
von NoctiVagux
Es war der erste September. Heute erwartete man sowohl alte als auch neue Gesichter, die in die alten Hallen der Magierschule Hogwarts zurück kehren würden. Albus war auf dem Weg von seinen Gemächern zum Frühstück, als Minerva ihm entgegen kam. „Guten Morgen, Albus.“ Sprach sie reserviert und schloss sich ihm an. „Guten Morgen, Minerva.“ Lächelte er und pfiff vor sich hin. Sie seufzte nur leise. Nach einigen Metern lachte er heimlich. „Was möchtest du?“ fragte er warm. „Nun, ich habe in den letzten beiden Tagen einen Schwarm von Eulen erhalten, dass viele Schüler nicht zurück kehren werden. Aber jetzt… Albus so viele, es sind so viele!“ Sagte sie verbissen.
Dumbledore nickte vorsichtig. „Ja, das konnte ich mir schon denken. Wie viele sind es denn letztendlich geworden?“ „Zu viele, Albus, viel zu viele. Vor allem Muggelgeborene sind fast keine mehr dabei.“ Klang sie besorgt und suchte in seinen Augen nach einer Lösung. Zwar war ihr als stellvertretende Schulleiterin und als Mitglied des Ordens sehr wohl bekannt, dass es einige Schüler gab, die die Schule nicht mehr besuchen würden. Doch seit letzter Nacht hörte der Schwarm Eulen mit Hiobsbotschaften nicht mehr auf und Minerva war am verzweifeln. Er blieb stehen und musterte seine Kollegin genauer. „Nun denn, wie viele werden zur Einsortierung erscheinen?“ fragte er und schaute dabei über seine Brille zu ihr hinunter. Sie seufzte. „Es sind 24, obwohl wir bei dem starken Jahrgang ganze 14 je Haus erwartet haben, die mit der Schulausbildung beginnen würden.“ Die Stirn des Schulleiters fiel in Falten. „24 neue Schüler.“ Murmelte er leise und Minerva nickte mit schmalen Lippen. „Ja, 24 von eigentlich 56 Schülern.“ klang sie empört und verloren zugleich.
Dann huschte er weiter, mit kleinen Wirbeln um seine Füße der rotgoldenen Robe mit grünen jugendstilartigen Pflanzenornamenten darauf. Sie eilte im Stechschritt – mit einer grüngrau karierten hochgeschlossenen Robe und schwarzem Umhang sowie schwarzem Spitzhut – neben ihm her. „Das ist eine Katastrophe, Albus.“ Flüsterte sie. „Nun ja, Katastrophen haben schlimmere Ausmaße in ganz anderen Maßstäben. Es ist eher schade, aber auch verständlich – leider.“ Und sie betraten die Große Halle in der Adrian Spengblass und Filius Flitwick inmitten im Raum stehend heftig über die Dekoration zum Schulanfangsfest diskutierten, anstatt ihr Frühstück einzunehmen. „Verständlich, vielleicht.“ Murmelte sie etwas bekiert. „Minerva, ich denke, dass trotz all der angeblich harmlosen Vorfälle – so wie der Tagesprophet es schildert – die Menschen nicht auf den Kopf gefallen sind. Sie lassen sich von der Propaganda des Propheten und des Ministeriums nicht verleiten und in die Irre führen. Das ist doch etwas Gutes, nicht wahr?“ Sie blickte ihn schnaufend an. „Vielleicht haben sie einfach nur Angst.“ Klang sie entrüstet. Er nickte. „Das mit Sicherheit auch. Welche Eltern würden sich hier und jetzt nicht um ihre Kinder sorgen?“ fragte er verloren durch den Saal blickend, als sähe er bereits jetzt all die leeren Plätze an den Haustischen, die heute Abend überwiegen würden und begab sich zu seinem Platz in der Mitte des Podesttisches.
Am Frühstückstisch, an dem nun die gesamte Belegschaft saß – sogar Professor Trelawney hatte sich hierher verirrt – verkündete Albus Dumbledore kurzfristig eine heutige Lehrerkonferenz. „Meine werten Kollegen, aufgrund einer unverhofft hohen Zurückhaltung und sorgenvollen Bedenken vieler Eltern, werden in diesem Schuljahr weniger Schüler zurück kehren oder gar für ihr erstes Mal nicht hierher kommen, um ihre Ausbildung zu meistern. Daher bitte ich euch alle nachher in das Konferenzzimmer, um diese Angelegenheit zu besprechen.“ Viele nickten und murmelten, nur die Wahrsagelehrerin beugte sich weit nach vorn und schaute mit riesigen Eulenaugen hinter ihren übergroßen dicken Brillengläsern zum Schulleiter. Dabei verfing sich ihr wirres, nestartiges Haar in ihrem Kürbissaft. „Falls du es vergessen haben solltest, er liegt gleich neben dem Lehrerzimmer, Sybil.“ Sagte Minerva barsch, als sie sich Rührei auf den Teller aufschaufelte. Trelawney murmelte leise etwas mit ihrer rauchigen Stimme und stopfte sich etwas vom Speck in den Mund.
An dem einzigen Tisch, der unterhalb des Podestes stand, wo Harry und alle anderen saßen und speisten, war die Ansprache nicht ungehört vorüber gegangen. „Wie viele werden es wohl sein?“ fragte Ron. „Die fehlen oder zurückkommen?“ fragte Neville. „Ich denke, das wird egal sein, wenn der Direktor dazu extra eine Konferenz anberaumt.“ Sagte Hermione gelassen und las nebenbei den Tagespropheten, der alles schilderte, nur nicht die Wahrheit. Alle stocherten, mit den Gedanken daran, dass es hier in Zukunft leerer sein würde, im Essen herum. „Also Malfoy und die Slytherins können komplett weg bleiben.“ Brach Ron die Stille, als er sich eine zweite Portion Würstchen auflud. „Ja, stimmt. Die sind bestimmt alle bei Voldemort und werden Todesser.“ Sagte Harry bitter.
