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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Einsamkeit

von Alex2303

۩ ۞ ۩


Ginny verbrachte auch den Rest des Nachmittages weiter bei Hermione, die eine ganze Weile brauchte, bis sie sich wieder halbwegs beruhigt hatte. Später am Abend, als das Abendessen in der Großen Halle stattfand, hatte Hermione Ginny verabschiedet. Sie selbst hatte nach wie vor keinen Appetit, wo Ginny zwar noch solidarisch bei ihr bleiben wollte, obwohl ihr Bauch gefährlich grummelte, da sie ihrer Freundin über den Mittag und Nachmittag auch weiter Trost gespendet hatte.
Hermione aber hatte mit einem matten Lächeln abgelehnt und gemeint, dass es wieder etwas ging und sie nicht wollte, dass Ginny ihretwegen verhungerte und sie dann, wenn Draco kam, nochmal versuchen wollte mit ihm zu reden. Irgendwie. Irgendwas.
So hatte sich Ginny letztlich mit einem etwas mulmigen Gefühl geschlichen, nachdem sie Hermione das Versprechen abgerungen hatte, dass sie zu ihr kommen und ihr sagen sollte, wenn sie etwas brauchte. Jemanden zum reden, zum zuhören oder einfach nur eine Schulter zum anlehnen. Auch hatte sie ihr versichert, dass das alles schon irgendwie wieder gut werden würde. Damit war sie gegangen. Und damit war auch das mühevolle, beruhigende Lächeln Hermiones in sich zusammengebrochen. Stattdessen stahl sich erneut ein Ausdruck tiefer Trauer und Bitterkeit auf ihre Züge.
Mit diesem nahm sie in dem Sessel am Kamin Platz und wartete. Wartete darauf, dass Draco wieder auftauchte. Doch er kam nicht, sodass es später und später wurde und damit die Unruhe, wie auch leise Verzweiflung in Hermione aufs Neue ungeahnte Ausmaße erreichte. Sie begann sich verstärkt Sorgen um ihn zu machen, denn er war seit dem Morgen, vielleicht auch schon seit der Nacht, verschwunden. Das nächste Gefühl, das mit dieser Gewissheit einherging, war die Angst, dass ihm erneut etwas zugestoßen sein könnte, immerhin liefen die Täter von vor drei Wochen auch weiter frei herum.
Auf den bloßen Gedanken hin, hielt sie es nicht mehr länger in ihrem Turm aus und verschwand stattdessen in den der Gryffindors zu Harry. Als der sie in ihrem noch immer so desolaten Zustand sah, als sie den Gemeinschaftsraum betrat, stahl sich seinerseits Verwunderung, wie auch eine leichte Sorge auf seine Züge, mit denen er zu ihr trat.
„Was ist los ? Geht’s dir nicht gut ?“, erkundigte er sich, doch sie überging seine Frage. „Darf ich mir deine Karte ausleihen ?“ „Was ? Sicher. Aber. . . Warum ? Ist was passiert ? Du. . .“ „Mione“, unterbrach dann aber Ginnys Stimme Harry in seinem Fragenschwall. Kurz darauf war die Rothaarige bei den Beiden am Eingang des Portraits und schloss Hermione fest in die Arme.
„Geht’s denn wieder etwas ? Hast du nochmal mit ihm gesprochen ?“ „Nein. Deswegen komme ich ja. Ich. . . Er ist immer noch nicht wieder aufgetaucht und da. . . Ich hab Angst, dass ihm wieder etwas passiert ist“, wurde Hermione etwas aufgelöst und sah schließlich mit bereits leicht feuchten Augen zu Harry, der nur die Hälfte verstand.
„Bitte. Ich . . . ich will nur nachsehen, ob er unten in den Kerkern ist.“ „Draco ?“, erkundigte sich Harry dennoch, worauf sie nickte. „Habt ihr euch gestritten ? Ich hab ihn den ganzen Tag noch nicht gesehen“, fiel es nun auch Harry auf.
„Wir haben uns nicht gestritten, aber ich . . . er. . . Harry, bitte. Ich will das jetzt nicht wirklich besprechen. Vor allem nicht hier“, wies sie ihm kurz auf den noch halb vollen Gemeinschaftsraum, wo bereits einige neugierig lauschten, sodass er seine Freundin nickend bei der Hand nahm und mit sich in den Jungenschlafsaal zog. Ginny dicht hinter ihnen. Dort holte er dann nur seine Karte und verschwand mit den Mädchen in Ginnys Zimmer, da es sich Dean und Seamus in seinem Schlafsaal bereits etwas gemütlich gemacht hatten und auf Deans Bett Zauberschnippschnapp spielten.
Kaum bei Ginny, breitete Harry auch schon die Karte auf dem Bett der Rothaarigen aus und sprach die Formel, die einen Großteil der Geheimnisse Hogwarts’ offenbarte. Für den Moment aber nahmen sich die Drei den Bereich der Kerker vor, wo sie nicht sonderlich lange suchen mussten, bis sie drei Namen entdeckten, die in einem Raum beisammen waren.
„Das müsste Charlies Zimmer sein“, murmelte Ginny kurz, während sich Hermiones Blick verstärkt an Dracos Namen fest fraß, der diesmal, Merlin sei Dank, tatsächlich in den Kerkern war. Und da er das war, vermutete sie weiter, dass Blaise und Charlie, wie jetzt ja auch Ginny, über diese Geschichte im Bilde waren.
„Okay. Was ist los ?“, verlangte Harry dann aber doch noch zu wissen, worauf Hermione mit dem Kopf schüttelte. „Nichts. Wirklich. Ich. . . Darf ich mir die Karte ausleihen ? Bitte“, fragte sie nochmal. In den Augen recht deutlich ein stummes Flehen, worauf Harry nachgab und Hermione die Karte reichte.
„Danke“, hauchte die Hexe und verschwand schließlich mit diesem Utensil wieder, was Harry mehr als skeptisch zurückließ, während Ginny Hermione bedrückt nachsah. Als Harry es bemerkte, wandte er sich an die jüngste Weasley.
„Du weißt was hier los ist ?“, vermutete er, worauf sie nickte. „Besteht die winzige Möglichkeit, dass du mich über diese Sache aufklärst ?“, hakte er nach, bekam zur Antwort jedoch nur ein entschuldigendes, aber dennoch verneinendes Lächeln.
