
von ChantalMoody
Die Prüfungen rückten immer näher, und dementsprechend bekamen wir immer mehr Hausaufgaben auf. Zusätzlich dazu musste ich noch viel über meinen Büchern hängen, da ich wusste, dass bei meinem Ziel alles damit stehen und fallen würde, dass ich beim theoretischen Teil in Verwandlung mindestens mit Erwartungen übertroffen abschneiden würde.
Von Fabian und Pa erhielt ich in dieser Zeit aufmunternde Briefe. „Mach dir keine Sorgen, Liebes“, schrieb Fabian. „Du wirst es schon schaffen. Und dann wird es auch nicht mehr lange dauern, bis wir wieder zusammen sein können. Ich kann es kaum noch erwarten.“ ‚Ich auch nicht, Fabian’, dachte ich, während ich das las.
„Da du den festen Willen hast, gut abzuschneiden, wirst du es auch schaffen“, schrieb Pa. „Mach dich nicht verrückt, schließlich bist du bestens vorbereitet. Ich kann dir übrigens zu dem, was du mich über Slughorn gefragt hast, nicht allzuviel sagen. Ich habe dir ja schon erzählt, dass ich meine Schulzeit in Hogwarts schon beendet hatte, als Riddle eingeschult wurde. Bekannt war allerdings, dass er bei allen Lehrern, außer bei Dumbledore, sehr beliebt war. Und da machte Slughorn keine Ausnahme. Du kannst dir denken, dass Riddle seinerzeit Mitglied im Slug-Club war. Du hast es ja selber schon gemerkt, Slughorn hat es gerne, wenn seine Lieblinge ihm schmeicheln, und nach dem, was Dumbledore mir erzählt hat, verstand Riddle sich großartig darauf, sich bei den Lehrern einzuschmeicheln. Außerdem neigte Slughorn dazu, zuviel zu reden. Vermutlich hat er bei irgendeiner Gelegenheit mal etwas ausgeplaudert, was er nicht hätte sagen dürfen. Jedenfalls vermutete Dumbledore dies, aber er konnte auch nicht aus Slughorn herausbekommen, warum er geradezu mit Panik reagiert, wenn irgend jemand den Namen Tom Riddle oder Voldemort erwähnt. Es ist auch nicht empfehlenswert, Slughorn mit Fragen darüber zu behelligen, so wie ich gehört habe, soll er dann ziemlich ärgerlich werden. Also kann ich dir nur raten, diesen Namen in Slughorns Gegenwart nicht mehr zu nennen.“
Es war schließlich fast eine Erleichterung für mich, als die Prüfer angereist kamen. Gesehen hatte ich sie in den Jahren davor auch schon, aber in diesem Jahr würde ich selber einer der Prüflinge sein. Ich sah mir beim Abendessen von meinem Platz aus die Prüfer an, die am Lehrertisch Platz genommen hatten. Mann, die sahen ja alle uralt aus! Auch die anderen Fünftklässler sahen zu den Prüfern hin. „Schau mal, das ist Griselda Marchbanks“, flüsterte Jennifer. „Sie soll schon Dumbledore in Zauberkunst und Verwandlung geprüft haben.“ „Und das dort ist Professor Merrythought“, flüsterte Arabella. „Sie war hier in Hogwarts fünfzig Jahre lang Lehrerin für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Dann ging sie in den Ruhestand und ist jetzt nur noch Prüferin. Sie war die letzte, die so lange hier geblieben ist. Danach wechselten die Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste ständig.“ Bei dem Namen Professor Merrythought merkte ich auf. Das war also die Lehrerin, von der Pa so begeistert gewesen war. Ob sie wohl meine Prüferin sein würde? Ich nahm mir ganz fest vor, bei meiner Prüfung in Verteidigung gegen die dunklen Künste hervorragend abzuschneiden.
Inzwischen wussten wir auch, an welchen Tagen die verschiedenen Prüfungen sein würden. Am nächsten Tag würden wir in Zauberkunst geprüft, und zwar würde vormittags der theoretische und nachmittags der praktische Teil der Prüfung stattfinden. Dies war das Fach, vor dem ich am wenigsten Angst hatte. Mein Angstfach, Verwandlung, würde am Tag darauf stattfinden. Sobald ich diesen Tag gut hinter mich gebracht hatte, konnte ich dem Rest der Prüfung einigermaßen gelassen entgegensehen.
