Der Abend war schon seit einer Weile hereingebrochen. Die Sonne stand so tief am Horizont, dass nur noch ein schummriges rotes Licht die stille Wildnis um sie herum erleuchtete. Severus und Draco machten sich gerade auf den Weg zurück zur Hütte. Sie kamen vom Strand, und hatten eine beachtliche Ausbeute an Fisch bei sich, die Severus in einem zerschlissenen Korb aus Lianen und Palmblättern auf dem Rücken trug, während Draco still neben ihm herlief.
Natürlich war er ihm keine große Hilfe beim Angeln gewesen, das wusste Severus auch bevor er beschlossen hatte ihn mitzunehmen, aber es war eine gute Gelegenheit, mal mit Draco ein bisschen zu reden.
„Was hälst du von diesen Muggeln?“, riss ihn Draco nun wieder aus seinen Gedanken. „McCoy? Ich weiß nicht, sie könnten vielleicht nützlich sein. Ich hatte vor, ihnen einen kleinen Besuch abzustatten. Möglicherweise haben sie ja in den 26 Jahren auf dieser Insel, etwas Magisches entdeckt.“
„Ja vielleicht. Gehst du allein?“, wollte er wissen. Severus blieb stehen und sah seinen Patensohn an. „Nein“, sagte er schließlich, „aber du kannst nicht mit.“ Draco hatte Mühe, seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten und starrte seinen Onkel wütend an. „Deiner Schulter geht es zwar schon besser, aber sie ist immer noch nicht komplett gesund. Damit wärst du eine größere Belastung als du eine Hilfe wärst“, sagte Severus ruhig, „Und das war mein letztes Wort“, fügte schroff er an, als er sah, dass Draco bereits zu einer Antwort ansetzte.
„Und wer wird dich begleiten?“, wollte Draco beleidigt wissen, nachdem sie eine Weile weitergegangen waren. „Miss Granger“, antwortete ihm Severus knapp und achtete darauf, ihn dabei nicht anzusehen. Draco entgegnete ihm gleich mit einem verächtlichen Schnauben, doch er traute sich nicht die Entscheidung seines Onkels laut anzuzweifeln.
Wieder hatte sie jede noch so kleine Schüssel und jeden Topf auf jede erdenkliche Stelle in dem großen Zimmer verteilt und mit irgendwas gefüllt. Sie war so in ihre Arbeit vertieft, dass sie ihn gar nicht bemerkt hatte. Severus schaute ihr eine Weile zu, bis er dann doch auf sich aufmerksam machte. „Ich dachte wir haben genug Seife bis an unser Lebensende“, sagte er spöttisch, als er den ihm schon vertrauten beißenden Geruch frisch aufgekochter Seife, wahrnahm. Hermine schreckte hoch und sah mit einem überraschten Blick, der ‚wo kommst du denn plötzlich her’ sagte, zu Severus.
„Wir schon“, antwortete sie ihm schließlich. Nun war Severus an der Reihe, sie fragend anzuschauen und zog dabei eine Augenbraue in die Höhe. „Du hast doch selbst gesagt, wir sollten nicht mit leeren Händen in das Dorf gehen. Und außerdem glaube ich, dass sie vielleicht die ein oder anderen nützlichen Dinge haben könnten und dann brauchen wir schließlich was zum tauschen.“
Severus sagte nichts, doch er schenkte Hermine ein anerkennendes Lächeln, was auch sie stolz zum Lächeln brachte. „Ich habe normale Seife zum putzen und waschen“, fuhr sie ermutigt fort und zeigte auf einen Haufen bereits fertiger grauer Seifestücke. „Flüssige Seife mit verschiedene Düften“, zeigte sie nun in die andere Ecke. „Dann haben wir Marmelade, die ist aber noch nicht ganz fertig.“
Severus nickte. „Und wann wird das alles fertig sein?“, wollte er wissen. Hermine hob die Schultern und sah ihn fragend an. „Wann wolltest du denn los?“
„So früh wie möglich.“
Sie sah sich ein wenig abschätzend um. „Gut das Meiste ist fertig“, sagte sie, „Ich muss es nur irgendwie für den Transport verpacken.“ „Dann gehen wir Morgen los“, sagte Severus und wandte sich schon um, um wieder aus der Haustür zu gehen.
„Was hast du da im Korb“, wollte Hermine noch wissen. Der Korb schien ihm plötzlich wieder eingefallen zu sein. „Ach ja, unsere Ausbeute vom Angeln“, sagte Severus und stellte ihn auf dem Boden neben der Tür ab, bevor er wieder hinaus ging.
Er ging an dem Schuppen vorbei auf den kleinen Garten zu, den Neville angelegt hatte. Bereits von Weitem sah er den Jungen dort arbeiten. „Mr. Longbottom, auf ein Wort“, sagte er mit samtiger Stimme, als er dicht hinter ihm stand, was Neville vor Schreck aufspringen und rückwärts stolpern lies.
„Ja, Sir“, sagte er mit zittriger Stimme und wagte es nicht Severus anzusehen. „Miss Granger und ich werden morgen in das Dorf gehen und ich möchte, dass sie uns begleiten“, sagte Severus ruhig. Neville, dem man im Gesicht ablesen konnte, dass er von dieser Idee ganz und gar nicht begeistert war, sah ihn entsetzt an. „Wir brechen kurz nach Sonnenaufgang auf“, sagte Severus, als Neville noch immer keine Antwort gab und ging zurück zum Haus.
***
Am nächsten Morgen wachte Hermine schon früh auf. Die Sonne war noch kaum aufgegangen, aber sie konnte vor Aufregung nicht schlafen. Schon zum zweiten Mal überprüfte sie nun ihre Sachen, ob sie nicht etwas vergessen hatte. Sie hatten alles in diese alten Körbe, die man auf dem Rücken trug, gepackt. Sie waren groß und schwer, aber so etwas wie einen Wagen hatten sie leider nicht. Sie sollte Severus vorschlagen einen zu bauen, das wäre sicher von Vorteil, überlegte sich Hermine.