„Tut mir leid, Harry. Aber das ist eine Angelegenheit, die Hermione und Draco erstmal besser unter sich ausmachen sollten.“

۩ ۞ ۩


Knapp acht Stockwerke tiefer war es jedoch nicht so ruhig, wie es auf der Karte des Rumtreibers den Anschein hatte. Es hatte nicht sonderlich lange gedauert, bis sich die dunklen Dämonen der Vergangenheit erneut Dracos bemächtigt hatten und ihn in Form von kalten, dunklen Träumen aufs Neue belasteten und quälten. Blaise und Charlie war es bei Zeiten aufgefallen, wo Charlie noch versucht hatte, dem mit ein paar Tränken entgegen zu wirken, damit Draco wenigstens etwas zur Ruhe kam.
Die Tränke aber waren mehr nur noch ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn sie verloren bereits nach nicht einmal einer Viertelstunde wieder zur Gänze ihre Wirkung. Dies äußerte sich am Ende immer stärker darin, dass Charlies Interieur nicht nur Flügel bekam, sondern zu gefährlichen Geschossen wurde, unter denen sich die Beiden wegduckten.
„Scheiße, man. Ich dachte, das hätte sich wieder gegeben“, keuchte Blaise auf den Anblick und zog den Kopf ein, als ihm Charlies Arithmantikbuch mit Nachdruck entgegen kam. „Offensichtlich nicht“, meinte Charlie überflüssigerweise und versuchte schließlich Draco zu wecken, bevor es noch schlimmer wurde, denn er hatte noch deutlich die Ausmaße aus dem Krankenflügel vor Augen. Mehr noch aber das Desaster aus der Nacht, als sie ihn wieder im Schulsprecherturm untergebracht hatten.
„Draco ? Komm, wach auf“, drängte und rüttelte Charlie seinen Freund, der sich unter seinem Griff gefährlich verkrampfte und immer stärker zu keuchen begann. „Ruhig. Es ist alles gut“, versuchte Charlie es weiter, erreichte damit aber nur, dass sämtliche mit Glas gearbeiteten Gegenstände von innen heraus zersprangen. So auch die Kugellampe über ihren Köpfen, die damit in einem gefährlichen Splitterregen auf sie niederprasselten.
„Scheiße !“, zischte Blaise, als sich die Splitter in ihre Kleider schnitten und damit teils auch die Haut. „Jetzt mach was ! Weck ihn !“, meckerte Blaise kurz darauf, bevor er ganz ans Bett trat, in dem Draco noch immer krampfte und wie ein Irrer an der Decke herum riss.
„Ein doppelter Feuerwhiskey wäre doch besser gewesen !“, ätzte Blaise, dem Charlie einen stinkigen Blick zuwarf, bevor er sich wieder ganz auf Draco konzentrierte und versuchte, ihn aus seinen Albträumen zu reißen. Als er dann aber wieder nach ihm griff, entwich dem Blonden ein gellender Schrei, mit dem er schließlich saß. Zeitgleich gab es einen Hieb, der sich wie eine Druckwelle ausbreitete und sämtliche Gegenstände, groß oder klein, leicht oder schwer, gegen die vier Wände des Zimmers schmetterte.
„Scheiße“, fluchte Blaise erneut, den es, wie Charlie, ebenfalls von den Füßen gefegt und auf den Boden geworfen hatte. „Merlin, hoffentlich ging das nicht wieder durchs ganze Schloss“, murmelte er beunruhigt und rappelte sich schließlich auf. Das konnten sie jetzt nicht wirklich gebrauchen, wenn McGonagall in der Richtung Stress machte. Diesen Gedanken aber schob er ganz weit nach hinten, als er zurück auf das Bett blickte, in dem Draco inzwischen wieder lag und sich stöhnend auf der Seite zusammenrollte.
„Draco ? Alles in Ordnung ? Hast du Schmerzen ?“, erkundigte sich Charlie sofort und legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. Kurz darauf drehte sich der Blonde wieder etwas mehr auf den Rücken und sah zu dem Brünetten, den er erschöpft anblinzelte.
„Charlie ?“, krächzte er leicht heiser, aber auch verwirrt, was noch etwas mehr wurde, als er sah wo er war. „Was. . . Wieso lieg ich in deinem Bett ?“ „Weil wir dich oben in Binns’ Klassenzimmer aufgelesen und mit runter genommen haben“, erklärte Charlie, was Dracos Verwirrung nur noch mehr wachsen ließ.
„Erinnerst du dich nicht ?“, vermutete Charlie auf seinen verwirrten Anblick, worauf Draco knapp mit dem Kopf schüttelte, was im Nachhinein nicht so gut war, denn irgendwie begann sich dadurch das Zimmer etwas zu drehen. Noch schlimmer aber war die Schmerzwelle in seinem Kopf, die ihn dadurch unweigerlich überrollte.
„Scheiße“, entwich es ihm gepresst, während er sich wieder mehr auf die Seite drehte und die Hände an den Schädel drückte, der sich einmal mehr so anfühlte, als wäre er viel zu klein für all die Bilder, Gedanken, Emotionen und Erinnerungen. Und als ob das nicht schon genug wäre, kam noch ein zweiter Druck dazu, als würde eine Schraubzwinge um seinen Kopf liegen, die immer stärker angezogen wurde und damit drohte, ihm den Schädel noch zusätzlich von außen zerbersten zu lassen.
„Ruhig. Ich hol dir was“, versprach Charlie, bevor er begann in seinem Koffer zu kramen, während sich Blaise auf dem Rand des Bettes niederließ und schuldig auf seinen Freund hinab blickte. Dass es ihm jetzt so mies ging, war zum Großteil seine Schuld.
„Du hast es ihr gesagt“, meinte er ruhig. Es war weder eine Frage, noch eine Feststellung, sondern einfach nur eine Tatsache. Eine, auf die Draco wieder etwas die Augen öffnete, über die sich mit diesen Worten erneut ein stumpfer Schleier zu legen begann.
„Es tut mir leid“, entschuldigte sich Blaise auf den Anblick, der es einem überflüssig machte danach zu fragen, wie es gelaufen war, denn die Antwort dazu stand Draco nur zu deutlich ins Gesicht geschrieben. Dessen Konzentration zog Charlie dann aber kurz wieder mehr auf sich, als er ihm ein Mittel gegen die Kopfschmerzen reichte. Kaum, dass das weg war, nahm auch Charlie etwas auf dem Bett Platz.
