
von Dilli
Zu Mimis Aussehen konnte ich nur eines sagen: Heilige Scheiße, sah die geil aus.
Anders konnte man es einfach nicht ausdrücken. Sie trug ein wahnsinnig scharfes Kleid, dass ihre Kurven und vor allem ihre Titten so richtig heiß zur Geltung brachte, auch wenn sie darüber einen weißen Umhang trug. Er verhüllte nahezu nichts, nur ihren Rücken, sondern er unterstrich die Erscheinung meiner Liebsten noch.
Meine Augen wanderten über Mimis Körper und ganz automatisch fiel mir die Kinnlade runter. Ich konnte es auch gar nicht verhindern. Ich wusste, dass meine Süße immer toll aussah, aber dieses Kleid war das schärfste, dass sie jemals getragen hatte. Selbst das Kleid, das sie an unserem ersten Weihnachtsball getragen hatte, kam an das hier nicht heran. Mein Mund wurde ganz trocken und ich versuchte zu schlucken, doch es funktionierte einfach nicht. Mein kleiner, innerer Severus fing gierig an zu sabbern. Diese geile Tussi gehört uns und wir allein haben die Ehre, mit ihr zu schlafen.
Als mein Blick an ihrem Körper hinab wanderte, passierte das unvermeidliche. Sämtliches Blut wurde in meinen Schwanz gepumpt und ich wäre am liebsten aufgestanden, zu Mimi gelaufen, hätte sie gepackt und wäre mit ihr in den Kerkern verschwunden. Ich wollte sie, jetzt und hier, und ich hätte ihr so gern die Seele aus dem Leib gevögelt. Ich wollte spüren, wie sich die Muskeln ihrer Vagina um mich herum zusammen zogen, wollte fühlen, wie sie sich unter mir auflöste und wollte hören, wie sie meinen Namen schrie, weil sie wieder und wieder kam. Ich konnte nicht anders, als mir unwillkürlich über die Lippen zu lecken bei diesen Gedanken. Mimi war einfach das wundervollste Wesen in der Großen Halle und sie war mein. Ich liebte sie mit Haut und Haaren.
Doch noch stand meine Liebste in der Tür und ließ ihren Blick langsam durch den Saal schweifen. Suchte sie nach mir? Hielt sie nach mir Ausschau oder gehörte das alles zu ihrem Auftritt? Es dauerte eine kleine Weile, bis sich unsere Blicke endlich trafen. Ihre Augen weiteten sich kaum merklich, als sie mich mit den gegelten Haaren und im Festanzug erblickte. Tja, damit hast Du wohl nicht gerechnet, meine Süße, was? Sieh mich an, das alles habe ich nur für Dich getan, um DIR zu gefallen. Von niemandem lasse ich mir vorschreiben, was ich trage, nur von DIR.
Aber es war nur ein sehr kurzer Moment, in dem meine Liebste mich musterte. Sie war fast sofort wieder oben auf und sie verschleierte ihren Blick wieder mit dieser undurchdringlichen Maske. Oje, das war gar nicht gut. Wenn Mimi so kalt und fast schon arrogant schaute – mit hochgezogener linker Augenbraue, versteht sich – dann war mit ihr nicht gut Kirschen essen. Dann tobte sie innerlich und wurde mehr oder weniger zur Eiskönigin. Scheiße aber auch! Es wird heute Abend ziemlich schwer werden, mit ihr zu reden. Sie wird mit allen Mitteln versuchen, mich zu ignorieren und wenn Mimi sich etwas in den Kopf setzt, dann zieht sie das mit ihrem französischen Dickschädel auch durch. FUCK!
Fast hilflos musste ich mit ansehen, wie mein Engel das Kinn leicht anhob und mit selbstsicherem Blick die Große Halle betrat. Doch sie schaute nicht mehr zu mir. Obwohl sie mir näher kam, hatte ich das Gefühl, dass sie sich mit jedem Schritt weiter von mir entfernte. Na, das hast Du ja gründlich verbockt, Snape! Doch noch würde ich nicht aufgeben. Ich hole sie mir zurück, auch wenn ich dabei bis zum Äußersten gehen musste. Etwas so Dramatisches und auch Überraschendes hatte Hogwarts in all seinen Jahren sicher noch nicht gesehen!
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Mein Weg verlief ohne größere Probleme. Wieso ich ohne größere sage? Na, ganz einfach, weil diese verdammten Stufen in den vergangen Jahren noch ausgetretener und somit um ein vielfaches gefährlicher geworden waren. Und das mit diesen Schuhen. Mehr als einmal war ich gestolpert, aber ich überlebte den Weg ohne auf die Fresse zu fliegen. Das war doch auch schon mal was, oder nicht? Man muss im Leben auch mal etwas positiv sehen. Es reichte mir schon, dass ich mit jedem Meter, den ich hinter mich brachte, immer nervöser wurde. Was würde mich in der Großen Halle erwarten? Würde Severus überhaupt dort sein oder war er, nachdem er bei mir vor der Tür aufgekreuzt war, wieder zurück in seinen Kerker gegangen? Ich hoffte es irgendwie. Oder vielleicht doch nicht? Ach, ich habe wirklich keine Ahnung, was ich denken sollte.
Ich wusste nur eines: Egal, was auch kommen mag, ich musste stark sein und Severus zeigen, dass er nicht alles mit mir machen konnte.
Das Geplapper in der Großen Halle drang sogar bis in den dritten Stock hinauf, was bedeutete, dass das Fest noch nicht begonnen hatte. Mist und ich hatte gedacht, dass ich mich vielleicht unbemerkt hinein schleichen könnte, während sich die Schüler die Bäuche voll hauten. Aber war das nicht eigentlich genau das, was ich mir erhofft hatte? Einen großen Auftritt, bei dem Severus Hören und Sehen verging. Je näher ich meinem Ziel kam umso unsicherer war ich mir.
