
von Fuchsfeuer
Prolog
November 1979
Auszug aus dem Tagebuch des Regulus Arcturus Black:
14. November 1979
Es ist nachts, doch ich kann nicht schlafen. Nicht, weil mich Alpträume plagen, nein, sondern weil ich weiß, dass dies mein letzter Eintrag sein wird. Und ich bedaure es zutiefst, diese Zeilen überhaupt zu Papier bringen zu müssen. Aber anders weiß ich mir nicht zu helfen. Ich möchte nicht sterben, ohne etwas hinterlassen zu haben. Dieses Tagebuch wird mein Vermächtnis sein.
Es ist mir unmöglich zu erklären, was meine Gründe für mein morgiges Handeln sind. Zuviel ist inzwischen passiert, als dass ich es einer anderen Person mit gesprochenen Worten begreiflich machen könnte. Ich habe in diesem Tagebuch mein Leben niedergeschrieben. Momente, mögen sie noch so klein und unbedeutend für einen Außenstehen gewesen sein, haben mir jedoch die Welt bedeutet.
Ich bin in den Krieg gezogen, für Ideale und Vorstellungen, die lange Zeit meine eigenen waren. Ideale und Vorstellungen, die ich als das wahre Erbe der Familie Black betrachtet habe.
Toujours pur - stets unbefleckt.
Ungeachtet der Konsequenzen habe ich für den Dunklen Lord gekämpft, stets bemüht, seinen und den Erwartungen meiner Eltern gerecht zu werden. Ich habe meinen Blick auf die Gegenwart gerichtet, nie auf die Zukunft. Ich habe nicht gefragt, was morgen sein wird, war ich mir doch sicher, dass der nächste Tag sich nicht vom heutigen unterscheiden würde.
Ich war ein Narr, gefangen in meiner eigenen intoleranten, kleinen Welt. Und ich bin glücklich gewesen. Sehr glücklich. Für lange Zeit. Es gefiel mir, von allen als der ideale Spross der Familie Black angesehen zu werden. Ich war stolz, dass mein Name im selben Atemzug wie der meines älteren Bruders Cepheus genannt wurde.
Umso tragischer ist es, dass sein Handeln mich jetzt dazu bewogen hat, den Tod zu wählen. Inzwischen ist meine kleine, heile Welt zerbrochen. Ich bin auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Die Realität hat mich heimgesucht und mir gezeigt, dass es vieles gibt, in dem sich der Dunkle Lord geirrt hat. Und für all diese närrischen, gar stupiden Ansichten habe ich das Leben von hunderten von Zauberern aufs Spiel gesetzt.
Habe das Leben von der Liebe meines Lebens aufs Spiel gesetzt.
(Wenn du das hier lesen solltest, Mistel: Es tut mir leid).
Doch jetzt sehe ich es. Ich sehe endlich zum ersten Mal in meinem Leben vollkommen klar.
Und ich möchte etwas ändern. Möchte anderen eine Zukunft ermöglichen.
Mein Tod ist hierbei nur ein kleines Opfer. Eine Notwendigkeit. Und dennoch bereue ich es zutiefst, keinen anderen Ausweg gefunden zu haben.
Ich hätte gerne noch etwas länger mit Mistel zusammengelebt. Ich hätte wenigstens ein einziges Mal gerne meinen ungeborenen Neffen oder meine ungeborene Nichte in den Armen gehalten. Vielleicht hätte ich eines Tages sogar selber Kinder gehabt. Mit Mistel.
Aber wir bekommen im Leben selten das, was wir vom ganzen Herzen begehren. Eine Lektion, die ich schon früh habe lernen müssen. Als Black geboren zu werden, bedeutet in seinem Leben Entscheidungen zu treffen, die anderen schier unbegreiflich erscheinen. Nicht selten müssen wir Abstriche machen, auf Dinge, nicht unbedingt materielles, verzichten, weil es einem höheren Zweck dient.
Dem Wohl des fürnehmen und gar altem Hause der Blacks - „En stirps nobilis et gens antiquissima Black.“
Und morgen werde ich zum ersten Mal mit den Traditionen der alterwürdigen Blacks brechen. Ich werde mich meines eigenen Verstandes bedienen und mich gegen den Dunklen Lord wenden.