Luna und Hermione schauten komisch, andere zuckten. Harry war es egal, dass er Riddle mit Voldemort ansprach. „Also ich denke nicht, dass jeder von denen ein Todesser werden möchte.“ Verteidigte Hermione jenes Haus, das den größten Rivalen Gryffindors seit eh und je darstellte. „Toll, jetzt nimmst du die auch noch in Schutz.“ Entrüstete sich Ron laut. „Tue ich nicht! Ich denke nur nicht, weil es Leute wie Malfoy gibt, dass alle anderen auch so sind wie er. Oder denken alle anderen, wir sind wie Harry, nur weil wir auch Gryffindors sind?“ Ron sagte nichts mehr. Harry seufzte leise. Er dachte an die DA und Neville warf ihm einen nickenden und verständnisvollen Blick zu. „Ich wünsche mir, dass wenigstens all diejenigen zurückkommen, die in der DA waren.“ Sagte er dann und Luna lächelte ihn an. „Ja, und alle die noch Mitglied werden wollen. Dann sind wir alle Freunde.“ Fügte sie verträumt an. Ein kurzes Lächeln kam über Harrys Lippen. „Ja, das wäre gut.“ Er bewunderte sie immer wieder für ihren ungebrochenen Optimismus.
Plötzlich gingen die Flügeltüren zur großen Halle auf und drei Auroren kamen herein. In der Mitte hatten sie einen großgewachsenen und schlaksigen Jungen. „Dean Thomas.“ Sagte Neville verdattert. Alle schauten auf. „Da sind Tonks, Shaklebolt und Dawlish.“ Meinte Ginny aufgeregt. Alle Köpfe klebten an den vier Personen. Albus blickte über seine – in ein goldenes Gestell gefasste – Halbmondbrille mit leicht wackelnden buschigen Augenbrauen, stand auf und ging ihnen entgegen. „Hallo, Albus.“ Meinte Shaklebolt mit tiefer Stimme. „Das Ministerium hatte entschieden, dass dieser junge Mann, unter dem Schutz der Aurorenabteilung hierher beordert wird.“ Erklärte der große Auror und zwinkerte dem Schulleiter kurz zu. „Scrimgeours Anweisung war es – in letzter Minute.“ Albus seufzte innerlich. ‚Der alte Auror kämpft um jeden Preis und dennoch ist er so uneinsichtig.’ dachte er an den jetzigen Zaubereiminister.
Dean schaute mit großen Augen zum Schulleiter. „Hallo, Dean. Willkommen zurück. Wie geht es dir?“ fragte der Direktor sanft und lächelte ihn an. „Danke, ganz gut, Sir.“ Aber das Gesicht des jungen Mannes verlor wieder an Glanz und verblasste zunehmend. „Gut, dann setz‘ dich doch zu deinen Freunden. Du hast bestimmt großen Hunger nach dieser Reise.“ Dean nickte und ging zum Tisch, wo Ron sogleich aufstand. „Hey man, wie kommst du denn hier an. Wow.“ Und riss ihn neben sich herunter, so dass er sich setzen musste.
Dawlish hob die Hand zum Abschied, auch Tonks – sie zwinkerte den Schülern kurz zu – und sie gingen hinaus. „Warum das, Kingsley?“ fragte Albus. „Nun, seine Großeltern wollten das Land verlassen. Er aber nicht. Seitdem die Familie Thomas tot ist, war er ein paar Mal von seiner Verwandtschaft weggelaufen und wollte sich selbst nach Hogwarts aufmachen.“ „Ah…“ flüsterte Albus. „Ein Freund von mir hat ihn in der Winkelgasse gesehen und so lange festgehalten bis ich da war. Dann haben wir ihn bei Tom im Tropfenden Kessel untergebracht, gleich neben ihn einen Auror zur Sicherheit.“ Erklärte der große Zauberer des Ministeriums und auch Mitglied des Phönixordens weiter.
Albus dachte nach, man sah es seinem Gesicht an. „Wisst ihr warum man den Angriff auf seine Familie plante?“ Shaklebolt schüttelte mit dem Kopf. „Gut, der Junge ist jetzt hier und seine Großeltern?“ fragte der Schulleiter. „Sie sind zu einer entfernten Verwandten nach Südafrika geflogen. Noch etwas. Im Ministerium werden immer mehr Angestellte beeinflusst. Mir scheint, dass noch nicht einmal der Imperius dazu benötigt wird. Es läuft wohl auf Erpressung und Einschüchterung hinaus. Adriana hatte Recht. Da geht was nicht mit rechten Dingen zu. Die Suche nach dem Werwolf, der diese kleine Gibbons getötet hat, wurde eingestellt. Es wird als Unfall bezeichnet und die Presse verkauft derartige Stories sogar auf der Straße – Tag für Tag. Sie kommen noch nicht einmal direkt vom Zaubereiminister.“ Nickend seufzte Dumbledore ein „Danke.“ und klopfte dem Mann auf die Schulter und dieser ging. ‚Kein Wunder, ein paar Wochen gehen ins Land und die Leute vergessen es. Wie lange noch, wie lange…?‘ dachte der Schulleiter, als er Shaklebolt hinterher sah. Albus hatte eine böse Vorahnung, aber schwieg. Er wollte sich nach einem richtigen Frühstück darum kümmern.
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Severus und T’Gai hatten es tatsächlich geschafft die erste Stunde in Meditation zu überleben und ohne sich Flüche an den Hals zu hetzen oder sich in alter Muggelmanier zu prügeln. Sie saßen jetzt mit allen Professoren und den Tutoren im Konferenzraum. Minerva schilderte kurz die Situation, las sogar einige Briefe vor, die die Argumente der Eltern nannten, warum sie ihre Kinder nicht mehr nach Hogwarts schicken wollten. „Viele Eltern haben gar das Land verlassen und haben ihre Kinder auf anderen Schulen eingeschrieben.“ Sagte Pomona. „Ich traf Aletha Claiborne.“ begann Rolanda Hooch zu erzählen und seufzte.“Sie sagte zwar nicht den wahren Grund, aber ich konnte es mir denken, warum sie ihre Tochter nicht mehr hierher schicken wollte. Sie war voller Sorge um ihre kleine Tochter und flüsterte nur. Sie alle haben Angst was noch kommen mag.“ „Ich hatte Mr Pindrock vergangene Woche in einem Laden in der Winkelgasse getroffen. Seine Frau ist mit den beiden Jungen bereits seit Anfang Juli in Finnland bei ihrer Cousine. Sie werden ihre Kinder nach Durmstrang schicken.“ Nickte Pomona daraufhin verständnisvoll ihrer Kollegin zu. Filius quiekte. „Ja, ja. Selbst Durmstrang ist jetzt beliebter als Hogwarts. Das verheißt nichts Gutes.“ Und hatte – auf seinem Stapel Bücher hin und her wackelnd, die auf dem Stuhl gestapelt waren, um mit seinen Kollegen auf einer Augenhöhe zu sein – mahnend einen Zeigefinger gehoben.
