
von Kraehenfeder
Kapitel 51 – Der Geschmack von Salbeibonbons
Als Sirius am Morgen erwachte, von ekelhaft hellem Licht aus dem Schlaf gerissen, wusste er es sofort: Heute war Weihnachten. Das Fest der Besinnlichkeit, der Liebe. All dieser komischen, abstrakten Wörter.
Die Hastigkeit, mit der er die Beine aus dem Bett schwang und aufstand, ließ ihm schwindlig werden – ein Gefühl, dass ihm in den letzten Tagen immer vertrauter zu werden schien.
Es kostete ihn alle Mühe, nicht einfach wieder ins Bett zu fallen. Was hinderte ihn schon daran? Einen Weihnachtstag allein, vollkommen allein verbringen zu müssen, war keine schöne Aussicht. Der herzensgute Lupin hatte natürlich wiedermal versucht, zu helfen. Er tat es immer. Aber Sirius wusste, dass sein Freund es nur noch aus Mitleid tat. Die Zeiten, in denen sie einander noch vertraut hatten, waren vorbei. Schon lange wahrscheinlich, ohne dass einer von ihnen es gemerkt hätte.
Im Große und Ganzen war davon auszugehen, dass niemand Sirius traute. Er stützte den Kopf in die Hände, während seine Füße auf dem ausgekühlten Boden standen. Er müsste das magische Thermostat wieder aktivieren, aber eigentlich konnte er sich nicht dazu aufraffen.
Er würde heute einfach brav zu Harry laufen, obwohl er wusste, dass es die Hölle zu werden versprach, aber Remus hatte ja darum gebeten.
Und der Werwolf hatte Recht, wenn er sagte, dass Harry kein einsames Weihnachten verdient hätte. In seinen Worten hatte mitgeschwungen, dass das bei Sirius sehr wohl der Fall war. Darüber wollte er lieber nicht nachdenken.
Immerhin hatte er ein Geschenk für sie alle gekauft. Auch für den zweiten Weihnachtsfeiertag, an dem er von Lupin scheinbar eher widerwillig zu einem Familienessen eingeladen war.
Familienessen. Merlin, diese Zeit des Jahres war das schlimmste. Sobald er heute zu Hause war, würde er dafür sorgen, dass er sich die Decke über den Kopf ziehen und schlafen konnte – egal mit welchen Mitteln.
Er schaffte es schließlich endgültig aufzustehen, aber sich fertig zu machen war ein langsam Prozess. Ein kurzer Blick aus dem Fenster hat ihm gezeigt, dass immer noch ein wenig Schnee lag und es schien so, als würde es bald neuen geben. Also war es schon wieder so bitterlich kalt draußen. Aber Sirius wunderte sich sowieso darüber, wie schnell er in letzter Zeit fror – auch in geheizten Räumen.
Seine obligatorisch gewordene Morgenzigarette im Mundwinkel fütterte er Archie und wünschte ihm ein halbherziges Frohe Weihnachten, das natürlich nicht erwidert wurde und ziemlich frustrierend war.
Als er auf dem Weg zum nächsten Aschenbecher war, erfasste ihn wieder ein Schwindelgefühl – obwohl er es sich lieber nicht eingestehen wollte, wäre er wohl diesmal auf die Knie gegangen, wäre die Küchentheke nicht in der Nähe gewesen. Mit angewidertem Gesichtsausdruck und zitternden Händen – er hatte doch gerade erst geraucht, dachte Sirius seufzend – griff er nach einem der Äpfel, die ihn schon seit einigen Tagen von Remus da gelassen worden waren. Während er ein paar Mal hinein biss, breitete sich leichte Übelkeit in ihm aus, aber er zwang sich, ihn wenigstens zur Hälfte zu essen.
In letzter Zeit wurde das Verlangen nach Alkohol in ihm immer größer. Einige Tage lang war er so abgelenkt von allem was passiert war gewesen, dass er kaum daran gedacht hatte. Aber jetzt, wo er so viel allein war, kehrte der Wunsch nach Erlösung zurück. Mit voller Wucht.
Noch auf dem Weg zum St. Mungos lag er in einem inneren Widerstreit deswegen. Eine Seite in ihm sagte, dass es doch jetzt ohnehin niemanden mehr interessierte, wenn er sich die Kante gab – die andere wollte stark sein und etwas leisten, worauf Draco stolz sein konnte.
Draco. Sirius seufzte. Der hatte wahrlich genug eigene Probleme im Moment und konnte sich schlecht darum kümmern, ihm Sternchen zu geben, weil er keinen Alkohol mehr trank.
Der schwarzhaarige Mann grub die Hand, über deren Gelenk eine Tüte mit Harrys Geschenk baumelte, tiefer in die Tasche seines zerschlissenen Mantels und beschleunigte seine Schritte.
Er würde das jetzt einfach hinter sich bringen. Vielleicht konnte er seinem Patensohn Weihnachten ja ein bisschen angenehmer gestalten. Er kümmerte sich wohl sowieso zu wenig mit ihm. Auch wenn der Junge mit niemandem wirklich sprach und sein Zustand – wie eigentlich alle Zustände, die irgendwie mit Sirius zusammenhingen – sich verschlechterte, musste er doch für ihn Sorgen.
