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Fanfiction

Luciana Bradley und der Orden des Phönix - Retter im schwarzen Umhang

von Picadelly

„Sieht nicht wie Potter aus“, sagte eine weibliche Stimme.

Es vergingen ein paar Augenblicke, bis Luciana das ganze Ausmaß ihres überstürzten, kopflosen Handelns begriff. Vor dem gigantisch großen Kamin, indem sie stand, befand sich eine Schar von Gestalten, etwa ein Dutzend an der Zahl, die in schwarzen Kapuzenumhängen gehüllt in einer weiten, langen Halle mit spiegelndem, dunklem Holzfußboden standen und sie allesamt anstarrten. Das nahm sie jedenfalls an, denn das einzige Gesicht, welches nicht maskiert war, stand keinen Meter von ihr entfernt und war ihr sehr wohl bekannt - der Typ aus der Nokturngasse, der, wie sie sich später zusammengereimt hatte, der Vater von Draco Malfoy sein musste. Ja, und der als Doppelgänger von Gordon eine ziemlich gute Figur abgeben würde.

Schön - wie es aussah war sie einer Horde wilder Todesser in die Arme gelaufen. Das Weib da neben Malfoy hatte gerade eben etwas von Potter gesagt und dass sie nicht so aussähe - okay, das hieß wohl, sie waren ihm noch nicht begegnet. Lucianas Gedanken fuhren Achterbahn, versuchten einen Plan nach dem anderen zusammen zu spinnen, doch einer war lächerlicher als der andere.

„Kommt vielleicht noch nach“, sagte ein Mann mit kratziger Stimme aus der hintersten Reihe, „die ist jedenfalls Gryffindor.“

Na ganz toll, noch ein Argument auf der Kontra-Liste der allgemeinen Schuluniform-Debatte.

„Na, kleines Mädchen“, wieder die Frau und dieses Mal kam sie einen Schritt näher auf sie zu, „wo hast du Potter gelassen?“

Ob Snape wohl was mit der hatte, so Todesser intern und - BIST DU GEISTESKRANK?!? Du bist zu neunzig Prozent so gut wie tot und machst dir Gedanken um Snapes LIEBESLEBEN??

„Potter? Was, ne, nie gehört“, sagte Luciana und schaute sich dabei rechts und links nach Fluchtmöglichkeiten um. Vergeblich. Die Gestalten bewegten sich näher auf sie zu und umzingelten sie nun, ganz als sei sie ein besonders leckeres Stück Frischfleisch. „U-und ich bin keine Schülerin mehr, i-ich putz hier nur …“ Das Weib kam noch einen Schritt näher, Luciana wich weiter in den Kamin aus - wo war denn hier das verdammte Flohpulver?? „Eh, mieses Gehalt, furchtbar mies, deshalb hab ich kein Geld für Klamotten und muss meine alte Schuluniform anziehen … das heißt, die von meiner Schwester, ich bin ja eigentlich Slytherin, meine Sachen sind nur in der Wäsche …“

Stille. Malfoy Senior schien gerade ein besonders helles Licht aufgegangen zu sein.

„Du musst Luciana Bradley sein“, bemerkte er knapp und beäugte sie sehr genau von oben bis unten.

Wie, was, wo, hatte der Kerl eine eingebaute Schülerdatenbank in seinem Hirn, oder was?

„Luciana was?“ Sie lachte nervös. „Was für'n bescheuerter Name, also entweder wie der Bundesstaat Louisiana, oder wie der Engel Lucifer, oder-„

„Das ist sie, kein Zweifel“, sagte Malfoy und betrachtete sie mit abfälligem Lächeln. „Unverschämt, mit den verrücktesten Ausreden und krankhaft großem Mundwerk, mein Sohn hat mir alles über sie erzählt.“

Muss-Draco-töten!

„Auch, dass ich ihm die Nase blutig geschlagen hab?“, patzte Luciana ob all dieser Angriffe auf ihre Person und hätte sich dafür am liebsten selbst die Kugel gegeben. Okay, das mit dem krankhaft großem Mundwerk war unter Umständen nicht völlig an den Haaren herbei gezogen, aber - KUGEL! Sie hatte ihre Walther PPK dabei! Ja, und noch vier Patronen im Magazin, das hier war weder ?Stirb Langsam` noch ?Rambo`, nix da mit Endlosmunition. Vielleicht sollte sie die netten Todesser einfach darum bitten, sich in Zweier-Reihen hintereinander aufzustellen und wenn alles gut ging, könnte sie mit glatten Durchschüssen doch noch alle um die Ecke bringen? Na bravo, jetzt wurde sie zu allem Überfluss auch noch sarkastisch … Moment, wenn das zehn Leute waren und sie noch vier Patronen hatte, dazu Zweierreihen - nein, Kopfrechnen war nicht wirklich ihre Stärke.

Die Frau hatte gerade einen nicht nett klingenden Satz beendet, den Luciana vor lauter überfordertem Gedankenwust gar nicht mitbekommen hatte.

„T`schuldigung, was haben Sie gesagt? Ich war grad in Gedanken.“

„Ja, Bellatrix, ich gebe dir Recht, sie macht sich lustig“, bemerkte Malfoy.

Bellatrix?“, entkam es Luciana mit einem Prusten. „Der Name ist aber auch nicht besser …“

Eine schlechte Angewohnheit, die sie sich längst hatte abgewöhnen wollen: Mit unangebrachten Kommentaren in Gefahren-Situationen geistig Instabile zu Gewalttaten animieren. Und schon erklang die kreischende Stimme von der Todesserin namens Bellatrix, die vielleicht ein Verhältnis mit Snape hatte oder es gehabt haben könnte:

„CRUCIO!“

Schlecht.

Der Cruciatus-Fluch gehörte zu den drei der sogenannten ?Unverzeihlichen`. Unverzeihlich, weil sie angeblich das Schlimmste darstellten, was man mit einem Magie-kompatiblen Gehirn in Kombination mit einem Zauberstab fabrizieren konnte.

Luciana hatte dies bislang für ein wenig übertrieben gehalten, wurde allerdings just in diesem Moment eines Besseren belehrt. Es tat weh. Es tat nicht-in-Worte-zu-fassen-weh. Eigentlich hatte sie immer angenommen, sie sei durch die regelmäßigen Krampfanfälle ihrer Krankheit abgehärtet gewesen, aber diese Art von Schmerz war etwas völlig anderes.