Sie ging die einzelnen Sachen in ihrem Korb noch einmal durch, ohne sie wirklich wahrzunehmen, weil sie sowieso wusste, dass sie alles Nötige dabei hatte. Stattdessen schweiften ihre Gedanken wieder ab. Sie dachte zurück an das Abendessen, als Severus den anderen erklärte, dass sie in das Dorf gehen wollten. Draco schien sich gar nicht erst dafür zu interessieren. Wahrscheinlich hatte Severus es ihm bereits erzählt.
Harry und Ron waren eher über die Tatsache entsetzt, dass Hermine mit ihm alleine gehen sollte, aber Severus hatte ihnen ziemlich schnell den Wind aus den Segeln genommen, als er ihnen sagte, dass auch Neville mitgehen würde. Hermine war selbst überrascht und Neville saß nur ruhig mit hochrotem Kopf auf seinem Platz und starrte seinen Teller an.
Wann hatte er das überhaupt beschlossen und warum Neville? Sie hatte den Inhalt des Korbes nun zum wiederholten Mal durchgesehen und ging schließlich in die Küche. Zu ihrer Überraschung war auch Severus schon wach und setzte den Kaffe auf.
„Morgen“, murmelte er, als er sie aus dem Zimmer kommen sah.
„Wieso Neville?“, ergriff Hermine gleich die erstbeste Gelegenheit.
„Du meinst außer dazu, dass Potter und Weasley uns nicht heimlich auf eigene Faust folgen?“, fragte er mit einer vielsagenden, hochgezogenen Augenbraue zurück.
Hermine schien abzuwägen wie wahrscheinlich das war und ihr Gesichtsausdruck gab ihm offenbar recht. „Außerdem, möchte ich dich nur ungern dort allein lassen und ich werde vielleicht nicht immer in deiner Nähe sein können“, fügte er nun ernst hinzu. Hermine nickte, wenn auch nur widerwillig und fing wortlos an das Frühstück zuzubereiten.
Die Sonne war jetzt fast komplett aufgegangen und Neville kam die Treppe herunter. „Morgen“, begrüßte Hermine ihn munter während Severus nur kurz von seiner Tasse aufblickte. „Guten Morgen“, sagte Neville und setzte sich an den großen Tisch dazu.
Sie hatten sich nicht viel Zeit gelassen und gingen sobald sie gegessen hatten los.
Eine Weile lang gingen sie ruhig neben einander, wobei Neville sich stets neben Hermine hielt. Es war eine gute Idee so früh aufzubrechen. Zu dieser Zeit war die Luft noch frisch und kühl. „Wie weit ist es bis zum Dorf?“, fragte Hermine.
„Ich schätze etwa acht Stunden“, antwortete ihr Severus und legte noch einen Zahn zu, „Wir sollten uns aber trotzdem beeilen. Je früher wir da sind desto besser.“
Nach einer ganzen Weile, die sie nun schon still neben einander hergingen, waren sie bereits tief in den dichten Urwald vorgedrungen. Im Gegensatz zu Severus und Neville, hatte Hermine nur leichte Sommerschuhe an. Zwar waren sie rundum geschlossen, doch durch die dünne Sohle fühlte sie jeden Kieselstein auf den sie trat und ihr knielanger brauner Rock blieb ständig an vereinzelten Ästen hängen. Sie hätte ja viel lieber etwas praktisches angezogen, aber irgendwas sagte ihr, dass eine Frau in Hosen in einem Dorf aus dem 18. Jahrhundert, für zu viel Aufmerksamkeit gesorgt hätte.
Die Sonne stand schon hoch am Himmel und brannte erbarmungslos auf sie herab. Die Träger des Korbes schnitten Hermine tief in die Schultern und sie hatte Mühe mit Severus mitzuhalten. Ein Blick nach hinten verriet ihr, dass auch Neville bereits weit zurückgefallen war. Mit einem Mal blieb sie stehen und setzte ihren Korb ab. Erst nach einer Weile hatte Severus bemerkt, dass die beiden nicht mehr hinter ihm waren. Er drehte sich um und sah Hermine schnaufend und ausgestreckt am Boden liegen. Neville hatte sie eingeholt und sah mit einem eben so erschöpften Gesichte zu ihr herab.
Severus kam mit schnellen Schritten zurück. „Alles Ok?“, fragte er etwas besorgt. Hermine nickte leicht und schloss wieder ihre Augen. Ihr Atem hatte sich wieder normalisiert und der laut pochende Puls in ihrem Kopf übertönte nun nicht mehr jedes Geräusch. Sie öffnete ihr Augen wieder und genoss die Ruhe.
Severus stellte seinen Korb ebenfalls ab. „Gut, dann machen wir eine kleine Pause“, sagte er uns setzte sich neben Hermine. Neville tat es ihm gleich und auch Hermine setzte sich nun auf und kramte in ihrem Korb. Sie holte eine gut verkorkte Tonflasche und drei Becher, bevor sie jedem einen in die Hand drückte. Severus nahm die Flasche und füllte die Becher mit Wasser. Es war warm geworden nach all der Zeit, doch die Feuchtigkeit tat ihren Zweck und linderte das Brennen ihrer trockenen Kehlen. Sie aßen ein paar Brote und ein bisschen Obst. Hermine schaute auf die Uhr, die nun fast genau 13 Uhr anzeigte. Sie waren schon seit fünf Stunden unterwegs, wenn Severus mit seiner Schätzung richtig lag hatten sie nun über die Hälfte des Weges hinter sich, dachte sich Hermine.
Severus war bereits aufgestanden und setzte sich den großen Korb wieder auf und mit einem kurzen Seufzer des Bedauerns, dass ihre Pause nur so kurz ausgefallen war, taten es ihm Hermine und Neville gleich.
