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Fanfiction

Bat in my heart - Kapitel 1: Stimmen aus der Vergangenheit

von Dilli

Die Wellen rauschten an den Strand und das Geräusch der Brandung vermischte sich mit meinen eigenen Atemzügen. Einatmen, ausatmen. Kontrolle, absolute Selbstbeherrschung. Das war genau das, was ich mir in den letzten Jahren antrainiert und perfektioniert hatte. Das Laufen half mir dabei. Ich liebte es immer noch genauso wie früher, als ich süße sechzehn gewesen war. Man konnte dabei einfach so super abschalten und genau aus diesem Grund tat ich es immer noch. Jeden Morgen und jeden Abend lief ich durch den Sand der wunderschönen Cote d'Azur, auch wenn es nicht so einfach war wie auf Asphalt. Doch ich liebte einfach die Herausforderung und meinen Muskeln tat das ganze auch gut. Nicht umsonst hatte ich Beine wie ein junges Reh und immer noch einen Knackarsch. Und das trotz meines Alters von 34 Jahren.
Ich kam an der Stelle an, wo ich die Asche meiner Eltern verstreut und meinen Abschiedsbrief dem Meer übergeben hatte. Mein wunderbares Meer. Ich liebte es immer noch genau so sehr wie früher. Ich genoss das Geräusch der Wellen – meines Wiegenlieds – und das Gefühl des Wassers, wie es meine nackten Füße umspülte. Und dieser Geruch... Nach Sand und Sonne... Das war einfach herrlich.
Ich hielt kurz inne und machte ein paar Dehnungs- und Lockerungsübungen. Siebzehneinhalb Jahre war ich mittlerweile wieder hier an diesem Ort, den ich so sehr liebte und ich hatte niemals meine Entscheidung bereut, die ich damals im Krankenflügel dieses schrecklichen Ortes namens Hogwarts (BAH!) getroffen hatte. Ich glaube, ich hätte keine bessere Wahl treffen können, als wieder nach Frankreich zurück zu kehren. Sicherlich war es nicht einfach für mich gewesen, denn auch hier in Frankreich hatten unzählige Erinnerungen auf mich gewartet, aber trotzdem hatte ich mein Leben einigermaßen weiter leben können. Und das ganze ohne großartigen Kummer und Schmerz.
Tja, mein Leben, das war so eine Sache. Ihr fragt euch jetzt sicher, ob ich glücklich verheiratet war, Kinder bekommen oder zumindest die Liebe meine Lebens gefunden hatte. Da muss ich euch aber leider enttäuschen. Nichts dergleichen war passiert, aber wenigstens hatte ich mir einen Traum erfüllt. Aber ich glaube, es ist besser, es von Anfang an zu erzählen, während ich meinen Muskeln eine kleine Entspannung gönne:
Nachdem ich aus England zurück gekehrt war und alle meine Angelegenheiten geregelt hatte, war ich zurück in die Beauxbatons-Akademie gegangen und hatte mich wie verrückt aufs Lernen gestürzt. Und so war es auch kein allzu großes Wunder, dass ich meine ZAGs ganz hervorragend schaffte. Ich hatte überall ein Ohnegleichen bekommen, außer in Kräuterkunde und Zaubertränke, aber selbst da hatte ich ein Erwartungen übertroffen geschafft. Mein Lehrer, Monsieur Decap, war wirklich sehr überrascht gewesen und hätte mich mit Freuden in seinem UTZ-Kurs aufgenommen, aber ich lehnte dankend ab. Auf Zaubertränke konnte ich gut und gerne verzichten und das nicht nur, weil es mein absolutes Hassfach war, sondern auch, weil es mich an eine Zeit erinnerte, an die mir zu denken verboten hatte. Halt, Mimi, denk gar nicht erst daran. Böses Thema, das weißt Du doch.
Da musste ich meiner inneren Stimme voll und ganz recht geben, denn ich hatte mir selbst geschworen, dieses Thema zu meiden.
Also, wo war ich? Ah ja, UTZ-Kurse. Ich hatte Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Verwandlung, Alte Runen, Zauberkunst, Astronomie und Pflege magischer Geschöpfe belegt und meine letzten beiden Schuljahre, stur aufs Lernen fokussiert, durchgezogen. Meine Freundin Fabienne, die mir ja immer die liebste gewesen war, hatte die Welt nicht mehr verstanden, doch es war mir egal gewesen. Während sie also weiterhin einen auf Party machte, hatte ich mich auf meine Bücher konzentriert und meine Prüfungen mit Auszeichnung bestanden. Wenn ich es mir heute so überlegte, dann hatte ich wirklich ziemlich zurück gezogen gelebt – tat das auch immer noch – aber wenigstens hatte ich so mein Ziel erreicht, denn nach der Schulzeit hatte ich meine zweijährige Ausbildung zur Lehrerin angetreten.
Und genau das war ich jetzt. Professorin für Alte Runen und Verwandlung an der Beauxbatons-Akademie. Und nicht nur das: ich war sogar noch zur Vertrauenslehrerin ernannt worden und vor drei Wochen hatte ich von der Schulleiterin, Madame Maxime, die Nachricht erhalten, dass ihr Stellvertreter, Monsieur Giroud, in Rente ging. Also hatte sie mir den Posten angeboten, den ich natürlich ohne zu zögern annahm.
Es war eine Herausforderung, die ich nur zu gerne antrat, denn ich brauchte so etwas einfach. So war ich schon immer gewesen. Knallhart und tough und wenn es darum ging, die Arschbacken zusammen zu kneifen, dann war ich darin die Weltmeisterin. Ich hatte einfach ein dickes Fell und das brauchte man in meinem Beruf auch. Als Professorin hatte man es nicht immer leicht. Die Schüler versuchten einem auf der Nase herum zu tanzen, aber das ließ ich natürlich nicht mit mir machen. Ich war nicht sonderlich streng oder so und drückte auch mal ein Auge zu, aber verarschen lassen musste ich mich ja auch nicht. Wenn ich es mir recht überlege, dann war mein Unterrichtsstil so ähnlich wie der von Professor McGonagall an diesem grauenhaften Ort, nur das ich auch ziemlich witzig sein konnte, das lockert einfach die Stimmung und deshalb war ich bei den Schülern auch sehr beliebt. Mehr als einmal hatte ich gehört „Mademoiselle Duchesse ist einfach nur cool“ und das war mir dann immer runter gegangen wie Öl. Es tat einfach gut, zu hören, dass man geschätzt wurde.