Die Stimmung war auf einem Tiefpunkt angelangt. Jeder war in sich gekehrt und es stand ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben: Dieses Schuljahr würde eines voller Angst und Sorge werden. Eines, wo die Lehrer die wenig übrig gebliebenen Schüler mehr denn je beschützen und trösten müssten, wenn Voldemort noch mehr Angst und Schrecken durch Grausamkeiten verbreiten würde. Nach und nach starrte man auf den Schulleiter Albus Dumbledore, der genüsslich einen seiner sauren Drops zerkaute. Sein silberner Schnauzbart wackelte etwas auf und ab. „Wir werden jeden willkommen heißen, der uns treu bleibt und ihm den Schutz bieten, für die diese Schule seit ihrer Gründung steht. Niemand wird ausgeschlossen. Wir sollten, wenn auch in kleinerer Zahl der Schüler, zusammen halten. Jetzt mehr denn je, vergesst das bitte nicht.“ Sagte er ruhigen Blickes und mit fester Stimme. Die Lehrer seufzten und nickten. Einige versuchten zu lächeln und zuversichtlich zu schauen. Doch ein bitterer Beigeschmack blieb und wollte sich nicht verflüchtigen. Er hing wie ein dicker undurchsichtiger Dunst im Raum und belegte die Zungen aller.
Horace atmete schwer. „Kann der Betrieb denn eigentlich noch genauso von statten gehen, wie sonst üblich?“ fragte er. „Wir werden es versuchen, alles so normal wie möglich zu gestalten. Um einerseits, den Schülern das Gefühl zu geben, dass sie hier sicher sind, und sie andererseits ein klein wenig von dem abzulenken, was sie in ihren Köpfen zermartert. Aber wir werden nicht die Augen vor der Wahrheit verschließen. Wir werden sie genauso daran erinnern müssen, dass es noch schlimmer kommen kann und dieses Schuljahr ein schweres sein wird. Nicht schwer in Form schulischer Leistungen, aber schwer im Lernen für das Leben. Hoffen wir, dass es für UNS alle gut ausgehen wird.“ festigte Albus seine Aussage mit klarer ruhiger Stimme. Etwas mehr Mut fassend atmeten die Lehrer und Tutoren ächzend aus.
Randy Goodloe, die Augen unter seinem braunen Haarschopf groß und rund, dachte kurz nach und ergriff dann das Wort. „Albus, ich denke wir sollten Quidditch nicht ganz aufgeben. Es mögen vielleicht keine guten Teams zusammen kommen. Aber es gänzlich zu streichen? So lenkt es wenigstens ein wenig ab, lässt die Schüler mal für Momente abschalten.“ Rolandas gelbe Falkenaugen leuchteten scharf auf. „Ja, ich denke auch, dass es für die Schüler eine Abwechslung bietet. Und wenn wir nur offene Teams bilden – Häuser übergreifend.“ Fügte sie energisch an. „Häuser übergreifend…“ murmelte Snape und rollte mit den Augen. Minerva sprang darauf sofort an. „Ja, Severus!“ sagte sie entschieden. „Gerade jetzt wäre es von großer Bedeutung und wir ALLE sollten da mit gutem Beispiel voran gehen, findest du nicht auch?“ Seine dunklen Augen bohrten sich in ihre hellen und sie hob beide Augenbrauen. Seine waren zu einem Balken zusammengezogen. „Ich finde das gut!“ sagte Adriana sanft und Minerva huschte ein kleines Lächeln à la Siehst-Du-Sie-Ist-Auch-Dafür-Und-Du-Stehst-Alleine-Da zu Severus. Er brummte innerlich und unter dem Tisch krallte er seine geballten Fäuste in seine Roben hinein.
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Am Nachmittag half Scotty bei Aberforth aus. Er hatte drei Kisten wunderbarsten Kalifornischen Elfenweins ergattert. Aberforth beäugte eine Flasche. „In hohen Kreisen wird der Kalifornische immer beliebter.“ murmelte er. „Den hier kannst du für 8 Galleonen verkaufen.“ sagte der Chefingenieur verschmitzt. „Ja, aber in meiner Stube trinkt jeder eher viel, als das es gut sein sollte.“ „Nun, dann heb’ ihn auf. Wer weiß, wer mal was haben möchte oder braucht.“ zwinkerte Scotty verschmitzt schauend. Aberforth nickte. „Ja, das werde ich.“ Er blickte seinem neuen Freund hinterher, wie er noch 5 Kisten mit Metbier in die Vorratskammer karrte. Auf dem Tisch stand eine alte Milchkanne, aus der es dampfte. Scotty hatte sogar noch etwas von Jim Kirk’s leckeren Essen mitgebracht, das beide nachher sich genehmigen konnten.
Nach dem Verladen der Ware saßen sie da und aßen das späte Mittag. „Es wird für dich gefährlicher, Scotty. Du solltest vorsichtiger sein.“ brummte Aberforth. „Da bin ich, Ab.“ meinte er. „Nun, allein wie ein Zauberer herumzulaufen, reicht bald nicht mehr.“ Er blickte ihn bedeutend an. „Du weißt es auch, oder?“ fragte Scotty. „Ja, mein Bruder hat es mir gesteckt. Sie machen regelrecht Jagd auf Muggelgeborene und Squibs.“ „Ich schaffe das schon.“ „Das sagen viele und dann liegen sie schneller unter der Erde, als ihnen lieb ist.“ waren die Worte des alten Zauberers bitter und kalt. Langsam schob Montgomery Scott sein Essen etwas zur Seite und stierte auf Aberforth. „Was ist los?“ fragte er prompt.
