
von queenie
Das Cottage
Ich stand unter der Eiche und blickte entrückt auf das Haus, in dem wir in den Weihnachtsferien so viel Spaß gehabt hatten.
Jetzt, im Sommer, sah es bedeutend hübscher aus, so romantisch und idyllisch, die ganzen Rosen, die sich um das Haus rankten, erstrahlten in allen möglichen Farben, Formen und Düften. Die Luft war ganz gesättigt von dem intensiven, schweren Rosenduft, den der sanfte Lufthauch in der Nachmittagsbrise zu mir blies und den ich gierig einsog, um diesen blöden und sehr penetranten Orangenreinigergeruch zu vertreiben.
Da drinnen würde Leben herrschen, anders als der kalte Tod, der mich die letzten Tage umgeben hatte. Die Twins würden da sein, weil sie heute, am Samstagnachmittag, schon geschlossen hatten. Blaise war heute in der Früh gekommen, oder gestern Abend, wie die zwei Mädels wohl auf die Twins reagiert hatten?
Nun, wir würden sehen, die lustigste Frage war, wie sie gleich auf mich reagieren würden.
Ich ging gemächlich im Sonnenschein auf das Cottage zu und öffnete vorsichtig die Tür, um zu lauschen, hätte ich mir schenken können, da niemand da war, im Haus zumindest, da ich, als ich im Wohnzimmer stand, die weit geöffneten, gläsernen Flügeltüren zum Garten hin bemerkte. Ich hörte das unbeschwerte und glückliche Lachen der Twins, was auf mein bisher so verhärmtes und verbiestertes Gesicht ein leichtes Lächeln zauberte. Ich fühlte gleich, wie die Last, die ich trug, kleiner wurde und dass mir die Gesellschaft gut tun würde.
Da trat ich beherzt über die Schwelle zum Garten und blieb verblüfft stehen. Ich sah das Paradies. Ich hatte den Garten seit Jahren nicht gesehen und ja, letztens nur im Winter, aber was ich hier erblickte, raubte mir den Atem, es war herrlich.
Hier herrschte nicht der typische, gestutzte, englische Rasen sondern es erblühte eine Wildblumenwiese und die verschiedensten und unterschiedlichsten Blüten reckten ihre farbenprächtigen Häupter stolz in die Luft. Rot, Weiß, Blau, Lila und Gelb wurde von dem saftigen Grün des Grases unterbrochen. Ich wusste, bei meiner Oma hatte das hier so nicht ausgesehen und auch die verschlungen angelegten Kieswege, auf dem großen Grund, kannte ich so nicht. Sie liefen in verspielten Bahnen zu den großen Kirsch- und Apfelbäumen, die unter ihrem großen Geäst herrlichen Schutz vor der heißen Sommersonne boten, meine Göttin, war das verträumt.
Immer wieder wurde das Rosen-Thema in kleinen, pittoresken Beeten aufgegriffen und die Laube, die ich nicht kannte, in der Mitte des Gartens, war aus dunkelgrünem Metall, das sich in verschlungenen Ornamenten zusammenrankte und dem Jugendstil nachempfunden verspielt war. Die Laube gefiel mir sehr gut, die Rosen rankten um das gewundene Gestänge der Laube und erblühten in satten Farben. Wow, das gefiel mir alles total gut!
Eine Oase der Ruhe, des Friedens und der Schönheit, hier konnte man alles vergessen, wer das wohl alles so gemacht hatte, die Twins? Ich war vollkommen sprachlos, es war wunderschön und das hätte ich ihnen nie zugetraut.
Ich sah, wie die Twins mit ihren karottenroten Schöpfen aus der Laube herausleuchteten und einen Grill zu bedienen versuchten, da der Qualm, der Aufstieg, eindeutig von ihren Versuchen zeugte, diesem Herr zu werden. Der Tanz, den sie um den Grill herum aufführten, war aber auch zu komisch. Ich machte Blaise aus, wie er locker mit einem Glas in der Hand dastand und verzweifelt lachend den Kopf über die Twins schüttelte und ich konnte Daphne und Astoria fröhlich und mit einem breiten Grinsen auf der Bank sitzen sehen, die das Ganze gespannt verfolgten.
Ich lehnte mich an den Türrahmen, besah mir das lächerliche Schauspiel und freute mich, dass sie so viel Spaß hatten, auf der anderen Seite versuchte ich, mein erkaltetes Herz soweit aufzutauen, dass auch ich wieder diesen Spaß verspüren konnte. Jetzt trennte mich auch schon von diesen Menschen hier so viel, obgleich sie so viel mehr von mir wussten als alle anderen, war das nicht schlimm?
Ja, wohl schon, aber wie immer schalt ich mich eine dumme Gans, denn ich hatte es nicht anders gewollt und sie würden mich auch so nehmen. Ich sollte vielleicht nur nicht zu sehr ins Detail gehen, aber sie dort derart ausgelassen und kindisch rumblödeln zu sehen, das stand in so krassem Gegensatz zu dem, was ich die letzten zwei Tage gemacht hatte, dass mir fast schlecht wurde.
Und Mann, dann blickte ich auf die zwei Mädchen, die wohl auch nie ein leichtes Leben gehabt hatten aber mit meiner Dunkelheit konnten es wohl nur die wenigsten aufnehmen und so stieß ich mich mit einem tiefen Stöhnen ab und schlenderte auf die ausgelassenen Truppe zu. Auf dass ich durch sie wieder lernen würde, mehr zu fühlen, das war meine Hoffnung, dass sie mir mit ihrer heiteren Freundlichkeit die Kälte austrieben.
Während ich mich lautlos näherte, dachte ich noch darüber nach, was die zwei Schwestern wohl für ein Gesicht machen würden, da die Twins und Blaise sich geweigert hatten, es ihnen vorher zu erzählen, wie sie mir gesagt hatten, da sie wollten, dass ich erst den Zauber sprach, unter dem auch sie standen. Sie hatten es viel zu gefährlich gefunden, meinen Namen zu erwähnen, also wusste ich, dass die Überraschung auf meiner Seite war und da freute ich mich doch.
Ich beobachtete, wie die gleichen Gesichter der Twins sich langsam hoben und mich erblickten, Blaise folgte ihrem Blick als nächster, doch da stürmten die zwei Roten schon los und rissen mich stürmisch von den Beinen. Sie wirbelten mich überglücklich durch die Luft und ich fühlte, wie sich meine verkrampften Gesichtsmuskeln entspannten und ein echtes Lachen sich auf meinem Antlitz bildete, als sie sich so freuten mich zu sehen, sie küssten mich überschwänglich.
