
von queenie
Mum and Dad
Dad schloss mich als erster innig in seine starken Arme, als ich bei ihnen zum Stehen kam und ich erwiderte die Umarmung von Herzen und genoss den vertrauten Geruch nach Zitrone, den er verströmte und versuchte, ihn mir gut einzuprägen.
„Hallo mein Schatz, na wie war die Schule?“, zwitscherte Mum aufgeregt, als sie mich ebenfalls in die Arme schloss und mich ihr vertrauerter Duft von Chanel Nr. 5 empfing.
„Wie immer spannend!“, strahlte ich die zwei verlogen an, sie sahen gut aus und das freute mich sehr.
„Nun, dann wollen wir mal, ich fahr das!“, meinte Dad wichtig und nahm den Kofferwagen, wie gut, dass Orange bei den Twins war.
Mit ihr wären wir hier sehr auffällig gewesen und das Erstaunen meiner Eltern wäre auch nicht gut gewesen, da sie mir diese ja angeblich zu Weihnachten geschenkt hatten, was natürlich nicht stimmte, was man nicht immer alles bedenken musste, wenn man einmal anfing zu lügen.
Daraus ergab sich dann ein regelrechter Kreislauf!
So stiegen wir in unseren BMW und brausten davon, als ich die drei weißen Stufen zu unserem Stadthaus erklomm, überkam mich eine große Melancholie, bald würde dieses Haus mir alleine gehören, seufzte ich traurig auf.
Wir standen dann alle im Flur, der eine wunderschöne, aufwendige Stuckdecke hatte, die ich schon als Kind immer geliebt hatte und wirkten etwas verloren.
„Schön, dich wieder bei uns zu haben, meine Kleine!“, strich mir Mum zärtlich über die Wange und ich lächelte sie lieb an, da Wehmut in mir aufkommen wollte.
„Ich freue mich auch… habt ihr heute was geplant?“, forschte ich neugierig nach und versuchte, mich zusammenzureißen.
„Nein, nichts Besonderes, ist ja schon spät, wenn du willst können wir heute Abend essen gehen oder auch hier kochen!“, kam das gut gemeinte Angebot.
„Dann würde ich mich freuen, wenn du was kochst, ich habe deine Kochkünste vermisst!“, schmeichelte ich, ich mochte ihr Essen wirklich, aber so konnte ich ihnen auch leichter den mit einem Schlaftrank vermischten Wein verabreichen, denn sagen wir es mal so, es würde für mich mal wieder eine lange Nacht werden.
„Oh, das freut mich, danke für das Lob! Dann werden wir noch einmal einkaufen gehen, was machst du so lange?“, geriet Mum regelrecht in Wallung und strahlte über mein Lob.
„Vielleicht muss ich auch noch das ein oder andere besorgen, aber zuerst hätte ich gerne ausgepackt…“, bekannte ich und blickte zu meinem Schrankkoffer.
„Gut, tue das, mein Kind, ich werde deine Mutter chauffieren, bis später!“, stand ich schon wieder alleine da, perfekt, ich zückte meinen Stab und dirigierte den nun schwebenden Koffer in mein Zimmer.
Ich liebte die Magie, ein Wisch meines Zauberstabes und ich hatte alles ausgeräumt, was ich haben wollte, ach… es erleichterte einem das Leben schon sehr und so nahm ich den Brief von Gringotts, den mir Rangok geschrieben hatte und las ihn mir hochkonzentriert und akribisch durch.
Vor zwei Monaten war die Praxis erfolgreich zu einem stolzen Preis veräußert worden, von dem Gewinn konnten ein schickes, edles Haus mit riesigem Grund in einem exklusiven Vorort von Brisbane und eine hochwertige, neue Praxis in der Innenstadt erworben werden. Morgen, um 13 Uhr, wäre die Übergabe der Praxis mit dem neuen Besitzer, wie gut, dass ich Mum recht ähnlich sah, ein paar Verwandlungszauber, dann müsste ich keinen Vielsafttrank nehmen, der war einfach zu ekelig. So lange ich ihn umgehen konnte, würde ich ihn nicht nehmen, da er auch sehr aufwendig herzustellen war und ja, er schmeckte einfach widerlich.
Wie es aussah war sogar nach dem Kauf der Immobilien und von zwei Wagen etwas Bargeld übrig geblieben. Nicht wirklich viel, aber mit den Geldern aus den aufgelösten Konten aus England war es eine große Summe an Bargeld und Spareinlagen, die schon auf die neuen Konten in Australien überwiesen worden waren. Mum und Dad würden nicht am Hungertuch nagen und dasselbe wohlsituierte Leben in Australien führen können, wie hier in England, sie würden nur schöneres Wetter haben, dachte ich mit Galgenhumor.
Ich blickte auf die Fotos, die Rangok mit beigelegt hatte, damit ich die Immobilien ansehen konnte, bevor ich sie abgesegnet hatte, wirklich sehr schön, die Goblins verstanden es, Wünsche zur vollsten Zufriedenheit auszuführen, es sah wirklich hübsch aus.
Die Weiten, die dieses Land bot, waren unglaublich, für mich zwar ein bisschen staubig, aber ich wusste, Dad mochte so ein Klima und das Haus war viel großzügiger als unseres hier, den beiden würde es gut gehen.
Dann fasste ich wieder in meine Mappe, in der ich alle Unterlagen von Gringotts verstaute und holte das hochoffizielle Dokument hervor, welches mir Rangok letztens per Eulenpost überstellt hatte. Es waren die Vormundschaftsunterlagen, dass Gringotts formell die Vormundschaft für die verbliebenen zwei Monate für mich übernahm, es benötigte noch die Unterschrift meiner Eltern, mit einer Blutfeder um es wahrlich bindend zu machen und danach würde es nur zum Einsatz kommen, sollte es jemand fordern.
Wenn nicht würde es in den Mühlen der Bürokratie verschwinden, es war nur meine Absicherung vor dem Ministerium und Dumbledore, aber ich würde diese Carte Blanche nur ziehen, wenn man mir keine andere Wahl ließe. Eigentlich gab es mittlerweile noch eine zweite Alternative, ich gehörte, dank Dracos Mal, der Familie Malfoy an, mit einem drakonischen Oberhaupt und dieser war eigentlich nominell mein Vorstand, aber so leicht, mich freiwillig in Lucius' Fänge zu begeben, würde ich es ihm auch nicht machen, lieber sicherte ich mich von allen Seiten ab.
Ich hatte Rangok geschrieben, dass mein Dokument, das magisch bezeugte, dass ich ein Jahr älter war, erst bei meiner Volljährigkeit an das Ministerium gehen sollte. Ich wollte von der magischen Welt so wenig Aufmerksamkeit auf meine Person lenken wie möglich, nach den dramatischen und aufregenden Tagen und Wochen, in denen mein Name einfach zu präsent gewesen war, war es besser, nicht so sehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu treten.
Auch hatte es eine logistische Änderung in meinem Plan gegeben, das Auto meiner Eltern sollte schon um 18 Uhr am Waldrand kurz vor dem Ortseingang zu Dover warten, aber nun gut, das war, wie mir Rangok schrieb, kein Problem.
