
von Dracodormiens
15. Treffen in Birmingham und ein Schock
Als sie zum Zelt appariert waren, verschwand Draco gleich im Zimmer der Jungs. Er wollte allein sein. Besorgt sah Hermine ihm hinterher, aber sie folgte ihm nicht. Stattdessen berichtete sie Blaise und Luna von ihren Recherchen in der Bibliothek von Muncaster und ließ sich von Luna von der Eulerei erzählen. Dann nahm sie ihre DA-Münze aus der Tasche und schickte Harry eine Nachricht, dass sie womöglich schon einen verdächtigen Gegenstand entdeckt hatten.
Großartig! schrieb Harry enthusiastisch zurück. Wenigstens eine Gruppe hat Erfolg! Wir tappen noch ziemlich im Dunkeln.
Wo seid ihr gerade?
An der Südküste, auf dem Weg zu einer Insel, auf der Hufflepuff mal gelebt haben soll.
Und die anderen?
Noch in Godric´s Hollow.
„Was schreibt Harry?“ fragte Luna neugierig. „Sie haben noch nichts entdeckt.“ seufzte Hermine. „Frag ihn doch mal, ob ich zu ihnen kommen soll.“ Erstaunt sah Hermine sie an. Luna zuckte die Schultern. „Naja, ich fühle mich hier irgendwie überflüssig. Wir haben wahrscheinlich unsere Aufgabe schon fast erfüllt, und mit zwei Paaren unterwegs zu sein, ist auch nicht so toll.“ Blaise wurde knallrot. „Aber Sinead und ...“ begann er. Hermine schnitt ihm das Wort ab. „Dein Liebesleben interessiert doch jetzt nicht.“ Sie setzte sich neben Luna auf die Couch und legte ihr den Arm um die Schultern. „Tut mir leid, wenn wir dir das Gefühl gegeben haben, überflüssig zu sein. Das war nicht so gemeint.“ Luna lächelte sie an. „Ach, das ist doch nicht so schlimm, ich freue mich ja für euch. Aber ich würde trotzdem gern in eine Gruppe wechseln, die mich besser gebrauchen kann.“ Hermine sah sie einen Moment an, zuckte dann die Schultern und schickte Harry eine Nachricht. „Du wirst uns fehlen“, seufzte sie.
Natürlich kann Luna uns helfen! sandte Harry umgehend eine Antwort.
Schade, dass wir so weit entfernt sind. Wie kommt sie denn her? Sie kann ja nicht apparieren.
Ich bringe sie den halben Weg, zB nach Birmingham, und einer von euch holt sie dort ab. schlug Hermine vor.
Gute Idee. Wann? Gleich morgen? Je schneller, desto besser, wir wollen ja zu dieser Insel hinüber.
Morgen Mittag um zwölf? Vor dem Bahnhof?
In Ordnung. Wir freuen uns auf sie!
Hermine steckte die Galleone wieder in die Tasche. Dann stand sie auf und marschierte zu Draco hinein. Der lag auf dem Bett und starrte an die Decke. Sie setzte sich neben ihn. „Hör auf, dich selbst zu bemitleiden.“ sagte sie entschlossen. Erstaunt sah er sie an. „Du wusstest, wie das Dunkle Mal auf die Menschen wirkt, du hast gestern abend noch darüber gesprochen. Ok, es war sehr überraschend heute, aber wird es das nicht immer sein? Du wirst es nicht los, du musst damit leben. Es wird nicht besser davon, dass du dich verkriechst.“ Sie stand wieder auf und ging zurück ins Wohnzimmer, ohne seine Antwort abzuwarten.
Einige Minuten später kam er ins Wohnzimmer und ließ sich neben Hermine auf dem Sofa nieder. „Gibt es eigentlich noch was zu essen?“ Blaise kramte in seinem Rucksack und hielt Draco eine Schachtel mit einem einsamen, vertrockneten Chicken Nugget hin. Der rümpfte die Nase und sah Hermine hilfesuchend an. Sie grinste und schwenkte ihren Zauberstab zweimal über dem Überbleibsel aus Stratford-upon-Avon. Sofort wurde aus dem alten Nugget eine große Schüssel voll frischer. Hungrig griff Draco hinein, und die anderen taten es ihm gleich.