Ich hoffe sehnlichst, dass dieses Tagebuch in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft von einem intelligenten, jungen Mann gefunden wird, der versteht, wieso ich mich für den Tod entschieden habe.
Mit diesen Worten möchte ich meinen letzten Tagebucheintrag schließen. Ich bin mir sicher, dass es eines Tages jemanden geben wird, der sich diesem Tagebuch annimmt und mir gestattet, ihm meine Lebensgeschichte darzulegen. Gewiss wird diese Person nicht all meine Entscheidungen nachvollziehen können, aber es ist mir wichtig, es jemanden zu erzählen. Mein Leben mag kurz gewesen sein und es gibt vieles, das ich im Nachhinein bereue, aber wenn es eines gibt, das ich nicht bereue, dann ist es, dass ich mich für die Liebe und für Mistel entschieden habe.
Ich liebe dich, Mistel. Sehr.
R.A.B.
Die Höhle, die Regulus Arcturus Black ausgewählt hatte, um seinem Leben ein Ende zu setzen, lag inmitten zerklüfteter Felsklippen an einer britischen Meeresküste. Es war ein kühler Novembermorgen im Jahre 1979. Die Sonne bahnte sich langsam einen Weg durch den mit schweren Gewitterwolken belegten Morgenhimmel. Einzelne, feine Strahlenfinger wärmten sanft Regulus' Gesicht, als dieser sich das dunkle, volle Haar aus der Stirn strich. Das Wasser zeigte Niedrigstand an. Optimal, um sein halsbrecherisches Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Kreacher, der Hauself der Familie Black, ein etwa kniehohes glatzköpfiges Wesen mit tennisballgroßen runden Augen und spitz zulaufenden Fledermausohren, rieb sich angewidert über die schnauzenähnliche lange Nase. Ihm behagte das Wetter ganz und gar nicht. Schon seit den frühen Morgenstunden war die Luft von bedeutungsschwangerer Stimmung erfüllt. Es war als wisse die Natur, dass heute ein besonders wichtiger Tag im Leben des jungen Regulus Arcturus Black war und hatte sich dessen Launen dementsprechend angepasst.
Sein Herr stand ein wenig abseits von dem Hauselfen, ganz in seiner eigenen Gedankenwelt versunken. Um den Eingang der Höhle zu erreichen würde er sich an einem unwirtlichen Klippenvorsprung versuchen müssen, der ihm schon aus weiter Ferne betrachtet lebensgefährlich erschienen war.
Regulus nahm einen tiefen Atemzug der salzigen Seeluft. Ruhe durchströmte ihn, wie ein Schwall warmen Quellwassers und der junge Black bat sich selbst um Konzentration. Er würde das schaffen. Zu viel Zeit hatten ihm seine Vorbereitungen gekostet, zu hoch war der Preis, den er bezahlen müsste, wenn sein Vorhaben scheiterte.
Mistel.
Der Gedanke an die Liebe seines Lebens schenkte dem Dunkelhaarigen genügend Kraft, um sich an den Abstieg zu wagen. Für einen kurzen Moment waren da jedoch die Zweifel gewesen, ob es wirklich richtig war, Mistel ohne ein Wort des Abschiedes zu verlassen. Regulus hatte diese kurzerhand beseitigt. Jetzt war es eh zu spät. Die Entscheidung getroffen und die Konsequenzen unausweichlich.
Mein Tagebuch.
Regulus hatte die für ihn wichtigsten Momente in seinem Leben datiert. Auf Papier fest gehalten, für die Ewigkeit. Zusammen mit seinem Ring, ein schönes Silberstück mit lateinischer Inschrift und seiner geliebten Krawattennadel, die Mistel ihm damals zum Schulabschluss geschenkt hatte, hatte er alles feinsäuberlich zu einem Päckchen zusammengeschnürt und an den hübschen Jüngling per Eulenpost geschickt. Anbei ein paar handverfasste, dünne Briefe. Einer war für seinen Bruder, Cepheus. Regulus hoffte, wenn der älteste Black seine Abschiedworte an ihn las, ein wenig Verständnis für sein Handeln aufbringen würde. Der zweite war für Mistel. Ein kläglicher Versuch seinem Geliebten begreiflich zu machen, wieso er ihm nichts über seine Pläne hatte berichten können. Das Risiko war schlichtweg zu groß gewesen. Je weniger Personen von seinem Vorhaben wusste, desto besser. Es hätte Mistel nur unweigerlich in Lebensgefahr gebracht, wenn er den Jüngeren eingeweiht hätte. Und Regulus wusste, Mistel hätte ihm wortwörtlich die Ohren lang gezogen, wenn er von seiner Entscheidung in den Tod zu gehen, erfahren hätte. Nein, so war es besser.
