
von Dilli
Was für ein Scheißtag! Anders kann man es wirklich nicht ausdrücken. Er begann schon so, kaum dass ich Mimis Räumlichkeiten verlassen hatte. Zuerst einmal musste ich mich durch eine Horde wild gewordener Schüler drängen, die meinten, ein Schulflur sei eine Rennbahn oder ein Quidditchstadion. Das hatte mir natürlich die Gelegenheit gegeben, diesen Hirnis ordentlich Punkte abzuziehen, aber so wirklich befriedigen konnte mich das nicht. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich noch viel zu sanft zu ihnen gewesen war, denn die höchste Strafe, die ich aussprach war ein „Zehn Punkte Abzug für Ravenclaw, Bolster und nun lassen sie McKingsley endlich los. Sie erwürgen ihn ja noch.“
Als ich es dann endlich nach unten in die Große Halle geschafft hatte, musste ich leider feststellen, dass Mimi nicht mehr dort war. Zumindest hatte sie nicht auf ihrem Platz gesessen und ich hatte sie auch sonst nirgendwo erspähen können. Schade und dabei hatte ich mich so darauf gefreut, sanft ihr Knie zu streicheln und ein kleines Lächeln von ihr zu erhaschen. Na ja, machte ja nichts. Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Also hatte ich noch schnell eine Tasse schwarzen Kaffee getrunken und mich dann auf den Weg nach unten in die Kerker gemacht. In meinem Schlafzimmer hatte ich mir schnell meinen schwarzen Umhang angezogen, zwei Kippen hintereinander geraucht und war dann in meinen Unterrichtsraum gegangen. Der Wahnsinn konnte beginnen.
Zuerst hatte ich die vierte Klasse, mein absoluter Albtraum. Sie sollten heute eine ziemlich einfache Schluckauflösung brauen, aber gerade mal eine Schülerin – diese verdammte Granger – hatte es geschafft, meinen Anweisungen Folge zu leisten. Und als wäre das nicht schon der Gipfel, musste ich auch noch Potter ständig vor der Nase haben. Ich hasste diesen Kerl. Er war genauso wie sein Vater, arrogant, faul, zu nichts zu gebrauchen und ständig auf Ärger aus. Gerade heute schien er in Hochform zu sein, da er gestern die erste Aufgabe lebend überstanden hatte und auch noch zusammen mit Krum auf dem ersten Platz gelandet war. Bah, da kommt einem ja das Kotzen. Doch ich sage es gleich, ein Drache ist nichts im Vergleich zu mir und das ließ ich ihn auch spüren. Dass ich Mimi nicht beim Frühstück angetroffen hatte, hatte meine gute Laune von heute Morgen nämlich gleich in den Keller sausen lassen und genau das bekamen meine Schüler jetzt zu spüren. Aber das ist mir doch scheißegal. Ich ließ meinen Zorn einfach an ihnen heraus, so wie ich es in den letzten Jahren schon immer getan hatte.
Nachdem ich diesen Horror hinter mich gebracht hatte, kam gleich der nächste in Form der dritten Klasse. Die waren, wenn das überhaupt möglich war, noch schlechter als die vierte davor. Keiner schaffte es die Funken-Lösung, die heute auf dem Plan stand, auch nur ansatzweise richtig zu machen. Ich war wirklich von Idioten umgeben. Gab es denn in dieser verfickten Schule nicht einen, der das wenigstens ein bisschen drauf hatte? Gott, das war doch gar nicht so schwer, das Rezept richtig zu lesen und es Schritt für Schritt zu befolgen. Das hatte sogar Mimi geschafft und die war wirklich keine große Leuchte in Zaubertränke gewesen.
Doch irgendwann hatte auch das endlich ein Ende und ich war nach oben in die Große Halle gerannt, um endlich meine Liebste zu sehen. Ich war so gespannt darauf, wie sie auf mich reagierte. Würde sie mich anlächeln? Oder würde sie vielleicht bei den Gedanken, wie ich sie letzte Nacht befriedigt hatte, rot anlaufen und den Blick abwenden? Dies würde natürlich nur ein reiner Schutzinstinkt sein. So gut kannte ich Mimi dann doch, dass sie unsere Beziehung vor den Schülern geheim halten wollen würde. Das hielt ich natürlich auch für besser, aber ich konnte sie ja unter dem Tisch berühren, meine Hand auf ihr Knie legen und sie immer weiter nach oben wandern lassen.
Allein bei diesen Bildern in meinem Kopf war ich schon wieder einmal heiß auf Mimi geworden und ich hatte mich in meinen Umhang gehüllt, damit auch ja niemand meine Latte sah. Ich hörte die Schüler jetzt schon tratschen. „Schaut mal, der olle Snape hat einen Ständer“ oder „Ich hätte ihn ja für eine Frau gehalten“ oder vielleicht doch eher „Der und Sex, nie im Leben“. Tja, meine Lieben, da täuscht ihr euch gewaltig. Ein Severus Snape hat tatsächlich Sex und letzte Nacht war es der beste seit achtzehn verfickten Jahren gewesen. Und gerade mit meinem Schwanz konnte ich Dinge mit einer Frau anstellen, die absolut keiner für möglich halten würde. Aber das war ein Geheimnis, das ich nur mit Mimi teilen wollte.
Als ich die Große Halle betreten hatte, hatte ich feststellen müssen, dass ich einer der ersten war. Am Lehrertisch saßen gerade einmal Minerva und Filius, die anderen schienen noch im Unterricht zu sein. Aber das machte ja nichts. So konnte ich Mimi wenigstens beobachten, wie sie zur Tür herein kam, wie sie auf den Tisch zuging und wie ihre perfekten Brüste dabei auf und ab wippten, so wie gestern, als ich zwischen ihren Schenkeln gelegen und es ihr so richtig besorgt hatte.
