auf ihn stürzte, sodass er zur Seite wich und kurz schreiend durch den Schlafsaal rannte. Beinahe zeitgleich wurde der Raum von amüsiertem Gelächter ausgefüllt, was zu Draco gehörte, der neben Ginny in der Tür des Schlafsaales stand.
„Fünf Punkte für Gryffindor, für diesen ausgezeichneten Flederwicht !“, schmunzelte er Ginny an, die Ron aber noch immer giftig taxierte, bevor Harry Erbarmen mit ihm hatte und Ginnys Kreatur verschwinden ließ.
„Kommst du ?“, richtete sich die Hexe anstandslos an Harry, der einfach nur nickte. Zurück blieb Ron in stiller Fassungslosigkeit. Er konnte noch immer nicht glauben, was Harry ihm da eben an den Kopf geworfen hatte.
Das hier lief falsch. Das lief alles total falsch. Es konnte doch nicht sein, dass Malfoy so leicht bekam was er wollte, trotz all seiner Schandtaten. Er war der Böse ! Er war es immer und würde es immer sein. So einer änderte sich nicht. Vor allem nicht von heute auf morgen ! Erst machte er sie jahrelang systematisch fertig und jetzt wollte er einer der Guten sein ?! „Malfoy ist ein Blender“, erinnerte ihn die kalte Stimme. „Er weiß sich richtig zu präsentieren. Zur richtigen Zeit das richtige sagen. Das richtige tun. Sein ganzes Verhalten ist überaus perfide und berechnend. Geplant. Er ist wie Riddle. Er wird sich auch weiter unscheinbar geben, bis niemand, wirklich niemand mehr damit rechnet und dann. . .“, verhallte die dunkle Stimme mit einem mal tief und bedrohlich in Rons Kopf, in dem sich stattdessen schwarze Schatten auftaten und ihm aufzeigten, was dann sein würde.
Für einen kurzen Moment glaubte Ron sich wieder mitten in der großen Schlacht zu befinden. Er sah in dem plötzlich zwielichtigen Dunkel das Schloss in Trümmern liegen. Dunkler Rauch stieg auf, der von vereinzelt züngelnden Feuern herrührte und über seinem Kopf grünliche Rauch- und Nebelschleier generierte. Als er in den verhangenen Himmel blickte, glaubte er zwischen dem Dunst das Dunkle Mal unheilvoll an diesem schimmern zu sehen.
Kurz darauf verloren sich die blauen Augen wieder auf dem Trümmerfeld, über das er plötzlich ein paar Gestalten in den Schatten umher huschen sah, die sich bei näherem Hinsehen als Malfoy und Zabini entpuppten. Die beiden Schlangen trugen tiefschwarze Roben, an denen noch feucht frisches Blut klebte. Genauso an ihren Händen, wo Ron noch einen kurzen Blick auf Malfoys Arm erhaschte, auf dem er nur zu deutlich das Dunkle Mal hervorblitzen sah, welches sich gestochen scharf auf der sonst so schneeweißen Haut der Schlange abzeichnete.
Als sich sein Blick darauf fixierte, erkannte er noch zusätzlich etwas, was nicht sein konnte und dennoch war. Die Schlange bewegte sich ! Ron konnte nur zu deutlich sehen, wie sich dieses schwarze Etwas regte und durch den Totenkopf schlängelte, was ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Das konnte nicht sein. Voldemort war doch tot ! Harry hatte ihn vernichtet. Er selbst hatte es mit eigenen Augen gesehen. Er hatte gesehen, wie dieses weiße Monster zu Boden gegangen war. Was also hatte das zu bedeuten ?
Verstört und verängstigt aufgrund dessen, machte er einen Schritt nach hinten und trat so auf irgendetwas morsches, was ein verräterisches Knack erzeugte. In seinen Ohren aber kam es einem Donnerschlag gleich. Und damit schien er nicht allein zu sein, denn die beiden Schlangen, keine 5 Meter vor ihm, neigten den Kopf in seine Richtung.
Als sich ihre Blicke trafen, drohte Ron für einen kurzen Moment das Herz stehen zu bleiben, als er Malfoy in die Augen sah. Auch wenn er der Schlange nie weiter in die Augen geblickt hatte, wusste Ron dennoch, dass sie sehr hell waren. Die Augen, in die er jetzt aber schaute, waren vollkommen schwarz. Nicht nur die Iris, die die eigentliche Farbgebung ausmachte war schwarz, sondern auch die sonst weiße Sclera.
„Nein“, murmelte er fassungslos vor sich hin, während sich auf Malfoys Zügen ein diabolisches Grinsen breit machte. Ron gewahrte so nur noch aus den Augenwinkeln, wie Malfoy den Zauberstab hob. Das nächste, was er registrierte war ein giftgrüner Lichtblitz, der in seine Richtung schoss. . .
„NEIN !“, schrie er verschreckt auf und riss schützend die Arme hoch, was ihm gegen diesen Fluch herzlich wenig nützte. Nur geschah nichts. Auch Sekunden später nicht, sodass er die Arme zitternd etwas runter nahm und sich in seinem Schlafsaal wiederfand, in den er keuchend blickte.