Ich rieb mir müde über mein Gesicht, es war schon recht spät, fast 18 Uhr abends und ich durfte echt nichts vergessen und heute Abend würde es noch richtig spannend werden, so war ich doch ein wenig aufgekratzt, wobei ich jeden Zweifel rigoros niederrang.
Um mich ein bisschen abzulenken, da mich wegen dem was ich heute noch geplant hatte immer wieder leichte Schauer des Ekels überliefen und ich meine ganze Disziplin brauchte, um mich zu überwinden und den Plan nicht vielleicht doch einfach über den Haufen zu werfen, duschte ich ausgiebig und versuchte, mir das Hirn herauszuschrubben.
Auf was für scheiß Ideen kam ich eigentlich immer, dass ich mich auf so etwas einließ, wenn das nur irgendeiner wüsste. Das was ich in ein paar Stunden tun würde, hatte ich niemandem anvertraut, wirklich niemandem, keinem Draco, nicht den Twins!
Nein, denn alle hätten wohl vor Entsetzen die Hände laut über ihren Köpfen zusammengeschlagen und ich gab ihnen ja recht, es war ein wahrlich wagemutiges Unterfangen, was mir die Magensäure die Speiseröhre hinauf drückte und einen sauren Geschmack in meinem Mund verursachte. Igitt und so putzte ich mir noch einmal die Zähne, um den schlechten, schalen Geschmack aus dem Mund zu vertreiben. Aber ich sollte aufpassen, was ich heute aß, denn kotzen wollte ich nicht, das wäre kontraproduktiv, eindeutig.
Als ich in einer schwarzen Jeans und einem leichten, enganliegenden, schwarzen, halblangen T-Shirt und mit zu einem straffen Dutt gebundenem Haar die wohlduftende Küche betrat und meine Eltern lieb anlächelte, hatte ich mich wieder soweit gefangen, um die liebende, brave Tochter, die kein Wässerchen trüben konnte, zu spielen. Sie hatten auf der Terrasse gedeckt und grillten aufgrund der lauen Sommernacht draußen und ich ging zu meinen gutgelaunten, unwissenden Eltern, setzte mich zu ihnen.
Es wurde ein geselliger, lustiger Abend, der gut zwei Stunden dauerte, wir lachten viel, dann sackten beide unspektakulär vor meinen Augen kurz hintereinander auf ihren Stühlen zusammen, ein Glas ging dabei laut klirrend zu Bruch. Ich hatte diesmal die Dosis erhöht, da sie tief und fest schlafen mussten. Ich könnte es echt nicht gebrauchen, dass sie aufwachten und so betrachtete ich meine ohnmächtigen Eltern fast mit so etwas wie Wehmut.
Wenn sie wüssten…, jetzt ging es los, mit einem Locomotor ließ ich die beiden bewusstlosen Leiber meiner Eltern gleichzeitig in ihr Bett schweben, hexte ihnen noch ihre Schlafanzüge an und ging dann zu ihnen, blickte sorgenvoll auf ihre schlafenden, friedlichen Gesichter. Sie hatten keine Ahnung, was ihre Tochter gleich alles für schockierende Dinge tun würde, wie viele Grenzen wieder fallen würden! Dass sie heute den letzten Abend ihres Lebens mit ihrer Tochter verbracht hatten. Was war ich doch böse!
Was fühlte ich?
Gute Frage, nicht viel, da ich mich schon vor langer Zeit dazu entschlossen hatte, meine Eltern aus meinem Leben zu tilgen, deswegen hatte ich mich lange Zeit auf heute vorbereitet und so verspürte ich nur einen unglücklichen Beigeschmack des Abschiednehmens, aber nicht die ernstliche, grausame Panik, wenn der Abschied unerwartet kommen würde, eher fühlte es sich an wie ein sanfter Lufthauch, der uns für immer auseinander trieb, kein Orkan, der uns entwurzelte.
Ich beugte mich über meine Mutter, strich ihr die lockigen, dunkelbraunen Haare aus dem schönen Gesicht und fasste in ihr Haar, zog unbarmherzig einige ihrer Strähnen aus der Kopfhaut. Sie verzog schmerzlich ihre Züge aber wachte nicht auf, ich wusste doch, dass meine Tränke gelungen waren, so verstaute ich sie in einer Phiole und lächelte ein zufriedenes Lächeln.
Das gleiche tat ich mit den kurzen, dunkelblonden Haaren meines Vaters und warf auf dem Weg zur Tür noch einen Blick auf das selig schlafende Paar, das bald von diesem Leben nichts mehr wissen würde. Wenn sie jemals erfahren hätten, wie ich wirklich war, wären sie über diesen Schritt wohl noch dankbar, denn wer wollte schon so eine Tochter? Zog ich mein vernichtendes Resümee.
So ging ich nun gefasst, wie ich war, in mein Zimmer. Es war fast halb zehn, ich war gut in der Zeit, zog mir meinen Stoffmantel über und betrachtete mich genau im Spiegel. Ich sah mein Gesicht, in dem sich tiefe, verhärmte Züge der Entschlossenheit zeigten, denn das was ich nun tat, erforderte auch von mir viel, sehr viel Überwindung, aber ich hatte lange überlegt, dies war der beste, der einzige Plan, der mir eingefallen war, den ich bis zum bitteren Ende durchziehen konnte.
Ich war verrückt, aber nun gut, ich würde es tun! Ich war wirklich nicht ganz dicht, mein Herz schlug unnatürlich schnell in meiner Brust, warum dachte ich mir immer solche Sachen aus? Das war nicht gut, gar nicht gut… aber nun konnte ich miterleben, wie ich erfolgreich meine Panik bekämpfte, die sich in mir auszubreiten gedroht hatte und eine unglaubliche Abgestumpftheit und Härte in meine braunen Augen trat, die selbst mich in dieser Sekunde sprachlos machte, aber nun gut, die Würfel waren gefallen, Hermione! Puh... nun gut, ich fokussierte mein Ziel, Hopes Lane in London.
Ich saß am nächsten Abend, dem 01.07. in der Familiensuite des „The Marquis Inn“ in Dover, in der sogenannten „The De Parmier Suite“, kuschelte mich bekleidet in meinem leichten hellblauen Seidennachthemd in das braune Sofa mit den silbrigen, floralen Kissen, auch die Tapete hatte diese verschlungenen Muster, und lächelte im Schein der gedimmten Lampen.
Ich blickte auf meinen blutrot schimmernden Wein, der sein wohlriechendes Bouquet im Bauch des breiten Rotweinglases verbreitete und ich inhalierte den herben Duft, der mich an Kirschholz mit einer Prise Zimt erinnerte.
Ich nippte an dem schweren, edlen Tropfen und lauschte den makaberen Klängen von Händels „Der Messias“ und es erschallte gerade der wohl berühmteste Satz des Oratoriums, ein lautes „Halleluja“ erklang. Ich weiß nicht warum, aber mir war danach und so genoss ich die Ruhe, die sich über mein Gemüt gelegt hatte und schloss die brennenden Augen, nachdem ich seit gestern nicht mehr geschlafen hatte, aber es würde mein Schauspiel nur noch glaubwürdiger machen.