„Was . . . was hat Hermione jetzt eigentlich zu allem gesagt ? Also . . . uhm. . . Hat sie vielleicht gesagt, warum . . . nicht ?“, tastete sich Blaise, nach einem kurzen Moment des tiefen Schweigens, dann doch mal vorsichtig ran, da er sich denken konnte, dass Draco nicht unbedingt gewillt war über dieses Thema zu sprechen. Dracos Reaktion daraufhin fiel dann auch recht deutlich aus, denn er drehte sich auf den Bauch und zog sich das Kissen über den Kopf, was sich die Beiden frustriert besahen.
„Draco, komm schon. Auch wenn’s grad Scheiße ist. Wenn wir den Grund für alles kennen, können wir vielleicht etwas drehen und. . .“ „Da gibt’s nichts zu drehen. Sie will mich nicht. Punkt“, murmelte Draco unter dem Kissen hervor und drückte sich dieses noch mehr auf den Kopf, damit Blaise ihn in Ruhe ließ. Nur ließ sich Blaise nicht so leicht von etwas abbringen. Und jetzt hier bei dieser Sache erst recht nicht.
„Glaub ich nicht. Ich mein. . . Sie muss doch für alles einen Grund haben. Und der Grund ist definitiv nicht der, dass sie dich nicht will !“, beharrte er auf seiner Ansicht und Meinung, die Draco nicht hören wollte, da er so nur wieder über alles begann nachzudenken. Dadurch hatte er auch ihre Aussage wieder in den Ohren, warum. Warum sie ihn nicht wollte. Nicht lieben konnte.
„Sie muss dir doch irgendetwas dazu gesagt haben und. . .“ „Blaise. . .“, stöhnte Draco gequält unter dem Kissen hervor, damit sein blöder Freund endlich den Mund hielt. Blaise aber dachte nicht daran. „Nein ! Sie hat Gefühle für dich. Das sieht selbst ein Blinder. Hermione belügt sich doch nur selbst. Sie. . .“ „Verdammt, hör auf !“, motzte Draco und kam nun doch wieder unter dem Kissen hoch. Das Gesicht eine stille Maske aus Bitterkeit und Schmerz.
„Sie hat jemand anderen ! Okay ? Sie liebt jemand anderen !“, gab er Blaise nun doch noch zu verstehen, in der verzweifelten Hoffnung, dass er dieses Thema dann endlich ruhen ließ, denn es tat ihm einfach nur weh, daran zu denken. Diese Sache vom Vorabend wieder so klar vor den Augen und in den Ohren zu haben. Diese Tatsache tief im Bewusstsein mit Widerhaken festgekrallt zu haben, die diese Wunde nur noch stärker aufrissen, je länger er sich irgendwie damit befasste.
„Wer ?“, bohrte Blaise dann aber und auch Charlie spitzte die Ohren. „Ich … weiß … es … nicht. Und ich will es verdammt nochmal auch nicht wissen !“, fauchte Draco allmählich gereizt. Blaise ließ aber auch weiter nicht locker, was den Blonden fast in den Wahnsinn trieb.
„Warum nicht ? Wenn wir wissen wer es ist, könnten wir uns unauffällig um das Problem kümmern“, deutete Blaise auf sich und Charlie. „Du wärst da ganz außen vor und könntest sie hinterher trösten, wenn es in die Brüche geht. Dann würde Hermione erkennen, was sie an dir hat, und alles ist gut.“ „Nein“, gab Draco ihm auf seine Idee hin aber nur gedrückt zurück, bevor er weiter meinte: „Sie hat mit allem was war schon genug durchgemacht. Ich will nicht, dass sie jetzt noch mehr leidet. Wenn sie jemand anderen liebt, dann. . .“ Er schluckte. „Dann ist das leider so. Ich werde sie deswegen aber nicht unglücklich machen. Und deshalb will ich es auch nicht wissen, okay ? Ich will es nicht wissen, um nicht vielleicht doch irgendwie was Blödes zu machen, was ich nicht will und ihr im Endeffekt nur schadet. Oder du !“, funkelte er Blaise an, da er ganz genau wusste, dass sein Freund, die Schlange, die trotz allem in Blaise, Charlie und ihm selbst steckte, etwas aushecken würde, um Hermiones Glück letztlich irgendwie zu zerstören.
„Es ist ihr Leben.“ „Und was ist mit dir ?“, fragte Blaise ruhig, worauf er schwieg und die Lippen zu einem Strich zusammenpresste. „Denkst du nicht, dass du dir nach allem nicht auch dein Glück redlich verdient hast ? Mehr als verdient ?“ „Nicht, wenn es am Ende auf ihre Kosten geht und auf ihrem Leid aufbaut. Das will ich nicht. Ich würde es immer wissen und sehen und da. . . Denkst du, ich wäre glücklich mit diesem Wissen ?“, sah er Blaise ruhig, aber auch ein wenig bitter an, der ihn seinerseits traurig musterte.
„Du bist ein masochistischer Vollidiot“, gab er ihm schließlich zurück, worauf der Blonde nichts erwiderte. Lediglich sein rechter Mundwinkel zuckte kurz minimal, bevor er sich ganz aufrappelte, um zu verschwinden. Da aber hielt Blaise ihn wieder zurück.
„Warte. Wo willst du jetzt noch hin ?“ „Raus. Frische Luft.“ „Oh nein“, mahnte Blaise und zog ihn ganz zu sich. „Wir haben Sperrstunde“, erinnerte Charlie ihn dann auch noch. „Gilt nicht für mich.“ „Du bleibst jetzt trotzdem hier.“ „Blaise. . .“ „Nein. Blaise hat Recht“, klinkte sich Charlie nun auch noch mit ein, ging das Ganze dann aber etwas mehr von der vernünftigen Warte an.
„Du solltest jetzt nicht alleine irgendwo im Schloss rumlaufen. Als wir dich gefunden haben, warst du überhaupt nicht ansprechbar. Und wenn du dich nicht einmal daran erinnerst, wie wir mit dir in die Kerker runter sind, ist das echt bedenklich. So bist du leichte Beute, immerhin rennen diese Psychos auch noch frei herum“, erinnerte Charlie ihn, worauf er nichts erwiderte.
„Genau ! Du bleibst jetzt erstmal bei uns“, setzte Blaise nach, den Draco nur kurz ansah, bevor er ruhig meinte: „Ihr wollt mich nicht in eurer Nähe haben“, was die Beiden verwirrte. „Wie kommst du jetzt auf so einen Mist ?“, hakte Blaise nach. Draco gab ihm aber keine Antwort, sondern sah stattdessen müde auf das Chaos, was er im Unterbewusstsein angerichtet hatte.
„Deswegen ?“, deutete Blaise auf das Desaster und winkte schließlich ab. „Ist doch kein Problem“, meinte er weiter, was Charlie zustimmend benickte und sich schließlich schon ans magische Aufräumen machte. Draco aber schüttelte mit dem Kopf und trat ganz zu Blaise.
