
von marie29
Sechs Wochen waren seit ihrer Rückkehr vergangen. Severus stand am Fenster seines Büros und ließ den Blick zum ersten Mal seit langem über die Ländereien von Hogwarts schweifen. Das Trimagische Turnier beherrschte seine Gedanken. Seit Wochen schon verbrachte er jede freie Minute mit der Planung und Vorbereitung der Spiele. Eine willkommene Ablenkung, es blieb keine Zeit zu grübeln. Wann immer seine Gedanken abzuschweifen drohten, wandte er seine ganze Konzentration der riesigen Schriftrolle zu, die vor seinem Schreibtisch in der Luft schwebte und alle Notizen, Skizzen und Aufzeichnungen enthielt, die das Fest betrafen.
Gerade wollte er sich wieder zu ihr umwenden, als eine Gestalt an Hagrids Hütte vorbei in den Wald huschte, immer wieder verstohlene Blicke in Richtung Schloss werfend. Remus! Er wusste doch, dass er immer bis spät abends im Büro war, wo wollte sein Freund nur hin. "Vielleicht will er ja gar nicht zu dir!" Wie er die bösartige Stimme in seinem Kopf hasste, die ihn in den unpassendsten Momenten peinigte.
"Zu wem soll er denn sonst wollen?", schnauzte er sie in Gedanken an. "Na, ich wüsste da schon jemanden. Wie wär’s zum Beispiel mit deiner Frau?" Marie! "Was soll das heißen?" Stille! Verdammt, er musste hier raus, brauchte dringend frische Luft. Durch den Geheimgang an Hagrids Hütte vorbei. Nein, er spionierte Remus nicht hinterher, wollte nur kurz nach Marie sehen. Sie war einsam, er wusste es, es lastete ihm schwer auf der Seele, doch er konnte es nicht ertragen, mit ihr allein zu sein. Ihr Wissen ließ ihn nicht vergessen.
Fast wäre er gerannt, so eilig hatte er es plötzlich. Endlich, der See, die alte Buche, zwei Gestalten im Moos - eng umschlungen! Nein! Es konnte, durfte nicht sein. Er fuhr herum, nur weg, zurück, diesen Anblick aus seinem Gedächtnis löschen. Ein leises Geräusch ließ ihn innehalten - so verzweifelt, dass sein Herz mit einem Mal unerträglich schmerzte. Ein Schluchzen, erstickt, als versuche sie, es mit aller Gewalt zu unterdrücken, doch es bahnte sich seinen Weg, ließ sich nicht zurückdrängen. Marie - sie weinte!
Zögernd wandte er sich um, sah genauer hin. Remus hielt ihren bebenden Körper im Arm, streichelte ihr sanft übers Haar. Tränen des Mitleids standen in seinen Augen. Marie, seine starke Marie, was konnte sie nur so erschüttert haben. Severus stand im Schatten der untergehenden Sonne. Das dichte Gebüsch machte ihn unsichtbar. "Bist du wirklich so blöd, oder tust du nur so?" Nicht einmal diese hämische Bemerkung, konnte ihn aus seiner Erstarrung reißen.
Er sah nur Marie - ihren tiefen Schmerz, wusste, sie weinte seinetwegen. Es war seine Schuld. "Wie immer eben!" Das boshafte Kichern in seinem Kopf schnürte ihm die Kehle zu. Alle Kraft verließ ihn, machte es ihm unmöglich, sich zu bewegen. Ein Zittern - nicht jetzt, nicht hier! Seine ganze Willensstärke erforderte es, die grässlichen Bilder zu verdrängen, doch die Realität war fast ebenso grausam. Remus tat, was doch seine Pflicht gewesen wäre. Ihr Trost und Halt geben, sie vor allen Kummer bewahren. Hatte er nicht tief im Innern gewusst, wie es um sie stand. Das all ihre Stärke nur gespielt war, für ihn!