„Was zur Hölle. . .“, murmelte er noch immer total verschreckt mit rasendem Herzen, während sein Blick unsicher umher huschte. Was bei Merlin war das eben ? So was wie ein Tagtraum ? Drehte er durch ? „Es ist noch nicht vorbei. Die Dunkelheit existiert auch weiterhin. Unter euch. Scheinheilig. Sei gewarnt. Sie sind noch nicht besiegt“, flüsterte die Stimme wieder unheilvoll in Rons Kopf, dem auf die Bilder in seinem Kopf ein wenig der kalte Schweiß ausbrach und zusätzlich seine Knie so weich wie Pudding machte, weshalb er sich an einem der Bettpfosten abstützte. „Du musst die Dunkelheit aufhalten. Malfoy. Er scheint offensichtlich noch sehr viel mehr zu verbergen als anfangs gedacht. Halte ihn auf, bevor er dazu Gelegenheit bekommt, diese Hölle heraufzubeschwören !“, drohte die Stimme fordernd, worauf Ron heftig schluckte und sich, noch immer etwas wacklig auf den Beinen, wieder zur Tür bewegte, wo er nur noch sah, wie Harry mit seiner Schwester und dem Todesser die Treppen runter zurück in den Gemeinschaftsraum gingen. „Offensichtlich hat Harry ihm zeigen können, was er suchte !“, flüsterte die Stimme weiter. „Scheiße“, entwich es Ron, der dann auch gleich den Dreien hinterher stürzte. Nur hatte er nach wie vor keinen Zauberstab, denn den hatte noch immer Ginny, sodass er lediglich nach ihnen rufen konnte.
„Harry, warte !“ Doch sein Freund blieb weder stehen, noch drehte er sich zu Ron um, sondern trat hinter der Schlange und Ginny aus dem Gemeinschaftsraum. Als Ron ihnen folgen wollte, lief er von innen gegen das Portrait, welches sich nicht mehr öffnen ließ.
„Scheiße. HARRY !“, rief er von innen und hämmerte wie verrückt gegen den verschlossenen Zugang, was die Drei auf der anderen Seite deutlich hörten. Draco grinste ein wenig, während Harry Ginny einen leicht skeptischen Blick zuwarf, die gerade ihren Zauberstab wegsteckte, mit dem sie das Portrait einmal mehr für ein paar Minuten blockiert hatte.
„Was ? Ich hab keine Lust mir auch weiter seinen Stuss anzuhören.“ „Denkst du ich will das ? Deswegen hättest du ihm vorhin trotzdem nicht gleich deinen Flederwicht auf den Hals hetzen müssen“, mahnte Harry sie, als sich die Drei auf den Weg runter in den zweiten Stock in den Ostflügel machten, denn dort hatten sie nach kurzer Suche die Hexe entdeckt und sich gewundert.
Keiner der Drei konnte sich einen Reim darauf machen, was sie dort wollte, was neben Draco auch in Harry ein klein wenig die Unruhe schürte, denn in einem hatte Draco Recht. Es passte nicht zu Hermione, dass sie irgendwo im Schloss herumschlich. Das war mehr Harrys Metier. Genauso, dass sie dem Essen fern blieb. Das war schon ein wenig seltsam. Davon einmal abgesehen, sah Harry es auch nicht unbedingt als ratsam an, dass Draco nach allem was war, abends allein in irgendwelchen uneinsehbaren, leeren Gängen umher wanderte. Vermutlich war diese Vorsicht jetzt auch ein wenig übertrieben, aber dennoch sicherlich nicht verkehrt.
„Der war überfällig !“, fauchte Ginny dann aber auf Harrys Mahnung, der nur mit den Augen rollte, was sie bloß noch mehr reizte. „Soll ich dir mal sagen, was er vor ein paar Tagen erst wieder verzapft hat ? Er hat Mom und Dad geschrieben und mich so hingestellt, als wär ich ‘ne billige Nutte und Blaise mein Zuhälter !“, schimpfte sie. „Er versucht ihn mit allen Mitteln vor Mom und Dad schlecht zu machen und hat ihnen dann auch noch geschrieben, dass ich dich seinetwegen eiskalt abserviert hätte und Merlin weiß was noch !“, ereiferte sie sich weiter. „Das haben Molly und Arthur bestimmt nicht geglaubt“, beruhigte Harry sie. Ginny schnaubte aber auch weiter wie ein Walross. Inzwischen glühte ihr Kopf so sehr, wie sonst Rons.
„Nein, nicht richtig. Allerdings hat Mom mir dann auch geschrieben, von wegen, was los ist und ob es stimmt, dass ich mit dir Schluss gemacht hätte wegen Blaise und alles“, mahlte sie mit den Zähnen. Harry indes seufzte und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.
„Wenn du willst schreib ich ihnen mal. So als neutrale Stimme ?“, schlug Harry ihr lächelnd vor, worauf sie ergeben nickte. „Ist vermutlich das Beste. Trotzdem. Ich könnte ihn. . . ARGH !“, stieß Ginny erneut wütend aus und begann die Luft vor sich mit den Händen zu erwürgen. Es war nur zu offensichtlich, dass sie lieber Rons Hals in den Händen hätte.
Schließlich aber erreichten die Drei den Ostflügel und so auch den entsprechenden Gang, der, anders als die Übrigen, in einem zwielichtigen Dunkel lag.
„Mione ?“, rief Ginny ein wenig nervös und rieb sich etwas über die Oberarme, denn hier in dem Gang war es um einiges kühler, als auf dem hell erleuchteten Hauptgang. Auch meinte sie einen kalten Luftzug zu spüren, sodass sie sich doch ein wenig gruselte.
„Warum sind die Fackeln alle aus ?“, wunderte sich Harry, als sie den Gang betraten. Die beiden Jungs zückten dann auch schon ihre Zauberstäbe und murmelten unisono „Lumos“, sodass der Gang in einem kleinen Kegel, in dem kalten weißblauen Licht erhellt wurde.
„Herm-“, wollte Ginny noch einmal rufen, als Draco ihr die Hand auf den Mund legte, zu dem sie verwundert sah. „Hier stimmt was nicht“, gab er ihr leise zu verstehen und blickte schlussendlich wieder in den dunklen Gang, wo er den Beiden dann auch noch auf die zerschlagenen Fenster deutete, durch die die kalte, abendliche Herbstluft herein drang. Auf den Hinweis zog dann auch Ginny ihren Stab, während Draco das Licht seines Stabes löschte, um gleich reagieren zu können, sollte es nötig sein.