Als sie sich danach satt und zufrieden zurücklehnten, sagte Hermine: „Luna verlässt uns morgen.“ „Was?“ rief Draco erstaunt. „Warum denn?“ „Harrys Gruppe braucht sie.“ Dass Luna sich überflüssig fühlte, erwähnte Hermine nicht. „Schade.“ sagte Draco und merkte erstaunt, dass er es auch so meinte. Er hatte sich sehr an die blonde, immer fröhliche, etwas verdrehte Ravenclaw gewöhnt. „Wir werden dich vermissen.“
„Lust auf eine Runde Exploding Snap?“ schlug Blaise vor, um die etwas gedrückte Stimmung wieder aufzulockern. Er holte mit einem Wink seines Zauberstabes die Karten herbei und mischte sie. Hermine sah bewundernd zu. „Bringst du mir das bei? Ich muss immer per Hand mischen; wenn ich es mit dem Zauberstab versuche, fallen immer alle runter.“ Blaise grinste. „Es gibt tatsächlich etwas, was unsere Jahrgangsbeste nicht kann? Schau her, du bewegst den Zauberstab wahrscheinlich zu stark. Ganz kleine kurze Schlenker.“ Hermine probierte es. „He, es klappt!“ rief sie. Auch Draco und Luna wollten das nun ausprobieren. Eine Weile sah Blaise belustigt zu, dann fragte er: „Meint ihr nicht, dass die Karten nun genug gemischt sind? Wollen wir nicht mal anfangen?“
Nachdem Hermine wie immer mehrmals in Folge gewonnen hatte, fing Blaise demonstrativ an zu gähnen. Sie grinste. „Bist du ein schlechter Verlierer?“ Draco lachte. „Und wie. Und außerdem will er wahrscheinlich ins Bett, um von Sinead zu träumen.“ Er konnte es nicht lassen, sich über seinen Freund ein wenig lustig zu machen. Das war noch nie dagewesen, dass Blaise bei einem Mädchen so unsicher war. Sie schien ihm wirklich etwas zu bedeuten. Blaise grinste gequält und ging nicht darauf ein. Er stand auf, räumte die Karten weg und wünschte eine gute Nacht. „Na, dann lasst uns auch mal schlafengehen.“ gähnte Hermine. Plötzlich war auch sie sehr müde. Luna verschwand in ihrem Zimmer. Draco sah seine Freundin an. „Du hattest völlig recht vorhin. Ich sollte mich nicht so hängenlassen.“ Sie lächelte und umarmte ihn. „Gute Nacht.“ flüsterte sie und sah zu ihm hoch. Er beugte den Kopf hinab und legte seine Lippen zärtlich auf ihre. Als sie sich voneinander lösten, biss sie sich unsicher auf die Unterlippe und sah ihm in die Augen. „Draco...?“ Er sah sie fragend an. „Ich glaube, ich liebe dich.“ Sie wurde rot. Er lächelte sie glücklich an. „Ich liebe dich auch.“ Er umarmte sie noch einmal. „Schlaf gut, Kleine.“
Blaise stand früh am nächsten Morgen leise auf, ohne die anderen zu wecken, und apparierte zum Strand. Er hatte richtig vermutet. Der Strand war menschenleer, aber hinter der Sandbank sah er einen Kopf in den Wellen. Sinead kraulte mehrere hundert Meter an der Sandbank entlang, dann wendete sie und schwamm im Rückenkraul zurück. Er setzte sich neben ihr Handtuch und wartete. Sinead wendete noch einmal und drehte dann ab Richtung Strand. Da sie immer noch in Rückenlage schwamm, sah sie Blaise erst, als sie aus dem Wasser stieg.
„Was machst du denn hier?“ fragte sie erstaunt. Sie schüttelte ihre langen Haare aus und wickelte sich dann in ihr Handtuch. „Nur mal schauen, wie es dir nach dem Schreck von gestern geht.“ Sie lächelte. „Lieb von dir. Kommst du mit frühstücken?“ „Gerne!“ Sinead ergriff seine Hand und zog ihn hoch. „Na, dann los. Schwimmen macht hungrig! Übrigens, Kompliment, du schwimmst auch nicht schlecht, du hast mich gestern ja fast eingeholt!“ Blaise grinste. „Eigentlich schwimme ich sehr gerne, mir ist nur das Wasser hier ein bisschen zu kalt.“ Er hatte Sineads Hand nicht losgelassen, und sie schien nichts dagegen zu haben. Hand in Hand schlenderten sie zum Pub hinauf. Sinead trug immer noch den Badeanzug und hatte das Handtuch um die Schultern gehängt. Sie gingen in den Hinterhof und durch die Küchentür. Eine schmale ausgetretene Treppe führte in den ersten Stock.