"Ich schäm mich so sehr, Remus!" Maries Stimme war kaum wiederzuerkennen, so verzagt, so schwach, bar jeder Hoffnung. Remus erwiderte nichts, wiegte sie nur sanft. Langsam wurde ihr Atem ruhiger. Ein letzter Seufzer, dann setzte sie sich auf, sah ihm fest in die Augen. "Hat Tonks dich geschickt?" Ihr Lächeln war nur ein kläglicher Versuch. Remus nickte. "Sie sorgt sich so um dich, Marie! Sie denkt, dass etwas an dir nagt, dich innerlich auffrisst, wenn du nicht endlich darüber sprichst. Sie hat recht, nicht wahr?"
Marie ließ ihren Kopf auf die Knie sinken, umklammerte ihre Beine und fasste einen Entschluss. "Er darf es niemals erfahren, Remus, versprich mir das!" "Aber Marie ...". Sie richtete ihren Zauberstab auf ihn und murmelte ein Wort, so leise, dass Severus es nicht verstand, doch er wusste auch so, was sie tat. Ein Verschweigezauber! So wichtig war es ihr, dieses Geheimnis zu bewahren. Er musste hier weg, durfte sie nicht belauschen und war doch unfähig, sich von der Stelle zu rühren.
Zu spät! Die Worte strömten nur so aus ihr heraus, verschafften ihr endlich die Erleichterung, die sie sich selbst so lange verboten hatte. "Ich vermisse ihn so. Ich sehn mich so sehr nach ihm, dass ich mich nachts aus dem Bett schleiche, weil ich es nicht ertragen kann, seinen Körper neben mir zu spüren, gefühllos wie ein Stein! Dieses verfluchte Zeug!" Sie schrie jetzt fast.
Remus starrte sie schockiert an. "Er nimmt es immer noch?" Ihre Hände gruben sich ins Moos, ballten sich zu Fäusten, als sie sich zwang zu nicken. "Jeden Abend, gleich als erstes, wenn er heimkommt, als könne er meine Gegenwart nur so ertragen. Ich weiß, er kann mir nicht verzeihen, dass ich gesehen hab, was Malfoy ihm angetan hat. Mein Anblick erinnert ihn an all die Qualen, die er erdulden musste."
So verzweifelt sah sie aus, zutiefst verletzt, Severus ertrug es kaum, sie anzusehen. Doch immer noch war sein Körper wie ein Fremdkörper, er konnte nicht flüchten, war gezwungen, ihren Schmerz zu ertragen, ihre Worte zu hören. "Jeden Abend verachte ich mich mehr. Verstehst du, Remus? Ich sehe, wie mühsam er sich durch den Tag kämpft, wie unendlich viel Kraft es ihn kostet, die Stunden im Büro zu überstehen. Und ich, ich missgönne ihm die Erleichterung, die ihm diese Tropfen verschaffen. Ich hasse mich!"
Sie sank mit einem gequälten Schluchzer ins Moos, als wolle sie sich darin verkriechen vor Scham. Severus Beine schlotterten, er sank zu Boden, die Faust fest auf den Mund gepresst, um sein Stöhnen zu unterdrücken. Remus sah fassungslos auf Maries zuckenden Leib hinab. Soviel Schmerz, nichts konnte er tun, um sie zu trösten. Hilflos strich er ihr übers Haar, eine Geste, nichts weiter und doch schien die Berührung Maries Kummer zu lindern. Half ihr, sich selbst wiederzufinden.
Sie setzte sich auf, wischte sich die Tränen vom Gesicht und fuhr Remus zärtlich über sie Wange. "Verzeih mir! Es war nicht recht von mir, dich damit zu belasten, aber es hat mich unendlich erleichtert, darüber zu sprechen, mit dir zu sprechen, Remus. Du bist wie ein Bruder für mich, das weißt du ja." Ihr Lächeln war warm und herzlich. "Ich danke dir! Jetzt kann ich wieder stark sein. Ich bin so dankbar und glücklich, ihn und Ari wieder zu haben, alles andere ist gleichgültig, solange er nur bei mir ist."
Sie umarmte ihn, lächelte ihm noch einmal zu und sagte: "Lass Tonks nicht so lange warten. Sag ihr, es geht mir wieder gut - das ist keine Lüge, Remus. Ich fühle mich so wunderbar leicht und befreit, wie schon lange nicht mehr." Und plötzlich lachte sie, als sei ihr eine große Last abgenommen worden. Ewigkeiten schien es her zu sein, dass dieses Lachen ihm durch Mark und Bein gedrungen war, seinen Körper mit reiner Freude erfüllt hatte. Und plötzlich war es wieder da, dieses wundervolle Gefühl.