Während sich bei einem ihrer epileptisch bedingten Aussetzer jede Faser ihres Körpers Aufgrund einer Fehlfunktion ihrer Nerven zusammenzog, waren die Auswirkungen eines Cruciatus-Fluches … als würde man mit dem Schmerz, der jeden noch so verborgenen Millimeter des Körpers durchzog, auch den ungezügelten Hass der Person spüren, die diese Folter durchführte. Vor allem war es ein sinnloser Schmerz, dessen Ursprung keine Wunde, Krankheit oder überspannter Nerv war. Dem Körper wurde praktisch gesehen kein Leid zugefügt - bloß jeder einzelnen Zelle, denen gerade befohlen wurde, alles an marternden Schmerzempfinden rauszuhauen, was möglich war.

Luciana spürte, wie der Fluch abriss, doch der Schmerz blieb. Das hieß, er wandelte sich zu dem altbekannten, der von der Sorte Epilepsia Magicus. Schön, das hatte sie auch schon so sehr vermisst … Es fühlte sich nicht so schlimm an, wie vor einigen Monaten in den Kerkern, trotzdem war sie über den ?Mal-eben-eine-Dosis-spritzen` Status hinaus. Ganz davon abgesehen, dass sich diese in der Umhängetasche auf ihrem Bett in Hogwarts befand.

„Bellatrix, es genügt!“ Malfoy.

„Du hast doch gesehen, ich habe den Crucio abgebrochen“, verteidigte sich Bellatrix. „Da, hier, Zauberstab zaubert nicht.“

Malfoy beugte sich in Lucianas Sichtfeld, die mit stark gekrümmten Gliedern seitlich auf dem Boden lag und hörbar stockend atmete.

„Mh, scheint mir von der zartbesaiteten Sorte zu sein“, kommentierte er und patschte dabei an ihren Augenlidern herum.

Scheiße, zartbesaitet, ich geb dir gleich mal - Auuuhaaha!

„Die macht jedenfalls keinen Ärger mehr.“ Malfoy stand wieder auf. In ihr Sichtfeld trat stattdessen ein Paar Lederstiefel - hübsche, geschnürte Lederstiefel … geistig instabil hin oder her, einen guten Schuhgeschmack musste man dieser Bellatrix zugestehen.

„Können wir sie nicht töten?“, jammerte Bellatrix los - Luciana schloss in diesem Augenblick schon mit ihrem, zugegebenermaßen, sehr kurzem Dasein ab, als -

„Nein. Wir müssen Potter finden und die Prophezeiung holen, oder willst du den Befehl des Dunklen Lords verweigern?“

Anscheinend nicht. Die Gruppe Kapuzenmänner und das Weib mit den schönen Stiefeln (wieso hatten eigentlich immer die Bösen die geilsten Klamotten und Accessoires?) setzten sich in Bewegung und ließen Luciana zurück, die nicht in der Lage war, mehr als ein paar Zentimeter vor und zurück zu kommen, mitten auf dem gigantischen Präsentierteller der Eingangshalle des Zaubereiministeriums. Nur in der Ferne konnte sie leise einen Brunnen plätschern hören - und … Bananas in Pyjamas?? Ihr Handy! Das hatte sie fast vergessen - unter größtem Kraftaufwand und einem weiteren Batzen Willen, brachte sie ihre linke Hand dazu, unter ihren Pullover in die Brusttasche ihres Hemdes zu greifen und somit das, hier in dieser Halle vielfach verstärkte, Plärren ihres Telefons zu beenden.

„Luciana?“, hörte sie Gabriels Stimme am andern Ende. „Du hast angerufen?“

„Bin im Zaubereiministerium, London“, flüsterte Luciana gepresst - wenigstens hatte ihre Stimme noch nicht den Geist aufgeben. „Hier läuft ne Horde Todesser rum und ich hab nen kleinen Aussetzer … u-und meine Medizin vergessen.“

Für einen Moment schien die Leitung wie tot.

„DU BIST WO?!“

„Im Zaubereiministerium, verdammt und steck Haaransatztief in der Scheiße und jetzt beweg endlich deinen Arsch hierher und hol mich da raus!“

Gut, er fragte kein weiteres Mal, wo sie sich befand. Plötzlich fiel ihr etwas ein, etwas sehr Wichtiges.

„Gabriel, nicht auflegen!“

„Was?!“

„T-tu mir den Gefallen, wenn du den Todessern begegnest, bring keinen davon um - Snape könnte dabei sein, kann ich nicht genau sagen, die hatten Masken auf.“

„Geb mir eine Minute, wir sind bedauerlicherweise in einer apparierfreien Zone“, im Hintergrund konnte sie Johnny murmeln hören. „Zwei Minuten“, sagte Gabriel dann und legte auf. Wenn Gabriel von zwei Minuten sprach, würden es mindestens zwanzig werden …

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Die Sekunden verstrichen zähfließend, die Krampfschübe kamen nun in kürzeren Abständen, ganz so, wie es sich bei Wehen einer Geburt verhalten musste. Luciana hatte es geschafft, von ihrer seitlichen Position in eine gerade, auf dem Rücken liegende zu kommen. Trotzdem war jeglicher Versuch, sich aus eigener Kraft zu erheben, erfolglos geblieben.

Bis auf das leise Plätschern von Wasser war es unheimlich still geworden - und selbst wenn Luciana niemals zuvor in diesem Ministerium gewesen war, wieso war es hier so menschenleer? Wo waren all die Angestellten und Arbeiter? Und lag sie mit ihrer Vermutung, Snape habe sich unter der Gruppe Todesser befunden, richtig? Wenn ja, wieso hatte er stillschweigend mit angesehen, wie Bellatrix sie mit einem Cruciatus gefoltert hatte?

Jetzt halt aber mal den Ball flach, was hätte er denn machen sollen? Sich in heldenhafter Geste die Maske vom Gesicht reißen und laut 'Haltet ein, oh grausamste aller schwarzmagischen Hexen, diese holde Maid steht unter meinem persönlichem Schutze und ich werde es nicht zulassen, dass Ihr sie schändet' rufen? Nein, Snape war kein Prinz auf einem weißen Gaul, in schimmernder Rüstung und mit güldener Haarpracht, der zu ihrer Rettung eilen würde. Da hätte er auch gleich ein Schild mit 'Hallo, ich bin Severus und ein Doppelspion' um den Hals tragen können.

Plötzlich gesellten sich eilende Schritte zu dem Plätschern des Wassers - sie hallten wie aus weiter Ferne und wurden von Meter zu Meter lauter. Allerdings klang dies nach einem Paar Schuhe und Luciana bezweifelte, dass Gabriel alleine antreten würde. Immerhin war er nicht so lebensmüde, wie sie selbst.

