
von ChantalMoody
Mein viertes Schuljahr in Hogwarts hatte begonnen. Und irgendwie bemerkte ich, dass James und Sirius sich veränderten. Schon früher war mir hier und da unangenehm aufgefallen, dass aufgefallen, dass die beiden sehr dazu neigten, über andere zu lästern. Ihr Lieblingsopfer war nach wie vor Severus, aber auch Peter blieb nicht immer verschont. In der letzten Zeit sah es mir sehr danach aus, als würden diese Lästereien zunehmend boshafter. So ließen sie keine Gelegenheit aus, Severus, wenn er ihnen auf den Fluren oder auf dem Schulgelände begegnete, mit Schimpfwörtern zu betiteln oder ihn zu verhexen. Mitunter endete das Ganze auch in Prügeleien.
Remus, der in diesem Schuljahr Vertrauensschüler von Griffindor war, beteiligte sich nicht an diesen Boshaftigkeiten, und man konnte ihm auch anmerken, dass ihm die Spielchen seiner Freunde überhaupt nicht gefielen, aber er sagte auch nichts weiter dazu. Peter hielt sich ohnehin bedeckt, da er immer froh war, wenn er selber in Ruhe gelassen wurde. Unsere gemeinsamen nächtlichen Ausflüge wurden seltener. Allerdings leistete Remus mir nach wie vor häufig beim Lernen Gesellschaft. Dies wurde hier und da ein Grund für James und Sirius, Sprüche abzulassen in der Art wie „Seht euch mal diese zwei Streber an!“
Außerdem begannen James und Sirius, sich für die Mädchen zu interessieren. Sie begannen jedes Mal, wenn Mädchen vorbeikamen, sich angeberisch zu benehmen. James hatte darüber hinaus eine Angewohnheit angenommen, die mich ausgesprochen nervte. Er führte ständig einen goldenen Schmatz bei sich, mit dem er bei jeder sich bietenden Gelegenheit herumspielte. Auffällig war, dass er dies besonders tat, wenn Lily Evans in der Nähe war. Allerdings schien Lily James´ Gehabe weitgehend zu ignorieren. Sirius dagegen schien kein bestimmtes Mädchen zu bevorzugen, sondern führte sich bei verschiedenen Mädchen in dieser angeberischen Art auf.
Was mir auch auffiel, war, dass ich die vier Jungen häufig dabei beobachtete, wie sie die Köpfe zusammensteckten. Sobald ich hinzu kam, hörten sie auf zu reden oder wechselten das Thema. Ganz offensichtlich hatten sie neuerdings Geheimnisse vor mir. Selbst Remus verriet mir nicht, was sie zu tuscheln hatten.
Im übrigen hatten sie sehr viel damit zu tun, sich auf ihre ZAGs vorzubereiten. James und Sirius gaben sich dabei wie gewohnt unbekümmert. Peter sah zunehmend besorgt aus, denn das Lernen fiel ihm nach wie vor schwer. Remus war fleißig wie immer.
Auch in meiner Klasse wurden in allen Fächern viele Hausaufgaben aufgegeben. Als wir uns am Ende einer Verwandlungsstunde einmal darüber beschwerten, erklärte uns Professor McGonagall, dass dies notwendig wäre, da das vierte Schuljahr bereits den Vorbereitungen für die ZAG-Prüfungen diente. Ähnlich äußerte sich auch Professor Flitwick.