„Nein. Nicht deswegen“, murmelte er und strich kurz mit den Fingerspitzen über Blaise’ Wange, was er sich verwundert besah. Mehr noch, als Draco ihm seine blassen Finger entgegen hielt, die nicht mehr einfach nur blass waren, sondern an denen etwas Feuchtrotes klebte. Blut.
„Deswegen. Das ist das Problem.“ Daraufhin kehrte für einen kurzen Moment ein erdrückendes Schweigen ein, da weder Blaise, noch Charlie wirklich bewusst mitbekommen hatten, dass sie sich tatsächlich durch die Explosionen vorhin verletzt hatten. Es war ein flüchtiger Moment, den Draco nutzen wollte, um zu verschwinden. Er kam allerdings nicht wirklich an Blaise vorbei, der sich sofort wieder fing und seinen Freund am Arm festhielt.
„Draco“, meinte er ruhig und zog ihn erneut mehr ran, bevor er ihn mit sanfter Gewalt zurück aufs Bett drückte. „Das ist auch nicht das Problem. Es gibt in der Richtung kein Problem. Hörst du ? Du bleibst jetzt erstmal bei uns und ruhst dich vor allem aus.“ „Blaise hat Recht. Das ist nichts“, meinte Charlie und heilte Blaise’, seine eigenen, wie auch Dracos Schnittwunden im Handumdrehen, bevor er sich auch wieder ganz auf seinen blassen Freund konzentrierte.
„Diese Anfälle und die Magieausbrüche, . . . Dafür kannst du nichts. Lass das alles nicht so an dich ran. Ruh dich jetzt erstmal aus. Du siehst . . . furchtbar aus. Ich werd Paps morgen schreiben, ob er nicht vielleicht noch etwas in der Richtung für dich hat, damit du schlafen kannst. Alles andere da. . . Lass den Kopf nicht hängen.“ „Genau. Es ist bis jetzt doch trotzdem alles irgendwie immer gut gegangen“, meinte Blaise zwar zuversichtlich, nur konnte er seinen eigenen Worten selbst nicht mehr zu 100% glauben, denn er hatte immer mehr die Befürchtung, dass diese ganze Geschichte, allen voran das mit Hermione jetzt, seinen Freund früher oder später umbringen würde. Zumindest seelisch, wobei Blaise da ohnehin immer mehr seine Zweifel daran hatte, dass es nicht vielleicht schon passiert war.

۩ ۞ ۩


Er war nicht gekommen. Hermione hatte die halbe Nacht lang in ihrem Bett wach gelegen und die Karte des Rumtreibers im Auge gehabt. Sie hatte Draco im Auge behalten, der irgendwann mit Blaise und Charlie in einen anderen Raum, sie vermutete einen der Schlafsäle, gegangen war, wo die Drei dann auch geblieben waren. Es war eine Tatsache, die sie bitterlich schmerzte, dass der Blonde ihr nun wohl doch aus dem Weg ging. Dass er sie nicht sehen wollte. Sie konnte es verstehen, keine Frage. Aber es tat weh. Verdammt weh. Der Rest der Nacht vermochte diesen Schmerz auch nicht zu lindern, sondern schürte ihn im Gegenteil sogar noch mehr.
Die wenigen Stunden, in denen sie so etwas wie Schlaf gefunden hatte, waren schlichtweg grauenvoll. Und da war grauenvoll noch geschmeichelt. Ihre Albträume hatten sie erneut verschlungen und ihr die fürchterlichsten Dinge vorgegaukelt, die am Ende weniger mit ihrer Person zu tun hatten, sondern ihr das Leiden derer zeigte, die sie liebte. Jeden auf seine Weise.
Es war ein Aufschrei grenzenlosen Schmerzes gewesen, mit dem sie sich am Ende selbst aus diesen dunklen Untiefen ihrer Urängste gerissen hatte. Dem nachfolgenden Brennen ihrer Augen nach, hatte sie auch diese Nacht im Schaf geweint, was auch nach dem Aufwachen nicht so schnell wieder aufhören wollte. Stattdessen schluchzte sie in ihr Kissen und rollte sich unter der Decke zusammen, die sie im Augenblick nicht wirklich zu wärmen vermochte.
Erst nach einer knappen Viertelstunde ließen ihre Schluchzer nach, nicht aber der stechende Schmerz in ihrem Innern, der dafür sorgte, dass sie sich als erstes wieder die Karte griff und einen Blick auf die Kerker riskierte. Die Jungs waren alle drei aber noch zusammen in ihrem Zimmer, was eigentlich kein Wunder war, denn es war gerademal kurz nach 6:00 Uhr.
Dennoch beruhigte sie dieser Anblick minimal. Die Tatsache, dass Draco jetzt nicht alleine war. Zeitgleich aber begann sie sich mit Unbehagen zu fragen, wie das nun die nächste Zeit werden würde ? Zwar hatte er selbst gesagt, oder sie mehr völlig verunsichert gefragt, ob sie Freunde blieben, was sie ja selbst nicht gewillt war wieder herzugeben. Leider aber war es alles andere als leicht, wenn nicht gar unmöglich, nach einer derartigen Sache, wieder genau da anzuknüpfen, wo das Band zerrissen war.
Dass er jetzt nicht hier war, sie mied, war der deutlichste Beweis dafür. Es ging einfach nicht. Man konnte nach so einer Sache nicht sofort wieder zur Tagesordnung übergehen, und so tun, als wäre nie etwas passiert. Sie wusste ja selbst nicht, wie sie nun mit ihm umgehen sollte. Genauso Blaise und Charlie. Hermione hatte gehörig ihre Zweifel daran, dass die Beiden diese Geschichte neutral angingen, immerhin war Draco ihr Freund. Sie würden ihm, berechtigterweise, zur Seite stehen.
Hermione wurde damit jetzt erst bitterlich bewusst, dass sie am Ende vermutlich nicht nur die Verbindung zu Draco zerrissen hatte, sondern auch ihre langjährige Freundschaft zu den anderen beiden Schlangen.
Das alles, ihre Verbindungen zueinander, war wie ein Netz, bestehend aus nur einem Faden, welcher zu einem komplizierten Muster verwoben worden war. Schnitt man diesen Faden an einer Stelle aber durch, brach das ganze Muster nach und nach in sich zusammen.