Doch irgendwann ließ es sich nicht mehr verhindern und ich kam an der Marmortreppe an, die hinunter in die Eingangshalle führte und gleich links davon waren die breiten Flügeltüren, die in die festlich geschmückte Halle führten. Ich hielt kurz inne, um ein letztes Mal tief durchzuatmen. Noch konnte ich mich umdrehen und davon rennen, denn noch hatte mich sicher keiner entdeckt. Aber das wäre nicht ich. Ich würde nicht meinen nicht vorhandenen Schwanz einziehen. Nein, kommt ja überhaupt nicht in Frage, auch wenn ich noch so nervös war.
Also ein letztes Mal ein- (Schnief) und ein letztes Mal ausatmen (Puuuuh) und dann konnte es auch schon losgehen. Jetzt bloß nicht auf die Fresse fallen, Duchesse, sonst war die ganze Arbeit für die Katz'. Immer schön einen Fuß vor den anderen setzen. Das ist doch ganz einfach, auch mit DIESEN Schuhen.
Und tatsächlich schaffte ich auch noch die letzten Meter vollkommen unbeschadet. Beim ersten Blick in die Große Halle kam mir ein Gedanke: Na, da hatte wohl jemand die gleiche Idee wie Cole und ich. Der riesige Saal sah wahrlich aus wie ein Winterwunderland. Überall standen gigantische Eisskulpturen und die Wände glitzerten in wunderschönen Silber- und Hellblautönen, als wären sie mit einer Schicht Eis überzogen. Die vier langen Haustische waren auch bei diesem Ball durch die üblichen Vierertische ersetzt worden. Das kannte ich ja schon aus meiner eigenen Zeit in Hogwarts. Und natürlich war auch der Lehrertisch dort geblieben wo er sonst war, genau gegenüber des Eingangs.
Ich ließ meinen Blick durch den Raum schweifen, damit ich ihn in Ruhe bewundern konnte, als mir plötzlich auffiel, dass es auf einmal ziemlich still in der Halle geworden war. Zu still, wenn ihr mich fragt. Zudem schaute mich ausnahmslos jede Person an. Oh oh, welchen Fauxpas hatte ich denn jetzt schon wieder begangen? Hatte ich irgendwo einen Fleck oder vielleicht einen riesigen Pickel auf der Stirn? Oder hatte ich vielleicht in der ganzen Hektik mein Kleid vergessen? Kurzer Check: Nein, das Kleid habe ich an. Also doch ein Pickel? Aber als ich vorhin in den Spiegel geschaut hatte, war doch noch alles in Ordnung gewesen. Verdammt, Mimi, krieg Dich wieder ein. Da ist alles in bester Ordnung.
Obwohl ich eigentlich nicht sollte, ließ ich meinen Blick trotzdem über den Lehrertisch schweifen, um zu sehen, ob mein Feind... äh... Severus auch anwesend war. Scheiße, sogar meine Kollegen starrten zu mir. Ich hatte ja gleich gewusst, dass dieses Kleid zu viel war, aber Ian hatte mir nun einmal gut zu geredet. Na ja, jetzt ist es ohnehin schon zu spät. Ich kann mich ja nach dem Abendessen verpissen, dann wird alles wieder gut. Das sind vielleicht eineinhalb Stunden, die schaffe ich doch mit Links.
Und dann entdeckte ich ihn und ich musste mich sehr zusammen reißen, damit mir nicht die Kinnlade herunter fiel. Das fiel mir überraschend schwer, wie ich leider zugeben muss. Severus sah einfach unglaublich aus, dass muss ich jetzt schon einmal sagen. Er trug einen schwarzen Festumhang und darunter ein weißes Hemd und eine schwarze Fliege. Ans Revers hatte er sich eine dunkelrote Rose, meine Lieblingsblume, gesteckt. Und seine Haare... Er hatte sie sich mit Gel komplett zurück genommen und sah dabei aus wie ein Schauspieler aus den 20er Jahren. Ich musste zugeben, das gefiel mir außerordentlich gut. Und der Blick erst, mit dem er mich immer noch musterte und den er immer wieder über meinen Körper wandern ließ... Oh weia, da bekomme ich ja gleich ein feuchtes Höschen.
Mimi, in Gottes Namen, jetzt reiß Dich aber mal zusammen. Himmel, Du hättest es Dir vielleicht doch noch selbst besorgen sollen, bevor Du hier runter gekommen bist. So spielen einfach Deine Hormone verrückt. Ich gebe Dir jetzt genau 3 Sekunden und dann möchte ich, dass Du wieder normal im Kopf bist. Denk daran, was dieser Schwachmat Dir an den Schädel gehauen hat. Dass Du FRIGIDE bist! Hast Du das etwa schon vergessen?
Nein, das hatte ich nicht und in dem Moment, da mich meine innere Stimme daran erinnerte, stand mir die ganze Situation wieder glasklar vor Augen. Plötzlich loderte der Zorn wieder in mir hoch und wäre ich ein Stier gewesen, dann wäre Severus jetzt das rote Tuch. Ich scharrte quasi schon mit den Hufen und eine imaginäre Stichflamme schoss aus meinen Nasenlöchern. Na warte, Du Arschgesicht, Dir zeige ich's.
Ich zog meine linke Augenbraue nach oben und setzte meinen selbstsicheren Blick auf. Dann tat ich den ersten Schritt auf den Lehrertisch zu. Ich achtete extra darauf, dass ich ihn mit dem rechten Bein machte, da dieses immer durch den Schlitz hervor blitzte. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass Severus' Augen sich wenn möglich noch mehr weiteten, aber ich meidete es, seinem Blick zu begegnen. Nicht dass ich am Ende doch noch weich wurde. So weit kommt's noch.
Ich nahm mir alle Zeit der Welt und schreitete schon fast den Gang hinab. Viele Augenpaare folgten mir und eines erwartete mich voller Sehnsucht, aber das interessierte mich ja überhaupt nicht.
Als ich schließlich an meinem Ziel ankam, wandte ich mich erst einmal an den Schulleiter, denn immerhin war ich zu spät zum Fest gekommen und es war eine Entschuldigung fällig. Ich meine, sicher würde ich deswegen keinen Ärger bekommen, aber ich wollte einfach für meine eigenen Schüler, die dort unten bei den anderen saßen, ein gutes Vorbild sein.