So gewappnet betraten sie den Gang und schlichen langsam tiefer in das vorherrschende Dunkel, bis Ginny mit dem Fuß gegen irgendetwas stieß, was dann auch gleich über den Boden kullerte. Ein wenig verschreckt aufgrund dessen, machte sie einen Schritt zurück, wo Harry sie verstärkt zu sich nahm. Draco ging indes in die Hocke und hob auf, worüber Ginny gestolpert war. Es war ein Zauberstab.
„Das ist der von Hermione“, murmelte Ginny, sodass nun wirklich sämtliche Alarmglocken bei Draco schrillten. Aber auch Harry war schlagartig in Alarmbereitschaft, weshalb sich die Beiden nun zügiger vorwärts bewegten, bis Harry zwei Bücher aus den Augenwinkeln sah, die achtlos auf dem Boden lagen. Hatte Draco nicht gesagt, dass Hermione noch in der Bibliothek war ? Offensichtlich waren das ihre. Nur warum lagen die auf dem Boden ? Hermione würde ihre Bücher nie irgendwo herumliegen lassen. Am allerwenigsten auf dem Boden.
„Incendio“, hörte er Draco dann aber, der mit dem Zauber die Fackeln an den Wänden zu neuem Leben erweckte, sodass der Gang nun auch wieder deutlich einsehbar war. Dieser aber war leer. Von Hermione fehlte jede Spur. Stattdessen entdeckte Draco dann aber etwas anderes dunkles auf dem Boden, was dafür sorgte, dass ihm das Blut gefährlich in den Ohren rauschte. Der kleine, dunkle Fleck da an der Außenwand auf dem Boden war nämlich Blut.
„Die Karte !“, fauchte er Harry schließlich an. „Was ?“ „Du hast gesagt Hermione wäre hier !“ „Ja. Sie muss auch hier gewesen sein. Ich mein. . . Ihr Stab, die Bücher. . .“, deutete Harry auf diese. Draco aber war allmählich auf 180.
„Sie ist aber nicht mehr hier !“, wurde er laut und so auch leicht wütend, denn es war nur zu offensichtlich etwas passiert, wovon auch Harry und Ginny ausgingen. Harry kramte dann auch gleich die Karte hervor, auf die er mit Ginny und Draco sah.
Nur einen Moment später offenbarte die Karte erneut all die Geheimnisse des Schlosses, wo sie erneut nach der Hexe suchten. Diesmal wurden sie allerdings nach wenigen Sekunden fündig, denn die Gryffindor war nur einen Gang weiter und bewegte sich ziemlich schleichend. Bei ihr aber schien niemand zu sein, weswegen Draco gleich losstürzte.
„Warte !“, rief Harry ihm noch nach und ramschte die Karte zerknittert zurück in seine Tasche, während Ginny den Zauberstab ihrer Freundin einsteckte, bevor sie Draco folgten. Der war inzwischen um die nächste Ecke, den Zauberstab griffbereit, sollte doch etwas Unvorhergesehenes sein. Doch wie auf der Karte bereits zu sehen, war der Gang bis auf eine Person leer.
„Hermione !“, rief er die Hexe, die sich schleppend an der Wand entlang schob und nur zu offensichtlich arge Probleme hatte, sich auf den Beinen zu halten. Auf seinen Ausruf zuckte sie dann auch gleich wie geschlagen zusammen und riss panisch den Kopf nach hinten. Als sich ihre Blicke trafen, entglitten Draco kurz die Gesichtszüge, denn ihres war bleich, tränenüberströmt und allen voran blutig.
„Scheiße“, zischte er und schloss ganz zu ihr auf. Nur knapp hinter ihm tauchten Harry und Ginny auf, die das Desaster ebenfalls sahen. „Mione !“, stieß Ginny geschockt aus, während sich die Angesprochene zitternd mit dem Rücken zur Wand drehte und an dieser zu Boden glitt, noch bevor Draco ganz bei ihr war.
„Was ist passiert ?“, überschlug sich Draco halb, als er neben ihr auf die Knie fiel und ihr wieder in das verweinte Gesicht sah, auf dem er auf den zweiten Blick auch noch eine dicke Schwellung auf der linken Wangenseite erkannte, die bereits eine leicht dunklere Färbung annahm. Auf diese legte er behutsam seine Hand, worauf bei der Hexe sämtliche Dämme brachen, als sie ihn richtig erkannte. Sie begann hemmungslos zu schluchzen und zu weinen, dass es ihren Körper nur noch mehr beutelte, um den sie bereits ihre Arme geschlungen hatte.
„Hey ! Schschsch. Ist ja gut“, begann Draco, als er sie zu sich in die Arme zog und beruhigend in diesen wiegte, während sich die Gryffindor wie eine Ertrinkende an ihm festklammerte und auch weiter ohne Unterlass in seine Schulter schluchzte.
„Mione“, sprach Ginny ihr dann auch noch ruhig zu und strich ihr tröstend über den Kopf, worauf sich Hermione aber nur noch mehr an Draco drängte und so bereits halb in seinen Armen verschwand.
„Was zur Hölle ist hier passiert ?“, murmelte Harry noch immer fassungslos vor sich hin, als sein Blick über seine aufgelöste und verletzte Freundin wanderte. „Ist doch erstmal egal. Mionchen muss in den Krankenflügel !“, warf Ginny ein, dem Harry und Draco mit einem Nicken zustimmten. Hermione brachte zwischen ihren Schluchzern jedoch ein schwaches, gebrochenes „Nein. . .“ hervor.
„Was ? Ja, aber. . .“ „. . .nein“, wiederholte sie sich zittrig, bevor sie sich noch etwas stärker an Draco drängte, der sie dann noch sehr, sehr leise „. . .bitte nicht“ murmeln hörte. Sein Blick tastete daraufhin nochmal etwas die zitternde Erscheinung der Löwin ab, bevor er ihren Kopf etwas mehr an seine Brust drückte und die Lippen an ihr Ohr senkte.