Also hatte ich mich an den Tisch gesetzt und auf die Tür gestarrt, doch so lange ich auch wartete, Mimi kam einfach nicht. Die riesenhafte Olympe und auch alle französischen Schüler waren aufgetaucht, hatten Platz genommen und ihr Essen verschlungen, doch Mimi erschien nicht. Wo war sie nur und wieso kam sie nicht hierher um zu Essen? Lag es an mir? Das konnte ich mir fast nicht vorstellen, immerhin hatten wir eine wunderschöne Nacht miteinander verbracht. Na ja, vielleicht hatte sie einfach noch zu tun, musste Aufsätze korrigieren oder sich für die Nachmittagsstunden vorbereiten. Wer wusste das schon so genau.
Doch trotzdem war meine Laune noch ein paar Stockwerke tiefer gesunken und das ließ ich die erste und die sechste Klasse am Nachmittag so richtig spüren. Das waren aber auch Vollpfosten wie sie im Buche standen. Die Erstklässler konnten einfach noch nichts und würden wahrscheinlich niemals die Kunst des Brauens erlernen. Dafür hatten sie viel zu viel Schiss vor mir. Tja und die paar Sechstklässler, die es in meinen UTZ-Kurs geschafft hatten, stellten sie entweder dumm oder sie hatten bei den Prüfungen beschissen. Vielleicht hatten sie über die letzten Monate hinweg auch einfach nur das Lesen verlernt, denn sie brachten nicht einmal EINEN vernünftigen Trank zustande. Im Moment waren wir bei Gollpallots drittem Gesetz angelangt. Ich wusste selbst, dass es nicht gerade einfach war, ein eigenes Gift zu entwickeln, aber soooo schwierig, wie sie alle taten, war das auch wieder nicht. Man musste nur das entsprechende Gift in seine Einzelteile zerlegen und dann die entsprechenden Gegenstücke zu einem Trank zusammen zu brauen. Aber bisher hatte es nicht einer geschafft. Daher war es auch kein Wunder, dass ich brüllte und tobte wie ein verschnupftes Nashorn und kräftig Punkte abzog sowie Strafaufgaben verteilte. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, gab ich ihnen auch noch einen Berg an Hausaufgaben auf. Vielleicht lernten sie es dann endlich.
Ich war so froh, als Andrew Grey endlich die Tür hinter sich schloss und ich somit jetzt alleine in meinem Klassenzimmer war. Ich ging in mein Büro hinüber und ließ mich an meinen Schreibtisch fallen. Seufzend und stöhnend rieb ich mir über die Augen und kramte dann meine Kippen aus der oberen Schublade. Genüsslich zündete ich mir eine an. Was für ein Scheißtag, ehrlich. Ich hatte Mimi die ganze Zeit nicht gesehen und dann hatte ich auch noch diese Schwachmaten ertragen müssen. War ich froh, wenn ich endlich einen Blick auf meine Süße werfen konnte. Ich hatte das Gefühl, dann würde alles gleich viel besser werden.
Als ich zu Ende geraucht hatte, stand ich auf und beschloss, unter die Dusche zu gehen. Das hatte ich auch bitter nötig. Immerhin trug ich noch die Klamotten von gestern und heute Morgen hatte ich es auch nicht geschafft, mich frisch zu machen. Ich fühlte mich selbst gleich ganz unwohl. Außerdem wollte ich nicht als stinkiges Dreckschwein Mimi gegenüber treten, da würde ich sie ja sonst gleich abschrecken. Nee, nee, lieber nicht. Ich habe sie gerade erst wieder erobert, da wollte ich sie nicht schon wieder verlieren.
Also ging ich in mein Badezimmer und stellte mich unter das heiße Wasser. Tat das gut. Es spülte den ganzen Schmutz des heutigen Tages weg. Heute Morgen hatte ich eigentlich gedacht, dass er wunderschön werden würde, doch am Ende hatte er sich doch wieder nur als Horror entpuppt. Mehr als einmal schon hatte ich mich gefragt, ob ich nicht den falschen Beruf ergriffen hatte. Aber nachdem ich als Todesser aufgehört (Ja, ja, das ist mehr als nur freundlich ausgedrückt, ich weiß) und Albus mir diese Stelle als Zaubertrankprofessor angeboten hatte, da hatte ich mich daran erinnert, was Mimi damals mehr als einmal zu mir gesagt hatte, als ich ihr in unseren Nachhilfestunden Zaubertränke beigebracht hatte. „Du würdest einen hervorragenden Lehrer abgeben.“ Genau diese Worte hatte sie in den Mund genommen und ich wusste, dass sie recht hatte, wie so oft. Doch heute fragte ich mich oft, ob das die richtige Entscheidung gewesen war.
Ich seifte mich von oben bis unten ein, wusch mir auch noch die Haare und trat dann aus der Dusche. Ich stellte mich vor den Spiegel und betrachtete mein Gesicht. Da war noch immer etwas von dem Jungen von früher in mir. Dem Jungen, den Mimi einst geliebt hatte.
Großer Gott, Snape, Du stehst hier herum und guckst Dich an wie ein Verrückter, dabei solltest Du Dich längst anziehen und auf den Weg nach oben zum Abendessen machen. Sonst verpasst Du Mimi schon wieder.
Nein, die Gelegenheit würde ich ihr nicht geben. Nicht schon wieder. Ich wollte sie sehen, wollte ihre Nähe spüren und wollte sie dann fragen, ob sie nicht noch Lust hätte, mit mir den Abend zu verbringen. Und zwar nicht nur, um miteinander zu schlafen (Das konnte bis später warten), sondern auch, um über die gestrige Nacht und über unsere Zukunft zu sprechen. Wie würde es weitergehen zwischen uns? Gab es denn überhaupt eine Chance für uns oder war der Sex einfach nur eine einmalige Sache gewesen. Ich hoffte es nicht, aber wenn ich ehrlich zu mir selbst war, dann hatte ich Angst vor Mimis Antwort. Mit einem Satz konnte sie mich zum glücklichsten, aber auch zum traurigsten Menschen auf der ganzen Welt machen. Doch da musste ich durch, denn so unwissend, wie ich jetzt war, wollte ich auch nicht weiterleben.
