
von annakarenina
@all: So, viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
Obwohl die Schlaf-und Wohnplätze auf den ersten Blick willkürlich bevölkert wirkten, gab es eine versteckte Ordnung. Die besten Plätze, die nah genug am Fenster waren, dass genügend Frischluft dorthin kam, aber weit genug entfernt, dass man im Winter nicht auf seiner Stange festfror, gehörten dem hohen Rat der Eulen. Der hohe Rat. Hörte sich imposant an, war es allerdings nicht unbedingt. Sie kümmerten sich um Sachen wie die Aufklärung kleiner bis mittlerer Delikte im Eulenhaus, die Diskussion inwieweit man den Ausbau der Eulerei gestalten sollte und alles, was sonst so anfiel. Die Bewohner respektierten den Rat, vielleicht aus dem Grund, weil er ihnen relativ viele Freiheiten ließ. Es gab einige wichtige Gesetze zu den Botenflügen, die jeder aus eigenem Interesse einhielt. Unter anderem besagten diese Regeln, dass man die Flüge immer auf dem schnellsten Wege und zuverlässig ausführen sollte. Diese Grundsätze ließen die Eulen ein recht harmonisches Leben führen. Im Großen und Ganzen gab es nur einen großen Konflikt, der in der Eulerei herrschte: Die Auseinandersetzungen zwischen Schuleigenen Eulen und Schülereulen. Es gab kleinere Rangeleien und Konfrontationen, aber abgesehen davon, war , wie gesagt, alles im grünen Bereich. Neben dem Hohen Rat gab es noch eine weitere Institution in der Eulerei, die aber viel umschwärmter war und regelrecht verehrt wurde: Die Flieger Gilde. Es gab keine Jungeule, die nicht davon träumte irgendwann einmal in die Gilde aufgenommen zu werden. Nur die besten und waghalsigsten Flieger wurden in Die Gilde aufgenommen. Diese kleine Gruppe Elite-Flieger wurde zu den wichtigeren Aufgaben herangezogen. Sie wurden dem Schulleiter vorgestellt, unternahmen Botenflüge für ihn und andere Lehrer oder wichtige Mitglieder des Schulrates. Sie führten ein Leben als Stars in der Eulerei. Sie bekamen das beste Futter, die schönsten Eulenmädchen und die behaglichsten Schlafplätze. Platons Meinung nach hatte Izzie sogar durchaus Chancen irgendwann mal in die Gilde aufgenommen zu werden. So tollpatschig er sich auf dem Boden bewegte, so schnell, waghalsig und gewandt bewegte er sich in der Luft. Eigentlich war es ein wenig überzogen von Platon, zu behaupten, dass Izzie der beste Flieger war (aber er war, wie gesagt nicht der hellste), denn es gab eine Menge Jungeulen, die drauf und dran waren Izzies Flugkünsten Konkurrenz zu machen.
„Aber“ , erzählte Izzie Esmeralda, „auf Beziehungen kommt es an...“ Und so war es tatsächlich. Nur wer sich mit den Fliegern und dem Hohen Rat gut stellte hatte eine Chance für die alljährliche Auswahlprüfung nominiert zu werden.
Eines Tages gelangte Izzie (ich habe euch doch tatsächlich seinen vollen Namen vorenthalten!) in eine der dunkelsten Ecken der Eulerei. Dorthin, wo sich nur die mutigsten Eulen hintrauten. Er befand sich auf der Suche nach etwas Essbaren, da nach der täglichen Fütterung sein Magen immer noch knurrte. Also war es eher Zufall als Schicksal, das er über einen aus der Dunkelheit ragenden Eulenfuß stolperte.
„Pass doch auf, Junge!“, krächzte eine Stimme. Langsam gewöhnten sich Izzies Augen an die Schwärze und er sah eine steinalte Schleiereule, die einen gewaltigen Verschlag für sich beanspruchte.
„Dich kenne ich“, machte der Alte weiter, „Du bist doch der junge Fitzgerald(so war Izzies voller Name), der kürzlich Hugo von Hohen Rat über den Haufen geflogen hat!“ Izzie schaute ein wenig beschämt drein. Die Sache mit Hugo. Der Gute war nicht mehr der jüngste und Izzie hatte sich ein wenig verschätzt...
„Ich habe mich verschätzt!“ verteidigte sich Izzie.
„Verschätzt, soso. Dass das nicht noch einmal vorkommt!“, sagte die Schleiereule streng. Plötzlich fiel Izzie ein, woher ihm der Alte bekannt vorkam.
„Bist du nicht Balduin, der Bekloppte?“, der letzte Teil rutschte Izzie so heraus. Er bereute es sofort, denn Balduin plusterte sein Gefieder auf und wirkte mit einem Mal sehr gefährlich . Izzie wich instinktiv einen Eulenhüpfer zurück. Balduin war eine lebende Legende. Niemand wusste, wie lange er schon im Eulenhaus lebte und woher er kam. Manche behaupteten, Balduin war so alt wie Hogwarts selbst.
„Ich zöge es doch sehr vor, wenn du“ er blickte strafend auf Izzie herab“ mich einfach nur Balduin nennen würdest!“
Obwohl ihre Bekanntschaft einen so einen schweren Schlag hinnahm, waren die Beiden sich sympathisch und mit der Zeit wurden sie Freunde. Izzie erfuhr, dass Balduin zwar alt, aber nicht ganz so alt wie Hogwarts war und dass auch an den anderen Gerüchten, wie so oft, recht wenig dran war. Auch der prägnante Beiname erschloss sich Izzie bald, als er merkte, dass Balduin manchmal den ein oder anderen Anfall bekam. Bei solchen Anfällen machte sich Izzie immer schnell davon, denn Balduin wurde dann führgewöhnlich recht ungemütlich. Seine Lebensgeschichte hörte sich in Izzies Ohren fast wie ein Abenteuerroman an. Balduin war früher, als er, wie er es nannte „noch ein junger Hüpfer war“, oberstes Mitglied der Flieger-Gilde gewesen. Er hatte spektakuläre Botenflüge unternommen, von denen er Izzie erzählte( der förmlich an Balduins Schnabel hing) und waghalsige Abenteuer bestanden. Ich möchte nur soviel verraten : Folter. Riesen. Tapfere Eulen. Feige Eulen. Verfolgungsjagden. Wunder. Leidenschaften. Wahre Liebe. Bei diesem Punkt in Balduins Erzählung seufzte Izzie auf. Er musste an die wunderschöne Bella denken. Seine Augen glänzten und Balduin betrachtete ihn kritisch.
„Möchtest du mir vielleicht etwas erzählen, mein Junge?“
„Auch ich bin verliebt“, sagte Izzie und errötete unter seinem Gefieder (wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Eulen durchaus erröten können, nur hatte sich bis dahin niemand die Mühe gemacht nachzusehen).
„Allerdings ist meine Liebe und meine Sehnsucht völlig aussichtslos.“, sagte Izzie und überlegte, ob er wohl Balduin sein Geheimnis anvertrauen konnte.
„Warum denn das? Wahre Liebe ist niemals völlig aussichtslos!“, sagte Balduin, neugierig geworden.
Izzie hatte seine Entscheidung gefasst. Er wollte Balduin die Wahrheit sagen. Er holte tief Luft.
„Weil“, sagte er, „weil sie ein Mensch ist.“
-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^(Die Autorin würde sich SEHR über Kommis freuen:)-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^-^
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