Je weiter sie gingen, desto karger wurde die Landschaft, immer weniger Tiere waren zu sehen und zu hören und auch das schützende Blätterdach wurde immer spärlicher bis schließlich nur noch vereinzelt kleinere Bäume zu finden waren und die Sonne ihnen ohne jegliches Hindernis ins Genick brannte. Der Weg war sehr steil geworden. Hermine fand mit ihren leichten Schuhen und dem schweren Gewicht auf ihrem Rücken nur schlechten Halt.
Auch das Gras hatte hier an Farbe verloren. Sie drehte sich um und stellte fest, dass sie nun schon ganz schön hoch aufgestiegen waren. Der Berg war zum Glück nicht so groß, wie Hermine es befürchtet hatte, auch wenn es vereinzelt einige steile Stellen gab, war es dennoch ein eher flacher Aufstieg. Einige Meter vor ihnen, Hermine und Neville waren wieder ein beträchtliches Stück zurückgefallen, blieb Severus stehen und blickte in die Ferne.
Die beiden hatten ihn oben endlich schnaufend eingeholt und waren nun genauso überrascht zu sehen, dass es auf der anderen Seite nun wieder runter ging, allerdings nicht soweit, wie sie gebraucht hatten um hochzukommen. Auf der anderen Seite befand sich eine Art Plateau, das sich deutlich höher befand, als der Strand und die Lichtung auf der ihre kleine Hütte stand.
„Da!“, rief Neville nun ganz aufgeregt und zeigte mit dem Finger in die Ferne und tatsächlich hatten nun auch Hermine und Severus das kleine Dorf in der Ferne schon sehen können. Die Häuser standen alle dicht neben einander und aus einigen von ihnen kam Rauch raus. Ganz in der Näher befand sich ein Fluss, stellte Hermine fest und merkte nun, wie sich ein leises Gefühl der Erleichterung in ihrem Inneren einstellte, als sie ihr Ziel so nah vor Augen hatten.
Severus nahm gleich Kurs in die neue Richtung und ging zügig voran. Sie mussten wieder durch ein Stück dichten Waldes, doch schon nach kurzer Zeit, hatte sich die Umgebung gelichtet. Je näher sie an das Dorf heran kamen, desto weniger wurden die dicht nebeneinander aufragenden Bäume, bis sie auf einen festgetreten Weg trafen, der direkt bis zum Dorf führte. Um sie herum wuchs überall saftig grünes Gras auf dem vereinzelt Tiere grasten und links und rechts größere Felder angelegt waren.
Die ersten Häuser waren nun unmittelbar vor ihnen und einige in der Nähe spielenden Kinder starrten sie unverhohlen neugierig an. „Sie müssen Snape sein“, sagte einer der Männer, die gefolgt von einer Truppe nicht weniger neugieriger Frauen, auf sie zu kamen, „McCoy hat und bereits von ihnen erzählt. Und das muss dann wohl Mrs. Snape sein.“
„Ich“, setzte Hermine schon an um zu erwidern, als Severus sie unterbrach. „Ich glaube es wäre sicherer, wenn sie dich für meine Frau halten. Soweit ich mich erinnern kann war das 18. Jahrhundert nicht das Sicherste für eine alleinstehende Frau“, sagte Severus so leise, dass nur Hermine und Neville, der dicht hinter den beiden stand, ihn hören konnten. Hermine nickte ihm leicht zu. „Ich freue mich sehr“, sagte sie schließlich mit einem Lächeln zu dem Mann. „Los geh und hol Conner“, sagte er zu einem der spielenden Jungs, der gleich losrannte und tat worum man ihn gebeten hatte.
„Und das ist Neville Longbottom“, sagte Severus schließlich und zeigte auf den schüchtern wirkenden Neville, als er merkte, dass sie ihn nun alle erwartungsvoll musterten. Es hatte nicht lange gedauert, da kam auch McCoy mit eiligen Schritten zu ihnen und begrüßte sie winkend von Weitem. „Wie schön, dass sie meiner Einladung nachgekommen sind“, sagte er schließlich als er bei ihnen angekommen war, „Kommen sie mit.“ Er machte eine winkende Handbewegung um seine Einladung zu verdeutlichen und Severus, Hermine und Neville folgten ihm. „Sie müssen die Neugier verzeihen“, sagte er schließlich, „aber wir sehen hier nicht besonders oft Fremde.“
Sie gingen eine breite Straße entlang, es war die einzige, die man wirklich als Straße bezeichnen konnte. Links und rechts davon waren die großen und kleinen Häuser so dicht aneinander gereiht, dass nur kleine Gassen sie von einander trennten. Am Ende der Straße stand das größte Haus, das Hermine hier bisher gesehen hatte und nach genauerem Hinsehen erkannte sie es als eine Kirche, die wie alle Häuser aus massiven Baumstämmen gebaut war. Kurz vor der großen Kirche bogen sie nach links ab und schlängelten sich an einigen kleineren Häusern vorbei. Sie hatten alle hübsche Vorgärten mit Blumen, Kräuter und Gemüsebeten.
Endlich blieben sie stehen. Sie standen vor einem Haus, etwa so groß wie ihre Blockhütte. McCoy ging durch den kleinen Vorgarten und öffnete die Tür, durch die er mit ausgestrecktem Arm ins Innere wies. Severus, Hermine und Neville traten dicht gefolgt von ihrem Gastgeber ein. Sie befanden sich in einer großen Küche. Sie schien Hermine noch größer, als die in ihrer Hütte. Die Möbel aber waren bei Weitem nicht so spartanisch, sondern mit verspielten kleinen Ornamenten verziert, die in das feine Holz geschnitzt waren. Ein breiter Durchgang trennte das Zimmer von einem weiteren.
