
von Nerventod
vielen dank für die lieben reviews und auch ein fettes dankeschön an meine beta Snapes_Wife, die immer trotz unglaublichen Stresses meine chaps korrigiert *blumen überreich*
knuddels nerventod
Es war schon mitten in der Nacht, als Narzissa aus dem Zimmer schlich, welches sie gemeinsam mit ihrem Ehemann bewohnte. Sie hatte sich einen weißen, seidenen Bademantel übergezogen, der ihr bis zu den Knöcheln reichte. Sie hatte nicht schlafen können und wollte sich nun in der Küche einen heißen Kakao machen, der ihr vielleicht helfen konnte, den benötigten Schlaf zu bekommen. Die Bilder, wie Draco heute blutüberströmt und bewusstlos dagelegen hatte, während Harry weiterhin auf ihn einschlug, hatten sich in ihr Gedächtnis gebrannt und waren sofort da, wenn sie die Augen schloss.
Trotz der großen Sorgen, die sie sich um ihren Sohn gemacht hatte, hatte sie sich auch um Lucius gesorgt. Aus seinen Erzählungen über seine Zeit in Azkaban wusste sie, wie viel ihm der Schwarzhaarige bedeutete und wie sehr es ihm noch immer wehtat, dass er dem Jungen nur in so begrenztem Maße helfen konnte. Die beiden Männer verband eine tiefe Freundschaft und Narzissa wusste, dass diese heute einen Riss bekommen hatte. Sie verstand wie kein anderer, was in ihrem Mann vorging. Sie hatte seine Enttäuschung, seine Wut und seine Verständnislosigkeit spüren können, als sie zu den beiden jungen Männern nach draußen geeilt waren. Gefühle, die nur noch von der Sorge um Draco übertroffen worden waren.
Als Lucius dann vorhin mit Draco im Salon erschienen war, hatte sie seine Erleichterung bemerkt, die wohl hauptsächlich von der Tatsache bestimmt war, dass er sich mit Harry ausgesprochen hatte. Lucius und Harry verband ein ähnlich starkes Band, wie das zwischen Draco und seinem Vater und diese Tatsache hatte sie vorhin dazu gebracht, den Raum zu verlassen, damit die beiden ungestört reden konnten. Lucius hatte ihr vorhin in ihrem Zimmer erzählt, wie die Unterhaltung verlaufen war. Das auch Draco scheinbar das Gespräch mit verfolgt hatte, war ebenfalls von Vorteil gewesen. Es war wichtig, dass er verstand, was mit Harry los war und sich darauf einrichtete, da es sonst für alle, insbesondere für ihren Mann, nur schwerer werden würde.
Allerdings hatte diese Tatsache auch einen Haken, Harry. Der war an diesem Tag nicht mehr aus seinem Zimmer gekommen, nicht einmal zum Abendessen, was soviel bedeute, dass er heute den ganzen Tag fast nichts gegessen hatte. Lucius hatte ihm etwas auf sein Zimmer bringen wollen, doch Narzissa hatte es ihm ausgeredet. Es war wichtig, dass sich Harry der Situation stellte und sich nicht vor ihnen versteckte, besonders wenn man bedachte, was der junge Mann vorhatte.
Schon bevor Narzissa die Tür zur Küche langsam öffnete, wusste sie, dass Harry dort war. Sie wollte ihn nicht erschrecken und machte sich daher extra bemerkbar, damit er sie hören könnte. Harry schaute von dem Buch in dem er las auf und nickte ihr kurz zu, ehe er weiterlas und sie nicht weiter beachtete. Harrys Augen waren noch immer ein wenig verquollen von den vielen Tränen, die er heute vergossen hatte. Vor ihm stand ein großer Becher mit heißem Kakao und ein leerer Teller. Der Hunger hatte ihn also hier runter getrieben. Narzissa ging ruhig zum Schrank, um sich eine Tasse herauszunehmen und machte sich dann ihren Kakao, ehe sie sich Harry gegenüber setzte.
Sie sagte nichts und vermied es ihn anzusehen, damit sich Harry nicht zu unwohl fühlte. Der klappte das Buch nach ein paar Minuten zusammen und schaute sie an. Narzissa begegnete diesem Blick ebenso ruhig und wartete darauf, was Harry zu sagen hatte. Endlich, nach ein paar Minuten sprach er.
„Ich möchte mich auch bei Ihnen für das entschuldigen, was heute da draußen passiert ist!“, sagte er.
