
von Shakes
Kapitel 8
Der September ging schleppend voran. Die Unterrichtsstunden bei Snape waren so schlimm wie eh und je. Aber in den ersten drei Wochen war einiges passiert.
Ron war mit Lavender zusammen, was sehr viel seiner Zeit beanspruchte. Harry sah ihn kaum noch. Hermine hatte das alles relativ gut verkraftet. Harry hoffte, dass ihre Zuneigung für Ron nicht so tief war, wie Harry es zuerst vermutet hatte. Sie war auffallend still geworden. Sie bemühte sich immer fröhlich zu sein, aber es fiel ihr schwer, Harry kannte sie schon zu lange, als dass er es nicht gemerkt hätte. Er gab sich alle mühe sie aufzuheitern und nach zwei Wochen merkte er, dass sie ein wenig glücklicher wirkte.
Jetzt, selbst nach drei Wochen hatte er immer noch keine Nachricht von Dumbledore erhalten. Er war auch erst einige wenige male beim Essen gewesen, Hermine und er rätselten oft darüber, wo er war und was er tat.
Gerade, als Harry dachte, dass er ihn vergessen hatte, erhielt er eine Eule.
In der feinen, geschwungenen Handschrift Dumbledores stand dort geschrieben:
„Hallo Harry,
wie ich gehört habe, hast Du die ersten Wochen deines neuen Schuljahres gut verbracht. Sicherlich hast du dich gefragt, wann Deine erst Unterrichtsstunde bei mir stattfinden wird.
Ich habe eben diese auf Freitag angesetzt.
Ich erwarte Dich also am 30. um zwanzig Uhr in meinem Büro.
Albus Dumbledore
Post Scriptum ich liebe Säuredrobs.“
Harrys erster Gedanke war `Gott sei dank, ist sie nicht am ersten´ denn da war Freds und Georges Party und die wollte er auf keinen Fall verpassen.
„Was sagst du dazu?“ fragte er Hermine.
„Ich bin schon gespannt. Du wirst mir doch alles erzählen, oder? Aber gut, dass sie nicht am ersten ist!“
„Ja, das war auch mein erster Gedanke. Wie kommst du auf die Idee, ich würde dir etwas nicht erzählen?“ fragte er scherzend Hermine. „Als hätte ich je etwas vor dir verbergen können, du brauchst nicht einmal Okklumentik um jemandes Gedanken lesen zu können.“
Hermine lachte herzhaft. Harry war froh sie lachen zu sehen.
Es war Montag und angesichts der zwei großen Ereignisse am Wochenende wollte die Woche nicht vergehen.
Die Freitagsstunde bei Snape war besonders schlimm und er provozierte Harry unablässig, aber Harry ermahnte sich ruhig zu bleiben. Das letzte, was er gebrauchen konnte, war, dass Snape ihm Nachsitzen aufbrummte.
Bei Harrys Glück würde das am Samstagabend stattfinden.
Also blieb er ruhig, auch wenn er seine Schreibfeder abbrach und sich eine Ersatzfeder von Hermine leihen musste, die diese Stunde mal wieder besonders ruhig war. Harry schob das auf ihr Erlebnis vom Mittagessen, wo Ron und Lavender besonders „verliebt“ gewesen waren.
Dann war es endlich Freitag. Harry hatte nur in den ersten zwei Stunden Unterricht und nach dem Mittagessen frei, also nahm er sich vor, möglichst viele Hausaufgaben zu machen.
Er nahm an, dass er das ganze Wochenende wenig Zeit für Hausaufgaben haben würde.
Die Partys von Fred und George hallten in der Regel noch mehrere Tage nach.
Er fing mit der schwierigsten Hausaufgabe an, Verteidigung gegen die dunklen Künste.
Sie sollten eine Abhandlung schreiben, über die Wirkungsweise des Werwolfgifts.
Bevor Harry auch nur anfangen konnte den Aufsatz zu schreiben, musste er mehrere Kapitel in ihrem Schulbuch lesen. Als sich Hermine nach ihrer letzten Stunde, Alte Runen, zu ihm gesellte schreib er gerade am Ende. Zugegeben, er hatte zum Ende hin sehr groß geschrieben, aber sonst hätte die Länge nicht ausgereicht.
Er war ziemlich zufrieden mit sich, auch, wen er vier Stunden gebraucht hatte.
Mit Hermines Hilfe wurde er bedeutend schneller und bis viertel vor acht hatte Harry beinahe alle Hausarbeiten fertig bekommen, das hieß Hermine hatte einen Großteil davon diktiert.
Er tätschelte ihre Schulter, bevor er ging. Er beeilte sich, um pünktlich zu Dumbledore zu kommen, Peeves hatte einen Korridor belagert, sodass Harry einen Umweg gehen musste.
Endlich bei Dumbledores Büro angekommen nannte Harry das Passwort und klopfte an die Tür.
„Herein“ kam es von drinnen, also trat Harry ein.
Dumbledore saß hinter seinem Schreibtisch, die Hände gefaltet, so wie immer. Er lächelte sanft, auch so wie immer. Mit einem Blick auf die Uhr stellte er fest, dass er gerade noch pünktlich gekommen war.
