Es war spät am Abend, als sich in einer der abgelegenen, halb zerfallenen Lagerhallen, in einem stillgelegten Industriegebiet abseits von Mugglelondon, mehr regte, als nur das übliche Ungeziefer. Es ploppte in der Stille der anbrechenden Nacht, bevor in der Dunkelheit ein kaltes, bläulich weißes Licht erschien, das die instabilen Maschinen sichtbar machte.
Verschreckt, aufgrund dieser Abnormität hörte man ein paar Ratten quieken, die sich prompt versuchten zu verstecken. Eine war jedoch zu langsam und wurde unverhofft von einem giftgrünen Lichtblitz getroffen. In der nächsten Sekunde rührte sie sich nicht mehr.
„Widerlich“, rümpfte Dolores die Nase und sah auf den toten Pestboten. Sie ließ ihren Zauberstab schweifen und löste letztlich das Licht des Lumos von ihrem Stab, welches im Kommenden über ihrem Kopf schwebte und die alte Halle etwas stärker ausleuchtete.
Sie hätte sich kaum einen ungemütlicheren Ort für ihr Treffen vorstellen können, doch aufgrund der jüngsten Begebenheiten, konnte sie sich unmöglich irgendwo im magischen Teil Londons mit diesem Trottel treffen.
Hatte sie ihm letztens nicht noch gesagt, keine Zeugen? Und was machte der Idiot? Legte einen Auror lahm! Wenn er ihn wenigstens ganz eliminiert hätte, aber nein. . . Wäre ja auch zu einfach. Sie hatte selten so viel geballte Inkompetenz auf einen Haufen gesehen. Sie fragte sich dadurch unweigerlich aufs Neue, wie sich dieser Dummkopf einen Namen als Söldner hatte machen können? Egal.
So wie es schien, hatte er sich inzwischen ihres kleinen Problems angenommen. Diesmal hoffentlich richtig, aber so wie sie es zufällig mitbekommen hatte, suchte man den Bengel bereits seit dem frühen Morgen. Damit ploppte es dumpf, was ihr verriet, dass sie nicht mehr länger die einzige magische Person war.
„Sie sind zu spät!“, monierte sie pikiert, als Gibson grinsend in den Schein des Lumos trat. „Und?“, zog er die Schultern hoch, während Umbridge auf seinen ungepflegten Anblick die Nase rümpfte, bevor sie ihn böse anfunkelte.
„Was haben Sie sich eigentlich bei dem Auror gedacht?!“ „Was? Er hat rumgeschnüffelt. Davon abgesehen lebt er noch“, schnaubte Gibson, was sie ihm gleich tat.
„Dummerweise. Sie hätten ihn richtig beseitigen sollen. Das Aurorenbüro und dieser verfluchte Werwolf sind deswegen verstärkt in Alarmbereitschaft! Was denken Sie passiert, wenn er wieder zu sich kommt?“ „Höchst unwahrscheinlich“, meinte Gibson und grinste durchtrieben. Umbridge nahm es letztlich so hin, denn etwas anderes blieb ihr nicht übrig. Sie würde nicht das Risiko eingehen entdeckt zu werden, während sie sich dieses Problems annahm.
„Hoffen wir es! Was ist nun mit dem Bengel? Sein Verschwinden scheint zeitnah bemerkt worden zu sein. Zumindest ging sehr früh morgens eine Meldung im Aurorenbüro ein. Dummerweise wurde noch nicht weiter Alarm geschlagen. Scheinbar sucht man ihn noch. Ich hoffe für Sie, dass Sie diesmal gründlich waren! Haben Sie seine Leiche entsorgt?“, erkundigte sich Dolores mit stechendem Blick. Gibson grinste selbstsicher.
„Man wird die kleine Kröte unmöglich finden. Und ausplappern wird er auch nichts mehr.“ „Wollen wir es hoffen!“, zischte Umbridge, was er allerdings überging.
„Was ist jetzt mit meiner Belohnung?“ „Darüber reden wir später, wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist. Durch Ihren dummen Angriff auf den Auror, haben Sie sich selbst ins Schussfeld gebracht!“ „Es gibt keinen Beweis dafür, dass ich es war. In der Knockturn Alley sind Auroren nach wie vor nicht gern gesehen“, monierte er, worauf Umbridge nickte.
„Sicher. Dennoch. Ich werde erst einmal ein Alibi für Sie schaffen müssen. So lange halten Sie sich versteckt, bis ich mich wieder bei Ihnen melde.“ „Ich brauche Geld!“, raunzte er, was sie mit der Nase rümpfen ließ.
„Wenn ich nicht in meine Wohnung oder sonst wo hin kann, brauche ich Geld!“ „Ich werde Ihnen eine Eule schicken. Das Beste wird sein, Sie bleiben etwas in Mugglelondon. Dort wird man Sie nicht suchen.“ Daraufhin schnaubte er.
„Und wie lange?!“ „Bis ich ein Alibi für den Angriff auf den Auror und Zeitpunkt des Verschwindens des kleinen Malfoy habe.“ „Sie könnten doch einfach sagen, dass ich bei Ihnen war“, schlug er ihr vor, worauf sie angewidert schnaubte.
„Seien Sie nicht albern! Man würde es anzweifeln. Außerdem möchte ich in keiner Weise näher mit Ihnen in Verbindung gebracht werden. Die entsprechenden Leute würden sonst fragwürdige Schlüsse ziehen, auf die ich verzichten kann! Sie halten sich bedeckt, bis ich mich wieder bei Ihnen melde. Haben wir uns verstanden?“ „Bin ja nicht blöd“, murrte er, was Dolores allerdings immer mehr anzweifelte.
Schließlich wandte sie sich ab und verschwand in einem Plopp.
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Als die Freunde am Sonntagmorgen in die Große Halle zum Frühstück gingen, war ihre Stimmung noch immer extrem gedrückt.
Harry hatte am Abend noch sehr lange mit Ginny in ihrem Zimmer gesessen und über alles gesprochen. Unter anderem hatte er sich von ihr mehr von den Jungs erzählen lassen. Von den Dingen, die in den vergangenen Jahren waren. Über die Freundschaft, die sie und Hermione in dieser Zeit zu den Beiden aufgebaut hatten. Er wollte einfach keinen Missverständnissen und falschen Eindrücken mehr erliegen. Er wollte all das ein für alle Mal hinter sich lassen. Die Abneigungen, das Misstrauen, das Unverständnis.
Darüber hinaus hatten sie sich ihre Gedanken gemacht, wer für diese Bluttat verantwortlich war? Zu einem wirklichen Ergebnis waren sie jedoch nicht gekommen. Ähnlich in den Kerkern.
Blaise hatte auch weiter Gift und Galle gespuckt. Geflucht, geschimpft, wie auch grauenvolle Mordpläne geschmiedet, während sich Charlie vermehrt den Kopf über das Wie, Wann allen voran aber das Wer zerbrochen hatte. Am Ende war er ebenso ratlos geblieben, wie Ginny und Harry gut acht Stockwerke über ihnen.
So traten sie nun geschlossen in die halb volle Halle, wo die Meisten noch mit frühstücken beschäftigt waren und sich angeregt unterhielten. Allerdings schlug das Thema allen vier, vornehmlich Blaise, ganz gewaltig auf den Magen, denn es ging um Draco und die Tatsache, dass er verschwunden war. Ihre Suchaktion gestern war nicht unbemerkt geblieben. Zudem hatten Einige die kleine Traube spät am Abend vor dem Krankenflügel gesehen. Blutig.