Oh, aber apropos Schule und so: ich sollte dringend schauen, dass ich nach Hause kam, denn ich musste noch meinen Koffer packen. Morgen ging es zurück nach Beauxbatons und ich wollte sicher gehen, dass ich auch wirklich alles hatte. Meine ganzen Bücher und Unterrichtsmaterialien hatte ich zwar in meinem Büro im Schloss gelassen, aber trotzdem hatte ich noch allerhand zu packen. Da waren die ganzen Sachen, die für eine Frau überlebensnotwendig waren: Klamotten, Schminke und Beautyzeug. Und Schuhe, vor allem SCHUHE! Ich war einfach süchtig danach, obwohl viele darüber den Kopf schüttelten. Mimi und hohe Schuhe? Ging normalerweise gar nicht, aber in den letzten Jahren, hatte ich es geschafft, meine Tollpatschigkeit ein klein wenig herunter zu schrauben. Mir begegnete zwar noch das eine oder andere Fettnäpfchen, aber was soll's. Das gehört zum Leben nun einmal dazu.
Ich streckte mich noch ein letztes Mal, beugte mich einmal nach links und einmal nach rechts um meine seitlichen Rückenmuskeln zu dehnen und lief dann zurück in Richtung zuhause. Ich wohnte jetzt wieder in dem Haus, in dem ich aufgewachsen war, denn bei meiner Tante war ich ausgezogen, kaum dass ich die Schule beendet hatte. Ich brauchte einfach keinen Babysitter und kam sehr gut alleine klar. Ich hatte mittlerweile sogar richtig kochen gelernt und man konnte es sogar essen. Ich war zwar noch nicht so gut darin, wie meine Mum es gewesen war, aber das lag sicher an der mütterlichen Liebe. Mütter waren einfach die besten Köche und da ich ja noch keine Mutter war...
Während ich die letzten zweihundert Meter lief, schlich sich ein trauriger Gedanke in meinen Kopf: Wie gerne würde ich jetzt mit Filou hier laufen, würde mit ihm toben, spielen und lachen, aber das ging ja nicht mehr, denn Filou war letztes Jahr verstorben. Er war zwanzig Jahre alt geworden, was für einen Hund ein extrem hohes Alter war. Er war mir in all den Jahren treu zur Seite gestanden, war mein bester Freund gewesen, doch irgendwann hatte ich ihn gehen lassen müssen. Er war Tage lang schon ziemlich schwach gewesen und irgendwann konnte er nicht mehr.
Es war in der Nacht gewesen. Filou hatte wie immer an meiner linken Seite geschlafen und ich hatte mich fest an ihn gekuschelt. Das war die einzige Nähe, die ich ertrug.
„Mimi“, hatte er leise geflüstert und all meine Sinne waren sofort geschärft gewesen.
Ich hatte einfach gespürt, wie schwach er doch war und hatte unwillkürlich gewusst, dass es jetzt Zeit für ihn war zu gehen.
„Was ist los, mein Schatz“, hatte ich ihn gefragt.
„Ich bin so müde, Mimi.“
„Ich weiß, Filou.“
Ich hatte mich noch enger an ihn gekuschelt und ihn fest in die Arme genommen. Ich wollte ihm so viel Kraft geben, wie ich abgeben konnte, doch trotzdem schaffte ich es nicht ganz.
„Ich habe Angst“, hatte er gesagt und dabei mehr als nur schwach geklungen. „Aber nicht davor, zu sterben, sondern, Dich hier ganz alleine zurück zu lassen. Wie sollst Du denn ohne mich klar kommen?“
„Ich schaffe das, Filou“, hatte ich zurück gegeben und sein weißes Fell geküsst. „Ich weiß doch, dass, egal wo Du hingehst, Du immer bei mir sein und mir die Stärke geben wirst, die ich brauche.“
„Versprich mir nur eines, Mimi.“
„Alles, mein Großer.“
„Versprich mir, dass Du noch einmal die Liebe suchen und finden wirst. Ich möchte, dass Du wieder so glücklich wirst, wie vor sechzehn Jahren. So glücklich, wie ich es mit Bella gewesen bin.“
Ich wusste nicht, was ich daraufhin sagen sollte, denn eigentlich hatte ich mir selbst geschworen, nie wieder einem Mann mein Herz zu schenken, da ich ja auch gar keines hatte, dass ich hergeben konnte. Mein Herz war unwiederbringlich zerstört worden, von jemandem, an den ich nicht mehr einen Gedanken verschwenden wollte. Außerdem, was war die Liebe denn schon? Sie tat einem ohnehin nur weh. Ich wollte nie wieder so verletzt werden, wie es einst geschehen war. Nie wieder würde ich zulassen, dass man mir so sehr weh tat. Einmal im Leben diesen Schmerz, den ich durchgemacht hatte, aushalten, war wahrlich genug. Nein, vielen Dank, ich hatte genug von den Männern da draußen. Alles Vollblutarschlöcher was das Thema Liebe angeht. Ich verzichte freiwillig!
Doch ein Röcheln von meiner linken Seite hatte mich ins Hier und Jetzt zurück gerissen.
„Versprich es mir, Mimi“, hatte Filou gemeint. „Du musst wieder glücklich werden.“
„Ich werde es versuchen, Filou“, hatte ich ihm geantwortet.
„Nicht nur versuchen, Mimi. Du musst es tun. Bitte, für mich!“
„Okay.“
Dann hatte ich ihn noch fester an mich gedrückt.
„Danke, Mimi. Aber bevor ich gehe, möchte ich Dir noch eines sagen. Du warst die beste Hundemami, die man sich nur wünschen kann.“
„Danke, mein Schatz. Und Du warst der beste Hund.“
„Ich hab Dich lieb, Mimi! Für immer und ewig.“
„Und ich hab Dich lieb, Filou. Du wirst für immer in meinem Herzen sein.“
Danach hatte mein lieber, weißer Schäferhund nicht mehr weiter sprechen können, weil er einfach zu schwach gewesen war. Ich hatte ihn in meinen Armen gehalten, bis er nach über einer Stunde schließlich seinen letzten Atemzug getan hatte. Ich war sehr traurig gewesen und hatte gehofft, dass er nicht zu sehr hatte leiden müssen.
Am nächsten Tag hatte ich mich mit einer ungewöhnlichen Bitte an ein magisches Bestattungsinstitut gewendet. Ich wollte Filou verbrennen lassen und aus seiner Asche einen kleinen Diamanten gepresst haben, wenn das denn möglich war. Und es hatte auch funktioniert. Mit diesem Stein war ich zu einem Juwelier gegangen und hatte mir daraus einen wunderschönen Anhänger für eine Kette fertigen lassen. Es hatte mich eine ganze Stange Geld gekostet, aber das war mir egal gewesen. Ich wollte einfach ein Erinnerungsstück an meinen besten Freund haben.
Den Anhänger trug ich an einer Kette um den Hals und ich würde sie nie wieder ablegen. Auch das hatte ich mir selbst geschworen. Filou würde für immer bei mir bleiben, so wahr ich Marie Lucie Duchesse hieß.


