
von Dilli
Geschockt starrte ich auf den Porno, der da vor meinen Augen ablief. Etwas so ekelhaftes hatte ich wirklich noch nie gesehen. Ich meine, sicher freute ich mich irgendwie für Olympe, die mindestens genauso lange wie ich auf Sex verzichtet hatte – wenn auch nicht freiwillig – aber trotzdem konnte ich mir etwas schöneres vorstellen, als zwei Halbriesen dabei zuzuschauen, wie sie es wie die Karnickel trieben. Jetzt wusste ich auch endlich, warum Olympe gestern im Morgenmantel herum gelaufen war und dabei wie ein Honigkuchenpferd gegrinst hatte. Aber das war doch... BÄÄÄÄH! Igitt igitt igitt!!!
Unwillkürlich hatte ich wieder einmal nur dumme Gedanken im Kopf und ich erinnerte mich an das Gespräch, das ich vor ein paar Monaten mit Cole über genau dieses Thema geführt hatte.
„Leider doch. So weit ist es also schon mit mir gekommen, dass ich mir Tipps von einer Frau geben lassen muss, die erstens wahrscheinlich eine Halbriesin ist und zweitens in ihrem ganzen Leben noch nie eine richtige Beziehung zu einem Mann gehabt hat. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, hat sie auch noch gemeint, dass sie sich quer durch alle Betten vögeln würde, wenn sie jetzt einen Kerl abkriegen würde. So ungefähr auf jeden Fall.“
So konnte man das schließlich auslegen.
„So genau hätte ich das jetzt aber nicht wissen müssen, Mimi.“
„Du bist selbst schuld. Du hast gefragt, also habe ich wahrheitsgemäß geantwortet. Aber das schwört doch definitiv ein Kopfkino hervor, oder nicht?“
„Auf jeden Fall. Puh, daran will ich gar nicht erst denken. Stell Dir mal vor, wenn sie einen Gleichgesinnten finden würde, was da dann für ein Kind bei raus käme.“
„Na, über Untergewicht müsste sich das mit Sicherheit nicht beschweren. Das hätte ja dann schon bei seiner Geburt sicherlich 50 Kilo.“
Cole und ich schauten uns an und prusteten gleichzeitig los. Wir waren gemein, das wusste ich selbst, aber der Gedanke an so ein Riesenbaby war schon irgendwie lustig. Wir lachten und lachten, bis wir uns die Bäuche halten und uns die Tränen aus den Augen wischen mussten.
„Ich meine, stell Dir mal vor“, japste ich zwischendurch. „Da müsste Olympe mit Sicherheit ein Tischtuch als Windel nehmen.“
„Oder einen Grizzly als Teddybären“, lachte Cole.
War es wirklich erst eine so kurze Zeit her, dass ich mich mit ihm darüber lustig gemacht hatte? Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Damals war alles nur ein Scherz gewesen, doch jetzt hatte ich dieses Grauen direkt vor Augen. Ich wollte nur noch weg und doch war ich wie versteinert. Noch mehr Blödsinn schlich sich in meinen Kopf: Wie verhüteten die beiden überhaupt? Gab es Kondome, die groß genug für Hagrids... Dödel (Ja, das klang schön unverfänglich) waren oder musste er stattdessen etwas anderes nehmen? Eine Mülltüte zum Beispiel oder doch eher eine Rolle Frischhaltefolie, die er sich drum herum wickelte. Oder im Zweifelsfall eine Tennissocke.
Oh Gott! Hilfe, ich kann mich nicht mehr lange ruhig verhalten. Wie sollte ich Olympe nur je wieder unter die Augen treten? Ich würde sie immer wieder in genau der Haltung vor mir sehen, in der sie jetzt da lag.
Mimi, jetzt wach endlich einmal auf, nimm die Beine in die Hand und mach, dass Du hier raus kommst. Und das ganze bitte, bevor Du Dich übergeben musst und somit verrätst, dass Du dieses Tête-à -Tête mitbekommen hast. Peinlicher und unangenehmer ging es ja wohl kaum. Seiner Chefin beim Vögeln zu zu schauen... Das hätte ich mir auch in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Sah ich eigentlich auch so seltsam aus, wenn ich kurz davor war, zu kommen? Mimi, jetzt aber raus hier und das ganze bitte ein bisschen plötzlich. Du hast schließlich noch Unterricht zu halten.
Unterricht... Die Schüler... Heilige Scheiße! Was ist, wenn die etwas davon mitbekommen? Das musste ich dringend verhindern. Vielleicht konnte ich mit ihnen ins Schloss nach oben gehen und dort meine Stunden abhalten. Es gab mit Sicherheit den einen oder anderen Raum, der frei war.
Wobei, apropos Schloss. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Hatte ich vorhin in Gedanken das böse H-Wort gedacht? Ja, jetzt wo ich so recht überlegte... Ich hatte tatsächlich Hogwarts gedacht und ich lebte noch. Wow, wenn das nicht mal ein Weltwunder war. Wahrscheinlich lag das aber auch nur daran, weil ich jetzt wieder mit Severus zusammen und so glücklich wie noch nie war.