„Professor Dumbledore, Sir“, sagte ich zu ihm und deutete einen kleinen Knicks an. „Es tut mir leid, dass ich ein klein wenig zu spät bin, aber ich habe...“
...mich mit diesem Arschloch, der sich mein Freund nennt, gestritten und deswegen habe ich ein klein wenig länger gebraucht, um mich heraus zu putzen. Vor allem musste ich mich erst einmal wieder einkriegen, nachdem er es auch noch gewagt hatte, bei mir vor der Tür aufzutauchen. Aber das konnte ich ja wohl schlecht sagen.
Doch Dumbledore wollte gar keine Erklärung hören, sondern winkte gleich ab und rettete mir somit den Hintern.
„Aber, aber, Miss Duchesse“, sagte er freundlich und lächelte mich an. „Sie brauchen sich doch wegen den paar Minuten nicht zu entschuldigen, meine Liebe. Wir wissen alle, dass Schönheit eine gewisse Vorbereitungszeit braucht. Sie sehen übrigens bezaubernd aus.“
„Vielen Dank, Professor“, gab ich zurück.
„Der Ball hat ohnehin noch nicht angefangen. Aber bitte, nehmen Sie doch Platz. Ich werde nun gleich meine Eröffnungsrede halten und dann beginnt das Festmahl.“
Ich nickte ihm noch einmal zum Dank zu und wandte mich dann nach links, um um den Tisch herum zu meinem Platz zu gehen. Severus' Blicke bohrten sich wie Pfeile in meine Haut, aber ich wollte sie einfach nicht wahrnehmen. Natürlich schlugen meine Versuche auch ein klein wenig fehl, denn ich konnte nicht anders, als Severus das eine oder andere Mal anzusehen.
Als ich den Tisch umrundete hatte, sprang Severus so schnell von seinem Stuhl auf, dass man meinen könnte, er hätte sich seinen Fettarsch verbrannt. Aber es war nur einer seiner seltenen Anflüge von „Gentleman sein“, denn meistens verhielt er sich ja wie ein Arschloch. Doch nicht jetzt. Jetzt zog er mir meinen Stuhl zurück und wartete darauf, dass ich Platz nahm. Und wieder einmal kämpfte ich gegen mich selbst. Sollte ich oder sollte ich nicht? Oder war vielleicht so ein Spruch wie „Ich weiß selbst, wie man sich hinsetzt“ angebracht?
Das alles dauerte natürlich ein paar Sekunden, doch am Ende gab ich nach. Man konnte mir ja wohl kaum vorwerfen, wenn ich mich auf meinen Hintern setzte, oder? Nein, auch Du nicht, meine liebste innere Stimme. Deswegen musste ich ja nicht gleich wieder mit Severus sprechen. Ich tat einfach so, als wäre er der Oberkellner in einem Lokal. Mit dem redet man ja auch nicht wirklich.
Also setzte ich mich und griff sofort nach der Menükarte, die vor mir auf dem Tisch ruhte. Perfekt, so konnte ich so tun, als würde ich nichts anderes um mich herum wahrnehmen. Mmmm, also ich muss schon sagen, Dumbledore lässt sich wirklich nicht lumpen. Da stehen hervorragende Sachen auf dem Speiseplan, zum Beispiel...
„Mimi, Du...“, ertönte es da von links, doch genau in diesem Moment erhob sich der Schulleiter und trat an sein Rednerpult.
Ich konnte deutlich hören, wie Severus wütend mit den Zähnen knirschte und irgendetwas von wegen „Wirklich perfektes Timing, Albus“ murmelte. Nur mit Mühe und Not gelang es mir, ein Lachen zu unterdrücken. Tja, dazu fällt mir nur eines ein: Haha! Pech gehabt, alter Knabe.
Doch leider dauerte die Rede nicht halb solange, wie ich gehofft hatte. Oh Mann, wieso musste Dumbledore ausgerechnet heute einen Tag haben, an dem er sich kurz fasste? Sonst schaffte er es doch auch, die halbe Schule zum Einschlafen zu bringen (Ich hörte natürlich immer vorbildhaft zu – ja gut, meistens jedenfalls). Wieso also nicht auch heute, wenn eine bescheuerte, hirnverbrannte Fledermaus neben mir sitzt und meine Aufmerksamkeit zu erregen versucht – eine Tatsache, auf die ich im Moment wirklich sehr gut verzichten könnte.
Ich schlug erneut die Speisekarte auf, doch mein Tischnachbar hatte nicht die Absicht, mich die Leckereien noch einmal anschauen zu lassen, denn kaum hatte der Schulleiter das Mahl für eröffnet erklärt und sich an seinen Platz gesetzt, da kam auch schon wieder dieses nervtötende Geräusch von links.
„Gott sei Dank ist er endlich fertig. Hat ja lange genug gedauert. Aber was ich Dir vorhin sagen wollte, Mimi... Du bist so atemberaubend schön. Du bist die bezauberndste Frau in diesem Raum. Ach Quatsch, was sage ich? Auf der ganzen Welt, nein, im ganzen Universum.“
Schluck... Das war ja... Oh Gott... Eine echte Seltenheit aus Sevs Mund. Also, er machte mir schon ab und zu Komplimente, aber mehr als ein „Du siehst heute hübsch aus“ kam ansonsten nicht über seine Lippen. Himmel, musste er denn ausgerechnet jetzt so süße Sachen sagen? Jetzt, wo ich so sauer auf ihn war... Na ja, vielleicht sollte ich das ganze doch nicht so...