Aberforth stand harsch auf. „Weißt du noch, wo anfangs dein Freund T’Gai mit auslieferte?“ „Ja, weiß ich. Was ist mit ihm?“ Doch der Wirt antwortete nicht. Er führte stattdessen stur sein Fragespiel fort, wendete sich aber von ihm ab. „Weißt du noch diese Adriana, die mal mit ausgeliefert hat?“ „Ja, weiß ich. Beide verstehen sich gut.“ plauderte Scotty belanglos herunter. „Gut.“ lachte Dumbledore falsch und hässlich. Scotty runzelte die Stirn. „Ab, was ist denn nur los?“ Mit einem flinken Schwung drehte er sich zu ihm um und blickte Scotty scharf an. „Ich wollte an das Grab meiner Familie Blumen bringen. Meine Mutter hatte Geburtstag. Da sah ich die beiden, wie sie…“ Er brach ab, als wäre ihm plötzlich speiübel geworden.
Jetzt stand Scotty auf. „Ist etwas Schlimmes passiert?“ fragte er, immer noch versuchend, herauszufinden, warum Aberforth Dumbledore plötzlich, wie von der Tarantel gestochen, so verwirrt und außer sich war. „Dein Freund trägt dieses Zeichen. Sie suchen danach. Sie sprachen von einem Tarnumhang. Was wollt ihr wirklich? Macht? Gier nach Unsterblichkeit? Ihr Lügner!“ Scotty verstand die Welt nicht mehr. Seine Mimik im Gesicht hatte sich zu einem großen Fragezeichen verformt. „Was immer die beiden da auch wollten, ich weiß gar nicht von was du da sprichst, Ab.“ Klang Scotty jetzt total verwirrt.
Ein lautes Poltern schlug auf dem Tisch ein und die Gläser samt Teller und Besteck klirrten. „Leugne es nicht!“ schrie Aberforth. „Rate, warum ich meine Schwester verloren habe. Es war Albus Werk oder meines oder das von diesem Grindelwald. Alles nur, weil sie nach Macht strebten, sich für etwas Besseres hielten und ich einfach nur darum bemüht war, das bisschen Familie was uns noch blieb, zusammenzuhalten. Doch Albus scherte das alles nicht. Er war feige, flüchtete sich in Bücher, intellektuelle Herrschaftsszenarien wie man Muggel kontrolliert und Magier als das Grand der Schöpfung preisen sollte. Er stellte sich seiner Verantwortung als Familienoberhaupt nicht wirklich. Er war sich zu schade dafür, hatte größere Pläne und dieser arrogante und überhebliche Grindelwald machte dann alles kaputt, als er nach Godrics Hollow kam. Albus klammerte förmlich an diesem schönen Bastard. Sie waren wie zweieiige Zwillinge – nicht mehr auseinander zu denken… und Ariana? Und unsere Mutter? Im Grabe hätte sie sich umgedreht, wenn sie wüsste, was ihr Ältester für eine Schmach über uns bringen wollte. Wie er seine Schwester, die so zerbrechlich und verwirrt war, links liegen ließ. Ich habe mich um sie gekümmert, habe sie verstanden, habe versucht sie ein wenig glücklich zu machen. Und er? Er hatte keinen Sinn dafür. Sie war ihm lästig und er schämte sich für sie und mich.“ Er sank plötzlich weinerlich auf einen freien Stuhl und senkte den Kopf. Seine Wut war verflogen, er hatte sie aus sich herausgeschrien und war nun am abebbenden Ende seines Zorns angelangt, der wehmütig in Scottys Kopf widerhallte, als er seinen Freund so zu erschlagen dasitzen sah. Seinen Zauberstab in beiden Händen haltend, die Ellbogen auf die Knie gestützt, trübte Aberforth Dumbledore auf den Fußboden starrend vor sich hin.
Scotty schluckte, trat näher und schnappte zwei Gläser, dazu Feuerwhiskey uns setzte sich neben Aberforth auf einen Stuhl. Er goss ihm und sich ein. „Hier, trink das.“ stieß er ihn an den Oberarm. Mürrisch etwas Unverständliches murmelnd, nahm der grauhaarige Zauberer nur zögerlich an. „Tschuldige, Scotty.“ brummte er und blickte immer noch auf den speckigen Fußboden. „Schon gut. Ich glaube jeder hat so seine Dämonen.“ Beide gossen den Alkohol in einem Zug die Kehlen hinab. „Sie hat dir wirklich sehr viel bedeutet.“ suchte Montgomery Scott das Gespräch. „Ja, ich habe mich immer um sie gekümmert und als ich am Grabe war, diesen Spock und Adriana… Sie erinnert mich ein wenig an meine Schwester.“ seufzte er leise und kaum hörbar. „Sie war unser Nesthäkchen.“ grinste er etwas gebrochen und schien gerade wunderbare Erinnerungen an sie zu durchleben.
Dann stand er auf. „Wir sollten schauen, ob noch genug Butterbier da ist.“ und wollte das Weite suchen. „Ab?“ rief Scotty ihm hinterher. Nur langsam drehte er sich um. „Ich vertraue T’Gai. Ich kenne ihn seit vielen Jahren. Er ist vielleicht etwas verschlossen, manchmal komisch wirkend, aber er hat einen großen Sinn für Gerechtigkeit. Urteile nicht falsch. Seine angebliche Arroganz ist nur ein Trugschluss.“ Mit einem Abwinken verschwand Aberforth in der Vorratskammer. Irgendwie lief es nicht so, wie gedacht.