Was wirklich passiert war, darüber wollte Tonks vorerst Stillschweigen bewahren. Und zwar aus unterschiedlichen Gründen.
Zum Einen steckte sie mitten in ihren Recherchen und wollte den Täter so nicht unnötig aufscheuchen, sollte er noch in Hogwarts sein, was sie jedoch bezweifelte. Sie hoffte schlicht und ergreifend auf einen Fehler, den der oder diejenigen im Kommenden begehen könnten. Zum Anderen war da Draco, dem sie es ersparen wollte, dass man ihn mit diesen Dingen belastete.
Sie konnte im Augenblick nicht wirklich einschätzen, wie der Rest der Schule auf diese Wahrheit reagieren würde. Allerdings war sie sich leider ziemlich sicher, dass die Wenigsten seiner Mitschüler so etwas wie Mitgefühl zeigen würden. Ein bitterer Fakt, den Dippet ihr zu bestätigen wusste, nahm er sich seinen kleinen Test.
So hatte sie sich mit den Freunden und Minerva, vorerst darauf verständigt, dass sie es als Unfall handhabten. Dass Draco auf einer der Treppen verunglückt wäre und man ihn erst so spät am Abend schwer verletzt aufgefunden hätte.
Dummerweise hatten einige der Löwen am Abend aber noch das knappe Gespräch zwischen Harry, Ginny und Neville, der sich über Dracos Verbleib erkundigt hatte, mitbekommen. Und diese Löwen hatten sich daraufhin ihre eigenen wüsten Geschichten zusammengesponnen, die sich bereits wie ein Lauffeuer im gesamten Schloss verbreitet hatten und Draco einmal mehr die unheilvollsten Dinge unterstellten. Eine dieser Erzählungen besagte, dass Harry ihn überwältigt hätte, was recht hässlich geworden war und dementsprechend schmerzhaft für den Blonden geendet hatte, da er im Krankenflügel lag.
Blaise schnaubte beim Anblick der Anwesenden, die auf ihr Erscheinen unverhohlen zu ihnen glotzen und hinter vorgehaltener Hand tuschelten.
Schließlich dirigierte Charlie ihn an ihren Tisch, da er bereits eine Explosion kommen sah. Wenn Blaise auf Krawall gebürstet war, war es besser ihm weit, sehr weit, aus dem Weg zu gehen. Und das wussten die Schlangen auch, die dieses Thema gar nicht erst ansprachen, sondern gedrückt in sich hinein schwiegen.
„Na komm“, flüsterte Ginny Harry zu, der seinen Blick einmal quer durch die Halle hatte schweifen lassen. Man sah noch immer zu ihnen. Zu den Slytherins, aber auch zu ihm, ihrem Helden. Offensichtlich warteten alle darauf, dass er die Schlangen zurechtwies und ihnen ihren Platz am Boden zeigte.
Auf Ginnys Flüstern sah er zu der Rothaarigen, die ihm mit dem Kopf leicht auf den Tisch der Jungs deutete, worauf er nickte und sich von ihr zu den Slytherins führen ließ, um allen Anderen auf dem deutlichsten Weg zu zeigen, wie falsch sie doch lagen. Nur kam er nicht dazu.
Als Ginny neben Blaise Platz genommen und ihre Hand beruhigend auf seine verkrampfte gelegt hatte, trat Ron freudig auf den Plan und schlug Harry lachend die Hände auf die Schultern, der dadurch unglücklich etwas nach vorn stolperte. Als er sich umdrehte, grinste Ron ihn mit einem zufriedenen, siegreichen Leuchten in den blauen Augen an.
„Du bist und bleibst ein Held! Ich wusste doch, dass du Malfoy am Ende doch wieder aufs Kreuz legen wirst. Man kann dem Frettchen eben nicht trauen. Einmal Death Eater immer Death Eater. Erzähl mal? Was genau hatte er diesmal geplant? Seine Spießgesellen nochmal ins Schloss holen?“, erkundigte sich Ron, mit einem Grinsen und auch entsprechend laut, sodass die gesamte Halle im Kommenden dem Gespräch lauschte und zu Harry sah. Dieser wurde mit jedem Wort, das Rons Mund verließ, wütender und schlug dem Rotschopf schließlich aufs äußerste verärgert die Hand weg.
„Hör auf mit dem verdammten Scheiß! Ich hab ihm nichts getan und er hat auch nichts gemacht. Das ist nur ein dummes Gerücht!“, zischte Harry und funkelte Ron sauer an, der fragend die Augenbrauen kraus zog.
„Wieso Gerücht? Natürlich hat das Frettchen wieder was ausgefressen. Er hat. . .“ „Bist du taub?!“, schrie Harry halb, damit es endlich bei Ron ankam.
Dieser blinzelte perplex und sah nun mehr das Gesamtbild. Einmal Harry am Tisch der Slytherins, mehr noch aber stach ihm seine Schwester ins Auge, die die Hand der schwarzen Schlange hielt. Nein, nicht nur einfach hielt, sondern ihn ein wenig mit dem Daumen streichelte, was ihn rasend machte. Kurz darauf sah er schnaubend zurück zu Harry.
„Jetzt sag mir nicht, du verbrüderst dich ernsthaft mit dem FEIND?!“ „Wie war das, Weasley?“, knurrte Blaise mörderisch und blickte den Rotschopf unheilvoll an. Seine Augen waren zu Schlitzen verengt und scheinbar tief schwarz, sodass er eine Aura versprühte, die einem eine unangenehme Gänsehaut bereitete.
„Ich hab nicht mit dir geredet, Zabini. Solltest du nicht bei dem Frettchen sein und seine Wunden lecken?“ Auf den blöden Spruch hatte sich Blaise überhaupt nicht mehr unter Kontrolle.
Mit einem Satz war er auf den Beinen, ergriff Ron ruppig am Kragen und warf ihn so herum, dass er mit dem Rücken auf den gedeckten Frühstückstisch knallte. Dabei ging einiges unter seinem Gewicht zu Bruch, während sich eine der Gabeln schmerzhaft in Rons Rücken bohrte. Noch als das der Fall war, ließ Blaise ihn mit einer Hand los und holte mit aller Kraft aus. Zu seinem Bedauern kam er jedoch nicht dazu, Ron die Faust ins Gesicht zu rammen, da sofort Ginny, Charlie und Harry zur Stelle waren und ihn zurückhielten.
„Blaise, nicht!“, flehte Ginny leise und auch Charlie mahnte: „Hör auf. Der Arsch ist es nicht Wert!“ Blaise schnaubte allerdings mörderisch und funkelte Ron tödlich mit seinen dunklen Augen an.
„Nochmal so was und ich schwöre, ich brech dir sämtliche Knochen!“ Damit ließ er ihn los und sich von Ginny, Charlie und Harry etwas zurückdrängen. Es war ein Bild, was sich Ron immer fassungsloser besah.
Dass seine Schwester diesem Pack so sehr verfallen war, war inzwischen ja kein Geheimnis mehr. Aber das sich Harry jetzt tatsächlich auch noch auf deren Seite stellte. . .
Ron konnte es nicht fassen, immerhin war er nach der Merkwürdigkeit mit Dobby auch wieder hellhörig geworden. Ron war dadurch wirklich guter Hoffnung, Harry würde wieder richtig zur Vernunft kommen und die Gefahr erkennen, die von den Schlangen, von Malfoy, ausging. Und jetzt?