Okay, der Kamin, aus dem sie gekommen war, lag nur etwa einen halben Meter von ihr entfernt und auch wenn er etwa vier Meter in der Länge und zwei in der Tiefe maß, warf er genug Schatten und bot in seinen Ecken genügend Versteckmöglichkeiten, um in seinem Innern einen unbedachten Durchreisenden nicht aufzufallen. Ja, einen halben Meter. Hörte sich nach einer minimalen Strecke an, wenn die Glieder so wollten wie man selbst.

Die Schritte waren nicht mehr weit entfernt, als Luciana es gerade einmal vollbracht hatte, sich auf den Bauch zu drehen und im Schnecken-Tempo eine Handlänge weiter bewegt zu haben.

Mit panischen Blick sah sie eine weitere, vollkommen vermummte Gestalt auf sie zulaufen, gekleidet in einer schwarzen Robe, die Kapuze übergeworfen und eine Maske, die das Gesicht verbarg. Und selbstverständlich war sie nicht unentdeckt geblieben - und wenn dieser Todesser nicht in größter Eile war und ihn vielleicht die Langeweile plagte, ja, dann war sie so gut wie hinüber. Die Gestalt ging nicht, wie erhofft, geradeaus weiter in die Richtung, die die restlichen Todesser eingeschlagen hatten, nein, er steuerte direkt auf sie zu.

Fuck fuck fuck fuck

Natürlich war es sinnlos jetzt noch einen Fluchtversuch zu starten, allerdings sollte man den schier grenzenfreien Überlebensinstinkt eines Menschen niemals unterschätzen - somit mobilisierte Luciana ihre letzten, verbliebenen Kraftreserven und hey, sie legte ganze dreißig Zentimeter zurück - und dann traten schwarze Lederschuhspitzen vor ihre Nase.

„Das war äußerst töricht“, sprach die Gestalt mit, von der Maske, dumpf klingender Stimme - sie hatte sich zu Luciana hinuntergebeugt. „Ich habe Ihnen sehr deutlich zu verstehen gegeben, sich nicht einzumischen, Miss Bradley.“ Und damit nahm der Todesser die Maske vom Gesicht. Snape. Niemals zuvor war sie derart glücklich gewesen, diesen Riesenzinken zu sehen. Erleichtert unterbrach sie ihre Krabbelversuche, ließ ihren Kopf erschöpft auf den Boden sinken, brach dabei jedoch nicht den Augenkontakt zu ihm ab.

„Wo ham Sie denn den Gaul gelassen?“, murmelte sie grinsend.

„Wie bitte?“
Luciana deutete ein Kopfschütteln an und er beließ es dabei. Auf seiner Stirn hatten sich Schweißperlen angesammelt, seine Haut war übersäht von ungesund aussehenden, roten Flecken und selbst seine Brust hob und senkte sich, ganz als hätte er einen Marathonlauf hinter sich.

„Wo war'n sie bloß? Hab im ganzen Schloss gesucht, keine Spur von Ihnen.“ Langsam aber sicher ging ihr die Stimme weg und das leichte Kribbeln auf der Haut kündigte den nächsten Krampfanfall an.

„Auf der Suche nach Potter“, antwortete er und machte dabei nicht den Eindruck, als sei das eine seiner Lieblings-Freizeitbeschäftigungen. „Wo ist Ihr Serum?“

„Hogwarts.“

Snape sog scharf die Luft zwischen seinen Zähnen ein und der darauffolgende Blick machte dem ihres Paten, wenn sie ihre Medizin wieder einmal hatte herumliegen lassen und er davon Wind bekam, ernsthafte Konkurrenz.

„Hab nen Crucio abbekommen - bin in nen Betriebsausflug ihrer Kollegen geraten und dacht mir, ich bleib mal lie-„

Die herbeischnellende Hand ihres Professors schnitt ihr die nächsten Worte ab, Snapes Blick bekam einen aufmerksamen, gehetzten Ausdruck - anscheinend hatte er etwas mitbekommen, was ihr entgangen war und ja, jetzt konnte sie es auch hören.

Wieder Schritte, dieses Mal jedoch nicht nur ein Paar. War Gabriel schon angekommen? Snape, dessen Hand noch immer fest auf ihren Mund gepresst lag, schaute sich suchend nach rechts und links um, kam zu demselben Schluss, wie auch Luciana vor einigen Minuten, griff mit dem rechten Arm unter ihren Bauch und zog sie mit sich in den Kamin hinein.

So saß sie einen Moment später zwischen seinen Beinen, mit dem Rücken an seine Brust gelehnt, oder vielmehr gepresst, denn seine Hand hatte sich keinen Zentimeter von ihrem Mund bewegt.

Die Schritte kamen näher, Stimmen waren zu hören und sie klangen ganz und gar nicht nach ihrem Paten oder Johnny - das alles hätte gut gehen können. Das Versteck, in dem sie sich befanden, war für die einzige Möglichkeit, die sie gehabt hatten, recht passabel. Die beiden Männer, die den Raum durchschritten, schienen weder den Kamin benutzen, noch ihn näher in Augenschein nehmen zu wollen, jedoch war dieser Ort, wie bereits erprobt, hallend und das Plätschern des Brunnens nicht laut genug, um die noch so leisesten Geräusche zu verdrängen. Und dann begannen ihre Glieder zu krampfen und das Zucken ließ nicht lange auf sich warten.

Es war alleine Snapes schneller Reaktion und seinem Einfallsreichtum zu verdanken, dass sie nicht augenblicklich aufflogen. Seine Beine schlangen sich um ihre, verschränkten sie miteinander und damit hielt er sie geräuschlos am Boden fest. Sein rechter Arm hatte derweil ihre Arme an ihren Leib gepresst - es kostete ihn viel Mühe, Anstrengung und reinste Brutalität Luciana mit dieser Methode am Zucken, und somit auch gleichzeitig am Krach machen zu hindern. Ja, und ihre Nase machte all diese Anstrengungen zunichte - denn egal, wie sehr sie versuchte die Selbstkontrolle wieder zu erlangen, ihr Atem ging schnell, stoßweise und vor allem laut.

Die Unbekannten waren noch nicht bei ihnen angekommen, ein paar Sekunden Schonfrist würde ihr bleiben - doch sie brachte ihren Körper nicht einmal dazu, das Atmen für einen Moment einzustellen. Schritt, Schritt, Schritt -

„Hörst du das?“, fragte eine männliche Stimme.
Stille. Die Männer waren stehengeblieben, mitten im Raum und parallel zu ihrem Kamin. Snapes linke Hand, die auf ihrem Mund lag, verlagerte sich ein Stück weiter hinauf - dann klemmte er Luciana mit Zeigefinger und Daumen die Nasenflügel ab. Sie konnte nicht mehr atmen.