Der dritte und letzte Brief war eine kurze Anweisung, wie sein magisch verzaubertes Tagebuch gelesen werden durfte. Er hatte keinen bestimmten Adressaten. Natürlich hätte er auch diesen mit Mistels Namen versehen können, denn Regulus war sich sicher, dass Mistel die Anweisungen sofort verstanden und das dazugehörige Rätsel kurzerhand gelöst hätte. Pro Woche war es lediglich erlaubt einen einzigen Eintrag zu lesen. Er hatte sichergestellt, dass jeder, der in den Besitz des Tagebuchs kam und diese Regel brach, mit einem magischen Zauber bestraft wurde, der ihm einen Monat lang jeden Tag aufs Neue hässliche, dicke Furunkel ins Gesicht zauberte. Und Mistel war schlichtweg zu klug, um die Falle hinter der Verlockung nicht zu erkennen.
Ja, Regulus war bereit.
Er hangelte sich an einer schmalen Felsspalte entlang. Das hellbraune Gestein war glitschig und feucht unter seinen schlanken blassen Fingern und Regulus musste mehr als einmal um sicheren Halt kämpfen. Kreacher unterstützte den jungen Blackerben in seinem Unternehmen so gut es ihm als Hauself möglich war und bewahrte den Dunkelhaarigen das ein oder andere Mal vor dem sicheren Fall. Weiße, kühle Gicht schäumte um seine erkaltenden Füße und Regulus griff mit der linken Hand nach einem Vorsprung wenige Zentimeter über seinen Kopf. Keine drei Meter trennten den hübschen Jüngling nur mehr von dem eisigen Wasser, in das er gleich zu springen gedachte. Um die Öffnung der Höhle zu erreichen würde er nämlich wohl oder übel nahe einer Felsspalte entlang schwimmen müssen.
Als ihn das kühle Nass schlussendlich umfing, schnappte Regulus im ersten Moment panisch nach Luft. Kälte umfing den Achtzehnjährigen wie eine stahlharte Faust und er kämpfte sich verzweifelt an die Oberfläche um einen weiteren tiefen Atemzug zu nehmen. Länger als fünf Minuten würde er es unmöglich in diesen Gewässern aushalten. Mit kräftigen, routinierten Arm - und Beinbewegungen setzte Regulus seinen beschwerlichen Weg fort, verweigerte sich der bleiernen Schwere, die seine Gliedmaßen zu betäuben drohte und zog sich mit letzter Kraft an das rettende Ufer. Kreacher fiel neben ihn auf den harten Steinboden und Herr sowie Diener versuchten in den ersten paar Minuten wieder zu Atem zu kommen. Worte wurden keine gesprochen. Regulus' Anweisungen gegenüber Kreacher waren klar und deutlich gewesen und mehr bedurfte es auch nicht.
Regulus stützte sich auf die Unterarme, strich sich das feuchte, dunkle Haar aus der Stirn und bedeutete Kreacher dann, ihm weiter in die Höhle zu folgen. Einige steile Felsstufen später standen sie in einem dunklen, steinernen Vorraum.
"Lumos."
Mithilfe seines Zauberstabes verschaffte Regulus sich ein wenig Licht und kniff die Augen zusammen, um in der schwachen Dämmerung zumindest ein wenig zu erkennen. Dem Anschein nach würden sie weiter gerade aus gehen müssen. Es gab nur einen einzigen, anderen Durchgang und der führte die Beiden zu einer weiteren Felsmauer. Um den Durchgang zu öffnen, so wusste der junge Reinblüter dank Kreacher, bedurfte es menschlichen Blutes.