„Du. . . Die. . .“, stammelte er und schüttelte kurz mit dem Kopf, bevor er neu ansetzte und aufgebracht fauchte: „Hast du den Verstand verloren, dich auf deren Seite zu stellen?“, deutete Ron anklagend auf Blaise und Charlie, in deren Augen zunehmend ein dunkles Feuer loderte. Allen voran in den fast Schwarzen von Blaise.
„Das Pack steht auf Malfoys Seite! Die hecken irgendwas aus! Sie. . .“ „ES REICHT!“, brüllte der Schwarzhaarige wütend durch die ganze Halle, die mucksmäuschenstill geworden war und gebannt das Schauspiel unter den ehemaligen Freunden verfolgte. Harry, wie er da stand und bebte vor Zorn. Die Hände gefährlich zu Fäusten geballt.
„Merlin, ich kann dein dummes Gequatsche nicht mehr hören! Schallt zum Teufel nochmal endlich dein Hirn ein, Ron! Der Krieg ist vorbei! Alle, wie wir hier sind. . .“, ließ Harry seine Hand ausschweifend durch die Halle gleiten. „. . . haben auf einer Seite gestanden. Wir haben zusammen gekämpft! Füreinander! Miteinander! Löwen, Raben, Dachse und Schlangen!“, deutete er auf Blaise und Charlie.
„Die Beiden sind extra nach England zurückgekommen, um uns zu helfen und zu unterstützen, obwohl es für sie, wie auch sonst jeden von uns, lebensgefährlich war. Und Draco. . .“, tippte Harry Ron energisch auf die Brust, dem fast die Augen rauskamen, da Harry den Blonden, den erklärten Todfeind, plötzlich so deutlich beim Vornamen nannte. Für Ron ein unausgesprochenes Tabu wie früher SEIN Name.
„. . . Ja, er hat Fehler gemacht. Aber diese Fehler hat er in meinen Augen längst mehr als wettgemacht. Und das schon Wochen vor der Schlacht! Bevor überhaupt etwas entschieden war und es für uns sogar noch ziemlich düster aussah. Genauso während des Kampfes! Er hat an unserer Seite gekämpft, verdammt! Nur weil du ihn wegen dummer, frühkindlicher Kränkungen hasst, siehst du die ganzen anderen Dinge nicht, die er noch getan hat. Wofür er sich letztlich wirklich eingesetzt hat!“, schrie Harry noch immer halb.
Inzwischen pochte bereits eine Ader an seiner Schläfe, während Ron völlig überfordert vor ihm stand und immer wieder den Mund aufmachte, nur kam nichts raus. Er hatte eindeutig einen Aussetzer. Er sah Harry vollkommen fassungslos an, bevor sein Blick nochmal auf seine Schwester fiel, die hinter Harry bei den beiden Slytherins stand, und ihn dunkel anfunkelte. Wütend. Sehr, sehr wütend. Kurz darauf verlor sich sein Blick wieder auf Harry, der ihn ähnlich anfunkelte.
„Du . . . du stellst dich tatsächlich auf IHRE SEITE?!“, deutete Ron abermals aufgebracht auf die Schlangen, als die Erkenntnis dessen, was Harrys Blick bedeutete, bei ihm durchrieselte. Mehr noch als Harry entschlossen, wie auch laut und deutlich, sodass es wirklich jeder in der Halle hören konnte, „JA!“ rief. Für Ron ein sichtbarer Todesstoß. Verrat auf ganzer Linie, was sich in seinen Augen zeigte, die vor Verachtung nur so sprühten.
„Dann hättest du dich im Ersten besser mit Malfoy anfreunden sollen!“, zischte Ron, der die Szenerie damals im Hogwarts Express wieder glasklar vor Augen hatte. Als der Blonde überheblich und so selbstgefällig wie eh und je mit Crabbe und Goyle in ihrem Abteil aufgetaucht war. Er hatte erneut in den Ohren, wie er ihn, aufgrund der Armut seiner Familie, verspottet hatte und sich schließlich an Harry gewandt hatte, um ihn von sich zu überzeugen. Er hatte ihm damals die Hand gereicht, die Harry, Merlin sei Dank, ausgeschlagen hatte.
„Glücklicherweise ist es dafür noch nicht zu spät“, entgegnete Harry ihm nun wieder ruhiger, leiser, aber auch ein wenig kühl. In seinen Augen loderte ein fester Entschluss, was für Ron der bekannte Tropfen war, der das Fass zum überlaufen brachte. Nur, dass es nicht nur ein Tropfen war, sondern eher einer von Hagrids riesigen Eimern.
Der Rotschopf sah den Schwarzhaarigen nur noch kurz fassungslos an, bevor es in blanke Wut, in puren Hass umschlug und ihn schnauben ließ. Im nächsten Moment wandte er sich ab und stürmte aus der noch immer totenstillen Halle. Am Eichenholzportal rempelte er Neville recht unsanft an, der jetzt erst mit Luna zum Frühstück kam und Ron, mit hochgezogener Augenbraue, hinterher sah.
Drinnen starrten die Schüler teils fassungslos, teils unsicher, aber auch argwöhnisch zu Harry, dem ein erschöpftes Seufzen entwich. Dass Minerva zu der Meute hatte gehen wollen, um eine größere Eskalation zu verhindern, nun aber mit einem kleinen Lächeln auf die Gruppe sah, hatte niemand bemerkt.
„Gut gebrüllt, Löwe“, meinte Charlie schließlich mit einem matten Lächeln auf den Lippen, um das entstehende Eis und Schweigen zu brechen, dem Ginny nickend zustimmte. Kurz darauf nahm sie Harry in die Arme und küsste ihn auf die Wange.
„DAS war überfällig“, meinte Ginny, während Harry schwer seufzte. Die Hexe nahm ihn dann allerdings bei der Hand „Komm, setz dich“ und wies ihn auf einen der Stühle, auf den er sich erschöpft fallen ließ. Das Gesicht hielt er in den Händen vergraben, bevor diese in seinen Haaren verschwanden, die er sich leicht raufte, sodass sie noch chaotischer standen als ohnehin schon.
„Merlin, er macht mich wahnsinnig! Warum muss er so verflucht stur und verbohrt und engstirnig sein?!“, fragte er mehr nur sich selbst, bekam aber dennoch von Ginny Antwort, die zwischen ihm und Blaise Platz nahm.
„Du kennst ihn und seine Macken seit sieben Jahren. Du weißt, wie er ist“, resümierte sie nüchtern. „Ja. Aber das. . .“, wusste Harry nicht, wie er sagen sollte, da ihm Rons Verhalten immer absurder und verrückter vorkam. Er schien sich schon fast krankhaft in seinen Vorstellungen verloren zu haben.
„‘morgen“, hörte er dann Neville neben sich. Und das ein wenig unsicher, während Luna wie gewohnt freundlich den Jungs zulächelte und zur Begrüßung winkte.
„Sag mal, was hat Ron jetzt wieder gestochen?“, erkundigte sich Neville. Luna sah zu Charlie und fragte: „Dürfen wir uns setzen?“ „Weißt du doch“, lächelte der Brünette noch immer leicht matt, worauf Luna Neville einfach den Platz neben Harry zuwies, während sie sich auf den letzen freien Stuhl zwischen Neville und Theo setzte.
„Frag nicht“, stöhnte Harry, der den Kopf mittlerweile fast auf dem Tisch liegen hatte. Dieser brummte ihm zunehmend, da Ron ihm mit seinem unmöglichen Verhalten einmal mehr ordentlich Kopfschmerzen bescherte und zudem Unmengen an Nerven kostete.