„Schönste, du hast es so früh geschafft!“, riefen sie freudig und überrascht.
„Du bist ja schneller, als es der Auror erlaubt!“, fügte Fred schelmisch hinzu.
Sie lachten und stellten mich ab, es war als würde ich für sie nichts wiegen, das Training, welches Snape ihnen aufzwang und das sie selbst ohne Hogwarts weitergeführt hatten, schien mehr als nur zu fruchten. Schon wurde ich in die dunklen, aber starken Arme von Blaise gezogen, der mich ebenfalls aufrichtig fest umarmte und als er sich leicht löste, sah er mir charmant in die Augen und flüsterte:
„Solange er nicht da ist!“, zeigte er sein verruchtes Lächeln und küsste sanft beide meiner Wangen und ich erwiderte die liebevolle Begrüßung, wo er recht hatte, solange der nie und nimmer eifersüchtige Malfoy nicht da war, durfte er mir ein freundschaftliches Küsschen geben.
Ich nahm aus den Augenwinkeln wahr, dass auch Daphne und Astoria näher an uns herangetreten waren und aufmerksam und neugierig alles beobachteten. Ob sie wohl erkannten, wen sie da vor sich hatten? Wir würden es sehen, aber sie waren sicher schon überrascht genug, dass ich, Hermione Granger, hier so überschwänglich und vertraut von Blaise begrüßt wurde.
„Blaise, du bist und bleibst ein schlimmer Finger!“, kicherte ich seit zwei Tagen zum ersten Mal von Herzen kommend und gut unterhalten. Ich konnte spüren, wie mich nicht nur die Sonne wärmte sondern sich auch mein Herz erwärmte und das sog ich auf wie ein Lebenselixier.
„Passt nur auf, dass das kein bestimmter, platinblonder Schönling mitbekommt!“, kicherte Fred aufgedreht, was uns mit den Augen rollen ließ und einen leicht verwirrten Ausdruck auf den Gesichtern der beiden Schwestern verursachte. Als ich sie nun genauer betrachtete, sah ich, dass sich ihre große Verwirrung langsam in bodenloses Entsetzen verwandelte.
Ich wandte meinen Blick wieder ab und richtete meine Aufmerksamkeit erneut auf die Twins. „Wart ihr das?“, deutete ich mit einer weitausholenden Geste über dieses Blumenparadies, das sich vor mir ausbreitete.
„Gefällt es dir, Schönste?“, kam es scheinheilig von Fred und er streckte die Brust weit raus.
„Ob es mir gefällt? Wie könnte es nicht? Es ist wunderschön, wie?“, zeigte ich meine Freude über die Pracht des Gartens und durfte miterleben, wie die zwei sich stolz selbst abklatschten und George liebevoll über Freds Haare rubbelte.
„George dachte, dir könnte so was gefallen, wir arbeiten seit wir hier eingezogen sind daran, als Überraschung…“, liefen Fred bei dem Eingeständnis die Ohren rot an.
„Die euch gelungen ist, der Garten war nie schöner!“, meinte ich ernsthaft und ich sah, wie Blaise zustimmend mit dem Kopf nickte.
„Sie zwingen uns, seit heute in der Früh die Beete anzulegen, wir sind erst vorhin ganz fertig geworden. Hättest du gedacht, dass unter diesen teuflischen, kleinen Gehirnen ein grüner Daumen steckt?“, fragte er mich da mit einem leidvollen Augenrollen, was ihn sehr attraktiv aussehen ließ, dabei lachte ich rau auf.
„Nein, zum Teufel, woher…? Ich meine, sie dürfen nie wieder ausziehen, ich würde den Garten innerhalb kürzester Zeit töten!“, rief ich erheitert und schon stockte ich kurz und registrierte, wie die drei Männer sich besorgte Blicke zuwarfen und sofort anfingen, mich abzulenken. Sie hatten mein Stocken bemerkt und sie kannten mich zu gut und wussten ein bisschen von dem, was ich getan hatte, aber halt nicht alles.
„Keine Angst, Schönste, so schnell wirst du uns nicht los!“, hakte sich George da schon bei mir ein. „Wir lieben es hier!“, schob Fred hinterher.
„Ey, du glaubst doch nicht, dass ich das nur für dich gemacht habe?“, warf George tadelnd ein und schüttelte sich.
„Nein, natürlich nicht! Nie…“, stimmte Fred gespielt zu und zog mich zur Laube. Die beiden brünetten Mädchen waren mittlerweile unter dem Blumendach hervorgetreten und starrten uns mit unsicheren Gesichtern entgegen, beide trugen weitfließende, leichte farbenfrohe Kleider, die ihre Körper lieblich umschmeichelten, wie es sich für reinblütige Mädchen gehörte und sahen mich mit ihren großen, grünbraunen Augen an. Die fassungslose Überraschung in ihren Gesichtern war etwas gewichen, doch es zeigte sich deutlich, dass sie nachgedacht und offensichtlich ihre Schlüsse gezogen hatten, was ich jetzt auch bestätigt bekam.
„A… Abraxina?“, fragte Daphne stotternd und strich sich aufgeregt ihr glattes, langes Haar hinter die Ohren. Sie war eindeutig sehr nervös und selbst Astoria schien schwer zu schlucken und war vollständig verstummt.
„Unter dem hübschen Köpfchen steckt ein scharfer Geist!“, kam es von mir spöttisch, als sie auch schon eine Demutsbezeugung hinlegen wollte und Fred sie aufhielt und ihr bedeutete, es zu lassen.
„Hey, so lange Mister Ich-hab-das–Hofzeremoniell-geschluckt nicht da ist, darfst du ihr ungezwungen kommen… oder?“, zeigte sich Fred leutselig, aber er warf mir einen fragenden Blick zu. Lustig, dass er annahm, ich würde von mir aus auf solche Umgangsformen bestehen.
„Natürlich hat sie die Erlaubnis!“, gab ich meine Zustimmung, es war herrlich, zu beobachten, dass die Twins sogar nachfragten. Draco musste Angst und Schrecken verbreiten, ohne es bewusst wahrzunehmen.
„Du, Hermione Granger, bist also diejenige, die Angst und Schrecken in unserem Gemeinschaftsraum verbreitet… einige würden jetzt einen Herztod sterben, wenn sie das wüssten!“, kam es von der Kleinen sehr abgeklärt, was zeigte, dass sie doch nicht so klein war. „Heftig, wer hätte auch nur in seinen kühnsten Träumen zu denken gewagt, dass Draco sich eine Gryffindor und dann noch die beste Freundin von Potter anlachen würde und du das so durchziehst!“, meinte sie da noch imponiert, als Daphne ihr aufgebracht die Hand auf den Mund legte und furchtsam zu mir linste.