Ich entspannte, bevor der zu erwartende Sturm losbrechen würde.
So wanderten meine Gedanken zu den letzten 24 Stunden, in diesen Stunden war sehr viel geschehen, mir entwich ein erleichtertes Stöhnen.
Ich war in die Hopes Lane appariert und erinnerte mich nun zurück, wie es gewesen war.
Das Gebäude vor dem ich stand und das mein Ziel war, wurde aus roten Backsteinen im italienischen Stil erbaut, es hatte eine langgezogene, schmale Halle, die durch Rundbögen unterbrochen war. In der Mitte des schönen Gebäudes befand sich ein Turm, der an ein Vogelhäuschen erinnerte und aus diesem ragte ein markanter Schornstein.
Sehr hübsch lag es gegenüber dem jüdischen Friedhof und das Gebäude selbst konnte eine riesige Anlage mit Seen und Brücken sein eigen nennen. Dies war alles wahrlich sehr idyllisch, unter Anbetracht, dass dies ein Mausoleum und Krematorium war.
Das „Golders Green Crematorium“ war 1901 eröffnet worden und galt auf der ganzen Welt als ein Flaggschiff der Einäscherung und seiner Methoden auf diesem Gebiet und genau das war mein Ziel. Ich hatte schwer recherchiert, wo ich das bekam, was ich suchte und dabei hatte ich all die Informationen zu diesem Krematorium gefunden, aber was so besonders an den Methoden war, erschloss sich mir nicht so ganz, ich meine, verbrennen bleibt verbrennen, oder?
Im Schutz der beginnenden Dunkelheit huschte ich über die mit Kies bedeckten Zugänge zur Tür, die wie erwartet verschlossen war, aber meinem Alohomora nicht standhielt und so schlüpfte ich durch die passender Weise laut knarrende Tür und schloss sie rasch wieder. Ich warf einen Blick umher und sprach einen Verwirrzauber, sollten irgendwo Kameras sein, an sich sahen sie nichts außer eine dunkle, dick vermummte Gestalt, aber wir wollten doch ordentlich und vorsichtig sein.
Es herrschte eine erstaunliche Kälte in dem Backsteingebäude, fast wie in den Kerkern von Hogwarts, auch war es sehr still, die Ruhe der Toten, es standen nur wenige Gegenstände herum, wenn waren es Bänke, aber ansonsten war alles sehr klinisch gehalten, es war sehr dämmrig nur durch die Fenster fiel das Licht der schwindenden, untergehenden Sommersonne, was meine Umgebung nicht sympathischer machte.
Nach den ersten, laut klappernden Schritten warf ich entnervt den Sonus Ex auf meine Schuhe und huschte lautlos durch die kalten, leeren Flure des finsteren Krematoriums, es wirkte durchaus unheimlich. Eine spannungsgeladene, beklemmende Atmosphäre, ähnlich der wenn man spät Nachts auf einem einsamen, verlassenen Friedhof stand und auch hier türmten sich die Toten, die hinter Fenstern aufgebahrt und ausgestellt lagen, alle schön dekoriert und wieder hergerichtet für ihre Familienangehörigen, die um ihre Verstorbenen trauerten, nur schenkte ich den Toten, in ihrer wächsernen Leichenblässe, keine Beachtung. Ich hatte ein anderes Ziel, wie gut, dass ich mich nicht so leicht ängstigte, denn es war schon recht einsam hier.
Da war es auch schon, stoppte ich abrupt, denn das hier angebrachte Schild zeigte an, dass dies mein Ziel war, aber auch diese verschlossene Tür war für mich kein Hindernis und so schloss ich die Tür ebenfalls wieder hinter mir. Ich tastete nach dem Lichtschalter, da es in dem fensterlosen Raum stockdunkel war. Als das künstliche Licht der Neonröhren mit einem Ping ansprang und ihn in ein unechtes, bleiches und krankmachendes Weiß tauchte, da der Raum von oben bis unten in einem sterilen, kalten, matten Weiß erstrahlte. Der antiseptische Geruch, der an Krankenhaus und Tod erinnerte, nistete sich in meiner Nase fest und ich runzelte sie unwillig, dieser Geruch war nicht angenehm.
Die eine Wand war von lauter kleinen Türen eingenommen und genau das suchte ich, was sich hinter diesen Luken verbarg, Leichen!
Leichen, die niemand vermisste, am besten obdachlose Verstorbene, die hier nur zum Verbrennen hingekarrt wurden, die niemand suchen würde und so ging ich zu einem Verzeichnis, das an der Wand angebracht war und blätterte geschäftig durch die Notizen, der sich in den Luken befindlichen Toten.
Sehr schön, hier waren insgesamt drei Leichen, die für mich in Frage kamen, wunderbar frisch, erst heute geliefert, genau das was ich wollte. Das waren die Nr. 3, Nr. 8 und die Nr. 12, na dann mal auf, sehen, wer mir mehr zusagte! Ich fühlte mich erstaunlich gefasst und war innerlich wie äußerlich sehr beherrscht, als ich zur Tat schritt.
Und so ging ich zu der weißen Metallluke, auf der die Nr. 3 stand. Ich umfasste den silberfarbenen Verschluss und drehte ihn bestimmt nach rechts, das laute Quietschen des Metalls sagte mir, dass das Schloss offen war. Ich öffnete die Tür geräuschvoll und zog die silberne Bahre, auf der die Leiche in eine weiße Plastikplane gehüllt war, heraus und schlug das Tuch laut knisternd, welches das Gesicht des Toten verbarg, ohne lange zu überlegen zurück.
Ich stierte auf das Gesicht eines, nach den Notizen zu schließen, etwa 23 jährigen, jungen Mannes, der an einer Überdosis Drogen verstorben war. Er schien keine Familie mehr zu besitzen und war deshalb eine gute Option. Sein Gesicht mit den geschlossenen Augen sah abgemagert und ausgemergelt aus und auch die Leichenblässe war weniger schön, aber er hatte keine sichtbaren Verletzungen, was auch vorteilhaft war, denn die Drogen bekam ich schon aus seinem Blut, ging es mir erstaunlich gleichgültig durch den Kopf, während ich den Toten vor mir maß.
So ließ ich ihn derart gut zu sehen, offen liegen und öffnete die nächste Luke, Nr. 8, diese befand sich eher in der Mitte der Wand und hier drin lag die einzige in Frage kommende Frau und als ich das Laken zurückschlug, sah ich eine alte Frau, die fast 70 Jahre alt war und vor zwei Tagen einsam in ihrer Wohnung verstorben war. Sie wirkte schon nicht mehr so frisch wie der junge Mann, aber es würde auch noch gehen, so schaute ich überlegend auf das tote, runzelige, ausgezehrte Gesicht der alten Frau.
Ich wandte mich der letzten Leiche zu, ein in der Reihe darüber liegender Mann, in der Nr. 12, der heute unspektakulär Selbstmord begangen hatte und sich in einer öffentlichen Toilette selbst erhängt hatte und dies mit 46 Jahren, wo die Menschheit nur hinsteuerte, tse tse… schüttelte ich den Kopf.