„Wo ist Hermione?“, erkundigte sich Luna schließlich, die ihren Blick kurz durch die Halle schweifen ließ, die Brünette aber nirgends sah. Auf ihre Frage brach ein recht betretenes Schweigen über den Tisch herein.
„Ich schätze immer noch im Krankenflügel“, meinte Charlie. „Oh“, entwich es Luna, die nun auch ein trauriges Gesicht machte.
„Geht es Draco denn etwas besser?“, fragte sie weiter, worauf sich Blaise und Charlie gedrückte Blicke zuwarfen. „Ich hoffe. Wir wollten nach dem Frühstück nach ihm sehen.“ „Dürfen wir mitkommen?“, fragte Luna wieder, was Blaise und Charlie ein kleines, schwaches Lächeln auf die Lippen zauberte.
„Ich denke, er würde sich freuen.“
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Die hatten doch alle den Verstand verloren! Wirklich alle! Erst Hermione und Ginny, dann Luna und jetzt auch noch Harry! Dass die Mädels sich so leicht von den Schlangen und ihrem falschen Charme um den Finger wickeln ließen, war ja irgendwo noch nachvollziehbar, aber Harry! Harry?
Das war ein einziger Albtraum. Er konnte doch nicht tatsächlich meinen, was er eben gesagt hatte? Er konnte doch unmöglich bedauern, dass er sich vor all den Jahren gegen das Frettchen und damit für ihn, Ron, entschieden hatte? Er konnte doch nicht wirklich ernst gemeint haben, dass er sich mit diesem Dämon anfreunden wollte? Das ging nicht! Das ging einfach nicht! Das widersprach jeglichen Regeln und Gesetzen!
Gryffindors und Slytherins gehörten nicht zusammen. Das war schon immer so! Sie waren Todfeinde seit Gründung der Schule. Und das aus gutem Grund! Die Schlangen waren böse. Alle! Sie waren von Grund auf verdorben und falsch. Manche vielleicht etwas weniger als die Anderen, im Großen und Ganzen machte es dennoch keinen Unterschied. Warum wollten die Anderen das nicht verstehen? Wenn sie denen auch weiter ein derartig krankes Vertrauen entgegenbrachten, würde es in einer Katastrophe enden! „Ganz genau“, flüsterte die dunkle Stimme zustimmend. „Es wird in einem Blutbad enden, wenn diese Sache noch weiter eskaliert. Merlin allein weiß, was Malfoy tatsächlich getrieben hat. Wo er wirklich war. Mit Sicherheit aber nicht in einem regulären Bereich des Schlosses. Sonst hätte man ihn früher aufgespürt. Sicher war er irgendwo im Westflügel. Der Teil des Schlosses ist für die Schüler nach wie vor gesperrt und in Reparatur. Vermutlich hat er dort nach einer Schwachstelle gesucht. Nach einem ungeschützten Zugang. Einem Weg nach draußen. Oder nach drinnen. Er wird. . .“ „Ronie!“, unterbrach ein besorgtes Stimmchen unverhofft das Geflüster in Rons Kopf, der diesen hob und Lavender auf sich zukommen sah.
„Was?“, murrte er die Blonde noch immer sauer an. Diese maß ihn mitfühlend. „Das war gemein von Harry. Dich so anzupflaumen, wo du dir doch nur Sorgen um ihn und die Anderen machst.“ „Sieht er nur leider anders!“, zischte Ron und machte sich letztlich bei Lavender Luft.
„Weißt du, was das Schlimmste war? Er hat doch tatsächlich bedauert, dass er sich vor Jahren nicht Malfoy zum Freund gesucht hat!“, fauchte Ron, worauf Lavender kurz lachte, da diese Vorstellung zu komisch war. Allerdings brach ihr Gelächter recht schnell in sich zusammen, als Ron sie giftsprühend ansah.
„Oh! Das war kein Scherz?“ „Denkst du, ich würde über sowas Witze reißen!?“, motzte er weiter, sodass sie etwas zusammenzuckte.
„Tut mir leid, aber. . . Das ist einfach viel zu abwegig.“ „Sag das mal Harry! Er will dieses Versäumnis allen Ernstes nachholen!“, blaffte Ron, was Lavender blinzeln ließ, bevor sie mit dem Kopf schüttelte.
„Nein, das . . . das glaub ich nicht.“ „Ich schon“, schnaubte Ron und schickte abertausend Verfluchungen auf den Blonden los. Merlin, warum hatte der sich bei seiner blöden Aktion nicht das Genick gebrochen? Dann wäre ganz schnell wieder Ruhe und Sicherheit eingekehrt. Normalität!
„Malfoy macht alles kaputt und keiner kriegt das mit. Stattdessen geben sie mir die Schuld an allem. Kannst du dir das vorstellen?!“, brauste Ron aufs Neue auf. „Es ist Malfoys Magie. Sein Wille. Er zieht die Fäden zu allem“, flüsterte die Stimme zur Erklärung. Lavender trat indes ganz auf den Rotschopf zu und nahm ihn tröstend in die Arme.
„Mein armer Ron. Ich glaube dir. Das weißt du.“ „Hm“, nuschelte er halb in ihre Mähne, während er sie seinerseits festhielt und sich mit dem Rücken an eine der kalten Steinwände lehnte.
„Die Anderen kommen schon noch zur Vernunft.“ „Nicht von alleine. Die Schlangen wickeln sie immer mehr um den Finger. Dass die Mädels sich so leicht einlullen lassen, ist ja noch eine Sache für sich, aber Harry! Gerade Harry müsste es doch besser wissen! Er hat dem Frettchen immer misstraut. Immer! Selbst wenn Hermione und ich dem skeptisch gegenüber waren. Am Ende hatte Harry mit seiner Meinung über den Arsch immer Recht behalten. Man kann Malfoy nicht trauen. Warum wirft er das alles jetzt über den Haufen? Wieso?“ Ron war und blieb es ein Rätsel.
„Sieh es ihm nach, Ronie. Er sehnt sich nach allem sicherlich einfach nur nach Ruhe.“ „Deswegen muss er nicht anfangen den Schlangen zu vertrauen. Sowas ist tödlich! Und dann ausgerechnet noch dem Frettchen!“, knurrte Ron und ballte die Hände zu Fäusten. Lavender seufzte und nahm sich seine Hände.
„Harry ist zu gutmütig. Das hab ich dir schon mal gesagt. Genauso vertraut er viel zu sehr auf Grangers Meinung, weil Miss Neunmalklug sonst ja immer Recht hat“, ätzte Lavender und schnaubte.
„Hier aber irrt sie sich.“ „Natürlich irrt sie sich! Sie ist einfach viel zu nett. Aber was soll ich machen, wenn sie ihr alle immer mehr glauben? Und jetzt, wo Harry sich so deutlich geäußert hat, da. . . Das war doch sicher genau das, was das Frettchen wollte“, jammerte Ron und verkrampfte seine Hände aufs Neue.
„Wenn Harry anfängt dem Frettchen zu sehr zu vertrauen, werden die Anderen das auch machen und dann . . . dann. . . Scheiße, man. Ich will gar nicht daran denken, wie das dann enden wird“, fuhr sich Ron fahrig durch die Haare und raufte sich diese, was Lavender zu unterbinden wusste, indem sie ihre Hände in seinem Schopf verschwinden ließ.
„Ärger dich nicht“, zwitscherte sie und begann ihn zu streicheln. „Sie werden alle schon noch erkennen, was für einen bitterbösen Fehler sie gemacht haben, indem sie nicht auf dich hören“, säuselte sie und zog sich noch etwas mehr zu ihm. Ron schnaubte.