„Ich bring dich hoch, okay ?“, gab er ihr leise zu verstehen, worauf sie in ihren Schluchzern kaum merklich nickte, aber keine Anstalten machte, ihn loszulassen. Doch selbst wenn, hatte Draco seine berechtigten Zweifel daran, dass sie noch dazu imstande war ohne Hilfe den Weg bis in den siebten Stock zu bewältigen.
So zog er sie stattdessen noch etwas mehr zu sich und lud sich schließlich das weinende Mädchen richtig auf die Arme. Kurz darauf schlang sie ihm ihre Arme wie eine Boa um den Nacken und barg das tränenüberströmte Gesicht erneut ganz an seiner Schulter, in die sie weiter weinte. Draco derweil setzte sich in Bewegung und das, zu Harrys und Ginnys Verwunderung, nicht nach unten in Richtung Krankenflügel, sondern, über diverse Nebengänge, nach oben.
„Wo willst du hin ?“, bohrte Harry schließlich, als es nur zu offensichtlich war. „In unseren Turm.“ „Was ?! Verdammt Draco, sie muss in den Krankenflügel. Merlin allein weiß was ihr passiert ist !“, mahnte Harry ihn an, was nur zur Folge hatte, dass Hermione wieder stärker zu zittern begann.
„Sie will das nicht !“, zischte Draco leise zurück, obwohl er den Krankenflügel tief in sich im Moment auch für den besseren Ort erachtete, da Harry Recht hatte. Sie wussten nicht was ihr passiert war. Auf der anderen Seite war es aber nur zu offensichtlich, dass die Hexe einen starken Schock hatte, so aufgelöst und fertig wie sie war.
Draco erinnerte sich noch zu gut daran, was ihr vor ein paar Wochen erst so eine heftige Reaktion entlockt hatte. Zwar schien es diesmal nicht ganz so schlimm zu sein, wo er auch inständig hoffte, dass nichts in der Richtung passiert war, die er am meisten fürchtete. Dennoch war etwas passiert. Und wenn dieses Etwas auch nur entfernt dieser unheilvollen Möglichkeit entsprach, war es jetzt umso wichtiger, dass sie in einer Umgebung war, in der sie sich sicher und wohl fühlte, was im Augenblick auf den Krankenflügel nicht zuzutreffen schien. Eigentlich normal, denn wenn man in so einer Umgebung war, hatte man zwangsläufig immer wieder den Grund vor Augen, weswegen man an diesem Ort war. Er selbst hatte ja auch eine gewisse Antipathie gegen den Krankenflügel.
Deswegen stapfte er weiter stur die Treppen hoch. Hinter ihm lief ein etwas wütend vor sich hin brummelnder Harry und etwas neben ihm, eine wahnsinnig besorgte Ginny, die immer wieder verstohlene Blicke auf ihre verletzte Freundin warf, die nach und nach ruhiger wurde. Gefährlich ruhig, weshalb die jüngste Weasley zaghaft nach ihr rief, kurz bevor sie den Schulsprecherturm erreichten.
„Mione ?“, hauchte sie in Sorge, bekam aber keine Antwort, sodass Draco auch nochmal auf die Hexe in seinen Armen sah, die offensichtlich nun doch noch ihrer Erschöpfung erlegen war, denn sie hatte das Bewusstsein verloren.
„Wir sollten sie wirklich. . .“ „Kokospalme“, murmelte Draco da aber das Passwort und verschwand im Innern des Turms, wo er gleich die Treppe ansteuerte und letztlich Hermiones Zimmer ins Visier nahm. Ginny öffnete ihm dann auch gleich die Tür und schlug die Decke auf dem Bett zurück, damit Draco die verletzte Löwin hinlegen konnte, deren Finger er nur schwer aus seinem Hemdkragen gelöst bekam.
„In meinem Zimmer im Bad steht eine Tasche mit Tränken und Tinkturen von Daniel“, begann Draco an Ginny gerichtet. „Kannst du die. . .“ Doch da war Ginny bereits weg, besagte Tasche holen. Stattdessen trat Harry wieder näher und warf kurz einen Blick auf seine Freundin, bevor er sich wieder etwas aufgebracht zu Draco drehte.
„Wir hätten sie zu Madam Pomfrey bringen sollen ! Das ist verantwortungslos !“, schimpfte er leise auf Draco, der ihm aber gar nicht weiter zuhörte, sondern sich stattdessen ein kleines Handtuch aus Hermiones Bad holte, was er mit warmem Wasser tränkte und der Löwin schließlich die Tränen und das Blut etwas vom Gesicht tupfte. Harry besah es sich mit wachsenden Bauchschmerzen.
„Draco !“, zischte er ihn wieder an, sodass sich der Blonde nun doch noch dazu erbarmte, ihn anzusehen. „Sie hat ‘nen Schock, das hast du doch gesehen !“ „Ein Grund mehr, sie zu Madam Pomfrey zu bringen. Was, wenn sie noch andere Verletzungen hat ? Oder verflucht worden ist ? Du bist kein Heiler !“, schimpfte Harry, worauf Draco schnaubte, da Harry dummerweise Recht hatte.
„Dobby !“, rief er schließlich den Elf, der prompt erschien. „Master Draco haben gerufen ?“, erkundigte sich der Elf in der obligatorischen Verbeugung. „Ja. Hol Charlie. Ich brauch ihn.“ „Dobby ist gleich wieder da“, versprach der Elf und verschwand. Harry indes mahlte mit den Zähnen.