So weit durfte sie es nicht kommen lassen. Sie musste nochmal mit Draco reden. Ganz in Ruhe, auch wenn sie noch immer keine Ahnung hatte, wie sie das alles wieder gut machen konnte. Wie sie diesen tiefen Schnitt wieder heilen konnte. Einen Schnitt, der eine hässliche Narbe zurücklassen würde, wie ihr schmerzlich bewusst war, denn es schien unwiderruflich etwas zwischen ihnen kaputtgegangen zu sein. Das hatte sie in seinem Blick gesehen und in der Sekunde auch selbst in sich gespürt. Es war etwas, was keine Magie der Welt wieder vollkommen fixen konnte. Da würde immer etwas sein. Ein bitterer Nachgeschmack. Aber hoffentlich nur der.
Damit quälte sie sich hoch und verschwand im Bad, sich fertig machen. Als sie in ihr Zimmer zurückkam, fiel ihr Blick unweigerlich auf die Rose. Jedoch nur kurz, da der Anblick der welkenden Blüte dafür sorgte, dass sich ihr Innerstes aufs Neue schmerzhaft zusammenzog.
So verschwand sie, mit einem flauen Gefühl im Bauch, in der Großen Halle, die zum frühen Morgen noch relativ leer war. Ginny aber, schien dort bereits auf sie gewartet zu haben, denn sie saß alleine an dem runden Tisch. Als sie Hermione sah, sprang sie allerdings auf und eilte prompt zu ihrer Freundin, die sie ganz fest in die Arme schloss.
„Oh Mionchen, du siehst immer noch so blass aus“, bemerkte sie sorgenvoll und strich der Älteren kurz über die Wange. Diese lächelte schwach. „Schlecht geschlafen“, erklärte sie knapp, worauf Ginny nickte und sie zu sich an den Tisch zog, wo sie ihr gleich etwas Tee einschenkte.
„Hast du nochmal mit Draco gesprochen ?“, erkundigte sie sich behutsam, als Hermione etwas an ihrem Tee nippte. Kurz darauf stellte sie ihn wieder weg und schüttelte mit dem Kopf. „Er kam nicht. Er ist bei Blaise und Charlie in den Kerkern geblieben“, erklärte sie gedrückt, worauf Ginny ein stilles „Oh“ des Bedauerns entwich, bevor sie Hermione wieder tröstend über den Rücken rieb.
„Er braucht im Moment sicher nur etwas seine Ruhe. Lass ihm die, und nimm dir das nicht so an“, meinte sie, worauf Hermione zwar nickte, Ginny dann aber wieder verunsichert ansah, als sie fragte: „Hast du trotzdem vielleicht eine Idee, wie ich mit ihm. . . Was ich ihm sagen könnte ? Wie ich das wieder halbwegs . . . na ja, hinbekomme ?“ Hermione wusste nicht, wie sie es anders ausdrücken sollte. Und wie befürchtet, konnte ihr Ginny darauf auch keinen Rat geben.
„Nicht wirklich. Tut mir leid, Süße. Ich denke, wir müssen sehen, wie er drauf ist. Also. . . Na ja, du hast doch gesagt, dass er dir auch weiter ein Freund sein will und. . .“ „Kann man das nach so etwas überhaupt noch ?“, fragte Hermione etwas bitter, worauf sich Ginny auf die Zunge biss, dann aber doch nickte.
„Ganz bestimmt. Am Anfang wird es jetzt vielleicht etwas holprig sein und so. Aber ich bin mir sicher, dass das mit der Zeit wieder wird. Lass den Kopf nicht hängen. Ich mein. . . Sieh mal, ihr habt euch in der relativ kurzen Zeit so sehr zusammengerauft und auch so viel füreinander getan und. . . Draco wird das alles ganz sicher nicht wegschmeißen. Er wird jetzt einfach nur etwas Zeit brauchen, um sich . . . na ja . . . umzustellen“, versuchte Ginny ihr zu erklären, worauf sie knapp nickte, am Ende dann aber die Karte des Rumtreibers wieder zur Hand nahm und nach den Jungs Ausschau hielt. Ginny linste ihr dabei etwas über die Schulter. So dauerte es nicht lange, bis sie die Drei entdeckten, die inzwischen auch auf den Beinen waren, sich aber nicht in Richtung der Großen Halle bewegten, sondern in die Küche.
„Was wollen sie denn da ?“, murmelte Ginny verwundert für sich, während Hermione traurig seufzte. „Vermutlich alleine frühstücken.“ Damit faltete sie die Karte wieder zusammen und löste zudem den Zauber, bevor sie sich resigniert in ihrem Stuhl zurücklehnte und mit betrübten Augen irgendeinen Punkt an der Wand fixierte. Ginny besah es sich mitleidig und rieb ihrer Freundin erneut tröstend über den Rücken.
„Das wird schon wieder. Wie gesagt, lass ihm ein bisschen Zeit“, meinte sie nochmal, was leichter gesagt war, als getan. Und das zeigte sich auch im Laufe des Tages, als die Beiden in ihren jeweiligen Kursen zwangsläufig aufeinander trafen.
Hermione fiel die Veränderung, die mit Draco vonstattengegangen war, sofort auf, als sie zu ihrer ersten Unterrichtsstunde zu Flitwick verschwanden. Nicht nur, dass Draco mit Blaise und Charlie bereits im Zimmer war, als der Rest vom Frühstück eintrudelte. Nein. Die Beiden hatten ihren Freund in die Mitte genommen, der zudem wieder dieses vollkommen ausdruckslose Gesicht aufgelegt hatte. Diese kalte, steinerne Maske, die er in den ganzen Jahren immer getragen hatte. Eine Maske, die es jedem, wirklich jedem, vollkommen unmöglich machte, auch nur den Hauch einer Regung oder sonstige Emotionen in seinen Zügen zu erkennen. Seine grauen Augen, die sie in letzter Zeit immer häufiger hatte lachen, wie auch leuchten sehen, die lebendig waren, waren nun wieder genauso fahl, stumpf und scheinbar leblos, wie früher.
Der liebevolle Mensch, den sie nach und nach hinter all den Facetten und der kalten Maske entdeckt hatte, schien offensichtlich wieder ganz hinter dieser starren Maske verschwunden zu sein. Und das versetzte ihr noch zusätzlich einen mörderischen Stich ins Innerste, denn es war ihre Schuld. Sie hatte ihm die Hand gereicht und damit offensichtlich versteckte Hoffnungen geweckt und bekräftigt, um ihn dann nicht einfach nur wieder loszulassen, sondern wieder zurück ins Dunkel zu stoßen.