Zuhause angekommen, ging ich erst einmal unter die Dusche und spülte den ganzen Schmutz ab. In den Ferien kam ich immer hierher und schlief in meinem alten Zimmer. Ich hatte es nicht über mich gebracht, in dem riesigen Zimmer zu schlafen, wo einst meine Eltern ihr Domizil gehabt hatten. Dort hatte ich kurzerhand eine Wand einziehen und zwei weitere Gästezimmer daraus machen lassen. Man wusste ja nie, wer zu Besuch kam und wie viele Leute es waren, auch wenn ich es bisher nur dreimal gebraucht hatte, als Remus mich besuchen gekommen war. Wie er es mir versprochen hatte, schrieben wir uns und taten das auch immer noch. Letztes Jahr war er als Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste an diesem bösen Ort angestellt worden, aber er musste leider schon nach einem Jahr wieder gehen, da man heraus gefunden hatte, dass er ein Werwolf ist und die Eltern der Schüler nicht gerade begeistert darüber waren. Anscheinend hatte es einen kleinen Unfall gegeben, aber wie genau der aussah wusste ich nicht so genau.
Auch mit meinem alten Lehrer, Professor Taylor, schrieb ich regelmäßig und wusste deshalb, dass er wieder als Auror im Ministerium für Zauberei arbeitete. Auch er hatte die Stelle nach einem Jahr geschmissen, da ihm das Unterrichten einfach zu langweilig gewesen war und man im Kampf gegen Ihr-wisst-schon-wen dringend seine Hilfe benötigt hatte. Wobei, wenn ich es mir recht überlegte, dann hatte ich auch von ihm schon länger nichts mehr gehört. Vielleicht sollte ich ihm einmal schreiben, wie es ihm denn so ging.
Ich trat aus meinem Badezimmer und zog mir eine bequeme Jogginghose und ein Top an. Dann ging es ans Koffer packen. Wobei ich das natürlich nicht per Hand tat. Ich schmiss meinen Koffer aufs Bett und schwang einmal meinen Zauberstab und schon kamen alle Sachen, die ich benötigte, aus meinem Wandschrank geflogen, legten sich selbst zusammen und stapelten sich ordentlich im Koffer. Ach, eine Hexe zu sein war schon toll. Da sparte man sich unnötige Arbeit. Ansonsten hätte ich meinen Kofferdeckel wahrscheinlich auch niemals zu bekommen.
Aber Moment mal, was war denn das? Unter meinem Bett lugte eine kleine Kiste hervor. Sie war ziemlich verstaubt und hatte auch schon einmal bessere Zeiten gesehen, aber mir kam sie gänzlich unbekannt vor. Ja gut, okay, ich gebe es ja zu. Ich kannte sie, aber ich hatte einfach verdrängt, dass es sie gab. Es war meine Kiste mit alten Erinnerungen. Erinnerungen, an die ich mir verboten hatte zu denken. Erinnerungen an meine Zeit in England. Aber wieso war diese Kiste jetzt zum Vorschein gekommen? Ich hatte sie doch extra unter mein Bett gestellt, damit ich sie vergessen konnte und eben nicht darüber stolperte, wenn ich mir Klamotten aus dem Schrank holte.
Ich seufzte tief und ging in die Knie um sie wieder an ihren ursprünglichen Platz zu schieben, aber dann kam mir auf einmal eine ganz andere Idee. Ich könnte ja mal einen Blick hinein riskieren. Ist ja schließlich nicht verboten. Immerhin sind das meine Sachen. Und interessant wäre es schon. So in alten Erinnerungen zu schwelgen kann schließlich schon Spaß machen, wenn man daran dachte, was für eine Scheiße man als Teenager doch gebaut hatte.
Also setzte ich mich einfach so auf den Fußboden und zog die Kiste zu mir heran. Mit der linken Hand entfernte ich erst einmal den Staub und die Spinnweben, die sich darauf nieder gelassen hatten. Dann atmete ich kurz einmal durch und hob den Deckel an.


Ich fand darin, was ich schon lange verdrängt hatte. Briefe, Fotos, Zeitungsausschnitte: alles von Lilly und einer gewissen Fledermaus, an die ich nicht denken wollte. Sofort brandete der Schmerz wieder auf, den ich so lange unterdrückt hatte. Selbst jetzt, fast achtzehn Jahre später, tat der Gedanke an meine erste und einzige Liebe unwahrscheinlich weh. Es zerbrach mir fast das Herz. Filou hatte recht gehabt. Ich war in dieser Zeit so glücklich gewesen, wie ich es nie wieder geworden war. Daran musste sich etwas ändern, aber das war gar nicht so leicht. Alle Männer, die ich bisher kennen gelernt hatten, waren mir einfach zuwider gewesen und ich hatte mich verschlossen, weil ich nie wieder so verletzt werden wollte wie damals. Deswegen hatte ich auch nie wieder eine Beziehung gehabt. Ich wollte einfach nicht und brauchte es auch nicht. Ich war zufrieden mit meinem Leben, so wie es jetzt war. Ich ging völlig in meinem Beruf auf und ich liebte einfach meine Schüler, die für mich fast wie meine eigenen Kinder waren. Meine Ersatzfamilie sozusagen.
Ich zog das erste Blatt aus der Schachtel heraus und erkannte eine Zeitungsannonce, denn ich aus dem Tagespropheten ausgeschnitten hatte.