NEIN! Marie Lucie Duchesse, bist Du eigentlich komplett bescheuert? Du denkst doch nicht gerade allen Ernstes daran, jetzt schon klein bei zu geben und ihm diese Scheiße durchgehen zu lassen? Das hat er definitiv nicht verdient und er weiß auch jetzt ganz genau, was er da tut. Das ist seine Masche. Zuerst macht er irgendeinen Mist und dann meint er, mit ein bisschen Schön tun ist die Sache wieder geritzt. Aber nicht heute. Das kann er sich gleich mal sowas von in die Haare schmieren wie die drei Tonnen Haargel, die er drin hat. Wach doch endlich einmal auf, Mädchen. Der Kerl hat es verdient, dass er leidet. Er soll auf Knien angerutscht kommen und selbst dann noch musst Du eher noch drauf hauen als wieder einen „Ooooh wie süß“ zu sagen. Und zu seinem Spruch eben... Dazu kann ich nur eines sagen: SCHLEIMER!!!
Auch wenn ich in den letzten Wochen gelernt hatte, auch mal auf mein Herz zu hören, so musste ich heute meiner inneren Stimme recht geben. Was zu viel war, war einfach zu viel. Ich war frigide? Bitte schön, das konnte er haben.
Also beschloss ich, das einzig richtige zu tun: Ich würde ihn weiterhin ignorieren und mich stattdessen irgendwie ablenken. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht hinbekommen würde.
Gut, dann fangen wir einfach einmal an. Schritt 1: Den ersten Gang bestellen.
„Tomatencremesuppe“, sagte ich zu meiner Karte und schon erschien eine kleine Tasse voll mit der cremigen Brühe.
Sofort begann ich sie in mich hinein zu schaufeln, um mich von diesem nervigen Etwas und seinen Sprüchen abzulenken. Doch natürlich hörte dieser Ochse nicht auf. Wieso sollte er auch? Immerhin hatte er den größten Dickschädel der Welt, noch größer sogar als meiner.
„Mimi, bitte, ich weiß, ich habe mich wie das letzte Arschloch aufgeführt, aber...“
Ach, hast Du das auch schon gemerkt? Das ging ja schneller als gedacht, aber trotzdem nicht schnell genug. Aber trotzdem hat er sich dafür zweifelsohne einen Sonderapplaus verdient. Also bitte gedanklich mal alle aufstehen und mit den Händchen klatschen. Bravo, Mister Snape, wirklich eine ganz hervorragende Leistung!
Mimi, waren wir uns nicht darüber einig, dass wir diesen Idioten einfach links liegen lassen? Dann mach endlich mal hinne, altes Mädchen.
Gut, Ablenkung, Ablenkung... Aber wie? Essen hilft nicht wirklich, das geht viel zu schnell. An schöne Zeiten denken? Bloß nicht, da werde ich nur wieder weich. Ähm... Singen? Mist, ich kann nicht singen. Ich würde es innerhalb einer Millisekunde schaffen, die Große Halle leer zu fegen. Hey, das wäre doch die Lösung. Gehirn einschalten, Mimi. Severus würde selbst dann noch hier sitzen, wenn du wie eine Banshee kreischt. Er würde sich einfach Ohrenstöpsel in die Ohren stopfen oder Dich mit einem Schweigezauber belegen. Hmmm... Aber ich könnte für mich selbst singen... In meinem Kopf...
„Mimi, mein Schatz, bitte“, versuchte es Severus erneut. „Ich weiß, ich habe Dich verletzt. Aber wir wie soll ich Dir die ganze Scheiße denn erklären, wenn Du...“
Lalalala, ich hör Dich nicht, ich hör Dich nicht.
„Ich weiß genau, was Du da treibst. Du machst nur wieder einmal einen auf Eiskönigin, aber das lasse ich nicht zu. Bitte, Mimi, ich verlange wirklich nicht viel, aber...“
Ein kleiner, dicker Sevi steht draußen am Balkon,
hollari, hollari, hollaro!
Was brauch' ich ganz viel Vögeln, was brauch' ich ganz viel Sex,
hollari, hollari, hollaro!
Hmmm, das läuft doch gar nicht mal so schlecht. Immerhin hatte ich es geschafft, meine Suppe aufzuessen, ohne dass sie mir wieder hoch kommt, also konnte ich mich jetzt in Ruhe meiner Vorspeise (Gemischter Salat mit Putenstreifen) zuwenden. Und nicht zu vergessen diesen ausgezeichneten Rotwein, der mittlerweile auf dem Tisch erschienen war. Das erste Glas leerte ich gleich mal auf Ex, dann konnte ich mir das zweite gleich voll schenken.
„Mimi, Du weißt, dass Du nichts verträgst, also bitte trink' nicht so viel, ja?“
Was fiel diesem Arschloch eigentlich ein? Es war mein Körper und wenn ich mich voll laufen lassen will, dann tue ich das auch. Und außerdem wäre es ja ohnehin nur seine Schuld. Hmm, aber apropos Arschloch. Da fällt mir doch noch ein Liedchen ein, dass ich erst letztens im Muggel-Radio gehört hatte. Mal sehen, ob ich es noch hin bekomme.
Du bist wirklich saudumm, darum geht's Dir gut .
Hass ist Deine Attitüde, ständig kocht Dein Blut.
Alles muss man Dir erklären, weil Du wirklich gar nichts weißt.
Höchstwahrscheinlich nicht einmal, was Attitüde heißt!
Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe.
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit.
Du hast nie gelernt, Dich zu artikulieren .
Und Deine Eltern hatten niemals für dich Zeit,
Oh ,oh, oh , Arschloch!
Oder so ähnlich auf jeden Fall. Aber irgendwie finde ich es passend.
Ich würgte meinen Salat herunter und trank gleichzeitig meinen Wein aus. Mmm, der ist wirklich lecker. Da gönne ich mir doch glatt noch ein Schlückchen. Vielleicht lässt sich dann dieser elende Mistkerl neben mir irgendwie ausblenden, denn er ließ immer noch irgendwelchen Mist vom Stapel.
„Es tut mir ja so leid, Mimi. Ich hätte so etwas wirklich nicht sagen sollen. Eigentlich habe ich das auch gar nicht so gemeint. (EIGENTLICH???) Ich war in diesem Moment nur einfach so sauer, dass ich...“
Diesen Schwachsinn muss ich mir wirklich nicht länger geben. Da wird einem ja schlecht bei so viel Scheiße. Männer, also wirklich. Da singe ich wirklich lieber weiter. Gibt's da nicht irgendwas passendes. Aber selbst verfreilich doch!
