Prophets quote Destiny - Walzertanzende Gedanken
von serotina
Widerwillig hatte er sie gehen lassen, doch um ihre Geschichte aufrechtzuerhalten, verschwand sie am frühen Nachmittag aus seinen Gemächern, mit einem scheuen Lächeln auf den Lippen.
Wenn alles gut ginge, würde die Geschichte nie das Tageslicht erblicken. Noch hatte Potter nicht nachgehakt, selbst Albus verhielt sich für seine Verhältnisse eher schweigsam.
Immer wieder kreisten seine Gedanken, um den letzten Abend. Was war noch alles im Büro des Direktors passiert? Hatte Albus wirklich nichts bemerkt? War die Präsenz des Horkrux so groß gewesen, dass er seine alleinige Aufmerksamkeit in Anspruch genommen hatte? Was bedeutete der schockierte Blick von Albus, als Hermione den Horkrux zerstört hatte?
Potter hatte es schon einmal geschafft einen Horkrux zu zerstören. In seinem zweiten Jahr wurde der Giftzahn des Basilisken dafür verwendet, die Seele des Dunklen Lords aus den zerfledderten Seiten seines Tagebuchs zu vertreiben. Streng genommen, war es nicht ausgeschlossen, dass auch jeder andere mit einem Basiliskenzahn, dieses Werk hätte vollbringen können und Potter nur mal wieder zufällig diesen Platz eingenommen hatte.
Zu viele Fragen wurden aufgeworfen und Severus musste frustriert feststellen, dass er keine von ihnen hinreichend beantworten konnte.
Keiner von ihnen hätte wissen können, ob Harry oder Hermione in der Lage gewesen wäre, den Horkrux zu zerstören. War Albus einfach davon ausgegangen, dass Harry es nicht schaffen konnte, weil er selbst es in all den Jahren nicht geschafft hatte oder wusste er mittlerweile das Harry nicht der Auserwählte war? Wusste er es von Anfang an? Oder erst nach den letzten Vorkommnissen?
In all den Jahren hatte sich Albus verzweifelt an die Möglichkeit geklammert, den Auserwählten zu kennen, um somit eine Chance zu sehen, den Krieg doch noch zu gewinnen. Doch seine neueren Schachzüge, waren insgesamt zu unschlüssig. Warum sollte er ihn beauftragen, Hermione zu trainieren, wenn er nicht glaubte, dass es etwas brachte? Normalerweise fügte sich Severus immer den Plänen von Albus, wenn auch widerwillig, so hatte er sich im Laufe seines Lebens irgendwann daran gewöhnt gehabt, dass sein Weg von einem anderen, als ihn selbst vorgezeichnet wurde. Doch nun ging es nicht mehr nur allein um ihn.
Noch immer spukte der gequälte Gesichtsausdruck Hermiones in seinen Gedanken herum, als sie ihm ihre Befürchtungen gebeichtet hatte. Ihre Angst, dass er ihr ohne Beweis keinen Glauben schenken würde, war vollkommen unnötig gewesen.
Auch ihren Zusammenbruch würde er wohl nie vergessen können, als Dumbledore ihr ohne Vorbereitung ihr Schicksal offenbarte und dabei noch nicht einmal Notiz von ihr genommen hatte.
Die Wut auf Dumbledore wurde allmählich, durch die Angst um Hermione abgelöst, die wieder und wieder seine Gedankenwelt überwältigte. Ihre kalten Finger hatten noch immer gezittert, als sie zu ihren Gemächern aufgebrochen war. Wie gerne hätte er sie hierbehalten, in seiner Nähe, wo er sie beschützen konnte.
Nur ungern gab er vor sich selber zu, dass er sich nach ihr sehnte, momentan würde er sogar seine Seele verkaufen, für eine gemeinsame Zukunft mit ihr, doch leider besaß seine Seele schon jemand ganz anderer. Grummelnd nahm er noch einen Schluck von seinem vorzüglichen Rotwein, als er in die lodernden Flammen seines Kamins blickte.
Den Schwur, den er seinem Herzen am Maiball abgerungen hatte, den hatte er gebrochen. Er hatte die Grenze zu häufig überschritten, um ihr jetzt noch einreden zu können, dass er sie nicht liebte. Doch im Hinblick auf seine Aufgabe, waren seine Herzensangelegenheiten unwichtig, wenn nicht sogar hinderlich. Dabei befürchtete er in erster Linie noch nicht einmal, dass seine Liebe zu Hermione, ihn in gewissen Maße ablenken würde. Wovor er wirkliche Angst hatte war, dass er irgendwann anfing falsche Prioritäten zu setzen, indem er ihr Leben über seine Aufgabe stellte.