Die große Schwester schien schwerere Zeiten hinter sich zu haben als die Kleine, sie hatte ihre Schwester wohl immer beschützt, vor allem und jedem, wie es schien und dafür viel in Kauf genommen. Oh ja, dies erzählte mir die so offen gezeigte Sorge, Furcht und auch Angst in ihrem vorsichtigen Blick, wie ich auf die so offenen, aber auch wahren Worte von Astoria reagieren könnte.
„Genau, meine Kleine, die bin ich!“, sah ich ihr tief in die aufgeweckten Augen. Ich war kein Monster, auch wenn die Auftritte im Gemeinschaftsraum der Schlangen auf was anderes hindeuteten, zumindest noch nicht.
„Sei lieber vorsichtig was du sagst, wenn sie schlecht drauf ist, dann ist nicht gut mit ihr Kirschenessen!“, hisste George im Spaß, was sehr hilfreich war Daphnes Sorge zu zerstreuen, aber ihn schien es zu erheitern. Er meinte es nicht wirklich ernst, aber die Kleine nahm ihn beim Wort, nun, da Daphne ihr so den Mund zuhielt und warf mir einen furchtsamen, taxierenden Blick zu und ich verdrehte übertrieben die Augen.
„Hahaha… George! Sehr witzig! Sag mal, wie alt bist du eigentlich, Astoria?“, wollte ich interessiert wissen und schlug einen sehr netten Ton an, dabei überging ich den irren Twin.
Blaise drückte mir ein Glas in die Hand und ich schenkte ihm ein dankbares Lächeln, als ich schnupperte und die Stirn runzelte, sah man mir an, dass es mir tief in meinem Inneren nicht so gut ging? Er hatte mir einen Muggelwhiskey in die Hand gedrückt und ich zuckte die Schultern, war doch egal und trank einen großzügigen Schluck, das ging immer.
„Im Oktober werde ich 15, aber leider gehe ich im September erst in die vierte Klasse!“, bekannte sie und ich verstand, ihr Geburtstag lag genauso schlecht wie meiner.
Ich beobachtete, wie sich Daphne etwas zu entspannen schien, da ich nicht meinen Zauberstab gezückt hatte, Harry würde mich alle machen, würde ich seine Freundin verhexen, dachte ich noch belustigt, was dachte sie von mir?
Ich nickte nur, kam gar nicht zum Antworten, da in diesem Moment eine Schleiereule auf uns zu segelte und recht unelegant auf den Tisch krachte.
„Was?“, fragten alle und ich erkannte, wie das offizielle Siegel von Gringotts in der Sonne aufleuchtete, und ging zu der Eule, um sie von dem Brief zu befreien.
„Scheiße, George, der Grill!“, schrie in dieser Minute Fred und ich verfolgte mit den Augen, wie die drei Jungs zu dem Muggelgrill hechteten und Astoria, die mein Auftauchen recht locker nahm, lachte schallend laut auf.
„Das geht die ganze Zeit so, wenn nicht bald was passiert, wird kein Essen mehr übrig sein!“, prophezeite sie lachend und ich sah mir das aufgeweckte, sympathische Mädchen an, das fasziniert beobachtete, wie die Männer versuchten, alles gleichzeitig sehr hektisch umzudrehen und sich dabei selbst im Weg standen.
„Hat deine Erziehung sie so hinbekommen?“, flüsterte ich zu Daphne, die mich nicht aus den Augen ließ und alles von mir misstrauisch beäugte.
„Ja!“, kam es bündig von ihr, süß aber ich verstand, dass sie vorsichtig war, das war gut!
Auch wirkte sie immer noch sehr verunsichert wegen der Erkenntnis, dass ich, ich war, irgendwie verständlich!
Nicht nur, dass ich, Hermione Granger, die Besitzerin dieses Hause war und sie hierher eingeladen hatte, nein, noch mehr oder genauso schockte es sie sicher, dass ich ebenfalls Abraxina war.
Ich sank zufrieden auf einen der Eisenstühle, die schöne Sitzkissen hatten, die… ratet mal, genau, Rosen zeigten, die Twins waren aber auch zu süß.
Als ich den Brief öffnete und las, verging meine aufkommende gute Stimmung wie bei einer Kerze, deren Licht überraschend ausgeblasen wurde und ich verkniff meinen Mund, das tat weh… autsch!
Ich ließ den Brief sinken und griff schnell zu meinen Glas, dankbar, dass Blaise so weitsichtig gewesen war und trank es auf Ex leer, genoss das starke Brennen und schloss ob des Schmerzes die Augen und versuchte gar nicht, zu denken. Ich wusste auch, dass mehrere oder alle Augenpaare auf mir lagen und mich genau beobachteten.
„Schlechte Nachrichten?“, traute sich Blaise vorsichtig zu fragen und ließ sich auf dem Stuhl neben mir nieder und ich schlug die Augen wieder auf, sah ihn teilnahmslos an und zuckte die Schultern, da spürte ich zwei Hände auf meinem Nacken, die mich sanft zu kneten begannen und das entlockte mir dann doch ein leichtes Stöhnen.
„Die letzten Tage waren nicht leicht, oder?“, fragte George sanft und klang besorgt.
„Nein, das waren sie nicht! Aber kein Grund für Traurigkeit, alles ist erfolgreich verlaufen!“, versuchte ich zuversichtlich zu klingen.
„Na, du solltest dir die Zeit für ein wenig Trauer nehmen!“, warf nun Blaise ebenfalls fürsorglich ein, anscheinend war mein Versuch nicht wirklich erfolgreich. Bei dem Wort Trauer runzelten die beiden Mädchen verwundert die Stirn, trauten sich aber nicht zu fragen.
Ich lachte trocken auf und drehte den Kopf leicht, auf dass George an einen besonders verkrampften Muskelstrang kam und ich fühlte die Blicke der zwei Schwestern auf mir.
„Keine Zeit, ich weiß gar nicht… ach, augenblicklich müsste der Tag für mich mehr als 24 Stunden haben und selbst das wäre zu wenig, irgendwas bleibt immer auf der Strecke!“, rieb ich mir über das Gesicht. Ich war wirklich kaputt und der Brief, da ging´s schon wieder um den Tod … Tod hier, Tod da … Mann, war das ätzend.
„Was steht in dem Brief?“, wollte nun Fred wacker erfahren, der eine Platte mit Gegrilltem vor uns auf den Tisch stellte. Gemüse, Tomaten und Paprika, gefüllt mit Käse, Fleisch, Kartoffeln und Brot, sah sehr gut aus und so setzten sich alle hungrig. Ich hatte noch nicht geantwortet, erst hatte ich noch eine Frage.