„Dann wird es zu spät sein! Malfoy wird. . .“ „Gar nichts wird er“, unterbrach Lavender ihn und legte den Zeigefinger auf seine Lippen.
„Er wird sich eher selbst die Finger verbrennen, bevor etwas so Schlimmes passiert. Es ist doch noch immer alles gut gegangen. Und die Meisten sind doch auch weiter in Alarmbereitschaft. Niemand ist so verrückt, Malfoy oder sonst den Schlangen wirklich zu vertrauen. Von daher wird Malfoy gar keine richtige Gelegenheit dazu bekommen, etwas Gefährliches anzustellen. Er ist doch jetzt bereits wieder auf die Schnauze geflogen, oder nicht? Mach dir nicht so viele Gedanken.“ „Aber. . .“ „Du machst dir Sorgen, ich weiß. Aber du siehst doch, wohin das im Moment führt. Anstatt Malfoy zu Schaden, schießt du dich damit selbst ins Abseits“, säuselte sie und platzierte schließlich kleine Küsse auf seiner Wange.
„Geh es ein wenig ruhiger an. Malfoy ist ein riesen Ärgernis, ich weiß. Aber im Augenblick liegt er flach, von daher. . . Ich denke, du solltest nicht so viele Energien auf ihn verwenden. Nicht, dass du mir noch graue Haare bekommst. Zumal du doch auch viel schöneren Dingen nachgehen könntest“, hauchte sie leicht verrucht und ließ ihre Finger über seine Brust wandern.
„Und was?“, fragte Ron dusselig und sah auf die Blonde, die ihn auch weiter dunkel von unten taxierte. Kurz darauf kraulte sie ihn unter dem Kinn und bewegte sich hüftschwingend zu einem der leeren Klassenzimmer. An der Tür dessen blieb sie stehen und warf Ron nochmal einen verbotenen, vielsagenden Blick zu, womit er verstand und selten dämlich grinste. Wenig später war er bei ihr und schließlich im Verwandlungszimmer verschwunden, um sein Gemüt etwas abzukühlen.
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Die vergangene Nacht war für Hermione eine einzige Tortur, obwohl im Endeffekt rein gar nichts passiert war. Und genau da lag der Punkt. Nichts, aber auch gar nichts war gewesen. Ein beängstigendes, quälendes Nichts.
Seit dem Moment, an dem Daniel sie auf den Stuhl neben Dracos Bett gedrückt hatte, war es ihr, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sie hatte die ganze Nacht am Bett des Blonden ausgeharrt. Dabei hatte sie ihm immer wieder durch die Haare und über die blasskalte Wange gestrichen, während sie mit der anderen Hand seine ebenso kalte Hand gehalten hatte, in der Hoffnung, dass er etwas spürte. Spürte, dass jemand bei ihm war, der es gut mit ihm meinte.
Diese Kälte, die ihm anhaftete, hatte mit der Zeit begonnen ihr vermehrt Angst zu machen, denn diese wollte nicht weichen. Weder mit den warmen Decken, noch dem kleinen Ofen, den Madam Pomfrey angeheizt hatte. Ebenso wirkungslos blieb der Wärmezauber, den sie selbst im Laufe der Nacht über den Blonden gelegt hatte. Sein Körper blieb kalt. Er nahm keine Wärme von außen an und schien auch nicht dazu imstande, selbst genügend Wärme zu produzieren.
Über diese Tatsache hinaus, war es auch seine extrem flache Atmung, die Hermione in der Nacht mehr als einmal an den Rand der Verzweiflung getrieben hatte, da sie stets den Eindruck hatte, er hätte ganz aufgehört zu atmen.
Madam Pomfrey hatte aufgrund dessen dann noch einen kleinen Zauber angewandt, um Hermione ein wenig Ruhe zu verschaffen. Sie hatte der Gryffindor eine kleine Glaskugel auf den Nebentisch gestellt, die ein schwaches, weißes Licht abstrahlte. Dieser Schein spiegelte im übertragenden Sinne Dracos Herzschlag wieder. Sein Leben. Würde das Licht verlöschen, die Kugel schwarz werden, könnten sie ihm nicht mehr helfen. So lange das Licht aber strahlte, wenn auch schwach, zeigte es, dass er lebte, was Hermione minimal beruhigte. Andere Lebenszeichen gab es allerdings nicht. Zumindest keine, die sie fähig war mit bloßem Auge zu erfassen.
Da war kein Zucken seiner Glieder, kein Murmeln oder Stöhnen, was seine Lippen verließ und auch kein Blinzeln, denn seine Augen waren auch weiter fest verschlossen. Um diese lagen nach wie vor dunkle Schatten, die ihn furchtbar ausgezehrt erscheinen ließen. Dieser Ausdruck wurde durch die fahle Blässe seines Gesichts nur noch mehr bekräftigt.
Er war nicht einfach nur blass, sondern noch immer so weiß, wie eine Porzellanpuppe, der er im Augenblick an Zerbrechlichkeit in nichts nachstand.
Seine Lippen waren bleich und von einem eisigen Blauschimmer durchzogen. Der Atem, der aus diesen strömte, war so schwach, dass sie ihn nicht spüren konnte und so trotz Madam Pomfreys Kugel Angst hatte, dass er ganz aufhören würde zu atmen.
Während dieser quälenden Nacht waren ihr immer wieder dieselben Gedanken durch den Kopf geschossen. Ebenso bittere Vorwürfe, da sie ihn nicht gleich gesucht hatte. Wenn doch, ihm wäre so vieles erspart geblieben. Über das Was wollte sie gar nicht näher nachdenken.
Stattdessen gelangte sie zu der Frage, wer so grausam war? Wer dazu fähig war, ihm jetzt, nach allem, eine derartige Gewalt anzutun? Wer ihn so sehr quälen würde? Töten wollte? Sie kam zu keinem Schluss. Ihr fiel niemand ein, dem sie eine solch blutrünstige Gräueltat zutraute.
Sicher, da waren Entwhistle und die anderen Idioten, doch selbst die würden nicht so weit gehen. Sie hatten die große Klappe und wollten Draco eins auswischen. Ihn erniedrigen und demütigen und vermutlich auch verletzen, aber das, was sie gestern im Raum der Wünsche gesehen hatte. . . Das, was zweifellos passiert war. . . Nein, dazu waren diese Dummköpfe nicht fähig. Nur wer dann? Wer? Warum? Immer wieder diese Frage. Warum?
Warum? Warum? Warum? Warum ließen die Menschen ihn nicht in Frieden? Warum konnten sie nicht verstehen, dass er nicht das war, was sie glaubten von ihm zu wissen? Zu kennen? Warum konnten sie nicht mit der Vergangenheit abschließen? Warum maß man ihn an Dingen, die er selbst nicht getan hatte? Warum sahen die Anderen nur das Schlechte und nicht auch wenigstens etwas die guten Dinge, die er ebenso geleistet hatte?
Warum? Warum? Warum? Ein Fragenspiel ohne Ende, womit sich ihr tränenverhangener Blick erneut auf ihn und seinen Zügen verlor. Inzwischen strich sie sich die Tränen auch nicht mehr weg, da ohnehin ständig neue kamen.
Ihre Augen brannten dadurch mittlerweile wie Feuer. Es war ein salziges Feuer, das nicht verglühen wollte und ihr tief im Innern verstärkt Schmerzen verursachte. Da war scheinbar ein Knoten aus Stacheldraht, der sich auf seinen leblosen Anblick immer fester zusammenzog. Es war ein Schmerz, der den des Cruciatus von Bellatrix als Erholungskur darstellte.