Am späten Abend, so kurz vor Mitternacht, nachdem alle Gäste aus dem Eberkopf gegangen waren – die letzten schlurften trottend und torkelnd zur Tür hinaus – hatte sich Scotty noch einmal an Aberforth Dumbledore gewendet. „Wir haben immer einen kleinen Mitternachtsimbiss bei uns. Das ist wie ein Familienessen. Willst’e mit? – Bist eingeladen.“ „Nein, ich…“ tat Aberforth verlegen und wischte den Tresen besonders konzentriert. „Komm schon. Was ist schon dabei.“ klang Scotty warm und seine braunen Augen suchten Aberforths ab. „In Ordnung, aber nicht lange.“ meinte der Zauberer und sie gingen los.
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Adriana machte einen Spaziergang am See. Es würde nur noch eine halbe Stunde bis zum Eintreffen der Schüler sein. Am anderen Ufer lagen bereits die Boote an, die die Neuen bald hierher bringen würden, sobald der Hogwarts-Express dampfend und tutend im Hogsmeader Bahnhof einlaufen würde. Die Sonne räkelte die letzten Strahlen über die fernen Bergkämme und sie seufzte laut. Was war nur los. Spocks Andeutungen gingen ihr durch den Kopf. Er berührte sie und sie ihn. War das gut? Ein Kollege? Sie hatte Angst vor Abhängigkeit. ‚Führen die Meditationen zu dieser Nähe?’ Sie wusste es nicht. Dann dachte sie an Snape. Von dem man selbst in Tschechien gehört hatte, was für ein guter Tränkemeister er sei und dann die Enttäuschung, die sie hier erlebt hatte. ‚Ein Meister seiner Zunft, ein Arschloch als Mensch.’ sagte ihre innere Stimme sarkastisch. Doch warum war sie dann so enttäuscht von ihm? Warum musste sie ihm gegenüber immer so arrogant und überlegen wirken? Was wollte sie ihm damit nur beweisen? Oder sich? Wieder hatte sie keine Antwort.
Langsam, mit den knirschenden Steinen unter ihren Schuhsohlen, stapfte sie irgendwie verloren wirkend zurück. Ein lautes Pfeifen ertönte und sie drehte ihren Kopf in die Höhe. Wie lange, wie viele Jahre hatte sie diesen Schrei – den eines Rotmilans – schon nicht mehr gehört. Eine einzelne rote Feder flatterte ihr entgegen. Kindlich begeistert streckte sie ihre Hand in die Höhe und fing sie auf. Sie drehte sie langsam in ihrer Hand haltend hin und her. Ein Seufzer verließ ihren Mund und als sie kurz die Augen schloss, blitzte es vor ihren Augenlidern hell auf. Erschrocken öffnete sie hastig wieder ihre Augen und sah den Vogel auf einem Hinkelstein inmitten am Hang sitzen. Er musterte sie und ihr Atem stand für Momente still – ihr Herz lautstark bis zum Halse pochend.
Beide blickten sich scheu und dennoch neugierigen Blickes an. Sie ging mechanisch auf ihn zu. „Hallo.“ flüsterte sie brüchig. Der Milan, dessen jadefarbene Augen sie anblitzten, schien ihr mit seinem Blick bis in die Seele zu schauen. Doch es war ihr nicht unangenehm. Wie in Trance versetzt, steckte sie die rote Feder, kurz noch einmal dankend dem Vogel entgegen, dann in ihre Brusttasche der Robe. Er legte den Kopf schief und gab einen Pfeiflaut von sich. Lächelnd streckte sie die Hand wieder aus und er stiefelte seine Flügel als Balancierstange nutzend darauf herum bis er ihre Schulter erreicht hatte. Er knabberte in ihrem Haar. „Das kitzelt.“ sagte sie kichernd. Er krabbelte weiter darin herum. Freudig, selten so ein Gefühl in sich tragend, ging sie mit ihm zum Schloss und unterhielt sich mit ihm laut. Es war so, als kenne sie den Vogel seitdem sie des bewussten Denkens fähig war und dieser Rotmilan schien sich in ihrer Nähe genauso wohl zu fühlen wie sie in seiner. Sein rot markant gegabelte Federnschwanz leuchtete regelrecht in den dunklen Kerkergängen, als sie beide auf dem Weg zu ihrer Wohnung waren. Sie wusste, dass dieser Vogel nicht mehr von ihrer Seite weichen würde. Dessen war sie sich gewiss und es machte sie glücklich.
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Mit Allem hatten Albus Dumbledore und die restliche Belegschaft gerechnet, aber nicht mit so wenigen Schülern. 24 Neue waren hier – von 56, die hätten eingeschult werden sollen. Und wenn man trotz des festlichen Schmuckes und Prunkes in der Großen Halle in die Gesichter der wieder gekehrten Schüler sah, stellte man fest, dass die tausenden schwebenden Kerzen über ihnen zwar hell schienen, aber das freudige Wiedersehens-Leuchten in den Augen der meisten Schüler fehlte. Die Slytherins fehlten am zahlreichsten. Aus dem siebten Jahrgang waren nur noch Theodore Nott, Blaise Zabini und Pansy Parkinson da. Malfoy, Crabbe und Goyle, sowie die anderen namenlosen – keiner wollte sie wirklich kenne oder hatte sich je dafür interessiert – fehlten. Die drei hockten zusammen, wie kleine Küken, die sich schützend im Nest zusammen kauerten und darauf hofften, dass der große schwarze Rabe sie alle beschützen möge, wenn er kam. Die Flügeltüren öffneten sich mit einem harschen Windzug und da rauschte er auch schon mit festen Schritten spinnenartig stakselnd und halb gleitend wie eine Schlange den Mittelgang entlang und setzte sich. Erleichtert atmeten die Slytherins auf und ihre Blicke klebten förmlich an ihrem Hauslehrer Severus Snape, dessen kühler undurchdringbarer Blick durch den Raum glitt – wie eh und je.
Dann gingen die Flügeltüren erneut auf und Minerva McGonagall führte die winzige Gruppe von Erstklässlern herein, die mit Neugierde und Verhaltenheit verstohlen die Halle mit ihren Augen abmusterten. Die Prozedur begann und der Hut verfasste ein kurzes, aber prägnantes Lied:
Vier waren einst gekommen,
sehr schlau und besonnen,
listig und geschickt
mutig und mit Trick
hilfreich und vertraut
haben jenes Schloss gebaut.
