
von Nerventod
ich danke meiner lieben beta Snapes_Wife
„Wow“, flüsterte Harry, nachdem die beiden sich gelöst hatten, was ein Lächeln auf das Gesicht des Blonden zauberte. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so wäre, dich zu küssen.“
„Mir geht es genauso“, erwiderte Draco. „Es war viel besser, als ich es mir vorgestellt habe. War der Kuss wirklich okay für dich? Ich meine, ich wollte dich nicht überrumpeln. Ich habe einfach nicht nachgedacht.“
„Mach dir keine Sorgen. Ihr Malfoy-Männer müsst irgendwas an euch haben, was mir ein Gefühl von Sicherheit gibt“, beruhigte ihn der Schwarzhaarige. „Und ich muss zugeben, dass es sich wirklich sehr gut angefühlt hat.“ Draco verstärkte seine Umarmung um Harry und zog ihn so noch ein Stück näher zu sich. Sie schwiegen eine Weile, ehe sich Harry traute, die Frage zu stellen, die ihm nun auf der Seele brannte. „Ich… Draco, was erwartest du jetzt von mir?“
„Ich erwarte gar nichts von dir“, antwortete Draco ehrlich. „Ich werde das akzeptieren, was du bereit bist zu geben. Ich bin überrascht, dass du mich nicht einfach von dir gestoßen hast und ich weiß, dass es dauern wird, bis du bereit für mehr bist. Du bist ein wundervoller Mensch, Harry, und ich habe Gefühle für dich entwickelt, die weit über Freundschaft hinausgehen. Ich verspreche dir aber, dass ich dich zu nichts drängen werde. Ich möchte aber, dass du mir sagst, wenn ich doch zu weit gehen sollte.“
„Versprochen“, entgegnete Harry, erleichtert durch diese Worte. Vielleicht konnte er ja wirklich glücklich werden. Noch einmal drückte er vorsichtig seine Lippen auf die Dracos und noch einmal tanzten ihre Zungen miteinander, ehe er sich wieder von ihm löste und langsam aufstand. „Wir sollten langsam wieder zurückgehen Es ist bestimmt schon Zeit zum Abendessen“, sagte er und wie zur Bestätigung knurrte sein Magen. Draco sprang ebenso auf und ließ mit einem Schlenker seines Zauberstabes die Decke verschwinden, ehe beide sich auf den Weg zum Manor machten.
Sie schwiegen, während sie langsam nebeneinander her schritten, ohne dass diese Ruhe für sie unangenehm gewesen wäre. Beide schienen über das nachdenken zu wollen, was gerade passiert war. Harry hatte es vorhin ehrlich gemeint, als er dem Blonden gesagt hatte, dass es ihm gefallen hatte, ihn zu küssen und er gestand sich ein, dass er es sehr gern wiederholen würde. Aber ihm war auch klar, dass er noch nicht weiter gehen wollte oder konnte. Es beruhigte ihn, dass Draco wusste, was vorgefallen war und trotzdem wusste er nicht, ob Draco wirklich warten konnte, bis er bereit war. Würde er es denn überhaupt jemals sein?
Harry hatte sich vorhin schon danach gesehnt, den Blonden anfassen zu können, über sein Gesicht zu streichen, über seine Brust, doch gleichzeitig hatte er Angst davor gehabt und es deshalb sein gelassen. Diese Kluft zwischen Verlangen und Angst machte ihn traurig und wütend zugleich. Er war wütend auf die Männer, die dafür gesorgt hatten, dass er nun Angst hatte und Harry nahm sich fest vor, dass er seine Angst bekämpfen würde. Er war immerhin ein Gryffindor und er würde sich nicht unterkriegen lassen. Vorsichtig streckte er sein Hand aus und ergriff damit die Dracos, während er gleichzeitig die Luft anhielt.
Erleichtert spürte er, wie sich Dracos Hand fest um seine schloss und ließ die angehaltene Luft wieder aus. Er traute sich nicht, zu Draco zu schauen und konnte so auch nicht dessen leichtes Lächeln erkennen, während sie beide weiter in Richtung des Manors gingen.