Bevor er nicht gesehen hatte, wie viele Menschen die Eingangshalle des St. Mungos bevölkerten und daraufhin einen Blick zur großen Uhr über dem Empfang geworfen hatte, war ihm nicht bewusst gewesen, wie lange er im Bett gelegen haben musste.
Im ganzen Gebäude hing Weihnachtsdekoration. Im schlimmsten Fall war sie sogar lebendig oder bewegte sich, in Form kleiner Wichtel oder irgendwelchen anderen Krimskrams, der einem das Leben schwer machte.
Als er Harrys Station erreicht hatte, musste Sirius erst einmal im Flur stehen bleiben und sich gegen die Wand lehnen.
Anstrengung verursachte bei ihm in letzter Zeit immer Atemlosigkeit und Herzrasen. Mit geschlossenen Augen presste er die Lippen aufeinander und versuchte, seinen Atem zu beruhigen.
Ihm schossen die verschiedensten Gedanken durch den Kopf und irgendwo wusste er, dass etwas mit ihm ganz und gar nicht in Ordnung war. Aber, Merlin, nein. Er würde zu keinem Arzt gehen und er würde das nicht zugeben – vor niemandem, erst recht nicht vor Draco.
Der Kleine hatte hoffentlich heute einen schönen Tag, so wie er es sich gewünscht hatte. Thomas kannte sich sicherlich aus mit solchen Sachen, wie Frühstück im Bett oder ähnlichem.
Als das Blut nicht mehr in einen Ohren rauschte, bemerkte Sirius, dass er scheinbar Besuch hatte.
Ausgerechnet Cedric Diggory stand vor ihm und hatte nach seiner Hand gegriffen.
Wieso war ihm das nicht aufgefallen?
Grob entzog sich Sirius seinem Griff. „Was soll das, Diggory? Grabsch mich nicht an!“
„Merlin, Black“, fauchte Diggory und fuhr sich durch die Haare. Sirius fiel auf, wie erschöpft der Mann aussah. Seine Augen waren von dunklen Schatten untermalt und schienen blutunterlaufen.
Schien wohl ein bisschen stressig zu sein, wenn man ein Verbrecher war.
„Du hast überhaupt nicht auf mich reagiert, als ich dich angesprochen habe und dein Puls war nicht gerade gesund“, knurrte Diggory gerade mit so eng aufeinander gepressten Lippen, dass es Sirius wunderte, dass er überhaupt einen Ton heraus bekam. „Es ist leider meine Pflicht, Menschen zu helfen, die krank zu sein scheinen, auch wenn es Abschaum ist.“
Sirius drängte sich an ihm vorbei und ignorierte das leichte Schwächeln seiner Beine. „Ich brauche deine Hilfe nicht, Diggory“, erwiderte er und trat durch die große Tür.
Die einzige Erleichterung war, dass sich wenigstens die Reporter nicht mehr für Harry interessierten. Es passierte ja nun mal nichts mit dem einstigen Helden der Zaubererwelt, außer dass er schweigend oder aggressiv in seinem Bett lag. Und nichts davon war mehr als zwei Wochen Aufmerksamkeit wert.
Auch in dieser eher tristen Station herrschte Weihnachtsstimmung. Aus dem Schwesternzimmer drang unerträglich fröhliche Musik.
Sirius glaubte sogar die Sängerin zu identifzieren, die an Weihnachten auch im Fuchsbau den ganzen Tag lief. Mollys Musikgeschmack war das grauenvollste, dass er sich damals – so kurz nach seiner Entlassung aus Askaban – hatte ausmalen können.
Vor Harrys Tür atmete er ein letztes Mal tief ein und räusperte sich, dann klopfte er energisch an. Es kam keine Antwort, aber er hatte auch keine erwartet. Harry Potter bat niemanden in sein Zimmer.
Stattdessen drehte Sirius am Türknauf und trat über die Schwelle. Der Raum lag im Dunkeln und war stickig war. Augenscheinlich war die Heizung aufgedreht bis zum Anschlag, deshalb ging Sirius' erster Handgriff nach der Sicherung am Türrahmen, um sie auszuschalten. Mit dem zweiten betätigte er den Lichtschalter.
Das klinisch kühle Licht flammte auf und offenbarte den Blick auf Harry, der mit aufgerichtetem Oberkörper, vor der Brust verschränkten Oberarmen und starrem Blick auf seinem Bett saß. Obwohl es bis gerade eben komplett dunkel gewesen war, starrte er Sirius unverwandt an und hatte sich noch keinen Zentimeter bewegt.
„Hallo, Harry“, flüsterte Sirius rau und machte einen Schritt in den Raum hinein.
Er bekam keine Antwort, deswegen räusperte er sich ein bisschen unbehaglich und stellte die Tüte auf dem Nachttisch ab. Mit zitternden Fingern holte er das Geschenk heraus und drückte es sich erstmal gegen die Brust.
„Wie geht’s dir so?“
In Harrys Krankenzimmer gab es keine Anzeichen dafür, dass sich der heutige Tag auch nur irgendwie von den anderen im Jahr unterschied. Und wenn er ehrlich war, wusste Sirius wohl am besten, dass das auch stimmte.