Ich betrachtete den vor mir Liegenden emotionslos, der auf der ausgezogenen Bahre auf meiner Augenhöhe schwebte, da ich doch leider so klein war und ich konnte die sich durch die Wucht des Zuges in seine Haut geschnittene Wunde um seinen geschundenen Hals ausmachen, war nicht schön, auch konnte man gut den gebrochenen Kehlkopf erkennen, da die Delle in der Mitte des Halses unübersehbar war. Das Seil, oder was auch immer er für seine Aufknüpfung verwendet hatte, hatte tief in das Gewebe der Haut geschnitten. Aber auch er wirkte sehr frisch in seinem Tod, perfekt für mich, ich würde die beiden Männer nehmen, entschied ich rasch. Ich freute mich, dass mir das Glück doch mal so hold war und mir zwei genau passende Exemplare geliefert hatte.
Ich schob die alte Frau wieder in die Luke und verschloss sie gewissenhaft, ließ beide Männer ohne Scheu mit einem Locomotor von ihren Metallbahren schweben und beließ sie in der Luft, als ich auch ihre Kammern schloss und fasste beide ohne zu zögern an den Füßen, bevor ich apparierte. Ich kam mit meiner Fracht im Garten meiner Familie an und ließ die kalten, toten Füße los, manchmal erstaunte ich mich selbst, dass dies keine Übelkeit in mir erregte.
Ich schritt durch den Garten zu unserem kleinen, pittoresken Gartenhäuschen und ließ beide auf den Boden gleiten, nachdem ich den Rasenmäher und die anderen störenden Gerätschaften mit einem Wisch geschrumpft und an eine Seite verbannt hatte.
Mir entwich ein sehr zufriedenes, sehr teuflisches Lächeln, als ich auf mein Diebesgut blickte. Ich beging gerade aber so was von Leichenschändung, vielleicht würde auch bald der Name eines Death Eaters besser zu mir als zu sonst wem passen, dachte ich zynisch, als ich auf meine beiden toten Männer sowohl eine Stasis als auch einen Kältezauber legte, sie sollten ja schön frisch sein, immerhin hätten sie morgen ihren großen Auftritt.
Wer hätte jemals gedacht, dass ich, Hermione Granger, einmal zwei Leichen in dem Gartenhaus meiner Eltern verstecken würde?
Ich verspürte bei dem Gedanken nur eine große Genugtuung, dass alles bisher derart reibungslos verlaufen war und ein fast hysterisches Kichern wollte aus meiner Kehle herausbrechen.
Das hatte alles länger gedauert als gedacht und so huschte ich schnell wieder ins Haus und eilte die Treppe hoch, riss mir meinen Mantel ungestüm von den Schulten und zückte die Kopien des Buches, das ich mir aus Sirius' Bibliothek entliehen hatte und studierte die gesamten Vorgänge genau, alles würde davon abhängen, wie genau und wie gut ich war…
Verdammt… ich hatte was vergessen und so erhob ich mich wieder schwerfällig von meinem Stuhl, die langen Stunden des Lernens an dem Schreibtisch gingen auch nicht spurlos an mir vorbei, auch meine Sorge, alles bis ins kleinste Detail richtig machen zu müssen und schon hatte ich einen Fehler gemacht!
Was aber auch zu ärgerlich war, hoffentlich war der Trank noch stark genug und so huschte ich wieder in das Schlafzimmer meiner schlafenden Eltern.
Ich zog langsam und mit Bedacht einen meiner Horusdolche, dessen kalter, silberner Stahl leuchtete in dem Schein des hereinfallendes Mondes blitzend auf, als ich mit ihm in der Hand auf das Bett zuging und mich an die Seite meiner Mutter kniete. Vorsichtig nahm ich ihre Hand von der Bettdecke. Ich zögerte nicht und ritzte ihr in die Handfläche, durchschnitt ihr Fleisch, ich musste fest zugreifen, da sie zurückzuckte und leise zu wimmern begann, aber ich hielt sie eisern fest. Ich brauchte das Blut und hielt ihr darunter eine mit ihrem Namen beschriftete Phiole und konnte zusehen, wie das Blut meiner Mum dunkel in die Röhre lief, danach verschloss ich die Wunde mit einem Episkey.
Dasselbe Spiel vollzog ich nochmal bei meinem Dad, doch er wollte sich umdrehen, was ich aber nicht zuließ und danach verließ ich rasch, aber erleichtert das Zimmer, sie waren nicht erwacht.
Es war beinahe fünf Uhr und ich hatte an wirklich fast alles gedacht, alles Weitere würde ich improvisieren müssen.
Ich ging gar nicht mehr schlafen, das würde sich wahrlich nicht lohnen und so trat ich unter die mich wärmende Dusche und wusch mich reichlich, aber der Duft des Leichenschauhauses wollte gar nicht mehr aus meiner Haut und meinen Haaren weichen, wie es mir vorkam, es war als hätte sich dieser septische Geruch in jede meiner Poren gegraben.
Ich schrubbte schon wieder verzweifelt meine Zähne, aber auch hier ließ sich dieser sterile, faulige Geruch nicht vertreiben, als ich meine übermüdeten Augen schloss, sah ich immer wieder die drei blassen, wächsernen Gesichter der Leichen, die ich angesehen hatte, schön war das nicht gewesen.
Das einzig Gute war, dass ich wirklich nach Frischfleisch Ausschau gehalten hatte, sonst wäre mir wohl ernsthaft schlecht geworden. So erstaunte es mich zwar schon ein wenig, warum es mir gerade so wenig ausmachte, dass es mich nicht mehr verunsicherte oder aus dem Gleichgewicht brachte, aber ich war cool als ich meine Hand hob um zu schauen, denn sie zitterte nicht, sie schwebte ganz ruhig in der Luft und so kicherte ich erleichtert dann doch leicht über mich und zog mich kopfschüttelnd an. Wieder trug ich Jeans und T-Shirt, denn heute würde es richtig dreckig werden.
Ich stand in der Küche, brütete über meiner heißen Kaffeetasse und inhalierte diesen Duft, um den abgestandenen Geruch aus meiner Nase zu vertreiben, dass es Menschen gab, die dort freiwillig Tag für Tag arbeiteten erschien mir abwegig, wie ekelig! Ich hoffte mal für sie, dass sie gut bezahlt wurden, einen anderen Grund konnte ich nicht verstehen, warum man sich sonst diesen Job aussuchen sollte.
Als um Punkt sieben Mum und Dad, gut aussehend und auch sehr ausgeschlafen wirkend, die Küche betraten, blickte ich ihnen fest entschlossen entgegen.
„Guten Morgen, Kleines, schon so früh auf?“, rief Mum gutgelaunt.
„Ja, ich stehe in Hogwarts meist früh auf und wie war die Nacht?“, fragte ich betont lässig in die Runde.
„Sehr gut, ich habe so gut wie schon lange nicht mehr geschlafen, … wo hab ich denn...?“, wühlte sie aufgeregt in ihrer viel zu großen Handtasche.