Wenn das passieren würde, wäre alles umsonst gewesen. Nie durfte er sein Ziel aus den Augen verlieren, nie dürfte er sich jemand anderem versprechen, sein Leben gehörte dem Krieg. So war es immer und so würde es auch immer sein.
,Irgendwann wird sie mich vergessen, wenn nicht sogar hassen.‘
Wieder kehrten seine Gedanken zurück zu Dumbledore. Zurück zu den vielen unbeantworteten Fragen, bevor er sich eingestehen konnte, dass seine Angst schon längst Wirklichkeit geworden war.
* * *
Die Abendsonne war schon vor vielen Stunden hinter dem Horizont verschwunden, als Severus immer noch in seinen Gemächern trübsinnig ins Feuer starrte. Mal dachte er über Hermione und ihren nächsten Trainingsstunden nach, dann versuchte er aus ihren Worten und Eindrücken vom vergangenen Tag schlau zu werden. Zwischendurch schummelten sich immer mal wieder die Bilder in seinen Kopf, wie er Hermione in seinem Bett liegend betrachtet hatte.
Langsam wurden seine Augen müde, als jemand neben ihm auf den Couchtisch einen dampfenden Becher heiße Schokolade stellte.
„Was machst du hier?“ fragte Severus, langsam drehten sich seine Gedanken unabstreitbar im Kreis.
„Ich wollte mich revanchieren.“ antwortete Hermione knapp.
„Was machst du wirklich hier?“ fragte Severus noch einmal, immer noch den Augenkontakt zu ihr vermeidend, als sie sich ihm gegenüber auf sein Sofa setzte.
„Ich konnte nicht schlafen, komischerweise verspüre ich seit neustem eine hartnäckige Angst vor Dunkelheit.“
„Und um sich dieser zu stellen, schleichst du des Nachts durch ein riesiges Spukschloss?“
„So ähnlich.“
Das Knacken der Feuerscheite, war Minutenlang das einzige Geräusch in dem geräumigen Wohnzimmer, als Hermione ihren ganzen Mut zusammen kratzte, jedenfalls das was noch übrig geblieben war und nicht schon auf dem Hinweg zu seinen Gemächern aufgebraucht worden war.
„Severus.“ flüsterte Hermione.
Er wusste, dass er es bereuen würde, ihr in die Augen zu blicken. Die Wärme und aufrichtige Liebe, die aus ihrem Blick sprachen, durchbrachen seine schwachen Mauern mit einer ungeheuren Gewalt, dass er seufzend aufstand, zum Sofa hinüber schritt und sie in seine Arme nahm. Fast schüchtern schmiegte sie ihre Wange gegen seine Schulter und verschränkte ihre Finger mit seiner Hand.
„Worüber hast du deinen Schlaf vergessen?“ murmelte sie gegen seine Schulter.
„Dies und das.“ antwortete Severus ausweichend.
„Du meintest vorhin, dass ich sagte, dass Dumbledore überrascht gewesen wäre. Hast du darüber nachgegrübelt?“
„Auch. Deiner expliziten Frage kann ich entnehmen, dass auch du darüber nachgedacht hast. Ist dir noch etwas eingefallen?“ Zurückhaltend strich seine freie Hand zärtlich durch ihre langen Locken, ihren Rücken hinab.
„Nein, leider nicht. Wenn es wirklich stimmen sollte, was hat es dann zu bedeuten?“
„Ich weiß es nicht.“
„Selbst wenn, wäre es denn wichtig?“
„Wie meinst du das?“ fragte Severus vorsichtig.
„Na Dumbledore ist auf unserer Seite, auch wenn wir seine Beweggründe nicht verstehen. So wird er uns wohl kaum willentlich in Gefahr bringen oder den Ausgang des Krieges irgendwie gefährden. Schließlich haben wir alle nur ein Ziel und das ist die Vernichtung des Dunklen Lords.“
Zustimmend nickte Severus, obgleich er nicht wusste, ob er sie damit nur beruhigen wollte oder er selbst verzweifelt an der Richtigkeit ihrer Worte glauben wollte.
„Das muss aufhören, Hermione.“ wechselte Severus das Thema zu ihrer augenblicklichen Situation.
„Ich weiß.“ seufzte Hermione und schlief in seinen Armen ein.