„Charlie ?“ „Wie du schon sagtest, ich bin kein Heiler.“ „Und Charlie auch nicht !“ „Sag das mal Daniel“, gab er Harry leicht süffisant zurück, der seinen Gegenkommentar wieder runter schluckte. Draco sah indes nochmal nach der Hexe, wo ihm nun noch etwas auffiel, was er vorhin nicht weiter zur Kenntnis genommen hatte. Nämlich den leicht zerrissenen Ärmel ihres Pullovers, der obendrein auch noch etwas blutbeschmiert war. Als er diesen vorsichtig nach oben zog, erkannte er auch warum.
Neben der Tatsache, dass ihr linkes Handgelenk leicht angeschwollen und blau war, war ihr Unterarm, genauer gesagt die Brandmarkung, die sie durch Bellatrix erhalten hatte, blutig gekratzt. Harry sah es, ebenso wie Ginny, die da gerade mit der Tasche zurückkam.
„Was ist ?“, fragte sie etwas verwundert, da sich Dracos Blick verstärkt an Hermiones Arm fest fraß, auf den Ginny dann auch wieder einen kurzen Blick warf, aber nicht wirklich verstand, was der Blonde hatte.
„Draco ?“, rief sie ihn, worauf er sie ansah. „War sie wieder wach ? Hat sie was gesagt ?“ „Nein“, gab er ihr knapp zurück und ließ sich schließlich die Tasche geben, in der er kurz wühlte. Währenddessen ploppte es und Dobby tauchte, wie gefordert, mit Charlie auf, der noch immer rege verwundert war.
„Was ist los ? Gibt’s Proble-“, stockte Charlie, als er sah, wo er war und so auch nur einen Moment später erkannte, warum Draco Dobby nach ihm geschickt hatte. „Was ist passiert ?“, setzte Charlie sofort neu an und trat richtig ans Bett, um nach Hermione zu sehen. Draco derweil erzählte mit unterdrückter Wut, was sie am Ende mitbekommen hatten, während Charlie sich um Hermione kümmerte.
„Ich versteh nicht, warum sie jemand angreift ? Mione hat doch nie jemandem etwas Schlechtes getan“, murmelte Ginny noch immer leicht fassungslos, aufgrund dieser Tat. In Dracos Innern begann sich auf ihre Worte jedoch ein schmerzhafter Knoten zu bilden, denn er war sich ziemlich sicher, dass das wieder etwas mit ihm zu tun hatte. Mit der Verbindung, die Hermione zu ihm hatte. Es war irgendwo seine Schuld, dass man sie erneut angegriffen und verletzt hatte.
„Und sie hat euch nicht gesagt, wer es war ?“, hakte Charlie nochmal nach, nachdem er die Löwin versorgt und warm zugedeckt hatte. Harry und Ginny schüttelten aber wieder nur mit dem Kopf. „Sie war total neben sich. Das einzige, was halbwegs verständlich war, war, dass sie nicht in den Krankenflügel wollte“, erklärte Ginny ihm. „Wir sollten deswegen auf jeden Fall Tonks und McGonagall Bescheid geben. Wer auch immer das war, das war kein harmloser Streich mehr. Fluchtechnisch scheint zwar nichts gewesen zu sein, dafür aber grobe Gewalt. Ihr Handgelenk war gebrochen. Und auch so. . . Sie scheint einen ziemlich heftigen Schock davongetragen zu haben und. . .“, brach Charlie dann aber ab, als er sah, dass Draco seinen Zauberstab zur Hand nahm und wieder näher an das Bett herantrat.
„Was hast du vor ?“, fragte der Brünette schließlich, obwohl er es bereits ahnte. Nicht so Harry und Ginny, die Dracos Regungen verwirrt verfolgten, als er noch zu Charlie meinte: „Herausfinden was passiert ist und wer das vor allem war.“ „Wie willst du das herausfinden ?“, stutzte Harry, dem es nicht so ganz behagte, dass Draco offensichtlich etwas Magisches vorhatte. Charlie indes mahnte ihn.
„Hältst du das für eine gute Idee ? Wir sollten warten, bis Hermione wieder wach ist und sie dann fragen.“ „Bis dahin kann der Typ schon über alle Berge sein“, knurrte Draco, da sich in ihm immer stärker die Gedanke auftat, dass es der gleiche Mann war, wie letztens nach Slughorns Party. Wenn sie Pech hatten, konnte sich Hermione erneut an nichts Konkretes erinnern. Zumindest nicht bewusst. Unterbewusst sah die Sache schon wieder ganz anders aus.
„Sekunde, warte“, hielt Harry ihn dann allerdings zurück. „Du willst Legilimentik bei ihr anwenden ?“, empörte er sich ein wenig. Draco warf ihm daraufhin aber nur einen düsteren Blick zu, bevor er sich auf dem Rand des Bettes niederließ und seine linke Hand in Hermiones Schopf vergrub.
„Das kannst du nicht machen ! Draco !“, schimpfte Harry zwar, Draco ließ sich davon aber nicht stören. Er schloss die Augen und begann in einem leisen Tonus zu murmeln, der ihm schließlich einen Weg in Hermiones Geist ebnete.
Es war ähnlich wie vor gut einem halben Jahr und dennoch vollkommen anders. Damals war es eine bunte Vielfalt an Gedanken, Erinnerungen und Emotionen aus den vergangenen Jahren und somit auch ihres bisherigen Lebens gewesen. Jetzt und hier war es ein einziges Chaos aus Dunkelheit, Angst und Schmerz, was ihn schon fast erschlug.
Ganz anders als er vermutet hatte, taten sich ihm nicht nur die Ereignisse von vor ein paar Stunden auf, nein. Vielmehr waren es Eindrücke des Krieges. Doch nicht die Bilder und Erlebnisse der Schlacht waren so stark präsent, sondern diese eine Woche im März, in der sie gefangen war. Es waren immer nur Bildfetzen und deren Eindrücke, die in dem dunklen Grau ihres Geistes aufflammten und sich aufbäumten, bevor sie von anderen, ebenso dunklen Schatten überdeckt wurden.