„Was suchst du denn, Schatz?“, fragte Dad, amüsiert über seine hektischer werdende Frau.
„Meinen Terminplaner!“, meinte Mum verzweifelt.
„Der liegt oben, auf deinem Schminktisch!“, verdrehte er die Augen und Mum lief schnell los und ich setzte mich mit Feder und Dokument meinem Vater gegenüber „Deine Mutter, so war sie schon immer, was ist das?“, fragte er interessiert.
„Das müsstest du unterschreiben, Dad!“, reichte ich ihm die Feder und er griff, erstaunt auf diese schauend, zu dem Pergament.
„Klar, um was geht es… warum!?“
„Imperio!“, tat es mir leid, dass ich nun auch den dritten aller Unverzeihlichen nutzte und ihn dann auch noch an meinem eigenen Vater anwendete und ich ihm den freien Willen nahm, aber ich hatte keine Zeit, um 8 Uhr kämen die Goblins und ich fühlte, wie eine fremdartige Macht durch meine Adern lief und mein Vater eine entspannte, gleichgültige Miene aufsetzte, allen Widerstand aufgab.
„Unterschreibe das, Dad!“, befahl ich und beobachtete, wie nach meinem Befehl sein rotes Blut die Konturen für seinen Namen bildeten, als er das Dokument schwungvoll unterschrieb, den Namen, den er heute zum letzten Mal schreiben würde, dafür, dass ich den Fluch noch nie angewandt hatte, funktionierte er sehr gut.
Als ich Mum durch die Tür hetzen hörte, sprach ich auch schon auf sie: „Imperio!“ Wieder hatte ich dieses intensive, seltsame Gefühl, als ich ihren Geist übernahm, aber ich spürte, dass der geistige Kampf der beiden nicht existent war und ich locker beide beherrschen konnte, ohne Angst haben zu müssen, die Kontrolle zu verlieren.
„Komm her, Mum, du musst das auch unterschreiben!“, hatte nun auch sie einen nichtssagenden Gesichtsausdruck und tat umgehend, wie von mir gewünscht.
„Und nun geht ins Wohnzimmer und setzt euch auf die Couch, ich komme gleich!“, ordnete ich an und sie setzten sofort meinen Wunsch, ohne Widerstand, um und gingen hinüber, währenddessen ließ ich meinen Kopf auf den Küchentisch fallen, oh, meine Göttin, ich würde in der Hölle landen und ich hatte es verdient…
Ich schrie frustriert laut auf und brüllte meinen Frust weit hinaus, in diesem Moment verachtete ich mich selbst zutiefst… Ich barg mein Gesicht in meinen Händen… Hermione, für so was hast du überhaupt keine Zeit, sagte ich mir vor, reiß dich sofort am Riemen, jetzt gleich, bei dem Obliviate darf nichts schiefgehen, das wäre für ihren Geist fatal, also reiß dich verdammt nochmal zusammen. Wie gut, dass der Zeitplan so eng gestrickt war, so hatte ich keine Muße, über meine Taten zu sehr nachzudenken, einfach Tun und Handeln, nicht denken.
So stand ich resolut auf und ging erhobenen Hauptes zu dem Paar, das nahe beieinander, fast schutzsuchend, auf der Wohnzimmercouch saß und ich setzte mich vor die beiden, auf den kleinen stabilen Holztisch, dabei blickte ich sie traurig, aber auch sehr entschlossen an.
Ich hob nun meinen weißen Zauberstab und stöhnte geschlagen auf, als ich ihn zuerst bestimmt auf Dad richtete und ihm in die ausdruckslosen, leeren Augen sah, dann schluckte ich noch schwer und tat es:
„Obliviate“, sprach ich heiser und verfolgte, wie sein Blick noch abwesend wurde und ich konzentrierte mich sehr, nur auf meinen Vater, fokussierte ihn intensiv, nur ihn und löschte alles unerbittlich. Als ich dies erfolgreich getan hatte, gab ich ihm meine erdachte Geschichte wieder.
Dabei bildete sich vor Anstrengung der Schweiß auf meiner Stirn, da ich sehr akribisch vorging aber ich zog es durch.
Ich veränderte nicht zu viel, er und Mum waren genauso lange verheiratet wie bisher. Sie waren Zahnärzte, hatten aber keine Familie mehr und wollten dem schlechten Wetter entkommen und noch einmal von vorne beginnen, in Australien…
Das Gleiche tat ich dann bei meiner Mutter, ging dann sehr erschöpft und kaputt in die Küche, ich schielte fast vor Anstrengung und floh regelrecht aus dem gespenstischen Wohnzimmer, wo meine Zombie-Eltern ohne eigenen Willen und auch ohne eigene Erinnerung saßen und darauf warteten, abgeholt zu werden!
Ich versuchte, ruhig zu atmen und die Gefühle zu unterdrücken, die in mir aufsteigen wollten und trank schnell den kalten und nun schal schmeckenden Kaffee. Denn eines war klar, einen so vollumfänglichen Gedächtniszauber konnte niemand rückgängig machen und so traten doch die Tränen in meine Augen, aber ich hielt sie tapfer zurück, für die beiden wäre es das Beste und es war das Fairste, sie hatten in der Welt, in der ich daheim war, nichts zu suchen.
Es war besser, auch wenn es nun unumkehrbar war. Das Schicksal oder auch ich hatten entschieden, die Würfel lagen auf dem Tisch, diese Personen im Wohnzimmer waren nicht mehr meine Eltern! So ging ich nun gefasster und ruhiger zum Türrahmen und warf ihnen mit einem entrückten Ausdruck in den Augen einen wehmütigen Blick zu.
Als es endlich klingelte, öffnete ich erleichtert, aber auch sehr beherrscht die Eingangstür und machte große Augen, als ich mich fing, da sein hämisches Lächeln sein Gesicht gefährlich verzog und es dadurch nicht schöner wurde.
„Mr. Rangok!“, rief ich ungläubig. „Erfreut, aber auch sehr überrascht, Sie persönlich hier zu sehen!“, bekannte ich und begrüßte ihn mit der respektvollen Verbeugung und konnte hinter ihm Grophok ausmachen, den ich auch kurz grüßte, da ich in ihm dem Goblin erkannte, der auch das „Rose Cottage“ geschützt hatte.
„Wie schön, Miss Granger, Sie nach so langer Zeit wieder persönlich zu sehen und korrekt, das ist auch eine Ausnahme aber ich war zu neugierig!“, bekannte er breit grinsend und zeigte seine spitzen Koboldzähne.
„Kommen sie doch bitte herein!“, bat ich höflich und führte die beiden Goblins ins Haus und ging direkt ins Wohnzimmer, auf der Couch saßen immer noch meine beiden reglosen Eltern.
„Sie haben es also tatsächlich getan!“, meinte Rangok nüchtern, nach nur einem abwägenden Blick und ich nickte bestätigend.
„Dann sollten wir schnell sein, um 11 Uhr geht der Flug, haben sie alles?“, blickte er kalkulierend auf das Ehepaar.