Ihre Vermählung vom 26.03.1979 geben bekannt
Lilly Evans und James Potter, Auroren im Dienste des Ministeriums


Lilly und James hatten also geheiratet. Ich hatte mich damals schon irgendwie für die beiden gefreut, aber hatte mich gleichzeitig unwillkürlich gefragt, ob Lilly James denn erzählt hatte, dass sie ihn mit Fucking Bat betrogen hatte. Wahrscheinlich eher nicht. James hätte sie sofort in den Wind geschossen, nehme ich einmal an. Aber gut, das war ja nicht mein Problem, denn ich hatte meine Beziehung zu dieser elenden Fledermaus ja sofort beendet, nachdem ich die beiden erwischt hatte.
Ich fischte eine Karte hervor: eine Einladung zu der Hochzeit von Lilly und James. Erst jetzt fiel mir auf, dass neben der obligatorischen Einladungskarte auch noch ein Brief dabei lag. Hmmm, wo kam der denn her? Den hatte ich noch nie gelesen, glaube ich. Ich schlug das Pergament auseinander und erkannte Lillys schöne geschwungene Handschrift.

Liebe Mimi,

ich weiß, dass ich das, was ich Dir vor zwei Jahren angetan habe, nie wieder gut machen kann, aber dennoch möchte ich mich gerne bei Dir entschuldigen. Ich weiß selbst nicht, was da in mich gefahren ist und warum ich mit Severus geschlafen habe. Ich habe ihn nicht mehr geliebt und dennoch war ich irgendwie eifersüchtig, weil er Dir all das gab, was ich mir damals von ihm gewünscht hatte. Ich weiß, ich habe Dir damals meinen Segen gegeben und wollte, dass Du - und auch er (aber das nur so nebenbei bemerkt) – glücklich bist und dennoch konnte ich nicht von ihm ablassen. Das war falsch von mir, das weiß ich selbst und ich möchte mich dafür aufrichtig bei Dir entschuldigen. Ich weiß, dass ich das nie wieder gut machen kann, aber trotzdem muss ich es mir von der Seele schreiben, da es mich sonst innerlich zerreißt.

Du fehlst mir, Mimi, vor allem Deine Freundschaft. Nie habe ich so mit einer Frau reden können wie mit Dir. Ich weiß, dass ich mit dieser Sache unsere Freundschaft unwiderruflich zerstört habe und ich kann Dich verstehen, dass Du wahrscheinlich nie wieder ein Wort mit mir sprechen willst und wirst. Das kann ich nicht ändern, aber ich möchte nur, dass Du weißt, wie ich fühle.

Wenn wir schon bei den großen Geständnissen und so sind, so muss ich Dir hier in diesem Brief gestehen, dass ich es damals war, die Dein Ballkleid zerstört hat. Ich weiß nicht, warum ich das getan habe. Es hing da an Deinem Schrank und es war so wunderschön. Plötzlich war mir der pure Neid in den Kopf geschossen und ehe ich es mich versehen konnte, habe ich meinen Zauberstab gezogen und es ruiniert. Das ganze tut mir mindestens genauso leid wie die Sache mit Severus. Ich war einfach nicht ich selbst in dieser Zeit. Frag mich nicht, wieso, aber es war nun einmal so.

Ich kann es mir bis heute nicht verzeihen, dass ich Dir all das angetan habe und ich möchte, dass Du weißt, dass ich alles dafür tun würde, um die Zeit zurück zu drehen. Ich wünschte, ich könnte das alles ungeschehen und wieder gut machen, aber das kann ich nicht. Leider!

Mit diesem Brief schicke ich Dir eine Einladung zu meiner und James' Hochzeit. Sie wird am 26.03.1979 in Godric's Hollow stattfinden, wo wir uns zusammen ein Haus gekauft haben. Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn Du kommst, auch wenn ich glaube, dass Du das nicht tun wirst. Aber falls doch, dann würde es meinen größten Wunsch erfüllen, den ich habe – noch einmal mit Dir zu sprechen und das alles irgendwie wieder gerade zu biegen.

Remus, Sirius und Peter kommen auch und würden sich sicher freuen, Dich zu sehen – genauso wie ich.

In ewiger Freundschaft,
Deine Lilly

Der Brief rührte mich irgendwie total. Lilly hatte es wirklich leid getan. Irgendwie hatte ich mir schon gedacht, dass sie hinter der Sache mit meinem Kleid stecken musste, denn wer sonst hätte einen Grund dazu gehabt. Aber das war mir erst klar geworden, nachdem ich sie mit meinem Freund im Bett erwischt hatte. Doch ich war mir nie sicher gewesen, aber hier stand es schwarz auf weiß. Heute tat es mir leid, dass ich den Brief nicht früher gelesen hatte, doch ich glaube, damals, als sie ihn mir geschrieben hatte, hätte ich ihr nicht verzeihen können. Zu dieser Zeit wäre ich noch viel zu stur gewesen. Gut, das war ich heute auch noch, aber nicht mehr allzu schlimm. Ich hatte mich eindeutig gebessert. Aber jetzt konnte ich auch nicht mehr zu ihr gehen und mich mit ihr versöhnen, denn Lilly und James gab es nicht mehr. Sie waren tot, ermordet worden von Ihr-wisst-schon-wem höchstpersönlich. Das wusste ich von Remus und Sirius, die mir alles darüber berichtet hatten, was sie wussten.
Ich blätterte weiter in der Kiste und fand eine Geburtsanzeige.

Wir freuen uns über die Geburt unseres Sohnes

Harry James Potter
geboren am 31.07.1980 um 02.36 Uhr

Mögen sein Leben immer von Liebe und Glück erfüllt sein.

Lilly und James Potter


Tja, Lillys und James' Sohn... Er war der einzige, der den Todesfluch bisher überlebt hatte. Diese Nachricht war sogar zu uns nach Frankreich durch gedrungen, denn auch hier hatte Ihr-wisst-schon-wer Angst und Schrecken verbreitet. Gut, hier im Süden waren wir einigermaßen sicher vor ihm und seinen Anhängern gewesen, aber im Norden war es ziemlich gefährlich gewesen. Man hatte immer wieder von verschwundenen Zauberern, gefolterten Muggeln und ausgelöschten Familien gelesen. Es war eine sehr dunkle Zeit gewesen. Damals hatte ich gerade meine Ausbildung zur Lehrerin beendet und musste dabei zusehen, wie immer mehr Schüler die Schule verließen, weil ihre Eltern panische Angst um sie gehabt hatten. Viele waren, nachdem dieser schwarze Magier besiegt worden war, zurück gekommen, aber einige auch nicht. Ich hoffte nur, dass ich so etwas nie wieder durchmachen musste.
Ich sah mir weiter die Unterlagen an. Ich fand sogar die Todesanzeige von meinen alten Freunden, aber ich wagte es nicht, sie genauer anzuschauen. Mich interessierte viel mehr, was unten in der Kiste war. Dorthin waren nämlich alle Erinnerungsstücke an Fucking Bat verbannt worden. Eigentlich sollte ich sie mir ja gar nicht anschauen, aber ich konnte einfach nicht anders. Ich hatte es schon viel zu lange vor mir her geschoben. Ich fand viele verschlossene Briefumschläge, denn die Fledermaus hatte mir mehr als nur oft geschrieben, aber ich hatte mich geweigert, die Briefe zu lesen, aus Angst, an irgendetwas erinnert zu werden, an das ich nicht mehr denken wollte. Immer wenn ich die krakelige Schrift gesehen hatte, hatte ich das Kuvert genommen und weg geschlossen. Ich wollte diese Schreiben nicht weg werfen, aber lesen wollte ich sie damals auch nicht. Aber jetzt war doch ein guter Zeitpunkt, oder etwa nicht? Immerhin war so viel Zeit vergangen, da konnte es doch nicht mehr weh tun. Das mit IHM und mir war Vergangenheit, nicht mehr und nicht weniger, also auf in den Kampf, würde ich sagen.
Mimi, bist Du Dir denn da absolut sicher, wollte meine innere Stimme wissen. Tja, die gute gab es auch immer noch, auch wenn sie in den letzten Jahren wahrscheinlich noch miesepetriger geworden war. Aber heute hörte ich nicht auf sie. Heute wollte ich einmal das tun, was Mimi wollte und nicht, was die Vernunft mir sagte. Ich selbst hatte es mir verboten, die Briefe jemals zu lesen, also konnte ich diese Entscheidung auch wieder rückgängig machen. Punkt, Ende, Basta, Amen. Da brauchen meine innere Stimme und ich gar nicht weiter darüber zu diskutieren.
Ich ging nach einem bestimmten Schema vor. Wenn ich eines in den vielen Jahren, in denen ich jetzt Professorin war, perfektioniert hatte, dann war es mein Ordnungssystem. Immerhin mussten meine Unterlagen in der Schule auch immer ordentlich und sortiert sein, also wendete ich das gleiche Prinzip hier an.
Ich öffnete alle Briefe und sortierte sie zuerst nach Datum. Der älteste Brief von der Fledermaus lag ganz oben und war an dem Tag geschrieben worden, an dem ich diesen schrecklichen Ort namens Hogwarts verlassen hatte. Der jüngste war etwas zwei Jahre alt.
Wenn ich jetzt diese Briefe so anschaute, dann gab es mir schon einen Stich ins Herz. Es waren ungefähr fünfzig Stück. Wahnsinn, wie viel die Fledermaus mir doch geschrieben hatte. Das war mir gar nicht so wirklich aufgefallen, da ich sie ja immer gleich entsorgt hatte. Und dass er das über Jahre hinweg gemacht hatte, beeindruckte mich schon irgendwie. Hatte er denn so lange immer noch an mich gedacht? Aber wieso? Hatte ich mich denn damals nicht klar und deutlich ausgedrückt? Warum also hatte er nicht aufgegeben, obwohl er nie eine Antwort von mir erhalten hatte? Die Antwort lautete immer gleich: Ich weiß es nicht. Ich meine, siebzehneinhalb Jahre, das ist schon eine verdammt lange Zeit. Da müsste er sich doch schon längst anderen Dingen und Frauen zugewandt haben. Wieso also hatte er mir immer noch geschrieben? Na ja, finden wir es einfach mal heraus, indem wir die Briefe einfach einmal lesen. Hier der erste und älteste:

Liebe Mimi,

jetzt ist es gerade einmal 24 Stunden her seit Du gegangen bist und mich für immer verlassen hast und schon jetzt weiß ich nicht, was ich mit mir anfangen soll.

Du fehlst mir einfach so sehr, dass ich es in Worten nicht auszudrücken vermag. Ich weiß, ich habe Scheiße auf ganzer Linie gebaut, aber es ist so, wie ich es Dir gesagt habe oder besser ausgedrückt: wie ich es versucht habe Dir zu erklären. Ich weiß wirklich nicht, wie es dazu kommen konnte, dass ich mit Lilly geschlafen habe. Ich bin nach oben in unserem Raum gegangen um die Überraschung vorzubereiten, die ich für uns beide geplant hatte. Ich wollte mit Dir so einen richtig schönen Kuschelabend am Strand machen, wie in unserer ersten gemeinsamen Nacht. Ich weiß noch, wie ich den Raum betrat, doch dann ist alles weg. Das nächste, an das ich mich erinnere, ist, dass ich wie aus einem Traum aufgewacht bin, in dem ich Deine Stimme hörte, und plötzlich lag Lilly unter mir. Als ich mich dann umdrehte, sah ich, wie Du geschockt neben dem Bett standest, in dem wir beide lagen. Diesen Anblick werde ich niemals vergessen. Wie Du so geschockt und angewidert auf uns herunter gesehen hast. Und ich kann Dich verstehen. Mehr als das sogar. Ich hätte nicht anders reagiert, wenn ich Dich mit Black erwischt hätte.