Beinahe fröhlich klang ihre Stimme zu ihm herüber. "Jetzt hab ich mich so verausgabt, dass ich total erledigt bin. Ich glaub, ich schlaf noch ein wenig. Es wird noch Stunden dauern, bis Severus nach Hause kommt." Ein Lächeln, eine letzte Umarmung und Remus war allein. Er lehnte sich zurück an den Stamm der Buche und schloss seufzend die Augen. "Was für eine wunderbare Frau!"
"Das ist sie!" Remus Lider schossen in die Höhe, der Schreck stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er sah so verdattert aus, dass Severus grinsen musste. Was für ein ungewohntes Gefühl! "Wie lange ..., hast du ..., du weißt ...?" "Ja!" "Das ist ..., das ist einfach …", kopfschüttelnd sah er Severus in die Augen, ganz langsam stahl sich das vertraute Lächeln in sein Gesicht. "Das ist einfach großartig!"
Sie grinsten sich an. Remus Augen füllten sich mit Tränen. "Haben wir dich wieder, mein Freund?" Severus schluckte schwer. "Ich wünsch es mir so sehr, Remus!" Er setzte sich neben ihn. "Was soll ich nur tun? Diese Tropfen - sie nehmen mir die Angst vor dem Schlaf, vertreiben das Grauen aus meinem Kopf und ... jedes andere Gefühl." Er konnte Remus nicht ansehen. Der blickte auf Severus gesenkten Kopf und zögerte lange, bevor er fragte: "Meinst du damit ein bestimmtes Gefühl?"
Severus Eingeweide verkrampften sich, alles in ihm verweigerte die Antwort, doch es war Remus, der neben ihm saß, der geduldig auf ein Wort von ihm wartete. Plötzlich konnte er nachfühlen, welche Überwindung Marie ihre Ehrlichkeit gekostet hatte und er schämte sich für seine Feigheit. "Den Ekel!", flüsterte er, "den Ekel vor mir selbst, vor meinem Körper." Er zitterte vor Anspannung, wartete auf die Stimme in seinem Kopf, die ihn schon so lange drangsalierte, doch sie schwieg.
Auch Remus sagte nichts, sah ihn nicht an, drückte nur aufmunternd seine Hand. "Ich kann nicht!", stöhnte Severus. Sein Mund weigerte sich, die Grässlichkeit auszusprechen, die ihn doch so sehr belastete. "Ich kann es dir nicht sagen." Er schluchzte jetzt, wollte nicht daran denken. Warum ging Remus nicht einfach? Warum umklammerte er seine Schultern, drückte sein Gesicht in die Höhe, so dass er gezwungen war, ihm in die Augen zu sehen? Warum sagte er: "Doch, Severus, du kannst es!" Warum drang dieser Blick so tief in sein Herz?
Er wollte ihm dieses grauenvolle Geheimnis entreißen, ihn zwingen, die Worte zu sagen, die ihm so schwer auf der Seele lagen. Eine Eiseskälte kroch in ihm hoch. Sollte er es doch wissen, sollte er sich doch voller Abscheu von ihm abwenden. Sein Blick wurde hart wie Stahl. "Er hat mich gezwungen, ihn zu befriedigen. Mit meinen Lippen, meiner Zunge, meinem Mund. Er presste seinen Schwanz so tief wie möglich in meinen Schlund, bevor er sich in mich ergoss, mir befahl zu schlucken."
Seine Stimme klang so unbeteiligt, als verlese er ein Zutatenrezept für einen Zaubertrank. Remus glaubte zu wissen, was nun kam, er wollte sich die Ohren zu halten, nicht hinhören, aber Severus Stimme drang tief in sein Hirn. "Dann zwang er Ari, das gleiche bei mir zu tun und ich, ich hab es genossen!" Alle Kraft verließ ihn bei den letzten Worten. "Und Marie hat das alles gesehen!", flüsterte er noch, bevor er ins Moos sank wie ein verletztes Tier und darauf wartete, dass Remus die Flucht ergriff.
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