Ohne zu neugierig wirken zu wollen, versuchte Hermine einen unauffälligen Blick in das Zimmer nebenan zu werfen, doch ein paar vereinzelte Regale und eine große gepolsterte Sitzbank waren das einzige was herauslugten. Sie hörten Schritte und der kleine Brian kam gefolgt von einem jungen Mädchen die Treppe herunten. „Brian kennt ihr ja schon“, sagte McCoy, „und das ist meine Tochter Mary“, zeigte er nun auf das unscheinbare Mädchen. Sie sagte nichts, sondern machte einen leichten Knicks und schaute schüchtern auf den Boden, wobei ihr das blonde halblange Haar in das rundliche Gesicht fiel.
„Sie und Mrs. Snape können das Zimmer oben haben“, sagte McCoy, „und Mr.“, er stockte einen Moment. „Longbottom“, sagte Severus als Neville noch immer keine Anstalten machte seinen Namen zu verraten. „Mr. Longbottom kann im Salon schlafen“, sagte McCoy und zeigte auf den Nebenraum.
„Gehen sie ruhig“, sagte er nun etwas nachdrücklicher zu Neville, als dieser immer noch wie angewurzelt dastand, und nun der Aufforderung nachkommend in das Nebenzimmer trat und dort den schweren Korb abstellte.
„Ich zeige unseren Gästen wo sie schlafen werden“, sagte McCoy zu seiner Tochter, „mach du doch schon mal etwas zu essen.“ Er stieg die Treppe hinauf und Severus und Hermine folgten ihm. Oben standen sie in einem kleinen Flur. McCoy öffnete eine Tür und blieb vor dem Zimmer stehen. „Fühlt euch ganz wie zu hause“, sagte er schließlich, „Ich bin mir sicher ihr wollt euch etwas frisch machen. Kommt einfach runter wenn ihr fertig seit.“
„Danke“, sagte Severus und Hermine nickte ihm ebenfalls freundlich zu, bevor sie das Zimmer betraten. Es war ein sehr kleiner Raum, in dessen Mitte ein großes Bett stand. Eine kleine Kommode stand auf der anderen Seite des Raumes, auf der eine leere Tonschale platziert war. Sie stellten ihre Körbe ab und Hermine lies sich rückwärts aufs Bett fallen.
„Gott ist dieses Bett weich“, stellte sie erstaunt fest, während sie Severus mit einer hochgezogenen Augenbraue musterte. Er setzte sich auf der anderen Seite neben sie und strich mit der Hand über die wunderbar weiche Matratze und die ebenso weichen Daunenkissen, als es plötzlich an der Tür klopfte. Er stand auf und öffnete sie. Vor ihm stand Mary mit einem riesigen Wasserkrug in der Hand. Severus ging einen Schritt zur Seite, so dass sie an ihm vorbei in das Zimmer eintreten konnte. Sie ging zur Kommode und füllte sie große Tonschale mit Wasser, bevor sie still das Zimmer wieder verließ. „Danke“, rief ihr Hermine noch hinterher, doch das Mädchen war schon weg.
Hermine stand ebenfalls auf. Sie ging zu ihrem Korb und holte einen großen Schwamm und ein kleines Fläschchen mit flüssiger Seife, die aromatisch nach Vanille duftete, hervor. Sie ging zur Kommode um sich ein wenig frisch zu machen. Severus tat es ihr gleich und sie waren nach einer Weile bereit wieder runter zu gehen.
Die Küche war bereits erfüllt vom Essensgeruch, der Hermine mit einem Mal das große Loch im Bauch, dass sie offenbar hatte, vorführte. McCoy saß mit Neville am großen Esstisch und war sichtlich erfreut zu sehen, dass nun auch Severus und Hermine endlich kamen. Anscheinend, war Neville kein besonders guter Gesprächspartner, dachte sich Hermine als sie zu dem schüchtern auf seinem Stuhl zusammengekauertem Neville sah.
Mit einer einladenden Geste bot er ihnen einen Platz an und ging in das angrenzend Zimmer, als er auch gleich wieder mit einer Flasche in der Hand zurück kam. Auf einen Wink hin, stellte Mary vier Gläser auf. Erst schenkte er Severus ein und dann Neville, bis er vor Hermines Glas schließlich inne hielt. „Wünschen sie auch ein Glas Whisky, Mrs. Snape?“, fragte er.
„Oh nein, vielen Dank“, lehnte Hermine freundlich ab, worauf McCoy nun schließlich sein eigenes Glas voll machte und sich wieder auf seinen Platz gegenüber von ihr und Severus setzte.
„SLAINTE MHATH!“, sagte McCoy und hob sein Glas, Severus hob ebenfalls sein Glas und nickte McCoy zu. Die beiden Männer tranken den scharfen Whisky in einem Zug aus. Neville hatte an seinem Glas bloß genippt und verzerrte bei dem beißenden Geschmack das Gesicht. „Ein guter Whisky“, sagte Severus anerkennend und McCoy machte ihre Gläser mit einem stolzen Gesichtsausdruck wieder voll.
„Ich hoffe doch, euch hat nichts Schlimmes zu uns geführt?“, erkundigte sich der Schotte. „Nein“, versicherte ihm Severus, „Wir sind hier um unsere Nachbarn kennen zu lernen, und wir haben gehofft etwas mehr über diese Insel zu erfahren.“ „Aye, nun dann, sind sie solange unsere Gäste wie sie wünschen“, versicherte ihnen McCoy freundlich. Mary hatte das Essen fertig zubereitet und Hermine war nun aufgestanden um ihr zu helfen. Sie deckten gemeinsam den Tisch mit Geschirr und stellten den großen Topf, in dem ein Eintopf brodelte, auf den Tisch und dazu noch etwas Brot.