Männer führen Kriege
Männer sind schon als Baby blau
Männer rauchen Pfeife
Männer sind furchtbar schlau
„Mimi, bitte rede doch endlich mit mir!“
Ui ih uh ah ah
ting tang walla walla bing bang.
Ui ih uh ah ah
ting tang walla walla bing bang.
„Herrgott, das ist doch wirklich kindisch. Du führst Dich wirklich auf wie eine Dreijährige. (Ach wirklich!) Ich habe mich doch bei Dir entschuldigt und versucht, Dir alles zu erklären. Wieso tust Du also so, als würdest Du mich gar nicht wahrnehmen?“
Warum? Ganz einfach:
Weil ich ein Mädchen bin...
Weil ich ein Määääädchen bin...
Langsam zeigte der Alkohol seine Wirkung und ich konnte nicht anders, als das ganze wahnsinnig komisch zu finden. Mittlerweile hatte sich auch ein fettes Grinsen auf meinem Gesicht ausgebreitet, während ich den Hauptgang (Entenbrust mit Rösti und Orangensoße) in mich hinein schaufelte.
Dieses Spiel gefiel mir. Severus neben mir, der irgendeinen Unsinn erzählte, blickte immer finsterer drein und schien mächtig sauer zu werden, doch mir fiel nichts besseres ein, als ihn schimpfen zu lassen und stattdessen fröhlich meine Liedchen vor mich hin zu trällern. Aber so lange das funktionierte, war alles in Butter. Ich musste nur aufpassen, dass ich nicht auf einmal laut meine Künste zum besten gab. Dann wäre wirklich in kürzester Zeit die Große Halle leer, denn ich klang in etwa so wie ein Geisterchor oder wie Fingernägel, die über eine Tafel kratzten.
Ich bestellte mir mein Lieblingsdessert (Mousse au chocolat) und genehmigte mir dazu ein Gläschen Champus. Wieso auch nur beim Wein bleiben? Ist doch langweilig. Was braucht FRAU denn sonst großartig? Zigaretten, Alkohol (Aber nicht zu viel), Schuhe (Davon bitte reichlich) und Schokolade. Ansonsten...
Where have all the good men gone
And where are all the gods?
Where's the street-wise Hercules
To fight the rising odds?
Isn't there a white knight upon a fiery steed?
Late at night, I toss and I turn and I dream of what I need
I need a hero
I'm holding out for a hero till the end of the night
He's gotta be strong
And he's gotta be fast
And he's gotta be fresh from the fight
I need a hero
I'm holding out for a hero till the morning light
He's gotta be sure
And it's gotta be soon
And he's gotta be larger than life
Unwillkürlich schweifte mein Blick nach links, wo mein persönlicher Held saß. Ein Held... tja, das war er wirklich, im negativen, aber auch im positiven Sinn. Der negative dürfte wohl klar sein... Seine Aktionen, die er so brachte, konnte man wahrlich als „heldenhaft“ bezeichnen. Alleine wenn ich an heute Nachmittag dachte, rollten sich mir die Zehennägel hoch. Wie war er nur auf die Idee gekommen, mich als frigide zu bezeichnen? Nach allem, was wir in den letzten Wochen getrieben hatten... Das tat weh, richtig weh und ich konnte das einfach nicht vergessen. Auch wenn er sich tausend Mal dafür entschuldigte... So schnell konnte er das nicht wieder gut machen.
Oder wie er ausgerastet war, weil ich zu spät aus Frankreich zurück gekommen war, das war einfach auch viel zu übertrieben. Oder sein Oberzicken-Auftritt, weil ich ihm nicht die Wahrheit über Sirius erzählt hatte. Ich meine, okay, es war wirklich nicht in Ordnung von mir gewesen, dass ich meinen Schatz angelogen – oder besser gesagt, ihm die Wahrheit verschwiegen – hatte, aber FÜNF verdammte Tage lang nicht mit mir zu reden... Bitte, man konnte es auch wirklich übertreiben!
Doch Severus hatte auch eine andere Seite, eine liebe, nette, zuvorkommende. Er war nicht nur ein hervorragender Liebhaber (OJAAAA!), sondern er machte mich trotz all seinen Macken so glücklich wie ich seit Jahren nicht mehr gewesen war. Wenn ich daran dachte, wie wir uns abends auf mein Sofa kuschelten und er mich am Rücken streichelte oder mich sogar massierte... Ich könnte mir nichts schöneres vorstellen. Ein weiteres Beispiel war die Zeit, in der er nicht aufgegeben hatte, um mich zurück zu gewinnen. Damals hatte es mich genervt, aber heute fühlte ich mich wirklich geschmeichelt.
Und auch wenn Sev ein noch so großes Arschloch war, so schaffte er es doch ab und zu, romantisch zu sein und das alles nur um mir eine Freude zu machen. Zum Beispiel als er mit mir letztes Wochenende in die Höhle nach Hogsmeade wollte. Ich bin mir sicher, wenn Sirius nicht in der Höhle gewesen wäre, dann hätte ich unseren einstigen Rückzugspunkt mit Kerzen und Rosenblättern etc. vorgefunden.
Allein solche Aktionen machten es leicht, Severus zu lieben. Und ich liebte ihn, auch wenn ich noch so sauer auf ihn war. Ich schaute ihn noch einmal aus den Augenwinkeln heraus an. Er stocherte gerade in seiner Siruptorte herum und wirkte wirklich geknickt. Oh mein Gott, er tat mir irgendwie leid... War ich nicht vielleicht doch zu hart zu ihm? Immerhin wollte er mir das ganze ja erklären, aber ich war zu stur um mir das ganze anzuhören. Und er hatte sich doch solche Mühe gegeben, was sein Aussehen anging. Der Festumhang, die Haare... Himmel, was sollte ich nur tun? Sollte ich...