Was bedeutete Weihnachten schon, wenn man niemanden mehr hatte? Wenn es keine Liebe mehr gab, an dem Fest, an dem man sie feiern sollte?
Harry lernte dieses Gefühl gerade kennen und Sirius kannte es. Schon so lange.
„Harry, rede mit mir.“ Sirius fühlte, wie ihm schwindlig wurde, wie er die stickige Luft in diesem Raum schlechter einatmen zu können schien als normal.
Plötzliche, irrationale Angst rann ihm wie zähflüssiger Sirup die Kehle herunter. Wie konnte es sein, dass Harry Potter so vor ihm sitzen musste? Wie konnte es sein, dass der Sohn seines besten Freundes so litt? Dass der Retter der Zaubererwelt nicht gerettet werden konnte?
Wie konnte es sein, dass ihr Leben so aus den Fugen geraten war?
Er war doch auch einmal jung gewesen, und, Merlin, er hatte Träume gehabt. Und dann hatte die Prophezeiung alles zerstört.
War es willkürlich geschehen, dass man die Potters auswählte?
Wer bestimmte über Prophezeiungen? Welche Macht gab sie vor? Wer entschied, wessen Leben gerettet und wessen Leben zerstört werden sollte? Lily und James Potter waren ebenfalls jung gewesen, sie hatten einen Sohn. Sie hatten eine Familie. Sie hatten ein Leben gehabt, bevor Voldemort gekommen war und sie alle zerbrochen hatte.
Sirius hatte auch immer eine Familie haben wollen. Ehe alles den Bach herunter gegangen war.
„Oh, Harry“, rief Sirius plötzlich erstickt. Er wusste nicht, wann er zu weinen begonnen hatte, aber er spürte, dass die Tränen über sein Gesicht liefen, dass das Zittern von seinen Händen in seinen ganzen Körper gesprungen zu sein schien – er bebte, krallte die Hände in das erbärmlich eingepackte Weihnachtsgeschenk und sank auf einen Stuhl.
Wieso konnte er nicht an seinen Patensohn heran treten und ihn in den Arm nehmen?
„Caroline ist schwanger von mir.“
Harrys Stimme klang, als würde er sie nur selten benutzen. Rau und leise, spröde, kaum zu verstehen.
Sie war glanzlos geworden, wie alles an ihm. Aber seine Worte schlugen trotzdem ein in die Stille. Untermalt von einer Explosion, die erst verzögert einsetzte, zusammen mit dem Verständnis des Gesagten.
„Wie... - Seit wann...?“
„Schon viele Monate.“ Da waren keine Emotionen. Sirius saß wie erstarrt auf dem Besucherstuhl, vollkommen überfordert mit der Situation.
War es ein gutes Zeichen, dass Harry Bereitschaft zeigte, sich mit ihm zu unterhalten? Oder war es ein schlechtes Zeichen, dass er ausgerechnet die Nachricht von seiner Vaterschaft so kalt überbraachte?
„Freu- Freust du dich?“, würgte Sirius hervor.
Harrys Augen ruckten ein Stück zur Seite. Hatte man vorher noch das Gefühl gehabt, er würde durch Sirius hindurch sehen, spürte man jetzt, dass er ihn anstarrte.
Und Sirius überkam das beunruhigende Gefühl, dass man ihm bis auf den Grund der Seele sah.
„Nein“, war Harrys schlichte Antwort, ehe seine Augen wieder abdrifteten. „Es ist nicht das, was ich will. Wollte ich nie. Sie auch nicht. Das Baby erst recht nicht...“ Seine Stimme verlor sich ebenso in der Ferne wie seine Augen.
Mit zusammen gepressten Lippen fuhr sich Sirius über das stoppelige Haar. Weil ihm keine wirkliche Antwort einfiel, sagte er das, woran er selbst nicht glaube: „Ich weiß, du willst es nicht hören, aber du bist das eine Verantwortung eingegangen, die du tragen musst.“
Scheinbar war es wirklich nicht das, was Harry hören wollte, denn sein Kopf ruckte herum und Sirius konnte – wie so oft in letzter Zeit – die Aggression praktisch in Harrys Augen aufblitzen sehen.
„Gerade du willst mir was über Verantwortung erzählen?“, höhnte er.
Sirius atmete langsam ein und aus, dann platzierte er das Geschenk vor Harry auf dem Bett und trat mit gesenktem Kopf zurück. Prinzipiell hatte der Junge ja recht.
„Nein, Harry“, versuchte er es so geduldig wie möglich. „Ich weiß, dass ich viele Fehler gemacht habe und dass ich nicht der Pate war, der ich hätte-“
„Spar dir dein Selbstmitleid für einen anderen Zeitpunkt auf, du nervst mich, Sirius“, zischte sein Patensohn dazwischen und brachte Sirius damit sowohl zum zusammen zucken, als auch zum erbleichen.
„Ja, also... Was ich sagen will, ist, dass du dir aber nun mal ein Problem aufgeladen hast. Das Kind darf nicht darunter leiden, dass es nicht beabsichtigt in die Welt gesetzt wurde. War's doch nicht, oder?“, fragte er sicherheitshalber nochmal nach.