Während dem Essen hatte keiner etwas gesagt, sie waren alle hungrig gewesen und verschlangen förmlich den einfachen Gemüseeintopf. McCoy stand als Erster wieder vom Tisch auf. „Kommen sie Snape“, forderte er Severus auf, als er sah, dass auch dieser nun fertig war, „ich zeige ihnen alles. Keine Sorge, Mary kümmert sich um ihre Frau und den Burschen.“ Severus stand auf und schaute zu Hermine, die ihm zunickte, dann drehte er sich zu McCoy und beide gingen durch die Eingangstür hinaus.
Mary war aufgestanden und räumte bereits den Tisch auf. „Warte wir helfen dir“, sagte Hermine freundlich. „Das ist nicht nötig, Mrs. Snape“, versicherte ihr das Mädchen. Sie hatte die ganze Zeit auf den Boden heruntergeschaut um ihrem Blick auszuweichen. Hermine ergriff ihren Arm, worauf Mary nun etwas erschrocken zu ihr hochschaute, doch sie hatte sich gleich wieder beruhigt als sie merkte, dass Hermine sie freundlich anlächelte.
„Du kannst mich Hermine nennen“, sagte sie, „und das ist Neville.“ Sie zeigte mit der Hand auf Neville, der neben ihnen stand und gebannt Hermine beobachtete. „Hallo“, sagte er und wirkte nicht weniger schüchtern als die junge Mary. Neville und Hermine halfen dem Mädchen, als sie es endlich aufgegeben hatte, ihre Hilfe abzuweisen, während Hermine immer wieder versuchte sie mit kleinen Fragen aus der Reserve zu locken. „Wie alt bist du?“, wollte sie von Mary wissen. „16“, war die leise Antwort. „Wo ist deine Mutter?“, fragte Hermine weiter nach. Mary blieb stehen und ihr Gesicht verfinsterte sich. „Sie ist bei Brians Geburt gestorben“, antwortet ihr das Mädchen mit solch einer Traurigkeit in der Stimme, dass es Hermine leid tat sie auf das Thema angesprochen zu haben. „Tut mir leid“, sagte sie ehrlich und legte Mary eine Hand auf die Schulter.
„Zeigst du uns euer Dorf?“, fragte Hermine schließlich als sie endlich fertig waren. „Ja gern“, antwortete ihr Mary nun etwas fröhlicher. Gemeinsam gingen sie hinaus und standen wieder in der engen Gasse. Sie gingen an einzelnen Häusern vorbei, aus denen ihnen immer wieder neugierige Blicke folgten, bis sie schließlich wieder auf der etwas breiteren Straße angekommen waren. „Das da vorne, ist unsere Kirche“, sagte Mary und ging auf das große Gebäude zu. Sie standen nun direkt davor und Hermine schaute hoch. Es war größer als sie es aus der Ferne angenommen hatte und sah bis oben zur Spitze, des bescheidenen Turms auf dem ein großes hölzernes Kreuz steckte. Mary öffnete die breite Doppeltür und sie ging hinein.
Sie standen in einem hohen Raum, in einem kleinen Gang zwischen zwei Bankreihen, vor ihnen ein kleines Rednerpult und daneben ein einfacher Holztisch an dem ein alter Mann über einem Stapel Papier saß. „Das ist Pastor Crawford“, erklärte ihnen Mary, „Er ist einer der ältesten hier und ist wie Vater, mit dem Schiff hierher gekommen. Er hat sogar bei der Gründung des Dorfes mitgeholfen.“ „Guten Morgen!“, sagte Mary etwas lauter, was den Pastor aufblickten lies. „Oh, guten Morgen Mary“, begrüßte er sie freundlich, „wie ich sehe, hast du Besuch mitgebracht.“ Er sah interessiert zu Hermine und Neville, die bereits näher an ihn heran getreten waren.
„Das sind Mrs. Snape“, Mary zeigte auf Hermine, „und Mr. Longbottom“, sagte sie und zeigte auf Neville. „Ich habe schon von ihnen gehört“, sagte er freundlich, „In unserem Dorf verbreiten sich solche Neuigkeiten schnell“, fügte mit einem gütigen Lächeln hinzu. Hermine sah neugierig auf den kleinen Tisch. Ein großes Buch lag aufgeschlagen darauf. „Ian Forbes ehelicht Moira Innes — 17. Mai 1741“, las Hermine laut und strich ehrfürchtig über die fasrigen gelben Seiten des Buches.
Pastor Crawford musterte sie nun mit weit aus mehr Interesse. „Sie können lesen, Mistress?“, fragte er anerkennend. Hermine nickte und verstand nicht war der alte Man so ungewöhnlich daran fand. „Sie können es doch auch“, sagte sie herausfordernd. „Aber das trifft nicht auf den Rest der Menschen hier zu. Sie kommen wohl aus gutem Hause, das ist mir gleich an ihren Händen aufgefallen, sie sind so gepflegt“, stellte er fest.
„Wo haben sie das Buch her?“, wollte Hermine wissen. „Der alte Lindsay hat es gemacht, er führte in Edinburgh früher eine Buchdruckerei“, antwortete Crawford, „Wir sind eine große Gemeinschaft zu der jeder von uns mit seinem eigenem Können, einen Teil beiträgt.“ „Lasst uns weiter gehen“, mischte sich nun Mary ein, „dann zeig ich euch noch mehr.“ Sie verabschiedeten sich von dem Pastor und folgen Mary durch die Hintertür in einen großen abgezäunten Garten in dem viele lange Holztische und Bänke aufgebaut waren. „Heute Abend feiern wir Ians und Moiras Hochzeit, sie haben gestern geheiratet“, erklärte ihnen Mary und sie gingen wieder zurück zu Straße.