Sinead lief leichtfüßig voran. „Da rechts ist mein Zimmer, warte doch kurz, bis ich mir was angezogen habe.“ Sie verschwand hinter einer anderen Tür, vermutlich dem Bad, und Blaise stieß die Tür zu ihrem Zimmer auf. Er schaute sich um und setzte sich dann auf ihr Bett, da der einzige Sessel im Zimmer von einem großen Teddy und etlichen kleineren Kuscheltieren besetzt war. An der Tür hing die türkisblaue Schuluniform von Beauxbatons, und auf dem Schreibtisch lagen einige französische Schulbücher. Blaise stand wieder auf und nahm eins in die Hand. Das war wohl das Zaubertränke-Buch. Er blätterte ein wenig darin und schaute dann auf die anderen Bücher. Sinead hatte anscheinend ähnliche Fächer belegt wie er selbst, sogar Arithmantik.
In diesem Moment ging die Tür auf, und Sinead kam herein. Sie trug jetzt ein Sommerkleid und hatte sich die Haare gebürstet. „Kannst du flechten?“ fragte sie. Blaise nickte verblüfft. „Machst du mir einen Zopf? Alleine ist das immer so umständlich.“ Wie selbstverständlich drehte sie ihm den Rücken zu und reichte ihm die Bürste. Zögernd griff er nach ihren noch feuchten Haaren und ließ die Finger hindurchgleiten. Wie weich mussten sie sein, wenn sie trocken waren? Vorsichtig begann er, sie in drei Strähnen zu teilen und bewunderte dabei ihren schlanken Hals und ihren gebräunten Rücken.
Als er fertig war, streichelte er vorsichtig ihren Nacken, was bei ihr eine Gänsehaut und ein Kichern auslöste. „Ich bin so kitzelig...“ Sie drehte sich um und stand plötzlich ganz dicht vor ihm. Er konnte das Salzwasser auf ihrer Haut und in ihren Haaren riechen und jede einzelne Sommersprosse zählen. Er strich ihr eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht, die schon wieder aus dem Zopf gerutscht war, und schaute ihr fragend in die Augen. Sinead lächelte leicht. Er hatte die Hand nicht wieder sinken lassen und streichelte jetzt mit dem Daumen ihre Wange. Sie schloss die Augen und genoss die zarte Berührung. Dann legten sich seine Lippen sanft auf ihre. Sinead hätte beinahe „Na endlich!“ geseufzt. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und erwiderte seinen Kuss. Als er sich wieder von ihr löste, lächelte er: „Du schmeckst nach Salzwasser.“ Er fuhr mit der Zunge spielerisch ihre Oberlippe entlang. Sie legte die Arme um seinen Hals, und er zog sie noch näher an sich. Seine Lippen berührten leicht ihr Ohrläppchen und wanderten dann erneut hinunter zu ihrem Mund. Ihre Zungen tanzten miteinander und umeinander, bis sie schließlich Luft holen mussten. „Wollten wir nicht schon vor zwanzig Minuten frühstücken?“ grinste Sinead außer Atem. Blaise lachte und legte ihr den Arm um die Schultern. „Ich habe jetzt vor allem Durst, du schmeckst wirklich sehr salzig...“, scherzte er.
Inzwischen war es Vormittag, und auch die drei im Zelt waren aufgewacht. Verwundert bemerkten sie Blaises Abwesenheit. Aber sie konnten sich denken, wo es ihn schon wieder hingezogen hatte. Nach einem ausgiebigen Frühstück begann Luna ihren Rucksack zu packen. Draco und Hermine beschlossen, noch ein bisschen zu faulenzen, bevor Hermine Luna nach Birmingham apparierte und sie sich nachmittags an das Problem mit dem Schloss der Truhe wagen würden. Sie setzten sich auf der Lichtung ins Gras. Hermine hatte sich ein Buch mitgenommen, doch bald legte sie es aus der Hand. Sie rollte sich mit dem Kopf auf Dracos Bauch zusammen und blinzelte zufrieden in die Sonne. Dracos Finger spielten mit ihren Locken und streichelten ihre Wange. Zärtlich biss sie ihn in den Finger. Schließlich steckte Luna den Kopf aus dem Zelteingang. „Hermine, wollen wir gleich los?“ Hermine streckte sich und sah auf die Uhr. Dann richtete sie sich auf. „Ja, lass uns mal. Wollen George ja nicht warten lassen.“ Sie stand auf und ging zu Luna hinüber. Luna schwang sich ihren Rucksack auf den Rücken. Draco war ebenfalls aufgestanden, um sich von Luna zu verabschieden. Dann küsste er Hermine noch einmal. „Bis gleich!“ Hermine nahm Lunas Hand und konzentrierte sich auf den Bahnhof von Birmingham. Dann waren die beiden verschwunden.