Oje, Severus... Das bedeutete Sex, was mich zurück zu meinem eigentlichen Problem brachte. Ich musste hier raus. Noch hatten mich die beiden Halbriesen, die immer noch stöhnend über die Matratze hüpften, nicht entdeckt, aber das war nur eine Frage der Zeit. Irgendwann würde auch Hagrid abschießen müssen und dann war das Liebesspiel vorbei. Es wunderte mich ohnehin, dass sie nicht aufgeblickt hatten, nachdem ich den Raum gestürmt hatte, aber sie waren wahrscheinlich nur zu sehr in ihre Vögelei vertieft.
So leise wie ich konnte, drehte ich mich um und schlich aus Olympes Schlafzimmer. Kein Schrei ertönte, was mich davon ausgehen ließ, dass mein Verschwinden genauso unbemerkt geblieben war, wie mein Auftauchen. Gott sei Dank. Doch mit meinen Gedanken war ich noch immer in dem Raum. Hagrid und Olympe? Ich hatte ja viel erwartet und auch immer schon gedacht, dass die beiden vielleicht gut zusammen passen würden, aber dass die beiden sich dann wirklich fanden?! Das hatte ich nie und nimmer geglaubt. Es war ja auch irgendwie strange, sich die beiden als Paar vorzustellen. Und was die beiden gerade getan hatten... BAH! Ich wollte gar nicht daran denken. Ich meine, ich wusste zwar selbst, dass Sex das wohl normalsten und natürlichste auf der ganzen Welt ist, aber Menschen, die über 2,50 Meter groß sind, dabei zu beobachten, das hatte wirklich etwas von Tieren.
„Mademoiselle Duchesse, Sie sind ja doch noch da“, riss mich eine Stimme aus den Gedanken, als ich gerade das Ende der Treppe erreicht hatte.
Ich sah auf und sah Elise im Salon stehen. Heute hatte sie ihre Haare in einem knalligen Pink gefärbt. Die Kleine hatte echt Mumm. Ich glaubte nicht, dass ich, selbst wenn ich ein Metamorphmagus wäre, so herum laufen würde. Aber Elise hatte kein Problem damit aufzufallen und dafür bewunderte ich sie insgeheim.
„Guten Morgen, Elise“, gab ich zurück und lächelte sie an. „Natürlich bin ich da. Wo sollte ich denn sonst sein? Und wo sind die anderen? Es ist nach neun und wir sollten langsam aber sicher mit dem Unterricht anfangen.“
„Aber Madame Maxime hat uns heute Morgen doch gesagt, dass der Unterricht heute ausfällt, weil Sie nicht mehr da sind. Sie meinte, Sie wollten zurück in unsere Schule nach Frankreich. Deswegen hat Sie uns heute und morgen frei gegeben.“
„So, hat sie das?“
Es passte mir gar nicht, dass Olympe sich nicht einmal rückversicherte, ob ich auch wirklich weg war, sondern gleich den Schülern frei gab. Sie hätte die Schüler ja auch selbst unterrichten können. Aber nein, sie lag lieber oben im Bett und vögelte sich zusammen mit Hagrid die Seele aus dem Leib. Na, das war ja eine schöne Schulleiterin. Sie stellte ihr eigenes Wohl über das der Schüler. Ja, ja, ich weiß, dass ich heute Morgen auch am liebsten bei Severus im Bett geblieben wäre, aber ich habe es nicht getan, weil ich meine Pflicht nicht verletzen wollte.
„Ja, Mademoiselle, das hat sie“, antwortete Elise und schlug betreten die Augen nieder. „Aber wenn sie möchten, dann trommele ich die anderen zusammen und wir können...“
„Nein, ist schon gut“, meinte ich und klang dabei ein kleines bisschen muffig. „Wenn Madame Maxime das so möchte, dann machen wir halt die nächsten zwei Tage gar nichts. Danach ist ohnehin Wochenende (Jippieh!). Aber am Montag legen wir wieder los und dann möchte ich, dass ihr alle bestens für Zauberkunst gerüstet seid. In Ordnung?“
„Natürlich, Mademoiselle. Ich werde es den anderen ausrichten.“
„Danke, Elise.“
Ich ärgerte mich immer noch darüber. Was sollte ich denn jetzt den ganzen Tag treiben, während Severus im Unterricht war? Wenn er auch frei gehabt hätte, dann hätte ich mich wirklich über diese Zeit gefreut, aber so... Es gab nicht wirklich etwas, was ich tun konnte. Die Aufsätze der Schüler waren korrigiert und die Schulstunden auf zwei Wochen im Voraus vorbereitet. Es gab also rein gar nichts zu tun! Auf Lesen hatte ich keine Lust, zum Laufen schneite es zu viel und Sirius wollte ich auch nicht besuchen, obwohl ich das mal wieder tun sollte. Am liebsten würde ich mich jetzt mit Severus in ein Bett kuscheln und erst am Sonntagabend wieder raus kommen, denn das Wetter war wirklich nicht meins. So kalt, nass und einfach BÄÄH!