Da war der Missbrauch, die Folter an sich durch IHN, aber auch Bellatrix’. Besonders stark spiegelten sich letztlich die Szenen mit Bellatrix wieder. Draco hörte und sah diese Irre, wie sie hysterisch kreischte und vor allem vollkommen wahnsinnig gackerte, was sich mit den vergangenen Schreien der Gryffindor vermischte, die sich abermals unter der Wirkung des Cruciatus aufbäumte und wand.
„. . . Lügen. Alles Lügen. Du dreckiges Schlammblut LÜGST !“, kreischte sie wieder, bevor sie ein weiteres Mal den Unverzeihlichen auf die Gryffindor anwandte.
Auf den Anblick kochte alles in Draco hoch. Er ertrug das kaum und hatte so auch erheblich mit sich zu kämpfen, denn er hätte Bellatrix auf all das am liebsten nochmal einen Kopf kürzer gemacht. Nur brachte es nichts, denn diese Bilder waren vergangen. Er konnte an diesen Begebenheiten nichts mehr ändern. So oder so nicht. Im Gegenteil. Es war kreuzgefährlich, gleichermaßen für ihn, mehr noch aber für Hermione, wenn er sich in irgendeiner Art und Weise an ihren Gedanken und Erinnerungen zu schaffen machte. Im schlimmsten Fall könnte es ihren Geist zerbrechen und das war das allerletzte was er wollte.
So versuchte er sich stattdessen wieder darauf zu konzentrieren, weswegen er eigentlich hier war. Er suchte nach den Erinnerungen der letzten Stunden. Er wollte wissen was passiert war. Wer sie angegriffen hatte. Nur waren die Eindrücke und Emotionen aus dem Manor auch weiterhin schier übermächtig. Allen voran eben diese mit Bellatrix, die in eine immer aufgebrachtere Hysterie geriet.
„. . .REDE ! Was habt ihr sonst noch ? Sag die Wahrheit, oder ich schwöre, du wirst dieses Messer zu spüren bekommen !“, fauchte sie und hielt der Gryffindor bedrohlich das Messer vor Augen. „. . .aufhören. Bitte. . .“, wimmerte und weinte diese, was erneut zu einem bestialischen Schrei wurde. „Elendes Dreckstück. Ich werde dich lehren, was es heißt mich zu belügen !“, keifte Bellatrix und schlitzte ihr schließlich den Ärmel der Jacke längs auf. Kurz darauf begann sie der Hexe dieses unsägliche Wort in den Arm zu ritzen.
In Draco kochte daraufhin alles nur noch mehr hoch. Ihm half der Gedanke immer weniger, dass diese Dinge nicht mehr existent waren, um sich zu beruhigen. Stattdessen ballte er die Hände wütend zu Fäusten, mit denen er Bellatrix am liebsten niedergeschlagen hätte. Merlin, er konnte nicht sagen wie sehr er diese Kreatur, denn er weigerte sich, sie als Frau und damit menschliches Wesen zu bezeichnen, verabscheute. Hasste. Und dieses Gefühl wuchs auch noch weiter an, je länger er der Szenerie beiwohnen musste, die schließlich von dunklen Schatten verschlungen wurde. Draco vermutete, da Hermione irgendwann das Bewusstsein verloren hatte. Doch damit hörte es nicht auf.
Stattdessen flackerten andere Eindrücke und damit Erinnerungen auf, die nicht weniger grauenvoll waren, allerdings nicht mehr so greifbar waren, wie das mit Bellatrix. Was er nun sah und hörte, waren lediglich Bild- und Wortfetzen, die er teils kannte, da er diesen stellenweise ebenso hilflos hatte beiwohnen müssen, wie jetzt auch.
Er hörte und sah Erinnerungsfetzen, die mit Crabbe, Goyle und Lucius verwoben waren, was für ihn mit das Schlimmste war. Die Dinge, die die beiden Hohlkörper und der Alte ihr angetan hatten. Diese Art der Gewalt, die in dem Moment etwas tief in der Löwin zerstört hatte, was Bellatrix mit all ihrer Folter nicht geschafft hatte. Er konnte es in Hermiones Augen sehen, in denen etwas zerbrach. Es waren Augen, die stellenweise mehr die Augen einer Toten waren.
Unter all dem hörte er immer wieder, wie sie die Hexe noch zusätzlich auf verbalem Weg quälten. „. . .dreckiges Schlammblut.“ „. . .machst du uns die Hure ?“ „. . .wertloses Schlammblut.“ „. . .räudiges Miststück.“ „. . .Schlammblut.“ „. . .deine schuld !“, echote es scheinbar aus allen Richtungen, ohne einen wirklichen Zusammenhang, wenngleich Draco meinte, eine der Stimmen nicht zuordnen zu können, denn sie gehörte weder Crabbe noch Goyle und am allerwenigsten Lucius. Jedoch fiel es ihm schwer sich nur auf diese zu konzentrieren, da die anderen Eindrücke immer wieder aufs Neue verstärkt hochkochten. So war es dann auch wieder eine Szene mit Bellatrix, die aus den schwarzen Schatten empor stieg, die Draco nun aber versuchte auszublenden. . .
Der Rest der Freunde bemerkte bereits nach kurzer Zeit, dass Dracos Idee alles andere als hilfreich zu sein schien, denn Hermione begann wieder leise zu wimmern und sich zudem schwach unter Dracos Zauber zu winden. Sie wühlte immer stärker und verfiel zudem erneut in eine getrieben Keuchatmung, die ihr schließlich die Tränen aus den Augen trieb.
„. . .nein. . .hört auf. . .lasst mich. . .“, schluchzte sie schwach und schlug letztlich um sich, weshalb Ginny das Ganze beenden wollte. Aber wie schon vor reichlich einem halben Jahr, hielt Charlie sie auch jetzt zurück.