Mimi, jetzt sei doch wenigstens einmal vernünftig. Der Kerl hat Dich beschimpft und meint jetzt, dass mit einem einfachen „Es tut mir leid“ alles wieder gut ist. Aber das kann er vergessen, denn so etwas musst Du Dir wahrlich nicht bieten lassen. Der soll nur sehen, was er davon hat.
Normalerweise würde ich meiner inneren Stimme da voll und ganz zustimmen, aber im Moment übernahm der Alkohol die Kontrolle über mich. Und wie wurde klein Mimi, wenn sie getrunken hatte? Da gab es zwei Möglichkeiten: entweder aggressiv oder eben mordsgeil. Und im Moment traf leider Punkt 2 zu. Wenn ich mir meinen Liebsten so ansah... Mmmm, da bekomme ich doch glatt Lust, ihm diesen Anzug vom Leib zu reißen. Aber ganz so einfach wollte ich es ihm dann doch nicht machen. Ein bisschen konnte er schon noch leiden. Immerhin machte es mir Spaß.
Da hob Severus den Blick und seine schwarzen Augen schauten in meine grünen. Deutlich hörbar schnappte er nach Luft. Damit schien er nicht gerechnet zu haben.
„Mimi, Du...“, meinte er ein klein wenig hoffnungsvoll. „Bitte, mein Kleines. Es tut mir wirklich leid. Lass mich Dir die ganze Sache erklären. Ich flehe Dich an.“
Ich war kurz davor klein bei zu geben. Wie konnte man so einem traurigen Hundeblick auch widerstehen? Doch noch war ich nicht so weit, denn der Schmerz war noch da, auch wenn ich heiß auf Sev war. Deshalb wandte ich schnell den Blick ab und konzentrierte mich auf meine Mousse, die in diesem Moment vor meinen Augen verschwand. Wie, was, wo? Was sollte denn der Scheiß jetzt? Ich war doch noch gar nicht fertig. Och Menno.
Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn in diesem Moment erhob sich Dumbledore erneut und trat an sein Rednerpult. Noch eine Rede? Jippieh! Hoffen wir mal, dass diese hier länger dauert als die erste, dann kann ich meine meine Gedanken vielleicht wieder ein klein wenig unter Kontrolle bringen, denn im Moment war ich doch ein klein wenig durcheinander.
„Meine lieben Freunde, Gäste und natürlich auch Schüler“, begann Dumbledore. „Ein herzliches Willkommen zu unserem diesjährigen Weihnachtsball. Ich hoffe, dass ihr alle das herrliche Festessen eben genossen habt und doch nicht zu voll seid, um jetzt richtig abzufeiern, wie man es so schön nennen kann. Auch in diesem Jahr habe ich keine Kosten und Mühen gescheut und eine Band an Land gezogen, die ihr mit Sicherheit alle kennt. Meine Damen und Herren, bitte begrüßen Sie mit einem herzlichen Applaus die Schwestern des Schicksals.“
Acht ziemlich wild aussehende Musiker stürmten auf die Bühne. Sie trugen alle schwarze, zerrissene Klamotten und ihre Haare sahen aus, als hätten sie sich eben alle gemeinsam um eine Steckdose versammelt und damit herum gespielt. So sah meine Mähne nur aus, wenn ich morgens aus dem Bett kroch oder wenn ich eben noch eine heiße Nummer mit Severus geschoben hatte. Mmmm... Ein scharfer Quickie mit der Fledermaus... Das wär doch jetzt genau das richtige. Nein, Mimi, reiß Dich zusammen. Das ist nur der Alkohol, der aus Dir spricht.
„Und nun möchte ich Sie alle bitten, sich um die Tanzfläche herum zu versammeln“, fuhr Dumbledore fort, „und unseren Champions die Ehre bei dem traditionellen Eröffnungstanz zu erweisen, wie es beim trimagischen Turnier Brauch ist. Miss Delacour, Mr Krum, Mr Diggory und Mr Potter, kommen Sie doch bitte mit Ihren Partnern nach vorne.“
Der Schulleiter schwang seinen Zauberstab und die ganzen Tische und Stühle verschwanden. Ich erhob mich von meinem Stuhl – Scheiße, muss der Boden denn so schwanken – und stellte mich an den Rand der soeben frei gewordenen Fläche. Zu deutlich nahm ich wahr, wie Severus das gleiche tat und sich neben mich stellte. Musste das denn so nahe sein? Ich konnte die Wärme seines Körpers an meiner linken Seite spüren und wusste nicht, ob ich das jetzt gut oder schlecht finden sollte.
Gott sei Dank lenkte mich das Einsetzen der Musik kurz von diesem Dilemma ab. Die Band stimmte ein ziemlich langsames und fast trauriges Lied an – einen langsamen Walzer. Ich schaute Harry dabei zu, wie er sich mit einem indisch aussehenden Mädchen abmühte. Oje, der Junge schien tänzerisch genauso begabt zu sein wie sein Vater James. Bei der Verteilung der Tanzbegabung war der definitiv auch NICHT anwesend gewesen. Das Mädchen, das ungefähr in Harrys Alter war, verzog des Öfteren das Gesicht, was ziemlich sicher bedeutete, dass Harry ihr auf die Füße stieg. Ich musste dringend einmal ein Wort mit Sirius sprechen, dass er seinen Patensohn im Sommer in eine Tanzschule schicken sollte. Nichts ist anziehender für ein Mädchen, als wenn ein Mann tanzen kann.
Und schon wieder fingen meine Augen an, verrückt zu spielen. Sie schweiften nämlich ständig nach links und musterten meinen eigenen sexy Tänzer. Und das, obwohl ich es wirklich nicht wollte. Aber er sah heute einfach zum Anbeißen aus. So heraus geputzt hatte er sich wirklich noch nie. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich ihn jemals in einem Festumhang zu sehen bekommen würde. Das machte es mir auch ziemlich schwer, ihn weiterhin zu ignorieren. Verdammt, dass hatte er mit Sicherheit geplant, dieser elende Mistkerl. In meinem Inneren begann ein Kampf zu toben. Sollte ich meine Show weiter abziehen oder sollte ich mal wieder klein bei geben und die ganze Scheiße einfach wie eine Frau klären? Shit, ich hatte wirklich keine Ahnung, was ich tun sollte.
Severus wandte mir nun seinen Blick zu. Schwarze Augen blickten in grüne. Oh Gott, wie kann ich denn sauer auf ihn sein, wenn er mich SO anschaut? Das ist unmöglich. Seine Augen glitzerten und schimmerten und es lag so viel Wärme und... ja, Liebe in seinem Blick, das mir beinahe das Herz aus der Brust sprang, weil es so schnell zu pochen begann. Scheiße, ich liebte diesen Arsch, ob es mir passte oder nicht und wenn ich ehrlich zu mir selbst war, dann würde ich nun am liebsten in seinen Armen liegen.
Da endete plötzlich die Musik und die Band begann eine rockige Nummer. Ich zwang mich selbst, den Blick von Severus abzuwenden, denn ich war trotz allem noch sauer auf ihn, was mir aber immer schwerer fiel, deswegen war ich auch so durcheinander.
Doch Severus wäre nicht er selbst, wenn er einfach so aufgeben würde. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, sich mit mir zu versöhnen und das wurde auch knallhart durchgezogen, ob es mir nun passte oder nicht. Ich sah es nicht kommen und doch spürte ich die hauchzarte Berührung an meinem Oberarm, als Severus dort mit dem Zeigefinger darüber streichelte. Sofort stellten sich mir sämtliche Härchen auf dem kompletten Körper auf. Und ich konnte nicht einmal ausweichen, selbst wenn ich es gewollt hätte, denn neben mir stand Pomona Sprout und die brauchte einiges an Platz. Fuck!
Der Kampf in meinem Innerem tobte weiter: Mein Verstand schrie mich an, dass ich am besten auf dem Absatz kehrt machen und das Weite suchen sollte. Und mein Arm brauchte – der Meinung meiner inneren Stimme nach – eine gründliche Reinigung und Desinfizierung. Doch mein Herz dachte ganz anders darüber. Mal ganz abgesehen davon, dass es in meiner Brust raste, flüsterte es mir zu, dass ich mich in die Arme meines Liebsten werfen und ihm alles verzeihen sollte. Auf wen sollte ich denn jetzt hören? Verdammt, ich hätte nichts trinken sollen, dann wäre ich jetzt wenigstens klar im Kopf und könnte eine vernünftige Entscheidung treffen.
„Mimi“, kam es da von links und wieder führten meine Augen ein Eigenleben. Es war fast so, als gehörten sie gar nicht mir. „Mimi, was kann ich tun, um das alles wieder gut zu machen? Bitte sag es mir. Was möchtest Du?“
Was ich möchte? Das wenn ich wüsste, dann wäre ich um einiges schlauer. Es war auch nicht gerade hilfreich, dass meinem benebeltem Hirn nichts besseres einfiel, als erneut los zu trällern.
Boom, boom, boom, boom,
I want you in my room.
Let's spend the night together.
From now until forever.
Boom, boom, boom, boom,
I wanna go boom boom
and spend the night toghether...
Togehter in my room.
Schluss jetzt! Hör endlich auf mit dem verfluchten Gesinge. Das hilft mir jetzt wirklich nicht weiter.
„Bitte, Mimi, sag mir, was ich tun soll. Ich tue alles, nur damit Du wieder mit mir redest!“
Was er tun soll? Oh Moment, da fällt mir was ein. Das Wundermittel schlechthin, das schon mehr als einmal funktioniert hat. Dass er da noch nicht von selbst drauf gekommen ist. Hihi, das wäre der Brüller auf dem Ball. Wovon ich spreche? Ganz einfach.
Zieh Dich aus, Fledermaus,
mach Dich nackig.
Zieh Dich aus, Fledermaus,
mach Dich frei.
Und wackel mit dem Schwanz nach links
und wackel mit dem Schwanz nach rechts.
Zieh Dich auch, Fledermaus,
mach Dich nackig.
Gaaaah, ich glaube, jetzt drehe ich wirklich durch. Ich hätte diesen verfickten Wein nicht trinken sollen. Oder doch? Ach, ich habe keine Ahnung.
Doch ich konnte nicht anders, als das Grinsen zu zu lassen, das sich jetzt auf meinen Lippen ausbreitete. Was für ein verrücktes Fest. So habe ich mir das in meinen schlimmsten Träumen auch nicht vorgestellt. Eigentlich sollte es so ablaufen: Severus und ich zusammen als glückliches Paar, das gemeinsam über die Tanzfläche schwebt. Und was war jetzt? Ich war betrunken und sang im Geiste irgendwelche Lieder, während Severus mich voll laberte, damit ich wieder mit ihm sprach. Na super. Das war doch eine ganz tolle Basis für die Weihnachtsfeiertage, oder etwa nicht?
Sev schaute ziemlich verwirrt drein, doch dann breitete sich auch auf seinen Lippen ein Lächeln aus und in seinen Augen brannte ein leidenschaftliches Feuer.
„Wie wär's mit einem Tanz“, wollte er wissen und hielt mir seine linke Hand hin.
Hmmm, sollte ich oder sollte ich nicht? Eigentlich wollte ich ja den ganzen Abend die beleidigte Leberwurst spielen, aber irgendwie hatte ich darauf keine Lust mehr. Ich hatte schon so lange nicht mehr mit meinem Liebsten getanzt, dass es mir jetzt schwer fiel, dem zu widerstehen. Meine rechte Hand zuckte nach oben und obwohl meine innere Stimme mich beschimpfte, legte ich sie schließlich in die von Severus. Sie fühlte sich so warm und zärtlich an. Etwas Warmes, fast Heißes, breitete sich in meiner Brust aus und ich wusste in diesem Moment, dass ich das Richtige tat. Das war es, was ich wollte und brauchte... in den Armen meines Liebsten liegen, egal was für ein Arsch er manchmal auch war.