Plötzlich hatte ich einen Geistesblitz. Ich konnte mich zwar nicht mit meinem Liebsten zurück ziehen, da er Unterricht geben musste, aber ich konnte etwas anderes machen, das mit ihm zusammen hing. Ich konnte sein Weihnachtsgeschenk besorgen, denn bis dahin waren es nur noch ungefähr vier Wochen. Die Frage war nur, was ich ihm schenken sollte. Hmmm, aber da würde sich schon etwas finden. In so was war ich immerhin ein Profi.
„Mademoiselle, ist alles in Ordnung mit Ihnen“, riss mich Elise aus meinen Gedanken.
„Was“, wollte ich wissen, denn ich hatte nicht wirklich etwas mitbekommen.
„Sie wirken so abwesend.“
„Oh, ich habe mich nur eben gefragt, was ich jetzt mit der freien Zeit anfangen soll, da der Unterricht ausfällt.“
Ja, das klang einleuchtend. Es musste ja keiner wissen, dass ich an meinen Liebsten dachte, der wahrscheinlich gerade seine Schüler malträtierte. Oh nein, es reichte mir schon, dass drei meiner Kollegen von unserer Beziehung wussten, da mussten es nicht auch noch die Schüler tun. Ich hörte jetzt schon die Lästereien hinter meinem Rücken. „Wo hat die denn da hin geschaut?“, „Hat sie Tomaten auf den Augen?“, „Von Snape würde ich mich ja definitiv nicht ficken lassen.“ Irgendwie so etwas in der Art.
„Und, was machen Sie“, fragte mich Elise neugierig.
„Ich habe mir gerade überlegt, ob ich nicht vielleicht Weihnachtsgeschenke einkaufen soll.“
„Ist es dafür nicht noch ein bisschen früh?“
„Wieso sollte es dazu noch früh sein, Elise? Es ist immerhin kein Monat mehr bis Weihnachten und man kann nicht früh genug damit anfangen.“
„Stimmt, da haben Sie recht. Das ist wirklich eine gute Idee. Meinen Sie...“
„Tut mir leid, Elise, aber Du bist eine Schülerin. Ich fürchte, es wird Dir nicht erlaubt sein, das Gelände zu verlassen.“
„Aber ich bin doch schon volljährig und in Beauxbatons...“
„Ich weiß, aber hier in Hogwarts (Jetzt konnte ich es sogar schon aussprechen. Ich fasse es ja nicht.) ist eben alles anders. Aber wenn Du möchtest, kannst Du gerne Madame Maxime fragen, wenn Sie...“
… mit dem Vögeln fertig ist.
„Oh nein, ist schon gut, Mademoiselle. Dann bleibe ich eben hier. Ich finde schon eine Beschäftigung.“
„Dann ist es ja gut. Also Elise, ich gehe jetzt dann mal.“
„Viel Spaß, Mademoiselle Duchesse.“
„Danke.“
Den würde ich mit Sicherheit haben. Ich mochte es, Geschenke für andere zu kaufen und zu wissen, dass ich ihnen somit eine Freude machen konnte. Außerdem hatte sie gerade eine Idee in meinen Kopf verirrt, was Severus anging. Ich wusste zwar noch nicht so genau, wie ich das anstellen sollte, aber unterwegs würde mir mit Sicherheit die zündende Idee kommen.
Ohne meine Schülerin noch einmal anzusehen, drehte ich mich um, verließ die Kutsche und machte mich auf den Weg in Richtung Schloss.
Ich ging direkt in die Kerker. Ich musste Severus schließlich sagen, dass ich Hogwarts (Hihi) heute verlassen und nicht zum Mittagessen erscheinen würde. Ich wollte immerhin nicht, dass er sich Sorgen machte oder wer weiß was dachte. Bei ihm wusste man nie so genau, denn er war ein Meister darin, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Wenn ich einfach nicht zum Essen kommen würde, würde er zweifelsohne gleich daran denken, dass ich entweder Schluss machen wollte oder – noch schlimmer – dass mir irgendetwas passiert wäre und dann würde er ein Suchkommando oder sonst was los schicken. Nein, das konnte ich jetzt nicht gebrauchen, deswegen hatte ich auch beschlossen, ihn einzuweihen, aber auch nur soweit, wie er es wirklich wissen musste. Dass es um ein Geschenk für ihn ging, ging ihn überhaupt nichts an. Das würde er schon noch früh genug erfahren.
Doch zuerst einmal musste ich mir noch etwas einfallen lassen, wie ich ihn aus diesem vermaledeiten Klassenzimmer heraus brachte, ohne dass ich zu viel von unserer Beziehung preis gab. Ich konnte ja schlecht einfach so dort hinein stürmen und sagen: „So, Schatzilein, ich gehe dann mal!“ Nein, nein, unsere Affäre sollte geheim bleiben, denn ich hatte keine Lust auf Gerede.
Als ich vor der Kerkertür ankam, war mir immer noch nicht die zündende Idee gekommen und ich beschloss, einfach einen auf Vertrauenslehrerin zu machen. Das bedeutete herein stürmen und Severus so richtig schön anmaulen. Hihi, ich freute mich schon auf seinen Gesichtsausdruck, denn dass ich in seinem Unterricht erschien, damit rechnete er mit Sicherheit nicht.
