
von marie29
Severus erstarrte Augen schlossen sich. Vorsichtig bettete Ari den schlafenden Körper in eine bequeme Lage und rief Kissen und Decke aus ihrer Zelle herbei. Dann wandte sie sich zu Lucius Malfoy um und rief ohne zu zögern: "Enervate!" Seine grausamen Augen starrten sie an und er grinste hämisch. Dann stieß er ein irres Gelächter aus, als er sie von Kopf bis Fuß musterte. "Nackt hast du mir besser gefallen!"
Hatte Ari anfangs Zweifel gehabt, ob es ihr gelingen würde, den Imperiusfluch mit voller Kraft auf Lucius abzufeuern, waren diese nach seinen Worten wie weggewischt. "Diese Flüche wirken nur, wenn derjenige, der sie ausspricht, es von ganzem Herzen will!", hatte Remus im Unterricht gesagt, als er ihnen die unverzeihlichen Flüche erklärte. Nichts gab es, was Ari in diesem Moment mehr wollte, als Lucius Willen zu brechen, ihn zu strafen für all seine Gräueltaten. "Imperio!"
Das Lachen verstummte. Malfoys Gesicht wirkte jetzt völlig teilnahmslos. Eine Gänsehaut überzog Aris Körper und ließ sie erschaudern. Es war ein verführerisches Gefühl, das dieser Fluch in ihr auslöste. Vollkommene Macht über einen anderen Menschen zu besitzen, hatte etwas Berauschendes. Teddys sanfter Stoß mit der Schnauze brachte Ari wieder zur Besinnung.
"Sag mir, wie ich die Fesseln lösen kann!" Sofort kam die Antwort. "Sie müssen zerschnitten werden, mit einer magischen Klinge." Ari seufzte erleichtert auf. Ihr Imperiusfluch wirkte großartig. "Wo finde ich ein solches Messer?" "In Dracos Umhang, er trägt es immer bei sich." Was noch? Die Schutzzauber! "Wie lässt sich der Fideliuszauber aufheben?" Malfoy schüttelte den Kopf. "Das weiß ich nicht. Draco hat ihn selbst entwickelt. Nur er kann ihn brechen." "Aber Draco ist tot!" "Dann kann es niemand." Was bedeutete das? Ari wusste, das Schutzzauber verhinderten, das ein Gebäude von anderen Zauberern entdeckt wurde. Aber konnten sie es auch nicht verlassen?
Jetzt war keine Zeit, darüber nachzudenken. Sie musste Dracos Messer suchen. Aber eine Frage nagte noch an ihr. "Warum hasst du meinen Vater?" Wie aus der Pistole geschossen, kam die Antwort, als hätte er nur darauf gewartet, sie aussprechen zu dürfen. "Er allein trägt die Schuld an meinem Elend. Er hat den dunklen Lord verraten. Er verdient deine Liebe nicht!" "Was hast du ihm angetan?" Ganz spontan waren ihr die Worte entschlüpft und noch während sie sprach, wusste sie, ihr Vater hätte nicht gewollt, dass sie es erfuhr.
Aber auch diesmal antwortete Lucius so schnell, als könne er es gar nicht erwarten, ihre Reaktion zu beobachten. "Ich habe ihn gezwungen, dich zu foltern. Es ist mir gelungen, den Imperiusfluch so zu verbessern, dass die Gefühle die eigenen bleiben, jedoch der Körper mir gehorcht, aber das weißt du ja. Dein Vater hat mich gut unterhalten!"
Starr vor Entsetzen blickte Ari auf den Zauberstab in ihrer Hand. Es gelang ihr gerade noch, ein: "Stupor!" zu flüstern, bevor er ihrer Hand entglitt und ihre Beine nachgaben. Sie sank auf die Knie und kroch zu ihrem Vater hinüber. Diese Bestie! Sie blickte in das geliebte Gesicht und wagte nicht, sich vorzustellen, wie sehr er dabei gelitten hatte. Wie konnte ein Mensch so grausam sein?
Und wieder war es Teddy, der sie aus ihren quälenden Gedanken riss. Er stand mit wedelndem Schwanz neben ihr, als wolle er sagen: "komm endlich!" und gemeinsam liefen sie die Treppe hinauf.
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Remus und Hermine, die nebeneinander am Baumstamm lehnten, hatten den Stein fest im Blick. Es war später Nachmittag, die Sonnenstrahlen warfen tanzende Flecken aufs Moos. Mücken schwirrten um sie herum, Vögel zwitscherten fröhlich in den Bäumen. Hermines Augen brannten schon wieder, ihre Gedanken schweiften ab, flogen zu Ron, der mit den anderen den Wald durchstreifte. Immer noch suchten sie nach Spuren von Teddy und Grandma Tonks. Aussichtslos! Sicher hatte Draco die Leichen verschwinden lassen. Aber Untätigkeit war das Allerschlimmste! Keiner von ihnen ertrug sie.
Ihre Augen spielten ihr einen Streich. Das Sonnenlicht ließ das Blut auf dem Stein glänzen als wäre es feucht. "Remus!" Sie schrie es beinahe. Er zögerte nicht, schob die Münze in die Hosentasche, packte Hagrids Messer mit der einen, den Zauberstab mit der anderen Hand, sprang in den Kreis, drehte sich und war verschwunden.
