
von serotina
An einem langen roten Samtband hing eine kleine Phiole um Hermiones Hals, versteckt unter ihren Schulroben, nah an ihrem Herzen.
Seit ein paar Tagen enthielt diese Phiole eine ganz besondere Flüssigkeit, nämlich ein paar Tropfen des starken Aromaliebestrankes, den die Sechstklässler in der letzten Zaubertrankstunde unter der strengen Aufsicht von Slughorn gebraut, verkorkt und zur Benotung abgegeben hatten. Heimlich war es Hermione gelungen ein paar Tropfen von dem Trank auch in ihre eigene Phiole abzufüllen, um in schwachen Momenten ab und an daran zu schnuppern.
Immer noch weigerte sich ihr Unterbewusstsein die Puzzlestücke die sie über die letzten Jahre und vor allem in den letzten Tagen gesammelt hatte, richtig zusammenzusetzen. Immer noch konnte sie den Duft keiner ihr bekannten Person zuordnen.
Doch eines hatte sie unmittelbar nach dem Brauvorgang begriffen. Ron war nicht die wahre Liebe ihres Lebens. Zweifel die sich im Vorfeld auftaten, wurden auf diese Weise unmissverständlich bewiesen. Deswegen versuchte sie sich mittlerweile so gut es ging, von Ron als seine „Freundin“ zu distanzieren.
Hermione war nie so ein Mädchen gewesen, das auf den Ritter in der glänzenden Rüstung gewartet hatte und sie sah auch die Welt nicht durch eine rosa rote Brille. Doch ganz tief in ihrem Herzen, gab es etwas, an das sie auf eine unerschütterliche Art und Weise glaubte.
Sie glaubte an die wahre Liebe, an eine Liebe die zwei Menschen unwiderruflich miteinander verband. Wie zwei Fäden dessen Knoten in der Mitte keiner zu lösen vermag, nicht die liebenden selbst und auch kein anderer, auch nicht die Zeit.
Etwas erschöpft lies sich Hermione in einen Sessel nahe der geöffneten Fenster fallen. Sehnsüchtig schweifte ihr Blick über die Wipfel des verbotenen Waldes, als sie mit einem halben Ohr dem Gespräch von Parvati und Lavender lauschte. Wie nicht anders zu erwarten war, drehte sie dieses um den in 3 Tagen bevorstehenden Maiball. Eines der größeren Festivitäten innerhalb dieser Schlossmauern.
In 3 Tagen war es also wieder soweit, dass sich junge Hexen und Zauberer gegenseitig auf den Füßen standen und gepanschten Früchtepunsch zu sich nahmen.
Durch das plötzliche auftauchen von Ginny, wurde Hermione aus ihren Gedanken gerissen und in ihr naheliegendes Schulsprecherinnenzimmer gezerrt. Mit einem aufgeregten Funkeln in den Augen schloss Ginny erwartungsvoll die Tür hinter sich. Sie hatte extra solange gewartet, bis Harry und Ron zu ihrem wöchentlichen Quidditchtraining aufgebrochen waren, um ungestört mit Hermione allein sein zu können.
Ein wissendes Lächeln umspielte Hermiones Mundwinkel als sie ihre beste Freundin betrachtete. Vor ein paar Tagen hatte sie ihr nämlich eröffnet, dass sie zufälligerweise auf eine Lösung für Ginnys Kleiderauswahlproblem für den besagten Maiball gestoßen war. Mitten in der verbotenen Abteilung, als sie eigentlich auf der Suche nach neuen Zaubersprüchen für die immer noch durchgeführten DA Trainingseinheiten war, fiel ihr eine unscheinbar wirkende kleine Pergamentrolle in die Hände.
Langsam zog Hermione die besagte Pergamentrolle aus einem ihrer Regalfächer und präsentierte sie stolz, der vor Aufregung fast platzenden Ginny, deren Augen mit jeder weiteren Zeile die sie las immer größer wurden.
„Bist du dir sicher, dass du diesen Zauber auch hinkriegst?“ fragte Ginny, mit einer Ehrfurcht angehauchten Stimme.
Da Ginny in einer Zaubererfamilie aufgewachsen war, hatte sie in ihrem Leben schon sehr viele Zaubersprüche zu Gesicht bekommen. Doch wenige, sehr wenige waren von so einer Komplexität und Stärke gewesen, wie dieser manifestatio optatio vestitus. Sie hatte sogar einige Probleme diesen Namen überhaupt richtig auszusprechen.
Zögerlich griff Hermione nach dem Pergament und las für sich noch einmal jeden auszuführenden Schritt durch. Nickend sagte sie dann, „Nein, das dürfte eigentlich kein Problem darstellen, da hier jeder Schritt genau beschrieben steht.“
Hermione fand den Zauber wenn überhaupt nur äußerst interessant, da er das perfekte Kleidungsstück zu Tage fördern würde. Dieser Zauber konnte nämlich die geheimsten Wünsche und Sehnsüchte vom Träger des Kleides, mit den Wünschen, der vom Träger angebeteten Person, miteinander kombinieren. Das daraus resultierende Ergebnis, wäre in Ginnys Fall dann hoffentlich das perfekte Ballkleid um die Aufmerksamkeit eines gewissen Harry Potters für sich zu gewinnen.
Als das Kleid, durch einen Accio herbeigerufen, vor Hermiones Augen hin und her flatterte, griff diese nach ihrem Zauberstab, der noch immer auf ihrem Schreibtisch lag.