Ich grinste noch einmal in mich hinein, setzte dann meinen selbstsicheren Gesichtsausdruck auf und pochte mit der Faust gegen die hölzerne Tür.
„Ja“, bellte Severus drinnen.
Oi, das ging aber auch freundlicher. Ich konnte mir deutlich vorstellen, was jetzt in seinem Kopf vorging: „Wer zur Hölle stört meinen heiligen Unterricht?“ Tja, das bin dann wohl ich.
Ich riss die Klassenzimmertür auf und stolzierte in den Raum. Die Schüler – wahrscheinlich die fünfte Klasse, wenn ich mal grob schätzen müsste – drehten sich um und starrten mich mit offenen Mündern an. Sie wunderten sich ziemlich sicher, was ich hier wollte und bewunderten mich sogar vielleicht für meinen Mut, da ich es wagte, den Unterricht bei der fiesen Fledermaus zu stören. So hatte es zumindest den Anschein. Severus selbst stand vorne an der Tafel und funkelte wütend in Richtung Tür. Doch als er mich erblickte, trat ein überraschter Ausdruck in seine Augen. Oh Gott, ihn hier in diesem Raum zu sehen, erinnerte mich sofort an das, was wir früher hier getan hatte. Und ich spreche dabei nicht von den Nachhilfestunden. Am liebsten wäre ich sofort auf Severus zu gestürmt und hätte die alten Zeiten wieder zum Leben erweckt, aber das ging ja schlecht, weil geschätzte 25 Schüler und Schülerinnen anwesend waren. Stattdessen schüttelte ich kurz den Kopf und versuchte, wieder einigermaßen klar denken zu können, was mir in Sevs Gegenwart aber ziemlich schwer fiel. Ich MUSSTE einfach an die letzten beiden Nächte denken, wenn er mich so anschaute.
Mein Liebster fing sich zuerst wieder. Er versuchte zwar, mich böse anzufunkeln, aber es misslang ihm eindeutig.
„M.. M... Miss Duchesse“, brachte er heraus. Es sollte wohl unfreundlich klingen, aber auch das ging gewaltig in die Hose. „W... w... wie können Sie es wagen, meinen Unterricht zu unterbrechen?“
Ich zog meine linke Augenbraue in die Höhe und unterdrückte ein Lächeln.
„Professor Snape“, sagte ich und mir gelang es eindeutig besser, angewidert zu klingen. „Auf ein Wort, wenn ich bitten darf.“
Jetzt änderte sich Severus Gesichtsausdruck zu fragend.
„Worum geht es denn, Miss Duchesse? Hat das denn nicht bis später Zeit?“
„Nein, hat es nicht. Es ist eine Angelegenheit von größter Wichtigkeit und ich bin nicht bereit, diese von Ihnen hinaus zögern zu lassen. Ich weise Sie deshalb darauf hin, dass ich es an Ihrer Stelle gar nicht erst versuchen würde, sonst sehe ich mich gezwungen...“
„Schon gut, schon gut. Klären wir das in meinem Büro. Und ihr,“ wandte er sich an die Schüler und klang jetzt wieder wie der miese Lehrer, den er immer heraus hängen ließ, „macht einfach mit dem Trank weiter. Es wird nicht gelauscht oder irgendwelcher Blödsinn getrieben. Sonst setzt es eine Strafe, dass ihr noch bis Ostern mit den Ohren wackelt. Habe ich mich da klar ausgedrückt?“
„Ja, Professor Snape“, sangen die Schüler im Chor.
„Gut. Und seid gewarnt, ich merke es, wenn dem nicht so ist. Und nun zu Ihnen, Miss Duchesse. Wenn Sie mir bitte folgen würden.“
Er deutete auf eine Tür zu seiner Rechten. Ich ging den Gang zwischen den Tischen nach vorne und lief an Severus vorbei in Richtung Büro. Er folgte mir auf den Fersen und ich konnte deutlich seine Blicke auf meinem Hintern spüren. Bei der Hose, die ich trug, war das kein Wunder, denn sie ließ meinen Arsch aussehen wie einen prallen Apfel.
In Severus' Büro musste ich mich wieder einmal wundern, wie er es darin überhaupt aushielt. Es war genauso düster wie in seinem Schlafzimmer, doch hier war es sogar noch eine Spur unheimlicher, denn hier waren in den Wandregalen noch irgendwelche schlabbrigen Dinger in großen Gläsern aufgestellt – von Augen, über Mägen bis hin zu Gehirnen war alles vertreten. Sofort wurde mein Körper von einer Gänsehaut überzogen.
Da hörte ich, wie sich die Bürotür hinter mir schloss und ich drehte mich zu meinem Liebsten um. Er sah mich ziemlich besorgt an.