„Wie war eure Ankunft, Blaise, lief alles reibungslos?“, wollte ich erst erfahren.
„Dein Lieblingswort, oder? Aber ja, wir kamen gestern Abend an, ich wollte, dass die Twins da sind wenn wir ankommen. Ich denke, du kannst die beiden selbst fragen, sie waren wohl erstaunt, haben sich aber schnell gefangen! Und als die Twins uns verlassen haben, hatten sie uns explizite Anweisungen gegeben, wie die Beete auszusehen hätten! Armer Jordan, ich würde mir dreimal überlegen, für die beiden arbeiten zu wollen…“, zeigte er ein verschnupftes Gesicht.
Arbeit, körperliche Arbeit gehörte bestimmt nicht zu seiner bevorzugten Beschäftigung und dann auch noch niedere Gartenarbeit, ich schmunzelte leicht.
„Du hast dafür gesorgt, dass wir nicht nach Hause müssen? Nicht Blaise ist auf die Idee gekommen?“, hatte Daphne einen Geistesblitz und ich hob amüsiert die Braue, anscheinend hatte sie es doch erst jetzt erfasst.
„Ja, so ist unsere Schönste, immer für eine Überraschung gut!“, meinte Fred jovial und gab jedem reichlich Essen auf.
Er erinnerte mich gerade gefährlich an Molly, sollte ich ihn ärgern und das anmerken? Ich dachte kurz sehr böse darüber nach, aber ich blieb stumm, wollte ihn ja nicht mit so einer Aussicht, seiner Mutter zu ähneln, belasten.
„Warum?“, forschte Daphne nach.
„Warum wohl, Daphne? Harry…“, entgegnete ich nur knapp und ich bemerkte, wie sie den Mund wieder schloss, sprachlos, wie mir schien.
„Sagst du uns jetzt, was an dem Brief so schlimm war?“, bohrte Fred wie das Kleinkind, das er manchmal sein wollte, nach.
„Ich muss am Mittwoch nach Gringotts!“, gab ich resignierend nach und biss ein Stückchen Brot ab.
„Lass dir doch nicht alles so aus der Nase ziehen!“, klagte Fred jämmerlich laut und George verpasste ihm einen Schlag auf den Hinterkopf.
„Aua, ey, was soll das?“, beschwerte er sich da empört, doch sein Bruder verzog nur sein Gesicht und rollte dabei die Augen.
„Sirius‘ Testament wird verlesen!“, verkündete ich und in diesem Moment landete noch eine Schleiereule auf dem Tisch, oder besser auf der nun zum Glück leeren Platte.
Tja und als die Eule mit dem Schnabel klackernd auf die Twins zuhielt, meinte ich lapidar:
„Und wie es scheint, seid ihr auch eingeladen!“, erkannte ich sofort das Siegel.
„Was, warum?“, sie waren sehr überrascht und glubschten sich selbst ungläubig an.
„Woher soll ich das wissen?“, kam es trocken von mir.
„Es macht dich traurig?“, fragte Blaise besorgt nach.
„Ja, ich habe ihn immer noch nicht vergessen!“, bekannte ich leise und erhielt einen verständnislosen Gesichtsausdruck von Blaise.
Stimmt, davon wusste er ja gar nichts, aber ich schüttelte nur den Kopf, sah aber, wie sich George zu ihm beugte und ihm etwas zuflüsterte, was so klang wie, erzähle ich dir später.
„Dann können wir ja zusammen hingehen!“, bot Fred sofort eifrig an, aber ich antwortete mit einem Kopfschütteln.
„Nein, ich werde euch schon morgen wieder verlassen!“, blickte ich bei diesen Worten etwas betrübt in die Runde, denn hier würde es mir wirklich besser gefallen. Hoffentlich hatte Snape die Wahrheit gesagt und das Manor wurde nicht zu einem Gefängnis für mich.
„Waswaswas… warum!?“, schaute ich in absolut geschockte Gesichter.
„Ich muss gehen…!“, gab ich tonlos zu.
„Nein…“, echote es ungläubig. „Das kann nicht dein Ernst sein!“, „Weiß Draco, was er da tut?“, fragte Blaise ganz untypisch zweifelnd an seinem Freund und Hausvorstand.
„Ich weiß es nicht, Jungs, echt nicht, aber mir wird nichts anderes übrigbleiben!“, seufzte ich geschlagen und schob mein Essen auf dem Teller hin und her.
„Krass… und du musst wirklich?“, ereiferten sich die Twins unglücklich.
„Ja, ich muss Fred… aber ich werde angeblich keine Gefangene sein, also vielleicht können Draco und ich uns irgendwann verkrümeln!“, gab ich hoffend kund.
„Wann holst du dann Harry?“, fragte nun George betroffen und ich verfolgte, wie es Daphne aufhorchen ließ, die bisher zusammen mit ihrer Schwester verwirrt unserer Diskussion gelauscht hatte.
„Ich denke, ich werde ihn mir hierbei…“, und da wedelte ich mit der Einladung, „… kaufen und ihm sagen, dass ich am Abend komme und ihn hole. Ja, ich denke, das wäre eine gute Gelegenheit, auch wenn ich nicht weiß, was Sirius von mir will, außer mich in seinem Testament zu beschimpfen, ich meine, ihr wisst Jungs, wie das ausging!“, zuckten beide auch mit den Schulten, aber da unterbrach Daphne.
„Harry kommt, du holst Harry hierher?“, hörte ich, wie sie versuchte, nicht zu erfreut zu klingen, aber sich in ihrer Hoffnung kaum beherrschen konnte. Astoria sah sie belustigt an, oh ja, ihre Schwester schien von ihrem Schwarm zu wissen.
„Klar, was dachtest du, du willst ihn doch näher kennenlernen, oder?“, bemerkte ich, wie sie tiefrot anlief und Astoria vor Lachen in ihr spuckte und sich dafür wiederum einen tadelnden Blick einhandelte.
Das war alles zu komisch, mir tat das hier echt gut. Das Lustigste war, Daphne traute sich nichts zu fragen und ihre Schwester schien lieber alles beobachten zu wollen, aber die Fragen würden wohl schon noch kommen.
So wurde es noch ein feuchtfröhlicher Abend. Die magischen Lichter, die aufstiegen als es dunkel wurde, tauchten alles in ein sehr romantisches, behagliches Licht.
„Was haben eigentlich Molly und Arthur zu eurem Abflug gesagt?“, forschte ich nun neugierig.