Am nächsten Tag waren alle ZAG-Schüler verständlicherweise sehr nervös. Einige hatten sogar auf den allerletzten Drücker noch ihre Bücher mit an den Frühstückstisch gebracht und hörten sich gegenseitig ab. Viele sahen aus, als hätten sie schlecht geschlafen. Jennifer und Arabella, die sich sonst gut verstanden, zickten sich während des ganzen Frühstücks an, dass es kaum zu ertragen war. Wir waren daher fast froh, als die schriftliche Prüfung begann.
Wie erwartet, hatte ich keinerlei Probleme damit, die Fragen bei der schriftlichen Prüfung zu beantworten. Auch der praktische Teil am Nachmittag verlief sehr gut für mich. Ich war für diese Prüfung Griselda Marchbanks zugeteilt worden, die sich sehr zufrieden äußerte.
„Wäre doch alles so einfach“, seufzte ich später, als ich nach der Prüfung mit meinen Freunden auf dem Schulgelände spazieren ging. „Was willst du denn? Bisher ist doch für dich alles gut gelaufen“, meinte Sirius. „Du hast vielleicht gut reden!“ schimpfte ich. „Verwandlung ist erst morgen, und damit steht und fällt bei mir alles.“ Mit mir war wirklich an diesem Tag nicht viel anzufangen. „Du machst dich noch völlig verrückt, Chantal“, meinte Remus. „So wie du in der letzten Zeit gelernt und geübt hast, müsstest du mindestens Erwartungen übertroffen schaffen. Und übermorgen, in Verteidigung gegen die dunklen Künste wirst du mit Sicherheit alle schlagen.“ „Ich weiß“, antwortete ich. „Ich habe mich vorbereitet, so gut wie ich konnte. Aber Angst habe ich trotzdem.“ Ich blieb für den Rest des Tages so reizbar, dass meine Freunde kaum noch wagten, mich anzusprechen. In dieser Nacht schlief ich auch nicht besonders gut.
Am nächsten Morgen bekam ich beim Frühstück kaum etwas herunter. Aber als wir dann vor unseren Prüfungsfragen saßen, kamen mir die Fragen gar nicht so schwierig vor, und ich war mir hinterher sicher, keine größeren Fehler gemacht zu haben. Auch der praktische Teil, den ich auch bei Professor Marchbanks ableistete, verlief besser als erwartet. Nun war ich mir ziemlich sicher, ein Erwartungen übertroffen erzielt zu haben.
„Na, siehst du“, meinte Remus hinterher. „Schlimm ist eigentlich nur die Zeit vor der Prüfung. Hinterher ist man dann wie erlöst.“ „Ja, da hast du recht“, antwortete ich. „Tut mir ja auch leid, dass ich mich in der letzten Zeit so blöd aufgeführt habe.“ „Ist doch halb so wild“, meinte Sirius. „Nach den Prüfungen werden wir wieder Spaß haben, und dann sind ja auch bald Ferien.“ „Die werde ich auch nötig haben“, seufzte ich.
Nachdem ich nun meine Prüfung in Verwandlung hinter mir hatte, war ich am nächsten Tag wesentlich gelassener. Ich hatte in Verteidigung gegen die dunklen Künste keinerlei Probleme mit den Prüfungsfragen, und auf die praktische Prüfung freute ich mich geradezu. Zu meiner Überraschung wurde ich tatsächlich von Professor Merrythought geprüft. Ich hatte nicht die geringsten Probleme mit den verlangten Verteidigungszaubern, da ich sie ja oft genug geübt hatte. Nach einer Weile bemerkte ich, dass Professor Merrythought mich erstaunt ansah. „Wissen Sie, was mir auffällt, Miss Moody?“ fragte sie schließlich. „Die Art und Weise, wie Sie Ihre Zauber ausführen, erinnert mich stark daran, wie Ihr Vater sie auszuführen pflegte. Er war ja mein Schüler, wie Sie sicher wissen. Hat Ihr Vater mit Ihnen geübt?“ Ich erschrak, denn ich dachte daran, dass ich als Minderjährige ja nicht in den Ferien zaubern durfte und dass nicht nur ich selbst, sondern auch Pa erhebliche Schwierigkeiten bekommen konnte. Professor Merrythought bemerkte mein Erschrecken, denn sie sagte sofort: „Keine Sorge, ich werde Sie ganz bestimmt nicht verraten. Aber Sie haben großartig gelernt. Besser kann man es überhaupt nicht machen.“ Ich war überglücklich, ein solches Lob zu hören, und ich war sicher, soeben ein Ohnegleichen erreicht zu haben.