„Mimi, was ist los“, wollte er wissen. „Ist irgendetwas passiert? Warum bist Du nicht im Unterricht?“
Doch anstatt ihm zu antworten, überwand ich schnell die zwei Meter, die uns trennten, fiel ihm um den Hals und zog ihm zu einem leidenschaftlichen Kuss zu mir herunter. Zuerst presste ich nur meine Lippen auf seine, doch dann zwang ich seinen Mund auseinander und streichelte mit meiner Zunge über seine. Das schien Severus kaum auszuhalten, denn er stöhnte auf, legte seine Hände auf meinen Hintern und zog mich fest an sich. Ich konnte deutlich spüren, wie sein Penis immer weiter anschwoll und sich lustvoll gegen meine Vagina presste. Oh mein Gott, ich könnte schon wieder... Scheiß doch auf Shoppen, wenn ich DAS hier haben konnte.
Aber wie immer war Severus der Vernünftige und löste sich sanft, aber doch bestimmt von mir. Och Menno!
„Mimi, was ist los“, fragte er noch einmal. „Ich mache mir wirklich Sorgen.“
„Es ist nichts, keine Angst“, gab ich zurück und versuchte dabei beruhigend zu klingen. „Du hast mir nur gefehlt, das ist alles.“
„Das freut mich, aber Du kannst doch deswegen nicht den Unterricht sausen lassen. Auch wenn ich mich sehr geehrt fühle, aber...“
„Oh, das ist es nicht. Das ganze ist nicht einmal auf meinen Mist gewachsen. Olympe hat den Schülern heute Morgen doch tatsächlich gesagt, dass ich Hogwarts verlassen habe und deshalb lässt sie den Unterricht heute und morgen ausfallen, weil sie... ähm... anderweitig beschäftigt ist.“
„Aber Du bist doch da. Dann könntest Du doch...“
„Ja, Du sagst es, ich KÖNNTE. Aber mir ist es, um ehrlich zu sein, ganz recht. Ich müsste dringend ein paar Besorgungen machen. Deswegen bin ich eigentlich auch hier. Ich wollte Dir sagen, dass ich das Schloss heute für ein paar Stunden verlassen werde und ich möchte nicht, dass Du Dir Sorgen machst, weil ich nicht zum Mittagessen erscheine.“
„Du... sagst mir Bescheid?“
Das schien ihn wirklich zu überraschen. Tja, mein Lieber, ich bin nicht mehr das kleine sechzehnjährige Mädchen, das immer nur ihren eigenen Kopf durchsetzen will. Mittlerweile bin ich doch vernünftig geworden. Ha, damit hatte er wohl nicht gerechnet. Mimi war eben immer für eine Überraschung gut.
„Natürlich“, erwiderte ich lächelnd. „Ich möchte doch nicht, dass Du Alarm schlägst und einen Suchtrupp losschickst, nur weil ich zum Shoppen gehe und deshalb unauffindbar bin.“
„Das würde ich doch niemals tun.“
Ich zog eine Augenbraue in die Höhe und sah Severus skeptisch an.
„Ja gut, Du hast ja recht“, gab er schließlich zu, „würde ich doch. Aber es ist schön, dass Du daran gedacht hast. Aber musst Du denn wirklich weg? Ich mag es nicht, wenn Du so alleine...“
„Severus, bitte, jetzt übertreib mal nicht. Ich bin 34 Jahre alt und kann wirklich alleine für ein paar Stunden zum Einkaufen zu gehen.“
„Ja, ich weiß, aber ich werde Dich vermissen.“
„Du musst doch ohnehin Deine Schüler weiter quälen. Denen fehlst Du mit Sicherheit auch schon.“
Ich grinste ihn an.
„Haha, wirklich sehr witzig, Mimi.“
„Also, ich fand das witzig. Gut, dann werde ich jetzt mal gehen, damit ich auch rechtzeitig zum Abendessen wieder da bin.“
„Musst Du wirklich...“
„Severus!“
„Ist ja gut. Man kann es ja mal versuchen. Kannst Du mir eigentlich was mitbringen?“
„Was brauchst Du denn?“
„Was zum Spielen. Und zwar Dich.“
„Du bist wirklich unmöglich. Du hast immer nur das eine im Kopf.“
„Das sagt die richtige, Fräulein Nimmersatt.“
Ich seufzte und verdrehte die Augen. Der Kerl konnte einen echt in den Wahnsinn treiben.
„Ich muss jetzt wirklich los“, sagte ich noch einmal mit Nachdruck.
„Ist gut, meine Kleine“, erwiderte Sev und streichelte mir sanft über die Wange. „Komm bitte heil wieder. Und sei pünktlich. Du weißt, ich kann es nicht leiden, wenn...“
„Du fängst schon wieder an, mich zu bevormunden, Severus. Lass das bitte. Okay? Ich bin rechtzeitig zu unserem Date wieder da, versprochen.“
„Ich freue mich schon darauf.“
„Ich mich auch.“
Dann beugte sich Severus noch einmal zu mir nach unten und gab mir einen letzten leidenschaftlichen Kuss.
Nachdem ich Severus' Büro verlassen hatte, machte ich mich sofort auf den Weg. Hinter mir durch den Gang hallte noch die Stimme meines Liebsten nach: „Das soll ein Niesstoptrank sein, McLovin? Das soll wohl ein Witz, oder?“
Ich musste lächeln. Ja, das war mein lieber Severus, wie er leibte und lebte. Und ich würde ihn nie wieder her geben. Da war ich mir ganz sicher. Dafür liebte ich ihn zu sehr. Wahnsinn, wie sehr sich in zwei Tagen alles verändern konnte.