Ich eilte zurück in mein Schlafzimmer, kramte eine schwarze Boxershort (Ich hatte keine in einer anderen Farbe) und Socken aus meiner Kommode und zog beides an. Dann stellte ich mich vor meinen Kleiderschrank. Auch hier sah es ähnlich aus. Schwarz, schwarz und nichts als schwarz. Gott, ich sollte mir dringend einmal ein paar farbige Sachen anschaffen, vor allem, da ich wusste, dass Mimi es nicht so düster mochte. Aber wenigstens ein weißes Hemd hatte ich. Jippieh oder besser gesagt, Weltwunder! Ich schlüpfte in eine schwarze Anzughose und das weiße Hemd, zog mir noch meine schwarzen Halbschuhe an und ging dann noch einmal ins Bad, um mir meine schulterlangen Haare zu stylen. Kurz überlegte ich, ob ich sie mir nicht abschneiden sollte, doch dann entschied ich mich dagegen. Mimi schien gestern nichts gegen die Länge gehabt zu haben, denn sie hatte immer wieder ihre Finger darin verkrallt und sanft daran gezogen. Das hatte mir irgendwie gefallen. Also gab ich nur ein kleines bisschen Gel hinein und strich sie hinter die Ohren. Ich musste ja nicht immer mit einem Rahmen um das Gesicht herum laufen.
So, jetzt war ich aber wirklich fertig. Wobei... noch nicht ganz. Ich ging zurück zu meinem Kleiderschrank (Ständig dieses Hin- und Herlaufen ging mir auf die Nerven) und holte eine Kiste daraus hervor. Daran waren sämtliche Erinnerungsstücke an Mimi, die ich nicht einfach so aufstellen konnte und wollte. Ihre Briefe zum Beispiel und die Scherben der magischen Spiegel, die sie mir zum Geburtstag hatte schenken wollen. Ich hatte sie aufgelesen, nachdem ich wieder zurück in den Raum der Wünsche gegangen war, als ich aus dem Schockzauber, den sie mir damals aufgehalst hatte, erwacht war. Nackt, versteht sich.
In der Schachtel fand ich auch noch eine Flasche After Shave. Es war Mimis Lieblingsduft gewesen und ich hatte ihn nie wieder aufgelegt, nachdem sie Schluss gemacht hatte. Doch jetzt war der richtige Moment dafür. Ich öffnete den Deckel und roch daran. Der Duft hatte sich nicht verändert, er war genauso wie früher, herb und intensiv. Ich schmierte mir ein wenig davon auf meine frisch rasierten Wangen und den Hals und machte mich dann auf den Weg in die Große Halle, um endlich meiner großen Liebe gegenüber zu treten.
Was für eine verdammt verfluchte Scheiße war denn das bitteschön? Alle waren sie hier – ALLE – nur die Person, nach der ich mich sehnte, saß nicht auf ihrem Platz neben mir. Wo sie im Übrigen hin gehörte. Wo zum Teufel war Mimi? Warum war sie nicht beim Abendessen? Die Wut kochte in mir hoch. Sie war schon nicht beim Frühstück und auch nicht beim Mittagessen gewesen. Wollte sie sich zu Tode hungern oder wie? Sogar in der Zeit, in der sie mich ignoriert hatte, war sie immer erschienen. Doch heute nicht. Heute kam sie nicht in letzter Minute durch die Tür gestürmt und setzte sich leicht außer Atem neben mich. Heute tauchte sie gar nicht auf.
Warum, wieso, weshalb? Woran konnte es liegen, dass sie sogar diesen herrlichen Rinderbraten sausen ließ? Ich hatte zwar keine Gewissheit, aber ich wusste, dass es an mir liegen musste. Wir hatten miteinander geschlafen und das war ihr nun so unangenehm, dass sie jetzt nicht mehr in meiner Nähe sein konnte. Gott, was hatte ich nur getan? Ich hatte gedacht, mit der letzten Nacht hätte ich alles wieder ins rechte Licht gerückt, aber anscheinend hatte ich alles nur noch schlimmer gemacht. Verdammter Mist aber auch. Was sollte ich nur tun? Ich wollte sie nicht schon wieder verlieren.
Okay, ganz ruhig bleiben, Snape. Du weißt es ja noch nicht mit Sicherheit. Vielleicht ist Mimi ja nur aufgehalten worden oder sie hat einfach keinen Hunger. Oder sie war nach der heutigen Nacht so müde, dass sie eingeschlafen ist. Morgen ist ja auch noch ein Tag, um mit ihr zu reden.
Doch ich wollte nicht bis morgen warten. Dazu war ich viel zu ungeduldig. Ich wollte sie jetzt sehen und mit ihr sprechen. Auf der Stelle.
Ich schob mein Essen auf dem Teller von rechts nach links und von links nach rechts. Auch die Siruptorte, die es zum Nachtisch gab, interessierte mich nicht. Mir war der Appetit eindeutig vergangen. Wie sagte Albus immer? Liebe geht durch den Magen. Tja, anscheinend, sonst würde ich jetzt wenigstens ein Stückchen von meiner Lieblingsnachspeise essen.
Daher war ich heilfroh, als Albus endlich das Mahl für beendet erklärte und die Schüler in ihre Häuser beziehungsweise in die Kutsche oder das Schiff schickte. Ich wollte mich auch schon erheben und die Große Halle verlassen – wobei ich keine Ahnung hatte, wo ich hingehen sollte – als hinter mir ein Ruf ertönte.
„Severus, kann ich Dich kurz sprechen?“
Ich seufzte innerlich auf und drehte mich aber doch zu Albus um. Was wollte er denn jetzt schon wieder? Manschmal war er ziemlich nervig, das musste ich jetzt schon einmal sagen. Bei der kleinsten Kleinigkeit redete er mir ins Gewissen. Es war einfach zum Kotzen, vor allem, weil man sich dann immer wie ein kleiner Junge vorkam, der gegen eine der Schulregeln verstoßen hatte.