Regulus schnitt sich mit einer spitzen Steinkante schmerzhaft in die eigene, fleischliche Hand. Dunkles, reines Blut strömte über seine bleiche, ebenmäßige Haut und er fuhr mit unregelmäßigen Bewegungen über das dunkle Gemäuer, verteilte die dicke Flüssigkeit über die Felsen, die mit einem lauten Rumpeln ankündigten, dass sie Regulus' Blutopfer angenommen hatten. Ein silbern glänzender Torbogen spannte sich nun über Herr und Hauself und gab den weiteren Reiseweg frei.
Regulus war durchgefroren, seine Kleidung klamm und seine Gliedmaßen schwer. Um ihn herum waberte schwarzes, tiefes Wasser, als er über den schmalen Felspfad schritt, den er mithilfe seines Lichtzaubers hatte ausmachen können. Er wusste, in den Tiefen des Sees warteten die Inferi, die Bewohner der Unterwelt, schon sehnsüchtig auf den jungen Blackerben. Tote, wächserne Gestalten, ohne Seele und eigenen Willen, ohne Gefühle und Gedanken, waren es, die der Dunkle Lord mithilfe eines schwarzmagischen Zaubers aus den Leichen seiner Feinde erschaffen hatte.
Regulus machte ein schwaches, grünes Leuchten am Ende des Felspfades aus und schritt näher an das still da liegende Gewässer heran. In der Mitte des Sees ragte eine Felsinsel aus dem Wasser, groß, abgeflacht und gut begehbar und Regulus wusste, er hatte endlich den Aufenthaltsort des Horkrux ausfindig gemacht. Seine Mission stand kurz vor dem Abschluss. Nicht mehr lange und er würde das Geheimnis, welches der Dunkle Lord versucht hatte, zu verstecken, Kreacher übergeben können und dann ruhigen Gewissens in den Tod gehen können. Ja, der Dunkle Lord hatte, ohne es zu wollen eine Schwachstelle offenbart. Seine Horkruxe. Objekte, in denen er einen Teil seiner Seele außerhalb seines Körpers aufbewahren konnte.
Regulus griff nach einer unsichtbaren Kette. Mit Kreachers Hilfe wusste der Dunkelhaarige ungefähr, wie er zu dem Horkrux gelangen konnte. Im See war ein kleines Boot versteckt, dass man zunächst an einer nicht sichtbaren Kette herausziehen musste. Das Boot war klein, eng und definitiv nicht für zwei volljährige, mächtige Magier konstruiert wurden. Gut, das Kreacher als Hauself ein Fliegengewicht war und die Beiden so ohne viele Probleme übersetzen konnten.
Das Boot bewegte sich selbstständig zur Insel. Unter sich konnte Regulus die gierigen Gesichter der Inferi ausmachen, die nur darauf warteten, dass sich der junge Blackerbe zu ihnen gesellte.
Das Horkrux befand sich auf einem Felssockel, in einer steinernen Schale, die mit grünlich leuchtender magischer Flüssigkeit gefüllt war.
Regulus und Kreacher gingen müden Schrittes an Land und der schöne Magier fuhr sich ein weiteres Mal durch die dichte, schwarze Mähne. Sein Blick heftete sich an Kreacher, der seinen Herrn aus tieftraurigen, großen Augen flehentlich anstarrte.
Regulus griff in seinen Umhang und holte ein hübsches, achteckiges Medaillon sowie einen kleinen weißen Zettel mit einer Nachricht an den Dunklen Lord hervor. Eine exakte Kopie des Medaillons von Slytherin. Das Horkrux, welches tief verborgen in der Höhle, geschützt von starken, schwarzmagischen Zaubern, vor den beiden in der Schale ruhte.
"Streck die Hand aus, Kreacher."
Der Hauself tat wie ihm befohlen, nicht jedoch ohne einmal laut durch seine schnauzenähnliche, große Nase zu schniefen. Kreacher wusste, jetzt war der Zeitpunkt gekommen, von dem er sich für immer von seinem Herrn verabschieden musste.