In dem die Kinder lernen
gemeinsam sie aus fernen
Orten und Gemeinden
sich nicht mehr anfeinden.
Gemeinsam sie alle strebten
nach einem freien Leben
nach dem Glück und Freude
zu finden neue Freunde.
Seit Anbeginn
ist Slytherin!
Und immer da
war Ravenclaw!
Und Gryffindor
stürmt mutig vor!
Auch Hufflepuff
ist gut und taff!
Gemeinsam ihr hier seid.
Gemeinsam! Nicht entzweit.
Gemeinsam Seit an Seit,
Die Zukunft ihr aller seid!
Ich teile euch nun ein
in einem Haus zu sein
welches es dann ist
sich an euch alleine misst!
Der Hut wurde stumm und einige murmelten los. Harry blickte auf den Tisch. Hermione seufzte. „Zusammenhalt…“ murmelte Ron. „Ja, mehr denn je.“ gab Hermione an. Harry blickte auf und sah Luna. Sie winkte ihm zu. Sie flüsterte etwas und plötzlich standen einige Ravenclaws auf und sorgten für Tumult. Die meisten waren auch in der DA. Sie setzten sich mit an den Gryffindortisch. Minerva McGonagall, mit dem Pergament in der Hand, stand vor dem Podesttisch und blickte auf dieses seltsame Schauspiel. Sie wollte zuerst jene Störung rügen, doch innerlich wurde ihr Herz weich. Sie nickte stattdessen nur mit einem scharfen Blick den Schülern zu, sich schnell einen Platz zu suchen. Auch einige Hufflepuffs huschten zu dem Tisch. Nur die Slytherins, sie blieben da wo sie waren und schauten verächtlich im Saal umher, nur um sich nicht anmerken zu lassen, dass sie sich doch sehr verloren vorkamen.
Pomona lächelte, dass einige ihrer Schüler so mutig waren, auch Filius freute es, dass seine Ravenclaws genauso dem Rat des Hutes gefolgt waren. Der Gryffindortisch war nun vollbesetzt und strotzte vor glücklichen Gesichtern. Nur Severus Snape saß mit einem kalten Gesichtsausdruck fast regungslos neben Albus Dumbledore und starrte missmutig auf das Hin- und Hergewandere. Als einige seiner Schüler seinen Blick suchten, er diesen kalt erwiderte, blickten sie wieder auf ihre noch leeren goldenen Teller. ‚Es ist eine Schande.’ dachte sich Adriana und auch Spock gefiel das nicht. Pille seufzte bitter, Albus wahrte die Fassung wie immer mit einer selig ruhigen und jovialen Lässigkeit. Die Sortierung begann mit dem Aufrufen des ersten Namens, der jeder nur halb und in sich gekehrt wahrnahm.
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Adriana und T’Gai machten am Abend noch einen gemütlichen Spaziergang über die Ländereien Hogwarts. „Deine Lebensart, der du folgst, die Lehren Suraks…“ T’Gai schaute sie interessiert an und nickte. „Sie erinnern mich an den Buddhismus. Es ist beinahe so, als versuchtet ihr das Nirvana zu erreichen, indem auch ihr alle Begierden von euch abstreift. Aber du widersprichst jetzt dem, oder nicht?“ Er holte tief und laut Luft. „Ich weiß, was du meinst und ich frage mich, ob dies verwerflich ist – das gebe ich zu.“ Er blickte in die weite Ferne, als läge dort die Lösung seiner Fragen, die sich alle um Adriana drehten, seit er sie Tag für Tag näher und besser kennen lernt.
„Es geht in unserer Lebensweise um die absolute Wahrnehmung aller Logik in ihrer reinsten Form und dem Streben die Emotionen vollkommen auszuschalten.“ erklärte er kühl. Sie ergriff seine Hand und musterte ihn. „Aber du sagtest, sie sei nur der Anfang der Weisheit. Worin ist hier jetzt die Logik?“ Er hob eine Augenbraue, riss sich von dem Bergpanorama der schottischen Highlands los und schaute sie warm an. „Wir sind auch Individuen, die durch ihre Autonomie in Eigenverantwortung ihr Bewusstsein trainieren.“ erklärte er weiter. „Also doch eine Art Buddhismus.“ „Ja, so in der Art.“ „Aber wenn ihr Individuen seid, gleichzeitig der Logik folgt… Wo seid ihr da noch Menschen, T’Gai?“ Er schwieg. „Ich meine, alles das, was ihr anstrebt, sagt doch nichts anderes aus, als ein perfekt zu funktionierender Roboter zu sein. Perfekt in Programmierung, das Verfügen über ein enormes Wissen, dass man genauso gut in jeder Bibliothek je nach Bedarf sich aneignen könnte. Was ist daran so erstrebenswert? Wo bleiben da die Gefühle? … Wo ist da der Sinn für das Schöne und Einzigartige in uns?“ flüsterte sie ihm entgegen. Ihre Augen sprachen glitzernd eine andere Sprache, als würde sie ihm eine Fangfrage stellen.
Er schritt nach vorn, hin zum See und stierte wieder in die Ferne. Etwas verloren stand Adriana in der Dunkelheit da. Hinter ihnen im Schloss gingen die Lichter in den Türmen an, wo die Gryffindors und Ravenclaws untergebracht waren. Das Fest war vorüber und die Schüler suchten ihre Schlafsäle auf. Ruckartig drehte er sich herum. „Ich habe vor einem Jahr in einem Kloster eine Prüfung ablegen wollen. Ich wollte mich aller Emotionen entsagen und dennoch konnte ich es nicht. Alle die Jahre habe ich nach dieser Perfektion gestrebt und erkannte, dass es nicht das ist, was ich wollte, wünschte. Es ergab keinen Sinn. Es war … unlogisch!“ Er runzelte über die offen ausgesprochenen Worte selbst die Stirn. Er stellte fest, dass darüber zu meditieren das eine war, es über die Lippen zu bringen, einem Menschen zu sagen, sich jedoch ganz anders anfühlte.