„Ja, Albus“, meinte ich und versuchte dabei so freundlich wie möglich zu klingen, aber ich merkte selbst, dass es mir nicht sonderlich gut gelang. Ich klang ziemlich genervt. „Was kann ich für Dich tun?“
Wahrscheinlich war es nur wieder irgendein Mist. Vielleicht hatte er auch heraus gefunden, dass ich heute Nachmittag in meinem Unterricht ziemlich ausgerastet war und wollte mich nun dafür maßregeln. Aber das war mir so was von scheißegal. Ich hatte dringlichere Probleme und die drehten sich alle um Mimi.
„Bitte setz Dich doch“, sagte Albus höflich und ignorierte meinen unfreundlichen Tonfall.
Stattdessen deutete er auf den Stuhl zu seiner rechten, auf dem eben noch Minerva gesessen hatte. Es passte mir nicht wirklich, dass er mich jetzt sprechen wollte, aber ich ließ mich trotzdem fallen. Widersprechen würde ohnehin nichts bringen, genauso wenig wie davon zu laufen, denn dann würde mich Albus später in meinem Zimmer aufsuchen. Oh ja, in diesem Fall konnte man wirklich von einer Heimsuchung sprechen. Wenn Albus sich nämlich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann konnte er ein wirklicher Plagegeist sein.
„Also, was habe ich jetzt schon wieder verbrochen“, fragte ich ziemlich muffig. Ich hatte nun einmal wirklich keine Lust auf dieses Gespräch.
„Nichts, Severus“, antwortete Albus zu meiner Überraschung. „Ich meine, sicherlich könntest Du ein wenig freundlicher mit Deinen Schülern umgehen, aber das weißt Du ja selbst. Das habe ich Dir schon oft genug gesagt und ich hoffe immer noch, dass es sich irgendwann einprägt. Na ja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Nein, mein Junge, ich habe, um ehrlich zu sein, ein Problem.“
„Und was ist das für ein Problem?“
Sicherlich ging es nur wieder um Potter oder um irgendeine Sicherheitsmaßnahme, die getroffen werden musste. Das kannte ich ja schon. Das hatte ich mir in den letzten Wochen ja schon oft genug anhören dürfen. Ich bereitete mich innerlich schon darauf vor, nicht laut auf zu stöhnen, als Albus mit der Antwort heraus rückte.
„Es geht um Miss Duchesse.“
„Was ist mit ihr?“
Unbeabsichtigt hatte ich aufgeschrien, doch als Albus Mimis Namen ausgesprochen hatte, war mir das Herz in die Hose gerutscht. Ich hatte sofort ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Ich wusste doch, dass ihr etwas zugestoßen war.
„Albus, bitte, sag es mir“, flehte ich meinen Freund an und versuchte, meine Gefühle im Zaum zu halten. „Was ist mit Mimi? Ist sie krank? Oder ist sie verletzt? Ist ihr etwas zugestoßen? Bitte, Albus, sprich mit mir.“
Ich war kurz davor, aufzuspringen und nach oben in den Krankenflügel zu rennen. Jetzt ergab endlich alles einen Sinn, warum sie heute nicht beim Essen aufgetaucht war. Doch was war mit ihr passiert? Heute Nacht schien doch noch alles in Ordnung gewesen zu sein. War sie in irgendeiner Art und Weise angegriffen worden? Und warum rückte Albus nicht endlich raus mit der Sprache? Es schien Jahre zu dauern, bis er endlich sprach.
„Oh, keine Angst, Severus“, sagte er und hob beschwichtigend die Hände. „Miss Duchesse erfreut sich bester Gesundheit.“
Gott sei Dank.
„Was ist dann mit ihr?“
Ich würde keine Ruhe geben, ehe ich nicht wusste, was mit ihr los war. Albus hatte mich nicht ohne Grund zu sich gerufen um mir davon zu erzählen.
„Na ja“, druckste mein Freund nun herum. „Anscheinend hat sie von meinem und Olympes Plan mitbekommen und das hat ihr gar nicht gefallen. Was ich aber nur zu gut nachvollziehen kann.“
„Hä, welcher Plan denn“, wollte ich verwirrt wissen. Ich verstand nur Bahnhof. Wovon sprach da nur?
Mein Freund seufzte tief.
„Nach der Auslosung der Champions“, setzte er endlich an, „da habe ich mich noch mit Olympe Maxime über Dich und Miss Duchesse unterhalten. Ich habe ihr von der Beziehung zwischen euch beiden erzählt und erwähnte auch, wie traurig Du doch seist, dass Deine Liebe nicht mit hierher gekommen sei. Du hast mich doch selbst darum gebeten, dass ich versuchen soll, Miss Duchesse nach Hogwarts zu bekommen, also habe ich mich mit Deiner Bitte an Olympe gewandt. Tja und sie hat dafür gesorgt, dass Miss Duchesse nun hier unter uns weilt. Aber leider scheint sie genau das heute bei einem Gespräch mit ihrer Vorgesetzten mitbekommen zu haben und sie war richtig wütend deswegen. Sie fühlte sich anscheinend von Maxime verraten und hintergangen, vielleicht auch unnütz. Ich weiß es nicht.“
Ich sah Mimi bildlich vor mir. Wie sie zur Furie wurde und, wie sie immer so schön sagte, die Französin in ihr raus ließ. Und ich konnte sie verstehen. In mir fing es auch an zu brodeln.