Das war der Anblick, der Lucius begrüßte, als sie den Wald verließen. Er hatte sich dank Narzissa von den Flüchen erholt und war losgegangen, um die beiden jungen Männer zu suchen, da er angefangen hatte, sich Sorgen zu machen. Seine Augenbrauen wanderten überrascht nach oben, als er die beiden kommen sah.
Harry hatte ihn zunächst nicht bemerkt, doch als er ihn schließlich erkannte, wollte er Draco seine Hand entziehen. Der Blonde ließ dies jedoch nicht zu und umfasste Harrys Hand noch ein Stückchen fester, was den Schwarzhaarigen gleichzeitig erröten und dennoch erleichtert aufatmen ließ.
„Vater“, nickte Draco Lucius zu, als sie bei ihm ankamen. „Wie ich sehe, geht es dir besser.“
„Nun, wie ich sehe, geht es euch beiden auch nicht schlecht“, schmunzelte Lucius zur Antwort, was Harry nur noch mehr erröten ließ. Schnell senkte der Schwarzhaarige seinen Blick und starrte unsicher zu Boden.
„Wenn du damit aufhören könntest, Harry in Verlegenheit zu bringen, können wir vielleicht ins Haus gehen“, scharrte Draco in altbekannter Manier. Lucius nickte und alle drei machten sich gemeinsam auf den Weg ins Manor.
Als sie sich dem Haus näherten, fiel sein Blick nach oben zu einem der Fenster und er konnte Remus dort stehen sehen, wie er sie traurig beobachtete. Harry konnte sich nicht helfen. Der Mann tat ihm Leid. Er hatte sich immer mehr zurückgezogen und verließ sein Zimmer gar nicht mehr. Harry seufzte und fasste einen Entschluss, als sie das Manor betraten. Draco wollte ihn schon zum Esszimmer führen, als Harry stehen blieb und ihm seine Hand entzog. „Ich muss mit Remus sprechen“, sagte er knapp.
Draco wollte etwas erwidern, doch Lucius legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Lass ihn“, sagte er, als Harry schon auf dem Weg nach oben war. „Ich denke, dass das sehr wichtig für ihn ist.“
„Der Werwolf hat nicht verdient, dass Harry mit ihm spricht“, knurrte Draco.
„Es ist allein seine Entscheidung. Lupin ist die einzige Verbindung zu seinem früheren Leben und wenn Harry sich dazu entschließt, ihm verzeihen zu wollen, werden wir ihn unterstützen“, erwiderte Lucius sanft und führte Draco ins Esszimmer, wo seine Mutter bereits auf sie wartete.
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Harry stand gute fünf Minuten vor Remus` Zimmer, ehe er den Mut fasste, zu klopfen. Als von drinnen ein leises „Herein“ zu hören war, atmete er tief durch und öffnete die Tür. Remus stand noch immer am Fenster und schaute hinaus. Nur sehr langsam drehte er sich herum und erstarrte, als er Harry sah. Unsicherheit stand in seinen Augen geschrieben, als er Harry erkannte und es schien beinahe so, als könne er sich nicht bewegen.
„Kann ich mit dir reden?“, fragte Harry, nachdem er erneut tief durchgeatmet hatte.
„Sicher“, antwortete Remus mit zittriger Stimme und deutete zu der kleinen Sitzecke, die sich an der linken Wand des Zimmers befand. Harry nickte und ging langsam zu einem der Sessel und setzte sich. Er wartete darauf, dass auch Remus Platz nahm.
Harry beobachtete, wie Remus sich zögerlich zu ihm bewegte und sich setzte, ohne ihm in die Augen zu schauen. Er hatte auf dem Weg nach oben überlegt, wie er dieses Gespräch am Besten beginnen sollte, doch als er nun die gebrochene Gestalt des einstigen Freundes seines Vaters und seines Paten sah, waren all diese Gedanken verschwunden. Er schluckte den Kloß, der sich in seinem Hals gebildet hatte hinunter und fixierte den Werwolf mit seinen Augen.