„Getobt wäre wohl noch milde ausgedrückt!“, meinte George bedrückt und ich erkannte, wie Fred die Augen zu wütenden kleinen Schlitzen verengte.
„So schlimm?“
„Schlimmer, aber dank unserer Freunde waren wir in unseren Entscheidungen mehr als unabhängig. Es herrscht Eiszeit, wenn wir uns reinsteigern würden, könnte es so ausarten wie bei Percy aber wir bleiben cool!“, erklärte George lässig ihren Standpunkt und zuckte gleichgültig die Schultern. „Das Geschäft läuft schon jetzt klasse und jetzt in den Ferien wird es abgehen, Lee ist gestern oben eingezogen!“
„Mum kommt nicht darüber hinweg, dass sie nicht weiß, woher wie die Menge Kohle haben, aber woher soll sie auch wissen, dass wir so spendable Kontakte haben? Und ihr ist unbegreiflich, warum wir ausgezogen sind!“, kam es frech zwinkernd von Fred und ich kicherte, arme Molly.
Aber ich verstand die Twins, hier konnten sie ihre Liebe unbeschwert und in aller Abgeschiedenheit ausleben und es sei ihnen vergönnt.
„Wie gut, dass meine Mutter es vorzieht, ihre Aufmerksamkeit ihren Ehemännern oder Liebhabern zu schenken. Ich denke, ich würde ersticken, wenn ich so eine Mutter hätte!“, kam es schrecklich blasiert von Blaise, während er sich selbst zuprostete.
„Man gewöhnt sich an alles, Blaise!“, zeigten sich die Twins mit einem verzweifelten Stöhnen resigniert.
„Ihr seid schon eine komische Truppe!“, kam es selbstsicher von Astoria.
„Hey, willst du uns beleidigen?“, rief Fred aufgebracht, aber nicht ernst und grinste wölfisch.
„Ähm, ja… ich hätte nie gedacht, dass ihr so ernst seid!“, meinte sie erklärend zu den Twins und Daphne quiekte erschrocken auf.
„Astoria, was fällt dir ein, so unhöflich zu sein? Es ist sehr freundlich von ihnen uns zu helfen und uns… das zu Hause zu ersparen! Dafür muss ich mich noch bedanken, entschuldige, ich war nur so überfahren… diese neuen Erkenntnisse… du …verstehst du?“, wedelte sie mit ihrer Hand erregt durch die Luft.
„Sie heißt Hermione!“, kam der saublöde Einwurf von George und Blaise lachte trocken auf, woraufhin sich Daphne unbehaglich auf ihrem Stuhl wand.
„Sie haben aber recht, du darfst mich ruhig so nennen, eigentlich waren wir schon einmal soweit!“, erinnerte ich sie an unsere Bekanntmachung durch Harry.
„Danke!“, kam es nur leise von ihr.
„So, nun kommen wir zum ernsten Teil, wie euch zwei Hübschen klar sein muss, müssen wir uns schützen und dafür müsste ich einen Zauber auf euch legen, darf ich?“, stellte ich eine eigentlich rein rhetorische Frage, denn allen war klar, dass die beiden mir und meinem Zauber nicht entkommen würden.
„Du hast einen Zauberstab?“, fragte Daphne sichtlich überrascht und wir alle brachen in Lachen aus, das war zu komisch, wenn ich keinen hätte, tja, wäre wohl vieles anders gelaufen.
„Ja, hab ich, darf ich nun?“, kicherte ich noch leicht.
„Was ist das für ein Zauber?“, fragte Daphne skeptisch.
„Ein Zauber, der unsere Geheimnisse schützt, ihr könnt nichts über das hier erzählen, also würde es euch auch schützen, da es absolut sicher ist… “, zeigte ich auf uns.
„So einen Zauber kenn ich nicht!“, kam es mit tief gerunzelter Stirn überlegend von Daphne.
„Ach, Daphne, du unterschätzt unsere Hermione, das ist ihre Erfindung, sie ist wahrlich ein Genie!“, erklärte Blaise und Daphne starrte mich mit riesigen Augen an und ich lächelte leicht, als auch schon ihre kleine Schwester aufgeregt zustimmend mit dem Kopf wackelte.
Ich zögerte nicht, zog meinen weißen Stab, richtete ihn auf Astoria und sprach:
„Credere Tacientiae“ und fügte unser aller Namen an, sowie auch die von den abwesenden Malfoys und Snapes und natürlich ganz wichtig, Harrys.
„Astoria… nicht so voreilig! Was ist das für ein Spruch, was heißt er genau?“, fauchte nun Daphne böse.
„Zur Verschwiegenheit verbunden, es passiert nichts, du kannst nur nicht vor nicht Eingeweihten darüber reden!“, erklärte ich nochmal.
„Daphne, mach es, bitte! Sie helfen uns und ich mag sie, es hat auch gar nicht wehgetan!“, redete nun Astoria rasch auf ihre ältere, vorsichtigere Schwester begütigend ein und diese nickte schließlich geschlagen, sehr langsam. Aber ich verstand Daphne, sie war aus verständlichen Gründen vorsichtig, das konnte ihr niemand vorwerfen.
Und ich wiederholte das Spielchen, danach fühlte ich mich doch gleich besser, aber ich spürte auch, wie die letzten Tage arg an meinen Kräften zehrten und schloss nach dem Zauber die müden Augen.
Nekromantie schien ganz schön an die Substanz zu gehen, wenn ich daran dachte, wie ich gespürt hatte, wie meine Magie aus mir hinaus und in den Raum geflossen war.
Ja, eine einfache Zauberei war der Spuk echt nicht und so erlaubte ich mir die Schwäche in dem vertrauten Kreis und strich mir die Haare aus dem Gesicht, rieb mir leicht über die schmerzenden Schläfen.
„Was ist, Hermione, ist dir nicht gut?“, forschte nun Daphne ganz mütterlich nach, nachdem sie anscheinend nach dem Zauber keine Veränderung an sich hatte feststellen können.
„Mhmh, oh, geht schon, etwas müde vielleicht!“, beschwichtigte ich sie abwinkend.
„Seit wann bist du müde?“, schoss Fred sofort sehr besorgt seine Frage auf mich ab, da ich sonst eben nicht so war.
„Du schläfst fast nie!“, echote George sehr aufmerksam.
„Was hast du nur wieder getan?“, erschallte es aus zwei Mündern vorwurfsvoll und ich legte mich geschlagen ob der Fürsorge zurück und genoss sie wohl doch ein bisschen.
„Viel…, zu viel, ich hab die letzten zwei Tage vielleicht fünf Stunden geschlafen, wenn´s hoch kommt!“, bekannte ich müde.
„Dann gehst du jetzt ins Bett, wenn du morgen da hingehst musst du ausgeruht sein. Draco macht uns alle, wenn du als wandelnde Leiche dort auftauchst!“, bestimmte Blaise und alle nickten und ich musste bei seinen unwissenden Worten echt schwer schlucken, die wussten gar nicht, was die für Anspielungen raushauten, die alle irgendwie zutrafen, dachte ich zynisch.
„Ich…“, begann ich, doch ich wurde schnell unterbrochen.
„Ich trage dich, wenn du nicht folgst, ist mir egal, ob ich das darf oder nicht!“, knurrte Blaise richtig aggressiv. Diese Slytherins waren doch alle gleich, dachte ich kopfschüttelnd und erhob mich langsam, da mir nach dem Essen und dem Alkohol und dem Zauber doch etwas schwindelte, war halt nicht mehr die Jüngste, hehehe, versuchte ich es mit Humor zu nehmen.
„Warte, ich bring sie!“, sprang Fred vorfreudig auf die Beine, umarmte mich fest und lenkte meine schwerfälligen Schritte zum Cottage.
Als wir den Garten hinter uns ließen war Fred nicht mehr zu halten und er überrumpelte mich vollkommen, als er mich in einer geschmeidigen und schwungvollen Bewegung hochhob. Ich quiekte erschrocken auf, als ich den Boden so plötzlich unter den Füßen verlor und in der Luft schwebte.
„Fred… spinnst du, was soll das?“, er trug mich erstaunlich fest und sicher in seinen Armen.
„Hier sieht uns keiner, Schönste! Ich trage dich hoch… weißt du, du musst nicht immer stark sein!“, wisperte er mir verschwörerisch zu und zeigte mir eine Ernsthaftigkeit in seinem Blick, die ich noch nie bei ihm gesehen hatte.
Die Zeit, in der sie auf selbständigen, eigenständigen Füßen stehen mussten, schien auch die Twins schon verändert zu haben.
„Danke!“, sage ich nur ergeben, wegen so was würde ich nicht streiten und ich beobachtete, wie sich ein zufriedener Ausdruck in seiner Mimik zeigte.
Er trug mich in das Schlafzimmer, das ich mir schon mit Draco geteilt hatte, was mich überraschte.
„Wie…?“, wurde ich schon behutsam auf dem Bett abgelegt.
„Wir haben uns für das Schlafzimmer deiner Tante entschieden, das hier ist das Größte und somit deins!“, bekannte er gewichtig und ich runzelte die Stirn.
„Aber ich bin doch viel zu selten da…!“, begehrte ich auf.
„Nichts da, das ist dein und Dracos Zimmer… hihihi, du solltest mal unseres ansehen, da haben wir schön bunt dekoriert!“, lehnte er entschieden ab.
„Oh Gott, nicht eure Farbgebung, die war schon immer gewöhnungsbedürftig!“, schüttelte es mich gespielt.
„Sag ich ja, aber ich find´s gelungen!“, grinste er sehr teuflisch, wurde dann aber übergangslos ernst und setzte sich zu mir auf die Kante. „Geht’s dir wirklich gut, Hermione, du wirkst sehr blass?“
„Ja, mir geht´s wirklich gut, nur die Magie der letzten Tage war ungewohnt und deshalb wohl auch so kräftezehrend… macht euch keine Sorgen. Morgen nehme ich euch auseinander!“, grinste ich betont gelassen und genoss es trotzdem, einfach nur liegen zu können.
„Darauf freuen wir uns schon… schlaf gut, Schönste. Wenn du uns brauchst, wir sind da!“, bot er sorgend an und verschwand rasch. Ich zog mich im Liegen aus, deckte mich nackt, wie ich nun war, einfach zu. Ich war so müde, der beschauliche Abend hatte gutgetan, mir fielen schon die Augen zu und ich schlief rasch ein.
Leider war die Nacht unruhig verlaufen!
Ich hätte doch jemanden neben mir gebraucht, so wachte ich mit einem Seufzen auf. Puh… hatte ich wirres Zeug geträumt, echt nicht schön… aber als ich die Staubkörner im Licht der aufgehenden Sonne tanzen sehen konnte, war ich doch erstaunt. Wie spät war es? Als ich den Tempus sprach, klappte mir vor Erstaunen der Mund auf.
Es war fast elf… Himmel wie lang war es her, dass ich so lange geschlafen hatte?
Ich fiel lachend wieder in die Kissen zurück, sie hatten mich absichtlich so lange schlafen lassen… nun gut, jetzt war es auch schon egal und ich ging nackt, wie mich die Götter geschaffen hatten, ins Bad und ließ das Badewasser ein.
Heute würde ich viel für mich tun, ich wollte gut aussehen!
Ich genoss es, mir einmal so viel Aufmerksamkeit zu schenken, machte die Duftkerzen an und schüttete die Öle in das warme Wasser, schmiss noch einige getrocknete Rosenblätter hinein und inhalierte genüsslich den sich ausbreitenden Duft in dem kleinen Bad. In der Zeit, bis die Wanne voll war, putzte ich meine Zähne gründlich, nachdem dies erledigt war, glitt ich in das Nass und tauchte unter.
Ich legte meine Haare so oft in Spülungen und Kuren ein, dass ich über eine ganze Stunde im Wasser verbrachte. Als ich herauskam, war ich ganz verschrumpelt und meine Haut dankte es mir, als ich mich gründlich mit der Bodylotion einrieb. Sie begann zu duften, nachdem sie diese wie ein Schwamm aufsog und wurde herrlich zart und weich. Ich hatte heute eine Creme gewählt, die einen leichten Goldschimmer auf die Haut zauberte und ich liebte es, so viel war klar, wie ich glitzernd im Schein der Sonne dastand.
Sobald ich vor dem kleinen Schminktisch in meinem Schlafzimmer saß, zupfte ich mir gewissenhaft die Augenbrauen und schminkte mich intensiv, aber sehr dezent. Ich blieb bei einem leichten Goldschimmer auf dem Lid, auch meine Wimpern tuschte ich nur leicht, in braun. Es war, als würde ich mich für heute Abend rüsten wie für einen Kampf. Meine Fuß- und Fingernägel erhielten auch einen leicht golden schimmernden Nagellack, ich war halt Perfektionistin und ich war aufgeregt, ich gab es ja zu, aber was sollte ich machen?
Ich kämmte und bürstete nun noch hingebungsvoll mein langes, lockiges Haar, bis es mir in weichen, großen Wellen über den Rücken floss. Ich sah hübsch aus und auch die Zeichen der Erschöpfung waren trotz der unruhigen Nacht verschwunden. Ich wirkte wieder viel gesünder.