„Hey“, hauchte schließlich eine warme Stimme beruhigend aus dem Nichts. Damit verbunden waren zwei ebenso warme Hände, die sich behutsam auf ihre leicht bebenden Schultern legten und diese sanft drückten.
Auf diese kleine Geste, schloss Hermione erschlagen die Lider, bevor sie aufs Neue unterdrückt schniefte und schluchzte. Kurz darauf waren ein paar starke Arme da, die sich tröstend um ihre zitternde Erscheinung schlangen und sie hielten.
„Sch“, hörte sie erneut und lehnte sich fertig an die kräftige, warme Brust von Blaise, der sich neben ihr postiert hatte und die erschöpfte Gryffindor einfach nur festhielt. Er ließ sich von ihr leise ins Hemd weinen, während er selbst einen recht gequälten Blick auf seinen Freund warf, der im Tiefschlaf lag.
„Er wird wieder“, flüsterte er der Hexe im Kommenden zu, die noch immer von ihren Schluchzern gebeutelt wurde, und rieb ihr letztlich über den Rücken.
„Sch“, hauchte er abermals und ließ sich etwas in die Hocke sinken, um sie richtig zu halten. Nebenher strich er ihr durch die Explosion ihrer Haare und platzierte einen kleinen, beruhigenden Kuss auf ihrer Schläfe.
„Er wird wieder“, wiederholte er und zwang die Gryffindor dazu, ihm in die Augen zu sehen. In ihren konnte er einen unvorstellbaren Schmerz ausmachen, der ihn selbst bitter das Gesicht verziehen ließ. Dennoch zwang er sich zu einem leicht gequälten Lächeln und strich der Löwin behutsam die dicken Tränen mit den Daumen von den Wangen.
„Er wird wieder gesund. Und dann wird er dir in den Arsch treten, wenn er sieht, wie du aussiehst“, versuchte Blaise zu scherzen und hatte damit einen kleinen Teilerfolg, denn sie lachte kurz schmerzlich in ihren Tränen auf. Unter Garantie würde er das.
„Quäl dich nicht. Er wird wieder gesund“, meinte Blaise erneut, worauf sie abgehackt nickte und sich schließlich zu Charlie umdrehte, dann aber überrascht feststellte, dass nicht nur Blaise und Charlie bei ihr waren. Nein.
Neben ihren beiden Jungs waren auch Harry, Neville, Ginny, Luna, Daphne, Astoria und Theodore bei ihnen. Und das mit ähnlich gedrückten Mienen. Besonders Harry und Ginny, die im Gegensatz zum Rest die grausige Wahrheit in allen Einzelheiten gesehen hatten.
„Wie geht es ihm?“, erkundigte sich Luna behutsam, worauf Hermione ihre Tränen zurück zwang. „Ich. . . Ich weiß nicht. Er war noch nicht wach und . . . und. . .“, schniefte sie erneut.
„Madam Pomfrey hat gestern doch gesagt, dass er eine Weile schlafen wird“, meinte Ginny beruhigend, worauf Hermione nickte.
„Ich weiß. Aber er. . . Er rührt sich überhaupt nicht und. . . Er ist so furchtbar kalt, dass . . . dass. . .“ „Er hat jede Menge Blut verloren. Selbst mit den Tränken dauert es seine Zeit, bis sich sein Körper wieder etwas regeneriert hat. Das hat nichts zu bedeuten“, versuchte Charlie sie zu beruhigen. Allerdings sah die Hexe ihn zweifelnd an. Mehr noch verzweifelt.
„Paps hat doch auch nochmal mit dir darüber gesprochen“, erinnerte Charlie sie, was ihr die Unruhe und Sorge dennoch nicht nahm.
„Dein Vater war wegen des Unfalls hier?“, stutzte Daphne, worauf Charlie nickte. Hermione schaute jedoch verwundert. Wie konnte Daphne das als Unfall bezeichnen?
„Ja, es. . . Es war wirklich nötig. Er hat sich beim Zusammenbruch der Treppe lebensgefährlich verletzt. Und da wir ihn auch erst so spät gefunden haben, da. . .“, ließ Charlie den Satz offen, während Ginny Hermione etwas ran zog und ihr ins Ohr flüsterte, denn sie guckte immer verwirrter.
„Sie wissen nicht, was tatsächlich passiert ist. Tonks wollte erstmal Stillschweigen bewahren. Die offizielle Version ist, dass eine der Treppen von der Schlacht noch marode war und Draco mit der eingebrochen ist.“ Daraufhin sah Hermione zweifelnd zu Ginny, bevor sie zurück flüsterte: „Etwas Besseres ist euch nicht eingefallen?“ „Nicht auf die Schnelle“, entschuldigte sich Ginny.
Dass niemand diese Geschichte glaubte, hatten sie beim Frühstück bereits feststellen müssen, obwohl Harry auf wiederholtes Fragen nochmal deutlich darauf gepocht hatte. Die Anderen reimten sich dennoch weiter ihre eigene Story zusammen und in der kam der Blonde stets schlecht weg.
„Draco geht es bestimmt bald besser“, meinte Luna, auf das entstandene Schweigen aufmunternd und schenkte Hermione ein kleines, zuversichtliches Lächeln. Dieses kam jedoch nicht im Innersten der Brünetten an. Stattdessen drehte sie sich wieder ganz zu Draco und musterte aufs Neue seine reglose, bleiche Erscheinung.
„Du solltest etwas essen“, richtete sich Harry dann noch an seine blasse Freundin. Die Hexe schüttelte allerdings nur mit dem Kopf und griff sich Dracos kalte Hand, die sie zusätzlich noch mit der anderen wärmend umschloss.
„Hermione, komm schon. Du hast gestern den kompletten Tag schon nichts gegessen“, appellierte Harry. „Und du denkst, ich krieg nach dieser Sache etwas runter?“, sah sie ihn kurz gequält an, worauf er schluckte.
„Dann leg dich wenigstens ein bisschen hin“, meinte Ginny, doch sie schüttelte erneut mit dem Kopf. Sie würde sich nicht von der Stelle bewegen und Draco allein im Krankenflügel lassen. Vermutlich warteten die Verantwortlichen nur darauf, ihn nochmal unbemerkt in die Finger zu bekommen, um ihm den Rest zu geben.
„Mionchen“, seufzte Ginny und strich ihr durch den zerzausten Haarschopf. Sie konnte ihre Freundin verstehen, keine Frage. Aber sie machte sich jetzt doch nur selbst kaputt. Dass sie mit ihren Kräften und den Nerven am Ende war, sah man überdeutlich. Sie brauchte selbst etwas Ruhe. Nur wollte das mal wieder nicht in ihren Dickkopf, über den die Rothaarige noch ein wenig strich.
Hermione bekam nichts mehr davon mit. Stattdessen driftete sie aufs Neue in diese kalte, dunkle Welt ihrer Gedanken, Sorgen und Ängste.
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„. . . Bist du dir sicher?“, erkundigte sich Remus, der sich in der letzten halbe Stunde ganz in Ruhe alles von seiner Frau über den gestrigen Vorfall hatte schildern lassen. Zudem hatte er sich jetzt mit Tonks und Minerva auch nochmal im Denkarium mit angesehen, was Tonks live erlebt hatte.
„Du hast es doch gerade selbst gesehen“, meinte Tonks bitter, worauf er nickte und sich die Drei im Schulleiterbüro wieder auf ihren Plätzen niederließen. Minerva sichtlich fassungslos, aufgrund dieser Bilder. Tonks Erläuterungen hatten sie am Vorabend ja schon geschauert, aber das. . .