„Pfusch ihm da jetzt nicht dazwischen. Das geht bloß nach hinten los !“ „Aber. . .“, deutete sie ihm auf Hermione. Charlie seufzte, schüttelte dann allerdings mit dem Kopf. „Wir müssen warten. Alles andere macht es nur schlimmer“, mahnte er und sah schließlich wieder auf die Löwin, die auch weiter schwach um sich schlug. Ginny nahm dann allerdings beruhigend die Hand ihrer Freundin und hielt diese mit ihren beiden warm umschlossen. Hermione zerquetschte Ginny dabei allerdings beinahe die Finger und bäumte sich zudem schwach auf.
„Draco“, flüsterte Charlie dem Blonden auf den Anblick drängend ins Ohr.
„. . . brich es ab !“, vernahm Draco seinen Freund unter all den anderen Stimmen und Hermiones Schreien gedämpft, als er auch weiter versuchte, die eigentliche Erinnerung in diesem dunklen Emotionschaos zu finden. Nur überlagerten die Bilder aus dem Manor, die Erinnerungen an Bellatrix, auch weiterhin beinahe alles.
Hin und wieder aber meinte er, unter all den dunklen Bildern noch andere Bildfetzen zu erkennen, die nicht aus dem Manor sein konnten. Genauso noch eine andere Stimme, die ihm nicht so bekannt war, jedoch den gleichen Hass versprühte. Hass und Zorn, der sich gegen die Löwin richtete. Auf diese kleinen Fetzen versuchte er sich auch weiter zu konzentrieren, indem er die Eindrücke aus dem Manor, die ihn selbst ein wenig gefangen hielten, hinter sich ließ, was alles andere als leicht war. Jedoch war es die einzige Möglichkeit, den tatsächlichen Ursprung für all das hier zu finden, denn er glaubte nicht, dass diese Dinge, so lebendig wie sie jetzt gerade waren, in den letzten Wochen so stark in Hermiones Kopf präsent waren.
Sie hatte es ihm ja schon einmal gesagt. Dass sie versuchte, die Dinge die waren, zu vergessen. Zu verdrängen. Wegzuschließen, gleich so, als ob sie nie passiert waren. Dennoch waren sie es. Man konnte so etwas nicht auf die Dauer wegschließen, was er selbst recht bitter wusste. Dennoch hinderte es ihn nicht daran, es selbst immer wieder zu versuchen. Hermione machte das Gleiche, mit katastrophalen Folgen, denn diese Dunkelheit drohte sie zu verschlingen. Wieder.
„. . .Schlammblut“, echote es einmal mehr dumpf durch ihren Geist, in dem sich dieses Wort immer stärker einbrannte. Wie ein Siegel. Draco realisierte es jetzt erst nach und nach, irgendwie aber waren die Eindrücke, die er zuvor miterleben musste, um dieses Wort herum aufgebaut. Gerade die Erinnerung mit Bellatrix, als sie Hermione diese Wunde zufügte, war so intensiv. So klar. So greifbar. Sie war wie eingebrannt. Unauslöschbar, wie dieses Wort, was sie Hermione eingeritzt hatte.
- „. . .es ist ein Phantomschmerz. Er ist nicht wirklich da. Es ist psychisch“, entsann sich Draco wieder Daniels Worten, zu dem sich Hermione eines Abends im April begeben hatte, nachdem sie wieder halbwegs auf den Beinen war. Draco hatte nicht lauschen wollen, war allerdings dennoch in Sorge darüber, dass der Hexe nach den ganzen Strapazen noch etwas Ernstes fehlen könnte. Diese sah auf Daniels Erklärung bitter auf ihren Arm, um den schützend ein weißer Verband lag. Diesen nahm sich Daniel dann auch behutsam. Er hielt ihre linke Hand in seiner rechten und legte die Hand des linken beruhigend auf die verbundene Stelle.
„Ich kann dir dafür leider nichts geben. Die Schmerzen, die du glaubst zu spüren, sind nicht real. Sie sind mehr so etwas wie ein Echo der Dinge, die leider passiert sind. Es ist dir jetzt vielleicht keine Hilfe, aber nach allem, was du durchgemacht hast, ist es normal, dass du glaubst so etwas zu spüren. Irgendwann hört es auf, Hermione. Es wird zwar alles seine Zeit brauchen, aber es wird mit der Zeit auch wieder aufhören. Und vielleicht. . . Rede mal mit Charlie und Blaise. Oder mit deiner Freundin. Sie können dir dabei sicher helfen. Ein offenes Ohr und eine Schulter, an die man sich lehnen kann, bewirken manchmal schon Wunder“, lächelte Daniel, was sie etwas gezwungen erwiderte und mit einem leicht feuchten Schimmer in den Augen nickte.
Nur einen Moment später verließ sie das Arbeitszimmer des Heilers, wo sich Draco geradeso noch in eine Nische schieben konnte, denn er wollte ihr nicht begegnen. Doch selbst wenn er geblieben wäre wo er war, hätte sie ihn vermutlich nicht zur Kenntnis genommen, denn sie hatte das Haupt gesenkt und sich dann doch noch eine Träne aus den Augenwinkeln gestrichen.
Draco hatte sich damals zeitweise schon seine Gedanken wegen dieses Andenkens gemacht, allerdings waren sie zu dem Zeitpunkt noch mitten im Krieg gewesen. Und danach. . . Danach war alles gekommen, wie es gekommen war. Dass da aber bereits nicht alles so gut war, wie Hermione ihnen allen gern glauben machen wollte, hatte er immer mal wieder bemerkt. Nur hatte Hermione auch weiter die dumme Angewohnheit, alles zu verstecken und Einzelkämpferin zu spielen. Was das anging, da war sie genauso wie er. Sie gab sich keine Blöße oder zeigte sonst wie Schwäche vor anderen. Sie war nach außen immer die Starke und ein scheinbarer Fels in der Brandung. Innerlich aber. . . Sie weinte allein, focht ihre Kämpfe mit sich allein und ertrug die Schmerzen und das Leid allein.