„Du weißt, dass du mich tief enttäuscht hast“, begann er schließlich. „Ich weiß, dass dir das ganze jetzt Leid tut und ich glaube dir auch, wenn du sagst, dass du jetzt für mich da sein und mir helfen willst. Als Sirius damals gestorben ist und dann der Prozess begonnen hat, habe ich mir gewünscht, dass du für mich da bist. Du warst Sirius Freund und der Freund meines Vaters und ich habe damals wirklich jemanden gebraucht, der nun als eine Art Vaterersatz für mich da ist.“
„Es tut mir Leid, dass ich dich im Stich gelassen habe, Harry“, erwiderte Remus leise. „Wenn du mir die Chance gibst, dann werde ich jetzt--“
„Jetzt ist es zu spät“, unterbrach ihn Harry harscher, als er gewollt hatte. Er sah, wie Remus merklich zusammenzuckte, doch er ignorierte das und fuhr fort. „Lucius hat diesen Platz jetzt eingenommen. Es hat lange gedauert, bis ich zugelassen habe, dass er das tut, doch er hat mich nicht enttäuscht und ich vertraue ihm mit meinem Leben. Er war für mich da, als kein anderer es war, als du es nicht warst. Auch wenn ich jetzt erwachsen bin, bin ich froh, dass er da ist.“
„Ich verstehe das, Harry, und glaub mir, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es tun, um dich vor all dem zu bewahren, was die letzten Jahre geschehen ist. Ich habe nicht verdient, dass du mich als eine Art Vater siehst, das ist mir klar, auch wenn ich wünschte, dass es anders wäre. Ich bin so wütend auf mich selbst“, sagte Remus, der es noch immer nicht schaffte, Harry in die Augen zu sehen.
„Ich weiß, ich sollte dir sagen, dass du das auch sein solltest“, erwiderte Harry ruhig. „Ich weiß, ich sollte weiter wütend auf dich sein, doch ich kann das nicht, Remus.“ Harry schwieg kurz und sah zu, wie der Werwolf nun endlich den Kopf hob und mit großen Augen in seine Richtung sah.
„Ich verzeihe dir“, fuhr Harry mit fester Stimme fort. „Ich verzeihe dir, weil ich weiß, dass es dir Leid tut. Ich verzeihe dir, weil ich dir glaube, wenn du sagst, dass du es jetzt anders machen würdest. Ich verzeihe dir, weil ich weiß, dass du damals selbst am Boden warst, weil Sirius und damit deine letzte Verbindung zu deiner Schulzeit, gestorben war. Ich verzeihe dir, weil du Sirius und meinem Vater ein so guter Freund warst, dass sie für dich zu Animagi geworden sind, damit sie, wenn du ein Werwolf bist, bei dir sein konnten und sie daher viel für dich empfunden haben müssen. Ich verzeihe dir, weil du mir schließlich die Wahrheit gesagt hast und ich verzeihe dir, weil ich es möchte. Ich möchte dich wieder in meinem Leben, Remus, nicht als einen Vater, sondern als einen Freund.“
„Das will ich auch“, wisperte Remus und Harry konnte Hoffnung und Erleichterung in dessen Augen sehen. Er war sich sicher, dass er sich auf Remus verlassen konnte und er meinte es ernst, dass er ihm verzieh.
„Komm mit zum Essen. Die anderen werden schon warten“, sagte Harry und stand nun auf.
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist“, entgegnete Remus. „Vielleicht sollte ich lieber doch hier essen.“
„Unsinn“, sagte Harry schroff. „Es ist Zeit, dass du aufhörst, dich hier oben zu verstecken. Ich vertraue dir und ich will, dass auch die anderen das tun. Wir werden zusammen kämpfen und müssen uns aufeinander verlassen können.“
„Du hast Recht“, sagte Remus und ließ seinen Kopf erneut hängen, ehe er seine Schultern straffte und Harry wieder direkt in die Augen sah. „Lass uns gehen“, sagte er und gemeinsam verließen sie das Zimmer und machten sich auf den Weg nach unten. Harry wusste, dass Remus dies viel Überwindung kostete und er war sich auch sicher, dass der Werwolf es nicht geschafft hätte, mit ihm zu kommen, wenn Severus anwesend gewesen wäre, doch er war froh, dass Remus sich für ihn den drei Malfoys stellen würde.
Die Unterhaltung im Esszimmer erstarb, als die beiden Männer den Raum betraten. Lucius, Narzissa und Draco beäugten die beiden kritisch, sagten aber nichts, als sie sich an den Tisch setzten. Harry nahm neben Draco platz und spürte sofort, wie die Hand des Blonden unter dem Tisch seine ergriff und leicht drückte. Harry lächelte ihn dankbar an, ehe sie zu essen begannen.
Harry und Draco verabschiedeten sich schnell von den drei anderen, als sie aufgegessen hatten. Harry war nach dem langen Tag müde und wollte nur noch ins Bett. Draco begleitete ihn nach oben und verabschiedete sich von ihm mit einem sanften Kuss vor dessen Zimmertür, ehe er in sein Zimmer ging, um noch ein wenig zu lesen.
Remus wollte ebenfalls schnell das Zimmer verlassen, wurde aber von Lucius aufgehalten. „Wir würden gerne mit dir reden, Lupin“, sagte er. Remus´ Schultern sackten merklich ab und er nickte kurz, ehe er sich wieder setzte. „Ich nehme an, dass Harry dir verziehen hat“, fuhr Lucius fort.
Remus nickte kurz.
„Gut“, sagte der Blonde. „Narzissa und ich werden diese Entscheidung akzeptieren, auch wenn ich zugeben muss, dass mich Harrys Entschluss überrascht hat. Ich weiß, dass es ihn hart getroffen hat, zu erfahren, dass Dumbledore dich einfach so davon überzeugen konnte, dass er der nächste Dunkle Lord werden würde und ich weiß, dass du ihm in der Vergangenheit einiges bedeutet hast. Wie gesagt akzeptiere ich Harrys Entscheidung und werde sie auch unterstützen, sollte ich aber auch nur den leisesten Verdacht haben, dass du es nicht ernst meinst und ihn ein weiteres Mal hintergehen willst, wirst du es mit mir zu tun bekommen. Ich schwöre dir, ich werde dich töten, wenn du ihn noch einmal verletzt.“
„Keine Sorge, das werde ich nicht. Ich werde ihn unterstützen und zu ihm stehen, egal was kommt“, sagte Remus fest. „Ich weiß, dass ich großes Glück habe, dass er mich wieder in sein Leben lässt, auch wenn er mich nicht mehr so braucht wie er mich früher gebraucht hätte. Du gibst ihm etwas, was ihm sein ganzes Leben gefehlt hat, genauso wie Narzissa und Draco. Ich bin dankbar dafür, dass er endlich eine liebende Familie gefunden hat, die bei ihm ist und ich würde alles tun, dass er dies auch behalten kann. Ich weiß, dass ich dafür bezahlen muss, was ich damals getan habe und es tut weh, dass ich Harry und Severus dadurch so sehr verletzt habe. Es ist meine gerechte Strafe, dass Harry mich nicht so nah wie früher an sich heranlassen wird und dass ich den Mann verloren habe, den ich über alles liebe. Ich möchte beiden gerne beweisen, wie Leid es mir tut, doch ich weiß nicht wie und ich weiß auch, dass ich diese Chance nicht verdient habe.“
„Nein, das hast du nicht“, ertönte eine kalte Stimme von der Tür. Alle drei sahen zur Tür und erkannten Severus, der dort stand und die Szene vor sich ruhig beobachtete.
„Severus, was tust du denn hier? Ich dachte du kommst erst morgen Nachmittag zurück. Solltest du jetzt nicht in Hogwarts sein?“, fragte Lucius überrascht.
„Das Begrüßungsfest ist vorbei und die Schüler sind in ihren Schlafsälen. Dumbledore hat mich gebeten bei euch nach dem… Rechten zu sehen“, erwiderte Severus beinahe angewidert. „Er sagte, er habe eine Nachricht vom Ministerium erhalten, dass einer der Unverzeihlichen mehrfach in der Nähe meines Manors ausgeführt wurden und äußerte daher seine Besorgnis, dass Harry etwas zugestoßen sei. Ist Harry etwas zugestoßen?“
„Harry geht es gut“, erwiderte Narzissa nun. „Um ehrlich zu sein, war er nicht am empfangenden Ende des Fluches, sondern Lucius.“ Als Severus eine Augenbraue nach oben zog, fuhr sie fort. „Harry und er hatten eine kleine Auseinandersetzung, da Harry von den Ereignissen heute Morgen doch sehr durcheinander war.“
„Der Junge hat Glück, dass er nicht gleich wieder festgenommen wurde“, schnarrte Severus. „Die Erlaubnis, die Unverzeihlichen zu üben, beschränkt sich nur auf mein Grundstück und auf den Kampf gegen die Todesser. Dumbledore hat geäußert, dass es ihm nur mit sehr viel Überredungskunst gelungen sei, den Minister von Maßnahmen abzuhalten und er wünscht, dass ich euch mitteile, dass er nicht glaubt, dass er das noch einmal schaffen wird.“
„Wer's glaubt“, schnaubte Lucius ärgerlich.
„Da ich meine Aufgabe, als Eule, nun erfüllt habe, werde ich wieder gehen“, sagte Severus und drehte sich bereits zum gehen um, als Remus ihn aufhielt.
„Severus, bitte warte“, rief er ihm nach. „Ich würde gerne… ich meine, können wir miteinander reden?“
„Ich wüsste nicht, was wir zu bereden hätten“, knurrte Severus gefährlich.
„Bitte“, flehte Remus noch ein weiteres Mal. Severus` Blick fiel kurz zu Lucius und Narzissa, ehe er wieder zu Remus blickte und ihm kurz zunickte, ehe er aus dem Raum rauschte. Die beiden Malfoys sahen zu, wie Remus ihm folgte und hörten, wie die beiden nach oben gingen.
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Severus schritt zielstrebig in sein Zimmer und stand bereits mit verschränkten Armen an seinem Fenster, als Remus den Raum betrat. Der Werwolf schloss die Tür hinter sich und trat langsam auf den Tränkemeister zu, der ihn keines Blickes würdigte und stur nach draußen sah.
„Was hast du zu sagen?“, fragte Severus kalt und sein Ton war für Remus wie ein Schlag ins Gesicht.
Remus atmete ein paar Mal tief durch, ehe er zu sprechen begann. „Es tut mir Leid, Severus. Was ich getan habe ist unverzeihlich. Ja, ich habe damals auf Dumbledores Order hin gearbeitet und ich weiß, dass das dir gegenüber nicht fair war. Ich habe deine Gefühle für mich ausgenutzt. Ich will ehrlich sein. Ich hatte damals keine Gefühle für dich. Du weißt so gut wie ich, dass es damals einen Grund hatte, warum wir uns getrennt hatten. Du bist damals den Dunklen Künsten so sehr verfallen gewesen, dass ich es einfach nicht mehr ertragen konnte, mit dir zusammen zu sein. Wir wussten beide, wohin dein Weg dich führen würde und ich war nicht bereit, diesen Weg mit dir zu gehen. Ich habe damals alle Gefühle für dich aus meinem Herzen verband.“
Remus schwieg kurz, doch als Severus nichts erwiderte fuhr er fort. „Als wir dann hier zusammengelebt haben, warst du zu Anfang so kalt zu mir und ich wusste nicht wirklich, warum du mich mit zu dir genommen hattest. Aber dann bist du langsam, Stück für Stück aufgetaut und ich habe den Menschen von neuem kennengelernt, den ich damals geliebt hatte. Mehr noch, ich habe viele neue Seiten an dir entdeckt, die du mir damals nicht gezeigt hattest. Und dann kamen die alten Gefühle für dich wieder, zuerst langsam und schwach, doch dann immer intensiver. Ich war so unglaublich glücklich mit dir, dass ich Dumbledore und seine Mission aus meinem Kopf verbannt habe. Meine Gefühle waren echt, Severus. Ich liebe d--“
„Das weiß ich“, fuhr Severus wütend herum. „Ich habe dich mit Veritaserum befragt. Ich weiß, dass deine Gefühle echt waren. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir aufgrund deiner Lüge wieder zusammengekommen sind.“
„Ich weiß, Severus“, erwiderte Remus.
Er wollte mehr sagen, wollte ihm sagen, wie Leid ihm das alles tat, doch er hatte keine Chance, da Severus in diesem Moment blitzschnell auf ihn zukam und ihm am Kragen packte. Zornig funkelte er den Werwolf an. „Du weißt gar nichts“, zischte er. „Ich habe dir vertraut und du hast dieses Vertrauen mit Füßen getreten. Ich habe in meinem Leben viele Fehler begangen und ich büße dafür, indem ich zwei Meistern dienen muss, die mit meinem Leben spielen, wie es ihnen gefällt. Du warst der Mensch, dem ich vertraut habe, der einzige, der mein wahres Ich kennt. Du warst der Mensch, vor dem ich mich nicht verstellen musste.“
Remus sah ihn den schwarzen Augen vor sich die unbändige Wut, die ihn am liebsten davonrennen lassen würde, doch er kannte Severus gut genug, um auch die Trauer und die Verzweiflung in ihnen zu sehen. Er wusste, wie wahrscheinlich eine Zurückweisung war und doch brachte er seinen ganzen Mut auf und schlang seine Arme um den anderen Mann und zog ihn fest an sich. Severus wehrte sich und versuchte dem Griff zu entkommen, doch Remus ließ dass nicht zu und zog ihn nur noch fester an sich. „Lass mich wieder dieser Mann für dich sein, Severus. Bitte, gib mir eine Chance, dir zu beweisen, dass du mir vertrauen kannst, bitte“, flehte er leise.
Severus kämpfte noch immer, um der Umarmung zu entkommen, doch Remus ließ ihn auch weiterhin nicht. „Ich liebe dich, Severus. Wir haben in der Vergangenheit beide Fehler gemacht. Du damals, als du dich gegen mich und für Du-weißt-schon-wen entschlossen hast und ich, als ich mich von Dumbledore habe benutzen lassen. Wir waren doch beide glücklich. Bitte, lass es uns noch einmal versuchen“, wisperte er in des Ohr des Tränkemeisters und entließ ihn endlich aus seinem Griff.
Severus wich ein paar Schritte von ihm zurück und atmete schwer, während er ihn mit großen Augen betrachtete. Remus blieb einfach im Raum stehen und schaute ihn verzweifelt an. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis Severus sich wieder gefangen hatte und ihn wieder ausdruckslos anschaute. Ohne ein weiteres Wort rauschte er an Remus vorbei und wollte schon das Zimmer verlassen, als er ein geflüstertes „Ich liebe dich, Severus“ hörte und abrupt stehen blieb. Er schloss kurz seine Augen, um sich zu sammeln, ehe er sich langsam herumdrehte.
Remus stand noch immer mit dem Rücken zur Tür. Seine Schultern hingen in einem Bild des Jammers nach unten und Severus konnte sehen, wie der ganze Mann bebte. Zögerlich machte er einen Schritt auf ihn zu, ehe er sich straffte und erneut herumwirbelte, um den Raum zu verlassen. Er hatte die Türklinke schon in der Hand, als er erneut innehielt. Über zwei Minuten stand er so da, ehe wieder Bewegung in ihn kam. Mit schnellen Schritten ging er wieder auf Remus zu, packte ihn an der Schulter und wirbelte ihn herum. Remus sah ihn mit aufgerissenen Augen an und kurz konnte Severus auch Furch darin erkennen. Erneut packte er den Werwolf am Kragen. „Wenn du mich noch einmal enttäuscht, wirst du dir wünschen, nicht geboren worden zu sein“, knurrte er, ehe er seine Lippen fest auf die des anderen Mannes presste.
Remus schlang sofort wieder seine Arme um ihn und erwiderte den Kuss. „Nie wieder“, sagte er, nachdem sie sich gelöst hatte. „Ich werde an deiner Seite sein, egal, wohin es mich führt. Ich liebe dich.“
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