Ihre darauffolgende Reaktion kam instinktiv - mit aller Macht versuchte sie sich von der Hand zu befreien, die ihr die Luft nahm, doch selbst ohne Krampfschübe hätte sie in dieser Position keinerlei Chance gegen Snape gehabt. Das einzige, was sie vollbrachte, war eine Verschiebung ihrer Kopfhaltung um ein paar Zentimeter. Snape schaute auf sie hinunter, begegnete ihrem Blick - sie sah den Zwiespalt in seinen Augen, er schien mit der Situation vollends überfordert zu sein. Er wusste um die Gefahr entdeckt zu werden und die möglichen Folgen eines solchen Szenarios. Und ihm schien, genauso wie ihr, klar zu sein, dass wenn er ihr weiterhin die Luft nahm, er sie womöglich ersticken würde.

Zuerst spürte Luciana den Schwindel, der sich in ihrem Kopf ausbreitete, darauf entspannten sich ihre Glieder - Snape sah mit geweitetem Blick auf sie hinab, als sich ihre Augen schlossen.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

„ … Bullshit, meine Finger ha'm geknackt, war'n nich ihre Rippen.“

Stimmen drangen in ihr Bewusstsein - das Erste, was Luciana spürte, war ein unangenehmes Stechen in der Brustgegend.

„Das hätte ich machen sollen, von wegen den Erste-Hilfe-Kurs mit Bravur abgeschlossen, alles muss man selber machen.“

„Ey, Grapscher wech da, du mit ner Sensorik von ner Abrissbirne, das is keins deiner
Organspendearbeitsmaterialdinger!“

Luciana spürte Finger an ihrem Hals.

„Puls wird stärker. Meine Herren, ich würde sagen wir haben sie erfolgreich über den Berg gebracht - Snape, jetzt hören Sie endlich auf mit dem unaufhörlichem Auf- und Abgerenne!“

„Welcher Vollschwachmat hat mir dir Rippen gebrochen?“, murmelte sie ächzend und schaute blinzend in drei Gesichter, die sie allesamt aus unmittelbarer Nähe beglotzten.

Gabriel gab Johnny, mit der flachen Hand, einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf.

„Eeey, wieso ich?“, sagte Johnny. „Kann auch der da gewesen sein, der war vor mir dran!“ Damit nickte er hinter sich, wo 'der da' (Snape) stand und über Gabriels Rücken auf sie herunterschielte. Warum waren seine Haare denn so zerzaust?

Luciana befand, dass sie nun genug angestarrt worden war, bewegte probeweise ihre Glieder und nachdem sie dies als nahezu schmerzfrei verbucht hatte, rappelte sie sich in eine sitzende Position auf.

„Ah, ich glaub nicht gebrochen“, sie drückte auf ihrem Brustkorb herum. „Höchstens geprellt oder angeknackst. Hast du sehr gut gemacht, Johnny. Deine neue Frisur gefällt mir.“

Jetzt war es an Johnny, Gabriel einen Schlag zu verpassen, allerdings war es eher ein 'Kläpschen' und dieses auch nur gegen seine Schulter.

„Siehste, von ihr bekomm ich mal Anerkennung“, meckerte Johnny los, „und dir iss mein neuer Look nich mal aufge-„

„Jonathan, spare dir dein Gezeter für einen späteren Zeitpunkt auf - vorzugsweise wenn ich außer Hörweite bin - Luciana, ist es dir möglich aufzustehen?“, sagte Gordon.

Komisch. Sie hatte ihn fast ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen und die Begegnungen mit Malfoy Senior schienen ihre Erinnerungen an sein Äußeres verzerrt zu haben. Die beiden sahen sich ähnlich, ja, da lag sie nicht falsch, allerdings waren sie keine Ebenbilder voneinander. Gordons Augenfarbe war kein helles Grau, sondern ging eher ins Blaue, seine Stirn war etwas höher und sein Hautton gleich mehrere Stufen blasser - na ja, das lag wohl mehr an seinem Vampir-Dasein. Bei der kalkweißen Haut stach die Narbe, welche sich über seine linke Augenbraue hinunter bis zum Kinn zog, extrem hervor. Das Beste an Gordon, wie Luciana fand, waren seine Dreadlocks. Selbst wenn es auf den ersten Blick seltsam erschien, rückenlange Dreadlocks in Peroxyd-Blond, sahen einfach verdammt gut aus.

Ein paar Sekunden war sie noch ein wenig wackelig auf den Beinen. Die Männer vor ihr beobachteten sie argwöhnisch, schienen von dem Ergebnis dann recht zufrieden zu sein.

„Exzellent“, sagte Gabriel, „dann gehen wir gleich den Plan durch - Gordon ist hier ortskundig, daher wird er die Vorhut bilden. Der Showdown ereignet sich vermutlich in der Mysteriumsabteilung, du weißt wie wir dahin kommen?“
Gordon nickte. „Snape, ich gehe nicht davon aus, dass Sie auf der Seite der potentiellen Leichenberge kämpfen wollen?“

Snape schaute genauso verwirrt wie Luciana.

„Vergessen Sie es … ich formuliere es als Vorschlag, da ich davon ausgehe, dass Sie sich alleine aus Prinzip weigern werden, wenn es bei Ihnen wie ein Befehl herüberkommen sollte: Was halten Sie davon, meine Patentochter zum Hauptquartier des Ordens zu geleiten? Sie sollten sich besser nicht in das Kampfgeschehen einmischen, das wäre eine unmittelbare Gefahr Ihres … Spionagepostens … so oder so.“

„Ja“, antwortete Snape, seine Abscheu gegenüber Gabriel war beinahe greifbar, „das klingt tatsächlich … vernünftig.“

Gabriel klatschte begeistert und vor lauter Tatendrang die Hände aneinander.

„Dann auf auf, meine Schäfchen, es geht doch nichts über eine Runde Todesser-Schädel-Knacken - wir sehen uns später im Quartier, Luciana!“

Mit Gordon vorneweg, Gabriel in der Mitte und dahinter Johnny, gingen die drei im Stechschritt los, das Gezanke ihres Paten und Johnny war noch eine Weile zu vernehmen („Warum lauf ich nich inner Mitte?“, „Weil ich da lauf“, „Aber hier hinten seh ich gar nix“, „So ein Pech“, „Und die wehr'n sich gar nich mehr, wenn ihr se schon durch habt und se hier hint'n ankomm'n“, „Ich werfe dir jeden dritten unbeschädigt rüber und jetzt hör endlich auf zu nerven!“ und so weiter …), danach kehrte wieder Stille ein.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

„Ich kann gar kein Flohpulver finden, Sir!“

Luciana stand an dem Kamin und inspizierte ihn auf einen gefäßähnlichen Gegenstand.