Auch die übrigen Prüfungstage verliefen soweit gut für mich. Der nächste Tag brachte die Prüfung in Zaubertränke. Ich hatte keinerlei Probleme damit, Zubereitung und Wirkung von Vielsafttrank und Felix Felicis zu beschreiben, und das Euphorie-Elixier, das ich am Nachmittag brauen musste, gelang mir einwandfrei. In Kräuterkunde war ich mir ziemlich sicher, im schriftlichen Teil einige Pflanzennamen verwechselt zu haben, aber bei der praktischen Prüfung gab es keine Schwierigkeiten.
Nach der Kräuterkunde-Prüfung folgte zunächst ein freies Wochenende. Da ich meine wichtigeren Prüfungen nun hinter mir hatte, verbrachte ich den größten Teil des Wochenendes mit meinen Freunden im Freien. „Na siehst du, war doch halb so wild“, meinte Sirius leichthin. „Na, wartet ab, ob du das im nächsten Jahr auch noch sagst“, erinnerte ich ihn. „Dann müsst ihr in die UTZ-Prüfungen, und die sind einiges schwieriger.“ „Erinnere mich nicht dran!“ sagte Peter. „Diesmal falle ich garantiert durch.“ Er hatte im vergangenen Jahr seine ZAGs nur mit viel Mühe geschafft. „Welche Fächer hast du denn noch vor dir, Chantal?“ fragte Remus. „Am Montag Geschichte der Zauberei vormittags, Pflege magischer Geschöpfe nachmittags, und am Dienstag abends noch Astronomie, und dann bin ich mit allem durch. Mehr Fächer habe ich ja nicht belegt.“ „Dann hast du es ja bald überstanden“, meinte James.
Tatsächlich waren meine letzten zwei Prüfungstage auch schnell gelaufen. Der Unterricht in Geschichte der Zauberei hatte mich immer gelangweilt, aber da ich meistens in den Büchern alles nachgelesen hatte, nahm ich an, zumindest ein Annehmbar zu erreichen. Pflege magischer Geschöpfe dagegen hatte mir immer Spaß gemacht, da ich Tiere mochte. Daher lief auch diese Prüfung recht gut.
Am Dienstag hatte ich den ganzen Tag frei, während einige andere Schüler in Muggelkunde oder Wahrsagen geprüft wurden, Fächer, die mich nie interessiert hatten und die ich deshalb auch nicht belegt hatte. Erst am Abend musste ich in den Astronomieturm, um meine letzte Prüfung abzulegen. Hierbei war ich mir ziemlich sicher, beim Ausfüllen meiner Sternenkarte einige Fehler gemacht zu haben. Aber da ich dieses Fach im nächsten Jahr ohnehin nicht mehr belegen wollte, regte ich mich darüber nicht mehr besonders auf.
Am nächsten Tag fanden nur noch in Arithmantik und Alte Runen Prüfungen statt. Da ich beide Fächer nicht belegt hatte, waren für mich die Prüfungen bereits vorbei.
Die letzten paar Tage vor den Ferien verbrachten wir überwiegend im Freien. Die gereizte Stimmung der letzten Wochen war vorbei, und wir alle waren in bester Stimmung. Ich konnte an nichts anderes denken, als dass ich schon bald Fabian wiedersehen würde.
Schließlich war der Tag gekommen, an dem wir wieder im Hogwarts-Express saßen. Ich war wieder mit meinen Pflichten als Vertrauensschülerin beschäftigt. Avery versuchte wieder, seine Sprüche bei mir anzubringen, aber ich war zu gut gelaunt, um mich darüber zu ärgern.
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