„Wieso habt ihr das getan, Albus“, wollte ich deshalb wissen. „Wolltet ihr uns wieder zusammen bringen oder wie?“
„Nein, das war gar nicht mal der Plan“, erwiderte er. „Wir wollten nur, dass ihr beiden wieder glücklich werdet. Ob zusammen oder nicht, das spielte dabei keine Rolle. Wie Olympe mir erzählt hat, hat auch Miss Duchesse in den letzten Jahren mehr als nur gelitten. Sie hat sich mehr oder weniger in eine Art Roboter verwandelt, der nur noch funktioniert, aber nicht lebt. Sie hatte sich für ein Leben ohne Liebe und ohne Zuneigung entschieden. Da die beiden Frauen miteinander befreundet sind, tat es Olympe natürlich sehr weh, Miss Duchesse so zu sehen. Und was meine Hintergründe angeht... Ich habe doch selbst gesehen, wie sehr Du gelitten hast, gerade als Miss Duchesse nicht bei der französischen Delegation dabei war. Und ich hatte mein Versprechen Dir gegenüber nicht vergessen, dass ich es versuchen würde, sie hierher zu bekommen.“
„Ich danke Dir, aber so war das von meiner Seite aus sicher nicht geplant und nicht gewollt. Wie hat Mimi es überhaupt heraus gefunden?“
Das interessierte mich natürlich brennend.
„Sie hat es anscheinend selbst heraus gekriegt und Olympe dann dazu gezwungen, ihr die ganze Wahrheit zu sagen.“
Auch das konnte ich mir sehr gut vorstellen. Wenn sich Mimi was in den Kopf setzte, dann zog sie es eisern durch. Und sie bekam immer die Informationen, die sie wollte.
„Und was ist nun mit Mimi“, fragte ich fordernd. „Wo ist sie jetzt?“
„Das weiß ich leider nicht, Severus. Mir macht nur Sorgen, was sie jetzt zu tun gedenkt. Olympe hat mir davon erzählt.“
„Und das wäre?“
„Sie will zurück nach Frankreich.“
„NEIN!“
Ich sprang von meinem Stuhl auf. Das konnte und wollte ich nicht zulassen. Sie konnte doch nicht schon wieder abhauen und mich im Stich lassen. Nicht nach dieser Nacht. Nein, nein und nochmals nein. Ich würde sie nicht gehen lassen, nicht noch einmal.
Bevor Albus noch irgendetwas sagen konnte, machte ich auf der Stelle kehrt und rannte aus der Großen Halle hinaus.
„Severus“, rief mir mein Freund noch hinterher, doch ich ignorierte ihn.
Jetzt hatte ich dringlicheres zu erledigen. Ich musste Mimi aufhalten und zwar schnell, bevor ich sie schon wieder verlor. Das würde mein Herz nicht noch einmal überleben, das erst seit gestern Abend wieder heil war. Davor war es ein Scherbenhaufen gewesen, doch Mimi, die Liebe meines Lebens hatte es wieder zusammen gesetzt.
So schnell wie ich konnte rannte ich durch die Gänge nach oben zum Astronomieturm, wo sich Mimis Gemächer befanden. Gott sei Dank hatte Albus die Schüler schon in ihre Häuser geschickt und alle schienen sich auch daran gehalten zu haben, sodass mein Weg nun frei war. Einzig und allein Peeves, dieser vermaledeite Poltergeist, meinte, sich mir in den Weg stellen zu müssen. Er sang irgendein verrücktes Lied von wegen „Sevi, die Fledermaus, packt gleich seinen Schniedel aus“, doch ich ignorierte es kurzerhand. Ich hatte jetzt keine Zeit, mich über so eine Kleinigkeit aufzuregen. Jetzt musste ich auf dem schnellsten Wege zu Mimi um sie davon abzubringen, wieder einmal davon zu laufen. Deswegen zog ich nur schnell meinen Zauberstab und schickte Peeves mit einem Schlenker zum Teufel. Dann konnte ich endlich weiter stürmen.
Schlitternd kam ich vor Mimis Tür zum Stehen. Ich hob meine Hand und pochte mit meiner Faust kräftig gegen das Holz.
„Mimi, mach auf“, rief ich laut und schlug so fest zu, dass mir die Fingerknöchel weh taten.
Doch es erfolgte keine Reaktion. Keine Stimme von drinnen, die mir sagte, dass ich verschwinden soll und es öffnete auch niemand. Ich bekam Panik. War ich vielleicht zu spät bekommen? War Mimi etwa schon weg? Nein, nein, nein, das durfte nicht sein.
„MIMI“, versuchte ich es noch einmal und klang dabei mehr als nur verzweifelt.
Wieder nichts. Ich sah nur noch eine Möglichkeit. Ich musste unerlaubt in ihre Gemächer eindringen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen deswegen, aber mir blieb nichts anderes übrig. Nur so konnte ich herausfinden, ob meine Liebe tatsächlich schon gegangen war oder ob ich vielleicht doch noch eine Chance hatte, sie bei mir zu halten.
Ich legte meine Hand auf die Türklinke und versuchte, sie herunter zu drücken, aber sie gab nicht nach. Das bedeutete, dass die Schutzzauber, mit denen ich die Tür heute morgen belegt hatte, als ich den Raum verlassen hatte, immer noch intakt waren. Ich wusste nicht, ob ich das jetzt als gutes oder als schlechtes Zeichen auffassen sollte, aber die Antwort auf diese Frage konnte ich nur herausfinden, wenn ich jetzt nicht den Schwanz einzog und einfach so in Mimis Privatsphäre eindrang.
Ich schwang meinen Zauberstab, stieß die Tür auf und stürmte in das Büro. Alles sah noch genauso aus wie heute Morgen, sogar der Brief, den ich für Mimi hinterlassen hatte, lag noch auf seinem Platz auf dem Schreibtisch. Also hatte sie ihn noch nicht gelesen.
Ein kurzer Blick ins Schlafzimmer zeigte mir, dass auch hier alles beim Alten war. Das Bett, auf dem wir uns in der letzten Nacht so leidenschaftlich geliebt hatten, war noch ungemacht. Ich wusste, dass Mimi mich dafür umbringen würde, aber ich konnte nicht anders, als ihre Schränke zu öffnen, um zu schauen, ob ihre Kleidung noch da war. Sie war es und das beruhigte mich ein wenig. Ohne ihre Klamotten würde Mimi niemals abhauen, dazu waren sie ihr viel zu heilig. Also musste sie noch irgendwo hier sein, wahrscheinlich draußen auf dem Gelände, und mit Sicherheit wartete sie dort, bis sie sich unbemerkt zurück ins Schloss schleichen konnte, damit auch ja niemand ihre Flucht bemerkte.