Leise betrachtete er die schlafende Hermione. Er wusste nicht, ob sie absichtlich das Gespräch nicht auf ihre Beziehung gelenkt hatte oder ob sie selbst wusste, dass es eigentlich nichts gab, worüber sie sich hätten einig werden müssen. Beide waren sich mittlerweile, der Liebe des jeweils anderen bewusst. Wie auch immer diese auch entstanden war, das größte Wunder dabei war wohl, dass beide es irgendwie akzeptiert hatten. Es war so normal mit ihr auf seinem Sofa zu sitzen. Das warme Gefühl was sich in seiner Brust breit machte, nahm er mehr als willkommen an. Noch nie hatte er sich so in der Gegenwart einer anderen Person gefühlt. Schon gar nicht in der Nähe einer Frau. Er war nicht der sozialinkompetente Mann, wie ihn die Gesellschaft sah. Doch waren in seiner Vergangenheit immer andere Dinge wichtiger gewesen, als die farbliche Ausgestaltung seines Privatlebens.
Die Geschichte damals mit Lily, war ein gelungenes Schauspiel gewesen, ein Auftrag in den er als Teenager nicht mehr als schwärmende Gefühle investiert hatte, die von ganz alleine kamen, als er sich länger mit ihr auseinandergesetzt und sie mit seiner schmeichelnden Aufmerksamkeit überhäuft hatte.
Danach gab es zwar eine kurze Pause seiner geheimen Anstellung, kurz nach der angeblichen Vernichtung des Dunklen Lords und der zweiten Prophezeiung, doch in diesen paar Jahren, hatte er sein Augenmerk mehr auf die Trankforschung gerichtet, als auf Hexen, die seine Neugierde nicht einmal im Ansatz befriedigten.
Bei Hermione war es von Anfang an etwas anderes gewesen, schon als nervige Schülerin, hatte er ein seltsames Vertrauen zu ihr gespürt. Später, als sie langsam heranwuchs, kam die Eifersucht zu ihren Schulkameraden, insbesondere dem Weasleysprössling, hinzu. Und nun war sie ihm wichtiger, als sein eigenes Leben und dennoch versuchte er sich einzureden, dass dies das letzte Mal sein sollte, wo er sie so nah an sich herangelassen hatte. Er gehörte seit je her an Dumbledores Seite und nicht an ihre.
Zärtlich küsste er ihr Haar und schloss sein Augen, es dauerte nur ein paar Sekunden bis auch er eingeschlafen war und in seinen Träumen von einer anderen Welt träumte. Einer Welt in der er die Wahl hatte zu entscheiden. Eine Welt, die zu perfekt war, um wahr zu sein. Eine Welt in der er frei war.
Mitten in der Nacht wachte Hermione kurz auf, nur um sich noch enger an Severus zu kuscheln. Hoffend, dass diese Nacht nie enden würde.
* * * * * *
Wie hat es euch gefallen?
vielen Dank an meine Beta eule20 und an die fleißigen Kommentarschreiber^^
NicoleSnape: nächstes Kapitel probiert Hermione dann endlich das Ding mit dem schweben ... versprochen^^
tymalous: ja Fliegen hätte was, mal sehen ob Hermione das im nächsten Kapitel auch denken wird^^
Sirius Fan: danke und es ist nicht schlimm, wenn du nicht immer schreibst, ich freu mich über jedes Review^^. Ja Hermione war schon mutig und was Dumbledore angeht, da hat er wirklich seinen Schwachpunkt was den Horkrux angeht, dass er sich dann meistens nicht auf viele andere Dinge konzentrieren kann. Das Fliegen kommt dann endlich im nächsten Kapitel^^.
An alle: ich muss leider ankündigen, dass die nächsten paar Kapitel wahrscheinlich etwas auf sich warten lassen werden, da ich momentan in unüberschaubarer Arbeit versinke. Da diese wie schon gesagt unüberschaubar ist, kann es auch sein, dass ich nächste Woche den Großteil doch geschafft habe, versprechen kann ich nichts und mir liegt diese Geschichte so sehr am Herzen, dass ich nicht einfach ein Kapitel runterschreiben will. Ich hoffe ihr seit mir nicht böse.
bis hoffentlich ganz bald,
eure seri
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel
Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Ich sollte nur lesen, aber ich habe die Damen im Hörverlag davon überzeugt, dass es viel schöner ist die Figuren zu spielen, als nur zu zitieren.
Rufus Beck