Nur bitte, Mimi, Du musst mir glauben, ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte. Ich liebe Dich doch so sehr und ich wollte Dir niemals so etwas antun. Glaubst Du denn wirklich, dass ich zu so etwas fähig wäre? Kennst Du mich denn gar nicht? Bitte, Mimi, ich tue alles, was Du verlangst, nur bitte, gib uns noch eine Chance. Die Zeit, die ich mit Dir verbringen durfte war die schönste in meinem bisherigen Leben und ich möchte sie wieder zurück haben. Ich weiß, es ist nicht so leicht, das alles zu glauben und mir zu verzeihen, aber ich flehe Dich an, es wenigstens zu versuchen. Gib uns nicht so einfach auf. Du liebst mich doch genauso, wie ich Dich liebe. Deswegen verstehe ich nicht, warum Du einfach so davon gelaufen bist. Du bist doch normalerweise so stark.

Bitte, Mimi, antworte mir. Ich werde Tag und Nacht wachen, hoffen und beten, von Dir zu hören. Lass es mich Dir erklären.

Mit all der Liebe, die ich aufbringen kann, bleibe ich immer der Deine.
Severus


Das war ja wieder mal so typisch, dass er sich raus zu reden versuchte. Er wusste nicht, wie das passiert war? Genau, bestimmt! Tja, dafür wusste ich es umso besser. Sein Gehirn, falls er denn eins hatte, hatte seinen Dienst quittiert und nur noch auf seinen Schwanz gehört, als Lilly herein gekommen war. So einfach war die ganze Sache. Dann hatten sie geknutscht, sich die gegenseitig die Klamotten vom Leib gerissen und sie hatten es miteinander getrieben. So einfach war das. Da gab es nichts weiter zu erklären. Was sollte er denn auch sagen? Das war ein akuter Anfall von geschwollenen Eiern gewesen, wobei ich nicht wusste, wie er die überhaupt hatte bekommen können, so oft, wie wir miteinander geschlafen hatten.
Siehst Du, Mimi, ich habe Dir ja gleich gesagt, dass es für Dich besser ist, wenn Du diese Scheiße nicht liest. Jetzt haben wir den Salat, dass Du Dich nur unnötig aufregst. Dieser ganze Mist ist doch ohnehin Schnee von gestern und wie hatte Deine Mutter immer so schön gesagt: „Man muss seine Vergangenheit auch mal hinter sich lassen“. Wobei Dad auch oft gemeint hatte, dass man das Vergangene nie vergessen dürfte, da das die Dinge waren, die uns erst zu diesem Menschen, der wir heute sind, gemacht haben. Hmmm, ich wusste selbst nicht, was richtig und was falsch war, deswegen schnappte ich mir noch einen Brief und las ihn. Er war drei Tage nach dem ersten abgeschickt worden.

Meine liebe Kleine,

ich habe von Professor McGonagall gerade erfahren, was mit Deinen Eltern geschehen ist und wollte Dir nur sagen, wie unendlich leid mir das tut. Jetzt kann ich auch endlich verstehen, warum Du zurück nach Hause gegangen bist.
(Das hatte nicht nur damit zu tun, Du Vollpfosten!)

Ich wäre jetzt so gerne bei Dir und würde Dich trösten, denn ich habe das Gefühl, dass Du mich brauchst. Ich kenne Dich zu gut, sodass ich weiß, dass Du im Moment wahrscheinlich kaum Nähe zulässt und dabei ist es doch genau das, was Du gerade brauchst. Gut, ich weiß, dass Filou bei Dir ist und dass er Dir hilft, das alles zu überstehen, aber er kann Dir nicht das geben, was Du brauchst. Stimmt's oder habe ich Recht? (Woher wusste er das? Ich hatte damals tatsächlich so gefühlt.)

Ach Mimi, wenn ich jetzt nur bei Dir sein könnte. Ich würde Dir ALLES geben, was Du brauchst. Ich würde Dich in die Arme nehmen, Dich streicheln, küssen und Dich nie wieder los lassen. Doch ich weiß auch, dass Du das wahrscheinlich nicht zulassen würdest, nach der Scheiße, die ich gebaut habe. Ich wünschte mir, ich könnte die Zeit zurück drehen und das alles ungeschehen machen. Mehr als tausend Mal habe ich mir schon überlegt, wie ich es schaffen könnte, Dich zurück zu erobern.

Bitte, Mimi, überlege es Dir noch einmal. Komm zurück und lass uns über all das reden. Das ist mein größter Wunsch und ich hoffe wirklich sehr, dass er in Erfüllung geht. Ich weiß nicht, wie ich auch nur einen Tag ohne Dich überstehen soll. Ich möchte Dich einfach nur bei mir wissen und Dich trösten, damit Dein Leben – und somit auch meines – wieder besser wird.
(Ha, guter Witz!)