„Guten Abend Professor“
„Hallo Harry, setz dich bitte“ Dumbledore deutete auf einen Stuhl, direkt vor seinem Schreibtisch. Harry beeilte sich, platz zu nehmen. In den vergangenen Tagen hatten er und Hermine oft gerätselt, was Dumbledore ihm wohl beibringen wollte.
Harry hatte auch versucht, mit Ron darüber zu reden, aber der war zu sehr mit Lavender beschäftigt. Harry hatte das nie vermutet, aber Ron gehörte zu den Menschen, die alle ihre Freunde vergaßen, sobald sie in einer Beziehung waren.
Aber nun war er bei Dumbledore.
Beim eintreten hatte er sich unauffällig umgeschaut. Das einzige, was anders schien, als sonst war das Denkarium, welchen nicht in seinem Schrank stand, sondern an einem Ende von Dumbledores riesigem Schreibtisch.
Harry sah Dumbledore an, als der wieder zu sprechen begann.
„So, Harry, wie ich vermute hast Du Dich bereits gefragt, was ich Dir in unseren Unterrichtsstunden beibringen möchte. Ich möchte Dich nicht kämpfen lehren, wie du vielleicht vermutet hast. Aber ich werde Dir etwas liefern, was genau so wichtig für den Kampf sein wird.“
Eine Waffe! Dachte Harry. Dumbledore lächelte, als könnte er Harrys Gedanken lesen.
„Nein, auch keine Waffe. Ich liefere Dir Wissen. Im letzten Jahr habe ich Dir versprochen, dass ich Dir alles erzähle. Das habe ich getan, allerdings haben sich in neuester Zeit so manche Dinge entwickelt, die sehr wichtig für dich seien werden.“
Na, toll, wissen, dachte Harry, sicher, wissen war wichtig, aber wenn es im Kampf hart auf hart kam, da brachte einem reines Wissen nicht viel. Harry hätte lieber etwas Handfestes gehabt.
„Ich weiß, was Du denkst, Harry. Aber glaube mir, auch wenn es vermessen ist, ich bin weiser an Jahren und habe weitaus mehr Kämpfe gefochten, als du, wissen ist das, was den Kampf am Schluss entscheidet.“
Harry glaubte ihm nicht wirklich, aber er tat sein möglichstes um diesen Gedanken aus seinem Gesicht fern zu halten.
„Ich sehe, du glaubst mir nicht, das verstehe ich. Du bist Jung. In deinem Alter hätte ich mir vermutlich auch nicht geglaubt. Ich hoffe du lernst es nicht zu schmerzlich. Aber nun zum Eigentlichen Thema unseres Unterrichts. Wie ich dir ja bereits sagte ist unser Ziel das erlangen von Wissen. Ich möchte Dir helfen, die Gegenwart zu verstehen, und zwar mit Hilfe der Vergangenheit.“ Er deutete auf das Denkarium, „Ich habe in den Vergangenen Jahren Erinnerungen gesammelt, die alle ein Thema hatten, Lord Voldemord. Damit du ihn besiegen kannst, musst du erst verstehen, wie er das geworden ist, was er heute ist.“
„Ok, das heißt, dass ich mit ihnen die die Vergangenheit Voldemords eintauchen? Wozu soll das gut sein? Daran ändern kann ich doch nichts mehr.“
„Du hast vollkommen Recht, Harry. Geändert werden kann nichts, aber du kannst Dinge erfahren, die alles Entscheiden werden. Aber, wenn es soweit ist, wirst du es merken. Wenn ich dir nun alles erklären wollte, wären die Erinnerungen gänzlich überflüssig. Lass uns nun beginnen. Heute möchte ich Dir noch keine Erinnerung zeigen.“
Harry war überrascht, er dachte, dass sie so schnell wie möglich beginnen sollten.
„Ich dachte mir, dass du sofort beginnen wollen würdest. Ich wollte dir heute aber erst einmal sagen, was du hier lernen wirst.“
Harry sah auf die Uhr, in der tat, es war bereits halb zehn. Das Gespräch mit Dumbledore war ihm bedeutend kürzer vorgekommen.
„So, Harry, ich habe noch einiges zu tun und vorzubereiten und angesichts der Party morgen, solltest du heute versuchen möglichst viel Schlaf zu bekommen.“
Harry war, als hätte ihm Dumbledore mit einem Brett vor die Stirn geschlagen, aber er gab sich alle mühe den Überraschten Gesichtsausdruck zu unterdrücken.
„Party, Sir?“
„Ach, Harry, es ist etwas naiv von Dir zu glauben, dass ich nicht wüsste, was in meiner Schule vor sich geht. Die Partys von Fred und George sind schließlich schon seit Jahren in vollem Gange, auch wenn ich sagen muss, dass mir die Idee für dieses Jahr besonders gut gefällt. Also, Gute Nacht.“
Harry war so geschockt, dass er nur noch „Gute Nacht, Sir“ murmeln konnte, bevor er aus dem Büro ging.
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