۩ ۞ ۩


Der Montag nach dem Katastrophenwochenende hatte für Draco etwas vollkommen Surreales. Nachdem er in der Nacht zwei weitere Male den Schlafsaal zerlegt hatte, aus dem sich weder Blaise, noch Charlie von ihm werfen ließen, hatte er sich von so etwas banalem wie Schlaf verabschiedet. Es hätte ohnehin nur wieder in einer mittleren Katastrophe geendet. Er hätte ein weiteres Mal diese dunklen, unheilvollen Dinge gesehen, mehr noch durchlebt und damit letztlich riskiert, dass er Blaise und Charlie doch noch ernsthafteren Schaden zufügte, da die beiden Holzköpfe ja nicht auf ihn hörten.
So nahm der Tag seinen grauenvollen Lauf, von dem er nur sporadisch etwas mitbekam. Es war nicht so, dass er total abgeschaltet hatte und überhaupt nichts von seiner Umgebung bemerkte, wie wohl gestern den Großteil des Tages. Ein bestimmter Teil seiner Selbst funktionierte auch weiterhin. Er nahm die Dinge um sich herum auf und verarbeitete sie entsprechend. Er funktionierte, wie er all die Jahre zuvor funktioniert hatte, allen voran während des Sechsten. Es war . . . mechanisch. Antrainiert. Eine Rolle eben. Er reagierte, wie er reagieren musste. Er arbeitete, wie er arbeiten musste. Er sagte, was er sagen musste. Tief im Innern aber, fühlte er sich leer. Antriebslos. Ausgebrannt.
Das Ziel, was er die ganze Zeit vor Augen gehabt hatte. . . Die Hoffnungen, denen er all die Zeit nachgejagt war, und die er fast hatte greifen können, waren nun jedoch mit einem Schlag zur Gänze in der kalten Dunkelheit verschwunden. Und damit auch das Licht in seiner sonst so schwarzen Welt.
Zwar war die Hexe nicht wirklich aus seinem Leben verschwunden, dennoch fühlte es sich im Augenblick so an. Als würden tausende von Meilen zwischen ihnen liegen, anstatt nur zwei, drei Meter. Es war ihm, als würde sich eine zwanzig Meter hohe, kalte, mit rasiermesserscharfen Dornen besetzte Wand vor ihm auftun, die sie noch zusätzlich von ihm abschirmte. Von ihm fernhielt. Ihn ausschloss, obwohl er auf der einen Seite nichts mehr wollte, als sie fest in die Arme zu nehmen und einfach nur zu halten. Auf der anderen Seite wiederum, hatte er seine eigenen undurchdringlichen Mauern hochgefahren, um dem stechenden Schmerz zu entgehen, den ihre Nähe ihm bereitete. Diese Dornen.
Es war erbärmlich. Er war erbärmlich, denn er konnte nicht mit ihr, weniger noch ohne sie und ließ damit zu, dass sie ihn immer mehr verstümmelte. Er ließ zu, dass sie eine derartige Macht über ihn hatte. Die Macht ihn zu quälen, auch wenn das vermutlich das Letzte war, was sie wollte. Sie tat es dennoch. Sie fügte ihm tiefe, blutende Wunden zu, wenn sie ihm Nahe war. Wunden, die jetzt und hier drohten, einen Teil seiner Selbst sterben zu lassen, ließe er sie hinter seine schützenden Mauern. Mauern, hinter denen er sich immer mehr verkroch und alles um sich herum bis auf ein totales Minimum ausblendete. Allen voran eben auch diese eine Gryffindor, die ihn während Sprouts Unterricht immer mal versuchte anzusehen. Die darauf hoffte, dass er den Blick kurz hob und in ihre Richtung sah. Dass er sie bemerkte, damit sie ihm vielleicht ein kleines Lächeln zukommen lassen konnte.
Doch nichts passierte. Weder sah er auf, noch reagierte er auf sonst etwas und ging ihr zudem auch konsequent weiter aus dem Weg, denn während des Mittagessens waren Blaise und Charlie erneut mit ihm in der Küche, anstatt der Großen Halle. Es war eine Tatsache, die nicht nur dem Rest am Tisch, sondern auch den anderen Schülern begann aufzufallen. Dass gerade diese drei Schlangen fehlten und nach Verteidigung gegen die Dunklen Künste auch wieder in der Versenkung verschwanden. Harry konnte auf diese Tatsache hin nicht mehr wirklich an sich halten und trat auf Hermione zu, die ja auch schon den ganzen Tag mit tiefschwarzer Trauermiene herum lief und obendrein gerade ihrerseits in den Gängen verschwinden wollte.
„Hermione, warte“, rief er und hielt sie am Arm fest, worauf sie sich bitter zu ihm umdrehte. „Was denn ?“, fragte sie matt. „Das frag ich dich. Was ist los ? Ich mein. . . Es ist nur zu offensichtlich, dass zwischen dir und Draco irgendwas vorgefallen ist.“ „Da ist nichts“, versuchte sie ihn abzuwiegeln und zu gehen. Harry ließ sie aber nicht.
„Klar ist da was. Mensch, Mione. Du siehst furchtbar aus, genauso wie Draco. Außerdem geht er dir aus dem Weg, hab ich den Eindruck.“ Daraufhin verkrampfte sie sich innerlich, während sie nach außen versuchte, ihn erneut abzuwiegeln.
„Das bildest du dir bloß ein.“ „Ach tatsächlich ? Dann leide aber nicht nur ich unter dieser Einbildung, sondern auch die anderen. Also, was ist los ?“ „Nichts“, wehrte sie auch weiter ab und wollte gehen. Harry hielt sie allerdings erneut zurück.
„Verdammt, Hermione. Du bist meine Freundin. Ich will dir doch bloß helfen“, appellierte er an sie. „Wenn Draco irgendwas gemacht hat, dann. . .“ „Hör auf !“, unterbrach sie ihn da aber sofort harsch, da er drohte, sich Draco als Fixpunkt zu suchen. Und das konnte sie nicht zulassen. Sie konnte nicht zulassen, dass ihn schon wieder irgendwer auch nur minimal als Sündenbock sah, denn er war der Letzte, der hier irgendeine Schuld hatte, was sie Harry dann auch gleich noch zu verstehen gab.
„Draco hat nichts falsch gemacht. Okay ? Rein gar nichts. Er ist einfach nur lieb, während ich . . . ich. . . Ich bin es !“, sah sie Harry bitter an, der aber nur verwirrt die Augenbrauen kraus zog, während sich der feuchte Schimmer über Hermiones Augen, der sie schon den ganzen Tag über begleitete, immer stärker zu verdichten begann.