„Wer?“, stellte die Direktorin diese Frage offen in den Raum. „Wenn ich das wüsste“, seufzte Tonks und rieb sich die Schläfen.
„Aufgrund der Gesamtsituation könnte man im Augenblick so gut wie jeden in Betracht ziehen.“ „Du denkst, einer unserer Schüler wäre zu so etwas fähig?“ Minerva war geschockt. Tonks zuckte nur mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Möglich. Vielleicht hat auch nur jemand Schlüsselmeister gespielt und die eigentlichen Täter ins Schloss gelassen.“ „Unmöglich!“, brauste Minerva etwas auf. Tonks lächelte jedoch gedrückt.
Sie hatte diese Möglichkeit am vergangenen Abend zwar selbst ausgeschlossen, doch je länger sie über alles nachgedacht hatte, desto mehr kleine Zweifel hatten sich begonnen, in ihre Gedanken zu schleichen. Immerhin. . .
Sirius hatte es ‘93/‘94, trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen, nicht nur auf das Gelände, sondern auch in den Gryffindor Gemeinschaftsraum und letztlich den Schlafsaal der Jungs geschafft. Ein Jahr später hatte sich ein Death Eater ungesehen unter den Schülern, direkt unter Albus’ Nase, umherbewegt. Dann war es ‘96/‘97 Draco selbst, der, allen Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz, einen Weg gefunden hatte, die Magie der Schule und deren Schutz zu überwinden.
Es gab keinen perfekten Schutz. Irgendwo gab es immer Lücken, Fehler, Schwachstellen. . . Die größte Schwachstelle war und blieb zudem der Mensch an sich. Und so musste es jetzt auch gewesen sein. Irgendwie, was sie Minerva mitteilte.
„Denkst du wirklich? Nichts ist absolut sicher. Das war es noch nie und das wird es auch nie sein. Nicht, wenn irgendein Mensch seine Finger im Spiel hat. Und was den Schutz des Schlosses angeht. . . Im Westflügel gibt es trotz allem noch Schwachstellen, wo die Magie das Schloss nicht gut genug schützt. Die Banne sind zwar weitestgehend geschlossen, aber wenn man sie von innen heraus aufbricht. . . Am besten noch in einem der Geheimgänge. . .“ Tonks wusste, dass sie nicht weiter erklären musste, da Minerva die Lippen zu einem schmalen Strich zusammenpresste.
„Wenn man sich geschickt genug anstellt, gibt es trotz allem Wege und Möglichkeiten auf das Gelände zu kommen. Da reicht schon ein Zeitfenster von nicht mal einer Minute, um ein, zwei, drei Personen Zutritt zum Schloss zu verschaffen. Die Banne wirken nur nach außen undurchdringlich. Von innen lassen sie sich auch weiterhin aushebeln oder umgehen.“ „Habt ihr da vielleicht etwas gefunden?“, hakte Remus nach.
„Nicht wirklich. Ich bin letzte Nacht mit Allan alle Zugänge abgegangen und hab sie überprüft. Sie sind dicht. Wenn irgendwo eine Lücke war, dann ist sie jetzt wieder geschlossen“, seufzte Tonks. Die ganze Geschichte bereitete ihr zunehmend Kopfschmerzen. Und sie war müde. Sie hatte die vergangene Nacht kaum Schlaf gefunden, wie sicher auch Blaise, Charlie und allen voran Hermione.
„Und nun?“, warf Minerva ratlos ein. „Ich denke, ich werde meiner Vermutung nachgehen“, murmelte Tonks. „Gleichwertige Rache?“ Remus war skeptisch.
„Hast du eine andere Idee? Die Sache mit den Fluchmalen war für mich eigentlich deutlich. Zumal mir Poppy schon bestätigt hat, dass Draco massive Hämatome im Nacken hat. Ich glaube kaum, dass der Täter von ganz alleine, ohne Vorlage, auf den Gedanken gekommen ist, Draco mit Scheinhinrichtungen noch zusätzlich zu quälen und ihn so vielleicht gänzlich psychisch zu brechen.“ „Hoffen wir, dass es nicht an dem ist“, murmelte Minerva bedrückt, worauf die beiden Auroren nickten.
„Und Gibson?“, warf Remus ihren Grundverdacht wieder ein. Tonks zuckte mit den Schultern. „Nate wird angegriffen, Gibson verschwindet spurlos, kaum zwei Tage später wird Draco verschleppt und. . .“, brach sie ab, da es ihr einfach zu sehr ein Graus war, erneut darauf einzugehen. Remus und Minerva hatten auch so verstanden.
„Diese Dinge müssen nichts miteinander zu tun haben, die Möglichkeit, dass doch, ist aber recht hoch.“ „Also gehen wir für den Anfang davon aus, dass Gibson etwas damit zu tun hat?“, lehnte sich Remus zurück. Tonks nickte.
„Wenn dem so wäre, dann hatte er Hilfe. Und zwar hier aus dem Schloss.“ „Womit wir wieder bei der Gretchenfrage wären, Wer?“, schloss Remus.
„Jemand, der Draco hasst. Und das trifft im Augenblick auf viel zu viele zu“, seufzte Tonks. „Ich schick dir die Akten bezüglich der ganzen Überfälle und Morde. Vielleicht findet sich da ja irgendwie ein Zusammenhang“, versprach Remus, was sie matt lächeln ließ. Schließlich beugte sich ihr Wolf zu ihr und hauchte seiner Frau einen kleinen Kuss auf die Lippen.
„Leg dich ein bisschen hin, du siehst fertig aus.“ „Kann nicht. Ich muss auf Draco aufpassen“, murmelte Tonks. „Ich denke, er ist bei Poppy gut aufgehoben. Zumal ich meine Zweifel daran habe, dass die Täter sich so schnell nochmal blicken lassen. Sie werden inzwischen wissen, dass ihr Draco gefunden habt und dass er noch lebt. Sie werden sicher nicht das Risiko eingehen jetzt, so kurz nach der Tat, wieder in seiner Nähe aufzutauchen“, resümierte Remus.
„Hoffen wir es.“
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Mit der Zeit zog die Sonne immer weiter an den hohen Fenstern des Krankenflügels vorbei. Eine Tatsache, die Hermione nur am Rande mitbekam.
Sie hatte sich auch weiter stur geweigert ihren Platz zu verlassen, um sich selbst etwas Ruhe zu gönnen. Daniel hatte daran auch nichts ändern können, als er zum späten Vormittag, wie versprochen, wieder erschienen war, um nochmal nach Draco zu sehen.
An der Verfassung des Blonden hatte sich jedoch nichts geändert. Er lag auch weiter im Tiefschlaf, sodass Hermione bereits der Gedanke an ein Koma kam. In einem Mugglekrankenhaus würde man seinen derzeitigen Zustand sicherlich als solchen bezeichnen und ihn an alle möglichen Maschinen anschließen.
Auf die Vorstellung gruselte es Hermione gleich noch mehr, als sie unweigerlich ein entsprechendes Bild vor Augen hatte. Wie er vor ihr liegen würde, mit jeder Menge Schläuche und Kabel und allem. Merlin sei Dank war eine derartige Notwendigkeit der Dinge durch die Magie überflüssig.