Plötzlich erfüllte sich die Luft mit einer kaum greifbaren Magie. Ginny, deren Blicke noch immer starr auf das Kleid gerichtet waren, um ja kein einzigen Moment der Verwandlungsprozedur zu verpassen, stellten sich unbemerkt alle Nackenhaare nach oben.
Hermiones Schritte auf dem Parkettboden hallten wie in einer riesigen Kathedrale von den Wänden wieder, als sie den ersten Bannkreis um das besagte Kleid schritt. Leise murmelnde Wörter unterstützten den Anfang dieser Magie, bis sie sodann anfing ihren Zauberstab in leichten Kreisbewegungen zu schwingen. Die Spitze des Zauberstabs leuchtete auf und zog kleine funkelnde Staubsterne, die aus Ginnys innerstes zu kommen schienen, wie von Zauberhand an.
Die winzigen Staubsterne versammelten sich dann sogleich rings um das Kleid herum an und bildeten eine Art Kokon. Irgendwann verebbte der Sternstrom aus Ginnys Brust und es dauerte nicht lange bis sich ein zweiter Sternregen zu ihnen gesellte. Diesmal kam dieser aber durch das Fenster hereingeschwebt und webte sich in die schon vorhandene Kokonstruktur mit hinein.
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Ein paar Meter von dem Gryffindorturm entfernt, trug es sich zu, dass mehrere Mitschüler beobachten konnten, wie ein Sternregen anscheinend aus dem Hinterteil von Harry Potter schwebte. Unglücklicherweise flog dieser nämlich gerade einen Looping um den Schnatz vor Draco zu erwischen, der durch dieses Schauspiel beinahe vor Lachen vom Besen fiel.
Harry der von alledem nicht sehr viel, eigentlich gar nichts mitbekommen hatte, wunderte sich später nur, warum alle hinter seinem Rücken anfingen dümmlich zu grinsen.
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Ginny, deren Vorhaben es eigentlich gewesen war, die ganze Zeit das Kleid zu beobachten, starrte nun Hermione seit ein paar Minuten mit offenem Mund an. Sie hatte sie ja schon öfters zaubern gesehen, darunter waren auch vereinzelt eher schwierigere Zauber gewesen, aber das. Dieses Spektakel, was sie hier nun sah, war nicht mit vielen vergleichbar.
Als Hermione fertig war, setzte sie sich, nun doch etwas erschöpft, auf ihr Bett und betrachtete ihr Werk das ihr durchaus gefiel.
„Wow.“ Das war das einzige wozu Ginny gerade in der Lage war sich zu artikulieren, was Hermione dabei nicht auffiel war, dass Ginny sich bis jetzt nicht einmal das Kleid angeschaut hatte.
„Ich bin so froh, dass dir das Kleid gefällt.“ Erleichtert schaute Hermione zu Ginny, die deren verdutztes Gesicht nicht mehr wahrnehmen konnte, weil diese nun auch das Kleid vor ihr genauer betrachtete und keine Sekunde später um Hermiones Hals fiel.
Lange rote Seide, mit schwarzen und goldenen Fäden durchwirkt, ergoss sich über Hermiones rot gold gestreiften Teppich. Hermione kannte ihren besten Freund gut genug um sagen zu können, dass sie vermutlich seinen Geschmack übertroffen hatte.
Nachdem Ginny ungefähr fünf Minuten mit dem Kleid in den Armen durch Hermiones Zimmer gehüpft war, blieb sie auf einmal stehen und schaute Hermione mit einem geradezu neugierigen Blick an.
„Jetzt will ich unbedingt dein Kleid sehen!“
„Mein Kleid?“ verdutzt schaute Hermione sie an. Erst nach ein paar Sekunden wusste Hermione endlich worauf Ginny hinaus wollte und schüttelte lächelnd ihren Kopf.
„Mein Kleid hängt da vorne am Schrank, ich hab es vor ein paar Wochen in Hogesmead gekauft, du erinnerst dich doch sicherlich noch daran, schließlich warst du diejenige die es ausgesucht hat.“
Etwas irritiert und enttäuscht sank Ginny auf einen Sessel, nun erinnerte sie sich auch wieder an ihren kleinen Shoppingausflug, der mit einem einfachen roten Trägerkleid und vereinzelten Süßigkeiten geendet hatte.
Nach ein paar lockeren Tratschereien verabschiedete sich Ginny wieder, da sie ihr Kleid unbeobachtet in ihr Zimmer bringen wollte. Nachdem Ginny gegangen war, betrachtete Hermione ihr Ballkleid. Den Teufel würde sie tun, den Zauber auch bei sich selbst anzuwenden. Das Ergebnis würde sie wahrscheinlich mehr schockieren als jeden anderen Bewohner dieses Schlosses, mit Ausnahme vielleicht noch von Ron und der einen Person, die einen Teil zu diesem Kleid unbewusst beitragen würde. Noch immer verbot sie sich jeden weiteren Gedanken an ihn und belog sich mit dem nicht Wissen seiner Existenz.
Ohne es zu merken, hatte sie in den letzten paar Minuten mit ihren Fingern immer wieder mit der kleinen Phiole gespielt, die nun offen an ihrem Hals baumelte, dessen Glas in der untergehenden Abendsonne absurde Lichtspiele an die Wände warf.
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eure seri
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