Als ich in der Eingangshalle ankam, hob ich meinen Zauberstab und dachte: „Accio Reiseumhang. Accio Handtasche!“ Ich gebe hiermit offiziell zu, dass ich zu f... äh... bequem war, nach oben zu laufen und das Zeug selbst zu holen. Wozu war ich schließlich eine Hexe? Manchmal musste man die Magie eben zu seinem Vorteil nutzen, auch wenn das nur bedeutete, dass man es sich sparte, gefühlte dreitausend Stufen nach oben zu latschen.
Etwa eine Minute, nachdem ich den Zauber ausgeführt hatte, kamen mein Umhang und meine Tasche auch schon angeflogen. Darin befand sich alles, was ich brauchte. Gelbeutel und Reservezigaretten. Als ich mich in den Mantel gehüllt hatte, ging ich durch das Schlossportal und lief über den Zufahrtsweg in Richtung Tor. Ganz kurz dachte ich daran, Sirius zu fragen, ob er mich begleiten wollte, damit er auch mal raus kam. Doch ich überlegte mir es recht schnell anders, denn ich war mir ziemlich sicher, dass
1. Sirius shoppen hasste und
2. konnte ich ihn für das, was ich vorhatte, ohnehin nicht gebrauchen.
Also drehte ich mich gleich hinter dem schmiedeeisernen Tor, das die Grenze zum Schulgelände markierte und hinter dem die Schutzzauber, die um das Schloss herum lagen, aufgehoben waren. Sofort hatte ich das Gefühl, wie durch einen engen Gummischlauch gepresst zu werden, doch dieses Gefühl dauerte nicht lange an.
Als ich die Augen wieder aufschlug, stand ich vor dem Geschäft meiner Mutter. Ich war schon seit dem Sommer nicht mehr hier gewesen. Normalerweise schaute ich alle paar Wochen nach dem Rechten, auch wenn ich mehr oder weniger nur eine stille Teilhaberin war. Die Geschäfte überließ ich mit Freuden dem Chefdesigner Ian Stuart. Er war ein Muggel und seit dem Tod meiner Eltern hatte er sich in der Londoner Modeszene einen echten Namen gemacht, vor allem was Ball- und Brautkleider anging. Er gab das Geschäft gern als sein eigenes aus, aber das sollte mir recht sein. Ich wollte damit erst gar nicht in Verbindung gebracht werden. Mehr als einmal hatte ich schon daran gedacht, Ian den Laden zum Kauf anzubieten, aber ich wollte ihn als Erinnerungsstück an meine Mutter behalten.
Das Geschäft war in der Caxton Road in London und es war in einem wunderschönen Backsteingebäude untergebracht. Die Tür lag immer noch hinter griechischen Säulen, wie es meine Mutter einst veranlasst hatte. Sie hatte eine Schwäche für den griechischen Baustil entwickelt, als sie mit meinem Vater dort auf Hochzeitsreise gewesen war. Auf meinen Wunsch hin hatte Ian nie etwas an der Fassade geändert und auch den Innenraum hatte er so gelassen, wie meine Mutter ihn gestaltet hatte.
Schnell betrat ich den Vorführraum, in dem es vor Ballkleidern und Brautmode nur so wimmelte. Wie gerne hätte ich mich hier mal so richtig schön eingekleidet, aber es gab nie einen Anlass dafür. Auch dieses Jahr fand in Hogwarts (Jippieh, ich kann es immer noch) ein Weihnachtsball statt, aber dort waren Festumhänge Pflicht. Das Jahr, in dem ich meinen letzten Ball dort gefeiert hatte, schien eine absolute Ausnahme gewesen zu sein, dass dort Ballkleider Pflicht gewesen waren. Ich hasste Festumhänge. Sie ließen einen aussehen wie einen Heißluftballon. Wobei... Ich konnte dieses Jahr vielleicht schummeln und einen Zweiteiler anziehen. Das heißt Kleid und Cape. Hihi, da könnte wahrscheinlich niemand etwas sagen.
„Marie, was für eine Ehre!“
Ich sah auf und erkannte Ian, der in der Tür zum Lager stand und jetzt aber auf mich zu gerannt kam. Er begrüßte mich mit Küsschen links, Küsschen rechts. Und er war eindeutig schwul. Welcher Mann hatte sonst den Mut, ein roséfarbenes Sakko zu tragen?
„Hallo, Ian“, sagte ich freundlich und schenkte ihm ein Lächeln.
Ich mochte ihn irgendwie und ich konnte sehr gut verstehen, warum meine Mutter ihn damals eingestellt hatte. Er war wirklich begnadet. Ich hatte einmal die Ehre gehabt, seine Entwurfsmappe anzusehen und ich musste schon sagen, dass ich allein bei den Bildern eine Gänsehaut bekommen hatte. Mit Freude hätte ich jedes dieser Kleider anprobiert und getragen. Auch Severus' Umhang, den ich damals selbst kreiert hatte, war sein Werk gewesen. Er hatte ihn nicht nur überarbeitet, sondern auch verbessert und anschließend geschneidert. Und, was soll ich sagen, es war ein Meisterwerk geworden.
„Was kann ich für Dich tun, meine Liebe“, wollte der Chefdesigner nun wissen. „Ein Kleid für den jährlichen Weihnachtsball? Oder wolltest Du einfach nur nach dem Rechten sehen?“
„Nein. Du weißt, dass ich mich in das Geschäftliche überhaupt nicht einmische“, erwiderte ich wahrheitsgemäß. „Das ist Dein Bier und ich finde, dass Du das wirklich prima machst. Ein Kleid könnte ich tatsächlich gebrauchen, allerdings mit passendem Cape. Es sollte wie ein Umhang wirken.“
„Da habe ich tatsächlich etwas für Dich. Das würde Dir wirklich hervorragend stehen. Möchtest Du es denn gleich einmal anprobieren?“
„Später, Ian. Ich hätte da nämlich noch ein kleines Anliegen. Es geht um ein Weihnachtsgeschenk für jemand ganz besonderes, wenn Du verstehst, was ich meine.“
„Oooh, Du wirst Dich doch nicht endlich verliebt haben, altes Mädchen?!“
Innerlich seufzte ich auf. Ian war schon immer so gewesen. Ständig fragte er mich nach meinem Liebesleben und wenn ich ihm dann antwortete, dass immer noch nicht der Richtige in Sicht war, dann zog er einen gewaltigen Flunsch. Deswegen wunderte ich mich jetzt auch nicht, dass er grinste, wie ein Honigkuchenpferd.
„Doch, sieht ganz so aus“, gab ich zurück und musste ebenfalls lächeln, wie immer irgendwie, wenn ich an Severus dachte. Zumindest ging es mir in den letzten 24 Stunden so.
„Halleluja“, rief Ian aus und klatschte in die Hände. „Und endlich, möchte ich sagen. Darauf warte ich ja schon seit Jahren. Wer ist es denn? Wie heißt er? Und wie alt ist er? Bitte, Marie, ich möchte alles wissen.“
„Nicht so schnell, Ian. Es ist erst ganz frisch. Wir sind eigentlich erst seit gestern wieder zusammen.“
„Moment. Wieder? Habe ich etwas nicht mit gekriegt?“
Er sah ein klein wenig beleidigt aus, so wie er die Mundwinkel nach unten zog. Oje, nicht das auch noch. Er wusste doch eigentlich schon genug.
„Nein, alles okay. Ich... es... Du hast nichts verpasst, Ian, keine Sorge. Es ist nur... Ich bin wieder mit meiner Jugendliebe zusammen.“
„Mit Deiner Jugendliebe? Ooooh, ist das süß!!!“
Und schon war er in einem minuziösen Bericht über seine erste Liebe, José, vertieft, den er vor zig Millionen Jahren beim Ballettunterricht kennen gelernt hatte. (Sagte ich es nicht? Stockschwul!) Er schwärmte von seinen mächtigen Muskeln und seinem prächtigen Schwanz (Ich hätte mir am liebsten die Finger in die Ohren gesteckt und gesungen), mit den er ihn viele Male befriedigt hatte. Doch als wir irgendwann bei der tragischen Trennung angekommen waren („Er ist doch tatsächlich mit diesem Miststück Jerome durchgebrannt“), musste ich ihn unterbrechen, da das alles von meiner kostbaren Zeit abging.
„Ian, das tut mir wirklich wahnsinnig leid für Dich“, versuchte ich so mitfühlend wie möglich zu sagen, „aber mir läuft langsam aber sicher die Zeit davon. Ich muss nämlich noch weiter. Du verstehst?“
„Natürlich, natürlich“, gab er schnell zurück und war sofort wieder der professionelle Designer. „Ach, wo bin ich denn mit meinen Gedanken? So, meine Liebe, dann schieß mal los. Wie kann ich Dir helfen?“
Ein breites Grinsen breitete sich auf meinen Lippen aus, als ich mich nach vorne beugte und Ian von meinem Geschenk für Severus erzählte.
Etwa eineinhalb Stunden später verließ ich den Laden mit drei großen Tüten in den Händen. In der ersten war mein Outfit für den Weihnachtsball. Ian hatte tatsächlich das perfekte Kleid mit dem perfekten Umhang für mich parat gehabt. Es war ein Traum in weiß und silber, mit Neckholder, tiefem Rückenausschnitt und einem Beinschlitz an der rechten Seite. Die Grundfarbe war weiß, doch es war über und über mit silbernen Strasssteinen bedeckt. Darüber würde ich ein weißes Cape tragen, das eine gewisse Ähnlichkeit mit Severus' Fledermausumhang hatte, nur dass er eben weiß war.
In der zweiten Tasche befanden sich Dessous, drei Sets um genau zu sein in weiß, rot und schwarz. Das eine brauchte ich auch für den Ball. Irgendwas musste ich ja darunter tragen, das Severus mir hinterher ausziehen konnte. Das zweite war eine Überraschung für Severus' Geburtstag, der ja auch noch anstand und zwar am 09. Januar. Tja und das dritte... Das hatte ich einfach für mich gekauft, weil es mir in diesem dunklen Rotton so gut gefallen hatte. Und Unterwäsche konnte man schließlich immer gebrauchen.