Ich liebe Dich, Mimi und werde es immer tun. Bitte vergib mir.
Dein Severus


Er schien mich echt gut gekannt zu haben. Er hatte genau gewusst, wie ich mich gefühlt hatte, nachdem ich meine Eltern verloren hatte. Ich hatte keinerlei Nähe zu gelassen, nur Filou hatte ich ertragen können und die Fledermaus wahrscheinlich auch, WENN er mich nicht betrogen hätte. Mir war trotzdem nie aufgefallen, wie gut er mich durchschaut hatte. Er schien mich in- und auswendig gekannt zu haben. Aber das war einmal. Ich hatte mich verändert in dieser langen Zeit. Ich war nicht mehr Mimi, die kleine sechzehnjährige Schülerin, die zwar Mumm in den Knochen hatte, dafür aber auch tollpatschig war wie Sau, sondern ich war jetzt Mademoiselle Marie Duchesse, Professorin für Verwandlung und Alte Runen sowie stellvertrete Schulleiterin der Beauxbatons-Akademie für Hexen und Zauberer. Und das will schon etwas heißen.
Ich las jeden Brief und merkte, wie sie sich mit der Zeit veränderten. Zu Beginn versuchte Fucking Bat noch, mich zu überzeugen, wieder mit ihm zusammen zu kommen, auch wenn ich jetzt wieder in Frankreich lebte. „Das ist mir so was von scheißegal“, hatte er mehr als einmal geschrieben, „ich will einfach nur, dass aus einem Du und ich wieder ein WIR wird.“ Es tat weh, diese Worte zu lesen, denn insgeheim hatte ich mich oft gefragt, was denn passiert wäre, wenn ich ihm vergeben hätte. Aber ich hatte es nicht gekonnt. Ich war zu verletzt gewesen und hätte mich eiskalt vor ihm geekelt.
Doch je mehr ich davon las, umso mehr wurden die Briefe wie ein Tagebucheintrag. Snape hatte mir alles geschrieben, was er so machte. Hier zum Beispiel:

Liebe Mimi,

heute ist etwas tolles passiert.

Nachdem ich zuerst meinen ganz normalen Unterricht mit Zaubertränke, Arithmantik, Kräuterkunde und Zauberkunst hinter mich gebracht habe, bin ich nach Abendessen in unseren Kerker und habe an unserem Experiment weiter gearbeitet wie so oft in letzter Zeit. Was soll ich denn auch anderes tun? Immerhin bist Du nicht mehr bei mir und mit meinen so genannten „Freunden“ habe ich auch nichts mehr zu tun, obwohl ich zugeben muss, dass sie es versucht haben, nachdem Du weg gegangen bist.

Auf jeden Fall habe ich mir heute als letzte Zutat die komische rote Flüssigkeit vorgenommen. Den Rest habe ich schon analysiert. Du hattest die ganze Zeit recht, es ist Blut. Werwolfblut um genau zu sein. Das hat mich wirklich überrascht. Weißt Du, was das bedeutet? Dass Werwölfe und Vampire den selben Vorfahren gehabt haben müssen. Das ist wirklich erstaunlich, das hätte ich nie gedacht.

Du fragst Dich jetzt sicher, wie ich das geschafft habe. Ich habe mir von Professor Slughorn ein magisches Mikroskop besorgen lassen und habe mir die Flüssigkeit näher angeschaut. Zuerst habe ich sie mit einem Tropfen meines Blutes verglichen, aber das sah ganz anders aus. Dann nahm ich den Tropfen von Lupins Blut, den Du ja besorgt hast. Und was soll ich sagen... Es war total gleich, alles passte.

Da ich jetzt alle Bestandteile des Giftes zusammen habe (es sind übrigens 746, nicht ganz so viele wie bei einem Basilisken, aber immerhin), kann ich anfangen, einen Versuch zu starten, das Vampirgift künstlich herzustellen. Das wird meine Aufgabe für die nächsten Wochen sein, da Du Dich ja immer noch nicht bei mir gemeldet hast. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, dass Du es irgendwann doch noch tust.

In Liebe,
Severus



Das konnte doch nicht wahr sein. Die Fledermaus hatte es geschafft?! Und das in so kurzer Zeit? Das war ja der Wahnsinn schlechthin. Ich meine, ich hatte allen Grund mehr als nur sauer auf dieses Vollblutarschloch zu sein, aber eines musste man ihm lassen. Er war ein verdammtes Genie auf dem Gebiet der Zaubertränke. Aus ihm ist mit Sicherheit eine Größe in diesem Fachbereich geworden, wahrscheinlich in der Forschung oder so. Denn so sehr ich auch suchte, ich fand nichts über seinen Werdegang in seinen Briefen. Ob er es einfach nur geheim halten wollte oder ob was anderes dahinter steckte, wusste ich nicht.
Ich las immer weiter und mittlerweile war es draußen dunkel geworden, aber es war mir egal. Ich war einfach gefangen in dieser Welt. Fucking Bat hatte auch noch sehr sehr süße Liebesbriefe geschrieben, auch wenn es mit der Zeit immer weniger geworden waren.

Liebe Mimi,

mein Leben begann erst so richtig, als ich Dich fand. Ich habe zwar vorher schon einmal die Liebe erfahren dürfen, aber so tiefe Gefühle wie für Dich hatte ich noch nie.

Ich bin ziemlich verwirrt und durcheinander, völlig ohne Orientierung, ohne Kurs. So verloren wie jetzt habe ich mich noch nie gefühlt. Du warst mein Stern am Himmel und ich wusste, dass ich immer wieder den Weg zu Dir finden würde, als Du noch mein Zuhause warst.

Und jetzt bist Du fort, seit so langer Zeit und ich weiß immer noch nicht, was ich ohne Dich machen soll. Glaube mir, ich habe es versucht, habe alles getan, um Dich zu vergessen und mein Leben weiter zu leben – so wie Du es anscheinend getan hast – aber es geht einfach nicht. Immer wieder muss ich an unsere gemeinsame Zeit zurück denken. In der Nacht träume ich davon und sehe immer wieder Dein Gesicht vor mir. Ich sehe Dein Gesicht, sehe wie Du mich anlächelst und höre immer wieder die Worte „Ich liebe Dich“ aus Deinem Mund. Dieses Lächeln... Immer wieder sehe ich es und es ist wie eine Umarmung, in der Du mich festhältst und mich wie ein Kind in Deinen Armen wiegst. Doch alles, was mir von diesem Gefühl bleibt, ist ein Gefühl der Trauer. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als noch einmal dieses Lächeln auf Deinem Gesicht zu sehen, aber ich weiß, dass ich das wahrscheinlich nie wieder tun werde.