„Ich danke dir dafür, Harry. Ich darf doch Harry sagen, nicht wahr?“, fragte Narzissa, worauf der Schwarzhaarige nickte. „Gut, dann nenn du mich bitte auch Narzissa. Ich weiß, dass es dir Leid tut und dass du Draco nicht verletzen wolltest, aber sieh dich vor, dass so etwas nicht noch einmal passiert.“
Erneut nickte Harry. „Ich werde alles tun, was ich kann, damit das nicht noch einmal vorkommt. Ich nehme an, dass Lucius dir erzählt hat, wie es dazu gekommen ist?“
„Ja, das hat er und aus diesem Grund möchte ich dir meine Hilfe anbieten. Ich weiß, dass du mit Lucius in Azkaban lange daran gearbeitet hast, deine Gefühle unter Kontrolle zu bringen, um gegen die Wachen anzukommen. Ich möchte dir anbieten, weiterhin mit mir daran zu arbeiten. Lucius ist ein sehr guter Lehrer, aber ich könnte dir vielleicht mehr helfen, wenn du es zulässt.“
„Wie?“, fragte Harry.
„Was ich dir jetzt erzähle, ist ein gut gehütetes Familiengeheimnis. Ich besitze eine besondere Gabe, die es mir erlaubt, die Gefühle von anderen Menschen zu spüren, daher weiß ich auch, wie sehr dir diese Sache heute Leid getan hat.“, erklärte Narzissa
„Du bist also eine Empathin?“, fragte Harry verblüfft und zugleich beunruhigt.
„Unter anderem, ja“, nickte Narzissa. „Aber nicht nur das. Ich kann nicht nur die Gefühle der anderen spüren, sondern ich kann ihnen auch durch eine besondere Fähigkeit helfen. Wenn du mich lässt, kann ich dir helfen deine Gedanken zu ordnen und alles aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Ich muss dich aber warnen, wenn du es zulässt, dass ich dir helfe, werde ich dabei sehr viel über dich erfahren. Ich weiß, dass das sehr schwer für dich sein wird, da du mir nicht vertraust. Das ist absolut verständlich, aber wenn du das Risiko eingehst, kann ich dir mit Sicherheit helfen, die vergangenen Ereignisse zu verarbeiten.“
„Warum willst du mir helfen? Ich meine, ich habe deinen Sohn verletzt und eigentlich solltest du jetzt wütend auf mich sein, aber stattdessen willst du mir helfen.“
„Nun, wenn ich ehrlich sein soll, dann ist der Hauptgrund dafür Lucius.“, antwortete die Blonde ehrlich. „Er sieht in dir seinen zweiten Sohn, das habe ich schon im ersten Moment gespürt, als ich ihn wiedergesehen habe. Ich will nicht behaupten, dass ich dasselbe für dich fühle, auch wenn ich damit ja praktisch deine Mutter bin.“
Harry lächelte leicht, bei dieser Aussage, worauf auch Narzissa ihm zulächelte, ehe sie weiter sprach. „Lucius ist etwas ganz besonderes, weißt du? Unsere Ehe damals war arrangiert. Von Geburt an stand fest, wen wir zu heiraten hatten, eine überaus altmodische Tradition, vor der wir Draco auch bewahrt haben. Aber ich schweife ab. Lucius und ich kannten uns bereits in der Schule, aber wir haben nie wirklich romantische Gefühle füreinander entwickelt, obwohl wir uns damals schon bewusst waren, dass wir eines Tages heiraten sollten.
Wir waren nicht verliebt, als wir den Bund fürs Leben eingingen, aber Lucius hat mich von Beginn unserer Ehe an mit Respekt behandelt. Mein Vater wollte immer, dass auch ich in die Reihen der Todesser eintrete, doch Lucius hat es geschafft, mich davor zu bewahren. Wir hatten gar nicht bemerkt, dass sich unsere Gefühle zueinander im Laufe der Zeit änderten, doch irgendwann haben wir erkannt, dass wir uns tatsächlich ineinander verliebt hatten und das hat sich auch bis heute nicht geändert.
Lucius ist ein wundervoller Ehemann und ich vertraue seinem Urteil. Er will für dich kämpfen und wenn das so ist, dann werde ich auch an seiner Seite stehen und ihm bei dem unterstützen, was er für richtig hält. Aber ich möchte auch sagen, dass das nicht der einzige Grund ist. Das, was dir zugestoßen ist, ist unentschuldbar und hättest du nicht durchmachen sollen. Ich möchte dir einfach helfen und wenn du mir die Chance dazu gibst, werde ich mein Bestes tun, um das auch zu erreichen.“
„Ich weiß nicht, ob ich das schaffe“, erwiderte Harry leise.