Danach zog ich mir ein kurzes, leichtes Sommerkleidchen im Vintagestil an. Es war in einem gepuderten Blau gehalten, die Farbe hieß wohl taube. Die schmalen Spitzenträger gingen in eine filigrane Stickerei und Spitze über, die mein Dekolleté umspielte. Unterhalb der Brust fiel das Kleid in sanften Falten über meinen Körper, wurde etwas weiter und auf Hüfthöhe wurde der dünne, taubenblaue Stoff von einem mit floralen Mustern goldbestickten, durchsichtigen Stoff abgelöst.
Nur ein dünnes Unterkleidchen verhinderte, dass man durch diesen goldbestickten Stoff oder den folgenden, feinen Organza meine Haut sehen konnte. Das Kleid endete deutlich oberhalb meiner Knie, mit feiner Spitze. Zu dem Kleid wählte ich halbhohe, mattgoldene Sandalen, mit einem kleinen Pfennigabsatz und dünnen Riemchen. So aufgemotzt, wie ich nun war, ging ich runter in die Küche, um mir mein dringlich benötigtes Koffein abzuholen.
Blaise stand an der Theke und verschluckte sich geräuschvoll an seinem Saft.
„Meine Güte… wie… ein Traum!“, kam es gehaucht von ihm und er bewunderte mich mit leicht benebelten Augen. Was, sah ich so anders aus als sonst?
„Himmel, Hermione, du wirst sie alle um den Verstand bringen, wenn du da so hingehst!“, raunte er leise, dabei konnte er anscheinend den Blick nicht von mir lösen.
„Hey, was sabberst du so…?“, kamen die Twins vom Garten in die Küche und stoppten abrupt, als sie meiner Ansichtig wurden. Sie blieben erstaunt stehen und machten sofort hechelnde Geräusche.
„Jungs, also so anders sehe ich heute auch nicht aus!“, wies ich ihr gespielt doofes Verhalten von mir und schenkte mir seelenruhig Kaffee ein.
„Ach, nicht? Ich weiß nicht, Hermione, Schönste, wie ich dir das sagen soll. Ich bin schwul, schwer verliebt und hab einen Steifen!“, kam es sehr trocken von Fred und nun verschluckte ich mich fast.
„Du bist zu ordinär, aber er hat recht, du lässt mich auch nicht kalt!“, wurde George leicht rot um die Nase.
„Vielleicht sollten wir einen bekennenden Hetero fragen, Blaise?“, wackelte Fred provozierend und sehr auffordernd mit den Brauen und es passierte das, was einem so abgebrühten Slytherin eigentlich nie passierte, er wurde leicht rosa um die Nase. „Ohohoh, bei dem rührt sich auch was in der Hose!“, kicherten beide Twins teuflisch los und ich brach in lautes Lachen aus.
Ich meine, was sollte man bei dieser Diskussion sonst tun? Und als auch noch die beiden Schwestern mit einem Kichern hereinkamen, ließ Blaise peinlich berührt den Kopf auf die Platte knallen.
„Guten Morgen, Hermione!“, kam es gutgelaunt von Daphne, sie schien sich eingefunden zu haben und strahlte mich offen an. „Sie haben völlig recht, du siehst heute sehr gut aus!“
„Danke, Daphne… du siehst aber auch entspannter aus als in Hogwarts!“, versuchte ich mich in höflicher Konversation.
„Das stimmt, da wusste ich ja auch noch nicht, dass ich mir wegen der Ferien keine Sorgen zu machen brauche!“, bekannte sie gutgelaunt und mit blitzenden Augen.
„Kommt, setzen wir uns raus, die Red Devils haben sich nicht umsonst so viel Mühe gemacht!“, ging ich ins Freie und atmete tief ein, es war herrlich hier, ich wollte gar nicht weg.
„Red Devils?“, fragte mich da Astoria kichernd.
„Mein Spitzname für die zwei Chaoten, der passt wie die Faust aufs Auge und ich schenke dir einen Rat, nimm sie immer ernst und unterschätze sie nie!“, warnte ich eindringlich, dabei hielt ich fest Augenkontakt mit ihr und sie erwiderte ihn bestimmt und nickte mir dann sehr ernsthaft zu.
„Danke!“, lächelte sie verschwörerisch.
„Immer gerne doch!“, genoss ich die Sonne, kostete aus wie mich die Männer der Schöpfung umsorgten und mir einen leichten Brunch reichten, es war zu schön, wie sie um mich herumgluckten.
„Und euch gefällt es hier?“
„Ja, du hast hier ein Paradies erschaffen, Hermione!“, erklärte Daphne freundlich.
„Schön, dass es euch gefällt, ich hoffe, ihr kommt mit den Twins klar?“, hakte ich nach.
„Klar, ich mag sie, aber ich mache mir Sorgen wegen Astoria, sie wird nur sehr schwer zu bändigend sein, mit den Twins zusammen, sie heckt immer gerne was aus!“, war Daphne entspannt und offen und erzählte mir ihre Sorgen.
„Lass sie doch, hier musst du nicht so auf sie achten, sie kann tun und lassen was sie will und seien wir ehrlich, soooo klein ist sie auch nicht mehr! Hast du die Blicke von Blaise nicht bemerkt?“, fragte ich und da stöhnte sie tief auf.
„Dann hab ich mir das nicht eingebildet, … leider! Ja, hab ich! Was soll ich tun?“, wollte sie vertraulich erfahren.
„Willst du wirklich wissen, was ich dir rate?“ Sie nickte nur und sah mit mir zu den vieren, die den Garten mit Enthusiasmus weiter verschönerten, selbst Blaise, der ja angeblich nicht wollte, war mit Feuereifer dabei, nur wir zwei saßen unter dem Schatten der Laube und beobachteten sie.
„Lass sie, du machst es sonst nur schlimmer und Astoria weiß deine beschützende Art mit Sicherheit zu schätzen, aber jetzt kommt… oder besser ist sie in einem Alter, wo sie es dir nicht mehr dankt. Frag nicht, was ich in ihrem Alter schon alles getan hab… sie ist kein Kind mehr, begeh nicht den Fehler, nur das in ihr zu sehen. Sie ist eine junge Frau und so leid es mir tut, dir das zu sagen, mit einem starken Charakter, den hat sie wohl von dir!“, schmeichelte ich, wobei ich versuchte, etwaigen Unfrieden oder Streit zwischen den Geschwistern zu verhindern.