„Von meiner Seite aus zumindest nicht“, erwiderte Harry kalt.
„Nun, gut. Trotzdem musst du damit leben, dass du jetzt einen Sohn oder eine Tochter bekommst. Verstehst du das überhaupt? Ein kleines Lebewesen, eines, das genau so Liebe sucht, wie du-“
„Sei still“, knurrte sein Gegenüber, aber Sirius hatte sich so in Fahrt geredet, dass er unbedingt los werden musste, was er zu sagen hatte.
Vielleicht hatte er seine Aufgaben als Pate nicht erfüllt, aber es war außer ihm doch niemand da, der Harry klar machen konnte, wie bedeutungsschwer eine Vaterschaft war. Nicht, dass er sonderlich viel Erfahrung damit hatte, aber es schmerzte ihn, den strahlenden James und den launischen Harry zu vergleichen. Zwei junge Väter.
„Es wird Liebe suchen, Harry. Liebe, die du vielleicht nicht erfahren hast – Liebe, die ich auch nicht erfahren habe. Verstehst du das? Kinder suchen Geborgenheit, das weißt du selbst am Besten. Willst du wirklich, dass dein Kind den Eindruck bekommt, es wäre seinem Vater gleichgültig?“
Er sah, wie Harry am ganzen Körper bebte – gern hätte er geglaubt, dass das vor Verzweiflung geschah oder einer ähnlichen Gefühlsregung, aber es war wohl einfach nur Wut. Das war es bei Harry in letzter Zeit immer: Wut. Oder Apathie.
„Halt endlich dein verdammtes Maul, Sirius“, knurrte Harry. Seine blassen, abgemagerten Hände krallten sich in das Papier des Geschenkes auf seinem Schoss. „Du hast von nichts eine Ahnung, du bist nur ein dummer, alter Mann!“
Es tat weh. Es tat so unbeschreiblich weh, zu sehen, wie Harry litt, mit welcher Wut er auf seine Umwelt reagierte – und mit welcher Abneigung er auf Sirius los ging.
„Harry, wie konnte es soweit kommen, dass...-“
„Halt den Mund!“ Er schrie. Dabei verzerrten sich seine Mundwinkel auf eine solch verbitterte Art und Weise, wie Sirius sie nur von Severus Snape kennte. „Ich will das nicht hören! Ich will auch dein scheiß Geschenk nicht! Behalt deinen Müll, ich will dich nicht mehr sehen, ich will, dass du gehst, dass du stirbst! Ich will, dass du einfach verreckst, Sirius! Merlin, ich hasse dich so!“ Mit einer heftigen Handbewegung schleuderte er Sirius das Geschenk entgegen. Die dekorative Glaskugel, die wirklich schön aussah und eine beruhigende Wirkung haben sollte, konnte nicht zerbrechen – trotzdem beugte sich Sirius reflexartig vor und fing sie ab, wobei er ein Stück zusammen klappte, als das nicht unerhebliche Gewicht gegen seinen Bauch flog.
Ihm war schlecht und schwindlig, er spürte förmlich, wie er bleich wurde und ihm der Schweiß ausbrach bei Harrys Worten. Wann war das passiert? Hätte sich nicht plötzlich jemand geräuspert, wäre er vielleicht einfach auf dem Boden zusammen gesunken.
Harry reagierte gar nicht, er starrte nur wieder die Decke an, Sirius jedoch zuckte herum.
In der Tür standen Dean und Draco und nach ihrem Gesichtsausdruck zu urteilen, waren sie nicht gerade erst gekommen. Warum hatte er die Tür nicht gehört?
Dean hatte noch den Arm um Dracos Schultern gelegt und beide wirkten lebendig und froh. Sie waren in dicke Mäntel eingepackt, genau wie an dem Tag, an dem er sie beim Einkaufen gesehen hatte.
Einen Moment lang starrte er die beiden einfach nur an. Sie sahen aus wie das perfekte Pärchen. Vor allem Draco. Merlin, es war lange her, dass der Junge so gesund gewirkt hatte. Dean tat ihm gut. Dean war gut für Draco. Draco sollte bei Dean bleiben.
Seine Wangen waren gerötet, gut durchblutet. Und seine Lippen waren nicht zerbissen oder aufgeplatzt, wie es immer geschah, wenn man sie beide zu lange allein ließ.
Sirius spürte einen Schmerz in sich aufsteigen, den er erst seit einigen Wochen kannte. Er hatte sich schon viel gesehnt in seinem Leben, er war sehr oft einsam gewesen – aber er hatte noch nie eine so tiefe Sehnsucht nach etwas verspürt, wie es bei Draco der Fall war.
In dieser Sekunde war er sich sicher, dass er alles dafür geben würde, Dracos Lippen berühren zu dürfen. Ihn küssen zu dürfen. Draco würde nach Salbeibonbons schmecken, süß, aber nicht wirklich zuckrig.
„Wir wollten euch nicht stören“, meinte schließlich Dean und starrte zwischen den beiden hin und her. „Wir dachten uns nur, wir kommen mal vorbei, weil Weihnachten ist und ...“
Draco stieß Dean mit einer derart vertrauten Geste den Ellenbogen in die Seite, dass es Sirius gerade zu weh tat.
„Du plapperst“, flüsterte der Blonde Thomas zu.
„Nein, bleibt ruhig. Ich freue mich, dass ihr da seid.“
Sirius war genau so überrascht wie die anderen beiden, dass sich Harry zu Wort meldete – und in gleichem Sinne verletzt. Er hatte es doch auch gut gemeint. Warum verstand das nie jemand?
„Ähm, das ist schön. Wir haben dir was mitgebracht.“ Dean trat zögerlich auf das Bett zu und reichte Harry einen Korb, der in Muggelpapier eingeschlagen war. Diese durchsichtige Folie, die immer knitterte und riss.
„Danke schön“, meinte Harry emotionslos, nickte den beiden aber zu. Sirius biss sich auf die ohnehin spröde Unterlippe und irgendwie hatte er plötzlich Mühe, die Tränen zu unterdrücken. Er taumelte einen Schritt zurück und spürte plötzlich, dass Draco ihn fixierte.
„Sirius, ist alles okay bei dir?“ Der Blonde machte einen Schritt auf Sirius zu. Harry ignorierte das, Dean aber hob wachsam den Blick.
„Mir geht’s gut“, flüsterte Sirius und seine Stimme klang so verräterisch rau und brüchig, dass er sich selbst dafür verfluchte.
„Dann solltest du mal deine Unterlippe in Ruhe lassen, sie fängt nämlich an zu bluten“, erklärte Thomas und hob eine Augenbraue. Sirius wandte rasch den Blick ab.
Es war am besten, er verschwand von hier. Er hatte sich ja wirklich die größte Mühe gegeben, sich nicht an dieser Weihnachten-Sache aufzuhängen, aber das hier war zu viel. Er konnte nicht an so einem Tag im Zimmer seines Patensohns stehen, der ihn bis aufs Blut hasste und nicht davon absah, es ihm zu demonstrieren, während der Junge, den er... während der Junge, den er liebte, mit einem anderen fröhlich dieses Fest feierte.
Sirius schloss einen Moment die Augen und biss sich fest auf die Lippe. Deans Kommentar hatte er schon wieder vollkommen vergessen.
Er liebte Draco. Merlin, er liebte ihn so sehr. Und er musste hier raus.
Doch genau in diesem Moment ging die Tür ein weiteres Mal auf und der Stationsheiler huschte hinein.
Er wirkte etwas außer Atem, aber voll guter Laune. Weihnachten eben.
„Na, Sie haben ja die Hütte voll, Mr Potter“, meinte er munter, obwohl er keinem der Besucher wirklich einen Blick zu warf.
Der Mann blätterte durch irgendeine Akte und nickte. „Gut schaut das aus, Mr Potter. Wie fühlen sie sich heute?“
„Wie immer“, kommentierte Harry desinteressiert.
„Wir können auch rausgehen und dir etwas Privatssphäre geben“, bot Dean an, doch der Heiler schüttelte den Kopf.
„Ach, was. Mr Potter freut sich über Gesellschaft, nicht wahr? Heute ist nicht viel zu mache, außer die obligatorische Spritze.“
Sirius schluckte, als er sah, wie der Mann eben jenes Gerät hervor holte und eine erschreckend spitze Nadel aufzog. Er konnte nicht anders, er musste den Blick abwenden und den nahen Stuhl umklammern.
Woher auch immer es kam, aber er hasste Spritzen so sehr. So war das ja noch zu ertragen, wenn sie auf andere Leute gerichtet waren – aber er wusste, dass es schon peinliche Ausmaße annahm, wenn man versuchte, ihm damit nahe zu kommen.
Zu seinem Leidwesen, wusste das auch Harry.
„Na, Sirius?“ Da war wieder dieser höhnische Unterton, der völlig neu war in Harrys Stimme. Früher, vor Terrys Tod, hatte es ihn nicht gegeben. Es hatte Harry keinen Spaß gemacht, andere zu verletzten. „Fängst du immer noch an zu weinen wie ein Baby, wenn man dir zu nahe kommt mit einer Spritze?“
Sirius presste die Lippen aufeinander und versuchte, ein Zittern zu unterdrücken. Sobald dieser Arzt weg war, würde er eine rauchen.
„Na, es kann nicht jeder so tapfer sein wie Sie, Mr Potter“, kam es fröhlich von dem Heiler, der sein Zeug wieder zusammen packte und sich auf den Weg zur Tür machte.
„Und nicht jeder so feige wie Sirus, nicht wahr?“, meinte Harry, als die Tür zufiel, mit einem bitteren Zucken seiner Mundwinkel.
„Harry, Sirius ist nicht feige“, wies ihn Draco zu recht und Sirius spürte förmlich, wie sich die grauen Augen in seinen Rücken bohrten, als er ans Fenster trat, sich das Geschenk unter den Arm klemmte und schließlich die Scheibe aufriss. Mit bebenden Händen fischte er sich eine Zigarette hervor. Er war es so Leid. Diese ständige Schwäche, diese Gespräche.
Er nahm einen tiefen Zug und schloss die Augen, den anderen noch immer den Rücken zugekehrt.
Dass Draco und Dean hinter ihm ein zögerliches Gespräch mit Harry begannen, nahm er kaum wahr. Es war nur ein graues Rauschen im Hintergrund, während der Raum ihn immer mehr einzuengen schien. Schließlich knallte er das Fenster zu und sorgte scheinbar damit für das Verstummen sämtlicher Gespräche.
„Ich gehe dann jetzt wohl besser“, flüsterte er leise und er spürte, wie sehr er hoffte, dass ihn jemand aufhalten würde. Es war erbärmlich, aber er wünschte sich plötzlich nichts mehr, als Weihnachten nicht allein feiern zu müssen. Natürlich hatte niemand Interesse daran.
„Hier“, murmelte er und schob Harry das Päckchen hin. Es lag in der Verantwortung seines Patensohns, ob er es vielleicht doch aufmachte. „Frohe Weihnachten“, stieß Sirius noch aus, ehe er das Zimmer beinahe fluchtartig verließ. Auf dem Stationskorridor rannte er schon fast, erst an der Treppe blieb er wieder stehen und presste seine Hände, zu Fäusten geballt, auf die Augen.
Sein Herz klopfte zu schnell, er atmete kratzig und in seinen Augen brannten salzige Tränen.
Woher kam das? Woher kam plötzlich die Fähigkeit zu weinen? Musste er jetzt all die Jahre aufholen, in denen er es sich verboten hatte?
Er taumelte die Treppe hinunter und lehnte sich an irgendeine Bürotür, in der Hoffnung, dass niemand auf die Idee kam, sie gerade jetzt aufzustoßen. Er ließ den Blick schweifen, eher unbeabsichtigt und blieb an dem kleinen Schildchen hängen, das ihm gegenüber an die Tür geschraubt worden war.
Dr. Cedric Diggory.
Merlin. Mit Muggeltitel? Da bildete sich dieser Idiot sicher auch noch etwas drauf ein.
Sirius blickte sich um. Das war die perfekte Gelegenheit, genau der Moment, auf den er gewartet hatte. Er musste sich ablenken und die Gunst der Stunde nutzen. Vorsichtig schlich er auf die andere Seite des Flurs und kam sich – bei diesen einanhalb Metern – etwas albern vor.
Er drückte die Türklinke herunter und hätte beinahe laut aufgelacht, als die Tür wirklich aufsprang. Nicht mal abgeschlossen.
Das Büro war chaotisch, eng und vollgestopft. Auf dem Schreibtisch stapelten sich irgendwelche Blätter, auf einem kleinen Beistelltisch lagen Arztkittel unordentlich zusammen gefaltet und mit dem Schrank, der sich in der Ecke neben dem Fenster erhob, war der Raum auch schon ausgefüllt.
Sirius sah sich noch einmal um, dann lehnte er die Tür an und begann in den Papieren auf dem Schreibtisch zu wühlen. Weil Diggorys Gerümpel sowieso keine erkennbare Ordnung hatte, würde es ihm schon nicht auffallen, wenn fremde Hände daran herum pfuschten.
Leider fand er nichts von Bedeutung. Gut, es wäre auch schön dumm von Diggory gewesen, hier irgendetwas aufzubewahren. Aber immerhin sein Terminkalender gab eindeutig darüber Aufschluss, dass er in unregelmäßigen Abständen Leute traf, deren Namen er nirgendwo festhalten wollte.
Da waren Kreuze, Abkürzungen und kryptische Zeichen zusammen mit Uhrzeiten vermerkt.
Sirius hätte sein letztes Hemd darauf verwettet, dass Diggory sich an diesen Tagen mit Malfoys Handlagern getroffen hatte. Seufzend suchte er weiter, doch auch der letzte Schrank ergab nichts neues.
Er stieß auf dutzende Patientenakten – durfte man die eigentlich so hier herum liegen lassen? -, legte die meisten aber gleich wieder weg. Erst als er Dracos Namen auf einer las, hielt er kurz inne.
„Oh, Draco...“, murmelte er und strich über die Zeilen, in denen Diggory in krakeliger Handschrift vermerkt hatte, was er behandelt hatte.
Bei den Anmerkungen wurde Sirius flau im Magen.
... Trauma ... Abhängigkeitsgefühl ... bestreitet einen Akt der Gewalt ... sucht Bezugsperson ... fehlendes Selbstwertgefühl ... Vergewaltigung ...
„Oh, Draco“, stieß Sirius erneut aus. In diesem Moment erklangen hastige Schritte und eine Hand nahm ihm die Akte weg.
Er blickte hoch und erwartete schon, Diggory zu sehen, aber er blickte in Dracos Gesicht.
Zurück zuckend senkte er den Blick. „Tut mir leid.“
„Ist schon okay“, seufzte Draco und Sirius spürte, wie sich eine warme Hand über seine legte. „Du musst hier raus“, fügte der Blonde hinzu. „Cedric sollte dich hier nicht erwischen.“
„Wolltest ihm wohl sein Weihnachtsgeschenk bringen?“
„Ja, das wollte ich tatsächlich“, erwiderte Draco mit einem komischen Unterton und zog Sirius auf den Gang. „Merlin, deine Hände sind eiskalt. Frierst du?“
„Nein, mir geht es gut“, war Sirius antwort, ehe er sich Dracos Griff entzog, obwohl er nichts lieber getan hätte, als sich von diesem Jungen umarmen zu lassen. Aber das wäre vielleicht in einer anderen Welt möglich gewesen,nicht hier. Nicht in der Realität, in der sie lebten.
„Das sagst du ziemlich häufig in letzter Zeit, Sirius, und ich habe nicht den Eindruck, dass es stimmen würde.“ Draco sah so besorgt drein, dass Sirius fast schmunzeln musste.
„Du solltest zu Dean zurück gehen und das Weihnachtsfest genießen, Draco.“ Er setzte sich in Bewegung und ging immerhin bis zum Ende des Ganges, was Draco dazu veranlasste, ihm zu folgen.
„Nein, wirklich, Sirius, ich mache mir Sorgen. Schreckliche Sorgen.“
Sirius drehte sich ein Stück zur Seite und konnte nicht widerstehen, Draco das weiche Haar aus der Stirn zu streichen.
Seine Finger zitterten wie üblich dabei, und seine Haut sah gelb und um die Fingernägel herum aufgerissen aus, ein ekelhafter Kontrast zur Reinheit von Dracos Stirn, aber er ließ sie einen Moment lang dort verweilen. Vielleicht war es das letzte Mal für die nächsten Wochen, dass er ihn berühren konnte.
„Mir geht es wirklich gut“, murmelte Sirius.
„Du bist viel zu dünn und du rauchst zu viel, Sirius. Ich weiß, dass du dich kaum auf den Beinen halten kannst und das mit Harry,...“, Draco brach ab.
„Ich habe es nicht besser verdient, das wissen wir beide.“ Sirius seufzte, dann sackte seine Hand nutzlos herab und er starrte Draco an.
Was würde er darum geben, ihn jetzt an sich ziehen zu können. Sie waren allein in diesem Gang und es war doch Weihnachten. Doch stattdessen drehte er den Kopf zur Seite.
„Komm, ich bringe dich hoch und dann gehst du nach Hause. Ihr müsst doch bestimmt noch kochen, oder so.“
„Und du, Sirius? Wirst du heute Abend wieder eine Packung Zigaretten anstelle eines Abendessens genießen?“
„Lass es doch bitte gut sein, Draco“, meinte Sirius schärfer als beabsichtigt, sah Draco zusammen zucken und ohrfeigte sich innerlich. Nicht Streiten. Nicht an Weihnachten. Am Fuß der Treppe angekommen, zwang er sich zu einem Lächeln.
Draco wollte gerade etwas sagen, jedenfalls schien es so, weil der den Kopf ein bisschen in den Nacken legte um zu Sirius aufzusehen, der ein wenig größer war – dann weiteten sich die grauen Augen überrascht.
Sirius runzelte die Stirn und folgte seinem Blick. Merlin, verdammte scheiße. Über ihnen schwebte ein Mistelzweig.
„Was... Oh, das...“ Sirius machte automatisch einen Schritt rückwärts. Kein Wunder, dass Draco so angeekelt gewirkt hatte. Sirius hob abwehrend die Hände.
„Das ist nur ein dummer Brauch.“ Etwas zu schnell für seinen Kreislauf riss er seinen Zauberstab hervor, zielte auf den Zweig und wollte ihn verschwinden lassen – aber außer einem blauen Funken geschah nichts.
Sirius griff sich an den Kopf, stolperte einen Schritt zurück und versuchte, tief Luft zu holen. Gleichmäßig atmen war die Devise.
„Sirius? Sirius? Sag doch bitte was, Sirius...“ Dracos panische Stimme riss ihn wieder zurück in die Gegenwart.
„Alles klar“, brachte er hervor.
„Nein“, rief Draco aufgebracht. „Wir bringen dich jetzt sofort zu Cedric. Das kann nicht sein, er muss was dagegen tun können. Es kann noch nicht zu spät sein, es darf noch nicht zu spät sein...“ Mit weit aufgerissenen Augen wurde Sirius angestarrt.
Er begriff nicht, von was Draco sprach, aber er schnitt ihm das Wort ab, in dem er sich aufrichtete und einen Schritt nach vorn trat, so dass sie nur noch wenige Zentimeter trennten. „Ach, Draco, mach dir doch nicht so viele unnötige Gedanken. Siehst du, mir geht’s wieder gut.“
Draco sah nur hoch, dann schlang er plötzlich die Arme um Sirius' Nacken und zog den Älteren herunter.
Sirius' Herzschlag setzte aus. Das konnte Draco doch nicht ernst meinen. Merlin, nein, bitte nicht. Alles was damit erreicht würde, wäre, dass die alte Sehnsucht wieder aufflammte. Sie würde ihn verschlingen, sobald er nachher allein zu Hause wäre.
Doch Draco ließ sich nicht davon beirren, dass es diesmal Sirius war, der stocksteif in seinen Armen stand. Weiche, jugendliche Lippen legten sich auf seine, ganz kurz und scheu nur, es war kein richtiger Kuss.
Trotzdem glaubte Sirius, einen Hauch von Salbei zu schmecken. Draco roch zumindest danach, so zart, so unglaublich angenehm.
Der Körper, der sich für einen Moment an ihn presste, war weich und anschmiegsam.
Sirius stand noch immer wie erstarrt da, als sich Draco von ihm löste und ihn anlächelte, wenn auch irgendwie gezwungen. „Man sollte sich nicht von den Bräuchen abkehren...“
„Warum machst du das, Draco? Du willst mich doch gar nicht anfassen“, flüsterte Sirius starr. „Du ekelst dich vor mir. Ich weiß das doch.“
„Nein“, japste Draco und starrte ihn so unschuldig an, dass Sirius fast versucht war zu glauben, dass er es ernst meinte. Aber nur fast.
„Das ist schon okay“, erklärte Sirius heiser. „Das wird dir niemand übel nehmen.“
„Das ist doch gar nicht wahr. Ich will dich nicht verlieren, Sirius“, meinte Draco verzweifelt und brachte Sirius damit zu einem schwachen Lächeln.
„Tust du nicht. Ich bin immer für dich da, Draco, weißt du doch. Du brauchst dich nicht zu sowas überwinden, nur weil du unverständlicherweise bei mir sein willst. Ich... weiß, ich habe alles falsch gemacht, aber ich werde dich nie wieder dazu zwingen, dass du... du weißt schon. Nun, geh zu Dean. Er sucht dich bestimmt schon.“
Sirius lächelte ihm – wie er hoffte – aufmunternd zu.
„Dean wartet auf mich. Er weiß, dass ich dich und Cedric -“
Was auch immer Draco sagen wollte, es wurde von den eben genannten zwei Personen unterbrochen. Sirius seufzte innerlich auf, als er Diggory mit Thomas im Schlepptau die Treppe herunter kommen sah.
Er mochte ja beide nicht besonders gerne, aber letzterer war ihm immer noch lieber als Dr. Cedric.
„Black, was eine Überraschung. Lange nicht mehr gesehen.“
„Warum? Seid ihr euch heute schon begegnet?“ Draco starrte verwirrt zwischen den beiden Männern hin und her und streichelte dabei abwesend über Deans Arm, der neben ihn getreten war.
„Ja, Black hatte einen kleinen Schwächeanfall, als er auf dem Weg zu seinem Patensohn war“, erklärte Diggory höhnisch, was Sirius mühsam beherrscht schnauben ließ.
Diese elende Made.
„Ich hatte keinen Schwächeanfall. Ich habe mich nur kurz gesammelt.“
Wieso musste dieser Mistkerl auch so etwas erzählen? Da war schon wieder dieser besorgte Blick in Dracos Augen, über den Sirius sich einerseits so sehr freute und den er andererseits gar nicht verdiente.
„Absolut. Man sieht es dir ja an, Black. Du bist in der Blüte deines Lebens.“
„Das sagt der Verbrecher von uns, was?“, keifte Sirius unüberlegt zurück. Dieser Mensch machte ihn so wütend.
„Und unter Wahnvorstellungen leidest du auch schon. Was machst du eigentlich hier?“
Täuschte er sich, oder klang Diggory ein wenig nervös.
„Hast du in meinem Büro herum geschnüffelt?“, keifte der einstige Hufflepuff nun.
„Nein“, spie ihm Sirius eiskalt entgegen. „Wer von uns leidet jetzt bitte unter Wahnvorstellungen?“
„Ich suche nicht an jeder Straßenecke Verbrechen, obwohl ich selbst keinen Fuß mehr vor den anderen kriege.“
„Du laberst Flubberwurmscheiße, Diggory! Wie du siehst kann ich sehr wohl noch laufen.“
„Fragt sich wie lange noch.“
Dracos Augen weiteten sich schon wieder so ensetzt, aber diesmal verstand Sirius wirklich nicht, was der Grund dafür war. Hoffentlich bekam der Junge nicht wieder einen dieser Anfälle.
Er wollte nicht schon wieder Schuld daran sein, dass Draco etwas geschah. Thomas schien ähnlich zu denken, denn er schloss die Arme um Draco und wollte ihn wohl zum Gehen bewegen, was der Blonde jedoch verhinderte.
„Länger als du auf jedenfall.“
„Träum weiter, Black“, erwiderte Diggory kalt und Sirius konnte nicht anders, als die Augenbrauen fragend zu heben.
Was Cedric dann sagte, ließ eine eiskalte Hand nach seinen Eingeweiden greifen, ließ ihn erzittern und erbeben, es presste die Luft aus seinen Lungen und trotzdem wusste er diesmal instinktiv, dass Diggory nicht log.
„Schade, dass es dir bis jetzt niemand gesagt hat, so muss ich meine Zeit damit verschwenden. Deine Tage sind gezählt, deine Jahre erst recht. Wenn du Glück hast, hast du noch drei oder vier davon. Du wirst sterben, Black, und keine Droge der Welt wird dich wieder aus der Hölle hohlen können.“ Damit drehte sich Cedric auf dem Absatz herum und verschwand mit wehendem Kittel, während um Sirius herum die Welt aus den Fugen fiel.
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