Daniel hatte ihr letztlich erneut versichert, dass es gut war, dass er so tief und fest schlief. Dass sich sein Körper dadurch, wie auch durch die Magie und Tränke, begann zu regenerieren und zu erholen. Es brauchte alles nur eben seine Zeit. Zeit und tiefe Ruhe. Damit war er gegangen, nicht ohne ihr zu versprechen, dass er morgen erneut kommen würde.
Hermione hatte ein wenig matt gelächelt, wusste sie doch, dass es für Daniel auch etwas Persönliches war. Dass er nicht nur als Heiler kam, sondern irgendwo auch ein wenig als Vaterersatz. Das war etwas, was sie mit der Zeit erkannt hatte. Daniel fühlte sich nicht nur für seinen eigenen Sohn verantwortlich, sondern hatte auch eine gewisse Beziehung und Bindung zu Blaise und Draco aufgebaut. Nicht ohne Grund war Blaise nach dem Sechsten mit Charlie zu dessen Vater in die USA gegangen.
Blaise selbst hatte seinen eigenen Vater ja auch nie kennengelernt und zu seiner Mutter hatte er ein. . . Nun ja, eher zwiespältiges Verhältnis, aufgrund ihrer Handlungen.
Hermione wusste, dass er im Laufe der Jahre mit ihr gebrochen hatte und schließlich bei den Harpers ein neues Zuhause, und damit auch eine neue Familie gefunden hatte.
Dahingehend war es ihr auch immer ein wenig ein Rätsel gewesen, wie Charlie bei den Schlangen hatte landen können? Irgendwie musste da früher aber noch der Einfluss seiner Verwandtschaft mütterlicherseits recht stark und vor allem negativ gewesen sein. Rassistisch. Seine Mutter war ja auch unter äußerst fragwürdigen, schon fast mysteriösen Umständen ums Leben gekommen, als er gerade erst zwölf war.
Das Reinblüter ihre eigenen Kinder entweder verstießen oder sogar meuchelten, wenn sie nicht dem Plan folgten, war leider kein Geheimnis. Garantiert war das bei Charlies Mutter der Fall gewesen, weswegen sich Daniel vermutlich auch in die Staaten geflüchtet hatte, um Charlie vor dem Einfluss seiner Verwandtschaft zu schützen, als die Unruhen in England immer größer wurden.
Es war ein Schutz und Zuspruch, der dem Blonden auf ganzer Ebene verwehrt geblieben war. Er hatte keinen Rückzugspunkt gehabt. Von einem Fluchtpunkt ganz zu schweigen. Da war niemand gewesen, der ihn vor dem kranken Wahn seiner Familie geschützt hatte, wie sie durch Dobby nun ja nur zu bitter wusste.
Da waren nur seine beiden Freunde, die ihm irgendwann offensichtlich gezeigt hatten, dass es auch etwas anderes gab und damit anders ging. Sie hatten eine Veränderung in ihm bewirkt und dennoch war das alles am Ende so verdammt schiefgelaufen. Ja es lief selbst jetzt noch alles falsch.
Die Schatten der Vergangenheit schienen ihn einfach nicht freigeben und weichen zu wollen, trotz all der Mühen. Trotz all der positiven Dinge schien das Licht nicht gegen die Dunkelheit anzukommen, was sie immer mehr bekümmerte. Gerade jetzt. Hier. Nach allem.
Inzwischen lag Hermione bereits mit dem Oberkörper auf dem Bett. Den linken Arm hatte sie unter den Kopf geschoben und nutzte diesen als kleine Stütze und Kissen, während die Hand des rechten im Schopf des Blonden verschwand, durch den sie ihm unablässig strich. Ebenso über die blasskalte Wange. Leider ohne irgendeine Reaktion seinerseits. Er lag noch genauso da wie Samstagabend, als sie zu ihm durfte.
„. . .ne“, drang es schließlich dumpf an ihre Ohren, doch sie reagierte nicht auf den Laut. Ihre gesamte Konzentration lag ungebrochen auf ihrem Freund.
„Schläft sie?“, flüsterte Tonks und linste Blaise über die Schulter, der sich im Kommenden neben der Hexe in die Hocke sinken ließ, um ihr besser in die Augen sehen zu können. Diese waren klein, wie auch noch immer verquollen und knallrot. Hermiones Gesicht war blass, sah man von den roten Flecken ihrer Tränen ab, die weiterhin feucht auf ihren Wangen schimmerten und zudem nicht versiegen wollten.
„Nein“, murmelte Blaise und strich ihr etwas über die Wange. „Hermione? Komm, leg dich hin“, sprach er ihr gut zu und versuchte, ihren Blick einzufangen. Das Braun ihrer Augen war inzwischen stark getrübt, ebenso wie ihr Blick ins leere ging. Sie war nur zu offensichtlich nicht wirklich im Hier und Jetzt.
„Ich denke, es ist besser, ihr bringt sie ins Bett, bevor sie uns hier wegklappt“, mahnte Tonks leise, worauf Blaise nickte und sich seine Freundin nehmen wollte. Auf den kleinsten Versuch, sie zu umfassen und hochzuheben, versteifte sie sich jedoch.
„Lass mich“, murmelte sie dünn, wie auch brüchig und schob seine Hand weg. „Du brauchst Ruhe.“ „Mir fehlt nichts. Lass mich“, murrte sie aufs Neue und ließ ihre Hand schließlich wieder im Schopf des Blonden verschwinden, durch den sie liebevoll strich.
Blaise, Charlie und Tonks sahen sich daraufhin ein wenig ratlos an, bevor Charlie leise meinte: „Ich fürchte, hier müssen wir anderweitig etwas nachhelfen.“ „Dir ist klar, dass sie uns dafür lynchen wird?“, warf Blaise bereits jetzt leidvoll ein. Charlie nickte.
„Ehrlich gesagt lass ich mich da aber lieber von Hermione lynchen, als von Draco. Wenn er herausfindet, und wir beide wissen, dass er das herausfinden wird, dass sie sich selbst jetzt so zusetzt und wir ihr ihren Dickkopf gelassen haben, dürfte er richtig eklig werden.“ „Hm“, brummte Blaise düster und zog schließlich seinen Zauberstab, was sich Tonks fragend besah. Erst recht, als der Slytherin damit auf die Gryffindor deutete und leise „Obdormiscunt“, murmelte. Noch in der gleichen Sekunde verlor die Hexe das Bewusstsein und fiel in tiefen Schlaf.
„Aha“, war Tonks einzige Reaktion, während Blaise seufzend seinen Stab wegsteckte. „Sie wird uns umbringen.“ „Aber erst, wenn sie ausgeruht ist“, klopfte Charlie ihm aufmunternd auf die Schultern, als Blaise an die Schlafende herantrat und sie sich nun problemlos auf die Arme lud.
„Die Beiden halten euch ganz schön auf Trab, was?“, lächelte Tonks ein wenig schwermütig. „Wenn du wüsstest“, stieß Blaise leidend aus und ließ seinen Blick zwischen seinem Freund und der Hexe hin und her wandern. Schließlich wandte er sich zurück an Tonks.
„Und du passt auf ihn auf? Du lässt ihn nicht aus den Augen?“ „Keine Sekunde. Versprochen. Macht euch keine Sorgen. Poppy wird mit der Sperrstunde dann auch die Türen versiegeln. Ihm wird nichts passieren. Ruht ihr euch jetzt lieber etwas aus. Ihr seht aus, als ob ihr auch nicht viel geschlafen habt“, mahnte sie die Jungs die, Charlie zumindest, ebenfalls recht blass aussahen und dunkle Ringe unter den Augen hatten.
Kurz darauf verabschiedeten sie sich und verschwanden in Richtung Südturm.
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