„Ach…, Hermione, wie schade, dass ich dich erst jetzt kennenlernen darf und ich verstehe, warum Harry… warum er dich so mag!“, stotterte sie unsicher, dabei wurde sie rot.
„Nicht mag, Daphne, er liebt mich… aber ich ihn auch!“, bekannte ich entschlossen, um die Weichen zu stellen und sie nickte beklommen, als ich ihr sehr wohl ihren Platz zeigte.
„Aber hab keine Angst, ich sehe in ihm das, was du in Astoria hast!“, versuchte ich sofort ihre sichtbaren Bedenken zu zerstreuen.
„Ich weiß, du kannst dich glücklich schätzen, aber meinst du wirklich, dass ich mich da nicht einmischen soll? Blaise ist…!“, gab sie unwohl zu bedenken.
„Ich vertraue Blaise, er wird mit ihr flirten aber er wird nicht bis zum Äußerten gehen, versprochen, das werde ich ihm schon klar machen. Lass uns schauen, was sich entwickelt und sei lieber froh, wenn Astoria dir nichts vorspielt und es heimlich macht, denn ehrlich, Daphne, das machen die meisten!“, erklärte ich ruhig und war froh, mit ihr reden zu können, dass sich die Stimmung entspannt hatte.
„Mhmh, hast ja recht, aber für mich bleibt sie halt mein kleines Baby!“, flüsterte sie ruhig, aber auch besorgt.
„Du bist süß, freust du dich wenn Harry da ist?“, lenkte ich ab.
„Ja, sehr, aber ich weiß so wenig über ihn, nur das Getuschel und Getratsche und was ich von ihm in den letzten fünf Jahren gehört hab, was nicht viel war…“, bekannte sie traurig und da schmunzelte ich sie ironisch an.
So fasste ich mir ein Herz und begann zu erzählen, von unserem Treffen im Zug, von unserem ersten Jahr und wie Harry mich mit Ron zusammen vor dem Troll rettete, von seinem Kampf mit Quirrell. Von seinem zweiten Jahr, als er so geschnitten wurde, da er Parsel konnte und seinem Kampf mit dem Basilisken, was sie mir gar nicht glauben wollte, da es so unglaublich klang. Von unserem dritten Jahr und von Sirius, was mich wieder leicht schwermütig werden ließ. Über unser viertes Jahr und wie ich Harry half dies alles zu überstehen berichtete ich ebenfalls und vom fünften Jahr, erzählte ich ihr die Light Version des Ministeriums.
Sie fragte auch nach seiner Familie, aber da lehnte ich ab, mit dem Verweis, dass ihr dies Harry würde persönlich erzählen müssen, da es mir nicht zustand, dies zu offenbaren, was sie sofort akzeptierte. Aber meine Anspielung, dass das ein wunder Punkt in Harrys Leben war, die erkannte sie messerscharf, wie ich an dem traurigen, wissenden Funkeln in ihren Augen ausmachen konnte.
Dieses Mädchen, das etwas zurückhaltend war, zeigte eine hervorragende Beobachtungsgabe und eine Einfühlsamkeit, die Harrys Launen gewachsen wäre. Denn eins sollte uns allen klar sein, auch Harry war kein einfacher Charakter. Aber dieses hübsche Mädchen war durch eine harte Schule gegangen und kannte Geduld und Ausdauer, was jeder bei Harry brauchte und sie schien zu tiefen Gefühlen fähig. Ich mochte sie sehr und genoss es, mit ihr zu reden, sie war eine gute Zuhörerin.
Es war später Nachmittag und Astoria stieß auf einmal einen spitzen, erschrockenen Schrei aus, weil eine große, silbrige Abgottschlange sich ihren Weg zu uns schlängelte und die säuerliche Mimik ihres Erschaffers zeigte und George sprang sofort herbei.
„Ich gehe!“, rief er nur eilig.
Er spurtete am Haus vorbei und wollte ihm wohl das Gartentor öffnen. Ich verstummte, strich mir noch einmal bewusst die Haare zurück und atmete tief ein. Das Spiel begann. Ich setzte meine Maske auf und wartete beherrscht auf ihn.
Ein „gutgelaunter“, schwarzhaariger Mann, neben einem ernsten George, kam über die Wiese um das Cottage herum, auf uns zugeeilt. Er verzichtete auch heute auf seinen schwarzen Umhang, trug nur den enggeschnittenen, langen Gehrock mit dem hohen Kragen und dem weißen Plastron, der vorne herausschaute, ansonsten war jeder kleine Knopf akribisch geschlossen, seine Miene war säuerlich verzogen, tja, wer bei der Hitze auch so rum lief konnte nur schlecht gelaunt sein, zeigte ich mich zynisch.
Ich spürte, wie sich Daphne bei dem für sie überraschenden Anblick von Snape versteifte.
Er hielt mit einem ironischen Grinsen im Gesicht vor mir und ein gieriges Glimmen trat bei meinem hergerichteten Anblick in seine tiefen, dunklen Obsidiane, das er nicht vor mir verbergen konnte, aber ich wusste, keiner der anderen nahm es wahr.
Dafür musste man ihn schon wahrlich gut kennen und auch ich musste an unser Intermezzo vor zwei Tagen denken. Mein Outfit schien auch ihm zuzusagen, so wohlgefällig wie sich seine Mundwinkel leicht nach oben verzogen, aber so eine Reaktion wie von Blaise oder den Twins konnte man von einem Snape wahrlich nicht erwarten.
Ich war sitzen geblieben und sah ihn nur ruhig an, ließ seine Inspektion abwartend über mich ergehen.
„Komm, wir wollen doch nicht zu spät kommen, du wirst erwartet!“, schnarrte er nur kalt und Daphne sah hektisch und bestürzt zwischen uns hin und her.
„Ach und ich dachte schon, wir könnten Ihnen noch ein Glas Eistee anbieten!“, lächelte ich süffisant.
„Sehr witzig, nun komm!“, drängte er und ich erhob mich folgsam, wollte ihn ja nicht zu sehr reizen. „Miss Greengrass, Mr. Zabini…, die rote Pest!“, verabschiedete er die Runde in seiner so eigenen, charmanten Art.
„Hermione, pass auf dich auf, melde dich!“, verabschiedeten sich alle irgendwie furchtsam. Snape verdrehte genervt die Augen, reichte mir, nun wohl am Ende seiner Nerven, dennoch sehr galant seinen Arm und ich legte artig meine Hand auf den in den schwarzen Stoff eingehüllten Arm, winkte zum Abschied und ging äußerlich gefasst, schweigend meinem Schicksal entgegen. Was sie sich wohl für mich ausgedacht hatten?
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