Aber nicht mit mir. Nicht, solange ich noch all meine Sinne beieinander hatte. Ich würde Mimi aufhalten, ob sie wollte oder nicht, aber ich würde sie niemals gehen lassen, vor allem, weil wir noch nicht einmal über die vergangene Nacht gesprochen hatten.
Okay, blieb nur die Frage, wo Mimi sich jetzt aufhielt und wo ich sie am besten abpassen konnte. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass sie nach ihrem Unterricht wieder einmal zum Laufen gegangen war, um den Kopf frei zu bekommen. Das würde ihr ähnlich sehen. Gut, also gesetzt den Fall, dass sie wirklich draußen war, dann war der beste Ort, um auf sie zu warten, die Eingangshalle.
Und bevor ich den Gedanken überhaupt richtig zu Ende gedacht hatte, rannte ich auch schon wieder los. Gott, hörte das denn hier nie auf? Seit Mimi wieder da war, war ich schon gefühlte 3000 Kilometer gerannt und das nur wegen ihr. Doch ich tat es gern, für sie, meine große Liebe.
Keine zehn Minuten später kam ich unten an und bezog meinen Posten in dem kleinen Seitenalkoven unter der Treppe, in dem ich Mimi schon so oft geküsst hatte. Und dort wartete ich.
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Atmung, Kontrolle. Lass Deine Wut in Deine Schritte fließen.
Doch so sehr ich mir diesen Mist auch einzureden versuchte, während meine Schritte auf dem Waldboden trommelten, es wollte mir einfach nicht gelingen. In mir tobte ein Sturm, den ich nicht einmal mit meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Laufen, beruhigen konnte und dabei lief ich den Waldweg nun schon zum vierten Mal entlang (Einmal hin und wieder zurück und dann noch einmal hin und zurück).
Ich war immer noch so sauer auf Olympe, fühlte mich von ihr enttäuscht und verraten. Eine Freundin log man doch nicht an und doch hatte sie es getan. Sie hatte gesagt, dass sie mich hier dringend brauchte, dass ich mich um die Schüler kümmern sollte, dabei war das ganze nur ein abgekartetes Spiel von ihr und Dumbledore gewesen. Dumledore... Sogar er, der immer so verständnisvoll, nett und freundlich wirkte, hatte mir buchstäblich das Messer des Verrats in den Rücken gerammt. Das hätte ich nie von ihm erwartet. Ich hatte ihn einfach anders kennen gelernt.
Wieder loderte der Zorn in mir auf wie ein Inferno und ich beschleunigte automatisch meine Schritte. Ich wusste selbst, dass ich gerade den größten Fehler machte, den man beim Joggen machen konnte. Ich powerte mich vollständig aus und überanstrengte meine Muskeln, doch es war mir egal. Ich musste meine Wut irgendwie beruhigen und ich hatte das Gefühl, dass es nur so ging. Aber die Wirkung ließ irgendwie noch auf sich warten.
Der Tag heute hatte einfach nicht vergehen wollen. Am Vormittag gab ich den Siebtklässlern die UTZ-Prüfung und unterrichtete Gabriele in Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Am Nachmittag nahm ich die praktische Prüfung bei jedem Schüler einzeln ab. Doch heute war mit mir nicht gut Kirschen essen. Ich benotete meine Schüler ziemlich streng und ließ auch das eine oder andere böse Wort fallen. Ich wusste, dass sie nichts für die Scheiße konnten, die Olympe gebaut hatte, aber trotzdem ließ ich an ihnen meine schlechte Laune raus. Dass das nicht fair war, wusste ich selber, aber ich konnte einfach nicht anders. Als ich allen meinen Schützlingen ihre Note mit geteilt hatte, hatte ich sie zum Abendessen entlassen und war dann nach oben ins Badezimmer gelaufen und hatte mir meinen Trainingsanzug von heute Morgen wieder angezogen. Dann hatte ich noch schnell meinen Rock und die Bluse in meine Aktentasche gestopft und diese dann mit einem Zauber verkleinert. Sie befand sich jetzt in der Jackentasche meiner Sportjacke.
Ich kam wieder bei der Beauxbatons-Kutsche an und sah zufrieden, dass darin Licht brannte. Also war das Abendessen anscheinend beendet. Ich warf einen Blick auf meine Uhr. Halb zehn. War ich wirklich drei Stunden gelaufen? Nicht schlecht, würde ich einmal sagen. Ich glaube, jetzt konnte ich mich langsam aber sicher zurück ins Schloss wagen, meine Sachen packen und dann verschwinden. Bevor ich allerdings nach Frankreich disapparierte, musste ich auf jeden Fall noch bei Sirius vorbei schauen und ihm die ganze Sache erklären. Er würde sich sonst tierische Sorgen machen, wenn ich einfach so verschwand.