In einer abgelegenen Ecke des Bahnhofsplatzes tauchten die beiden Mädchen wieder auf. Suchend sahen sie sich nach George um, während sie auf den Bahnhof zugingen. Seine roten Haare konnten ja eigentlich nicht leicht zu übersehen sein. „Da!“ rief Luna. Auf der Treppe vor dem Bahnhofsgebäude saß ein rothaariger Junge und schaute über den Platz. Die beiden Mädchen liefen auf ihn zu. Jetzt hatte er sie entdeckt und stand auf. Doch plötzlich blieb Hermine stehen. Es war nicht George, der gekommen war, um Luna abzuholen, wie sie erwartet hatte.
Ron fing Luna auf, die ihm stürmisch um den Hals gefallen war. Dann sah er zu Hermine hinüber, die nun zögernd auf ihn zukam. „Hallo, Ron.“ sagte sie verlegen. „Hallo.“
Ein paar Augenblicke standen sie da und starrten sich an. Ron schluckte. Hermine war braungebrannt, sie trug eine enge Jeans und ein gelbes Top. Die Locken fielen offen über ihre Schultern. In seinen Augen war sie wunderschön. Er hätte nichts lieber getan als sie in die Arme zu schließen und nie wieder loszulassen. Aber nicht deshalb war er hergekommen. Er musste aufhören, sie als etwas anderes als seine beste Freundin zu sehen.
Etwas gezwungen lächelte er. „Und ihr habt euer Horcrux tatsächlich schon gefunden, sagt Harry? Das ist ja großartig.“ „Naja, wir sind noch nicht 100 % sicher, dass es das ist. Aber die Chancen stehen recht gut.“, antwortete Hermine. Dann schwiegen sie wieder.
„Und - bist du glücklich mit Malf... Draco?“ fragte Ron schließlich. Hermine nickte zögernd. Ohne dass sie es beabsichtigte, bekamen ihre Augen einen neuen Glanz. Das entging Ron nicht. Er spürte einen Stich im Herz, als seine letzte kleine Hoffnung zerplatzte, und atmete tief durch. Sein Lächeln geriet etwas schief, als er sagte: „Freut mich für dich. Ehrlich.“ Und er meinte es tatsächlich so, stellte er erstaunt fest. Er wollte, dass Hermine glücklich war, selbst wenn es mit Malfoy war, und auch wenn es ihm wehtat. Hermine machte noch einen Schritt auf ihn zu und fiel ihm um den Hals. Luna, die sie die ganze Zeit beobachtet hatte, strahlte. Ron drückte Hermine kurz an sich und ließ sie wieder los. „Hast du noch Zeit zu erzählen, was ihr bisher gemacht habt?“ fragte Hermine. Ron nickte. „Wir müssen nicht sofort zurück. Heute nachmittag wollen wir zur Isle of Wight, Harry hat uns Fahrkarten reserviert, aber das Schiff fährt erst um halb drei.“ Er setzte sich wieder auf die Treppe, und die beiden Mädchen ließen sich neben ihm nieder.