„Ja, die Koffer habe ich noch gestern Nacht gepackt, nicht viel, nur der Schmuck und die Kleidung, Fotos, alle ohne mich, die aber eine Geschichte erzählen!“, bekannte ich geschäftig.
„Dürfte Grophok?“, deutete Rangok ein Stockwerk höher und ich nickte, woraufhin sich der Kobold eilfertig auf den Weg machte.
„Das hier wären alle wichtigen, geschäftlichen Unterlagen Ihrer Eltern!“, reichte er mir zwei dicke Umschläge. „Wir waren auch so frei, die Zeugnisse Ihrer Eltern zu fälschen, wünschen Sie, den neuen Namen Ihrer Eltern zu erfahren?“, fragte er gewichtig und ich überlegte gut und schüttelte nach einiger Zeit verneinend den Kopf.
„Es ist schon schlecht, dass ich weiß, wo sie hingehen, nein, es ist besser, ich weiß es nicht!“, bekannte ich überlegt und atmete bei dieser wieder einmal endgültigen Entscheidung meinerseits tief ein und bemerkte, wie ein bedauernder Ausdruck in die Augen von Rangok trat, aber er akzeptierte meine Entscheidung ohne Worte.
Ich holte derweil den Aktenkoffer meines Vaters und räumte diesen gewissenhaft aus, legte die Unterlagen hinein und drückte Dad den Koffer fest in die Hand, mit dem Befehl, gut, sehr gut auf ihn zu achten, da er ein bisschen Bargeld und alle wichtigen Unterlagen enthielt und ich fühlte, wie sich seine Faust entschlossen darum schloss.
Ich wedelte nun vor beiden mit meinem Stab herum und löste den Imperio, aber sie waren immer noch weggetreten, da der Obliviate weiterhin wirkte.
„Sie gehören Ihnen, wie handhaben Sie es, wenn ich den Obliviate löse?“, fragte ich besorgt.
„Wir haben da unsere Mittel… Grophok, bitte, Sie übernehmen… Miss Granger, lösen Sie bitte den Obliviate!“, bat Rangok nun, als sich Grophok zwischen beide gestellt hatte und ihre Hände hielt, die zwei Koffer hatte er geschrumpft und trug sie in seiner Hosentasche.
Ich tat, wie gefordert und schon verschwanden die drei mit einem Plopp und weg waren sie und ich stand da, ganz allein, von einer Sekunde zur Nächsten war es passiert, meine Eltern waren für immer fort!
„Exzellent!“, schlug Rangok in seine Hände und setzte sich nach einem fragenden Blick zu mir auf einen der Sessel, als auch schon Grophok nach einem erneuten Plopp wieder da stand.
„Erledigt, Miss Granger, es lief alles wie gewünscht! Sollen meine Truppe und ich dann den Blutschutz für das Haus vorbereiten?“, fragte er diensteifrig nach und ich nickte.
„Ja, bitte!“, meinte ich noch und schon lief der Goblin davon und holte seine Truppe.
„So, Miss Granger, Sie haben was für mich?“, kam es fordernd von Rangok.
„Ja, natürlich. Hier, bitte!“, reichte ich ihm das geforderte Dokument, er besah es sich und steckte es dann zufrieden ein.
„All Ihre Unterlagen in der Muggelwelt wurden soweit gefälscht, dass Sie ab sofort als volljährig gelten in dieser Welt, es verlief alles reibungslos… ich hoffe, Sie sind zufrieden?“, huschte ein befriedigter, sehr hinterhältiger Ausdruck über die Miene des Kobolds.
„Sehr, Mr. Rangok, ohne Sie hätte ich nicht gewusst, wie ich das alles hätte umsetzen sollen. Ich danke Ihnen sehr!“, kam es etwas schleppend von mir, ich fühlte mich sehr müde aber noch konnte ich nicht entspannen. Nun sprachen wir noch über einige unwichtigere Transaktionen und Geldläufe der letzten Zeit.
Als sich Grophok uns vorsichtig näherte, sah ich ihn auffordernd an. Es hatte länger gedauert als das kleine Cottage in der relativen Abgeschiedenheit auf dem Land zu schützen, aber wie gesagt, das war aufgrund der unterschiedlichen Lage der Häuser verständlich.
„Miss Granger, wir wären so weit, auf dass Sie Ihr Blut bitte geben!“, erhob ich mich bei seinen gewichtigen Worten und auch Rangok folgte uns.
„Wenn Sie nichts dagegen haben können wir gleich darauffolgend zu der Praxis aufbrechen!“, bot Rangok an und ein Tempus bestätigte, dass es dann soweit wäre, die Praxis zu übergeben.
Als ich vor der Eingangstür stand, bat er mich, wie damals meine Hand auf den Türgriff zu legen und ich spürte den erwarteten Stich der Nadel und hörte in meinem Rücken den intonierten Ritus des Zaubers, der von den Goblins auf mein Haus gewebt wurde.
Wieder manifestierte sich dieses sichtbare, goldene Schild, das sich über mein Haus legte und kräftig, strahlend hell aufleuchtete und dies alles unter den beobachtenden Augen von Rangok. Als das Schild verblasste und ich die Hand von dem Griff löste, sie noch rasch heilte und mich mit einer Verbeugung bei dem Schutztrupp bedankte, winkte Rangok nur mit einer Hand ab und sie verschwanden alle.
„Wissen Sie, Miss Granger, seitdem es offiziell ist, dass der Dunkle zurück ist, haben unsere Trupps viel zu tun!“, erklärte er ihr schnelles Verschwinden entschuldigend.
„Das denke ich mir, das denke ich mir, kommen Sie?“, fragte ich und er erwies mir die Ehre und reichte mir seine Hand, die ich dankbar nahm und apparierte so direkt in die Praxis.
Ich wirkte noch schnell die Verwandlungszauber, um meiner Mutter ähnlicher zu sehen, was Rangok schweigend besah, als es auch schon läutete.
Es ging zum Glück sehr zügig und so übergab ich die Schlüssel, da die Überschreibung schon vor Wochen über einen Notar abgelaufen war. Rangok hatte sich in dieser Zeit unsichtbar gemacht, keine Ahnung, wie die Kobolde dies konnten, aber ich wusste, er war ganz in der Nähe.
Als wir beide wieder vor meinem Haus ankamen, verabschiedete ich mich von ihm und vereinbarte noch einen Termin, sodass wir uns wieder begegnen würden, wenn ich meine Schulsachen besorgen würde, was ihn vorfreudig lächeln ließ. Er meinte doch wirklich kokett zu mir, was ich denn noch lernen wollte und bei so einem Kompliment wurde ich doch glatt rot, so was taten Goblins sonst nie.
Dann, als Rangok ploppend verschwand, schüttelte ich wahrlich träge das müde Haupt und freute mich, etwas Ruhe und Zeit zum Nachdenken zu finden, so wandte ich mich der Tür zu und griff zum Türöffner, drehte auf und wollte gerade die Schwelle des Hauses übertreten, als ich vollkommen aus dem Nichts und überraschend einen Schlag von hinten erhielt.