Der Druck raubte ihm fast den Atem, presste seinen Körper schmerzhaft zusammen. Er reckte den Zauberstab hoch über den Kopf, murmelte die Beschwörungen, die den Schutzschild zerbrechen sollten, der Malfoys Unterschlupf verdeckte. Plötzlich stand er in der Küche, sein: "Expelliarmus!" verhallte wirkungslos. Er war allein. Die Münze! Er steckte den Dolch in den Umhang, vergrub die Finger in der Hosentasche und erstarrte. Da war ein Loch! Er hatte sie verloren, was nun? Sollte er zurück, die anderen selbst holen? Verdammt!
Er horchte in sich hinein, folgte seinem Instinkt. Sie waren im Keller, er konnte sie überrumpeln, sie rechneten nicht mit ihm. Er musste es versuchen, jede Sekunde zählte. Er packte einen der Becher, die am Tisch standen, drehte ihn im Kreis, sah zu wie er verschwand und öffnete lautlos die Tür. Da die Stufen, er musste hinunter. Dunkelheit, ganz unten ein heller Schein. Die Tür war offen. Aber da war kein Geräusch. Kein Schrei, kein Stöhnen, kein Gelächter - irgendetwas stimmte da nicht! Es war keine Zeit. Er schlich hinab, spitzte die Ohren wie ein Wolf, immer noch nichts!
Die letzten Stufen, sie lagen im Licht. Seine Füße wären deutlich zu erkennen. Er musste springen. Sein Atem ging stoßweise, kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Jetzt! Wieder ging sein Fluch ins Leere. Kein Zauberstab flog in seine Hand. Er stand im Licht und traute seinen Augen nicht, als er Lucius Malfoy mit magischen Seilen verschnürt am Boden liegen sah. Severus! Er atmete, schien betäubt! Die Erleichterung strömte wie eine wärmende Glut durch Remus Adern, da fiel sein Blick auf die verhüllte Gestalt. Ari! Bei Merlin - nein!
Ein Satz, er war bei ihr, riss den Stoff zur Seite und starrte den toten Körper fassungslos an. Draco Malfoy! Was in Merlins Namen war hier geschehen? Die Wunde am Hals, das war ein Wolf! Für einen Moment sah er statt Draco Teddy vor sich liegen, er keuchte, rieb sich die Augen, kam wieder zur Besinnung. Er bedeckte die Leiche, griff nach Hagrids Dolch und durchtrennte die Riemen an Severus Händen.
Nur aus den Augenwinkeln nahm er die Bewegung wahr. Ein grauer Schatten war auf der Treppe erschienen. Für den Bruchteil einer Sekunde verharrte der Wolf, stieß dann ein unheimlich durchdringendes Heulen aus und sprang in einem gewaltigen Satz auf ihn zu. Ein Schwall grenzenlosen Hasses loderte in Remus hoch, er fühlte den Dolch in seinen Fingern und zögerte keinen Augenblick. Die scharfe Klinge bohrte sich bis zum Anschlag ins Fleisch des Tieres.
Aris Schrei zerriss die Stille. In fassungslosem Entsetzen starrte sie auf ihren winselnden Gefährten aus dessen Flanke der Griff von Hagrids Jagdmesser ragte. Doch trotz oder vielleicht auch wegen des Schocks arbeitete ihr Gehirn auf Hochtouren. "Stecken lassen!", schrie sie, als Remus Hand das Messer zurückziehen wollte. Wie eine Furie stürzte sie sich auf ihn und riss an seinem Umhang. "Gib her!" Völlig entgeistert sah er dem Mädchen zu, das verzweifelt versuchte, das Leben eines Wolfes zu retten.
Sie verknotete die Ärmel des Umhangs so, dass der Schaft des Dolches fest auf die Wunde gepresst wurde. Fast sofort versiegte die Blutung. "Halt durch, Teddy, du schaffst es!" Remus schwankte, als hätte sie ihm einen Schlag versetzt. "Teddy?", flüsterte er heiser. Ari nickte nur. "Wo ist Mum? Sie kann ihm helfen." Lupin reagierte nicht, er starrte in die blinden Augen und begann am ganzen Leib zu zittern. Ari packte ihn grob an der Schulter und schüttelte ihn. "Du musst Mum herbringen, sofort! Sonst stirbt er!" Und Remus rannte los. Im Laufen rief er Ari zu: "Severus Fesseln, du brauchst ein Messer!" und dann war er verschwunden.
"Weiß ich doch selber!", murmelte Ari und strich ihrem Vater sanft übers Gesicht. Die Handfesseln waren bereits durchtrennt. Sie zog Dracos Klappmesser aus ihrer Tasche und ließ es aufschnappen. Die scharfe Klinge glänzte im matten Licht der trüben Glühbirne. Mühelos schnitt sie durch das harte Plastik und die Fesseln fielen ab. "Vivesco!" Augenblicklich schossen Severus Lider in die Höhe und er sah Ari fassungslos an. "Was hast du getan?" Ari stand das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben und sie wich seinem Blick aus. Statt einer Antwort wies sie auf Teddy und Severus schnappte keuchend nach Luft. "Wer..., das ist Hagrids Messer!"
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