„Aber du musst, Harry. Als ihr aus Azkaban geflohen seid hast du Stärke bewiesen, um euch beide da raus zu holen. Lucius hat dir wunderbar beigebracht deine Gefühle in den Hintergrund zu schieben und sie zu ignorieren, aber das kann dir auf Dauer nicht helfen. Es darf nicht die Gefahr bestehen, dass das alles wieder hochkommt, wenn du in einer Situation bist, in der du dir eine solche Ablenkung nicht erlauben darfst und das es passieren kann, hat sich heute gezeigt. Ich bin mir dessen bewusst, dass es dir lieber wäre, wenn Lucius dir helfen könnte, aber ich weiß, dass ich dir besser und vor allem effektiver helfen kann, wenn du mir die Chance gibst.“
„Du solltest auf sie hören“, ertönte plötzlich eine Stimme von der Tür aus und ließ beide herumfahren und auf Draco schauen, der dort stand. „Mutter ist wirklich gut in diesen Dingen.“
„Kannst du auch nicht schlafen?“, fragte Narzissa besorgt und deutete ihm an, sich neben sie zu setzen, ehe sie aufstand und ihrem Sohn ebenfalls einen Becher heißen Kakaos machte.
Harry beobachtete, wie sich Draco setzte, ohne ihm jedoch in die Augen zu sehen. Es tat ihm immer noch Leid, dass er den Blonden so schwer verletzt hatte. Er schämte sich dafür und es wurde ihm klar, dass Narzissa Recht hatte. Wenn es so einfach bei Draco passieren konnte, konnte es auch in einer wirklich unpassenden Situation geschehen und wenn er das verhindern konnte, musste er alles tun, um das zu erreichen.
Narzissa kam wieder an den Tisch und setzte sich neben ihren Sohn. Für einen Moment herrschte betretenes Schweigen, da keiner von ihnen wusste, was er sagen sollte. Als Harry genug Mut gesammelt hatte, schaute er Narzissa erneut an. „Ich weiß, dass ich etwas tun muss und ich bin sehr dankbar für das Angebot, dass du mir gemacht hast. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich das kann.“
„Wenn du dich dazu entschließt, dann kann ich dir versprechen, dass niemand etwas von dem, was ich sehen und hören werde, erfahren wird. Wenn du dich wohler fühlen würdest, könnte ich auch Lucius bitten, dabei zu sein. Würde dir das helfen?“, fragte Narzissa.
Harry überlegte kurz. „Ich denke, dass ich mich damit wirklich wohler fühlen würde“, gab er schließlich zu.
Narzissa lächelte. „Ich bin mir sicher, dass er dir gern behilflich wäre“, sagte sie, ehe sie aufstand. „Ich werde mich wieder hinlegen. Geht dann auch schlafen“, erklärte sie. Harry und Draco nickten ihr zu und schon im nächsten Moment war sie aus dem Zimmer verschwunden.
„Du hast beeindruckende Eltern!“, sagte Harry, als sie gegangen war.
„Was hast du denn erwartet? Du hast mich doch immer für einen verwöhnten Bastard gehalten. Was hast du gedacht wo das herkommt?“, entgegnete Draco.
„Nur um das mal klar zu stellen, du warst und du bist noch immer ein verwöhnter Bastard und wenn man bedenkt, wie sich deine Eltern früher mir gegenüber verhalten haben, dann musst du mir zugestehen, dass ich überrascht sein darf.“
Draco schmunzelte leicht. „Ich schätze, das könnte ich tun“, sagte er.
Eine unangenehme Stille breitete sich aus, als keiner von ihnen wusste, was er nun sagen sollte. Es war merkwürdig, so plötzlich seinem Erzfeind aus der Schule gegenüber zu sitzen und sich normal mit ihm unterhalten zu wollen.
„Es ist schon komisch, wie sich das ganze Leben in nur einem Augenblick ändern kann…“, durchbrach Harry schließlich die Stille. „Freunde sind plötzlich Feinde geworden und Feinde in dieser Zeit zu Freunden und einer großen Stütze. Es muss für dich auch schwer gewesen sein, mit einem Mal alles aufzugeben und verschwinden zu müssen.“
„Nicht, wenn man die Alternative betrachtet“, entgegnete Draco.
Wieder trat eine betrete Stille ein. Keiner von beiden wusste so richtig, was er sagen sollte. Die Ereignisse des vergangenen Tages lagen noch schwer auf ihnen. Harry wusste, dass der einzige Grund, warum Draco sich im Moment so zivilisiert benahm der war, dass er diese Dinge über ihn erfahren hatte. Er wusste nicht, ob er ihm dafür dankbar sein, oder ihm eine reinhauen sollte. Wenn sich der Blonde jetzt deshalb immer so rücksichtsvoll und umsichtig ihm gegenüber verhalten sollte, würde ihm sicher irgendwann der Arsch platzen.
