
von Hermine Watson
Kapitel 10
Zwei Minuten später landeten sie unsanft auf einer Wiese, die auf einem Hügel lag. Weit und breit waren weder Häuser noch Menschen zu sehen. Am Horizont erkannte Harry einen jähen Felsenabbruch, hinter dem sich eine glatte Fläche auftat, die im schwachen Dunst lag. Es schien das Meer zu ein. ‚Ein Paradies’, dachte Harry, der noch nicht viel von der Welt gesehen hatte. Nie hatten ihn die Dursleys in Urlaub mitgenommen, meist waren sie nach Sussex gefahren und hatten ihn bei einer Nachbarin untergebracht. Vor Hogwarts war seine weiteste Reise in die Innenstadt von London gewesen, wenn es mal dringend erforderlich war, einen Arzt aufzusuchen, oder wenn er ausnahmsweise mal mit in den Zoo gehen durfte.
Sonst war er ständig im Ligusterweg und der näheren Umgebung geblieben und war lange Zeit davon ausgegangen, dass die Welt aus gepflegten, spießigen Vorstadtsiedlungen bestand. Erst Hogwarts hatte ihn aus der kleinen Welt herausgerissen und gezeigt, dass es auch noch andere Landschaften gab. Oft hatte er sich gedacht, wenn er mit dem Hogwarts-Express zur Schule oder in die Ferien fuhr und die Landschaft an ihm vorbei zog, ‚hier möchte ich mal hin.’
"Harry was machen wir jetzt?" "Keine Ahnung, aber wenn Dumbledore mit seinem Freund gesprochen hat wird der doch wissen das wir kommen. Am besten wir warten hier." Er legte sich neben die Rucksäcke ins Gras schloss die Augen und ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen. "Willst du die ganze Zeit stehen und warten bis er kommt? Vielleicht ist er auf gehalten worden." "Nein, natürlich nicht. Ja wer weiß wann er kommt.? Sie setzte sich neben ihn und sah ihn an. Harry bemerkte, dass er beobachtet wurde. "Was ist? Warum siehst du mich die ganze Zeit so komisch an?", fragte er. "Es ist nichts", wich sie ihm aus: "Doch irgendetwas ist mit dir. Das ist mir schon im Fuchsbau aufgefallen, dass du mich so komisch ansiehst. Und ich kaufe dir auch nicht ab, dass du nur um bei deinen Freunden zu sein einen so tollen Urlaub sausen lässt." "Das kommt dir nur so vor. Und ich habe den Urlaub sausen lassen um bei euch zu sein."
Harry ließ es dabei, obwohl er ihr kein Wort glaubte. Er schloss wieder die Augen und döste vor sich hin. Hermine ließ sich nach einpaar Minuten neben ihn ins Gras fallen, dabei berührte sie Harrys Hand. Harry öffnete wieder die Augen. "Sorry Harry. Ich wollte dich nicht wecken", sagte sie leise. Beim hinlegen achtete sie darauf, dass sie ihn nicht wieder berührte. "Du hast mich nicht geweckt. Hermine was ist denn mit dir los?",ersuchte er es noch einmal. "Ich sagte dir doch, dass nichts mit mir ist." "Mach mir doch nichts vor. Ist es wegen Ron? Du bist in ihn verliebt nicht wahr?" "Nein ich bin nicht in ihn verliebt." Hermine saß sich auf und sah zu Harry.
Von weitem kam eine Kutsche angefahren. "Harry ich glaube dieser Mathew kommt." ‘Endlich, denn so hat diese Fragerei ein Ende‘, dachte sie. Die Kutsche wurde von zwei braunen Pferden gezogen. Mathew war ein großer schlanker und sportlicher Mann von ungefähr 65 Jahre alt und hatte weißes Haar. Er kam zu ihnen auf den Hügel. "Hallo sie müssen Hermine und Harry sein. Ich hoffe, sie haben sich keine Sorgen gemacht. Mein Name ist Mathew Coltan."
Harry und Hermine nickten als er sie nach ihren Namen fragte. Er reichte den beiden die Hand. "Albus hat mir gesagt, dass sie heute ankommt. Entschuldigt das sie so lange warten musstet, aber ich musste mich noch um unsere trächtige Stute kümmern." "War nicht so schlimm. Es ist ja auch schönes Wetter", sagte Harry.
Sie stiegen über den kleinen Wall und folgten einem schmalen Trampelpfad den Hügel hinab. Unten stand die Kutsche. Die Pferde grasten friedlich. Als sie die drei bemerkten, hoben sie die Köpfe und schnaubten leise. “So ihr beiden bitte einsteigen, sonst kommen wir zu spät zum Abendessen und das sieht meine Köchin gar nicht gern."