„Funktionieren die hier irgendwie anders?“

„Ich nehme an, sie haben es zur Vorkehrung entfernt“, sagte Snape.

„Die Todesser?“

„Wer sonst, Miss Bradley?“, antwortete er genervt und setzte sich in Bewegung. Luciana beeilte sich, mit ihm Schritt zu halten.

„Ziemlich protzig“, kommentierte sie dann, als sie sich das erste Mal wirklich in der Eingangshalle umsah. Von dem gewachsten Holzfußboden bis hin zur dunkelblauen, hohen Decke, die mit goldenen Symbolen verziert war, schrie hier alles nach Machtpräsentation. Selbst die vielen Kamine, die in die Holzvertäfelung der Wände eingelassen waren, bestanden aus Gold. Nun ja, wahrscheinlich waren sie lediglich mit Blattgold verziert - auf der anderen Seite würde sie diesen bekloppten Zauberern so einiges zutrauen.

Das leise Plätschern, welches Luciana die ganze Zeit über gehört hatte, wurde immer lauter, je tiefer sie in den Bau hineingelangten. Und da, mitten in der Halle stand er - ein riesenhafter Brunnen (dessen Durchmesser sicher an die fünf Meter betrug), der auch bestimmt als Swimmingpool zweckentfremdet werden konnte.

Die Statuen, die den Mittelteil des Brunnens zierten, waren selbstverständlich auch golden - ja und diese spiegelten die allgemeine Rangordnung der Zaubererwelt wieder: Die größte Statue war ein Zauberer. Und all die anderen Figuren, ein Zentaur, ein Kobold, ein Hauself und eine Hexe, reihten sich um ihn, wie viele kleine, unbedeutende Sterne, die sich um die Sonne drehten. Moooment mal - eine Hexe? Eine Hexe, sprich ein weibliches Wesen, eine Frau, ihre eigene 'Gattung' wurde hier im Dreh- und Angelpunkt der Politik dargestellt, wie ein minderbemitteltes Wesen, das den verdammten Schwanzträger anhimmelte??!

Luciana war beinahe versucht ihren Zauberstab hervorzuholen und diesem widerwärtigen Ken-Verschnitt-mit-Spitz-Hut den Kopf vom Hals zu schießen, da stieß sie auch gleich in vollem Tempo mit Snape zusammen.

„Müssen Sie immer eine Vollbremsung einlegen, können Sie nicht, wie jeder normale Mensch, langsam die Geschw-„ Snape drehte sich blitzschnell zu ihr um und schlug ihr schwungvoll die Hand auf den Mund - zum zweiten Mal an diesem Abend. Sein Zeigefinger legte sich auf seine Lippen und er ließ langsam seine Hand wieder sinken. Na wenn das keine hübschen Abdrücke in ihrem Gesicht hinterlassen würde …

Snapes Körper hatte eine angespannte Haltung angenommen, seine Brauen waren in Konzentration zusammengezogen und plötzlich weiteten sich seine Augen - ein Ausdruck erschien in ihnen, den Luciana bei ihm noch niemals zuvor gesehen hatte: Angst. Angst bei Professor Snape führte in ihrem Innersten zur schweißtreibenden Panik. Mit angehaltenem Atem lauschte sie in die Halle hinein - Snape musste irgendetwas gehört oder gesehen haben, was ihr verborgen geblieben war - und dann stellten sich die Härchen auf ihren Armen auf. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, Luciana beugte sich langsam an Snape vorbei, blickte die lange Halle hinunter, konnte jedoch bei diesem dämmrigen Licht nicht viel erkennen. Vielleicht nicht erkennen, aber hören - zwischen dem stetigen Plätschern des Brunnens ertönten Schritte, ein Paar, noch ein ganzes Stück von ihnen entfernt, in einem Klang, den sie so niemals zuvor vernommen hatte. Und wer auch immer da vorne näher kam, Snape schien dieser Person unter keinerlei Umständen begegnen zu wollen.

Ungünstigerweise befanden sie sich (mal wieder) in einer schier aussichtslosen Lage, oder besser gesagt, sie standen inmitten einer sehr übersichtlichen, rechteckigen Halle, die nicht gerade viele Versteckmöglichkeiten bot - und an den Kaminen waren sie schon längst vorbei gelaufen.

Trotzdem schien, im Gegensatz zu ihr selbst, Snape eine Idee gekommen zu sein. Er lief los, in die Richtung, aus der sie gekommen waren, schnappte sich Lucianas Arm (Oberarm, mittlerweile sollte es dort eine Snape-Finger-Kuhle geben) und zog sie hinter sich her. Luciana hatte nicht den Hauch eines Schimmers, was genau ihm vorschwebte, bis er zielsicher auf den Brunnen zusteuerte, sich im Laufen zu ihr drehte, sie bei der Hüfte packte und - NEIN!
Neinneinneinneinneinneinneinneinneinnein


PLATSCH

Ja, Snape war tatsächlich auf die glorreiche Idee gekommen, sie im Segelflug in den Brunnen zu befördern, um gleich darauf hinterher zu springen. Das Wasser war eisig - das viele Geld, welches das Zaubereiministerium in das repräsentative Inventar investiert haben musste, hätten sie mal lieber in eine vernünftige Heizungsanlage gesteckt.

Es dauerte eine Weile, bis Luciana sich unter Wasser orientiert hatte. Mit ihrer Annahme, diesen Brunnen auch als Pool nutzen zu können, hatte sie gar nicht mal so falsch gelegen. Das Becken, dessen Grund mit einer Schicht aus silbernen und bronzenen Münzen überzogen war, war um die anderthalb Meter tief.

Okay, so langsam wurde ihr mal wieder die Luft knapp - der heutige Abend schien aus einer ganzen Reihe von Déjà-vus zu bestehen … In diesem Moment tauchte Snape direkt vor ihr auf. Sein Kopf schien von einer Luftblase umgeben - ja, der Kerl war doch immer wieder für Überraschungen gut. Mit der linken Hand hielt er sich an dem Sockel der Statuen fest, mit der anderen zog er Luciana zu sich heran und dirigierte ihren Kopf direkt in seine Luftblase. Sauerstoffreich hier, dachte sie sich, allerdings ein wenig eng.

„Stoff der Sechsten, nehm ich an?“, fragte sie, keine zwei Zentimeter von seinem Mund entfernt.

„In etwa.“

Snape schaute überall hin, nur nicht in ihre Augen. Tja, die Situation schien ihm mal wieder nicht zu behagen.

„Lieg ich richtig, spaziert da grad der Schwarze Führer höchstpersönlich an uns vorbei?“

„Mit Ihrer Vermutung was die Person angeht, ja.“
Jetzt schaute er ihr direkt in die Augen und was sie dort sah, gefiel ihr ganz und gar nicht.

„Glauben Sie er hat uns gehört? Ich meine das Wasser-Platschen.“

„Vermutlich nicht.“ Luciana sah ihn höchst skeptisch an. „Der Dunkle Lord …“, Snape zögerte, „… hat nicht das beste Gehör.“

Daraufhin konnte sie sich das Grinsen nun wirklich nicht verkneifen.
„Echt? Ist er so alt, oder hat er sich in seiner Jugend auf zu vielen Rockkonzerten herumgetrieben?“

„Sein Sie nicht albern“, herrschte Snape sie an. „Die vielen Transfigurationen werden der Auslöser gewesen sein. Das nehme ich zumindest an.“

„Verwandlungen?“ Jetzt hatte er ihr Interesse geweckt, selbst in dieser sehr ungewöhnlichen Situation an diesem ziemlich unbequemen Ort. „An sich selbst? Heißt das, der sieht gar nicht mehr aus wie ein Mensch? Hat er denn zwei Köpfe, oder -„

„Das Gespräch ist beendet, Miss Bradley.“

Na bravo, da hatte er mal für ein paar Sekunden den Augenkontakt mit ihr gehalten und jetzt schloss der seine einfach.

„Aber es gibt doch keine aktuellen Fotos von ihm und den einzigen, den ich fragen kann-„

„Halten Sie endlich Ihren Mund, ich muss mich konzentrieren!“

Ah, deswegen die geschlossenen Augen. Snape verharrte noch eine ganze Weile in dieser Position, wobei Luciana schon vor Kälte die Glieder schlotterten. Dann, endlich, sah er sie wieder an, mit einem, für seine Verhältnisse, recht zufriedenem Ausdruck.

„Wir sollten nun ungehindert bis zur Apparierplattform gelangen können.“

Mit diesen Worten verschwand die Luftblase um seinen, und somit auch um ihren, Kopf und da war er schon davon geschwommen. Luciana brauchte mehrere Versuche, um aus dem Brunnen zu klettern - Snape, der höchst amüsiert (seine Mundwinkel zuckten) ihre akrobatischen 'Glanzleistung' neben dem Brunnen stehend begutachtete, verschwendete offenbar keinen Gedanken daran, ihr zu helfen.

Triefend und durchnässt bis auf jede kleinste Hautpore, setzten sie ihren Weg fort - nein, das hieß, sie war nass bis auf die Knochen, Snape hatte sich dem Wasser schon direkt beim Heraustreten mit einem Schlenker seines Zauberstabs entledigt. Zumindest behielt Snape Recht und sie erreichten die Apparierplattform am Ende der Halle ohne weitere Schritte zu vernehmen, auf eine Horde wildgewordener Masken-Gestalten zu treffen oder dem Schwarzen Führer in die Arme zu laufen.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Diese Juninacht war nicht besonders kühl, das Thermostat war vielleicht ein wenig unter die zwanzig Grad Grenze gesunken und trotzdem klapperte Luciana geräuschvoll mit den Zähnen, als sie neben Snape die Treppe zu der Eingangstür des Grimmauldplatz hinauflief.

„Meinen Sie nicht, es sei genügend Zeit vergangen?“, fragte Snape und drehte sich, nach dem Verschließen der Tür, zu ihr um. Luciana verstand erst nicht, was er meinte, doch dann folgte sie seinem Blick, der an ihrer nassen Kleidung hinabglitt. Interpretierte sie diese Frage falsch, oder hatte er sich wirklich informiert?

„Sie haben mein Krankheitsbild nachgeschlagen?“, fragte sie mit ungläubigem Blick.

„Ich wollte wissen, wieso ich während ihres Anfalls keinen Zauber auf Sie wirken sollte.“

„Weil das fatale Folgen haben kann“, sagte sie knapp und lief dabei die Treppe hoch - unglaublich, folgte ihr Snape etwa?

„Ja, dies war nicht der genaue Wortlaut, allerdings habe ich nichts Genaueres finden können“, Snape war tatsächlich mit raufgekommen und betrat nun mit ihr ein kleines Schlafzimmer im ersten Stockwerk. „Sagen Sie, Miss Bradley, worum handelt es sich bei den ?fatalen Folgen`?“

„Herzstillstand.“

Luciana lief zielsicher auf eine Kommode zu, die mit einem Bett daneben, einer Couch auf der anderen Seite und einem Kleiderschrank die einzigen Möbelstücke in diesem Raum waren.

„Gut zu wissen.“

Was sollte das denn jetzt heißen?

„Und ja, es ist wahrscheinlich genügend Zeit vergangen, aber da meine … Behinderung in letzter Zeit zu eigenwillig ist, habe ich nicht vor, mein Leben wegen ein paar nasser Klamotten aufs Spiel zu setzen … also ja, ich beherrsche den Zauber zum Lufttrocknen!“

In der obersten Schublade der Kommode wurde sie nicht fündig, nein, mit Männer-Boxershorts würde sie wenig anfangen können. Eine Etage darunter zog sie eine Pyjama-Hose und ein T-Shirt hervor und schmiss beides auf die Bettlaken.

„Seit wann sind Sie eingezogen?“, fragte Snape spöttisch. Luciana drehte sich zu ihm um, mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Gar nicht, das hier ist das Zimmer von Remus und er wird sicher nichts dagegen haben, wenn ich mir ein paar Klamotten von ihm leihe.“

Oh ja, das hatte gesessen. In Snapes Hinterstübchen schien es zu rattern, eine Augenbraue ging auf Wanderschaft und seinem Blick zu urteilen, dichtete er ihr gerade intime, zweisame Stunden mit Lupin in genau diesem Zimmer an.

„Das wird er sicher nicht.“

Ja da zerfleischt mich doch nen Werwolf, ist der Kerl etwa … eingeschnappt?!

Interessant. Sehr interessant. Schmunzelnd zog Luciana ihren tropfenden Pullover über den Kopf und nachdem sie wieder ein freies Sichtfeld hatte - erblickte sie den Rücken ihres Professors. Er hatte sich doch nicht ernsthaft umgedreht?

„Ach kommen Sie, ist doch nicht so, dass Sie mich noch nie nackt gesehen hätten?“

Was hätte sie drum gegeben, seinen Gesichtsausdruck sehen zu können. Und wo sie schon bei dieser äußerst denkwürdigen Erinnerung mit Snape am See war - was wäre eigentlich passiert, hätte sie nicht ihre Kleidung vom Boden genommen und ihn dazu aufgefordert, sich umzudrehen? Oder gleich noch einen Schritt weiter, wie hätte Snape reagiert, wenn sie sich … mal ganz theoretisch, an seiner Hose zu schaffen gemacht hätte? Immerhin hatte diese ganze Aktion dazu geführt, dass er sie tagelang ignoriert hatte. Mit jedem Knopf, den sie an ihrer Bluse öffnete, sponnen die 'Hätten's' und 'Wenn's' sehr ansprechende Bilder in ihrem Kopf weiter. Die Bluse flog mit einem Flatsch in die nächste Zimmerecke, ihre Finger nestelten an ihrem BH rum, dessen Verschluss … klemmte.

Nein, das tust du jetzt nicht. Nein, verdammt, DENK nicht mal dran!

„Professor?“ Ein leichtes Zucken ging durch seine Schulter. Lass es sein! „I-ich bekomm den nicht auf“, Böse Luciana, BÖSE Luciana!!, „könnten Sie mir bitte helfen?“

Du dreistes, hinterlistiges, fieses, sadistisches, notgeiles MISTSTÜCK!

Es dauerte ein paar Sekunden, bis Snape über seine Schulter zu ihr hinüberblickte. Luciana vollführte eine hundertachtzig Grad Drehung und deutete auf das Stück Stoff auf ihrem Rücken.

„Da muss sich ein Haken verbogen haben.“

Genau, und ER ist fies-und-gemein … was zur Hölle wird das?!

Auch wenn sie ihn, mit dem Rücken zugewandt, nicht sehen konnte, sein Zögern war deutlich spürbar. Miss Vernünftig in ihrem Kopf nahm schon Anlauf für eine Runde Freude-Purzelbaum-Schlagen, weil es ganz so aussah, als würde sie sich, zur Abwechslung, nicht Hals über Kopf in Schwierigkeiten gestürzt haben - und dann setzte sich Snape mit langsamen Schritten in Bewegung.

Eine Ganzkörper-Gänsehaut überzog sie - er war stehengeblieben, keinen halben Meter von ihr entfernt und auch wenn sie sehr genau wusste, dass es ein Fehler sein würde, schaute sie dennoch über ihre Schulter zu ihm. Snapes Blick war auf den Fußboden gerichtet, ein leichter, roter Schimmer lag auf seinen Wangen.

Schnell drehte sie ihren Kopf wieder nach vorne. Ein paar Sekunden standen sie schweigend in dem modrigen, kaum belichteten Schlafzimmer, die Spannung im Raum hätte man problemlos in Scheibchen schneiden können.

Snapes Finger waren kühl, als sie unter den Verschluss ihres 'störrischen' Alibi-BH's griffen - nach kurzem hin und her Schieben und Drücken öffnete sich dieser - So, jetzt sag nett danke und warte, bis er wieder zurück in seiner Ecke ist. Wie automatisch schob Luciana sich die Träger von der linken - BEDANKEN UND WEGSCHICKEN HAB ICH GESAGT!! - und dann von der rechten Schulter. Das Kleidungsstück fiel zu Boden und Snape machte keine Anstalten den Rückweg anzutreten.

Jugendlicher Leichtsinn, ja, dies beschrieb Lucianas nächste Aktion wohl am besten. Ihre Hände wanderten zu dem Reißverschluss ihres Rockes, doch plötzlich hielt sie in ihrer Bewegung inne - Snape war einen weiteren Schritt an sie herangetreten, sein Umhang streifte die Haut an ihrem Rücken und selbst seinen Atem konnte sie warm an ihrem Nacken spüren. Bei ihrem Größenunterschied konnte dies nichts anderes heißen, als dass er sich zu ihr hinuntergebeugt hatte. Ihr Herz nahm einen rasant ungesunden Rhythmus ein, die Luft war ihr im Hals steckengeblieben - dann spürte sie seine Hände, wie sie federleicht an den Seiten ihrer Hüfte entlangstrichen. Dort verharrten sie für einen Moment regungslos, glitten an dem Rand ihres Rockes entlang und trafen auf der linken Seite zusammen, wo Lucianas Hände noch immer an dem Verschluss verharrt lagen.

Snape schob seine Finger unter ihre und vollendete die Bewegung, die sie begonnen hatte. Ein Surren durschnitt die Stille des Zimmers, als sich der Reißverschluss öffnete, danach landete der Rock auf dem Boden, bei ihren restlichen Kleidungsstücken - Korrektur, ihr String war gleich mit auf Wanderschaft gegangen.

In der nächsten Sekunde waren die restlichen paar Zentimeter Abstand verschwunden - Snape hielt sie mit beiden Armen rücklings an sich gepresst, sie konnte ihn scharf einatmen hören, als ihr Hintern (nackter, das Detail war sicherlich nicht ganz unwichtig) und Rücken mit seinem Schritt in Berührung kamen. Obwohl, was hieß hier Schritt? Diese Region seines Körpers schien aus einer einzigen, mächtigen Ausbeulung zu bestehen.

Bravo. Hast du fein gemacht. Erste Sahne. Glanzstück. Und jetzt, mh? Lucianas Gedanken rasten - im Gegensatz zu Männern, besaßen einige Frauen das Talent, auch bei völligem Geilheits-Gefühl noch parallel denken zu können und ja, wie hatte sie sich das jetzt gedacht? Sex haben, das klang nicht schlecht, aber realistisch gesehen, wie verhielt es sich mit den Konsequenzen? Sie machte sich nichts vor, nicht Snape hatte die Initiative ergriffen, immerhin musste sie selbst unbedingt einen Striptease vor seiner übergroßen Nase hinlegen und selbstverständlich sprang er darauf an … hetero, offensichtlich ohne Potenzstörungen und höchstwahrscheinlich ein frustrierendes, bis kaum existentes Sexualleben, der Kerl hätte in dieser Situation vermutlich alles bestiegen!

Ja, Luciana fand ihn attraktiv, auf die ein oder andere, höchst verstörende Art und Weise, allerdings, wenn sie jetzt mit ihm Sex haben sollte, war die Wahrscheinlichkeit, wenn Snapes Gehirn Nummer Eins wieder das Denken übernehmen würde, dass er sie danach umbringen würde, gar nicht so gering.

Ooooh, aber selbst bei Frauen funktionierte das beim Geil-sein-Denken lediglich bis zu einer gewissen Grenze. Und die war spätestens jetzt erreicht, als Snape seinen Griff um sie gelockerte hatte, um mehr Spielraum für die Fummelarbeiten zu haben. Rechte Hand an ihren Brüsten, Linke - PROFESSOR, also wirklich! Ja, den ungenierten Direktweg zwischen die Beine hätte sie nicht erwartet … konnte dies trotzdem unter 'Positives Ereignis' verbuchen. Zwei seiner Finger waren tief in sie eingedrungen (und er hatte welche der Sorte 'lange Exemplare'), ihre Reaktion auf die darauffolgenden, stoßhaften Bewegungen, war ein Stöhnen, ihr Kopf war irgendwie an seiner Brust zum Liegen gekommen und ihre rechte Hand griff hinter sich - und nun war es an ihr, ungeniert zuzugreifen.

Super, magst ihm nicht gleich noch nen Finger in den Hintern stecken?, kommentierte Miss Vernunft beleidigt in ihrem Kopf - währenddessen führte Miss Dominant einen Ich-bekomme-Sex-Tanz auf. Ja, und diese sollte nicht enttäuscht werden.

Seine Finger waren plötzlich verschwunden, beide seiner Hände griffen nach ihrer Taille und drehten sie zu ihm um.

Wooow. Der Anblick, der Snape bot, war schlicht und ergreifend … überwältigend. Der Rotschimmer auf seinem Gesicht war noch eine Spur dunkler geworden, der Mund war leicht geöffnet und er atmete daraus hörbar stoßweise - jedoch waren seine Augen das Unglaublichste, die zwar (anscheinend absichtlich) nicht in ihre sahen, aber trotzdem nichts von dieser üblichen, beherrschten Kälte hatten. Und sicherlich wäre ihr hierzu genug eingefallen, um eine gesamte Abhandlung darüber schreiben zu können, hätte sie nicht beinahe splitterfasernackt vor ihm gestanden, von ihren Hormonen überwältigt und nichts weiteres im Kopf, als die Ausbeulung, die mal der Schritt von Snape gewesen war.

Den Blick auf ihren Körper gerichtet, machte er allerdings keine Anstalten mehr, noch weiterzugehen. War das seine konfuse Art, ihr die Entscheidung in die Schuhe zu schieben, ob sie bis zum Äußersten gingen oder nicht? Luciana machte einen Schritt rückwärts, ließ sich auf die Bettkante sinken, zog Schuhe und Strümpfe aus und schob sich dann weiter auf die Matratze. Snape hatte keine ihrer Bewegungen außer Augen gelassen, streifte seinen Umhang über den Kopf, schmiss diesen achtlos zu Boden, setzte sich in Bewegung und knöpfte dabei sein weißes Hemd auf. Darunter kam ein wenig schwarzes, krauses Brusthaar zum Vorschein, welches sich deutlich von seiner blassen Haut abhob - Luciana ließ kurz ihre Hand darüber streichen, als sich Snape, mit den Ellenbogen aufgestützt, über ihr auf dem Bett positioniert hatte.

Seine Hand glitt unter ihr linkes Bein, sie spürte seine Finger, wie sie sich um ihren Oberschenkel legten und diesen zur Seite hob - und schon lag Snape zwischen ihren Schenkeln und die Hand wanderte weiter, zwischen ihre beiden Körper. Wieder das Geräusch eines sich öffnenden Reißverschlusses, darauf das Rascheln von Stoff, ein paar Bewegungen und im nächsten Moment fühlte sie wieder seine Hand, die die Spitze des Inhalts der Ausbeulung an ihren Eingang führte.

Snape hielt seine Augen geschlossen, während er langsam und, ja, beinahe behutsam in sie eindrang - und über das langsam konnte Luciana verdammt dankbar sein, ansonsten hätte es bei dieser Prozedur Kollateralschäden geben können. Oder besser gesagt, das mit der Nasengröße eines Mannes war nun von ihr selbst geprüft und eingehend bestätigt kein Mythos! Noch einmal anders ausgedrückt, wieso den Zentauren-Lehrer wegen seines besten Stückes begehren, wenn man Vergleichbares in vollständiger Menschenform bekommen konnte?

Nachdem er gänzlich in sie eingedrungen war, verharrte er einen Moment bewegungslos, neigte seinen Kopf hinunter und atmete ein paar Mal tief durch.

Na kommen Sie Professor, denken Sie an was unerotisches, wie wär's mit der Schulleiterin, wie sie sich die Hornhaut ihrer Füße entfernen lässt - oder noch besser, Dumbledores schlaffer, faltiger Hintern unter der Dusche? Zum Glück musste Luciana bei diesen Bildern nicht ihren Mann stehen.

Und in diesem Moment griff Snape unter ihren Hintern, presste sie fester gegen sich und zog sich dann beinahe komplett aus ihr heraus. Sein Kopf erhob sich wieder, er öffnete die Augen und dann war Schluss mit Verharren oder Behutsamkeit. Genauer gesagt nahm er Luciana mit harten, festen Stößen, starrte dabei gebannt auf sie hinab, wie sie jeder seiner Bewegungen entgegenkam und ihr bei jedem Rein ein leises Stöhnen entwich. Snape selbst gab so gut wie keinen Laut von sich. Eine lange und breite Umschreibung für ein einfaches und simples Wort: Ficken. Das hier war kein Sex, nein, hierbei handelte es sich tatsächlich um die schmuckloseste Art den Geschlechtsakt zu vollziehen und dieses schlichte und wenig abwechslungsreiche Rein und Raus hätte Luciana normalerweise niemals auf ihre Kosten kommen lassen - normalerweise. Allerdings wurde sie gerade nicht von irgendjemandem schnörkellos 'gefickt', sondern von Professor Snape und zwar mit halb heruntergelassener Hose. Und somit bescherte ihr dies, nur einige Stöße später, einen Höhepunkt, den sie zu einem anderen Zeitpunkt mit in ihre persönliche Top-Ten Liste packen würde.

Ihr Bewusstsein brauchte einen Moment, um sich durch die geballte Ladung Glückshormone an die Oberfläche zu prügeln, jedoch erfreulicherweise noch rechtzeitig genug, um Snapes gepressten Atem zu hören, seine langsamer werdenden Bewegungen zu spüren und dann zu erleben, wie er am ganzen Leib zitternd auf ihr zusammenbrach.

Keine drei Sekunden später drang das Geräusch einer zuschlagenden Haustür vom unteren Stockwerk durch das nicht verschlossene Zimmer zu ihnen heran, dann folgte ein lautes Stimmengewirr.


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