„Am Montag und Dienstag waren wir noch den ganzen Tag im Grimmauld Place. Die Bibliothek der Blacks hat uns aber nicht wirklich weitergeholfen. Dann ist Harry auf die Idee gekommen, Kreacher zu fragen, und der ist ein wandelndes Lexikon, was die vier Gründer angeht. Er hat uns erzählt, dass Helga Hufflepuff ursprünglich aus Deutschland kam. Sie ist erst mit elf nach Großbritannien gekommen, und dann hat sie lange auf einer winzigen Insel zwischen der Isle of Wight und dem Festland gelebt. Die ist auf keiner Karte, weil ein Zauber drauf liegt. Gestern sind wir dann an die Südküste appariert, aber es ging kein Schiff mehr, und wegen des Zaubers kann man nicht auf die Insel apparieren. Dann hast du dich gemeldet, und heute wollen wir uns also da mal umschauen. Und bei euch?“
„Das kann Luna dir mal ausführlich erzählen, aber wenn du es ganz kurz hören willst: Wir haben uns erstmal in Muncaster Castle umgesehen, und in Ravenglass haben wir ein Mädchen kennengelernt, dessen Vater ein kleines Museum hat. Und dort hat Blaise dann eine Truhe von Rowena Ravenclaw entdeckt, die aber leider nicht aufzukriegen ist.“ „Das Mädchen ist übrigens eine Hexe.“ setzte Luna hinzu. „Und in dieser Truhe vermutet ihr das Horcrux?“ fragte Ron. Hermine und Luna nickten. „Man kann dunkle Magie nachweisen, und Sineads Vater ist beinahe ums Leben gekommen, als er die Truhe gefunden hat. Voldemort hat seine Horcruxe ja alle gesichert. Und wenn kein Horcrux drin ist, ist es hoffentlich wenigstens etwas, das uns weiterhilft.“
„Na, dann wünsche ich euch viel Erfolg.“ meinte Ron. „Wie habt ihr denn eigentlich herausgefunden, dass dieses Mädchen eine Hexe ist? Wir wollten uns doch alle ganz unauffällig und wie Muggel verhalten.“ Hermine und Luna wechselten einen Blick. „Naja... Sie hat gestern Dracos Dunkles Mal gesehen und ist dann panisch abgehauen.“ sagte Hermine. „Aber wir konnten sie wieder beruhigen und ihr das erklären.“ „Sie ist echt sympathisch.“ setzte Luna hinzu. „Wie geht's Ginny und George?“ fragte Hermine. Ron rollte mit den Augen. „George scheint sich in den Kopf gesetzt zu haben, dass er beweisen muss, dass die Zwillinge auch einzeln genug Unheil anrichten können. Bisher hat er jeden Tag irgendeinem von uns einen Streich gespielt, gestern hat er daraufhin einen wunderschönen Flederwicht-Fluch von Ginny abbekommen.“ Er grinste bei der Erinnerung. Hermine und Luna lachten. Der Flederwicht-Fluch war Ginnys Spezialität, das hätte Draco bestätigen können. Hermine sah auf die Uhr. „Ich glaube, ihr müsst langsam mal los.“ sagte sie. Ron und Luna standen auf, und Luna schwang sich ihren federleichten Rucksack auf den Rücken. „Schön, dass du hergekommen bist.“ sagte Hermine. Er umarmte sie noch einmal. Dann griff Luna nach seinem Arm, und die beiden verschwanden.
Hermine machte sich auf den Weg in die Bahnhofshalle, sie wollte noch die London Times kaufen, die es in Ravenglass nicht gab. Dort hatte sie nur die Regionalzeitung gesehen.
Am Zeitungskiosk standen einige Menschen und unterhielten sich. „Weißt du noch, vor ein paar Jahren, als dieser... wie hieß er doch gleich?... ausgebrochen ist?“ sagte gerade eine Frau. „Den haben sie doch nie erwischt, oder?“ „Auf unsere Polizei ist wirklich kein Verlass mehr, und Gefängnisse sind auch nicht mehr das was sie mal waren.“ schimpfte ein Mann. Hermine hörte nur mit einem Ohr zu und wartete, bis sie an der Reihe war. Doch plötzlich horchte sie erschrocken auf. „Black, jetzt weiß ich wieder, wie er hieß!“ rief die Frau von vorher triumphierend. „Na, dieser hier sieht ja nicht ganz so furchterregend aus. Aber danach kann man natürlich nicht gehen...“ Hermine versuchte einen Blick auf das Titelblatt zu erhaschen, von dem die Leute anscheinend redeten, und hoffte inständig, dass es nur Zufall war, dass Sirius Black erwähnt woren war. Möge diesmal nur ein Muggel aus dem Gefängnis ausgebrochen sein! dachte sie flehend. Doch dann bestätigten sich ihre schlimmsten Vermutungen. Vom Titelblatt der London Times starrte sie ein bewegungsloser, aber deshalb nicht weniger furchteinflößender Lucius Malfoy an.
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