„Ich bin die blöde Kuh, die . . . die Schuld an dieser Sache hat. Es ist ganz allein meine Schuld, dass er so dicht gemacht hat“, warf sie ihm verbittert zu. Im selben Moment kullerten ihr die Tränen aus den Augen, die über die blassen Wangen liefen. Harry wiederum wusste nicht so recht, was er dazu sagen sollte.
„Du ? Aber. . . Warum ? Ich mein, . . . Was hast du denn getan ? Habt ihr euch doch gestritten ? Habt ihr. . .“ „Merlin, Harry ! Jetzt hör auf sie zu löchern !“, schimpfte Ginny, die die Beiden jetzt erst richtig im Blick hatte. Allen voran Hermione, die bereits wieder weinte. Damit trat sie auch gleich ganz zu ihrer Freundin, die sie etwas schützend hinter sich schob.
„Ich hab dir gestern doch schon gesagt, dass das eine Sache zwischen Mione und Draco ist.“ „Ich will ihr doch bloß helfen !“, beschwerte sich Harry leicht eingeschnappt, da Ginny sehr wohl zu wissen schien, was hier nicht stimmte. „Das kannst du nicht“, gab ihm Hermione dann aber leise, wie auch bitter Antwort, sodass er wieder zu ihr sah.
„Du kannst mir hierbei nicht helfen. Das muss ich alleine wieder hinbekommen.“ „Und wenn ich mal mit Draco rede ?“, bot sich Harry wieder ruhig an. Hermione aber schüttelte schon fast panisch mit dem Kopf, allein auf den Gedanken. „NEIN !“, platzte es dann auch noch aus ihr heraus. „Tu das nicht. Bitte. Du würdest es nur noch schlimmer machen“, flehte sie schon halb.
Merlin, sie wollte sich keine Vorstellung davon machen, wie Draco das auffassen würde, wenn Harry, ausgerechnet Harry, bei ihm auftauchte, um ihn vielleicht aufzumuntern, weil sie ihn nicht wollte. Das käme dem blanken Hohn und Spott gleich ! Auch wenn sich die Beiden die Hand gegeben hatten, standen sie dennoch irgendwo am Anfang. Sie mussten erstmal ein wirkliches Verhältnis zueinander aufbauen. Vertrauen. Verständnis. Richtiges Verständnis. Nein, das würde achtkantig in die Hose gehen, zumal sie Draco ja auch noch mit Harry verglichen hatte, was ihre Empfindungen anging.
„Harry wird sich da raushalten. Nicht wahr ?“, funkelte Ginny ihn bedrohlich an, worauf er einknickte und nickte, sodass sie sich wieder an Hermione richtete, der noch immer die blanke Panik in den Augen geschrieben stand. Diese nahm Ginny dann auch schon beruhigend bei der Hand.
„Komm. Ich bring dich hoch. Du solltest dich etwas hinlegen“, meinte sie ruhig und verschwand schlussendlich mit Hermione in den Gängen. Zurück blieb ein etwas ratloser Harry, wie auch ein zweites paar Ohren, die verborgen, hinter einer der Rüstungen, das wirre Gespräch belauscht hatten.

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„DRACO !“, brüllte Blaise ein wenig sauer gegen die dunkle Tür, die ihm der Blonde soeben vor der Nase zugeknallt hatte, kaum dass er im Schlafsaal verschwunden war. Charlie stand kopfschüttelnd daneben, während Blaise mit der Faust gegen die Tür hämmerte.
„Draco ! Jetzt komm schon. Mach die Tür wieder auf !“, rief er dagegen, doch wie zu erwarten, tat sich nichts. Auch nicht, als Blaise es mit dem Alohomora und diversen anderen Zaubern versuchte, die ihm verbotenerweise noch bekannt waren. Keiner erfüllte seinen Zweck.
„Drachenmist !“, fluchte er und trat gegen die Tür. „Jetzt lass ihn einfach“, mahnte Charlie, der sich prompt auch noch einen bösen Blick einfing. „Ihn lassen ? Er macht schon wieder dicht !“ „Das weiß ich selber. Ihn jetzt so zu bedrängen und zu nerven bringt aber auch nichts. So machst du es nur noch schlimmer. Wenn er allein sein will, dann lass ihm diese Möglichkeit. So lange er hier bei uns in den Kerkern ist und nicht wieder kopflos durchs Schloss läuft, sehe ich keinen Grund, ihm so sehr auf die Pelle zu rücken. Ich bin ja auch der Meinung, dass wir ihn nicht alleine lassen sollten. Einen Rückzugspunkt, nur für sich, braucht er im Moment dennoch. Also lass ihm den. Lass ihm die Möglichkeit, selber erstmal wieder richtig mit sich klar zu kommen. Mir schmeckt das ganze doch auch nicht. Ich kann ihn aber verstehen. Ich wollte an seiner Stelle auch etwas meine Ruhe. Richtig Ruhe“, mahnte Charlie, worauf Blaise etwas brummig, aber dennoch ergeben nickte.
„Wenn er wenigstens was essen würde. . .“, knurrte er dennoch, da Draco weder zum Frühstück, noch Mittag, etwas zu sich genommen hatte. Und so wie Blaise die Sache einschätzte, dann hatte er auch gestern den ganzen Tag vermutlich nichts gegessen.
„Der Appetit kommt mit der Zeit auch wieder. Lass ihn jetzt erstmal. Vielleicht kommt er nachher ja noch kurz runter“, meinte Charlie weiter und dirigierte Blaise schließlich zurück in den Gemeinschaftsraum, wo die Schwestern sie fragend musterten.
„Was ist denn mit Draco los ? Hat er sich mit Hermione gestritten ?“, erkundigte sich Daphne, als sich die beiden Jungs, Charlie auf die Couch neben Daphne, Blaise in einen der Sessel Astoria gegenüber, fallen ließen.
„Nein. Streiten ließe sich aber leichter wieder fixen“, murrte Blaise und schürte damit noch mehr die Verwirrung der Schwestern, die sich entsprechende Blicke zuwarfen, bevor Astoria eine recht kühne Vermutung in den Raum warf „Jetzt sagt uns nicht, er hat Liebeskummer ?“, bei der Blaise und Charlie kurz verdutzt die Fassung verloren und die jüngere Greengras überrumpelt musterten.
„So wie ihr kuckt, hat Astoria Recht“, spann Daphne weiter und sah durchdringend zu Charlie. Der tauschte wiederum einen hilflosen Blick mit Blaise, der im Kommenden den Gemeinschaftsraum sondierte, der aber auch weiterhin bis auf ihr Grüppchen leer war. Kurz darauf nahm er die Mädels wieder ins Visier.