Langsam ging sie auf ihn zu, ließ den Blick kein einziges Mal von ihm, was T’Gai dazu veranlasste etwas schüchtern ihrem Blick ausweichen zu wollen. Doch widerstand er. Sie lächelte als sie bei ihm war und eine Hand an seine Wange führte. „Dein Herz – du hast dein Herz geöffnet und hineingesehen. Du hast erkannt, dass all das Wissen des Universums ein Nichts ist im Vergleich zu dem, was Alles sein kann – nämlich Liebe. Und dennoch bist du dir bewusst, dass es eigentlich Alles und Nichts zugleich ist.“ Er schluckte, bekam weiche Knie. „Öffne dein Herz und der Weg wird sich dir zeigen.“ flüsterte sie wissend. Sein Blick war nun mehr als rätselhaft. Erschrocken über ihre eigenen Worte, nahm sie die Hand von seinem Gesicht, als hätte sie sich daran verbrannt, drehte sich um und begab sich eilend mit flatternden Roben zum Schloss zurück.
Jetzt stand er allein da, blickte ihr verwirrt hinterher und sinnierte. Spock versuchte den tiefsinnigen Hintergrund zu erfassen, jene sanfte Weisheit, die mit ihren Worten mitschwang, aber er wusste nicht, wie er es zu deuten hatte, wenngleich ihm der Sinn an sich bekannt war. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es an der Zeit war zu gehen. Er machte sich auf den Weg zurück nach Hogsmeade in die Cederngasse.
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Spock saß noch nach Mitternacht und nach dem Essen, wo auch Aberforth da war, in der Bibliothek und arbeitete an der Datenbank, die alle wichtigen Ereignisse speicherte, die die gesamte Crew sammelte, um Möglichkeiten zu finden, wie man einen Dilithiumkristall mittels Magie herstellen konnte. Gleichzeitig präparierte er die Sonde für die Spionagetätigkeit gegen Voldemort mit magischen Schutzzaubern, die die Technik schützen sollte, ohne dass diese versagte. Scotty spielte mit Jim 3 Dimensionales Schach. Nachdem Pille für Poppy einige weitere Tränke und Salben für den Krankenflügel fertig hergestellt hatte, saß er jetzt abgekämpft und müde im Wohnzimmer und las einen Roman eines magischen Schriftstellers namens Terry Fickles-Fatch, indem es um die Abenteuer eines Zauberers ging, der mit seinem Drachen die erste Erdumrundung schaffte.
Aberforth sah den offenen Spalt der Tür, der die Bibliothek offenbarte. Er trat vorsichtig näher und trat schließlich ein. „Was machst du da?“ fragte er. Spock sah auf. „Ich sortiere Daten.“ gab er ruhig an. Langsam kam er näher und blickte sich um. Überall waren neben einem Labortisch, der zum Brauen diente, fiepende Gegenstände aufgestellt. Es war fast wie bei seinem Bruder im Büro, nur das es so modern und unbekannt schien. „Mir ist aufgefallen, dass du dein Medaillon nicht mehr trägst.“ sagte er etwas ungehalten. „Ja, ich denke, man könnte zu falschen Schlüssen kommen.“ „Welche denn?“ und der große dünne alte Zauberer sah ihn forschend an.
Spock bot ihm einen Platz an. Nachdem Aberforth sich gesetzt hatte, lehnte sich T’Gai zurück. „Ich weiß von den Heiligtümern des Todes. Ich weiß, dass Gellert Grindelwald dieses Zeichen für sein Bestreben nach Macht und Herrschaft aussuchte. Ich weiß, dass dein Bruder dies einst auch anstrebte, aber davon ließ, als er eure Schwester zu Grabe trug.“ Ein lautes Ein- und Ausatmen war zu vernehmen. Die Brillengläser zurechtrückend, räusperte sich Aberforth. „Wie kommst du an dieses Zeichen?“ „Es ist nicht ganz so, wie du es kennst. Es weicht von der Form ein klein wenig ab.“ „Ach wirklich?“ spöttelte Dumbledore schroff. „Das Zeichen, welches ich trage, ist ursprünglicher.“ Ganz genau musterte Spock sein Gegenüber, der jetzt etwas mehr als nur irritiert schien. „Soll das etwa…“ „Nein.“ fuhr im der Halbvulkanier dazwischen. „Du denkst, es könnte etwas heißen, was du glaubst, das es ist. Aber in Wirklichkeit kennst du den Ursprung nicht. Ehrlich gesagt, ich selbst weiß nicht, warum jenes friedvolle Zeichen zu einer so schrecklichen Macht wurde UND ob es überhaupt in einem Zusammenhang steht. Daher forsche ich nach. Ich möchte dem auf den Grund gehen. Ich möchte es korrigieren dürfen, wenn der Ursprung meines Zeichens mit dem der Peverells übereinstimmen sollte.“ erklärte Spock kühl.
Aberforths blaue Augen röntgen Spock. „Du bist gut in Okklumentik. Lass dieses junge Ding aus Spiel.“ brummte Aberforth vor sich hin. „Sie – Adriana – ist ein Teil davon. Sie entstammt vielleicht jenem Ursprung.“ antwortete Spock trocken und mit hochgezogener Augenbraue. „Ein Teil von was?“ „Von der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ihre Familie – insofern ich richtig liege – hat dieses Zeichen einst geprägt. Doch das geschah schon vor über 1.800 Erdenjahren.“ erklärte er und bemerkte, dass der graubärtige Zauberer doch sehr erstaunt war. „Und du bist dir da sicher, T’Gai?“ „Nicht ganz. Wie ich schon sagte, forsche ich noch und bevor ich keine Beweise dafür habe, sehe ich keinen Grund, die Leute mit angeblichen Wahrheiten zu füttern, die haltlos sind.“ Schnaubend erhob sich der Wirt. „Du bist wie mein Bruder. Immer alles für sich horten - all das Wissen, jede Wahrheit. Warum fällt es dir so schwer zu teilen? Ist es der Ruhm, der dich reizt? Die Macht des Wissens, anderen so überlegen zu sein? SO ihnen spotten zu können und über ihnen zu stehen?“ entrüstete er sich lautstark mit tiefer grummelnder Stimme. „Mir liegt es fern derartige Reize als sinnvoll zu sehen.“ Stille herrschte, beide starrten sich an.