Ich freute mich jetzt schon darauf, endlich wieder durchatmen zu können, denn dieser Ort hier war wie ein Seil, das sich fest um meinen Brustkorb schnürte und mir die Luft zum Atmen nahm. Und mein geliebtes Meer und der Strand würden mir sicher dabei helfen, alles, was passiert war, zu vergessen. Ich hatte es schon einmal geschafft, also würde ich das jetzt mit Leichtigkeit hinbekommen. Und außerdem gab es da ja auch noch... COLE! Oh Gott, wie sollte ich ihm nur unter die Augen treten? Ich hatte doch genau gewusst, dass er sich unsterblich in mich verliebt hatte und ich hatte nichts besseres zu tun gehabt, als mit einem anderen ins Bett zu steigen. Mit meinem Ex. Heilige Scheiße, ich war keinen Deut besser als die Fledermaus und Lilly. Wie konnte ich nur jemals mein Gesicht wieder im Spiegel betrachten? Mich konnte man einfach nur noch hassen. Wobei... Immerhin war ich ja nicht mit Cole zusammen und ich hatte ihm auch keine Versprechungen gemacht. Ich war ein freier Mensch und wenn ich mit einer Fledermaus ins Bett steigen wollte, dann konnte ich das auch tun. Aber das wollte ich ja gar nicht. Das gestern war eine absolute Ausnahme gewesen. Ein Ausrutscher quasi, den man auch leicht wieder vergessen konnte, sogar musste. Also, alles in allem konnte ich sagen, dass ich Cole nicht betrogen hatte. Doch ich musste mich trotzdem fragen, was er wohl sagen würde, wenn ich jetzt schon zurück kam. Immerhin rechnete er ja erst in ein paar Monaten mit mir. Ich konnte ihm ja auch schlecht unter die Nase reiben, warum ich wirklich abgehauen war. Dass Olympe und Dumbledore mich hintergangen hatten, um mich wieder mit meinem Exfreund zu verkuppeln. Und was hatte klein Mimi gemacht? Sprang fröhlich und vergnügt in das Schwimmbecken mit Trollscheiße und vögelte mit diesem elenden Arschloch. Oje, Cole wird mich umbringen.
Genau diese Gedanken beschäftigten mich, als ich über die Ländereien auf das Schloss zu ging. Noch immer konnte ich dessen Namen nicht aussprechen. Er blieb mir jedes Mal quasi im Halse stecken und ich bekam das große Kotzen. Aber das hing alles mit meinen schlechten Erfahrungen hier und natürlich mit Fucking Bat zusammen. Aber an ihn durfte ich jetzt gar nicht denken. Er steckte wahrscheinlich sowieso mit den anderen beiden unter einer Decke und hatte dabei auch noch gewonnen. Inwiefern? Na, ist doch ganz einfach. Er hatte seinen Schwanz in mich stecken dürfen. Bah, wirklich. (Ja, ja, ist ja gut, ich weiß selbst, dass ich mich gerade selbst belüge. Kein Grund, gleich auszurasten.) Also, nichts wie weg hier, egal, was mich in Frankreich erwartet.
Ich erreichte die Treppe, die zum Eingangsportal nach oben führte und rannte sie nach oben. Aber nicht, weil ich unbedingt wieder in dieses blöde Schloss wollte – hier warteten ohnehin nur Kummer und Leid auf mich – sondern, weil ich es gar nicht abwarten konnte, meine Sachen zu packen und wieder zu verschwinden.
Und genau das war der Grund, warum ich nicht aufpasste, als ich die Eingangshalle schließlich durchquerte. Ich wusste auch nicht so genau, welches Pferd mich da geritten hatte, denn normalerweise war ich so übervorsichtig, aber jetzt hatte ich nur meine Flucht im Kopf. Deswegen kam es auch total überraschend, als ich auf einmal am Ellenbogen gepackt und von der ersten Stufe der Marmortreppe weg gerissen wurde, die ich eben hatte betreten wollen. Ich stieß einen lauten, spitzen Schrei aus, als ich in einen Seitenalkoven gezogen wurde, doch keine Sekunde später hatte ich eine Hand auf dem Mund. Mmm, dieser Geruch kam mir sehr bekannt vor. Ich hatte ihn schon früher geliebt. Mimi, komm wieder runter, Herrgott nochmal. Dieser Kerl ist ein fieser, elender Verräter und Betrüger, genauso wie die anderen.
Ich blickte wütend zu ihm auf. Da stand er und starrte mich an. Fucking Bat, Snape, Sev... chrm, chrm. Ich konnte seinen Blick nicht richtig deuten. Verschiedene Emotionen spiegelten sich darin. Wut und Sorge, aber auch Erleichterung und... Liebe.
„Da bist Du ja endlich“, seufzte er und blickte mir immer noch tief in die Augen. „Ich habe mir ja schon solche Sorgen um Dich gemacht. Wo warst Du, Mimi? Du hast mir heute den ganzen Tag schrecklich gefehlt!“
Du mieser, hirnverbrannter Hohlkopf. Ich habe Dir also gefehlt? Ui, das ist ja ganz toll. Du mir aber nicht. Ich habe heute genug durch gemacht. Ich habe meine Freundin als Lügnerin entlarvt und das schlechte Gewissen, das ich mit Dir letzte Nacht in der Kiste gelandet bin, durfte ich auch nicht vergessen. Ich war immer noch so zornig, dass ich einfach nichts anderes tun konnte, als mir seine Hand vom Mund zu reißen und ihn lauthals anzuschreien.
„Das geht Dich einen verfluchten Scheißdreck an, Du widerwärtiger Mistkerl“, brüllte ich ihn an. „Das ist mein Leben und nichts und niemand hat sich darin einzumischen. Und jetzt lass mich endlich los, Du bescheuerter...“
„Sei still“, unterbrach er mich und brachte mich damit erst recht auf die Palme. „Mimi, bitte, wir müssen...“
„Wir müssen gar nichts“, schrie ich auf und versuchte, ihm meinen Arm zu entziehen, doch er hielt mich so fest, dass es kein Entrinnen zu geben schien. „Mit so einem Vollidioten wie Dir möchte ich gar nichts mehr zu tun haben. Hast Du mir denn nicht schon genug angetan? Du hast mein Leben zerstört. Und als wäre das noch nicht genug, heckst Du mit den beiden anderen Verrätern auch noch einen Plan aus, um mich hierher zu locken, damit ich wieder auf Dich herein falle. Wirklich eine ganz tolle Leistung, Snape! Das hast Du Dir wirklich ganz prima ausgedacht. Da ist doch glatt ein Sonderapplaus fällig.“
Hätte ich beide Hände frei gehabt, dann hätte ich wirklich geklatscht, aber so schlug ich mir einfach nur die linke Hand gegen meinen Oberschenkel.
„Mimi, ich hatte nichts damit zu tun, das musst Du mir glauben“, meinte Snape und schüttelte mich ganz leicht. „Ich habe selbst erst beim Abendessen davon erfahren, als Albus mich zur Seite genommen hat und...“
„Und das soll ich Dir glauben? Pah, das ich nicht lache. Siehst Du, da ist sie wieder, Deine ach so tollte Art, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich hasse das. Kannst Du nicht einmal selbst die Verantwortung für die Scheiße übernehmen, die Du baust?“
„Aber ich habe wirklich nichts getan, außer mich bei Albus auszuheulen, weil ich Dich so sehr vermisste. Ist das denn verboten, Mimi? Ich kann nichts dafür, dass er die Sache dann selbst in die Hand genommen hat.“
Das brachte mich kurz aus dem Takt. War das eine Lüge oder sprach Snape gerade die Wahrheit? Was war, wenn er wirklich nichts davon gewusst hatte? Daran hatte ich gar nicht gedacht. Aber änderte das irgendetwas an der Situation? Nein, eigentlich nicht. Ich fühlte mich immer noch verraten, wenn auch nicht von der Fledermaus.
„Das ist ja alles schön und gut“, änderte ich schnell meine Strategie. „Aber das ändert gar nichts daran, dass Du mich immer noch gegen meinen Willen festhältst. Deswegen sage ich es jetzt ein letztes Mal: Lass mich endlich los, bevor ich Dir einen Fluch auf den Hals hetze.“
Dieses Spiel wurde langsam langweilig, das hatten wir schon so oft gespielt.
„Nein, ich lasse Dich nicht gehen. (Natürlich nicht. Warum auch? Er war ja auch Fucking Bat, der wohl größte Sturkopf auf der ganzen Welt.) Und zwar nirgendwo hin, haben wir uns da verstanden? Du wirst nicht einfach so nach Frankreich abhauen. Du wirst hier bleiben und Deinen Mann stehen.“
Woher wusste er davon? Olympe! Diese falsche Schlange... Anscheinend hatte sie wieder einmal gepetzt und deswegen war ich jetzt in der Bredouille. Aber nicht mit mir. Das lasse ich mir nicht gefallen, schon gar nicht von einer verrückten, alten Fledermaus.
„Und Du meinst, dass ich so einfach tue, was Du sagst? Darauf kannst Du lange warten, Snape. Das war vielleicht einmal, aber jetzt nicht mehr. Ich lasse mir von so einem wie Dir doch nicht vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe. Wenn ich nach Frankreich gehen will, dann tue ich es auch und ich lasse mich dabei von niemandem aufhalten, vor allem nicht von Dir. Du hast jegliches Recht, über mein Leben zu bestimmen, verwirkt, als Du Deine elende Gurke in Lilly gesteckt hast. Das habe ich Dir doch schon gesagt. Hast Du das jetzt endlich mal kapiert? Mich hält hier sowieso nichts mehr. Ich werde nicht gebraucht und hier warten eh nur irgendwelche Erinnerungen auf mich, an die ich gar nicht mehr denken möchte, weil sie mir so sehr weh tun. Genau aus diesem Grund gehe ich zurück nach Frankreich und zwar JETZT.“
„Oh nein, das wirst Du nicht. Nur über meine Leiche.“
Und bevor ich so etwas erwidern konnte wie „Na fein, mit der Leiche können wir gleich anfangen, ich helfe Dir dabei“, zog mich Snape an sich und presste seine weichen, warmen Lippen fordernd auf meine. Sofort fuhr seine Zunge heraus, drang in meinen Mundraum ein und strich damit über meine Zunge. Gott, fühlte sich das...
Halloooo, Erde an Mimi. AUFWACHEN! Der Kerl versucht wieder, Dich um den kleinen Finger zu wickeln. Stimmt, da hatte meine innere Stimme recht. Aber nicht mit mir, Du Mistkerl! Mach Dich auf was gefasst. Jetzt tritt die Französin in Aktion.
Ich tat das erste, was mir einfiel. Ich zog Snapes Unterlippe zwischen meine Zähne und biss so fest zu wie ich konnte. Er stöhnte auf und trat erschrocken einen Schritt zurück. Doch ich war noch nicht fertig. Ich holte aus und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige.
„Wie kannst Du es wagen“, brüllte ich jetzt wieder los. „Hör endlich auf, mir Deine verfickte Zunge in den Hals zu schieben. Das zieht bei mir nicht mehr. Na gut, ich bin ja ein ehrlicher Mensch: Nicht schon wieder! Du hast letzte Nacht wahrlich genug davon bekommen.“
„Nein, habe ich nicht“, zischte Snape ein wenig bedrohlich und richtete seinen Zauberstab auf seine blutende Lippe. „Aber jetzt, wo Du es sagst...“
Er trat auf mich zu und ich wollte schon meinen Zauberstab ziehen, aber er war schneller. Mein Stab wurde aus der Hose gerissen und flog in seine dargebotene Hand. Mein Fluchtinstinkt gewann die Oberhand. Ich drehte mich um und wollte weg laufen, doch wieder wurde ich gepackt. Doch dieses Mal nicht am Ellenbogen, sondern an der Taille und ehe ich irgendetwas tun konnte, lag ich schon auf Snapes Schulter.
„Lass mich gefälligst runter“, rief ich laut und schlug mit beiden Fäusten auf seinen Rücken, doch es schien ihn nicht zu interessieren. „Ich will nicht mit Dir reden.“
„Das ist mir so was von scheißegal, denn genau das werden wir jetzt tun. Wir reden und zwar über letzte Nacht!“
Ich versuchte mich zu wehren, schlug mit den Fäusten zu, strampelte wie wild mit den Füßen und schrie, was das Zeug hielt, doch niemand kam mir zur Hilfe geeilt und Snape war unnachgiebig wie eh und je. Er trug mich auf die Tür zu, die zu den Kerkern führte. Mit einem endgültigen KRACH fiel die Tür hinter uns ins Schloss. Ich wurde entführt und zwar in das Reich der elenden, verfluchten und abgefuckten Fledermaus! Oh mein Gott, bitte nicht!
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