Harry half Hermine auf den Kutschbock und setzte sich mit den Rucksäcken auf die Ladefläche. Mr. Coltan nahm die Zügel in die Hand, schnalzte mit der Zunge und die Pferde setzten sich in Bewegung. Der Weg war sehr holperig, daher ging die Fahrt zunächst langsam, als sie dann aber in der Senke auf einen breiteren Weg stießen, trabten die Pferde an und der Wagen wackelte fröhlich durch die Landschaft. Mr. Coltan begann ein Liedchen zu pfeifen. Den ganzen Weg über sprach keiner ein Wort.
Schließlich kamen sie in Sichtweite eines größeren Gehöftes, Mr. Calton unterbrach sein Flöten und meinte:
“Da vorne ist es.“„Schön haben sie es hier!“ “Meine Vorfahren hatten Geschmack.“, sagte er, nicht ohne Stolz.
Der Weg führte jetzt an einer hohen Hecke entlang, die die Sicht auf das Haus verdeckte. Auf der anderen Seite des Weges standen uralte Kastanien. Der Wagen bog in eine Einfahrt ein, die durch ein wunderschönes schmiedeeisernes Tor verschlossen werden konnte.
Harry konnte hinter der Hecke eine Mauer aus Feldsteinen erkennen. Vor ihnen breitete sich ein Parkähnlicher Garten mit altem Baumbestand aus. Mitten in diesem Park stand eine Villa mit Türmchen und Zinnen, überwuchert mit Efeu. Zwei gewaltigen Kletterrosen wuchsen links und rechts der Haustüre. Rechts neben dem Haupthaus sah Harry eine offene Wagenremise, in der mehrere alte Kutschen und ein wunderschönes dunkelgrünes altes Auto mit viel blitzendem Chrom stand. Auf der linken Seite des Hauses schlossen sich ziegelsteinerne Stallgebäude mit bogenförmigen, grün-weiß gestrichenen Toren an.
Vor dem Hauseingang machte die Kiesauffahrt einen weiten Bogen um ein rundes Rosenbeet, deren Rosen in den herrlichsten Farben blühten und in dessen Mitte eine weiße Marmorfigur im hohen Bogen Wasser in eine große Muschel spie.
Der Wagen folgte dem Kiesweg und hielt vor der Haustür an. "So das ist meine Gestüt. Es ist ein ziemlich großes Anwesen und eigentlich viel zu groß für mich, aber meine Gäste haben sich immer wohlgefühlt. Es ist eine sehr ruhige Gegend hier."
Harry und Hermine stiegen von der Kutsche und sahen sich etwas ratlos um. "Gehen sie schon einmal rein. Jack wird ihnen ihre Zimmer zeigen. Ich muss noch einmal nach der Stute sehen."
"Danke Mr. Coltan, dass sie uns hier aufnehmen", sagte Harry. Jack kam aus der Tür. Jack hatte dunkelblonde Haare. Er war groß und hatte einen durchtrainierten und sehr muskulösen Körper. Sein Alter konnte man schlecht einschätzen. Harry vermutete ihn so auf Mitte Ende 40.
"Jack zeig den beiden doch bitte ihre Zimmer, damit sie ihr Gepäck raufbringen können und sich vor dem Abendessen noch etwas frisch machen können. Wir sehen uns dann beim Essen. Ich möchte sie gern ein bisschen besser kennen lernen.“ “Kommen sie, ich zeige ihnen das Haus. Dann werden sie sich sicher schnell zurechtfinden.“
Er winkte den beiden ihm zu folgen. Harry starrte immer noch auf Mr. Coltan, dann ließ er seinen Blick über die erwürdige Fassade des Hauses gleiten und wäre fast über die erste Stufe der ausladenden Treppe gestolpert. Dann hastete er die Treppe hinauf, hinter Jack und Hermine her und in die hohe Eingangshalle der Villa. Harry kam aus dem Staunen nicht heraus. Auf beiden Seiten der Halle führte eine weit geschwungene Treppe mit Verziertem steinernen Geländer hinauf auf eine Galerie, von der mehrere Türen in verschiedene Zimmer führten. Links und rechts standen hohe Flügeltüren offen und ließen einen Blick in fürstlich eingerichtete Räume zu.
Harry und Hermine folgten Jack ins Haus. Harry kam aus dem staunen nicht mehr raus, als sie die Treppe nach oben gingen, wo Jack ihnen die Zimmer zeigte. "Zunächst werde ich Ihnen Ihr Zimmer zeigen Harry.“, sagt Jack und ging voraus.
Harry bekam ein Zimmer im Westflügel. Er versuchte sich schon mal einzuprägen welche Tür er nehmen musste. Jack sah wie er die Türen zählte und musste lachen. "Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn sie die falsche Tür erwischen. Das geht jedem so, der das erste mal hier ist. Aber nach kurzer Zeit werden sie den Weg im Schlaf können."