Ich flog wenig galant in den Flur, federte noch gerade eben so den Sturz auf den Boden mit meinen Händen ab. Als ich vernahm, wie die Tür hinter mir zugeschlagen wurde, war ich bereits in einer geschmeidigen Bewegung abgerollt und wendete mich flink um. Zeitgleich hatte ich den Zauberstab schon angriffsbereit in der Hand und zielte mit einem Fluch auf den Lippen auf den Eindringling, so leicht würde ich es niemandem machen, mich zu überwältigen.
Ich hielt, dank meiner antrainierten, guten Reflexe inne, denn ich erkannte das mir bekannte, gehässige Grinsen und brav, wie ich war, ließ ich meinen Stab sofort sinken und schenkte ihm einen geschlagenen, aufgebenden Augenaufschlag und seufzte tief, warum schubste er mich immer?
„Sir!“, hauchte ich nur perplex, was wollte er hier?
Der Gedanke ließ mich nicht los, warum dachte er, dass er mich immer auf irgendetwas schmeißen musste? Ein Bett, eine Wand, ein Regal, oder jetzt den Boden?
„Na… überrascht?“, schnarrte es mir provokant entgegen, er stieß sich lässig von der Tür ab, an der er bisher gelehnt hatte und bahnte sich seinen Weg souverän durch mein Haus und nahm wie selbstverständlich in der Küche Platz. Ich folgte ihm zögerlich und rieb mir über meine Knie, auf die ich vorhin aufgeprallt war.
„Ein wenig, womit verdiene ich die Ehre Ihres Besuches, Sir?“, kam es ironisch von mir, denn es war jetzt gleich drei Uhr und mein Zeitplan war echt eng getaktet, für solche Spielchen hatte ich wahrlich keine Zeit.
„Na, du solltest dich freuen, mich zu sehen!“, kam es mit tiefer Stimmlage von ihm und seine schwarzen langen Haare umrahmten sein wie immer ausdrucksloses, blasses Gesicht.
„Natürlich, immer doch, Sir! Möchten Sie etwas zu trinken?“, blieb ich höflich, wenngleich auch ein wenig ironisch, aber er verneinte.
„Du weißt mich gar nicht zu schätzen! Hast du deine Eltern schon eliminiert?“, fragte er nun interessiert, dabei bemerkte ich, wie er die ganze Zeit seine Umgebung, mein Heim, mit seinen alles sehenden Augen scannte.
„Ja, Sir!“, entgegnete ich brüsk.
„Du hast es wirklich durchgezogen?“, war er hörbar erstaunt, wobei er mir unleserliche Blicke zuwarf, das glaubte ich jetzt wirklich nicht.
„Ja, Sir!“ Wie eintönig von mir, aber ich hatte gerade wirklich keine Zeit und noch weniger Lust.
„Immer wieder erstaunlich!“, murmelte er leise, er war wirklich überrascht, wow. Er fasste meine Gestalt gerade eben sehr genau ins Auge und unter seinem stechend scharfen Blick kam ich mir äußerst nackt vor.
„Danke, Sir!“, blieb ich sparsam.
„Nun gut, dann komm, ich werde dir helfen!“, überraschte er nun mich, helfen? Seit wann half Snape irgendwem?
„Womit, Sir?“, er verwirrte mich gerade etwas.
„Du packst!“, bestimmte er und schon hatte er wieder seinen alten schroffen Tonfall, na toll, jetzt wollte er mir schon wieder Befehle geben, dabei war mein Plan doch absolut durchdacht, da brauchte ich ihn nicht, daher fragte ich auch perplex:
„Warum packe ich?“, strich ich mir bei dieser Frage über mein straff zurückgebundenes Haar.
„Stell dich doch bitte nicht so dumm, du kommst mit mir und komm bloß nicht auf die Idee, dich zu weigern, mit mir zu kommen!“, drohte er knurrend und durchbohrte mich fast mit seinen dunklen Seen, dass es mir ganz anders wurde und ich schluckte, das durfte nicht passieren, nicht jetzt!
„Wohin?“, forschte ich vorsichtig nach.
„Malfoy Manor!“, erklärte er resolut, als ob es keinen anderen Ort gäbe, an den ich gehen könnte.
„Weiß das Draco?“, hauchte ich gespannt.
„Natürlich, ich habe mit ihm gestern Abend darüber gesprochen!“ So langsam schien er minimal genervt zu sein, der gute Professor. Aber was mischte er sich auch in meine Pläne ein? Ich stand kurz vor einer Explosion.
„Das glaub ich nicht, das geht nicht, nicht jetzt!“, beschied ich entschieden und schenkte ihm eine sture Miene.
„Was fällt dir ein?“, schlug er hart auf den Tisch „Aber gut, Lucius macht es uns gerade sehr schwer, seit er dich auf dem Bahnsteig gesehen hat, ist er unausstehlich! Er will zur Jagd blasen, also wirst du mit mir kommen…“, zischte er wütend.
„Bitte, Sir, ich komme, wie Sie wünschen, aber nicht heute und nicht morgen!“, war ich aufgesprungen und zur Theke gelaufen, als ich herumwirbelte um ihn wieder anzusehen, blickte ich auf eine schwarz eingepackte Brust, toll, er hatte mich wieder eingeklemmt, ich war einfach zu unachtsam gewesen, verdammt!
„Das war keine Bitte!“, grollte es drohend aus seiner Brust, während er sich hoch vor mir aufbaute.
„Sir, ich mache doch alles was Sie wollen... aber geben Sie mir diese Woche!“, bettelte ich fast und warf meinen Stolz in hohem Bogen auf den Boden.
„Warum sollte ich?“, zog er die Augenbraue skeptisch hoch, doch ich wusste es auch nicht und ging, einem Instinkt folgend ,auf die Zehenspitzen und hauchte rasch einen Kuss auf seine missbilligend verzogenen Lippen. Wo meine Distanz blieb, die ich nach dem was er mir angetan hatte aufgebaut hatte, wusste ich nicht, denn mein Instinkt leitete mich und ich hörte meist auf ihn.
Und ich wisperte an seinen geschlossenen Lippen. „Bitte, ein paar Tage Freiheit!“, und küsste die doch so weichen Lippen vorsichtig, stützte mich mit meiner Hand an seiner breiten, muskulösen Brust ab, verkrallte mich in dem edlen Stoff und leckte nun keck mit der Zungenspitze über die verkniffenen Lippen. Anscheinend schmiss ich meine ganzen Bedenken über Bord, wenn es mir in den Kram passte.
Als er wütend knurrte und seine Arme, die bisher unbeteiligt an seinen Seiten gehangen hatten, plötzlich rasant um mich schlang und meinen Kopf hart zwischen seinen Händen gefangen nahm, nur um im Sturm meinen Mund zu erobern, was mich überrumpelte, obwohl ich es doch inszeniert hatte, aber er küsste mich mit einer Vehemenz, die mir die Luft nahm.
Und ich hielt dagegen, so gefangen in seinen Händen und Armen, hinter mir der Thresen. So hingebungsvoll hatte ich ihn noch nie erlebt, dies war ein völlig neues Kusserlebnis und auch mir entwich ein unwilliges Seufzen… aber ich sollte mein Ziel nicht aus den Augen verlieren, doch soeben spürte ich nur ihn.