Nur selten passierte es, dass sie wirklich von sich aus Hilfe auf dieser Ebene suchte, oder gar darum bat. Sie wollte nicht schwach sein. Konnte es nicht. Es war eine Tatsache, die er nicht minder mit zu verantworten hatte, denn sie hatte viele ihrer Kämpfe mit ihm ausgefochten, und vor ihm hatte sie keinesfalls irgendeine Art der Schwäche zeigen wollen. Nie.
Inzwischen aber war es so, dass, wenn sie Hilfe suchte, Schutz und Wärme, sie diese zum Großteil bei ihm suchte. Und deshalb konzentrierte er sich nun auch wieder auf die Dinge, die hier um ihn herum waren. Er musste herausfinden, was passiert war. Wer sie angegriffen hatte und dafür verantwortlich war, dass all diese schwarzen Erinnerungen wieder so intensiv hervorgebrochen waren. Er wollte wissen, wer dieses Arschloch war, um mit ihm das Gleiche zu machen, wie mit Bellatrix.
Irgendwann dann, ließ er die Schatten des Manors verstärkt zurück und entdeckte stattdessen das, was diese Schatten erst heraufbeschworen hatte. Er sah es nun ganz klar. Er hörte es so deutlich, als würde er neben den Beiden stehen. Und je mehr er von dem Geschehenen hörte und sah, desto stärker kochte eine mörderische Wut in ihm hoch. Dieser kleine Bastard war tot, so viel stand schon mal fest, denn Draco hatte mehr, als genug gesehen und vor allem gehört.
Jedoch kam er nicht mehr dazu, seinen Zauber von sich aus zu lösen, denn mit Hermiones neuerlichem Aufschrei, verlor er die Kontrolle über diesen. So war es am Ende nicht nur diese miese, kleine Ratte, die von Hermione heruntergeschleudert wurde, sondern auch Draco, den sie mit dem Aufbäumen ihrer Magie aus ihrem Kopf warf.
Es war, als hätte er einen heftigen Schlag vor die Brust gekriegt. Draco taumelte nicht nur nach hinten, sondern wurde schon regelrecht nach hinten geworfen, wodurch er über seine eigenen Füße stolperte und schließlich alles andere als sanft, mit dem Rücken auf den Parkettboden knallte.
„Scheiße“, zischte er in einem Keuchen und starrte noch immer leicht geschockt die weiße Stuckdecke über sich an. Kurz darauf war Charlie bei ihm und zog ihn in eine halbwegs sitzende Position, bevor er zu meckern begann.
„Verdammt, was hast du gemacht ?! Du weißt doch ganz genau, dass diese Magie gefährlich werden kann ! Vor allem wenn man nicht weiß was einen erwartet !“, brauste Charlie leicht auf, während Harry dem Blonden einen ziemlich missbilligenden Blick zuwarf, in dem sich ein tiefer Vorwurf aufgrund seines Handelns wiederspiegelte. Ginny beugte sich indes schützend über ihre Freundin, die auch weiter so schwer atmete und leicht vor sich hin wimmerte.
„Sag mal was sollte das ? Was hast du mit ihr gemacht ?!“, brauste Harry auf und deutete vorwurfsvoll auf Hermione, was Draco aber nur am Rande registrierte, wie schon zuvor Charlies Gemecker. Stattdessen hatte er noch immer die Bilder des Geschehens vor Augen. Das Gesicht des Verantwortlichen, der mit allem, was er getan und gesagt hatte, eine Lawine von verheerendem, zerstörerischem Ausmaß losgetreten hatte, die so schnell ganz sicher nicht zum Stillstand kommen würde.
„Draco !“, donnerte Harry schließlich, da der Blonde ihn nur zu offensichtlich nicht hörte. Was er noch immer hörte, waren die qualvollen Schreie Hermiones aus der Vergangenheit, die sich mit dem bitterlich verzweifelten Schluchzen und Wimmern von vor ein paar Stunden vermischten und ihm letztlich nochmal den Grund, den Verursacher für alles aufzeigten. Es war ein Gesicht, welches ein hämisches Grinsen zierte, was Draco zu Brei schlagen wollte. Kurz darauf kam er auch endlich wieder ganz auf die Bein und wand sich von den anderen ab, um diesen Bastard aus seinem Bau zu holen und ihn zu lynchen.
Charlie sah es. Er sah das bedrohliche, mordlüsterne, dunkle Blitzen in Dracos Augen, was er nur zu gut von ihm kannte.
„Whuo, hier geblieben“, setzte er sofort nach und hielt ihn rasch am Arm fest. Kurz darauf funkelte sein Freund ihn drohend an. Charlie aber blieb ruhig. „Wen auch immer du gerade umbringen willst, überlass das Blaise und mir. Du kommst in Teufelsküche. Merlin, denk an deine Auflagen !“, beschwor Charlie ihn. Draco schnaubte aber nur.
„Was hast du gesehen ? Wer hat sie angegriffen ?“, fragte Harry nun wieder ruhiger, aber dennoch leicht drängend, da Draco am Ende wohl doch noch gefunden hatte, was er suchte. Dieser sah dann auch schon verhasst zu dem Gryffindor, bevor er „SMITH !“ bellte.
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Uhhh. In Zacharias Haut möchte ich jetzt nicht stecken. :p
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In der Filmgeschichte hat es derart viele Werwölfe gegeben, dass wir unbedingt etwas ins Bild bringen wollten, was es noch nie zu sehen gab. Wir zeigen also nicht den traditionell behaarten Werwolf, sondern einen unbehaarten.