
von Looney&Soey

Eine traurige Geschichte
Die letzten Worte Lucas hallten noch immer in der Luft, als Snape der Erste war, der die Sprache wieder fand.
âWas?⊠Warum?⊠Warum, sollte sie das getan haben?â
âSo genau weiĂ ich es auch nicht, sie will ja schlieĂlich nicht mit mir darĂŒber redenâ, weinte Luca. Snape konnte nicht anders, und legte einfach den Arm um ihre Schultern. Er merkte, wie sich ihr Körper bei jedem Schluchzer schĂŒttelte, und drĂŒckte sie noch nĂ€her an sich.
âLuca, beruhige dich jetzt erst einmal, und erzĂ€hl mir dann was aus deiner Sicht alles passiert istâ, versuchte er das MĂ€dchen etwas zu beruhigen. Luca hob den Kopf, und schaute ihm tief in die Augen.
âDu wĂŒrdest mir doch sowieso nicht glauben, alle denken immer nur die perfekte Jenna OâCaroll, die aus einem sizilianischen Armenhaus stammende Frau, die es geschafft hat, ein neues, perfektes Leben in Tasmanien zu beginnenâŠâ, wĂ€hrend Luca wild mit den Armen gestikulierte, konnte man in ihren Worten die Abneigung gegenĂŒber Jennas Werdegang deutlich erkennen.
â⊠doch sie haben vergessen eines zu erwĂ€hnenâ, jetzt flammte in Lucas Augen ein Feuer auf, âdie ach so perfekte Jenna OâCaroll hat, noch bevor sie Sizilien verlieĂ, ein weniger perfektes Kind in die Welt gesetzt.â Snape der die ganze Zeit ĂŒber nur ihren Worten gelauscht, und auf ihre wild durch die Luft wandernden Arme geachtet hatte, setzte jetzt vorsichtig zum Sprechen an.
âIch nehme mal an, dieses Kind, warst du? Du sagtest, Jenna kam aus einem Armenhaus, vielleicht dachte sie, du wĂ€rest besser dran, wenn du bei einer reicheren Familie aufwachsen wĂŒrdest⊠.â Offenbar hatte er ins Schwarze getroffen, denn Luca schreckte, wie von der Tarantel gestochen, hoch und hatte plötzlich einen ziemlich verstörten Blick.
âBesser dran, in einer reicheren Familie? Du hast doch wirklich keine AhnungâŠâ, antwortete sie bitter, und schĂŒttelte leicht den Kopf, wĂ€hrend ihr Blick zu Boden fiel und sie mit den Armen ihren Oberkörper umklammerte.
âLuca, bitte! Wovon habe ich keine Ahnung?â, versuchte Snape das MĂ€dchen zum Reden zu bringen. Er stand auf, und trat vor sie, doch ihr Blick war weiterhin zu Boden gerichtet.
Snape kam noch einen Schritt nÀher, und schob eine Hand unter ihr Kinn, um ihren Kopf anzuheben.
âDiese Adoptivfamilie war die pure Hölle, auĂer mir hatten sie noch drei eigene Kinder und vier weitere Adoptierteâ, Luca redete plötzlich alles aus sich heraus.
âIch wurde oft, sehr oft geschlagen und in den Waschraum gesperrt.â
Snape nahm das weinende MĂ€dchen in die Arme, als er sagte:
âDas ist alles wirklich schlimm, was dir in deiner Kindheit passiert ist, aber wieso willst du, dass Jennas und meine Hochzeit den Bach runter geht?â
âAlso, das war soâ, Luca hatte sich offenbar wieder etwas beruhigt, und versuchte jetzt langsam zu sprechen, âals ich mit fĂŒnf Jahren von dieser Familie aus dem Kinderheim, in welches mich Jenna gegeben hatte, geholt wurde, und dort die schlimmste Zeit meines Lebens mitgemacht hatte, schwor ich mir, wenn ich die Möglichkeit dazu habe, mich an meiner Mutter zu rĂ€chen. Mit 16 Jahren bin ich dann abgehauen, und hab mir von meiner ehemaligen Heimleiterin die Adresse meiner leiblichen Mutter besorgt. Als ich dann in Tasmanien ankam, behandelte mich meine Mutter so, als wĂ€re ich schon immer bei ihr gewesen, es war ihr scheinbar völlig egal, was ich in den letzten Jahren durchgemacht hatte.
Das Einzige, wofĂŒr ich ihr dankbar war, und es auch heute noch bin, ist der Unterricht, den ich auf Tasmanien bekam und den ich bei meiner sizilianischen Adoptivfamilie nicht besuchen konnte. Ich lebte also ab diesem Zeitpunkt bei meiner Mutter in ihrer perfekten Welt, konnte aber die traumatischen Erlebnisse aus meiner Kindheit bis heute nicht wirklich verarbeiten. Ich suchte stĂ€ndig nach Jennas Schwachstellen, um sie verletzten zu können, fand aber rein gar nichts, dachte ich jedenfalls...â
Luca hielt inne, und ihren Augen begannen merkwĂŒrdig zu funkeln.