Severus zog mich auf die Tanzfläche, die nun schon ziemlich voll war. Minerva tanzte gerade mit Professor Dumbledore, Igor Karkaroff hatte sich Professor Vektor geschnappt und Olympe lag in den Armen von Hagrid. Himmel, die brauchten ja mindestens ein Drittel der Tanzfläche für sich. Doch das alles nahm ich nur am Rande wahr, denn ich hatte nur noch Augen für meinen persönlichen Fred Astaire, der mich nun an sich zog und die Hand auf mein Steißbein legte. Und schon schien die Welt um mich herum still zu stehen. Ich fühlte nur noch, wie er anfing, die ersten Schritte des Cha cha cha zu tanzen.
Ich kann nicht sagen, wie lange wir tanzten, denn es schien nur noch uns beide zu geben. Ich konnte den Blick nicht von Severus' Augen abwenden, in denen so viel Liebe lag, dass es mir beinahe die Tränen in die Augen trieb. Dieser Mann, mit dem ich da gerade tanzte, liebte mich so sehr und mir ging es ebenso. Ich konnte mir nicht vorstellen, auch nur einen weiteren Tag ohne ihn verbringen zu müssen, auch wenn er noch so viel Blödsinn anstellte. Ich musste ihm einfach verzeihen, ich konnte nicht anders. Aber das würde ich ihm erst später sagen, wenn wir beide alleine waren. Ein bisschen konnte er schon noch zappeln.
„Ich liebe es mit Dir zu tanzen, Mimi“, flüsterte Severus in mein Ohr.
Ich hatte meinen Kopf auf seine Schulter gelegt und sog tief seinen Duft ein. Oh Gott, er roch himmlisch. Nach meinem Lieblingsaftershave. Wie sehr hatte mir dieser Duft in den letzten fünf Tagen vermisst. Die kurze Zeit heute Nachmittag hatte einfach nicht ausgereicht um meinen Durst danach zu stillen.
Mein Schatz (Darf ich ihn jetzt wieder so nennen?) streichelte mir kurz über den Rücken und ich genoss diese Zärtlichkeiten. Mmmh... davon hätte ich am liebsten mehr.
Plötzlich spürte ich, wie Severus in Richtung Bühne nickte, auf der die Band stand und ihre Liedchen sang. Was sollte denn das? Was hatte er denn jetzt schon wieder vor?
Die Schicksalsschwestern beendeten das Lied und auf einmal knackste es in den Lautsprechern. Nanu... Ein Lied vom Band? War das überhaupt erlaubt? Immerhin war das hier eine Liveband... Da hatten sie auch selbst Musik zu spielen, oder etwa nicht? Mich überkam ein komisches Gefühl. Irgendetwas stimmte hier nicht.
Da drang ein Lied aus den gigantischen Boxen, das ich nur zu gut kannte. Doch woher wusste Severus, dass das seit ungefähr drei Jahren zu meinen absoluten Lieblingsliedern zählte, auch wenn es auf Französisch war? Ich hatte ihm zwar erzählt, dass ich den Film, aus dem es stammte, über alles liebte (Auch wenn es eigentlich ein Kinderfilm war), aber das Lied hatte ich nicht erwähnt. Aber warum ertönte nun in der Großen Halle „Histoire éternelle“ aus „La Belle et la Bête“ („Die Schöne und das Biest“ aus dem gleichnamigen Film)? Ich verstand überhaupt nichts mehr, nicht einmal mehr Bahnhof.
Trotzdem ließ ich mich bereitwillig von Severus mitnehmen in eine Welt, in der es nur uns beide gab. Er führte immer noch genauso hervorragend wie vor 18 Jahren und wir harmonierten einfach perfekt. Ich genoss seine Nähe und die Innigkeit. Doch als ich kurz den Blick hob, sah ich, dass kein anderes Paar mehr auf der Tanzfläche war. Sie hatten sich alle um uns herum versammelt und sahen meinem Liebsten und mir zu. Was ging hier vor? Irgendetwas stimmte doch hier nicht. Es stank gewaltig zum Himmel.
„Was...“, setzte ich an, um Severus zu fragen, was hier abging, doch er drehte mich schnell einmal nach draußen.
Das komische Gefühl verstärkte sich. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass hier irgendetwas vor sich ging. Aber was? Was? WAAAAS????
Die Antwort sollte nicht lange auf sich warten lassen, da das Lied ziemlich kurz war. Es dauerte in etwa zweieinhalb Minuten. Als die letzten Takte ertönten, führte mich Severus in ein Damensolo und hauchte mir abschließend einen zarten Kuss auf meinen Handrücken. Danach nahm er mein Gesicht in seine vom vielen Kreidestaub rauen Hände und sah mir tief in die Augen.
„Mimi, mein Schatz, meine Sonne, mein Engel, mein Leben“, sagte er laut genug, sodass man ihn in der ganzen Halle hören konnte. „Seit ich Dich vor achtzehn Jahren kennen gelernt habe, bist Du der Mittelpunkt meines Daseins und als Du mich verlassen hast, hat die Welt aufgehört sich für mich zu drehen. Doch nun habe ich Dich endlich wieder und Du machst mich in jeder Sekunde, in der wir zusammen sind, zum glücklichsten Menschen im ganzen Universum. Ob Du es glaubst oder nicht, aber ich liebe Dich mehr als mein Leben, auch wenn ich mich oftmals wie ein komplett abgefucktes Arschloch aufführe. (Wie wahr!) Ich kann mir ein Leben ohne Dich einfach nicht mehr vorstellen und deshalb...“
Plötzlich war er verschwunden und es dauerte einen Moment, bis ich kapierte, dass er vor mir auf die Knie gegangen war.
Ach Du Scheiße! Nein, nein, nein, nein, NEIN!!!! Das darf er nicht... Der wird doch nicht...
„Marie Lucie Duchesse, ich liebe Dich und ich werde Dich immer lieben. Ich möchte für den Rest meines Lebens für Dich da sein und Dich beschützen. Bitte, teile Dein Leben mit mir. Marie, willst Du mich heiraten? Veux-tu m'épouser?“
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