Eine Frau tanzte wirr vor der Kirche. Sie war alt und vor allem war sie schwarz, stellte Hermine fest. „Ob sie wohl von dieser Insel hier stammte?“, fragte sie sich. „Das ist Nguvumali“, erklärte ihnen Mary als sie Hermines Blick zu der alten Frau sah, „Sie war die Kammerdienerin einer Lady auf dem Schiff, eine Sklavin. Ihre Herrin hatte es jedoch nicht geschafft, sich aus dem Wasser zu retten. Die älteren Frauen im Dorf sagen, sie hätte sie ersoffen um die Freiheit zu erlangen“, sagte sie nun mit gesenkter Stimme, „Sie sagen, sie war früher in ihrem Stamm eine Schamanin. Wisst ihr sie hat das zweite Gesicht. Sie spricht immer zu von einem dunklen Ort und grausamen Kreaturen, die dort lauern.“
Neville fühlte sich eindeutig unwohl und trat neben Hermine von einem Fuß auf den anderen. Hermine ging auf die alte Frau zu, die sich nun wirr im Kreis drehte. Sie stand genau hinter ihr, als die Frau plötzlich mit dem Gesicht zu ihr gewandt stehen blieb. Ihr Blick durchbohrte Hermine, während sie, ohne auch nur einmal zu schwanken, vor ihr stand. „Sie sagen, es gibt hier einen dunklen Ort. Was ist das für ein Ort und wo befindet er sich?“, wollte Hermine von ihr wissen. Die Frau starrte sie misstrauisch an und schaute dann noch misstrauischer über Hermines Schulter. Hermine drehte sich um und sah zu Mary, die noch immer neben Neville stand. „Ich glaube ihnen“, flüsterte Hermine ihr zu, „Sie sehen Dinge, die Andere nicht sehen können, aber ich weiß das sie war sind“, fügte sie mit Nachdruck zu.
Die alte Frau rang mit ihrem Misstrauen und dem Drang ihre Vision jemandem zu erzählen, der ihr scheinbar glaubte. „Ich hab sie gesehen“, sagte sie schließlich mit krächzender Stimme, „Es war schrecklich. Ein Ort so unwirklich, hinter einem nie stillstehendem Vorhang ,vor den Augen der Unwissenden verborgen“, schloss sie mit bedeutungsschwangeren Worten.
„Was soll das heißen, ein nie stillstehender Vorhang?“, fragte Hermine, aber die alte Frau drehte sich wieder im Kreis und beachtete Hermine nicht weiter. „Lasst uns gehen die Alte hat sie nicht mehr alle“, sagte Mary und machte eine winkende Handbewegung vor ihrem Gesicht um es zu verdeutlichen. Sie bogen wieder in eine kleine Gasse ab und machten sich auf den Weg zurück zur Hütte, der McCoys, als ein großgewachsener junger Mann sich Mary spielerisch in den Weg stellte. Er war etwa ein Kopf größer als Hermine und vielleicht Mitte Zwanzig. Mary ging einen Schritt zur Seite um an ihm vorbei zu gehen, doch er stellte sich abermals vor sie. „Willst du mich nicht deinen neuen Freuden vorstellen, Mary“, sagte der junge Mann und ging nun auf Hermine zu. Er nahm eine ihrer Locken in die Hand und drehte seinen zwischen seinen Fingern.
„Verschwinde Duncan!“, fauchte ihn Mary nun an, der unberührt darauf sein kurzes braunes Haar zurückstrich. Hermine funkelte ihn wütend an und ging an ihm vorbei wo auch Mary und Neville standen. „Duncan Lannox“, sagte das Mädchen mit verächtlicher Stimme, „Seit sein Vater vor einem halben Jahr gestorben ist und er die Küferei jetzt allein übernommen hat, hält er sich für das Größte.“ Sie waren wieder an der Hütte der McCoys angekommen und betraten das Haus. Severus und Conner waren schon wieder zurück und tranken das nächste Glas Whisky.
„Ah, da seid ihr ja“, sagte McCoy, „Vielleicht seid ihr müde und wollt euch vor der großen Hochzeitsfeier noch einmal hinlegen?“, erkundigte er sich nun. „Das ist eine gut Idee“, versicherte ihm Severus und auch Hermine nickte zustimmend, die die Gelegenheit ergreifen wollte mit Severus alleine zu sprechen. Sie gingen die Treppe nach oben, während Mary Neville die gepolsterte Sitzbank zum Hinlegen vorbereitete.
„Hast du was Interessantes entdeckt?“, wollte Hermine wissen, als sie in dem kleinen Gästezimmer angekommen waren. Severus schüttelte lediglich den Kopf. „Aber ich“, fügte Hermine nun mit einem zufriedenem Grinsen hinzu. Severus musterte sie neugierig. „Das ist eine alte schwarze Frau, sie war als Sklavin auf dem Schiff“, begann Hermine zu erzählen, „Die Leute sagen, sie wäre eine Schamanin und sie hätte das zweite Gesicht. Sie hatte eine Vision, von einem dunklen Ort an dem gefährliche Wesen lauern.“ Severus zog eine Augenbraue hoch, „Das klingt eher so, als sei die verrückt“, bemerkte Severus. Er knöpfte sich sein Hemd auf und zog es aus. Die frische Luft wirkte angenehm auf seinem Körper, dann legte er sich auf das Bett und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
„Ja kann schon sein“, sagte Hermine schließlich und senkte entmutigt den Kopf. „Und wo soll dieser Ort sein?“, fragte Severus nach einer Weile. „Hinter einem nie stillstehenden Vorhang“, antwortet ihm Hermine, deren Gesichtsausdruck verreit, dass sie wusste wie blöd das klang. Sie zog ihre Schuhe aus und leget sich ebenfalls aufs Bett.
„Dann werden wir uns eben gründlich hier in der Gegend umsehen müssen“, sagte Severus, „Das ist der einzige Hinweis, den wir haben.“ Er lies sich wieder zurück in das Kissen fallen und Hermine legte ihren Kopf in seine Armbeuge. „McCoy hat mir angeboten, dass wir in das Dorf ziehen sollen“, sagte Severus nach einer Weile, „Er hat kein großes Geheimnis daraus gemacht, dass es hautsächlich deinetwegen sei.“ Hermine sah ihn nun verblüfft an.
