
von Hermine Watson
Am nächsten Morgen wurde Harry durch ein lautes Schreien geweckt. Er brauchte eine zeitlang um zu verstehen, wer sich anschrie und um was es ging. Auch Ron war davon wach geworden. Beide zogen sich schnell an und rannten dann nach unten. Dort standen Hermine und Ginny und stritten sich wieder oder immer noch. Sie hatte noch gar nicht bemerkt, dass Harry und Ron und auch andere Gryffindors in den Gemeinschaftsraum kamen. "Warum musste es ausgerechnet Harry sein, den du haben willst? Du weißt doch genau wie lange Harry brauchte um mit mir wieder zusammen zu kommen", sagte Ginny. "Ich habe ihn dir nicht weggenommen. Wir sind Freunde und nicht mehr und nicht weniger." "Und wieso sollte Colin so was erfinden?", fauchte Ginny. "Warum fragst du mich.? Frag ihn!", keifte Hermine zurück. "Ich habe dir alles anvertraut, wenn ich Probleme hatte. Und du hast dich sicher nur darüber lustig gemacht. So eine wie du hat ja auch keine Probleme mit einem Bruder, der wie man ja jetzt sieht hoffnungslos verliebt ist und der einem alles erzählt und dabei nicht bemerkt, dass man auch Probleme hat. Sei es in der Schule oder mit Harry. Vielleicht hast du meine Probleme ja auch überall rumerzählt um bessere Karten zu haben"; sagte Ginny und wurde immer lauter, damit alle es hören konnten. Hermine war fassungslos und nicht in der Lage zu antworten. Sie hätte nie gedacht, dass Ginny so von ihr dachte. "Und so was wie du nennt sich Vertrauensschülerin." Auch Harry und Ron waren fassungslos. Wie konnte Ginny Hermine unterstellen, dass sie Probleme andere rumerzählte und sich darüber lustig machte. "Ron, wir müssen die beiden beruhigen, sonst kommt die McGonagall wieder. Und dann gibt es garantiert richtig Ärger", flüsterte Harry. "Ja hast recht. Versuchen wir es." Doch es schien unmöglich zu sein, die beiden zu beruhigen. Denn jetzt hatte sich Hermine wieder gefasst und schrie Ginny genauso an. "Ich habe mit keinem darüber geredet, was du mir anvertraut hast. Wie kannst du mir nur so was unterstellen?" Das ganze Gryffindorhaus war inzwischen im Gemeinschaftsraum versammelt und alle starrten Ginny und Hermine mit offenen Mündern an. Nie hätten sie gedacht, das ihre Vertrauensschülerin so ausrasten konnte. "Woher wusste denn Harry, dass Seamus mich auf dem Flur zum Gemeinschaftsraum abgefangen hatte um mir zu sagen, dass er mich gern mag?" "Von mir nicht. Harry hat mir erzählt, dass Seamus es ihm erzählt hatte. Er hatte ihn gefragt, wie er an dich rankommt. Ohne das er wusste, dass Harry mit dir zu diesem Zeitpunkt schon zusammen war." "Du lügst. Du bist echt das Allerletzte. Wärst du doch bloß bei deinen Muggeleltern geblieben", brüllte Ginny zurück. "Ach glaubst du nur weil du ein Reinblüter bist, bist du was besseres? Du würdest prima zu Malfoy passen und nicht zu Harry, du kleines Miststück. Und lass meine Familie daraus", keifte Hermine. Plötzlich griff Ginny in ihren Umhang und Harry hatte das ungute Gefühl sie würde in jedem Moment ihren Zauberstab heraus holen und ihn auf Hermine richten. Diese steckte ebenfalls die Hand in ihre Umhangtasche und tatsächlich zogen beide ihre Zauberstäbe heraus. Harry konnte nicht hinsehen. Hermine und auch Ginny hatten einiges auf dem Kasten. Sie würden sich sicher nicht mit Funken besprühen, dachte Harry. "Jetzt reicht es mir entgültig!", flüsterte Ginny und sie hob ihren Zauberstab. Hermine tat es ihr gleich. Sie war Ginny doch um einiges