âPlötzlich erfuhr ich, dass sie vor hat zu heiraten, und hörte auch von dem Datum deines Polterabends, wohlgemerkt alles von Ed. Ich reiste also zurĂŒck nach Sizilien, und folgte Ed, diesem Weasley und natĂŒrlich Dir in diese Bar. Als Ed mich an dem Abend sah, dachte ich schon mein Plan geht schief, aber er war anscheinend so froh, mich seit seiner Auswanderung aus Tasmanien wieder zusehen, dass er ganz vergaĂ mich dir vorzustellen.
Als die Beiden dann endlich gegangen waren, nutzte ich meine Chance und kam auf dich zu, ein paar GlĂ€schen spĂ€ter landeten wir auch schon in diesem Hotelzimmer, in dieser billigen Absteige hatte ich mich im Ăbrigen niedergelassen, bevor ich in Jennas Haus, eine Woche spĂ€ter eintraf.â Snape starrte sie immer noch an, offenbar, musst er das Gehörte erst einmal verdauen. Er lieĂ von Luca ab, und setzte sich wieder auf die steinerne Treppe.
âAls ich vorhin in die KĂŒche kam, lag ein Brief von Jenna an mich auf dem Tisch. Sie schrieb, dass sie sich schon so darauf freue, dass ich ihre Trauzeugin werde, und wie lieb sie mich doch hĂ€tte, pah, davon hab ich in den letzten Jahren aber herzlich wenig mitbekommen...â
âHör auf! HALT DEN MUND!â, brĂŒllte Snape sie plötzlich wĂŒtend an. âIch kann es nicht mehr hören! Das ist ja alles furchtbar, was mit dir passiert ist. Du willst dich an Jenna rĂ€chen? Gut, kann ich auch irgendwo verstehen, aber warum ziehst du mich da mit rein? Ich hab dir nichts getan, NICHTS!âŠâ Snape wollte noch etwas hinzufĂŒgen, behielt es allerdings fĂŒr sich, als er sah, dass Luca erneut begann zu weinen.
âAm Anfang war es mir egal, ob du darunter leidest, oder nichtâ, schluchzte Luca, âaber als ich dich nach der Nacht im Bad des Hotelzimmers noch einmal traf, da, daâŠâ, sie verstummte, als sie bemerkte, dass es anfing zu regnen, und schaute hoch in den Himmel. Um nicht nass zu werden, ging sie zu den Stufen auf denen Snape saĂ, da es dort nicht hinregnete. Langsam setzte sie sich neben ihn, und konnte deutlich spĂŒren, wie wĂŒtend er war. Der Regen wurde immer stĂ€rker, und Blitze durchzogen den ozeanblauen Himmel.
âEs tut mir leidâ, flĂŒsterte Luca bedĂ€chtig.
âWas kannst du denn dafĂŒr, dass es in Strömen regnet, und wir nicht zurĂŒck ins Haus können?â, murmelte Snape.
âDu weiĂt genau was ich meineâ, sagte Luca betreten.
âWas war eigentlich da, als du mich im Hotelbad getroffen hast?â, fragte Snape, sich zu Luca wendend.
âDa wurde ich plötzlich von einer Welle der Eifersucht, gegenĂŒber meiner Mutter, ĂŒberrolltâŠâ
Snape starrte sie unglĂ€ubig an. âDu warst eifersĂŒchtig, auf Jenna? Aber warum, du kanntest mich doch so gut wie gar nichtâŠâ
âWas weiĂ ich denn, warum ich eifersĂŒchtig warâ, schrie Luca aufgebracht, und stand auf.
Snape tat es ihr gleich, stellte sich allerdings vor sie hin, auf eine glaubwĂŒrdige Antwort wartend.
âWas willst duâ, maulte Luca ihn an.
âDas sollte ich wohl besser dich fragenâ, meine Snape.
âLECK MICH!â, brĂŒllte Luca, und wollte sich an ihm vorbeidrĂ€ngen. Plötzlich packte er sie von hinten am Arm und drehte sie zu sich um, sodass sie im mitten ins Gesicht schaute.
âDu tust mir wehâ, wimmerte Luca, die Angst davor hatte, was er jetzt, in seiner Wut ĂŒber sie, und nicht ĂŒber das Wetter, tun wĂŒrde. Der Druck um ihren Arm wurde leichter und Snapes GesichtszĂŒge wĂ€rmer.
Luca war so ĂŒberrumpelt, als er plötzlich seinen Mund auf den Ihren drĂŒckte, dass sie beinahe vergaĂ, zu atmen. Dies entging Snape nicht, und er machte einen Schritt zurĂŒck.
âIch denke im Heu wĂ€re es wesentlich weicher, als hier auf der SteintreppeâŠâ, meinte Luca mit einem anzĂŒglichen Grinsen im Gesicht. Snape erwiderte dies, und nahm ihre Hand in die Seine, dann schob er das alte, knarrende Holztor des Stalls auf, und verschwand mit ihr darin.
tbc
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