Aberforth nickte und ging zur Tür. Noch einmal drehte er sich um. „Lass diese junge Frau aus dem Spiel!“ widerholte er entschlossen. „Warum hast du ein Interesse an ihr, Aberforth?“ „Sie hat ein langes und erfülltes Leben verdient – das ist alles.“ „Haben wir das nicht alle?“ fragte Spock leise. Aberforth versuchte verständnisvoll zu lächeln, aber es erstarb noch auf seinen Lippen und glich eher einer leidverzerrten Maske. „Adriana heißt sie, nicht wahr?“ fragte Aberforth. Spock nickte. „Ihr Geburtsname ist jedoch ein anderer. Sie legte ihn mit 16 Jahren ab. Vielleicht erklärt es, warum das Bild ihrer Schwester und sie sich so gut verstehen.“ echote Spocks Stimme sanft durch den Raum und gesellte sich harmonisch zu den Geräuschen der Gerätschaften. Der Blick von Aberforth Dumbledore wurde suchend. „Ariana.“ beantwortete er sich die Frage selbst. Ein sanftes Nicken von T’Gai bestätigte es ihm und schluckend murmelte Aberforth sich umdrehend und im Hinausgehen. „Danke für das Essen.“ und ging ohne ein weiteres Wort oder sich noch von den anderen zu verabschieden aus dem Haus.
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Adriana kam im Schloss an, Severus kam ihr in den Gängen entgegen. Er hatte soeben seine Ansprache an die Schüler gehalten und er funkelte sie wild an. „Ich hätte von dir mehr Unterstützung erwartet.“ sagte er gehässig. „Du bist doch der große Meister. Also wozu brauchst du mich schon?“ hämte sie und wollte in ihre Wohnung. Er hielt sie am Arm fest. „Du ziehst es vor wie ein verträumter Teenager lieber diesem Spock hinterher zu rennen. Denke daran, dass wir hier wichtigere Aufgaben zu erfüllen haben.“ zischte er. Sie riss sich mit Gewalt von ihm los und ihre Augen funkelten bösartig.
„Wage es nicht noch einmal Hand an mich zu legen!“ keifte sie. Er schnaubte verächtlich. „Übe deine Meditationen…“ knurrte sie noch und wollte gehen. Er schloss wütend zu ihr auf und als sie ihre Wohnungstür öffnen wollte, versperrte er ihr den Zutritt. „Heute Morgen bist du mir ins Wort gefallen, zum Festessen hast du anerkennend genickt, als Schüler der Ravenclaws und Hufflepuffs zum Gryffindortisch gingen – du bist eine Slytherin! Verhalte dich gefälligst auch wie eine!“ Sie hatte die gesamte Zeit einen Punkt an der Tür fixiert, der knapp über seiner Schulter lag. Doch jetzt schoss ihr Blick zu ihm und verursachte ein kurzes Stechen in seinen Schläfen.
Langsam holte sie tief Luft. „Severus, du hat deine eigenen Vorstellungen von Loyalität, die sich nur darauf begründen, dass du dich an eine alte Schuld klammerst, die du dir selbst bis heute nicht verzeihen kannst. Und nun verlangst du von allen, dass wir das verstehen – deine Opfer. Aber wissen lassen und daran teilhaben lassen möchtest du niemanden, außer du sprühst deinen giftigen Hass und Neid auf uns. Du bist feige – klammerst an der Vergangenheit, hoffst auf etwas, was nie sein wird. Kein Wunder das dein Leben so leer und öde ist. Ich will kein derartiges Leben führen. ICH NICHT!“ hatte sich eine Gewitterwolke aus Kälte um sie zusammen gezogen und er bekam eine Gänsehaut. Sow wie Albus in einem Anflug von Wut Hitze erzeugte, war es bei ihr bittere Kälte, die bis ins Mark ging.
Er starrte sie an, als wäre sie seine Nemesis. Eine harsche Handbewegung, schob ihn katapultartig zur Seite und sie rauschte mit aufspringender Tür in ihre Wohnung. Die Tür schlug gewaltig zu und es rieselte der Putz aus den Deckenfugen herab. Er hielt sich an der Wand fest. ‚Was? Was hat sie da gesagt? Woher…?’ Er schlug mit der Faust auf den Sandstein vor sich, biss die Zähne vor Schmerz zusammen und wehte wie ein pechschwarzer Geier voller Zorn und gehässigen Gedanken an sie in seine Privaträume.
Adriana lehnte mit dem Kopf an der Wohnungstür. Neonas stand im Durchgang von Wohnzimmer zum Flur. „Was ist geschehen?“ fragte er ersichtlich nervös. „Snape.“ Der Blick des Mannes wurde finster. „Was hat er gewollt?“ Keine Antwort. „Hat er dich wieder bedroht?“ „Nein schon gut. Ich habe es teilweise provoziert. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Ich wusste plötzlich Dinge, von denen ich nichts wissen dürfte. Doch woher?“ säuselte sie matt und ging gähnend ins Wohnzimmer, an Neonas vorbei und ihn ignorierend. Er ging hinterher und nahm auf der Couch neben ihr Platz, wo sie sich hingesetzt hatte und ihr Rotmilan gleich auf sie zugeflogen kam. Er saß auf ihrem Schoß und ließ sich streicheln. „Er ist nett.“ lenkte Neonas ab und hoffte, Adriana würde von allein mit dem Erzählen anfangen. Doch sie nickte nur und hatte einen vollkommen leeren Blick. Betrübt schauend und enttäuscht seufzte der junge Mann. „Ich geh’ mal zu Bett.“ und ging ins Schlafzimmer. „Ich nenne dich Tristan. Was hältst du davon?“ fragte sie und der Rotmilan blinzelte mit seinen jadefarbenen Augen und giggelte an ihrer Robe herum. Es schien ihm zu gefallen. Er war das einzige Wesen, das ihr in diesem Moment ins Herz schauen konnte und ihr gut tat.
TBC
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Das Schuljahr hat begonnen und nächstes Kapitel lautet: 'Gedankengift'
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