überlegen. Beide bemerkten nicht, dass das Porträt der fetten Dame zur Seite sprang und Professor McGonagall eintrat. Sie bebte vor Zorn. Doch bevor sie oder ein anderer Gryffindor etwas sagen konnte, schickten Ginny und Hermine ihr Flüche gleichzeitig ab. Hermine rief Petrificus Totalus um Ginny nicht zu verletzen. Ginny hingegen rief Stupor. Sie hatte aber nicht mitbekommen, dass Hermine sich vorher mit Protego ein unsichtbares Schutzschild gezaubert hatte. Sie war in Zaubersprüche durch Gedanken auszuführen sehr gut. Das verschaffte ihr einen großen Vorteil gegenüber Ginny, die es erst noch lernte. Ginny jedenfalls lag jetzt mit einer Ganzkörperkammer am Boden. Während Hermine unversehrt vor ihr stand und erst jetzt bemerkte, dass Professor McGonagall im Gemeinschaftsraum stand. "Was ist hier los. Hatten sie gestern nicht gesagt, dass sie ihre Hausaufgaben ausprobieren wollten? Und heute greifen sie sich an?" McGonagall war außer sich vor Zorn, das ihre Stimme zitterte. Mit Finite Incantatem löste sie die Ganzkörperklammer von Ginny und starrte zu Hermine. Ron kam zu Ginny und half ihr hoch, die dem Blick von Professor McGonagall auswich. "Ich habe gestern schon gewusst, dass sie sich gestritten hatten und nur deshalb ihre Zauberstäbe in der Hand hatten, aber das sie sich duellieren werden hatte ich nicht gedacht. Vor allem nicht von ihnen Miss Granger. Ich bin sehr enttäuscht von ihnen." Hermine sah beschämt zu Boden, sagte aber nichts. Wie hatte sie sich auch nur so hinreißen lassen können. "So ihr Unterricht hat vor zehn Minuten begonnen, meine Herrschaften. Also los zum Unterricht!", rief sie. "Außer sie Miss Granger. Sie bleiben noch kurz hier." Harry und Ron sahen Hermine mitleidig an. Sie sah ängstlich aus. Schnell machten sich alle anderen auf den Weg zum Unterricht. Hermine sah ihnen hinterher. Wie weit war dieser Streit nur ausgeartet. So eine schlechte Stimmung hatte sich noch nie zwischen den Gryffindors ausgebreitet. Der Hass von Ginny auf Hermine hatte wohl damit seinen Höhepunkt erreicht. 'So kann es kann es doch nicht weitergehen', dachte Harry. Ginny sah öfters zu Ron und ihm, doch sie traute sich nicht mit ihrem Bruder zu reden. Ausgerechnet heute mussten sie zusammen unterricht haben. Ein Lehrer war krank geworden und somit hatte die sechste Klasse mit der siebten zusammen. Im Unterricht passte kaum einer richtig auf, obwohl sie Verteidigung gegen die dunklen Künste bei Professor Lupin hatten. Harry machte der Unterricht bei Lupin sonst immer Spaß, doch heute konnte er sich nicht konzentrieren. Auch die Stunden bei Snape waren anders. Keiner hörte ihm zu. Er konnte keinen von ihnen zur Schnecke machen, was ihn so sehr ärgerte, dass er ihnen eine zehnseitigen Aufsatz über das brauen von Heilungstränken aufgab.
Hermine tauchte erst in der dritten Stunde auf. Sie sah furchtbar aus und hatte bis jetzt mit niemanden gesprochen. Auch auf die Fragen der Lehrer hatte sie keine Antwort, was bei ihr sehr ungewöhnlich war. Bei Verwandlung bei Professor McGonagall spürte die Schüler das irgendetwas zwischen den beiden Vorgefallen war. Sie ließ Hermine in Ruhe und stellte ihr auch keine Fragen. Auch Hermine meldete sich kein einziges Mal und zu Harrys und Rons Überraschung schrieb sie auch nicht mit. Sie war die ganzen zwei Stunden in sich gekehrt. Als Harry sie genau ansah, sah er, dass sie mit den Tränen kämpfte. Er erzählte Ron nach dem Unterricht davon.
Am Nachmittag saßen alle im Gemeinschaftsraum über dem Aufsatz für Snape, außer Hermine. Sie war gleich nach dem Mittagessen, was sie eh nicht angerührt hatte verschwunden und auch Ginny war nicht zu sehen. Harry wollte Hermine nachlaufen, wurde aber von Ron zurückgehalten mit den Worten: "Sie will sicher allein sein. Wer weiß was ihr McGonagall gesagt hatte. So wie sie sich im Unterricht verhalten hatte muss es etwas schlimmes gewesen sein. Aber es kann ja auch nur eine Strafarbeit sein, die sie mitgenommen hat." Harry fragte Pavati Partil, ob sie wüsste wo Ginny sei. Er wurde dass Gefühl nicht los, dass Hermine zu Ginny gelaufen war und sie sich wieder anschrieen. Doch Pavati sagte ihm, dass Ginny oben im Schlafsaal war und es ihr nicht gut ging. Harry war erleichtert und nachdem er seinen Aufsatz fertig hatte ging er mit der Ausrede, Dumbledore etwas zu fragen auf die Suche nach Hermine. Ron, der wusste warum Harry in Wirklichkeit gehen wollte, hielt ihn auch nicht zurück. Am liebsten wäre er mitgegangen, aber er musste noch seinen Aufsatz zu Ende schreiben und ein Ende war noch nicht in Sicht.
Harry ging erst in die Bibliothek. Doch dort war sie nicht. Er überlegte, wo er hingehen würde, wenn er allein sein wollte. "Ich würde an den See gehen. Genau, sie ist bestimmt am See", sagte er sich. Er ging durch die große Eingangshalle und durch das Eingangstor nach draußen. Es war trotz des Sonnenscheins sehr kalt. Er lief den kleine Pfad zum See hinab, in der Hoffnung sie dort zu finden. Und endlich sah er sie. Hermine ging mit gesenktem Kopf am Ufer entlang. Langsam ging Harry ihr nach und sah ihren Zauberstab am Boden liegen. Es sah nicht danach aus, dass sie ihn verloren hatte. Harry hob ihn auf und sprach leise zu ihr. "Hermine, was ist los?" Erst reagierte sie nicht und ging weiter. Warum antwortete sie ihm nicht? Dann blieb sie plötzlich stehen und drehte sich um. Erschrocken blickte Harry in ihr rotes tränenüberströmtes Gesicht. "Mensch, was ist los?", fragte Harry noch einmal vorsichtig und trat langsam näher. "Was hat ..." "Ich ... bin keine ... Vertauensschülerin mehr!", schluchzte sie und verbarg ihr Gesicht in den Händen. "Professor McGonagall sagte, sie habe gestern schon mit Dumbledore über den Vorfall gesprochen. Und der meinte bei einem erneuten Zwischenfall soll sie hart durchgreifen. Er war mit ihrem Vorschlag mir den Vertrauensschülerposten zu nehmen einverstanden." "Das darf nicht war sein!", entfuhr es Harry erschrocken. "Hermine ... Ist das wirklich wahr?" Hermine nickte nur. Tränen rannen ihr über die Wangen. "Warum musste ich mich auch so provozieren lassen?" "Es ist nicht nur deine Schuld. Ginny hatte zuerst nach ihrem Zauberstab gegriffen. Komm lass uns wieder reingehen. Es ist ziemlich kalt." "Ich geh nicht mit ins Schloss. Was sollen die anderen sagen, wenn sie sehen, dass ich kein Vertrauensschülerabzeichen mehr habe. Aber es ist ja auch egal. Nach Ginnys Behauptung vertraut mir sowieso keiner mehr." "Das stimmt nicht. Es gibt viele, die dir auch weiterhin vertrauen. Und nun komm jetzt. Du erkältest dich noch und wirst vielleicht noch richtig krank. Du willst doch Rons Geburtstag nicht verpassen oder? Übermorgen ist der 1. März." "Ist gut. Ich komme, aber Ron wird mich doch sicher hassen. Ich habe ja seine Schwester angegriffen." "Nein er hasst dich nicht. Er macht sich sogar richtig sorgen um dich. Gestern zum Beispiel, als du nach oben gegangen bist hatte er Angst, dass Ginny dir irgendetwas antut, während du schliefst. Du merkst, er ist genau der selben Meinung wie ich. Ginny hat dich zuerst angegriffen und du hast dich nur verteidigt." Er legte seinen Arm um Hermine, damit sie es sich nicht doch anders überlegte und stehen blieb. Und so gingen die beiden zurück zum Schloss und in ihren Gemeinschaftsraum. Im Gemeinschaftsraum wartete schon Ron auf sie. "Kommst du bitte mit in unseren Schlafsaal Ron? Hermine möchte mit uns allein sein." "Ach Harry reicht dir wohl