Doch ich möchte auch die Gelegenheit nutzen und einmal sagen, dass mir so vieles Leid tut. Es tut mir leid, dass ich mich nicht besser um Dich gekümmert habe. Du hättest nicht einen Moment lang traurig oder sauer sein dürfen. Das hast Du nicht verdient.
Es tut mir so leid, dass ich Dir nie meine Gefühle richtig beschrieben habe.
Es tut mir so Leid, dass ich mich mit Dir gestritten habe, und es tut mir Lied, dass ich mich nicht öfter bei dir entschuldigt habe. Ich war wohl zu stolz.
Ich hätte dir auch viel häufiger Komplimente machen sollen. Über deine Art, Dich anzuziehen und wie Du dein Haar getragen hast.
Es tut mir Leid, dass ich dich nicht so festgehalten habe, dass nicht einmal Gott Dich hätte von mir fortreisen können.

Mit all der Liebe, die ich aufbringen kann,
Dein Severus


Und schließlich war ich beim letzten Brief angekommen. Er war etwas über zwei Jahre alt.

Liebe Mimi,

nach all den Jahren habe ich es endlich geschafft. Ich muss Dir einfach mitteilen, dass ich endlich das künstliche Vampirgift herstellen konnte und die ersten Tests durchwegs positiv verlaufen sind. Meine Testperson – ein Bekannter von mir, aber nicht Lupin – hat es getestet und es hat wirklich funktioniert. Wenn er am Abend, bevor er sich verwandelt, den Trank einnimmt, dann bleibt er er selbst. Er verwandelt sich zwar trotzdem noch in einen gigantischen Wolf, aber dessen Bewusstsein und der Zwang zu beißen sind unterdrückt. So hat er es mir zumindest berichtet.

Tja, und dann musste natürlich ein passender Name her. „Künstliches Vampirgift“ fand ich einfach doof, deswegen habe ich ihn kurzerhand „Wolfsbanntrank“ genannt, weil ich mich daran erinnert habe, dass Du immer davon gesprochen hast, den Wolf in dem Menschen zu bannen. Da fand ich das irgendwie passend. Ich hoffe, Du auch, im Gegensatz zu meinem Synonym.

All das habe ich nur Dir zu verdanken, Mimi. Ohne Dich wäre ich nie auf die Idee gekommen, so ein großes Experiment zu wagen. Doch ich habe es getan und auch geschafft, auch wenn es länger gedauert hat, als ich gedacht habe.

Doch jetzt muss ich mich unwillkürlich fragen, was ich jetzt mit meiner Zeit anfangen soll. Unter Tags geht es, weil ich beschäftigt bin, aber abends und nachts... Es wird sicher furchtbar werden, denn ich habe die Hoffnung aufgegeben, je wieder von Dir zu hören. Und trotzdem liebe ich Dich immer noch genau so wie in dem Moment, als ich Dich zum ersten Mal geküsst habe.

Dein Severus

Ich musste mehr als einmal schlucken, um die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Er hatte es also tatsächlich geschafft. Er hatte das Experiment beendet, das wir beide gemeinsam begonnen hatten. Ich sagte ja, er war ein Genie auf dem Gebiet der Zaubertränke und ist es immer noch. Ich selbst war daran gänzlich gescheitert. Ich hatte den letzten Tropfen des Vampirgifts, das mir Professor Slughorn besorgt hatte, versucht in seine Einzelteile zu spalten, aber der Anorexia-Zauber wollte mir einfach nicht gelingen, da ich mit meinen Gedanken ständig bei der Fledermaus gewesen war. Das war kurz nach unserer Trennung gewesen, da war das nur zu verständlich. Aber insgeheim hatte ich immer gehofft, dass Snape nicht aufgeben und die Sache erfolgreich beenden würde. Tja, jetzt hatte er es also vollbracht. Der Wahnsinn, das hatte ich niemals gedacht.
Doch ich war noch nicht fertig. In der alten Kiste war noch ein Umschlag und ich wusste genau, was darin war. Ich selbst hatte ihn befüllt, verschlossen und dort hinein gelegt. Mit zitternden Händen öffnete ich ihn.
Zuerst fielen drei Bilder heraus und ich wusste genau, wann ich sie geschossen hatte. Am Abend des 07.Januar 1977, als ich mich in den Raum der Wünsche zurück gezogen und mir eine Flasche Prosecco genehmigt hatte, nachdem sich die Fledermaus und Sirius beinahe an die Gurgel gegangen wären. Fucking Bat trug darauf einen pinken Mankini und versuchte sich mit Händen und Füßen gegen die Fotos zu wehren. Gott, wie lange war das her? Und wie witzig war das gewesen? Ich musste grinsen. Oh ja, das war echt mal ein Geniestreich von mir gewesen. Also ich weiß ja, dass Eigenlob stinkt, aber da hatte ich mich wirklich selbst übertroffen. Prosecco sei Dank, würde ich sagen.
Doch ich wusste, dass noch etwas dort drin war. Doch sollte ich es mir überhaupt antun? Sollte ich mir den Liebesbeweis, den Fucking Bat mir einst geschenkt hatte überhaupt anschauen? Na ja, warum denn auch nicht? Ist immerhin lange her, da kann es doch nicht mehr so weh tun. Ich war inzwischen noch stärker geworden und siebzehneinhalb Jahre sind ja eine lange Zeit, um den Schmerz zu vergessen.
Ich zog die weißgoldene Kette mit dem Herzanhänger hervor, die mir Snape damals zu Weihnachten geschenkt hatte. Die Worte „Für immer“ sprangen mir ins Auge und die drei magischen Steine funkelten. Sie sah noch genauso aus wie damals, als ich sie abgenommen hatte, an dem Tag, als ich mich von meiner Liebe verabschiedet hatte. Ich war versucht gewesen, das Schmuckstück mit in die Flasche zu stecken, die ich ins Meer geworfen hatte, aber ich hatte es nicht über mich gebracht. Dazu war sie zu schön und ich hatte mich so sehr darüber gefreut. Sie erinnerte mich an glücklichere Zeiten.
Ich ließ die Kette sanft durch meine Finger gleiten und konnte der Versuchung einfach nicht widerstehen und legte sie mir um den Hals. Es fühlte sich noch genauso gut an wie damals, als Snape sie mir angelegt hatte. Ich rappelte mich vom Boden hoch und sah in den Spiegel. Die magischen Steine, die meine richtige Stimmung und Gefühle widerspiegelten, waren nicht mehr rot, wie zuvor, sondern tiefschwarz. Trauer...


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