Er presste sich immer enger an mich und versuchte, mich um den Verstand zu küssen und ich kämpfte darum, mich dem mit Sicherheit nicht hinzugeben, da ich einen Plan hatte und dann blitzten da auch noch graue Augen in meinem Hinterkopf auf… ich konnte und wollte nicht bis zum Äußersten gehen.
Ich fühlte seine Lippen, die sich so begehrlich auf meine pressten, seine Zunge, die mit meiner spielte und mich ganz sicher nicht kalt ließ, aber ich schaffte es, mich leicht aus dem Kuss zu lösen und an seinem Mund zu wispern. Um zu ihm durchzudringen fiel mir nur eines ein und ich hoffte, damit nicht zu weit zu gehen:
„Severus…“, wagte ich es und hauchte es tief und rau in den Kuss und drang damit tatsächlich zu ihm durch.
Er riss sich regelrecht grob von mir los. Ich weiß nicht warum, aber an diesem Punkt fiel es mir auf einmal schrecklich leicht, seinen Vornamen auszusprechen, aber jetzt, mit seinem intensiven Blick auf mir, würde es mir wohl nicht gelingen, seinen Namen noch einmal in den Mund zu nehmen.
Er sah mir tief in meine lustverhangenen Augen, da er mich wahrlich nicht kalt ließ, wie ich mir eingestehen musste und er erkannte wohl eindeutig, dass ich mein Verlangen nach ihm nie spielte, was ein zufriedenes, diabolisches Lächeln auf seine leicht geröteten Lippen zauberte.
„Du bist ein gerissenes Biest!“, zischte er da vorwurfsvoll.
„Ich dachte, das ist das was mich perfekt macht, für euch?“, entgegnete ich provokant, darauf antwortete er, indem er wieder sein Haupt senkte und meinen Mund zielstrebig zurückeroberte und ich ließ ihn, gab mich seinen fordernden Lippen hin, das war nun anders, nicht mehr so kopflos und stürmisch, sondern eher genießend und das Duell sehr ausgeglichen.
Man stelle sich vor, ich stand gerade in der Küche meines Elternhauses, hatte heute meine Eltern auf Nimmerwiedersehen weggeschickt, draußen im Garten lagen zwei männliche Leichen und ich knutschte wie wild mit meinem um mehrere Jahre älteren Lehrer und wie! Und es war gut!
Emotional schien ich doch mitgenommener als ich wahrhaben wollte, denn nachdem ich mich kurze Zeit so verloren gefühlt hatte, brachte mir der mir bekannte Körper von Snape eine gewisse Konstanz in meinem gerade so erschütterten Leben und in dem Wissen was noch kommen sollte, klammerte ich mich fest an ihn.
Er löste sich schwer atmend von mir, mit einem für mich nicht deutbaren Ausdruck, sah mir intensiv ins Gesicht und fuhr mit seinem Daumen langsam über meine von ihm geschundenen, geschwollenen und geröteten Lippen. Dabei war ich froh, dass es wirkte, als wolle er nicht mehr, denn mehr als das hier könnte ich ihm nicht geben.
„Ich kann dir keine Woche geben, Lucius wird zu ungeduldig, es ist gut, dass du deine Eltern schon… ach, was auch immer du mit ihnen getan hast! Es ist gut, dass sie weg sind. Wir wollen es ihm schonend beibringen. Draco hat da schon eine bösartige Idee! Aber du siehst… der Blutschutz reicht nicht!“, meinte er eindringlich, hatte mich aber nicht aus seinen mich umschlingenden Armen entlassen.
„Werde ich dort eine Gefangene sein?“, fragte ich bang.
„Ich denke nicht!“, zucke er die Schultern.
„Wie viel Zeit kannst… würden Sie mir geben?“, wisperte ich ganz leise.
„Zwei Tage!“, rang er sich schweren Herzens durch, da wusste ich, dass dies das Äußerste war, was ich aus ihm herausleiern konnte.
„Danke!“, sank ich erleichtert, aber auch erschöpft an seine Brust und er umarmte mich, was ich bis vor kurzem niemals für möglich gehalten hätte, dass er so etwas tun könnte oder aber, dass ich es, nach dem was dieser Mann mir angetan hatte, genießen könnte, mich derart nah von ihm halten zu lassen. Warum stand ich auf einmal darüber? Warum hatte ich keine Sorge, oder Angst mehr vor seiner Nähe oder Berührung?
Er hielt mich einfach stumm und schweigend fest und ich genoss es, dass er mir sicheren Halt gab.
Schließlich lösten wir uns wie auf ein gemeinsames Kommando.
„Du hast zwei Tage, danach werde ich dich aus dem Cottage ziehen, wenn es sein muss! Auch wenn ich nicht in den Fidelius eingebunden bin, verstanden? Auch wird Draco nicht erfreut sein, dass ich ohne dich zurückkomme!“, erklärte er ernst und ich verstand, er meinte es todernst. In zwei Tagen würde ich der Familie mit Haut und Haaren gehören.
„Ist ja gut, Draco weiß, dass ich heute Abend noch unaufschiebbare Termine habe. Ich kann nicht weg, nicht wenn die Planung von fast einem Jahr nicht den Bach runter gehen soll, verstanden und der Plan ist zu gut, als dass ich so große Angst vor Lucius hätte, dass ich das jetzt abbreche!“, fauchte ich aufgebracht.
„Wie eine Wildkatze!“, kam es gewohnt höhnisch von ihm.
„Sehr witzig, aber vielen Dank für die zwei Tage und ich werde übermorgen im Cottage sein! Lassen Sie Ihre Schlange erscheinen und dann lasse ich Sie rein!“, gab ich ihm Anweisungen, wie mir das gefiel, aber er überging meinen Ton und nickte nur.
„Wer wird alles da sein?“, wollte er nüchtern erfahren, es war so als hätten wir uns nie geküsst, als wären wir uns nicht gegenseitig in den Armen gelegen.
„Die Twins, sie leben da, Blaise und die Greengrass Schwestern!“, zählte ich wie gewünscht auf.
„Was, was haben die da zu suchen?“, war er sichtlich überrascht und von einer Sekunde auf die andere nicht mehr ruhig, sondern aufgebracht.
„Sie werden schweigen, deswegen muss ich ja auch noch ins Cottage. Ich muss den Zauber auf die zwei Schwestern werfen, Sie verstehen?“, erklärte ich geschäftig und er stoppte.
„Ja!“, wandte er sich nun um und da fiel mir auf, dass er heute nur einen engtaillierten, langen Gehrock trug, keinen Umhang darüber und er eilte ohne Gruß oder weitere Worte von dannen. Ich sackte über diese neuen Informationen auf dem Stuhl zusammen, puh… in zwei Tagen würde ich Lucius gegenübertreten.
Toll, ganz toll, das war doch mal wieder Glück, es war doch zum Haare ausreißen. Ich kam von einer Katastrophe in die Nächste.
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