Noch etwas verwunderte mich. An manchen Abenden konnte ich meine Freunde nirgendwo finden. Wenn ich sie dann am nächsten Tag darauf ansprach, bekam ich nur ausweichende Antworten. Erst nach und nach fiel mir auf, dass diese Abende, an denen sie verschwunden waren, immer mit den Vollmondnächten zusammenfielen, von denen ich wusste, dass Remus sie in der Heulenden Hütte verbringen musste. Schließlich, nachdem gerade wieder eine Vollmondnacht vergangen war, sprach ich sie darauf an. Zunächst wollten sie mich wieder mit Ausreden abspeisen. Schließlich meinte Remus jedoch: „Ich glaube, wir können Chantal ruhig einweihen. Sie kann Geheimnisse für sich behalten.“ James, Sirius und Peter wechselten Blicke miteinander. Schließlich meinte James: „Ja, aber nicht hier, wo immer mal jemand vorbeikommen und zuhören kann. Kannst du heute Abend nach dem Abendessen zum Raum der Wünsche kommen?“
Den Raum der Wünsche hatten wir bereits im vergangenen Jahr gefunden, als wir einmal einen Ort gesucht hatten, wo wir ungestört von anderen reden konnten. Es war kein Zufall, dass wir ihn gefunden hatten. Vielmehr hatte uns einer der Hauselfen davon erzählt, als wir wieder einmal der Küche einen Besuch abgestattet hatten. Wir hatten seitdem den Raum der Wünsche hin und wieder aufgesucht. Dieser Raum hatte verschiedene Eigenarten. Zum Beispiel erschien die Tür nur, wenn man dreimal daran vorbeiging und den Raum gleichzeitig herbeiwünschte. Darüber hinaus sah er auch nicht immer gleich aus. Als wir einmal ein Versteck für unsere gekauften Scherzartikel gesucht hatten, war uns der Raum als eine Art Lagerraum erschienen, der geradezu vollgestopft war mit allen möglichen Gegenständen. Und noch eine Merkwürdigkeit gab es: Es war vollkommen unmöglich, ihn auf der Karte der Herumtreiber einzuzeichnen, obwohl Remus es mehrmals versucht hatte.
Wir trafen uns also nach dem Abendessen. Sobald wir uns hingesetzt hatten, fragte mich Sirius: „Ich nehme an, du weißt, was ein Animagus ist?“ „natürlich weiß ich, was das ist“, antwortete ich. „Wir haben Animagi im vergangenen Jahr bei Professor McGonagall durchgenommen. Animagi sind Zauberer, die sich willkürlich in Tiere verwandeln können, und zwar immer in das gleiche Tier. Professor McGonagall ist selber ein Animagus, nämlich eine Katze. Sie hat uns gezeigt, wie sie sich verwandelt. Es war beeindruckend.“ „Ja, das hat sie vor zwei Jahren in unserer Klasse auch gemacht“, sagte James. „Kurz und gut, Chantal. Was wir dir sagen wollen: Sirius, Peter und ich sind auch Animagi.“ Ich glaubte, nicht richtig zu hören.
„Wie kann das denn sein?“ fragte ich. „Man braucht doch vier bis fünf Jahre, um ein Animagus zu werden. Und dann gibt es doch alle diese komplizierten Vorschriften, dass man sich registrieren lassen muss und so.“ „Das war der Grund, weshalb wir das verheimlicht haben“, antwortete Sirius. „Wir haben schon vom ersten Schuljahr an geübt. Und wir haben es geheimgehalten, weil wir von vorneherein nicht die Absicht hatten, uns registrieren zu lassen.“ „Und deshalb haben wir auch dir so lange nichts gesagt“, ergänzte James. „Wir konnten es einfach nicht riskieren, dass beispielsweise dein Vater davon erfahren hätte. Er ist Auror und hätte es melden müssen, wenn er davon erfahren hätte. Und du weißt, was das dann für uns für Konsequenzen gehabt hätte.“
„Askaban“, sagte ich schaudernd. „Trotzdem, mir hättet ihr es ruhig erzählen können. Ihr wisst, ich klatsche nicht. Aber warum habt ihr das überhaupt gemacht?“ „Meinetwegen“, antwortete Remus. „Um mir Gesellschaft leisten zu können, wenn ich mich in der Vollmondnacht verwandle. Werwölfe sind, wie du sicher weißt, nur für Menschen gefährlich, nicht aber für Tiere.“ „Und was seid ihr?“ fragte ich. Als Antwort verwandelten die drei sich. Sirius wurde zu einem großen schwarzen Hund, James zu einem Hirsch, Peter zu einer Ratte. Obwohl ich noch immer ein wenig sauer war, weil sie so wenig Vertrauen zu mir gehabt hatten, musste ich doch zugeben, dass ich beeindruckt war.
Nachdem sie sich zurückverwandelt hatten, sagte Sirius: „Peter hat am längsten gebraucht, bis er sich vollständig verwandeln konnte. Deshalb haben wir auch erst in diesem Schuljahr begonnen, Remus als Tiere Gesellschaft zu leisten.“ „Ja, und seitdem ist es für mich erträglicher“, ergänzte Remus. „Das Schlimmste war für mich immer die Einsamkeit.“ Dafür hatte ich volles Verständnis, denn ich erinnerte mich an so viele Vollmondnächte, in denen ich schlecht geschlafen hatte, weil ich wusste, dass Remus ganz alleine eingesperrt war. Ich versicherte ihnen daher, dass ihr Geheimnis bei mir sicher wäre.
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