„Wie kommt ihr darauf ?“, versuchte er dennoch abzulenken und fing sich einen sträflichen Blick von beiden ein. „Ehrlich, Blaise. Wir sind weder blind noch blöd. Zudem sind wir nicht grundlos in Slytherin“, strafte ihn Daphne etwas ab. „Dracos Verhalten letztens auf der Party war offensichtlich. Von diesen ganzen Veränderungen einmal abgesehen, war mehr als deutlich zu erkennen, dass er ein recht spezielles Interesse an der Löwin hat. Eines, was über eine normale Freundschaft hinausgeht. Er hat es am Ende ja auch zugegeben, als ich in der Richtung gebohrt habe“, gestand Astoria ihnen, sodass die Beiden die Schwestern aufs Neue leicht überrumpelt ansahen.
„Draco will dir das gesagt haben ?“, hakte Blaise nach. „Als wir kurz miteinander getanzt haben, ja“, bestätigte Astoria ihm ruhig. „Also. Karten auf den Tisch, Jungs. Was ist passiert ?“, forderte Daphne. „Ich hatte in den letzten Wochen eigentlich immer mehr den Eindruck, dass in der Richtung alles geklärt ist und sie wegen den übrigen Löwen nur nichts sagen“, vermutete Daphne weiter. Blaise wiederum seufzte und sank resigniert etwas mehr in dem schwarzen Ledersessel in sich zusammen.
„Schön wär’s, wenn es nur das wäre.“ „Was ist passiert ?“, erkundigte sich Astoria erneut ruhig, zu der Charlie müde sah. „Blaise hatte einen ziemlich blöden Ratschlag für Draco.“ „Der war nicht blöd !“, schimpfte Blaise und warf angefressen ein Kissen nach Charlie, der zurück kuffte: „Und ob der blöd war ! Du siehst doch, was dabei rausgekommen ist !“ Daraufhin knurrte Blaise wieder und verschränkte angefressen die Arme vor der Brust, sodass Charlie den Part des Erklärens übernahm, da die beiden Mädchen ohnehin nicht mehr von ihrer Vermutung abzubringen waren. Erst Recht nicht, wenn Draco selbst schon teils etwas über sich und seine Pläne verraten hatte.
„Hermione ist, . . . war in der Richtung nicht wirklich sensibel genug, um das alles zu bemerken.“ „Was bemerken ? Dracos Intentionen ?“ „Genau die“, bestätigte Charlie Daphne, die nur skeptisch eine Augenbraue nach oben zog, während Astoria mit dem Kopf schüttelte.
„Wie kann man das nicht bemerken ? Ich mein. . . Gerade bei Draco ! Er ist trotz allem ja nicht wirklich jemand, der dafür bekannt ist, dass er sich so sehr um eine Frau bemüht“, murmelte Astoria verständnislos, worauf Blaise knurrte: „Daran ist bloß das blöde Wiesel Schuld. Dass Hermione so ein zerstörtes Selbstbild von sich hat, dass sie nicht merkt, wenn jemand aufrichtiges Interesse an ihr hat.“ „Nun, ich denke da dürfte Draco selbst über die Jahre aber auch einiges dazu beigetragen haben“, warf Daphne noch ein und fing sich dafür einen finsteren Blick von Blaise ein.
„Er konnte nicht anders !“, schnauzte er sie an und bekam dafür von Charlie einen leicht wütenden Tritt gegen das Schienbein, während Daphne beschwichtigend die Hände hob. „Ich mein ja nur. Er gibt sich jetzt dafür ja umso mehr Mühe. Warum sagt er es ihr denn dann nicht einfach ?“ „Und genau DAS hat Blaise ihm vorgeschlagen und das ist es, was nach hinten losgegangen ist“, murrte Charlie und sah nochmal böse zu dem Dunkelhaarigen, der noch ein kleines bisschen mehr in dem Leder versank und aufs Neue vor sich hin knurrte. Die Schwestern wiederum verstanden nicht.
„Was meint ihr ?“ „Hermione hat es nicht wirklich freudestrahlend aufgenommen“, kam Charlie zum Schluss. Einem Schluss, den die beiden Mädchen nicht wirklich glauben konnten. „Wollt ihr uns jetzt sagen, dass sie ihn nicht will ? Dass sie ihn hat abblitzen lassen ?“ „Unverständlich, aber leider wahr“, meinte Charlie und knirschte etwas mit den Zähnen. Die Schwestern wiederum sahen sich zweifelnd an.
„Warum ? Er meint es doch auch wirklich ernst. Oder ?“, sah Astoria noch immer etwas verwirrt zwischen Blaise und Charlie hin und her, die knapp nickten. „Und so wie er jetzt ist da, . . . So eine schlechte Partie ist er da doch gar nicht“, meinte sie weiter verständnislos. Charlie seufzte.
„Nein. Aber offensichtlich hat sich Hermione wohl schon mehr in jemand anderen verliebt. So was in der Richtung hat sie ihm wohl gesagt.“ „Autsch“, entwich es Daphne. „Ein böser Schlag gegen sein Ego.“ „Nicht bloß gegen das“, brummelte Blaise. „Wer ? Doch nicht etwa Weasley ?“, hakte Daphne nach. „Wir wissen es nicht. Aber wenn das der Fall wäre, hätte Draco das Wiesel schon gelyncht, glaub mir. Nein. Er hat sie nicht danach gefragt. Er wollte es wohl nicht wissen.“ „Warum ?“, fragte Astoria. „Weil er es akzeptiert.“ „Einfach so ?“ Daphne blieb skeptisch. „Draco gibt doch sonst nicht nach, bis er hat was er will.“ „Für gewöhnlich nicht, nein. Allerdings. . .“, wurde Charlie leiser und beugte sich auf der Couch etwas vor. Sein Blick wiederum verlor sich in den knisternden Flammen des Kamins.
„Er akzeptiert es, da es wohl das ist, was Hermione will. Was sie glücklich macht. Und dem will er nicht im Weg sein.“ Daraufhin kehrte betretenes Schweigen unter den Vieren ein, die in ihren jeweiligen Gedanken versanken und auch nicht aus diesen auftauchten, als sich der Gemeinschaftsraum nach und nach ein wenig zu füllen begann.

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Zitat
Mir gefällt an Harry vor allem, dass er kein Held im klassischen Sinne ist, kein unüberwindlicher Superman.
Daniel Radcliffe über seine Rolle