Sie gingen in das Zimmer. Der Raum war prachtvoll eingerichtet. Eine Wand wurde beherrscht von einem riesigen Himmelbett, das mit schweren, bestickten Brokatstoffen behangen war. Die Säulen des Bettes waren kunstvoll gedrechselt und mit dünnen vergoldeten Fäden umwirkt. Das Kopfteil des Bettes wurde von einer geschnitzten Holztafel gebildet, die eine Jagdszene zeigte. Neben dem Bett stand ein Nachtischchen mit Intarsienarbeit aus vielen verschiedenen Hölzern und Elfenbein. Vom gleichen Stil waren auch ein Schrank und ein Sekretär, die an den anderen Wänden standen. An den Wänden hingen Portraits und Jagdszenen in Öl mit breiten stuckverzierten goldenen Rahmen. Durch die hohen Fenster fiel das weiche Licht des späten Nachmittags.
Unten im Hof konnte Harry den Pferdeknecht sehen, der die Pferde, die sie hierher gebracht hatten, mit Stroh abrieb. Und von dort hatte man einen schönen Blick auf die Weiden auf den mindestens 20 Pferde weideten. Und man konnte denn schönen Sonnenuntergang beobachten.
"Hier geht es zu Ihrem Badezimmer.“, sagte Jack und öffnete eine fast unsichtbare Tür in der Wandvertäfelung. Harry warf einen kurzen Blick hinein und konnte feststellen, dass der Luxus sich auch im Kabinett fortsetzte. Marmor und Gold oder Messing gaben hier den Ton an.
"Gefällt es Ihnen?“
"Oh ja!“, sagte Harry mit ehrlichem Staunen. "Ich werde mich hier sehr wohlfühlen.“
"Wenn sie etwas wünschen, dann ziehen sie einfach nur an der Kordel,“, sagte Jack und deutete auf eine aufwendig geknüpfte Schnur mit dickem Quast am unteren Ende, die neben dem Bett von der Wand hing.
"Ich oder eines der Zimmermädchen wird dann kommen und Ihre Wünsche erfüllen. Keine Sorge, alle kommen aus Zaubererfamilien und egal was sie sich wünschen, sie werden es Ihnen erfüllen.“
"Vielen Dank" “In ungefähr einer Stunde ist das Essen fertig. Harry wenn sie nichts dagegen haben, hole ich sie hier ab. Nicht das sie sich hier verlaufen, bei den vielen Gängen. Das gilt natürlich auch für Sie Hermine." "Das ist sehr nett. Danke Mr. ähm:" "Sagen sie einfach Jack." "Danke Jack. Das ist wirklich sehr nett von ihnen." "So Hermine und jetzt zeige ich ihnen ihr Zimmer. Mr. Coltan war sich nicht sicher, ob sie lieber ein Zimmer im Südflügel oder hier gleich nebenan beziehen möchten. Ich sage ihnen gleich im Südflügel ist es um die Mittagszeit sehr warm. Aber die Frauen haben bis jetzt dieses Zimmer genommen. Ich glaube sie mögen wenn richtig warm ist."
Hermine saß unschlüssig zu Harry. "Sie können natürlich erst das Zimmer nehmen und wenn es ihnen zu warm wird umziehen. Das ist gar kein Problem." "Ok, machen wir es so. Danke Jack."
Hermine folgte Jack den Flur entlang, wo viele Bilder von Zauberern und Hexen hingen. Am Ende des Flures blieb Jack stehen und öffnete die Tür. "Man merkt schon, dass es noch sehr warm hier ist. Aber Mr. Coltan überlegt schon die ganze Zeit, wie er es trotz der Sonne kühl halten kann. Es ist ihm aber noch nichts eingefallen." "Es ist aber trotzdem ein sehr schönes Zimmer."
Es war so eingerichtet, dass man vom Schreibtisch, der dort stand eine schöne Aussicht auf das Anwesen hatte. "Ich hole sie dann hier in einer halben Stunde ab. Oder wollen sie bei Harry warten, Hermine? Oh entschuldigen sie, ich nenne sie die ganze Zeit beim Vornamen." "Das ist nicht schlimm Jack. Sie können ruhig weiter Hermine und du zu mir sagen und ich glaube, dass Harry auch nichts dagegen hat. So fühlt man sie nicht so fremd, als wenn man die ganze Zeit mit Nachnamen angesprochen wird. Wir wissen ja nicht, wie lange wir euer Gast sind. Aber so wie ich Professor Dumbledore verstanden habe werden wir einen schönen und langen Urlaub machen."
"Mr. Coltan wird nachher noch einiges mit euch besprechen. Also bis später." "Ja bis später. Ich werde bestimmt bei Harry sein." Jack nickte und ging auf den Flur. "Dann hole ich euch beide bei ihm ab." Er schloss die Tür und seine Schritte entfernten sich. "Was macht dich eigentlich so sicher, dass du bei Harry bist?", fragte sie sich. Als sie an ihn dachte spürte sie ein Kribbeln in der Magengegend. Es war ein schönes Gefühl und sie musste lächeln als sie darüber nachdachte. Als sie sich etwas frisch gemacht und sich umgezogen hatte machte sie sich auf den Weg zu Harry.
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