
Hogwarts war wieder aufgebaut worden genauso wie es früher war. Alles sah wirklich wieder so aus, als hätte es keinen Krieg, keinen Kampf gegeben. Als wäre nie etwas geschehen, doch jeder wusste, was letztes Jahr hier hinter diesen Mauern passiert war. Wie viel Blut an diesen Steinen klebte. Es sah wirklich alles aus wie vorher, aber diejenigen, die bei der finalen Schlacht dabei gewesen waren, wussten, dass Hogwarts nicht mehr Hogwarts war.
Prof. McGonagall gab sich alle Mühe als neue Schulleiterin bei der jährlichen Rede, aber sie wusste, dass sie Dumbledore nie ersetzen könnte.
„Wir alle haben eine Zeit mehr oder weniger durchlebt, die man sich nie vorzustellen gewagt hatte. Und selbst diese alten Grundmauern hier erschütterte. Wir alle haben geliebte Menschen zu beklagen. Und ich möchte deutlich machen, dass Hogwarts nie wieder wie vorher sein wird, aber dennoch sollten wir diese Schule nicht aufgeben. … Es handelt sich schließlich hierbei nicht nur um eine Schule, sondern auch um ein Zuhause und ich widersage mir selbst diese Tradition aufzugeben. …“
Hermine hörte der fast schon gefühlvollen Rede von Prof. McGonagall nicht weiter zu und dachte daran, dass dieses Jahr eigentlich nur besser werden könnte. Es würde hoffentlich endlich ruhig und normal werden. Nicht wie all die Jahre zuvor. Ohne Ron wären neue Abenteuer sowieso nicht das gleiche.
„Der Slytherin Tisch ist dieses Jahr mehr als karg besetzt und besonders viele Erstklässler haben sie auch nicht bekommen.“, murmelte Harry mit einen undeutbaren Blick in Richtung jener.
Nun schauten auch alle anderen hinüber.
„Naja besonders verwunderlich ist es ja nicht, oder? Die Meisten sind doch in Ungnade gefallen und so gut wie alle werden vom Ministerium überwacht. Die können froh sein überhaupt hier zu sein zu dürfen. Eigentlich gehören sie doch alle nach Askaban.“, sprach Ginny voller Verachtung aus.
„Ich habe gehört, dass die meisten reinblütigen Familien untergetaucht sind. Zu groß ist für sie die Schande.“, ergänzte Luna mit ihrer typischen verträumten Stimme.
„Seht doch. Malfoy ist hier.“, brachte sich nun auch Hermine ein und alle Köpfe der Gruppe schnellten zu den Blonden, der mit gesenkten Kopf auf seinen leeren Teller starrte, „Habe ich mir das doch nicht eingebildet.“
„Eigentlich könnte er einen doch fast leidtun.“, durchbrach Neville die angespannte Stille.
„Was? Bist du wahnsinnig? Warum sollte gerade so ein Verbrecher einen leidtun? Wenn ich ihn nur sehe könnte ich kotzen.“, entfuhr es Ginny etwas lauter, als eigentlich gewollt, denn anscheinend muss der Betroffene es gehört haben. Er sah kurz hinüber zu ihnen bevor er eilig die große Halle verließ. „Da rennt er, der große Feigling.“
„Eigentlich meinte ich das nur auf Hinblick seiner Bestrafung.“, erklärte Neville sich nun und alle schauten ihn mit großen Augen an, „Naja ich mein ja nur, dass was man so gehört hat, ist echt schon ziemlich hart. Sein Vater ist in Askaban, seine Mutter hat sich vor einigen Wochen das Leben genommen, weil sie nicht mehr mit der Schuld leben wollte und er hat ein Jahr Zaubereiverbot, also keinen Zauberstab mehr und wird zehn Jahre unter Beobachtung des Ministeriums stehen. Falls er sich auch nur eine Kleinigkeit zu Schulden kommen lässt, muss er nach Askaban. Er ist jetzt also nicht nur mutterseelenallein auf dieser Welt, sondern muss sich allem beugen.“, nun verstanden die Freunde, was Neville gemeint hatte, „Dabei ist er schon fürs Leben gebrandmarkt mit seiner Todesser Tätowierung am linken Arm. Niemand will mit so jemanden arbeiten. Das jahrhunderte alte Familienunternehmen wird Pleite gehen. Er hat eigentlich so gut wie keine Zukunft. Deswegen wird er wohl auch hier sein.“
Damit wurde es still in ihrer Runde und jeder ging seinen eigenen Gedanken nach.
Ja, dieses Jahr konnte einfach nur anders werden. Ob das nun gut oder schlecht war, konnte bis dahin niemand mit Gewissheit sagen. Aber es würde anders werden.
Zumal Hermine dieses Jahr Vertrauensschülerin war, worüber sie sich natürlich sehr freute. Ihr Ehrgeiz und ihr Aufopferungsbereitschaft für die Schule hatte keinen Knacks bekommen und schließlich hatte sie so das Recht auf ein eigenes kleines Reich und Zutritt auf das Vertrauensschülerbad mit diesem riesigen Becken. Allerdings war dieser Posten nicht nur mit Privilegien versehen, sondern auch mit Arbeit, was sie aber kaum störte. So musste sie die meisten nächtlichen Patrouillen durch das Schloss machen und sämtliche Veranstaltungen der Schule mitorganisieren.
Doch hätte sie wahrscheinlich nie mit dem gerechnet, was ihr in der Woche nach Beginn der Schule geschah.
Es war die erste Woche, wo sie nächtliche Patrouille lief durch das Schloss. Die Meisten hatten immer ein mulmiges Gefühl des Nachts durch Hogwarts streifen zu müssen, aber Hermine störte das nicht sonderlich. Sie empfand es sogar nachts angenehmer durch Hogwarts zu wandeln, als am Tag, denn wenn sie auf Patrouille war, war sie allein und nur für sich. Es war fast entspannend mal nicht von den jüngeren Schülern bemustert zu werden. Sie galt als Heldin des goldenen Trios, aber der Ruhm und das Tamtam was darum gemacht wurde, war ihr zu wider. Daher genoss sie die Stille. So konnte sie auch ungestört ihren alltäglichen Gedanken nachhängen und ein bisschen vor sich hinträumen.
Doch eines Nachts zog der Geruch von Feuer und von etwas was verbrannte ihr in die Nase und zerstörte ihren Tagtraum. Bei Hermine schellten die Alarmglocken. Brannte es etwa? Oder kokelte nur wieder irgendein Vollidiot ein bisschen rum?
Sie folgte dem Geruch bis sie am Ausgang war, von dem aus man direkt runter zu Hagrids kleiner Hütte schauen konnte. Sie kannte den Platz noch genau aus ihrem dritten Schuljahr.
Als sie um die kleine Ecke bog konnte sie kaum fassen wer da ganz allein auf den Treppen saß. Was machte er da? Und vor allem warum?
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