„Das du eine ausgerenkte Schulter gerichtet hast hat ihn offenbar beeindruckt“, erklärte ihr Severus, „Die Alten und die Kleinen vertagen die Hitze nicht besonders, sie haben keinerlei Medizin und niemanden der sich auch nur im Geringsten auskennt. Sie sterben schon früh an Fieber und Wundbrand durch einfache Verletzungen.“ Hermine nickte, doch sie sagte nichts. „Würde es dir gefallen hier zu leben, solange wir auf dieser Insel sind?“, wollte Severus nun wissen. Hermine schien zu überlegen, „Ich weiß nicht“, sagte sie schließlich, „Ich denke manchmal darüber nach, was passiert wenn sie uns hier doch nicht finden.“ Für einen Moment herrschte Stille. „Das wäre vielleicht ein Ort, an dem wir dann bleiben könnten“, sagte sie schließlich.
„Ja, vielleicht“, sagte Severus, er legte einen Arm um ihren Bauch und zog sie näher an sich heran.
***
Ein lautes Klopfen riss Severus aus dem Schlaf. „Wir kommen gleich“, rief er durch die Tür und hörte wie sich Schritte davon entfernten. Hermine lag noch immer dich bei ihm auf seiner Schulter. „Wach auf“, sagte er ruhig und strich ihr übers Gesicht. Hermine öffnete verschlafen die Augen. Sie mussten eingenickt sein. Severus war aufgestanden und reichte Hermine nun eine Hand, die ihr klarmachte, dass sie gehen sollten. Sie ergriff sein Hand und er zog sie hoch. Hermine strich sich ihren Rock glatt, während Severus sich sein Hemd wieder anzog, dann ging sie zu ihrem Korb und nahm ein kleines Tonfläschchen heraus, das sie in die Tasche ihres Rockes steckte, bevor sie gemeinsam in die Küche hinunter gingen.
Conner, Mary und Neville standen bereits wartend in der Küche, wobei Neville sich mittlerweile gut mit Mary zu verstehen schien. „Ah, da sind sie“, sagte Conner als er Severus und Hermine die Treppe herunterkommen sah, „Dann können wir ja endlich gehen.“ Sie gingen zu dem Garten hinter der kleinen Kirche, wo die Hochzeitsgesellschaft bereits in vollem Gange war. Die Tische waren nun gefüllt mit Essen und meist alkoholischen Getränken. Das ganze Dorf war verteilt auf die einzelnen Tische. „Da ist ein freier Platz“, sagte Mary und dirigierte sie zu einem der Tische, während McCoy Severus ein paar auf sie aufmerksam gewordenen Männern vorstellte.
„Hier Mary, das ist für dich. Ein kleines Geschenk“, sagte Hermine und drückte ihr das Fläschchen, das sie in der Rocktasche trug in die Hand, als sie sich gesetzt hatten. „Danke“, sagte Mary überrascht, „was ist das?“ Sie löste den Korken und roch an dem Inhalt. „Es riecht wunderbar“, sagte sie und setzte bereits an zum trinken. „Nein, halt!“, unterbrach sie Hermine sofort, „Das ist Seife. Das benutzt man zum Waschen.“ Mary schien zu verstehen, „Ja, von Seife, haben die älteren Frauen erzählt. Das gab es in Schottland“, sagte sie. „Du kannst dir damit zum Beispiel die Haare waschen“, erklärte ihr Hermine. „Riechen sie dann auch so wunderbar wie deine?“, fragte Mary nun mit einem strahlenden Lächeln, worauf Hermine freundlich nickte.
Ein Mann Mitte 40, schätze Hermine, stand nun nicht weit vor ihnen und wurde von einer etwa gleichalten Frau von hinten angeschubst, damit er weiter auf sie zu ging. Die beiden Mädchen und auch Neville schauten ihn erwartungsvoll an, doch er sagte nichts, bis ihm die Frau hinter ihm einen weiteren leichten Schubs verpasste. „Mistress Snape“, sagte er schließlich zu Hermine gewandt und nahm seinen Hut ab um seinen zur Hälfte kahlen Kopf vor ihr zu senken, „man sagte mir ihr wärt eine Heilerin.“ Hermine nickte, doch der Mann sprach nicht weiter. Die Frau, die sich bisher hinter seinem Rücken gehalten hatte, kam nun vor. „Mein Mann hat sich vor einigen Tagen verletzt“, sagte die Frau, „hättet ihr vielleicht die Güte euch die Verletzung anzuschauen? Sie heilt einfach nicht ab.“
„Ja sicher, ich werde schauen was ich tun kann“, sagte Hermine und sah nun erwartungsvoll zu dem Mann, der nach einem weiteren Schubs seiner Frau den Arm ausstreckte. Hermine zog ihm den weiten Ärmel bis zum Ellenbogen hoch und entblößte seinen Unterarm, auf dessen Innenseite eine große blutverkrustete Wunde zu sehen war. Sie war dreckig und das Gewebe drumrum war stark gerötet und unnatürlich geschwollen. „Und können sie ihm helfen?“, wollte die Frau nun wissen. „Ich denke schon“, antwortete ihr Hermine, „aber ich brauchen dafür ein paar Sachen.“ Die Frau nickte und wartete scheinbar auf weitere Anweisungen. „Also als erstes brauche ich meine kleine Truhe“, begann Hermine. „Ich hol sie dir“, sagte Neville und ging sofort los. „Gut“, überlegte sie einen Moment weiter, „Außerdem brauche ich einen Topf oder einen Kessel mit Wasser, einen sauberen Lappen und etwas zum Verbinden.“ Die Frau nickte ihr zu und verschwand ebenfalls.