nicht, was Hermine? Jetzt brauchst du auch noch Ron und bist zu feige es selbst zu sagen", kam es von Lavender Brown. "Ach sei still Lavender. Ich glaube nicht, das unsere Mine so jemand ist", sagte Seamus. "Schließlich ist sie unsere Vertrauensschülerin. Die McGonagall wird sich nicht irgendjemanden ausgesucht haben." "Ach du nennst sie schon Mine. Hast wohl auch was mit ihr am laufen?" "Spinnst du? Ich nenne sie schon seit dem dritten Schuljahr so. Falls es dir noch nicht aufgefallen ist. Und wenn du mir nicht glaubst frag Dean, der kann es bestätigen. Aber eigentlich ist mir auch egal ob du es glaubst oder nicht." "Um noch mal auf das Thema Vertrauensschülerin zurückzukommen Seamus. Schau doch mal genau hin. Wo ist denn ihr Vertrauensschülerabzeichen. Also gestern habe ich es noch gesehen und heute morgen auch noch. Und jetzt ist es weg. Hast du es etwa verloren?" Harry und Ron zogen Hermine mit sich nach oben, bevor sie etwas sagen konnte. Oben angekommen ließ sich Hermine auf Harrys Bett fallen und die Tränen liefe ihr wieder die Wangen runter. Harry und Ron setzten sich zu ihr, so dass sie in ihrer Mitte war und versuchten sie zu trösten. Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte erzählte sie auch Ron was am morgen passiert war. "Das ist echt nicht fair. Ginny hatte keine Strafe bekommen, obwohl sie überhaupt nicht unschuldig war. Wir müssen noch mal mit der McGonagall reden. Vielleicht bekommst du das Abzeichen wieder, wenn wir beide ihr die Sache noch mal erklären." "Nein das glaube ich nicht Ron. Sie will zwar mit Ginny reden, doch sie meinte, auch wenn Ginny nicht unschuldig ist, hätte ich ihr keinen Fluch aufhalsen dürfen. Egal ob es nur die Ganzkörperklammer war. Ich habe sie angegriffen und zwar als Vertrauensschülerin." Wieder kamen ihr die Tränen. "Ginny bereut sicher schon, was sie gemacht hat. Pavait hat erzählt, dass sie in eurem Schlafsaal ist und das es ihr schlecht geht. Sicher kommt sie heute oder morgen zu dir und bittet dich um Verzeihung." Harry sah auf seine Uhr es war schon nach acht. Sie hatten so lange geredet, dass sie das Abendessen verpasst hatten. Ihnen war auch gar nicht aufgefallen, das es im Gemeinschaftsraum eine Zeitlang still war. "Mist jetzt haben wir das Essen verpasst. Aber ich habe noch einpaar Schokofrösche wenn einer will?" "Ja bitte. Ich sterbe sonst heute Nacht vor Hunger. Und dann hast du noch ein Problem Hermine", lachte Ron. Hermine zwängte sich ein leichtes Lächeln ab, was ihr aber nicht so richtig gelang. "Ist schon gut. Dir ist heute nicht nach Scherzen zu mute. War doof von mir", sagte Ron schuldbewusst. "Nein es war nicht doof von dir. Ich weiß, dass du versuchst mich aufzumuntern." Seamus kam in den Saal. "Oh entschuldigt. Ich wusste nicht, dass ihr noch hier seit. Ich will euch nicht stören, aber ich wollte gerade ins Bett gehen. Mir geht es nicht so gut. Ein Glück ist morgen Wochenende." "Nein Seamus, wenn du nichts dagegen hast, das Hermine bei uns im Schlafsaal ist?" "Warum sollte ich was dagegen haben. Ich mag dich Mine und glaube diesen Quatsch nicht. Ich habe nur deswegen gefragt, weil ich nicht weiß, ob ihr allein sein wollt um zu reden. Warum sonst seit ihr aus dem Gemeinschaftsraum gegangen. Deswegen bin ich auch nicht gekommen um euch zum Essen zu holen. Es sollte nicht so aussehen, als wenn ich euch belauschen wollte. Es muss echt schlimm sein von der besten Freundin vor allen anderen so behandelt zu werden. Und unterstellt zu bekommen, die Probleme anderer auszuposaunen. Aber ich werde dir auch weiterhin vertauen, auch ohne Abzeichen Mine." "Danke Seamus, du bist echt ein Freund. Du siehst auch echt nicht gut aus. Ich werde dann mal in die Höhle des Löwen kehren und mich auch schlafen legen. Bis morgen ihr drei und schlaft gut." "Du auch Mine und lass den Kopf nicht hängen, dass steht dir überhaupt nicht." Hermine musste lachen und ging dann in ihren Schlafsaal.
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