In der dritten Tüte war das Outfit, das ich für Severus' Weihnachtsgeschenk brauchte. Wobei man wohl kaum von einem Outfit sprechen konnte, denn es war bloß ein Bikini. Er war sehr ähnlicher wie der, den ich auf dem Foto getragen hatte, das jetzt auf Sevs Nachttisch stand. Ich hatte nämlich beschlossen, ihm endlich mal ein neues zu schenken. Dafür wurde es nämlich dringend Zeit. Und als kleines Zuckerchen würden wir eine Nacht an unserem Strand im Raum der Wünsche verbringen, wie früher. Ich wusste, dass das vielleicht nicht gerade einfallsreich war, aber ich wusste, dass Severus schon alles hatte, was er sich wünschte. Er war nicht der Typ für Schmuck, Bücher und Co hatte er auch zur Genüge. Das einzige, was er wollte, war ich. Also sollte er mich auch bekommen.
Dafür musste ich aber an den Ort zurück kehren, an dem das erste Foto gemacht wurde und das war am Strand vor meinem Elternhaus gewesen. Deshalb apparierte ich nach Frankreich an die Cote d'Azur. Dort war nicht so ein Sauwetter wie in England, sondern es schien die Sonne und es hatte angenehme 15 Grad. Zwar immer noch ein wenig frisch, wenn ich daran dachte, gleich nur im Bikini im Sand herum zu tollen, aber was tut man nicht alles für seinen Liebsten. Ich hoffte nur, Severus würde es gefallen. Wehe wenn nicht, dann würde dies das letzte Mal sein, dass ich mir für ihn den Arsch ab fror und mich gleichzeitig zum Idioten machte.
Ich ging zügig in mein Haus, wo ich mich umzog und gleichzeitig die magische Kamera aus dem Schrank holte. Wie lange hatte ich die schon nicht mehr gebraucht? Sie hatte meinem Vater gehört und ich hatte es nicht über mich gebracht, sie weg zu schmeißen. Ich wusste gar nicht mehr so, ob ich damit auch nur ein einziges Bild geschossen hatte.
Kaum dass ich fertig war, ging ich an den Strand. Hier pfiff doch ein wenig der Wind und es fröstelte mich, als ich mich auf die weiche Decke legte, die ich kurzerhand herauf beschworen hatte. Gott sei Dank waren heute keine Leute unterwegs, sodass es kein Problem war, den Fotoapparat in der Luft schweben zu lassen und ein Bild nach dem anderen zu schießen. Es dauerte doch länger, als ich erwartet hatte, denn selbstverständlich probierte ich ein paar Positionen aus. Doch am Ende war ich ziemlich zufrieden mit den Ergebnissen. Es war so ein Teil, das die Bilder sofort in einer Größe von 20 mal 30 Zentimetern ausspuckte. Ich wusste leider nicht, welcher Zauber dafür verantwortlich war, doch ich war froh, dass ich den Film nicht auch noch zum Entwickeln bringen musste. Fehlte nur noch ein schönes Bilderrahmen, aber den konnte ich mir auch noch per Eulenexpress zuschicken lassen.
Um drei Uhr nachmittags packte ich schließlich meine Sachen zusammen. Ich hatte noch drei Stunden Zeit, bevor ich zurück in Hogwarts (Es funktioniert immer noch!) sein musste. Ich fragte mich, was ich jetzt noch tun sollte. Ich wollte noch nicht zurück, denn dort würde ich ohnehin nur wieder blöd in meinem Büro herum sitzen und nichts tun. Oder warten, bis es Zeit war, zum Abendessen zu gehen. Vielen Dank, aber ich verzichte. Das hatte ich in den letzten Wochen schon oft genug getan. Aber ich wollte auch nicht hier am Strand bleiben. Am Horizont zogen dunkle Wolken herauf und kündigten Regen an. Ich könnte ja...
Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es gab etwas, das ich tun konnte, nein, sogar tun musste. Es würde zwar nicht wirklich angenehm werden, aber ich war von Natur aus ein Mensch der unschöne Dinge gleich vom Tisch fegte. Aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben. Und warum sollte ich nicht ehrlich zu dem Menschen sein, der mir so nahe gestanden hatte und der in den letzten Monaten, bevor ich nach England aufgebrochen war, immer für mich da gewesen war? Das hatte er nicht verdient, denn die Wahrheit hinaus zu zögern wäre ihm gegenüber nicht fair.
Mein Entschluss stand fest, kaum dass ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte. Ich musste nach Beauxbatons und Cole sagen, dass es keine gemeinsame Zukunft für uns gab. Auch wenn ich ihm damit das Herz brechen würde. Gott, ich hasste mich selbst dafür, dass ich das tun musste, aber er hatte es verdient, dass ich ehrlich zu ihm war. Und jetzt war ich eh schon in Frankreich, also konnte ich es gleich hinter mich bringen. Also dann, Arschbacken zusammen kneifen und auf in den Kampf!
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