Nach kurzer Zeit waren Neville und die Frau mit all den geforderten Sachen zurück. Die Sonne stand schon tief und spendete nur noch ein spärliches Licht. Hermine zog die Bank auf der sie gesessen hatten näher an das größe Feuer in der Mitte und wies den Mann an sich zu setzen. Inzwischen hatten sie nicht wenige neugierige Zuschauer, die sich um sie herum versammelt hatten. Über dem großen Feuer stand noch die Stange, auf der bis vor kurzem das Wildschwein noch gehangen hatte und Hermine hängte nun den kleinen mit Wasser gefüllten Topf, den ihr die Frau des Mannes gebracht hatte. Sie öffnete ihre Truhe und nahm eine Handvoll Kamilleblüten, die sie in das Wasser hineingab. Das Tuch riss sie in Streifen und warf die Hälfte der Streifen zusammen mit dem kleinen Lappen in den kochenden Sud. „Kamille desinfiziert, stoppt Blutungen und fördert die Wundheilung“, sagte Hermine ruhig zu dem Mann, der den Lakeneintopf skeptisch musterte.
Nach einer Weile fischte sie den Lappen heraus fing an damit die verkrustete Wunde zu reinigen. Die Kruste wurde durch den nassen Lappen weich und löste sich ab. Wie bereits vermutet, war die Wunde unter der Kruste ebenfalls völlig verdreckt und das offene Fleisch auf unnatürlich Weise gerötet. Vorsichtig wusch sie die nun wieder blutende Wunde aus, bis sie zumindest äußerlich sauber war, doch irgendwas kam ihr immer noch merkwürdig vor. Hermine zog seinen Arm näher zum Feuer um die riesige Schwellung etwas genauer zu betrachten. Vorsichtig drückte sie seitlich der Wunde, auf die eine unverletzte Stelle, als aus dem offene Schnitt nun gelblicher dickflüssiger Eiter herausquoll, der ein allgemeines leicht entsetztes Raunen hinter ihr hervorrief. Sie drückte nun etwas kräftiger und dann gleich noch einmal an einer anderen Stelle, bis kein Eiter mehr heraus kam. Wieder säuberte sie die Wunde bis sie etwas überrascht inne hielt. Die Leute um sie herum kam alle etwas näher, denn sie wollten auf keinen Fall verpassen, was sie da tat.
Hermine schob den Mann noch ein Stück näher zum Feuer, dann drückte sie erneut, diesmal von unten auf die Wunde, so dass sich nun ein dünner Holzsplitter heraus schob und alle die nah genug dran wahren, um es sehen zu können, ein staunendes „Ahhh“, entlockte. Sie griff noch einmal in ihre Truhe und zog eine kleine Zange heraus, die sie für eine Sekunde ins Feuer hielt um sie zu desinfizieren, dann nahm sie den Arm und packte das leicht herausschauende Holz und zog es vorsichtig heraus. Der Splitter war bestimmt zehn Zentimeter lang, schätzte Hermine, doch der Mann hatte die ganze Zeit über keinen Ton von sich gegeben. Erleichtert atmete nun auch Hermine auf und nahm das kleine Döschen mit der Ringelblumensalbe um es auf die Wunde aufzutragen, dann band sie die aufgekochten Stoffstreifen und schließlich die Trockenen um den Arm. „Fertig“, sagte sie und betrachtete stolz ihr Werk.
Der Mann vor ihr auf der Bank betrachtete selbst seinen Arm und schien zufrieden. „Danke“, sagte er und setzte seinen Hut auf, „jetzt brauch ich aber erst mal einen kräftigen Schluck Whisky.“ Die anderen Männer brachen in Gelächter aus und einer drückte ihm gleich ein Glas in die Hand.
Severus kam nun zu Hermine rüber, doch sie wurden gleich von einer Traube Menschen umringt. „Sie haben doch hoffentlich vor hier zu bleiben, Mr. Snape“, sagte einer der älteren Männer, „Sie und ihre Frau wären eine große Bereicherung für unsere Gemeinde.“ „Wir wissen ihr Angebot zu schätzen und werden es uns durch den Kopf gehen lassen, danke“, antwortete Severus steif. „Wenn sie sich Sorgen um ihre Unterkunft machen, darüber haben wir bereits geredet. Der alte Macdougall ist vor einigen Wochen gestorben. Er hatte keine Kinder, weswegen schon seit längerem ein Streit um sein Haus anhält und der Dorfrat hat einstimmig beschlossen, dass wir es ihnen überlassen würden. Sie werden sehen, es ist eines der größten und schönsten Häuser hier und ihre Familien und auch ihre Freunde, die heute nicht hier sind, hätten alle genug Platz“, sagte Pastor Crawford, der hinter der Menge zu ihnen getreten war.
„Und wie kommen wir zu der großen Ehre, dass sie uns eins der größten und schönsten Häuser einfach so schenken wollen?“, fragte Severus und zog dabei misstrauisch eine Augenbraue in die Höhe. „Oh, nun ja, wir würden natürlich von ihrer Anwesenheit hier ebenfalls profitieren“, erklärte ihm Crawford, „Schließlich ist ihre Frau eine Heilerin und sie waren in der Heimat ein Professor, habe ich gehört, ein Gelehrter. Wer weiß vielleicht haben ihre Freunde ja ebenso nützliche Talente“, schloss der Pastor und sah Severus prüfend an, doch dieser verzog keine Miene, sondern starrte nur weiterhin ungerührt den Mann vor ihm an.
Fortsetzung folgt...
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Emma ist eine natürliche Schönheit – wenn sie also die ,normale‘ Hermine in ihrer Schuluniform spielt, müssen wir ihr Aussehen unter dem Make-up eher herunterspielen. Aber der Weihnachtsball erfordert natürlich das genaue Gegenteil – da konnten wir uns mit dem Make-up richtig austoben.