"Was sollst du tun, nachdem ich den Zaubertrank getrunken habe, Kreacher? Sag mir, dass du meine Befehle klar und deutlich vernommen hast", sprach Regulus weiter, unbeherrscht, nervös und Kreacher erhob seine piepsige, hohe Stimme, um die Anweisungen seines Herrn zu rezitieren:
"Kreacher wird das mitgebrachte Medaillon gegen das von dem Dunklen Lord austauschen, sobald die Schale leer ist. Kreacher wird mit dem Medaillon aus der Schale, aber ohne Master Regulus wieder nach Hause zurückkehren. Kreacher wird niemandem, nicht einmal Master Regulus' Mutter verraten, was hier und mit dem jungen Master Regulus geschehen ist. Kreacher wird das Medaillon zuhause zerstören", beendete der Hauself seine Rede und schnäuzte in seinen schmutzigen, feuchten Lendenschurz.
"Sehr gut, Kreacher."
Regulus trat an die Schale mit den giftgrünen Zaubertrank und fragte sich einen kurzen Moment lang, ob sein Leben an ihm vorbeiziehen würde, wenn er langsam und qualvoll zugrunde ging.
Was würde er sehen?
Seine Familie?
Seine Freunde?
Mistel?
Seine Fehler, oder möglicherweise seine größten Erfolge?
Der junge Black atmete tief ein und wieder aus. Er müsste lügen, wenn er sagen würde, dass er keine Angst hatte. Die hatte er. Wahnsinnige, panische Angst. Und gleichzeitig jedoch erfüllte ihn der beruhigende Gedanke, dass das, was er tat, möglicherweise eines Tages vielen Menschen das Leben retten würde. Dass es Mistel und seiner Familie irgendwann ein beschauliches, angenehmes Leben ermöglichen würde.
Ich liebe dich, Mistel. Es tut mir so unglaublich Leid.
Regulus beugte sich nach vorne und nahm den ersten kräftigen Schluck des schwarzmagischen Gebräus. Heiß rann die giftgrüne Flüssigkeit seine Kehle hinab und Regulus zwang sich verzweifelt, immer mehr von dem Zaubertrank zu sich zu nehmen, auch wenn sich sein Würgereflex einschaltete und ihn beinahe anbettelte, die giftige Flüssigkeit wieder hoch zu würgen.
"Kreacher, jetzt!", stieß Regulus kläglich hervor, als er die Schale vollends ausgetrunken hatte und würgend zur Seite kippte.
Danach ging alles ganz schnell. Regulus wusste nicht, wie ihm geschah, als plötzlich unglaublich, alles verzehrender Durst einsetzte und er sich verzweifelt Richtung schwarzen See stürzte.
"Master Regulus!".
"Geh! Verschwinde!", schrie der junge Black dem Hauselfen entgegen und kämpfte mit den Tränen. Er wusste, es war jeden Moment so weit. Gleich würde er sterben, von den Inferi in die Tiefe gezogen, weil er seinem eigenen, bitteren Verlangen nicht widerstehen konnte.
Regulus spürte kalte, tote Hände nach sich greifen. Sie rissen an seinen Haaren, zerrten an seiner Kleidung, zerfetzten seine bleiche, ebenmäßige Haut, zogen ihn tiefer in die kalte, schwarze Unendlichkeit. Dunkelheit umfing ihn und Regulus schloss die Augen, versuchte sich ein letztes Mal das Gesicht von Mistel ins Gedächtnis zu rufen.
Goldblonde, weiche Haare.
Helle, blaue Augen.
Zarte, weiße Haut.
Volle Lippen.
Ein liebevolles, warmes Lächeln.
"Ich liebe dich, Regulus. Sehr."
Und mit einem Mal wurde es leichter, loszulassen. Regulus ließ sich hinabziehen. Immer weiter. Immer tiefer. Vor sich sah er Mistel, seinen Mistel und dieser Gedanke tröstlich und erwärmend, half ihm, als er spürte, wie das Leben langsam einen schmächtigen Körper verließ und er auf die andere Seite hinüber glitt.
Und so starb Regulus Arcturus Black am 15. November 1979. Er hinterließ einen trauernden, älteren Bruder, eine verzweifelte, wehklagende Mutter und die Liebe seines kurzen, jedoch bedeutsamen jungen Lebens.
Aber das sollte nicht das Ende sein.
Jahre später würde ein junger Mann Regulus Arcturus Blacks Tagebuch finden und sich mit der Lebensgeschichte des viel zu früh verstorbenen, tragischen Helden auseinandersetzen.
Sein Name würde Julien Regulus Black sein. Regulus Arcturus Blacks Neffe.
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