„Ich will ehrlich mit dir sein!“, sagte er daher. „Es passt mir ganz und gar nicht, dass du heute das Gespräch zwischen deinem Vater und mir mitbekommen hast und ich hoffe, dir ist klar, wie sehr ich diese Tatsache hasse. Nichtsdestotrotz denke ich aber auch, dass es gut ist, dass du weißt, warum es passiert ist und dass du weißt, dass ich eigentlich nicht dich schlagen wollte. Aber deswegen musst du dich mir gegenüber nicht anders benehmen.“
„Genau da irrst du dich. Ich denke, dass meine Mutter Recht hat. Du musst erst etwas tun und solange werde ich mich wohl zurückhalten müssen. Denkst du, ich will so eine Nase wie Severus bekommen, weil du sie mir jedes Mal brichst?“, schnarrte Draco eingebildet.
„Nein, um Himmels Willen, das würde ich nie wollen. Ich will doch dieses perfekte Gesicht nicht verschandeln.“, schmunzelte Harry.
„Nein, ernsthaft. Meine Eltern wollen dir helfen und ich denke, dass wir das nur schwerer machen, wenn wir uns so aufführen wie in der Schule. Wir sollten versuchen, miteinander auszukommen und vielleicht kann ich ja auch Severus dazu bringen, dass er sich dir gegenüber wie ein Mensch verhält. Jemand der mit einem Gryffindor zusammen ist, sollte doch auch in der Lage sein Harry Potter zu mögen.“
„Snape ist mit einem Gryffindor zusammen? Machst du Witze?“, fragte Harry ungläubig.
„Ich kann nicht fassen, wie naiv du bist. Hast du dich denn noch nicht gefragt, warum Lupin hier wohnt?“, fragte Draco mit hochgezogener Augenbraue.
„Remus hat mir erzählt, wie es kam, dass er hier lebt. Allerdings hat er dieses kleine Detail ausgelassen.“, grummelte Harry, ehe er leicht das Gesicht verzog. „Merlin, ich kann das gar nicht glauben. Das sind Bilder, die ich mir gar nicht vorstellen will.“
„Das sind Bilder, die sie sich auch gar nicht vorstellen sollen!“, knurrte Snape, der plötzlich im Türrahmen stand.
„Merlin nochmal, wie kommt es, dass hier jedes Mal irgendjemand in das Gespräch von zwei andern reinplatz!“, schimpfte Harry.
„Wenn Sie nicht nachts in meinem Haus rumschleichen würden, könnte das auch nicht passieren“, erwiderte Snape.
„Ich bin nicht herumgeschlichen, ich bin nur in die Küche gegangen, weil ich etwas essen wollte!“, protestierte Harry.
„Was nicht notwendig gewesen wäre, wenn sie, wie alle anderen auch, zum Abendessen erschienen wären“, hielt der Tränkemeister dagegen.
„Was wollen Sie jetzt tun? Wollen Sie mir Punkte abziehen und mir eine Strafarbeit geben?“, funkelte ihn Harry wütend an. Dieser Mann schaffte es jedes Mal, ihn innerhalb weniger Sekunden zur Weißglut zu bringen.
„Punkte werde ich nicht abziehen, aber meine Kessel müssten mal wieder geschrubbt werden“, entgegnete Snape mit einem süffisanten Grinsen.
„Nur die Kessel? Ich glaube Ihre Haare hätten es nötiger…“, entgegnete Harry nun mit einem ebenso süffisanten Grinsen.
Draco schaute besorgt zwischen den beiden hin und her. Die Vene an Snapes Hals pulsierte gefährlich und deutete darauf hin, dass der Tränkemeister kurz vor der Explosion stand. Doch er schaffte es, seine Stimme ruhig zu halten, als er knurrte: „Fordern Sie mich nicht heraus, Potter!“
„Warum denn nicht? Meinen Sie, ich habe Angst vor Ihnen?“, blaffte Harry.
„Hört endlich auf, euch wie kleine Kinder zu benehmen!“, ging Draco dazwischen. „Ich glaube, es ist das Beste, wenn wir alle wieder in unsere Zimmer gehen.“
Für einen weitern kurzen Moment funkelten sich Harry und Snape noch an, ehe der Tränkemeister ohne ein weiteres Wort verschwand. Harry folgte ihm kurz darauf und ließ Draco damit allein in der Küche zurück.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel