
von Nerventod
nur ganz kurz… DANKE FÜR EURE KOMMIS
ebenfalls ein dickes danke an mein betali Snapes_Wife
Severus Snape stand ruhig in der dunklen Ecke von Harrys Zimmer und beobachtete den ehemaligen Gryffindor mit scharfem Blick. Es kam selten vor, aber irgendwie hatte eine innere Unruhe ihn erfasst, nach all den Dingen, die heute geschehen waren. So richtig wusste er einfach nicht, was er davon halten sollte. Als er erfahren hatte, was passiert war, hätte er Potter am liebsten den Hals umgedreht und ihm sämtliche Flüche auf den Hals gehetzt, die er kannte.
Er hatte sich schwer zusammenreißen müssen, als er mit Narzissa in den Geist des Schwarzhaarigen eingedrungen war. Die Wucht der Emotionen hatte auch ihm stark zu schaffen gemacht. Als Narzissa ihm teilweise geholfen hatte, gegen diese Gefühle anzukommen, hatte er sich unbemerkt von Narzissa, die versucht hatte, eine Lösung für das Problem zu finden, in ihrem Geist die Bilder angesehen, die sie zuvor von Draco erhalten hatte. Er wusste genau, was passiert war, doch unglücklicherweise war damit der Großteil seiner Wut auf Potter verraucht. Dass der junge Mann es letztendlich doch schaffen konnte, gegen die starken Gefühle anzukämpfen und nicht zu Ende zu bringen, was er angefangen hatte, hatte ihn, gegen seinen Willen, beeindruckt.
Severus wusste, dass es Potter bis ins Mark erschüttert hatte, als er erkannte, was er beinahe getan hatte. Zunächst hatte es ihn gewundert, dass Narzissa ihn in einer solchen Situation allein ließ, aber er war sich jetzt sicher, dass sie gewusst hatte, dass er hier bleiben würde. Wahrscheinlich war er doch nicht so unbemerkt in ihren Geist geschlüpft.
Der Sturm, der bis vor etlichen Minuten gewütet hatte, hatte aufgehört und war einem starken Regen gewichen. Der Raum wurde nur durch eine kleine Nachttischlampe erhellt, die an Potters Bett stand und ihm so genügend Schatten bot, damit er nicht auffiel. Wahrscheinlich war es aber auch egal, wenn dem nicht so wäre. Seit Narzissa gemeinsam mit Lucius das Zimmer verlassen hatte, lag Potter einfach da und starrte an die Decke. Bis vor kurzem hatte Severus zugesehen, wie der junge Schwarzhaarige einfach dagelegen und geweint hatte. Gerührt hatte er sich auch da nicht. Er war einfach starr liegen geblieben und hatte sich nicht geregt.
Severus konnte nur erahnen, wie Potter sich jetzt fühlen musste. Er selbst konnte es ihm bis zu einem gewissen Punkt nachempfinden. Auch er war schon einmal gezwungen gewesen, sich einem anderen Menschen gewaltsam aufzudrängen. Unter den wachsamen Augen des Dunklen Lords und seiner Anhänger hatte er sich nicht dagegen wehren können, da sonst seine Tarnung aufgeflogen wäre. Noch heute hörte er manchmal im Traum die Schreie und das Flehen seines damaligen Opfer und er ekelte sich vor sich selbst für seine Tat. Nachdem dies passiert war, war er nie wieder gezwungen gewesen, das zu tun. Seine Ausrede, dass diese Art von Gewalt ihn bei seiner Braukunst beeinträchtigte, hatte genügt, dass der Dunkle Lord so etwas nie wieder von ihm verlangt hatte.
Für Potter musste es weitaus schlimmer gewesen sein. Abgesehen von der Tatsache, dass er nicht selbst für seine Tat verantwortlich gewesen war, hatte er in Azkaban genügend Erfahrungen gesammelt, um zu wissen, wie es war, vergewaltigt zu werden. Dass er aber beinahe der Person dasselbe angetan hatte, die er liebte, würde er sich sicher nicht verzeihen können.
Noch immer zeigte Potter keine Regung. Er lag einfach auf dem Bett und starrte an die Decke. Nur das leichte Heben und Senken seiner Brust zeigte, dass er überhaupt am Leben war. Doch am schlimmsten war der gequälte Blick, die traurigen Augen. Es war merkwürdig. Als der junge Mann noch sein Schüler gewesen war, hätte er alles darum gegeben, ihn einmal so am Boden zu sehen, doch die Genugtuung, die er dabei gefühlt hätte, stellte sich nicht ein. Vielleicht lag das nur daran, dass er wusste, dass das Leid Potters gleichzeitig bedeutete, dass seinem Patensohn Leid zugefügt worden war, doch sicher konnte er das nicht sagen.
Er blieb einfach so stehen und beobachtete Harry, während er versuchte zu ergründen, was diese neuen Gefühle für Potter zu bedeuten hatten. Als die Morgendämmerung einsetzte, hörte er, wie die Klinke zur Tür dieses Zimmers langsam hinunter gedrückt wurde. Severus zog sich noch ein Stück weiter in den Schatten zurück, der ihm noch immer genug Schutz bot, nicht entdeckt zu werden.
Er war überrascht, als er erkannte, wie Draco zögernd den Raum betrat und die Tür hinter sich wieder schloss. Severus konnte sehen, wie sein Patensohn einmal tief durchatmete und sich dann herumdrehte. Mit langsamen Schritten ging er auf das Bett zu, in dem Harry lag. Der schien den Blonden nicht einmal zu bemerken, denn noch immer zeigte er keine Regung. Unschlüssig blieb Draco vor dem Bett stehen und schaute hinab zu Potter.
Dann, zögernd, aber bestimmt, setzte er sich auf das Bett, so dass Severus sein Gesicht nicht sehen konnte. Potter musste das Gewicht auf seinem Bett gespürt haben, denn sein Blick wanderte zu Draco. Entsetzt weiteten sich seine Augen, ehe er in eine andere Richtung schaute. „Bitte geh“, konnte Severus ihn flüstern hören. Die Stimme des ehemaligen Gryffindors klang gebrochen und rau. Er beobachtete, wie Harry sich aufsetzte, die Beine anzog und sie mit seinen Armen umfasste, als suche er Halt, den er nicht finden konnte.
„Warum?“, fragte nun Draco so leise, dass Severus ihn nur schwer verstehen konnte.
„Ich will allein sein“, war Potters Antwort und Severus schüttelte leicht mit dem Kopf, da er durchaus verstanden hatte, dass Draco nicht das mit seiner Frage gemeint hatte.
„Das wollte ich nicht wissen“, entgegnete Draco dann auch.
Severus konnte sehen, wie Potters Gesicht, wenn das überhaupt möglich war, noch blasser wurde. Die verquollenen, roten Augen stachen noch mehr hervor. Doch dann geschah etwas, mit dem Severus nicht gerechnet hatte. Potters Blick verfinsterte sich und er straffte sich ein wenig. „Das kann ich nicht erklären“, sagte er, worauf Severus die Stirn runzelte.
„Ich denke, ich habe wenigstens verdient, dass du versuchst, es mir zu erklären“, entgegnete Draco. „Ich muss einfach wissen, warum du es getan hast.“
„Alles, was du wissen musst ist, dass du dich in Zukunft lieber von mir fernhalten solltest“, hörte Severus Potter antworten. „Ich bin gefährlich, Draco, und wenn wir weiterhin zusammen wären, könnte ich nicht garantieren, dass so etwas nicht noch einmal passieren wird.“ Severus verdrehte die Augen. Das war wieder einmal so typisch Gryffindor, dass ihm beinahe schlecht wurde.
Draco schien geschockt zu sein, denn er schwieg und betrachtete Harry entsetzt. „Schau mich nicht so an“, fuhr Potter ihn an. „Verdammt, ich hätte dich beinahe… ich meine, du weißt, was ich beinahe getan hätte. Normalerweise müsstest du im Moment schreiend vor mir davon rennen, und du sitzt hier und willst Erklärungen?“
„Du weißt, dass ich tiefe Gefühle für dich habe“, antwortete Draco. „Das da vorhin in dem Zimmer, das warst nicht du, da bin ich mir sicher. Du hast mir Angst gemacht, Harry, das will ich nicht leugnen, genauso wenig, wie die Tatsache, dass ich mir auch jetzt nicht sicher bin, ob ich wirklich hier sein sollte, aber ich will begreifen, warum du es getan hast. Kannst du das nicht verstehen? Ich will immer noch mit dir zusammen sein, aber dafür brauche ich eine Erklärung.“
„Vielleicht solltest du einsehen, dass meine Gefühle für dich nicht annähernd so tief sind“, sagte Harry fest. „Wenn sie es wären, hätte ich so etwas ganz sicher nicht getan. Ich denke, wir sollten die ganze Sache vergessen und du dich von mir fernhalten. Also geh jetzt besser.“
„Potter, du bist ein Idiot“, schnarrte Severus und kam aus seinem Versteck. Beide jungen Männer schauten ihn erschrocken an. Er wusste selbst nicht genau, warum er sich in dieses Gespräch einmischte, aber er hoffte, dass der einzige Grund der war, seinem Patensohn helfen zu wollen. „Glaubst du wirklich, dass Draco nicht erfahren wird, warum das alles passiert ist? Meinst du denn, dass Narzissa ihm die Antworten verweigern wird, wenn er danach fragt?“
„Es wäre besser, wenn ihm keiner davon erzählt. Er sollte einsehen, dass ich zu gefährlich bin“, sagte Potter mit mehr Überzeugung, als Severus ihm je zugetraut hätte. Draco schaute nur verdutzt zwischen beiden hin und her.
„Ja, Potter, wäre das nicht die einfachste Lösung?“, erwiderte Severus sarkastisch. „Es ist wieder so typisch für dich. Wie wäre es, wenn du nicht nur daran denken würdest, was für dich das Einfachste ist, sondern auch an Draco denken würdest?“
„Das tue ich doch“, brauste Harry auf. „Sie haben gar nichts verstanden. Was ist, wenn diese Barriere bricht und Draco dann bei mir ist? Was, wenn ich mich dann nicht mehr zurückhalten kann? Ich bin gefährlich, Snape, und wenn keiner von euch das Draco klar machen will, dann muss ich es tun.“
„So wie du dich im Moment aufführst, kommen mir tatsächlich Zweifel daran, dass sie hält“, schnappte Severus. „Wenn ich mir nicht sicher wäre, dass es deine eigene Dummheit ist, die da aus dir spricht, hätte ich dich schon längst gefesselt.“
„Könntet ihr mir bitte mal sagen, wovon ihr überhaupt sprecht?“, ging Draco dazwischen.
„Der Dunkle Lord hat seine Verbindung zu Potter genutzt, um ihm unbemerkt seine Gefühle zu schicken. Sie waren für das verantwortlich, was passiert ist“, erklärte Severus kurz, während seine Augen noch immer Potter anfunkelten.
„Was?“, konnte Draco es nicht fassen.
Severus schaute auffordernd zu dem Schwarzhaarigen auf dem Bett, der jedoch keine Anstalten machte, Draco zu erklären, was passiert war. Er richtete seinen Blick zu seinem Patensohn und schaute ihn mit unbewegter Miene an. „Was Potter dir nicht sagen will ist, dass er keine Kontrolle mehr über sich hatte, da die Gefühle des Dunklen Lords ihn vollkommen kontrolliert hatten. Das ist der Grund dafür, dass er die letzten Wochen so leicht reizbar war und dich jetzt angegriffen hat. Ich selbst habe die Gefühle gespürt und es grenzt an ein Wunder, dass Potter allein die Kraft gefunden hatte, von dir abzulassen. Deine Mutter hat eine Barriere errichtet, die diese Gefühle jetzt von ihm fernhalten werden.“
Severus war überrascht, als er plötzlich Erleichterung auf dem Gesicht seines Patensohnes erkennen konnte. Er drehte sich wieder zu Harry. „Dann warst du also gar nicht Schuld an dem Ganzen?“, fragte er hoffnungsvoll.
„Natürlich war ich daran Schuld“, schnappte Potter verärgert. „Hätte ich mich gegen die Gefühle gewehrt, wäre das alles nicht passiert. Aber ich habe sie einfach so über mich bestimmen lassen.“
„Niemand hätte es schaffen können, sich dagegen zu wehren“, sagte Severus dunkel.
„Narzissa und du habt es geschafft“, blaffte Harry. „Ich bin nicht dumm. Wenn ihr es geschafft habt, hätte ich es auch schaffen können.“
„Potter, jetzt hör endlich auf, in Selbstmitleid zu baden“, schnarrte der Tränkemeister. „Narzissa und ich konnten nur sehr schwer gegen den Schwall der Gefühle bestehen und uns auf unsere Aufgabe konzentrieren. Wir waren zu zweit und sind außerdem beide ausgezeichnete Okklumentiker, ganz zu schweigen von Narzissas anderen Fähigkeiten. Du bist kein Täter, kapier das endlich. Du bist genauso ein Opfer, wie Draco es gewesen ist.“
„Aber genau deswegen ist es ja besser, wenn er sich von mir fernhält. Narzissa hat gesagt, dass sie nicht wüsste, wie lange die Barriere halten würde“, sagte der ehemalige Gryffindor nun und wand sich dann an Draco. „Bitte geh und lass mich allein. Ich will dir nicht noch einmal so wehtun.“
„Die Barriere wird nicht mit einem Mal in sich zusammen fallen, Potter. Solange du sofort zu uns kommst, wenn du eine Veränderung spürst, bist du nicht weniger gefährlich, als sonst auch. Wir kennen jetzt außerdem die Symptome und greifen ein, sobald wir eine Veränderung bemerken werden“, sagte Severus nun ruhig. Potter war noch immer niemand, mit dem er unbedingt zu tun haben wollte, aber ihn zu überzeugen war immerhin zum Wohle seines Patensohnes.
„Das Risiko ist mir zu hoch“, sagte Harry nun ebenfalls ruhig.
„Habe ich da nicht auch noch ein Wörtchen mitzureden? Ich kann immerhin selbst entscheiden, ob das Risiko es wert ist, weiter mit dir zusammen zu sein“, erwiderte Draco darauf. „Ich sage nicht, dass du mir keine Angst gemacht hast, aber ich vertraue dir, Harry, trotz allem. Du warst nicht für dein Handeln verantwortlich und wenn Sev das sagt, glaube ich ihm auch. Du hast selbst gesagt, dass du mir nicht wehtun willst, also schieb mich jetzt nicht einfach so von dir fort, denn damit würdest du mir wehtun.“
Etwas in Potters Augen verriet Severus, dass der Schwarzhaarige nun zumindest bereit war, mit Draco zu reden. Er war sich nicht sicher, ob es wirklich tun sollte, aber dennoch entschied er sich dazu, die beiden jetzt allein zu lassen. Es war wichtig, dass sie das unter sich ausmachen konnten. „Ich werde euch jetzt allein lassen“, sagte er deshalb kurz und schritt dann zur Tür und verließ das Zimmer. Davor blieb er stehen. Sein Zauberstab lag sicher in seine Hand, bereit einzugreifen, sollte Draco Hilfe benötigen. Er blieb einfach dort stehen und achtete auf jedes Geräusch. Vorsicht war besser, als Nachsicht und im Notfall musste er die beiden jungen Männer beschützen. Draco vor Potter und Potter vor sich selbst.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel